Nus. 80. 83 * (Wattenscheider Anzeiger.) SricheintOlenhags Leonerstagt Samstagt u. kostet vierteljährlich inel. Botenlohn 2 Mark pränumerando. don Bothcht sod Mlart. Ein deutscher Gedenktag. Am 10. März sind hundert Jahre verflossen, seit Königin Louise, die Mutter unseres großen Kaisers, geboren ward. Dieser Tag sollte nirgends im deutschen Lande unbeachtet vorübergehen. Der Name der Königin Louise ist so innig mit der großen Unglückszeit Deutschlands, aber auch mit den tiefsten Gedanken des deutschen Volkes für die nationale Ehre verknüpft, daß er fast eine mythische Bedeutung gewonnen hat. Seit zwei Menschenaltern lebt die Königin in allen Herzen als Verkörperung schöner und edler Weiblichkeit, aber auch als Märtyrin, deren Herz durch den Schmerz über die Leiden des Vaterlandes brach. Ihr Tod wurde bereits als öffentliches Unglück empfunden, und er war es zugleich, der in der Zeit der tiefsten Erniedrigung den Haß gegen die Fremdherrschaft schärfte und den Gedanken des Wiederstandes und der Erhebung neu belebte. Wir, die Kinder der Gegenwart, haben aus den Erinnerungen jener Zeit aus dem Gefühl für die erlittene Schmach des deutschen Volkes, das ein Erbe war, das wir von den Vätern empfingen, die Kraft zu den Thaten der Gegenwart geschöpft. Wir haben aus jenen Erinnerungen unser nationales Selbstgefühl groß gezogen, aber in ihnen auch den sittlichen Halt gefunden, der uns vor einer Ueberhebung bewahrte, wie sie früher oftmals uns und jüngst dem ruhmsüchtigen Nachbarvolke so theuer zu stehen kam. Wir haben jetzt durch das Geschick und die einmüthige Erhebung und Thatkraft der ganzen deutschen Nation die glänzende Vergeltung für jene schmachvolle Erniedrigung empfangen. Aber auf dieser Höhe dürsen wir am wenigsten jener Leiden vergessen, die einst einer edlen Frau das Herz brachen. Ueberall in Deutschland, ganz besonders aber in Preußen sollte der Gedenktag der Königin Louse als ein nationaler Festtag begangen werden, um auch der Jetztzeit es zuzurusen, daß ein Volk nur dann würdig ist auch aus deser Schmach sich selbst wieder zu erheben, wenn es so tief für nationale Ehre empfindet wie jene edle Frau. (Königin Louise ist geboren am 10. März 1776, Tochter des Herzogs Karl II. von MecklenburgStrelitz, vermählt am 24. Dec. 1793 mit dem nachmaligen Könige Friedr. Wilh. III., Mutter Königs Friedr. Wilh. IV. und unsers Kaisers; gestorben 19. Juli 1810 zu Hohen=Zieritz bei Strelitz.) Politische Rundschau. Die Prinzessin Charlotte, die älteste Tochter des Kronprinzen, welche an einer Art anhaltenden Fiebers leidet, für dessen Heilung die Aerzte den Aufenthalt an der See empfohlen haben, wird am 9. nach St. Leonards on ihe Sea bei Hastings in England sich begeben. Fürst Bismarck soll wieder etwas unpäßlich sein. Er scheint sich auf dem jüngsten Spazierritte im Thiergarten eine leichte Erkältung zugezogen zu haben, die jedoch keineswegs ernsterer Natur ist. Der Fürst, der zahlreiche Besuche empfängt, widmet sich mit großem Eifer der Erledigung der Staatsgeschäfte. Im Frühjahr beabsichtigt der Fürst einen Ausflug nach seinen lauenburgischen Besitzungen, wo er vielleicht auch seinen Geburtstag in stiller Zurückgezogenheit begehen wird. Am Sonntag trat das Staatsministerium unter dem Vorsitz des Fürsten Bismarck zusammen. Hierbei handelte es sich, wie die„N. A. Z.“ hört, u. A. auch um die Beschlußnahme über den Entwurf der neuen Städteordnung und ist die Vorlage in der aus commissarischen Berathungen hervorgegangenen Fassung angenommen worden. Dieselbe soll unverweilt der Allerhöchsten Sauction unterbreitet werden. Der Bundesrath hat in seiner Sitzung vom 22. v. M. beschlossen, sich mit der einheitlichen Regelung des Verkehrs mit Sprengmitteln einverstanden zu erklären und die Bundesregierungen zu ersuchen, mit thunlichster Beschleunigung über die zu treffenden Bestimmungen gegen das Reichskanzler=Amt sich zu äußern. Inserate werden die Petitzeile oder deren Raum mit 15 Rpfg., Anzeigen unter 4 Zeilen mit 50 Rpfg. berechnet. Fetlamen 11 Unig, prn Lele. Die Justizcommission hat abweichend von dem vorgelegten Entwurfe eines Gerichtsverfassungsgesetzes, beschlossen, neben den Schwurgerichten und den Kleinen Schöffengerichten als Gerichte mittlerer Ordnung an Stelle der Strafkammern bei den Landgerichten Große Schöffengerichte einzuführen. Dieselden sollen mit zwei Richtern deren einer den Vorsitz führt, und mit drei Schöfsen besetzt werden. Der Justiz=Minister hat die Appellationsgerichte um ihre Meinung in dieser Frage aufgesordert. Von den 27 Appellationsgerichten haben sich 24 gegen die Große=Schöffengerichte erklärt, so daß dieselben wohl fallen gelassen werden. Miuig, Das neue Unterrichtsgesetz, weiches Minister Falk für die nächste Session