Grscheint wiöchentlich 6 mal. Sublikations= Organ des Stadtkreises Bocholt, des Landratsamtes und des Finanzamtes Borken und der Amter Rhede, Dingden und LiedernÖffentlicher Anzeiger des Stadtkreises Bocholt und des angrenzenden Niederrheins, Bezugspreis: Durch Roten monatlich.80 Mk., von der Geschäftsstelle abgeholt wöchentlich.40 Ml. Einzelprete dnd ml! Gernruf 2891. Postscheckkonto Dortmund Nr. 21 770. zugleich Abend=Zeitung für Borken, Rhede und Umgegend. Verantwortlich für den allge meinen Teil: Hermann Büssing, Bocholt, für den Anzeigenteil: Richard Gagg, Bocholt. Enzeigenpreis: Der 27 mm breite, 1 mm hohe Raum kostet im Verbreitungsgebiet: Familien= und kleine Anzeigen 6 Pfg, für Geschäfts=, Vergnügungs= und Vereins=Anzeigen 7 Pfg., für behördliche und amtliche Anzeigen 10 Pfg., für auswärtige Anzeigen 12 Pfg. Bei Nichtbarzahlung erhöhen sich die Preise um 10 Proz. Schluß der Anzeigen=Annahme: Größere vorm. 10 Uhr, kleinere nachm. 2 Uhr. 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Dies Kabinett Jaspar ist ja nun bereits seit dem Sommer 1926 am Ruder, man hat es damals als Regierung des Burgfriedens bezeichnet, da man ähnlich wie in Frankreich zunächst alle innenpolitischen Fragen glaubte zurückstellen zu müssen, um das finanzielle Problem zu lösen und den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes sicherzustellen. So gehören dem Kabinett die drei großen Parteien an, die Katholiken, die Liberalen und die Sozialisten, wobei man daran erinnern darf, daß es nicht ganz leicht war, ein solches Kabinett zustande zu bringen. Schließlich erwies sich aber der Zwang, der sich aus der Machtverteilung im Parlament ergab, stärker als alle Widerstände, zählt doch die jetzige Kammer s8 Sozialisten, 78 Klerikale, 23 Liberale, 6 flämische 8Nationalisten und 2 Kommunisten. Hält man sich dabei vor Augen, daß zwischen den Liberalen und den Katholiken erhebliche Meinungsverschiedenheiten bestehen, so ergibt sich ohne weiteres, daß die Aussichten für eine rein bürgerliche Regierung außerordentlich gering waren und es auch heute noch sind. Man hat denn auch den Waffenstillstand zunächst gehalten, aber es gewinnt mehr und mehr den Anschein, als ob diese Zeit des Waffenstillstandes vorüber ist, nachdem der belgische Franken endgültig stabilisiert ist. Hier droht offenbar keine Gefahr mehr und der Finanzminister Baron Houtart hat ja auch erst unlängst auf einer Versammlung des Verbandes der katholischen Clubs eine sehr günstige Darstellung der Finanzlage des Landes gegeben und darauf verwiesen, daß die Nationalbank eine Metallreserve besitze, wie sie sie seit ihrer Gründung noch nicht gehabt habe. Unter solchen Umständen ist es denn nicht weiter verwunderlich, daß man eine Rede, die der sozialistische Außenminister Vandervelde unlängst hielt und in der von einem Ende des Waffenstillstandes gésprochen wurde, vielfach als Kampfansage auffaßte und daß es nach dieser Rede Leute gab, die das Ende der jetzigen Regierungskoalition ankündigen zu müssen glaubten. Allerdings wurden die Worte Vanderveldes von Vandervelde selbst sofort eingeschränkt und dahin berichtigt, daß er zwar vom Waffenstillstand gesprochen, aber gemeint habe, die Beschäftigung mit den finanziellen Fragen, d. h. die Befestigung des Franken, habe die Parteien zur Niederlegung der Waffen in politischer und sozialer Beziehung gezwungen. Das sei nun nicht mehr nötig, und darum würde nunmehr auch die Frage der Militärdienstzeit in den Vordergrund treten. Tatsächlich wird sich um dieses Problem auch, wenn das Parlament Mitte Nov. seine Arbeiten wieder aufnimmt, ein heftiger Kampf entbrennen. Die Sozialdemokraten verlangen die Verkürzung der Dienstdauer von 10 auf sechs Monate, während die bürgerlichen Parteien höchstens auf acht Monate hinuntergehen möchten. Allerdings wollen auch die Sozialdemokraten, die für die Verkürzung der Dienstzeit unter anderem mit dem Argument arbeiten, daß die ungeheure wirtschaftliche Macht Deutschlands gewachsen sei durch den Fortfall der militärischen Dienstpflicht, insofern einen Ausgleich schaffen, als sie sich bereit erklären, an einem neuen Aufbau des Verteidigung systems mitzuarbeiten, da man nicht leugnen könne, daß die Verkürzung der Dienstzeit eine Verstärkung des Rahmenheeres zur Folge haben müsse. Hier lie#in auch offenbar bei allen Meinungsverschiedenheiten die Verständigungsmöglichkeiten, hat doch auch unlängst Ministerpräsident Jaspar betont, daß er bereit sei, sich meit jedem über die Dienstzeit zu verständigen, der dafür genügende Garantien für die Sicherheit des Landes schaffe und eine Reorganisierung des Wehrsystems betreibe. Niemals aber, so fügte Jaspar hinzu, würde er der Formel zustimmen, zuerst die Herabsetzung der Dienstzeit und hernach die Sicherheit des Landes. Dabei besteht heute schon kein Zweifel darüber, daß der Kriegsminister dem Parlament eine Vorlage zugehen lassen wird, die vor allem auch durch die ErHauung von starken Festungen an der Grende gegen Deutschland und Holland die nötigen Sicherheiten zu schaffen versuchen wird. Einzelheiten dieser Vorlage werden naturgemäß heute noch geheimgehalten, aber schon vor längerer Zeit verlautete ja, daß zwischen Arlon und Lüttich 70 kleinere aber äußerst leistungsfähige Festungen gebaut werden sollen, wobei die befestigte Zone eine Tiefe von 50 bis 100 Klm. erhalten würde. Aber auch die belgische Grenze gegen die Niederlande soll mit einem Gürtel von ungefähr 50 Festungen gesichert werden, dazu kämen noch umfangreiche strategische Arbeiten, um die Städte Lüttich, Namur und Antwerpen widerstandsfähiger zu machen. Ebenso verlautete ja unlängst, daß dies Befestigungssystem in Uebereinstimmung mit der Plänen des französischen Generalstabs geschaffen wer den solle und man wollte des weiteren auch wissen daß nach den Vereinbarungen mit dem französischen Generalstab dem belgischen Heer nur die Verteidigun der Linie Lüttich—Limburg—Antwerpen übergeber werden würde, während Frankreich die Verteidigung des Abschnittes Eupen—Luxemburg übernehmen sollte, Wenn auch nicht anzunehmen ist, daß alle diese Dinge in den öffentlichen Parlamentsverhandlungen behandelt werden, so darf man doch dem Wiederbegimn der Kammersitzungen mit Interesse entgegensehen, müssen sie doch eine Entscheidung darüber bringen, ob jetzige Koalition weiter zusammenarbeiten kann ode nicht. Die Reichsregierung hält an der Geseldungsvortäge sest. Berlin, 27. Okt.(Nadio.) Gegenüber den Gerüchten, daß beabsichtigt sei, die Besoldungsvorlage so zu verändern, daß eine Herabsetzung der vorgesehenen Beamtenbezüge erfolge, wird an zuständiger Stelle erklärt, daß von Seiten der Reichsregierung an der Vorlage festgehalten werde. Natürlich stehe die Vorlage nicht unter dem Zeichen„ne varietur“. Andererseits aber sei klar, daß eine Heraufsetzung der von der Reichsregierung vorgesehenen Bezüge durch Reichstagsbeschlüsse keinesfalls in Frage kommen könne. Die amerikanische Presse zum Protest Parker Newyork, 27. Okt.(Radio.) Die amerikanischen tungen beschäftigen sich stark mit dem Protest Parker Gilberts gegen die Erhöhung der Beamtengehälter und schreiben dabei übereinstimmend von deutscher Verschwendung. So äußern sich Times dahin, daß die Möglichkeit eines Konfliktes über die Reparationsfrage nicht auf dem Gebiete der deutschen Reichseinnahmen, sondern der Ausgaben läge. Parker Gilbert sei durch das Reich gezwungen worden, protestierend aufzutreten. In Berlin habe man sich die frühere Warnung Gilberts nicht zu Herzen genommen. Das Ergebnis wäre der jetzige Protest Gilberts gegen die Erhöhung der Beamtenbezüge. Jeder müsse in seinen Grenzen leben. Der Newyork Herald überschreibt seinen Leitartikel„Sabotage des Dawesplanes". Deutschland ignoriere bei seiner Budgetaufstellung die Daweszahlungen des nächsten und übernächsten Jahres. Die reichlichen Reichseinkünfte würden von der Reichsregieruni vergeudet. Der Dawesplan könne und dürfe nicht modifiziert werden, bis Deutschland nicht vollen Erfüllungswillen bewiesen habe. Die Parteiführer beim Reichsfinanzminister. Berlin, 25. Okt.(Radio.) Reichsfinanzminister Dr. Köhler empfing heute gemeinsam mit dem Reichskanzler die Führer der Regierungsparteien, um ihnen Mitteilung über die Besprechungen mit dem Reparationsagenten zu machen. Für die Deutschnationalen war Graf Westarp, für die Bayerische Volkspartei der Abg. Leicht, für das Zentrum der Abg. Brüning und für die Deutsche Volkspartei der Abg. Scholz erschienen. Die Besprechung dauerte 1¼ Stunden. Im Anschluß an den Empfang der Führer der Regierungsparteien wurden die Führer der Oppositionsparteien empfangen. Für die Sozialdemokraten waren die Abg. Wels, Dittmann und Hilferding, für die Demokraten die Abg. Koch=Weser und Dittrich=Baden, für die W. V. der Abg. Drewitz erschienen. Nach dem Empfang der Führer der Oppositionsparteien ist eine Besprechung mit den Vertretern der 3 Gewerkschaftsrichtungen vorgesehen. Wie die TU weiter erfährt, wird der Reichsfinanzminister fortlaufend Fühlung mit den Parteien halten. Die Beamtenorganisationen vor dem Hauptausschuß des preußischen Berlin, 27. Okt.(Radio.) Der Hauptausschuß des preußischen Landtages hörte am Dienstag vormittag die Ansicht der Spitzenorganisationen der Beamtenschaft zur Besoldungsvorlage: Ein Vertreter des preußischen Beamtenbundes bezeichnete die Vorlage gegenüber der von 1920 als einen großen Rückschritt. Der Vertreter der Kommunalbeamtenschaft forderte, daß unter allen Umständen die Kommunalbeamten gleich hohe Besoldung erhalten müßten. Vom Schutzpolizeibeamtenbund wurde besonders lebhafte Kritik an der schlechten Einstufung und der Kürzung der wohlerworbenen Rechte der Schutzpolizei geübt. Zuletzt sprach ein Vertreter des allgemeinen deutschen Beamtenbundes, der gleichfalls seine Unzufriedenheit mit der Vorlage zum Ausdruck brachte und erklärte, daß seine Organisation von einer demokratisch=republikanischen Negierung diese Vorlage nicht erwartet hätte. Eine Eingabe der Gewerkschaften an die Reichsregierung Berlin, 25. Okt.(Radio.) Angesichts der besorgniserregenden Preistreiberei hat, wie die„B..“, meldet, der Vorstand des Gewerkschaftsringes heute vormittag an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der er auf die bedrohliche Teusrungsbewegung hingewiesen wird. Der Vorstand fordert eindringlich eine wirksame gesetzgeberische kämpfung der preisverteuernden Monopole durch Erweiterung und Verschärfung der Kartellverordnung und durch Abbau der Zölle. Die Beratung des Reichstagsbildungsausschussen über das Schulgesetz. Eine Erklärung des preußischen und bayerischen Vertreters. Berlin, 25. Okt.(Radio.) Im Bildungsausschuß des Reichstages wurde vor Eintritt in die Beratung der Antrag der Kommunisten auf Absetzung des Schulgesetzes von der Tagesordnung und auf Herbeirufung des Reichsfinanzministers abgelehnt. Reichsinnenminister Dr. von Keudell gab dann eine zusammenfassende Uebersicht über die Beschlüfse des Reichsrats und dessen Verhandlungen über das Reichsschulgesetz. Der preußische Vertreter Ministerialdirektor Kästner legte an Hand umfangreichen, statistischen Materials dar, daß in Preußen für die Bekenntnisschule gesorgt sei, dagegen sei für die weltliche Schule entsprechend der Zahl det für sie in Frage kommenden Schüler die Parität noch nicht vorhanden. Der preußische Vertreter wies auf den Schulstreik in Sterkrade hin, der bereits 1½ Jahr dauere. Es sei unerträglich, daß derartige Schwierigkeiten durch das Schulgesetz verewigt werden könnten. Die Eltern hätten auch bei dem jetzt geltenden gesetzlichen Zustand überall die Möglichkeit, wo sie es wünschten Bekenntnisschulen einzurichten. Wenn ein solcher Beschluß der Eltern aber nicht gefaßt werde, trete für den Staat die Notwendigkeit ein, Gemeinschaftsschulen einzurichten. Vor allem aber trete für das Schulgesetz die Kostenfrage drohend auf. Sie sei nicht ganz einfach zu lösen, zumal schon die Aufrechterhaltung des jetzigen preußischen Schulwesens bei der gegenwärtigen Finanzlage außerordentlich schwierig sei. Der bayerische Vertreter, Ministerialrat von Imhoff, gab eine Erklärung ab, in der die Notwendigkeit betont wurde, der Verfassung entsprechend dem Willen der Erziehungsberechtigten stattzugeben. Die bayerische Staatsregierung müsse gegen alle Versuche Widerspruch erheben, In irgendweichen Fallen ohne Rücksicht auf s Brust traf. Die Getroffene sprang auf und rief enterechtigten die Comeinschafts, setzt: Was tust du de Ich will nach Hause aehen!“ den Willen der Erziehungsverenzigten vie Gemeinschaftsschule einzurichten. Die bayerische Staatsregierung müsse auch verlangen, daß unbeschadet des Aufsichtsrechtes des Staates die sachliche Regelung und Ueberwachung des Religionsunterrichtes den Kirchen zuerkannt werde. Sie könne daher dem Entwurf des Reichsschulgesetzes insoweit, als er dafür nur staatlich bestellte Personen zulassen wolle, nicht zustimmen. Im übrigen erscheine der bayerischen Staatsregierung der Entwurf des Reichsschulgesetzes voreiner befriedigenden Lösung der Kostenfrage als eine geeignete Regelung der in der Reichsverfassung vorgesehenen Gesetzesaufgabe. Der sächsische Vertreter Ministerialrat Dr. Poetzsch begründete die ablehnende Stellungnahme der sächsischen Regierung zum Schulgesetz. Sachsen erhebe den Anspruch, als Simultanschulland anerkannt zu werden. Der Hamburger Vertreter brachte die gleichfalls ablehnende Haltung Hamburgs zum Ausdruck. Der Entwurf greife zu weit in die Rechte der einzelnen Staaten ein. Zum Schluß wurde ein Antrag der Kommunisten abgelehnt, der von der Regierung die Vorlage einer Denkschrift über die Kostenfrage und Aussetzung der Verhandlungen verlangte. Der Ausschuß vertagte sich dann auf Mittwoch. Unzutreffende Gerüchte. Keine Ermordung des tschechoslowakischen Gesandten in Berlin. Berlin, 24. Okt. Zu den umlaufenden Gerüchten über eine anger. he Ermordung eines tschechoslowakischen Diplomaten in Berlin, die, wie wir bereits in der Abendausgabe meldeten, auch die Börse beunruhigten, erfahren wir von unterrichteter Seite, daß diese Gerüchte völlig unrichtig sind. Sie haben ihre Entstehungsursache vielleicht in dem Umstande, daß der Legationsattache der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Berlin Dr. Hermann Ungar, vor einigen Tagen bei einer Autofahrt verunglückte und ein Bein brach. Kleine politische Meldungen. Vor der Wiederaufnahme der deutsch=polnischen Handelsvertragsverhandlungen. Warschen, 25. Okt.