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No. 192.

Fernsprech=Nr. 46 für Witten.

Witten, Mittwotz, den 19. Augut.

Fernsprech=Nr. 18 für Hagen.

1891.

phen=Verein sberger“.

zn 18. August, 8½ Uhr.

eines neuen chtskursus.

werden von Herrn hier, entgegenge­liegt eine Liste zum Vereinslokal„Hotel en.

Nark.

August 1891.

Der Vorstand.

Sängerkreis.

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Der Vorstand.

bis 30. Aug. eist. Herr Dr. st mein Ver­

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ver, Witten.

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Verantwortlichkeit pold in Witten.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.

Insertionen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet.

verbunden mit dem

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für Witten und Amgegend.

Abonnementspreis(inel. der Gratisbeilage „Märkisches Heim"): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2.20 Me

Kirchenstaat und

Unter dieser Ueberschrift schreibt die„Köln. Z.“: Wenn es noch hätte zweifelhaft sein können, daß unsere Centrumspartei durch die bekannten dreibund­feindlichen Artikel des„Osservatore Ronlano“

(— gegen den sich übrigens auch die„Germania“ wendet. D. R. d. W. P.—) und durch die Hin­neigung des Vatikans zu Frankreich in Verlegenheit gerathen ist, so würde die Düsseldorfer Rede des Herrn von Schorlemer darüber volle Klarheit ver­breitet haben. Seit dem vorigen Jahre gefällt sich das Centrum in der Rolle der festesten Säule der Reichspolitik, und gewisse, in Deutschland vielfach und lebhaft mißbilligte Vorgänge beim Tode Windthorsts haben gezeigt, wie sehr es in dieser Rolle respektirt wird. Es begreift sich, daß die ultramontanen Politiker, insbesondere diejenigen vom Schlage des Herrn von Schorlemer, eine so schöne und einflußreiche Stellung nicht wieder ge­fährdet sehen möchten. Gefährdet aber würde sie doch wohl einigermaßen werden, wenn das Centrum die Proklamirung einer ebenso demonstrativ franzosenfreundlichen wie deutschfeindlichen Politik des Vatikans ohne entschiedene Verwahrung hin­nähme. Herr von Schorlemer hat die erste sich ihm bietende Gelegenheit dazu ergriffen; aber auf der anderen Seite darf das Centrum nicht im Gegensatze zum Papste erscheinen. Dieser Zwangs­wahl hat der westfälische Freiherr dadurch zu ent­rinnen versucht, daß er unter Ignorirung des

Lavigerismus und zahlreicher anderer Merkzeichen der päpstlichen Politik frischweg jeden Zusammen­hang zwischen dem Papste und den erstaunlichen Aeußerungen des„Osservatore“ in Abrede stellte. Herr von Schorlemer ist Geheimer Kämmerer Sr. Heiligkeit— seine vatikanischen Informationen und sein eigenes Urtheil in allen Ehren! Er wird es aber doch gestatten müssen, daß die Richtigkeit seiner Meinung dort, wo dieselbe mit unbequemen Thatsachen in Widerspruch geräth, einigen gelinden Zweifeln begegnet, wie schr er sich auch bemüht hat, denselben vorzubeugen, indem er über den „Osservatore" die volle Schaale der ihm zur Ver­fügung stehenden negativen Urbanität ausgoß. Die Sache ist mit der Düsseldorfer Rede des Herrn von Schorlemer wirklich nicht abgethan. Der

„Osservatore Romano“ ist das anerkannteste Preß­organ der Römischen Curie, er muß denn doch sehr viel ernster genommen werden, als Herr v. Schor­lemer thut oder gar zu thun vorgiebt. Die wirk­liche Sachlage ist einfach diese: Man hat im