ankündigte, soll, nach den Vorschlägen des Referenten im Ministerium, darauf Bedacht nehmen, den Bildungsgang in Gymnasien und Realschulen bis Tertia(ercl.) vollständig congruent zu gestalten. Für die Gymnasien würde dann der griechische Unterricht nicht mehr wie jetzt in Quarta, sondern erst in Tertia beginnen. Professor Dove in Berlin unser berühmter Metereologe und Physiker, hat am 4. März sein 50jähriges Doktorjubiläum gefeiert. Wie von Berlin gemeldet wird, will die Regierung jetzt gegen Bischof Martin bei der holländischen Regierung vorgehn und dessen Ausweisung beantragen, weil derselbe die Verwaltung der Diöcese fortzuführen sucht. Neuerdings hat derselbe nämlich den staatsfreundlichen Pfarrer Schaffeld in Hohengandern(Heiligenstadt) susund exkommunizirt, wovon Letzterer dem Staatsanwalt Anzeige machte. Der kgl. Gerichtshof für die kirchlichen Angelegenheiten ist am Mittwoch, den 8. d. M. zusammengetreten, um über die Absetzung des Bischofs Brinkmann von Münster zu verhandeln. Es wurde auf Absetzung erkannt. In der bayerischen Kammer kam am 7. in Folge einer Aeußerung des Abgg. Freitag am 3., daß der Minister dem Bischof Unrecht gethan habe, sie Lot=Srmestactiche Angstagertet chernds Treue Liebe von Arthur Müller. (Fortsetzung.) „He, Schulze, das wär Dir wohl gar nicht ungeschickt, wenn Deine Marie doch noch auf den Grareuhof käme?" warf einer der Bauern spöt„Hei, wie das im Herzen des Schulzen angenehm klang. gp.. J.6 42 9us „Schön genug ist die Marie,“ rief ein Zweiter,“„und der Frohnhofer hat auch noch was einzubrocken. 44 4.#. „Oho!“ rief der geschmeichelte Bauer,„meine Marie ist nicht zu schlecht dazu. Die bekommt mehr mit, als manche Barons=Tochter.“ „Der wäre Dir doch wohl noch lieber als der Grarenhofer Fritz,“ lachten Einige. „Das will ich meinen,“ rief eine hohe Stimme, „ich glaube, der wäre ihm noch lieber als der Steff.“ Ein lautes, höhnisches Lachen belohnte den Srecher I „Der Steff wird auch bald wiederkommen,“ rief der Erste wieder,„und dann ist's Zeit, Du die Marie auf den Grarenhof bringst, „Dummes Zeug,“ sagte drgerlich der Schulze, der durch die Erinnerung an Steff aus seinen schönen Träumen gerissen wurde. „Dummes Zeug! Derjenige, der die Marie heimführen will, muß Batzen haben. Der Steff ist ein ganz guter Kerl, aber die Marie— ja, das würde dem gefallen.“ Die Bauern setzten ihr Gespräch noch einige Zeit fort, die Einen neidisch über den reichen Schulzen, die Anderen ärgerlich über dessen Hochmuth. Joseph war nach dem Gespräche mit seinem Vater voller Unmuth auf sein Zimmer gegangen. Mit einem Schlage war die schöne, uneigennützige Hoffnung, die er auf das Glück seines Freundes und auf das der Schwester gehegt hatte, zerrissen. Den Kopf in die Hände gestützt, saß er nachdenkend am Fenster ohne zu merken, daß Marie eintrat.— bie Sühm „Was hast Du, Joseph?“ fragte die Schwester, indem sie ihre Hand auf die Schulter des Bruders legteg 6.6 „Ich? Ich habe nichts,“ antwortete Joseph verwirrt. Er konnte dem armen Mädchen doch nicht sagen, was er gehört. „Joseph, sprich, Du hast etwas, was Du mir verbergen willst; was ist vorgefallen?" „Was soll denn vorgefallen sein?“ „Um Gotteswillen, hast Du schlimme Nachrichten von Steff?“ fragte Marie ängstlich. „Nein, Marie, ich weiß von Sieff nichts Schlimmes, Uebrigens wollte ich, er—“ „Joseph, ich beschwöre Dich, sage mir, was Du hast. Ungewißheit ist schlimmer, als die traurigste Gewißheit.“ Was nutzte alles Sträuben, er mußte dem Drängen der Schwester nachgeben und so erzählte er sein Gespräch mit dem Vater. Das arme Mädchen lehnte still weinend den Kopf an des Bruders Brust. „Es war mir immer so bange; ich konnte nie recht von Herzen Deine Hoffnungen theilen. Und doch, wie glücklich war ich, wenn Du von der Zukunft sprachst, wenn ich an seine Rückkehr dachte. Doch jetzt ist alle Hoffnung wieder vernichtet.“ „Marie, Du darfst den Muth nicht verlieren. Denke doch nur, wie viel hoffnungsloser Deine Lage damals war, als der Fritz noch lebte. Und nun höre mir zu.“ fuhr Joseph fort, indem er das blonde Köpfchen der Schwester sanst hob, „wenn der Vater darauf besteht, Dich dem Steff nicht zu geben, so ist es nur, weil der wackere Junge arm ist. Im schlimmsten Falle habe ich nun ein Mittel, das ich mit Freuden anwenden werde, ehe ich Dich unglücklich sehe." Das Auge des Bruders glühte in edlem Feuer; seine Gestalt hob sichenergisch. Die Schwester blickte fragend in das entschlossene Gesicht des Bruders. „Joseph, ich verstehe Dich nicht,“ hub sie zur Sprache. Kultusminister Lutz rekapitulirte die ganze Angelegenheit und führte aus, daß der bischöfliche Erlaß vielleicht nicht den Worten, wohl aber dem Sinn nach so erlassen und mit Bezug auf die Landtagswahlen ergangen sei, wie er es früher behauptet habe. Kein Geistlicher konnte darüber im Unklaren sein. Der Minister fügte hinzu, der Erzbischof von Bamberg habe ihm nicht die erste Nachricht von dem Erlaß gebracht. Jörg erklärte, seine Partei könne sich bei der Aeußerung des Ministers nicht beruhigen, sie werde bei der ersten nach der Geschäftsordnung erlaubten Gelegenheit eine vollwichtige Erklärung dieserhalb abgeben. Die Anschuldigung gegen Senestrey qualificire sich als Verleumdung.