jetzt erleben, daß aus sog. Ersparnisrücksichten ganz junge Lehrer berufen würden, während erprobte ältere Lehrer keine Anstellung finden könnten. So sei es auch für die hier geübte Parität recht bezeichnend, daß man bei der Besetzung der Stelle eines besoldeten Stadtraths diese Stelle in keiner katholischen Zeitung ausgeschrieben habe, als wollte man den Katholiken sagen: ihr habt gar kein Recht auf solche Stellen. Herr Löchtermann brachte hierauf die von dem Komitee entworfene Resolution zur Verlesung, dieselbe fand einstimmige Annahme. Herr Zimmermeister Noite gab zu bedenken, daß, wenn dem Gymnasium der paritätische Charakter genommen würde, die katho­lischen Väter ihre Söhne auswärtigen Anstalten an­vertrauen würden. Dann aber hätten jedenfalls die Katholiken an den großen Unterhaltungskosten der hiesigen Anstalten zu tragen, ohne daß sie Gebrauch von den Schulen machen könnten. Die Stadt zahle schon jetzt 56 000 Mk. jährlich für das Gymnasium, was für jeden der370 Schüler jährlich rund 154Mk. ausmache. Herr Pfarrer Schilp bemerkte noch, er habe im „Märkischen Sprecher“ gelesen, es sei nicht recht klar, zum Schutze welcher Rechte die bischöfliche Behörde in der Statutangelegenheit angerufen werden solle. Es sei dies für jeden Katholiken wohl klar, da jede Sache, welche die religiösen Verhältnisse der Katho­liken berühre, der bischöflichen Behörde unterbreitet werde. Und als einen Eingriff in die religiösen Rechte müsse man das neue Statut unserer höheren Schulen ansehen. Nachdem Herr Pfarrer Schilp noch empfohlen hatte, die Protesteingabe außer dem Herrn Oberpräsidenten und dem Provinzialschulkollegium auch dem Herrn Bischof und event. auch dem Herrn Mi­nister zu unterbreiten, wurde die Versammlung mit der Mittheilung geschlossen, daß die im Sinne der heutigen Resolution gehaltene Petition in diesen Tagen behufs Unterzeichnung zirkuliren solle.

Aus Stadt und Land.

* Bochum, 14. November.

*<space> S e i n e<space> E x c e l l e n z<space> d e r<space> H e r r<space> O b e r l a n d e s g e r i c h t s.<space> Präsident Falk traf gestern zur Revision des hiesigen Land­gerichts hier ein und nahm im Hotel Neubauer(R C. Troll) Wohnung.

** Ueber die große Erbschaft, welche ein Arbeiter des Bochumer Vereins in Amerika gemacht haben sollte, berichten auch auswärtige Blätter, z. B. die„Rheinisch=West­fälische Zeitung" und die„Dortmunder Zeitung". In dem erstgenannten Blatte ist noch zu lesen:„Die dem glücklichen Erben noch zustehenden amerikanischen Liegenschaften sollen über zwei Millionen Dollars betragen. Der schlichte Ar­beiter ist nach Empfang des Geldbetrages am anderen Morgen wieder pünktlich zur Arbeit angetreten. Wie man hört, steht es in der Absicht, dem so braven Arbeitsmanne eine Aufseherstelle zukommen zu lassen, da er nicht gerne seiner Beschäftigung entsagen will.“ Gewiß, alles dies und noch mehr ist in Bezug auf diese neueste amerikanische Erb­schaftsgeschichte in diesen Tagen hier mit größter Bestimmt­heit erzählt worden. Von gut unterrichteter Seite werden wir jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß Frau Fama die Sache stark aufgebauscht habe. Nicht 40000 Dollars, sondern etwas über 1200 Mark sind zur Auszahlung ge­kommen, und die weiteren Ausschmückungen, die dieser Erb­schaftsfall seitens phantasiebegabter Mitbürger und Re­porter erfahren hat, sind ganz zu streichen: zur Steuer der Wahrheit und vielleicht auch, um den„glücklichen Erben“ vor Belästigungen zu sichern.

