Nro. 23. Dienstag, 22. Februar 1876. Jahrg. VIII. Erscheint Dienstags, Donnerstags, Samstags u. kostet vierteljährlich incl. Botenlohn 2 Mark pränumerando. Im Postdebit 1,50 Mark. Verantwortlicher Redakteur; Carl Busch in Wattenscheid. Hierzu die„Illustrirte Sonntagsbeilage.“ Inserate werden die Petitzeile oder deren Raum mit 15 Rpfg., Anzeigen unter 4 Zeilen mit 50 Rpfg. berechnet. Reklamen 40 Rpfg. pro Zeile. Politische Rundschau. Wie verlautet, hat nunmehr der Kaiser den prinzipiellen Entschluß des Staatsministeriums bezüglich des Ankaufs der preußischen Eisenbahnen durch das Reich gutgeheißen. In Abgeord. netenkreisen ist man dagegen entschlossen, bei Gelegenheit der Berathung des Eisenbahn=Etats die Frage des Uebergangs der Bahnen an das Reich vorerst unerörtert zu lassen. Die Kaiserin hat für das der westfälischen Dichterin Annette von Droste=Hülshoff zu errichtende Denkmal einen Beitrag von 100 Mark gespendet. Wie das Dresdener Journal meldet, ist dem Kronprinzen des Deutschen Reichs vom König von Sachsen das sächsische zweite Husaren=Regiment(bisheriges zweites Reiter=Regiment) verlieben worden. Präsident v. Benningsen hat verschiedenen Abgeordneten gegenüber erklärt, nach seiner Schätzung werde die Session frühestens kurz vor Pfingsten geschlossen werden können. Der„Kreuz=Ztg“ zufolge ist der Präsident des Herrenhauses Graf Otto zu Stolberg=Wernigerode zum deutschen Botschafter in Wien ernannt. Im Kriegsministerium ist man neuerdings vielfach mit Umänderungen in den sogenannten Armaturstücken beschäftigt. So liegt es auch im Plan, die Säbeltasche, welche bisher an der Säbelkoppel festgenäht war, in Zukunft so anzubringen, daß sie wie die Patrontaschen auf der Säa belkoppel verschiebbar ist. Probeweise sind einige derartige Koppeln angefertigt und berliner Garderegimentern zu Tragversuchen übergeben. Diese Versuche haben sich zu Gunsten der neuen Einrichtung entschieden. Nach einer von dem evangel. Oberkirchenrathe mitgetheilten Statistik beträgt die Zahl der auf den Deutschen Universitäten evangel. Theologie Studirenden im laufenden Winterhalbjahr 1565, im vergangenen Sommerhalbjahr 1637 und im vorjährigen Winterhalbjahr 1641. Die seit 14 Jahren wahrgenommene Abnahme der Theologie Studirenden dauert, wenn auch in geringerem Maße, fort. Auf einer gemeinschaftlichen Conferenz des Directoriums und des Ausschusses des deutschen Apotheker=Vereins kam man überein. die Anträge des Bundesraths zur Regelung des Apotheker= wesens als unzweckmäßig und dem allgemeinen Wohl nachtheilig zu bezeichnen. Man beschloß, geeigneten Orts Vorstellungen zu erheben. Der lauenburgische Landtag hat in einer sehr langen Sitzung den Gesetzentwurf wegen Einverleibung Lauenburgs in die preußische Monarchie und den die Vermögensverhältnisse ordnenden Vertrag genehmigt. Wie der Germania telegraphisch gemeldet, wurde Bischof v. Ketteler am 17. vor den Untersuchungsrichter geladen wegen Beleidigung des Oberpräsidenten v. Kühlwetter. Die Beleidigung soll in der bekannten Erklärung enthalten sein, welche der Bischof unlängst gegen v. Kühlwetter gerichtet. Der Fastenbrief des Bischofs Räß von Straßburg ist unterdrückt worden. Der Bischof hatte darin, seine bisherige versöhnliche Haltung ganz aufgebend, den Kulturkampf in der maßlosesten Weise besprochen, und sich insbesondere mit außerordentlicher Heftigkeit gegen die Landesregierung selbst wegen der gemischten Schulen gewendet. Nach Meldung der„Breslauer Zeitung" wählte die katholische Gemeinde Kuhnau(Kreis Kreutzburg) den staatsfreundlichen Kaplan Grünastei zum Pfarrer, die ultramontan gesinnten Mitglieder Gemeinde enthielten sich der Wahl. Aus Lemberg wird gemeldet, Cardinal Ledochowski sei von der Regierung aus Oesterreich ausgewiesen, habe jedoch kränkheitshalber nicht abreisen können. Ein Wiener Privattelegramm meldet der„National=Zeitung" ferner: Der Lemberger Narodowa zufolge habe Kardinal Ledochowski einen Befehl der österreichischen Regierung erhalten, der ihn aus den kaiserlichen Staaten ausweise; wegen augenblicklicher Erkrankung habe der Kardinal diesen Befehl noch nicht befolgen können. Was, die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, die österreichische Regierung zu dieser Maßregel bewegen könne, wird ohne weiteren Kommentar klar, wenn man die Beschreibung des Triumpheinzuges liest, den nach der„Germania“ der„Kardinal= Primas von Polen“ in der alten polnischen Krönungsstadt gehalten hat. Ein ungarischer Bischof, der Bischof Horwath von Charad, hat sich in einer kürzlich gehaltenen Rede für Einführung der obligatorischen Civilehe ausgesprochen. Von den österreichischen Ultramontanen wird er jetzt dafür sehr angefeindet und als der„ungarische Hohenlohe" bezeichnet. Zugleich wird auf sein Vorleben(er war in der Revolutionsepoche 1848—1849 ungarischer Cultusministei und wurde von der Reaktion in contumaciam zum Tode verurtheilt) hingewiesen. Von den Ungarn wird der Mann jedoch sehr hoch gehalten. Das Pariser„Journal officiel“ meldet die Tödtung eines französischen Capitäns durch die Karlisten auf französischem Gebiet. Der General Pourcel sandte eine Batterie an die Grenze. Bei dem am 20. in Frankreich vollzogenen Deputirtenwahlen sind unter 104 Gewählten 5 Konservative, 8 Bonapartisten, 2 Legitimisten, 47 Republikaner, 6 Radikale. In 17 