(Radio.) Im Zusammenhang mit der gegenwärtigen deutsch=polwischen Fühlungnahme über verschiedene Wirtschaftsfragen rechnet man in Polen stark mit einer baldigen Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandlungen — Die Delegationen sollen die rein fachmännischen Fragen besprechen, während alle Fragen politischer Natur zwischen dem Gesandten Rauscher und der polnischen Regierung in Warschau verhandelt werden sollen. Das unruhige Marokko. Paris, 25. Okt.(Radio.) Nach Meldungen aus Rabat wurde ein sranzösischer Lebensmittelzug südlich der Aufständischen=Zone und El Abib, der von einer bewaffneten Patrouille begleitet war, von Aufständischen überfallen. Drei Legionäre der Begleitung wurden getötet, ihre Gewehre blieben in den Händen der Angreifer. Ein vierter Legionär konnte sich in die französischen Linien flüchten. Neue Todesurteile in Rußland. London, 25. Okt.(Radio.) Der oberste Moskauer Gerichtshof (prach gestern das Urteil in dem neuen Spionage=Prozeß gegen fünf angeblich im Dienste Großbritanniens stehende Personen aus. Drei der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt. Reuter weist in einem offiziösen Kommunique darauf hin, daß seit dem Abbruch der britischen Beziehungen zu Moskau Hinrichtungen und Verurteilungen wegen Spionage für ausländische Mächte besonders Großbritanniens eine epidemische Form angenommen Immer noch Kämpfe in Mexiko. London, 25. Okt.(Radio.) Die mexikanischen Insurgenten unter Führung von Genreal Gomez haben gestern die Regierungstruppen in der Nähe von Laperla im Staate Veraruz angegriffen und ihnen erhebliche Verluste beigebracht. Die Regierungstruppen wurden zum Rückzug gezwungen und verloren eine bedeutende Anzahl von Mannschaften. General Aguirres selbst konnte sich nur mit knapper Notc retten. Zur Verhaftung Maniolescus. Bukarest, 25. Okt.(Radio.) Der Ministerrat hielt gestern abend eine längere Sitzung ab, in der der Innenminister Bratianu über die Verhaftung des Geh. Unterstaatssekretärs Maniolescu berichtet. Der Ministerrat erklärte sich mit dem von dem Minister Duca getroffenen Maßnahmen vollkommen einverstanden. Nach Schluß des Ministerrates wurde folgendes Kommunique ausgegeben: Nachdem Manioluscu versucht hat, den Verbindungsagenten derjenigen zu spielen, die an der Trübung der bestehenden konstitutionellen Verhältnisse des Landes arbeiten, hat die Regierung seine Verhaftung beschlossen und ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen. Antisemitische Demonstrationen an der Budapester Universität. Wien, 25. Okt.(Radio.) Das„Neue Wiener Tageblatt“ meldet aus Budapest: An der Universität und am Polytechnikum wurden gestern Demonstrationen gegen die jüdischen Hörer anstaltet. Den unmittelbaren Anlaß gab der Umstand, daß der Senat zusammentrat, um in der Angelegenheit des Abbaues des numerus clausus zu beraten. Aus der Studentenschaft selbst waren keine Demonstrationen vorbereitet worden. Der Studentenverband Turul hat in einer Versammlug das Memorandum angenommen, das den beiden Häusern des Parlaments unterbreitet werden soll und worin nicht nur die Aufrechterhaltung des numerus clausus, sondern auch die Einführung an den Hochschulen, wo er bisher nicht eingeführt war, gefordert wird. Unpolitische Nachrichten. Ein Oberprimaner erschießt eine Schüberin. Breslau, 24. Okt. In Bunzlau hat ein 17jäh riger Oberprimaner eine gleichaltrige Unterprimanerin erschoffen. Der Oberprimaner Rudolph Petri, Schüler des Bunzlauer Gymnasiums, hegte seit einiger Zeit eine leidenschaftliche Zuneigung zu der Schülerin Johanna Hanke, die die Unterprima der dortigen Aufbauschule besuchte. Der junge Mann machte vor kurzem seinen Mitschülern Andeutungen, daß er sich das Leben nehmen werde, und kaufte sich einen Revolver. Am Sonnabend nachmittag erwartete er seine Freundin zu einem Spaziergang, zu een er einen Weg außerhalb der Stadt wählte. In einer dichten Schonung der Kolonte Rathenberg setzten sich die beiden nieder und plauderten. Plötzlich erhob sich Petri, zog den Revolver aus der Tasche, lud die Waffe, wobei ihm das Mädchen zusah. Dann gab er auf die abnungslose Schülerin einen Schuß ab, der sie in die sehr.„Was kust du da. Ich will nach Gäuse Fehen! Er aber entgegnete, daß dies keinen Zweck mehr habe, die Tat müsse vollendet werden, und schoß das Mädchen noch einmal in die Brust. Der junge Mann gab dann noch vier Schüsse auf sein Opfer ab und setzte sich darauf neben die Leiche. Zu dem Plane, sich selbst zu töten, sehlte Petri nach seinen eigenen Angaben der Mut. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß der Tod eingetreten war, begab er sich nach der Stadt und eilte unverzüglich auf sein Schülerzimmer, wo er in einem Brief den Verlauf der Tat und die Beweggründe niederschrieb und dann einem Mitschüler gegen 12 Uhr nachts von dem Vorgefallenen Mitteilung machte. Dieser eilte sofort zu dem Leiter der Aufbauschule und zur Polizeibehörde. Sofort begab sich eine Kommission nach dem Tatort, wobei der Täter Führer war. Vor der Leiche des ermordeten Mädchens angekommen, wandte sich ein Mitglied der Kommission an den Schüler mit den Worten:„Sehen Sie, was Sie da gemacht haben?" Er antwortete mit ungewöhnlicher Ruhe:„Ja, das weiß ich.“ Der Täter ist 17 Jahre alt und der Sohn des im Kriege gefallenen Seminarlehrers Petri aus Schweidnitz. Seine Mutter starb vor zwei Jahren durch Selbstmord. Ende des Vergarbeiterstreiks auch in Hirschfelde. Dresden, 25. Okt.(Radio.) Die Kohlenarbeiter in Hirschfelde, die gestern noch im Streik verharrten, und weitergehende Forderungen stellten, haben sich nunmehr ebenfalls dem Schiedsspruch gefügt und heute Dienstag die Arbeit wieder aufgenommen. Lindbergh wieder in Mitchell gelandet London, 25. Okt.(Radio.) Lindbergh ist gestern mit seiner Flugmaschine„Der Geist von St. Louis“ von einem dreimonatigen Flug in verschiedenen Staaten der amerikanischen Union nach dem Flugplatz von Mitchell zurückgekehrt. Man schätzt, daß 30 Millionen Personen ihn gesehen oder seine Reden gehört haben.— Tanfeleinse 11 Jahre unschuldig aus der Teufelsinsel. Paris, 25. Okt.(Radio.) Wie aus Marseille gemeldet wird, wurde nach 8jähriger Strafverbüßung auf der Teufelsinsel ein von dem Kriegsgericht von Marseille im Jahre 1916 verurteilter Friseur namens H. Bellon als unschuldig entlassen. Er war damals wegen angeblicher Auslieferung von Geheimnissen der nationalen Verteidigung an eine ausländische Macht verurteilt worden. Nach 11 Jahren stellte es sich heraus, daß es sich um einen Racheakt handelte und der Unglückliche dem französischen Spionagedienst an der Schweizer Grenze fälschlich denunziert worden war. Der Kassationshof sprach neben der Enthaftung die Gewährung einer Schadensumme von 5000 Franken aus. Nück.!#auf die Weimarer Nietzsche=Tagung. Die Einlavung, die die greise Schwester des Philosophen hatte ergehen lassen, heftete sich nicht an irgend ein bestimmtes Datum. Trotzdem war sie zeltgemäßer und innerlich notwendiger, als irgend eine Veranstaltung sein kann, die sich an die vollkommen zufällige Tatsache knüpf:, daß ein Geburts= oder Todesdatum sich zum 25., 50. oder 100. Male jährt. Es handelte sich darum, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Nietzsche und sein Werk uns heutigen bedetet, die wir nach dem Zusammenbruch der Nachkriegszeit, der Verzagtheit der Wirtschaftsnot allmählich doch wieder den beginnenden inneren und äußeren Aufstieg zu spüren glauben. So verschiedenartig auch jetzt noch die Auffassungen waren, die sich in den Ausführungen der im Verdauf der Tagung über Nietzsche sprechenden Pilosophen und Geistesführer sich ausprägten, so übereinstimmend waren doch die Endresultale, so glücklich das Bewußtsein, in Nietzsche nicht mehr den Zertrümmerer, den Abschluß sehen zu müssen, sondern den bejahenden Propheten einer neuen und wohl auch größeren Zeit, die Brücke von einem dumpfen Gestern zu einem verheißungsvollen Morgen. Diese Resultate ergaben sich nicht etwa deshalb, weil von vornherein die Tagung im Zeichen des Themas„Nietzsche und das 20. Jahrhundert— die Apologie des Menschen“ gestanden hatte, sie ergaben sich vielleicht sogar gerade trotzdem. Dafür zeugte vielleicht noch am ehesten die Analyse Oswald Spenglers, der auch den Bogen jener Brücke vom Gestern zum Morgen schlagen wollte, aber zu wenig an Nietzsche, zu viel an sich selbst dachte und infolgedessen den Bogen nicht weit genug schlug, infolgedessen aus Nietzsches„Uebermenschen“ den reinen beschränkten Machtmenschen Mussolini herauszuschälen und damit Nietzsches Uebereinstimmung zu erweisen versuchte mit seinem— Spenglers— eigenen Werk vom Untergang des Abendlandes, dessen Zeittabelle für das 20. und 21. Jahrhundert die Aera der Cäsaren und Diktatoren ansetzt. Die ungeheure Weite der Nietzsche'schen Voraussicht ließ des Frankfurter Psychiaters Hans Prinzhorns Vortrag erkennen, für den Nietzsche vor allen Dingen der Kämpfer gegen die mechanistisch=atomistische Philosophie und Psychologie des 19. Jahrhunderts ist. Was Nietzsche seinerzeit unter dem leidenschaftlichen Widerspruch der Zeitgenossen voraussah und verkündete, was ihm en Haß und Fluch all derer eingetragen hat, die ängstch ihrer Zeit nachleben und nicht imstande sind, wenigstens ahnend zu erkennen, wenn das Genie neue Wege zu weisen versucht— das ist heute im Begriff, offizielle Wissenschaft zu werden. Im einzelnen lassen sich verblüffende Erkenntnisse nachweisen, die unmittelbar zu den Wegweisern heutiger Psychologie zu Freud, Adler und anderen führen. Prinzhorns Verdienst war, diese Linie über Nietzsche und feine Epigonen in der Wissenschaft weiter zu führen zu einem Ausblick in die Zukunft, in der sich die alte Untergangsstimmung völdem lig verlieren wird, in der sich der Mensch bewußt werIn einer den wird, wie un dewußt bildendes Leben sich aus der elementaren Quelle des Dionysischen nährt— den Weg dahin wird— nach Prinzhorns Ueberzeugung, Klages führen, der nach Prinzhorns vielfach ausgesprochener Meinung Nietzsches unmit lelbarer und legitimer Fortletzer ist. In sachlich vielleicht etwas anfechtbarer Weise, dafür aber mit einer großartigen Intuition deutete Friedrich Würzbach(München) den Weisen Nietzsche. Er definiert Nietze'sches Leben und Werk als ein metaphysisches Abenteuer, das erst der Erfolg rechtfertigt. Wie jener sogenannte Lungenfisch, der als erstes Lebewesen Kiemen und Lungenbläschen gehabt habe, wie dieser Fisch den metaphysischen Sprung aus dem Wasser getan und sich in das Abenteuer des Lebens auf dem Lande gestürzt habe, so zum Landbewohner geworden sei, so habe sich Nietzsche in das Abenteuer des Sprunges aus der alten in seine neue Welt gestürzt. Habe jener Fisch seinen kosmischen Schicksalssprung aus irgend welcher Not getan, die aber dann doch seine gestaltenden Kräfte frei gemacht habe, so habe Nietzsche den Uebergang aus eigenem Willen, der gropen Menschheitsforderung bewußt, getan. Man muß dabei an Würzbachs alte Forderung an die Aerzte denken, bei der Konstatierung pathologischer Umstände zu unterscheiden, ob ein Ueberragen der Norm oder ein Unterihr=bleiben vorliegt, d. h. ob der Pathologische ein Genie oder ein armer Verrückter ist. Es bedarf keiner weiteren Ausführung, in welchem Sinne diese Unterscheidung bezüglich Nietzsche ausfällt, der mit dem„Selbstopfer des tragischen Heros" dem Zukunftsmenschen das Heil neuer, kosmischer Bindungen erkaufte. Die gewaltige Wandlung unseres Wissens und unserer Lehre von der Seele, ihrem Leben und ihrer Entwicklung, die Nietzsche erlebt und vorausgesagt hat, die seine Generation nicht begreifen konnte, ist uns in ihrem allmählichen Ablauf begreifbar geworden. Es ist nicht unser Verdienst, sie rückschauend begriffen zu haben. Es ist und bleibt für alle Zeit Nietzsches Tat, durch sein Selbstopfer— das ja tragisch war wie nur irgend eines— den Anstoß zu dieser Wendung gegeben zu haben, sie zum kritischen Punkt der Jahrhundertwende erhoben zu haben mit der Gewalttätigkeit, mit der er die Dinge zur Diskussion stellte, seine Erkenntnisse der Mit= und Nachwelt einzuhämmern versuchte, zum Pol und Angelpunkt eines der größten und folgenreichsten geistesgeschichtlichen Geschehnisse geworden zu sein. Bocholt uns Umgegens. Bocholt, den 25. Oktob.r 1927. (!) Autobusverkehr. Von der Amtsverwaltung Liedern=Werth wird uns mitgeteilt: Am Sonnabend, dem 29. Oktober er., wird der Autobusverkehr auf der Linie Terborg—Suderwick—Bocholt eröffnet. Vorgesehen sind vier Touren hin und zurück. Der genaue Fahrplan wird in einer der nächsten Nummern dieser Zeitung veröffentlicht werden und empfiehlt es sich, diesen auszuschneiden und aufzuheben. Vorweg werden nachstehend die wichtigsten Abfahrtszeiten benannt: 1. Richtung Suderwia ab Suderwick(Zollamt) 7,05 ab Spork(Geuting) 7,15 ab Holtwick(Quartier) 7,22 an Bocholt(Bahnhof) 7,32 2. Richtung Bocholt n ab Bochol:(Bahnhof) 8,15 ab Holtwick(Quartier) 8,25 ab Spork(Geuting) 8,32 an Suderwick(Molkerei) 8,42 13,37 Die Fahrt innerhalb der Stadt Bocholt geht vom Bahnhof über die Hohenstaufenstraße, Kaiser WilhelmStraße, Hohenzollernstraße, Kaiser Friedrich=Straße, Dinxperloer Chaussee und umgekehrt. Der Autobus hält nach Bedarf auf Zeichen beim Amtsgebäude Liedern=Werth und Mittelstandshaus. In Suderwick ist eine Bedarfshaltestelle bei der Dampfmolkerei vorgesehen. Der Fahrpreis ist niedrig gehalten und beträgt bei einfacher Fahrt 7 Pfg., bei Hin= und Rückfahrt 5 Pfg. pro Kilometer, wobei natürlich nur Fahrscheine für die im Fahrplan aufgeführten Stationen ausgegeben werden können. Faheplan und Tarife können beim Wagenführer unentgeltlich verlangt werden. Die genauen Fahrpläne nebst Angabe der wichtigsten Anschlußzüge sind schon jetzt am Bahnhof, Amtshaus Liedern=Werth und Mittelstandshaus öffentlich ausgehängt. Die erste Probefahrt unter Hinzuziehung der beteiligten Behörden pp. findet am Freitag, dem 28. d.., 14 Uhr ab Suderwick statt, zu der nur die eingeladenen Gäste zugelassen werden können. Beratungs= und Fürsorgestelle für Alkoholkranke. Die wirt. schaftliche, gesundheitliche und sittliche Not in unseren Familien aus dem Alkoholismus heraus ist zahlenmäßig so gestiegen und hat in der Art so brutale Form angenommen, daß Hilfe dringend not tut. Aus diesem Grunde hat der hiesige Caritasverband in der Realschulstraße, gegenüber der Ortskrankenkasse (Eingang zur Rentei), eine Beratungs= und Fürsorgestelle für Alkoholkranke eröffnet. Alkoholkranke= und Gefährdete, sowie deren Angehörige erhalten dort kostenlos Rat und Auskunft. Alle Fälle werden streng vertraulich behandelt. Sprechstunde, jeden Montag Nachmittag von—5 Uhr und jeden Donnerstag von Morgens—12 ½ Uhr.