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Markwald aus Köln(der Herr grüßte militärisch), Signor Marchese Senzasaldo aus Venedig, kennt die Verhältnisse in Monaco ganz genau— ist dabei gewesen, wie zweimal die Bank gesprengt wurde— Soll jetzt sehr oft vorkommen.“(Ob die Bankspren­

gung oder die betreffende Spielart Marchese blieb hingestellt.)

„Mein Freund, der Herr Baron von Carlewitz, Rittergutsbesitzer auf Pankov in Pommern.“= Allgemeine Verneigung.

Herr Arthur Markwald brach zuerst das Schweigen, das Herr Löwenstein durch diese ostentative Vorstellung nebst triumphierendem Blick hervorgebracht hatte:„Haben hier eine Stunde Aufenthalt, Gepäck­revision wegen. Schlage vor, wir nehmen Platz und sehen uns die Damen in der Reisegesellschaft ein bißchen näher an. Habe ganz famose darunter ent­deckt. Kann aar nicht anders sein— sind auf der Grenze von Frankreich und Italien: Hier Eleganz,

da Grazie!".„

„Zu der Reisegesellschaft möchten diese beiden Länder das geringste Kontigent liefern," bemerkte Herr von Carlewitz und schaute erstaunt auf die, in den verschiedensten Sprachen konversierenden bunten Gruppen, die sich in dem großen Büffetsaal zusammen­fanden;„die Riviera ist international geworden,

„Dazu trägt jedenfalls die Anziehungskraft von Monte Carlo nicht wenig bei: haben sich die Herren mit den gehörigen Posten versehen, um dem Spiel­pächter eine ordentliche Schlappe zu versetzen?“

Ich habe so meine eigenen Dispositionen ge­troffen," äußerste Herr Florian, mit gemütlichem, ru­higem Lächeln.„Ich denke, sie werden keinen Schaden bringen und mir selber nützen.“

Ausgezeichnetes Prinzip das, wenn sich's durch­führen läßt,“ meinte pessimistisch lächelnd Herr Löwenstein.(Fortsetzung folgt.)

2450000, M. Ddr Richt honz LI. Brz.oghstung gnch von seinem Schlachtovfer wußte, sedte sich trog.

meter. Die Beleuchtung und die Instandhaltung der Gaseinrichtungen kostet jährlich 3.800,000 M. In dieser Summe sind die Kosten der elektrischen Erleuchtung der Avenue de l’Opera, des Cours au Souvre und des Caroussel, keineswegs aber die der Privathäuser mit einbegriffen.

Es giebt in Paris 600 Omnibusse. 520 Pferde­eisenbahnwagen, 500 Dampfboote, die den Verkehr auf der Seine besorgen, und mehr als 8000 Droschken. Die Sicherheit von Leben und Eigentum einer Schutzwachtmannschaft von 6000 Mitgliedern gewährleistet.

∆ Statistisches aus der Hauptstadt an der Seine.

Vor kurzem hielt zur Eröffnung der Session der„Institution of Civil Engineers“ zu London Sir Joseph Barzalgette, Oberingenieur des Londoner Stadtbauamtes einen hochinteressanten Vortrag, der uns jetzt vorliegt und dem wir nachfolgende stati stischen Daten über die Hauptstadt Frankreichs ent

Paris enthält eine Bevölkerung von 2.240.000 Seelen in 77,000 Häusern auf einem Gesamtareal von 77,7 Quadratkilometern; es kommt also im Durch­schnitt auf 29 Seelen ein Haus und ein Hektar au 300. Die Dichtigkeit der Bevölkerung von Paris ist demgemäß mehr als doppelt so groß wie die von London, und es kommen auf ein Haus in Paris im Mittel mehr als viermal so viel Insassen wie in der Hauptstadt von England. Der eingeschätzte Miet­wert der Häuser von Paris beläust sich mn eapzen am 480.000.000 M. oder nicht ganz ½ des wertes der Häuser von London. Die Gesamtlänge der Straßen beträgt 938 Kilometer, die der Abzugs­kandle 708 und die der Pferdebahnen 118.28 Kilom.

