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Fernsprech=Nr. 46 für Witten.

Witten, Sonntag den 28. Juni

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Im Feuilleton und in der Unterhaltungs=Beilage Mäckisches Heim dienen spannende Romane, Mis­cellen und kleinere Erzählungen zur Unterhaltung unserer

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Sommerliche Stille zicht auf den Schwin­gen der endlich gekommenen Hitze ins Deutsche Land hinein, und der politische Streit beginnt mehr und mehr in den Hintergrund zu treten. Selbst die Debatten über Zollfragen und Lebensmittelpreise in den Zeitungsspalten werden ruhiger und ruhiger; denn von Woche zu Woche kommt anch die Ernte näher, und daß sich dann Vieles ändern wird und ändern muß, ist die allgemeine Ueberzeugung. Am empfindlichsten macht sich heute in vielen deutschen Bezirken der Mangel an Eßkartoffeln geltend, und die übertrieben hohen Kartoffelpreise haben schon mehrfach zu sehr kräftigen Kundgebungen der auf­geregten Hausfrauen, die mit ihrem Wirthschafts­gelde nicht auszukommen vermögen, Anlaß gegeben. Von neuen Streikbewegungen ist in diesem Sommer bei uns so gut wie nichts zu verspüren, und so läßt sich auch annehmen, daß die bevorstehende Saure=Gürkenzeit wirklich ihrem Namen Ehre machen wird.

In der Thronrede, mit welcher Kaiser Wilhelm nunmehr die acht lange Monate andauernde Session des preußischen Landtages ge­schlossen hat, hat er noch ausdrücklich hervorgehoben, daß keinerlei Besorgniß wegen einer etwai­gen Störung des europäischen Friedens obzuwalten brauche, diese Worte, welche manchen in letzter Zeit wieder verbreiteten müßigen Klatsche­reien ein Ende gemacht haben, werden viel zur sommerlichen Beruhigung beitragen. Bevor das preußische Landesparlament auseinanderging, ist nicht nur die neue Landgemeindeordnung überein­stimmend von beiden Häusern des Landtages ge­nehmigt worden, sondern auch das mit Mühe und Noth zu Stande gebrachte Wildschadengesetz. ist diese Session die erste gewesen, in welcher kein einziger, der Volksvertretung unterbreiteter Gesetz­entwurf unerledigt geblieben ist. Gleich nach dem Schluß der parlamentarischen Arbeiten hat nun auch der Eisenbahnminister von Maybach seinen Posteu verlassen, und ist durch den bisherigen Eisenbahn­Direktions=Präsidenten Thielen aus Hannover er­setzt worden. Der Kaiser hat dem scheidenden Mi­nister in einer besonderen Kabinetsordre seinen Dank und seine Anerkennung ausgesprochen. Einen be­dauerlichen Verlust hat die deutsche Armee erlitten. Der hochbegabte frühere Kriegsminister Ge­neral Bronsart von Schellendorf, zuletzt Kommandeur des 1. Preußischen Armeecorps, ist im Alter von noch nicht 60 Jahrrn ganz plötzlich gestorben. Allgemein wird anerkannt, daß der General einer der fähigsten Schüler Moltke's, einer der besten deutschen Generale gewesen ist. Der deutsche Kolonialrath, welcher seit Anfang d. Mts­in Berlin, mit vereinzelten Unterbrechungen, getagt hat, hat jetzt seine begutachtenden Berathungen be­endet, und wird erst im Herbst wieder zusammen­

treten.

Unser Kaiser hat, nachdem für die Dauer seiner Abwesenheit alles Erforderliche in einer im Berliner Schlosse abgehaltenen längeren Kronraths­sitzung festgestellt worden ist, seine Sommerreisen angetreten, die ihn nach Holland, England und Normegen führen werden. Zunächst ist der Monaich nach Kiel gereist, besucht dann Hamburg, Wilhelms­haven und Helgoland, und schifft sich hierauf zu­sammen mit der Kaiserin nach Amsterdam und Lon­don ein. Die Heimkehr zu den Militär=Besichti­gungen erfolgt im August.