(Siehe Inserat.). Französische Kriegsgesangenenguthaben. Die Nachricht, du# Frankreich sich verpflichtet habe, die Ueberweisung der Kriegsgefangenenguthaben bis End ds. Is. vorzunehmen, hat vielfach zu der falschen Auffassung geführt, daß die ehemaligen französischen Kriegsgefangenen die Auszahlung ihrer Guthabenbeträge noch in diesem Jahre zu erwarten hätten. Demgegenüber teilt uns die hiesige Ortsgruppe der Reichsvereinigung ehemaliger Krie engenen mit, daß nach den bisherigen Erfahrungen in d rhandlungen mit Frankreich eine Uebern oisung der gesam!.! Guthabenschuld an die deutsche Regierung leider nicht vor dem gesetzten Endtermin zu erwarten ist. Die Auszahlungen der Einzelguthaben, die durch die Restverwaltung für Reichsaufgaben, Berlin, auf Grund der vorliegenden Guthaben“, ine erfolgt, ist daher erst Anfang des kommenden Jahres zu erwarten. Da die Auszahlung nach dem heutigen Stande des stark entwerteten französischen Franken erfolgt, kommen für den Einzelnen im Durchschnitt nur geringe Beträge zur Auszahlung. Frankreich hat somit durch sein langes mit der Auszahlung— fieben Jahre sind seit der Heimkehr der Kriegsgesangenen aus Frankreich verstrichen!— die deutschen Kriegogefangenen um die geringfügigen Guthodenbetrüge ge Der Arbeitsausschuß der„Vereinigung Republikanische Presse“ hat praktische Vorschläge zur Regelung der Flaggenfrage ausgearbeitet, die der Reichsregierung und den Reichstagsfraktionen der Deutsch=Demokratischen Partei, Deutschen Volkspartei, Sozialdemokratischen Partei, Wirtschaftsvereinigung und dem Zentrum zugeleitet worden sind, und für deren gesetzgeberische Durchführung die Republikanische Presse sich einsetzen wird. 1. Vorschlag betrefsend die Nationalflagge: Jeder Deutsche, der eine ausländische Flagge hißt, ist verpflichtet, in gleicher Höhe und in gleicher Größe eine Flagge in den Reichsfarben schwarz=rot=gold zu hissen. Begründung: Der bekannte Flaggenkonflikt mit den Berliner Hotels hatte seinen Ursprung darin, daß das Hotel Adlon am amerikanischen Unabhängigkeitstag und der Kaiserhof anläßlich eines Besuches des Newyorker Bürgermeisters Walker das Sternenbanner der Union hißten, während die deutsche Nationalflagge trotz Aufsorderung nicht gezeigt wurde. Inzwischen hat sich der Hotelverein bereit erklärt, auf seine Mitglieder dahin zu wirken, daß neben ausländischen Flaggen auch„die deutschen Reichsflaggen“ zu zeigen sind. Eine gesetzliche Regelung, wie sie übrigens im Auslande mehrfach besteht, ist indes notwendig, einmal, weil die Beachtung dessen, was die nationale Würde verlangt, nicht in das freie Ermessen der Hotelbesitzer gestellt sein darf, sodann, weil es sich nicht nur um die Hotels, sondern auch um Räumlichkeiten und Veranstaltungen anderer Art— man denke an Flughäfen, Empfänge in öffentlichen Hallen, Schifse usw.— handelt. 2. Vorschlag betrefsend die Handelsflagge. Die schwarz=rot=goldene Gösch, die nach der Reichsverfassung für die Handelsflagge vorgeschrieben ist, muß ein Viertel des Flaggentuches ausmachen.— Bagründung: Die Weimarer Verfassung hat, aus den übrigens unzutreffenden Grunde der besseren Sichtigkeit, als Handelsflagge die Farben Schwarz=WeißRot mit Schwarz=Rot=Gold in der oberen inneren Ecke festgesetzt. Diese Kompromißlösung hat dahin geführt, daß einerseits von Gegnern der Farben Schwarz=RotGold die Handelsflogge ohne jede Beziehung zu dem ihr von der Verfassung angewiesenen Bereich der Handelsschiffahrt gezeigt wird, andererseits die schwarzrot=goldene sogenannte Gösch vielfach einen winzigen Umfang gezeigt hat, der oft nur ein Zwanzigstel, manchmal sogar einen noch geringeren Bruchteil des Flaggentuches ausmacht. Diesem Mißbrauch der Verfassung muß entgegengetreten werden. Das schwarz=rotgoldene Eck muß deutlich sichtbar sein. Das wird dadurch erreicht, daß es den vierten Teil des Fahnentuches bedeckt. 3. Vorschlag betressend die Reichswehrftagge(bisher Reichskriegsflagge). Die Reichswehrflagge(bisher Reichskriegsflagge) ist schwarz=rot=gold mit dem Eisernen Kreuz in der Mitte.— Begründung: Der bisher angewandte Ausdruck„Reichskriegsflagge“ ist sachlich und sprachlich falsch. Es handelt sich nicht um eine Flagge für den„Reichskrieg“, überhaupt nicht um eine Flagge für den Krieg, sondern um die Flagge für die Reichswehr. Die Reichsverfassung sieht eine besondere Reichswehrflagge nicht vor. Hält man eine besondere Reichswehrflagge für notwendig, so ist es am zweckmäßigsten, als solche die jetzt schon bestehende Flagge des Reichswehrministeriums zu wählen; die schwarz=rot=gold mit dem Eisernen Kreuz in der Mitte ist. Diese Regelung empfiehlt sich schon deshalb, um die Ueberfülle der bereits bestehenden Flaggen einzuschränken. Auch ist nicht einzusehen, weshalb die Reichswehr eine andere Flagge als der Reichswehrminister führen soll. Die Verordnung des Reichspräsidenten vom 27. September 1919 setzte als Reichskriegsflagge das„bisherige Muster“(weißes Flaggentuch mit schwarzen horizontalen und vertikalen Streifen), dem neuen Reichsadler in der Mitte und einer schwarz=rot=goldenen Gösch mit dem Eisernen Kreuz fest. Diese Regelung erscheint nicht als sachgemäß, da die alte Kriegsflagge auf den preußischen Farben Schwarz=Weiß beruht und die Flagge der Reichswehr nicht auf die Farben eines Landes zurückzugreifen braucht. Die noch heute gültige Verordnung des Reichspräsidenten vom 11. April 1921, die eine schwarz=weiß=rote Kriegsflagge mit dem Eisernen Kreuz in der Mitte und der schwarz=rot=goldenen Gösch festsetzt, entspricht weder der Weimarer Verfassung, die die Farben Schwarz=Weiß=Rot nur für die Handelsflagge zuläßt, für alle anderen Fälle aber Schwarz=Rot=Gold als Reichsfarben bestimmt, noch der früheren Tradition, da auch das Kaiserreich eine schwarz=weiß=rote Kriegsflagge niemals gekannt hat. Zum Memorandum des Reparationsagenten. Die heutige Kabinettssitzung. Berlin, 24. Okt. Ueber die heutige Kabinettssitzung wird folgendes Communique ausgegeben: „Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit der Prüfung des kürzlich dem Reichsfinanzministerium von dem Reparationsagenten übermittelten Memorandums.— Zugleich nahm das Kabinett von den Darlegungen Kenntnis. welche der Reichsfinanzminister am 26. d. M. im Hauptausschuß des Reichstages über die Finanzlage des Reiches machen wird.“ Das Besoldungsgesetz vor dem Hauptausschuß des preußischen Landtages. Berlin, 24. Okt. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages begann heute die Vorberatung des preußischen Besoldungsgesetzes. Der preußische Finanzminister Dr. HöpkerAschoff gab zunächst auf Anfrage aus dem Ausschuß folgende Erklärung zum Schritte des Reparationsagenten Parker Gilbert ab: „Es ist durch die Veröffentlichung einer amerikanischen Zeitung bekannt geworden, daß der Reparationsagent dem Reichsfinanzminister ein Memorandum übersandt hat, in dem er zu den großen Fragen der Finanzpolitik des Reiches, der Länder und Gemeinden Stellung nimmt und im Zusammenhang hiermit auch die Frage der Besoldung berührt. Ich glaube nicht annehmen zu sollen, daß dieses Memorandum dazu führen könnte, daß die Besoldungsvorlage der Reichsregierung etwa zurückgenommen werden würde. Ich nehme weiter an, daß der Reichsfinanzminister am Mittwoch bei der Beratung des Hauptausschusses des Reichstages zu den aufgeworfenen Fragen Stellung nehmen wird, und halte es daher nicht für zweckmäßig, daß wir die Erörterung über die aufgeworfeen Fragen hier vertiefen.“ Der Minister äußerte sich dann zum Besoldungsgesetz über die Deckungsfrage. Er habe sich im Reichskabinett zur Uebernahme von 120 Millionen Mark Ausgaben aus der Besoldungsordnung bereiterklärt, könne aber jetzt sagen, daß Preußen sogar 130 Millionen für diese Zwecke zur Verfügung stelle. Für den Restbetrag müsse jedoch das Reich helfend eingreifen. Die starken Belastungen durch die Besoldungsvorlage würden von der preußischen Staatsregierung für tragbar erklärt. Der Landtag und seine Ausschüsse dürften jedoch über die Vorlage hinaus Mehrausgaben nicht beschließen. Der Ausschuß vertagte dann die Weiterberatung auf Dienstag. Es sollen zunächst die Beamtenspitzenorganisationen gehört werden. Aus Nab und Fern. Anholt, 25. Okt. Verhütetes Eisenbahnunglück. Zufällig sah am Sonntag nachmittag ein hier zu Besuch weilender Herr, daß sich unmittelbar vor der Mühlenbachbrücke an der Chaussee Isselburg=Anholt ein etwa einen Meter langes Stück Schiene durch Bruch aus dem Schienenstrang der Kleinbahn gelöst hatte. Durch sofortige Verständigung der Betriebsstelle der Kleinbahn in Isselburg konnte der kurz darauf fällige Personenzug in Anholt noch aufgehalten werden, der sonitz zweifellos in den an dieser Stelle verhältnismäßig tiefen Mühlenkanal gestürzt wäre. Durch Zufall ist somit eine Zugentgleisung, die leicht sehr große Folgen hätte haben können, verhütet worden. Anholt, 24. Okt. Militärrenten. Die Zahlung der Militärrenten findet am 27.— nicht am 29.— vorm. von 10 bis 12 Uhr beim hiesigen Postamt statt. Ringenberg, 24. Okt. Ein Einbruchsdiebstahl wurde nachts in der Gerberei E. van Harten verübt. Es wurde ein größeres Quantum Leder gestohlen. Von den Dieben fehlt bisher jede Spur. Münster, 24. Okt. Der von hier stammende Motorradfahrer L. hatte auf dem Heimwege nach Münster eben das Dorf Nienberge verlassen, als er auf ein vor ihm fahrendes unbeleuchtetes Gefährt des Gutspächters P. fuhr. Der Begleiter des Fuhrwerkes ging mit der Laterne dem Fuhrwerk vorauf. Der Motorradfahrer sah das Fuhrwerk erst im letzten Augenblicke und konnte daher einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Ein zufällig vorbeifahrender Arzt aus Münster stellte Bruch des linken Unterschenkels und wahrscheinlich innere Verletzungen fest. Das städtische Krankenauto brachte den Verletzten ins Franziskushospital. Minden, 24. Okt. Der Kaufiann Hermann Bevenitz von hier kam am Sonntag abend gegen 9 Uhr aus der Richtung Oeynhausen mit seinem Motorrad, auf dem er seine Frau auf dem Soziussitz mitfuhr, während eine Frau Schäfer im Beiwagen mitgeführt wurde. Unweit der Porta verlor er die Gewalt über das Motorrad— man nimmt an infolge Platzens eines Schlauches infolge Ueberlastung des Rades— und fuhr zwischen zwei Bäume hindurch in den Chausseegraben. Bevenitz selbst wurde nur unwesentlich verletzt; die beiden Frauen aber erlitten so schwere Verletzungen, daß sie kurz nach dem Eintreffen des Arztes starben. Ankum, 24. Okt. In einer benachbarten Bauerschaft wurde der Landwirt Wilhelm K. 90 Jahre alt. Gewiß ein Grund zum Feiern. Aber da es so schönes Wetter für die Kartoffelernte war, beschloß man, die Feier bis einige Tage nach der Ernte zu verschieben. Das wußten aber nicht alle Gratulanten. Und als mehrere an dem Geburtstage zum Glückwunsch kamen, kamen, fanden sie das Haus leer. Die ganze Familie war auf dem Felde; auch der 90jährige buddelte kräftig drauflos und erklärte auf erstaunte Fragen:„In dieser drucken Zeit habe ich keine Zeit zum Geburtstagfeiern.“ Bottrop, 24. Okt. Heute morgen gegen 7 Uhr wurde auf dem Eisenbahngleis Bottrop=Süd—OsterfeldSüd zwischen dem Bahnhof und der Essener Straße die bis zur Unkenntlichkeit zerstückelte Leiche einer Frauensperson aufgefunden. Bekleidet war sie mit dunklem Mantel und schwarzen Halbschuhen. Ste trug eine Tasche mit 3,75 Mark Inhalt und benutzten Eintrittskarten für Schauburg=Lichtspiele in Herne bei sich. Nach den Tatumständen ist die Schuld dritter Personen ausgeschlossen. Vottrop, 24. Okt. Auf der Station Bottrop=Sct hatte der diensttuende Beamte für einen Augenblick den Schalterraum verlassen. Das nutzte eine bisher noch nicht ermittelte Mannsperson aus, das Drahtnetz des Schalterfensters zu durchstoßen und unter dem hochgeschobenen Fenster her die Geldkassette mit ungefähr 130 Mark Inhalt zu rauben. Horst=Emscher, 24. Okt. An einem Neubau an der Essener Straße war ein Klempnermeister mit seinem Lehrling mit dem Abmessen der fertiggestellten Tacharbeiren beschäftigt. Plötzlich geriet die Leiter, auf der die beiden standen, ins Rutschen. Der Meister konnte sich noch im letzten Augenblick an einer Tachluke festklammern; der Lehrling dagegen stürzte in die Tiefe. Er war sofort tot. 1. Beilage zu Nr. 249 Grenzwarte Dienstag, 25. Oktober 1927 zur Regelung der Flaggenfrage. Du bist mein! Roman von H. v. Erlin. Copyuighi by Greiner& Comp., Berlin W 30. Nachdrus verboten. 