Vatikan für die Wiederherstellung der weltlichen

Herrschaft des Papstes bis vor Kurzem auf Oester­reich und Deutschland gehofft, indem man auf den Ablauf des Dreibundes rechnete; die Erneuerung des Letzteren hat diese Rechnung zerstört. Nunmehr klammert man sich mit aller Macht an Frankreich, in der Voraussetzung, daß der ungeheuere europäi­sche Zusammenstoß, den die Welt seit Jahren mit banger Sorge heranziehen sieht, nahe sei. Man

erwartet, daß Frankreich mit seinen Verbündcten den Dreibund besiegen und den italienischen Einheits­staat zertrümmern werde. In der That ist das der ein­zige Weg, auf welchem die Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft wirklich denkbar wäre. Die Ausführungen des„Osservatore“ haben den Zweck, dies den Getreuen kundzuthun, damit sie sich darnach einrichten. Die deutschen Ultramontanen können nicht umhin, dazu Stellung zu nehmen. Die Zer­trümmerung Italiens würde die Niederlage Deutsch­lands zur Voraussetzung haben. Der Weg, welchen die vatikanische Politik jetzt eingeschlagen hat, muß deshalb von jedem Deutschen, einerlei, welcher Partei er angehört, rückhaltlos verurtheilt werden.

Ende dieses Monats steht die Generalversammlung der deutschen Katholiken bevor; in den letzteren Jahren war die Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes auf ihr ein Hauptthema. Wie wird sie die Frage diesmal behandeln?

Rundschau.

* In neuerer Zeit wurde in einigen Blättern die Frage der Beschickung der Chicagoer Welt­ausstellung einer Erörterung unterzogen, die in manchen Punkten den thatsächlichen Verhältnissen keine Rechnung trug. Es wurde dabei der Vor­schlag gemacht, eine Untersuchung über die Bereit­willigkeit der deutschen Interessenten zur Beschickung der Ausstellung vorzunehmen und von deren Ausfall die Betheiligung Deutschlands abhängig zu machen. Dieser Vorschlag ist zu einer Zeit bereits ausgeführt worden, ehe sich die Reichsregierung zur Annahme der nordamerikanischen Einladung zur Ausstellung, sowie zur Leitung und Organisation der deutschen Ab­theilung entschloß, und auf Grund des Ausfalles der damaligen Befragung ist der Entschluß der

Reichsregierung gefaßt worden. Gegenwärtig also kann es sich um solche vorbereitenden Schritte nicht mehr handeln. Nachdem einmal das Reich seine Betheiligung an der Ausstellung zugesagt hat, ist die Beschickung nicht nur Ehrensache geworden, son­dern muß auch von dem Gesichtspunkte aus be­trachtet werden, daß Deutschland bisher unter den am Außenhandel der Vereinigten Staaten betheiligten Ländern die zweite Stelle einnimmt und zu ver­theidigen hat. Wenn nun der Befürchtung Aus­druck gegeben wird, daß die Nordamerikaner auf der Ausstellung Gelegenheit nehmen werden, sich deutsche Erfindungen und anderweite industrielle Fortschritte rechtswidrig anzueignen, so ist diese Befürchtung unbegründet. Der Erfindungsschutz ist nicht nur durch die amerikanische Gesetzgebung ver­bürgt, es haben auch die Vertreter der amerikanischen Ausstellungskommission bei ihrer Anwesenheit in Berlin die bestimmte Erklärung abgegeben, daß der Ersindungs=Muster u. s. w. Schutz sich auch auf Ausstellungsgegenstände erstrecke. Im Uebrigen ist die Ausstellungsangelegenheit auf deutscher Seite jetzt so weit gefördert, daß die Bildung der in Aus­sicht genommenen Lokalcomitees nahe bevorsteht. Es liegt bekanntlich in der Absicht, in Berlin so­wohl wie in den einzelnen Industriezentren In­teressenten=Comitees zu errichten, für deren Zu­sammensetzung die wirthschaftlichen Vereinigungen um Vorschläge angegangen sind. Aus diesen Einzel­comitees soll dann ein Exekutivcomitee gebildet wer­den, welches die Organisation der deutschen Aus­stellungsabtheilung in die Hand nehmen wird. Schon in den nächsten Wochen dürften die hierzu noth­wendigen Schritte unternommen werden.

