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ilerricht.

23. d. M. werde 1t Wwe. Benke im n neuen Tanz= nen.

werden Freitag senommen.

Rosendahl,

Tanzlehrer.

No. 249.

Fernsprech=Nr. 46 für Witten.

itten, Jantag, den 24. Ottober.

Fernsprech=Nr. 18 für Hagen.

1891.

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Rundschau.

* Der Abg. Munckel, der bekanntlich Rechtsan­walt ist, erörtert in der„Nation“ mit Bezug auf das Verhalten der Vertheidiger im Prozeß Heinze die„Grenzen der Vertheidigung in Strafsachen.“ Die Auffassung des Herrn Munckel findet sich am schärfsten in folgenden Sätzen, welche er formulirt, ##g### nachdem er die unbestrittene Thatsache erwähnt hat,

sten u. vinigsten, daß jedem Angeklagten nach den geltenden gesetzlichen kumente Bestimmungen dos Recht zusteht, seine Auslassung

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ustrumente.

abschlag.

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Gestimmungen das diecht zuslehi, feine Aurlaffung zur Sache zu verweigern:

Unter diesen Umständen muß es fast Wunder neh­men, wenn aus Anlaß eines neuerlich verhandelten Schwurgerichtsfalles die Frage überhaupt hat aus­geworfen werden können, ob der Vertheidiger befugt sei, dem Angeklagten zur Verweigerung seiner Aussage in der Hauptverhandlung zu rathen. Er ist dazu nicht blos befugt, sondern in dem Falle sogar ver­pflichtet, daß er nach seiner Ueberzeugung die Weigerung mehr zum Vortheil des Angeklagten erachtet, als die Vernehmung..

Wäre das richtig, dann wäre der Advokat bei

uns nicht blos Rechts=Anwalt, sondern auch Un­rechts=Anwalt, und zwar nicht nur— was ja vor­kommt— thatsächlich, sondern nach der Absicht des Gesetzes. Nach der These des Herrn Munckel, daß lediglich der„Vortheil des Angeklagten“ maß­

à M. 9.50 gebend für den Vertheidiger sein soll, hätte dieser, ter.„„ 10.50 auch wenn ihm bekannt ist, daß sein Klient etwa ster.„„ 6.50 einen Raubmord begangen hat, Alles aufzubieten, Nachnahme. um die Freisprechung es Raubmörders zu bewirken ich. westf. Schinken und demselben dadurch die Begehung neuer Ver­und 90 Pfg. brechen zu ermöglichen. Wir sind überzeugt, daß

u in Attendorn. die ungeheure Mehrheit aller deutschen Anwälte die

Auffassung des Herrn Munckel zurückweist. Ent­

stände die Ansicht, daß viele Anwälte so denken, wie Herr Munckel, so wäre die nächste nothwendige Folge hiervon, daß Richter und Geschworene immer gleich­gültiger gegen die Reden der Vertheidiger würden; nicht wirksamer, sondern unwirksamer würde die Vertheidigung, wenn sie den von Herrn Munckel empfohlenen Weg einschlüge.

billige

Alnr 8 an

∆ 5 Nrr.K 25.—

Str. K 32.— Imeempfiehlt ter, Arumüuster k. 9. postcoll K 3.60 und und K 4.20.*

K— Deinem Wissen, sei zuerst und sei zu­letzt beflissen.“ (Rückert.) iunge

—Sprechen

Lesen u. Verstehen schen und französi­

rache(bei Fleiß und ohne Lehrer sicher en durch die in 38 rvollk. Orig.=Unterr.= d. Meth. Toussaint­eidt. Probebriefe à

eidtsche Verl-B., Berlin Hallesche Str. 17.

je der Prospekt durch ngabe nachweist, ha­die nur diese Briefe indlichen Unterricht) das Examen als des Englischen und gut bestanden.

