Täglicher Anzeiger für Lüttringhausen und Umgegend

BESTANDHALTENDE INSTITUTIONEN

Stadtarchiv Remscheid

BESCHREIBUNG VERFASST VON

Angelika Gwóźdź M.A. (2026), Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

Täglicher Anzeiger für Lüttringhausen und Umgegend (1910-1929)

Geschichte und Entwicklung

Die erste Ausgabe des „Täglichen Anzeiger“ erschien am 29. Oktober 1910 als „Lüttringhausener Verkehrs-Anzeiger“ im Verlag Scharff & Krauß in Lüttringhausen. Die Schriftsetzer Johann Oskar Scharff und Max Richard Krauß gründeten im April gemeinsam den Verlag mit Buchdruckerei (Lenneper Kreisblatt, 18.4.1910). Oskar Scharff, der zuvor vor allem als Versicherungsvertreter in den Zeitungen erwähnt wurde, übernahm die Redaktion des kostenlos zugestellten Anzeigers. Es ist unbekannt, ob er im Laufe der Jahre dabei Unterstützung erhielt. Wahrscheinlich blieb dies die einzige Zeitung des Verlags. Die Beilagen wurden von anderen Verlagen bezogen.

Im Oktober 1911 änderte der Anzeiger sein Erscheinungsbild und erschien fortan als „Täglicher Anzeiger für Lüttringhausen und Umgegend. Zugleich: Lüttringhausener Verkehrs-Anzeiger“ täglich mit bis zu sechs Seiten. Samstags wurde ein unterhaltendes Sonntagsblatt beigelegt. Im Laufe der Zeit kam es zu weiteren kleineren Titeländerungen.

Ab August 1914 erschien die Zeitung nur noch dreimal wöchentlich entgegen der Angabe im Zeitungskopf, dass diese täglich erscheine. Wie auch in anderen Zeitungen dieser Zeit dominieren Meldungen und Artikel zum Kriegsgeschehen.

Im Jahr 1917 trat Krauß aus dem Unternehmen aus, und Oskar Scharff wurde zum alleinigen Inhaber. Der Name Krauß blieb jedoch im Namen des Verlags und der Buchdruckerei erhalten (Lenneper Kreisblatt, 13.9.1917). Zwei Jahre später eröffnete Krauß eine eigene Buch- und Akzidenzdruckerei (Lenneper Kreisblatt, 25.2.1919).

Im Zuge der Novemberrevolution folgte ab 13. November 1918 die Umbenennung in „Täglicher Anzeiger Lüttringhausen. Publikations-Organ des Arbeiter- und Soldaten-Rates“, einen Monat später nur noch „Publikations-Organ des Arbeiter-Rates“ (13.12.1918) bis zum April des darauffolgenden Jahres. Anschließend erneute Umbenennung in „Täglicher Anzeiger Lüttringhausen. Allgemeiner Anzeiger für die Stadtgemeinde Lüttringhausen und Umgebung“. Die anhaltenden Arbeitskämpfe und Streiks der Setzer sowie der Licht- und Kraftwerke behinderten immer wieder die Herausgabe des Anzeigers, sodass er teilweise mit einer reduzierten Seitenzahl erschien. Zudem wurden 1920 mehrfach Artikel zensiert, die als weiße Lücken im Blatt zu erkennen sind (30.3.1920). Vermutlich kam es im März zu einem mehrtägigen Verbot. In den darauffolgenden Jahren erholte sich der Anzeiger davon wieder und konnte ab 1927 auf bis zu zehn Seiten erweitert werden, wobei insbesondere das Feuilleton ausgebaut wurde.

Als Oskar Scharff im November 1928 starb, übernahm seine Witwe Emma Scharff, geb. Krick, die Buchdruckerei gemeinsam mit ihren Kindern, dem Buchdrucker Oskar Scharff, Emma Scharff und Walter Scharff (Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, 26.5.1931). Den Anzeiger führte sie jedoch nur kurz fort. 1929 wurde die Stadtgemeinde Lüttringhausen aufgelöst und nach Remscheid eingemeindet. Damit geriet der „Tägliche Anzeiger“ in das Verbreitungsgebiet einer großen Konkurrenzzeitung: Im Oktober erwarb schließlich der Zeitungsverleger Franz Ziegler den „Täglichen Anzeiger“ und verschmolz ihn mit seinem erfolgreichen „Remscheider Generalanzeiger“ (Remscheider General-Anzeiger, 5.10.1929). Der „Tägliche Anzeiger“ wurde zum 15. Oktober 1929 eingestellt. Die Buchdruckerei blieb im Besitz der Familie Scharff.

