Nr. 247. sen „ Gelsenkirchen, Dienstag, den 21. October 1884. 10. Jahrgang. Die„Emscher Zeitung“ erschemnt täglich mit Ausnahme der Sonn= und hoben Feiertage. WochBeilage:„Illustrirtes Emscher Sonntagsblatt“.— Insertionspreis: Die Petit=Zeile oder deren Laum 15 Vf., Reklamen 40 Vf.— Verantwortlicher Redacteur F. Dienst in Gelsenkirchen. A A a ppaare. 29 ii Wita u Deutschlands Weltstellung. Deutschland steht— wer wollte es leugnen? gegenwärtig auf dem Gipfel seiner Macht. ##och nie war das Ansehen des Deutschen Reichs #nter allen Staaten Europas ein so hohes, und sch niemals war zugleich das Vertrauen der tswärtigen Mächte zu Deutschland ein so soßes, wie gegenwärtig. Eine Reihe der önzendsten Erfolge der auswärtigen Politik, moeren Litöglichkeit vor kurzem noch gar nicht ##acht wurde, haben in letzter Zeit die BeEunderung der ganzen Welt erregt, aber auch * B e g e i s t e r u n g d e s d e u t s c h e n D o l k e s, s o v e r ihnt auch dieses durch die Erlebnisse einer uhmreichen zwanzigjährigen Vergangenheit war, #n neuem erweckt. Ein flüchtiger Blick auf den Zusammenhang Ereignisse zeigt, welche außerordentlichen #rfolge wir sowol der Friedenspolitik wie der En der inneren wirtschaftlichen Entwicklung ##vidmeten Arbeit verdanken. War durch den ##rliner Congreß im Jahre 1878 weiteren ###egsgefahren für Europa wegen der Oriente vorgebeugt und der Friede besiegelt, so Iohnten die traurigen Ereignisse desselben lihres Deutschland, der wirtschaftlichen und #alen Gefahr entgegenzutreten. Nur unter Schutze eines gesicherten Friedens konnte # Arbeit in Angriff genommen werden. Der bidensbund zwischen Oesterreich=Ungarn und ##uschland wurde von den Dölkern dieser ten um so freudiger begrüßt, als sie in nselben eine Bürgschaft für die Möglichkeit #ickten, sich der wirtschaftlichen Thätigkeit untört und mit vollem Eifer hinzugeben. Dieser und hat nicht nur manchen gefährlichen ##omungen und Bewegungen die Spitze abgeechen, sondern auch den friedlichen Strömungen anderen Staaten als Stütze gedient. Die Eignisse am Mittelmeer vermochten— Dank em Friedens=Grund= und Ecksteine!— in folge nicht mehr Europa in neue Gefahren Schwankungen zu verwickeln. Im Gegen4 der Bund bewies mehr und mehr seine Siehungskraft, indem größere und kleinere ###ten das Bedürfnis empfanden, der Friedens#tit auch ihrerseits Förderung angedeihen zu ##en. Die Rönige von Spanien und Serbien bren im vorigen Jahr Gäste des Kaisers ## Josef und des Kaisers Wilhelm. Wenige #chen später sahen wir unseren Kronprinzen Mlladrid und Rom. Die Urönung der deutschFreichischen Friedenspolitik aber bildete vor die denkwürdige Zusammenkunft der ##er Wilhelm, Alexander und Franz Josef in #rniewiece, durch welche vor aller Welt be###et wurde, daß die drei großen Kaiserreiche ## dem gemeinsamen Ziele geleitet werden, *sich und Europa die Segnungen des Friedens halten und den Arbeiten friedlicher Cultur Zur selben Zeit aber wurde zwischen Okreich und Deutschland jenes Einvernehmen #leitet, welches berufen zu sein scheint, beide ##er auf dem Wege practischer Oolitik ein* näher zu führen, und sie zu überzeugen, daß es auch für sie eine Gemeinsamkeit materieller Interessen giebt, welche die Schärfe der nationalen Gegensätze mit der Zeit zu mildern oder wenigstens etwas in den Hintergrund zu stellen geeignet ist. Daß dieser erste Schritt einer Annäherung seitens Frankreichs gerade auf dem Boden der von Dentschland erst vor kurzem in Angriff genommenen Colonialpolitik erfolgen konnte, kann diese uns nur um so wertvoller machen. Die bevorstehende Berliner Conferenz, welche von Frankreich und Deutschland verabredet ist, wird sich den vorerwähnten Chatsachen würdig anreihen. In„freisinnigen" Blättern finden wir bereits wegen dieses letzten großen Erfolges Lobsprüche auf die auswärtige Oolitik des Kanzlers. Man weiß, daß sie damit um so freigebiger sind, als sie glauben, hiermit sich das Recht eines um so schärferen Widerstandes gegen seine innere Oolitik erworben zu haben. Aber alle diplomatische Kunst würde nicht hinreichen, zu so außerordentlichen Erfolgen zu gelangen, wenn nicht der Staat, für welchen der Staatsmann arbeitet, innere Kraft und Gesundheit hätte. Diplomatische Geschicklichkeiten können niemanden über die Mängel, Fehler und Gebrechen hinwegtäuschen, an denen ein Staat leidet, und nur die Abwesenheit solcher Mängel macht die Freundschaft eines solchen Staates begehrenswert für andere. Es ist neben der militärischen Größe die wirtschaftliche und sociale Hebung aller unserer Verhältnisse, welche das Ansehen Deutschlands im Auslande vermehrt hat,— es ist gerade die Gesamtheit unserer inneren Oolitik und ihre günstigen Wirkungen und Erfolge, welche das Urteil des Auslandes über den Wert Deutschlands bestimmen und der diplomatischen Kunst die Wege geebnet haben. Unsere Opposition sieht überall Fehler, Mängel und Gebrechen. Am meisten die Centrumspartei, welche den ganzen horizont mit ihrer berühmten Schwärze grau in Grau anmalt. Unsere katholischen Mitbürger erfreuen sich einer geordneten Seelsorge und einer Freiheit des Cultus gleich den evangelischen. Der Verbesserung der socialen Lage unserer Arbeiter hat sich die Staatsregierung anfangs sogar gegen den Widerstand eines großen Teiles der Bevölkerung aus der eigenen Initiative des Landesherrn und seines obersten Ratgebers angenommen. Die nationalliberale Dartei ist bereit, sie in dieser Frage rückhaltlos zu unterstützen. Es wird nunmehr Sache der Arbeiter sein, durch ihre Stimmen für den Candidaten der gemäßigt liberalen Oartei unseres Wahlkreises auch der weiteren Durchführung socialer Oolitik zur Hebung der materiellen und sittlichen Verhältnisse des Arbeiterstandes einen bedingungslosen Rückhalt zu geben. 1+ Für die deutsche Colonialpolitik — den Gegenstand unaufhörlich wiederkehrender Anfeindungen und Verdächtigungen der deutschfreisinnigen Presse— ist in diesen letzten Tagen ein Zeugnis abgelegt worden, wie es mächtiger und beredter überhaupt nicht denkbar ist. Unter dem Vortritt Frankreichs werden die seefahrenden Nationen Europas ihre Vertreter nach Berlin senden, um in einer unter deutscher Leitung geführten erhandlung eine Neuordnung der westafrikanischen Verhältnisse, insbesondere der Handelszustände am Congo und Niger zu beraten! Wunderbarer Gegensatz der Anschauungen! Der Fortschritt behandelt den neuen deutschen Colonialbesitz an der afrikanischen Küste als aussichtsloses Unternehmen, bei welchem weder Ehre noch Gewinn zu holen sei. Die Staatsmänner Frankreichs und des übrigen Europas halten die deutsche Fußfassung in Angr a Pequena und am Kamerungebirge für so wichtig, daß sie Deutschland bereits gegenwärtig als eine den übrigen Colonialstaaten ebenbürtige Macht ansehen. Der Fortschritt redet von dem deutschen Reichskanzler wie von einem Anfänger in wirtschaftlichen und colonialen Fragen, indem sie ihn blinder Feindseligkeit gegen die Interessen des Handels und der Handels=Freiheit beschuldigt. Das übrige Europa glaubt den ausstehenden Verhandlungen über das in Afrika zu befolgende System und über die Handelsfreiheit auf dem Congoden besten Dienst zu erweisen, indem es dem Fürsten Bismarck die Leitung derselben überträgt. Der Fortschritt sieht in der deutschen Colonial= politik eine Gefahr für den Frieden und warnt vor Bestrebungen, die uns in gefährliche Händel mit dem Auslande verwickeln könnten. Der französische Botschaftererklärt in einer öffentlichen Urkunde, die loyale und wohlwollende Haltung der kaiserlichen Regierung in colonialen Angelegenheiren habe das Vertrauen Frankreichs in so hohem Grade erworben, daß dieses in einer unter Teilnahme der übrigen beteiligten Mächte gemeinsam gepflogenen Beratung das geeignetste Mittel zur Sicherstellung und Förderung der allseitigen Interessen erblicke. Hat ein vertrauensvolleres, sachverständigeres und dabei unparteiischeres Votum für die Colonial= politik des Kanzlers und gegen die von fortschrittlicher Seite gepredigte Politik überhaupt abgegeben werden können, als das vorliegende? Wir meinen, daß wenn auch diese aus fremdem Munde erteilte Belehrung über Wesen und Bedeutung der von der Reichsregierung verfolgten Ziele an den Parteien der Opposition spurlos vorübergeht, der Beweis für die hoffnungslose Unbelehrbarkeit derselben allendlich geführt ist!