Die Reinigung und Bewässerung der Straßen, Plätze und Anlagen von Paris findet mit ungemein Sorafalt statt. Die Gesamtoberfläche der Pariser Straßen beträgt 10,869.000 Quadratmeter und von ihnen werden jährlich 76.500 Kubikmeter Schlamm, Staub und Unrat entfernt, welche ins­zesamt eineKruste von 6 Millimeter Dicke repräsen­sieren. Im Jahre 1881 beliefen sich die Kosten der Straßenreinigung von Paris auf 5,000.000 M. und die Entfernung des Schnes kostete noch weitere 6404100 M. An Wasser verbraucht Paris täglich 572 500.000 Liter, es kommen also im Mittel 163,5 Liter auf jeden Einwohner. Zwei Drittel des Wasser­vorrats werden von den Flüssen Seine, Marne und Durca, ein Drittel von fernliegenden Quellen und durch artesische Brunnen in der Stadt selbst bezogen, Die Dimensionen der Abzugskanale belaufen sich auf 2 Meter X 0 Meter 91 bis 5 Meter Hl,X4 Meter 40. Die größeren Kanäle bilden thatsachlich eine Art Tunnel, mit einer Kloake in der Mitte und Wasserleitungsröhren oben gelagert. Die Kanali­lation hat über 80,000,000 M. gekostet, und die Reiniaungs= und Unterhaltungskosten belaufen sich jährlich auf über 1,000,000 M. Ein geringer Teil des flüssigen Unrats wird zur Bewässerung der Garten im Weichbilde von Paris benutzt, der größte Teil wird jedoch auf Wagen in Kannen herzgeschaßf, Auf letztere Weise wurden z. B. im Jahre 1879

ca. 450,000 Kubikmeter Unrat aus der Stadt fort­gebracht; die Kosten beliefen sich auf 2 M. 28 Pfa pro Jahr und Einwohner. Unter der Verwaltung der städtischen Behörde von Paris stehen vier Schlachthäuser.— Zur Erleuchtung von Paris dienen 44.000 Gaslampen von je 1 Brenne. Die Straßenbeleuchtung erfordert einen Verbrauch von jährlich 21,8/0.000 Kubitmeter Gas im Werte von

Mannigfaltiges.

Die Telegraphenleitungen und die

Der„Zoologische Garten“ brachte einen bemerkens werten Aufsatz über die Bedeutung der Telegraphen leitungen für die Vögel. Demzufolge erweisen diese sich für die gefiederte Welt als wahrhaft Tod und Verderben bringend. Eine bedeutende Anzahl von Vögeln findet zunächst den Tod durch Gewitter­Elektricität, denn in sehr vielen Fällen wird diese durch die Drähte fortgeleitet und zerschmettert die darauf sitzenden Tiere. Außer Schwalben werden Bachstelzen, Fliegenschnäpper, Wiesenschmätzer, Gold­ammern und Würger von demselben Schicksal heim­gesucht. Die bei weitem meisten verletzen sich durch den Anprall an die Drähte. Es fällt zwar nur ein kleiner Bruchteil davon sofort tot nieder, aber die nur verwundeten sind ja ebenfalls dem sicheren Tode ver­fallen, da sie dem Raubzeuge in Zähne und Klauen geraten oder sogenannte Kümmerer werden, die dem Kampfe ums Dasein nicht gewachsen sind. Unter den Verletzungen sind besonders Zerreißung der Kopf­wandung, Brüche und Verrenkungen der vorderen Extremitäten und Zertrümmerungen des Schnabels beobachtet worden. Eine überraschende Menge von Vogelarten wird genannt, die ihren Tod auf solche Weise finden; vor allem sind es die Rebhühner, welche überall, wo das Eisenbahnnetz engmaschiger wird, in kaum glaublicher Zahl zu grunde gehen. Wenig be­kannt dürfte es auch sein, daß Wilddiebe diesen Um stand häufig benutzen, scheinbar harmlos durch die Felder gehen und so die Ketten der Hühner gegen die Drähte treiben, um die Strandenden dann dort ein­zufangen. Wie furchtbar die Drähte werden können erhellt daraus, daß in einem Frühjahr auf der 4 Kilometer langen Bahnstrecke Rannheim=Kelsterbach bei 14 Drähten über 500 Vögel tot gefunden wurden, indes wird angenommen, daß im allgemeinen die tot gefundenen Vögel höchstens den sechsten Teil der überhaupt hierbei verendenden ausmachen. Genaue Erhebungen über dieses Thema seitens der Bahnver­waltungen würden jedenfalls viel Interessantes zu

Herschnappt. Wirt:„Schrecklich, wie weit der Geschäftsneid meines Nachbarn geht und was der thut, um mir die Kundschaft abspenstig zu machen! — Gast:„Was treibt er denn?"— Wirt:„Um mich zu ruiniren, schenkt er echten Wein aus.

