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6.

46 für Witten.

Sitten, Dientag, den 9 Januor.

en

Ferntzute=Ntr. 18 kr Hoen.

1894

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Teertage

Insationen werden die 7 gespaltene Petitzelle mit 10 Pf. berechnet.

verbunden mit dem

eneral-Anzeiger

für Witten und

sthel der Oratisthelloge

„Würstsches Heim“): 1,80 Mark viertelsährlich, monatüich 60 Pfg, bei Bestellung druch die Boten. Sei Abnahme auf der Post inel. Bestollgeld 3.20 Uu

Rundschau.

* Die Konferenzen, welche über die Regelung der Sonntagsruhe in Industrie und Handwerk mit Vertretern der einzelnen Gruppen der Gewerbestatistik geplant sind, werden, nachdem die Vorarbeiten in den zuständigen Ressorts ziemlich weit gediehen sind, nunmehr schneller aufeinander folgen können, als dies bisher der Fall war. Der Bundesrath wird demnach bald wieder Vorschriften ähnlich denen zur Berathung und Beschlußfassung erhalten, welche ihm für die Montanindustrie noch im vorigen Jahre vorgelegt wurden. In allen diesen Vorschristen wird es sich um Ausnahmen handeln, welche auf Grund des§ 105 d der Gewerbeordnung gewährt werden sollen. Mit diesen Ausnahmen ist natürlich eine Verkürzung der Betriebsruhe verknüpft, es wird jedoch bei allen auch das Mindestmaß der den Arbeitern zu gewährenden Ruhezeit festgesetzt werden. Im Absatz 2 des§ 105d ist nun vorge­schrieben, daß die Festsetzung der Ausnahmen durch den Bundesrath unter Berücksichtigung der Bestim­mung zu erfolgen habe, wonach, wenn die Sonntags­arbeiten länger als drei Stunden dauern oder die Arbeiter am Besuch des Gottesdienstes hindern, jeder Arbeiter an jedem dritten Sonntage volle 36 Stunden oder an jedem zweiten Sonntage mindestens in der Zeit von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends von der Arbeit freizulassen ist. Damit ist nicht ge­sagt, daß dieses Mindestmaß von Ruhezeit, wie es strikte für die unter Ziffer 3 und 4 des§ 1050 aufgeführten Arbeiten innegehalten werden muß, auch bei den Ausnahmen des Bundesrathes auf alle Fälle Platz greisen muß. Im Gegentheil, die„Berück­sichtigung" dieser Bestimmung schließt nicht aus, daß in einzelnen Fällen unter das Mindestmaß her­untergegangen wird. Indessen wird dies nur ge­schehen, wenn besonders wichtige Gründe dafür sprechen. Im Allgemeinen glaubt man jedoch, wird es nicht einmal erforderlich sein, die Ruhezeit für die zu Sonntagsarbeiten herangezogenen Arbeiter in den vom Bundesrath zu bewilligenden Ausnahmefällen auf das Mindestmaß zu beschränken.

* Eine amtliche Lohnstatistik giebt es in Deutschland nicht, und es ist auch sehr fraglich, ob

1 eine solche jenals ohne läsiges Eindrürgen in Teivatverhältnisse wird erreichen lassen. Man ist beshalb, wenn man die Einkommensverhältnisse der breiteren Schichten der Bevölkerung und ihre Ent­wickelung kennen lernen will, auf Aushilfen ange­wiesen, welche zwar kein völlig zutreffendes Bild von den thatsächlichen Löhnen gewähren, aber immer­##hin die Entwickelung derselben erkennen lassen. Zu diesen Aushilfen gehören auch die jöhrlich in den Nachweisungen der Rechnungsergebnisse der Berufs­genossenschaften niederlehrenden Angaben von Lohn­beträgen. Dieselben erstrecken sich nur auf die gewerblichen, der Unfallversicherung unterliegenden

reue.

Roman von Zoé von Reuß. IV.

