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Nr. 206.

Witten, Diensag, den 3. September.

1805.

Wege PoTtese

Erscheint wöchentlich sechs Mal. Anzeigen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. Fernsprech=Nr. 46(Amt Witten).

Generar=Anzeiger für Witten und Amgegend.

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Westfalen und Rheinland.

Witten, 2. September.

+ Die 25jährige Jubelfeier des Sedaufestes,

das silberne Hochzeitsfest des wiedergeeinten Deutschen Reiches, wird— das hat die Vorfeier am Samstag Abend gezeigt— voraussichtlich einen großartigen Verlauf nehmen. Schon im Laufe des Tages konnte ein Gang durch die Straßen uns überzeugen, daß die gesamte Bürgerschaft einmütig bestrebt war, den Anregungen und Intentionen der Fest=Kommission zu folgen und zu einer angemessenen Dekoration und Illumination weder Mühe noch Kosten zu scheuen. Der Fenster= und Straßenschmuck war stellenweise von überraschender Schönheit, und ein unbeflaggtes Haus gab es in den Hauptstraßen wohl nicht, auch viele Neben­straßen, die kein Festzug berührte, waren außerordentlich reich dekoriert, besonders fiel uns darin die„Kleine Kronen­straße“ auf. Abends 8 Uhr hatten sich im Borgmann'schen Saale und Garten die militärischen Vereine der Stadt zum Zapfenstreich versammelt. Die Musik wurde ausgeführt von der Kapelle des Westfälischen Jägerbataillons und dem hiesigen Trommler= und Pfeiferkorps, und unter Vorantritt der Ehrengäste— der städtischen Behörden und des Offizierkorps— folgten der Musik zirka 1000 Fackel­träger durch die Hauptstraßen der Stadt. Die Häuser prangten im schönsten Lichterschmuck, und prächtiges Feuer­werk begrüßte den imposanten Zug ohne Aufhören, was an dem schönen Sommerabende einen herrlichen Anblick gewährte.— Auf dem Königsplatze am Kriegerdenkmal wurde Halt gemacht. Die Krieger ordneten sich um das zu diesem Ehrentage renovierie, mit sehr wirksamem Guir­landen= und Fahnenschmuck versehene Denkmal, welches durch bengalische Flammen, den Fackelschein und die reich­liche Illumination der benachbarten Häuser eine treffliche Beleuchtung erhielt. Herr Hauptmann Fabrikbesitzer und Stadtrat Müllensiefen ergriff das Wort und lenkte in einer zündenden Ansprache die Aufmerksamkeit hin auf die Wieder­erstehung des deutschen Reiches, die sich vollzog als eine Folge und herrliche Frucht der glorreichen Waffenthaten des deutschen Heeres vor nunmehr 25 Jahren. Redner hob heivor, daß diejenigen der Anwesenden, die vor 25 Jahren teilnahmen an dem großen Kriege, heute ganz besonders von Dank und Freude erfüllt seien, weil sie diese schöne Feier noch erlebten, die Zeugnis ablegen solle von der patriotischen Gesinnung, welche die Bürgerschaft unserer Stadt beseele. Wir ge­dächten, so fährt Redner fort, heute aber auch mit dank­erfülltem Herzen derjenigen Kameraden, die auf dem Felde der Ehre aus dieser Gemeinde ihr Leben gelassen oder in folge der dort empfangenen Wunden oder Krankheiten fern vom Schlachtfelde für König und Vaterland gestorben seien. Ihnen, den Gefallenen, zum Gedächtnis sei doch in erster Linie dieses Denkmal von den dankbaren Mit­bürgern errichtet worden. Er habe den ehrenvollen Auf­trag erhalten, im Namen der Stadt als Zeichen des Dankes und liebevoller Erinnerung diesen Kranz am Fuße des Denkmals niederzulegen.(Einen zweiten und dritten spendeten der Landwehr= und Kliegerverein und die übrigen militärischen Vereine.) Nachdem sodann unter Musik­begleitung gesungen worden war:„Ich hatt' einen Kame­raden,“ wies Redner nochmals hin auf die herrlichen Siege und die treffliche Bewährung des deutschen Heeres und sprach namens der anwesenden Kameraden den Wunsch und die Hoffnung aus, das Heer möge allzeit ebenso stark und kuegsbereit erhalten werden, wie es sich in den Kämpfen erwies, deren wir heute dankbar gedenken, und nachdem Redner zum Schluß die Mahnung und das Ge­lübde ausgesprochen hatte, allezeit mit rechter Treue festzu­halten an Kaiser und Reich, brachte er ein donnerndes Hoch aus auf die deutsche Armee. Die Musik spielte:„Ich bete an die Macht der Liebe," und nach kurzem Gebet setzte sich der Zug unter den Klängen eines fröhlichen Marsches wieder in Bewegung. Bald nach Ankunft im Festlokale, Borgmanns großem Saale, wo noch ein Kommers stattfand, brachte der I. Chef des Landwehr= und Krieger­vereins, Stadtrat Reunert, den Kaisertoast aus, wobei er mit großer Freude darauf hinwies, daß seit langer Zeit