* Von Emin Pascha. Die Frage nach Emin Paschas Aufenthalt ist ersichtlich in den letz­ten Tagen in eine neue Phase getreten. Noch vor wenigen Wochen ging aus mehreren Berichten, theils von seiner Hand, theils von anderen Mit­gliedern der Seen=Expedition, wie sein Unternehmen amtlich benannt wird, hervor, daß er sich am Muta Nsige (oder Albert=Edward=Nyanza) befände. Danach gingen die Ansichten nur noch darüber auseinander, ob der Muta Nsige die deutsche Interessenspäre überhaupt noch berühre oder nicht. Auf Grund von Stanleys Karten zu seiner Reise:„Im dunkel­sten Afrika" nahm man an, daß der See ganz auf englischem Gebiete läge, daß also Emin unsere Sphäre vollständig verlassen habe. Von anderer Seite wurde entgegengehalten, daß die geographischen Angaben Stanleys nicht als feststehende betrachtet werden könnten, wie er ja auch schon früher zahl­reiche Irrthümer dieser Richtung begangen habe. Insbesondere sprächen manche Gründe dafür, daß der Muta Nsige weiter nach Süden reiche und deut­sches Gebiet berühre. Diesen Standpunkt vertrat u. A. Professor Kirchhoff in Halle und jetzt äußern sich„Portmanns Mittheilungen“ in ihrem Oktober= hefte dahin, daß der Albert=Edward=See eine bedeutend

größere Ausdehnung haben soll, als nach Stanleys Dar­

tliche Wohnung stellung. Hält man diesen Standpunkt fest, so war

sleinere Familie, aufs Emin Pascha, oder er mußte es wenigstens anneh­

men, mit der Erreichung des Muta Nsige noch auf deutschem Boden, außerdem befand er sich damit auch noch auf der Linie seiner Forschungen, die er sich in seinen Berichten gestellt hatte. Vom Ostufer des Muta Nsige hatte er seinem Plane nach süd­wärts durch das angrenzende Ruanda nach dem Tanganika zu ziehen. Von verschiedenen Seiten verlautet nun, daß Dr. Emin nicht diesen Weg weiter gegangen ist und sich weiter nördlich ge­wandt hat; nach einzelnen Mittheilungen war er auf dem Wege nach dem Albert Nyanza und hätte somit die deutsche Sphäre wissentlich verlassen. Manche Anzeichen sprechen dafür, daß diese Nach­richten begründet sind. Zunächst ist aus jenen brockenhaften Mittheilungen aus jenen Gegenden zu entnehmen, daß ihin keiner der Offiziere gefolgt ist, welche den Befehl über die ihm beigegebene Ab­theilung der Schutztruppe hatten. Dr. Stuhlmann hatte ihn auf seinem Zuge im Februar von Bukeba aus westwärts begleitet, doch scheint er sich von dem Führer getrennt zu haben. Einem Gerüchte it die Bäckerei zu er= an der Küste zufolge sollte Dr. Stuhlmann gefallen sein, P. Schynse hielt dies nicht für glaubhaft, gab aber an, baß Lieutenant Stuhlmann mit seiner Truppe bei den Wagonda sei, also wahrscheinlich am Westufer des Viktoria=Sees. Lieutenant Lang­held berichtete zuletzt, er wisse nichts von Emin und habe zu seiner Aufsuchung eine Expedition aus­gesandt. Lieutenant Sigl, welcher auch zur Seen­

Expedition gehörte, ist gar nicht in jene nordwest­lichen Gegenden gekommen, er kann also auch nicht bei Emin sein. Emin Pascha hat sich also ganz von der ihm beigegebenen Schutztruppe losgesagt und hat auf eigene Faust anscheinend einen Zug in ein fremdes Gebiet unternommen. Was Dr. Emin damit für Absichten hat, läßt sich nicht er­rathen; denn daß er die Hoffnung hegen könnte, von seinem ehemaligen Besitze an Elfenbein noch etwas zu finden, ist kaum glaublich. Das Geheim­niß der Vergrabung an einzelnen Stellen hatte viele Mitwisser, welche es wohl längst seinem Lager ent­nommen haben. Auch wird Emin kaum im Stande sein, mit den zu seiner Verfügung stehenden geringen Streitkräften gegen die dort eingedrungenen Mahdisten etwas auszurichten.