Viel versprechend. Ein angehender Jünger Merkurs beabsichtigt einem angesehenen Geschäftshause eine Dienste anzubieten. Um jedem Verstoße vor­

auch von seinem Schlachtopfer wußte, setzte sich trotz­dem in Positur und fragte;„Nun, wie heißt den Esel auf chinesisch?“„Fa—ling“, lautete die prompte Ant­wort, welcher ein allgemeines Gelächter folgte, denn Faling war der Name des Examinators selbst. Dieser eschwerte sich über die Dreistigkeit des jungen Mannes beim Kriegsminister, erhielt aber den Bescheid, vor­läufig könne in der Angelegenheit pichts da man nicht bestimmt wüßte, ob der ischen Fa—ling oder anders hieße. Als dem König ie Sache vorgetragen wurde, erklärte er den schlag­ertigen Examinanden für„bestanden" infolgedessen

Kluich eioe Prishrnug, Pein, Ladvie Wileimn von Baden kam im vorigen Sommer auf einer Fuß­wanderung durch den Schwarzwald auch nach Sommerau. Obgleich es im Juli war, pfiff doch ein schneidend kalter Wind über die Höhen, so daß der Prinz sich kaum im Zimmer behaglich fühlte. „Wie kommt denn dieser Ort zu dem Namen Sommerau?“ fragte der im strengsten Inkognito reisende Fürstensohn.„Nun, sehen Sie“, antwortete der gemütliche Oberländer,„weil es hier im Winter alt ist und im Sommer au(auch)“. agte lachend zu seinem Begleiter:„Das muß ich

Gesähelich,. Mater:, Wie. Piad, Du Feuht

Deinem Manne, in einem solchen abscheulichen Wetter uszugehen?— Tochter: O, das schadet ihm nichts; er hateine eiserne Natur.— Mutter: Um so schlimmer, bei dem Gewitter.

schreior die Tsserte

seines Briefes also lautet:

„Es zeichnet mit tung, je nach Wichtig ergebener

Gespräch statt: bühnengerecht.

dabei ein.“

Euch" Bauer:„Dann sag ich Euch tausendm für Vergelts Gott!" Der Lehrer, zugleich### antwortet auf die Frage des guten Mannes: mir machts allemal die Hälfte von dem, was Herr Pfarrer erhält.“ Bauer:„Nu dann sag ich Euch fünfhundertmal Veraelts Gott!“

Laß dich nicht verblüssen. In einer größeren Stadt hatte jemand beim Fähnrichsexamen auffallend wenig Glück gehabt und besonders die Fragen eines gefürchteten Examinator: sämtlich unbeantwortet ge lassen. Letzterer fragte am Schlusse kalt lächelnd: „Sie haben jedenfalls noch irgend ein Lieblingsfach, in welchem Sie besser beschlagen sind, vielleicht das Arabische oder Chinesische. Wenn Sie es wünschen, werde ich Sie darin examinieren.„Ich bitte darum. erwiderte der Examinand mit unerschütterlicher Ruhe. Der Professor, welcher faktisch von diesen beiden

Schach.

Schach=Aufgabe Nr. 8.

von Copracz in Chur.

Schwarz.

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Weiß zieht an und setzt mit seinem 2. Zuge Matt. Lösung der Aufgabe Nr. 7.

Weiß. Schwarz.

1. T. h2— c2 Der Läufer muß ziehen.

2. T. c2— 08+ Matt.

Rösselsprung.

Auflösung des Diamant=Rätsels in vorig. Nr. d. Bl.:

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Verantwortlicher Redacteur: C. J. Butz in Hagen.

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Nr. 10.

Hagen, 8. März.

1884.

Unterhaltungs

Gratis-Beilage zur Hagener Zeitung.

Am Muldenstein.

Romantische Erzählung von Joh. Schröder.

Bisweilen spürt der Jäger das Wild und findet es nicht. Bisweilen spürt er nicht und findet es. Bisweilen wird auch der Jäger vom Wilde gespürt!