(Große Aufregung.) Ein pariser Telegramm vom 8. März meldet: Mitglieder des Senats und der Deputirtenkammer hielten gestern Versammlungen ab. Eine Versammlung der äußersten Linken beschloß, nach der Rede Gambettas die Linke zu gemeinsamer Berathung einzuladen, um ihre Ansicht über die Lage des Ministeriums auszudrücken. Der größte Theil der Deputirten und Senatoren der Linken nahm die Einladung an. Eine neue Versammlung beschloß, nur ein gleichartiges Kabinet zu unterstützen, welches das Land in republikanischem Sinne verwalte. Don Karlos ist bei seiner Landung in England in Folkestone und bei seiner Ankunft im Bahnhof zu London von der Volksmenge mit Zischen und Heulen begrüßt worden. In seiner Abschiedsproklamation an seine„getreuen Spanier“ erklärt der Mordbrenner, für jetzt mit Rücksicht auf die ungünstigen Verhältnisse auf die Fortsetzung des Kampfes verzichten zu wollen. Eine Reue über das viele unnütz vergossene Blut legte er nirgends an den Tag. Zum Ausgange des unseligen Bürgerkrieges in Spanien schreibt die„Times:“„Viel mag zur Vertheidigung der irregeleiteten Bauernschaft, die ihr Blut wie Wasser für die Dynastie des Don Karlos vergossen, gesagt werden, aber er selber hat nur ein Anrecht auf emphatische Verdammung geerntet. Er hat einen langen und verheerenden Krieg für die selbstsüchtigsten Zwecke, die je in die Phrasen: Legitimität und Religion gekleidet wurden, geführt. Er hat nicht die mindeste politische Fähigkeit entfaltet, und die Thorheit seiner Proklamationen stellte sich nur seiner persönlichen Arroganz gleich. Aus Amerika sind wieder 2 Unglücksfälle zu verzeichnen: Am 6. wurde das Asyl für alte Leute in Brooklyn von einer Feuersbrunst verzehrt. Es werden gegen 30 Bewohner desselben vermißt, 20 wurden als Leichen aus den Trümmern gezogen.— Bei Hapersferry brach eine Eisenbahnbrücke, während ein Zug über dieselbe hinwegfuhr, zusammen; es haben dabei 11 Personen das Leben eingebüßt, 6 andere wurden schwer verwundet. Lokal= und Provinzial=Chronik. * Wattenscheid, 8. März. Der Allerböchste Geburtstag unseres Kaisers verspricht in, diesem Jahre recht glänzend gefeiert zu werden. Die officielle Feier, welche von unserem Amts= und Stadtvorstande in Anregung gebracht ist, wird aus einem solenen Mittagsmahl, dem Abends Concert und Ball folgen soll, bestehen. Dann wird von, unserer höheren Stadtschule in der Aula des neuen Schulhauses, um 11 Uhr Vormittags beginnend, ein feierlicher Schul= und Redeakt veranstaltet werden. Die Festrede wird, wie wir hören, Herr Dr. Leimbach halten.— Ferner beabsichtigen sämmtliche Kriegervereine in Stadt und Land den Tag in festlicher Weise zu begehen. Der hiesige Krieger und LandwehrVerein hält, wie verlautet, Nachmittags einen Festzug und Abends in seinem Vereinslokale(Johan= neshalle Concert und Ball. In ähnlicher Weise werden die Vereine in Königsteele, Freisenbruch, Höntrop, Westenfeld und Ueckendorf, Kaisers Geburtstag feiern. * Für unsere Krieger aus dem jüngsten Franzosenkriege ist folgende Notiz von Interesse: Mit dem 20. Mai c. läuft die 5jährige Frist zur Geltendmachung von Pensions=Ansprüchen aus dem Kriege von 1870—71 ab, weshalb die Pensionirung derjenigen Personen, welche in jenem Kriege eine Dienstbeschädigung erlitten haben, bis zu dem genannten Tage erfolgt oder zum Mindesten ein event. Anspruch zum Uebertritt in eine für Garnisondienstfähige zugängliche Stellung mit dem Antrage auf Pensionirung geltend gemacht sein muß. * Die ersten Mannschaften der Landwehr, welche mit dem Mausergewehr ausgebildet werden sollen, werden Ende Mai einberufen. * Auch während des laufenden Jahres soll wiederum ein Turnkursus für die im Amte stehenden Volksschullehrer in jeder Provinz abgehalten werden. Für denselben gelten auch wieder die seiner Zeit bekannt gewordenen vorjährigen Bestimmungen; insbesondere soll beachtet werden, daß jüngere, in den letzten 8 bis 10 Jahren aus einem Seminar entlassene Lehrer nur ausnahmsweise zuzulassen sind. * Wattenscheid, 9. März. Am nächsten Sonntag(12.) wird, wie wir in Erfahrung bringen, der hiesige Instrumental Musik=Verein seit seiner im vorigen Herbst erfolgten Rekonstituirung sein erstes Concert geben. Dasselbe wird wie in den früheren Jahren im Dieckmannschen Saale stattfinden