— Für die große Mehrheit der Deutschen aber wird mit noch größerer Sicherheit als bisher feststehen, daß es ein Verrat an den wichtigsten deutschen Interessen wäre, einer Politik die Unterstützung zu versagen, deren erste Schritte auf einem neu eingeschlagenen Wege von so beispiellosen Erfolgen begleitet gewesen sind! IIC. Die ostprenßische Centrumspartei erläßt einen eigenen Wahlaufruf, der sich in zwei Puncten erheblich von dem Gesamtaufruf der Centrumspartei unterscheidet. Es wird nämlich darin in bestimmtester Weise Aufhebung des Socialistengesetzes und Ablehnung des Militärseptennats gefordert. Der allgemeine Aufruf des Centrums hatte sich in diesen beiden Fragen, welche zu den entscheidendsten der bevorstehenden Legislaturperiode gehören, Zurückhaltung auferlegt und die Hälfte der Centrumspartei hatte das letztemal für das Socialistengesetz gestimmt. biene, die Braut eines Abends. Roman von M. Fischer. „Irene ist Ihr Weib?“ fragte Revington leise. :3o, Irene ist mein Weib!“ antwortete Guido #ester Stimme. #Und Sie lieben sie?“ Iehr als mein Leben!“ war die leise, innige ch ich liebte sie!“ seufzte der Sterbende. ## meine Liebe war zu egoistisch und sie verachten. Ich erzwang ihre Zu###s die Meine zu werden, indem ich ihr ## am Tage unserer Vermählung ihr das ent auszuhändigen, welches die gesetzliche # ihrer Mutter bestätigt. O, wie hart und ;“ war ich gegen das arme, unschuldige Bitten Sie Irene, mir zu vergeben, wen kann, Mr. Kenmore!“ thun und Sie mögen ruhig ##e m Irene vergiebt Ihnen durch mich!“ erb#ge; Kenmore feierlich, während es in Dos trisehudieie dazu, auf den ###c#imnbringen solle, zu schleßen, Julius““ Digeraz kleinen Pause Nr. Stuart. reizte mich zu dieser verDe hrbesfader“: die den Tod bes Nr., ## sec,; stöhnte der Sterbende dumpf. vor Eifersucht und Furcht, als sie Zur Wahlbewegung. NLC. Ferlin, 20. Oct. Die Ahnung, daß die übermächtige parlamentarische Stellung des Centrums in den bevorstehenden Wahlen eine schwere Erschütterung erfahren wird, giebt sich in den krampfhaften Versuchen dieser Partei kund, dem Erstarken der mittleren Parteien Hindernisse in den Weg zu legen. Zu einer Selbstentäußerung, wie sie sie vorher nie gekannt hat, versteht sich die ultramontane Partei allenthalben, wo es gilt, einem Candidaten gemäßigter, sei es liberaler oder conservativer Richtung, den Weg zum Siege zu verlegen. Die Anstrengungen wären schwerlich so groß, wenn in Centrumskreisen nicht die berechtigte Furcht herrschte, das Streben nach Kräftigung der gemäßigten Parteien möchte von bedeutendem Erfolge sein. Die wahlpolitischen Berechnungen der ultramontanen Strategen sind sehr einfach und von ihrem Standpunct aus auch ganz zutreffend. Das Centrum will einen möglichst radicalen Liberalismus haben, dessen Stellung sich von vornherein in der Opposition befindet, der wegen seiner extremen Principien und seiner verneinenden Grundrichtung zu practischen positiven Aufgaben niemals zu gebrauchen ist. Je mehr die Aussicht schwindet, daß jemals die Reichsregierung mit dieser Art des Liberalismus sich zu verständigen, in ihm ihre Stütze zu finden vermöchte, um so sicherer ist sie gezwungen, sich an das Centrum zu wenden und in unabweisbarer Consequenz den ultramontanen Forderungen und Zielen die weitgehendste Rechnung zu tragen. Bis zu einem gewissen Grad war dieser Zustand in der verflossenen Legislaturperiode vorhanden. Er ist aber aufs äußerste bedroht, wenn wieder ein maßvoller vermittelnder Liberalismus mehr zu Kräften kommt, mit welchem die Reichsregierung sich zu verständigen vermag und sich zu verständigen geneigter ist, als mit dem Ultramontanismus, dessen äußerste Ansprüche schließlich doch keine deutsche Regierung zu befriedigen imstande ist. Ob das Ziel, eine conservativ=nationalliberale Reichstagsmehrheit herzustellen, jetzt schon erreicht werden ihre Rivalin auf der Bühne erkannte, entwarf sie den raschen Plan, sie aus dem Wege zu schaffen, und ich war es, den sie zum Vollbringer ihrer rachsüchtigen Pläne ausersah. Gingen doch unsere Ziele Hand in Hand. Sie wünschte ihre Stellung zu behaupten, ich, Irene, die mich nicht liebte, zu meinem Weibe zu machen. Ich preise die Vorsehnng, die meine That mißlingen ließ!“ „Ja, danken Sie Gott dafür," sprach Guido Kenmore ernst.„Wenn nicht mutige Männer die Pferde zum Stillstand gebracht, wer weiß, welch entsetzliches Unglück hätte geschehen können und mit welcher schrecklichen Todsünde auf dem Gewissen Sie jetzt den letzten, schwersten Kampf ringen müßten!“ Ein qualvolles Stöhnen entrang sich Revington's Brust. Mit schwacher Stimme bat er, jetzt den Priester wieder herbeizurufen, damit er mit einem heiligen Elde sein Bekenntnis bekräftigen konnte. In demselben Augenblick öffnete Elaine wieder ihre Augen und ihre Blicke fielen auf Mr. Stuart, der ängstlich auf sie zueilte und sich über sie beugte. „Elaine, mein armes, schwer geprüftes Weib, was magst Du gelitten haben in all den langen Jahren voller Bitterkeit!“ flüsterte er traurig. Groß starrte sie ihn an. Wie ein Traum erschten ihr alles. Hinweggewischt waren für sie Jahre ihres Lebens. Die Vergangenheit mit ihrem sonnigen Glück tauchte wieder vor ihr auf. Sie sah den Mann wieder vor sich, der ihr einst Treue gelobt bis ans Grab, und sie sah seinen Blick voll unendlicher Liebe und Zärtlichkeit wieder auf sich ruhen. Plötzlich zuckte sie zusammen. Eine einzige Berührung seiner Hand ließ sie aus der Lethargie, in der sie noch immer lag, erwachen. Nein, es war kein Traum, was sie durchlitten. Alles, alles war Wahrheit, der ganze Schmerz, ihr ganzes Elend. Mit einer jähen Bewegung stieß sie seine Hand zurück. Sie blickte ihn vorwurfsvoll an. „Clarence,“ antwortete sie bestimmt.„Du knüpftest andere Bande, als Du mich tot wähntest; bleibe ihnen treu!“ Ihr Herz krampfte sich zusammen bei dem Gedanken, daß sie den Mann, den sie noch immer mehr als alles in der Welt liebte, wiedergefunden hatte, um ihn aufs neue zu verlieren. Aber umsonst war jeder Kampf; es mußte sein. Nur ein starker, unerschütterlicher Wille konnte hier helfen. Andere Bande ketteten den Mann, den sie einst so sehr geliebt, daß sie um seinetwillen alles vergessen und sich ihm zu eigen gegeben hatte,— um der Liebe willen. Jetzt war es anders. Sie hatte ihn wiedergefunden als den Gatten einer anderen. Er war ihr verloren und eine schnelle Trennung war das einzige Mittel, die jahrelang vernarbt gewesene und nun so jäh wieder aufgerissene Wunde aufs neue zu schließen. Und kostete es auch den härtesten Kampf mit dem eigenen Herzen, es mußte sein. Sich mühsam aufrichtend und ihre schwachen Kräfte mit Gewalt sammelnd, schritt sie auf Mr. Kenmore zu und verließ an seinem Arme schwankenden Schrittes das Gemach, in dem sich in der letzten Stunde ein so erschütterndes Drama entrollt hatte. Den Tod im Herzen trat sie mit ihrem Begleiter hinaus in die stille Nacht. Nur ein Gedanke sandte, den lichten Sternen am Himme gleich, seinen Strahlenschein in ihre schmerzum nachtete Seele, die Gewißheit, daß ihr Kind lebte, daß sie Irene wiedersehen sollte, Irene, um derentwillen für sie das Dasein einzig noch Bedeutung besaß. Armes Mutterherz! Welcher Schmerz stand ihr noch bevor. Zu derselben Stunde, als Elaine für die Rettung ihres Kindes die inbrünstigsten Dankgebete zu Gott emporsandte, irrte Irene in die fremde Welt hinaus, heimatloser, verlassener, als je zuvor und nur den einen Wunsch im Herzen zu sterben und von allem Weh ihres jungen Lebens erlöst zu sein. wird, wissen wir freilich nicht. Allein, wir müßten an der Zukunft unseres Vaterlandes verzweifeln, wenn es nicht doch mit der Zeit wieder dahin kommen, parlamentarische Verhältnisse wiederhergestellt werden sollten, auf denen unsere nationale Gesetzgebung in der Zeit ihrer größten Leistungen beruhte. Eine conservativ=ultramontane Mehrheit mag gut sein für einiges kleinliche reoctionäre Flickwerk, bei allen großen nationalen Anliegen aber muß sie schwächlich den Dienst versagen. Große nationale Aufgaben können nur gelöst werden, wenn die Conservativen und der gemäßigte I Liberalismus zusammenarbeiten und in ihrer Vereinigung stark genug sind, den Ausschlag zu geben. Zu diesem Schlußresultat führt immer wieder alles Nachdenken über unsere Parteiverhältnisse und parlamentarische Majoritäten. An der Erreichung dieses Zieles mitzuarbeiten, muß die Aufgabe aller practischen Politiker sein, die nicht auf extremem Standpunct stehen. NLC. Die„Germania“ bespricht heute die Berliner Wahlverhältnisse und kommt zu dem Resultat, daß sämtliche conservative Candidaten Berlins, ebenso wie die socialdemokratischen für die Kotholiken unannehmbar sind, und daß es sich empfehle, wenigstens für die Herren Ludwig Löwe und Träger gleich von Anfang einzutreten, weil sie Gegner des Culturkampfes, ihre