Titeländerungen:

  • „Lüttringhausener Verkehrs-Anzeiger“
  • Oktober 1911 „Täglicher Anzeiger für Lüttringhausen und Umgegend. Zugleich: Lüttringhausener Verkehrs-Anzeiger“
  • Spätestens ab 1913: „Täglicher Anzeiger für Lüttringhausen und Umgegend. Amtliches Organ für die Stadtgemeinde Lüttringhausen. Anerkanntes Publikationsorgan sämtlicher maßgebender Vereine und Körperschaften der Stadtgemeinde Lüttringhausen“
  • Ab 25. November 1913 „Täglicher Anzeiger für Lüttringhausen, Ronsdorf und Umgegend“
  • „Täglicher Anzeiger. Amtliche Zeitung der Stadtgemeinde Lüttringhausen. Allgemeiner Anzeiger für die Stadtgemeinden Lüttringhausen und Ronsdorf“
  • Ab 13. November 1918 „Täglicher Anzeiger Lüttringhausen. Publikations-Organ des Arbeiter- und Soldaten-Rates“, einen Monat später nur noch des „Arbeiter-Rates“ bis zum April des darauffolgenden Jahres.
  • „Täglicher Anzeiger Lüttringhausen. Allgemeiner Anzeiger für die Stadtgemeinde Lüttringhausen und Umgebung“.
  • Ab 1. November 1927 „Täglicher Anzeiger. Amtliches Organ für die Stadt Lüttringhausen“,

Inhalte und politische Ausrichtung

Parteilos.
Der „Tägliche Anzeiger“ präsentierte sich zunächst als überparteiliche Zeitung und druckte zum Beispiel großflächige Anzeigen für Wahlaufrufe der Parteien für die Nationalversammlung ab. Teilweise wurden Beilagen der Parteien beigelegt (4.1.1919). Trotzdessen positionierte sich der Anzeiger kaisertreu. Später unterstützte er den Reichspräsidenten Hindenburg und rief seine Leser*innen 1925 explizit dazu auf diesen zu wählen (25.4.1925). Zu Hindenburgs 80. Geburtstag widmete ihm der Anzeiger eine zweiseitige Beilage (1.10.1927).

Inhalt
Wie für das Format des Anzeigers üblich, befanden sich die Inserate bereits auf der Titelseite in 3 Spalten, wobei die mittlere Spalte lokale Nachrichten aufführte, die über Veranstaltungen, Lotterie und Meldungen von Vereinen aufmerksam machte. Unter „Provinzielles“ wurden Meldungen aus der Umgebung gedruckt, allerdings zunächst keine politischen Nachrichten. Diese kamen erst später dazu, die unter anderem von den Reichstagswahlen und zur Kolonialpolitik berichteten. Der redaktionelle Teil wuchs schnell an und verdrängte die Anzeigen auf die letzte Seite. Durchnummerierte Presseporträts von Zeichner*in mit dem Kürzel „RA“. Unterhaltende Textformen wie Gedichte, Novellen oder Witze fanden sich verteilt zwischen den weiteren Rubriken. Außerdem Ankündigungen von Gottesdiensten der Evangelischen Gemeinde und von Aufführungen der Stadttheater Elberfeld, Barmen und Schauspielhaus Remscheid. Bekanntmachungen des Bürgermeisters. Zivilstand, Gemeinnütziges, Handelsnachrichten mit Börsenkursen, Sternkarten. Nach den Streiks in den Jahren 1919-1923 wurde eine Rubrik zu Arbeitsfragen eingeführt, die von den Lohnkämpfen und ähnlichen Themen berichtete.

Format, Periodizität und Auflage

Der „Tägliche Anzeiger“ erschien mit vier Seiten, betrug ab 1911 bis zu sechs Seiten, ab Nov 1927 fünf bis zehn Seiten. Im Jahr 1925 erschien der Anzeiger im Format 440 x 280 cm.

Periodizität

  • 1910 einmal wöchentlich
  • Ab August 1914 dreimal wöchentlich
  • Ab Februar 1917 viermal wöchentlich
  • Ab November 1923 wieder tägliches Erscheinen

Auflage

  • 1911: 2.000

Beilagen

Nachfolger

1932 bis 1941 erschien ein „Lüttringhauser Anzeiger“, der vom Verkehrs- und Bezirks-Verein gemeinsam mit dem Lenneper Bürgerverein herausgegeben wurde (Remscheider General-Anzeiger, 28.3.1931 und 16.2.1932). Ob und in welchem Umfang er mit dem Täglichen Anzeiger in Verbindung stand, lässt sich im digitalen Bestand nicht nachvollziehen. Max Richard Krauß starb im Juli 1945.

Die Buchdruckerei Scharff & Krauß bestand nach 1945 weiter.

Ab 25. November 1949 wurde vom Verlag Scharff & Krauß ein „Lüttringhauser Anzeiger“, herausgegeben. Später vom Heimatbund Lüttringhausen e.V. 2026 erschien der Lüttringhauser Anzeiger zweimal im Monat im rheinischen Format mit einer Druckauflage von 25.000 Exemplaren im Verlag LA Verlags GmbH.

Literatur und Quellen

  • Jahrbuch Der Tagespresse. Berlin: Duncker, 1928.
  • Macat, Adreas: Die Bergische Presse. Bibliographie und Standortnachweis der Zeitungen und zeitungsähnlichen Periodika seit 1769, München: K G Saur 1991.
  • Mosse, Rudolf: Zeitungskatalog. Berlin 1925.
  • Sperling, H. O.: Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adressbuch: Handbuch der deutschen Presse. 1923 und 1929.
 
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