* Die Rede Vollmars gegen Bebel ist das große Ereigniß in der sozialdemokratischen Welt. Die„Köln. Ztg.“ bemerkt hierzu:„Die ätzende Schärfe der Vollmar'schen Dialektik muß allerdings in der Schwärmerseele Bebels ein brennendes Gefühl zurückgelassen haben. Wir sehen so die sozialdemokratische Parteileitung links und rechts von frondirenden Gruppen angegriffen. Sie mag mit der sogenannten Berliner Opposition für den Augenblik leicht fertig werden; aber diese Oppo­sition, die man zur Thür hinauswirft, wird stärker zurückkehren, denn die Sozialdemokratie umfaßt zahlreiche Elemente, welche ihr in Gesinnung und Manieren wahlverwandt sind. Auch Heer v. Voll­mar mag auf dem Parteitag ziemlich vereinsamt dastehen, aber die muthige Sicherheit seines selbst­bewußten Auftretens, der siegesgewisse Ton seiner Rede bürgt dafür, daß er den Kampf nicht so leicht aufgeben wird. Trotz der märchenhaften Autorität, mit der die sozialdemokratische Partei­leitung die Genossen beherrscht und zur Unterwerfung nöthigt, hat sie also immerhin keinen leichten Stand!“

In ähnlichem Sinne äußert sich die ultramon­tane„Köln. Volksztg.“:„Die Rede Vollmar's be­weist zunächst, daß der Gegensatz zwischen ihm und der Firma Bebel=Singer=Liebknecht unausgeglichen ist und weit tiefer geht, als es bisher den Anschein hatte. Trotz allen Ausgleichsversuchen der letzten Monate— bekanntlich ist sowohl Bebel als Lieb­knecht in Bayern gewesen— hat Vollmar eine Programm=Rede gehalten, die ihre sachliche Spitze gegen die gesammte bisherige Taktik der Fraktion, die persönliche Spitze direkt gegen Bebel richtet. Die Gegensätze treten in der Rede selbst so deutlich hervor, daß eine umschreibende Erörterung kaum mehr erforderlich ist. Der Abg. Liebtnecht hat dem hervorragendsten Vertreter der süddeutschen Sozial­demokratie bereits geantwortet; Bebel, der so scharf Angegriffene, theilweise sogar Verhöhnte, wird sicher nicht schweigen. Was sich bisher in Erfurt abspielte, war Kleinkram; ob Bebel die Werner, Wildberger usw. etwas mehr oder weniger vernichtet, ist ziem­lich gleichgültig; erst jetzt ist derjenige Gegner auf­gestanden, den auch die Fraktionsleitung ernst zu nehmen haben wird. Was aus dem Zweikampf­Vollmar=Bebel herauskommt, darauf darf man ge­spannt sein; die Frage der Taktik ist für die Sozial­demokratie, wie bei jeder revolutionären und dema­gogisch geleiteten Partei, die entscheidende.“

miethen. n der Exped. d. Bl.

Familie sofort oder m. Wo, sagt d. Exped.

und

eile 10 Pfg.—

erbreitung in den

Exemplaren.

gesucht. Von wem, 88.

Vetag von.

d& Co. in Witten. n H. Risel& Co. in Hagen.

iter Verantwortlichkeit betold in Witten.

* Unter den Mitteln, durch welche die Con­currenzfähigket der deutschen Landwirthschaft uno insbesondere des heimischen Getreidebaues gegenüber dem Auslande Angesichts der in Aussicht stehen­den Verminderung des Zollschutzes gestärkt werden könnte, nimmt in der öffentlichen Erörterung die Einrichtung gemeinsamer Speicher in Verbindung mit den Verkehrsanlagen, insbesondere der Eisenbahnen, eine hervorragende Stelle ein. Man erhofft von der Bearbeitung des Getreides in solchen mit den erforderlichen maschinellen Ein­richtungen versehenen Lagerhäusern nicht nur eine Verbessernug der Qualität des heimischen Getreides als Handelswaare unter gleichzeitiger Verminderung der Kosten der Bearbeitung, sondern auch die Mög­lichkeit, auf eine Entwickelung der Preise hinzuwirken, durch welche die von den Konsumenten für die Brodfrucht anzulegenden Preise in höherem Maße als bisher den heimischen Getreidebauern zufließen. Inwieweit vornehmlich die letztere Erwartung reali­sirbar ist, mag dahingestellt sein. Auch wären die großen Schwierigkeiten nicht zu verkennen, die der Verwirklichung derartiger Pläne auf dem hierfür im Wesentlichen allein in Betracht kommenden Wege der Selbsthilfe sich entgegenstellen. Jeden­falls aber bildet die volle Klarheit über die technische und die damit zusammenhängende ökonomische Seite der Sache die nothwendige Voraussetzung für ein richtiges Urtheil über die Zweckmäßigkeit und Durchführbarkeit derartiger Plane. Anderwärts, und zwar, abgesehen von den Vereinigten Staaten Nordamerikas, namentlich auch in Rußland, bestehen

