Lenneper Kreisblatt

BESTANDHALTENDE INSTITUTIONEN

Stadtarchiv Remscheid

BESCHREIBUNG VERFASST VON

Angelika Gwóźdź, M.A. (2025), Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

Lenneper Volksblatt (1830-1941)

Geschichte und Entwicklung

Das „Lenneper Kreisblatt“ wurde 1830 von dem evangelischen Lehrer Johann Heinrich Müller und dem Buchdrucker Johann Heinrich Hermann Joseph Schumacher (im Folgenden nur Heinrich Schumacher) in Lennep gegründet. Die erste Ausgabe erschien ab dem 2. Juni zweimal wöchentlich, mittwochs und samstags, als „Organ der Beamtenwelt, und öffentlicher Verkündiger im Lenneper Kreise“ im halben Bogen mit vier Seiten. Schumacher war zunächst nur für den Druck zuständig. Inhaltlich konzentrierte sich das Kreisblatt zunächst nur auf Meldungen aus den „landräthlichen und jeder andern obrigkeitlichen, - gerichtlichen, polizeilichen, Verwaltungs-, Kirchen- und Schul-Behörde“, sowie Zivilstand, Anzeigen und unterhaltenden Beiträgen wie Erzählungen oder Rätseln. Aufsätze zu jeglichen politischen Themen, auch zu Religion, Staatsverwaltung oder Geschichte, wurden untersagt, denn das Kreisblatt stand, wie auch andere periodisch erscheinende Blätter, unter Zensur.

Bereits im nächsten Jahr übernahm der Buchhändler Johannes Roesch den Verlag, übergab ihn jedoch bald wieder an Johann Heinrich Müller und Heinrich Schumacher. Ab 1832 wurde Schumacher als Verleger und Drucker aufgeführt, Müller als Redakteur im Zeitungskopf vorangestellt. Nachdem Müller 1841 verstarb, musste Schumacher auch die Redaktion übernehmen und überführte das Kreisblatt in ein größeres Format.

Erst Ende des Jahres 1848, motiviert von der Revolutionsbewegung, kündigte das Kreisblatt an, politischer zu werden und eine neue Rubrik „Tagesbegebenheiten“ einzuführen, in der nun politische Nachrichten abgedruckt werden sollten.

1869 starb Heinrich Schumacher einen Monat, nachdem die Druckerei eine Schnellpresse erwarb. Sein Sohn Heinrich Georg Schumacher übernahm die Geschäfte, mit Unterstützung seiner älteren Schwester Pauline Schumacher (1845-1906), die zusammen mit Leo Schumacher die Redaktion führte. Ab dem 1. April 1880 erschien das Kreisblatt dreimal wöchentlich, montags, mittwochs und freitags. Damit reagierte der Verlag auf die neuerschienene Konkurrenz des „Bergische[n] Anzeiger[s]. Organ für Lenne und Lüttringhausen“, der von Beginn an dreimal wöchentlich verteilt wurde (Barmer Zeitung, 10.4.1880). Am 2. Oktober 1891 wird das Format des Lenneper Kreisblatts erneut vergrößert und der Titel durch „Lenneper Zeitung“ ergänzt.

Nachdem Heinrich Georg Schumacher im April des Jahres 1896 verstarb, wurden die Druckerei und das Kreisblatt im Oktober an den Elberfelder Adolf Mann verkauft. Dieser übernahm zunächst Druck, Redaktion als auch Verlag. Ab 1897 ließ er das Kreisblatt viermal wöchentlich erscheinen und führte neue Beilagen ein. Fortan begann die Titelseite mit einem Leitartikel, gefolgt von politischen Nachrichten oder Meldungen aus dem Reichstag. In den nächsten Jahren wurde das Verbreitungsgebiet ausgeweitet und berücksichtigte dabei die Ortschaften Lüttringhausen, Ronsdorn, Beyenburg, Dahlerau, Vogelsmühle, Dahlhausen, Radevormwald, Born, Hückeswagen, Dabringhausen, Wermelskirchen und Burg. Ab dem 1. April 1900 konnte das Kreisblatt täglich außer sonntags erscheinen.