* Die Stellung des sozialdemokratischen Ab­geordneten v. Vollmar zu den gegenwärtig bei uns bestehenden Verhältnissen kennen unsere Leser aus mehrfachen Artikeln zur Genüge. Es ist ein erfreu­liches Zeichen, daß auch andere Abgeordnete dieser Partei rückhaltlos ihrer Ansicht dahin Ausdruck geben, daß die Sozialdemokraten für das Vaterland in den Zeiten der Noth ebenso

energisch einzutreten haben wie die übrigen Bürger. In einer Versammlung der Münchener Sozial­demokraten sprach der Reichstagsabgeordnete Birk. Aus seiner Rede ist namentlich die Stelle hervor­zuheben, in welcher er die Stellung der Arbeiter­schaft zum Militärwesen berührte. Nachdem er die Forderungen der deutschen Sozialdemokratie in dieser Hinsicht betont, bemerkte er wörtlich:

„Wir betrachten es als Pflicht eines Jeden, den Dienst, den das Vaterland von ihm fordert, zu leisten.(Bravo!) Die deutschen Vertreter werden zu diesem Punkte auf dem Congresse keine andere Stellung einnehmen können. Nicht unmöglich ist es, daß in Brüssel etwas erregte Franzosen die Rückgabe von Elsaß-Lothringen an Frankreich ver­langen könnten. Hierüber würden wir uns wenig oder gar nicht an der Diskussion betheiligen. Meiner Ansicht nach sind die Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich, wie wir sie ansehen, keine feindlichen, aber daß wir Elsaß­Lothringen als russisches Bärenfutter ausliefern, das möge man nicht von uns erwarten.“

Sehr„wissenschaftlich“ vorsichtig drückt sich die „Berliner Volkstribüne" über die Stellung der Sozialdemokraten im nächsten Kriege aus:

„Wie sich die Sozialdemokratie zum nächsten Krieg stellt, ist eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Wir sind natürlich prinzipielle Gegner des Krieges, in dem wir nicht nur ein überhaupt kulturfeindliches und fortschritt­hemmendes Moment sehen, sondern auch speziell ein Mittel, das Proletariat niederzuhalten. Allein in dem besonderen Fall des nächsten Krieges kommen noch andere Punkte dazu. Der Feind, welcher einer Entwickelung der Tinge in unserem Sinn am gefährlichsten wird, ist Ruß­land, und bevor Rußland nicht vernichtet ist, kann an einen Sieg unserer Ideen nicht gedacht werden. Deshalb halten wir es noch für die Aufgabe der jetzt herrschenden Ge­walten, vorerst Rußland niederzuschlagen— ob das nun in einem„frivolen“ Angriffskrieg oder in einem„sittlichen" Vertheidigungskrieg geschieht, soll uns egal sein, wenn es nur ein erfolgreicher Krieg ist.“

* Die Vorarbeiten für den sogenannten Mittel­landkanal, welche bekanntlich auf Kosten eines Komitees unter dem Vorsitze des Landesdirektors Frhrn. von Hammerstein=Hannover von der Staats­bauverwaltung unter der oberen Leitung der Kanal­kommission in Münster vorgenommen werden, sind am 1. August in Angriff genommen worden. In den Handelskreisen der Stadt Bremen, welche das lebhafteste Interesse an einer besseren Wasserver­bindung mit dem Hinterlande hat, als sie die regulirte Weser bietet, beschäftigt man sich im Hinblick auf die Aussicht, das erwähnte Kanalprojekt in nicht allzu langer Zeit verwirklicht zu sehen, bereits mit Plänen zur Herstellung einer Wasserverbindung mit dem Kanal, welche Schiffe von den für den letzteren in Aussicht genommenen Ausmessungen mit voller Ladung von und bis Bremen zu verkehren gestattet. Den Anschluß mittelst der Weser an demjenigen Punkte, wo der Kanal diesen Fluß kreuzt, zu suchen, verbietet sich schon aus technischen Gründen. Der Niveauunterschied zwischen Kanal und Weser würde sich nur sehr schwer und unter den Verkehr sehr

hemmenden Umständen überwinden lassen. Auch würde die Kanalisirung der Weser bis hinauf zu dem Kreuzungspunkte nicht allein sehr beträchtliche Kosten verursachen, sondern auch die nöthige Fahr­tiefe in den oberen Strecken nicht erzielen. Man ist daher auf den Gedanken gekommen, die theils noch weiter zu regulirende, theils zu kanalisirende Weser von Bremen aufwärts nur bis Nienburg zu ver­folgen, von da aber den Anschluß an den Mittel­landkanal mittelst eines Seitenkanals in der Nähe von Hannover herzustellen. Bei der Wahl dieser Trace würde zugleich eine direkte leistungsfähige Wasserverbindung zwischen Bremen und Hannover erreicht, wie sie im beiderseitigen Interesse längst erstrebt wird. Da die preußische Regierung dem Plane der Herstellung einer solchen Wasserstraße mittelst Kanalisirung der Leine bereits durch Vor­nahme der Vorarbeiten näher getreten ist, dieser Plan aber zu einer, wenn auch minder kostspieligen, so doch auch ungleich weniger leistungsfähigen Wasserstraße führen würde, so giebt man sich in Bremen der Hoffnung hin, daß man preußischerseits sich zur technischen Vorbereitung der Linie Bremen­Nienburg=Hannover und zur theilweisen Uebernahme der Kosten bereit finden lassen werde.