49. Fortsetzung. Wenn es wahr sein könnte, was wie ein Blitzstrahl furchtbarer Erkenntnis sie getroffen hatte! Wenn Angelika. Hartmuts Liebe erwioerte, wenn nur ein Verhängnis sie dem Sterbenden in die Arme getrieben hätte! Wenn sie eine andere war, als sie ihr allezeit erschienen war. Dann— Dann hatte sie selbst in frevelnder Verwegenheit das Unheil herbeigerufen, hatte zwei Menschen einander nahe gebracht, zwischen die sie das Weltmeer hätte legen müssen. Dann würde die Stunde nicht fern sein, wo Hartmut erkannte, was er vielleicht— vielleicht noch nicht wußte, und dann—— dann—— In unruhevoller Hast trat sie in das Wohnzimmer, es war leer. Sie ging weiter, um ihn in seinem eigenen Zimmer zu suchen. Im Reitanzug, den Hut schon auf dem Kopfe, stand er da, die Handschuhe sich überstreifend. Madeleine war an der Tür stehengeblieben und sah ihn mit großen Augen an. „Willst du schon wieder fort, Hartmut?“ Er blickte auf den Han' schuh hinab, den er schloß. „Ja, ich will noch einmal nach dem Ulmenhofe.“ laß mich mit dir gehen!“ Ohne eine Sekunde sich zu besinnen und zu überlegen, sagte es Madeleine und stand an seiner Seite. Sein Blick glitt über ihren Anzug hin, und er deutete nach dem Fenster, durch das man den Reitknecht sehen konnte, der das gesattelte Pferd auf und ab führte. „Ich möchte mich nicht versäumen.“ „Laß mich mit dir gehen“, sagte sie noch einmal.„Ein paar Minuten nur walle auf mich.“ Ueber sein Gesicht zuckte es. „Es dürfte heute wohl nicht die geeignete Stunde sein, bei meinem Vater deinen Besuch zu wiederholen. Zudem liegt eine aufregende Nacht hinter uns; du siehst angegriffen aus und solltest deine Kräfte nicht überanstrengen.“ Sie erbleichte:„Du bist sehr besorgt.“ Es war ein seltsam fremder, bitterer Ton, der ihm das Blut zu Kopfe trieb. „Madeleine— wie soll ich dich verstehen?“ Da hielt sie seine Hände gefaßt, preßte sie gegen ihr heftig schlagendes Herz und zum dritten Male bat sie: „Nimm mich mit dir! Hartmut, ich bitte, bitte dich— geh' nicht allein— nicht allein nach dem Ulmenhofe.“ Sekundenlang starrte sein Blick in den ihren, dann machte er seine Hände frei und trat von ihr zurück. Kalt klangen seine Worte: „Ich gehe zu meinem Vater, ihm meine Hilfe anzubieten, wie dies nach dieser Nacht wohl selbstverständlich ist. Du solltest dich über den guten Grund für eine Annäherung freuen, wenn es dir vordem Ernst war mit dem Wunsche, eine Versöhnung zwischen mir und dem Ulmenhofe herbeizuführen. Oder— wärst du anderer Meinung Sauft faßte sie seine Hand. „Was ich gewollt, ich hätte es nicht tun sollen, Hartmut. Ich hätte dich nicht überreden dürfen, hier in Falkenhagen unsere Heimat zu gründen— jetzt noch nicht. Ich dachte zu viel an mich, war allzu selbstsüchtig in meiner Liebe. Und ich wollte dich bitten, schon vor diesem Tage: laß uns wieder fort von Falkenhagen, nicht für immer, aber doch für eine Zeit, laß uns reisen— oder auch anderswo uns ankaufen—“ Mit einem Ausdruck finsterer Ungeduld unterbrach er sie: „Der Augenblick ist schlecht gewählt, deine Reisepläne zu erörtern. Es drängt mich, fortzukommen, halte mich nicht länger auf.“ „Ich gehorche!“ in Ganz leise sagte sie es und ging gesenkten Hauptes das geöffnete Nebenzimmer. herbeizuführen. Oder— wärst du anderer Meinung„Ihr nacheilen? Ihr ein gutes Wort sagen? Blitzartig geworden, seitdem du weißt, daß der alte Mann für zeine durchfuyr es ihn. Dann drehte er sich kurz um und vere: vs—en einan kraundlichen Traßt hat?“ ließ das Zimmer. Doch seine Blicke irrten scheu hinauf nach Madeleines Fenstern, als er durch das Parktor hinaussprengte, nach Ulmenhof hinüber. Einsamteit zuweiten einen freundlichen Trost hat?“ „Hartmut“— ein weher Klang—„was sprichst du, wessen beschuldigst du mich? Ich glaube doch an dich— wie konnte ich dir mißtrauen?“ Hochaufgerichtet stand er da, und schroff sagte er: „Du hast es doch getan, Madeleine, und— tust es weiter. Du bist es gewesen, die die Dinge wollte, wie sie heute sind.“ „Nein, so nicht— so wollte ich es nicht!“ brach es leidenschaftlich aus ihr heraus. „Keine Unklarheit, nicht Unhaltbares wollte ich zwischen uns. Zwei Menschen, die einander doch begegnen würden, sollten sich nicht ängstlick meiden müssen— aber doch nicht so— nicht das— denn—“ „Nicht das— denn——? Sprich klar aus, was du zu sagen hastr“ 6 Drohend, als fordere er sie zum Kampfe heraus, sah er sie an. Tiefer Schrecken brachte sie zur Besinnung. Nicht so durfte sie zu ihm sprechen. Nicht an sich selbst denken in dieser Stunde. Er war auf dem Ulmenhofe angelangt und trat in das Zimmer seines Veiers. Es schien, als habe dieser des Sohnes Kommen erwartet, denn er verriet keine Ueberraschung bei dessen Eintritt. Aus seinem Sessel sich erhebend, erwiderte er Hartmuts Gruß kurz, doch nicht unfreundlich, und kam dessen Worten zuvor, indem er ruhig, doch mit fester Bestimmtheit sagte: „Ich weiß, was dich herführt. Laß uns nicht lange Worte darüber verlieren. Ich habe gestern bei dem Brande deine Hilfe angenommen, wie ich die eines jeden Nachbarn angenommen hätte, und danke dir dafür. Eine weitere Hilse deinerseits, die über den Augenblick der unmittelbaren Gefahr hinausginge, brauche und will ich nicht.“ (Fortsetzung folgt.) Seigte, 24. Okt. Hier umlaufende Gerüchte wol#n wissen, daß in dem benachbarten St. Rochus=Hospital, mit dem eine Heil= und Pflegeanstalt verbunden ist, Typhuserkrankungen vorgekommen seien. Man spricht von fünf und auch von 10 Fällen. Nach Erkundigungen ist an amtlicher Stelle nichts davon bekannt, doch heißt es, daß sich tatsächlich einige Fälke ereignet haben, die glücklicherweise einen gutartigen Verlauf nahmen. Im übrigen ist„Die Hülle", wie das St. Rochushospital allgemein genannt wird, sehr isoliert gelegen und besitzt als Krankenhaus und Heilanstalt zweifellos die nötigen Einrichtungen, um der Seuche erfolgreich entgegentreten zu können, so daß mit einer Gefahr der Ausbreitung wohl kaum zu rechnen ist. Tortmund, 24. Okt. Vor einiger Zeit wurde ein 20 Jahre altes, bei seinen Eltern wohnendes junges Mädchen unter schweren Vergiftungserscheinungen einem Krankenhaus hier zugeführt. Vor wenigen Tagen verschied die Kranke. In der Nachbarschaft behauptete sich bis zur Stunde hartnäckig das Gerücht, das junge Mädchen sei keines natürlichen Todes gestorben. Und da wirklich der Tod unter etwas eigenartigen Umständen erfolgte, hat die Polizei die Leiche beschlagnahmt und sie obduzieren lassen. Nach dem Ergebnis scheint eine Vergiftung von zweiter Hand nicht ausgeschlossen zu sein. Das Mädchen selbst stand in dem denkbar besten Rufe. Die Ermittlungen über diesen rätselhaften Fall sind noch nicht abgeschlossen. Hagen, 24. Okt. Ein sensationeller Giftmordprozeß, der voraussichtlich 1½ Woche dauern wird, hat heute vor dem hiesigen Schwurgericht begonnen. Die 29jährige Haushälterin Alma Honsel aus Oberbrügge in Westfalen ist angeklagt, im März 1927 ihren Hausherrn, den Fabrikanten Rudolph Berghaus durch Arsenik vergiftet zu haben, um schneller in den Genuß eines Testamentes zu kommen, durch das sie zur Alleinerbin eines Vermögens von 120000 Mark eingesetzt war. Zu dem Prozeß sind nicht weniger als 100 Zeugen und acht Sachverständige geladen. Der erste Verhandlungstag begann mit der Vernehmung der Angeklagten, die jede Schuld bestreitet. Die Angeklagte, eine gutgewachsene Frau, kam mit 15 Jahren als Lehrmädchen in das Büro des Verstorbenen und wurde nach dem im Jahre 1924 durch Ertrinken erfolgten Tode seiner Ehefrau von Berghaus als Hausdame angenommen. Die intimen Beziehungen zwischen den beiden begannen bereits zu Lebzeiten der Frau. Er habe auch die feste Absicht gehabt, sie zu heiraten und habe mehrere Monate nach dem Ableben seiner Ehefrau sein Testament dahingehend abgeändert, daß er sie zur Alleinerbin einsetzte. Die Heiratsabsichten seien dann durch Todesfall und Krankheit durchkreuzt worden. Im Dezember 1926 wurde Berghaus zum ersten Mal von einer geheimnisvollen Krankheit befallen, die sich am 19. Februar d. J. wiederholte. Berghaus starb später in Gegenwart von zwei Aerzten an Vergiftungserscheinungen. Der geheimnisvolle Fall ist durch die Vernehmung noch nicht geklärt. Es scheint nicht leicht zu sein, die Angeklagte trotz des großen Zeugenaufgebotes zu überführen. Soest, 24. Okt. Hier brachten mehrere Schüler abends auf dem Ostenhellweg Schießpulver zur Explosion. Als ein des Weges kommender junger Mann einen Augenblick dem Treiben zusah, wurde er von einer plötzlich aufschlagenden Stichflamme ersaßt und erheblich verbrannt. Im Marienhospital, in das man den Verunglückten überführte, fürchtete man erst um die Sehkraft des jungen Mannes, da er neben schweren Brandwunden an der Brust und am Kopf auch Verletzungen beider Augen aufwies. Doch scheint es der Kunst der Aerzte zu gelingen, ihm die Sehkraft voll zu erhalten. Gelsenkirchen, 24. Okt. In einer Wirtschaft in der Wilhelminenstraße geriet der Bergmann Timmerscheid mit dem arbeitslosen Max Nagel in Streit, der so ausartete, daß der Wirt die beiden aus dem Lokal weisen mußte. Timmerscheid versetzte auf der Straße dem Nagel einen Hieb mit seinem Stock, worauf dieser sein Taschenmesser zog und dem Timmerscheid in den Hals stach. Hierbei wurde die Halsschlagader getroffen und durchschnitten. Ehe ärztliche Hilfe herbeigeschafft werden konnte, verblutete der Mann. Timmerscheid hinterläßt eine Frau und sechs Kinder. Brambauer, 24. Okt. Ein Bergmann von hier hatte sich beim versehentlichen Anrennen gegen ein Turngerüst auf dem Hofe seines Schwiegersohnes bei dem dabei erfolgenden Hinstürzen einen Darmriß geholt. An dieser Verletzung ist der Verunglückte jetzt im Johannishospital in Dortmund gestorben. Gronau, 24. Okt. Hier ist es Brauch bei der evangelischen Kirchengemeinde, bei Beerdigungen am Kirchhofstor eine Sammelbüchse anzubringen zur Aufnahme mildtätiger Spenden für eine pietätvolle Ausschmückung der Friedhofsanlagen. Die Büchse enthielt mitunter einen erfreulichen Betrag. Als der Kirchendiener gestern nach einer Beerdigung die Sammelbüchse wieder an sich nehmen wollte, mußte er die unangenehme Feststellung machen, daß sie inzwischen von einem nichtswürdigen Dieb entwendet worden war. Essen, 24. Okt. Ein unglaublicher Vorfall hat sich hier in der Kaiserhofstraße zugetragen. Passanten stießen auf ein etwa dreijähriges Kind, das im Hemd ohne Schuhe und Strümpfe umherlief und jämmerlich weinre. Die Passanten, die sich des Kindes annahmen und zur Mutter brachten, stellten fest, daß das Kind von einem Frauenzimmer angehalten und in eine entlegene Straße mitgenommen und völlig entkleidet worden war. Essen, 24. Okt. In einer Wirtschaft in Altenessen kam es bei politischen Auseinandersetzungen zwischen Gästen zu einem Streit, der in eine Schlägerei ausartete. Ein Bergmann, der stark bedrängt wurde, zog beim Verlassen des Lokals einen Revolver und gab mehrere Schüsse ab. Durch die blindlings auf die Verfolger abgegebenen Schüsse wurden füns Personen zum Teil schwer, zum Teil leicht verletzt. Der Revolverheld konnte sofort verhaftet werden. Hohenwepel(Kr. Warburg), 24. Okt. Vor gut einer Woche brannte hier die Feldscheune eines Landwirts nieder, wodurch dem Besitzer ein Schaden von ungefähr 5000 Mark entstand. Man dachte gleich an Brandstiftung und verfolgte auch einen bestimmten Verdacht. Jetzt konnte die in Betracht kommende Person, ein Einwohner unseres Dorfes, festgenommen und dem Amtsgericht Warburg zugeführt werden. Der Verhaftete hat bereits ein volles Geständnis abgelegt. Wiesdorf, 24. Okt. In der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr wurden hier auf der Feldstraße zwei Personen, die Schüsse am Kopf aufwiesen, tot ausgefunden. Es handelt sich um die 21jährige Karoline Schmitz und den 26jährigen Heinrich Niesen von hier. Soweit bisher festgestellt werden konnte, muß es sich um eine Liebestragödie handeln. Die beiden scheinen freiwillig aus dem Leben geschieden zu sein. Alles Nähere muß die polizeiliche Untersuchung noch ergeben. Laer, 24 Okt. Den Tod in der Badewanne fand die Ehefrau Embers, Mutter von vier Kindern. Nach angestellten Ermittlungen ist sie durch Gasvergiftung infolge Undichtseins des Ofenrohrs bewußilos geworden und im Wasser ertrunken. Gaufugenötagung des niederrheinischen Gaues der kath. kaufm. Vereine. Bocholt, 24. Oktober. Nachdem während der bösen Kviegsjahre die Jung=Westfalia Bocholt eingegangen war, sammelte vor 2 Jahren Reltgionslehrer Kaplan Schürmann neuerdings die kaufmännische Jugend um sich, und zwar mit gutem Geschick und überraschendem Erfolge. Bald blieb es nicht mehr bei der JungWestfalia, die in erster Linie die Kaufmannslehrlinge umfaßt, sondern es wurde ihr ein besonderer„Ring“ junger Kaufleute im Alter von 18—20 Jahren angegliedert. Man schloß sich mit den Jugendabteilungen der kath. kaufm. Vereine der Städte des Niederrheins(Cleve, Goch, Emmerich, Kevelaer, Krefeld, Neuß, ferner Dorsten, Haltern usw.) zu einem niederrheinischen Gau zusammen, der am letzten Sonntag seine erste Gaujugendtagung hier in Bocholt abhielt. Mit der Gautagung verband die hiesige Jung=Westfalia ihre Fahnenweihe. Schon am Samstagnachmittag hatten sich zahlreiche auswärtige Teilnehmer eingefunden, die sich mit den hiesigen Mitgliedern im Heim bei Langenhoff zu einer gemütlichen Zusammenkunft trafen. Schon hier wurden verschiedene Gaujugendfragen besprochen. Am Sonntagmorgen um 10 Uhr fand in der vor einigen Jahren neuerbauten Kapuzinerkirche am Hemdenerweg ein Festgottesdienst statt. Das geräumige Gotteshaus konnte die Zahl der Teilnehmer kaum fassen. Die Festpredigt hielt Studienrat Janssen aus Tegte. Er nahm dann auch die kirchliche Weihe der neuen Standarte vor. Anwesend waren zahlreiche Jung.