Wie eine riesige, aneinandergereihte Perlenschnur lagen die kleinen Arbeiterhäuser des Steinkohlenbergwerks Iren­dicht neben einander, die Com merzienret) Ullenhagen für den Stamm seiner Arbeiter hatte erbauen lassen. Sie besaßen sämmtlich neben dem hinter dem Hause belegenen Obst= und Gemüsegarten und dem Grasplatz auch einen keinen, blumenbepflanzten Vorgarten, welcher die Fron des Hauses schmückte. Einige dieser Vorgärtchen waren o zierlich angelegt und hübsch gehalten, daß der idyllische Reiz der ganzen Wohnstätte sogar zuwellen die in die Sammtpolster des Landauers gebetteten Vorüberfahrenden anlockte, welche der Villa des Commerzienrathes zurollten. Zu den hübschesten gehörte unstreitig Nummer Sieben das neben den gewöhnlichen Räumlichkeiten als Haus des ersten Häuers, auch noch ein Bodenerkerzimmer besaß, Drinnen war der Hausflur sehr geschickt durch einen tschlag zu einem Kaufladen ausgenutzt, in welchem die Gattin des Häuers mit Raffinement alles fellhielt, was ein kleinbürgerlicher Haushalt bedurfte. Als Luxus­it#c egalrten Eigarren, etwas Kindersplelzeng und

mir schmiuten Goldleisten umrahmte, grellbunte Oeldruck­

mit sämmtlichen Sprößlingen. Die stilvolle Dekoration des„Schaufensters" bestand aus andfesten Lederschürzen für das stattliche Gesäß der Perstute, welche zierlich wie Gardinen rings um das fusfenlster aufgehängt waren. Darunter prangte ein Im Sohn des Hauses geschriebenes Plakat, mit den

Forten: Meine geschätzten Kunden erhalten am Sonn­

abend ein Stück Seise„gratis“.... Solch' liebevolle Fursorge konnte nicht unbelohnt bleiben und wirklich hob

S Leschäft“ überraschend schnell, und half zum

Sebeigen des Hausstandes.

1 Fran Weinert llapperte mit den Holzpantoffeln nach Pewognheit rührig hin und her, zwischen Küche, Wohn­

Arbeiter. Auch stellen sie nicht die thatsächlich gezahlten Löhne dar, weil die über 4 Mark ge­zahlten Lohnbeträge nur zu einem bestimmten Theile in Anrechnung kommen und die Löhne der jugend­lichen Arbeiter überhaupt nicht mit einer effektiven Summe angeschrieben werden. Indessen können die Zahlen doch ein allgemeines Bild insofern geben, als ein Vergleich der jährlich nach denselben Me­thoden berechneten Beträge die Richtung der Ent­wickelung des Verdienstes der breiten Schichten der Bevölkerung erkennen läßt. Die in den amtlichen Nachweisungen für das Jahr 1886 gegebenen Zahlen weisen deshalb manche Unrichtigkeiten auf, weil einzelne Berufsgenossenschaften mit den Lohnbeträgen für 1886 auch diejenigen für das letzte Quartal 1885 angegeben hatten. Man findet deshalb die ersten korrekten Zahlen in den Angaben für das Jahr 1887. Damals entfielen auf jede versicherte Person von diesen Lohnbeträgen 618 Mark. Nach den für 1892 unlängst veröffentlichten Zahlen würden auf jede versicherte Person 648 Mark kommen. Wie

gesagt, lassen sich Schlisse auf das faktische Ein­en der unfallversicherungspflichtigen Arbeiter in den angegebenen Jahren aus den Zahlen nicht ziehen, soviel aber läßt ein Vergleich zwischen den beiden Summen erkennen, daß in dem fünfjährigen Zeitraum die Entwickelung der Lohnverhältnisse nicht in absteigender Richtung erfolgt ist.