Im November 1918 wurde das Kreisblatt vom Arbeiter- und Soldatenrat kurzweilig unter Zensur gestellt. In den 1920er Jahren behinderten äußere Umstände die Produktion der Zeitung. Auch in Lennep streikten im März 1920 die Buchdrucker. Die Geschäftsräume des Kreisblatts wurden durch Bewaffnete des Vollzugsrates besetzt, die anstelle des „Lenneper Kreisblatt[s]“ das „Nachrichtenblatt des Lenneper Vollzugsrates“ herausbrachten. Als „Publikationsorgan des Vollzugsrates“ berichtete es überwiegend über den Kapp-Putsch und die Arbeiteraufstände, politische Nachrichten wurden nur noch unkommentiert veröffentlicht. 1923 erschwerte ein erneuter Bruchdruckerstreik die Produktion des Kreisblattes. Um die Herausgabe nicht vollständig einstellen zu müssen, erschien das Kreisblatt eine Oktoberwoche lang in einer zweiseitigen Notausgabe.

Nach 26 Jahren bekam Adolf Mann redaktionelle Unterstützung durch Friedrich Wilhelm Anthony, der fortan als verantwortlicher Schriftleiter aufgeführt wurde. Dieser sollte, mit wenigen Jahren Unterbrechung durch Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft, bis zu seinem Tode im Jahr 1937 für das Kreisblatt schreiben. Mit „Der Sport am Sonntag“ wurde eine neue Rubrik eingeführt, die bald eine komplette Seite einnahm. Am 1. Januar 1922 trat Adolf Mann von seinem Posten zurück und siedelte nach Bonn-Oberkassel über. Sein Nachfolger wurde Richard Gäbe, der zusammen mit dem Hauptschriftleiter Friedrich Wilhelm Anthony den Verlag führte und sich im Hintergrund um den technischen Betrieb kümmerte. Im weiteren Verlauf des Jahres trat Richard Thielmann als Redakteur für Provinz und Allgemeines der Schriftleitung bei.

Als Lennep 1929 in die Stadt Remscheid eingemeindet wurde und somit auch der Kreis aufgelöst wurde, musste der Titel der Zeitung angepasst werden in: „Lenneper Kreisblatt. Lenneper Zeitung. Tageblatt für Lüttringhausen, die Wupperortschaften und Radevormwald“.

Im Februar 1931 wurde die Druckerei des „Lenneper Kreisblatt[es]“ für wenige Tage erneut bestreikt, sodass das Blatt nicht erscheinen konnte. Davon war auch das „Bergische Abendblatt“ betroffen, die ebenfalls dort hergestellt wurde (Barmer Zeitung, 21.2.1931 und 24.2.1931). Nachdem Anthony im Mai 1937 verstarb, übernahm Richard Thielmann die Hauptschriftleitung.

Bergische Tageszeitung (1941-1944)

Am 1. Juni 1941 wurden das „Wermelskircher Tageblatt“ und die „Hückeswagener Volkszeitung“ mit dem „Lenneper Kreisblatt“ vereinigt. Als Begründung wurden Ressourcenknappheit und Kräftemangel angeführt. Die neue Zeitung firmierte unter dem Titel „Bergische Tageszeitung. Lenneper Kreisblatt. Wermelskirchener Tageblatt, Gemeindebote für Dabringhausen u. Dhünn, Bergische Volks-Zeitung Hückeswagen“ und führt die Jahrgangszählung des „Lenneper Kreisblattes“ fort. Dabei wurde Richard Thielmann als einziger Angestellter namentlich im Impressum aufgeführt. Fortan erschien die Zeitung nur noch mit einem reduziertem umfang von 4 Seiten. Ein Jahr später entschied man sich, das „Lenneper Kreisblatt“, „Wermelskirchener Tageblatt“ und die „Bergische Volkszeitung Hückeswagen“ als Nebenausgaben der „Bergischen Tageszeitung“ fortzuführen. 1943 wurde Paul Drees aus Wermelskirchen als verantwortlicher Redakteur aufgeführt. Währenddessen veröffentlichte Thielmann weiterhin vorrangig feuilletonistische Artikel in der „Bergischen Tageszeitung“.

Die letzte digital nachgewiesene Ausgabe der „Bergischen Tageszeitung“ erschien am 31. März 1943. Dabei handelt es sich vermutlich nicht um die zuletzt erschienene Ausgabe. Die Zeitschriften Datenbank datiert diese mit dem 14. April 1945, dem Tag, an dem die US-amerikanischen Truppen Remscheid besetzten.

