Ordensbüchlein.
als König von Italien. 1805, der„Franz=Josefs=Orden“ am 2. Dezember hundert indeß, das seit seinem Hinscheiden verstrichen ist, hat genügt,
n„ seit 1118 den“, en vom„heiligen um alle Nebel zu zerstreuen, welche die Erkenntniß des Mannes durch
„Orden“, sagt Schopenhauer,„sind Wechselbriefe, gezogen auf die öffentliche Meinung: ihr Werth beruht auf dem Durch übermäßige Vertheilung verlieren aber die Orden ihren Werth; daher ein Fürst mit ihren Ertheilungen so vorsichtig sein sollte, wie ein Kaufmann mit dem Unterschreiben der Wechsel.“ Die übergroße Zahl der Dekorirten beweist jedoch, daß dieser gute Rath Schopenhauer'? nicht überall befolgt wird. So alt die Institution der Orden ist, denn die Stiftung des englischen Distel= oder Andreas=Ordens erfolgte im Jahre 787, und der Orden des heiligen Johannes von Jerusalem stammt aus dem Jahre 1118, so sind doch von den bestehenden 180 Orden weitaus die meisten, nämlich 115, in unserem Jahrhundert gestiftet. Auf außereuropäische Staaten entfallen von den vorhandenen Orden nur 14: König Johann von Abessinien verleiht„Salomos Siegel“, die Unterthanen in Birma erhalten die„goldene Sonne“, der Musterstaat China hat unter anderen zwei„Drachen-Orden", im Großstaat Hawai sind von König Kalakaua allein drei Orden, darunter einer für Damen, gestiftet, Japan kennt die„Goldblume“ und die„aufgehende Sonne, das Königreich Siam besitzt fünf Orden, von denen der des „weißen Elephanten“ 1861 gestiftet ist, und Tunis verleiht den„Orden des Ruhmes". Keinen Orden hat die Republik der Vereinigten Staaten von Nordamerika, denn der„Cincinnatus=Orden“ ist bald nach seiner Stiftung, als unvereinbar mit den republikanischen Institutionen ein
gegangen, aber als Beispiel, daß doch auch eine Republik einen Orden wenigstens gehabt habe, mußte der Cincinnatus=Orden dem General St. Jean'Angely bei der Berathung des französischen Staatsrauu# im April 1802 dienen, um für den zu stiftenden Orden der Ehrenlegion zu sprechen. Nur mit Einem Orden begnügen sich 18 Staaten: der Prinzregent von Braunschweig verleiht den 1834 gestifteten Orden „Heinrich des Löwen", Fürst Ferdinand von Bulgarien den„Alexanderorden", Lippe hat das„Ehrenkrenz“, Mecklenburg=Schwerin den „Greifenorden“, Oldenburg den„Haus= und Verdienstorden" und Sachsen=Weimar belohnt die Verdienste um das Großherzogthum mit dem„weißen Falken“, auch der Großstaat Monaco begnügt sich mit dem einen Orden des„heiligen Karl“ und die Republik San Marino
Verhältnißmäßig viele Orden hat Bayern; die Zahl derselben beträgt dreizehn, und unter diesen sind, ein Beweis für die Galanterie der bayerischen Fürsten, vier Frauenorden; von den übrigen stammt der„heilige Hubertus“ aus dem Jahre 1444, der„heilige Michael“ aus 1693, der„heilige George“ aus 1729; die anderen sind in unserem Jahrhundert gestiftet, und König Ludwig II., unglücklichen Angedenkens, hat, obwohl er weder ein Verehrer des Militärs noch der Damen war, den„Militärverdienstorden“ und ein„Verdienstkreuz“ auch für Frauen gestiftet. Die meisten Orden hat das stolze Spanien zu vergeben, denn dort wird die Mandel voll; neun davon gehören dem 19. Jahrhundert, die vielgeliebte Isabella allein hat drei Orden gegründet, und auch König Amadeus hat sich mit dem„Maria=Victoria-Orden" verewigt; von den älteren Orden ist der von„Calotrava“ 1158, der des„heiligen Jacob“ 1175, der von„Alcantara“ 1177 gestiftet. Von den zwölf preußischen Orden ist der„pour le mérite“ und der„pour für Wissenschaften und Künste“, 1665 gegründet; noch älter ist der „ritterliche Orden St. Johannis“, welcher aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt, und der„Schwanenorden“, welcher 1440 gestiftet ist: der„rothe Adlerorden“ ist 1705, der Orden vom„schwarzen Adler“ 1701, das„eiserne Kreuz“ 1813, der„Hausorden von Hohenzollern“ 1851, der„Kronenorden“ 1861 gegründet; von den beiden Frauenorden hat Friedrich Wilhelm III. den„Luisenorden“, König Wilhelm 1871 das„Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen“ gesuifret.