heute wieder zum ersten Male alle militärischen Vereine unserer Stadt einmütig sich zusammengefunden hätten, um diesen nationalen Festtag gemeinschaftlich zu feiern. Herr Dr. König toastete auf die Ehrengäste— die städtischen Behörden und das Festkomitee, die zu einem guten Ge­lingen des Festes so wesentlich beigetragen, und das

Offizierkorps, das der Einladung zur Teilnahme so bereit­willig gefolgt sei. Herr Bürgermeister Dr. Haarmann erwiderte mit einem Hoch auf die hiesigen militärischen Vereine und hob hervor, daß die städtischen Behörden gern ihre Teilnahme am Zuge und an diesem schönen Feste zugesagt hätten, um den militärischen Vereinen

unserer Stadt zu erkennen zu geben, wie sehr sie

die patriotischen Bestrebungen dieser Vereine zu wür­digen und zu schätzen müßten.— Der 2. Chef des

Landwehr= und Kriegervereins, Premierleutnant Brauerei­besitzer Dönhoff wies die jüngeren Kameraden, welche nach dem letzten großen Kriege ins Heer getreten sind, hin auf das leuchtende Vorbild, das die älteren Kameraden ge­geben haben; er fordert die Angeredeten auf dem erwähnten leuchtenden Vorbilde nachzueifern und zur Bekräftigung dieses Glübdes den älteren Kameraden ein Hoch auszu­bringen, was dann unter begeistertem Jubel geschah. Noch manches treffliche Wort wurde gesprochen; Herr Hauptmann Th. Müllensiefen gab seiner Freude Ausdruck über die schöne Einigkeit, mit der alle Waffengattungen, die, wenn auch naturgemäß an Zahl ungleich, so doch gleichwertig, sich hier zusammengefunden hätten, und Redner spricht den Wunsch aus, es möchte in Zukunft öfter so geschehen. Sein Hoch auf fernere gute Kameradschaft wurde mit Jubel aufgenommen.— Heir Prokurist Eckardt toastete auf den Fürsten Bismaick und fand natürlich begeisterten Wieder­hall.— Der Gesangverein„Kameradschaftlicher Sänger­bund“ unter der Leitung des Herrn Lehrer Wohlers trug mehrere angemessene Lieder vor, die äußerst beifällig auf­genommen wurden. Der Kommers gab ein beredtes Zeug­nis für den hohen patriotischen Schwung, der durch unsere militärischen Vereine geht und wird gewitz allen Teilnehmern unvergeßlich sein. So vergingen schnell die schönen Stunden, und erst um Mittemnacht erreichte der Kommers sein Ende.