* Deutschlands auswärtiger Handel. Nach den Angaben des Kaiserlichen Statistischen Amts betrug im November 1893 die Einfuhr in das deutsche Zollgebiet 26 845970 Doppelzentner gegen 27037 106 Doppelzentner im November 1892, mithin gegen 1892 191136 Doppelzentner weniger. In den Monaten Januar bis November zusammen­genommen ist die Einfuhr aber um 2589929 Doppelzentner oder um 0,9 pCt. gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres gestiegen, nämlich von 271832322 auf 274422251 Doppelzentner. Die Ausfuhr betrug im November 1893 21193412 Doppelzentner gegen 19217493 im November 1892, ist also um 1975919 Doppelzentner größer. In der Zeit vom Januar bis November ist sie gegen 1892 um 13212058 Doppelzentner oder 7,3 pCt. von 181 214934 auf 194426992 gestiegen. Ge­fallen ist die Einfuhr von Getreide und landwirth­schaftlichen Erzeugnissen von 41589628 Deppel­zentner auf 36955322 Doppelzentner, also um 4634306 Doppelzentner; von Holz und Holzwaaren von 34019827 Doppelzentner auf 32641 460 Doppelzentner, also um 1378 367 Doppelzentner, ferner ist die Einsuhr von Vieh und von Oelen und Fetten gesunken. Die Ausfuhrmengen haben sich fast durchgehends vermehrt, nur die Ausfuhr von Steinen und Steinwaaren hat sich um 582745 Doppelzentner, von Holz und Holzwaaren um 220513 Doppelzentner, von Theer, Asphalt, Pech und Harzen um 58 492 Doppelzentner, von Hopfen um 24456 Doppelzentner und von Flachs und

Hans um 46 060 Doppelzentner vermindert. Auch die Ausfuhr von Blei und Bleiwaaren ist von 317335 Doppelzentner auf 313247 Doppelzentner gesunken. Alle anderen Waarenpositionen sind in der Ausfuhr ge­stiegen, darunter Stein= und Braunkohlen, und Koks um 8 328208 Doppelzentner, während die Mehreinfuhr nur 3566 539 Doppelzentner betragen hat. Auch die Ausfuhr der Waaren der Zolltarif=Nr. 7(Erden, Erze, edle Metalle) und der Nr. 25(Material=, Spezerei=, Conditorwaaren rc.) hat sich erheblich vermehrt. Die Ausfuhr der Droguen und Chemi­kalien hat sich um 466 518 Doppelzentner und der Eisenbranche um 661160 Doppelzentner gehoben. Während die Ausfuhr der Baumwollenindustrie nur um 4398 Doppelzentner und der Leinenindustrie um 4443 Doppelzentner, der Seidenindustrie um 1747 Doppelzentner gestiegen ist, hat sich die Aus­fuhr der Wollenwaaren(Rohstoffe, Halb= und Ganz­fabrikate) um 74827 Doppelzentner vermehrt. Auch die Ausfuhr von Zink und Zinkwaaren hat sich um 138695 Doppelzentner gehoben.

* Uebersicht über die Anzohl der Lehr­amtskandidaten. Im Herbst 1893 war der Bedarf an Lehramtskandidaten, sowohl an evange­lischen wie an katholischen, nicht gedeckt. Es betrug nämlich der Bedarf an evangelischen Schulamtskan­didaten 1222, während nur 1075 verfügbar waren. Freilich war dies Verhältniß nicht in allen Re­gierungsbezirken das gleiche, da in manchen sogar ein Ueberschuß an Kräften vorhanden war, so im Regierungsbezirk Danzig, wo bei einem Bedarf von 7 Kandidaten 21 verfügbar waren, in Liegnitz(43 und 56), Düsseldorf(48 und 63) und einigen an­deren Bezirken mit geringeren Ziffern. In einigen

Bezirken deckte sich Angebot und Nachfrage, in den anderen war Mangel vorhanden, so im Bezirk Königsberg, wo bei einem Bedarf von 77 Kandi­daten nur 51 verfügbar waren, Magdeburg(77 und 42), Merseburg(91 und 33), Arnsberg(62 und 27) und anderen.

