Nr. 240. Gelsenkichen, Domerstag, den 23. Oetober 184. 10. Jahrgang. Gnnt Faßer Die„Emscher Zeitung“ erscheint täglich mn Ausnayme der Sonn= und hoven Feiertage. Wochen: Früher: Adonnementspreis: Mart.50 vierteljährlich im Beraus. Man o onnirt außer bei der Expesitien Algemeines Organ für die Stadt Gelsenkirchen, für die Aemter Schalke, Reckendorf, Wanne und Herne.— Anzeigeblatt für Gerichts= und Militär=Behörden. 1· Für die Fortschritte der deutschen Industrie ist neuerdings ein Zeugnis beigebracht worden, dessen Gewicht dadurch erhöht wird, daß es ein unfreiwilliges, von unseren eigenen Concurrenten abgelegtes ist. Die in diesen Blättern wiederholt besprochene Arbeitslosigkeit der Lyoner Seidenfabrikation und der 20000 von derselben beschäftigten Arbeiter hat zu Untersuchungen über die Lage der französischen Seidenindustrie Veranlassung gegeben, welche wegen der Wichtigkeit dieses Gewerbszweiges für unsere westlichen Nachbarn von außerordentlichem Interesse sind. Die Ursachen der eingebrochenen und über weite Kreise ausgebreiteten Krisis werden von den französischen Sachverständigen auf drei Umstände zurückgeführt: auf die Zunahme der Nachfrage nach halbseidenen Stoffen, welche die seidenen mehr und mehr verdrängen,— auf die Ueberlegenheit der deutschen(namentlich der Krefelder) Halbseiden=Industrie und auf die Unentbehrlichkeit der deutschen(elsässischen) BaumwollenGespinnste für Frankreich, dessen eigene Erzeugnisse den Ansprüchen der Seidenweber nach Preis und Qualität nicht genügen. Alle drei Umstände hängen mit der Entwickelung zusammen, welche das deutsche Gewerbe= und Wirtschaftsleben während der letzten Jahre genommen hat, und von der die Fortschrittler behaupten, sie werde uns ruiniren. Früher als die französischen sind die deutschen Fabrikanten auf das Bedürfnis nach wolfeiler halbseidener Ware aufmerksam geworden,— der ihrer Production gewährte Schutz aber hat eine erfolgreiche Ausbeutung des dadurch bedingten Vorteils möglich gemacht. Zunehmende Nachfrage auf den eigenen Märkten setzte die Krefelder Industrie in den Stand, ihre Einrichtungen zu verbessern und dadurch eine Erweiterung ihres Absatzgebietes möglich zu machen, das sich im Laufe der letzten Jahre über England, Amerika und das in der Seidenbranche sonst maßgebende Frankreich ausgebreitet hat. Gleichzeitig hat das dem deutschen Reiche wiedergewonnene Elsaß seine Baumwollgespinnste zu einer Vollkommenheit gebracht, welche dieses Erzeugnis für eine erfolgreich betriebene Halbseiden=Industrie unentbehrlich gemacht hat. Um wieder concurrenzfähig werden zu können, verlangen die französischen Fabrikanten halbseidener Kleidungs= und Möbelstoffe, Bänder und Schnüre nach der zollfreien Zulassung elsässischer und englischer Baumwollgarne; die Benutzung eines deutschen Productes wird als Hauptbedingung für die Concurrenz mit einer deutschen Industrie bezeichnet, die Ueberlegenheit Deutschlands in der Baumwollgarn= und HalbseidenBranche unumwunden eingeräumt. Ob die Lyoner Fabrikanten mit ihrem Verlangen durchdringen und den Widerstand der ohnehin über Ausfälle klagenden französischen Zollverwaltung, sowie der französischen Baumwollspinner besiegen werden, ist noch zweifelhaft. Jedenfalls steht fest, daß zwei Zweige der deutschen Industrie neue unwiderlegliche Beweise für die unter dem Schutz der gegenwärtigen Zollgesetzgebung gemachten großen Fortschritte der letzten Jahre geliefert haben. Irene, die Braut eines Abends. Roman von M. Fischer. „Ihnen erzählte er von der falschen HeiratsCeremonie und seines Sohnes zweiter Verbindung,“ fuhr Mr. Kenmore fort,„während er diesem den gefälschten Brief, durch welchen Sie ihm entsagten, und später den falschen Bericht Ihres Todes zeigte. Und erst in der Todesstunde gestand er alles!“ Um sie abzulenken von dem Schmerz, den die erhaltene Nachricht von der Todesursache Vaters in ihr wachgerufen, erzählte Guido hr Irene's wunderbare Rettung durch Mr. Stuart und seine spätere, unerwartete Begegnung Grng) in der Stuartschen Villa am Ufer des „Scheint es nicht eine eigentümliche Bekimmung von Gott zu sein, daß gerade ihr Vater sein mußte, der sie dem Tode entriß?“ fragte er gedankenvoll. Elaine stimmte ihm mit ernstem Blick bei. Ihre Augen schienen die Ferne überspringen und einem Gegenstande haften zu wollen, so schien es Guido Kenmore. state en sehnen sich nach Ihren Kindes“ Fru: Pein Herz verlangt danach, sie in neine ie schließen zu können, mein stolzes, eigenbilliges Kind!“ VIC. In der Leitung der Ceutrumspartei hat jetzt vollstäudig die radikale demokratische Richtung die Oberhand gewonnen. Das beweist zunächst die Wahltaktik, die in einem bisher unerhörten Umfang auf die Unterstützung der extremsten demokratischen Elemente hinausläuft. Je weiter nach links vorgeschritten ein Candidat ist, um so sicherer hat er Aussicht, von den Klerikalen für einen„ächten Liberalen“ erklärt und der Unterstützung für würdig befunden zu werden, während gemäßigtere Männer selbst innerhalb der deutschfreisinnigen Dartei gleich der„Culturkämpferei“ beschuldigt und Conservative nur noch in ganz vereinzelten Fällen als annehmbar für katholische Wähler erklärt werden. Findet doch selbst herr Stöcker keine Gnade mehr vor der Leitung der Centrumspartei. Aber nicht allein die ausgegebene wahltaktische Darole beweist das Ueberwiegen der radikalen demokratischen Strömung im Centrum, auch die programmartigen Rundgebungen, die in jüngster Zeit aus den Kreisen der klerikalen Dartei hervorgegangen sind, legen Zeugnis von dieser Wendung ab. In den provinziellen Wahlaufrufen der Oartei, dem ostpreußischen, dem rheinischen, wie auch in den Wahlreden der ultramontanen Candidaten wird ganz unverkennbar neuerdings ein viel schärfer oppositioneller Ton angeschlagen, als es noch vor wenigen Monaten der fall gewesen. In den großen Fragen, welche den nächsten Reichstag beschäftigen werden, Alilitärseptennat, Socialistengesetz, wird entschiedener Widerspruch seitens der Centrumspartei in Aussicht gestellt; in der Socialpolitik wird unausgesetzt der Besorgnis vor überhandnehmendem Staatssocialismus, welchen das Centrum in jeder Stärkung der Staatsgewalt erblickt, Ausdruck gegeben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß wir in den wichtigsten Fragen der bevorstehenden Legislaturperiode das Centrum ebenso gut in der Opposition erblicken werden, wie die Deutschfreisinnigen. Uns kann es nur recht sein, wenn das Centrum seine radikale Seite wieder mehr hervorkehrt. Die politische Situation kann dadurch an Klarheit nur gewinnen, indem das Dhantom, daß man diese Dartei dauernd zur Stütze einer nationalen Reichspolitik brauchen könne, gründlich zerstört wird. Auch in conservativen Kreisen nimmt die Erkenntnis von dem wahren Wesen der klerikalen Oartei immer mehr zu; es ist nur noch ein kleiner, aber freilich einfluß. reicher Teil der äußersten Rechten, welcher von dem Gedanken des Zusammengehens mit dem Centrum nicht lassen kann. Allein es kann nicht ausbleiben, daß auch diesen Dolitikern die Augen mehr und mehr aufgehen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird die gegenwärtige Wahlbewegung der Ausgangspunct zu einer entscheidenden Veränderung in der parlamentarischen Stellung des Centrums und damit zu einer wesentlichen Verschiebung der Parteiconstellationen überhaupt werden. Die zwingenden Chatsachen werden endlich auch diejenigen conservativen Kreise fortreißen, welche in der„Kreuzzeitung" den Ausdruck ihrer Gesinnung und in dem Zusammengehen mit dem Centrum ihr politisches Ideal erblicken. Das„Deutsche Cageblatt“ hat die Veränderung der Situation bereits begriffen. Es schreibt:„Seitens der nicht katholischen Conservativen wird es der Centrumsleitung nicht so bald vergessen werden, wie sie zu handeln für gut befunden. Und das ist denn auch ein Gewinn der Wahlbewegung.