Speichereinrichtungen und Elevatoren in Verbindung mit Verkehrsanlagen in weiterem Umfange schon jetzt. Die Erfahrungen, welche insbesondere mit den außerhalb der großen Verkehrscentren be­stehenden Einrichtungen dieser Art gemacht sind, werden auch für die Behandlung der Angelegenheit bei uns von entscheidender Bedeutung sein. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat daher Auftrag zu genauem Studium der Einrichtungen an Orc und Stelle ertheilt und sollen hiermit in erster Linie die den betreffenden kaiserlichen Missionen beigegebenen technischen Attachés betraut werden.

* Der interparlamentarische Friedenskongreß in

Rom, der wegen des Briefes seines voraussichtlichen Präsidenten Bonghi über Elsaß=Lothringen gerade in Deutschland viel von sich reden gemacht, wird nach Bonghi's Rücktritt von diesem Ehrenamte nun auch bestimmt eine Anzahl von deutschen Parla­mentariern zu seinen Mitgliedern zählen, und das ist ganz gut, denn die Herren können dann sofort etwaige Angriffe auf Elsaß=Lothringen und Deutsch­land mit Entschiedenheit zurückweisen. Selbst­verständlich ist von diesen Kongressen, wenigstens in absehbarer Zeit, in keinem Falle zu erwarten, daß sie den Wunsch nach einem ewigen Frieden wesentlich fördern werden; der Einfluß solcher Kongresse auf die allgemeine Lage wird vor der Hand noch un­bedingt gleich Null bleiben. Man wird es Seitens der italienischen Regierung an einigen höflichen Worten für die fremden Gäste ganz gewiß nicht fehlen lassen, aber wenn dann Alles wieder vorbei ist, wird es in Europa noch ganz ebenso aussehen, wie vorhin.

* Die B P. N. schreiben: Einer Mittheilung zufolge, die uns aus London zugeht, mißt man in den dortigen politischen Kreisen den russischen Operationen im Pamirgebiete außer ihrem nächsten Zwecke auch noch den weiteren bei, die Aufmerksam­keit Englands von den europäischen Absichten Ruß­lands abzulenken, was besonders von den auf die Ausfahrt russischer Schiffe aus dem Schwarzen Meere bezüglichen Absichten gilt. Englischerseits legt man aber gerade mit Rücksicht auf letztere Tendenzen Rußlands größere Wachsamkeit an den Tag und damit hängen auch die Verstärkungen und Konzentrirungen der englischen Flottenabtheilungen im ägäischen Meere zusammen.

* Die allmählich eintreffenden Einzelheiten über

den Aufruhr in Ischang(China) am 2. Sept. lassen es außer Zweifel, daß die ganze Sache vor­sätzlich und planmäßig angezettelt worden ist. Die Aufrührer waren wenige an Zahl, handelten aber mit solcher Schnelligkeit und so systematisch, daß sie in kurzer Zeit eine große Menge Gebäude in Brand gesteckt und fast jeden Europäer von Ischang ge­zwungen hatten, auf dem im Flusse liegenden Dampfer„Paohua“ Zuflucht zu suchen. Um einen Vorwand für ihren Angriff auf die Europäer zu finden, veranlaßten die Rädelsführer des Aufruhrs durch einen Mittelsmann die Franziskanernonnen, einen Säugling in ihr Kloster aufzunehmen. Am nächsten Tage wurde das Kind unter gewaltigem Geschrei zurückgefordert unter der Beschuldigung, die Schwestern hätten es gestohlen. Eine Menschen­menge hatte sich schnell gesammelt und sofort be­gann der Sturm auf das Kloster. Die Nonnen entkamen durch eine Nebenpforte nach dem Fluß. Der Pöbel lief ihnen nach und hätte ihnen sicherlich ein Leides angethan, wenn nicht Pater Braun, ein Mann von herkulischer Gestalt und früher Offizier in der deutschen Armee, sie mit seinem Leibe ge­schützt hätte. Dafür empfing der Pater die Schläge, welche den Schwestern gelten sollten. Schließlich brachte ein Boot des„Paohua“ die Fliehenden nach dem Schiffe. Der gesammte Aufruhr war in 20 Minuten vorüber. Aber unglaubliche Ver­heerungen waren in dieser kurzen Spanne Zeit an­gerichtet worden. Die Aufrührer hatten Petroleum bei sich. Als ihr Vorrath erschöpft war, zwangen sie die Dienstboten der Häuser der Europäer ihnen mehr zu geben, worauf sie alsbald die Gebäude in Brand steckten. Erst als Alles vorüber war, ver­hafteten die Behörden eine Anzahl Personen, die einige versengte Holzstücke aus den niedergebrannten Häusern forttrugen. Den eigentlichen Schuldigen geschah nichts.