Fröhlich und friedlich und glücklich saß am Morgen, nach abgehaltener häuslicher Andacht, die Pastorfamilie im Garten unter dem Schatten des großen Lindenbaumes, den Kaffee zu trinken. Leise und stumm drückte die Mutter, neben dem Sohne sitzend, von Zeit zu Zeit seine Hand. Frisch und heiter wie ein Maitag lächelte Lisbeth dem Bruder zu, wenn sie ihm von neuem eingoß und ihm den Kuchenteller darbot mit den Proben ihrer eigen­händigen Kunst. Voll von freundlicher und demütiger Würde suchte des Vaters Auge oft den Blick des heimgekehrten Sohnes.

Ja, es war ein schönes, herzerquickendes Bild, die Gruppe dieser vier liebewarmen Menschen!

Otto konnte die Schwester nicht oft und nicht lange genug anschauen. Er mußte sich erst nach und nach in das Rätsel hineinsehen, daß seine Lisbeth von vordem eine entfaltete jungfräuliche Blüte geworden und fühlte heute mehr als gestern abend, wo im Sturme des Wiedersehens die Empfindungen im ein­zelnen noch nicht ihre gesonderte Sprache gefunden hatten, daß er mit Lisbeth jetzt doch wohl ein wenig anders umgehen müßte als früher. Es lag ein wundersam lieblicher Glanz auf ihrer zarten, schlanken Erscheinung; eine süße Milde sprach aus den weichen, schönen Zügen ihres Angesichts, welches schon durch das tiefe Blau ihres großen Auges und durch das belle Blond ihres üppigen Haares jenen geheimnis­vollen sanften Eindruck machte, vor welchem sich starke, willenskräftige Männernaturen so gern beugen. Otto konnte es heute sehr wohl begreifen, daß sein Schwesterchen ohne Spruch, Stab und Wünschelrute Zauberei treiben konnte.

Otto war der Schwester offenbar sehr ähnlich. Eben sprach es auch die Mutter aus, deren Auge freudeglänzend von einem Kinde zum andern über­glitt. Doch waren seine Züge markig und gaben Zeugnis von jugendlichem Mut und männlicher Thatkraft; seine Stirn war im Verhältnis mehr gewölbt und breiter, die Nase etwas mehr gebogen, das Haar lockiger und dunkler. Seine Mundwinkel wurden von einem kräftigen Schnurrbart beschattet.

„Machen wir heute schon unsern Besuch mit Otto bei Woldaus oder bei Falkers?“ plauderte fragend Lisbeth, mit dem Blicke den Vater suchend.

„Ach, laßt uns nur heute noch für uns allein bleiben,“ mahnte die Mutter, abermals Ottos Hand erfassend und sie zärtlich drückend.

„Unsere Freunde laufen uns ja nicht davon, ergänzte der Vater,„Otto muß doch erst unser allernächstes Daheim kennen lernen. Noch kennt er nicht einmal das ganze Haus, geschweige denn die Stallungen und was darin lebt. Draußen den Acker und die Lage der Gehöfte muß er doch auch ansehen.“

„Ja wohl, ja wohl, so soll es sein, so soll es sein!“ jodelte der Doktor recitativ die Frage zum Abschluß.

Nachdem man noch ein Stündchen beisammen gesessen, erhob sich die Frau des Hauses, um mit der Tochter drinnen zu schalten. Da verließen denn auch Vater und Sohn den Lindenplatz.„Ich will dir nun,“ sagte der erstere,„meinen Viehstand zeigen, auch die Reitstute, von der dir Christian erzählt hat. Das Pferd wird dir gefallen; und hast du Neigung, so könntest du vielleicht noch vormittags selbstständig einen kleinen Orientierungsritt machen, während ich einige Kranke im Orte besuche und sonst noch amtlich Dinge erledige. Nachmittags führe ich dich dann au das Feld und zeige dir dort die Früchte.“

Mit vieler Freude ging Otto auf den Vorschlag ein. Die Vorliebe für Pferde schien sich vom Vater auf den Sohn vererbt zu haben; während bei der Musterung die Kühe nur flüchtig begrüßt wurden

blieben die beiden Männer noch lange bei dem Rappen stehen, lobten an ihm die zarte Fesselung, den kleinen Kopf und die kräftige Muskelung der Beine. Das Pferd war nicht groß, doch gedrungen und schien hinreichend fähig, einen Mann von etwa anderthalb Zentner tragen zu können, ein Gewicht, welches weder der Pastor noch sein Sohn erreichten.