Feierliches Glockengeläute, Böllerschüsse und die munteren Töne der Reveille weckten unsere Bürger Sonntag früh 6 Uhr aus dem Schlummer, und ein Blick ins Freie nügte zu der frohen Ueberzeugung, daß der Himmel zu unserer schönen Feier ein freundliches Gesicht machen würde. Vom Helenenturm her ertönte Blasmusik: Choräle und patriotische Lieder. 8½ Uhr traten die sämtlichen mili­tärischen Vereine beim Wirt Fr. Borgmann an, um in corpore auf den alten Markt zu marschieren, wo um 9 Uhr durch Herrn Pastor Kellermann, der selber den Feldzug 70 und 71 mitgemacht hat, ein Feldgottesdienst abgehalten wurde. Dem auch Herr Superintendent König beiwohnte. Auf einem besonders für diesen Zweck ge­druckten Textblatte wurden die Lieder verteilt für den Ge­meindegesang:„Allein Gott in der Höh— Lobe den Herren, den mächtigen König— Lob, Ehr und Preis sei Gott—. Unter Zugrundelegung des Bibelwortes Psalm 103, 3: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er Dir Gutes gethan hat!— wies Heir Pastor K. darauf hin, daß auch unter dem freien Himmelsgewölbe Gott sich finden lasse und gegenwärtig sei, und daß viele der Anwesenden vor 25 Jahren in der freien Gottesnatur wohl manchem reich gesegneten Gettesdienste beigewohnt hätten. Redner sprach in schönen Worten von dem Jubel, der jetzt durch alle deutschen Lande geht, und mahnte zum Dank gegen Gott, der unsere Zuversicht und Stärke war und immerdar sein und bleiben soll. Er, der Herr der Heerscharen, ist mit uns gezogen. Gottesfurcht sei dem unvergeßlichen Heldenkönige, der sein Volk zu den so herr­lichen Siegen führen konnte, eine unversiegliche Quelle der Kraft und ein stets heller, untrüglicher Stern gewesen. Nächst Gott gelte heute unser Dank dem alten Heldenkaiser und seinen bewährten Ratgebern und treuen Helfern in Krieg und Frieden. Dank sagen wir heute dem tapferen Heere, das Blut und Leben einsetzte für die Ehre und Sicherheit des Vaterlandes. Dank über das Grab hinaus rufen wir heute den Helden nach, die im Kriege durch Wunden oder Krankheiten ihr Leben einbüßten und Treue