“ e* Die Candidatur Schorlemer's. Die klerikale Presse unseres Wahlkreises kann nicht begreifen, daß gegen die Candidatur des Frhrn. v. SchorlemerAlst bei den Liberalen irgend welche Bedenken herrschen könnten. Derselbe erfreue sich doch des speciellen Vertrauens der Staatsregierung, wie seine Berufung in den Staatsrat beweise, auch die Liberalen hätten also ihrer Regierungsfreundlichkeit wegen guten Grund für ihn zu stimmen. Er sei ferner bereit, für höhere Eisenzölle einzutreten, wenn solche notwendig würden, und man sei ihm doch dafür Dank schuldig, daß er für die jetzigen Zölle gestimmt habe. Er wolle die Existenz der Landwirtschaft sicher stellen, dem Handwerk durch obligatorische Innungen den goldenen Boden wieder verschaffen und dem Arbeiter durch Feststellung eines Arbeitsrechtes und durch Maßnahmen gegen seine Ausbeutung durch das Großcapital Schutz gewähren. Für einen Candidaten mit diesem Programm könne doch auch jeder Liberale stimmen. Wir haben zu diesen Ausführungen das Nachfolgende zu bemerken. Zunächst beweist die Berufung des Frhru. v. Schorlemer keineswegs, daß er sich des vollen Vertrauens der Regierung oder gar Sr. Majestät des Kaisers und Königs, wie von ultramontaner Seite behauptet wird, erfreue. Ein Mann, der wie keiner zur Verbitterung des Culturkampfes beigetragen, der im Parlament von seiner Partei jedesmal vorgeschickt wird, wenn sie ihrem Mißvergnügen und ihrem Ingrimm gegen die Regierung den schärfsten Ausdruck geben will, ein Mann, der von diocletianischer Verfolgung der Katholiken und von Dragonaden gegen dieselben spricht, der sich ausdrücklich als Freund der Jesuiten bekannt hat, über deren Absichten und Ziele die Welt längst im Klaren ist, kann unmöglich das Vertrauen der Regierung besitzen. Wenn ihn dieselbe in den Staatsrat berief, so geschah das lediglich wegen seiner genauen Kenntnis der landwirtschaftlichen Verhältnisse, die den Staatsrat ohne Zweifel wiederholt beschäftigen werden. Daß die Industrie dem Freiherrn von Schorlemer Dank dafür schuldig sein sollte, weil derselbe für Schutzölle für Eisen und Eisenfabrikate gestimmt hat, ist auch schwer zu begreifen. Den Dank hierfür haben die Industriellen durch ihr Votum für die landwirtschaftlichen Zölle bereits abgetragen. Uebrigens hätte sich Freiherr von Schorlemer als Vertreter unseres Industriebezirks geradezu unmöglich gemacht, wenn er gegen die Industriezölle gestimmt hätte. Die Versprechungen, die er der Landwirtschaft, dem Handwerk und den Arbeitern macht, sind billig. Daß die Nationalliberalen, deren Programm ja mit dem der Fortschrittler und Manchesterleute keineswegs, wie die klerikale Presse es unter Umständen darstellt, identisch ist, den genannten drei Ständen ehrlich helfen wollen, wird doch kein Unbefangener leugnen. Ueber die Wahl der rechten Mittel dazu können jedoch Meinungsverschiedenheiten bestehen, und es ist eine auf die Unzurechnungsfähigkeit der Wähler berechnete Anmaßung der Centrumspartei, wenn sie die Unfehlbarkeit ihrer Ansicht proclamirt, nur eine bedeutende Erhöhung der Getreidezölle könne den Landwirt, nur obligatorische Innungen den Handwerker aus der Bedrängnis befreien. In welcher Weise endlich Frhr. von Schorlemer die angebliche Ausbeutung der Arbeiter durch das Groß=Capital zu verhindern sucht, haben wir ja zur Genüge aus seinen Hetzreden gegen sehr viele Grubenverwaltungen kennen gelernt. Daß diese Hetzreden die Lage des Arbeiters verbessert, ihm insbesondere zu höheren Löhnen verholfen haben, dürfte wol niemand zu behaupten wagen. Unseres Ermessens hat ein Abgeordneter die Pflicht, nach Thunlichkeit auf ein gutes Einvernehmen der Arbeiter und Arbeitgeber, nicht aber auf eine Verhetzung der ersteren hinzuarbeiten. Wir kommen jetzt zu den Gründen, welche unsere Liberalen zwingen, die Candidatur des Frhru. von Schorlemer zu bekämpfen. Diese Gründe werden selbstverständlich von der Centrums=Partei geflissentlich ignorirt. Sie mögen daher von neuem in Kürze resumirt werden. Wir Liberale wollen zur Sicherstellung des europäischen Friedens die Erneuerung des Septennats und die volle Erhaltung unserer Wehrhaftigkeit. Der Wahlaufruf der Centrumspartei schweigt sich über diese Frage aus, erklärt sich aber wie die Fortschrittspartei für die Beschränkung der Ausgaben„an erster Stelle bei dem Heerwesen“. Dies allein genügt, um die Candidatur des Frhrn. v. Schorlemer für uns unmöglich zu machen. Frhr. von Schorlemer ist weiter, wie wir schon vorher hervorgehoben, ein erbitterter Culturkämpfer. Wir wünschen aufrichtig den Frieden mit unseren katholischen Mitbürgern unter billiger Abgrenzung der Rechte der Kirche und des Staates. Einen Culturkämpfer, der den selbst in katholischen Staaten zu Recht bestehenden Kern unserer Maigesetze vollständig beseitigen und den Staat zur Magd der Kirche machen will, können wir als Vertreter im Reichstag nicht brauchen. Wir wollen die Centrumspartei nicht der Reichsfeindlichkeit beschuldigen. Da sie aber fort und fort mit den Polen, Welfen, Dänen und Elsässern gemeinsame Sache macht und für ein Reichstagsmandat die Interessen des Deutschtums ohne Bedenken preisgiebt, so kann uns ihre Gesinnung nicht sympathisch sein. Wir können unsere Stimme nur einem Candidaten geben, der voll und ganz auf dem Boden der Treue zu Kaiser und Reich steht. Daß Frhr. von Schorlemer=Alst endlich in zwei besonders für unseren Wahlkreis hochwichtigen wirtschaftlichen Fragen, in der Frage der Colonialpolitik und des Ems=Canals, unsere Interessen bekämpft, ist in den Zeitungen bereits eingehend „Geduld! In einigen Stunden werde ich sie zu Ihnen zurückführen!“ entgegnete er ruhigen Tones. „Und Sie?“ entgegnete sie forschend zurück. „Sind Sie froh oder enttäuscht, daß die Wellen sie uns zurückgaben?“ „Ich liebe mein Weib von ganzem Herzen!“ entgegnete er einfach und in Elaine's Augen leuchtete es auf. Er ging, um Irene in die Arme ihrer Mutter zurückzuführen. Mit großer Ungeduld schritt Elaine im Zimmer auf und ab, die Ankunft der bereits so heiß beweinten Tochter erwartend. „Er hat ein gutes, treues Herz und Irene wird einen edlen Gatten in ihm besitzen!“ dachte sie.„Vielleicht war die Begegnung in jener Nacht beider Bestimmung und führte sie einem wahrhaften Glück entgegen.“ Guido Kenmore war ein edler, braver Character, Irene schön und lieblich, wie ein holdseliger Traum. Ein herrlicheres Paar konnte es. nicht geben. Elaine stand unwillkürlich still, als sie an dem Spiegel vorüberschritt und ihr Bild darin erblickte. Die Hand der Zeit hatte sie kaum berührt und sie war eben so schön als ihre Tochter. Clarence Stuart war sie sogar schöner erschienen, als wie je zuvor, denn der Kummer und das herbe Weh hatte ihren Zügen einen eigenen Reiz verllehen, der ungemein fesselte. Stunden waren vergangen, als sie Schritte in der Halle hörte, ihre Augen füllten sich mit Freudenthränen, das Klopfen ihres Herzens nahm zu. „Irene! Sie kommt mein geliebtes Kind!“ flüsterte sie sehnsuchtbebend. Die Thüre öffnete sich und Gnido Kenmore trat ein. Er war allein. Elaine blickte ihn erstaunt an und suchte totenbleich nach einem Halt, um nicht zu Boden zu sinken. „Irene kommt nicht mit Ihnen?“ rief sie aus. „Mein Gott, was ist geschehen? Ist sie tot?: „Seien Sie stark!“ antwortete er in gepreßtem Tone, ihre Hände fest zwischen die seinigen pressend.