Von den zehn englischen Orden fällt die Hälfte in die Regierungszeit der Königin Bictoria, vier dagegen sind sehr alt: der„Distelorden“ ist bereits erwähnt, die Gründung des„Hosenbandordens" fällt das Jahr 1348, die des„Bathordens“ ins Jahr 1399. Die Zahl der österreichischen Orden beträgt neun und der älteste ist der 1190 gestiftete„deutsche Ritterorden"; der Orden vom„goldenen Bließ“ ist 1439, der„Morien=Theresienorden“ 1757, der„Stephansorden“ 1764, der„Leopoldsorden“ 1805. der der„Eisernen Krone“ von Napoleon
als König von Italien, 1805, der„Franz=Josefs=Orden“ am 2. Deze
1849 gegründet. Der Papst hat seil 1118 den Orden vom Fheiligen Grabe“, seit 1320 den„Christusorden", seit 1831 den des„heiligen Gregor", seit 1831 den des„heiligen Sylvester“, seit 1847 den„Piusorden“ zu vergeben. Rußland hat aus diesem Jahrbundert keine Orden, denn der Orden des„heiligen Andreas“ ist 1698, der des „weißen Adlers“. 1705, der der„heiligen Katharina“ 1714, der des „heiligen Alexander Newsky“ 1722, der der„„heiligen Anna“ 1735, der„Stanislausorden“ 1765, der des„heiligen Georg“ 1769, der des„heiligen Wladimir“ 1782 gestiftet.
Dagegen stammen die fünf Orden des Königreichs Sachsen, mit Ausnahme des 1763 errichteten„Heinrichsordens", sämmtlich aus unserem Jahrhundert. Schweden und Norwegen hat wieder nur zwei Orden aus diesem und vier, dem Seraphinen=, Schwert=, Nordstern-, und Wasaorden“, aus dem verflossenen Jahrhundert. Das junge Königreich Serbien darf sich rühmen, bereits vier Orden, darunter zum Andenken an das„zärtliche“ Verhältniß des königlichen Paares den„Natalienorden“ zu haben. An Zahl der Orden sieht ihm das Köngreich Württemberg gleich, welches gleichfalls auch einen Frauenorden, den 1871 gestifteten„Olgaorden“ hat.
Uebertroffen werden sie an Zahl der Orden von dem Komgreich Siam und der Türkei, welche je fünf haben, und zwar die Türkei: einen„Frauenorden“ den Orden„des Muhmet", den„Medjidie=", den„Osmanie=“ und den„Verdienstorden“. Persien und Portugal haben je sechs, Rumänien und Montenegro behelfen sich mit je drei Orden. Frankreich hat, außer dem am 19. Mai 1802 von dem Konsul Bonaparte gestifteten Orden der„Ehrenlegion“ nur noch den„Verdienstorden für Landwirthschaft“, welchen es dem„Opfer seines Schwiegersohns“, Herrn Giévy verdankt. Zu den verschollenen Orden gebören die von Hannover, Kurhessen und Nassau, Parma, Toscana und Sicilien und die des Kaiserreichs Mexico, deren nur einige Getreue sich im Stillen erfreuen. Pe 4688
All diese„Willenschaft“ lehrt das„Ordensbuchlein".*) Aber der Verfasser ist bemüht gewesen, die immerhin etwas trockene„Lehre von den Orden" durch einen angenehmen Zusatz von Scherz und Humor zu würzen. Wir hören, wie der Spott des Franzosen:„en effet’est ridicule... Dieses Eiserne Kreuz ist bester preußischer Orden und hat nicht einen Werth von 5 Sous“ von dem Berliner mit den Worten:
„Det is wahr! aber Euch hat es doch zwei Napoleons gekostet!“ ab- eein gefertigt wird; wir lesen von der Ordensnoth in Abessinien, von dem# in Seide gestickten Orden, von verschiedenen Ordensjägern und von einem dekorirten Impresario; wir sehen, wie Orden verscherzt und
wie sie verwechselt werden; wir bekommen zu wissen, wie Bietor v. Scheffel zu Adel und Orden gekommen und wie Franz Liszt seinen Orden der Ehrenlegion verloren. Wir werden auch darüber, wie viel Orden der Reichskanzler und seine beiden Söhne haben, sowie über viele andere Dinge unterrichtet.