wenn überhaupt, bei der gegenwärtigen Höhe der

Getreidepreise eine merkliche Einwirkung auf den Preis des Brodes gar nicht zu äußern vermögen. Schon die im Frühjahr d. I. gemachte Erfahrung, daß die Erwartung einer solchen Maßregel eine Haussebewegung im Auslande hervorgerufen hat, läßt kaum einen Zweifel darüber, daß jede Herabminderung der deutschen Zölle zunächst zu einer Erhöhung der Preise auf den ausläu­dischen Märkten führen wird, sodaß, zumal bei der gleich­zeitigen Betheiligung des Zwischenhandels an den Vor­theilen der Maßregel, für den inländischen Konsum nur ein äußerst geringer, vielleicht gar kein Nutzen er­wachsen würde. Sodann ermäßigt sich dieser Nutzen naturgemäß umsomehr, je höher die Getreidepreise sind, je niedriger sich also das Verhältniß des Zolles zu ihnen stellt. Endlich aber kommt in Betracht, daß für Deutsch­land, auch wenn die durchaus nothwendige Erhaltung und Hebung der Leistungsfähigkeit der vaterländischen Landwirthschaft der Regierung eine sorgfältige Pflege ihrer Interessen nicht in so hohem Grade, wie gegen­wärtig, zur Pflicht machte, doch Angesichts der schweben­den Handelsvertragsverhandlungen jede Veränderung des Getreidezolltarifs fur die mit gleichem Eifer verfolgten Interessen der einheimischen Industrie bedrohlich sein würde. Die Regierung hält es nicht für angängig, durch eine autonome Herabsetzung der Getreidezölle die Erfolge möglicherweise in Frage zu stellen, welche von jenen Ver­handlungen für eine fruchtbare Entwickelung der vater­ländischen Arbeit erwartet werden dürfen.“

Deutsches

* Wie die chinesischen Statthalter den Erlaß ihres Kaisers über den Schutz der Fremden in China ausführen, erhellt aus einem Privat­briefe aus Isien=Kiang, der mittheilt, daß der dortige Statthalter seinen Beamten befohlen habe, die Häuser der Christen nach den Leichen oder Ge­beinen von Kindern zu durchsuchen. So wurde die Presbyterianer=Mission, während der Pöbel draußen wartete, durchstöbert. Wenn die Behörden selbst auf diese Weise den von den Hetzern ausgesprengten Gerüchten, die Christen schlachteten Kinder, den Stempel der Wahrscheinlichkeit aufdrücken, darf man sich nicht wundern, wenn sie von den unwissenden Massen geglaubt werden. In demselben Orte ver­suchte der Pöbel, die römisch=katholische Mission zu stürmen, wurde aber von den Missionaren bis zur Ankunft des Militärs in Schach gehalten. Im Süden der Provinz wurden einige Kirchen zerstört, in Fuhausu drangen die Räuber in die Kirchen und Pfarrhäuser ein und schleppten fort, was sie tragen konnten; das Waisenhaus blieb verschont. In Folge dessen durchziehen Patrouillen die Straßen.

Amtliche Kundgebung über die Getreidezölle.

