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verbunden mit der Honnefer Zeitung.

Amtliches Verkündigungs=Blatt## für die Bürgermeisterei Honnef.

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Freitags eine achtseitige illustrierte Gratis=Beilage und von April bis Oktober die„Amtliche Nurliste“ für die Kurorte Honnef

Derantwverlüiche Rehetten Duck und Verlag von Kart werder hn Henus an Aben.

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Nr. 2955.

Zeitungspreisliste Nr. 3487

Zweites Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Das Reichstagswablrecht.

Das Reichstagswahlrecht spielt in diesem Wahl­kampfe eine große Rolle. Es gibt Leute genug, denen es danach gelüstet, mit diesem wichtigsten aller Volksrechte gründlich aufzuräumen. Daß ein solcher Plan kein bloßes Gerede, beweisen die vielen, auch von offiziöser Seite gefallenen Drohungen mit den Konsequenzen, wenn der neue Reichstag das von der Regierung gewünschte Bild nicht zeigt.

Ein Hauptschreier unter den Scharfmachern ist die Berliner„Post“, welche in der kurzen Zeit des Wahl­kampfes schon oft, aber in unrühmlicher Weise, von sich reden macht.„Kampf bis zum Erfolg" brüllt sie. Nützt eine zweite Auflösung nichts, dann darf die Re­gierung auf keinen Fall zulassen, daß das Reich von den Erkorenen des gleichen geheimen, direkten allge­meinen Wahlrechts in Grund und Boden ruiniert werde.

Die Ausmerzung des Wahlrechts wird also für un­umgänglich erklärt. Nun versichert uns das Organ des Reichskanzlers, daß die Auffassung von einer zweiten Auflösung gründlich verkehrt ist. Was bleibt nun also noch weiter übrig, als ein Gewaltakt auf oas Wahlrecht, wenn wir von etwa sonst noch vor­handenen Staatsstreichgelüsten absehen? Gegenüber einem solchen Beginnen wird das katholische Volk un­ausgesetzt auf der Wacht stehen und durch ein einmü­tiges Eintreten für seine Partei seine Rechte zu schützen und zu wahren wissen.

Es ist eins mit den Ausführungen des Abgeord­neten Trimborn, welcher am Dienstag in Köln sagte, daß das Reichstagswahlrecht ein gewaltiger Hebel geworden sei, um die unteren Klassen auf ein höheres Niveau der Kultur und des geistigen Lebens zu er­heben. Der Schutz dieses Wahlrechts sei von eminent kultureller und nationaler Bedeutung. Und das Zen­trum hat in seinem Wahlaufruf mit Nachdruck betont, „das verfassungsmäßige Wahlrecht werden wir unent­wegt hochhalten".

Gegen das Unternehmen der Regierung und des Scharfmachertums haben die katholischen Wähler nur eine Antwort, sie liegt in den Worten Trimborns: „Der beste Schutz des Reichstagswahlrechts ist die Stärkung der alten treuen, ungebrochenen Verfassungs­partei, des Zentrums.“

den 22. Dezember 1906.

Deutschland.

Berlin, 21. Dezember 1906.

"— Der Fall des Majors Fischer, dessen ninanzielle Beziehungen zu der Firma Tippelskirch seiner Zeit so großes Aufsehen erregten, ist kurz vor Auflösung des Reichstages durch den Reichskanzler als obersten Vorgesetzten der Schutztruppenoffiziere da­durch erledigt worden, daß der angeschuldigte Major 14 Tage Stubenarrest erhielt. Das strafrechtliche Ver­fahren gegen den Major ist, wie noch erinnerlich, ein­gestellt worden.

Oesterreich=Ungarn.

Wien, 20. Dez. Die Postbediensteten haben be­schlossen, morgen früh um 6 Uhr den passiven Wider­stand zu beginnen. Die Verhandlungen zur Befrie­digung der Ansprüche der Postbediensteten werden fortgesetzt.

Frankreich.