hundert indeß, das seit seinem Hinscheiden verstrichen ist, hat ge
um alle Nebel zu zerstreuen, welche die Erkenntniß des Mannes durch die Nachwelt verhinderten.
Nachdem einmal die blafirte Mode der Schopenhaueromanie dahingegangen, hat die echte Schätzung des Bleibenden im Denker und Schriftsteller festere Wurzel zu schlagen begonnen: selbst die deutschen Professoren fangen bereits an, dem Todten Gerechtigkeit widerfahren
*) Das Ordensbüchlein von Dr. Max Oberbreyer, Verlag von Moritz Ruhl in Leipzig.
Arthur Schopenhauer.
Zum hundertsten Geburtstag am 22. Februar 1888. Am 21. September 1860 starb Arthur Schopenhauer in Frankfurt a.., 72 Jahre alt. Er starb, geliebt von Niemand, bewundert von wenigen, gehaßt von vielen und verachtet von fast noch mehr Leuten, von den meisten aber nicht gekannt, im Selbstbewußtsein dagegen die Ueberzeugung tragend, daß er einer der Auserwählten des Menschengeschlechts sei, ein Genie, ein Denkerdichter. Wenn eine verbürgte Anekdote erzählt, daß, als Schopenhauer einst an der table dhôte im„Englischen Hof“ zu Frankfurt gefragt wurde, wie er für Zwei essen könnte, er geantwortet hätte:„Ich denke auch für Zwei!"— so besagt die Anekdote nichts. Nicht für Zwei war sich Schopenhauer bewußt zu denken, sondern für Hunderte und Tausende. Nach seinem Tode erst sing seine Popularität an— es wurde eine Popularität, die seinen Namen mehr verhöhnte, als sie ihn pries. Das Vierteljahr
zu lassen. Vieles von dem, was Schopenhauer für seine beste Erkenntniß und seine bleibendste Leistung gehalten, hat die Nachwelt beseitigt; anderes hat sie anerkannt und ihrem Ideenschatze einverleibt: und heute, am hundertsten Geburtstage des Mannes, können wir im Großen und Ganzen sagen, wir feiern in ihm einen unserer originellsten Denker und einen unserer klassischen Darsteller.
Schopenhauer's Lebensgang ist, wie der der meisten Pbilosophen und Gelehrten, einförmig gewesen. Die wichtigsten Ereignisse seines Daseins vollzogen sich, wie das bei einem Denker nur natürlich ist, innerhalb der Schranken seiner Schädeldecke. Dennoch bietet seine Biographie einige interessante Punkte; es sind diejenigen, welche bis zu einem gewissen Grade die Originalität des Schopenhauer'schen Denkens und seine Sonderlingsnatur erklären oder, um nicht die Rolle der angeborenen Eigenschaften zu verkleinern, sie doch wenigstens be
Das Erste, was uns in dieser Bezichung auffällt, ist die Thatsache, daß Schopenhauer keine regelmäßige Schulbildung erhalten hat, sondern Autodidakt war. Das lag in den Verhältnissen seiner Familie. Sein Vater, Heinrich Floris Schopenhauer, war Großkaufmann in Danzig. wo auch Arthur geboren wurde; seine Mutter war die einstmals vielgelesene Romanschriftstellerin Johanna Schopenhauer. Der alte Schopenhauer war ein glühender Bewunderer Englands; er hätte auch gern gesehen, wenn sein Sohn Engländer geworden wäre, und als er die ersten Anzeichen bemerkte, daß dieser Sohn ins Leben drängte, reiste er nach England, damit sein Stammhalter im Eldorado der Großkaufleute geboren würde und so das englische Indigenat als Pathengeschenk in die Wiege gelegt bekäme. Nur ein zufälliger Umstand war es, der die Familie veranlaßte, noch vor der Geburt des Sohnes nach