223. Gelsenkirchen, Deustag, den 23. Setenber 1834. 10. Jusrgang, Die„Emscher Zeitung“ erschemnt täglich mnn Ausnahme der Sonn= und hoden Feiertage. WochenBeilage:„Illustrirtes Emscher Sonntagsblatt“.— Insertionspreis: Die Petit=Zeile oder deren Raum 15., Reklamen 4) Vf.— Verantwortlicher Redacteu J. Dienst m Gellenkirchen. Früher: Der Reichsfreund Sinoere et constanter. Adonnementspreis: Mark.50) vierteljährlich im Voraus, Man akonnirt außer bei der Expesutten in Gelsenkirchen, Marktkraße 13, bei allen Postanstalten und bei den Filial=Expeditionen: Aud. Eick. derne: W. Walbeck, Wanne.— Druck und Verlag von F. Dienst in Gelsenkirchen Allgemeines Organ für die Stadt Gelfenkirchen, für die Aemter Schalke, Reckendorf, Wanne und Herne.— Anzeigeblatt für Gerichts= und Militär=Behörden. -h Dev Wahlaufruf des Centrums. (Von conservativer Seite betrachtet.) Auf den Katholiken=Versamwlungen in Amberg und Breslau wie auch in der ultra; montanen Oresse wurde jüngst damit gedroht, alles daran setzen zu wollen, eine ausschließlich deutsch=freisinnig=clericale Majorität in den Reichstag zu bringen. Es scheint so, als oh die Führer des Centrums mit dem Wahlaufruf, den sie soeben veröffentlicht haben, zeigen wollten, daß es ihnen mit der Verwirklichung dieser Drohung Ernst sei. Die in diesem Aufruf enthaltene Behauptung, es sei inzwischen— seit dem Jahre 1876— nichts geschehen, was die Haltung des Centrums hätte ändern können, nimmt sich den Thatsachen gegenüber recht eigentümlich aus. Aein Wort der Anerkennung der Bemühungen der Regierung und der Conservativen um Wiederherstellung des kirchlichen Friedens! Augenscheinlich galt es, die Unzufriedenheit an die Stelle der mehr und mehr unter den Katholiken eintretenden Befriedigung zu setzen und den Widerstand neu zu beleben, der allmälig in der katholischen Bevölkerung erlahmt. Und da hierzu die Schilderung von den Leiden der kirche nicht hinreicht, wird die Gefahr einer Bedrohung der bürgerlichen Freiheit an die Wand gemalt. Die Aufforderung, das Rechts= und Verfassungsleben im Auge zu behalten, die bürgerliche Freiheit zu wahren, „jeden Angriff auf die im leider! schon beinahe vergessenen Rampf mühevoll errungenen Gerechtsame der Dolksvertretung abzuwehren“— könnte ebenso gut in einem deutsch=freisinnigen Wahlaufruf stehen. Fürwahr, das Herz der„Freisinnigen“ muß jubeln, wenn hier das Centrum als Uronzeuge für das Vorhandensein von „Gefahren" und„Angriffen“ auftritt, die bisher nur vom Radicalismus der Bevölkerung vorgespiegelt wurden. Bei einer solchen Stellungnahme kann man sich auch nicht wundern, wenn das Centrum „an erster Stelle bei dem Heerwesen" die Ausgaben beschränkt wissen will und wenn es erklärt, für die volle Wehrkraft des Daterlandes nur dann eintreten zu wollen, wenn sich dies mit der Steuerkraft und dem Budgetrecht des Reichstags vereinbaren läßt. Diese Vereinigung ist selbstverständlich; aber etwas Selbstverständliches pflegt man nur zu sagen, wenn man dahinter bestimmte Absichten verbergen will, die man bei Gelegenheit zu verwirklichen sich vorbehält. Die scharfe Betonung der Schonung der Steuerkraft in Verbindung mit dem Versprechen, beim Heerwesen Beschränkung der Ausgaben zu forden, sieht doch der Ankündigung auf Abstriche und auf Herabminderung der Ausgaben bei der bevorstehenden Neuregelung des Militärgesetzes ähnlich wie ein Ei dem anderen, und was die Wahrung des Budgetrechts— die gleichfalls selbstverständlich ist— bei dieser Gelegenheit anbetrifft, so liegt der Verdacht nahe, daß das Centrum wie früher so auch jetzt in einer Wiederholung des Septennats mit den„Freisinnlern“ eine Gefährdung dieses Rechts wird erblicken wollen. Ebenso wie diese Ankündigung wird auch die Inachterklärung des „Staatssocialismus“ mehr Freunde links wie rechts finden. Aber der Aufruf bricht dem Centrum doch nicht alle Brücken nach rechts ab:„Die stärkere Heranziehung des Capitats, die wirksamere Entlastung der Einzelstaaten und der Communen, die hebung des allgemeinen Wohlstandes in Landwirtschaft und Gewerbe, die Befriedigung der berechtigten Ansprüche des Arbeiterstandes und des Handwerks, die Gewährung des Schutzes für die wirtschaftlich Schwachen, die selbständige organische Zusammenfassung und corporative Arbeit: der verschiedenen Besitzgruppen“,— diese Orogrammpunkte zeigen die Bereitschaft des Centrums, an den Aufgaben der Reformpolitik auch ferner mitzuwirken, wie es bisher geschehen ist. So darf denn der Aufruf des Centrums als ein Zwitterding bezeichnet werden, entsprechend der thatsächlich von ihm bisher eingenommenen Haltung, die bald nach rechts, bald nach links den Ausschlag gab. Für die Anhänger der Reformpolitik folgt hieraus das eine: Alles daran zu setzen, daß der Versuch der Bildung einer deutsch=freisinnig=elericalen Mehrheit vereitelt werde. NLC. Ferlin, 20. September. Es kann nicht genug daran erinnert werden, daß die Wähler bei der diesmaligen Reichstagswahl sich ganz besonders über die Stellung der Candidaten zum Socialistengesetz vergewissern müssen. Die Geltungsdauer dieses Gesetzes ist nur um zwei Jahre verlängert worden; der neu zu wählende Reichstag wird also bereits in seiner zweiten Session wieder vor die Frage gestellt sein, ob die außerordentlichen Maßregeln gegen die den öffentlichen Frieden gefährdenden Ausschreitungen der Socialdemokratie weiter fortbestehen sollen oder nicht. Denn daß die Reichsregierung ihrerseits die Verlängerung des Gesetzes von der Volksvertretung fordern wird, darüber kann gar kein Zweifel sein. Uns will überhaupt scheinen, daß jeder, der die Unvereinbarkeit der socialdemokratischen Ziele mit dem wesentlichsten der bestehenden Staats= und Gesellschaftsordnung begriffen und dem gegenüber den Willen hat, diese Ordnung aufrecht zu erhalten, auch der Ueberzeugung sein müsse, daß das Socialistengesetz in seinen hauptsächlichsten Bestimmungen nicht eher 3rene, die Braut eines Abends. 20) Roman von M. Fischer. „Ich sehe, daß Sie lein Vertrauen in die Mitteilungen setzen, die ich Ihnen machen werde,“ begann er. „Darin haben Sie Recht, denn ich kann mir nicht denken, daß Sie, bis vor kurzem mir noch ein gänzlich Fremder, mir etwas mitteilen könnten, das für mich Interesse zu haben vermag,“ erwiderte sie kalt. Ein funkelnder Blick traf sie aus seinen Augen, doch bezwaug er eine heftige Entgegnung, denn ihr Trotz, ihr Eigenwille hatten einen eigenen Reiz für ihn. „Eine solche Antwort von jemandem anders als von Ihnen, Miß Monroe, wäre gradezu Unhöflichkeit zu nennen; ob jedoch lächelnd oder zürnend, Sie sind immer bezaubernd für mich. Sie erinnern mich an eine Rosenknospe, von Dornen umgeben. Wer die Knospe berührt, den stechen die Dornen!“ Keine Antwort Irenes erfolgte. Sie hatte ihr Autlitz abgewandt und träumerisch folgten ihre Augen dem Laufe des Arno. Er fuhr fort: „Sie waren ein süßes, bezauberndes Geheimnis für mich, von dem Moment an, als ich zuerst erblickte. Ich fragte mich oft, woher Sie kamen und wem Sie angehörten, ohne Hoffnung jedoch, das Geheimnis, von Ihren Lippen so fest gehalten, je zu erforschen. Da kommt mir der Zufall, oder soll ich es Schicksal nennen, zur Hülfe, indem er mich Ihr Medaillon finden läßt, das Ihr ganzes Geheimnis birgt und mir aufklärt.“ Sie wandte ihm in Bestürzung ihre Augen zu, die ihn groß und glänzend anblickten. „Was wollen Sie damit sagen?“ fragte sie leise zitternden Tones. „Damit will ich sagen,“ antwortete er,„daß Ihre Identität für mich aufgeklärt ist, seitdem ich die Bilder gesehen habe!“ „Ihre Worte werden mir immer unverständlicher,“ entgegnete sie fest, obwol ihre Lippen bebten. Ein leichtes, ironisches Lächeln glitt über Julius Revingtons Zügen, als er sah, wie sehr seine Worte sie erschreckt hatten. „Herr lieber, als Sklave!