** Vortragsabend im Kaufmännischen Verein.

Auf den heute, Dienstag. Abend im Stadttheater stattfin­denden Vortrag des Herrn Professors Dr. van der Borght weisen wir nochmals hin. Wenn auch das Thema „Geld und Credit“ für unsere kaufmännischen Kreise von besonderem Interesse sein dürfte, so wird der Vortrag doch so gehalten sein, daß wir auch den dem Kaufmanns­stande nicht Angehörigen, namentlich auch der Damenwelt, empfehlen können, demselben beizuwohnen. Zur Orientirung bemerken wir, daß der Redner einleitend die Bedeutung und Entwickelung des Geldes, wie des Credites kurz darlegen, dann den Zusammenhang zwischen Geld und Credit näher ins Auge fassen und weiterhin die Stellung des Staates zum Geld= und Creditwesen besprechen wird. Hierbei werden volkswirthschaftliche Fragen, welche sich gegenwärtig im Vordergrunde des Interesses befinden, wie die Währungsfrage, Silberent­werthung(nach Ursache und Wirkung), Bimetallis­mus, welch letzterem der Redner, beiläufig erwähnt, in der Theorie sehr freundlich, praktisch jedoch einigermaßen skeptisch gegenübersteht, Bank=Diskont 2c. zur Erör­terung kommen. Es unterliegt keinem Zweisel, daß Herr Professor van der Borght, dessen frische, lebendige Rede­weise den Besuchern seines vorjährigen Vortruges wohl noch in bester Erinnerung ist, auch sein diesmaliges Thema an­regend und lehrreich gestalten wird. Dabei dürfen wir noch darauf hinweisen, daß der Redner, welcher als volkswirth­schaftlicher Schriftsteller unter seinen Fachgenossen hohes Ansehen genießt, aus seinen früheren Stellungen als Syn­dicus der Handelskammern zu Köln und Aachen her mit den wirthschaftlichen Verhältnissen des Westens genau vertraut ist und daher die mannigfachen Fragen, die in dem Thema„Geld und Credit“ zusammen­gefaßt sind, wesentlich vom Standpunkte des prak­tischen Lebens aus würdigen wird.

Stadttheater. Die Vorstellung am vorigen Freitag, welche uns eine Aufführung des Volksstückes „Onkel Bräsig" nach dem Roman„Ut mine Stromtid“ von Fritz Reuter mit August Junkermann in der Titelrolle brachte, war ein Glanzpunkt der Theatersaison. Der große Saal des Stadttheaters war bis auf den letzten Platz gefüllt und mancher Spätangekommene mußte mit einem bescheidenen Stehplatz vorlieb nehmen. Die Titelrolle, Inspestor Zacharias Bräsig, wurde, wie schon erwähnt, von August Junkermann, der auf seiner Jubiläums=Tourné als Gast hier weilte, gespielt. Und wie gespielt: Die hohen Erwar­tungen, die man allerseits ihm entgegenbrachte, hat er voll­ständig erfüllt: er hat seine schwere Aufgabe in bewunderns­werther Weise gelöst. Spiel und Dialekt waren in gleicher Weise originell. Er verkörperte den Mann des Volkes, der im Vollgefühle seiner Kraft und seiner Erfahrungen auf die verschiedensten Verhältnisse in lauterster Absicht bestim­mend einzuwirken sucht. Urwüchsige Derbheit und rührende Theilnahme gegenüber den Unglücklichen sind die Grund­züge in Bräsigs Wesen. Herr Junkermann hat sich hier die Herzen aller seiner Zuhörer erworben. Die Beifalls­Köizeziche als ge sich von Akt zu Akt und endeten mit sauten Has..F hang zum letten Male niederging, Hochrufen auf den berühmten Künstler. Diesem irlich die übrigen Mitwirkenden einen schweren Stand. Aber alle waren wacker auf ihrem Platz und ersichtlich bestrebt, eine möglichst abgerundete Leistung herauszubringen. Herr Walden stellte den Juden Moses dar, der seine Schätze zur Linderung der Noth und des Elends bereit hält und in Ehren ergraut ist. Für sein sehr ansprechendes Spiel elntete der Künstler lebhaften Applaus. Herr Hinrichs legte in der Partie des Karl Habermann ein ganz hervorragendes Können an den Tag. Spiel und Sprache waren edel und schön. Die Herren Boose als Gutsbesitzer Axel von Rambow, Hilden als Fritz Triddelfitz, Thomas als Franz von Rambow, Schweitzer als Jochen Nüßler, Henske und Berger als Kandidaten der Theologie wurden ihrer Aufgabe gleichfalls in anerkennenswerther Weise gerecht. Der Geizhalz Pomuchelskopp, Gutsbesitzer auf Gürlitz, wurde von Herrn Löwe in charalteristischen Zügen dargestellt. Die Damen­rollen sind in dem Stücke weniger bedeutend, doch waren auch diese durchweg aufs Beste vertreten. Frl. Werner spielte die Rolle der Baronin Rambow mit viel Geschick Frau Walden gab als Schwester des Habermann eine vortreffuche Hausfrau ab. Das Zwillingspärchen Lining Bisel verdändnignesig den Damen Frl. Bedwia und Frl.