Aehnlich war das Verhältniß bei den katholischen Lehramtskandidaten, wo bei einem Bedarf von 510 nur 489 verfügbar waren. Einen Ueberschuß wies hier auf: Oppeln mit 86 gegen 73, Erfurt(20 gegen 9), Hildesheim(12 gegen 3), Aachen(52 gegen 37) und einige andere, einen Mangel Posen(11 gegen 53), Bromberg(6 gegen 23), Marienwerder(20 gegen 29), Arnsberg(47 gegen 53) und einige andere.

Dort, wo ein Mehr von Lehramtskandidaten vorhanden war, sind diese theils in einen Bezirk überwiesen worden, in dem Mangel an Kandidaten herrschte(9 Kandidaten von Hildesheim nach Brom­berg), theils inzwischen bereits verwandt. Ein an­derer Theil wird zu Stellvertretungen verwandt, oder es ist bereits seine Verwendung in Aussicht genommen.

zimmer und Kaufladen. Draußen gabs alle Hände voll zu thun, denn Sonnabends mehrten sich natürlich die Kunden, und drinnen in der Wohnstube saß Hansen Maier, der lahme Dorfschneider, um für den Häner einen neuen Gottestischrock zu machen.

„Gesche, wo steckst Du?“ rief die Mutter endlich nach der Tochter, um Hülfe zu bekommen.„Um Himmels­willen, wo steckt die Dira?“

Gesina steckte den Kopf aus der Hinterstubenthür, und schien sich erst etwas zu besinnen, ehe sie ganz zum Vorschein kam. Sie war neunzehn Jahre alt und von seltener Schönhelt. Ihr Wuchs war hoch und schlank wie die beiden Tannen, die, vom Häuer gepflanzt, den Hauseingang wie zwei grüne Schildwachen hüteten, und ihr Profil trug reine und edle, deutsche Linien. Dazu zeigte ihr Gesicht jenen Ausdruck schmelzender Weichhelt. der die Sckönheit des Welbes unwiderstehlich machen soll. Ihr Anzug war trotz des frühen Morgens rein und sauber, zeigte aber etwas Nachlässigkeit, welche die Trägerin zwar nicht übel kleidete, aber dennoch leisen Tadel herausfordern konnte. Und mit Nachlässigkeit hörte sie auch die etwas polternd herausgestoßenen Aufträge der Mutter an— es waren ihrer just ebenso viele als diese Finger an ihren rührigen Händen besaß, oder als Gebote in dem Katechismus stehen.„Und vergiß auch die Ziegenlämmer nicht!“ setzte sie noch als elftes hin zu.

Gesche schnitt etwas Grimasse, ehe sie an die Arbeit ging, schien aber endlich in den Zug zu kommen. Frau Weinert kehrte in den Laden zurück um die Kunden zu bedienen, und fand dazwischen auch noch Zeit zur Unter­haltung mit dem lahmen Schneider. Es plauderte sich auch ganz besonders hübsch mit Hausen Maier. Denn da er aus einem Hause in das andere ging, war er niemals um Gesprächsstoff verlegen. Mit den Alten besprach er die„schlechten Zeiten“ und hechelte über die Nachbarschaft und mit den Jungen„beschäftigte“ er sich mit Herzens­angelegenheiten. Merkwürdigerweise dehnte er solche „Beschäftigung“ heute auch auf die„Alte“ aus.

„Und ich sage Euch, Mutter, is muß etwas werden! Und es ist der größte einstellige Hof! Und verliebt ist er sehr!“ ließ sich Hansen Maier vernehmen.

„Wenn Ihr wirklich melut— ja, es wäre freilich ein Glück!“

„Der Alte glebt nach und geht am Ende ruhig in sein Altentheil, wenn er sich genug gesperrt hat. Und der Junge hat sich die Gesina einmal in den Kopf gesetzt— kann ihm auch Niemand verübeln! Dazu ist eine Frau dort nöthig, wie's liebe Brod!... Ich werde hinhorchen in nächster Woche, wenn ich dem alten Bauern den neuen Krchenrock michen werde, und Euch Bescheid geben. Meiner Six— das wird eine schöne Hochzeit geben.“

Jedenfalls hatte sich Hansen Mater nicht über Mangel an leiblicher Pflege heute zu beklagen. Die Aussicht, den jungen Bauer aus Claushof zum Schwiegersohn zu be­kommen, ließ alle Buttertöpfe offen stehen. Noch niemals vorher hatte es ihm so gut wie heute in Nummer Sieben auf der„Irene“ gefallen.