Der Reichskanzler von Caprivi bleibt auch diesen Sommer in Berlin; er bedarf für seine Person keines Urlaubes, da er sich völlig wohl fühlt, und scheint im Uebrigen auch kein Freund der modernen Bäderreiserei zu sein. Die preußischen Minister treten nach und nach ihren Urlaub an.

Fürst Bismarck hat sich definitiv entschieden, den sommer in Friedrichsruh zu verbringen.

Kaiser Franz Joseph von Oesterreich ist in Fiume zur Feier der sechshundertjährigen Vereinigung des fiumanischen Gebietes mit Oester­reich dort eingetroffen. Eine besondere Aufmerk­samkeit ist es, daß im Hafen von Fiume auch ein starkes englisches Geschwader vor Anker gegangen ist. Im englischen Parlamente ist dieser Tage er­klärt, daß Großbritannien nicht formell dem Drei­bund beigetreten sei, doch muß die Annäherung eine sehr große sein, denn die englische Regierung hat, was sie zugiebt, genaue Kenntniß von den Ab­machungen des Dreibundes erhalten, und natürlich wird so etwas nicht ohne Weiteres mitgetheilt. Im österreischen Reichsrathe wird die Budgetdebatte mit vielem Eifer und manchem Lärm geführt. Die österreichische Volksvertretretong besitzt mehr Heiß­sporne, als die deutsche, und die Geister platzen alle Augenblicke aufeinender. Viel deklamirt haben die Czechen, großen Eindruck haben sie mit ihren Wünschen und ihren Hetzereien gegen alles Deutsch­thum nicht erzielt. Unverkennbar zu Tage getreten ist eine erhebliche Annäherung zwischen dem öster­reichischen Ministerpräsidenten Grafen Taaffe und den deutsch=liberalen Abgeordneten, die bisher Andere eher als Freunde waren. Ob aus der An­näherung eine wirkliche Freundschaft wird, muß der Zeit überlassen bleiben.

Die italienische Regierung hat der französischen Agitation und Hetzerei in ihrem Lande, die sich besonders gegen den Dreibund richtete, ganz entschieden auf die Finger geschlagen. Mit einem Federzug hat der Minister des Innern alle derartigen Agitations=Versammlungen glattweg verboten. Die Maßnahme findet allgemeinen Beifall.

Ohne Skandal können die Franzosen nicht

leben, haben sie keinen, so machen sie welchen. Die Angeklagten in der Melinit=Verraths=Affaire sind bekanntlich zu hartem Gefängniß verurtheilt, und man hätte die für die Franzosen eben nicht gerade ehrenhafte Angelegenheit nun ruhig einschlafen lassen sollen. Aber weit gefehlt, just das Gegentheil wird gethan. Die Kammer heult dem Ministerpräsidenten wegen Verraths militärischer Geheimnisse die Ohren voll, und der Premier betheuert bei Allem, was ihm heilig ist, es sei nichts verrathen. Dabei kann es doch keinem Zweifel unterliegen, daß die fran­zösische Geschoßfabrikation, bei welcher Tausende von Arbeitern beschäftigt sind, jedem europäischen Kriegsministerium in allen Details bekannt ist. Zum Ueberfluß ist dann auch, nur des Skandals wegen, der beste französische Artilleriegeneral, Ladvokat mit Namen, in den Wirrwarr hineingezogen, und die Blätter schlagen einen Heidenlärm, immer der Sen­sation wegen. In der That kein erbauliches Schau­spiel. Große Ausschreitungen der streikenden Om­nibus= und Pferdebahn=Angestellten haben in mehreren südfranzösischen Städten, besonders in Bor­deaux, stattgefunden. Die Wartehallen der Gesell­schaften wurden verbrannt, Militär mußte mit blanker Waffe die Krawalle dämpfen.