“ dachte er. In diesem Sinne legte er Irenes Ideal aus. „Sagte ich Ihnen nicht, daß mir die Bilder nicht fremd sind? Soll ich Ihnen die Namen der Träger derselben nennen?“ Ein Schrei entfuhr ihren halb geöffneten Lippen, während ein schrecklicher Verdacht durch ihre Seele schoß, der ihr Herz mit eisigem Druck umspannte. „Sie kennen beide?“ fragte sie mit gepreßter Stimme. „Nein, persönlich habe ich sie nie in meinem Leben gesehen; ich sah nur ein Bild der Dame in früheren Jahren.“ Sie atmete erleichtert auf. Er wäre das Entsetzlichste für sie gewesen, wenn ihr Verdacht sich bestätigt hätte, in Julius Revington den Verräter ihrer unglücklichen Mutter entdeckt sehen zu müssen. „Sie haben das Bild der Dame früher schon gesehen?“ wiederholte sie.„Wo war das?“ würde entbehrt werden können, als bis es thatsächlich bedeutungslos geworden. Kein Verständiger behauptet, daß mit diesem Gesetze die Socialdemokratie aus der Welt geschafft, oder auch nur entwaffnet werden könnte. Das letztere erwarten wir allein von einer den wirklich berechtigten und vernünftigen Ansprüchen genügenden Besserung der Lage der arbeitenden Klassen. Zu dieser haben wir jetzt den Anfang gemacht, und eine Hauptaufgabe der gesetzgeberischen Thätigkeit in der Zukunft wird es sein, diese Arbeit fortzusetzen. Soll das aber gelingen, dann ist vor allem nötig, daß die verwirrende und vergiftende Wirkung, welche die socialdemokratische Hetzerei auf die Gemüter ausübt, am Weiterumsichgreifen möglichst gehindert werde. Diesem Zwecke hat das Socialistengesetz mit unbestreitbarem Erfolge genügt, und deshalb kann unter ernsten, nur an die Sache sich haltenden Männern über die Notwendigkeit seiner Beibehaltung eigentlich überhaupt kein Streit sein. Möglich, daß die eine oder die andere Bestimmung sich mit der Zeit als unzweckmäßig erweist; möglich auch, daß einmal eine künftige Regierung das Gesetz weniger loyal handhabt, als dies im allgemeinen bisher geschehen ist. Darum soll der Reichstag sich immer das Recht offen halten, nach einer gewissen Zeit von neuem über die Sache zu befinden. Aber die Meinung, daß das Ganze der in Rede stehenden Maßregeln nach zwei Jahren entbehrt werden könnte, würde uns von unserer Auffassung der Dinge aus zum mindesten unverständlich erscheinen. Dagegen hören wir jetzt von Herrn Träger die bestimmte Versicherung, daß bei einer abermaligen Entscheidung über das Socialistengesetz unter keinen Umständen ein Mitglied der „deutsch=freisinnigen" Partei wieder für dasselbe würde stimmen dürfen. Aehnliches ist bekanntlich bereits in den Verhandlungen des Reichstags selbst erklärt worden. Gar zu tragisch möchten wir nun freilich derartige Aeußerungen nicht nehmen. Herr Richter hat sich im Frühjahr einige Wochen vor der Entscheidung ganz ebenso in die Brust geworfen, und nachher, als nun einmal eine Anzahl seiner neuen Anhänger durchaus nicht gehorchen wollte, gab er klein bei. Warum sollte man im Wiederholungsfalle, trotz aller vorhergegangenen hochtönenden Versicherungen, dem gesunden Menschenverstande nicht abermals ein solches Zugeständnis machen? Vielleicht fände sich sogar Herr Bamberger bereit, das Auseinandergehen der„Deutsch=Freisinnigen" in dieser überaus wichtigen Frage noch einmal als Beweis der„höheren Einigkeit" zu verherrlichen. Aber besser ist es doch, die Wähler vergewissern sich gleich jetzt, wie ihr Candidat sich gegenüber dem Socialistengesetz verhalten will. Dadurch könnte in dem entsprechenden Zeitpunkte dem Lande eine unangenehme Aufregung und dem Reichstage eine Comödie erspart werden, deren öftere Wiederholung unser parlamentarisches Wesen mehr als alles andere discreditiren müßte. „Es kommt auf Sie selbst an, ob ich diese Frage beantworte, meine schöne Signorina!“ „Auf mich?“ fragte sie verwundert. „Ja!“ antwortete er.„Denn diese Antwort schließt eine ganze Lebensgeschichte in sich ein. Ehe ich Ihnen dieselbe mitteile, erwarte ich einiges Vertrauen Ihrerseits.“ Sie schloß fest ihre Lippen über ihrer blendend weißen Zähnen und er sah, daß es in ihren Augen rebellisch aufleuchtete. „Sie weigern sich?“ fragte er eindringlich. „Ja,“ antwortete sie furchtlos.„Sie haben mich erschreckt und überrascht. Mehr, als Sie selbst aus meiner Vergangenheit wissen, werden Sie von mir niemals erfahren!“ „Sie wollen nicht sprechen?" rief er, aufspringend und funkelnden Blickes vor sie hintretend, daß sie, erschreckt die Hände faltend, in stummem Entsetzen zu ihm aufblickte.„Sie wollen mir nicht vertrauen, mir, der ich Ihr Geschick in Händen halte? Wohlau denn, so werde ich reden! Irene, ich kenne Ihr ganzes Geheimnis. Nutzlos ist es, daß Sie sich vor mir zu verstellen suchen. Ich weiß, wer Sie sind, ich weiß, wer Ihre Mutter, wer Ihr Vater ist! Was Sie vor mir verbergen, ich weiß alles! Ihr Medaillon hat mir die ganze Geschichte Ihres Lebens erzählt. Die Träger jener beiden Bilder, ich kenne sie. Der alte Herr ist Ronald Brooke und die schöne Dame ist seine Tochter Elaine. Sie aber, Irene, Sie sind das illegitime Kind Elaine Brookes, die ein Unwürdiger betrog und der die Schmach Ihrer Geburt das Herz brach!“ * Während das Bestreben der Reichsregiern und aller positiv schaffenden Parteien dara gerichtet ist, die mannigfachen, oft sich scheinb widersprechenden Interessen unseres Volk lebens zu versöhnen und allen möglic gerecht zu werden, sind die sogenannten Deutf Freisinnigen bemüht, diese Interessen geg einander zu hetzen. Eugen Richter hat das geste wieder in einer Rede gethan, die er zugunst Trägers in dessen Berliner Wahlkreis hielt. sagte, von der Erhöhung des Getreidezolles,### auf Köllers(des conservativen Gegencandidat Trägers) Programm stehe, habe Berlin kein Vorteil und vor allem würden die Bäcker in diese Wahlkreise gegen ihr eigenes Interesse handel wenn sie einen solchen Mann wählen würde Bisher galt, daß ein Reichstagsabgeordneter nic die Interessen einer einzelnen Stadt und ein einzelnen Standes, sondern die des Volkes seiner Gesamtheit zu vertreten habe. Will Eug Richter jetzt vielleicht die Bäcker schröpfen, wie s. Z. die Tabaksfabrikanten geschröpft hat? Uebr gens möchten wir wol sehen, was aus den Berlin Erwerbsverhältnissen werden würde, wenn## deutsche Landwirtschaft mit ihren vielen Millione Consumenten städtischer Erzeugnisse zu Grunk ginge. ** Das wesentlichste Princip der Steuer politik der deutsch=freisinnigen Parte wird in dem Programm der letzteren in den Worte zusammengefaßt:„Im Steuersystem Entlastun der notwendigen Lebensbedürfnisse.“ Der Richter'sch „Reichsfreund“ hat in seiner jüngsten Nummer be einer Besprechung der Haltung der Deutsch=Frei sinnigen zu der Frage der Getreidezölle jenen Sa dahin erläutert:„Daraus ergiebt sich Abwehr jede Erhöhung der Getreidezölle und Abschaffung nich blos der bestehenden Getreidezölle, sondern alles notwendige Lebensbedürfnisse belasten den Steuern und Zölle“. In dieser Auf fassung besteht innerhalb der freisinnigen Pärti eine Meinungsverschiedenheit. Wenn wirklig darin die ganze Summe steuerpolitischer Weishei der Deutsch=Freisinnigen besteht, so dürfte mit leicht fertigeren Versprechungen wol nie eine große Parte vor die Wähler getreten sein. Es wird dami nichts mehr und nichts weniger proclamirt alAbschaffung des größten Teils unserer Reichs Einnahmen, ohne Angabe irgend eines Ersatzes Die Reichskasse füllt sich bekanntlich zum weitau größten Teil aus der Besteuerung von Artikeli des Massenconsums, den Abgaben von ganz un entbehrlichen Lebensmitteln oder Genußmitteln, die nach unseren heutigen Volksgewohnheiten ebenfalls so gut wie unentbehrlich geworden sind. Das alles will die deutsch=freisinnige Partei abschaffen Und wie sollen die hunderte von Millionen, derer doch auch unter einer deutsch=freisinnigen Finanz verwaltung das Reich noch bedürfen würde, anderweitig beschafft werden? Soll das alles durch 23. Capitel. Irene war aufgesprungen. Julius Revingtons Worte trafen sie wie ein Blitzschlag. Ein dumpfer Schrei der Verzweiflung entfuhr ihren Lippen, seinen Verdacht bestätigend. „Sie können es nicht leugnen!