Mit den Resten seines heutigen Wohllebens beladen kehrte er mit Anbruch der Dunkelheit nach dem eine halde Meile entfernten Warsinghausen zurück. Er be­wohnte eine Stube im Hirtenhause des Dorfes, das Ge­meindeeigenthum war, und eigentlich als Armenhaus diente. Da aber augenblicklich nur eine Wittwe mit zwei kleinen Kindern zu versorgen war, hatte die Gemeiade­verwaltung die andern Räume vermiethet.

Nachdem Hansen Maier sein Hauswesen beschickt, trat er in die Stube seiner Nachbarin hinüber, welche ir jetziger Zeit auch den ganzen Tag über auf Arbeit ab­wesend zu seln pflegte. Neben dem im Kopfe aufge­spelcherten Klatsch holte er auch ein Stück frischen, schön gebräunten Speckkuchens aus der Tasche hervor. Indem er es aus einem zerrissenen Aermelmuster herauswickelte, sagte er:

„Damit Ihr seht, daß ich Euch am Tage im Sinn behielt, habe ichs gleich durchgeschnitten. Eins war ge­nau so groß als das andere, wie's sein muß bei Mann und Frau.“

Gegen den Frachtbriefstempel.

Werträgt den Frachtbriefstempel? Nach den Motiven des Gesetzentwurfs wird allein der Eisen­bahnverkehr durch den Stempel mit 7 Millionen Mark belastet. Es muß nun bestritten werden, daß derjenige, von welchem die Verwaltung den Stempel einzieht, seinen Rückgriffsanspruch gegen Dritte wird mit Erfolg aus­üben können.(Motive zu Artikel II§ 29 m bis 29 r). Nicht der Konsument, sondern der Versender wird von der neuen Abgabe getroffen werden. Der Ver­sender wuß den Stempel verauslagen, der Konsument wird aber nicht in eine Vergütigung dieser Abgabe willigen, die mit allen bisherigen Gepflogenheiten des Geschäfts in Widerspruch steht. Auch im Wege der Preiserhötung wird der Versender niemals diese Steuerbelastung aus­gleichen können.

Ist die Steuer eine gerechte? Nicht der Umsatz wird durch die neue Steuer getroffen, sondern nur die Ortsveränderung der Waare. Viele Betriebe vertreiben ihre Erzeugnisse ausschließlich an dem Fabri­kationsort, bleiben also verschont. Lediglich die auf dem Vertrieb nach außerhalb angewiesenen Betriebe werden also geschädtgt. Die kapitalkräftigen Firwen werden sich vielleicht h'ermit abfinden; die kleineren Geschäftsinhaber aber, die ohnehin nur schwer gegen den Strom schwimmen, werden ein Hemmniß mehr in dem Kampfe um das Da­sein finden.

Wie einschneidend die Steuer wirken wird, mag folgendes Beispiel zeigen: Eine Mühle, die täglich vier Wagenladungen und vier Stückzusendungen bezieht— ein mäßiges Quantum für ein derartiges Institut— bet für die acht Frachtbriefe à 20 Pfa. bezw. 10 Pfg. pro Frachtbrief, monatlich 36 Mark zu entrichten. Hierzu tritt der Quittungsstempel mit 10 Pfa. für 240 Fracht­briefe für den Monat. Die Mühle wird also 60 Mark monatlich Stempelgebühren zu zahlen haben, was einer kolossalen Erhöhungder Gewerbe­steuer gleichkommt.