„Christian hat recht,“ sagte der geistliche der bereits hoch in den Fünfzigern stand,„ich

konnte das Reiten nicht entbehren. Die Gewohnheit übte auch hier bei mir eine große Gewalt; und da mir denn das hübsche Tier neulich in den Wurf kam, kaufte ich es. Uebrigens“— setzte er hinzu —„haben sich auch hier die Leute bald daran ge­wöhnt, ihren Pastor reiten zu sehen. Es kommt nur darauf an, daß der Pastor auch auf dem Pferde wie ein Pastor aussieht und nicht agiert wie ein Stallmeister,"

Der Doktor nickte beifällig, indem er das Sattel zeug und die Kandare musterte.„Ja," bedeutete hn der Vater,„du mußt dir das Satteln heut selbst besorgen; Christian ist mit dem Hannes, dem andern Knecht, auf der Kleemaht.“— Hiermit schritt ein jeder der beiden Männer zu seinem Vorhaben.

Pastor Karden gehörte zu den praktischen Na turen unter seinen Berufsgenossen, welche bei aller Geistlichkeit ihrer Individualität doch den Konnex mit den greifbaren Existenzen und den äußeren Lebens­bedingungen nicht verlieren. Nicht so, als stände das äußere Schaffen neben der eigentlichen pastoralen

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Ackerbau, um in seiner Landgemeinde reichere Be ziehungen zu dem Seelenleben seiner Pfarrkinder zu finden, so viel Sorge ihm auch bisweilen schon das Feld verursacht hatte, da er nicht einem Bauer gleich selbst Hand ans Werk legen, auch nicht längere Stunden des Tages dem Werke beiwohnen konnte, um das Amt nicht zu vernachlässigen. Seit der erprobte Christian mehr oder minder am Inspektionsruder saß, hatte diese Sorge sich bedeutend vermindert.

III.

Hurtig trabte das Pferdchen die Dorfstraße hin auf und dem Walde zu und trug Otto Karden an den Ort, an welchem sein Leben sich mit einem ver­hängnisvollen Ereignis verweben sollte.——

Die breite Waldstraße, von vielen Gestellen rechts und links durchschnitten, führte eine weite Strecke in ziemlich gerader Richtung vorwärts. Otto gab dem Pferde die Schenkel, und munter flog es im ge­streckten Galopp wie seiner Bürde froh fast eine halbe Meile weit den oberen Weg entlang. Otto ließ ihm die Zügel, um sich, wie er sich im stillen ausdrückte, durch den Ritt einmal ordentlich durcharbeiten zu lassen. Dann machte die Fahrstraße im stumpfen Winkel eine Wendung direkt nach Osten, während hisher die südöstliche Richtung innegehalten war. Nun setzte er das Tier in Schritt. Er war selbst warm geworden; der Weg bot jetzt an der rechten Seite Schatten, und im ruhigen Tempo kühlte er sich

Ihm fiel wieder des Kutschers Aeußerung über seine Schwester Elisabeth ein. Seit heute früh war ihm der Mut entfallen, sie direkt nach ihrem etwaigen Herzensgeheimnis weiter zu fragen. So sehr es ihm im großen und ganzen schien, als müsse doch der Schwester das volle Vertrauen zu ihm mangeln, wenn sie sich nicht entschließen könne, aus freien Stücken ihm einen Blick in ihr inwendiges Heiligtum zu gewähren, so wollte er doch auf der andern Seite auch desjenigen Vertrauens sich wert zeigen, mit welchem sie ihm in der stillen Voraussetzung des Versprechens seinerseits, ferner nicht in sie dringen zu wollen, die Affaire„Reißhaus“ kundgegeben hatte.

Sollte er Christian ein wenig weiter aushorchen, was ihm mit seiner eigentümlichen Redewendung im Sinne gelegen habe?— Es hatte ihn dieselbe von vornherein unat genehm berührt. Er hatte gefühlt, daß hier die Grenzen der Schicklichkeit wären, über

welche hinaus man auch mit dem treusten Bedien teten nicht kordial unterhandelt. So beschloß er denn, die Aufklärung der Zeit und den Verhältnissen zu überlassen. Konnte denn nicht auch Christians Rede überhaupt auf Irrtum beruhen?