der Heimath zurückzulehren. Schopenhauer ist somit gewissermaßen nur aus Versehen ein geborener Deutscher. Auch nach seiner Geburt dauerte die Wanderlust seiner Eltern sort, und der treine Arthur begleitete sie überall hin. In jungen Jahren bereits bekam er auf diese Weise England, Frankreich, die Schweiz zu sehen, und die Eindrücke der Natur waren die ersten, die seine Seele stark beeinflußten. Von einem geordneten Schulunterricht konnte keine Rede sein. Bald hier, bald dort ließen ihn seine Eltern in einem Pensionat zurück, wo er immer nur einige Monate in den Elementen des Wissens unterrichtet wurde; so in Hamburg, wohin sein Vater bald nach Arthurs Geburt sein Geschäftshaus verlegt hatte, so aber auch in Havre und London. Es ist nicht unwichtig für Schopenhauer's geistige Entwicklung daß sein längster zeitweiliger Unterricht gerade im Auslande stattfand, in Havre, wo er volle zwei Jahre im Hause eines Geschäftsfreundes seines Vaters blieb. Als Arthur von Havre nach Hamburg zurückkehrte, hatte er das Deutsche so gründlich verlernt, daß er sich nur mit Mühe wieder an die harten Laute seiner Muttersprache gewöhnte. Diese französische Schulung ist gewiß nicht ohne Einfluß auf die Ausbildung seives Stiles geblieben, dessen Klarheit um so bewunderungswürdiger ist, als er sie auf die abstrakten Gebiete der Philisophie anwandte, die bisher in Deutschland in einer fast mystisch dunkeln und verstrikten Sprache behandelt wurden.
Auch in London blieb er sechs Monate in der Pension eines Geistlichen; und hier legte er den Grund zu seiner intimen Kenntniß des Englischen, auf das er sein Leben lang stolz blieb. Von allen Dichtern liebte er am meisten nächst Goethe den alten Shakespeare und Byron.
Schopenhauer's Gegner haben es für einen Bildungsschaden erklärt, daß er in den Jahren, die sonst einem geregelten Unterricht gewidmet sind, ein unstetes Reiseleben führte. Aber gerade für einen Geist, wie es Schopenhauer war, dürfte dieser Vorwurf ein ungerechtfertigter sein. Er hat sich selbst in seinen Werken mehrfach darüber ausgesprochen. Sein ganzes Denken bewegte sich in Anschauungen,
als Kind genährt hatte, und der das Schicksal, wie sie meinte, eine glänzende Geungthuung schuldig sei.
Der junge Perbyl, meinte Luise bedeutungsvoll, ist der einzige
Sohn und sehr reich. Gefällt er der gnädigen Komtesse?
Wenn ich aufrichtig sein soll: ich habe mir ihn nicht einmal
genau betrachtet. Sowohl seine Ankunft als auch der für morgen in Aussicht gestellte Besuch hatten mich derart verwirrt, daß es mir ganz schwarz vor den Augen wurde. Doch reden wir lieber von dem morgigen Frühstück. Wir brauchen ein Gedeck von Damast für sechs sonen, das aber ganz tadellos sein müßte! sagte sie, wobei sie besorgt die abgenutzte und fadenscheinige Wäsche im offenstehenden Wäscheschranke
werden noch mehrere Damasi=Garnituren vorfinden!
O, Luise, Du willst mich nur trösten! Wir haben kein einziges fehlerloses Gedeck mehr.
De üater 16. bbriche. 1 5
Beweise mir Deine Behauptung, und ich werde rugig sein! Aurelie, wobei sie nervös im Weißzeuge zu wühlen begann und die einzelnen Stücke auf einen in der Nähe befindlichen Tisch schleuderte. Lumpen, nichts als Lumpen— wie Alles in diesem Hause.