Deutsches

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* Berlin, 22. Okt. Der Kaiser arbeitete heute in den Morgenstunden mit dem Kriegsminister und dem Chef des Militärkabinets. Den Rest des Tages wid­mete der Monaich dem Familienkreise, in welchem heute das Geburtsfest I. M. der Kaiserin begangen wurde. Aus Anlaß dieses freudigen Ereignisses fand Nachmittags 1¼ Uhr im Neuen Palais eine Familientafel statt. Von den verwandten und befreundeten Höfen waren viele Glück­wunsche eingelaufen, in Preußen und im Reiche war die

Feier des Tages seitens der Bevölkerung eine ebenso herzliche als allgemeine.

— Der Geburtstag der Kaiserin Auguste Viktoria wurbe Donnerstag im Neuen Palais bei PLotsdam festlich begangen. Die Vorbereitungen zur Feier desselben waren unter der Leitung des Kaisers, welcher persönlich den Aufbau der Geschenke ordnete, getroffen worden. Die Geburtstagsfeier begann Vormittags 9 Uhr im engsten Familienkreise. Die Kavelle des 1. Garde­regiments hatte den kaiserlichen Majestäten eine Morgen­musik gebracht. Am Vormittag um 11 Uhr hatten die Herren des kaiserlichen Hauptquartiers die Ehre, der Kaiserin ihre Glückwunsche persönlich abstatten zu dürfen. Um 1¼ Uhr fand bei dem Kaiserpaore eine größere Frühstücks=Familientafel und für das Gefolge eine größere Marschalltafel statt. Zuvor hatten die Mitglieder der Kaiserfamilie Ihrer Majestät ihre Glückwünsche dar­gebracht. Am Abend fand eine größere Festlichkeit statt. — Die zur Zeit in Berlin und in der Umgegend von Potsdam anwesenden Mitglieder des preußischen Königs­hauses hatten sich im Laufe des Tages nach dem Neuen Palais begeben, um der Kaiserin ihre Glückwünsche dar­zubringen. Ebenso waren auch verschiedene Teputationen eingetroffen.— Die Wachen und Posten zogen im Parade­

anzuge mit Haarbusch auf. Die kaiserlichen Schlösser und die prinzlichen Palais, sowie zahlreiche Privatgebäude Berlins hatten zur Feier des Tages Flaggenschmuck an­gelegt. Von Fern und Nah, von befreundeten und ver­wandten Höfen waren zahlreiche Glückwunschschreiben und Gratulationstelegramme im Neuen Palais bei Potsdam eingelaufen.

— Es sind jetzt wieder Meldungen verbreitet wor­den, nach denen zwischen dem Kaiser und der griechischen Kronprinzessin, wegen deren Uebertcitt zur griechischen Kirche, Differenzen herrschen sollen, dazu schreibt die „Post":„Die Gerüchte von einer Spannung beruben vollends auf Erfindung. Es ist in zuständigen Kreisen ein offenes Geheimniß, daß Se. Majestät durch den Uebertritt der Frau Kronprinzessin ebenso überrasch: wurde, wie ungezählt Andere auch und daß der Kaiser Anfangs geneigt war, den Grund des Uebertrittes in Einflüssen der königlichen Familie oder Hofkreise zu suchen. Es hat sich jedoch alsbald die völlige Grundlosigkeit dieser Annahme herausgestellt: es muß noch einmal wiederholt werden, daß die Kronprinzessin aus eigenstem Antriebe den Wechsel der Konfession vollzogen, hat. Von einer Verstimmung des Kaisers gegen die Konigsfamilte von Griechenland kann somit nicht die Rede sein. Die Be­ziehungen sind nach wie vor die herzlichsten.“

— In der heutigen Sitzung des Bundesrathes wurde der Gesetzentwurf über die Vereinsthaler österreichischen Gepräges den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen überwiesen. Der Antrag betreffend die Zuweisung Helgolands zu einem Seeamtsbezirk wurde durch Zuweisung an den Seeamtsbezirk Hamburg erledigt.