Wahlbezirken sind Stichwahlen nothwendig. Gambetta ist viermal, in Paris, Bordeaux, Lille und Marseille gewählt. Unter den gewählten Bonapartisten befinden sich Rouher, der Herzog Mouchy und Janvier Lamotte. In Paris kommt Dezazes zur Stichwahl. Der Gesundheitszustand der Kaiserin Eugenie in Chislehurst soll ein ziemlich schlechter sein Dieselbe leidet an einer täglich wachsenden nervösen Abgespanntheit und muß sich in Folge der zunehmenden Schwäche beim Gehen eines Stockes bedienen. Wie gemeldet wird, beabsichtigt der Prinz Louis Napoleon demnächst eine Reise nach Amerika anzutreten. Der König von Spanien ist in Vittoria angekommen und geht nach Vergara, um an die Spitze der Armee zu treten. General Quesada ist zum Treue Liebe von Arthur Müller. (Fortsetzung.) Sie haben dem Tode nahe in das Auge geschaut, doch jetzt haben wir auch sicher gewonnen, das darf ich schon sagen. „Er ist stärker, als ich dachte,“ wendete er sich * dann zur Größfn.„Ich wil Ihnen einige Fragen jetzt erlauben, aber lassen Sie ihn so wenig wie möglich sprechen.“ Die Dame eilte an das Belt, in ihrer Hand das Medaillon, bei dessen Anblick über das bleiche Gesicht des Kranken ein freudiger Schimmer fuhr. Mit klopfendem Herzen fragte die Gräfin: „Gehört dieses Medaillon Ihnen?“ „Ja, antwortete Steff verwundert. „Wie lange haben Sie es und wie sind Sie in seinem Besitz gekommen?" fuhr die Gräfin fast athemlos weiter. „Ich habe es so lange als ich nur weiß, seit meiner Geburt.“ Ein Schrei entfuhr dem Munde der Gräfin; der Arzt, der den Sinn des Gespräches immerhin verstand, hörte mit großer Spannung zu, der alte Diener stand mit vorübergebeugtem Kopfe, als müsse er das Gespräch verstehen: „O lassen Sie mich nur noch einige Fragen stellen. Von wem haben Sie das Medaillon?“ Steff sah die Dame höchst überrascht an. „Ich flehe Sie an, es mir zu sagen,“ rief die Gräfin in höchster Aufregung. „Von meiner Mutter,“ antwortete Steff. Die Gräfin konnte sich nicht mehr halten; sie sank auf die Knie nieder und rief fast ungestüm: „Von Ihrer Mutter? Sagen Sie mir den Namen Ihrer Mutter!“ „Das kann ich leider nicht,“ antwortete Steff traurig.„Das Medaillon ist das einzige Erbtheil meiner Mutter, die ich nie gekannt habe; aber ich weiß ganz bestimmt, daß es von meiner Mutter ist, die eine Fremde war, und von der man zu Hause im Dorfe glaubte, sie sei eine Französin gewesen, weil sie Französisch gesprochen haben soll. Sie starb gleich nach meiner Geburt und sie trug dieses Medaillon.“ „Allmächtiger Gott!“ rief die Gräfin,„er ist der Sohn meiner unglücklichen Etiennette!“ In der Erregung rief sie die letzten Worte in französischer Sprache. Steff wußte nicht, was er von Allem denken sollte. Der alte Gervais hatte kaum diese Worte gehört, als er auch schon zum Bette stürzte und die Hand des erstaunten Steff mit Thränen und Küssen bedeckte. Der Arzt fuhr mit der Hand über die Augen, er schämte sich seiner Rührung nicht. „Welchen Namen nannten Sie soeben?“ fragte Steff.— „Etiennette, in deiner Sprache gleich Stephanie,“ antwortete die überglückte Gräfin. „Etiennete hieß auch meine Mutter und ich heiße Etienne nach dem Willen meines Vaters, von dem ich auch nichts anders weiß als daß er Raoul hieß,“ sagte Steff.„Aber erklären Sie mir doch, war—“ „Etienne, Etienne, Du bist ja der Sohn meiner heißgeliebten Schwester, rief die Gräfin vor Seligkeit lachend und weinend,„ich bin deine Tante und dein Vater hieß Raoul de Therevellin. Mit diesen Worten, die dem bisher ganz Verwaisten einen Himmel aufschlossen, umarmte sie ihren Neffen, ohne in ihrer Freude an seinen Zustand zu denken. Jetzt ist es aber auch genug, mehr als genug für heute,“ sagte der Arzt.„Ich freue mich außerordentlich Ihres Glückes, aber Sie müssen dem jungen Mann,— dem Herrn Baron"— verbesserte er sich lächelnd,„vollständige Ruhe lassen. Er darf kein Wort mehr sprechen. Aber ich darf noch zu ihm sprechen?" fragte die Gräfin mit einem Gesicht vor Freude stralend. „Nicht zu viel mehr,“ warnte der Arzt.„Ich empfehle mich und komme morgen in aller Frühe wieder.“ Ob es wohl in diesem Augenblicke glücklichere Menschen auf der Welt gab, als Steff. oder wenn wir ihn auch so nennen wollen, den neuen Generalstabschef ernannt. Die Kirche in einer Vorstadt von Estella ist durch das alfonfistische Geschützfeuer zerstört. Das Fort Arandigoyen ist durch General Tassara genommen. Tassara rückt auf Villatuerta vor. Die Karlisten=Junta macht sich fertig, um mit den Archiven in die Berge zu flüchten. Die Desertionen und Auswanderungen der Karlisten nehmen zu. Dem Vernehmen nach besetzte Primo de Rivera die Estella beherrschende Position von Mendigorria. Neuerdings treten wiederum Gerüchte von einem bevorstchenden Convenio auf. Estella hat sich ergeben. Der Prinz von Wales wird, Nachrichten aus Indien zufolge, am 10. März von Bombay aus auf dem Schiffe„Serapis“ die Heimreise nach England antreten. Der italienische Kronprinz Humbert wird mit seinem militärischen Hofstaat im kommenden Früjahre dem kaiserlichen Hofe in Petersburg einen Besuch abstatten. Der Sultan hat den Arzt, der ihm das Geschwür, woran er kürzlich litt, aufgeschnitten und das Wohlbefinden wieder verschafft hat, zum— Divisions=General ernannt und mit 1000 Lire beschenkt. Lokal= und Provinzial=Chronik. Notiz für Steuerzahler. Donnerstag, 