In London herrschte ziemliche Ruhe. Man beschäftigt sich mit den Zurüstungen für den Besuch des deutschen Kaiserpaares.

Der türkischen Regierung sind durch einen Aufstand in Yemen in Arabien erhebliche Schwierigkeiten erwachsen; mehrere tausend Mann Militär sind schon zur Dämpfung der Bewegung abgeschickt, haben indessen etwas Entscheidendes allem Anschein nach bisher nicht ausrichten können. Die Räuber von Adrianopel werden immer noch von türkischen Truppen verfolgt, sind aber wohl schon längst in Sicherheit, und werden auch wohl ihren Raub behalten. Im Uebrigen herrscht auf der ganzen Balkanhalbinsel unbedingte Stille.

Aus Chile in Südamerika kommen für den Präsidenten Balmaceda wenig günstige Nachrichten, ein Theil seiner Truppen ist zu den Aufständischen übergegangen. Beide Theile sind schon halb ban­kerott und ehe sie es nicht garz sind, wird wohl der verwüstende Bürgerkrieg kein Ende nehmen.

er Die 20 Abgeordneten(18 Freisinnige und 2 Dänen,) welche für Aufhebung der Kornzölle stimmten, sind— wie die„Weser=Ztg.“ klagt— angeblich als Demagogen verschrieen, bald aber, so führt das Blatt aus, werde man sie in der Volks­meinung zu„Volksfreunden" befördern. Es wird auf den„alten Thiers" hingewiesen, der 1870 Frankreich vor dem Kriege mit Deutschland gewarnt habe, aber„niedergeschrieen“ worden sei. Sehr bald habe man seinen Scharfblick eingesehen und bewun­dert!— Wer zwischen den Zeilen lesen will, kann möglicherweise die Andeutung herausfinden, daß die erwähnten„20“ Volksfreunde am Ende noch dazu bestimmt sind, den Staat zu erhalten. Und da 20 dabei doch wohl zuviel sind, ist zum„deutschen

Rettungsengel" doch sicher Niemand mehr qualifizirt, gerade wie für Frankreich der„alte Thiers" bei uns der„wortreiche Eugen Richter." Er Reichs­kanzler, ja dann lieb' Vaterland kannst du ruhig c

Der sozialdemokratische Abgeordnete v. Vollmar,

der früher zu den radikalsten Mitgliedern der Partei ge­rechnet wurde, hat vor einiger Zeit in München eine Rede über auswärtige Politik gehalten, die hier und da bei den Genossen Mißstimmung erregte, einzelne sozial­demokratische Versammlungen protestirten sogar gegen die Rede. Der Abgeordnete v. Vollmer hatte nämlich u. A. gesagt:„Wir treten für den Dreibund ein, weil wir die Tripelallianz für etwas verhältnißmäßig Gutes halten, denn der Dreibund hat sich bereits als Friedensbund er­wiesen. Wie haben wir den Gedanken der Internationa­lität aufzufassen? Die Idee der Internationalität hebt den nationalen Gedanken nicht auf. Wir sind z. B. g. nach dem Kriege mit Frankreich jenen chauvinistisch nationalen Strömungen entgegengetreten. Wir haben nicht das Trennende, sondern das Einigende und Ver­bindende zwischen den Nationen aufgesucht. Aber wir haben den Standpunkt der Internationalität nicht ein­seitig aufgefaßt. Es gab eine Zeit, wo man von Frank­reich mit einer Art„heiliger Ehrfurcht" sprach...“ Es folgt nun ein heftiger Pussus gegen die Franzosen, die um die russische Gunst buhlen, und weiter eine an die Adresse Frankreich gerichtete Warnung, sich nicht einzu­bilden, als würden die deutschen Sozialdemokraten, falls man ihr Vaterland angreife, in der Vertheidigung des­selben hinter andern Parteien zurückstehen. Redner bespricht sodann Engels Aeußerung über den Einzug der Deutschen in Paris und erklärt, daß er mit der Engelsschen Darstellung nicht einverstanden sein könne.„Die damaligen leitenden Persönlichkeiten haben eine lobenswerthe Mäßigung be­wiesen, als sie nur auf der Okkupation eines Theiles des belagerten Paris bestanden. Eine förmliche Er­oberung von Paris wäre für die Franzosen nicht nur noch demüthigender gewesen, sondern hätte auch die Kosten erhöht. Ein für Deutschland günstiger Ausgang wäre bei den damaligen Machtverhältnissen nicht zweifelhaft gewesen. Jetzt darüber zu höhnen, daß die Deutschen aus Furcht vor den französischen Arbeitern keinen anderen siegesfroheren Einzug in Paris gewagt hätten, ist nicht