„Irene ist nicht tot, das verhüte Gott! Allein gestern Nacht, als wir alle uns von der Villa entfernt haten, entfloh sie und erst spät heute Morgen entdeckte man ihre Abwesenheit. Dieser Brief, an Mrs. Leslie, ihre Beschützerin, gerichtet, fand sich in ihrem Zimmer vor. Die edle Dame, die außer sich ist vor Verzweiflung, schickt Ihnen Irene's letzte Zeilen durch mich!“ Bei diesen Worten zog er ein kleines Billet aus seiner Brusttasche und reichte es Elaine, die es mit zitternden Händen entgegennahm. 43. Capitel. Die Augen voller Thränen blickte Elaine auf die bekannten Schriftzüge der geliebten Tochter, welche sie so lange als tot beweint hatte. Mit Gewalt ihren Schmerz niederkämpfend, durchlas sie den Brief. Die kummervollen Worte, welche einem überschweren Herzen entflossen waren, Irene's Abschiedszeilen, lauteten: „Teure Mrs. Leslie! Meine treue Freundin! Verzeihen Sie mir, daß ich Sie in scheinbarer Undankbarkeit für die große Güte, die Sie mir bewiesen, verlasse. Sorgen umringen mich von allen Seiten, denen ich mich nur durch die Flucht entzihen kann. Ich liebe Mr. Revington nicht und bin außerdem nicht frei und Herrin meines eigenen Ichs, daß ich ihn heiraten könnte, doch weil ich ihn zu fürchten Grund habe, muß ich weit, weit fort, um aus dem Bereich seiner Macht zu gelangen. Ich habe ein schweres Geheimnis zu tragen, und doch muß ich schweigen, doch darf ich es Ihnen nicht mitteilen. Mein Herz ist gebrochen, allein durch wessen Grausamkeit und Kälte? Erlassen Sie mir, meine teure Freundin, die Erklärung. Genug, daß ich Sie verlassen muß, nicht wissend, ob wir einander je wiedersehen! Gott segne Sie immerdar für all Ihre Liebe und Güte gegen die geheimnisvolle Fremde Irene.“ * nachgewiesen worden. Wir brauchen daher nicht darauf zurückkommen. Wir glauben im Vorgehenden gezeigt zu haben, welche unüberbrückbare Kluft in den allerwesentlichsten Puncten zwischen den Auffassungen des Frhr. von Schorlemer=Alst und unserer Partei liegt, und wir hegen daher die feste Ueberzeugung, daß die naiven Sirenengesänge der klerikalen Presse zu Gunsten ihres Schützlings keinen einsichtigen Liberalen bethören werden. Zur Wahlbewegung. ** Bochum, 20. Oct. Der„Westf. VolksZeitung" zufolge, die erst nach dem Wahltage das Lügen, Verläumden und Fälschen einstellen will, schreibt der„M. Spr.“, hat die Candidatenrede des Herrn Dr. Haarmann in der gestrigen Schützenhof=Versammlung„der Hauptsache nach aus gemeinen Schimpfereien auf die Römlinge, Pfaffenbrut und Reichsfeinde" bestanden. Da in der Versammlung auch viele Mitglieder der Centrumspartei anwesend waren, hat sich Herr Fußangel durch die vorstehende Aeußerung gottlob auch seinen Parteigenossen gegenüber als Lügner entlarvt. Das Wort„Pfaffenbrut“ ist weder von Dr. Haarmann noch von irgend einem anderen Redner in den Mund genommen worden. Die„Partei der Gentlemen“ gebraucht solche Ausdrücke niemals. Ad vocem„Reichsfeinde" hat Dr. Haarmann ausdrücklich gesagt, er wolle die Klerikalen, welche mit Welfen, Polen und Consorten gemeinsame Sache machen, nicht Reichsfeinde nennen, daß sie aber dem nationalen Gedanken nicht dienten, könne wol nicht in Abrede gestellt werden. Den Ausdruck „Römlinge“, hat er nur inbezug auf diejenigen jesuitisch=gesinnten Mitglieder der Centrumspartei angewendet, die unbekümmert um das Wohl des Deutschen Reiches ihre Parole aus Rom holen. Von„gemeinen Schimpfereien“ auf diese Römlinge, die ja selbst stolz auf diesen Namen find, hat niemand etwas gehört. Dr. Haarmann hat lediglich unanfechtbare Thatsachen angeführt. Die„gemeinen Schimpfereien" überlassen wir Liberale den Blättern vom Schlage der„Westf. Volks=Ztg." und Leuten, die solchen Blättern nacheifern. ** Dortmund, 21. Oct. Die conservative Partei erläßt an ihre Parteigenossen folgenden Wahlaufruf: „Conservative Wähler! Fortschrittsleute oder Deutschfreisinnige, wie sie sich jetzt nennen, und Ultramontane werden auch diesmal wieder vereint bei der bevorstehenden Reichstagswahl operiren und Arm in Arm an den Wahltisch treten. Diesem schönen Bunde gegenüber gilt es die vor: handenen Parteiunterschiede bei Seite zu setzen und unsere Stimmen von vorneherein auf den Candidaten zu vereinigen, welcher unseren Principien am nächsten steht. Nach der Programmrede des Herrn Stadtrat Kleine kann kein Zweifel darüber obwalten, daß dieser von der nationalliberalen Partei aufgestellte Candidat der Mann unserer Wahl sein muß. Derselbe will, fußend auf dem Heidelberger Programm, eintreten für die Machtstellung Deutschlands durch Erhaltung eines schlagfertigen Heeres, will die Regierung nach außen—, speciell auch bei der Colonial=Politik—, wie nach innen, bei ihren socialpolitischen Reformen und bei der Wirtschaftspolitik— energisch unterstützen, will Entlastung der Gemeinden unter Zuführung ueuer Einnahmequellen für das Reich, Verbesserung der Lage der Landwirtschaft, Förderung eines festeren Zusammenschlusses der Handwerker und besonders Erhaltung des mäßigen, für unseren Kreis so hochwichtigen Schutzzolles, so daß er in sehr wesentlichen Puncten vollständig mit uns übereinstimmt. Wähler! Wir halten fest an unseren conservativen Principien und betonen dieselben ausdrücklich; aber jener unqualificierbaren Coalition gegenüber können wir nicht zweifelhaft sein. Wir müssen unter allen Umständen gegen den Candidaten der Fortschrittler und Ultramontanen, den Rechtsanwalt Lenzmann, stimmen und ganz entschieden mit eintreten für die Wahl des Stadtrats Kleine zu Dortmund. Der Kampf wird in unserm Wahlkreise ein heißer werden. Darum heißt die Parole: AlleMann auf DeckKeiner fehle! Wählet alle, alle ein! stimmig den Stadtrat Kleine zu Dortmund. Der engere Ausschuß des Wahl=Vereins der Conservativen im Wahlkreise Dortmund.“ ** Lippstadt, 20. Oct. Für den Reichstags=Wahlkreis Brilon=Lippstadt und für den Landtags=Wahlkreis Arnsberg=Brilon=Lippstadt hat sich gestern ein nationalliberaler Wahlverein gebildet, der sich dem nationalliberalen Central=Comitee für die Provinz Westfalen angeschlossen hat und dessen Vorstand für das laufende Jahr aus den Herren Amtsgerichtsrat Liebrecht in Lippstadt, Geh. Comm.=Rat W. Bergenthal in Warstein, Kaufmann F. Lohmann und Kaufmann H. W. Thurmann in Lippstadt, Amtsrichter Buddenberg in Erwitte besteht. Als Candidat ist Rud. v. Bennigsen aufgestellt, dessen Wahl freilich in diesem überwiegend ultramontanen Wahlkreise ausgeschlossen ist, der aber hoffentlich eine nicht unbedeutende Stimmenzahl auf sich vereinigen wird. Die nationale Partei wird daselbst durch die Wirksamkeit des dauernden Vereins allmälig gewiß wieder Boden gewinnen.(K..) * Ferlin, 21. Oet. In der gestrigen Sitzung des Reichsversicherungsamts, welcher der Staatsminister v. Bötticher beiwohnte, wurde der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die den Reichsbeamten und deren Hinterbliebenen bei Betriebsunfällen zu gewährenden Pensionen, Witwen= und Waisengelder beraten, der letzte unter den der Ausdehnung der Unfallversicherung dienenden Gesetzentwürfen, deren Aufstellung dem Reichsversicherungsamt übertragen war und deren weitere Beratung im Reichsamt des Innern stattfindet. Der Entwurf nebst der Begründung gelangte zur Feststellung. In der heutigen Sitzung soll der Entwurf eines Normalstatuts für die Berufsgenossenschaften beraten werden. * Gestern Abend verstarb der ehemalige Appellationsgerichtspräsident Julius von Kirchmann im beinahe vollendeten 82. Lebensjahre. v. Kirchmann war eine der Autoritäten der Fortschrittspartei und gehörte im Jahre 1849, sowie in den Jahren 1862 bis 1870 und 1873 bis 1876 dem preußischen Abgeordnetenhause, außerdem dem norddeutschen und dem deutschen Reichstage bis zum Jahre 1877 an. In den letzten Jahren hatte er sich vom politischen Leben vollständig zurückgezogen, da ihn der