und punkt 7 Uhr Abends seinen Anfang nehmen. Soviel unserm kunstliebenden Publikum vorläufig zur Nachricht. * Das Regenwetter, worunter wir nun schon seit Wochen zu leiden haben, will noch immer kein Ende nehmen. Seit gestern haben sich die aschgrauen Wolken mit ihren„bindfadenförmigen“ Ergüssen fast in Permanenz erklärt. Erklärlicher Weise beginnt das Wetter für Jeder= mann höchst ungemüthlich zu werden, zumal dem Vernehmen nach beinahe alle Keller mit Wasser angefüllt sind. Drückender ist aber noch wohl der Gedanke, daß auch die durch die traurigen Ueberschwemmungen heimgesuchten Gegenden, wiederum großer Gefahr und Wassersnoth ausgesetzt sein könnten. Es gibt eine Classe von Leuten, die mag die Zeit noch so schlecht sein, im Stande sind, den Arbeitern den letzten Pfennig aus der Tasche zu locken. Diese Leute sind die Bücher=Colporteure, die sich mit ihren Schriften, meistentheils des blödsinnigsten Inhaltes, in den Arbeiterfamilien unserer Gegend eingenistet haben und dieselben oft unter Aupreisung„werthvoller Prämien“, in einer Art ausbeuten, daß es Sache der Presse ist, dieses Treiben einmal öffentlich zu besprechen. — Die Schriften, die zur„Geistesstärkung" dem Publikum von den Colporteuren verkauft werden, müssen selbstredend höchst spannend sein, damit der Abonneut nicht schon bei der zweiten oder dritten Lieferung abspringt, sondern jedesmal in einem fieberhaften Zustande der Ankunft des Colporteurs mit der Fortsetzung der schönen Geschichte entgegensieht. Solche Schriften— unter dem Namen„Sensations=Roman“ bekannt— handeln daher fast ohne Ausnahme von Mord, Todtschlag und Unzucht, unterminiren nicht allein das moralische Gefühl der erwachsenen Personen, sondern legen bei Kindern— und von diesen werden ja die Schriften auch mitgelesen— die Grundlage für künftige unsittliche Ausschweifungen und Verbrechen.— Was nun den Kostenpunkt dieser Sensationsromane anbelangt, so wird für dieselben ein Preis bezahlt, der oft das Zehnfache des wirklichen Werthes dieser Schriften übersteigt. Man denke sich, daß der Erlös von so und soviel Nummern von vorn herein den Colporteuren als Provision zuerkannt wird, ehe die Verlagsbuchhandlung auch nur einen Pfennig erhält. Berücksichtigen wir, welches Risico die Verlagsbuchhandlung beständig trägt, indem sie den oft recht unsicheren Colporteuren eine große Partie Schriften ohne jede Garantie aushändigt, und daß das Publikum es wieder ist, welches die Verlagsbuchhandlungen durch höher zu bezahlende Preise für das Risico schadlos halten muß, so bedarf es wohl keines weiteren Wortes, um das Publikum zu überzeugen, in welcher schnöden Weise es von den Colporteuren ausgebeutet wird. Daß der Stand eines Colpo#teurs ein oft sehr einträglicher ist, geht schon daraus hervor, daß eine so große Anzahl von Personen sich demselben widmet. Wem die Moral seiner Familie und die ehrenhafte Zukunft derselben am Herzen liegt, bewahre daher sein Haus vor den Sensations= schriften der Colporteure. Eine geistige Stärkung wird dem lesenden Publikum viel billiger durch geachtete Zeitschriften und Zeitungen mit erheiterndem Feuilleton geboten, als durch den Auswurf der deutschen Literatur, den„Sensations= Romanen.“ Im Monat März finden zwei Finsternisse was zaghaft an. Du willst mir nur Hoffnung machen. Denn was kannst Du thun, wenn der Vater nicht will. Ich kann nicht glücklich werden, wenn er uns nicht seinen Segen, seine Einwilligung gibt. Gegen seinen Willen kann und darf ich Staff nicht heirathen. „Das Weib soll Vater und Mutter verlassen und dem Manne folgen, sagte Joseph. „O Joseph!“ rief das gequälte Mädchen,„wäre ich seine Frau, dann wollte ich mit Freuden das Schweiste ertragen, aber so kann ich ja nichts thun, als dulden.“ „Sei ruhig, Marie, ich wollte Dich wahrlich nicht zum Widerstand reizen. Mein Plan ist ganz friedlich; urtheile selbst. Du weißt, ich habe meine Studien vollendet und wenn ich auch noch nicht in einer festen Existenz bin, so steht sie mir doch in Aussicht. Wir sind reich; die Hälfte dessen, was mir zukommt, wird hinreichen, bis ich mir eine sichere Lebensstellung erworben habe. Die andere Hälfte gebe ich— Steff und erreiche dadurch zwei Dinge; erstens handle ich, wie es meine Pflicht ist, gegen meinen Lebensretter dankbar, und zweitens,“— hier bog sich der wackere Mensch herab und drückte einen Kuß auf die Stirne der Schwester—„mache ich mein Schwesterchen glücklich.— Guten Abend, Marie, ich gehe noch in's Dorf.“ Mit diesen Worten wollte er sich rasch dem Danke der Schwester entziehen. Doch mit strahlenden Augen, ob mehr von der neuen Hoffnung belebt, oder vielleicht eher noch von der Liebe des Bruders entzückt, schlang Marie ihre Arme um seinen Hals und rief: „O. Du bist so gut, so edel, wie kann ich Dir das je vergelten?