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mit„Illustr'
Nr. 156.
Mittwoch, den 10. Juli
1901.
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Tages=Ereignisse. Deutschland.+ Berlin, 10. Juli. Der außerordentliche Botschafter des Sultans von Marokko hat am
Sonntag in der Audienz beim Kaiser eine Ansprache gehalten, deren Wortlaut jetzt in der Nordd. Allg. Ztg. bekannt gegeben wird. Dieselbe ist etwas überschwenglich und lautet: „Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät nahe ich mich in tiefster Ehrfurcht und größter Verehrung, um Kunde zu geben, daß mein hoher Herrscher, der durch Gott siegreiche Fürst der Gläubigen— möge Gott seinen Ruhm und seine Größe andauern lassen— mich entsendet hat, um vor Euerer Erlauchten Majestät zu erscheinen und der Versicherung der Gefühle reiner Freundschaft und aufrichtiger Zuneigung, die mein erhabener Gebieter für Euere Majestät Person, sowie die Männer der mächtigen Regierung hegt, beredten Ausdruck zu geben. Es wird das stete Bemühen meines hohen Herrschers sein, jene Zuneigung noch inniger zu gestalten und die Bande der festgegründeten Freundschaft zwischen den hohen Regierungen des deutschen Reiches und Marokkos noch fester zu schließen, indem er von der zuversichtlichen Hoffnung erfüllt ist, daß diese tiefwurzelnde aufrichtige Freundschaft Ihm jederzeit zur Seite stehen möge bei der weiteren Entwicklung seines Ihm von dem Allerhöchsten anvertrauten Reiches und bei der Schaffung guter Einrichtungen, die dem Wohlergehen und Aufblühen des Reiches ersprießlich sein können durch die Hilfe des Allmächtigen. So giebt sich Se. Majestät denn der Hoffnung hin, daß mein jetziger Besuch bei Euerer Erhabenen Majestät von dem ersehnten und beabsichtigten Erfolge begleitet sein wird und daß ich bei meinem Scheiden von Euerer Majestät mit glückverheißender Wegzehrung meine Rückreise antreten darf. Mein hoher Herrscher übersendet Euerer M# estat endlich seine aufrichtigen Wünsche für die Fortdauer der Größe und Macht Euerer Majestät, sowie für dero vollstes und dauerndes Wohlergehen, auf daß Eure Majestät Sich stets des Genusses dessen erfreuen mögen, was Gott in seiner Allerhöchsten Fürsorge und Vorsehung Euerer Majestät zuteil werden
läßt.“ Der Kaiser erwiderte darazf:„Es gereicht Mir zur Freude, Sie als außerordentlichen Betschafter Sr. Sheriffischen
Majestät zu begrüßen. Gern erblicke Ich in Ihrer Entsendung einen neuen und dankenswerten Beweis der freundschaftlichen Gesinnungen, welche Ihr erlauchter Herrscher, dem ich Meinen Kaiserlichen Gruß durch Sie entbiete, Mir und dem deutschen Reich entgegenbringt. Diese Gesinnungen werden von mir aufrichtig erwidert, und ich hoffe, daß die Wahl einer so hervorragenden Persönlichkeit wie Sie als Abgesandten besonders dazu beitragen wird, die guten Beziehungen, welche seit langem zwischen Deutschland und Marokko bestehen, zu befestigen und zu entwickeln.“
+ Zum Gumbinner Mordprozeß. Wir haben neulich ausgeführt, daß die vom Gerichtsherrn v. Alten verfügte Entziehung der Verteidigung für die bisherigen Verteidiger in der Oeffentlichkeit einen peinlichen Eindruck hervorrufen müsse und daß die Maßnahme geeignet sei, Mißtrauen gegen die Militärgerichte hervorzurufen. Wie die Nat. Ztg. jetzt mitteilt, sind die bisherigen Verteidiger erfreulicher Weise wieder ernannt worden. Man wird wohl nicht fehlgehen in der Annahme, daß hier eine höhere Stelle eingegriffen hat, die sich die böse Wirkung jener Maßnahme in der Oeffentlichkeit nicht verhehlte.