Paris, 21. Dez. Im Senat entspann sich eine lange Beratung über eine Erhöhung der Entschädigung der Parlamentsmitglieder, gegen die mehrere Sena­toren der Rechten Einspruch erhoben. Schließlich wurde die Erhöhung von 9000 auf 15000 Fr. mit 160 gegen 109 Stimmen angenommen.

Rußland.

Petersburg, 21. Dez. Durch einen Ukas vom heutigen Tage werden die Wahlen zur Reichsduma für das euxopäische Rußland auf den 19. Febr. 1907 angesetzt. Für das Kaukasusgebiet, Mittelasien und Sibirien ist der Wahltag noch nicht bestimmt.— Durch Ukas vom heutigen Tage sind Stadt und Gouvernement Baku als im Zustand des außerordent­lichen Schutzes statt im Kriegszustand befindlich erklärt worden.

Bulgarien.

Sofia, 21. Dez. Von der Südgrenze bei Has­kowo wird ein blutiges Scharmützel zwischen den beiderseitigen Grenzwachen gemeldet. Die Türken be­schossen bulgarische Wachen, die angeblich den türkischen Fußsteig benutzten. In dem Geplänkel fielen vier tür­kische und ein bulgarischer Soldat.

Marokko.

El Ferrol, 21. Dez. Der Dampfer„Jardon" ist in den hiesigen Hafen eingelaufen, um nach Ma­rokko bestimmte Munitions=Vorräte an Bord zu nehmen.

Tanger, 21. Dez. Nach zuverlässiger Meldung, die aus Eingeborenenkreisen stammt, soll in der scheri­fischen Mehalla immer mehr die Stimmung zum Ausdruck kommen, daß, wenn die Marokkaner kämpfen sollen, sie dies nur gegen die Europäer und nicht

Fernsprecher Nr.

Herzen.

Roman von Erwin Friedbach. 61

„Darf ich mir die Frage erlauben, ob man Sie in dieser Angelegenheit zu mir gesandt hat?“

„Gewiß dürfen Sie sich die Frage erlauben,“ entgeg­nete Milly, während ein Blitz des heißen Zornes, der sie verzehrte, aus ihren dunklen Augen sprühte.„Mit der­selben Freiheit, die ich mir nehme, indem ich Ihnen ant­worte, daß Fräulein Fürstner nicht nur nichts von mei­nem Hiersein weiß, sondern sich auch auf das Entschie­denste jede Intervention von meiner Seite verbeten ha­ben würde, falls ich ihr die Absicht kundgegeben hätte.“

„Sind Sie davon so fest überzeugt?“ fragte Henning, der sich unruhig auf seinem Sitze hin und her bewegte.

„Ja, davon bin ich fest überzeugt, und zwar aus dem Grunde, weil Sie ein Tyrann sind, mein Herr, ein Des­pot, dem ein Mädchen, das sich seiner Würde bewußt ist, niemals angehören wird. Am allerempfindlichsten aber ha­ben Sie in dem Augenblicke, wo Sie Wilma vor die grau­same Entscheidung, zwischen Ihnen und uns zu wählen, stellten, gegen sich selbst gewütet, denn von ihr, die so gut und edel ist, durften Sie mit ein wenig Menschen­kenntnis nichts anderes erwarten, als daß sie den Stim­men der Liebe und Anhänglichkeit für ihre älteren Freunde gehorchte, weil zu lieben und zu helfen des Weibes eigen­ster Beruf ist. Der Stachel Ihres traurigen Irrtums hat sich hauptsächlich gegen Sie selbst gerichtet, Sie sind der Beraubte und haben eine Wilma verloren, die es nur einmal auf der Welt gibt, während sie zu der Erkennt­nis gelangte, daß ein Mann, der in solchem Maße der Sklave seines Eigensinns geworden, sie niemals wahrhaft geliebt hat.“ Milly erhob sich, ihr Gesicht glühte, und die Augen strahlten vor Begeisterung; nun hatte sie die Em­pörung von der Seele gewälzt, und mildere Gefühle bra­chen sich Bahn, als sie Heuning sichtlich bewegt sah. Voll brennender Spaunung forschte sie auf seinen Zügen nach der Wirkung ihrer Worte, aber immer noch blieben sie

unergründlich. Henning von Ast hatte es meisterhaft ge­lernt, die Regungen seiner Seele zu verbergen.