conservativer Nebenbuhler aber culturkämpferische Mittelparteiler seien. Ein ächter Conservativer, den die Ultramontanen unterstützen könnten, ist sonach nicht einmal mehr Herr Stöcker. ** Die Berliner Centrumspartei hat in einer gestrigen Versammlung beschlossen, als ihren Candidaten für die Berliner Wahlkreise den Geistlichen Rat Müller mit der Maßgabe aufzustellen, daß es den Wählern überlassen werden solle, in den Wahlkreisen, in welchen die Stimmen der Katholiken wahrscheinlich einen ausschlaggebenden Einfluß zur Verhinderung der Wahl eines Culturkämpfers bezw. zum Siege eines Anti=Culturkämpfers haben werden, ihre Stimmen auf den Candidaten zu vereinigen, der die meisten Garantien nach dieser Richtung relativ bietet. Der Hauptredner Legationsrat von Kehler forderte dazu auf, im I. Wahlkreise sofort im ersten Wahlgange dem Fortschrittler Louis Löwe die Stimme zu geben, da es in diesem Kreise vor allem darauf ankomme, keinen Mittelparteiler, wie Prof. Wagner sei, siegen zu lassen. Professor Wagner ist bekanntlich Deutschconservativ und zweiter Borsitzender der christlich=socialen Partei. Tages=Rundschau. * Ferlin, 20. Oct. Der Kaiser ist heute Vormittag nach 11 Uhr mittelst Extrazugs von Baden=Baden nach Sigmaringen abgereist, nachdem am Tage vorher sich schon die großherzoglich badische Familie dahin begeben. Ebendaselbst ist der Kronprinz eingetroffen. * Der königliche Hof legt für den verstorbenen Landgrafen Philipp von Hessen eine 10tägige, für den Herzog von Braunschweig eine 14 tägige Hoftrauer on. * Büsseldorf, 19. October. Se. Majestät der Kaiser und König hat an den General der Cavallerie, von Witzendorf, Commandeur des VII. Armeecorps, die folgende Allerhöchste Cabinetsordre gerichtet: „Ich wiederhole Ihnen heute am Schluß der diesjährigen großen Herbstübungen, von denen Ich leider nur die große Parade und das Corpsmanöver habe sehen können, gern den Ausdruck Meiner vollsten Zufriedenheit mit dem Zustande des VII Armeecorps.— Es sind sehr starke Anforderungen an die Ausdauer und an die Leistungsfähigkeit der Truppen gestellt worden— insbesondere die einer großen Parade nach Tags vorher stattgehabtem Feldmanöver— und gereicht es Mir zur lebhaften Befriedigung, hier aussprechen zu können, daß diesen Anforderungen in einer höchst anerkennenswerten Weise entsprochen worden ist. Die wenigen Tage, welche Ich das Armeecorps sehen konnte, haben Mir die Truppen durchweg in einer vortrefflichen Verfassung, in vollster Anspannung und höchster Ordnung gezeigt und scheide Ich von dem VII. Armeecorps, durchdrungen von der Ueberzeugung, daß sich dasselbe in einer durchaus kriegstüchtigen, allen Aufgaben gewachsenen Verfassung befindet. Vor allem spreche Ich Ihnen, dessen erfolgreiche Commandoführung dieses günstige Resultat ganz besonders erkennen läßt, Meinen warmen Königlichen Dank aus und ersuche Ich Sie, demnächst auch allen Generälen, Regiments=Commandeuren und Offizieren Kenntnis von Meiner lebhaften Auerkennung ihrer Erfolge in Ausbildung und Führung der Truppen zu geben. Zugleich wollen Sie auch die in der Anlage enthaltenen Gnadenbeweise und Beförderungen zur Kenntnis des Armeecorps bringen und auch den Mannschaften Meine volle Zufriedenheit mit ihren Leistungen zu erkennen geben. Ueber die Feldmanöver, über deren Verlauf Mir in jeder Beziehung günstiges berichtet worden ist, behalte Ich Mir nach Einsicht der betreffenden Berichte noch vor, Ihnen Meine specielle Beurteilung zugehen zu lassen. Benrath, den 20. September 1884. lichelen: #.f Ferlin, 20. Oct. Die Eröffnung des preußischen Staatsrates wird am 25.., nachmittags 2 Uhr, in der Elisabethkammer des Königlichen Schlosses durch den Präsidenten, Se. K. und K. Hoheit den Kronprinzen, erfolgen. Die Constituirung der neuen Körperschaft dürfte nur kurze Zeit in Anspruch nehmen, da die vorgesehene Bildung der sieben Abteilungen und die Zuweisung der einzelnen Mitglieder in dieselben bereits erfolgt ist. Der Gesetzentwurf betr. die Errichtung einer überseeischen Bank soll äußerem Vernehmen nach bereits fertig gestellt sein; dagegen wird uns von orientirter Seite versichert, daß die Dampfersubventionsvorlage keineswegs bereits alle Stadien der Vorbereitung durchlaufen hat. Die Mitteilungen über den Inhalt der künftigen Vorlage sind darum mit Vorsicht aufzunehmen, und insbesondere wird man gut thun, in der neulich von einem auswärtigen Blatte verbreiteten Version mehr die Wünsche einzelner Interessenten als gesetzgeberische Absichten zu erblicken. * Die Mitglieder des Staatsrats sind davon benachrichtigt worden, daß der Kaiser die Berufung der Plenarversammlung des Staatsrats zum Samstag, den 25. October, genehmigt hat. Die Sitzungen des Staatsrats werden im königlichen Schlosse stattfinden. NIC. Bekanntlich stellen die deutschfreisinnigen Redner jetzt bei jeder Gelegenheit in Abrede, jemals den Ruf„fort mit Bismarck“ ausgestoßen zu haben. Dem gegenüber constatirt die „Bayrische nat.=lib. Corresp.“, daß in der Reichstagssitzung vom 10. Juli 1878 Herr Eugen Richter gesagt hat:„Keiner weiß woran er ist. Deutschland wird nicht eher zur Ruhe kommen, als bis dieses Regierungssystem des Reichskanzlers aufgehört hat. Man sagt es bereits in weiten Kreisen Deutschlands, nicht eher wird es besser werden, als bis der Reichskanzler überhaupt zu regieren aufgehört.“ Was aber als Forderung weiter Kreise Deutschlands ausgegeben wurde, das war vorher in der„Parlamentarischen Correspondenz der Fortschrittspartei“ ausgesprochen worden. * Die rege Thätigkeit, welche die Staatsregierung auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens entfaltet, findet, wie schon früher, so insbesendere auch in neuerer Zeit bei den verschiedensten Anlässen in Dank=Adressen, Schreiben, Telegrammen u. s. w. aus den beteiligten Kreisen und Provinzen dankbare Zustimmung. So haben wir aus den letzten Tagen an Telegrammen solcher Art, welche an den Minister der öffentlichen Arbeiten gelichtet wurden, zu verzeichnen: solche von Bürgern des Ortes Cranz aus Anlaß des ersten Spatenstichs an dem Baue der Bahn Königsberg=Cranz—, von der Stadt Schraplau und den zur Festfeier versammelten Bürgern und Interessenten zu Querfurt aus Anlaß der Eröffnung des Betriebes auf der Eisenbahn Ober= röblingen=Querfurt— von den zur Feier der Eröffnung der Bahn von Liegnitz nach Goldberg versammelten Vertretern der Kreise und Städte Liegnitz und Goldberg— von den zur Eröffnungsfeier der Eisenbahn Siegburg-Ründeroth versammelten Festgenossen. Fort mit Bismarck! Herr Eugen Richter hat, als er in Salzungen sprach, auf betreffende Vorhaltung des Herrn Amtsrichters Höfling bestritten, jemals den Ruf „Fort mit Bismarck“ erhoben zu haben! Wers nicht glauben will, kann es in der deutschfreisinnigen „Meininger Zeitung" lesen. Herr Richter behauptete, er habe bei einer 1879 in Hamburg über die Tabaksteuervorlage gehaltenen Rede nur gesagt: „die Vorlage komme so lange nicht zur Ruhe, als Bismarck am Ruder ist". Da Herrn Richter, sagt die„N. A..“, bei den vielen Reden, die er hält, sein Gedächtnis manchmal im Stich läßt, so ist es gut, daß demselben aus den stenographischen Berichten des Reichstags nachgeholfen werden kann. Am 7. Juli 1879, in der 74. Sitzung des Reichstags, bei Gelegenheit der Beratung des schon erwähnten Gesetzentwurfs sagte Herr Richter am Schlusse seiner Rede: „Ehe nicht das ganze Regierungssystem des Kanzlers aufhört, ehe nicht der Kanzler selbst aufhört zu regieren, eher wird Deutschland nicht zur Ruhe kommen.“(Oho! rechts.)„Ja wol, ehe der Kanzler nicht aufhört zu regieren, eher wird Deutschland nicht zur Ruhe kommen. Das Wort findet schon in immer weiteren Kreisen sein Echo im Lande, auch bei solchen, die noch vor kurzem zu den bewunderndsten Anhängern des Kanzlers gehört haben.“(Beifall links.) Daß Herr Richter so etwas gesagt zu haben heute sich nicht erinnert, ist auch ein Zeichen der Zeit; daß aber die„Fortschrittliche Correspondenz“ damals einen Artikel brachte, worin gesagt wurde:„Es giebt keine andere Hülfe, als daß man angesichts der Lage des Landes sich aufraffe zu dem, was wir sein sollten, zu Männern, die furchtlos und frei aussprechen, was das Land empfindet:„Der Herr Reichskanzler muß fort von seinem Platze!