=.=Vereinigungen aus dem Niederrhein= Mittelrhein= und Münsterland=Gau mit ihren Fahnen, ferner der hiesige Stammverein und die übrigen katholischen Jugendvereine Bocholts mit ihren Fahnen und Wimpeln. Nach dem Festgottesdienst bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Straßen der Stadt zum Gesellenhause, der leider unter der Ungunst der Witterung zu leiden hatte. Im großen neuen Saate des Gesellenhauses fand dann eine Feierstunde statt. Nach einem von einem Streichorchester vorgetragenen Eröffnungsmarsch und einem Prolog begrüßte der Vorsitzende der Jung=Westfalia, Religionelehrer Schürmann, zunächst die zahlreich erschienenen Gäste, u. a. die jungen Kaufleute und ihre Präsides aus Cleve, Goch, Emmerich, Krefeld, Neuß, Haltern, Dorsten, ferner als Vertreter des Mittelrheinischen Gaues den Jesuitenpater Täpper mit 6 Jung.=Kern aus Köln, den Vertreter der Bundeszentrale aus Essen, Herrn Norbert Freiburg, den Stammverein, zahlreiche Fabrikanten und Kaufleute, die Eltern der Jugendlichen und diese selbst, sowie den Beigeordneten Dr. Kaut als Vertreter der Stadtverwaltung. Der Gauvorsitzende Studienrat Janssen aus Cleve(vor kurzem nach Telgte versetzt) feierte alsdann in neuer herrlicher Festansprache die Gottesmutter Maria als Patronin der kath. kaufm. Vereine un dder kaufm. Jugendvereine im besonderen. Reicher Beifall lohnte den Redner, der u. a. auch das Jugendproblem in seinem Vortrage meisterhaft verarbeitet hatte. Besonders trat er ein für den kaufm. Befähigungsnachweis durch eine Prüfung der jungen Kaufleute, ähnlich wie sie im Handwerkergesetz für die jungen Handwerker vorgeschrieben ist. Man solle, wenn man auf gesetzlichem Wege nicht bald etwas erreichen könne, an die Stadtverwaltungen herantreten mit Anträgen auf Abhaltung solcher Prüfungen.— Nachdem das Bundeslied verklungen, überbrachte der Vorsitzende des Stammvereins, Kaufmann Leo Elsinghorst, herzliche Glückwünsche unter Ueberreichung eines Fahnennagels. Weiter überreichten mit entsprechenden Ansprachen Fahnennägel der Gaujugendvorsitzende Daneffel aus Kleve sowie ein Vertreter aus Neuß, Beigeordneter Dr. Kaut gab als Vertreter der Stadtverwaltung seiner Freude Ausdruck über die Erstarkung der kath. Jugendbewegung in unserer Stadt und beglückwünschte die Jugend=Westfalia zu ihrem Ehrentage. Es sprachen ferner ein Vertreter der Jung=Prädentia aus Krefeld, ferner Pater Täpper=Köln, der in launiger Weise seine 6 Kölner Jungen ein kräftiges dreimaliges„Heil“ auf die Bocholter Jung=Westfalia ausbringen ließ, weiter ein Vertreter der Bundeszentrale Essen und ein Vertreter des kath. kaufm. Vereins„Hansa“ aus Borken. Inzwischen hatte Präses Kaplan Schürmann etwa 30 Kaufmannslehrlinge in die Jung=Westfalia aufgenommen und durch Handschlag feierlich verpflichtet. In der St. Agneskirche fand nachmittags eine burze Festandacht statt. Darauf wurden die Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt. Um 3 Uhr folgte der eigentliche Gautag im MuDu bist mein! Roman von H. v. Erlin. Copprighi by Greiner& Comp., Berlin W 30. Bachteus perhoten 50. Fortsetzung. Hartmut hatte ihn unterbrochen. Auch seine Stimme klang ruhig und fest. „Ich bitte dich trotzdem darum, dir die Mühe dafür abnehmen zu dürfen, daß auf dem Hofe hier alles, was durch den Brand beschädigt worden, wieder in rechten Stand gesetzt wird.“ „Meine Kraft reicht noch aus, den Neubau zu beaufsichtigen, und die Versicherungssumme wird ausreichen, daß er in dem den Ulmenhofer Verhältnissen angepaßten Rahmen gehalten wird. Wenn es dir wünschenswert wäre, ihn mehr nach Falkenhagener Muster und vielleicht mit Falkenhagener Gelde zu vewerkstelligen, so mußt du dich damit gedulden, bis du den Ulmenhof noch deinem erheirateten Besitz einverleiben kannst.“ Dunkle Glut schoß in Hartmuts Gesicht, doch ge. iltsam hielt er sich zurück, nur seine Gestalt reckte sich höher auf, und in seiner Stimme lag ein Klang wie ein klingender Stahl.— verstehe, wie du es meinst— wie du mich auch in diesem einen nimmst, aber— es ist dein Sohn, Vater, den du so niedrig einschätzest.“ Des alten Mannes Augen streiften über ihn hin. Das eine mannhafte Wort traf ihn tiefer als alle Bitten, die an sein Vatergefühl hatten rühten wollen. Ein paar Sekunden war es, als wolle in ihm verstummen, was gegen diesen Sohn sich zu allen Zeiten in ihm aufgelehnt hatte. Doch schon hielt ihn wieder die Erinnerung gepackt an jenen furchtbaren Augenblick, der diesen da auf ewig von ihm geschieden hatte, und schneidenden Tones sagte er: „So erspare es dir und mir, das zu hören, was dir nicht gut klingt,". Es blieb ein paar Sekunden still, dann sagte Hartmilt pieber ruddg: „So laß mich wenigstens dafür Sorge tragen, daß der von dir fortgejagte Knecht festgenommen wird. Denn er hat ohne Zweisel aus Rache das Feuer angelegt.“ „Er tat es— doch anzeigen werde ich ihn nicht.“ Hart war es gesprochen. „Du wirst es nicht tun? Einen Brandstifter der gerechten Straje entziehen? Einen überführten Dieb“— Hartmut brach plötzlich ab. In seinem empörten Tone schwankte es; der alte Mann achtete nicht darauf, härter noch fiel er ein: „Nein, ich werde es nicht tun! Werde es mir nicht noch einmal von dem Gericht wiederholen lassen, das Geheimnis vom Ulmenhofe, das mir mit frechem Lachen der überführte Dieb entgegenrief, als ich ihm mit dem Gejängnis drohte— wie mancher am Zuchthaus vorbetfährt, der vielleicht hineingehörte.“ Hartmuts Gesicht ward fahl.„Vater— was willst du damit sagen?“ „Was ich schon einmal zu dir gesprochen habe und wozu du schweigen mußtest. Und darum eben ziemt es mir nicht, einen andern der Gerechtigkeit auszuliefern.“ Bis zur Türe war Hartmut zurückgetreten. „Wie du die Peitsche schwangst gegen einen Dieb, so hob ich die Pistole gegen einen andern.“ Er atmete tief auf.„Lebewohl“, sagte er langsam. „Ich kam gegen deinen Wunsch hierher und werde wiederkommen, wenn es mich so zwingt wie heute.“ Hartmut hatte das Zimmer verlassen. Draußen stieß er auf Frau Reichmann, die eilends herbeikam und bei seinem Anblick heimlich verlegen stutzte. „Ich wußte nicht, das Sie hier— ich wollte den Herrn Bravand benachrichtigen— Konsul Gredighausen ist eben mit seiner Frau angekommen. Sie haben von dem Brande gehört und werden Angelika, die der Schrecken sehr angegrifsen hat, mit sich nach Bornstadt nehmen. Ich habe viel zu rüsten— Sie verzeihen— die Herrschaften sind unten im Wohnzimmer“, fügte sie noch zögernd hinzu. Er antwortete nicht darauf, nickte einen Gruß und ging an ihr vorüber. Er hatte den Ulmenhof wieder verlassen. Und er hatte Angelita nicht wiedergesehen. Starr geradeaus ging sein Blick, als er nach Falkenhagen zurückritt; fest umspannte seine Hand den Zügel.“ Fest den Zügel halten—— fest, fest sich selbst halten— 19. Kapttel. Fort von Falkenhagen! Hartmut selbst wi es gewesen, der das Wort gesprochen hatte. Als er vom Ulmenhof zurückgekehrt, war Madeleine ihm voll Freundlichleit entgegengetreten, hatte keine Frage getan, ihm nichts von dem gezeigt, was sie in den Stunden seiner Abwesenheit allein mit sich zur Ruh gezwungen hatte. Da gab er ihr ungefragt Auskunft „Mein Vater braucht meine Hilfe nicht.“ : Sie antwortete nicht, aber ihr Blick schien sanft zu fragen. „Angelika sah ich nicht wieder. Sie verläßt noch heute den Ulmenhof; ihre Eltern holen sie ab!“ „Hartmut“— nun bebte es doch in ihrer Stimme, sie wollte an seine Seite eilen. Er winkte ior zu, trat an das Fenster, blickte eine Weile hinaus und drehte sich dann mit einem Ruck ihr zu. „Ja, du host recht, laß uns fort von hier, trgendwo was anders suchen— was du magst— wie du es willst.“ „Unser Glück suchen und uns selber so ganz zusammenfinden, wie wir zu einander gehören! Ich danke dir!“ Fort von Falkenhagen— sie hätten ohne einen Tag des Ausschubs abreisen können, die Abreise wurde verschoben durch ein geheimes Zögern von Hartmuts Seite, das er unter Scheingründen verbarg. Allerle. Wirtschaftsfragen, die noch erledigt werden mußten. ein Ueberlegen über das Wohin— ein Aufbauen von Plänen und wieder Verwersen, und noch erwas Befremdliches, als werde ihm das Scheiden von Falkenstagen schwer, als habe ein Teil! seines Wesens, ihm selber unbewußt, dort schon Wurzel geschlagen. (Fortsetzung folgt.) aal des Gesellenhauses. Kaplan Schürmann eröffnete die Tagung mit herzlichen Begrüßungsworten. Diplomhandelslehrer B. Meyer hielt zunächst ein eingehendes Referat über „Reklame“. Einleitend teilte er, anknüpfend an die Worte des Gaujugendpräses am Morgen, mit, daß in Bocholt zuerst kommenden Ostern eine kaufmännische Gehilfenprüfung stattfinden werde. Zu seinem Thema übergehend, gab er zunächst einen Ueberblick über das Entstehen der Reklame. Bei den Ausgrabungen in Pompeji habe man an den Häusern zahlreiche Reklameinschriften gefunden. Die Reklame sei also uralt. Heute zeige die Reklame eine große Vielseitigkeit. Die beste Reklame aber bleibe der mündliche Verkehr mit der Kundschaft. Gute Reklame sei auch durch gedruckte Mitteilungen an die Kundschaft zu machen, ferner durch Verlagszeugnisse. Zeitungsanzeigen, Preislisten usw. Der Güterumlauf sei das Bindemittel zwischen Erzeuger und Verbraucher. Die Reklame sei nichts anderes als ein großer Markt. Ob der Einfluß der modernen Reklame auf das ganze Wirtschaftsleben ein guter oder ein schlechter sei, müsse die weitere Entwicklung ergeben. Der Gauvorsitzende Kaufmann Gotzen=Krefeld, der die Versammlung leitete, dankte dem Redner für seine zeitgemäßen Ausführungen. An der Aussprache beteiligte sich u. a. Pater Täpper=Köln, der an die jungen Kaufleute die Aufforderung richtete, sich namentlich im Dekorationswesen auszubilden. Studienrat Janssen warnte vor der vielfach nicht einwandfreien Reklame eines gewissen Kapitalis8091S—— Nachdem die Aussprache beendet, wurde ein Antrag Neuß einstimmig angenommen, den nächsten Gautag in Neuß abzuhalten. Ein weiterer Antrag Neuß forderte intensivere Betätigung der jungen Kaufmannschaft am politischen Leben und empfahl den Beitritt zu den Windthorstbunden. Auch dieser Antrag fand begeisterte Annahme. Die durch Versetzung des hiesigen Gaujugendpräses Studienrat Janssen von Cleve nach Telgte verwaiste Stelle des Gaujugendpräses soll durch eine demnächst stattfindende Präsideskonferenz neu besetzt werden. Nachmittags 5 Uhr folgte im großen Saale des Gesellenhauses, der bis auf den letzten Platz besetzt war, eine Unterhaltungsstunde, die durch einen forschen Marsch eröffnet wurde.— Präses Schürmann begrüßte nochmals die Gäste. Es folgten lustige Vorträge von Theo Kraft, Lieder zur Laute usw. Weiter wurden von der Spielschar des.=.=.=Bocholt zwei Lustspiele aufgeführt, die bald das Publikum in eine gemütliche Stimmung versetzten. Die Schlußansprache hielt der geistliche Beirat des.=.=.=Bocholt, Kaplan Mertens, der hinweisend auf die Fahnenweihe ausführte, daß die rührige Jugendabteilung weiter fortschreiten müsse auf der begonnenen Bahn. Gott segne unsere liebe katholische Kaufmannsjugend. Herbst=Delegiertentagung des Kreis= Kriegerverbandes Borken i. W. Borken, 25. Okt. Im Gasthof Spangemacher hatte sich am gestrigen Nachmitag die Delegierten der dem Kreisverband angeschlossenen Vereine in gar stattlicher Anzahl eingefunden, um die Belange fhrer Vereine zu beraten und einige Stunden in echter kameradchaftlicher Gemütlichkeit mit einander zu verbringen. Nach kurzer aber herzlicher Begrüßung durch den verdienstvollen ersten Vorsitzenden Herrn Oberpostmeister Geburtzky und Feststellung der Anwesenheit referierte der erste Vorsitzende über die letzte Präsidialsitzung am 15. Oktober in Dortmund.— Unser Reichskriegerbund, so führte der Redner u. a. aus, hat 25000 Mk., davon sofort zahlbar 10000 Mk. für das Tannenbergdenkmal gestiftet. Etwaige Sammlungen in unseren Vereinen können also mit diesem Hinweis abgelehnt werden; dazegen werden noch Bausteine für den Westfalenturm in unserer Heimatprovinz gesammelt, jedoch nicht durch die Kriegervereine, sondern die Städte sollen hierfür interessiert werden. Ein Drittel der Summe ist bereits durch Voreinsendung des Betrages aus Westfalen gedeckt. In einem Turm befindet sich eine Jugendherberge, am Fuße des Denkmals soll ein Stadion errichbet werden. Wie bei der Einweihung des Tannenbergdenkmals der Feldherr Hindenburg gefeiert wurde, so war der 80. Geburtstag das Signal für Tausende von Kriegern, ihrem ehemaligen Führer zu huldigen. Auch aus Westfalen waren 748 Krieger mittels Sonderzug nach Berlin gefahren, um Zeugen zu sein der Hindenburgehrung und um Spalier zu bilden in den Straßen Berlins. Weiter berichtete Redner über die Provinzialsterbekasse, welche am 1. 1. 