“ „Geh doch,“ wehrte Joseph ganz verlegen die Schwester,„wie Du nur daraus so viel machen kannst.“ Er wollte seiner Rührung Herr bleiben, aber sie war zu mächtig. Herzlich drückte er beide Hände der Schwester in die seinigen und sagte mit bewegter Stimme: „Als ich damals am Abende vor meiner Verwundung die Nachricht von Deiner Krankheit bekam und zugleich erfuhr, daß Du frei seiest, da ward es mir so weh, so traurig und doch auch wieder so hoffnungsvoll im Herzen, wie noch nie zuvor. Damals gelobte ich bei mir, wenn Gott uns Drei wieder zusammenführen sollte, dann würde ich Alles thun, um Dich und den Steff glücklich zu machen. Was ich damals gelobte, muß ich heute noch viel höher halten, darum Muth, Hoffnung und Vertrauen, Marie.“ Es war ein liebliches Bild, die Geschwister Hand in Hand in der eben hereinbrechenden Dämmerung. Der Bruder mit Liebe auf die Schwester herabschauend, Marie mit thränenfeuchten Augen und doch so glücklich. Einige Strahlen der untergehenden Sonne hatten sich verstohlen in das kleine Gemach geschlichen, umspielten das schöne, blonde Haar des Mädchens und schienen mit Verständniß den Edelmuth des Bruders zu würdigen und sich der Liebe der Geschwister zu freuen.— Wie der rankende Ephen mit seinen schlanken Armen schutzsuchend die kräftige Eiche umfaßt, wie die Aehre sich hinneigt zur Achre, wenn sanfter Windhauch sie gleich Wellen des Meeres schaukelt, so zieht eine freundliche Gewalt Geschwister zärtlich, als ob's ein Zauber wäre, zu einander. Ein Bruder und eine Schwester, Nichts Treueres kennt die Welt. Kein Goldkettlein hält fester, Als eins am andern hält. Zwei Liebsten so oft sich scheiden; Denn Minne, die ist voll Wank; Geschwister in Lust und Leiden Sich halten ihr Leben lang. So treu, als wie beisammen Der Mond und die Erde gehn, So nah, wie der Sterne Flammen, All“ Nacht bei einander stehn. Die Engel im Himmel sich's zeigen Frehlockend von Herzensgrund, Wenn Bruder und Schwester sich neigen Und küssen sich auf den Mund. (Fortsetzung folgt.) statt. Eine Mondfinsterniß am Freitag den 10. März um halb 7 Uhr Morgens; und einen halben Mondmonat später, am 25. März eine Sonnenfinsterniß in der Abendstunde. Mit der Sichtbarkeit dieser Himmelserscheinungen sind wir indessen in unserer Weltgegend nicht günstig gestellt. Die Geburtsurkunde hat die Bestimmung, nicht allein die Geburt eines Kindes von dem bezeichneten Geschlecht und die Zeit der Geburt, sondern auch die Beziehungen desselben zu einer bestimmten Familie zu beurkunden. Eine vorsätzliche falsche Angabe in Beziehung auf die Mutter oder den Vater des Kindes ist demnach als ein Verbrechen in Beziehung auf den Personenstand(§. 169 des St. G. B.) und als intellektuelle Urkundenfälschung(§. 271) zu bestrafen. Erkenntniß des Obertribunals vom 11. Februar d. J. Auf der Bahn Welver=Dortmund der Westfäl. Eisenbahn wird der Betrieb am 1. Axril 1876 für die Güterzüge und am 1. Juni 1876 für die Personenzüge eröffnet werden. Die Ziehung der 3. Klasse 153. Königlich Preußischer Klassen Lotterie wird am 14. März d. J. Morgens 8 Uhr, im Ziehungssaale des Lotteriegebäudes ihren Anfang nehmen. Hattingen, 6. März. Vor stark acht Tagen machte das plötzliche Verschwinden des Chemikers R. auf der benachbarten„Henrichshütte“ viel von sich reden. Gestern Abend nun berührte die Köln. Z. in ihrem Civilstand den Namen des Unglücklichen, der dort ein tragisches Ende gesunden haben soll, mit den dürren Worten: Georg Eping, unverh. Chemiker, 27 J. alt, wohnhaft zu Bolluern, gest. Domhof 5—9. Witten, 6. März. Heute Vormittag 10 Uhr fand in dem für die altkatholische Schule gemietheten Saale des am Mark gelegenen Hauses des Herrn Metzgers Schluck, die Eröffnungsfeierlichkeit der altkatholischen Schule statt. Als Leiter derselben ist Herr Lehrer Kamitz berufen worden. Dortmund, 1. März. Gestern am 29. Febr. feierte der Braumeister der Meininghaus'schen Brauerei seinen Geburtstag. Aus Anlaß dieser Feier, welche bekanntlich den an diesem Tage Geborenen nur alle vier Jahre wiederkehrt, wurde gleich für vier Mal gejubelt. Schon wieder mal wurde ein Dortmunder Kaufmann von einem feingekleideten Herrn geleimt. Der Unbekannte wünschte 100 Mark Gold in Papier umgesetzt. Der Kaufmann war so coulant und tactvoll, beim Aufzählen der Goldstücke seitens des Gentlemann die Echtheit derselben nicht weiter zu prüfen. Nachher fand sich's, daß sich wohl aus Versehen zwei plebejische Zweipfennigstücke, die eine gefährliche Aebnlichkeit mit den Zehnmarkstücken haben, eingeschmuggelt hatten. Ein Akt von Grausamkeit und Rohheit, der in der That an das Unerbörte streift, hat sich kürzlich in dem Dorfe O. bei Werne zugetragen. Die Frau eines dortigen ziemlich