“ daran sollte Herr Richter sich doch vielleicht erinnern, oder sollte er nicht mehr wissen, wer das geschrieben, um denselben nennen zu können, damit man wisse, wer denn das Wort „Fort mit Bismarck“ erfunden hat, vielleicht um Herrn Richter zu schaden. * Industrie, Landwirtschaft u. Bandel. Von maßgebender Stelle wird der„EmscherZeitung" aus Berlin, 20. October, geschrieben: In 102 Werken der Eisenindustrie sind von 1879 bis 1883 die Ueberschüsse um 18 Millionen Mark, die Arbeitslöhne aber im Ganzen um 29 Millionen Mark im Jahr gestiegen. Diese mit den Ergebnissen in anderen Industriezweigen wesentlich übereinstimmenden Zahlen beweisen, in wie hohem Grade sowol Arbeitgeber als Arbeitnehmer von der gedeihlichen Entwickelung der wirtschaftlichen Zustände Vorteil ziehen, wie gleichmäßig Capital und Arbeit an dem Fortschreiten derselben interessirt sind. Zeigt sich so innerhalb der einzelnen Erwerbszweige eine weitgehende Harmonie der Interessen inbezug auf die Lage der Production, so haben auch die verschiedenen Erwerbszweige ein erhebliches Interesse an dem gegenseitigen Gedeihen. Geht die Industrie gut, verdient der Arbeiter reichlich, so steigt der Verbrauch gerade der wertvolleren und rentableren Erzeugnisse der Landwirtschaft, Fleisch u. s..: der gesteigerten Nachfrage folgt eine Besserung der Preise, die Möglichkeit einer nutzbringenden Erweiterung der Production, für den ländlichen Arbeiter vermehrte Arbeitsgelegenheit, besserer Arbeitsverdienst. Umgekehrt wächst bei guter Lage der Landwirtschaft der Verbrauch von industriellen Erzeugnissen sowol zu Wirtschafts= und Meliorationszwecken, als für Kleidung und andere häuslichen Bedürfnisse. Auch hier zieht wiederum die Blüte des einen Erwerbszweiges die des anderen nach sich. Der Handel endlich hat offenbar gleichfalls ein lebhaftes Interesse an dem Blühen der Production, denn sie bedingt einen erweiterten Warenaustausch, eine erweiterte Consumtion sowol inländischer als ausländischer Erzeugnisse und eröffnet so den verteilenden Gewerben ein weiteres Feld der Thätigkeit. Umgekehrt natürlich zieht die Erkrankung eines wichtigen Erwerbszweiges den gesamten wirtschaftlichen Organismus und die anderen Teile desselben in Mitleidenschaft. Befindet sich beispielsweise die Landwirtschaft in einem Notstande, so verliert Industrie und Handel die sicherste Kundschaft. Ein dauernder Rückgang der deutschen Landwirtschaft würde nicht allein überaus nachteilig auch auf dir heimische industrielle Production einwirken und sie beschränken, sondern damit auch dem Arbeiter, der ohnehin unter dem Mitbewerb der bei schlechtem Stande dort der Landwirtschaft nicht mehr Verwendung findenden Arbeiter schwer leiden müßle, die Arbeitsgelegenheit und den Arbeitsverdienst schmälern. Gerade die Arbeiter, und zwar die industriellen nicht minder wie die landwirtschaftlichen, haben daher das lebhafteste Interesse, daß die Landwirtschaft vor dauerndem Niedergange gewahrt wird. Nicht dem Sonderinteresse der letztern dienen mithin auch Maßregeln und man muß hierunter nicht immer erhöhte Kornzölle verstehen wollen, welche diesen Zweck verfolgen, sondern sie liegen im wolverstandenen gemeinsamen Interesse aller Zweige des heimischen Erwerbs. lebens und nicht zum letzten in dem der Arbeiter. Opferlämmer für den Ultramontanismus. Gelsenkirchen, 21. October. VII. Es kann möglich sein, daß manche unserer Leser denken, weshalb das„Evangelische" und „Katholische“ vor den Wahlen so grell hervorheben? Dieselben gehörten eigentlich, wenn auch nur auf acht Tage, einmal an den Schreibtisch für die Redaction eines mittelparteilichen Blattes.— Wir sind gewiß die letzten, welche den confessionellen Frieden in der Bevölkerung gestört haben wollten. Wir machen vor allen Dingen ein Unterschied zwischen Katholikeu und Ultramontanen. Gegen die Ultramontanen kämpfen wir, weil uns die Agitatoren für den Ultramontanismus den Fehdehandschuh tagtäglich hinwerfen. Da sagte uns ein wol sonst belesener katholischer Leser, der Schorlemer hat schön gesprochen!“ Wir möchten sogar behaupten, daß derselbe zu schön gesprochen hat.— Nach allem, was er jedoch gesprochen, braucht es überhaupt gar keine andere Partei im Reichstage zu geben, als die Centrumspartei. Es scheint, als wenn dieselbe allein alles fertig machte. Herr von SchorlemerAlst hat ganz gewiß schön gesprochen. Er hat den„gläubigen“ Zuhörern recht viel Brei um den Mund geschmiert, sich recht viel mit der Arbeiterfrage beschäftigt, das war fein gewählt, vorsichtig gesprochen. Man muß eben wissen, wies gemacht wird. Die Gemeinheiten gegen die Mittelparteien auszusprechen hat derselbe wolweislich den Herren Rednern Wiese, Stötzel, Haffner überlassen. Dieselben haben ja auch ganz nett ihre Pflicht gethan. Alles was Herr v. Schorlemer=Alst für Arbeiter und Handwerker Günstiges gesagt, will der mittelparteiliche Candidat Dr. Haarmann erst recht unterstützen. In den meisten Fällen hat unsere Regierung selbst zu allen Reformfragen den Impuls gegeben. Das Centrum hat viele Fragen deshalb unterstützen müssen, weil es den„preußischen Kniff“ nicht ganz kannte, oder weil es sich auch wol tröstend ins Ohr raunt, Windthorst sei früher aufgestanden als„Bismarck". Die Nationalen vertrauen und nehmen mit offenem Herzen der Regierung Reformfragen willig und frei auf, während das Centrum im Parlamente stets die hierarchischen Löcher erst zugeflickt haben will. Die nationale Partei ist wirklich national, das Centrum ist wirklich klerikal. Was wunder also, wenn an allen„ultramontanen Wahlfesttagen" zunächst der Kirche das Wort geredet wird. Herr v. Schorlemer sagte in seiner Rede am Sonntage: „Das aber weiß ich, wenn wirklich diese nationalliberale mittelparteiliche Majorität zustande kommt, bedeutete dies den Stillstand oder wahrscheinlich den Rückgang auf dem Gebiete der Reform der Socialgesetzgebung und auch betreffs des Schutzes der Arbeiter und der Industrie. Wir glauben, daß alle unsere Leser ohne Ausnahme hierauf nur die eine Antwort haben: Der Mann lügt! Sonst würde ganz sicher Bismarck in 10 Bruder und Schwester. Erzählung von M. Gerhardt. Egbert war an die Fensteröffnung getreten und blickte hinaus ohne zu antworten; dann richtete er unter den gesenkten Lidern den Blick auf das junge Mädchen, das sich ebenfalls erhoben hatte, und an dem Tisch von leichtem Rohrgeflecht stehend ihre Blumen ordnete. „Ich habe nie daran gedacht,“ antwortete er unsicher.„Ich habe die Mädchen niemals leiden mögen— und sie mich ebensowenig. Ich ein wilder unbändiger Bursche, und wenn sie mich als Kind hübsch ausgeputzt unter die Gäste führen wollten, die häufig bei meinem Vater waren und mich hätschelten um sich bei ihm beliebt zu machen, schrie ich und schlug um mich, rannte fort und versteckte mich, bis sie mich ein für allemal laufen ließen.“ Er brach in ein lautes Gelächter aus. „Nicht wahr, die Rohheit muß mir wol im Blut stecken?— Ich konnte das hochgespannte Wesen und die erlogenen Schmeichelreden, mit denen die Leute meinem Vater in den Ohren lagen, niemals ausstehen. Das ganze Treiben war mir verhaßt. Ich blieb lieber allein für mich. Vielleicht, wenn ich eine Schwester gehabt hätte, ein gutes, einfaches Kind—““ Er verstummte, blickte Else rasch mit aufflammendem Auge an und wieder weg, zog einen Rosenzweig, der sich außen an die Fensterbrüstung rankte, durch die Finger und beachtete es nicht, daß die Dornen diese blutig rissen. Else hatte ihren Strauß hingelegt und war neben ihn getreten. „So sind Sie wol manchmal recht verlassen gewesen?“ fragte sie mit weicher Stimme. Egbert nickte heftig, eine ihm ganz fremde Rührung, ein nie gekanntes Mitleid mit sich selbst überwältigte ihn. „Mein Vater war viel auf Reisen und lebte bald hier bald dort und überall nahm er mich mit sich. Freundschaften mit Altersgenossen habe ich erst auf der Universität geschlossen und auch da nur wenige und flüchtige. Ich war zu störrisch und ungesellig geworden. Nur Leo—“ er atmete tief auf, es war ihm als müsse er ersticken,„Leo ist eigentlich mein einziger Freund.“ Er blickte starr vor sich nieder und es überlief ihn glühend heiß, als seine Hand die des Mädchens zufällig streifte. Das Herz war ihm voll zum Zerspringen. All die einsamen freudlosen Kindheitstage zogen, von den Worten des Mädchens heraufbeschworen, vor seiner Seele vorüber;— und die unbestimmte Ahnung eines ihm ganz fremden, beseligenden Glücks brach verwirrend über ihn herein. Ein elastischer Schritt ward draußen auf dem Kieswege und gleich darauf auf den Stufen des Pavillons hörbar. Als die beiden jungen Leute sich umsahen, stand Leo vor ihnen. Ein Schatten von Erstaunen und Mißvergnügen verdunkelte den Blick, den er auf die beiden, so nahe und vertraulich bei einander Stehenden richtete, ward aber im nächsten Augenblick von einem Strahl reinen Entzückens aufgesogen, als Else ihm schüchtern und tief errötend einen halben Schritt entgegentrat, und die Hand nahm, die er ihr bot. „Ich hätte nicht kommen sollen,“ sagte sie beklommen.