Luise senkte traurig den Kopf.. 6. Mde. 64
Kommen wir doch zur Feststellung des Menus! wenoere sich
Aurelie erregt zur Diemnerin. 9 665
Ich habe eine Hammelskeule in der Vorrathorammer.
Das wird gut sein.
Einige Büchsen mit Sardinen.
Die kannst Du auch auftragen. Dann etwas Gebäck. Du kaunst je den Pudding so vorzüglich zubereiten, daß ich einen besseren selbst
bei meiner Großmutter nicht gegessen habe. Ich hoffe, daß er gu
Lauise antworte nicht und die Komtesse khrte zu hrem Bater in den Salon zurück.
Ran— unn? frogte lebhaft der alte Graf, sich aus seiner ge
So weit es möglich, ist Alles in Ordnung! erwiderte seine Tochter in trockenem Tone und setzte sich ihrem Boter gegenüber in die Nähe des Feuers an den Kamin, dessen von Zeit zu Zeit auflodernde Flammen das düstere Gemach grell beleuchteten.
Beide beobachteten langes Stillschweigen. Diese beiden Personen repräsentirten die Vergangenheit und die Zukunft. Er, ein müder
Greis, sie eine blühende junge Dame— aber Beide von tiefem
Aarelie dliche auf das Feuster, desen Scheiben von den dichten Regentropfen klirrten. Ein matter Dämmerschein drang zuweilen in das Gemach, und die langgestreckten Reste der Bäume wurden vom Winde hin und her bewegt und sahen wie schreckhafte Gespenster aus. Wenn ab und zu eine Flamme im Kamin aufloderte, hatte es den Anschein, als ob die Feusterscheiben plötzlich in Feuer getaucht wären und mit ihnen die draußen ächzenden Bäume, die verschlissenen Möbel und die alten Uhnenbilder. Dann wurde wieder auf einmal Alles
Nacht, als wenn die Natur ausgestorben wäre, und nur das furchtbare Aechzen und Krachen, welches der Sturm in den Bäumen und den Schloßmanern verursachte, unterbrach die beängstigende Stille. Aurelie schanderte vor den gespensterhaften Eindrücken des Elements und verbarg ihr Autlitz in ihre Hände.
Vielleicht ist es eine Schicksalsfügung, daß uns morgen ein so unangenehmer Besuch bevorsteht, sing Graf Mindszenty an, und vielleicht steckt darin etwas Gutes für uus.
Und was könnte das sein?
Zwei junze und ledige Männer werden in der Gesellschaft sein, die Beide sich in heirathsfähigem Alter befinden.
Ist es möglich, daß mein Vater an so etwas denken kann! rief
in bitterem Tone Aurelie.
Und was wäre dabei so unmöglich?
Aurelie zögerte mit der Antwort, und nur das leidenschaftliche Aufflammen ihrer Augen bewies, daß es eine sehr harte, eine sehr abwehrende Bemerkung war, die sich auf ihre Lippen drängte.
Ich werde nie heirathen! sagte sie dann kurz und bestimmt.
Und warum denn nicht?
Ich will den Fluch und das Fatum, welches uns verfolgt, nicht weiter mit mir schleppen und nicht noch auf unsere Nachkommen
verpkangen.„ g. S Gzn
Kein Fatum und kein Fluch in vie Armuth, sondern nur ein
Zufall, dem Jeder ausgesetzt ist.
Reden wir nicht davon.
Im Gegentheil, reden wir wohl davon! Du mußt ganz bestimmt den Versuch machen, den Baron Markus Perbyl zu gewinnen. Er ist sehr eitel und sehr reich.
Er mag sein Vermögen genießen, ich beneide ihn nicht darum; auch möchte ich gerade am wenigsten ihn heirathen.
Welche Thorheit! Du wirst doch nicht immer ein solches Leben führen wollen?
Ich könnte daran nichs ändern. Es widerstrebt meinem Charakter, um die Gunst reicher Freier zu betteln; auch könnte ich nicht die Vorwürfe ertragen, denen ich in der Ehe wegen meiner Armuth ausgesetzt
seimn dürft... 9.2## Aherhampt mns nicht
Du hast ja eine Annäherung an einen Freier überhaupe noch nicht
versucht!