bewiesen bis in den Tod. Aber, führt Redner fort, unser Dank müsse nicht bei Worten und Liedern stehen bleiben, sondern aufrichtiger und rechter Dank müsse in die That übergehen. Alle die herrlichen Güter, die wir von den siegreichen Vätern ererben, übertragen uns auch eine große Verantwortung und ernstliche Verpflich­tung, nämlich die, daß wir nicht lässig werden in allen den Tugenden, durch welche so Großes erreicht wurde: Gottesfurcht, Pflicht= und Ehrgefühl, Gehorsam, Kamerad­schaftlichkeit, christlicher Sinn, Charakterfestigkeit und Treue müssen einen rechten Soldaten zieren. Folgend dem drin­genden Rufe unseres frommen und tapferen Kaisers sollen wir eintreten für Religion, Zucht und Ordnung, treu alle­zeit dem großen Könige im Himmel, wie dem Kaiser auf Erden, hochhaltend die Ehre und das Wohl des Vater­landes, eingedenk des alten schönen Wortes:„Mit Gott für König und Vaterland, für Kaiser und Reich! Lobe den Herrn, meine, Seele, und vergiß nicht, was er Dir Gutes gethan hat!“ Nach dem Gottesdienste wurden durch eine Deputation die hiesigen Kriegergräber geschmückt. 11¼ Uhr versammelten sich die Kombattanten— etwa 500 Mann— bei Voß, um dort durch die Festkommission feierlich abge­holt und zum Markiplatze geleitet zu werden. Dort trug ein aus 15 Vereinen gebilbeter Festchor das Beethovensche Lied„Die Ehre Gottes“ vdr, und sodann betrat Herr Bürgermeister Dr. Haermann die Rednertribüne und führte letwa Folgendes aus: Gestern hätten wir am Kriegerdenkmale der gefallenen Helden gedacht und ihnen unseren Dankeszoll dargebracht; die heutige Feier nun gelte den Kriegern, die wir hier vor uns versammelt sähen, und die ein gnädiges Geschick habe lebend heimkehren lassen aus Krieg und Sieg. Ihnen gelte heute unser Dank dafür, daß sie den Feind und somit alle Schrecknisse des Krieges von unsern Grenzen ferngehalten hätten. Nicht minder gebühre unser Dank den Kämpfern der früheren Kriege; denn ohne ein Düppel und Königgrätz sei auch nimmermehr ein Sedan möglich gewesen. Redner fährt fort es gereiche ihm zur Freude, die Mitteilung machen zu können, daß der Magistrat und das Stadtverordneten­Kollegium einmütig beschlossen hätten, zur Erinnerung an den heutigen Tag für die Krieger eine Medaille prägen zu lassen. Diese Medaille erhebe keinen Anspruch darauf, neben den übrigen Ehrenzeichen, welche die Kriegerbrust zieren, Beachtung zu finden, sondern sie solle nur das Zeichen der großen Dankbarkeit sein, die wir für die tapfe­ren und siegreichen Krieger empfinden, die mutig ihr Leben einsetzten, um unsere Landesgrenzen zu beschirmen. Sodann teilt Redner noch mit, daß ebenso einmütig die städtischen Behörden eine Summe von 10,000 Mark ausgeworfen hätten zum Besten der Krieger. Ein kleiner Bruchteil dieser Summe sei zur Ver­teilung gelangt; der größere Teil sei bestimmt zur Unter­stützung bedürftiger Krieger und ihrer Familien.(Anhaltendes Bravo). Redner fordert zum Schluß auf zu einem Hoch auf die Krieger und Sieger, in welches begeistert eingestimmt wurde. Während nun die Herren vom Magistrat und vom Stadtverordnetenkollegium die Verteilung der Medaillen vornahmen, stimmte der Festchor„Das deutsche Lied" an. — Die Medaillen sind etwa von der Größe eines Thalers und vorzüglich geprägt. Sie zeigen auf einer Seite das Reichswappen mit der Umschrift: Den Kriegern von 1864, 66, 70 und 71. 1. und 2. September 1895; auf der an­dern Seite das Wappen unserer Stadt mit der Umschrift: Die dankbare Stadt Witten. Die Medaillen wie auch die Stiftung fanden bei den Kriegern freudige und dankbare Aufnahme, wie aus dem großen Beifall zu erkennen war, der die Rede des Herrn Bürgermeisters begleitete. Auch be­merken wir, daß mehrere nahestehende Krieger Herrn Dr. Haarmann dankend die Hand reichten. Herr Voll­ziehungsbeamter Willems, der einzige hier wohnhafte Inhaber des Eisernen Kreuzes I. Klasse, bestieg die Tribüne, um im Namen aller anwesenden Krieger den städtischen Behörden zu danken und derselben ein Hoch auszubringen, in welcher die große Versammlung mit lautem Jubel ein­stimmte.

& Heven, 2. Sept. Gedenkfeier. Die seitens der Gemeinde Heven seither jährlich gefeierten Sedanfeste er­