„Gewiß, Sie selbst denken so.“ „Ich denke,“ sagte Leo, indem er ihre kleine Hand bewegt und zärtlich an die Lippen drückte, „Sie fühlten, daß Sie mir einen Ersatz schuldeten für die Tage hoffnungsloser Verzweiflung, die ich überstanden, Sie dachten an die Zeit unerträglicher Entbehrung und Sehnsucht, die vor mir liegt und wollten mir den kleinen Trost nicht versagen, Ihr liebes Bild noch einmal meinem Herzen einprägen zu dürfen. Aber glauben Sie, ich hätte Sie selbst um diesen Preis der kleinsten Gefahr aussetzen mögen?“ Else blickte halb zaghaft, halb vertrauensvoll zu ihm auf und schüttelte leise den Kopf. Ein süßes Lächeln schwebte auf ihren Lippen, ein weicher feuchter Schimmer verklärte den Glanz ihrer blauen Augen, wie eine Rose dem Licht entgegenblüht, so erglühte ihr zartes Antlitz unter dem Auge des Geliebten. Sie ließ es geschehen, daß er sie sanft an sich zog und ihre Lippen mit den seinen berührte. Egbert hatte sich dem Ausgang des Pavillons genähert und war im Begriff, sich zurückzuziehen. „O gehn Sie doch nicht,“ bat Else und strecht die Hand aus, ihn zurückzuhalten. „Bleibe nur, Egbert,“ fügte Leo widerstrebend hinzu. Egbert gehorchte und stand abgewandt in scheuer Verlegenheit getreulich Schildwacht, während die Liebenden, die Hände in einander geflochten, in gesenktem Ton das herbe Geschick anklagten, das Trennung über sie verhängte, und ratschlagten, wit eine geheime Verbindung herzustellen sei. Leo teilte der Geliebten seine Zukunftspläne mit, die, im einzelnen noch schwankend und zumteil von abenteuerlicher Kühnheit, doch insgesamt nur eis Ziel hatten: so rasch wie möglich eine ehrenvolle Selbständigkeit zu erlangen, um ihres Besitzes würdig zu werden. VI. Während die drei jugendlichen Verbündeten voll sorgloser Zuversicht die Segel hißten, um meinsam die Fahrt nach dem unentdeckten Eldorad# irdischer Glückseligkeit anzutreten, harrte an der Pforte, durch die Else eingetreten, eine schwart verschleierte dichtverhüllte Frau in wachsendet Seelenangst, bald vergeblich versuchend, einen Blie in das Innere des Gartens zu werfen, bald uu nervösem Griff bemüht die festverschlossene Thu zu öffneu, bald mit hastigem Schritt, die Blich der Vorübergehenden nicht beachtend, in der Straß auf= und niederwandernd. mehreren Schreiben sich deihliche Zusammengehe beziehungsweisen Vorst len Mittelparteien geSchorlemer scheint zu sein als Bismar redete..... „Ich habe miche klar darüber zu werde und die nationale eigentlich will, da b stimmten Resultate g will, was die Reg .... Ich hoffe no Interesse des Reiche selbst, daß die nation ich es schon in Herrn Kanzler aufs T Wer ist also von Herz Reformfragen zur Durch Herr v. Schorlemer d# gungen, welche ihm## und Ledochowski vorhe Herr v. Schorlemer w gesehen werden: „.... Uebrigens ste daß ich sage, wenn ich und deren Interessen gerne bereit, auch daf hat vor 1800 Jahrer wie ich, dessen Schuh wert bin, aber dessen bestrebe, nachzueifern.“ Daß der Herr v. Zeit vielleicht einmal he wollen wir billigerweise Provinziell * Gelsenkirchen, 20 der Loose zur 2. Kle Ziehung am., 5. un muß bei Verlust des geschehen. * Viele freiwillige traurige Erfahrung gen jedesmal nach intensiven an Augen=Entzündungen die Leute vor derarti sundheit zu schützen, sin welche gleichzeitig eine Mund erhalten. Diese Feuerwehren bereits Neuerdings hat die„ Rixdorf bei Berlin fü ebenfalls derartige Schu * Ergebnis de Standesamts=Nachrie des Amtes Schalte Geburten. Elisabeth T d Maurei heße Brb. Friedr Wilhe Bergm Friedr Wilh Kön Ferdinand S d Zimmern Kreß. Johann Wilhelm Klempners Wilhelm HunkElisabeth T d Fabr Jo Anna Wilhelmine T d Josef Stiffel. Josef Rude Bergm Rudolf Weichert. Bergm Wilh Lutscheid. Sd Fahr Peter Berens. Wilh S d Bergm Aug Heßler. Aufgebote. Bergm Joh Kotulla m Nielimonka Bro b kath. Theod Wilh Maus m Fr Weskamp Schmechten d ka Eheschließung Bergm Eduard Joh Ba m Ernestine Rahse ev. secretär Aug Adolf Dunsk chum m Marie Emilie Rißmann Blk b ev. Fabi Pütz m Maria Gertrud? kath a Brb. Sterbefäll Louise Bertha Schramm 1 J.M alt. August Tens 2 M alt. Ulmer Dombau-Letterie. “ glatt oder#g4 100 □ Fuß 14.— glatt oder#g4 100 □ Fuß 12,— In Längen von 6° bis Loseph Schä Bochum. reinliches, flinkes oder 10, 1 T. eteiben seise die ert In. Ein irtschaft auf di und sie er, der lechtem #r Vermüßle, serdienst var die rtschafte, daß inge geletztern n muß nzölle rfolgen, insamen rwerbsIrbeiter. 13 aber. unserer e" und rheben? nur auf für die — Wir sionellen wollten. terschied tanen. veil uns us den sagte er Leser, Wir zu schön jedoch r keine als die dieselbe arleier. Er hat um den Arbeiter= vorsichtig gemacht parteien den erlassen. gethan. Arbeiter mittelht unterunsere fragen um hat u, weil kannte, us Ohr estanden ertrauen egierung end das irchischen ionale trum ist venn an ichst der horleme: ch diese zustande r wahrder Rebetreffs rie. ne Ausn: Der marck in strecht rstrebeih andt in während chten, in ten, das sten, wie ei. Leo mit, die, teil von nur ein hrenvolle mehreren Schreiben sich nicht freudig über das gedeihliche Zusammengehen der Mittelparteien an die beziehungsweisen Vorstände der vereinigten nationalen Mittelparteien geäußert haben.— Herr von Schorlemer scheint aber in der That größer zu sein als Bismarck, weil er am Sonntage redete..... „Ich habe mich ernstlich bemüht, einigermaßen klar darüber zu werden, was die nationale Partei und die nationale mittelparteiliche Majorität eigentlich will, da bin ich eigentlich zu dem bestimmten Resultate gekommen, daß sie dasselbe will, was die Regierung will.... .... Ich hoffe noch und ich wünsche es im Interesse des Reiches und der Reichsregierung selbst, daß die nationalliberale Mittelpartei, wie ich es schon in Münster gesagt habe, dem Herrn Kanzler aufs Butterende fallen möchte....“ Wer ist also von Herzen bestrebt, die großen socialen Reformfragen zur Durchsührung bringen zu helfen!? Herr v. Schorlemer doch gewiß nur mit Bedingungen, welche ihm von den Bischösen Melchers und Ledochowski vorher zugegangen sein werden; Herr v. Schorlemer will auch als Märtyrer angesehen werden: „.... Uebrigens stehe ich auf dem Standpuncte, daß ich sage, wenn ich die Ehre habe, die Arbeiter und deren Interessen zu vertreten, so bin ich gerne bereit, auch dafür Schmach zu erleiden, das hat vor 1800 Jahren ein viel besserer gethan, wie ich, dessen Schuhriemen zu lösen ich nicht wert bin, aber dessen Beispiel ich mich wenigstens bestrebe, nachzueifern.“ Daß der Herr v. Sch. hiernach in späterer Zeit vielleicht einmal heilig gesprochen wird, dar.n wollen wir billigerweise gewiß nicht zweifeln. (Schluß folgt) Provinzielle Nachrichten. * Gelsenkirchen, 20. Oct. Die Erneuerung der Loose zur 2. Klasse 171. Lotterie, deren Ziehung am., 5. und 6. November stattfindet, muß bei Verlust des Anrechts bis zum 31. Oct. geschehen. * Viele freiwillige Feuerwehren haben die traurige Erfahrung gemacht, daß ihre Mitglieder jedesmal nach intensiven Bränden mehr oder weniger an Augen=Entzündungen gelitten haben. Um nun die Leute vor derartigen Störungen ihrer Gesundheit zu schützen, sind Schutz=Brillen construirt, welche gleichzeitig eine Schutz=Vorrichtung für den Mund erhalten. Diese Brillen sind von mehreren Feuerwehren bereits in Gebrauch genommen. Neuerdings hat die„Freiwillige Feuerwehr" in Rixdorf bei Berlin für Steiger und Zugführer ebenfalls derartige Schutz=Brillen beschafft. * Ergebnis der Schöffengerichtssitzung von 17. October: 1. Bergleute Hermann Wibbing und Hermann Walter und Cigarrenmacher Peter Emmert von Schalke, erhielten ein jeder wegen Hausfriedensbruchs: eine Woche Gefängnis, während der Jodecus Rosing von Schalke von der Anklage der Körperverletzung freigesprochen wurde; — 2. Bergleute Johann Lippech und Friedrich Rosowski wegen Hausfriedensbruchs ein jeder: 14 Tage Gefängnis;— 3. Fabrikarbeiter Wilh. Griesenbroch aus Wesel und Fabrikarbeiter Wilh. Beisemann von Langendreer erhielten wegen Körperverletzung und zwar ersterer 3 Monate Gefängnis bei sofortiger Verhaftung und letzterer 14 Tage Gefängnis;— 4. Bergmann Johann Kallenborn von Piesbach wegen Hausfriedensbruchs: 2 Wochen Gefängnis;— 5. Ehefrau Bergmann Theodor Breuer von Ueckendorf wegen Beleidigung der Ehefrau König: 6 Mark event. 