“ rief er triumphirend.„Sie sind Elaine Brookes Tochter!“ „Mein Gott! Sind Sie ein Mensch oder ein Teufel, Julius Revington? Woher wissen Sie mein Geheimnis?“ „Die Vergangenheit Ihrer Mutter ist mir bekannter, wie Ihnen selbst!" Heiß stieg das Blut in ihre Schläfe und sie senkte die Wimpern. Eine eisige Hand schien nach ihrem Herzen zu greifen; ihre Gedanken verwirrten sich, und wie aus weiter Ferne kommend, vernahm sie das Rauschen des Stromes. Sie vermochte diesen Mann, der das Geheimnis ihrer Mutter kannte, nicht anzublicken; er kannte ja die Vergangenheit voll Schmach und Schmerz. „Ich weiß alles, besser wie Sie, besser wie Elaine selbst," wiederholte er.„Doch senken Sie nicht so gebrochen das Haupt, Irene. Sie haben keinen Grund, zu erröten!“ „Keinen Grund?“ fragte sie bitter. „Nein, ich habe gute Nachrichten für Sie, Irene, doch blicken Sie mich an. Ich möchte die Freude in Ihren Augen aufblitzen sehen, die Freude über das, was ich Ihnen zu offenbaren habe.“ Sie gehorchte ihm und hob ihre Augen voll zu ihm empor. Ihre Lippen waren halb geöffnet, als schwebe die Frage auf ihnen, welche Freude das Leben noch für sie bergen könnte. die Einzelstaaten auf dem Wege der directen Beteuerung, die doch wahrhaftig eine Steigerung ibsolut nicht mehr verträgt, aufgebracht werden? Fürwahr, nichts zeigt deutlicher, wie man durch Jeberspannung eines doctrinären Princips zu den jrößten Ungeheuerlichkeiten kommen kann. Und za wundern sich die Herren, wenn man ihnen vor; p i r f t, m a n k ö n n e p r a c t i s c h e r e a l e P o l i t i k m i t i h n e n sicht treiben. 4% Ferlin, 22. Sept. Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat sich heute nach Friedrichsuhe begeben, wo derselbe bis in die zweite Octoberwoche zu bleiben gedenkt, um dann zu den Sitzungen des Staatsrats hierher zurückzukehren. Frau Fürstin Bismarck bleibt in Berlin. #* Das Befinden der Prinzessin Wilhelm jat nach einem heute ausgegebenen ärztlichen Bulletin n den letzten Tagen keine Störung erlitten. ** Der preußische Gesandte beim Vatican, derr v. Schlözer, trifft Ende dieser Woche zur Uebernahme der Geschäfte in Rom ein. * Von unserem"=Correspondent wird uns geschrieben: Die Behauptung des„Berliner Tageblatts“, daß unsere Angaben über die Vorbereitungen ür den nächsten preußischen Staatshaussalts=Etats auf ungünstige Ergebnisse der Eisenbahnverwaltung schließen lassen, entbehrt eder Begründung. Wenn wir darauf hinviesen, daß neben den formellen aus der Ueberzahme von Privatbahnen in die Staatsverwaltung ich ergebenden Schwierigkeiten Zweckmäßigkeitsfründe für eine spätere Feststellung der Etats prechen, so hatten wir den Grundsatz vor Augen, vonach die Veranschlagung der Eisenbahneinnahmen, sicht wie die Lib. Corresp. in völliger Unkenntnis es Sachverhalts, aber mit um so größerer Sicherheit behauptet, nach dreijährigem Durchschnitt, sonern ausweislich der allgemeinen Erläuterungen u dem Etat der Eisenbahnverwaltung nach den Ergebnissen des Abschlusses des Vorjahres, in dem vorliegenden Falle also von 1883/84, und den in den verflossenen Monaten des laufenden Etatsahres erzielten Verkehrsresultaten veranschlagt verden. Je später diese Feststellung erfolgt, um o sicherer wird deshalb der Voranschlag. Alle Deductionen, welche das genannte officielle Organ der Deutsch=Freisinnigen an jene falsche Behaupung anknüpft, fallen selbstverständlich mit derselben usammen. #t Nach den uns vorliegenden Nachrichten zeht die Bildung der freiwilligen Unfallzenossenschaften gerade der wichtigsten Inuustriezweige nicht so rasch von statten, als man unerhalb der Industrie selbst, eigentlich erwarten onnte. Es traten so mannigfaltige Sonderbestrebungen gerade da zu Tage, wo festgeschlossenes, zemeinsames Vorgehen am Platze wäre, daß es toch vieler Verhandlungen und Erörterungen befürfen wird, um in den Hauptfragen eine Vertändigung zu erzielen. * Ferlin, 22. Sept. Die Kaisermanöver am Rhein saben sich zu einer ununterbrochenen Kette patrioischer Kundgebungen gestaltet, in deren Mittelsunkt die ehrwürdige Gestalt unseres allgeliebten aiserlichen Herrschers steht. Der mächtige Impuls iationaler Begeisterung, den die Bevölkerung der kheinlande aus der Anwesenheit des Kaisers in hrer Mitte zieht, und der in den übrigen Gauen es Vaterlandes ein tausendfältiges Echo findet, ist ins ein Unterpfand dafür, daß die höchsten idealen Hüter unseres Volkslebens vor Beeinträchtigung durch die Leidenschaft der tagespolitischen Streitigeiten gesichert sind und hoffentlich auch für alle Zukunft gesichert bleiben. Der Termin der Reichstags=Neuwahlen st nunmehr anberaumt, und zwar auf den 28. October. Die Parteien schauen auf diesen Tag nit ähnlichen Gefühlen, wie der Lotteriespieler auf die Hauptziehung, wenn das große Los bis dahin toch im Glücksrad verblieben ist. Unter dem„großen Lose“ in parlamentarischer Beziehung versteht jatürlich jeder Parteicandidat den Triumph seiner peciellen Richtung. Sehr gut und schön, wenn die Partei stets den Grundsatz vor Augen und im Herzen hat, daß sie dem Ganzen dienen, nicht aber das Ganze commandiren soll. Er will uns be, d ü n k e n, a l s w e n n h i e r g e g e n v o n d e n v e r s c h i e d e n s t e n Seiten bislang arg gesündigt worden wäre, am neisten von denjenigen, die sich der öffentlichen Meinung gegenüber mit Vorliebe als die geborenen Paladine der Verfassung und der Volksrechte aufzuspielen pflegen. Niemand kann aufrichtiger als vir von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß unser Volk sein Heil nur in constitutionellen Bahnen finden wird, aber wir werden uns so lange nicht eines normalen constitutionellen Lebens in Deutschland erfreuen, als einige ehrgeizige Führer sich anmaßen, das Urteil der Wählerschaft und die Abstimmungen der Volksvertretung zu tyrannisiren. Daher vor allen Dingen: Fort mit dem Fractions: terrorismus! Die gesetzgeberischen Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange. Sowol im Reichsschatzamt als im preußischen Finanzministerium ist man mit der Aufstellung des Etats pro 1885/86 beschäftigt und da die Berufung des Reichstags für den November in Aussicht steht, so dürfte der Reichsetat wol bald zum Abschluß gebracht werden. In gleicher Höhe mit der Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebes unserer höchsten Reichs= und Staatsbehörden marschirt die Mythenfabrikation unserer linksrheinischen Oppositionspresse. Eine Meisterin tendenziöser Entenzucht, soweit sie darauf ausgeht, den finanziellen Credit des Reiches und Staates zu schädigen, ist das hiesige„Tageblatt“, das uns Behauptungen unterstellt, von denen in unseren Spalten kein Sterbenswörtchen gestanden hat, so namentlich, was die vom„Tageblatt" gemachte Entdeckung betrifft, daß wir die öffentliche Meinung auf„ungünstige Eisenbahneinnahmen“ hätten vorbereiten wollen. Unsere westafrikanischen Niederlassungen werden demnächst ihre Küstengewässer von einer stattlichen Zahl deutscher Kriegsschiffe durchfurcht sehen. Nicht weniger als drei Corvetten(Gneisenau, Moltke, Bismarck) werden anfangs October nach dort in See stechen, und andere Schiffe sind bereits nach Westafrika unterwegs, der Welt zu zeigen, daß es keine bloße Redensart ist, wenn der Reichskanzler deutschem Unteruehmungsgeist in fernen