Roter verstanomsvoue Darstellerinnen. Auch für diesen Schauspielabend dürfen wir der Direktion unsern Dank

aussprechen.— Am Sonntag gelangte die Oper„Die weiße Dame“ von Boieldieu zur Aufführung. Die Besetzung der Rollen war eine gute und folgte das zahl­reich erschienene Publikum der wechselvollen Handlung und den gesanglichen Darbietungen mit sichtlichem Interesse.— Am Mittwoch Abend wird Herr Junkermann noch­mals als Gast hier auftreten.

** Wegen des neuen Schulstatuts ist in der Volks­versammlung am Sonntag in der Tonhalle ein Langes und Breites geredet worden. Wir können auf Grund der Mittheilungen, die wir über den Verlauf der Verhandlung erhalten haben und die wir an anderer Stelle zum Ab­druck bringen, nur wiederholen, daß wir es bei den erheb­lichen Abänderungen, die die Magistratsvorlage erfahren hat und nach den bestimmten und beruhigenden Erklärun­gen über die Tendenz derselben keinen hinreichenden Grund mehr sehen, um gegen die Beschlüsse der städtischen Körper­schaften in einer Versammlung zu Felde zu ziehen. In solchen Zusammenkünften wird dem Berathungsgegenstand eine überaus einseitige Behandlung und Beleuchtung zu Theil, es werden im Fluß der Rede Behauptungen ausge­stellt, welche weit über das Ziel hinausgehen, welche in be­denklicher Weise die Gemüther zu erregen geeignet sind und für die man im Ganzen wie im Einzelnen schließlich doch den Beweis schuldig bleiben muß. Den Rednern vom Sonntag ist es so gut wie uns bekannt, daß das neue Statut auf den innern Schulbetrieb auch nicht den gering­sten Einfluß hat, daß der letztere nach wie vor unter der Controle einer Königlichen Behörde steht, daß die Erthei­lung des Religionsunterrichts durch getignete Lehrkräfte sich von selbst versteht und durch den Lehrplan gewährleistet ist, daß nur mit Unrecht behauptet werden kann, unsere Lehranstalten würden fortan nach einem un­christlichen Statut geleitet werden. Herr Pfarrer Schäfer wird es auch nicht wahr halten können, daß in der städtischen Verwaltung an irgend einer Stelle die Absicht vorhanden sei, die„verbrieften Rechte“ des katholischen Schulvorstandes auch nur um ein Titelchen zu schmälern. Und warum ist denn nicht mit einem Worte zur Sprache gekommen, daß von Herrn Löchtermann für die Oberrealschule ausdrücklich zugestanden wurde, was beim Gymnasium ein„schmerzliches Ereignis“ sein soll.

Der Vorstand des Vereins zur Förderung des Zeichenunterrichts in der Provinz Westfalen beschloß in einer in Hamm abgehaltenen Sitzung, seine diesjährige Hauptversammlung am Nachmittage des 18. November zu Unna im Hotel Niemeyer abzuhalten. Es findet u. A. eine Probelektion im Leichnen mit Schülern einer Ober­klasse statt.

** Das königliche Oberbergamt macht bekannt, daß der konzessionirte Markscheider H. Hautkappe seinen Wohnsitz von dem Steinkohienbergwerk„Caroline" bei Langendreer nach Bochum verlegt hat.

Falsches Geld! An einer hiesigen Kasse wurde ein falsches Zweimarkstück mit dem Bildnis Ludwig UI. von Bayern, der Jahreszahl 1876 und dem Münzzeichen D. an­gehalten. Die Prägung ist sehr matt und außerdem hat das Falschstück, das anscheinend aus einer Zinnlegirung hergestellt ist, auf beiden Seiten ein etwas poröses Aus­sehen.

** Wirthe=Verein. In der ordentlichen General­Versammlung, welche am Donnerstag im Cafe Kortum ab­gehalten wurde, führte Herr Muckenheim den Vorsitz. Es wurde zunächst in Betreff der Betriebssteuer die Mittheilung gemacht, daß, nachdem auch die Kgl. Regierung in Arns­berg auf die Eingabe des hiesigen Wirthevereins einen ab­lehnenden Bescheid gegeben, man sich nun an die letzte In­stanz, des Oberverwaltungsgericht, wenden werde. Es wurden dann die gedruckten Berichte über den letzten deut­schen Gastwirthetag in Metz unter die Mitglieder vertheilt. Zum Schluß wurde noch über die Abhaltung des Winter­festes verhandelt und beschlossen, das Fest sim Januar zu feiern. Ein besonderes Comitee ist mit der näheren Fest­setzung des Programms betraut. Fünf neue Mitglieder wurden zur Aufnahme angemeldet.