24. Febr., Empfangstermin der Staatssteuern für Höntrop, Eppendorf u. Munscheid. Empfangslokal bei Herrn Friedrich Schlenkhoff an der Barriere in Höntrop. * Wattenscheid, 20. Febr. Gestern Abend ist Herr Rektor Schwarze, nachdem das freisprechende Erkenntniß in Hamm die Rechtskraft erlangt hat, wieder hier nach Wattenscheid zurück gekehrt. Verschiedene Häuser(6—7) feierten heute dies Ereigniß durch Aushängen von Fahnen. * Die nächste Versammlung unseres ReichsVereins fällt am künftigen Sonntag der Fastnachtsfeier wegen aus. Dieselbe wird erst am darauf folgenden Sonntag, 5. März, stattfinden. * Wattenscheid, 21. Febr. Die zweite „Unterhaltung“ für Kammermusik, welche gestern Abend im Dieckmann'schen Saale in angekündigter Weise von Statten ging, zeichnete sich vor der Erstern durch den Reiz der Neuheit aus, daß musikalischer Dilettantismus mit Berufskünstlern zusammenwirkte. Derartige Aufführungen haben freilich nicht die rauschende Concert= Staffage wie unsere Abonnements Concerte, sondern dienen mehr als Beweisführungen der Liebe zur Kunst und als gute Beispiele zur Nachahmung und Anspornung in der Pflege zur Kunst. Von diesem Standpunkte aus müssen wir es auch beklagen, daß der Besuch so sehr zu wünschen ließ. Dies vornehme Ignorirn und diese apathische Theilnahmlosigkeit richtet unsere Kunstjünger selbst und ist daran nur bedauerlich, daß die auswärtigen Künstler dadurch eine solche Meinung von dem hier herrschenden Mangel an Kunstverständniß bekommen. Wir verichten ein näheres Eingehen in die einzelnen Piecen; erwähnen nur das brillante Violinspiel des Hrn. Schüler, der einen so hohen Grad von technischer Fertigkeit auf seinem Instrument bekundete, wie wir hier früher kaum gesehen haben, und die warm empfundenen Liedervorträge des Essener Quartettvereins, die anerkennenden Dank des Auditoriums ernteten. Wir pflichten schließlich einem Ausspruche eines Kunstkenners bei:„So gut habe ich mich im Dieckmann'schen Saale noch nie amufirt!“ Eine vom 17. Febr. datirte Bekanntmachung des General=Postmeisters verfügt: Vom 1. März 1876 an beträgt die Gebühr für Telegramme im gesammten Reichstelegraphen=Gebiet ohne Rücksicht auf die Entfernung eine Grundtaxe von zwanzig Pfennig für jedes Telegramm und eine Worttaxe von fünf Pfennig für jedes Wort. Dieselbe Taxe tritt zu dem gleichen Zeitpunkt für den Verkehr mit Bayern, Württemberg und Luxemburg in Kraft. 46 Bei einer von meheren Personen gemeinschäftlich und vorsätzlich verübten Körperverletzung, den Tod des Gemißhandelten zur Folge gehabt, ist nach dem Erkenntniß des Obertribunals vom 28. Jan. d. J. Jeder zu bestrafen, auch wenn der Tod der Mißhandlung eines einzelnen der Betheiligten zuzuschreiben ist. * Wattenscheid, 22. Febr. Gestern Nachmittag war der Herr Polizei=Inspektor Dähne von Essen mit 2 Essener Polizeioffizianten hier, um eine Kindesmörderin, die Dienstmagd Stukenbrok, zu verhaften. Dieselbe stand im Verdachte, vor einigen Tagen in Essen unehelich geboren u. das Kind ermordet zu haben. Angestellte Recherchen hatten ergeben, daß sich die Person nach Entdeckung der That zu ihren Brüdern, die in der Nähe der Zeche Alma in Ueckndorf wohnen, begeben hatte. Dort wurde sie auch angetroffen und verhaftet und hat bereits ein Geständniß abgelegt. Schon früher ist dieselbe wegen desselben Verbrechens in Untersuchung gewesen.(s. Essen.) Aus Westfalen wird der Krzztg. geschrieben: Der anhaltende Winter, welcher die Arbeiten im Felde, welche sonst in dieser Zeit schon vor sich zu gehen pflegen, vollständig verhindert, ist bei dem geringen Erwerbe und dem Darniederliegen aller Geschäfte doppelt schwer zu ertragen. Nur die Kohlenförderung ist noch recht lebhaft; der Verdienst bei derselben aber auch nur halb so groß(?), wie früher. Auch alle andern Nahrungszweige, welche hier in Westfalen mit der Industrie aufs innigste zusammenhängen, geben uns geringen Verdienst. Schwer rächt es sich nun, daß in den früheren guten Jahren der reichliche Verdienst in die Wirthshäuser getragen worden ist. Von diesen sind nämlich nach der Einführung der Gewerbefreiheit in unserer Provinz übermäßig viele entstanden. Nicht nur in den Städten, nein auch auf dem Lande kommt auf 60 Einwohner durchschnittlich ein Wirthshaus. In solchen Gegenden, wo Kohlenzechen und Fabriken liegen. ist nicht selten ein Haus um das andere ein Wirthshaus. Wollen auch einzelne Amtleute und Bürgermeister dagegen ankämpfen, bei der Lage der Gesetzgebung finden sie kaum einen Rückhalt für ihre einschränkende Thätigkeit. Der Stand der Saaten im Regierungsbezirke Münster wird als ein sehr erfreulicher bezeichnet. Dieselben haben durch den zeitweise eingetretenen hohen Grad von Kälte nicht gelitten, da eine erwärmende Schneedecke die schädliche Einwirkung des Frostes fern hielt. c Ueckendorf, 21. Febr. Unsere Vertretung, die an dem Aufschwung der Gemeinde rastlos weiter arbeitet, geht jetzt mit Zustimmung der höhern Behörden mit dem Plane um, hier einen Wochenmarkt einzuführen. Derselbe soll auf dem von Zeche Rhein=Elbe für diesen Zwcck geschenkten freien Platz auf der Ottilienau abgehalten werden. Die Ausarbeitung einer Marktordnung ist schon beschlossene Sache.— Ebenfalls strebt unser Gemeinderath zur größeren Bequemlichkeit des Publikums die Errichtung eines eigenen Standesamtes an, doch dürfte sich die Verwirklichung noch einige Zeit hinziehn.