28 in Tätigkeit tritt. Die weiteren Ausführungen galten dem Bundestag in Köln. Dort wurde beschlossen, das Eintrittsgeld für neugebildete Vereine zu streichen. Dagegen haben die Vereine, die aus irgend einem Grunde aus dem Verbande ausgetreten sind und sich wieder aufnehmen lassen, das Eintrittsgeld zu zahlen. Der Provinzialkriegertag findet im nächsten Jahre in Hagen statt. Ueber den Provinzialabgeordnetentag in Münster berichtete Kamerad Dekressin, Rhede. Den Kassenbericht erstattete Kamerad Borchers, Gemen. Der erste Schriftführer, Kamerad Laas. Borken. behandelte in kurzen Ausführungen zeitgemäße Organisationsfragen. Nach seinen Ausführungen sind zur Zeit 10 Vereine dem Kreisverband angeschlossen mit einer Mitgliederstärke von rund 14000. Er verbreitete sich weiter über Werbung neuer Mitglieder, über die Ausgestaltung der Vereinstätigkeit. Er wünscht eine tiefere Ausgestaltung der Versammlungen, mehr Vorträge und Belehrung. Weiter behandelte er die Frage: Wie stellen wir uns zur Jugend? Redner teilte mit, die Bearbeitung der Kb= u. Kh=Angelegenheiten Herr Rechtsanwalt H. Löbker, Münster in Westfalen, Krummer=Timpen 10, in dankenswerter Weise für die in Frage kommenden Kameraden übernommen habe. Der Unterstützungstätigkeit müssen mehr noch als bisher das Interesse der Vorstände zugewendet werden. Diese Aufgaben gehören mit zu den vornehmsten der Kriegervereine. Das nächste Kreiskriegerverbandsfest findet am 20. Mai 1928 in Velen statt. Die erforderlichen Erläuterungen hierzu machte Kam rad Notz Velen. Anläßlich dieser Feier soll gleichzeitig das Kviegerehrenmal in Velen enthüllt werden. Der vorsitzend erwöhnte noch, daß gelegentlich des Verbandssistes in Velen Herr Studsenret Dr. Dudt über Bildung von Jugendgruppen inn rhalb der Kriegervereine einen längeren Vortrag halten werde. Preisschießen des Kreisverbandes. Von 1 Uhr ab hatte auf dem neuen Schießstand bei Lövelt el.: Preisschießen für die Vertreter der Vereine stattgefunden. Trotz des ungünstigen Wetters waren die Schußleistungen durchschnittlich gut. Folgende Kameraden konnten mit Preisen(silbernen Schiehmedaillen mit Widmung) ausgezeichn 1. Kittner, Traugott=Gemen 68 Ringe. 2. Dahlhaus, Heinrich=Borken 64 Ringe. 3. Heikes.Forft' Vel.n 64 Ringe. 4. Bietenbeck Bork n 64 Ringe. 5. Geburtoky,.. Borken 63 Ringe. 6. Dahlhaus, Gemen 62 Ringe. 7. Benthaus, Vorken 62 Ringe. Der erste Versitzind; beglückwünschte in einer burzen Ansprache die besten Schützen und überreichte ihnen die Medaillen. Gegen 7 Uhr fand die Tagung ihr Ende, da die meisten Delegierten mit den Abendzügen abreisen mußten. Der Blitz in der Autohalle. Das 1 Millionen Volt=Prüffeld der Werkstoffschau. Unzweiselhaft bildet das Prüffeld der Werkstoffschau den größten Anziehungspunkt der Veranstaltung. Der Gesamteindruck grenzt aus Phantastische. Das Primäre des ersten Eindruckes sind die verschiedenen teils blanken, teils stumpf glänzenden Kugeln, und die vielen in ihrem Aussehen an chinesische Tempelkunst erinnernden Isolatorenketten. Die Schönheit der Technik findet ihren Ausdruck in gewaltigen aus Ton und Erde geformten Hochspannungsisolatoren aller Art. Aber es ist doch wohl nicht nur Schönheit, sondern auch Zweckmäßigkeit. Auf erhöhtem Podium steht der Thor dieses Prüffeldes, ein Ingenieur, der seinen blitzezeugenden Hammer von Kugel zu Kugel über die Funkenstrecke jagt. Geheimnisvoll und doch so klar und einfach. Unter der Schaltbühne befindet sich eine Umformermaschine, die durch einen Elektromotor getrieben wird. Dieser Umformer ist jedoch nicht gewöhnlicher Art. Eine sinnreiche Einrichtung gestattet es, durch leichten Hebeldruck die erzeugte Spannung zwischen 0 und 500 Volt zu regulieren. Auf der linken Seite, von der Schaltbühne aus gesehen, stehen im Vordergrund zwei gewaltige kesselartige Gebilde. Heraus ragt aus jedem ein langer dünner Hals, auf dem als Kopf eine blitzblankgeputzte Kugel sitzt. Das sind die eigentlichen Hochspannungs=Transformatoren, Oeltransformatoren.— Hier wird der erzeugte Wechselstrom von 500 Volt vertausendfacht. Auch das ist keine Zauberei und geht durchaus mit rechten Dingen zu. 500 Volt eines starken Stromes werden hereingeschickt und 500 mal tausend Volt an den blanken Köpfen entnommen. Allerdings ist der Strom nicht mehr so stark, dafür aber umso höher gespannt, was besagt, daß er in der Lage ist, nunmehr gewaltige Widerstände zu überwinden, Luftwege zu überbrücken. Daneben steht der große Bruder dieser zwei insgesamt 500000 Volt hergebenden Transformatoren, ein einziger, der allein die gleiche Leistung hat. Es sind auch noch andere, kleinere, die„nur“ 100000 Volt erzeugen, vertreten. Alle kenntlich durch die spiegelblanken Köpfe, die vom Fachmann Klemmen genannt werden. Im Hintergrund des Prüffeldes zur rechten und linken Seite, auf galgenförmigen Gerüsten montiert, befnden sich die Meßfunkstrecken. Aus dem Abstand der tugelförmigen Klemmen dieser Funkstrecke läßt sich die Höhe der Spannung errechnen. Am Fuße der Gerüste sind uhrenförmige Skalenscheiben angebracht; ein sich um deren Mittelpunkt drehender Zeiger gestattet mit einer Genauigkeit von 2/10 mm den Abstand und damit praktisch die Größe der Spannung zu ermitteln. Rechts im Vordergrund neben der Schaltbühne ruhen auf einem weißen, gegen die Erde gut isolierten Gerüst, zahlreiche Kondensatoren. Das sind Apparate, die es gestatten, elektrische Energie, insbesondere Wechselstrom zu sammeln, aufzuspeichern. Die einzelnen Kondensatoren sind durch Glasröhren als Widerstände verbunden, die mit Wasser gefüllt sind. Daneben ebenfalls auf einem Gerüst ruhend, liegen zwei diesen Kondensatoren nicht ganz unähnliche röhrenartige Gebilde, deren Aufgabe es ist, den hochgespannten Wechselstrom von 50—100000 Volt gleichzurichten, in Gleichstrom umzuwandeln. Ein leichter Hebeldruck am Schaltpult des Podiums genügt, um Leben in die so harmlos aussehenden Gesellen zu bringen. Schlag auf Schlag, ähnlich dem Getnatter von Maschinengewehren, gehen die Funkentladungen vor sich. Und doch macht das nicht den einzigen Zweck dieser imposanten Apparaturen aus. Bald werden die von den Decken an dünnen Seilen herunterhängenden Isolatorenpyramiden diesen hochgespannten Strömen von 1000000 Volt und mehr ausgesetzt. Man wird sie prüfen, um ihre Fähigkeit als Isolatoren elektrischer Hochspannungsleitungen zu wirken, festzustellen. Zeigen sich Fehler in den Isolatoren, oder werden sie über das zuträgliche Maß hinaus belastet, so setzt ein Prasseln und lautes scharfes Knistern ein, dem Auge bietet sich ein überwältigendes berauschendes Bild. Künstliche Gewitter!? Nein, viel mehr. Nicht ziel= und planlos stürzen die elektrischen Blitze durch den Raum, die Hand des Ingenieurs ist es. die sie leitet. In der Hand des Ingenieurs am Schaltpult liegt es, ihren Weg zu regeln, die Spannung zu verringern oder zu verstärkern. Es gibt sicher wenig Fachleute und naturgemäß noch weniger Laien, die je etwas ähnliches gesehen haben. Was Physiker in magischer Beleuchtung auf Zirkus= oder Varietebühnen dem ahaie undt böfskp pflegen, verblaßt, wird lächerlich, zu einer Farce, wenn man dieses gewaltige Wunderwerk der Technik, bestimmt zu ernster wissenschaftlicher Forschung, gesehen hat. Aber nicht nur Isolatoren aus Porzellan werden geprüft, sondern auch andere Isolierstoffe von Leitungen und Kabeln. Millionen und Abermillionen Meter elektrischer isolierter Leitungen sind auf der ganzen Welt verlegt. Es ist natürlich nicht angängig, diese alle einzeln unter die Lupe zu nehmen und auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen. Es bedarf anderer Mittel, um ihre Tauglichkeit festzustellen. Man hat eine sinnreiche Maschine konstruiert, die diesem Zwecke dienen soll. Jedesmal, wenn eine Fehlerstelle an irgend einer Isolierung vorhanden ist, gibt dies diese Maschine durch ein Blitzeichen kund. Automatisch wird durch diese Maschine dann die betreffende Fehlerstelle durch einen Farbring kenntlich gemacht und auf diese Weise eine nachträgliche Ausbesserung des Fehlers ermöglicht Selbverständlich macht man durch Prüfungen für weit niedrigere Spannungen als die vorhin erwähnten. Da marschiert ein ganzes Heer neuer gummihaltiger Isolierstosse auf, auch deren Widerstandskraft gilt es festzustellen. Bei einer anderen Art von elektrischen Isolierstoffen hat man wieder den Gummi verschmäht und statt dessen Mineralien gewählt. Glimmer und Glas sind zu einem Isolierstoff vereinigt, und auch sie müssen sich der ungeheuren Beanspruchung durch den elektrischen Funken, den künstlichen Blitz, aussetzen lassen, um dem Menschen zu zeigen, was sie wert sind. Der Hypotheken=Frieshof auf Florisa. Von der Halbinsel Florida und ihrer paradiesischen Zukunft ist in den letzten Jahren oft genug die Rede gewesen. Sie war zum Gegenstand eines Spekulationsfiebers geworden, von dessen Ausmaßen man sich in Europa nicht die geringste Vorstellung machen konnte, wenngleich tausende und abertausende von Bildern und Artikeln dem armen Europa einen Begriff von der großartigen Riviera jenseits des Ozeans zu geben versuchten.„Die amerikanische Riviera“— das war der Schlachtruf, mit dem die amerikanischen Grundstücksspekulanten in den Kampf um die Profite zogen. Tatsächlich besitzt sa Florida ein sehr mildes Klima, längst war es zur Lieblingsgesend älterer Leute geworden, die dort einen beschaulichen und komfortablen Lebensabend verbrachten, auch war es Zufluchtsstätte derer, die den rauhen Winter der mittleren und nördlichen Staaten nicht vertrugen, denen die Reise zur italienischen Riviera aber zu weit und zu teuer war. Diese Tatsachen brachten die Grundstücksspekukanten, deren Auge auf Florida gefallen war, auf die richtige Spur für ihre Reklame. Man brauchte nur einige Autostraßen anzulegen, einige mondäne Hotels zu errichten und dann an den Patriotismus der Hunderttausende zu appellieren, die immerhin noch alljährlich nach Italien fuhren und dort Millionen von Tollars zurückließen— dann mußte die Sache von selbst laufen. Wohlgemerkt handelte es sich für diese Leute nicht darum, nun in Wirklichkeit auch die traumhaft schöne Riviera zu schaffen, wie sie schon auf den Landschaften der Reklameplakate figuxierte— es handelte sich für sie nur darum, die Entwicklungsmöglichkeiten der Gegend in möglichst strahlendem Lichte zu zeigen, damit die in ihrer Hand befindlichen Grundstücke möglichst rasch und kräftig im Preise stiegen. Da alles mit der richtigen, ja selbst für amerikanische Verhältnisse beispiellosen Großzügigkeit organisiert worden war, klappte alles wie am Schnürchen. Fast über Nacht stieg die Fieberkurve der Grundstücksspekulation zu nie geahnter Höhe. Flächen von der Größe kleiner Provinzen konnten mit fabelhaften fiten als Bauplätze verkauft werden. Bald begann man auf diesen Bauplätzen„maurische Villen“ und sonstige pompös aussehende Gebäude von minderwertigster Qualität zu errichten, um alsbald Grundstück und Haus zu mehr als dem zehnfachen Anlagewerte verkaufen zu können. Das Land barst förmlich unter dem Druck der eindringenden Massen von Spekulanten, Maklern, Wucherbankiers, Hochstaplern und Ferienreisenden, die ihre Sommerreise gleich zu einem guten Geschäft benutzen wollten. Allmählich begannen selbst die zuständigen Verwaltungsbehörden an die Zukunft des Landes zu glauben und wandten Millionen von Dollars für den Ausbau des Straßennetzes und der Beleuchtungsanlagen an, was wiederum die Gewinnchancen der Spekulanten ins Märchenhafte steigerte. Schon brauchte man, um seine Grundstücke mit vielfachem Gewinn loszuwerden, nicht mehr die Reklametrommel zu rühren — die Reflektanten kämpften längst ingrimmig mit immer höheren Angeboten gegeneinander um den Besitz des letzten Restes noch verfügbarer Grundstücke. 1926 begann sich dann mit dumpfen Grollen das große Beben anzukündigen, das dieses ganze Kartenhaus der Spekulation über den Haufen werfen sollte. Die furchtbare Sturm= und Hochflutkatastrophe des vergangenen Jahres gab dem wankenden Gebäude nur den letzten Stoß. Anstatt eines langsamen Abbröckelns dieses fast ausschließlich auf Hypotheken gegründeten Riesenschwindels gab es den katastrophalen Zusammenbruch, der Tausenden das Leben kostete, die sonst wohl mit ihrem Vermögen den Verstand verloren haben würden. Im Moment, wo die Katastrophe die Unsicherheit der Gegend erkennen ließ, hörte die Nachfrage auf, wurden die verwüsteten Grundstücke unverkäuflich und zum ersten Mal blitzte den vom Spekulationstaumel jahrelang Besessenen die Erkenntnis auf, daß ein Unternehmen, das nicht produktiv sei, von vornherein zum Untergang bestimmt ist. Die wahnwitzigen Zinsen, die die Spekulationswut gezeitigt hatte, konnten nicht mehr bezahlt werden, mit dem Ausbleiben der Ratenzahlungen— fast alle Käufe stützten sich auf Hypotheken und auf Ratenzahlungen— zerbrachen die finanziellen Konstruktionen der Spekulanten. Rettung durch raschen Verkauf gab es nicht mehr, die Preise sanken ins Uferlose, ganz Florida wurde ein wirtschaftlicher Trümmerhaufen. Die meilenweiten Siedlungen mit ihren Prunkstraßen und glänzenden Fassaden sind verödet, die überstürzt angelegten Parks von Unkraut überwuchert, noch wenige Jahre, dann werden die Spekulationsgründungen von Florida anmuten, wie die märchenhaften Reste von Ansiedlungen, deren Bewohner die Pest verschlungen hat. Selbst Miami, das Zentrum dieses schon verlorengegangenen Zukunftsparadieses, von dem man schon genau den Zeitpunkt vorausgerechnet hatte, wann die Stadt die erste Million Einwohner haben werde, ist zurückgesunken in die Stille eines bescheidenen Winterkurortes, der eine Saison von drei oder vier Monaten hat. Der Widersinn dieser ganzen Entwicklung, die innere Tragik des amerikanischen Wesens wird erst klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Florida in der Tat hestimmt erscheint, ein wahres Paradies darzustellen. Es herrscht in Wahrheit fast ewiger Sommer, Früchte aller Art wachsen und reifen in Ueberfülle, bei ausreichender Bewässerung sind mit Leichtigkeit zwei bis drei Ernten zu erzielen— aber anstatt dieses köstliche Fleckchen Erde zu einer Stätte dankbarer und genießerischer Beschaulichkeit zu machen, verdammt es der Geist des Amerikanertums dazu, Schauplatz der wüstesten Orgien der Profitgier zu werden. Wollte man auf diesem Hypothekenfriedhof ein Denkmal errichten, so müßte es die Molochfratze des Götzen Dollar tragen Aus dem Reiche des Rundfunk. Rundfunk=Programm Laugenberg(Welle 468,8),—. (Welle 241,9). Dortmund(Welle 283) aus den Genderäumen Köln, Düsseldorf, Münster, Dortmund, Elberfeld. Es bedeutet: La: Langenberg: Mü: Mönster: Do: Dortmund, El: Elberfeld. Der Sende=Ort ist ausgeschrieben; zuerst in der Klamme wird der Sender genannt. Donnerslag. 