Berlin, 17. August. Der Deutsche Reichsanzeiger erklärt offiziell, daß nicht beabsichtigt wird, eine Er­mäßigung oder Aufhebung der Getreidezölle eintreten

lassen. Die Darlegung lautet:„Das Kgl. preußische Staatsministerium ist am 15. d M. in die Berathung darüber eingetreten, ob bei der andauernden Steigerung der Getreidepreise eine Veranlussung gegeben worden sei, in der Frage der Aufhebung beziehungsweise Ermäßigung der Getreidezölle von dem bisher cingenommenen und von dem Ministerpräsidenten in der Sitzung des Hauses der Abgeordneten vom 1. Juni d. J. dargelegten Standpunkte abzugehen. Das Ergebniß der Berathung geht dahin, daß eine solche Veranlassung nicht vorliege, daß jener Standpunkt vielmehr auch jetzt festzuhalten sei. Fur diese Auffassung sind folgende Erwägungen entscheidend ge­wesen: Die an das ungünstige Wetter der letzten Wochen geknüpften Befürchtungen einer ungenügenden Versorgung des Landes mit Nahrungsstoffen entbehren der hinreichen­den Begründung. Wie die im verflossenen Frühjahre lautgewordenen Besorgnisse, daß die vorhandenen Vor­räthe an Brodstoffen nicht groß genug seien, um die Er­nährung der Bevölkerung bis zur nächsten Ernte sicher zu stellen, sich nicht bestätigt haben, so ist auch die damals weit verbreitete Annahme, daß der Einfluß des außer­ordentlich strengen Winters auf den Ertrag des Feld­baues ein sehr verderblicher sein werde, durch die weitere Entwickelung der Früchte widerlegt worden. Diese Ent­wickelung ist, abgesehen von einzelnen verhältnißmäßig wenig umfangreichen Distrikten, eine über Erwarten günstige gewesen. Ebensowenig wie damals liegt aber im gegenwärtigen Augenblicke, in welchem noch nicht einmal die Roggenernte überall beendet ist, ein Grund vor, die Hoff­nung aufzugeben, daß der Gesammternteertrag hinter dem Durchschnittsergebniß der Vorjahre nicht zurückbleiben werde. Den lauten Klagen über die Behinderung der Ernte­arbeiten durch die Ungunst der Witterung stehen zahl­reiche Meldungen über einen reichlichen Erdrusch des eingebrachten Korns gegenüber. Ein völlig zutreffendes Bild über den Ertrag der Ernte wird sich erst nach ihrer Beendigung gewinnen lassen, und für die Frage, ob ein Mangel an Nahrungsstoffen zu besorgen sei, wird insbesondere das thatsächliche Ergebniß der Kartoffelernte ins Gewicht fallen. Wenn auch die bisherige Ent­wickelung der Kartoffelfrucht in manchen Gegenden durch­aus nicht befriedigt, so entbehrt doch zur Zeit die An­nahme eines völlig ungenügenden Ertrages der Begründung. Auch das von der kaiserlich russischen Regierung er­lassene Verbot der Ausfuhr von Roggen vermag die Forderung einer Herabsetzung oder Aufhebung der Ge­treidezölle nicht zu unterstützen. Als Ersatz für den Ausschluß russischen Roggens von deutschen Märkten wird einerseits die Verwendung des Weizens zur Volks­ernährung in erwettertem Umfange, sodann aber die Zufuhr von Roggen aus anderen zur Abgabe dieser Getreideart fähigen Ländern in Aussicht genommen werden können. Die vielsach geforderte Aufhebung oder Herabsetzung der Getreidezölle wurde aber neiter,

* Berlin, 17. August. Aus zuverlässiger Quelle sind die„Berl. Pol. Nachrichten in der Lage zu bestätigen. daß die Verletzung Sr. Majestät des Kaisers am Knie ganz geheilt und daß ihm lediglich Vorsicht namentlich in Bezug auf Reiten nothwendig ist. Letztere Rücksicht vor­nehmlich ist für die Wahl von Kiel als Aufenthaltsort für die nächste Zeit maßgebend gewesen.

— In politischen Kreisen ist es sehr lebhaft bemerkt worden, daß der frühere Generalstabschef Graf Walder­see bei seinem neulichen Besuch an Bord der„Hohen­zollern“ mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt worden ist. Während die übrigen Besucher von dem Kaiser nach Erledigung ihrer Vorträge verabschiedet wurden, ist Graf Walderse auf besonderen Wunsch des Monarchen bis zum Abend an Bord der kaiserlichen Yacht verblieben. Der Reichskanzler v. Caprivi ist unmittelbar, nachdem sein Vortrag beim Kaiser beendet war, hierher zuruckgekehrt, man sagt, nicht in der heitersten Stimmung. Es wird behauptet, der Kaiser habe sich über die Vor­gänge in Kronstadt in der ihm eigenen lebhaften Weise ausgesprochen und besonders dem deutschen Botschafter in Paris, Grafen Münster, auseinandergesetzt, daß sich die Stimmung in Frankreich denn doch schlechterdings nicht mit den amtlichen Berichten der deutschen Ver­tretung in Einklang bringen lasse. Ebenso sei es mit den Informationen, die ihm aus Rußland geworden, der Fall.

