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Westfälisches Volksblatt

Bestandhaltende Institution

Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Geschichte und Entwicklung

Das „Westfälische Volksblatt“ erschien erstmals am 3. Januar 1849 zunächst wöchentlich als Beilage zum 1848 begründeten „Westfälischen Kirchenblatt für Katholiken“. Begründer der katholischen Presse in Paderborn war Ferdinand Schöningh (1815–1883), der nach einer Ausbildung in Münster in der Buchhandlung seines Großvaters Josef Heinrich Coppenrath (1761–1859) mehrere Jahre in Soest als Geschäftsführer der Nasseschen Buchhandlung tätig gewesen war. 1847 kam Schöningh nach Paderborn und begann mit dem Aufbau eines Buchhandels. Der Aufstieg des „Westfälischen Volksblatts“ ist eng mit dem Kulturkampf verbunden. Neben Ferdinand Schöningh hatte insbesondere Joseph Honcamp (1820–1894), von 1860 bis 1893 verantwortlicher Redakteur, großen Anteil am Aufschwung.

Politische Ausrichtung, Periodizität, Verbreitung

Bis Ende 1861 war das Blatt einmal in der Woche erschienen. Ab April 1869 verließ die Zeitung dreimal, ab Juli 1874 sechsmal, ab Oktober 1879 sogar siebenmal wöchentlich die Druckerpresse, womit im Vergleich zur örtlichen Konkurrenz schon früh ein Übergang zu dichterer Periodizität zu verzeichnen ist; das „Westfälische Kirchenblatt“ wurde übrigens 1882 eingestellt. Als energische Vertreterin der Politik der Zentrumspartei avancierte das „Westfälische Volksblatt“ zu einem der bedeutendsten Organe des politischen Katholizismus in Westfalen; dabei verfolgte man – im Gegensatz zum ebenfalls in Paderborn erscheinenden „Liborius-Boten“ (1875–1882) – einen eher moderaten Konfessionalismus. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg expandierte der Zeitungsverlag mit Nebenausgaben im Sauerland und im Eichsfeld. Im April 1919 erfolgte die Umwandlung des Familienunternehmens in eine Aktiengesellschaft (Westfälische Volksblatt AG). Zwar wurde die Sonntagsausgabe im Frühjahr 1920 eingestellt, gleichwohl wurde die schon vor dem Krieg begonnene Expansionspolitik mit dem „Freimütigen an der Haar“ in Soest (ab 1922), dem „Sauerländer“ in Arnsberg (ab 1924), dem „Hessischen Kurier“ in Kassel (ab 1924), dem „Eichsfelder Volksblatt“ in Heiligenstadt (ab 1924), der „Thüringischen Volkswacht“ in Erfurt (ab 1927) und der „Sächsischen Zeitung“ in Magdeburg und Halle (ab 1928) fortgesetzt. Im Oktober 1922 übernahm Fritz Walter (1883–?) die Hauptschriftleitung. Während seiner Tätigkeit in Paderborn fand das „Westfälische Volksblatt“ überregionale Beachtung, nicht zuletzt ob der guten Verbindungen Walters zu dem führenden Zentrumspolitiker Heinrich Brüning (1885–1970).

Weitere Entwicklung

Bereits wenige Tage nach der „Machtergreifung“ geriet das Volksblatt ins Visier der NS-Propagandisten. Im Oktober 1933 wurde der bisherige Hauptschriftleiter Fritz Walter abgelöst. Aber auch unter der Leitung des Nachfolgers Dr. Heinrich Staab (1896–?) rissen die Repressalien nicht ab. Im Frühjahr 1936 wurde die Familie Schöningh gezwungen, ihre Verlagsrechte an die Vera Verlags-GmbH, ein Tochterunternehmen des parteieigenen Franz Eher-Zentralverlags, zu verkaufen, die ihrerseits den Zeitungsbetrieb an den ehemaligen Eigentümer zurückverpachtete. Damit war politisches Wohlverhalten gesichert, ohne dass sich nach außen hin etwas geändert zu haben schien. Das „Westfälische Volksblatt“ wurde im Mai 1936 zum „Amtlichen Verkündigungsblatt des Kreises Paderborn“, wenig später änderte sich der Untertitel in „Amtliches Mitteilungsblatt der Partei und der Behörden für die Kreise Paderborn, Büren und Höxter“. Kriegsbedingt wurden ab Juli 1940 nur noch zwei Ausgaben hergestellt, die Paderborner Stadtausgabe und eine weitere für das übrige Verbreitungsgebiet. Die vorerst letzte Ausgabe des Volksblatts verließ am 27. März 1945 die nach Elsen umgesiedelte Druckerei. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs konnte das „Westfälische Volksblatt“ erst nach dem Fortfall des Lizenzzwanges ab dem 1. November 1949 wiedererscheinen. Ende der 1950er-Jahre verkaufte die Eigentümerfamilie den Zeitungsverlag an den Inhaber des „Westfalen-Blattes“, den Bielefelder Verleger Carl-Wilhelm Busse (1914–2001). Nach der Zusammenlegung führt die Paderborner Ausgabe des „Westfalen-Blattes“ ab dem 15. Februar 1958 den alteingeführten Titel „Westfälisches Volksblatt“ fort.

Beschreibung verfasst von

Wilhelm Grabe (2019), Stadt- und Kreisarchiv Paderborn