Das ist eine ganz verständige Ansicht, die man leider aus den sozialdemokratischen Reihen nicht oft zu hören bekommt. Das Bemerkenswertheste dabei bleibt auch, daß gerade diese Rede von sozialdemokratischen Ver­sammlungen beanstandet werden konnte.

Berlin, 26. Juni. Der Kaiser nimmt auch in Kiel die regelmäßigen Vorträge entgegen und erledigt die lau­fenden Sachen. Das Befinden des Monarchen ist das allerbeste.

— Die Kaiserin besuchte am Freitag Vormittag die königliche Turnlebrer=Bildungsanstalt in Berlin, in welcher die Schlußprüfung der ausgebildeten Turnleherinnen statt­fand. Außerdem besuchte dieselbe das Barackenlazareth

Der Prinz Friedrich Leovold von Preußen, Major

à la suite des Ersten Garde=Regiments z. F. und des Regiments der Gardes du Korps, ist auf kaiserlichen Be­fehl zum 2. Bataillon des Ersten Garde=Regiments z. kommandirt worden. 849sund Gin 8.

— Die Friedensbesatzung von Heigoland. Ein Be­tachement von 52 Mann der III. Matrosen=Artillerie­Abtheilung aus Lehe ist durch den Werftdampfer„Boreas“ nach Helgoland übergeführt worden. Dieses Detachement wird für die Folge die Friedensbesatzung von Helgoland sein. Untergebracht wird diese Besatzung in den auf der Insel befindlichen Boracken. hürgersiche Gese

— Die Kommission für das ourgerliche Gesetzbuch wird sich am 1. Juli bis zum Herbst vertagen. In dem jetzt abzuschließenden ersten Theil ihrer Aufgabe hat die

Commission einen überraschend großen Arbeitsabschnitt erledigt. An dem ursprünglichen Arbeitsprogramm, das der damalige Staatssekretär im Reichsversicherungsamt v. Oehlschläger entworfen hat, sind nahmhafte Aenderungen von seinem Nachfolger, dem Staatssekretär Dr. Bosse, nicht vorgenommen worden.

— Der„Köln. Ztg. zufolge ist der Fall vorgekommen, daß einer Schulgemeinde, welche einen Theil ihres Ver­mögens in Rentenbriefen angelegt hat, dadurch ein nicht unerheblicher Verlust entstanden ist, das der Schulkassen­rendant infolge der Unkenntniß von den über die Aus­losung der Rentenbriefe bestehenden Bestimmungen die rechtzeitige Einlösung derselben nicht bewirkt hat. Damit in Zukunft die Wiederholung eines solchen Falles ver­mieden werde, haben die königl. Landräthe die Rendanten derjenigen Schulgemeinden, welche Vermögen in ausloos­baren Papieren angelegt haben, veranlaßt, diese Papiere in der Reichsbank zu hinterlegen, welche bekanntlich gegen mäßige Vergütung die Auslosung überwacht und die

or Füir die Zeit vom Begiumn des laufergegz Fiess.

jahres bis zum Schluß des Monats Mai haben die Ein­nahmen der Post= und Telegraphenverwaltung 37,526.064 Mark(+ 1,809,933 Mark gegen das Voxjahr,), die Ein­nahmen der Reichs=Eisenbahnverwaltung 9,001,000 Mark (+ 1.166,000 Mk.) betragen.

