Türkey.
Konstantinopel, vom 11. April.(Durch außerordentliche Gelegenheit.) Alle diplomatischen Schritte bei der Pforte, in Betreff der Pacisikation Griechenlands, sind vergeblich gewesen; die Pforte protestirte gegen jede Intervention auf das Feierlichste. Der neue Reis-Efendi, ein Schüler des abgegangenen, begleitet seine Erklärungen mit noch mehr Ironie und Nachdruck. Alle Blicke in Pera sind nun auf die Botschafter Rußlands und Englands gerichtet. Sämmtliche europäische Minister sandten durch Kouriere Depeschen an ihre Höfe ab.
Ebendaher, vom 11. Abends.(Durch außerordentliche Gelegenheit.) Die russischen und englischen Minister, Hr. v. Ribeaupierre und Stratford-Canning, haben in Verfolg ihrer Unterhandlungen in Betreff der Griechen, bald nach Abgang der letzten Post, noch den schon erwähnten energischen Schritt mittels einer dringenden Note bei der Pforte gemacht, dem jedoch die Minister der übrigen Höfe von Wien, Paris und Berlin fremd geblieben zu seyn scheinen. Die Erklärung der Pforte ist hierauf endlich auf eine offizielle Weise mittels einer an die russischen und englischen Minister gerichteten förmlichen Antwortsnote erfolgt. Sie besagt kategorisch, daß die Pforte nie eine Intervention irgeno. einer Art gestatten, und lieber Grunde gehen wurde. Herr v. Ribeaupierre und Hr. Stratford=Canning bestätigten den Empfang der Note, und verließen sogleich Pera, um sich aufs Land zu begeben. Vorher hatten sie Konferenzen mit den übrigen europäischen Ministern, vielleicht um sie zu vermögen, sich ihrem Verfahren
anzuschließen, wozu aber diese erst Instruktionen abwarten zu wollen scheinen.
Oestreich.
Von der Mährischen Gränze, vom 20. April. Der Fürst Alexander Jpsilanty, welcher im Jahre 1821 bei seinem Eintritte in die östreichischen Staaten nach Munkats, und später nach Theresienstadt gebracht wurde, ist in Freiheit gesetzt, und hat dieser Tage eine Reise angetreten. Wohin, ist nicht bekannt; doch heißt es, er habe sich nach dem Norden gewendet.
Deutschland.
Se. Maj. der König von Baiern traten am 26. April Abends um halb 5 Uhr Ihre Reise nach Rom an, wohin den geliebten Monarchen die Segenswünsche aller getreuen Baiern begleiten. Durch eine Bekanntmachung vom 20. April wurde festgesetzt, daß die königlichen Staatsministerien alle diejenigen Geschäfte, welche die besondere königliche Genehmigung und Unterschrift erfordern, nach Italien senden, alle übrigen Geschäfte aber, wie bisher, aus Spezialauftrag ausfertigen sollen. Für besonders dringende Fälle sind sämmtliche Staatsminister autorisirt, die berathenen und beschlossenen Verfügungen unter Ihrer gemeinschaftlichen Unterschrift ausfertigen und vollziehen zu lassen, Sr. Maj. aber sogleich davon Anzeige zu machen. Die Sitzungen des Staatsraths werden unter Vorsitz des Präfidenten fortgeführt.
Mainz, vom 30. April.
Begünstigt von dem schönsten Wetter wurde gestern mit dem" Tags zuvor von Köln zurückgekehrten Dampfboot„Concordia" eine abermalige Spazierfahrt, bis in die Gegend von Oppenheim,
Miszellen.
Seltsame Gewissenhaftigkeit eines Engländers.
Ein vornehmer enslischer Lord reiste von seinen Gütern zu Salisbury nach London zurück. Er befand sich allein in dem Wagen, denn seine Dienerschaft war vorausgeritten. Gegen Abend kamen zwei bewaffnete Männer auf den Wagen losgeritten, befahlen dem Postillon, zu halten, und forderten dem Lord seine Börse ab.„Wir bitten tausendmal um Vergebung, sagte der Eine von ihnen, daß wir Ihre Reise auf einige Augenblicke unterbrechen. Wir brauchen nothwendig eine kleine Summe Geldes, die Sie leicht entbehren können, da
Sie sehr reich sind. Wir überlassen es aber Ihrer Freigebigkeit, uns eine Summe einzuhändigen, die Ihres vornehmen Ranges würdig ist."
Der Lord hatte gerade eine Börse mit neugeprägter Kupfermünze bei sich. Diese gab er den Räubern, welche sie uneröffnet und mit herzlichem Danke annahmen und davon ritten. In demselben Augenblick aber war es dem Lord leid, das ehrenvolle Vertrauen der Räuber gemißbraucht, und ihre gerechten Erwartungen getäuscht zu haben. Es that ihm in der Seele weh, in den Augen derselben als ein betrügerischer Mann zu erscheinen. Deßhalb rief er die Räuber auf der Stelle zurück, bat ihnen den gespielten Betrug mit reuerfülltem Herzen ab, und übergab ihnen seine mit Guineen angefüllte Börse. Die Räuber gaben ihm die erste zurück