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Rhein und Ruhr Zeitung

Bestandshaltende Institution

Stadtarchiv Duisburg

Vorläufer

Als Wochenblatt, nicht als Zeitung, erschien ab dem 17.04.1846 „Der Wächter an der Ruhr“ herausgegeben von Hermann Bungert aus Mülheim an der Ruhr. Der Druck und Verlag erfolgte bei Felix Heinrich Nieten, dem späteren Herausgeber der „Rhein- und Ruhrzeitung“.

Geschichte und Entwicklung

Die Entstehung der „Rhein- und Ruhrzeitung“ fällt in den Kontext der Revolutionsereignisse der Jahre 1848 und 1849.

Der Buchdrucker Felix Heinrich Nieten gab am 30.04.1848 die Erstausgabe der Zeitung „Der Wächter an der Ruhr“ in Mülheim an der Ruhr heraus. Innerhalb der nächsten vier Jahre wechselte der Titel der Zeitung mehrfach. Ab dem 3.1.1849 erschien sie unter dem Titel „Ruhrzeitung“. Im Jahr 1850 vereinigte sich die „Ruhrzeitung“ mit der von F. H. Schmachtenberg in Duisburg herausgegebenen Zeitung „Duisburger Zeitung und Kreisblatt“ (1.10.1848) (ehemalige Titel waren „Duisburger Kreisblatt [1842 – 30.9.1948] und „Duisburger Wochenblatt“ [1837-1841]). Daraufhin verlegte der Verlag inklusive Druckerei am 1.4.1850 seinen Sitz nach Duisburg. Nach der Zusammenlegung erschien die „Ruhrzeitung“ unter dem neuen Titel „Vereinigte Ruhr- und Duisburger Zeitung, Kreisblatt“. Ab 1851 trug die Zeitung den Titel „Ruhr- und Duisburger Zeitung, Kreisblatt Mülheim und Duisburg“, bis sie schließlich am 2.1.1852 den Titel „Rhein- und Ruhr-Zeitung, Kreisblatt“ erhielt. Der Untertitel wechselte im Erscheinungsverlauf gemäß den Funktionen der Zeitung und dem sich erweiternden Verbreitungskreis (s. o.).

Die Druck-Konzession für Duisburg erhielt F. H. Nieten am 23.4.1855. Nach dem Tod F. H. Nietens (23.4.1855) übernahm sein Schwiegersohn Hugo Loos den Verlag, bis dieser ihn am 1.7.1884 an seinen Sohn Karl Loos abgab. Verlagsmitinhaber wurden Julius Bagel aus Mülheim a. d. Ruhr (1.4.1855), dessen Sohn Julius Bagel jun. (1.1.1892), der die Mülheimer Geschäftsstelle leitete, und Wilhelm Schroers (1875), welcher von 1860-1881 als Redakteur fungierte. Ab dem 1.5.1897 wurde eine zweite Redakteursstelle eingerichtet, welche mit Hermann Braun besetzt wurde (eine Auflistung aller Redakteure von 1848-1886 findet sich bei Monning, S. 40).

Geschäftsstellen befanden sich 1868 in Mülheim, Ruhrort, Oberhausen, Sterkrade, Dinslaken, Kettwig, Homberg und Moers. Hinzu kamen Geschäftsstellen in Wesel (1871), Meiderich (1876), Mülheim-Speldorf (1880). Ruhrort und Meiderich wurden 1901/1906 zu Hauptgeschäftsstellen umgewandelt.

Ab dem Jahr 1887 war die Rhein- und Ruhr-Zeitung auch „Offizielles Blatt der westdeutschen Binnenschiffahrts-Berufsgenossenschaft“ und verkündete detaillierte Schifffahrtsmeldungen. Bildliche Darstellung erschienen erstmalig in einer Sonderbeilage vom 16.03.1888 mit dem Titel „Kaiser Wilhelm“ zur Würdigung des verstorbenen Kaisers.

Im Jahre 1934 wurde die Rhein- und Ruhrzeitung vom Verlag der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung“ (ZDB-ID 89042-x) aufgekauft. Nachdem dieser im Verlag der Gauzeitung aufging, wurde der Druck der Rhein- und Ruhrzeitung am 30.09.1941 eingestellt.

Zur Entwicklung der Periodizität

Bis zum 1.12.1848 erschien der „Wächter an der Ruhr“ dreimal wöchentlich (dienstags, donnerstags und samstags). Ab dem 1.12.1848 erschien die Zeitung sechsmal wöchentlich (dienstags bis sonntags), außer montags und an Feiertagen. Ab dem 22.8.1870 kamen die Montagsausgabe sowie eine Samstag-Abendausgabe hinzu. Ab dem 7.4.1886 erschien zusätzlich eine Abendausgabe am Mittwoch, ab dem 7.12.1886 kamen Abendausgaben am Dienstag und Donnerstag hinzu, bis die Zeitung ab dem 1.10.1887 täglich in zwei Ausgaben erschien.