Landen den Schutz der schwarz=weiß=roten Flagge zusichert. Das egyptische Staatsschiff treibt unter vollen Segeln dem Bankerott entgegen, und England steht am Steuer. Die fremden Gläubiger wollen natürlich von einer Schädigung ihrer Interessen nichts wissen, und hat die Staatsschulden=Commission soeben in aller Form gegen die Suspendirung der Amortisation der Staatsschuld protestirt. Frankreich steht an der Spitze der Protestaction. Wird sie Erfolg haben? Das Ministerium Gladstone ist in egyptischen Dingen von der Dickfelligkeit eines Nilpferdes. Nationalliberaler Parteitag für Westfalen. (Special=Bericht der„Emscher=Zeitung".) w Dortmund, 21. September. (Schluß.) Herr v. Heede betont hierauf, daß auch die nationalliberale Partei für Steuerermäßigungen sei, namentlich dafür, daß den Communen ein Teil der Grund= und Gebäudesteuer überwiesen werde, damit die drückende Communalsteuer ermäßigt werden könne. Ferner betont Redner, daß die Zollfragen keine Parteifragen seien und auch nicht als solche in seiner Partei behandelt werden, übrigens sei noch lange nicht erwiesen, daß die Kornzölle irgendwelche Nachteile mit sich geführt hätten, im Gegenteil sei seit 1879 ein wirtschaftlicher Aufschwung unverkennbar und wenn man diesen auch nicht auf die Zölle zurückführen wolle, so sei es doch sicher, daß die Zölle wenigstens nichts geschadet haben. Hierauf wendet sich Redner zu der Stellung der Fortschrittspartei, die diese dem Militär=Etat gegenüber einnimmt. Man solle doch nicht einmal den Schein auf sich laden, als ob die Wehrkraft des Reiches verringert werden solle; Frankreich verwendet 661 Millionen Mark auf sein Heer und die Marine, Deutschland 418 Millionen, Frankreich 1/ seiner Gesamt=Einnahmen, Deutschland nur 1/8. Die Bewilligung der Mittel für das Heer dürfe man nicht zum Spielball einer immer wiederkehrenden WahlAgitation machen. Auf die Dampfervorlage und die Colonialpolitik eingehend, hofft Redner, daß in dieser hochwichtigen Angelegenheit nicht der krämerhafte Geist den Sieg davortragen werde; mit der Behandlung dieser Fragen in der ihr eigenen Weise habe die deutsch=freisinnige Partei dem Faß den Boden ausgeschlagen und Redner hofft, daß fortan Eugen Richters Bemühen, den Kanzler herabzusetzen, nichts mehr nützen werde."(Lebhafter Beifall). Hierauf sprach Herr von Eynern:„M..! Ich bringe Ihnen einen Gruß aus dem Rheinland; ich bringe Ihnen diesen Gruß aber nicht von allen Bewohnern der Rheinprovinz, denn viele sind noch nicht dem Staate und den Hohenzollern gewonnen. M.., auch bei uns werden große Versammlungen abgehalten und nach denselben da giebt es ein Festessen und da kommt es vor, daß dem Toaste auf Se. Majestät den Kaiser der Toast auf den Papst vorangeht. Denn, m.., leider wird noch immer oft genug die principielle Forderung der Unterordnung der weltlichen Macht unter die Kirche erhoben. Solange aber nicht an ein Aufhören des Kampfes gegen diese Forderung zu denken ist, so lange wird die nationalliberale Partei ihre Stellung von 1870 einnehmen. Herr Windthorst hat zwar in Amberg die Aufforderung ergehen lassen,„keine Nationalliberalen zu wählen“, das war aber ganz unnötig; denn wer wählt denn die Nationalliberalen? Doch sicher nicht die Ultramontanen; ich würde mir das auch recht sehr verbitten, von einem Ultramontauen die Stimme zu erhalten. Aber nicht alle Katholiken sind auch ultramontan.— Wir Nationalliberale kämpfen ferner gegen die Socialdemokratie und die DeutschFreisinnigen. Einem Teile der Forderungen der ersteren, soweit sie sich auf die Bessergestaltung der Arbeiterlage beziehen, stehen wir sympathisch gegenüber; deshalb haben wir die Regierung in den in dieser Richtung gemachten Vorlagen unterstützt. Ueber die deutsch=freisinnige Partei will ich heute nicht viele Worte verlieren und nur sagen: im Schimpfen über andere Parteien ist diese Partei allen Parteien über, die je existirt haben und seitdem das deutsche Reich existirt, hat es noch niemals einen solchen Raisonneur gegeben, wie Eugen Richter. Die Deutsch=Freisinnigen zeichnen sich durch zwei Charactereigentümlichkeiten besonders aus: erstens thun sie so, als ob nur sie allein die Vertreter der Freiheit seien und zweitens, als ob sie es bewirken könnten, daß keine neuen Steuern erhoben würden. Nun, meine Herren ich behaupte, die Führung im Kampfe für die Freiheit gehört uns und wir verweigern es den Deutsch=Freisinnigen nicht, wenn sie uns helfen wollen. Und was das Feldgeschrei:„Keine neuen Steuern" anbetrifft, so möchte ich nur wissen, wie Herr Eugen Richter z. B. die Gehaltserhöhungen und Altersversorgung der Lehrer ohne Geld durchsetzen will; und so lange die Fortschrittspartei nicht das Goldeselchen hat, das ihr in seinen Fäkalien die nötigen Gelder liefern könnte, so lange wird die Redensart Eugen Richters„keine neuen Steuern!“ eine bloße Redensart bleiben und ich muß diese Art des Parteikampfes eine politische Bauernfängerei des Herrn Richter nennen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn einmal im Wahlkreise Hagen diese Kampfesweise des Herrn Richter gehörig beleuchtet würde, namentlich sein Auftreten dem Reichskanzler gegenüber. Wenn man Eugen Richter hört, sollte man denken, der Kanzler quäle sich jeden Morgen, kaum daß er seine Arbeit beginne, mit dem Gedanken: „Wie presse ich heute noch dieser verfluchten deutschen Nation eine neue Steuer heraus?“ Nun, meine Herren, wenn die Rede:„Viel Feind'— viel Ehr'“ richtig ist, dann sind wir jetzt mit Ehren überhäuft. Ich aber hoffe, daß der nationalliberale Ruhm auch in diesem Wahlkampfe neue und frische Wurzeln schlagen und kräftig erstarken werde.“(Großer Beifall.) Der letzte Redner ist Herr E. Jerusalem: „M..! Wenn ich hier mit einem Zettel in der Hand vor Sie hintrete, so ist dies nicht der Zettel, auf welchem ich mir, nach Herrn Eugen Richter, die Rede, die ich angeblich immer wieder halte, notirt habe, sondern dieser Zettel enthält nicht das, was ich zu Ihnen sprechen will, sondern das, was meine Herren Vorredner zu Ihnen gesprochen haben, damit ich mich darüber hier vor Ihnen nicht nochmals verbreite. M..! Am 28. October sind die Wahlen und bis dahin haben wir noch 5 Wochen, in denen leider alle Leidenschaften noch entfesselt werden können. Wir Nationalliberalen sollen aber vor allem das nationale Element im Auge haben und demgemäß fragen wir jeden Candidaten zunächst: Wie denkst Du über das deutsche Reich? Das fragen die Deutsch=Freisinnigen und Herr Eugen Richter nicht mehr; denn ihnen ist die Hilfe der Welfen, Polen 2c. ganz recht. Nach dem Nationalen fragen auch wir nach dem Liberalen. M. H. Was ist liberal? Liberal ist, die Ueberzeugung des anderen gelten lassen als seine Meinung und doch gegen diese Meinung kämpfen; liberal ist tolerant gegen anders Glaubende! Und nun, m.., ich behaupte, daß Herr Eugen Richter in seiner Intoleranz gegen andere Meinungen und die sie vertretenden Personen nicht ein Titelchen besser ist, als der Pastor Stöcker. Es ist geradezu unerhört, wie von der deutsch=freisinnigen Partei alles als reactionär verschrieen wird, was nicht deutsch=freisinnig; es sieht wirklich so aus, als ob man, um politische Einsicht zu bekommen, echt deutschfreisinnig werden müßte; wenn ich all' die Schmähungen, die meiner geringen Person durch den Richter'schen Reichsfreund zuteil werden, betrachte, so müßte ich mir beinahe so schlecht vorkommen, daß ich von mir selbst kein Stück Brot mehr nehmen möchte. M. H. Das Wort„liberal“ erfaßt überhaupt eine jeweilig verschiedene Deutung. Da wirft uns Herr Richter vor: Ihr National= liberalen seid ja gar nicht liberal, das sind nur wir, die Deutsch=Freisinnigen. Und nun lesen Sie und hören Sie Herr