begüterten Bauern befand sich schon seit langerer Zeit in gesegneten Umständen, ohne daß man von einer Niederkunft gehört hätte. Plötzlich verschwanden alle Anzeichen und schon fing man an, von einer Beiseitschaffung zu munkeln. Doch fehlte den Gerüchten bis dahin alles Thatsächliche, bis in der vorigen Woche der Hund des Nachbarn in dem Garten desselben zwei Kinde leichen hervorscharrte, die sich bei näherer Untersuchung als die Kinder des Rabenpaares ergaben. Die ärnliche Obduktion stellte fest, daß einer der Zwillinge allerdings todt, der andere aber lebend geboren sei, und so liegt denn der unerhörte Fall vor, daß dieser mit seinem todten Bruder lebendig begraben wurde. Die Thäter, in denen jedes Gefühl von Elternliebe und Menschlichkeit erstorben zu sein scheint, sind bereits festgenommen und werden hoffentlich der verdienten Strafe nin entgehen. Steele, 7. März. Gutem Vernehmen des„Ruhrboten“ nach ist der am vorigen Sonntag so geheimnißvoll von Neuschottland verschwundene Arbeiter gestern als Leiche bei Mülbeim a. d. Ruhr gelandet. Barmen, 2. März. Einen Rettungsapparat gegen die Ueberfluthung von Geschäf sreisenden hat der Inhaber eines hiesigen Ladengeschäfts erfunden. Derselbe besteht aus einem Wachstuchpaket, auf dem ein Cilinder liegt. Beides liegt anständig auf einem Stuhle im Laden. Kommt nun einer der reisenden Jünger Mercurs und fragt nach dem Herrn Principal, so wird ihm mit lebhaften Bedauern mitgetheilt, daß der Herr Principal schon von einem andern Reisenden in Beschlag genommen und jetzt nicht zu sprechen sei, und ter Commis voyageur entfernt sich unter stillen Verwünschungen seines glücklichen Nebenbuhlers. Bei den schlechten Geschäften wird eben auf Mittel gesonnen; sich des Uebermaßes von Offerten zu erwehren. Elberfeld 6. März. Ein hochbetagter Pflegling des auf der Ludwigstraße gelegenen lutherischen Armenhauses stürzte sich gestern Abend in einem Anfall von Irrsinn aus einem Fenster des 3. Stockwerkes heraus. Der schleunigst herbeigerufene Arzt konnte leider nur den Tod des Unglücklichen constaltren. Vermischtes. Labiau(Ostpr.) 3. März. Der K. H. Z. wird geschrieben: Ein abscheuliches Verbrechen ist gestern ans Tageslicht gekommen. Vor einer Reihe von Jahren starb in dem zum hiesigen Kreise gehörigen Dorfe Sergitten der Besitzer K. und hinterließ zwei Söhne. Der Die Vorschriften über das Polizei=Melde=Wesen: 1. Wer zum Zwecke des Umzuges seinen bisherigen Wohn= oder Aufenthalts=Ort, zu welchem derselbe gehört, verlassen will, verpflichtet ist, vor seinem Abzuge unter Vorlegung seiner Staats= und Communal-Steuer Zetiel sich persönlich oder schriftlich abzumelden und anzugeben, wohin er zu verziehen beabsichtigt. 2. Wer an einem Orte innerhalb des Regierungs=Bezirkes seinen Aufenthalt nehmen will, sich innerhalb drei Tagen nach dem Anzuge unter Vorlegung der ihm an seinem frühern Wohnorte ertheilten Abmeldebescheinigung(Abzugs=Attest) persönlich oder schriftlich anzumelden und auf Erfordern über seine Angehörigen, sowie über seine persönlichen namentlich über Steuer= und Militär=Verhältnisse Auskunst zu geben hat. 3. Wer seine Wohnung innerhalb desselben Polizei= oder Gemeinde=Bezirkes wechselt, verpflichtet ist, darüber binnen drei Tagen persönlich oder schriftlich Anzeige zu machen. 4. Zu den in den§§ 1—3 vorgeschriebenen Meldungen auch diejenigen, welche die betreffnden Personen als Miether, Dienstboten oder in sonstiger Weise aufgenommen haben, innerhalb sechs Tagen nach dem Ab=, An= oder Umzuge verpflichtet sind, und sich dieselben durch Unterlassung dieser Pflicht strafbar machen, sofern sie nicht nachweisen können, daß sie sich durch Einsicht der bezüglichen polizeilichen Bescheinigungen von der bereits erfolgten Meldung überzeugt haben, und 5. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften mit Geldstrafen bis zu 30 M, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Freiheitsstrafe trifft, bestraft werden, werden hiermit zur pünktlichen Beachtung wiederholt in Erinnerung gebracht. Ueckendorf, den 2. März 1876. Der Gemeinde=Vorsteher I. V. Sonst 9 Mark— 1½ Mark. Gegen Franko=Einsendung von nur 1 J4 70§ liefern wir umgehend franko— soweit der Auflage=Restreicht— die bei uns soeben Novellen a. Erzahlungen von E. v. Waldow, (Verfasser v.„Die schwarze Kätbe“,„Das Sündenerbe,"„Teuselsburg“,„Hildegard“ 2c. enthaltend:„Eine romantische Liebesgeschichte“,„Das Kreuz am Wege“ Ein Schte.,„Moderne Sirenen“,„Ohne Geleit“,„Bon voyage, die Geschichte einer Brautfahrt",„Falsche Ehre,“„Blaues Blut“,— 640 Seiten.