— Der russischen Regierung ist es nach und nach gelungen, den ganzen deutschen Großernghefihnn ge, Sng west=Rußland an sich zu bringen. Die meist zerschlagen worden, um auf ven einzelnen Stellen Bauern anzusiedeln; bei der notorischen Trägheit der russischen Landbevölkerung hat dieses Bestreben aber bisher keinen rechten Erfolg gehabt.

— Die Filiale Frankfurt des Verbandes Deutscher Posamenten=Arbeiter wurde polizeilich geschlossen. Weitere Schließungen solcher, die Politik der Sozialdemokratie verfolgender Vereine stehen bevor.

Neiße, 26. Juni. Das Schwurgericht verurrheilte heute den früheren Vorsteher der hiesigen Reichsbankneben­stelle Mayer wegen vielfacher Wechselfälschungen und Unterschlagungen zu 10 Jahren Zuchthaus.

Metz, 24. Juni. Eineschwere Beschimpfung der evangelischen Kirche hat sich der katholische Pfarrer Joseph Bechtold aus Thannweiler zu schulden kommen lassen. Ein junges katholisches Mädchen aus Thanweiler vermählte sich im Oktober vorigen Jahres mit einem eingewanderten Protestanten. Da der letztere nicht darauf eingehen wollte, daß seine Kinder katholisch würden, so weigerte sich Pfarrer Bechtold, die kirchliche Eheschließung zu vollziehen. Das junge Paar wurde darum am 19. Oktober nun von einem protestantischen Pfarrer getraut und verzichtete auf den Segen der katholischen Kirche. Dies war der Anlaß, daß Pfarrer Bechtold am selben 19. Oktober eine Predigt hielt, in welcher er u. a. folgende ungeheuerliche Aeußerungen that:„Wenn eine Katholikin so schlecht ist, einen Protestanten zu heirathen, ohne daß derselbe die erforderlichen Bedingun­gen erfüllt, so kann und darf die Ehe von einem katholischen Geistlichen nicht einge­segnet werden. Läßt sie sich dann von einem protestantischen Pastor trauen, so begeht sie eine furcht­bare, schwere Sünde; denn ihrem Leben ist jede Heilig­keit und Ehrbarkeit abgesprochen. Ihre Mischehe ist eine wilde Ehe, ein unrechtmäßiges, unerlaubtes und darum unsittliches Zusammenleben, ein Konkubinat, da ja ein protestantischer Pfarrer nicht mehr ausrichten kann, als der geringste von euch, weil er nicht geweiht ist." Diese Aeußerungen hat Pfarrer Bechtold nicht etwa in der Uebereilung gethan, sondern er hatte sich seine Predigt vorher schriftlich ausgearbeitet Die Strafkammer ver urteilte den fanatischen Priester zu 14 Tagen Gefängniß.

Metz, 26. Juni. Durch den gestern Abend nieder­gegangenen Wolkenbruch ist der Eisenbahn­damm zwischen Courcelles und Pange unter­waschen. Bei Teterchen ist der Tunnel zugeschwemmt. Beide Strecken sind unfahrbar.

Oesterreich-Ungarn.

Pest, 26. Juni. Infolge eines Verbots Versamm­lungen abzuhalten hatten die ausständigen Arbeiter in Apacz den Behörden gegenüber eine drohende Haltung angenommen. Durch die Ankunft einer Kompagnie In­fanterie wurden weitere Ausschreitungen verhindert. Auch nach Saiteny(Komitat Csanad) wurden infolge der Ar­beiterbewegung Truppen beordert. In Batonya wurden neue Verhaftungen vorgenommen.