** Schuldienst. Dem Lehrer Heinrich Vogt ist defini­tiv eine Schulstelle in der katholischen Schulgemeinde Freisen­bruch, der Schulamtsbewerberin Auguste Henschen provisorisch eine Schulstelle in der evangelischen Schulgemeinde Horst und der Schulamtsbewerberin Minna Deutelmoser provi­sorisch eine Schulstelle in der evangelischen Schulgemeinde Gelsenkirchen übertragen worden.

** Der evangelische Gesellenverein beschloß in seiner Versammlung am Sonntag, an dem Stiftungsfeste des Essener Brudervereins, das am nächsten Sonntag ge­feiert wird, theilzunehmen.

** Eine recht brutale That wurde gestern Nach­mittag in dem Wartesaal des Bahnhofes„Gußstahl“ hier verübt. Ein 19jähriger Mauretgeselle aus Riemke, der sich im Wartesaal unnütz benahm und Bier forderte, obgleich er kein Geid zum Bezahlen hatte, wurde von dem Restau­rateur aus dem Lokal gewiesen. Als sich der Wirth gerade in der Thür befand, erhielt er von dem rohen Menschen einen Schlag mit einem Stock über den Kopf, worauf der Bursche Reißaus nahm. Er wurde jedoch verfolgt und an der unteren Alleestraße von einen Polizeisergeanten rer­haftet. Die Verletzung des Wirths Herrn B. in glücklicher­weise keine schwere.

** Vom Tage. Unser früherer Reichstagsabgeordneter Herr Hermann Müllensiefen in Crengeldanz, dessen körperliches Befinden schon seit geraumer Zeit zu wünschen läßt, gedenkt auf Anrathen der Aerzte einen längeren Aufenthalt in Aegypten zu nehmen. In voriger Woche hat er die Reise dorthin angetreten.— Dem Vernehmen nach ist Herr Pfarrer Harbort in Aschersleben unter Zustimmung der staatlichen und kirchlichen Behörden als Propst an die hiesige Peter= und Paul=Pfarrei berufen.

Polizeiliches. Wegen schwerer Körperverletzung wurde am Sonntag Mittag ein Bewohner des Kosthauses Stahlhausen verhaftet. Er hatte mit einem Stubencollegen Streit bekommen und seinem Gegner dann einen Messer­stich in den Kopf beigebracht.

Aus dem Landkreise Bochum, 13. Nov. Ei

heitere Episode spielte sich, wie eine Bochumer Ble zu berichten weiß, vor einig.n Abenden in einer Wirt schaft ab. Durch die Zeitung waren Interessenten zu ein Versammlung behufs Gründung eines Rauchklubs ein laden. Als nun zur festgesetzten Stunde eine Anzahl ju ger rauchbedürftiger Leute im Versammlungslokal ersch nen und die Sitzung bereits eröffnet war, erschien zur a gemeinen Verwunderung eine schon bejahrte Frau und li sich bedächtig an einem Tische nieder. Auf die Frage Wirths, was sie denn hier wolle, erwiderte die Alte:„I

Se hewwet doch in dat Blatt seiten loten, dat hier

Raukbüön(Rauchrammer) inrichtet wern soll, un da w eck minen Groschen auk wol met tauscheiten, dann wät ic dos Füukezn van usse Schenken un Wüste wol nich dai sanmen. Ein nicht endenwollendes Gelächt ihe die Bedentung des W d Vesamulung aus. A einem Rankatztg,#r aartes„Rauchklub“, welches n einem„Rautonon für Schinken und Würste nichts

war, verließ sie bitter enttäuscht d Lokal, in die Worte ausbrechend:„Dat es ok noch neuri dat de jungen Lüh sowat anfangt un sick Obens gegenß# den Tubaksqualm innit Gesicht bloset, de könnt den T üäwer ok noch nicht genaug paffken un dat Geld düt Hals jagen. Du laiwer Herrgott, wat es dat ne Tid zwrurmar, 13. Nov. Mit Ende dieses Jahres we den es 25 Jahre, daß Herr Lehrer Franz Bergman In hiesiger Gemeinde ununterbrochen als Erzieher d Jugend segensreich gewirkt hat. Die alten Schüler woll es sich nun nicht nehmen lassen, den Gedenktag in en sprechender Weise zu begehen.

Herne, 13. Nov. Ein heftiger Windstoß weh das Firmenschild des Kaufmanns Attenberndt vom Haus Dieses zerschlug eine Spiegelscheibe und wurden hierbei ei Menge ausgestellter Sachen, meistens Lederwaren, beschädig Der Schaden ist recht beträchtlich.