Umfang, Format und inhaltlicher Aufbau

Die Zeitung hatte im Schnitt einen Umfang von vier bis sechs Blatt. Die Erstausgabe (1848) erschien als Quartblatt. 1849 verwendete man das Format „Klein-Folio“. Formatvergrößerungen erfolgten 1852, 1857 und 1868. Ab 1874 erhielt die „Rhein- und Ruhrzeitung“ ihre endgültige Größe.

Der inhaltliche Aufbau der Zeitung setzte sich in der Regel wie folgt zusammen: Die erste Seite enthielt politische Nachrichten aus Preußen. Auf der zweiten Seite folgten die Nachrichten aus der Welt. Auf der dritten Seite waren Nachrichten verschiedener Bereiche vermischt. Dort fanden sich meist auch Lokalnachrichten, die bei der „Rhein- und Ruhrzeitung“ jedoch allgemein einen geringen Stellenwert einnahmen. Die vierte Seite war amtlichen und werbenden Anzeigen vorbehalten. Ab der Entstehung wuchs der Anzeigenteil stetig an, bis er zwischen 1906-1913 den Textteil sogar überwog. Nach 1913 war diese Tendenz jedoch wieder rückläufig.

Verbreitung

Im Jahr 1850 verzeichnete die Rhein- und Ruhrzeitung etwa 1.000 Abonnenten, 1864 schon etwa 1.800 Abonnenten (500 in Duisburg, 500 in Mülheim, 250 in Ruhrort und weitere in der Umgebung.)

Im Folgenden werden exemplarisch Auflagenzahlen genannt, die einen stetigen Anstieg belegen: 1850: 1.000; 1857: 1.247 ; 1869: 2.218; 1881: 5.143; 1890: 8.200; (1898: 8.700; 1910: 11.000) (s. Monning, S. 57 ; Die Zahlen sind nicht gesichert, sondern basieren auf mündlichen Quellen.); 1915: 27.000. Mit den technischen Fortschritten im Verlagswesen – am 1.1.1852 informierte ein Artikel den Erwerb einer Schnellpresse – erhöhte sich die Auflagenzahl stetig und damit auch die Verbreitung der Zeitung. Die Produktion der Zeitung erfolgte im Handsatz bis der Verlag im Jahre 1903 eine Setzmaschine (Linotype-Maschine) erwarb. Bis Ende der 1880er Jahre war eine Flachdruckmaschine im Einsatz, bis ihr eine Rotationsdruckmaschine folgte. Ab 1885 veröffentlichte die „Rhein- und Ruhrzeitung“ als erste Duisburger Zeitung jeden Freitag die Beilage „Illustriertes Unterhaltungsblatt“ als niedrigschwelliges Unterhaltungslektüre (ZDB-ID 2918965-2).

1886 kam die Beilage „Nationales Volksblatt“ hinzu, das dreimal wöchentlich erschien (Di., Do., Sa.) und als Nebenprodukt Verbreitung in Arbeiterkreisen finden sollte. Die Zeitung wurde jedoch nach etwas über einem Jahr wieder eingestellt (ZDB-ID 2918134-3).

Politische Ausrichtung

Bei der Rhein- und Ruhrzeitung handelt es sich um eine nationalliberal ausgelegte Zeitung, die sich in ihrer Entstehungszeit deutlich gegen zeitgenössische sozialistische Strömungen stellte. Freiheit, Gesetzlichkeit und Gerechtigkeit seien die obersten Ziele, auf welche die Zeitung ausgerichtet sei. Noch am 02.01.1852 warnte die Zeitung vor den „Brandfackeln des siegreichen Sozialismus“, welche „bald auch an Preußens Pforte klopfen“ (s. Lucko, Hermann: Die Geschichte der „Rhein- und Ruhr-Zeitung“. S. 13). Die Zeitung trat stets für die Einigung eines Reiches ein und zeigte sich nach 1871 reichs- und regierungstreu. Die Zeitung richtete sich an das wirtschaftlich, aber auch politisch interessierte Bürgertum.

Literatur:

  • Monning, Josef: Die Geschichte der Duisburger Presse von 1870 bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Richard Mayr : Würzburg, 1937. S. 39-60.
  • Lucko, Hermann: Die Geschichte der „Rhein- und Ruhr-Zeitung“. In: Festausgabe zur 1.000 Jahr Feier der Rheinprovinz. Rhein- und Ruhrzeitung. Nieten, Duisburg, 6.7.1925, S. 13-14.
  • Stadtarchiv Duisburg Bestand 306 Nr. 366 Bd. 1

Beschreibung verfasst von

Dr. Andreas Pilger (2018), Stadtarchiv Duisburg