Sonnemann, da heißt es: Aber Herr Richter ist ja gar nicht liberal! Sehen Sie, m.., Terroristen, Männer der Unduldsamkeit gegen andere, die sind niemals liberal zu nennen. Oder glauben Sie vielleicht, daß das Wesen des Liberalismus sei, olles Große und Bedeutende zu negieren? Eugen Richter ist daran schuld, daß jetzt die gänzlich falsche Parole gilt: Für oder gegen Bismarck, Richter mit seinen persönlichen Angriffen auf den Reichskanzler ist daran Schuld, daß sich der Wahlkampf auf das persönliche Gebiet hinüberspielt. Und wenn wir nun den Maßstab anlegen und fragen: Was hat Richter, was hat der Kanzler für das deutsche Reich geleistet, so ist es nicht meine Schuld, wenn die Rechnung zu Ungunsten Richters ausfällt; denn ich behaupte es kühn, daß die letzten 23 Jahre der Geschichte des deutschen Reiches eine nie vorher dagewesene glänzende Epoche bilden und daß in dieser Epoche der Name Bismarck im Buche der Geschichte fett gedruckt sein wird. Noch ist aber das Gefühl der Pietät und Dankbarkeit gerade am deutschen Volke stark genug, daß auch die Hetzereien eines Eugen Richter nicht schaden können. Ich sprach kürzlich mit einem Franzosen und der sagte zu mir:„Was wollt Ihr eigentlich in Deutschland, was nörgelt Ihr an einem Manne herum, der Euch zur ersten Nation der Erde gemacht hat? Wozu das Geschrei„Fort mit ihm!“? Nun wenn Ihr ihn so gerne fort haben wollt, so borgt ihn uns uur auf 2 Jahre nach Frankreich, dann sollt Ihr einmal sehen, was der Mann leistet.“ (Donnernder Beifall.) Und nun, m.., deshalb weil wir die Größe, das Genie des bedeutenden Staatsmannes anerkennen, sind wir noch lange keine Bismarckknechte. Ich weiß wirklich nicht, was das leere Geschrei„Reaction“ soll, haben wir nicht persönliche und politische Freiheit genug? Der Radicalismus rechts und links hat noch niemals etwas positives geschaffen, nur der gemäßigte Liberalismus kann wirklich segensreich schaffen. Ich behaupte, daß der Fürst Bismarck doch mindestens die selben Verdienste um das Vaterland sich erworben hat, wie Eugen Richter. Ich glaube auch, daß das Volk endlich den ewigen Nörgeleien Richters müde und daß wir nur um so festeren Boden gefaßt haben. Ich schließe mit der Mahnung, den Wahlkampf anständig und sachlich zu führen und mit den Worten des Hofpredigers Kögel: habt ein weites Herz und ein enges Gewissen.“ (Dreimaliger, stürmischer Beifall, der minutenlang anhielt.) Nachdem der Vorsitzende in ehrenden Worten der Abgg. Löwe und Berger gedacht, die sich jetzt auch der nationalliberalen Partei anschließen, wurde die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät dem Kaiser, in das die Versammelten begeistert einstimmten, gegen 5 Uhr geschlossen. Es fand hierauf ein Festmahl statt, das sich einer sehr regen Beteiligung zu erfreuen hatte. Parade=Rufstellung des 8. Armeecorps am 22. September. 838 SS3 S 5 9 9 1 231 22 810 5 8 80 S 9 89 S 38 er 7 S 5 3 S•28 —75 5 5 2 0 9 83•9 S S3 3 — * #2 — S 5 2* 9 * 3 9 9 9 S9— 3 2* * 8 # S* * 9 * 8 5 8 3 8 * S 9— 3 9 8 ORs 93 * * 9 83 59 S.5 * 8 e S• 6% S Sge 8 * 2. 95 9 2 * Fans S.*** 8 * 8 S 5 * 28 ** 2 3 3 5 5 0 8. 23 #en 8. 5e 9 3 * 3 8* 3# 3 □* * 2 28 SRS 2e 9— 9er 9*— R 553 S 37 95 S 82978 9 S 8 9.90 * S9. *•* 9 2 52 S 2 2 r 0 98 5 * 922 — 5 * * er * B4 . 6 3 B 8 2 89 ### 00 8 Sgs SFrSs #ss F 2 2 3 788 : 2. 5 28 Der 9* 3 *"— 5 3. S 8•5 *•• G8 ##3 Aufstellung. Die Bataillone des ersten Treffens in Compagniefront=Colonne; die Cavallerie in Colonne in Escadrons; Feld=Artillerie und Train in Linie. Erster Vorbeimarsch. Die Truppenteile des ersten Treffens in Compagniefront mit angefaßtem Gewehr; Cavallerie in halben Escadrons im Schritt; Artillerie in Batteriefront im Schritt; Train in Zügen im Schritt. Zweiter Vorbeimarsch. Die Infanterie in Regiments=Colonne mit angefaßtem Gewehr, exel. das Jäger=Bataillon Nr. 8 und das PionierBataillon Nr. 8, welche in Compagniefront=Colonne defiliren; die Unteroffizierschule Jülich fällt aus; die Cavallerie in Escadronfront im Trabe; die Artillerie in Abteilungsfront im Trabe; der Train in Compagniefront im Trabe. Provinzielle Nachrichten. * Geisenkirchen, 23. September. Unser Kaiser wird auf der Durchfahrt nach Münster die hiesige Station Mittwoch gegen ½12—12 Uhr mittags und abends zurückfahrend nach Brühl gegen ½9 Uhr passiren.— Die Ankunft des Kaisers in Münster ist, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, nach einer soeben eingegangenen Depesche um eine Stunde früher gelegt, soda reits am 24. d. 1 daselbst erfolgt. * Am 4. Octob in der Zeit vor u selbe wird in hiesi * Die Aus ist vom Minister festgesetzt worden. ∆ Wanne, 21 Gräflich Droste nähe des Wirts 2 Chaussee vom För gefunden. Alle Wa daß es die Person Lohgerbers Ballauf — In verflo Storp'sche Wohnh herbeigeeilten Feuer das Feuer zu ben des Hauses erhalte * Herne. Von herrn H. Funke ve Concerten des Dort hat eins am Do funden. Das zwei sicht genommen sei. * Alle 4 märki um den Amtssitz Eiberg, bekanntlich an der äußersten meinde, soll nicht n sondern außerdem als fond à perdu das Amtshaus erbe soll die Gemeinde machen, um den Ar ggung dürfte in die steiligten Gemeinden wird wol nichts an die königliche Regie die endgültige Ents# mittteilt, wird unter rats Schmieding au Antsversammlung i nann stattfinden, wor hauses 2c. verhandel * In Mainz wi dieser Tage perfect. hältnissen lebende s verstorbenen Narmor, welches purde. Mit dem aut„M. Tagebl.“, Dr. Saurbier, ur Magen= u. Unterl Mittelstraße Uhr. Sonntags v. 11 Gesucht m üchtigt Jul ür lohnende Accorda selche den Förderwa nnen wollen. Eise Prevel& Co. * esucht. elsenhi Naur hhalten a em ped. nutz Gute Peisckart Gack Mr. 3,50), isenkirchen, Selh M Augenerhreiue IH Wastz. billig. Aes. 75 Af. A schö Tapel piel ner Auswahl von farbe empfiehlt zu gel= u. Feust Preisen.-. 4u lsenkir rchen, Kreuzstra alten Markt. Hoch auf rsammelten lossen. Es einer sehr KK60506 8 8 95 00 9 2. 9 8 95 — # S 85 3 # 6 * 9 * * * * * 8 3• 938 8 Se 59.— 9 9 2 0 S 4e S 8 9 2 2 * 82 22 ** 8 8 er 8r 9 2 2. S S* 78 2g ** 9—*— * 29 ** # 500 .2 9 85 9 # ##.### 9•— — * des ersten Cavallerie illerie und „ruppenteile t mit anEscadrons im Schritt; Infanterie m Gewehr, 18 Pionier= int=Colonne fällt aus; Trabe; die der Train früher gelegt, sodaß dieselbe statt um 2 Uhr bereits am 24. d. Mts., nachmittags um ein Uhr, daselbst erfolgt. * Am 4. October findet eine totale Mondfinsternis in der Zeit vor und um Mitternacht statt. Diezelbe wird in hiesiger Gegend sichtbar sein. Die Auslegung der Wählerlisten ist vom Minister des Innern auf den 30. Sept. festgesetzt worden. ∆ Wanne, 21. Sept. Gestern wurde in dem Gräflich Droste Nesselrode'schen Gehölz in der nähe des Wirts Vogt an der Elberfeld=Dorstener Chaussee vom Förster die Leiche eines Erhängten gefunden. Alle Wahrzeichen lassen darauf schließen, daß es die Person des in Hattingen vermißten Lohgerbers Ballauf ist. — In verflossener Nacht geriet das alte Storp'sche Wohnhaus in Brand. Der schnell herbeigeeilten Feuerwehr gelang es in kurzer Zeit, das Feuer zu bewältigen, sodaß noch ein Teil des Hauses erhalten blieb. * Herne. Von den beiden im Locale des Wirtes Herrn H. Funke veranstalteten beiden AbonnementsConcerten des Dortmunder Orchestervereins Merkert hat eins am Donnerstag voriger Woche stattgefunden. Das zweite soll für November in Aussicht genommen sei. * Alle 4 märkischen Gemeinden bewerben sich um den Amtssitz des neuen Amtes Königsteele. Eiberg, bekanntlich eine kaum 1000 Seelen zählende, an der äußersten östlichen Grenze belegene Gemeinde, soll nicht nur einen Bauplatz gratis offerirt, sondern außerdem noch einen namhaften Beitrag als fond à perdu gezeichnet haben, wenn daselbst das Amtshaus erbaut wird. In ähnlicher Weise soll die Gemeinde Freisenbruch Anstrengungen machen, um den Amtssitz zu erhalten. Eine Einigung dürfte in dieser Beziehung zwischen den besteiligten Gemeinden schwerlich erzielt werden und wird wol nichts anderes üb ig bleiben, als daß die königliche Regierung in dieser Angelegenheit die endgültige Entscheidung trifft. Wie man uns mittteilt, wird unter dem Vorsitz des Herrn Landhats Schmieding aus Bochum am 30. d. M. eine Antsversammlung in Königsteele im Hotel Lindeann stattfinden, worin über Beschaffung eines Amtshauses 2c. verhandelt werden soll. * In Mainz wurde ein eigentümlicher Verkauf dieser Tage perfect. Eine früher in besseren Verhältnissen lebende Frau verkaufte den Grabstein hres verstorbenen Gatten, ein Prachtstück aus Marmor, welches s. Z. für 300 M. verfertigt purde. Mit dem erlösten Gelde ist die Frau, aut„M. Tagebl.