□ Die Leiche des in China ermorderen deutschen Gesandten Frhrn. v. Ketteler wird, neueren Mitteilungen zufolge, voraussichtlich am 18. d. M. mit dem Hamburger Viermastdampfer„Palatia“ im Hamburger Hafen eintreffen. Beim Landen der Leiche findet auf Befehl des Kaisers eine militärische Trauerfeier statt, nach deren Beendigung die Leiche nach Münster i.., der Heimat des Verstorbenen, übergeführt wird, um, einem Wunsche der hinterbliebenen Witwe gemäß, auf dem dortigen Centralfriedhofe beigesetzt zu werden. Der genannte Dampfer bringt, wie wir bereits meldeten, auch das 3. Ostasiatische Infanterie=Regiment, sowie 300 Leichtverwundete nach Deutschland zurück.
— Die Bedeutung des Krachs in Leipzig schildert ein Mitarbeiter der„Rh.=Westf. Ztg.“ in Leipzig in einem längeren Bericht, dem wir folgende Schlußstellen entnehmen:
Wenn wir einen Blick auf die Kreise der Bevölkerung werfen, die vorzugweise von dem Bankbruche betroffen worden sind, so stoßen wir hauptsächlich auf zwei Kategorien: zur ersten gehören die alten Leipziger Patrizierfamilien, denen es als selbstverständlich galt, nur mit der Leipziger Bank als der vornehmsten und bestfundierten zu arbeiten. Die andere Kategorie wird von staatlichen und Stiftungskassen gebildet. Bei den Stiftungen und im öffentlichen Interesse arbeitenden Vereinen galt es von jeher als berechtigte Vorsichtsmaßregel, bare Gelder, die für den Augenblick nicht gebraucht wurden, bei der Leipziger Bank zu hinterlegen. Daher beklagt jetzt
der Centralvorstand des Gustav=Adolf=Vereins den Verlust von 182000 und die evangelisch=lutherische Missionsgesellschaft Leipzig den von sast 68000 Mark baren Geldes. Stiftungen unter Verwaltung des Rates hielten Anlagen in Aktien der Leipziger Bank für absolut sicher, und jetzt verliert eine solche Stiftung 520000, eine andere 47000, eine dritte 45000 Mark, und die beiden Pensionsfonds des Stadttheaters büßten 25000 und 22000 Mark ein. Erheblich größer sind die Summen, um die es sich bei staatlichen Kassen handelt. Neben der Regierung von Sachsen=Weimar, die einen Verlust von annähernd zwei Millionen verzeichnet, erscheint die königlich= sächsische Lotterie=Darlehnskasse mit Forderungen in Höhe von elf Millionen Mark. Was für schwere Schläge die beiden Konkurse in Leipzig und Kassel für den Leipziger und sächsischen Markt noch weiter
im Gefolge haben werden, das läßt sich noch nicht entfernt überschauen. Man ist hier auf alles gefaßt. Wichtig ist aber, daß bei der Beurteilung des gesamten Unglücks ein Umstand nicht aus dem Auge gelassen werde. Verursacht ist die Katastrophe nicht etwa durch unlauteres Geschäftsgebahren, das dem ganzen Leipziger Handelsstande zur Last fällt, sondern nur durch die unverantworliche Handlungsweise der Direktoren beider jetzt in Konkurs befindlichen Institute. Man gelangt hier immer mehr zu der Ueberzeugung, daß auch das Verschulden der Mitglieder des Aufsichtsrates der Leipziger Bank bei weitem nicht so groß ist, wie es zuerst zu sein schien; in der Hauptsache sind sie selbst die Betrogenen. Am schlimmsten trifft sie der Vorwurf zu großer Vertrauensseligkeit; dafür sind sie selbst aber auch materiell am härtesten betroffen; wird doch kaum einer von ihnen einen nennenswerten Bruchteil seines Vermögens aus dem Schiffbruche retten. Im übrigen darf man die feste Zuversicht hegen, daß die
Energie und die in ihrem innersten Kern unberührt gebliebene Solidität des Leipziger Handelsstandes diesen harten Schlag in nicht ferner Zeit überwinden und daß der weltbekannte gute Ruf der Handelsstadt Leipzig von dem tief beklagenswerten Ereignis auf die Dauer unberührt bleiben werde.