— Vor einigen Tagen ist die Brücke beim Uebergange der Köln=Mindener Zechenbahn über unsern Kommunalweg bei Zeche Holland eingestürzt. Man ist mit Herstellung einer Nothbrücke beschäftigt. Ob die Bahn eine Verpflichtung zum Neubau hat, werden die eingeleiteten Verhandlungen ergeben. — Unser Kriegerverein hat gestern beschlossen den allerhöchsten Geburtslag unsers Kaisers durch ein besonderes Fest und Fahnenweihe zu feiern. Doch soll das Fest nicht um Tage selbst, sondern am darauf folgenden Samstag und Sonntag gefeiert werden. Wir begrüßen diesen Beschluß aus freudigem Herzen, jedoch weniger die Absicht, für das Fest ein eigenes Zelt zu bauen. Ein Zeltbau im März hat immer eine bedenkliche Seite. Warum ist dafür das jetzige Vereinslokal nicht gut genug? * Gelsenkirchen, 21. Febr. Gestern Morgen passirte eine Krupp'sche Riesenkanone per Extrazug den hiesigen Bahnhof. In einem Circular an die Bahnhofs=Inspectionen heißt es darüber:„Am 20. d. M. ist von Essen(Krupp) per Extrazug ein Geschützrohr von 55 und eine Lafette von 34 Tonnen(1 Tonne 2000 Pfd.) via Borbeck nach Bremen zu befördern. Transport ist für Konstantinopel bestimmt und wird in Bremen an Hannover zur Weiterbeförderung nach Bremerhafen übergeben. Derselbe wird von einem Beamten des Krupp'schen Etablissements behufs Beobachtung während der Fahrt begleitet und darf nicht rascher gefahren werden, als der Fahrplan angibt. Das Geschützrohr ruht auf zwei vierachsigen Wagen von je 50 Tonnen und die Lafette auf einem sechsachsigen Wagen von gleicher Tragfähigkeit. Den Fahrpreis erhebt Station Borbeck bis Bremen mit 4 Mark pro Kilometer. Der Transport ist vor der Abfahrt und auf den Zwischenstationen sorgfältig zu revidiren.“ Auf der Zeche Consolidation, Schacht II., bei Schalke verunglückte der Bergmann F. W. in Folge schlagender Wetter. Der Unglückliche hinterläßt eine Frau mit 2 Kindern. Bochum, 16. Febr. Gestern Morgen entstand auf der Strecke zwischen Steele und Essen, in der Baron von Therevellin und seine Tante die Gräfin Montelear? Die freundliche Leserin, die sich sicher mit uns des Glückes zweier guten Menschen freuen wird, muß verzeihen, daß wir unsere alte Bekannte, Antonie, die Schwester Stephaniens, nicht früher verriethen. Im Glück verzeiht man ja schon gerne. Und wie glücklich war die Gräfin, die ihren sehnlichsten Wunsch, den sie so viele Jahre gehegt, erfüllt sah. Sie hatte nicht nur Nachricht von der geliebten Schwester, mehr noch, sie hatte deren Sohn gefunden. Und Steff? Dessen Glück kann nur der ganz begreifen, der selbst arm, verlassen, ohne Eltern, plötzlich ein liebendes Wesen fand. Der, der sie gefühlt hat die unsägliche Leere im Herzen, der Niemanden sein nennen konnte, der kann die Seligkeit unseres Freundes ermessen.— gen verflos. Eine schöne Zeit ist seit jenen Tagen verstafe sen, wo wir Siephanie, die Mutter unseres Helden, und Antonie, ihre Schwester, die Gräfin ** Montelear, kennen lernten. Damals waren sie . Beide in der ganzen Vollkraft von Jugend und Schönheit. Dann aber brach der Sturm des „Lebens herein über das lachende Gefilde des glücklichsten Familienlebens, das wir dort fanden, wo unsere Erzahlung begann. Mächtig rüttelte : er an den Menschen, die wir lieben gelernt, un barmherzig riß er sie nieder. Die Eltern hatten ihm nicht widerstehen können, Antonie war allein geblieben, allein mit all' dem Schmerz, der ihr Herz zerriß, aber nicht tödtete. Das schöne, lebensfrohe Mädchen finden wir als Mairone wieder, jetzt aber so glücklich, wie ihre kühnste Hoffnung es nicht zu hoffen gewagt hatte. Eisersüchtig wie eine Geliebte, zärtlich wie eine Mutter, war sie nun jede Stunde um unsern Freund. Ihr Glück und ihre Freude wuchs aber mit jedem Tage; denn immer mehr erkannte sie, daß in dem armen Bauernburschen, als welcher er aufgewachsen war, eine edle Seele wohne, empfänglich für das Schöne. Eine schmerzliche Trauer ergriff dann aber noch einmal ihr Herz, als sie aus dem Munde ihres Neffen, die einfache Erzählung der letzten Tage ihrer Schwester vernahm, die der alte Pfarrer unserm Freunde mitgetheilt hatte. Die Genesung unseres Helden ging langsam, aber um so sicherer vorwärts, und es dauerte nicht so lange, bis daß er schon auf Stunden sein Bett verlassen konnte. „Tante, willst Du mir heute die lang versprochene Geschichte meiner armen Mutter erzählen?“ fragte eines Tages Etienne, als er weich gebettet in dem Sessel neben der Gräfin saß. „Es sei,“ sagte nach einigem Zögern die Dame, die wohl ungern den Schleier lüstete von einer Zeit, die gar so viel Schmerz gesehen hatte. „Es muß doch einmal sein und leichter, viel * weniger schmerzhaft ist mir jetzt die Erinnerung, da ich Dich habe. So höre denn! In Hause, wo Du jetzt bist, lebte vor etwa 27 Jahren eine Familie, deren Glück in der Umgegend fast sprichwörtlich geworden war. Mein Vater der Graf Montelaer und meine Mutter waren weit und breit geachtet und beliebt. Wir waren zu drei Geschwister, deine Mutter, mein Bruder und ich. Der Liebling Aller war deine Mutter. O, ich sehe sie noch vor mir in ihrer ganz einzigen Schönheit, ich sehe noch immer ihr dunkles, glühendes Auge, das so innig, so unschuldig, so herzgewinnend oft mich anschaute; ich sehe noch ihre unvergleichlich prachtvollen Locken, die jene eigene schwarz=blaue Färbung hatten, wie wir sie nur bei den Südländern finden. Sie war so gut, so schön, so treu, wir nannten sie scherzend unsere bellissima Steffanitta. Aber sie ward nicht eitel durch den Triumph, den ihre Schönheit feierte. Wie lauschten wir entzückt ihrem herrlichen Gesange, wenn sie mit ihrer klangvollen Altstimme unser Ohr erfreute. Die Söhne der edelsten Familien warben um sie. aber Keinem gelang es,— ihr kindliches Herz zu gewinnen.