“, nach Amerika abgereist. Berliner Börse. Berlin, den 22. September 1884. Jonds und Staats=Papiere. Deutsche Reichs=Anleihe..... 4 103,40 Preußische consolidirte Anleihe... 4½ 102.70 ###. do. 4 103.40 Staats=Anleihe 1868 4 101,40 „ 1850, 52, 53 62... 4 101,40 Staats=Schuldenscheine... 3½ 99,90 Oesterreihische Goldrente 4 87.25 „ Silberrente 41 68.60 „ Papierrente... 4⅛ 67.60 Eisenbahn=Stamm=Actien. Verstaatlichte Eisenbahnen. Bergisch=Märkische Rheinische, abgestempelte " L. B.(gar.) Gottbard vollgezeichnet Russische Staatsbahn Bank=Actien. Zinsfuß überall 4 pCt., bei der Reichsbank 4½ 2½ 7½ 5 6½ 4 6 5 Nachener Disconto=Gesellschaft Allg. Deutsche Handels=Gesellschaft Bank für Rheinland und Westfalen Bergisch=Märkische Bank „ Industrie=Gesellschaft Berliner Handels=Gesellschaft Industrie=Papiere. Aachen=Höngen Annener Gußstahl=Fabrik Arenberg, Gesellschaft für Bergbau Bochumer Bergwerks=A. Lit. A. Bochumer Gußstahlfabrik Bonifacius Bergwerk: Borussia, Bergwerk Cölner Berawerks=Verein Cöln=Müsener Bergwerks=Verein Dortmunder Bergwerke Lit. A. Dortmunder Union 600 Mark „„ 400„ „„ 300„ Dortmunder Union Stamm=Pr. „ Part.=Obligation Gelsenkirchener Bergw.=Actien=Ges. Georg=Marien=Bergwerks=Verein Harkort Bergwerk „ Maschin. Harpener Hütten. Hibernia u. Shamrock Hörder Bergw.= u..=Act.=Ges. do. zusammengen. Louise Tiefbau Märkisch=Westfälische Bergw. Magdeburger Bergwerks=Act.=Ges. Mechernicher Oelheim Petroleum. 80% Phönix Berzwerks=.=G. Lit. A. Pluto, Bergwerks=Gesellschaft Westfälische Draht=Industrie „ Union Rhein.=Westf. Industrie Zinsfuß der Reichsbank. Discont 4 vCt. Lombarden 0 0 0 0 0 0 6 0 0 0 5 0 0 0 0 0 0 0 6 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 103.50 94.40 129,00 PC1. 111 25 82 00 83.75 119.75 66 60 141,75 3360 34,70 132,00 77,30 121 60 68.75 116.00 118.00 21,00 43,30 12,80 23 50 73.25 107,70 119.30 62.75 70.00 30.00 84.75 90 00 31.40 62,50 44,60 219.75 167.50 36,00 83,00 63,00 93.50 11.75 17,00 5 pCt. 20. 23. Meteorologische Notizen. (9 Uhr vorm.) Septbr. Septbr. Bar. 761 mm. „ 759 mm Therm. 159R. 13/R. 80 W * Die Cholera in Italien. Seit einem Monate ist für Italien alles abgestorben, was sich außerhalb seiner Grenzen ereignet; niemand versucht auch nur für einen Augenblick, politische Angelegenheiten internationalen Characters zu erörtern, und selbst der Hader der Parteien, deren Geschwätzigkeit stets unerträglich war, ist verstummt, und hat einer Bewegung Platz gemacht, die, da nun der erste Schrecken vorüber ist, den durch die staatliche Einigung geschaffenen Gemeinsinn der Italiener in das glänzendste Licht stellt. Alles regt sich, um der schönen, unglücklichen Parthenope zu Hülfe zu eilen. Gemeinden und Provinzen wetteifern mit der privaten Wohlthätigkeit, um die Leiden der hart bedrängten Stadt, in deren Mauern seit Jahrhunderten ein unsagbares Elend brütet, zu mildern; Männer der Wissenschaft eilen mit freiwilligen Krankenpflegern aus allen Gegenden des Reiches dahin, um gegen eine Seuche zu kämpfen, welcher man trotz aller in letzter Zeit errungenen Kenntnisse fast hülflos und auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert ist. Barmherzige Schwestern und arme, bescheidene Soldaten sterben in den Hospitälern in der Erfüllung des gleichen Berufes, und Jünglinge, denen noch das Leben in ihrer vollen Schöne winkt, setzteu alles aufs Spiel, um ihren vom Tode in einer seiner schrecklichsten Formen umschwärmten Mitbürgern beizustehen. Die Cholera ist eine gräßliche Prüfung, die das Schicksal dem Lande auferlegt; indessen die Prüfung wird brav bestanden, und das ist eine Ehre für Italien, und ein Triumph für jene Grundsätze, in deren Namen es sich die Freiheit und Unabhängigkeit erstritten, und nach welchen es sich heute regiert. Welchen Ursachen der Ausbruch der Seuche zuzuschreiben ist, ob den aus Frankreich mit Bündeln voll schmutziger Wäsche heimgekehrten Arbeitern, ob sie von der Land= oder Seeseite eingedrungen, das wird wol niemand mit Bestimmtheit sagen können, allein daß sich das Uebel ohne das Zusammentreffen von örtlichen Verhältnissen, welche in ihrer Art beispiellos dastehen, nicht so rasch und in einem so erschreckenden Umfange entwickelt haben würde, das steht wol außer allem Zweifel. Wer die tiefgelegenen Volksquartiere in Neapel je gesehen, diese engen, licht= und luftlosen Gäßchen, diese alten salpeterüberwucherten Häuser, diese Canäle voll dicker schwarzer Jauche, die in der Mitte der steilen Wege durch allerlei Unrat hindurch meerwärts schleichen, der wird der Behauptung, daß es wol nirgends in Europa eine Stadt giebt, deren hygienische Zustände so furchtbar verwahrlost wären, wie Neapel, seine Zustimmung nicht versagen. Und erst das Trinkwasser! Geh. Rat Dr. Koch, der Bacillenentdecker, beschreibt einen Tank oder Tümpel in der Nähe von Kalkutta,— nun, die Brunnen in Neapel haben weder ein besseres Wasser, noch dienen sie allein den Bedürfnissen der dürstenden und reinlichkeitsbedürftigen Menschheit; auch sie sind wie die indischen Tanks die Behälter, in denen alles, was einer schnellen Fäulnis ausgesetzt ist, auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Ein solches Wasser, das zudem nicht einmal die gewöhnliche Brunnentemperatur besitzt, sondern warm und faulig schmeckt, bietet den Commabacillen einen überreichlichen Nährstoff— es ist ein wahres Gift schon zu seuchenfreier Zeit, was wird es heute wol anderes sein können, als, neben dem unergründlichen Schmutz des Bodens, der Stadt und ihrer Einwohner, der mächtigste Insectionsstoff, der gefährlichste Beförderer der Epidemie? Die Neapolitaner bauen sich eine großartige Wasserleitung aus dem Quellengebiete des Flusses Serino, doch wird sie erst im nächsten Jahre teilweise in Betrieb gesetzt werden können. Zu lange haben sie mit dem Schicksal gespielt, zu lange all' ihre Mittel zu Gartenanlagen, Quais und anderen Luxusbauten verschwendet; nun müssen alle für diese Sorglosigkeit büßen, alle, auch die Reichen, die das Wohl ihrer armen Mitbürger so lange Zeit hindurch ihrer Laune geopfert. Das ist für die Reichen eine Zeit der Sühne; allein die Armen sterben zu Hunderten; sie mäht der Tod nieder, wie die Sense eine reife Aehrensaat, und nun erst lernt der Reiche das Elend kennen und begreifen, an dem er vorher stolz und achtlos vorüberschritt. Neapel muß man„auswaiden!“ rief der Ministerpräsident Depretis bewegt aus, als er in Begleitung des heldenmütigen Königs die düsteren, höhlenartigen Räume besuchte, in denen 300000 Proletarier ihr Dasein fristen.