— Von der Kritik werden die Waldow'schen Novellen und Erzählungen unter die besten belletristischen Erzeugisse der Neuzeit gereiht. Paul Oertel, Verlags=Buchhandlung, Königsee in Thür. jüngere derselben war etwas blöostun'g, und der Vater hatte das unglückliche Wesen dadurch beseiligt, daß er ihn in einen finstern unheizbaren Bretterverschlag einschloß, woselbst er, sast von jeder Kleidung entblößt, in kärglichster Weise unterhalten wurde. Nach dem Tode des unmenschlichen Vaters setzte der ältere Sohn, der nunmehr die ganze Hinterlassenschaft allein autreten wollte, die scheußliche Behandlung seines Bruders weiter fort, und hat es verstanden, gegen 20 Jahre dieses Verbrechen vor den Augen der Welt zu verbergen. Durch einen Zusall erhielt jedoch ein Hütejunge aus dem Dorse davon Kenntniß; er meldete es dem dortig n Amtsvorsteher, und dieser vermittelte hiernach die sofortige Befreiung des Unglücklichen und die Verhaftung des unmenschlichen Bruders. Der Anblick des bis zum Thiere veränderten armen Menschen, der fast ohne Kleidung in seinem eigenen Unrath hingekauert lag, mit verwildertem Haupt= und Barthaai, spottet jeder Beschreibung. Der frischen Luft vollstänoig entwöhnt, fiel er zuförderst in eine mehrstündige Ohnmacht und wußte sich überhaupt in seine Veränderung gar nicht zu finden. Auf mehrfache an die Redaction gerichtete Anfragen wegen Abonnement von illustrirten Zeitschriften, resp. zu welcher von denselben wohl am meisten zu rathen sei, bringt die Redaction hiermit zur allgemeinen Kenntniss, dass sich in diesom Jahre die in Leipzig erscheinende illustrirte Zeitschrift:„Dus neue Blatt“ wohl am besten hervorgethan hat und zwar sowohl durch treffliche Novellen, wie z. B.„Ohne Ziel“ von E. M. Vacano.„Ein edles Frauenherz“ etc. als auch durch Beiträge der verschiedensten Art, die alle offenen Fragen zu berühren suchen und somit wirklich auf wahre Volksbildung hinzielen. Dazu bietet das neue Blatt einen Bilderschmuck, anziehend in den Motiven und tadellos in der Ausführung, dass man von dem Abonnementspreis eine Mark und 50. Pfg. vierteljährlich wirklich nicht anders als im Sinne einer staunenswerthen Billigkeit reden kann. Ausserdem liefert das Blatt als Prämie ein prachtvolles Oeldruckbild„Eheglück“ betitelt, das als Prämie für 2 Mark 50 Pfg. zu haben ist, während es im Laden 24 Mark kostet, als zweite Prämie das berühmte Meyersche Hand-Lexicon für nur 6 Mark zu haben. Das neue Blatt erscheint im Verlage von A. H. Payne in Leipzig und ist für den Preis von eine Mark und 50 Pfg. pro Vierteljahr bei allen Buchhandlungen und Postanstalten zu abonniren. Abonnements auf die „Wattenscheider Zeitung" werden noch für den Monat März ange: nommen von der Post, unsern Boten und in der Expedition dieses Blattes. Bekanntmachung. Unter Hinweisung auf die Bestimmungen im§. 61 der Deutschen Wehr=Ordnung vom 28. September 1875 werden sämmtliche Militärpflichtige des Kreises Bochum, welche noch keine endgültige Entscheidung durch ie Ersatz=Behörden erhalten haben, hierdurch ausgefordert, sich zur Musterung vor der an den nachbezeichneten Tagen, jeden Tag von Morgens 8 Uhr an, versammelten Kreis=Ersatz=Commission pünktlich zu gestellen und zwar: aus der Stadt Gelsenkirchen und dem Amte Schalke am 27., 28. und 29. März er. im Locale des Wirths Jägee in Wattenscheid, aus, der Stadt und dem Amte Wattenscheid am 30. u. Locale, 31. Tarz, 1. und 3. April in demselben. aus dem ganzen Kreise zur Loosung am 6. Mai auf dem Schützenhofe zu Bochum. Es werden den Militärpflichtigen die Gestellungsordres zu diesen Terminen noch besonders insinuirt werden. Militärpflichtige, welche sich zur Musterung ohne genügende Entschulsigung, auch wenn ihnen eine besondere Vorladung nicht zugehen, sollte, nicht gestellen, oder beim Aufrufen ihres Namens im Musterungslokale nicht anwesend sind, werden auf Grund der bestehenden Vorschriften mit einer Geldbuße bis zu 30 Mark oder im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft. Diejenigen Militärpflichtigen, welche die Zurückstellung oder andere Begünstigungen rücksichtlich ihrer Militär=Verhältnisse beantragen wollen, haben sich Behufs der Aufnahme einer vorschriftsmäßigen Reclamation ungesäumt an den ihnen vorgesetzten Herrn Bürgermeister oder Amtmann zu wenden, da die Reclamations=Anträge, welche der Kreis=Ersatz Commission zur Prüfung und Begutachtung nicht vorgelegen haben, von der Ober=Ersatz=Commission in der Regel nicht in Erwägung gezogen, sondern zurückgewiesen werden, sofern die Veranlassung zur Reclamation nicht etwa nach beendigtem Kreis=Ersatz=Geschäst entstanden ist. die Anordnung getroffen, daß die Reclamationen nicht an jedem Tage, sondern am letzten der für jeden Bürgermeisterei= und Amtsbezirk angesetzten Tage geprüft und begutachtet werden sollen. Demnach werden sämmtliche Reclamationen g0 g Stadt Gelsenkirchen und dem Amie Schalte am aus der Stadt und dem Amte Wattenscheid am 3. April, nach