„Sie mögen recht haben, Fräulein von Waßmut, der Mensch lernt eben niemals aus; ich ging von dem Stand­punkte aus, daß in einer Ehe, soll der Friede dauernd aufrecht erhalten bleiben, ein Wille ausschlaggebend sei,

soll nach meiner Ansicht der männliche sein.“

und das

Er hatte sich ebenfalls erhoben, strich seinen Vollbart und sah unschlüssig vor sich hin.

„Und nun will ich denn gehen,“ äußerte Milly nach kurzer Pause, indem sie voll heimlicher Befriedigung sah, daß er heftig mit einem Entschlusse rang.

Und so war es; als sie ihm die Hand zum Abschied reichte, hielt er sie fest, und abgewandt, halb unverständ­lich kam ein leises:„Bleiben Sie ein paar Minuten,“ von seinen Lippen.

Ein Gefühl freudigen Triumphes durchzuckte Milly, doch diplomatisch nach wie vor, verhielt sie sich ganz still und zeigte eine gleichgültige Miene, um der trotzigen Na­tur des Mannes Zeit zu lassen, die rechten Worte für das, was ihm zu schwer wurde, zu finden.

„Fräulein Milly,“ er atmete aus tiefer Brust,„unsere nahe Verwandtschaft erlaubt mir wohl, Sie so zu neunen, bitte setzen wir uns noch einen Augenblick.“

„Gern,“ entgegnete sie so kühl und gelassen, als handle es sich um die geringfügigste Angelegenheit und nicht um das, was ihr das Teuerste und Wichtigste war: Wilmas Glück.

„Sie haben mir," begann er mit verschleierter Stimme, „wie man zu sagen pflegt, den Standpunkt gehörig klar gemacht und eine bewundernswerte Offenheit und Tap­ferkeit bewiesen. Jetzt ist es an mir, ebenso offen zu sein. Es wird mir wahrlich nicht leicht, doch das ist für den Esel, als den ich mich benommen habe, nur eine gelinde Strafe."

Milly trank gleichsam mit Wonne jedes seiner Worte in sich hinein und vermochte kaum das Zufriedene Lä­cheln zu unterdrücken. Stumm, mit langsamen Bewegun­

gegen die eigenen Landsleute tun würden. Es wird

offen erklärt, daß der Einführung der Polizei um jeden Preis Widerstand entgegengesetzt werden soll.

Lokales.

= Honnef, 22. Dez. Heute, Samstag Abend sind die Geschäfte bis 10 Uhr geöffnet. Ebenso ist am morgigen Sonntag verlängerter Geschäftsver­kehr bis 7 Uhr und nächsten Montag wiederum bis 10 Uhr abends.

2. Honnef, 22. Dez. Bei dem aus Anlaß der Einweihung der Hölterhoff=Stiftung im Städt. Kurhause veranstalteten Festmahl dankte der Rektor der Bonner Universität Prof. Dr. Grafe allen, die an dem Zustandekommen des Werkes mitgearbeitet haben, und Bürgermeister Waechter sprach den gleichen Dank im Namen der Gemeinde Honnef aus. Kurator Dr. v. Rottenburg führte u. a. aus, in der Hölterhoff­Stiftung sei ein Geist zum Ausdruck gekommen, der alle Universitätsfreunde sympathisch berühren müsse. Wir Deutsche pflegten die Universitäten als almae matres zu bezeichnen und liege es ihm, dem Kurator, sehr fern, Zweifel daran zu hegen, daß der Deutsche an der Universität, aus der er hervorgegangen, mit Verehrung und Liebe hinge. Allein zu wünschen wäre es, daß diese Gefühle mehr, als das heute ge­schehe, sich in Taten übersetzen, namentlich auf erb­rechtlichem Gebiete. Wie ganz anders seien in dieser Beziehung die amerikanischen Universitäten gestellt. Aus einem Berichte, der ihm kürzlich zugegangen sei, habe er ersehen, daß z. B. die Universität Harvard in einem Jahre über 4 Millionen Mark an Schenk­ungen Privater empfangen habe. Geheimrat Riefen­stahl widmete einen Trinkspruch den Bauherren Jänicke und Schulze und den Bauhandwerkern, die Stiftsoberin Fräulein Agnes Rein der mütterlichen Fürsorge der Frau Geheimrat Riefenstahl, der Dekan der evangelisch=theologischen Fakultät Professor Sell den Stiftsdamen.