—„„ Mein Vater besaß ein hübsches Landgut in der Schweiz, wo wir den Herbst gewöhnlich zubrachten. (Fortsetzung folgt.) Nähe der Zeche Johann, zum dritten Male ein bedeutender Tagesbruch und zwar unter dem Bahnkörper der Bergisch-Märkischen Eisenbahn. Der Verkehr wurde hierdurch gehemmt, so daß alle Züge über Wattenscheid abgelassen werden muß. ten. Gegen heute Mittag war zwar der Bruch wieder gefüllt. jedoch das Geleise noch nicht fahrbar. Witten, 18. Febr. In einem Hause der Casino= straße ereignete sich gestern Abend spät ein recht heiterer Vorfall. Während eine Bewohnerin des Hauses in ihre Schlafstube tritt, vermeint sie hinter der Thür einen Kerl liegend zu erblicken. In ihrer weiblichen Angst eilt sie wieder hinaus, schließt die Thür ab und schreit um Hülfe. Die Einwohner des Hauses kommen herbei gecilt, die Thür wird offengeschlossen, ein paar Muthige treten ein und was wird gefunden— ein schwarzer Unterrock an dem Boden liegend— welche durch das erste Oeffnen der Thür heruntergefallen war. Dortmund. 15. Febr. Auf mebe en umliegenden Zechen werden die Woche nur 5 Schichten verfahren und ungefähr 22 bis 25 Sgr. verdient. Da weiß wohl mancher Fami ienvater, wenn er Hausmiethe, Steuer, Schulgeld und Brand bezahlt hat, nicht wo er Brod für die Seinigen hernehmen soll; denn die Preise der Lebensmittel sind bekanntlich nicht mit dem sinkenden Verdienste heruntergegangen. Der Preis der Wohnungen ist allerdings gefallen und wird noch billiger werden; denn außerhalb der Stadt stehen viele Häuser ganz oder theilweise leer und, wenn die Geschäftsflaue noch lange auhält, werden noch viele Familien gezwungen, fortzuziehen. Obgleich man Niemand etwas Böses wünschen soll, so ist es doch eine Art Wiedervergeltung für manche Hausbesitzer, denn eine Beamten- oder Arbeiterfamilie mit Kindern konnten in der flotten Zeit kaum eine Wohnung finden, da die Herren Grundeigenthümer nur an kinderlose Familien von Stande vermiethen wollten. Hagen. Das plötzliche Verschwinden eines hier seit 1870 ansässig gewesenen Schönfärbers macht, wie uns aus betheiligten Kreisen versichert wird, hier und besonders in Oberhagen nicht unbedeutendes Aufsehen. Uns zur Verfügung gestellte Notizen ließen sich recht gut als Stoff zu einem Romau bezeichnen, dessen Anfänge in Oesterreich zu finden wären. Von dort aus soll schon seit 1859 ein Deserteur Munk verfolgt werden. Diesem wird nun zur Last gelegt, es verstanden zu haben, unter angenommenem Namen(L. v. T.) sich allen Verfolgungen zu entziehen, eine junge Dame als seine Gattin zu präsentiren, während sein Ehegespons den Untreuen von Weitem betrauert, ziemlich großartig ein Geschäft zu treiben— bis doch zuletzt die Behörden dem Schwindel auf die Spur gekommen Eine große Masse Wechsel, deren Werth noch zweifelhaft und außerdem eine hübsche Summe der verschiedensten Verbindlichkeiten sollen das Andenken an den Verschwundenen für einige Zeit sicher zu stellen geeignet sein. Paderborn, 14. Febr. Gestern wurde einer größern Anzahl Arbeiter der hiesigen Eisenbahn=MaschinenWerkstätten auf den 1. März gekündigt, und soll dies vorzugsweise bis jetzt Unverheirathete betroffen haben. Coesfeld, im Febr. Die im vorigen Herbst erfolgte Eröffnung der Dortmund=Gronau=Enscheder Eisenbahn fängt bereits an ihren günstigen Einfluß auf die Verkehrs=Verhältnisse unseres Kreises auszuüben und zu neuen Einrichtungen zu ermuntern. In letzter Beziehung freut es uns die Thatsache hier mittheilen zu können, daß Schritte gethan sind, um dem hier schon lange bestehenden Wochenmarkte eine größere Ausdehnung und Wichtigkeit zu geben und einen Frucht= und Getreidemarkt damit in Verbindung zu bringen. Daß aber der Erfolg ein günstiger sein wird und die auf einen regen Verkehr, sowohl von Käufern, wie Verkäufern, gesetzten Erwartungen nicht werden getäuscht werden, ist um so sichtrer anzunehmen, weil die wirthschaftlichen Verhältnisse, sowohl unseres wie, auch der benachbarten Kreise die Erzeugung aller Arten Getreide, wie Weizen, Roggen, Buchweizen, Gerste, Hafer u. s. w. in großer Menge und vorzüglicher □. Hafer u. s. w. in großer Menge und Qualität gestatten, sondern auch, weil hier und in der Umgegend nicht nur Holz und Torf, sondern auch alle kleineren Erzeugnisse der Landwirthschaft und des Gartenbaues, wie Speck und Schinken, Butter und Eier, Gemüse und Obst u. s. w. shon seit längerer Zeit in bedeutenden Quantitäten, vorzugsweise gerne, aufgekauft und den nahen Industriebezirken zugeführt worden sind. Nach der bereits publizirten Marktordnung werden die Wochen-Märkte, wie seither, jeden Dienstag und Freitag, die Frucht= und GetreideMärkte aber, mit dem 3. März beginnend, vorzugsweise an jedem ersten und dritten Freitage eines jeden Monats, von Morgens 10 bis 1 Uhr Nachmittags, jedoch mit der Modisikation stattfinden, daß, falls auf einen dieser