27. Okt. 13.10: Tortmund: Mittagskonzert de: Kaplle Iseglio. 6 14.30: Köln: Wie bleibe ich gesund? c 16.15: Dortmund: Was koche ich in der nächsten Woche? c 17.30: Köln: Besverkoniert Leit: Ringnalda. o 18.30: Köln: Dr. Schmidt: Wilhelm Raabe, sein Bild in der Gegenwart. 18.50: Köln: Wirtschaftsmeldungen. A 19: Uebertr. aus Aachen. O 19.05: Köln: Aus dem Neuen Konzerthaus Aachen: Städtisches Komert. eit.: Pros. Dr. Raabe. Solist: Prof. Berber=München(Violine). Trenckner: Variationen über ein eigenes Thema.— Pfitzner: Violinkoneert.— Schumann: Vierte Sinzonie=moll. o 21.10: Köln: Vorlmann liest„Lausbubln#schichten“ von Ludwig Thoma. c 21.50: Köln: Leichte Musik des Funkorchesters. Inserieren bringt Sewinn. ng, Fürst Wilhelm von Hohenzollern In Bilde) i storben, ist Fürst Wilhelm von Hohenzollern(im 63 Jahren infolge eines Herzschlages geDer Zweikampf um den Citel „König der Lüfte“ sand auf dem Be rliner Zentralflughafen am 23. Oktober zwischen dem Franzosen Doret und dem Deutschen Fieseler statt.— Doret(unter links) errang den Titel durch seine verblüffenden Leistungen. Im Bilde: Doret bei Ausführung seiner Glanznummer, senkrechtes Hochziehen der Maschine. Berlins Hochschulachter. Entgegen allen Voraussagen errang die Mannschaft des Universitätsachters den Sieg über die Achtermannschaft der Technischen Hochschule(im Bilde) Berlin. Deutsche Werkstoffschau. Abweichend von der bisherigen Art von Ausstellungen wird von den hervorragendsten Verbänden der Erzeuger und Verbraucher am Sonnabend die Deutsche Werkstoffschau in den großen Hallen am Kaiserdamm in Berlin eröffnet mit dem Ziel, die herstellende und verarbeitende Industrie der Wert stoffe zur Gemeinschaftsarbeit zu bringen und dadurch höchste Steigerung de: Wirtschaftlichkeit unserer industrieller. Leistungen zu erlangen. Die Werke stoffschau bildet eine Fundgrube für alle Interessenten aus Technik un Wirtschaft. Im Bilde: Blick auf die Hachsgannunggelteiluung. Bitte Deutschlands Fußballsieg. Die vom Deutschen Fußballbund zusammengestellte Elf konnte in dem Länderkampf gegen Norwegen einen überlegenen Sieg,:2 erringen. Im Bilde: Brunke, der rechte Verteidiger, stört den feindlichen Halblinken beim Schuß. Ronals Me. Keill der Nachfolger Lord Robert Cecils. Der frühere Unterstaatssekretär für auswärtige Angelege heiten, Ronald Mr eill(im Bilde), der im Jahre 1925 zun. Schatzamt übertrat, ist als Nachfolger Lord Robert Cecils zum Kanzler des Herzogtums Laucaster ernannt worden und tritt damit in das Kabinett ein. Lokales. Schutz dem Wacholder und der Hülse! Altem frommen Brauche gemäß pflegt man alljährlich zu Allerseelen das Andenken an unsere verstorbenen Angehörigen in sinniger Weise zu ehren, indem man ihre Grabsttten mit Blumen, Kränzen und frischen, grünen Zweigen schmückt. Es ist dies gewiß eine schöne, alte, einem tiefreligiösen Empfinden entspringende Sitte, jedoch halten wir es für unsere Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß diese Ehrung unserer lieben Verstorbenen nicht zugleich zu einer Schädigung unserer heimischen Naturgüter und Naturdenkmäler führen darf, wie es sich leider während derletzten Jahre immer mehr und mehr bemerkbar gemacht hat. Wir meinen in erster Linte die so bedauerliche massenhafte Verwendung von Macholder und Hülse zu GrabausschmückungsMilitärische Vorbildung der Jugend. In der Sowjetunion trachtet man danach, die militärische Ausbildung nicht nur auf die eigentlichen Notarmisten zu beschränken, sondern holt sich auch in weitem Maße dit Zivilbevölkerung, insbesondere die Jugend u. die Schützenverbände, hierzu heran. Unser Bild: Schülerinnen aus der zweiten Schulstufe werden durch Notarmisten im Gebrauch des Gewehrs und im Schießen ausgebildet. zwecken bezw. zum Eindecken der Gräber für den Winter. Es dürfte wohl nur wenigen bekannt sein, daß gerade diese beiden Charakterbäume unserer niedersächsischen Heiden und Laubwälder, die noch vor wenigen Jahrzehnten in vielen Gegenden in großen Beständen vorkamen, im Laufe der letzten Zeit verartig abgenommen haben, daß ihre gänzliche Ausrottung zu befürchten ist, falls dem jahrelang betriebenen Raubbau nicht endlich Einhalt geboten wird. Wer Gelegenheit hatte, im Laufe der letzten Jahre die außergewöhnlich großen Wacholderabnutzungen allein im Münsterlande zu beobachten, der weiß, daß tatsächlich durch den jährlichen Schlag vieler Tausender von Wacholdern für Ausschmückungszwecke ungeheuer an unserer heimischen Natur gesündigt worden ist. Eben mit Rücksicht auf die bedeutende Abnahme des Wacholders und der Hülse muß nunmehr der völlige Schutz derselben allen wahren Heimat= und Naturfreunden am Herzen liegen. Darum dürfen künftighin keine Wacholder= und Hülsenzweige verwendet werden, denn sie bilden an ihrem natürlichen Standort eine nicht zu ersetzende Zierde unserer Heiden und Wälder, während zum Schmucke der Gräber und für festliche Veranstaltungen die Zweige einer ganzen Reihe anderer Koniferen=Arten, z. B. Tannen= und Fichtenreisig, dieselben Dienste leisten und wegen ihre häufigeren Vorkommens bedeutend leichter zu erhalten sind. An dieser Stelle sei noch besonders auf zwei kürzlich erlassene Polizeiverordnungen hingewiesen, welche u. a. auch zum Schutze des Wacholders und der Hülse beizutragen bestimmt sind: Am 19. November 1926 erließ der Oberpräsident der Provinz Westfalen eine Polizeiverordnung zur Bekämpfung der Holz= und Forstdiebstähle, in welcher u. a. ausdrücklich die Beförderung von Schmuckreisig von Laub= und Nadelholz nur demjenigen gestattet wird, welcher sich im Besitze eines polize lich gestempelten Ausweises über den rechtmäßigen Erwerb der Zweige befindet. Darüber hinausgehend verbietet die Polizeiverwaltung der Stadt Münster unter dem 23. Februar 1927 das Feilbieten von Blütenzweigen der Weiden, von Zweigen der Hülse und von Wacholderbüschen auf Märkten, öffentlichen Wegen, im Hausierhandel ufw. für den Bezirk der Stadt Münster vollständig.— Um in besondere den gesetzwidrigen Handel mit Wacholdern und Hülsen, der erfahrensgemäß gerade im Laufe der kommenden Weche wieder einzusetzen pflegt, energisch zu bekämpfen, wird eine strenge Kontrolle durchgeführt werden. K 7 Bekannt wird Ihr Name Durch gute Reklame! — bnache, die aus der kächerlich geringen Entlohnung(20 Cts. pro Lag) für die schwere in den zerstörten Gebieten geleistete, oft lebensgefährliche Wiederaufbauarbeit herrühren. Die hiesige Outsgruppe der Reichsvereinigung ehematiger Krießsgefangener ist zu näherer Ausluft in allen Kriegsgefangenenangelegenheiden gern berett. Wetterbericht. Für das mittlere Norddeutschland: Milder. ziembich trübe, mit Nogenfällen, frischen westlichen Winden.— Für das übrige Deutschland: Ueberall milder, in der nördlichen Hälfte trüber mit Regenfällen, nur im Süden noch trocken. Winterfahrplan. Der neue Winterfahrplan hat für die Ankunfts= und Abfahrtszeiten in Bocholt gegenüber der bisherigen Fahrzeiten nur folgende Abänderungen gebracht: nach Barlo früher 16.10, jetzt 16.14; nach Barlo früher 20.00, jetzt 19.35; nach Borken früher 18.38, jetzt 18.45; nach Wesel früher.50, jetzt.56; nach Wesel früher 10.26, jetz 10.30; nach Wesel früher 15.30, jetzt 15.33; von Barlo früher 20.36, jetzt 20.07; von Empel früher.55, jetzt.52; von Wesel 16.09, jetzt 16.10. Wettübung der Feuerwehr. Am Sonntag, den 23. Oktober, fand in Borten eine Wettübung der. Steigermannschaften des Kreisverbandes Borken=Bocholt mit der Steigerleine, mit nachfolgender Prämiierung statt. Nach voraufgegangener Kampfrichtersitzung im Hotel Nienhaus traten die einzelnen Mannschaften um.30 Uhr auf dem Viehmarktplatze an. An einem eigens für die Wettübung erbauten Gerüst fanden die Uebungen wie Storchnestwickeln, Wurf mit dem Storchnest, Anlegen und Abfahren mit der Rettungsschlinge, Anlegen und Abfahren mit der Sitzschlinge und Selbstrettung statt. Die Uebungen gaben Zeugnis von dem regen Uebungsgeist, der in den Wehren, besonders auch in den ländlchen Wehren herrscht, da sämtliche Teilnehmer recht ansehnliche Leistungen erzielen konnten. Nach Beendigung der Wettübungen begaben sich die Wehren zum Festlokal Böcker=Volks, wo den Wettkämpfern die auf langen Tischen ausgestellten, zum Teil sehr wertvollen Preise, wie Photographieapparate, Eß= und Teeservice, Weck= und Taschenuhren und andere schöne Sachen mehr als Lohn für treue Arbeit winkten.—— Herr Kreisbrandmeister Fischez=Bocholt eröffnete die Versammlung unter herzl. Begrüßungsworten an die an dem Wettkampf teilgenommenen Mannschaften und an die erschienenen Ehrengäste u. A. Herrn Landrat Graf von Spee, Herrn Bürgermeister Müller=Borken und Herrn Amtmann Thesing= Borken.— Herr Landrat Graf von Spee dankte für die herzliche Begrüßung und richtete im weiteren Verlauf seiner Ausfhrungen Worte des Lobes an die Wettkampfteilnehmer, die heute wieder einmal eine vorzügliche Probe ihres Könnens bewiesen hätten und ermahnte die Wehrleute, auch weiterhin treu wie bisher zu arbeiten im Interesse der guten Sache.— Sodann wandte sich Herr Bürgermeister Müller=Borken an die Versammlung und entbot ihr den Willkommengruß der Stadt Borken. Er schloß mit dem Wunsche, daß die heutige Veranstaltung neue Begeisterung wecken und starke Wurzeln schlagen möge. Daraufhin nahm Herr Oberbrandmeister Techtmann=Bocholt, als Führer der größten Wehr des Kreisverbandes das Wort. Seine Ausführungen galten besonders der uneigennützigen und aufopferungsvollen Tätigkeit des allverehrten Herrn Kreisbrandmeisters Fischer=Bocholt und brachte auf ihn ein von der Versammlung beifällig ausgenommenes dreifaches„Gut Schlauch" aus.— Nachdem nahm Herr Kreisbrandmeister Fischer=Bocholt die Preisevreilung vor. Die Namen der Preisträger sind folgende: 1. Steinbergs=Bocholt 137,5 Punkte, 2. Heister=Bocholt 132., 3. Bülten=Suderwick 130,5., 4. SittartzBocholt 129,5., 5. Th. Harmeling=Bocholt 129., 6. Steenkamp=Naesfeld 127,5., 7. Schiffbauer=Suderwick 126.5., 1. Kraft=Bocholt 126., 9. Theben=Borken 125., 10. WösteBorken 124,5., 11. Ossing=Gemen 124., 12. Tebroke=Bocholt 121,5., 13. Brune=Dingden 120,5., 14. Blicker=Borken 120.5 ., 15. Höing=Naesfeld 120., 6. Buß=Suderwick 117,5., 17. Freesmann=Dingden 117., 18. Strickling=Bocholt 114., 19. Bresser=Borken 113,5., 20. Wildner=Gemen 113., 21. Brude=Dingden 111., 22. Müggenborg=Borken 110.5., 23. StorkBorken 109,5., 24. Wildner=Gemen 109., 25. Ronau=Raes#eld 108,5., 26. Klinkenbusch=Burlo 108., 27. Böwing=Burlo 108., 28. Welsing=Borken 107,5., 29. Terhardt=Bocholt 107 ., 30. Lütkenhorst=Bocholt 104,5., 31. Enk=Burlo 104., 32. v. d. Linde=Burlo 103,5., 33. Kluse=Naesfeld 103., 34. Beskers=Gemen 90,5., 35. Wansing=Gemen 98., 36. Hölter=Kl.= Reken 95,.5., 37. Thebing=Kl.=Reken 94,5., 38. Jerndsen=Suderwick 31,5., 39. Wienand=Burlo 91., 40. Scheffer=Bocholt 69,5., 41. Dersen=Kl.=Reken 81., 42. Stienen=Kl.=Reken 76,5 ., 43. Deckers=Dingden 43 P. Nach der Preisverteilung richtete Herr Kreisbrandmeister Fischer=Bocholt nochmals warme Worte des Lobes und der Anertennung an die Preisträger und schloß die Versammlung unter herzl. Dankesworten an alle, die zu dem schönen Gelingen der Veranstaktung beigetragen hatten. Fundamt. Auf dem Fundumt wurden als gefunden angemeldet: eine Handtasche mit Inhalt, ein Herrenfahrrad, ein Herrenhut, ein 20 RM.=Schein, ein Portemonnaie mit Inhalt, ein Schöbertuind. Vorken, 25. Okt. Viechmanst. Zum heuigen Viehmarkt waron aufgetrieben 438 Pferde und Fohlen, 102 Rinder, 801 Schweine. Preise: Pferde 1. Sore 600—900, 2. Sorte 400—600, 2½jährige Fohlen 400—600, 1jährige Fohlen 300—400; beste Kühe 400—600, 2. Sorte 350—450; Ferkel kosteten pro Alterswache 150—=.00 Mk., Nächster Viehmarkt am 10. November. Hanselsnachrichten. Veriiner Gbertgauterbürhe. Verlin, 25. Okt.(Radio.) Nach dem gestrigen scharden Kursrückgang war die Stimmung heute ruhiger. Börte eröfnete aber durchaus nicht in Reaktion die Verluste kräftig erholt, sondern konnte gerade schwachen amtlichen Schlußkurse vom Montag besten. Später gab das Kursniveau erneut allgenach, da die Baissespekulation noch nicht entanttigt war und nur eine sehr geringe Aufnahmeneigung bestand. Es lagen zwar verschiedentlich Kaufaufträge vor, die aber äußerst niedrig limitiert waren und daher nicht zur Geltung kamen. Die Stimmung blieb trotz der äußerlichen Beruhigung nervös und zurückhaltend. Die Spekulation wollte außerdem auch abwarten, wie sich die Lage am Kassamarkt gestaltet. Interventionen der Großbanken waren in der ersten Stunde nicht zu bemerken. Die Geldmarktlage zeigte keine Veränderung. Tagesgeld war mit 5½—7½ und Monatsgeld mit—9½ Prozent zu haben. Warenwechsel mit Großbankgiro konnten nur über dem amtlichen Diskontsatz und zwar mit 7¼ Prozent untergebracht werden. Die Devisenkurse veränderten sich nur unbedeutend. Das englische Pfund neigte mit 4,8710 gegen Newyork zur Schwäche, nachdem es seit Tagen eine außerordentlich feste Tendenz behaupter hatte. Im Berliner Freiverkehr notierte der Dollar etwa 4,1875. In den Papieren, die gestern den Hauptstoß det Baissepartel auszu alen hatten, traten bei Beginn Kurserhöhungen ein. So besserten sich Verein. Glanzstoffe um 8, Bemberg um 8, Schultheiß um 5, Ostwerke um 5½, Ludwig Löwe um 12½ Prozent. Elektrowerte ebenfalls erholt. Gesfürel plus 8, Siemens plus 5, Schuckert plus 4¾ Prozent. Von Kaliwerten wurden Salzdethfurt 4 Prozent höher bezahlt. Die internationalen Werte lagen ruhig. Chade—. 