„* Linden=Dahlhausen, 13. Nov. Für die demnäch stattfindenden Gemeinderathswahlen beabsichtig man seitens des Bergarbeiter=Verbandes mehrere Kandidate Kaitgesunden ie dieserhalb Vorbesprechunge

Gickel, 11. Nov. Am Donnerstag hat, wie schon kur et, die feierliche Einweihung des neuen Amts hauses für das Amt Eickel in würdiger Wise stattgefunder Zu diesem seierlichen Akte hatten sich außer der Amtsver retung noch zahlreiche Amtseingesessene, sowie eine Anzal Herren aus dem benachbarten Amt Wanne eingefunder Nachdem auch Herr Landrath Dr. Hammerschmidt vo

Gelsenkirchen eingetroffen, begrüßte Herr Amtmann Briese die Versammlung mit Worten des Dankes und übernahm dann die Führung durch die Räume des Amtshauses. Nach der Besichtigung dankte er der umtsvertretung mit herz­lichen Worten für das bereitwillige Entgegenkommen beim Baue der Amtsräume und der Wohnung für den Amt­mann. Herr Landrath Dr. Hammerschmidt schloß sich diesem Danke an mit dem Wunsche, daß das Haus eine Stätte echter Gottesfurcht, glühender Vaterlandsliebe und treuer Pflichterfüllung werden, und daß ferner so schnell und prächtig wie der stattliche Bau sich auch das Amt Eickel entwickeln möge. Das Festessen fand um 5 Uhr im Saale der Wittwe Bönnebruch statt. Den ersten Toast auf den Kaiser brachte Herr Amtmann Briese aus. Herr Amt­mann Winter von Wanne sprach seine Freude darüber aus, daß die vor 2 Jahren gegründete„Familie" heute das „Familiengebäude“ erhalten habe. Sein Hoch galt dem Amte Eickel. Herr Apotheker Haack hob in seiner Ansprache die Verdienste des Herrn Amtmanns Briese um die Hebung der Gemeinde hervor mit dem Wunsche, daß derselbe uns noch lange erhalten bleiben möce. Diese Wünsche brachte die Versammlung in einem Hoch auf Herrn Amtmann Briese zum Ausdruck. In humorvoller Ausführung ver­glich Herr Superintendent Daniels den ersten Vertreter des Amtes mit einem starken Thurm und die Amtsvertretung mit der Stütze dieses Thurmes, die von unten herauf dem­selben Halt aeben müsse, und schloß mit einem Hoch auf die Amtsvertretung. Herr Krebber betont: die Verdienste des Herrn Amtmanns Winter um das Zustandekommen des Amtes Eickel, sowie das Interesse, das derselbe dem Amte noch heute entgegenbringe, und brachte ihm ein Hoch. Dieser gab dankend dem Wunsche Ausdruck, daß die Ein­tracht zwischen den beiden Aemtern zum Wohle beider er­halten bleiben möge. Die Verdienste des Herrn Landraths Dr. Hammerschmidt um das Amt Eickel und den Kreis Gelsenkirchen wurden von Herrn Landskröner hervorgehoben. Herr Dr. Schultz gedachte in launigen Worten der zukünf­tigen Gattin des Herrn Amtmanns und toastete auf diese. Dem Herrn Bauführer Moritz, der die Pläne zu dem schönen Bau entworfen und die Ausführung musterhaft geleitet hatte, brachte Herr Lehrer Müller ein Hoch. Erst in vorgerückter Stunde wurde die Tafel aufgehoben.

Vermischtes.

[Weibliche Studenten.] Aus Heidelberg meldet man der„N. Bad. Lztg.": Nachdem die naturwissen­schaftliche Fakultät der hiesigen Universität weibliche Stu­denten zum Besuch der Vorlesungen zugelassen hat, ist nun mehr auch in der philosophischen Fakultät ein Beschluß zu Stande gekommen, daß kein prinzipielles Hindernis bestehe, weibliche Studenten zu der Dokterpromotion zuzulassen. Die Dame, welche die Entscheidung dieser prinzipiellen Frage veranlaßt hat und zum Doktorexamen zugelassen werden soll, ist eine Tochter des berühmten Juristen Prof. Windscheid.

[Die fidelen alten Häuser.] Unter dieser Ueberschrift wird aus Warschau folgende heitere Geschichte gemeldet: Der Ober Polizeimeister General Kleigels hat vor einigen Tagen eine in ihrer Art einzige Verordnung erlassen, welche das Datum vom 11. Oktober 1893, Zahl 3721, trägt. In dieser Verordnung heißt es:„Alle Haus­eigenthümer sind verpflichtet, ihre Häuser von unten mit heiteren Farben, wie z. B. grün, roth oder blau, zu be­malen, um dem Volke keinen Anlaß zu Demonstrationen zu geben. Zur Erklärung dieser Verordnung muß er­wähnt werden, daß alle Häuser in Warschau seit vielen Jahren von unten mit einem breiten schwarzen Strich be­malt sind, um die Häuser vor dem Straßenschmutz zu be­schützen. Diese schwarze Schutzfarbe wurde von einem aus Petersburg nach Warschau dienstlich delegirten höheren Beamten übel vermerkt, indem er darin den Ausdruck einer allgemeinen Trauer erblickte. Dies genügte, und nun müssen die Häuser in Warschau ein„heiteres Kleid“ anlegen.