freuten sich immer wegen ihrer Eigenartigkeit eines guten Rufes, übertroffen ist aber wohl jede dieser Festlichkeit durch die diesjährige Zubelfeier. Dank der seit langem ge­pflogenen Beratungen und Vorbereitungen durch die einzelnen Korporationen und Vereine war ein großartiges Programm bis ins Kleinste rechtzeitig fertig gestellt. Dieser mit Um­sicht gewählte Festplan wurde in glücklichster und ge­lungenster Weise durchgeführt. Im Mittelpunkt des Inter­esses stand am Sonnabend die Schulfeier. Aus den vier vorhandenen Schulsystemen versammelten sich an der Haupt­schule etwa 1250 Kinder, alle aufs festlichste geschmückt, um, von einer stattlichen Kapelle(Musikdirektor Heide) geführt, den Festzug durch die überreich mit Ehrenpforten und Flaggen ausgestattete Dorfstraße zum Denkmal auszuführen. Von den Stufen des Denkmals aus hielt Herr Hauptlehrer Brocke, nachdem sämtliche Festgenossen das Lied:„Großer Gott, dich loben wir“ gesungen, eine längere Ansprache, schließend mit dem Hoch auf den Kaiser. Nach Absingen der National=Hymuz zogen die einzelnen Schulklassen auf den für sie bestimmten Platz Her großen Festwiese, um hier bei trefflichster Bewirtung und heiteren Spielen den Nach­mittag zu verbringen. Großer Jubek ewegte bei den Kindern die Verlesung schöner Geschenkk, die durch die Güte eines ungenannten Woglthäters beschafft waren.— Der Zapfenstreich am Abend bewegte sich durch alle Teile der weitverzweigten Geneinde. Fast jedes Haus war illuminiert und vielfach wurde bei Herannahen des Zuges prächtiges Feuerwerk abgebrannt. Der Abend schloß mit— einem sehr gut besuchten Ball im Festzelte,— Der Haupt­festtag, Sonntag, wurde mit einem feigrlichen Dank=Feld­gottesdienst eröffnet. Auf dem Schulhöfe in Heven hatten sich die sämtlichen Krieger und zahllese Andächtige aus der Gemeinde eingefunden. Der Gottesdienst wurde ver­herrlicht durch drei trefflich acksgeführten Lieder unseres in gutem Andenken stehenden Kirchenchores(Dirigent Haupt­lehrer Brocke). Die Festpeedigt hielt Herr Pfarrer Baxmeier im Anschluß an Ps. 50,14„Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten dein Pélübde". Nach kurzer Mittagspause traten sämtliche Bekeine zum Festzuge an und abermals bewegte sich ein staunenswert langer Zug durch den Ort zum Festplatz# Herr Major Beckmann hielt wie immer, eine begeisterte, zündende Ansprache, sich namentlich an die Krieger wendend. Nach brausendem Hoch auf Se. Majestät und Absingen der Nationalhymne, Niederlegung der Kränze am Denkmal 2c. füllte sich alsbald das Riesen=Festzelt. Zu Ehrenjungfrauen hatte man die Töchter der Veteranen erwählt; diese, 93 an der Zahl, wurden mit prächtigen Eichenkränzen geschmückt. Vom Vorsteher Herrn Elling war ihnen eine Festtagslöhnung von je 5 Mark eingehändigt worden. Im Festzelte und auf dem Festplatz entwickelte sich bald ein lebhaftes Treiben. Freude glänzte von allen Gesichtern, die fröhlichste Festtagsstimmung griff Platz, hervorgerufen durch das wundervolle Sedanwetter, durch die zahllosen Darbietungen von Reden, Musikviecen, turnerischen Leistungen, Lieder der Gesangvereine und der gesamten Festversammlung. Es sei uns erlassen, auf jedes einzelne hier des Näheren einzugehen, wir wollen uns be­gnügen zur Vervollständigung unseres kurzen Berichtes nur die Rednerliste anzuführen: Herr Pfarrer Baxmeier hielt eine längere Festrede, Herr Hauptlehrer Lapp sprach unter tosendem Beifall auf das deutsche Vaterland, Herr Lehrer Oberhaus ließ die Veteranen hochleben, Herr Lehrer Oevel gedachte mit trefflich stimmungsvollen Worten der Ge­fallenen, Herr Bach feierte den Fürsten Bismarck, Herr Pampus, der greise allseitig beliebte Veteran erwähnte in ehrender Weise die Gemeinde und Herr Lehrer Elling forderte nach ungemein wirkungsvollen Worten zum Hoch auf Deutschlands Frauen auf. Während des großen Fest­balles entzückte ein großartiges Feuerwerk die staunenden Zuschauer. Rühmend ist der wackeren Leistung der Fest­wirte W. v. d. Höhe und Schuhmacher zu gedenken. Das Fest wird im Andenken der Hevener Bevölkerung bleiben und liefert in seinem wohlgelungenen herrlichen Verlauf den Beweis für den hohen Grad warmherzigen Patriotismus, der die Hevener Bürgerschaft beseelt.