Culturkampf verstimmt hatte. Als juristischer und namentlich philosophischer Schriftsteller hat sich der Verstorbene einen Namen gemacht, der über den Rahmen der Partei hinausgeht. * Perlin, 22. Oct. Der Kaiser und der Kronprinz treffen morgen früh aus Sigmaringen in Berlin ein. .r Unter Vorsitz des Reichskanzlers hat am Mittwoch ein preußischer Ministerrat stattgefunden, welcher sich mit Angelegenheit des Staatsrats und mit den demselben zu unterbreitenden Vorlagen beschäftigt haben dürfte. Dem Reichsversicherungsamt gehen vielfach Zuschriften aus industriellen Kreisen um Aufklärung über verschiedene, die Unfallversicherung betreffende Fragen zu, und bisher hat, soweit es uns bekannt geworden ist, das Amt sich stets bemüht, die Auskunft nach Möglichkeit zu erteilen. Es mußte jedoch bereits eine Anzahl von Zuschriften unbeantwortet lediglich zu den Acten genommen werden, weil die Eingaben unleserliche Unterschriften enthielten und die Absender auch sonst nicht zu ermitteln waren. Im Interesse der Anfragenden wird es daher dringend zu raten sein, daß Zuschriften, welche auf einen Bescheid rechnen wollen, entweder leserliche Unterschriften tragen, oder daß dem Namen des Absenders ein gedruckter Namen= oder Firmenstempel beigefügt wird. Die Dampfersubventionsvorlage hat nunmehr die Genehmigung des Kaisers erhalten und ist dem Bundesrate zugegangen; ebenso sind die beiden Gesetzentwürfe, betr. die Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Landund Forstwirtschaft, sowie auf das Transport und sonstige Gewerbe, im Bundesrate eingebracht worden. Gleichzeitig mit den Bundesratsausschüssen dürfte sich auch der preußische Staatsrat mit diesen Vorlagen befassen. Im übrigen verlautet, daß die Verhandlungen des Staatsrats geheim bleiben sollen. ** Auf der Tagesordnung der morgigen Bundesratssitzung stehen der deutsch= griechische Handelsvertrag, die Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Transport=Gewerbe und die Dampfersubvention. Die Vorlagen werden zunächst den zuständigen Ausschüssen überwiesen; über die letzten beiden wird vor der endgültigen Abstimmung noch der preußische Staatsrat beraten. Fragen und Antworten. Die Centrumspartei des Kreises Bochum hat folgenden Wahlaufruf erlassen und im Flug, blatt verbreitet: Wähler im Wahlkreise Bochum! Erhebet Euch zum Entscheidungskampfe am 28. October! Hier Schorlemer! Da Haarmann! von Ihr und * Die Grundzüge für die Alters= und Invalididätsversicherung der Arbeiter sind bereits fertiggestellt. Der Reichskanzler hat darüber bereits mit dem Staatsminister v. Bötticher und dem Ministerialdirector Bosse conferirt. Provinzielle * Gelsenkirchen, 23. October. Die beiden vorgestern Abend im Saale des Herrn Börste zu Ueckendorf seitens des dortigen evangelischen Arbeitervereins und im Saale des Herrn Bronner zu Bulmke seitens des liberalen Wahlcomitees einberufenen nationalliberalen Wählerversammlungen waren bis auf den letzten Platz besucht. Der Redacteur des„Märkischen Sprechers“ zu Bochum sprach in beiden Versammlungen. Mit großer Begeisterung für die nationale Sache erklärten sich beide Versammlungen, woran auch viele katholischen Arbeiter teilgenommen haben, für den nationalen Candidaten Herrn Dr. Haarmann in Bonn. Ein Zeichen also, daß bei vernünftigen katholischen Arbeitern und Bergleuten das deutsch=nationale Interesse hoch steht. Zu gleicher Zeit unterfing sich auch einer der eingeschlichenen Ultramontanern für v. Schorlemer zu wühlen, dadurch, daß derselbe Broschüren über Abschlachtung der Arbeitergeber aus der bekannten „Reichstags(=Januar=) Sitzung“ und ferner Flugblätter:„Der Germaniaprozeß", als Agitations= mittel zu verbreiten versuchte. Im ersten Augenblick fällt es auf, sodaß man glauben sollte, es habe ein zweiter Germaniaprozeß stattgefunden. Man will ultramontauerseits dadurch die Arbeiter und Bergleute täuschen. * Gelsenkirchen, 23. Oct. In der Nr. 247 d. Bl. muß ad 5 unseres Schöffengerichtsberichtes folgendermaßen heißen: Ehefrau König wurde wegen Beleidigung der Ehefrau Bergmann Theodor Breuer zu Ueckendorf mit 6 M. event. 2 Tagen Haft bestraft. 1) Dieser ergraut im Kampfe um Gewissensfreiheit und gleiches Recht für alle, jener ein Neuling im politischen Leben, der sich auf die Trümmer der einst so unheilvoll mächtigen nationalliberalen Partei stützt. 2) Seitdem wir siegreich aus Frankreich heimgekehrt sind, leben wir bis auf den heutigen Tag im eigenen Lande in Unfrieden; der böseste Hader zwischen den Confessionen hat unser bürgerliches Nebeneinanderleben von Grund aus vergiftet. Seit derselben Zeit hat eine schrankenlos freie Gewerbeordnung unseren gesamten Mittelstand an den Rand der Vernichtung gebracht und unseren ohnehin bescheidenen Nationalwohlstand ruinirt. 3) Diese beiden als groß gepriesenen aber unsäglich traurigen Errungenschaften verdanken wir den Nationalliberalen. Und nun, gutmütiger deutscher Bürger, Bauer, Handwerker und Arbeiter, nachdem Du ein Dutzend Jahre diese großen Errungenschaften genossen hast, wische Dir die Augen, sieh die gewaltigen Errungenschaften an und frage Dich: Was habe ich denn davon gehabt? 4) Das hast Du davon gehabt: Man hat Dir die Culturkampfnebelmütze auf den Kopf gedrückt bis über die Augen, Du hast jahrelang blind gewüthet gegen Deinen Mitbürger, Deinen Mitchristen und hast nicht gemerkt, wie inzwischen Deine Taschen geleert wurden. 5) Nun reiße die Mütze herunter, reibe Dein bedächtiges Haupt und frage Dich: Was habe ich denn vom Culturkampf gehabt? 6) Was habt Ihr, evangelische Mitbürger, vom Kampfe gegen die katholische Kirche gehabt? Hat dieselbe Euch jemals bedroht, Eure Existenz verneint? Haben wir Euch jemals beschimpft? Nein! Selbst im schwersten Kampfe, Stoß und Hieb parirend, hat das Centrum, hat allen voran Schorlemer, Euere kirchliche Verfassung, Euere Rechte, Euere Existenz Schritt um Schritt verteidigt. Aber die liberalen Culturkämpfer haben sie nicht ebensogut Euere kirchliche Verfassung zu zertrümmern getrachtet, Euch verspottet und verlacht, wenn Ihr kirchlich und christlich seid, Euere Geistlichen ebenso verhöhnt und mißachtet, wie die unsrigen? 7) Darum herunter mit der Culturkampfmütze, seht Euch die Störenfriede im deutschen Reiche an— ihre Zahl ist nicht groß, aber mit dem Capital des deutschen Volkes in Händen, haben sie mit ihrer das Land überschwemmenden Presse in weiten Kreisen dem Volke den Kopf verwirrt! Aber es beginnt zu dämmern; immer größer wird die Zahl der vernünftigen Männer, die sich fragen: Was haben wir diesem unseligen Zustande gehabt? Helfet uns jetzt, wie uns vor drei Jahren geholfen habt, helft uns mehr wuchtiger, daß wir dem Kaiser einen christlich=conservativen Vertreter ins Parlament senden, helft uns stärken und mehren die Zahl dieser deutschen und christlichen Männer, die den Thron stützen, weil sie den Altar schützen, damit unser Kaiser bald das Machtwort sprechen kann: Ich will Frieden mit meinem Volke! Unser Kaiser will den Frieden und will, daß dem Volke die Religion erhalten werde und will, daß das Christentum die Grundlage des Staates sei. Ebenso laut hat der mächtige Kanzler das practische Christentum zurückgerufen, d. h. er hat das göttliche Gesetz der christlichen Nächstenliebe reclamirt als Fundament unseres socialen Lebens statt des jämmerlich menschlichen Humanitätsdusels unserer Nationalliberalen. Also seht Euch scharf den Störenfried im deutschen Reich an, den Unterwühler und Zerstörer unseres Volkswohles und Friedens! Krieg den Culturkämpfern, Frieden dem deutschen Volke und seiner Arbeit! 