4 Proz., Svenska unverändert. Montanaktien eher etwas schwächer. Stollberger Zink— 3 Prozent. Die Zusammenschlußverhandlungen mit Mansfeld sollen noch nicht in ein entscheidendes Stadium getreten sein. Riebeck— 5 Prozent. Schiffahrtswerte still und behauptet. Nach Festsetzung der ersten Kurse gingen auch die zunächst festeren Papiere wieder erheblich zurück. Loewe verloren von ihrem Gewinn noch in der ersten Stunde 5 Prozent. Rentenwerte schwach; Neubesitz 12,87. Im weiteren Verlauf der Börse war die Haltung unter starken Schwankungen lustlos und schwach..G. Farben gingen auf 262 zurück. Bei Festsetzung der Kassakurse kamen bedeutende Aktienbestände an den Markt, insbesondere in Terminpapieren. Ebenso verstimmte die flaue Tendenz am Anleihemarkt, wo die Kurse durchweg—1 Prozent verloren. Privatdiskont unverändert 6 7/8 Prozent für beide Sichten.— An der Nachbörse trat eine Besserung ein. Auf Deckungskäufe der Tagesspekulation konnten sich die Schlußkurse am Terminaktienmarkt um—3 Prozent und noch mehr erholen. J. G. Farben, die 264,75 schlossen, gingen auf 269 50 herauf. Vereinigte Glanzstoffe notierten 576 nach 568, Gesfürel 262,50 nach 259,75. Auch Spritwerte stellten sich 5 Prozent über die letzten offiziellen Preise; Schultheiß 399, Ostwerke 373. Am Montanaktienmarkt waren Rheinstahl mit 178, Harpener mit 181, Phönix mit 97,50 gefragt; Hapag 137, Nordd. Lloyd 139, Siemens 263,..G. 159,50, Danat 210, Bemberg 435, Neubesitz 12,75, Altbesitz 51,25. Berliner Produktenbericht. Berlin, 25. Okt.(Radio.) Vom Auslande lagen heute elwas stetigere, wenn auch nicht gerade feste Berichte vor. Auch die Cifforderungen waren wenig verändert. Vom Inland war heute das Angebot in Weizen weniger reichlich in giten Qualitäten, die mehr gesucht waren. Für einzelne Ladungen zeigte sich Polen als Käufer. So koptite die Lieferung für den laufenden Monat um 2 Mé. im Preise anziehen, spätere Lieferung um etwa ½ Mk. Reggen dagegen eher etwas schwächer. Für den laufenden Monat scheint sich das Interesse durch die bisherigen Deckungen stark vermindert zu haben. Hier zeigten sich im LieferungsGeschäft für Oktober unveränderte Kurse, spätere Sicht etwa 1 Mark schwächer. Gerste still. Hafer ist knapp. Effektenkurse. 24./10. 25./10. 24. 11. 25. 10 Echisseallien. Hapag Nordd. Lloyd Faukaktien. Fammer Pank Perl. Hankelsg. Commerzbank Taimstädt. Vank Deutsche Bank Diskonto=Ges. Dresdener Bank Reichsbank Indufleieaktien. Schultheiß Dorimund. Union Adler Portland Adlerwerke A. E. G. Angelo Quono J. P. Bemberg Berger Tiefbau Vergmann Elektr Verzilius Perg Bochumer Guß. Fuderus Eisen Charl. Wasser Chem. v. Heyden Chem. Ind. Celf. Daimler Mot. Dessauer Gas Deutsch Luxemb. Teutsch Erdöl Deutsch Masch. Dresdener Card. Dürkoppwerke Dynamit Nobel Elek. Licht. u. Kr. Els. kad. Wolle Eschweiler Berg Ess. Steinkohle Fahlberg List Fabr.=Ind. Felten& Guill. Belser .nberg Gelsenguß Germ. Zement Gis. el. Unterney Germes& Co. Gladbach Molle Coldschmitd Götlitz Waggon Fotha magoon Frusch witz Text! Hammersen Han'a Llond Hatnener Perg Fartmann Masch Hösch Eien Hoffmann Stärke Kumbold Masch. Fabsa Porz. Kali Aschersleber Par'sruh. Masch. ##arstadt Klöcknerwerke Köln Neuessen Köln Rottweil Gebr. Körting Lahmener Laurabütte Linke Hoffmann Wagirus Mannesm. Nöh. Wonsseid Berg Meckan. Linden Mechan. Zittau Mix& Genest Mülheim Berg Ober Koks Orenstein Phönix Berg Pongs Spinnere! Reisholz Papier Rheinmetall Rheinstahl Rombacher Rütgerswerke Schuckert elektro Siemens Halske Thörl. Oel Leonbardt Tietz Ver. Dt. Nickel Ver. Glanzstosse Wandererwerke Westd. Handel Wicking Portl. Zellstoff Waldbof R. Westfl. Ele. Adler Kohle Benz Moloren Kabel Nheydt Ader Kali Krügersl aul Teutsche Leitol. 0% 0 97.00 117.00 00.00 186 25 27.25 1F4.00 75,00 36.75 99.00 160,00 19.50 145,00 140.0 159.75 000,00 85,00 171.2 75,25 619.0 40.50 150.50 115. •22.00 96.8 127.00 134.75 94.00 123.25 101.½ 47.00 275,00 000,00 184,50 000.00 84,23 83,00 272.25 97.00 154,00 161.25 594,50 224,00 69.00 140,50 286.00 112.7. 00.00 100,00 73,50 00,00 9.00 74,00 00.00 00.00 164,00 00.00 18 00 96.50 14987 73.50 .00 87,00 152.00 19.00 194.00 137,50 149,00 00,00 78,00 66.00 72.25 00.00 37,00 145.87 110.25 216,00 95.50 126.00 131.50 90.75 118,50 00,00 95,00 270.00 0,00 189,00 (00,00 84.25 172,00 263.50 95,00 151,00 159,00 580,00 220,09 70,00 139,00 275,00 190.25 00,00 000.00 172.00 00.00 125,00 72.00 Berliner Produktenpreise. Berlin, 25. Okloder. Die amtlich notierten Preise betrugen ab Stai on in Reichsmark: Weizen märk. 245,00—248,00. Oktober 2 9,00— 100,C, Tezember 271,00—000,00, März 272,50—100,00, Nopgen: 48,00—252,00, Oktober 254,60—000,00, Dezember 247.25 bis 000,00, März 250.50—000,00, Sommergeiste 220,00 2237, Wintergerste 000,00—000,00. Hafer märk. 206,00—219,00, Oktober 222,00—000,00, Dezember 219,50—000,00, März 000,00—000,00, Mais 191,00—193,00, Weizenmehl 31,25—34.50, Roggenmehl 82,75 bis 84,00, Welzenkleie 14.25—14,50, Roggenkleie 14,40—14,50, Naps 830,00—335,00.- Viktoriaerisen 52.00—57,00, kleine Speiseerbsen 35.00—37,00, Futtererbsen 22,00—24,00, Peluschken 21,00 bis 22,00. Ackerbohnen 22.00—24,30, Wicken 22,00—24.00, Lupinen blaue 14,50—15,50, Lupinen gelbe 00,00—00,00, Seradella 00,00—00,00, Napskuchen 15,00—16,20, Leinkuchen 22.60—22,70, ocen Toc=-25.35. 1 Sovaschrot 2020—2050, Kartoffel. Baamwollnotierungen Liverpool, 25. Okt.(Radio.) Eröffnung Oktober 00,60—00,00, Dezember 00,00—00,00, Januar 10,46—10,47, März 19.44—10.45, Mai 10.44—10,45, Juli 10,35—10,36. Tendenz gut behauptet. „Ssrmen, 25, Oktober.(Radio.) Oktober(0,00—00.00, Dezember 41.30, Januer 21,22,—21,28, März 21.20.—21,24, Mai 21.20 #S 21,19, Juli 21,07—21,12. Tendenz abgeschwächt. Tehle Ravid= Merdungen. Vor der Ernennung des deutschen Botschafters in Washington. Berlin, 27. Okt.(Radio.) Wie die TU. erfährt, wird nach Erledigung der notwendigen diplomatischen Formalitäten die Ernennung des deutschen Botschafters in Washington noch in dieser Woche erfolgen. Gewitterstimmung in Rumänien. Berlin, 25. Okt.(Radio.) Die rumänische Gesandtschaft in Berlin teilt mit: Das Ministerkonzilium von Bukarest hat gestern abend folgendes Kommunigne ausgegeben: Die von der ausländischen Presse wiedergegebenen Nachrichten über die carolistischen Unruhen in Rumänien sind falsch. Es handelt sich um eine Aufforderung, welche der Exkronprinz Carol verschiedenen Parteiführern und auch dem Ministerpräsidenten zu senden beabsichtigte, um das rumänische Volk seiner Wiedereinsetzung auf den Thron zu veranlassen. Da eine derartige Handlung einen Verstoß gegen die Konstitution und die Sicherheit des Staates darstellt, wurde der Ueberbringer der Briefe Virgilius Manulescu verhaftet und dem Eericht übergeben. Die Regierung ist streng entschlossen, die gesetzliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Absichren des Exkronprinzen zu verhindern. Tie 20. Partie Capabianca—Liseann abgebrochen. Verlin, 25. Olt.(Radio.) Wie die„V..“ aus Newyork meldet, wurde die). Parlie Cahablanca— Aljechin nach 40 Lügen abgebrochen. Aljechin hatte einen Bauern mehr, Capablanca dagegen die bessere Stellung. Breitensträters Ehe geschieden. Berlin, 27. Okt.(Radio.) Vor dem Landgericht 3 Charlot= tenburg fand heute der Scheidungstermin des früheren Reisterboxers Hans Breitensträter statt. Der Vertreter der Chefrau, Rechtsanwalt Schwabach, ferderte Ausschluß der Oeffentlichkeit, dem auch stattgegeben wurde. Die Ehe wurde nach turzer Verhandlung geschieden. Beide Ehegatten wurden für schuldig erklärt. Literarisches. Entgegen allen Vertonerungen— verbilligt der Volksverband der Bücherfreunde. Die Kurve der allgem inen Verleuerungen steigt wieder beängstigend an. Welches Wirtschaftsunternehmen denkt heute noch an eine Preissenkung seiner Erzeugnisse,„Die Verteuerung der Pest zwinct indir###t zur Heraufsetzung der Preise.“ Daß diese gefährliche Folge durch überlegene Dispositionen vermieden werden kann, beweist wiederum der Volksverband der Bücherfreunde, Wegr#iser=Verlar G. m. b.., Berlin=Charlottenburg 2, der dieser Tage seinen 40 Seiten umfassenden Weihnachtskatalog versendet. Unter seinen diesjährkgen Weihnachtsneuerscheinungen finden sich Romanwerke von Bernard Shaw, Edna Ferber, Fritz Reck=Malleozewen, Rene Clair, Erzählungs= und Novellenbände von Ernst Wichert, Fritz Philippi, Ottilie Wildermuth. Maupassant; ferner neben anderen ein kulturgeschichtliches Wanderbuch: O. V. Ludwig, Die Nibelungenstraße, und eine erschöpfende Mozart=Biographie von B. Paumgarner, dem bekannten Leiter des Salzburger Mozarteums. Dieses ausgesucht gute Programm überrascht sowohl durch seine Vielseitigkeit, als auch durch die erstaunlich niedrigen Preise bei mustergültiger Ausstattung jedes einzelnen Werkes. Der V. d. B. dokumentiert seine Leistungsfähigkeit nicht durch schönklingendes Gerede, sondern durch die Tat, und im jetzigen Augenblick gibt es für den Bücherfreund keine bedartendere Tat, als diese erhebliche Preisherabsetzung auf der ganzen Linie der so vorbildlichen und so vielgestaltigen Produktion dieses emsigen Verlags. So erstaunlich diese Tatsache gerade in der heutigen kritischen Wirtschaftslage ist, so nimmt sie doch in der Entwicklungsgeschichte dieses ältesten und größten Buchverlandes keine überraschende Sonderstellung. Unbeeinflußt von allen Schwankungen des Wirtschaftslebens hat sich der B. d. B. bisher nie an einer jener seit dem Jahre 1924 wiederholt eingetretenen allgemeinen Preiserhöhung beteiligt. Er ist seinem der planmäßigen tatkräftigen Arbeit an der Verbilligung des guten deutschen Qualitätsbuches treugeblieben. So erhält er sich das seit Jahren bestehende Vertrauen seiner Hunderttausende von Mitgliedern und stärk es immer aufs neue. Sei#e gewaltige, fest in sich geschlossene Organisation steht mit einem erheblichen Vorsprung an der Spitze aller seine Idee nachahmenden Büchergemeinschaften, von denen manche die Portoerhöhung zum willkommenen Anlaß einer Preiserhöhung ihrer Erzeugnisse gemacht haben, daß solche nun bis 33½% teurer sind als der B. d. B. Me ich, Wei De de 2r.0 Nalm iseriete! Nachruf. Am Sonntag, 23. Oktober d. Js., verstarb Herr Schreinermeister Sohann kebelnng im Alter von 63 Jahren. Seit dem Jahre 1900 bis zu seinem Tode, fast 28 Jahre lang. hat der Verstorbene im Dienste der öffentlichen Armen-und Wohlfahrtspflege in uneigennütziger Weise seine Kräfte dem Gemeinwesen gewidmet Offentlich wie im Stillen war er jederzeit bereit, das Los der Armen und Bedrückten zu erleichtern. Die Wohlfahrtspflege Bocholts verliert in ihm einen der ältesten und treuesten Mitarbeiter, dessen Namen unvergessen bleiben wird. Bocholt, den 25. Oktober 1927. Der Oberbürgermoister: Dr. Schmitz. Capitol-Theater A Eine ganz besondere Darbietung. Dienstlag, Mittwoch, Donnerstag. „ 1. Das große Filmwerk: 5 Aoparaturtn an Nähmaschinen Schuhmachermaschinen Schreibmaschinen sowie an sämtlichen Spezialmaschinen fachgemäß und billig Ulto Oberem, Bocholt Telefon 2473 biection-1 Gesucht per sofort eine Anzahl Wadomhnen Im Alter von 14—18 Jahren. 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Wiederwahl für statuten mäßig ausscheidende Vorstands= und Auf sichtsratsmitglieder. 6. Verschiedenes. Die Bilanz liegt von heute ab bis zum Versammlungstage im Kassenlokale zur Ein sicht der Mitglieder offen. Als Redner ist Herr Generalsekrelär Bienert vom Verband ländl. Genossenschaften d. Prov. Westfalen zu Münster gewonnen. Bocholt, den 24. Oktober 1927. Der Vereinsvorsteher. Tanzkontroller in neuer Ausführung empflehlt Druckerei Grenzwarte. Garam=kiägen ist Ihre eigene Schuld, wenn der Umsatz zurückgeht! Andere Geschäfte haben durch eine ausgedehnte Reklame in der Grenzwarte ihren Umsatz erhöht und ihren Kundenkreis vergrößert, während Ihre Ware unverkauft gebl eben ist. Holen Sie das Versäumte unvekzüglich nach: Inserieren Sie in der Grenzwarte! Schlächtgewurze in feinster Qualität. Medizinische Kräuler und Tees Drogerie Maaß Wesemennstraße 17 Mißfarbene Zähne entstellen das schönste Antlitz. Übler Mundgeruch wirkt abstoßend. 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Das Wetter wird in diesem Jahre bestimmt nicht mehr besser, na. und die Menschen!— Nein, nein diavon ist gernicht die Rede. ich meine, die Zeiten werden besser. wir bekommen nach und nach die guten, elten Verbältnisse wieder, denn die Rückkehr zur Qualitätsware zeigt deutlich das Streben nach einem soliden Untergrunde. Schon vor dem Kriege habe ich aur Wäsche nur Luhns-Rotband-Seifen benutst und jetzt lese ich, dab Luhns Gratis-Preis-Verteilung die demals schon so beliebt war, wieder eingeführt ist. Seben Sie nur, hier hängt auch ein Plekst davon, und es lohnt sich, dasselbe einmal genau durchzulesen. Auf jeder Packung aller Luhns-Rofband. Seiten, die an Güte und Ausgiebigkeit nicht übertroften werden können, befindet sich eine Rabatt-Spar-Marke, die sorgiältig ausgeschnllten und gesammelt werden anb. 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