„Auswaiden", jawohl, allein nachdem man es gereinigt, muß man es auch wieder aufbauen, und die Mittel dazu? Man stößt allgemein auf diese Frage; allein nirgends hört man eine befriedigende Antwort. Es wird vorgeschlagen, die für die sog. Direttissima, die Küstenbahn zwischen Rom und Neapel ins Budget eingestellten 40 Mill. für die Sanirung der Stadt selbst zu verwenden. Das ist immerhin ein Vorschlag, der sich hören läßt; mit den 40 Mill. wäre aber nur der kleinste Anfang gemacht, denn das Werk zu vollenden, dazu gehören nicht 40, sondern 200 Mill. Und Neapel ist nicht die einzige Stadt, die des Auswaidens bedürftig; auch Rom hat seine Höhlen, und Florenz, Mailand und Turin nicht minder. Kommt nun der Stein ins Rollen, wer wird ihn aufhalten? Was hier gethan wird, muß auch dort geschehen... und das Geld? Das Geld könnte man finden; allein was wüßte Italien dann nicht alles aufgeben: wie viele Träume, wie viele Wünsche, welch' eine Fülle von Ehrsucht und Eitelkeit! Dr. Saurbier, Spezialarzt ür Magen= u. Unterleibskranke Köln, Mittelstraße 1.(12 bis Uhr. Sonntags v. 11 bis 1 Uhr. Gesucht werden: ächlige Juschläger ür lohnende Accordarbeit, sowie selche den Förderwagenbau erirnen wollen. Schalker Prevel& Co. in Schalke. * Schlosser ssucht. Bochumerstr. 67. Tüchtige Kaurer, Schreiner u. Handlanger halten dauernde Arbeit bei . 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Gigantisch erhob sich der blumenumkleidete Triumphbogen mit seiner leuchtenden Inschrift, umringt von Lampen und Lämpchen, von Adlern und Sternen waren die öffentlichen Gebäude, aus jedem Fenster wehte leise, vom Abendwinde bewegt, die Fahne in des Deutschen Reiches Farben, reiche geschmackvolle Arrangements grüßten aus den Schaufenstern und grünend zogen sich die Laubguirlanden an dem Giebel der Häuser entlang. Und dieses Gewoge auf den Straßen! Tausende und Abertausende durchwandelten dieselben. Die Männer und Knaben ohne Ausnahme waren fast alle mit Kornblumen oder der schwarz=weiß=roten Schleife geschmückt. Nur mühsam konnten sich alle die Equipagen den Weg durch dieses Menschenmeer bahnen. Fürwahr es war ein Menscheumeer. Den ganzen Tag hindurch hatten überfüllte Extrazüge neue Gäste in unsere Stadt gebracht und vorgestern am Abende zählte Düsseldorf sicherlich das drei= bis vierfache seiner gewohnten Einwohnerzahl. Wie der Meereswellenschlag bei längerem Anhören die Weise einer seltsamen Melodie anzunehmen scheint, so ertönte auch aus diesem Menschenmeere wie einheitliches Motiv hervor: Heil und Willkommen unserem Kaiser! Frohe Festesfreude leuchtete aus allen Gesichtern hervor, eine Freude wahr und ungekünstelt; sie schallte aus den frohen Liedern der Schulkinder, welche taktfest in Reih und Glied, bunte Ballons in den Händen tragend, ihrem Aufstellungsplatze zustrebten, sie redete aus allem und jedem, was man gestern sah. Schon lange vor sieben Uhr war die Umgebung des Köln=Mindener Bahnhofes und des Ständehauses von einer nach vielen Tausenden zählenden Meuschenmasse bestanden. Aber überall von allen Seiten drängten neue heran. Je mehr der Zeiger der Uhr vorrückte, desto größer wurde die Spannung. Endlich war die Stunde gekommen. Der Zug, welcher den greisen Helden in unsere Düsselstadt brachte, lief in den Bahnhof hinein. Ein Jauchzen, großartig und voll wie der Jubelruf eines ganzen Volkes, erhob sich, als endlich die Gewißheit da war, daß der Kaiser erschienen. Kurz vor Ankunft des kaiserlichen Zuges trafen in einem Wagen Minister von Puttkamer, der Oberpräsident der Rheinprovinz und Herr Regierungspräsident von Berlepsch ein. Herr Oberbürgermeister Becker mit den Beigeordneten und Stadtverordneten war schon früher erschienen. Die Herren trafen noch gemeinsam die letzten Anordnungen zum Empfange des Monarchen. Der Bahnhof war prächtig geschmückt. Von seinen Zinnen leuchtete und flammte es. Da lief der Zug ein. Auf dem Perron fanden sich außer den Vertretern der Regierung die Stadtverordneten und Beigeordneten unter Führung des Oberbürgermeisters. Dieser begrüßte zuerst Se. Majestät den Kaiser, der mit einer Rüstigkeit, die alle Aengstlichkeit zu Schanden machte, aus dem Galawagen stieg. Nachdem Sr. Majestät die Anwesenden vorgestellt waren und er in huldvoller Weise die Vorstellungen entgegengenommen, schritten die Majestäten, gefolgt von dem Kronprinzenpaare, den Prinzen Wilhelm und Heinrich, dem Prinzen Albrecht und den übrigen hohen Herrschaften dem Ausgang des Perrons zu. Das war ein Jubel, ein nicht enden wollendes Hurrah= und Hochrufen, als das Kaiserpaar in die Stadt einfuhr. Dem kaiserlichen Zug voraus fuhr Herr Oberbürgermeister Becker. Der nächste Wagen führte unser erhabenes Kaiserpaar. Sowie sich dieser Zug in Bewegung setzte, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. Als ob sich die Menge in Begeisterung erschöpfen wolle, so und nicht anders klang es. Der Kaiser, wie prächtig sah der alte Held aus, dankte nach allen Seiten. Im folgenden Wagen saß der Kronprinz mit seiner Gemahlin und der Prinzeß Victoria. Dann folgte Prinz Wilhelm in der Uniform der Garde=Husaren, dessen Begleiter der Kronprinz von Schweden war. In dem späteren Wagen kamen Prinz Albrecht, der an Stattlichkeit der Erscheinung seines gleichen sucht, Prinz Heinrich, ein schlanker junger Herr mit gebräunter Gesichtsfarbe, und dann kam Moltke; der alte Schlachtendenker war der Gegenstand unausgesetzter Ovationen. Wir können heute nicht sämtlicher Wagen Insassen namhaft machen. Es war die Blüte der deutschen Fürsten, es waren die besten unserer Generale. Den Beschluß des kaiserlichen Zuges bildeten die Wagen mit den fremdherrlichen Offizieren, denen ebenfalls wie unseren Fürsten und Feldherren die Menge, einmal in Begeisterung geraten, unaufhörliche Ovationen brachte. Der Bergisch=Märkische Bahnhof verbreitete ein wahres Lichtmeer. Seine Fassaden waren mit Adlern, Kronen und Wappenzeichen geziert. Aus dem Laube des Triumphbogens leuchteten Sterne hervor, seine Krone umsäumte ein Kranz von Lichtern. Die ganze Königs=Allee war ein Lichtmeer. Der Springbrunnen war von einer blaublendenden Lichterlaube umgeben. Des Altmeister Cornelius denkwürdige Gestalt strahlte in vielfarbigem Glanze, während im Hintergrunde, umzuckt von blendendem Scheine, der Namenszug unseres vielgeliebten Herrscherpaares aufleuchtete. Die Gruppen und Bosquets des botanischen Gartens wurden magisch von den überall emporsteigenden Raketen und dem bengalischen Lichtglanze getroffen. Theater, Kunsthalle, die Mühlenstraße, Markt und Rathaus, sie alle boten blendende Ueberraschungen. Die Hohestraße war in einen Laubgang umgewandelt. Jedes Haus hatte seinen Schmuck, jedes seinen Glanz. Je mehr der Zug sich dem Ständehause näherte, desto mehr verdichte sich die Zuschauermenge, desto lauter und brausender erschollen die Hochrufe. Die Umfahrt, welche etwa ¾ Stunde währte, war vollendet. Empfangen von dem Fürsten von Wied betraten die Majestäten das Ständehaus. Der Eindruck, welchen die große Treppenhalle macht, ist ein großartiger, nahezu unbeschreiblicher. Die Wandfläche dem ersten Aufstieg gegenüber ist bekleidet mit einem roten Tuchschmucke, dessen Faltenwurf deutlich die Form des Zeltes zeigt. Inmitten desselben, gestützt auf die knorrigen Aeste eines Eichbaumes, steht flankirt vor den historischen Wappenhaltern das deutsche Wappen. Die Falten der Draperie werden in der Höhe durch die deutsche Kaiserkrone gehalten. Sinubildlich bezieht sich diese geniale Decoration auf die Anwesenheit unseres Kaisers bei den Feldmanövern. Wenn die alten deutschen Fürsten mit ihrem Heerbanne Halt machten, hingen sie den Schild an die Aeste einer Eiche. Oberhalb der Kaiserkrone schwebt ein Genius, die Victoria, Friedenspalme und Lorbeerkranz dem Herrscher entgegenreichend. Abwechselnd mit Panneaux und Wappen ziehen sich um die Höhe des Treppenhauses Genien. Auf der Brüstung auf der Höhe der Treppe thront eine prächtige plastische Gruppe: Der Vater Rhein mit zweien seiner Töchter. Er