8) Allzulange schon hat Zwietracht uns das sauer verdiente Brot vergällt; unser Land ist zu arm, und wir alle sind zu arm, als daß länger die Zwietracht Unsegen auf unsere Arbeit streuen darf. 9) Arm sind wir geworden im ganzen Lande, in allen Ständen durch die unsinnige liberale wirtschaftliche Gesetzgebung— diese Erkenntnis ist in immer weitere Kreise gedrungen und ein gewaltiges Ringen hat begonnen und laut erschallt der Ruf: Zurück zu conservativen, zu christlichen Wirtschaftsgrundsätzen! Wer soll uns helfen? Wer kann und will uns helfen? Wird der Nationalliberalismus helfen können? Kann er seine eigenen Kinder verzehren? Kann er sein eigenes Gesetz ungeschehen machen oder ins Gegenteil verkehren? Er kann nicht und will nicht— aber er wird versinken unter dem Fluch des Culturkampfes und besser heute als morgen. Schon ist die stattliche Schaar nationalliberaler Culturkämpfer und Gesetzfabrikanten von anderthalbhundert auf vierzig herabgesunken und jetzt sollt Ihr, gutmütige Bewohner des Kreises Bochum, diesem Trümmerhaufen ohne Kopf eine neue Stütze zuführen, den Herrn Dr. Haarmann als Nationalliberalen und Culturkämpfer. Diese beiden Titel verurteilen ihn zur Unfruchtbarkeit auf seiner politischen Laufbahn, mag er auch versprechen von Wirtshaus zu Wirtshaus, an allen Landstraßen des Kreises, was er will. Traut ihm nicht, Mitbürger in Stadt und Land, wenn er auch Frieden und Freiheit verspricht, er ist Culturkämpfer und kennt den Frieden nicht! Traut ihm nicht, Landleute, auch wenn er Euch in Langendreer Schutzzölle verspricht— in Herne aber schon den Bergleuten und Arbeitern das Gegenteil sagt. Traut ihm nicht, Ihr Handwerker, wenn seine unklaren Antworten auf Eure klaren Fragen Euch klar geworden sind. 10) Bergleute und Arbeiter! Werdet Ihr noch einem nationalliberalen Vertreter unseres Kreises Vertrauen scheuken? Hat Euch je einer genützt, an Euch nur gedacht, Euere Klagen gehört? Sie haben Euch geschadet, oder haben, wenn es etwas nach Pulver roch, das Bochumer Mandat weggeworfen und sich eilig nach Hause in Sicherheit gebracht! 11) Wie anders steht Herr von Schorlemer da! Der steht fest, der hat noch nie gewankt, ja, der greift auch an! Wer ist für Euch, Ihr Landleute, zuerst und allein in die Bresche gesprungen, als Ihr noch nicht ahntet, wie tief Euch der Freihandel und die anderen hübsch klingenden Freiheiten herunterdrücken würden? Geeinigt hat er Euch, stark gemacht hat er Euch— aber die liberalen Gesetze, die Euch ruiniren, bestehen noch fast unverändert fort. Euere Steuern= und Schuldenlasten 1) Ergraut im Kampfe gegen das Licht, für Dummheit, Verhetzung und römisches Recht.— Die nationale Partei soll jung aufblühen. 2,3) Die Unfehlbarkeitserklärung ist be. kanntlich am Tage vor der franzö. sischen Kriegserklärung von Rom proclamirt worden. Für Wahrheit, Freiheit und Recht hätte die Clerisei mit dem Kaiser Napoleon und der ultramontanen Horde ganz Deutschland an liebsten in die Kutte gesteckt.— Aber es kam anders! Gott war mit Deutschland—— nicht mit dem unfehlbaren Papste Pius IX.— Das„Nationalwohl“ zu verringern, giebt sich Rom die größte Mühe schon dadurch, daß mittels der überflüssigen Mariätage millionen von Arbeitern der Verdienst entzogen wird. 4) Dafür haben die Hetzcapläue, von Schorlemer, Windthorst, ultramontane Presse gesorgt. Im Uebrigen sorgt die Clerisei schon für gefüllte Taschen. (Große=Grollmann, Ueckendorf, und Rector Schwarze, Wattenscheid.) 5) Reiße herunter die Jesuitenmaske. 6) Welche Verfassung, die römische? Nie ist ein katholischer Unterthan seitens der Nationalliberalen verhöhnt oder mißachtet worden. Eine Lüge dies, um aufs neue confessionelle Hetzerei zu treiben. 7) Herunter mit der Jesuitenkutte! Vergleiche Papstbrief contra Freimaurerei, deren oberster Protector unser Kaiser ist.— Für den„christlichconservativen“, Vertreter, welchen das Centrum in den Reichstag sendet, sollte sich unsere kaiserliche Regierung„bedanken“, weil sie den Thron stürzen wollen. Wir verweisen auf die belgischen Zustände. Friede will der Clerus überhaupt niemals— nur herrschen! 8) Welches Land, Kreis Bochum? der industrielle 9) Von Sinnen könnte natürlich nur die klerikale Gesetzgebung sein. Die jetzige wirtschaftliche Gesetzgebung ist die von der Regierung angestrebte und von Kaiser und Bismarck sanctionirte Gesetzgebung— also doch unsinnig. Wir schlagen vor, daß das Bochumer Centralwahlcomitee als gesetzgebender Körper nach Berlin berufen werden möge. Trau— schau— wem! 10) Ja, ja, ja, ja;— pfui! 11)„Kein Engel ist so rein!“ ist leider selbst nicht mit sich einig wie kann er andere vereinigen wollen!“ sind seit 30 Jahren in kosten heute weniger a Ihr fühlt es, da heute noch imstat Deutschland nach Dr. Haarmann Euch h in Berlin, in das nat die Gesetze zu be richten. 12) Aber Ihr, die herzigkeit auch heu Stimme gebt, wißt gu Euere Rechte ebenso n wißt, er ist nobel, abe 13) Gewerbetre Euere gewaltigen Arbe Euch wieder in wider für nichts und ver Sind Euere Worte? blos Schein, wollt Lage in die Höhe, dar er ersteigt die Stufen seine Schritte hemme Partei, kein Mini 14) Bergleute! beschützt, und vor dem für Euch Lügner u Glaubt Ihr, daß ein hundert genullte Schrei der Entrü glauben könnt, dann n Dann wäret Ihr unkl esses; ist aber einer vi# ständig und legt diesen dann ist er gewählt, Fürsprecher und Anwa 15) Bergleuteu schaft; schwere und g den andern an: Ihr Soi wird der C M sein politisc Dr. AL# Da Herr Börse zu E. Nächste Börsen-Versa Montag, 27. Oetbr nachmitt.—½6 im Caeino(bei C. Kastanienallee 9! Die Börsen-Com 15555 Habe mich hi O gelassen u mit Anfang meine Prazis Wanne, im Oct. Paul Dreckma pract. Arzt, Wun und Geburtshel Knechtstedener Gold=Eier Ziehung wurde verleg endgültig 16. Decembe Ken=Bg.e e Hierdurch bringe ehrten Publikum me pferdeMetzgerei“. ergebenste Erinnschlachte ich Zill Geisenkirchen, Säucht vom 1. Dungelisches Dienstmä Hochstraße Nr. 9, m gen das betzung nabondte ngist beFani kom proeit, Freierisei mit er ultrasland am — Aber Deutschfehlbaren Nationalsich Rom irch, daß Nariätage Verdienst läne, von amontane sorgt die Taschen. orf, und .) tenmaske. ömische?! Unterthan verhöhnt ine Lüge fessionelle sind seit 30 Jahren ins Riesige gewachsen, und Euere Producte tosten heute weniger als vor 30 Jahren; glaubt es nur, denn Ihr fühlt es, daß drei liberale Börsenmatadore heute noch imstande sind, die Bauern von ganz Heutschland nach Belieben zittern zu lassen. Kann Dr. Haarmann Euch helfen? Er mag hier sagen, was er will, in Berlin, in das nationalliberale Parteijoch gespannt, hat er die Gesetze zu verteidigen, die Euch zu Grunde richten. 12) Aber Ihr, die Ihr aus confessioneller Engherzigkeit auch heute noch dem Wittener Candidaten Euere Stimme gebt, wißt gut genug, daß der westfälische Edelmann Euere Rechte ebenso warm und energisch vertreten wird, Ihr wißt, er ist nobel, aber Ihr? Ihr seid blind! 13) Gewerbetreibende und Handwerker! Sollen Euere gewaltigen Arbeiten und Anstrengungen der letzte Jahre, Euch wieder in widerstandsfähigen Verbänden zu organisiren, für nichts und vergeblich sein— dann wählt Haarmann! Sind Euere Worte keine Phrasen, Euere Thaten nicht blos Schein, wollt Ihr, müßt Ihr aus Euerer elenden Lage in die Höhe, dann folgt Schorlemer, er kennt die Wege, er ersteigt die Stufen zur Ordnung, und keiner ist so stark, seine Schritte hemmen zu können, ihn hat noch keine Partei, kein Minister stutzig gemacht! 