— Aus der Wirksamkeit des Fürsten Hohenlohe als bayrischer Ministerpräsident teilen die„Münch. Neuest. Nachr.“ noch den Wortlaut der Erwiderung mit, durch welche Fürst Hohenlohe den König Ludwig II. veranlaßte, der in Salzburg von Napoleon III. mit dem Kaiser Franz Josef verabredeten Zusammenkunft nicht beizuwohnen, obwohl der französische und österreichische Gesandte in München alle Minen springen ließen, um den König dazu zu bringen. Fürst Hohenlohe hob hervor, daß er die Leitung der Geschäfte übernommen habe, um nach dem schweren
e? Getrennte Herzen.
(50. Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
„Herbert Uchtenhagen. Es dürfte Ihnen wohl noch er
innerlich sein—.— um Himmelswillen, gnädige Frau, das
neune ich Malheur! Die dunkle Flut auf dem hellen Kleide!" unterbrach er sich, aufspringend, während Edith dem Gatten, ihr durch eine jähe, ungeschickte Bewegung die gefüllte Tasse gerade auf den Schoß geworfen hatte, einen zornigen Blick zuschleuderte. Martha kniete schon vor der Schwester und war bemüht, den Schaden nach Möglichkeit gut zu machen.
„Ich will— ja, ja— verzeihe!— Du kannst natürlich — es ist wohl am besten— ich schicke Dir Hanna,“ stotterte er und wollte forteilen.
„Bleibe doch hier! Hanna schicken?— Das hat ja gar keinen Zweck. Was soll sie denn? Ich muß natürlich gehen und meine Toilitte wechseln,“ rief die schöne Frau ärgerlich.
„Ich begleite Dich.“
„Wozu denn?“
„Um den Diener in den Keller zu schicken. Er soll einige Flaschen Wein heraufholen und—“
„Nun, das kann ich ihm ja sagen, da ich doch ins Haus muß.“
Lauterbach würde trotzdem aus dem Kiosk gestürzt sein, hätte ihm Edith im Vorübergehen nicht leise ins Ohr gezischt:„Bleibe doch! Du machst Dich ja geradezu lächerlich.“ Er nahm seinen Platz wieder ein.
„Ein so unbedeutender Vorfall ist ja nicht der Rede wert.„Bitte fahren Sie fort, Herr Dreßler," sagte die Blinde.„Der junge Mann ist also jetzt in Augsburg? Wird er hier bleiben?“
„Nein, aber vermutlich öfter herkommen, da ich ihn in dem genauten Geschäftshäuse einführte. Ein prächtiger intelligenter, liebenswürdiger Mensch! Gefällt mir ausgezeichnet. Ich gönne dem alten Herrn, der auch genug Mißgeschick im Leben gehabt ha', diesen Sohn.“
Umständlich erzählte nun der Fabrikant von Herberts Plänen und sprach sich dabei recht in Eifer.
Paul lehnte nicht mehr in dem Stuhl, sondern saß vorübergebeugt, die Arme au fden Tisch gestützt und mechanisch die kleine Serviette zerdrückend und zerkniternd. Weder Dreßler noch Martha achteten auf die fahle Blässe seines Gesichtes und auf das krampfhafte Beben seiner Nasenflügel.
„Ja, die Firma ist hoch angesehen,“ stimmte Lauterbach dem Gaste bei,„aber der alte Uchtenhagen soll namentlich in letzter Zeit eine unsympatische Persönlichkeit geworden sein. Man nennt ihn hart, abstoßend und im höchsten Grade mißtrauisch. Früher war das anders."