[Im Zeichen der Gans.] Mit dem Martinstage ist sie offiziell in ihre Rechte getreten. Nun gibt es aber verschiedene Gänse. Von der uralten Kapitolsgans abge­sehen, ist ganz besonders verbreitet die Sonntagsfamilien­Gans. Sie wird, obwohl sie nie Hazard spielt, immer „gerupft“. Man verhöhnt ihre Gefühle, schindet sie, sengt sie, bis sie braun vor Aerger wied. Darauf freut sich die ganze Familie und beginnt die Folterung; das Fleisch wird dem armen Thiere von den Knochen geschält und von den Barbaren verzehrt. Eine zweite Sorte ist die Restaura­tionsgans; sie lebt in Rudeln, unter die sich zuweilen auch ein altes Thier mischen soll, um uns Menschen seine Rache fühlen zu lassen. Es geht dabei mit einer Härte vor, die weder durch Feuer noch durch Schläge zu meistern ist. Man sieht daraus, daß die Gans ein böses Thier ist, das von den Menschen meistens unterschätzt wird. Sie ist voller Tücke. Einmal muß man die Gans als die Urheberin des Kultuskampfes betrachten, denn hätten die Kapitolsgänse nicht geschnattert, so wäre Rom von Brennus zerstört wor­den, Gesetze und Sprache wären von römischen Einflüssen unberührt geblieben, es gäbe keine Examina im römischen Recht, keine lateinischen Exerzitien. Ferner ist durch die Gans die Feder in die Welt gekommen, das ganze Heer von Schiiftstellern verdankt ihr seine Existenz. Wie viele Geschmacktosigkeiten wären uns erspart geblieben, und doch

— seltsames Spiel der Natur— ist die Gans ein so ge­schmackvoller Vogel.

[Pfarrer Kneipp] ist kürzlich zum päpstlichen Geheimkämmerer ernannt worden. Wie er diese Ernennung aufnahm, ist fü seine Art bezeichnend. Wie gewöhnlich saß er am 25. Oktober Mittags im Refectorium des Domini­kanerinnenklosters zu Wörishosen, umgeben von den Con­fraters, die augenblicklich hier der Wasserkur obliegen, als eine Schwester meldete, es sei eine Deputation da, um dem Herrn Pfarrer Glück zu wünschen. Gelassen autwortete er: „I han nix dagege.“ Nunmehr traten sämmtliche zur Zeit in Wörishofen weilende französische Priesser ein und brach­ten ihre Glückwünsche dor zu der hohen Auszeichnung, die ihm von Rom aus zu Theil geworden sei. Die Tischgesell­schaft fragte verwundert:„Was ist das, Herr Pfarrer?“

—„J weiß nit; mer hat mir vor Tisch a Brief gebe, über i hab' ihn nit aufgemacht!" Darauf legte er den Brief, der durch ein großes Siegel geschlossen war, auf den Tisch. Er enthielt die Nachricht von der Ernennung... Nach dem Abendessen brachten auch die Dominikanerinnen ihre Glückwünsche dar. Ein kleines weißgekleidetes Mädchen sollte ein Verschen sagen. Feierlich begann es:„Mon­signore!“„Machscht de Dich forts!“ erwiderte der Angeredete. Das Kind verstummte und erst nach längerem Zureden brachte es sein Verschen zu Stande.

[Von außerordentlicher Roheit) zeugt ein Fall, der bei der Berliner Kriminalpolizei zur Anzeige ge­langte. Ein verheiratheter Kaufmann in Berlin, dessen Frau hoffnungslos krank liegt, hat seine Verlobung mit einem jungen Mädchen angezeigt. Bezeichnend ist, daß sowohl die Braut wie deren Eltern davon Kenntnis gehabt haben, daß der„Bräutigam“ verheirathet ist und daß an die Schließung einer neuen Ehe erst nach dem Ableben seiner jetzigen Frau gedacht werden kann, deren Tod allerdings erwartet wird.