14) Bergleute! Ihr kennt Schorlemer! Er hat Euch beschützt, und vor dem ganzen Lande verteidigt! Er hat sich für Euch Lügner und Verläumder schimpfen lassen! Glaubt Ihr, daß ein Liberaler dasselbe thut, glaubt Ihr, daß hundert genullte Wagen dem Dr. Haarmann einen Schrei der Entrüstung entlocken? Ja, wenn Ihr das glauben könnt, dann wählt Haarmann! Seid ihr undankbar? Dann wäret Ihr unklug und Gegner Eueres eigensten Interesses; ist aber einer von fünfen unter Euch dankbar und verständig und legt diesen Dank still in die Urne für Schorlemer, dann ist er gewählt, und dann ist er wieder Euer sicherster Fürsprecher und Anwalt. 15) Bergleute und Arbeiter! Ihr kennt noch Kameradschaft; schwere und gefahrvolle Arbeit weisen den einen auf den andern an; Ihr habt die Siege auf den böhmischen und 12) Nicht ganz zugegeben! Für des nette Complement„Ihr seid blind“ dürfen sich ebenfalls Arbeiter und Bergleute bedanken. 13) Er kennt die Wege nach Rom. Die armen katholischen Arbeiter und Handwerker gebraucht der Herr Vertreter zum Ersteigen der Stufen nach hierarchischer Ordnung. 14) Wagennullen scheint das „tolle“ Steckenpferd dieser centralultramontanen Christengemeinschaft zu sein. Nur immer Hetzen! Hauptsache! 15) Wir haben schon früher behauptet, daß Herr v. Schorlemer die Bergleute und Arbeiter infolge seiner fulminanfranzösischen Schlachtfeldern erfochten, Ihr habt die Anstrengungen, die Rationen und die feindlichen Kugeln kameradschaftlich teilen müssen,— habt Ihr in schwerer Arbeit und großer Gefahr das Bedürfnis, Euch erst nach der Confession Eures Kameraden zu erkundigen? So unvernünftig ist und war keiner von Euch! Und jetzt wollen gewisse Herren Euer confessionelles Bewußtsein wachrufen. Euch in confessionellen Arbeitervereinen zusammenschmieden, um durch Euch einen liberalen Vertreter nach ihrem Herzen durchzubringen! Glaubt Ihr, daß diese Herren sich um Euch kümmern würden, wenn die Wahl nicht vor der Thür stände? Glaubt Ihr, daß der liberale Dr. Haarmann, wenn Ihr ihn gewählt habt, Euer Los bessern kann? Glaubt Ihr, daß er ein Titelchen an dem für Euch schlimmsten Freizügigkeitsgesetz ändern will und kann? Unter diesem höchst liberalen Gesetz steht es jedem Großindustriellen jeden Tag frei, durch den Agenten waggonweise Arbeitskräfte aus aller Herren Länder zu beziehen, um Eure Löhne herunterzudrücken, und Ihr behaltet die Freiheit, die Invaliden und Angehörigen dieser Massen bald nachher durch neue Communalsteuern zu ernähren, und wo Ihr wollt, zu verhungern. 16) Aber es ist Zeit, daß für Euch etwas geschieht, daß auch Ihr wieder zu soliden, geordneten Verhältnissen kommt. Im Programm des Centrums stehen seit langem die für Euch zu erstrebenden Besserungen fest und zielbewußt, und die Conservativen sind auch bereit, für Euch einzutreten mit Entschiedenheit; erlangen wieder diese christlich=conservativen Parteien die Oberhand, dann ist der Anfang der Besserung Euerer Lage gesichert; im Programm der nationalliberalen Mittelpartei steht für Euch nichts, als schöne Worte! 17) Und nun erhebt Euch zu dem ernsten Entscheidungskampfe am 28. October! Laßt Euch nicht länger confessionell verhetzen! Herunter mit der Culturkampfmütze, seid verständig, seht klar und fragt Euch: Was haben wir denn vom Culturkampf gehabt? Hier Schorlemer! Da Haarmann! 18) Nun wählt! Das Central=Wahl=Comitee der Centrums=Partei. ten Hetzerel in der Reichstagssitzung vom 10. Januar 1882 keinem einzigen der Arbeiter— ob seiner„warmen Fürsprache“— auch nur eine Mark Mehrverdienst zuschwadronirt hat. — Das Aufblühen der Industrie, des Handels, des Gewerbes— wir haben es häufig genug nachgewiesen— ist in erster Reihe der wirtschaftlichen Reformgesetzgebung unseres Fürsten Bismarck und der Hebung der allgemeinen wirtschaftlichen Prospiration zu verdanken. Wahrhaftig keinem Schorlemer=Alst. 16) Vergleiche ad 7. 17) Was habt Ihr vom Culturkampf gehabt? Hier Schorlemer! 18) Arbeitet für die Culturkampfsmütze. sitenkutte! a Freitor unser schristlichchen das det, sollte ung„ben stürzen die belgier Clerus herrschen! dustrielle natürlich ing sein. setzgebung ngestrebte sanctiodoch undaß das comitee ch Berlin rau— 1 1 6 ch einig, wollen“! Sonntag, den 26. October, nachmittags 3½ Uhr, wird der Candidat der nationalliberalen Partei Herr Dr. Haarmann im Saale der„Germania“ zu Gelsenkirchen sein politisches Programm entwickeln. Alle diejenigen Wähler, welche gesonnen sind, dem Herrn Dr. Haarmann ihre Stimmen zu geben, werden hierzu freundlichst eingeladen. Das liberale Wahlcomité. Da Herr Dr. Haarmann an demselben Tage noch in Linden sprechen will, so wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Arse u Lsen. Nächste Börsen-Versammlung Nontag, 27. Octbr. 1884, nachmitt.—½8 Uhr, im Oseino(bel C. Rothe), Kastanienallee 95. Die Börsen-Commission. 5855550 mich hier niedergelassen und werde mit Anfang Nevember meine Prazis beginnen. Wanne, im Oct. 1884. Paul Dreckmann, pract. Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer. Knechtstedener Gold=Eier=Lotterie. Die Ziehung wurde verlegt u. findet andelüig 16. Desenber 184 satt. Verschiebung ist ausgeschlossen. Vern.=Ag. 2. Juhse, Mülhelm(Ruhr). Hierdurch bringe ich dem geehrten Publikum meine pferdeMetzgerei Ege benste Erinnerung. Täglich schlachte ich frische fette Pferde. Geisenkirchen, Florastraße. gungeshe. 1. Rovenker din im Dienstmäd tge, Hochstraße Nr. 9, Gelsenklrchen. Turn-Verein sp; Geisenklichen. Am Samstag, den 25. October, abends 8 Uhr, findet im Vereinslocale zu Ehren der zum Militär einberufenen Genossen ein geschlossenes statt, wozu die activen und inactiven Mitglieder hierdurch eingeladen werden. Der Vorstand. * Geschäfts-Eröffnung. Eröffnete heute im Hause des Herrn Wilh. Hundt, Wiehagen, Bochumerstr. 9, Ece der Weidenstr.,# .. e1n Kurz=,Moll= u. WeißwarenGeschäft. Bei guter Ware, mäßigen Preisen und aufmerksamer Bedienung hoffe ich mir das Wohlwollen der Bewohner Gelsenkirchens und Umgegend zu erwerben. Seisenkirchen=Wiehagen, den 22 October 1884. P Hochachtungsvoll Otte Sticht. (em Bergmanns=UnterstützungsDverein zu Ueckendorf sage ich hierdurch für die mir bei dem Tode meines auf Zeche„Zollverein“ verunglückten Mannes gewährte Unterstützung von 30 Mr. aufrichtigen(evangelischer Confession) sucht sofort Dank. Ww. Woweries, soder zum 1. Stellung. Wer sagt Ueckendorf, Bergmannstr. 1. unter Nr. 1912 die Exp. d. Bl. Eine erfahrene, mit guten Zeugnissen versehene Köchin chemerdechnte üir Fraten und Kicter Gelsenkirchen, Friedrichstraße 6, I. Etage. Um den Töchtern unbemittelter Eltern den Besuch meiner Schule zugänglich zu machen, habe ich mich entschlossen, vom 1. November er. an einen (schsmonällichen„Cursus in Stricken, Leinennähen, Stopfen, Namensticken und Maschinennähen in Nachmittagsstunden für Mädchen, welche nicht mehr schulpflichtig sind, zu halbem Preise und zwar ohne Einzu eröffnen. Anmeldungen zu diesem Cursus werden bis zum 30. Oct. täglich entgegen genommen. Die Vorsteherin: Marie Mager. Medizinischen Tokayer, Colonial=, Hurz= und Wolenwaren empfiehlt in bester Qualität zu Tagespreisen Bickern, G. Hagemann. Geschässe- Verlegung Meinen verehrten Abnehmern mache hierdurch die ergebene Mitteilung, daß ich mein Geschäft aus dem Hause des Herrn H. Nettebeck in das gegenüberliegende neu erbaute Haus des Bauunternehmers Heren H. Timmermann verlegte. Indem ich für das mir bisher geschenkte Vertrauen bestens danke, bitte, mir dasseibe auch dabin Abertragen zu wollen. Es wird mein Bestreben sein, durch fortwährende Verbesserung meiner Fabrikate die Wünsche der Herren Raucher zu befriedigen. Selfenkirchen, 16. Sept. 1884. Hochachtend Aug. Marten, Jahal. u. Gigarrenfabrik, Bochumerstraße. Gelsenkirchener Turner=Club. Freitag, den 24. d..: Gczelliger Abend. Herrn Bäckermeister Joh. Lickfeld jun. zu Rottbausen zu seinem heutigen Geburtstage die herzt. Glückwünsche. Bleibe, wie Du bist, stets heiter, Froh von Herzen, offen, wahr, Und der liebe Gott helf