Die Fabrikation wird vertbeuert werden: eine besondere Belastung werden die Rohprodukte und halbfertigen Waaren erfahren. Nach der gegenwärtigen Lage der Fabrikation findet der Erzeugungsprozeß nicht immer an ein und demselben Orte statt. Vielmehr wird unter Berücksichtigung des Arbeitslohns und sonftiger ört­licher Korjunkturen das Rohprodukt und die halbfertige Waare oft nach fünf bis sechs verscriedenen Orten ver­sandt, wo die Waare die verschiedenen Stadten der Her­stellurg bis zu ihrer Vollendung durchläuft. Es ist klar. daß der Frachtbriefstempel derartige Sendungen, welche nur auf Grund schärfster Kalkulation möglich sind, stark beeinträchtigen wird.

Die konstante Versendung ein und derselben Waare nach mehreren Orten findet aber nicht nur in einem Fabrikgebäude statt, sondern ist auch im Verkehr zwischen Groffisten und Detaillisten nothwendig und üblich. Daß die Waare durch den wiederholt zu entrichtenden Fracht­briefstempel eine fühldere Schädigung dieser Geschäfte er­leidet, bedarf demnach keiner weiteren Erörterung.

Sendungen auf kurze Entfernung werden ganz besonders empfindlich durch den Frachtbriefstempel getroffen werden. Diese Belastung bedeutet für die­selben eine Vertheuerung bis zu 10 Prozent des Fracht­betrages.

Eine Doppelbelastung aber tritt ein bei Sendungen, die über 20 Mark Fracht kosten., denn diese sollen außer dem Frachtbriefstempel nochmals dem Quittungs­stempel unterliegen. Es findet also eine doppelte Schädigung des Verkehrs statt, welche nur zur Einschränkung desselben führen kann.

Der Export und besonders der ehemals so blühende deutsche Export nach Rußland, ringt seit Jahren mit der Konkurrenz der Fabrikanten dieses Landes, welche ihn immer mehr von ihren Grenzen zurückdrängen. Sache

„Laßt Eure dummen Späße— ich mag sie nicht hören“ erwiderte Greten Tiencken, indem sie die frischberettete Suppe im saubern Gefäß zwischen den Kufeen einklemmte, um das Jüngste im Bette zu füttern.

„ Allewetl sinds auch noch Späße— ich lasse Euch Zeit. Aus dem Spaß soll aber Ernst werden... Hört Ihr, Greten?“

Diese hatte ihr Geschäft beendet, deckte ein Tuch von blauer Leinwand über den wurmstichigen Eichenholztisch und stellte die Lampe darauf. Hansen schob die Ofen­bank heran, und setzte sich auf eine Ecke, indem er mit sprechender Handbewigung Greten einlu), neben ihm Platz zu nehmen.

Die junge Frau aber wollte anscheinend den Wink nicht verstehen und ging ihrer Arbeit nach. Erst als auch der vierjährige Jan im Bett lag, den Platz in der Mitte für die Mutter freilassend, kehrte sie zu Hausen zurück und sagte:

Als ich vorhin vom Tüftenacker kam, hörte ich Eure Ziege meckern. Ich will ihr Futter geben und gleich melken, die Milch stelle ich Euch in die Stube.“

Hausen, der an der Hose des kleinen Jan einen neuen Riß entdeckt hatte, der ihre Existenzberechtigung als Kleidungsstück fragwärdig machte, saß mit dem Klemmer auf der Nase beim Lampenschein und flickte. Vergnüiglich zog er den Faden wektaus und meinte:

„Eize Hand wäscht die andere, das ist just wie ich's meine. Ziert Euch doch nicht lange mehr, Greten! Ich denke, wir werden noch handelseins.'s ist ein gutes Ge­schäft, das ich machen werde— nächstens.“

„Ein Hetratzsgeschäft?“ frug die junge Frau neu­sterg gewachen.

„Freilich! Das Hosenflicken bringt nichts ein, muß aber auch sein, so nebenher. Der junge Bauer, Steffen Claus auf dem Claushof hat sich die Gesche Weinert in den Kopf gesetzt, und der Alte muß wollen...“

„Das Geschäft bringt Ihr nicht zu Stande trotz Eurer Klugheit, Hansen,'s verlorene Zeit.“ kopfschüttelte Greten­