[Zum Spieler= und Wuchererprozeß) schreibt der Hann. Courier: Die aus dem großen Prozeß ausge­schiedenen Sachen, welche am 15. d. M. zur Verhandlung kommen, stehen zwar im ursächlichen Zusammenhang mit diesem, bieten aber, wie wir hören, sonst kein besonderes Interesse. Die Verhandlungen werden sich voraussichtlich nicht über eine Sitzung hinaus ausdehnen. Eine größere Ausdehnung werden auch die Verhandlungen gegen den nunmehr in Haft befindlichen Weinreisenden Stammer eben­falls nicht nehmen, da durch die Verhandlungen in dem großen Prozeß seine Betheiligung bei einzelnen Spiel­affairen hinlänglich klargestellt sein dürfte. Die Ver­muthung, daß sich unter dem Pseudonym Stammer ein Freiherr von Palm verberge, scheint sich nicht zu be­stätigen.

[Allerlei.] Der Stadt Berlin ist schon wieder eine Erbschaft von 300000 Mark zugefallen. Es soll dafür eine Stiftung für Blinde und Erblindete geschaffen werden. Der Erblasser ist ein Rentner Borstel.— Bei dem vom Berlin=Potsdamer Reiterverein am Samstag veranstalteten Rennen— einer Steeple Chase über 4000 Meter— ritt, was allgemeine Bewunderung erregte, der General der Cavallerie v. Rosenberg mit. Mit jugendlicher Elastici­tät brachte er seinen Steepler über die Hindernisse, und als er an das Ziel kam, wurde er jubelnd begrüßt. Das Rennen gewann Lieutenant Frhr. v. Richthofen. General v. Rosenberg wurde vierter.— Das alte Bundespalais in Frankfurt a. M. soll nach der„Post“ für die Post­

verwaltung daselbst für den Betrag von 1500000 Mark angekauft werden.— Adele Spitzeder, die bei den ober= und niederbayerischen Bauern ein so schlechtes Anden­ken hinterlassen,— sie hat bekanntlich die leichtgläubigen Bauern um Millionen betrogen— unternimmt mit 26 Musikern eine Reise durch Holland. Für den Fall sie, so bemerkt ein holländisches Blatt, das Musikmachen so perfekt versteht, als früher das Schwindeln, steht den Holländern ein hoher Kunstgenuß in Aussicht.— Professor Raoul Pictet in Bern hat dem Bundesrathe die unentgeltliche Verwerthung eines von ihm neuerfundenen Ex­plosivstoffes überlassen, der bereits mit günstigem Er­folge auf dem Schießplatz in Thun erprobt worden ist.— Zwei Faktoren und ein Beamter der serbischen Staats­druckerei wurden in Belgrad verhaftet, weil sie heimlich und für eigene Rechnung Stempelmarken druckten und in den Verkehr brachten. Der Schaden soll über 200 000 Frcs. betragen.— Der bisherige Ministerpräsident Craf Taaffe hat einem Pester Freunde sein Bildnis mit der von Selbstironie zeugenden Widmung gesandt:„Nichts dauert ewig, der schönste Jud wird schäbig.“— Das öster­reichische Schiff„Ljurbar“, von Fiume nach Philadelphia bestimmt, ist mit 18 Mann Besatzung untergegangen.

Industrie, Handel und Verkehr.

Berliner Börse.

Courabericht vom 13. November.

Industrie-Papiere.

Annener Gussstahl 00,00 Aplero.Berguauverein 11 Arenberger Bergban 41 Haroper Walzwerk Bergische Brauerei Bochumer Gussstahl

" bergw. Lit. C. Bonifacius Consolldation Dannenbaum Dortm. Bergb. Bz.-A.

" Union St.-Pr.

" Löwenbräu " Unionbraueret " Brauerei Gelsenkirch. Bergw.

Gussstahlw. Witten

Hagener Gussstahlf. Hlarpener Bergb.-Ges. Hibernia

Border Bergwer

: S.Pr.

lugo, Bergbau-Ges. Laurahntte

Lonise Tiefban Kark-Westt. Bergw. Märk. Maschinenb. cv. Menden-Schwert

„ Pr.-St.-A. Nagdeburger Bergw. Phoniz, Br.-A.

Pluto, Ber rwert#ger. " 8t.-er. Pongs'sone Weberei Rh.-Westf. Int.-Ges. Rh. Stablwerx A. Westt. Drantind. Westf. Unlen St.-Pr. Wurm-Revier Zinsluss bei der Reichsbank. Wechsel 5%. Lombard 6% Priv.-Dise. 4 1/%

Marktpreise.

Neuß, 13. Nov. Fruchtmarkt. Weizen neuer kleiner. 15,70 Mk., Weizen 1. Qual. 15,20 Mk., 2. Qual. 14,70 Mt., Landroggen 1. Qual. 13.80 Mt., 2. Qual. 12,80 Ml., Hafer 18,00 Mk. Raps 1. Qual. 24,00 Mk., 2. Qual. 00,00 Mk., Aveel(Rübsen) 23,00 Mk., Kartoffeln 4,00 Mt., Rüböl 49,00 Ml., do. faßweise 50.50 Mk., gereinigtes Oel 52,00 Mk. für 100 kg, Heu 60 Mk., Weizenstrob—. Mk., Roggenstroh 26 Mk. für 500 kg, Preßkuchen 116 Mk., für 1000 kg, Kleien 4,80 Mk., für 50 kg. Neuer Hafer wurde bis zu 16.20 Mi. bezahlt.