weiter Dir noch manches frohe Jahr. Lebe glücklich stets hienieden, Sei mit Deinem Los zufrieden. Dann wird Dich in Deinem Leben, Freude nur, nie Schmerz umgeben. Gewidmet von Ungenannten aber Wohlbekannten. Wüie hche und Maschinisten zum sofortigen Eintritt gesucht. Bulmke bei Gelsenkirchen, den 21. Oetober 1884. Actien=Gesellschaft für Kohlendestillation. —f. Hüssener. Ein gut erhaltenes 3 Billard* billig zu verkaufen. Wo sagt die Epp. d. Ll. unter Nr. 1917. Ein draver evangelischer Junge süe leichte erbeit gesucht. Von wem sagt die Exp. d. Bl. 6 90 Se * Die Anzahl der Candidaten, welche durch Bestehen der Prüfung für das höhere Schulamt und befriedigende Ablegung des 1 Probejahres ihre Anstellungsfähigkeit für höhere Schulen erwiesen haben, ist gegenwärtig, wie die zahlreichen an die Centralstelle gerichteten Gesuche beweisen, erheblich größer, als die Anzahl der k I verfügbaren Stellen unter Einschluß der Gelegenheit zu widerruflicher remunerirter Beschäftigung. Es ist selbstverständlich unmöglich, den Notstand zu beseitigen, welcher für die großenteils unbemittelten Candidaten aus diesem thatsächlichen Verhältnisse hervorgeht, die Unterrichtsverwaltung hält es in3 dessen für ihre dringende Pflicht, bei der remunera! torischen Verwendung von Candidaten, bezw. ihrer wirklichen Anstellung, den Gründen der Billigkeit soweit als möglich Rechnung zu tragen. Da inI dessen im einzelnen in dieser Beziehung Zweifel entstanden sind, so hat der Cultusminister bei mehreren Puncten die Provinzialschulcollegien auf die einzuhaltende Norm hingewiesen. Erstens sei es bei der gegenwärtigen Sachlage nicht zulässig, Probecandidaten sogleich beim Antritte # ihres Probejahres über ihre Pflichtstunden hinaus Lehrstunden zuzuweisen, für welche eine Remuneration verfügbar ist, sofern in dem Bereiche des betreffenden Königl. Provinzialschulcollegiums Candidaten desselben Lehrgebiets vorhanden seien, welche nach bereits abgelegtem Probejahre irgend eine remunerirte Beschäftigung an öffentlichen höheren Schulen suchen. Zweitens sei es vorgekommen, daß bei Erledigung einer Lehrstelle oder einer Gelegenheit zu remunerirter Beschäftigung an einer s höheren Schule Candidaten zunächst inbetracht gezogen wurden, welche soeben an derselben Schule ihr Probejahr mit erfreulichem Erfolge abgeschlossen hätten. So erklärlich ein solches Verfahren vom : Standpuncte der einzelnen Anstalt sei, entstehe daraus doch für die provinzielle Unterrichtsverwaltung 1 ein Unrecht, weil infolge desselben Candidaten ) desselben Lehrgebietes in ihrem Bereiche unberücksichtigt blieben, welche ihr Probejahr schon früher abgeschlossen hätten. Die Königlichen Provinzialschulcollegien hätten daher auf das Sorgfältigste darauf Bedacht zu nehmen, daß in solchen Fällen die Candidaten nach Maßgabe einerseits der seit dem Abschlusse des Probejahres verflossenen Zeit, andererseits der Qualität des Prüfungszeugnisses zur Verwendung gelangten. Es werde allerdings ### bei diesem Verfahren nicht selten der Fall eintreten, daß Candidaten unmittelbar nach Abschluß des Probejahres an derselben oder einer anderen Lehranstalt eine remunerirte Beschäftigung nicht 1 zugewiesen werden könne. Das schließe indessen nicht aus, daß ihnen auf Wunsch von einer Lehranstalt, so weit es mit deren Unterrichtsplan vereinbar sei, unremunerirte Lectionen übertragen würden, um ihnen hierdurch den Zusammenhang mit den öffentlichen Lehranstalten zu ermöglichen. Was deu ersten Punct anlangt, so triffter städtische und stiftische Lehranstalten in gleicher Weise wie staatliche. Dagegen können die für die remunerirte Beschäftigung und die Anstellung der Candidaten ausgesprochenen Grundsätze nur von staatlichen Anstalten durchgeführt werden; den städtischen Patronaten gegenüber wird nur bei geeigneten Anlässen der Wunsch geltend zu machen sein, daß sie in ihrem Bereiche den gleichen Grundsätzen der Billigkeit Rechnung tragen. Aus der Zahl der jährlich vor den wissenschaftlichen Prüfungscommissionen abgelegten Lehramtsprüfungen ist zu schließen, daß das Mißverhältnis zwischen der Anzahl der Candidaten und der der verfügbaren Lehrerstellen noch keineswegs in der Abnahme begriffen ist. Der Cultusminister wünscht des halb über die Sachlage sichere Kenntnis zu erhalten, insbesondere über die Zeit, welche durchschnittlich zwischen dem Abschluß des Probejahres und dem Beginn der Verwendung, bezw. der Anstellung an den Anstalten staatlichen und nicht staatlichen Patronats fällt. Zu diesem Zwecke sollen die Königl. Provinzialschulcollegien bis zum 1. Mai 1886 berichten, welche Candidaten von jetzt bis einschließlich Ostern 1886 in ihrem Amtsbereiche zu remuneratorischer Beschäftigung oder fester Anstellung gelangt sind, unter Bezeichnung des Lehrgebiets und der seit dem Abschlusse des Probejahrs verflossenen Zeit, ferner angeben, welche von den Cundidaten, die sich dem betreffenden Provinzialschulcollegium zur Verfügung gestellt haben, nach bereits abgelegtem Probejahre und für welche Lehrfächer noch keine Verwendung gefunden haben. * Der braunschweigische Regentschaft rat hat den Landtag des Herzogtums mittelst folgender Verordnung zu einer außerordentlichen Versammlung einberufen:„Nachdem infolge des am 18. d. M. zu Schloß Sibyllenort erfolgten Ablebens Sr. Hoheit des regierenden Herrn Herzogs Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg sich der Regentschaftsrat für das Herzogtum Braunschweig aufgrund des Landesgesetzes vom 16. Februar 1879 Nr. 3, die provisorische Ordnung der Regierungsverhältnisse bei einer Thronerledigung betreffend, constituirt und seine Constituirung nach Vorschrift des gedachten Gesetzes durch die Bekanntmachung vom 18. d. M. zur öffentlichen Kenntnis gebracht hat, hat derselbe in Gemäßheit des dritten Artikels des§ 3 des allegirten Gesetzes beschlossen, die Landesversammlung behufs verfassungsmäßiger Mitwirkung bezüglich der durch die obwaltenden Umstände etwa weiter gebotenen Schritte auf Donnerstag, den 23. October 1884, zu einem außerordentlichen Landtage einzuberufen, und werden daher die Abgeordneten des Landes eingeladen, sich an dem gedachten Tage, morgens 11 Uhr, im Local der Landesversammlung hierselbst einzufinden.“ Die Aufstellung der Leiche des Herzogs geschieht im Gartensaale des Residenzschlosses. Nachdem die Ueberführung Mittwoch vor sich gegangen, wird dem Publikum der Zutritt am Donnerstag und Freitag, morgens von 9 bis 12 und nachmittags von 2 bis 5 Uhr, gestattet. An den Beisetzungsfeierlichkeiten am Samstag werden teilnehmen: der König von Sachsen, der Herzog von Cambridge(als Haupt der jüngeren Welfenlinie), Prinz Albrecht von Preußen und der Großherzog von Oldenburg. Bereits früher war mitgeteilt worden, daß ein Teil der an den Straßenecken angeklebten Proclamationen des Generalmajors v. Hilgers durch die Bevölkerung abgerissen worden war. Jetzt läßt sich die„Nat. Ztg.