„Das mag wohl sein. Ich kannte iyn, wie Sie wissen, damals nicht, und stehe überhaupt erst seit acht Tagen mit ihm in Geschäftsverbindung," erwiderte der Fabrikant.„Wer soll es ihm aber verargen wenn er geneigt ist, böses statt gutes zu glauben? Wurde er doch auch schändlich hintergangen. Ich erinnere Sie nur an diesen nichtswürdigen Edmund Steiner, der ihn seiner Zeit so frech bestahl. Es mögen nun wohl zwölf oder dreizehn Jahre her sein. Die Sache machte ja ungeheures Aufsehen. Mir thut es leid, daß der Verbrecher der irdischen Gerechtigkeit ent
sangen ist“..... Jingen Teil
„Seltsam, daß man nur einen so ganz gerlngen Teil des Geldes bei ihm fand,“ sagte die Blinde nachdenklich.
„Wer weiß, wo und bei welchem Komplizen er das Uebrige in Sicherheit brachte,“ entgegnete Dreßler achselzuckend. „Doch nun ist es hohe Zeit, mich zu verabschieden. Ich möchte heute noch nach München zurück. Bitte mich der gnädigen Frau bestens zu empfehlen."
„Leben Sie wohl und wenn Ihr Weg Sie wieder nach Angsburg führt, so vergessen Sie unserer nicht," bat die
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Lauterbach geleitete den Schewenben ourch den Er war sehr schweigsam und der Fabrikant, welcher ihn öfters von der Seite betrachtete, dachte, wie verfallen doch das Gesicht des im besten Alter stehenden Mannes aussehe.
Plötzlich fragte Paul mit eigentümlich polterndem Ton:
„Bis wann glauben Sie denn, daß Herbert Uchtenhagen wieder in diese Stadt zurückkommen dürfte?“
„Das hängt von gar vielerlei ab. Vielleicht in einem halben Jahe, vielleicht viel später, oder unter Umständen sogar auch schon bald. Ich hätte ihn, wie eben gesagt, auch
gerne mitgebracht, aber er lehnte ab.
war wenigstens taktvoll gehandelt. Ich bedaure, die Bitte an Sie richten zu müssen, ihn niemals wieder zu einem Besuch unseres Hauses zu animiren.“
„Weshalb?“ fragte der Fabrikant erstannt.
„Es ist peinlich zu sagen, aber um Unannehmlichkeiten vorzubeugen, muß ich Sie ins Vertrauen ziehen. Der junge Mann handelte nicht sehr ehrenvoll gegen die Schwester meiner Frau und zwar zu einer Zeit, wo sie sich im Kreise Ihrer Familie aufhielt und mithin unter Ihrem Schutze stand.
„Wie?— Davon ahnte ich ja nicht das Geringste. Allerdings kamen mir die beiden heute etwas fremd und befangen vor. Sie begrüßten sich merkwürdig kühl. was ist denn eigentlich vorgefallen?“
„Bitte erlassen Sie mir eine nähere Erklärung und haben Sie nur die Güte, meinen Wunsch zu berücksichtigen?
„Natürlich! Da bätte ich aber eher alles andere geglaubt. Es thut mir leid, aufrichtig leid.“
Dreßler empfahl sich kopfschüttelnd. Paul kehrte auf dem einsamsten Wege in das Haus zurück, zuweilen stehen bleibend und die geballten Hände an die Stirn pressend, als wüte dort eine furchtbare Qual.
16. Kapilel.
Seit Dreßlers Besuch schien sich eine auffallende Unruhe Lauterbachs bemächtigt zu haben. Es war als könne er die bisherige Unthätigkeit nicht mehr ertragen. Man sah ihn sogar oft zu später Stunde das Haus verlassen, und es geschah nicht selten, daß er erst tief in der Nacht zurückkehrte, um dann noch lange, den Kopf in die Hände gestützt, am Tisch zu sützen und in das gefüllte Weinglas zu starren, oder rastlos im Zimmer umherzuwandern und durch den