X Honnef, 22. Dezbr. Ein Militärkonzert, das letzte in diesem Jahre, veranstaltet die Kurver­waltung am zweiten Weihnachtstage, Nachmittags, in der gut geheizten geschlossenen Wandelhalle. Die Musik stellt die beliebte Kapelle des Rhein. Inf.=Rats. Nr. 68 aus Coblenz.

□ Honnef, 22. Dezbr. Langjähriger Gewohnheit gemäß wird der kath. Gesellenverein am 2. Weihnachtstage eine dramatische Vorstellung geben. Zur Aufführung kommt das Trauerspiel:„Maximilian von Mexiko". Das Stück behandelt die letzten Kämpfe des Kaisers Maximilian von Mexiko gegen seine repu­

gen hatte sie ihren Platz ihm gegenüber wieder eingenom­men, als erzeige sie ihm mit ihrem Verweilen einen Ge­fallen. Die Hoffnung des Erfolges, den sie anscheinend auf bestem Wege zu gewinnen war, erfüllte sie mit stürmi­schem Jubel: was würde Wilma sagen zu dem Werke, das sie jetzt im Begriff stand zu vollbringen!

„Sie denken," begann Henning,„daß ich Wilma nicht nach Würden zu schätzen wüßte; das ist ein Irrtum, ich wäre sonst ja nicht dahin gelangt, sie so warm zu ver­ehren, wie es der Fall ist. Von der Stunde an, in der ich mich nach dem Entzweien von ihr trennte, hatte ich keine Ruhe mehr und sah ein, was für eine kolossale Dummheit ich beging, mein Benehmen hatte mir einen: ganz nichtswürdigen Streich gespielt. Natürlich hielt ich alles für verloren, wie konnte Wilma nach diesem Vorfall wieder Vertrauen zu mir fassen! Ich wollte an sie schrei­ben, begann wohl zehn Briefe und zerriß sie alle, damit war es nichts. Zu ihr reisen und sie bitten, wieder gut zu sein? Ja, sehen Sie, Fräulein Milly," Heuning lächelte ver­legen wie ein Kind,„ich vermochte das nicht über mich, aus falscher Scham, aus Furcht, wie ichs verdient hatte. Um diesem unerträglichen Zustand ein Ende zu bereiten, entschloß ich mich endlich kurz, nach St. Franzisko abzu­reisen; so bin ich hierher gekommen in einer Verfassung, die unbeschreiblich ist, den Tod im Herzen, den ich am liebsten gesucht hätte. Da kainen Sie, Sie wollten nichts als mir eine Lektion erteilen, mir vor Augen halten, was ich unwiederbringlich verloren hatte, wider Wissen und Willen haben Sie jedoch die Rolle eines Engels vom Him­mel vor mir gespielt. Fräulein Milly, wenn es jemand auf der Welt gibt, mir zu helfen, so sind Sie es.“

„Zum Helfen, wo es sich um ein gutes Werk handelt, werden Sie mich immer bereit finden, Herr von Ast.“

„Nun wohl: Sie stehen Wilma nahe, wie ich gehört habe, am nächsten von allen. Sie wissen, daß es mir ver­gönnt war, ihr Herz zu besitzen, und es vielleicht noch be­sitze, Frauenliebe erlöscht nicht von heute bis morgen, auch unter dem heftigsten Sturm nicht." 140,19