2 Tage Haft. Schalte, 18. Oct. Wie unsere Leser aus dem Inseratenteil ersehen haben werden, findet am 22. cr., im Wilhelmsgarten die Wahl des Kassenvorstandes für die Ortskrankenkasse des Amtes Schalke, deren Statuten die königliche Regierung Ende vorigen Monats genehmigt hat, statt, und zwar sind hierzu seitens der Kassenmitglieder um 5½ Uhr 4, und seitens deren Arbeitgeber um 6 Uhr 2 Mitglieder zu wählen. Schalbe, 20. Oct. In ansehnlicher Stärke marschirte gestern Nachmittag der ev. Arbeiterverein mit Fahne nach Gelsenkirchen, um an der Feier des Stiftungsfestes des dortigen Vereins, verbunden mit der Einweihung des neuen Vereinssaales teilzunehmen. 8 Wanne, 18. Oct. Gestern Nachmittag wurde unter großer Beteiligung seitens der Beamten und Belegschaft der Zeche Pluto, sowie seiner sonstigen Bekannten und Freunde, namentlich des Kriegervereins zu Wanne und des Knappenvereins zu Eickel, der Schmiedemeister Herr Th. Bönninghaus auf dem katholischen Friedhofe zu Eickel zur letzten Ruhestätte bestattet. * Das Cultusministerium hat auch für Bochum die Anregung zur Bildung eines Localvereins zum Zwecke der materiellen Unterstützung der„zoologischen Station“ in Neapel gegeben, und ist den Herren Oberbürgermeister Bollmann, Geheimrat Baare und Sanitätsrat Dr. Klostermann die Förderung der Angelegenheit übertragen worden. Dieselben hatten, schreibt die„B..“, um dem ihnen gewordenen Auftrage gerecht zu werden, auf gestern eine Anzahl von Personen aus der Bürgerschaft zu einer Versammlung im Rathaussaale geladen. Das Resultat der Beratung ist, daß man zwar von der Bildung eines Localvereins absehen, die Angelegenheit jedoch mit Rücksicht auf die hohen wissenschaftlichen Zwecke der zoologischen Station nicht gänzlich aus den Augen verlieren will. Ein Comitee, das aus den genannten drei Herren gebildet wird, soll sich der Aufgabe unterziehen, demnächst Vorschläge über die zweckmäßigste Art der Unterstützung zu machen. * Aus Portmund wird berichtet: Im August v. J. hatte ein Eisenbahn=Bureaubeamter in Soest an einem heißen Tage ein Liter Altbier getrunken und Abends Milchsuppe gegessen. Die Folge war, daß er unwohl wurde. Er brauchte seinen Hausarzt; zwei Tage später jedoch meldete sich auch der Bahnarzt Dr. Kropf bei ihm, um ihn zu untersuchen. Für die Krankheitsatteste liegen gedruckte Formulare vor, in welchen die Bezeichnung der Krankheit möglichst durch ein deutsches Wort erfolgen soll. So schrieb auch hier der Arzt in die betreffende Rubrik„Magenkatarrh" und in Klammern das Wort„Jammer“. Die Bahnverwaltung schloß hieraus auf einen kräftigen Katzenjammer und nahm den Beamten in eine Disciplinarstrafe von 9 Mark. Das bewog jetzt den Letzteren, gegen den Arzt eine Beleidigungsklage anzustrengen. Das Schöffengericht zu Soest fällte auch ein verurteilendes Erkenntnis. Auf die seitens des Verurteilten eingelegte Berufung erkannte dagegen, wie bereits früher gemeldet, die hiesige Strafkammer auf Freisprechung. Dieselbe erachtete zwar für erwiesen, daß der Arzt sich geirrt, daß also von wirklichem Katzenjammer keine Rede sein konnte, dagegen erachtete sie den§ 193 des Strafgesetzbuches(Wahrung berechtigter Interessen) dem Arzte gegenüber für zutreffend. Der Kläger brachte nun die Angelegenheit in die Revisionsinstanz vor das Oberlandesgericht in Hamm. Das letztere verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Strafkammer zurück. Jetzt aber trifft die Kunde ein, daß der Arzt gestorben ist, und die Folge wird nun sein, daß das Verfahren eingestellt und die sämtlichen Kosten auf dem Kläger hängen bleiben. * Der Amtsbote und Gefangenenwärter Robert Kurth aus Hemer stand dieser Tage vor der Strafkammer zu Hagen, um sich darüber zu verantworten, daß er durch Vernachlässigung seiner Dienstpflicht einen Gefangenen über seine Strafzeit inhaftirt hat. Der Gefangene war eine Nacht zu lange dabehalten worden. Obwol der Gefangenenwärter an dem Abend dienstlich verhindert gewesen ist, erkannte der Gerichtshof doch auf eine Strafe von 20 Mark; denn K. hatte versäumt, einem andern den betreffenden Auftrag zu geben. * In Hagen ist in der Nacht vom 17. zum 18. ds. ein Haus an der Elberfelderstraße niedergebrannt, wobei sechs Personen umgekommen sind. * Wie weit der Aberglauben hier noch unter unserer Arbetterbevölkerung seine Blüten treibt, davon folgendes Geschichtchen. Die seit langer Zeit an Blutsturz leidende Frau eines in der Jacobstraße zu Esser wohnenden Bergmannes ließ sich von einer sie bemitleidenden Nachbarin von einer in den Krupp'schen Häusern wohnenden Frau erzählen, welche schon viele glückliche Curen in „Sympathie“ gemacht habe und auch das Blut besprechen könne. Die Frau wird von dem geängstigten Ehemann aufgesucht und der Leidenden zugeführt. Nachdem der weibliche Wunderdoctor die Kranke durch allerlei Gebete genugsam zur Heilprocedur vorbereitet hatte, nahm die„wissende Frau“ unter besonderen ominösen Ceremonien eine mittlerweile eingefangene große Spinne, tauchte dieselbe dann in ein Gefäß, in welchem das der Kranken verlorengegangene Blut aufbewahrt wurde, und setzte hierauf unter neuen Gebeten und Zeichen die blutige Wunderspinne vor dem geöffneten Stubenfenster aufs Fensterbrett. So wie die Spinne nun vergeht, erklärte die Jüngerin Aeskulaps der gläubigen Kranken, vergehe auch von nun an die Krankheit der Leidenden. Für die verrückte, frech ausgeführte Comödie zahlte der Ehemann der„wissenden Frau“ 15 M. Neuß, 20. October. 4 Weizen 100 Kilo Landroggen /1. neu 14 80 à 100 Kilo 12.„ 1380 Gerste 100 Kilo 1480 Buchweizen„—— Preßkuchen per 1000 Kilo Fruchtpreis.] 44 S Hafer alter à 100 Kilo 13.56 " neuer„„„ 13— 1.„„„ 2450 „ 2.„„„„ 26 00 Kartoffeln„„„ 400 Heu per 50 Kilo 360 Roggenstroh 600 Kilo 22 00 126 Meteorologische Notizen. SW SW 90 Herzog Wilhelm von Braunschweig+. In der Nacht zum Sonnabend ist auf Schloß Sibyllenort Herzog Wilhelm von Braunschweig aus diesem Leben geschieden. Der Verstorbene war am 25. April 1806 als zweiter Sohn des Herzogs Friedrich Wilhelm geboren und übernahm die, anfangs mit Vollmacht seines älteren Bruders provisorisch geführte Regierung definitiv am 20. April 1831. Sein älterer Bruder, der Herzog Karl ging bekanntlich ins Ausland und wurde im Februar 1831 durch eine Familienacte des Gesamthauses Braunschweig für regierungsunfähig erklärt. Der verewigte Herzog Wilhelm regierte meist in vollem Einverständnisse mit den Ständen und überließ die Leitung der Geschäfte mehr seinen Ministern, während er selbst einen großen Teil des Jahres außer Landes, namentlich in Oels, zubrachte. Im Jahre 1866 trat der Herzog nicht auf die Seite der Gegner Preußens; er schloß sich dem norddeutschen Bunde an, beschränkte aber die Standesamts=Nachrichten des Amtes Schalke. Geburten. Elisabeth T d Maurers Herm heße Brb. Friedr Wilhelm Sd Bergm Friedr Wilh König Brb. Ferdinand S d ZZimmerm Isidor Kreß. Johann Wilhelm Sd Klempners Wilhelm Hunke. Anna Elisabeth T d Fabr Joh Keil. Anna Wilhelmine T d Bergm Josef Stiffel. Josef Rudolf Sd Bergm Rudolf Weichert. Anna T Bergm Wilh Lutscheid. Heinrich Sd Fahr Peter Berens. Friedr Wilh S d Bergm Aug Sagwitz Heßler. Aufgebote. Bergm Joh Kotulla m Maria Nielimonka Bro b kath. Bergm Theod Wilh Maus m Franziska Weskamp Schmechten d kath. Eheschließungen. Bergm Eduard Joh Bartz kath m Ernestine Rahse ev. Privatsecretär Aug Adolf Dunskus Bochum m Marie Emilie Auguste Rißmann Blk b ev. Fahr Math Pütz m Maria Gertrud Menges b kath a Brb. Sterbefälle. Louise Bertha Schramm a Brb 1 J.M alt. August Tensa Heßl 2 M alt. Ulmer Dombau-Letterie. Bekanntmachung. Unter Hinweis auf die landrätliche Bekanntmachung vom 30. v. M. in Nr. 230 des amtlichen Kreisblatts werden nachstehend die Namen der ernannten Wahlvorsteher nebst Stellvertreter, die Abgrenzung der Wahlbezirke, sowie die Wahllocale für die angeordnete Neuwahl zum Reichstage zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Nochweisung über Abgrenzung der Wahlbezirke, Ernennung der Waylvorsteher und deren Stellvertreter, sowie über die Wahllocale im Wahlbezirke Amt Schalke. Wahlbezirk. (Haus=Nr.) Schalke I. 1 bis 225. Schalke II. 226 bis 510. Schalfe III. 511 bis Ende. Braubsch. I. 1 bis 142. Braubsch. II. 143 bis Ende. Bulmke. S 1. des Wahlvorstehers, 6! 2. des Stellvertreters. 3422 3284 Bezeichnung des Wahllocals. Heßler. Hüllen. 565 Wirt Goebel. Wirt Wünkhaus. Die ev. Schule in Braubsch(Westen). Gemeindehaus. Gemeindehaus. Wirt Sperber. bündeten um Eeldorohe an der schwarz achsender nen Blic bald ult ne e Pug * “ glatt oder gefedert 100 □ Fuß 14,—. glatt oder gefedert . 100 □ Fuß 12.—. I Längen von 6° bis 24“ bei Joseph Schäfer, reinliches, flinkes Mädchen oder Frau u0c Leistung. Lohn 10, 1 Treppe. Kaufmann Heuer.