beendigter Musterung geprüft und begutachtet und müssen die Reclaanmesend seiigen an diesen Tagen im Musterungs=Locale Bochum, 16. Febr. 1876.. Der Landrath von Bockum Dolffs. Der Neubau einer 2klassigen Schule nebst zwei Lehrerwohnungen in der Nähe der Beamtenwohnhäuser der Zeche Holland, südlich der Rheinischen Eisenbahn, soll im Wege der Submission vergeben werden. Die Ausführung soll derart erfolgen, daß dieselbe eine etwaige spätere Erweiterung oder Anbau zuläßt. Offerten mit Plau und KostenAnschlag werden bis zum 12. v. Mts. entgegengenommen. Reckendorf, 2. März 1975. Der Gemeinde=Vorstand §. V. Duisberg. Bekanntmachung. Der Bau eines Gemeindehauses, verbunden mit Arrestlokal u. Spritzenhaus, verauschlagt zu ca. 9000 M. soll am Sonnabend, 11. März, Nachmittags 4 Uhr, im Lokale des Herrn J. Bünner hierselbst öffentlich verdungen werden. Plan und Kosten=Auschlag liegen bis zum 10. d. Mts. auf dem Gemeinde-Büreau zur EinRedkendorf, 2.März 1876. Der Gemeinde=Vorstand §. B. Duisberg. Virl#dung! Zur Geburtstags=Feier unsers allverehrten Kaisers& Königs, der am 22. er. in sein 80tes Lebensjahr tritt, laden wir unsre Mitbürger aus Stadt und Land hiermit freundlichst ein. Die Form der Feier und das Festlocal wird in einer der nächsten Rummern bekannt gemacht werden. Wattenscheid, 3. März 1876. Cöls, Dieckmann, Amtmann. Vorsteher. Stadt=Verordneten=Sttung. Die nichte Stung hode un, D. Abends 8 uhr, im Conferenz=Zimmer der höhern Stadtschule statt. Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand der Gasanstalt. Reserent Herr Baumert. 2. Beschlußfassung über eine Vorlage der Königl. Regierung„die Neumessung der Gemeinde Wattenscheid" betr. Ausbesserung der Hüllerstraße betr. Revision der hiesigen Viehmärkte durch einen Thierarzt. Wattenscheid, 7. März 1876. Dieckmann. Geschafts=Crie Den geehrten Bewohnern von Wattenschiib und umgegend die ergebene Anzeige, daß ich am hiesigen Platze, Vödestraße 5¼, eine Holz-Verkauf Haus Dahlhausen. Samstag, 18 d. Mts., Vormittags 11 Uhr anfangend, will der Rittergutsbesitzer Herr Schragmüller in der zum Hause Dahlhausen gehörenden Holzung, Dahlhauser=Haide genannt, welche auf sehr bequemer Abfuhr gelegen ist, 122 gefällte Eichen, 40—60 Fuß lang, 7—18 Zoll stark, zu Bretter, Bau=, Geschirr=und Grubenholz geeignet, ferner auch 13 Haufen Fichten zu Leiterbäumen, Schleitern und Pfählen brauchbar, und 50 Haufen Brennholz in 125 Nummern auf Credit gegen Bürgschaft verkaufen lassen. Versammlung auf dem Hause Dahlhausen bei Bochum. Querenberg, 6. März 1876. Der Rentmeister: Buschmann. 3. 4. n Buchbinderer errichtet habe. Es werden in derselben alle vorkommenden Bücher=Einbände, sowie das Einrahmen von Bildern, Brautkränzen, Einfassen d du ebalen. Iiu Mähtsigrgen wich best=Ho chachuongzool Gustav Sülzer. Alle Sorten neuer Kurschung. sowie sämmtliche Reparaturen werden reell und in kurzer Zeit hergestellt. Wagenfabrik Grau, Alleestrasse 86, Bochum. Krieger-& Landwehr-Verein Rahznstags punir 2 unz.“ VERSAMMLUNG im Vereinslokal.(Johanneshalle.) Tages=Ordnung: 1. Zahlung der monatlichen und rückständigen Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Besprechung über Festangele4. Vorlage und Besprechung eines Statuts des Wittener KriegerVereins(Lebens=Versicherung Um sches Erscheinen bitet Der Vorstand. Strohhüte zum Waschen und Fagoniren besorgt die Modewaarenhandlung von Louise Brauer, Oststraße 10. Geschäftsanzeige und Empfehlung! ihrten Bewohnern von Wattenscheid und Umgebung zur gefl. Notiz, daß ich aus dem Geschäft des Herrn Kupferschlägers Wagner eng n ner meister halte ich mich in allen, in meinen Fache vorkommenden Arbeiten bestens empfohlen. Reperaturen werden schnell und billig besorgt. Buschmann. Ke 2%h Dienstag, 28. Marz er., 10 Uhr, werde ich im Auftrage der Vormundschaft Grüggel in dem zum Gute Grüggel in Sevinghausen gehörigen Holzungen an aufstehenden Hölzern: e. 870 St. Eichen von 5 bis 26 Zoll Durchmesser, zu Schiff=, Bau= und Grubenholz 2c. geeignet. 187 Stück Buchen, 25„ Kirschen, 11„ Eschen, 3„ Erlen, ferner eine Partie Durchforstungs=Holz an Ort und Stelle gegen Credit und Bürgschaft, theils in einzelnen Nummern, theils in Abtheilungen, zum öffentlichen Verkaufe aussetzen. Sammelplatz beim Gastwirth Kopp auf Stalleiken in Sevinghausen bei Wattenscheid. Das Holz steht in guter Abfuhr an der Nähe der Essen=Brüninghauser Chaussee. Gelsenkirchen, 3. März 1876. Georg Symann. Verpachrng. Mittwoch, den 15. Marz, Weststraße 6. Mädchen, welche das Kleidermachen grün. erlernen wollen, werden gesucht von Lonise Wrauer, Iitraße 10. Pr. 1. Mai cr. ist eine Wohnung der Zeche Centrum gegenüber gelegenem Hause von mir Wattenscheid. W. 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