Zara. 25. Juni. Der Kaiser traf heute fruo 8 Uhr bei dem vor Lissa ankernden Geschwader ein. Nachdem der Kaiser sich an Bord des Thurmschiffes„Kronprinz Rudolf" begeben hatte, befahl derselbe den Beginn des Manövers, dessen Hauptbestandtheil der Angriff einer vom Erzherzog Karl Stefan kommandirten Torpedoboots­Division auf ein markirtes Schiffslager in Valsaldon bildete. Der Kaiser, welcher um Mittag bei der Saldon­bucht anlangte, besuchte sodann Trau und wurde dort wie bei seiner Rückfahrt hierher überall von der Bevölke­rung auf das Enthusiastischste begrüßt.

Basel, 26. Juni. Ueber den gemeldeten Eisenbahn­unfall im Boetzbergtunnel liegen jetzt nähere Nachrichten vor. Dieselben lauten: Der Personenzug war Abends

6 Uhr von Brugg ubgefahren, um sich nach Basel zu begeben. Im Boetzbergtunnel, 500 Meter vom südlichen Ausgange, wurde die Maschine defekt und versagte den Dienst. Der Zug fuhr nach längerem Stillstande rück­wärts nach dem Ausgange des Tunuels zu. Inzwischen war von Brugg ein Güterzug abgelassen worden, da man glaubte, daß der Personenzug die Strecke längst passirt habe. Hierbei fuhr die Maschine des Güterzuges in das Ende des Personenzuges hinein, wo sich der Postwagen befand. Der Unfall nahm einen verhältnißmäßig günstigen Verlauf, weil der Güterzug infolge des starken Aufsteigens der Strecke sich sehr langsam bewegte. Verwundet wurden ein Kondukteur, ein Postbeamter ernstlich(derselbe erlitt Arm= und Beinbruch) und ein englischer Reisender leicht am Kopf. Der Post= und Gepäckwagen des Personen­zuges sowie die Maschine des Güterzuges sind beschädigt.

Frankreich.

Paris, 26. Juni. Der Bäckerstreik scheint kein allgemeiner zu werden. In den meisten kleineren Bäckereien wurde wie gewöhnlich gearbeitet, nur einige größere Bäckereien waren genöthigt, ihren Bedarf an Brod bei anderen Bäckern in Paris und Umgegend zu bestellen. Die Bäckereien wurden polizeilich bewacht: auch wurden zur Verhütung von Unruhen für heute die Truppen in der Stadt gehalten.

Belgien.

Brüssel, 25. Juni. Nach Meldungen aus Niel herrscht daselbst seit zwei Tagen unter den Arveitern einer Cement­Fabrik anläßlich Lohnberabsetzungen große Erregung. Die Gensdarmerie hatte mehrfache Zusammenstöße mit den Streikenden und mußte von der Waffe Gebrauch Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Jetzt scheint die Ruhe wiederhergestellt zu sein.

England.

London, 26. Juni. Die bürgerliche Trauung Mr.

Dieppe nach Newhaven

in der Nähe von Beachy Head auf einen Felsen. Aus Newhaven wurden Dampfer zur Hülfeleistung entsandt. Die See ist ruhig, die Passagiere befinden sich außer aller Gefahr und dürften innerhalb zweier Stunden die Fahrt fortsetzen können.

Italten.

— Aus dem Vatikan wird gemeldet, daß der Papst zwar gesund ist, aber an Mattigkeit leidet, und daß sein Leibarzt Leocarelli ihm deshalb unbedingte Ruhe ver­ordnet hat. Das Kasino Leo's X. ist zum Aufenthalt während der Tageszeit für ihn eingerichtet.

von

Herbien.

— Die geplante Reise des jungen Königs Alexander

* Serbien nach Paris ist von der Belgrader Regent­