[Wirt Deckert. Obersteiger a. D. Lomberg. Vorsteher Schulte=Mönting.[Wirt Funke. Buchdrucker Schaff. 2793 Bauunternehmer Niebel. Materialien=Verw. Kirschfink. 2410 Vorsteher Ahlmann. Oeconom Klein=Albenhausen. 2140 Rechnungsführer Bauer. Menagenverwalter Statz. 2497/Vorsteher Wilms. Landwirt Wilms. 1319 Vorsteher Ahmann. Landwirt Weyers jun. Vorsteher Behmer. Landwirt Strahtmann. Die Wahl eines Abgeorbneten für den Reichstag findet am Dienstag, den 28. d. Mts. statt. Sie beginnt am gedachten Tage am 10 Uhr vormittags und wird um 6 Uhr nachmittags geschlossen. we Zeder,„Vähler bat während dieser Zeit in dem Wahllocale seines Wühldegiets einen Stimmzettel von weißem Papier, welcher mit dem Namen des Candidaten, welchem er seine Stimme geben will, versehen sein muß, dem Wahlvorstande zu übergeben. Der Zettel darf kein äußeres Kennzeichen haben und muß so zusammengefalten Name äußerlich nicht sichtbar ist, widrigenfalls der Wahlzettel als ungültig zurückgewiesen wird. Die Stimmzettel sind außerhalb der Wahllocale mit dem Namen des zu wählenden Candidaten zu versehen, nach sind gedruckte Stimmzettel zulässig. Ungültig sind: 1. Stimmzettel, welche nicht von weißem Papier, oder welche mit einem äußeren Kennzeichen versehen sind; 2. Stimmzettel, welche keinen oder keinen lesbaren Namen enthalten; 3. Stimmzettel, auf welchen die Person des Gewählten nicht unzweifelhaft zu erkennen ist; 4. Stimmzettel, auf welchen mehr als ein Name oder der Name einer nicht wählbaren Person verzeichnet ist: 5. Stimmzettel, welche einen Protest oder Vordehalt enthalten. Im Wahllocale dürfen während der Wahlhandlung weder Discussionen stattfinden, noch Ansprachen gehalten oder Beschlüsse gesaht werden. 9 Abwesende Wähler können in keiner Weise durch Stellvertreter oder sonst an der Wahl teilnehmen. Schalke, den 3. October 1884. Der Amtmann: Klose. Bekanntmachung. Durch Kaiserliche Verordnung vom 18. September d. J. ist der Tag zur Vornahme der Wahlen für den deutschen Reichstags auf Dienstag, den 28. October 1884 bestimmt worden, was ich hierdurch mit dem Bemerken veröffentliche, daß die Wahlbezirke, Wahllocale, sowie die Wahlvorsteher und deren Stellvertreter, für das Amt Wanne, wie folgt bestimmt sind: Gewerbeschule für Frauen und Töchter von Marie Mager. Am 1. November beginnt ein neuer Cursus zur Vorbereitung für das im Mai k. I. stattfindende Handarbeits=Lehrerinnen=Examen. Anmeldungen werden täglich entgegengenommen in Gelsenkirchen, Friedrichstraße 6, in Bochum, Rottstraße 44, is Dortmund, Friedhof 12. 1 Die Wahlhandlung beginnt am gedachten Tage, Uhr und wird nachmittags 6 Uhr geschlossen. Die Wähler werden hierdurch eingeladen, sich an zu beteiligen. Zum Wahl=Commissarius ist der Königliche Schmieding in Bochum ernannt. Wanne, den 12. October 1884. Der Amtmann: vormittags 10 der Wahl rege Landrat. Herr von Borries. Hôtel Bremen. Reingehaltene Khein- und MLoselweine enptchlt per Flasche ven 65 Pf. an. Garantirt reinen franzosischen Rotwein (Bordesun) per Flasche 1 Mark, Fritz Le Claire. Neue Ralshetlagt, f. Marke, zart u. wohlschmeckend vers. d. Postfaß ca. 10 Pf.(40 bis 50 Stück) franco u. Postnachn. für 3 Mark. Roack, Greifswald a. d. Ostsee. Größtes Fisch=Versand=Geschöft. Ein evangelisches tüchtiges welches im Waschen gründlich erfahren ist, für einen kleinen Haushalt zum 1. November gegen hohen Lohn gesucht. Wo, sagt unter Nr. 1883 die Exp. d. Bl. Fatene-Harzerot aus der Bäckerei von H. Keienburg, Gelsenkirchen, ist zu haben in folgenden Niederlagen: in Gelsenkirchen bei: Aug. Schlatter, Friedrichstr. 44, Eberh. Franke, Bochumerstr., Imhausen, Marktstraße Nr. 3, G. Winterberg, Bahnhofstraße, in Schalke bei: H. Voosen, Friedrichstraße 276, Carl Möhle, König=Wilhelm= straße 486, Schmedeshagen, Wilhelminenstraße 81, Joh. Tönissen, Lockhoffs Weg 58, Ww. Ditmar, Kutschweg, Jof. Gelhausen, Wilhelmstr. Nr. 171; Peter Roberts, Sophienau. in Braubauerschaft bei: Franz Fürpiel, Haverkamp 17, eorg Pfaff, Linden Nr. 87; in Ueckendorf bei: Gruthoss, Bochumerstraße; in Bulmke in der Gewerkschaftlichen ConsumAnstalt, C. Schoeneberg; in Rotthausen bei: C. Köpper, Nr. 50, Metzger Johann Herding; in Schoenebeck bei: Klaes bei Zeche Zollverein (neuen Schacht), Verenbruk bei Zeche Joachim. Schöne Faselschweine angekommen bei Gessene.: V. Büscher, Gelsenlirchen, Rh einelbestraße 9. Tapeken in schöner Auswahl von 13 Pf. an Spiegel= u. Fenster=Glas sowie alle Sorten Farben, fertige Oelfarbe empfiehlt zu sehr billigen Preisen Handwerk, Gelsenkirchen, Kreuzstraße, nahe am alten Markt. Gesucht zum 1. November ein erangelssches Dienstmädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren. Hochstraße Nr. 9, Gelsenkirchen. Dr. Saurbler, Spezialarzt für Magen= u. Unterleibskranke Köln, Mittelstraße 1.(12 bis Uhr. Sonntags v. 11 bis 1 Uhr. 35 2 S * 9 E 0 □ 8 1 Beziehungen des braunschweigischen Contingents ur preußischen Armee auf das Notwendigste. Er par übrigens preußischer General der Cavallerie und Inhaber des Magdeburgischen Husarenregiments Nr. 10. Da Herzog Wilhelm unvermählt, mitsin auch ohne Nachkommenschaft blieb, so wurde nit der Landesvertretung ein unterm 16. Febr. 1879 erlassenes Gesetz vereinbart,„um bei künftig intretender Thronerledigung die verfassungsmäßige Verwaltung des Herzogtums gegen Störungen in den Fällen zu sichern, daß der erbberechtigte Thronfolger am sofortigen Regierungsantritte irgendwie dehindert sein sollte.“ Veranlassung zu dieser Besetzesvorlage gab ein darauf gerichteter Antrag der Landesversammlung. Das Gesetz, welches nicht von einem bestimmten Falle, sondern von„Fällen“ spricht, ist ein generelles und zur Ausfüllung einer Verfassungslücke bestimmt. Nur von diesem allzemeinen Gesichtspuncte aus wurde es seitens der Regierung eingebracht und vertreten. In den Versandlungen der Landesversammlung über jenen Antrag wurde allerdings als eine der nächsten Veranlassungen desselben die nach dem Tode König Beorgs V. von Hannover erfolgte bekannte Stelungnahme des Herzogs von Cumberland bezeichnet, Hinsichtlich welcher die Landesversammlung u. a. die Ansicht ihres Berichterstatters ausdrücklich accepirte, es könne, wer die Reichsverfassung nicht anerkenne, auch nicht den Thron in einem deutschen „Einzelstaate einnehmen. Der Regentschaftsrat des Herzogtums Braunschweig erläßt ein amtliches Extrablatt, wonach das herzogliche Staatsminiterium die gesetzlich designirten Mitglieder des Regentschaftsrats zur Constituirung einberufen hat und die erfolgte Constituirung mit dem Bemerken ur öffentlichen Kenntnis gebracht wird, daß der Regentschaftsrat die provisorische Regierung des Landes nach Maßgabe des obenerwähnten 1879er Gesetzes führen wird. Die Landesversammlung pird behufs verfassungsmäßiger Mitwirkung der durch die obwaltenden Umstände etwa weiter geootenen Schritte unverzüglich einberufen werden. Jußerdem hat der Commandant der 40. Infanterieorigade, Frhr. v. Hilgers, folgende Proclamation rlassen.„An die Bewohner des Herzogtums Zraunschweig! Nach dem unbeerbten Hinscheiden es Herzogs Wilhelm hat das deutsche Reich vernöge des Bundesvertrags von 1867 und der keichsverfassung die Frage zu prüfen, wer dem erstorbenen Herzog als Reichsgenosse und Landeserr folgen wird. Die verbündeten Regierungen verden zunächst im Bundesrate über die Legitization der Vertretung Braunschweigs in demselben u entscheiden haben. Bis zur Entscheidung wird er Kaiser aufgrund des Landesvertrags und der Irtikel 11 und 17 der Reichsverfassung darüber sachen, daß der rechtmäßigen Erledigung der Thronfolge nicht vorgegriffen und daß die an der Person des Herzogs haftenden militärischen Reservatrechte sicher gestellt werden. Zu diesem Puncte und im Hinblick auf den Artikel 4 Nr. 3 und 4 des Braunschweigischen Gesetzes vom 16. Februar 1879 hat der Kaiser mir den Oberbefehl über die im Herzogtum stehenden Truppen übertragen. Ich habe denselben übernommen und fordere die Bewohner des Herzogtums namens des Kaisers auf, der Entscheidung des Reiches in dem Vertrauen entgegen zu sehen, daß die Rechte und die Zukunft ihres Landes unter dem Schutze des Reiches und seiner Verfassung stehen.“ Die letzten Worte, die der Herzog sprach, datiren dem„B..