Ist es nicht geung, daß ich seit Jahren einen Kampf mit unserer peinlichen Lage führe? Hatte ich seit dem Tode meiner Mutter auch nur einzigen Tag der Freude, eine heitere Minute? Aus Kampf, Beschämung und Demüthigung besteht mein Leben, und zu alledem gesellt sich noch meine stolze Natur und mein ehrgeiziges Herz.
Soll das etwa ein Vorwurf für mich sein?
Rein, nur der Ausbruch eines unwillkürlich aufzuckenden plötz
üichen Schurzes. K 4 ma 8
Du glaubst wohl, daß es sonnt keine Armen in der Welt gibt
außer und? 5ezeutn und 6. F.
Es gibt zahllose; aber sie heizen nicht Brinvozeueh und sie hatten
geboren. Was wir nicht gekannt haben, beweinen wir auch nicht, und ich hasse nicht die Armuth, sondern nur die Thatlosigkeit; das schmerzt und verbittert mich und läßt mir keine Ruhe. Geben Sie mir ein Mittel oder zeigen Sie mir einen Weg, wodurch ich etwas thun kann, und ich werde glücklich sein. Diese Lethargie tödtet mich.
Du darfst nicht arbeiten; denn Du bist eine Komtesse Aurelie
Ich muß mich in meinem Elende verbergen, muß in Thatlosigkeit und Apathie zu Grunde gehen, weil... doch reden wir nicht weiter davon. Gute Nacht, mein Vater!
Sie sprang von ihrem Stuhle auf und eilte durch die Nebeuthür hinaus, ihren Vater allein lassend mit dem verlöschenden Feuer, dem rasenden Sturme und dem Echo der vorwurfsvollen, bitteren Worte, welche den Saal durchzitterten und auch die Herzensruhe des alten Mannes aufgewühlt haben würden, wenn er ein Herz gehabt
keine besseren Tage; sie sind nicht in Lorus, Glanz und Wohlleben entging.
II.
Als wollte sie den Bewohnern des Schlosses eine frohe Stunde bereiten, ging die Sonne am andern Tage in strahlendem Glanze auf und erfüllte mit milden Lüften die unwirthliche Gegend.
Luise und Marie boten Alles auf, um das Speisezimmer so anheimelnd als möglich zu machen.
Die Herrschaft benutzte selten diesen entlegenen Saal; nur an heißen Sommertagen pflegte man dort zu decken, wo es immer schattig war und stets ein frischer Luftzug angenehme Kühlung fächelte. Jetzt brannte ein mächtiges Feuer im Kamin, Alles war vom Staube gereinigt, die Fenster waren gewaschen und mit Blumen und Topfgewächsen geschmückt. Auf der Tafel befand sich ein großer Blumenstrauß aus Herbstgeorginen; diesem wurde auch zugleich die Aufgabe zu Theil, die schadhaftesten Stellen in der Mitte des Tafeltuches möglichst zu verbergen.
Laise hielt Wort und lieh der Familie ihr eigenes, für sechs Personen bestimmtes Silberzeug. Als Aurelie ius Speisezimmer trat, umkränselte unwillkürlich ein schwaches Lächeln ihre Lippen. Die Butter, das Defsert, die Sardinen=Büchsen u. s.., Alles war schön und richtig plazirt; Jeder hätte dies Arrangement höchst geschmackvol gefunden, ausgenommen die Baronin v. Perbyl und ihre Familie, deren Ankunft unmittelber bevorstand und die Graf Mindszeuty in seinen besten, wohlausgebürfteten Anzuge erwartete.
Aurelie war schwarz gekleidet, jedoch ihre Angen und Haare beschämten noch die Schwärze ihres Kleides. Ihr stets bleiches Antlitz brannte heute vor Erregung in sieberhafter Gluth.
Die Gäste trafen gegen Mittag ein. Der Hausherr ampfing sie an der Treppe und Aurelie im Konversationszimmer.
Graf Mindszeuty geleitete die Baronin Perbyl hinauf und stellte ihr seine Tochter vor; aber die hochmüthige Edeldame betrachtete kaum. Auf ihrem Antlige prägten sich Ueberraschung und Verblaffgg# aus, als sie sich im Saale umherblickte, was der ermen Aurelie