Neueste Nachrichten.

Berlin, 13. Nov. Gegenüber der Mittheilung einzelner Blätter, wonach die Ankunft mehrerer süd­deutscher Minister in Berlin mit den in Bezug auf die Weinsteuer noch schwebenden Meinungs­verschiedenheiten zusammenhangen soll, wird in der Nordd. Allg. Zig. darauf verwiesen, daß in den kommenden Tagen die Bundesrathsverhandlungen über die Steuergesetzentwürfe stattfinden.— Die Trauer­feier für den verstorbenen Präsidenten a. D. Hermes fand heute Nachmittag in der Capelle des Domcandidatenstifts statt. Der Kaiser ließ durch den Wirklichen Geh. Rath v. Lucanus schriftlich sein Beileid ausdrücken.— In der Familie des Prinzen Friedrich Karl von Hessen wird, wie die „Post“ erfährt, um die Mitte Dezember ein freudiges Ereignis erwartet. Die Kaiserin Friedrich wird zu dieser Zeit bei ihrer Tochter(Prinzessin Margarethe) verweilen. Der Reichskanzler Graf Caprivigab heute zu Ehren der Mitglieder des Bundesrathes ein Diner.

Paris, 13. Nov. Der vorbereitende Gesammt­Ausschuß für die Weltausstellung im Jahre 1900 hat den Beschluß des Unter=Ausschusses, die Ausstellung in Paris selbst abzuhalten, bestätigt.— In den Wandelgängen der Deputirtenkammer wurde heute der Bericht des Generalprokurators von Douai über die Bergarbeiterfachvereine lebhaft besprochen und es hieß, es werde darüber in nächster Zeit eine Interpellation gestellt werden. Allgemein wird angenommen, daß die Abgesandten des Königs Behanzin weder im Colonialamte, noch vom Präsidenten Carnot werden empfangen werden, trotzdem von verschiedenen Seiten vermittelt wird. Die Abgesandten werden mit ihren Geschenken unverrichteter Sache nach Dahome zurückkehren müssen. — Zu der Nachricht der„Autorité", daß eine internationale Commission zusammen­treten werde, um Maßregeln gegen die Anar­chisten zu berathen, verlautet, daß Spanien jeden­falls schon in nächster Zeie derartige Maßregeln er­greifen werde.

Paris, 13. Nov. Das sozialistische Blatt „Journal“ veröffentlichte dieser Tage einen vertrau­lichen Bericht des Staatsanwalts von Douai an den Justizminister, worin die gerichtliche Verfolgung der Bergarbeitersyndikate empfohlen wird. Die Untersuchung ergab, daß der von dem Justiz­minister an Dupuy übersandte Bericht vom Büreau­diener verloren worden ist. Dupuy richtete wegen dieses unvorsichtigen Vorgehens heftige Vorwürfe gegen den Justizminister, welcher, dem„Figaro" zu­folge, seine Demission deswegen angeboten hätte.

Newyork, 13. Nov. Von Key West wird ge­meldet, daß 15 Städte im Innern von Cuba sich gegen die spanische Herrschaft empört haben.

Gedenktafel.

14. Nov. 1716. Leibnitz, Philosoph, f.— 1825. Jean Paul Friedrich Richter(Jean Paul), Schrift­steller, f.—1831. Hegel, Philosoph, f.—1868. Rossini, Komp., 1.— 1871, Andrassy wird zum besterreichischen Minister ernannt.— 1885. Kriegserklärung Serbiens an Bulgarien.

Meteorolog. Beobachtungen zu Bochum*)

in der Zeit vom 11. bis 12. Nov. 1.—9 Mittags.

Barom. Windr. Wetter

klar

11. Nov. 12 Uhr Mitt. 761| O.

12.„ 12 Uhr Mitt. 759 I O.

Temperatur: höchste+ 6½ niedrigste— 218° Celsius

Wetter=Aussichten für den 14. November.

Zunächst nachts noch leichter Frost, tagsüber wärmer als seither. Wind S.=O. und S.

*119 m über dem Meeressviegel.

Verantwortlich für die Redaktion Dr. Paul Küppers in Bochum.

Schutzmittel.

Special=Preisliste versendet in geschlossenem Couvert ohne Firma gegen Einsendung von 20 Pfg. in Marken

W. H. Mielck, Frankfurt a. M.