Altenbochum, 28. Aug. Durch freiwillige Gaben wurde hier das nötige Geld für den Bau einer eigenen Kleinkinderschule aufgebracht; die Zeche„Dannenbaum“ und

—

Die Schlacht bei Moisseville(Metz) am 31. August 1870.

Als Bazaine an­nehmen durfte, daß Mac Mahon heran­nahe, machte er ernst­hafte Anstrengung, um sich der eisernen Um­schließung der deut­schen Cernierungs= armee zu entziehen und nach Norden durchbrechend, sich mit dem von dort her er­warteten Mac Mahon

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bei Notsseville. 318.70.

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zu vereinigen.

Am 30. August zog Bazaine seine Heeres= I /.4.6=22 macht auf das rechte Moselufer, um seinen Hauptangriff in nörd­

licher Richtung auf St.

Barbe zu richten.

(Vergl. die beistehende Karte.) Die Fran­zosen waren insofern im Vorteil, als sie auf jede beliebige Stelle des Einschlie­ßungsringes eine) überlegene Macht konzentrieren konnten;

die eigentlichen

Schwierigkeiten hättenz jedoch erst nach volle endetem Durchbruck bei dem Weitermarsa; begonnen.„

Nachdem Bazaine am 31. August mor­gens die deutschei:

Vorposten auf Colom= bey zurückgedräng! und dadurch gewarne# hatte, entfaltete er erst nachmittags 4 Uhr seine vollen Kräfte. Um

in nordöstlicher Richtung auf St. Barbe vorzu­

dringen, mußte er seine rechte Flanke schützen, und

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die diese bedrohenden Stellungen nehmen. Hier wurden daher die deutschen Truppen aus Noisseville, Montoy, Cotombey, Aubigny bis Coincy verdrängt, und dann der

Hauptangriff nach Nordosten gerichtet. Aber hier scheiterten zunächst alle Anstrengungen an dem vernichtenden Feuer der Deutschen. Zehn Batterieen fuhren 1000 Schritt vor­wärts der von der Infanterie besetzten Dörfer auf. Ihre mächtige Feuerwirkung zeigte sich der des Gegners so über­legen, daß die feindlichen Batterieen bald zum Schweigen gebracht wurden. Der auch von Rupigny durch drei Batterieen flankierte Angriff des VI. französischen Korps kam auf längere Zeit zum Stehen, und da es noch nicht gelungen war, die Preußen auf St. Barbe zurückzuwerfen, wurde auch ein ernstlicher Angriff des IV. Korps auf die Reserve Division bei Malroy— Charly vorerst nicht untemommen, vielmehr erhielt Marschall Canrobert Befehl, zunächst nur gegen das Dorf Failly, den nördlichen Stützpunkt der Stellung von Servigny, zu detachieren.

Demgemäß brach um 7½ Uhr abends die Division Tixier aus Villers!'Orme vor, stieß aber in Failly auf den hartnäckigsten Widerstand. Von zwei Seiten angegriffen und mit Projektilen überschüttet, behaupteten die Ostpreußen zum teil im Handgemenge den Besitz des Ortes, bis die Landwehr=Brigade aus Vremy zu ihrer Unterstützung heran­kam.

Ungleich günstiger für die Franzosen als in diesem ein­gehenden Winkel zwischen zwei feindlichen Stellungen hatten sich schon zuvor die Verhältnisse südlich Servigny gestaltet, wo dem III. und II. Korps nur die 3. Brigade des preußi­schen I. Korps von Retonfay aus entgegentrat. Aber dem Versuch, zwischen Poix und Servigny durchzubrechen, be­gegneten die letzten in Reserve gehaltenen Bataillone der 2. Brigade durch einen Offensivstoß, dem sich alle nächsten Kompanieen anschließen. Unter Trommelschlag werfen sie sich auf den Feind, zwingen ihn, den Kirchhof von Servigny wieder zu räumen und treiben ihn hinter den Abhang zurück.