sendet dem Kaiser einen Willkommgruß, geschöpft aus seinem nassen Reiche. Denn unter seinem Throne hervor sprudelt ein Silberbach, der in reizenden Kaskaden über eine Muschelführung die Brüstung der Treppe entlang sprudelt und schließlich in einen Delphinkopf verschwindet. An eine Seite des Strombeherrschers schmiegt sich die eine seiner Töchter. Es ist die Wupper, sie stützt den einen Arm auf das Emblem der Thätigkeit, welche ihre Ufer sieht, das gezahnte Rad, das Wahrzeichen der Industrie. An der andern Seite des Alten kauert eine zartere Frauengestalt, die liebliche Düsselnixe, und innig an sie schmiegt sich eine andere Maid, die Fee der Kunst, die Palette als ihr Sinnbild emporhebend. Rechts und links in den Ecken des Treppenhauses sind das weimarische und das preußische Wappen angebracht. Die Wände desselben sind mit vortrefflich wirkenden Gobelins bedeckt. Sie repräsentiren die getreuen Stände, die es sich nicht nehmen lassen, des Kaisers Majestät ihren Gruß zu bringen. Da sieht man den Ritter, den Fürste, den Bürger und Bauer. Sie alle sind verein um dem Feste einen Schmuck zu geben. Es## nicht möglich, jeder einzelnen Schönheit des künß. lerischen Schmuckes der Treppenhalle zu gedenke, Wir müssen auf weiteres verzichten, nicht ohne zuvor desjenigen Mannes, dessen genialer## die gesamte Decoration zu danken ist, HerdProf. Adolf Schill, mit dem Ausdrucke höch Anerkennung gedacht zu haben. Se. Majestät war über die prächtige Aug schmückung ebenso erfreut als überrascht. Wiede, holt gab der hohe Herr seiner Anerkennung Anz druck. Nachdem die Allerhöchsten Herrschaften ihrem Gefolge den Ständesaal betraten, begann# Cour. Hier konnte man die Liebenswürdigke unseres Herrscherpaares in vollstem Glanze wundern. Se. Majestät der Kaiser schritt ringsn an der ansehnlichen Gesellschaft von Damen un Herren vorbei. Man sah unter den ersteren präch tige junonische Erscheinungen, unter den stattliche Erscheinungen in glänzenden Uniforme jeder Art. Unser Kaiser redete die meisten## Anwesenden mit kurzen gütigen Worten an. Die strahlenden Mienen der Herren und Dambewiesen, wie sehr sie die Huld des hohen erfreute. Kaiserin Augusta am Arm des Prinze Wilhelm nahm gleicherweise die Huldigung en gegen und erfreute gleicherweise durch ihre Hul Der Cour folgte das Festspiel. Als die Hen schaften den Saal, der dazu hergerichtet, betraten der Kaiser, seine erhabene Gattin führend, winkt der Kaiser verschiedenen hohen Personen se Gefolges, der Fürstin von Wied, dem Prinze Albrecht u.., in seiner Nähe Platz zu nehmen worauf er selbst sich in seinen Sessel niederließ. Das Festspiel beginnt. Der Vorhang vor## Bühne teilt sich und dem Blicke bietet sich Rheinstrom dar, wie er wild durch ein Felsgeklüst daherrauscht. Noch steht man unter dem Eindru# der stimmungsvollen Musik, welche in die Hanl lung einführt, als sich die Scene beleot. Zujunge Germanenkrieger tragen eine auf den Te getroffene Seherin, ihnen folgt ein alter Held welchem der Silberbart bis auf die Brust hera wallt. Zu den Füßen einer mächtigen Eiche wi die Bewußtlose niedergelegt. Wehmutsvoll beklag der Greis das Geschick der Verwundeten; dan aber, und noch tiefere Trauer durchzittert sein Worte, schildert er den Niedergang des Helden volkes der Germanen, das früher nie von einen fremden Joch bedrückt, jetzt der Vernichtung entgegen gehe. Die deutsche Erde zittere vor der Legionen Schrit „Nicht ihre Macht war's, die uns niederstrit Die fremde Kunst hat uns're Kraft zersplittert (Schluß folgt.) Regenschirme so lange der Vorrat reicht: 10teil. Zanella M. 2. Wof.„„.24 Prima!„„.50 Gloria seid.„.50 Satin de Chine„ 7,12 Prima! seic.„10.— Zur gefl. Ansicht! G. Boitmann, Gelsenkirchen, Bahnhofstr. Nr. 37. Ch. Elverfeld, Dentieté, Gelsenkirchen Alten Markt. Zahnziehen, Zahnfüllen und Zahnersatz, kowie Behandlung der Zahn- und Mundkrankheiten. 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October 1884 an darf niemand in das von ihm ganz oder teilweise bewohnte Haus gegen Entgeld Personen unter Gewährung von Wohnung und Kost(Kostgänger) oder unter Gewährung von Wohnung und Bett(Quartiergänger) aufnehmen oder bei sich behalten, wenn er nicht für diese Personen genügende Schlafräume hat, welche den nachfolgenden Bestimmungen entsprechen: a. Die Schlafräume dürfen mit den eigenen Wohn= und Schlafräumen des Kost= und Quartiergebers und seiner Hausangehörigen weder in offener Verbindung stehen noch durch eine Thür verbunden sein. b. Jeder Schlafraum für Kost= und Quartiergänger muß gedielt mit einer Thür verschließbar und mindestens mit einem Fenster in der Außenwand des Hauses versehen sein; auch darf der: selbe mit einem Abtritt weder in offener noch in verschließbarer Verbindung stehen. o. Der Schlafraum muß für jede der denselben gleichzeitig benutzenden Personen mindestens 10 Chm. Luftraum entholten. d. Für je zwei Kost= oder Quartiergänger muß mindestens ein Bett und ein Waschgeschirr vorhanden sein. e. An der Thür des Schlafraumesgnnuß auf der Innenseite eine Tafel hängen, auf welcher die zulüssige Zahl der den Schlafraum gleichzeitig benutzenden Kost= oder Quartiergänger angegeben ist. Die Richtigkeit der Angabe wird auf der Tafel selbst nach der Meldung(§ 3) von der Polizeibehörde bescheinigt. S 2. Die Kost= oder Quartiergänger dürfen nur in den für sie bestimmten Räumen Schlafstätten haben und benutzen. Diese Räume dürfen nicht von Personen verschiedenen Geschlechts als Schlafräume benutzt werden. S 3. Wer Kost oder Quartiergänger bei sich aufnimmt,(§ 1) muß davon unter Angabe der Zahl der auszunehmenden Personen und der für dieselben bestimmten Räumlichkeiten der Ortspolizeibehörde binnen sechs Tagen Anzeige machen. Eine Vermehrung der Zahl der Kost= oder Quartiergänger und jede Veränderung der Räumlichkeiten ist in gleicher Weise und innerhald derselben Frist zur Anzeige zu bringen. S 4. Jede Zuwiderhandlung gegen die vorstehenden Bestimmungen wird mit Geldbuße von drei bis zu dreißig Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Freiheitsstrafe tritt, bestraft. § 5. Mit dem 1. October 1884, dem Tage des Inkrafttretens der vorstehenden Polizei=Verordnung wird die für die Stadt=Kreise Dortmund und Bochum, sowie für die Landkreise Dormund und Bochum und den Kreis Hagen unter dem 11. Januar 1879 erlassene Regieungs=Polizciverordnung aufgehoben. Arnsberg, den 6. Juni 1884. Königliche Regierung, Abteilung des Innern. Wird hiermit veröffentlich Schalke, den 28. Sept. 1884. Die Polizei=Verwaltung: Klose. Hôtel Bremen. Reingehaltene Khein- und Moselweine per Flasche von 65 Pf. an. 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Geschäfts=Verlegung. Meinen verehrten Abnehmern mache hierdurch die ergebene Mitteilung, daß ich mein Geschäft aus dem Hause des Herrn H. Nettebeck in das gegenüberliegende neu erbaute Haus des Bauunter= nehmers Herrn H. Timmermann verlegte. Indem ich für das mir bisher geschenkte Vertrauen bestens danke, bitte, mir dasselbe auch dahin übertragen zu wollen. Es wird mein Bestreben sein, durch fortwährende Verbesserung meiner Fabrikate die Wünsche der Herren Raucher zu befriedigen. Gelsenkirchen, 16. Sept. 1884. Hochachtend Aug. Marten, Jabak- u. Eigarrenfabrik, Bochumerstraße. 1 10 Uesung Suchrt empfiehlt F. Dienst, Gelsenkirchen. SchektiSTENZ Neubau, Höherführung. Binden, Geraderichten, Ausfugen, Anbringen der Blitzableiter während des Betriebes durch Steigeapparat. Alleiniger Inh. d. D. R. P. 4524 u. 8299. W. ECKARDT, Ingenieur, Dortmund. Posten in hochseinen Shlipsen, in gestickten in Gummihosenträgern, in Glage=Handschuhen eingetroffen. G. Boltmann, Gelsenkirchen, Bahnhofstr. 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