“ zufolge vom Donnerstag Nachmittag halb drei Uhr, wo er ausrief:„Braunschweig! Mein Braunschweig!" Die Ueberführung der Leiche nach Braunschweig erfolgt voraussichtlich am Dienstag. Am Samstag Mittag ist, wie aus Sibyllenort mitgeteilt wird, der Oberpräsident Wirklicher Geh. Rat Dr. von Seydewitz, begleitet von dem Regierungs=Präsidenten Frhr. v. Juncker und noch fünf Commissarien im Herzoglichen Schlosse zu Oels vor den zu diesem Zweck zusammenberufenen Mitgliedern der Herzoglichen Kammer erschtenen und hat die Erklärung abgegeben, daß er im Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen, sowie im Auftrage des Ministers des Innern Besitz ergreife von dem gesamten schlesischen Grundbesitze des verstorbenen Herzogs Wilhelm, dem feudalen sowol wie dem allodialen. Der Herr Oberpräsident hat sofort die Verwaltung des Grundbesitzes übernommen. □ Factorei für Angra Pequena. Von einer Berliner Firma wird gegenwärtig im Auftrage des Hauses Lüderitz eine vollständige Factorei für Angra Pequena hergestellt. Sämtliche Wände bestehen aus Wellblech und können auseinander genommen werden. Bei den Gebäuden, die aus Wohnhaus und zwei Lagerhäusern bestehen, kommt es auf Feuer=, Diebes=, vor allem aber auch auf Kugelsicherheit an. Es sind, um etwaige Angriffe der Eingeborenen abzuwehren, auch besondere kleine Befestigungsthüren mit Schießscharten auf den Ecken der ganzen Anlage, die etwa 100 Fuß im Quadrat mißt, angebracht. Gegenwärtig ist ein Pulvermagazin(Pulver bildet bekanntlich einen Haupthandelsartikel) ebenfalls ganz aus Wellblech mit gewölbtem Blechdache fertiggestellt, welches mit der Brigg„Tylli“ bereits am 16. ds. von Bremen abgegangen ist. Die Gebäude werden 1 Meter tief in die Erde gegraben und erhalten auch einen Fußboden von Wellblech, damit sich Diebe nicht unter den Wänden durchgraben und in das Innere gelaugen können. Die Wände des Wohnhauses werden innen mit Holz bekleidet und tapezirt, die Decke wird aus Segelleinen hergestellt. Vermischtes. ** Dillingen, 20. Septbr.(Tumult.] Gestern Abend zwischen 5 und 6 Uhr herrschte hier der„Sbr. Ztg.“ zufolge ein großartiger Tumult auf den Straßen, der viel von sich reden macht. Ein Gerichtsvollzieher sollte das Getreide eines durchfahrenden Müllers pfänden, der jedoch die anwesenden Leute, meistens Fabrikarbeiter, aufforderte, ihm beizustehen und nicht zuzugeben, daß ihm seine Ladung mit Beschlag belegt werde. Die Leute folgten der Aufforderung des Müllers und stürmten auf den Beamten und dessen Bedienstete ein, so daß schließlich auch die Polizei einschreiten mußte. Aber alles half nichts, denn die lärmende Menge war inzwischen an 400—500 Personen angewachsen. Die Hauptstraße war vollständig unpassirbar. Die ganze Scene glich einem bedenklichen Aufstand, Messer wurden sichtbar und Steine flogen in solcher Menge, daß an den in der Nähe befindlichen Wohnungen die Läden geschlossen werden mußten, damit den Bewohnern nicht die Fenster zertrümmert wurden. Der Polizeidiener wurde zu Boden geworfen; mehrere Leute wurden verwundet. Wäre der Scandal bei schon eingetretener Dunkelheit eutstanden, so hätte er noch ganz andere Folgen gehabt. Die Untersuchung ist eingeleitet, auch fanden bereits einige Verhaftungen statt. *.* Die Jerusalemer Kirche in Berlin feierte am vergangenen Sonntag das Fest ihres 400jährigen Bestehens. Ein Bürger Namens Müller hatte hier im Jahre 1484 zum Andenken seiner Wallfahrt nach dem gelobten Lande eine Capelle zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria, des heiligen Kreuzes, des heiligen Fabianus und Sebastianus erbaut, über welche ein Klausner die Aufsicht hatte und die Almosen für die Armen einsammelte, welches Amt nach der Reformation der Kurfürst zu besetzen hatte. Nachdem der Friedrichswerder als Stadt gegründet worden war, schenkte der Kurfürst diese Capelle dem dortigen Magistrat, um daraus ein Hospital für Arme zu errichten. Der kurfürstliche Rat von Martitz ließ 1679 die Capelle restauriren und gründete das damalige Jerusalems=Hospital. Auch diente die erstere nach der Gründung der Friedrichsstadt der neuen Gemeinde zum Gottesdienste. Im Jahre 1728 waren die Räume schon zu eng; die Capelle ward abgerissen und dafür, nach Gerlach's Zeichnung, die jetzige Kirche gebaut, deren Turm von Holz war und im Jahre 1747 abgenommen werden mußte. Der Wiederaufbau desselben erfolgte erst Ende der 30. Jahre dieses Jahrhunderts bei Gelegenheit des innern Ausbaues der Kirche. 1 Die Zahl der Geisteskranken, für welche die Stadt Berlin zu sorgen hat, wächst so stark, daß das Curatorium der Irrenanstalt zu Dalldorf bereits die Erbauung einer neuen großen Irrenanstalt beschlossen hat. Wie die Zahl der von der Stadtgemeinde verpflegten Geisteskranken steigt, ergeben folgende Zahlen: Es wurden verpflegt am 1. April 1880 1111 Personen, am 1. April 1881 1294, am 1. April 1882 1515, am 1. April 1883 1637 und am 1. April 1884 1802. Im letzten halben Jahre belief sich die Steigerung wieder um 89, so daß am 1. October dieses Jahres 1891 Geisteskranke(1244 in der Irrenanstalt zu Dalldorf und 647 in PrivatAnstalten) verpflegt wurden. Die Gesamtsteigerung seit April 1880, also für 4½ Jahre, beträgt nicht weniger als 780 Köpfe, mithin jährlich fast 174 Geisteskranke. Auch die Idioten=Anstalt zu Dalldorf ist bereits ganz angefüllt. **(Postsparkassen.] Angesichts der zu erwartenden Vorlage über Postsparkassen ist es von Interesse, den Geschäftsumfang der englischen Postsparbanken kennen zu lernen. Der dieser Tage veröffentlichte parlamentarische Ausweis über denselben ergiebt, daß am 31. December 1883 bei den Postsparbanken im vereinigten Königreich 3 105642 einzelne Contos offen standen, welche ein Gesamtguthaben von 41 768 808 Pfund Sterling repräsentiren. [In der eigenen Falle gefangen.] Folgendes Geschichtchen wird aus Berlin erzählt: Ein Herr hegte Verdacht, daß sein Dienstmädchen ihm Wein aus dem Keller entwendete. Er versteckt: sich deshalb, nachdem er ihr den Auftrag gegeben, Wein zu holen, im Keller. Das Mädchen kam, — sah und siegte. Ohne mehr Wein, als beauftragt, zu entnehmen, ging sie zurück, schloß spöttisch lächelnd die Kellerthür hinter sich zu und ging dann seelenvergnügt zum Markte. Da die Frau im Bade und die Kinder in der Schule waren, so mußte der unglückliche Hausherr unter„Heulen und Zähneklappern“ 2 Stunden im Keller aushalten, bis die Zurückgekehrte ihm endlich„zufällig“. öffnete. ##*(Verslein bei Gardinenpredigten.] Ueber allen Wipfeln ist Rub', In allen Gipseln spürest Du Kaum einen Hauch. Die Vöglein schweigen im Walde, Schweige'rum balde Endlich nun auch! Du hast Diamanten und Perlen, Hast alles, was Menschenbegehr,— Du hast auch stets Recht bebalten: Mein Liebchen, was willst Du nioch mehr? FEG Bahnhofstraße Nr. 32. Kurschner, Bahnhofstraße Nr. 32 Gelsenkirchen, empfiehlt die größte Auswahl in Regenschirmen, Zanella von 1,50., Gloria von 5,50 M. und Seide von 8,00 M. an. Filzhüte in den neuesten, weichen und gesteiften Fagons, für Herren von 1,50., für Knaben und Kinder von 1,00 M. an. d. 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Das ist andauernd ein vorzüg In aller Frühe des Sibyllenort in Schlesien vorherzusehende Ereignis, schweigische Herzog Mit Herzog Wilhelm vor wird der letzte Sproß Welfenstammes zu Grabe nächst notwendig gewordet die Proclamationen des i direnden preußischen Gene und des braunschweigischen getragen worden; alles scheidung des Bundesrate Kaisers vorbehalten. Deutschlands Mo afrika entwickelt sich Nach Zeitungsmeldungen richtung eines deutschen stadt zu verzeichnen; da örtliche Instanz für alle handenen oder neu entste dürfen, und giebt einen se ab zur Beurteilung der der deutsche Einfluß in S #eschwungen hat. Die Wahlbewegu! jähligen Versammlungen, gebungen, mittelst welcher Abstimmung der Wähler inzuwirken gesucht wird. igenen Candidaten verbit tien eine stellenweis ebe lose Verunglimpfung nationalen und regi bestrebungen; Vertei sdigen Lebensbedürfn Bachstum der Steue des Ausnahmegesetze #eliebtesten Scheuklappen, lem geistigen Auge des V ifert, der Ultramonta keine tendenziösen begen des angeblich Randes hinzu— aber nachen die Führer Parteien kein Hehl dem Ergebnis des d #ctes mit argen Bsegensehen. Herrn von Ford legen die Eugen Richter' Erklärung der„D Der deutschfreisinnigen Part ruck hervorgerufen. Hier Irene, die Braut Roman von M Traurigen Blickes sa #s rach, die er über hatte, während Feite das Gemach verließ. Nun erst fühlte er in Verlust, der ihn getro Der Priester trat ein, # Ende vorzubereiten. Mit einem schweren Plarenee Stuart über F. Tod hatte auch hie gelendet. „Armer Revington!" Linn ich nichts für Dich „Nichts, Clarence! Prister allein, er soll für dhg slem, wiederholte er mit einem heili die reine Wahrheit gespr kuhig und gefaßt Abs er bat, nun das Zimn Auf der Schwelle bege „Nein Herr,“ ergri en Sie sich auf Die Ohnmacht 7 kam, war ernster, al