Titelhistorie

  • 1830: „Lenneper Kreisblatt“
  • ab 2.10.1891 „Lenneper Kreisblatt zugleich Lenneper Zeitung.“
  • ab 1902: „Lenneper Kreisblatt zugleich Lenneper Zeitung. Amtliches Organ auch für die Gemeinde Lüttringhausen“
  • ab dem 1. April 1914 „Lenneper Kreisblatt. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Lennep. Lenneper Zeitung. Allgemeiner Anzeiger für die Gemeinden Lennep und Lüttringhausen“
  • spätestens ab 22.3.1920: „Nachrichtenblatt des Lenneper Vollzugsrates (vormals Lenneper Kreisblatt)“
  • 23.3. 1920 „Lenneper Kreisblatt. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Lennep. Lenneper Zeitung. Amtliches Organ auch für die Gemeinde Lüttringhausen. Publikationsorgan des Vollzugsrates“
  • 1927 „Lenneper Kreisblatt. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Lennep. Lenneper Zeitung. Amtliches Organ auch für die Stadtgemeinden Lüttringhausen und Radevormwald“
  • 1930 „Lenneper Kreisblatt. Lenneper Zeitung. Tageblatt für Lüttringhausen, die Wupperortschaften und Radevormwald“
  • ab 1. Juni 1941 „Bergische Tageszeitung. Lenneper Kreisblatt. Wermelskirchener Tageblatt, Gemeindebote für Dabringhausen u. Dhünn, Bergische Volks-Zeitung Hückeswagen“

Inhalt und Politische Ausrichtung

Zunächst königstreu, verlangte jedoch die konstitutionelle Monarchie. 1850 beanspruchte das Kreisblatt noch „ohne Rücksicht auf Parteifragen“ zu berichten (9.11.1850). In den 1860er Jahren positionierte sich das Kreisblatt gegen Bismarcks Politik und richtete sich anschließend nationalliberal aus. Dabei blieb es auch nach Besitzerwechseln stets kaisertreu. Das „Lenneper Kreisblatt“ unterstützte die Freisinnige Partei in Lennep, obwohl diese mit der „Lenneper Volkszeitung“ im Verlag von Peter Hackenberg ein eigenes Parteiorgan besaß. Später bekannte sie sich zur nationalsozialistischen Regierung und verbreitete deren Propaganda.

1930 erschien das Lenneper Kreisblatt mit 8 Seiten in vierspaltigem Text, die sich aus folgenden Themen zusammensetzen: Politische Meldungen und Artikel aus dem In- und Ausland wurden vorangestellt. Gefolgt von einem einseitigen Lokalteil mit Meldungen aus Lennep, Lüttringhausen, Radevormwald, Remscheid und Burg. Einseitiger Anzeigenteil. Kleiner wirtschaftlicher Teil mit Gemüse- und Obstpreisen des Kölner Hauptmarkts. Wettermeldungen. Eine Beilage mit Meldungen aus dem Bergischen Land und Westdeutschland. Meldungen aus dem Alltag, Romane, eine ein- bis zweiseitige Sport Rundschau.

Periodizität und Auflage

Periodizität

Zunächst 2 mal wöchentlich, ab 1880 dreimal wöchentlich (montags, mittwochs, freitags), ab 1897 viermal wöchentlich, ab 1900 tägliches Erscheinen außer sonntags.

Auflage

  • 1841: 700
  • 1906 2.670
  • 1910: 3.300
  • 1912: 3.650 (Sperling) / 3.700 (Mosse)
  • 1914: 4.000
  • 1927: 5.500

Beilagen

  • Illustrirtes Unterhaltungsblatt, wöchentlich sonntags
  • Ab 1896 „Praktische Mitteilungen für Gewerbe und Handel, Land- und Hauswirthschaft“, 14-tägig
  • „Die Frau“
  • „Roemryke Berge“
  • „Wochenend. Illustrierte Sonntag-Beilage“

Konkurrenzblätter

  • „Bergischer Anzeiger. Organ für Lennep und Lüttringhausen“ (1880 bis)
  • „Lenneper Zeitung“ (1879 bis [?])
  • „Lenneper Volkszeitung, Politisches Organ und Anzeiger für den Kreis Lennep“ (1887 bis 1905), gedruckt und verlegt von Peter Hackenberg. Parteiorgan der Freisinnigen Partei in Lennep.

Literatur und Quellen