— Dem Vernehmen nach ist dem General der In­fanterie v. d. Burg, kommandirender General des 2. Armee­Corps der Abschied bewilligt worden und für denselben der Generallieutenant v. Blomberg, Kommandeur der 5. Division, zum kommendirenden General des 2. Armee­Corps ernannt worden. Die 5. Division hat der General­lieutenant Vogel v. Falckenstein. Direktor des allgemeinen Kriegs=Departements im preußischen Kriegsministerium, erhalten.

— Am Dienstag haben unter dem Vorsitze des Staats­sekretärs im Reichsamt des Innern, Staatsministers v. Boetticher Berathungen in der Frage des deutsch­italienischen Handelsvertrages stattgefunden, welche morgen fortgesetzt werden sollen. Nach Mittheilungen aus München läßt der Gang der dortigen Verhandlungen mit Bestimmtheit darauf schließen, daß es binnen ganz kurzec Zeit zu einem befriedigenden Ausgleich der strittigen Meinungen kommen wird. Danach ist also der definitive Abschluß der Handelsvertragsverhandlungen mit Italien sowohl als auch die Einbringung der Handelsverträge an den Reichstag noch vor Weihnachten mit Sicherheit zu erwarten.

— Die Meldung einiger Blätter, Major v. Wißmann habe nunmehr die See=Expedition, zu der er sich dem Antisklaverei=Comité gegenüber verpflichtet hat, mit Rück­sicht auf das Scheitern des Zelewskischen Zuges wider die Wahehe endgultig aufgegeben, findet in Kolonial­kreisen keinen Glauben und entspricht auch nicht den bis­her bekannt gewordenen Nachrichten. Major v. Wiß­mann hat lediglich nach dem Eintreffen der ersten Nach­richten über das Scheitern der Zelewskischen Expedition angezeigt, daß er unmittelbar nach diesem Scheitern den Vormarsch nicht für rathsam erachtet. Er hat desdals vorläufig seine Träger und Begleitmannschaften bis auf die zur Bewachung des für die Seer=Expeditior beschiff­ten, auf der Kuste lagernden Materials erforderliche Zahl entlassen und den Auftrag des Gouverneurs Frhr. v. Soden übernommen, zunächst in Aegypten die Anwer­bung einer größeren Zahl Sudanesen zur Ergänzung und Vermehrung der Schutztruppe auszuführen. Er ist in­zwischen in Kairo eingetroffen, und da die Englander sich bereit erklärt haben, ihn in seiner Aufgabe kräftig zu unterstützen, so ist vorauszusehen, daß er sehr bald die erforderliche Zahl Sudanesen angeworben haben wird und mit ihr die Fahrt nach Ostafrika wird antreten kön­nen; dann steht aber auch nicht das Geringste im Wege, sofort die Ausrüstung der Seen=Expedition in Angriff zu nehmen.

— Kaum sind die großen Staaten aus das 7 Milli­meter Kaliber der Gewehre heruntergegangen, welche noch vor kurzer Zeit von den Waffengelehrten als die äußerste Grenze des kleinen Kalibers bezeichnet wurden, da de­währten sich in Italien die Versuche mit einem Kaliber unter 6 Millimeter und aus Oesterreich komint soeben die Meldung von ebensolchen Resultaten. Oo die deutsche Militärverwaltung gleiche Versuche angestellt hat, ist bisher nicht bekannt geworden.

— Wie in Deutschland, so sind auch in Oesterreich= Ungarn Umfragen an die höderen Off gerichtet worden, sich über die Frage ter zweitäh­rigen Dienstzeit für die Infanterte gutachtlich zu äutzern. Die Mehrzadl der befragten Herren bat sich gegen das Projekt ausgesprochen. Bei uns lagen die Dinge bekanntlich ebenso, es sollen nun aber doch praktische Ver­suche gemacht werden. Die Entscheidung ist in keinem Falle sobald zu erwarten.