“ melden, daß in der Nacht zum Sonntage und am Sonntag selbst Verhaftungen erfolgt sind, die man mit der Thatsache in Verbindung bringt, daß die an den Straßenecken angeheftete v. Hilgers'sche Proclamation Gegenstand von Demonstrationen zumteil ekelster Art waren. Zu ernsten Weiterungen dürfte indes dieser nächtliche Spuk nicht führen. Wenn auch eine gewisse Empfindlichkeit in der Bevölkerung seit dem Vorgehen vorhanden ist, wenn sich auch der Braunschweiger einigermaßen verletzt fühlt, daß seine Landesbehörde weniger fix war, als der preußische Höchstcommandirende, so ändert dies nichts daran, daß man hier loyal zu den Institutionen des Reiches steht. Dr. Windthorst ist zum Herzog von Cumberland gereist, ohne Zweifel, weil dieser den Rat des Centrumsführers und persönlichen Sachwalters der Familie zu hören wünscht. Ferner verlautet, der Herzog von Cambridge werde sich nach den Beisetzungsfeierlichkeiten zum Kaiser Wilhelm begeben, angeblich im Auftrage des Herzogs von Cumberland. &a Der Rückgang in der Auswanderung ist ein andauernder. Im Monat September haben nur 11092 Auswanderer Deutschland verlassen, gegen 14 753 im September vorigen Jahres. Nach den Nachweisungen des Kaiserlichen Statistischen Amts beträgt nunmehr die Zahl der in den ersten neun Monaten dieses Jahres Ausgewanderten 122343 gegen 133954 in demselben Zeitraum des Vorjahres. Aus Preußen sind im September 6363 Personen(gegen 8401 in demselben Monat des Vorjahres) ausgewandert. Von den Preußischen Provinzen stellte das größte Contingent Hannover mit 1269(gegen 1482 im selben Monat des Vorjahres); es folgt Westpreußen mit 664 (gegen 730), Pommern mit 649(gegen 766). Brandenburg mit Berlin mit 617(gegen 926). Hessen=Nassau mit 556(gegen 743), Posen mit 456(gegen 676), Schleswig=Holstein mit 453 (gegen 745), Rheinland gleichfalls mit 453(gegen 714), Westfalen mit 424(gegen 598), Sachsen mit 385(gegen 308), Schlesien mit 301(gegen 556), Ostpreußen mit 120(gegen 127), Hohenzollern mit 13(gegen 27). Die Abnahme der Auswanderung ist in allen Provinzen(mit Ausnahme von Sachsen) gleichmäßig zu constatiren. * Zur Wahlbewegung. Der große Reichskanzler und die Reiche: krakehler. Fort mt Richter und Consorten, Die mit lauter leeren Worten Ködern Volk und Vaterland, Die da in den Wählerkreisen Reden, daß der Fürst von Eisen Deutschland bring' aus Rand und Band. Flunkern von dem Druck der Steuern, Daß die Zöll' das Brot verteuern, Von des Landes Mißgeschick! Ja, der eitle Richter=Hagen Ueberhäuft die Welt mit Klagen Ueber Bismarck's Politik. Wenn dazu die Fortschritts=Freien Ihrem Meister Bravo schreien, Dem bekannten Redeheld, Dann dünkt sich der Freimagister Schon als künftiger Minister, Als ein großes Licht der Welt. Doch von Eugen's Thun und Treiben Wird die Chronik nicht viel schreiden Und der Nachwelt machen kund. Phrasen hat er viel ersonnen, Die als leerer Dunst zerronnen; Seine Größe liegt im Mund. Große Männer frech zu kränken, Sie zu schmähn mit groben Ränken, Zu verkleinern ihren Ruhm; Das ist nur gemeine Rache, Nicht des deutschen Mannes Sache; Ist ein feiles Heldentum. Was Fürst Bismarck uns errungen Können alle Lästerzungen Niemals fälschen und verdrehn; Seine Werke, groß, erhaben, Bleiben, wenn er längst begraben, In der Weltgeschichte stehn. Selbst besiegte Nationen, Die an unsren Grenzen wohnen, Wissen, was er ist und kann; Volk und Fürsten fremder Staaten Horchen auf des Kanzlers Raten! Staunend nennt die Welt den Mann! Er gab zu des Reiches Wohle Deutschem Volke die Parole, Er entwarf dazu den Plan! Deutschland folge seinen Worten: Wähl nicht Richter und Consorten, Brich entzwei des Freisinns Wahn! (Rh.=W. Ztg.) Paccne-Marzsrot aus der Bäckerei von Keienburg, Gelsenkirchen, ist zu haben in folgenden Niederlagen: in Gelsenkirchen bei: Aug. Schlatter, Friedrichstr. 44, Franke, Bochumerstr., Imhausen, Marktstraße Nr. 3, G. Winterberg, Bahnhotstraße, in Schalke bei: Voosen, Friedrichstraße 276, Carl Möhle, König= Wilhelm= straße 486, Jof. Schmedeshagen, Wilhelminenstraße 81, Joh. Tönissen, Lockhoffs Weg 58, Ww. Ditmar, Kutschweg, Jof. Gelhausen, Wilhelmstr. Nr. 171; Peter Roberts, Sophienau. in Braubauerschaft bei: Franz Fürpiel, Haverkamp 17, Georg Pfaff, Linden Nr. 87: in Ueckendorf bei: Gruthoff, Bochumerstraße; in Bulmke in der Gewerkschaftlichen ConsumAnstalt, C. Schoeneberg; in Rotthausen bei: C. Köpper, Nr. 50, Metzger Johann Herding; in Schoenebeck bei: W. Klaes bei Zeche Zollverein (neuen Schacht), Berenbruk bei Zeche Joachim. als:Ohrenfausen, Ohrendrausen, Ohrenstechen, Ohrenfluß, leichte und harte Schwerhörigkeit, sowie temporäre Taubheit werden schnell und sicher beseitigt durch das echte Gehör-Oel d. Oberstabsarzt u. Physikus Dr S. Schmidt. Preis à Flasche nebst Gebrauchsanweisung Mk..50 zu haben: in Wien VII. Apotheke R. Scharrer, KreuzApotheke, Mariahilfersr. 72. Central-Dépôt bei Theod. Jacobi in Görlitz i. Schlesien. Dr. Saurbier, für Magen= u. Unterleibskranke Köln, Mittelstraße 1.(12 bis 4 Uhr. Sonntags v. 11 bis 1 Uhr. Durch Kaiserliche Verordnung vom 18. September d. J. ist der Tag zur Vornahme der Wahlen für den deutschen Reichstags auf Dienstag, den 28. October 1884 bestimmt worden, was ich hierdurch mit dem Bemerken veröffentliche, daß die Wahlbezirke, Wahllocale, sowie die Wahlvorsteher und deren Stellvertreter, für das Amt Wanne, wie folgt bestimmt sind: 3. 4. Namen 1. d. Wahlvorstehers 2. d. Stellvertreters. Bezeichnung des Wahllocoles. Overhoff. Bauunternehmer Anton Hardick. Landwirt Wilhelm W ihelms. Gemeindevorsteher Lennemann. Gemeindevorsteher Garthmann. Brauereibesitz. Heinr. Hülsmann. mann. Landwirt Heinrich Langebeckmann. Gemeindevorsteher Kampmann. Landwirt Heinrich Feldhege. Gemeindevorsteher Göddenhoff. Bergrat Barth. Saal des Wirts Heidkamp zu Wanne. Saal des Wirts Garthmann zu Bickern. Saal des Wirts Chr. Gartbmann zu Eickel. Saal des Wirts Schwarze zu Dorneburg. Saal des Wirts Nordmann zu Holsterhausen. Saal des Wirts Nagel zu Röhlinghausen. vormittags 10 Die Wahlhandlung beginnt am gedachten Tage, Uhr und wird nachmittags 6 Uhr geschlossen. Die Wähler werden hierdurch eingeladen, sich an der Wahl rege zu beteiligen. Zum Wahl=Commissarius ist der Königliche Landrat. Herr Schmieding in Bochum ernannt. Wanne, den 12. October 1884. Der Amtmann: von Borries. Nahmaschenen der bewährtesten Systeme zu Fabrikpreisen und unter günstigen Zahlungsbedingungen, sowie Nadeln, Oele 2c. in vorzüglicher Qualität mpfiehlt G. Hahn, Mechaniker, Gelsenkirchen, Bahnhofstr. 80, altee Posthof. Reparaturen prompi und billigst. Eoangerische Gesungrucher in großer Auswahl bei F. Dienst, Gelsenkirchen. Hôtel Bremen. Reingehaltene Knein- und Moselweine per Flasche von 65 Pf. an. Garantirt reinen französischen Rotwein (Bordeaux) per Flasche 1 Mark, Fritz Le Claire. empfiehlt Die Erzeugnisse der Königl. Preuss.& Kaiserl. Oesterr. Hof-Chocolade-Fabrikanten: Gebr. 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Be Gründlichkeit wird die frage gewiß bis in die rechtlicher Casuistik belei Volk in seiner Gesamt schen Spitzfindigkeiten und Reich das Vertrauen falls zu einem Brutnest des frondirenden Welf wird. Der Reichskanz am Dienstag Nachmitt Gleichzeitig trafen die des Krieges hier ein. auch bereits ein preußist sitz des Fürsten stattgeft Dem Bundesra Etatsvorlagen zugegang für den Reichskanzler die Reichsjustizverwaltu bahnamt und den Reck betreffend die Ausdehn auf das Transportgewei wirtschaft, sowie betreffe Einen kalten „Nordd. Allg. Ztg.“ au polnischen Hetzblattes„ letzteres consequent best Maßnahmen der Posen in den Augen der Bevö ditiren, daß es so thut, mit dem Verfahren d nicht einverstanden. Ne bezüglichen Behauptunger Hetzblattes durchweg nu gegriffene. Das Liebäugeln allen Reichsnörglern un schrittlern, Welfen, Pole Socialdemokraten wird Irene, die Bra 46) Roman von „Sie haben alles ihre feuchten Augen auf trauriges Antlitz richten „Ja, mit Mrs. Lei „Ihre Kälte und die sie so rührend hinw „O, gewiß nicht!“ „Mr. Kenmore," „mein armes Kind hal hätten Sie offen vor clamiren sollen.“ Er blickte sie verwi überzog eine tiefe Röte. „Gott weiß, wie ge würde, wenn ich nicht b leidigen. Und dann, w 9 mein rechtmäßiges trug einen erboi welcher Sehnsucht erwa den Augenblick, in dem anvertrauen würde!“ „Sie erwarteten, da Lächern sollte?“ fragt ##ern.„O, Mr. Ken sanze Tiefe eines Frausehr stolz und die Verh Vermählung von Statte