Tage ein Feiertag fällt, ter Markt an dem zunächst vorhergehenden Werktage abgehalten wird. Die gewöhnlichen Vieh= und Jahr=Märkte sollen jedoch hierdurch keine Beeinträchtigung und Störung erleiden. Möge das Publikum dem neuen Unternehmen seine Gunst und Theilnahme in ausgedehntem Maaße Gütersloh, 16. Febr. Gestern wurde zwischen hier und Rheda ein Arbeiter von einem Güterzuge überfahren, wodurch der Tod desselben sofort erfolgte. Der Unglückliche hinterläßt Frau und mehere Kinder. Essen, 19. Febr. Die Frau eines hiesigen Kaufmanns bemerkte gestern beim Betreten des Schlafzimmers Erscheinungen, welche darauf schließen ließen, daß die am Waschfiß beschäftigte Magd kurz zuvor geboren habe. Die Magd leugnete, aber ein sofort herbeigehelter Arzt bestätigte den vermutheten Vorgang. Der Hausherr ließ sie hierauf durch seinen Knecht dem Krankenhause zuführen, die Magd zog es indessen vor, auf dem Wege dahin Reißaus zu nehmen. Ob hier ein Verbrechen vorliegt, werden die angestellten Recherchen sehr bald ergeben. Das Moderamen der Kreisynode Duisburg richtet an den Cultusminister Falk eine Eingabe welche mit der Bitte schließt, daß der Minister „nicht nur vor dem Untheil der Simultanschulen uns bewahren, sondern auch unseren evangelischen Volksschulen evangelische Inspectoren zu belassen hochgeneigtest geruhen möchte.“(!!) Kempen, 16. Febr. Der hiesige Steuerexecutor hat sich in Cleve dem Untersuchungsrichter gestellt unter der Selbstanklage, anvertraute Gelder unterschlagen zu haben. Wie auch anderswo vielfach üblich, hatten nämlich viele Steuerpflichtigen, namentlich Landbewohner, dem Executor die falligen Beträge übergeben mit dem Auftrage, dieselben an die Steuerkasse abzuführen. Anstatt sich aber dieses Auftrags zu entledigen, hat der Executor die Gelder zu seinem eigenen Vortheile verwandt. Die Geprellten werden ihre Unvorsichtigkeit durch nochmalige Bezahlung der betreffenden Beträge büßen müssen. Viersen, 14. Febr. Gestern Abend saß in einer Wirthschaft der Station Bockert eine vergnügte Karten=Gesellschaft zusammen. Unter ihnen fand sich ein Sechszigjähriger, der sehr animirt seine Partie spielte. Eben hatte der Genannte mit seiner Kreuz=Zehn=Karte das Spiel gewonnen, als derselbe sich plötzlich entsärbte, vom Stuhl glitt und entseelt zu Boden sank. Ein Schlagaufall hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. Entsetzen der Karten=Gesellschaft läßt sich denken. Köln, 16. Febr. Der b kannte Polizei=Commissar Klose, welcher im verflossenen Jahre ein Nonnenkloster „revidirte“ und deshalb zur Strafversetzung verurtheilt wurde, soll der„K. V.=Z.“ zufolge nuerdings der Stadt Köln erhalten bleiben und zwar als— ein Vertreter des öffentlichen Ministeriums am hiesigen Polilizeigerichte. Köln, 18. Febr. Gestern ist 2 Meilen unterhalb Kölns im Rhein die Leiche des vor einiger Zeit ertrunkenen Bankiers v. Kaufmann-Asser, jedoch vollständig beraubt, aufgefunden worden. Fulerum, 17. Febr. Heute Abend versuchte ein hiesiger junger Mann, Namens Reichmann, seinem Leben ein frühzeitiges Ende zu bereiten, indem er sich mit einem Revolver durch die Brust schoß. Derselbe befindet sich zwar noch am Leben, doch geben die Aerzte wenig Hoffnung für sein Auskommen. Dem Vernehmen nach soll unglückliche Liebe die Veranlassung des Sttnachek ken. Beeck, 16. Febr. Heute Vormittag wurde der Manrer Eberhard Amberg aus Meiderich beim Graben eines Brunnens verschüttet. Erst gegen halb 1 Uhr heute Mittag gelang es den beiden Gehülfen des Verunglückten und den übrigen zu Hülfe gekommenen Leuten, die Leiche desselben aus dem Grabe zu befreien und dem hinzugerufenen Arzt blieb nichts übrig, als den Erstickungstod zu konstatiren. Bonn, 16. Febr. Der Lehrer Becker, der als gesperrten katholischen Geistlichen sich ausgegeben sich im Lande herumgetrieben und unter Ausweisung gefälschter Papieren an verschiedenen Stellen die Messe gelesen hatte, wurde in der heutigen Assisenverhandlung zu 5 Jahren Gesängniß verurtheilt. Aachen, 16. Febr. Heute Morgen 9 Uhr sind beim Abbruch des Annunciatenhauses, der ehemaligen Anstalt für weibliche Irren, 2 Arbeiter durch eigene Unvorsichtigkeit verunglückt. Dieselben standen auf einem Kreuzgewölbe und versuchten mit einer schweren Holzstange den Schlußstein des Gewölbes nach unten zu stoßen. Obgleich der Unternehmer auf das eingetretene Thauwetter sie aufmerksam gemacht und ihnen Vorsicht angerathen hatte, stießen die 3 Arbeiter auf Commando mit aller Kraft los, bis der Schlußstein sich löste und mit ihm das ganze Gewölbe, gleichzeitig aber auch zwei der Arbeiter in die Tiefe stürzten. Der dritte Arbeiter hatte die Vorsicht gebraucht, sich mit einem Fuße auf die Umfassungsmauer zu stellen und kam so mit einigen leichten Contusionen davon. Von den beiden Anderen blieb der Eine sofort todt, während der Andere heute um 11 Uhr früh im Mariahospital an den Folgen seiner Verletzungen starb. Beide Unglückliche sind unverbeirathet. Schwurgerichts=Verhandlungen. Essen, 17. Febr. Zunächst wurde gestern gegen den Maurermeister Wilh. Hackmann aus Freisenbruch wegen qualifizirter Urkundenfälschung verhandelt. Der Angeklagte, der schon wegen Betrugs bestraft worden ist, verschafte sich den Betrag der ihm zuerkannten Gelostrafe dadurch, daß er einen Wechsel vom 18. März 1875 auf einen A. Schmitz im