— Bei dem Entschlusse der Staatsregierung, für die Beförderung von Getreide und Mühlenfabrikaten Ermäßigungen in der Form von Staffeltarifen auf den Staatsbahnen einzuführen, war, wie die„Nordd. Allg. Ztg.“ zuverlässig erfährt, der Gesichtspunkt entscheidend, daß durch eine solche Maßnahme der hartbedrängten Landwirthschaft der Ostprovinzen aufgehollen und gleich­zeitig den industriell entwickelten centralen Bezirken des Reiches die erforderliche Brotfrucht aus dem Inlande zu­geführt werden könne.

— Officiös schreibt die„N. A. Z.“: Je höher die Roggenpreise werden, um so mehr gewinnt die Kartoffel als Nahrungsmittel der breiten Volksschichten an Bedeu­tung. Verschiedene Blätter haben bereits in Anregung gebracht, die Kartoffelausfuhr zu verbieten oder dieselbe mit einem Zoll zu belegen. Bei derartigen Vor­schlägen wird indeß übersehen, daß ein Theil der geltenden Handelsverträge sowohl allgemein den Erlaß von Ein=, Aus= und Durchfuhrverboten, als insbesondere die Ein­führung einer Ausgangsabgabe für Kartoffeln unzulässig

lacht

— Der Landtagsabgeordnete Graf von Kanitz. er innerhalb seiner konservativen Fraktion seine eigenen Lege zu gehen liebt, tritt heute in der„Kreuzzeitung" in inem Eingesandt für eine Herabsetzung der Getreidzölle in, indem er dabei, abgesehen von der jetzigen Höhe des koggenpreises, hauptsächlich von dem Gesichtspunkte aus­eht, daß er die dauernde Herabsetzung der Geticidezölle on 5 auf 3,50 Mk. auf 12 Jahre, wie sie durch den sterreichischen Handelsvertrag verwirklicht werden solle, eklagt und bekämpft. Graf Kanitz dürfte indeß mit dieser Inschauung in den Kreisen seiner Fraktionsgenossen ganz ereinsamt dastehen.

— In Folge der übertriebenen Steigerung der Roggen­reise liegt die Absicht vor, zur Brodernährung er Armee Weizen heranzuziehen.

— An den Bundesrath waren zahireiche Eingaben der den Hausirhandel, die Abzahlungsgeschäfte, ie Konsumvereine und die Waarenhäuser für Offi­iere und Beamte gerichtet worden. Wie nachträglich be­annt wird, waren die betreffenden Eingaben Gegenstand ingehender Berathungen und wäre beschlossen worden, ie Punkte der Eingaben, welche den Geschäftsbetrieb der etailreisenden, den Hausirhandel, die Abzahlungsgeschäfte ind den Branntweinverkauf durch Konsumvereine betreffen, em Reichskanzler zu überweisen.

— Auf den Trab gebracht sind die seit mehreren Pochen im Berliner städtischen Obdach befindlichen ngeblich mittellosen russischen Auswanderer. die Kerls waren so faul, daß sie nicht für Geld arbeiten vollten, und da man begreiflicher Weise keine Lust mehr atte, die Russen umsonst zu futtern, ist ihnen die Wabl

zu füttern, ist ihnen die Wabl vischen Arbeitshaus und Abretse gestellt. Die Meisten id nun verduftet.

Kiel, 17. August. Das Kaiserpaar verließ heute korgen 9 Uhr 15 Minuten den Hafen an Bord der hohenzollern, um dem von Zoppo: kommenden Manö­rgeschwader entgegenzufahren. Heute Abend wird die sodenzollern“ im Hoeruphaff vor Anker geben; Morgen ird das ganze Geschwader vor dem Kviser manövriren id dann mit der„Hohenzollern“

in den Kieler Hafen