Die Aufklärung sollte ihm auch kommen, nur ehr, sehr viel später, und sehr unvermutet.

Plötzlich weckte ihn aus seinen Grübeleien eine Lichtung, welche den bisher geschlossenen Waldpfad auf der linken Seite unterbrach. Wie gebannt von der überraschenden Schönheit des Anblicks griff er in die Zügeb und brachte das Pferd zum Stillstand. Eine solche Herrlichkeit mitten in der Umgebung des märkischen Kiefernwaldes hatte er nicht für möglich gehalten! Er saß ab, band das Roß an den Stamm einer jungen Birke, welche rechts am Wege stand, und trat links in die Lichtung hinaus, um die Pracht der Landschaft in der ganzen Fülle ihres Zaubers zu genießen.

Da hatte er eine lang hingebettete, grüne Matte vor sich, duflend von den verschiedensten Wiesenblumen in dem Reichtum ihrer hundertfachen Farben und Schattierungen. Mitten in der weiten grünen Senkung ein großes, klares Wasserbecken. Jenseits des Sees im Osten ein wunderlieblich gruppierter Baumschlag von Eichen, Föhren, Edeltannen, Ahorn, Birken und mancherlei anderem Gehölz, welches hügelansteigend ich zu dem violetten Saum des Fichtenwaldes hin am Horizonte verlor. Umgeben wie von einem Rahmen, von der Abwechselung solcher Baumgruppen ein zier­liches, schloßartiges Gebäude, hellblinkend im Sonnen­schein, sich spiegelnd auf der Wasserfläche, überragend kleinere, saudere Nebengebäude. Rechts im weiten Bogen dem Schlößchen sich zuwendend der Weg, auf welchem er hierher gelangt war, von Erlen und Birken besetzt, entlang dem stufenartig ansteigenden Waldesrand. Links von der Wiese in weiter Ferne die helle Kiefernschonung, einen größeren Hügel be­setzend, von welchem eine freundliche Ortschaft mit einem lichten Kirchturme neugierig herniederschaute. Ganz im Vordergrunde hochgewachsenes, weiches Moos unter dunklen Tannen, die sich bis an den Weg heranzogen. Und hier am Wege wie eine Schildwache vor dem Tannenpalaste ein großer etwa acht Fuß aus der Erde ragender Granitblock mit durchbrochenem Haupte, bedeckt mit Flechten und weißlichen oder bräunlichen Mooshügelchen, eine Sturmmauer für die wilden Rosen und anderes ranken­des Gestrüpp, welches zu ihm emporkletterte,— der Muldenstein.

Seinen Namen hatte der Stein von dem Wasser­becken, dem Mulden, welches mitten im Wiesenteppich lag. Und daß ihm überhaupt die Würdigung einer besonderen Benennung geschehen, lag einerseits an dem erratischen Charakter seiner Existenz, anderseits an seiner Isoliertheit und Größe, da in dieser Ge­gend weit und breit kein ähnlicher Stein sich vorfand.

Lange Minuten trank Otto unter dem Schatten einer mächtigen Tanne stehend die Labung der pracht­vollen Aussicht; dann sah er sich nach dem Pferde um; es stand ruhig seines Reiters harrend an der Birke. Der Zeiger der Uhr zeigte erst wenig über die zehnte Stunde hinaus.„So kann ich noch ein wenig hier bleiben,“ dachte Otto und warf sich in das weiche Moos nahe beim Muldenstein. Leise wie fernes Meeresrauschen ließ der Süd seine Flüster­geister durch die Nidelwipfel der tausend und aber­tausend Kiefern streichen und streute die heimlichen Saatkörner zu den Bildern in Ottos Seele, welche im wachenden Traumleben ihr Spiel treiben.

„Guten Morgen, Herr Pastor!“ rief unweit laut und vernehmlich eine tiefe Baßstimme.

Aufgeschreckt wandte sich Otto der Person des Sprechenden zu, welcher erwa zeon Schritte weit hinter ihm stand und nun auf ihn zukam.

„Diesmal nicht der Pastor, sondern nur sein Sohn, Doktor Karden,“ stellte sich Otto dem her­anschreitenden Förster vor.„Sie haben wohl von dem Reitpferde auf den Reiter selbst geschlossen, Here Förster?“