Betrage von 135 M zog, und die Unterschrift des 2c. Schmitz als Acceptanten auf dem Wechsel fälschte. Der Angeklagte gestand und wurde in Folge dessen ohne Zuziehung der Geschworenen verhandelt. Das Straferkenntniß lautete auf 3 Monate Gefängniß. Sodann fand die Verhandlung gegen den Arbeiter Andreas Sobianniski aus Kokoliewo statt, der gleichfalls geständig war, einen quitirten Steuerzettel vom Jahre 1873 in 1875 umgeändert und denselben in betrügerischer Weise der Behörde präsentirt zu haben. Der Angeklag e wurde wegen qualifizirter Urkundenfälschung mit 3 Monaten Gefängniß bestraft. Die Verhandlung gegen den Bergmann Bernhard Schoppe aus Alienessen, wegen vorsätzlicher Körperverletzung, fand, da dabei zugleich auch Vergehen gegen die Sittlichkeit verhandelt wurden, mit Ausschluß der Oeffentlichkeit statt und endete dieselbe mit Freisprechung des Angeklagten. Die Verhandlung gegen den Arbeiter Aug. Barwig aus Zeydersvorderkamp wegen vorsätzlicher Körperverletzung wurde vertagt.„„ E E. Sodann befand sich auf der Antlagebank der Faorikarbeiter Karl Kappel aus Neustadt, Kreis Kirchhain, 26 Jahre alt, verheirathet. Derselbe wurde wegen Raubes zu 3½ Jahren Zuchthaus verurtheit. Eingesandt. Das kaiserliche Postamt wird gebeten, im Interesse des reisenden Publikums dafür zu sorgen, daß die Privat=PersonenPost auf der Tour nach Gelsenkirchen den hiesigen Rheinischen Bahnhof berühren möchte, da es für die Passagiere weit bequemer ist, wenn sie dort mit ihrem Gepäck direkt einsteigen können. Bekanntmachung. Die Reinigung bezw. Räumung der Canäle und Abzugsgräben im hiesigen Gemeindebezirk wird in Ecinnerung gebracht. Hat dieselbe innerhalb acht Tagen nicht stattgefunden, so erfolgt solche im polizeichen Executionswege. Bezüglich der Verpflichtung wird bemerkt, daß jeder verbunden ist, die über sein Egenthum gehenden Gräben und Canäle, wodurch das Wasser seinen ordentlichen und gewöhnlichen Lauf hat, zu reinigen. Sind es Seitengräben, so muß die Reinigung von den beiderseitigen Nachbarn bis zur Mitte des Grabens geschehen. Ueckendorf, 18. Febr. 1876. Polizei=Verwaltung I. V. Duisberg. Die Magdeburger Feuerversicherungs=Gesellschaft und die Magdeburger Augemeine Versicherungs=Artien=Geseuschäft“ haben die Agentur für Wattenscheid und Umgegend an Stelle des Herrn W. Schäfer, welcher versetzt worden ist, dem Herrn W. Niegel in Wattenscheid übertragen, was wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringen. ünster, im Januar 1876. General=Agentur der Magdeburger Feuerversicherungs=Gesellschaft und der Magdeburger Allgemeinen Besicherungs=Aktien=Gesellschaft G. Pohlmann. Bezugnehmend auf vorstehende Anzeige empfehle ich mich zur Annahme von Versicherungs=Anträgen für genannte Gesellschaften und bin zu jeder gewünschten Auskunft bereit. Wattenscheid, im Januar 1876. W. Niegel, Pseer & Gesch Verrans. Wegen Aufgabe des Geschästs läßt Herr Fuhrunternehmer W. Wilken hierselbst am Donnerstag, 24 Februar, Nachmittags 2 Uhr anfangend, 1 Pferd, 3 vierzöllige Frachtwagen mit Kasten, 3 vierzöllige Karren mit eisernen Achsen, 4 vollständige Pferdegeschirre, Karrensattel, Hintergeschirre, Ketten u. d. m. öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung verkaufen. Westenfeld, 17. Febr. 1876. Auctions=Commissar. Vekanntmachung. Vom Montag, den 21. d. M. ab werden die bisherigen Privat=Personen=Fuhrwerke zwischen Bochum und Schalke und umgekehrt nur noch zwischen Wattenscheid und Schalke verkehren und auf dieser Strecke in beiden Richtungen zur Beförderung von Reisenden und Postsendungen jeder Art benutzt werden. Der Gang dieser Privatposten ist folgender: Aus Wattenscheid 8 V., 1 N., 7 N. „ Gelsenkirch. 840 V., 140 N., 740 N. in Schalke 800 V., 150 N., 750 N. Aus Schalke 7 V., 12 V., 6 N. „ Gelsenk. 720 V., 1220 V., 620 N. in Wattensch. 750 V., 1250 V., 650 N. Wattenscheid, 19. Febr. 1876. Kaiserliches Postamt —. Völlmecke. Mittwoch, 25. Febr., Vormittags 10 Uhr ansangend, und event. Donnerstag, 24. Februar, werde ich im Auftrage des Herrn Concursverwalters G. Baltz hier, sämmtliche Waarenvorrätbe in der Concurssache des Kaufmanns Dickel hier als Tuche, Buxkins, Kleiderstoffe, fertige Kleidungsstücke, Shawltücher, Sammet, Knöpse. u. s. w., sowie die gesammte Laden=Enrichtung und die Hausmobilien im Saale des Gastwirths Herrn Traß hier, Wilhelmsplatz, gegen Baarzahlung versteigern. Waaren kommen auch in größeren Posten zum Verkauf. Bochum, 18. Februar 1876. Vogel, ger. Auctions=Commissar. Großer Mobilar=Verkauf. Freitag, den 25. d. Morgens 9 Uhr anfangend werde ich für Herrn B. Bußmann wegen Aufgabe des Geschäfts bei dem Wirth Herrn Joh. Buse hier Ahstraße, verschiedene Mobilien als: 4 Sekretäre, darunter einer antik, mehrere Spiegel, Küchen= und Kleiderschränke, Nähtische, eine Spieluhr für Wirthe geeignet, 1 Kochmaschine, 1 Commode, 1 Ladeneinrichtung für Uhrmacher und mehrere sonstige Gegenstände öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung verkaufen. Gelsenkirchen, 21. Febr. 1876. F. Lürenbaum, Auctions=Commissir. Hausver kauf. Mein an der Hagenstraße gelegenes zweistöckiges, vermöge seiner Lage zu jedem Geschäfte geeignetes Wohnhaus ist von mir unter der Hand zu kaufen. Wattenscheid, im Febr. 1876. Wittwe Henneken. Ein kleiner Wachtelhund(Mutterhund) braun ür zgekanten. Der Eigenthümer kann ihn gegen tung der Kosten bei mir in Empfang nehmen.