Um hier den heftigen Kampf zu unterstützen, war die 3. Brigade noch abends 8½ Uhr gegen Noisseville vorgegangen und hatte die augenblicklich nur schwache Besatzung ver­trieben, mußte aber dann der Uebermacht weichen und zog sich nach Pt. Marias zurück.

Das Gefecht verstummte nun an allen Punkten und schien beendet. Die Infanterie der 1. Division richtete sich in den Dörfern ein, die Artillerie rückte in Biwaks, als ganz unvermutet noch um 9 Uhr eine starke Masse, aus der Dunkelheit hervortretend, gegen Servigny anrückte. Es war die Division Aymar, welche, ohne einen Schuß zu lösen, in das Dorf hineingelangte und im heftigen Hand­gemenge die überraschte Besatzung verdrängte. Selbst von den nächsten Abteilungen war dieser Vorgang eine Zeitlang

unbemerkt geblieben, aber schnell griff diese dann zu den Waffen und, von allen Seiten anstürmend, warfen sie den Gegner bis über den Kirchhof zurück, der nun besetzt ge­halien wurde.

Mittlerweile war es 10 Uhr abends geworden. Die 1. Division hatte gegen alle Uebermacht ihre Stellung be­hauptet, aber in die Lücke zwischen der 3. und 4. Brigade waren die Franzosen eingedrungen und bedrohten von Noisseville aus Servigny immer noch in der Flanke.

Der andere Tag, der 1. September, brachte auch hier erst die Entscheidung, bei welcher die nachts von anderen Stellen der Cernierungslinie herangezogenen deutschen Hülfs­truppen mitwirkten. Sonach war der Fluchtversuch Bazaines an dem einzigen Tage, an welchem eine Ver­einigung mit Mac Mahon allenfalls hätte erreicht werden können, gescheitert, während fast gleichzeitig diesen letzteren die Katastrophe bei Sedan ereilte.

Aus unserem Kartenbilde, welches die Situation um 5 Uhr nachmitttags, zur Zeit des Hauptangriffes der Franzosen darstellt, sind die Stellungen und Bewegungen der Truppen recht deutlich zu erkennen.

Den von der Rhein=Armee am 31. August aus Metz hervorgetretenen 137 000 Mann hatten nur 36000 Preußen gegenübergestanden.

Zum ersten Mal war in dieser Schlacht den Franzosen der Angriff, den Deutschen die Verteidigung zugefallen. Wenn dabei der Verlust der Ersteren nur 3000 Mann betrug, mithin geringer war als 3400 beim Gegner, so erklärt sich dies aus der besseren Beschaffenheit ihres Infanteriegewehrs. Ganz entscheidend hatte aber überall die preußische Artillerie gewirkt und den unerschütterten Widerstand des Generals v. Manteuffel bei St. Barbe ermöglicht.

Verschiedene Ansicht.„Fräulein Irma, können Sie mir eine Eigentümlichkeit des Aales sagen?“ fragte der Professor bei der öffentlichen Schlußprüfung in der höheren Töchterschule. Die junge Dame gab zur Antwort: „Der Aal nimmt im Inhaltsverzeichnis eines jeden Koch­buches die erste Stelle ein.“„Sie scheinen für das Koch­buch mehr Interesse zu haben, als für die Wissenschaft,“ bemerkte hierauf der Professor geringschätzig, und die In­stituts=Vorsteherin tadelte sie obendrein, weil sie auch für das Klavierspiel keinen Sinn habe. Als dieses in der Stadt bekannt wurde, äußerten sich zumal die Mütter sehr abfällig über solche Ignoranz, ein junger reicher Ameri­kaner aber, der den Vorfall ebenfalls vernommen hatte, suchte das Mädchen auf— und heiratete es.