„„ Carl Schleurhoff. Ein Hasen=Kaniuchen (Lapin) ist mir Sonntag=Nachmittag abhanden gekommen. Ich bitte um Rückgabe gegen Belobnung. Carl Busch Zwei geübte Modistinnen gesucht von Frau L. König Ueckendorf, 80½. Bekanntmachung. Unter Hinweisung auf die Bestimmungen im§. 61 der Deutschen Wehr=Ordnung vom 28. September 1875 werden sämmtliche Militärpflichtige des Kreises Bochum, welche noch keine endgültige Entscheidung durch die Ersatz=Behörden erhalten haben, hierdurch aufgefordert, sich zur Musterung vor der an den nachbezeichneten Tagen, jeden Tag von Morgens 8 Uhr an, versammelten Kreis=Ersatz=Commission pünktlich zu gestellen und zwar: aus der Stadt Gelsenkirchen und dem Amte Schalke am 27., 28. und 29. März er. im Locale des Wirths Jägec in Wattenscheid, aus der Stadt und dem Amte Wattenscheid am 30. u. 31. März, 1. und 3. April in demselben Locale, aus dem ganzen Kreise zur Loosung am 6. Mai auf dem Schützenhofe zu Bochum. Es werden den Militärpflichtigen die Gestellungsordres zu diesen Terminen noch besonders insinuirt werden. Militätpflichtige, welche sich zur Musterung ohne genügende Entschuldigung, auch wenn ihnen eine besondere Vorladung nicht zugehen sollte, nicht gestellen, oder beim Aufrusen ihres Namens im Musterungslokale nicht anwesend sind, werden auf Grund der bestehenden Vorschriften mit einer Geldbuße bis zu 30 Mark oder im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft. Diejenigen Militärpflichtigen, welche die Zurückstellung oder andere Begünstigungen rücksichtlich ihrer Militär=Verhältnisse beantragen wollen, haben sich Behufs der Aufnahme einer vorschriftsmäßigen Reclamation ungesäumt an den ihnen vorgesetzten Herrn Bürgermeister oder Amtmann zu wenden, da die Reclamations=Anträge, welche der Kreis=Ersatz=Commission zur Prüfung und Begutachtung nicht vorgelegen haben, von der Ober=Ersatz=Commission in der Regel nicht in Erwägung gezogen, sondern zurückgewiesen werden, sofern die Veranlassung zur Reclamation nicht etwa nach beendigtem Kreis=Ersatz=Geschäft entstanden ist. Es ist die Anordnung getroffen, daß die Reclamationen nicht an jedem Tage, sondern am letzten der für jeden Bürgermeisterei= und Amtsbezirk angesetzten Tage geprüft und begutachtet werden sollen. Demnach werden sämmtliche Reclamationen aus der Stadt Gelsenkirchen und dem Amte Schalke am 29. März, aus der Stadt und dem Amte Wattenscheid am 3. April, nach beendigter Musterung geprüft und begutachtet und müssen die Recla manten mit ihren Angehörigen an diesen Tagen im Musterungs=Locale anwesend sein. Bochum, 16. Febr. 1876. Der Landrath von Bockum=Dolffs. Fortuna. Freitag, 25. d. M. Abends punkt 8 Uhr, bei Herrn Ant. Bomers. Der Vorstand. Gasine! Mittwoch. 23. d. Mts., Abends 7 Uhr, GENERAL-VERSAMMLUNG. Tagesordnung: 1. Ballotage. 2. Wichtige Vereinsangelegenheiten Der Vorstand. Donnerstag, den 24. Abends 7 Uhr 5% M. V. Große Närrisc Sitzung im Närrischen Jägerhof. Tagesordnung: 1. Aufnahme närrischer Mitglieder. 2. Vorträge aus der Bütt. 3. Berathung über Festangelegenheit. Der keleine Rath. NB. Beiträge für den„Närrischen Moniteur“, anonym oder nicht anonym, werden von dem Vorstandsmitglied Herrn Ernst Wohlfromm entgegen genommen. Wicheis Söhne, Gelsenkirchen, Bahnhofstrasse 148 1/13 Alter Korn 65 Pfg per Liter. Empschrur3 Unterzeichneter hält steis Lager in.. se. geaichten Waagen, Gewichten& Hohlmaaßen, sämmtlich vom Aichamt Gelsenkirchen bezogen; auch werden alte Gewichte gegen neue umgetauscht resp. solche zur Umaichung pünktlich besorgt. Ernst Hund, am Rhein Bahnhof. Wichels Solme, Schalke, Friedrichstrasse 298, Alten Korn 65 Pfg. per Liter. Nachdem heute eine Einigung zwischen dem Hrn. H. Dr. stattgefunden hat, wonach der letzt genannte Herr sich verpflichtet, die sämmtlichen noch von ihm auf mich gezogenen Wechsel zu decken, warne ich hiermit vor Ankauf aller nach dem heutigen Datum ausgestellten Wechsel, da ich ferner für nichts hafte. Ich mache besonders darauf aufmersam, weil vielleicht noch Mißbrauch mit meiner Unterschrift gemacht sein könnte. Wattenscheid, 21. Febr. 1876. T. H. Oligmüller. 27. Spörkel, Cöncert& Ball unter Leitung eines Fest=Comitees. Entree 1 Maskeraden eind wilkommen! Montag, den 28. und Dienstag, den 29. Spörkel, Tanzkränzchen. Anfang 3 Uhr. Entree 50 Pfg. Damen. Mitglieder des Fest=Comitees, sowie hiesiger Carnevalistischer Vereine haben an den letzten beiden Tagen freien Zutritt. H. W. Oberwalleneg. Im Auftrage des Wirths Herrn J. vau Pey genaunt Grünendahl zu werde ich dessen daselbst an der Chausse, unweit der Kirche, belegene Besitzung, massives Wohnhaus mit Anbauten, Nebenhaus und Stallung, sowie über 3 Morgen Gartenresp. Ackerland parcellenweise und im Ganzen am Donnerstag, 24. Nachmittags 2 Uhr, an Ort und Stelle zum Verkauf aussetzen. Der Plan über Eintheilung, wonach mehrere Bauplätze mit Garten zum Ausgebot kommen, kann bei mir eingesehen werden. C. Sartor, Bochum. Bevollmächtigter. Eine zuverläßige Person (Frau oder Mädchen) die mit Kindern umzugehen versteht, wird gegen hohen Lohn gesucht. Näberes in der Exp. d. Zeitung. Sämmiliche Sämereien wie Garten=, Blumen= und Feldsämereien sind bei mir in guten Qualitäten zu haben. Jak. Hähnen, Gärtner, Grabenstraße, bei Herrn Brocke. ** wn! *