E S c big u ubstug nock mhbung.. Nr. 150. Gelsenkirchen; Montag, den 30. Juni 1884. 10. Jahrgang. „ Die„Emscher Zeitung“ erscheint taglich mn Auonaume der Sonn= und boden Feiertage. WochenBeilage:„Ilnstrirtes Emscher Sonntagsblatt“.— Insertionspreis: Die Petit=Zeile oder derer Raum 15 Vf., Reklamen 40 Vi.— Verantwortlicher Redackeur F. Dienst in Gelsenkirchen. Früher: Der Sinoere et constanter. Adonnementspreis: Mark.50 vierteljährlich im Voraus. Man adonutr außer bei derzExpedttion in Selsenkirchen, Marktstraße 13, bei allen Postanstalten und bei den Filial=Expeditionen:Rud. Eick, Herne: W. Walbeck, Wanne.— Druck und Verlag von F. Dienst in Gelsenkirchen & Colonial=Politik. Fürst Bismarck hat am vorigen Montag in der Budget=Commission des Reichstags, wo die Postdampfervorlage zur Beratung stand, auf eine bezügliche Anfrage Aufschluß erteilt über die Richtung, in welcher sich die colontalpolitischen Bestrebungen des Reiches bewegen. Die Frage der Gründung von Colonien hat seit Jahr und Tag das deutsche Volk lebhaft beschäftigt, an vielen Orten sind Vereine entstanden, welche sich zur Aufgabe gemacht haben, die Frage in Fluß zu bringen, das Verständnis dafür zu verbreiten und womöglich auch mit der Gründung einer Colonie vorzugehen. Abseits und außerhalb dieser Bewegung liegen zwei Ereignisse, welche darauf hindeuten, daß die Reichsregierung der Colonial= politik praktisch näher getreten ist: das eine ist das an den deutschen Consul der Kapstadt gerichtete Telegramm, worin der Reichskanzler erklärt, daß Herr Lüderitz und seine Niederlassungen in Angra Pequena(an der westafrikanischen Küste) unter dem Schutze des Reiches stehen, das andere ist ein Schreiben des Reichskanzlers an die Handelskammer in Frankfurt a.., worin der Fürst die Interessen des deutschen Handels im Congogebiet wahrnehmen zu wollen erklärte. Hierzu tritt als ein Beweis der Fürsorge der Regierung für die Entwickelung des überseeischen Handels die Vorlage wegen Subventionirung von Postdampfern nach Ostasien, Australien und der Südsee. Wenn man bisher aufgrund dieser äußeren Anzeichen lediglich auf Vermutungen über die vom Reich in Angriff genommene Colonialpolitik angewiesen war und wenn diese Vermutungen je nach dem Standpunkt, den man in dieser Frage einnimmt, teils sehr weit gingen, teils die Form von Zweifeln annahmen, so hat das deutsche Volk jetzt durch die Erklärungen des Kanzlers Klarheit erhalten über das, was Fürst Bismarck in diesem Punkte unter Zustimmung des Kaisers erstrebt. Diese Erklärungen lassen sich dahin zusammenfassen: das Reich soll nicht wie Frankreich fremde Landstriche in Besitz nehmen, die Auswanderung dorthin lenken, Beamte zur Verwaltung solcher Gebiete entsenden und dort Garnisonen errichten, mit anderen Worten also: es soll nicht Colonien künstlich gründen. Wol aber soll das Reich die aus der deutschen Nation herausgewachsenen freien Ansiedelungen von Reichsangehörigen in Gegenden, welche nicht unter der anerkannten Herrschaft einer anderen Nation stehen, unter seinen Schutz nehmen. Die Deutschen sollen wissen, daß sie ein Vaterland haben und daß sie und die von ihnen erworbenen Gebiete an dem Reich einen Rückhalt haben. In dieser Weise sei Angra Peqnena, wo die Bremer Firma Lüderitz ein größeres Gebiet von den Eingeborenen erworben und Niederlassungen errichtet habe, unter den Schutz des Reiches gestellt worden und geschehe dies ohne den Widerspruch Englands, welches auf den fraglichen Küstenstrich keinen Rechtsanspruch zu besitzen zugegeben habe. In ähnlicher Weise würde das Reich auch andere Niederlassungen unter seinen Schutz stellen. Die Errichtung von Kohlenstationen und die Ausdehnung des Consularsystems könne sich hieran anknüpfen. Im übrigen strebe der Kanzler danach, den deutschen Handelsund Verkehrs=Interessen am Congo Freiheit zu sichern. Zur Förderung des deutschen Handels und der Industrie in anderen überseeischen Gegenden sollte die Postdampfer=Vorlage dienen. „Nationalen Schutz für die private Unternehmung,“ in diesen Worten faßt ein liberales Blatt, wie wir glauben, in treffender Weise die Colonialpolitik des Kanzlers zusammen; man kann hinzufügen:„Förderung der Handels= und Verkehrs=Interessen deutscher Reichsangehöriger in überseeischen Ländern.“ Das ist das Ziel, welches Fürst Bismarck erstrebt. Wie wird sich das Volk dazu stellen? Wir glauben, in den Herzen des Volkes wird die nationale Seite, welche der Kanzler hiermit angeschlagen hat, mächtig wiederklingen und das wirtschaftliche Interesse, für welches der Kanzler von neuem eintritt, volles Verständnis finden: Hat doch schon die Postdampfervorlage allenthalben Begeisterung und Zustimmung, die sich in Telegrammen und Adressen ausdrücken, hervorgerufen, und diese Stimmung hat sich namentlich durch die unwürdige Behandlung, welche die Vorlage seitens der engherzigen„Freisinnigen" gefunden, nur noch vermehrt. Das Orogramm über die Colonialpolitik wird zweifellos von dem ganzen deutschen Volk als ein ebenso besonnenes und umsichtiges, wie den Interessen des Dolkes und des Reiches dienendes lebhaften Befall finden. Politische Wochenübersicht. I. Aus dem Inlande. Vom Hofe ist in dieser Woche nichts besonderes zu berichten. Der Kaiser setzt bei bestem Wohlbefinden seine Eur in Ems fort, nimmt täglich Vorträge entgegen, empfängt zahlreiche dort eintreffende hervorragende Persönlichkeiten und macht in den noch übrigen freien Tagesstunden größere und kleinere Ausflüge durch das herrliche Lahnthal oder besucht Theater und Concerte. Am Freitag voriger Woche fuhr der Kaiser nach Coblenz, wo Tags zuvor die Kaiserin nach beendeter Cur in Baden=Baden zu längerem Aufenthalt eingetroffen war. Auch das Befinden Ihrer Majestät ist ein erfreuliches. Der Bundesrat hat in den letzten Wochen sowol in den Ausschüssen als auch im Plenum eine lebhafte Thätigkeit entwickelt und auch am letzten Dienstag wieder eine Plenarsitzung und in derselben u. a. dem Antrage Sachsens gemäß die Anwendung des§ 28 des Socialistengesetzes auf die Stadt Leipzig und deren Umgebung auf ein weiteres Jahr beschlossen. Ferner erteilte der Bundesrat dem Handelsvertrag mit Corea, dem Literarvertrag mit Italien, der Uebereinkunft mit Siam wegen des Handels mit geistigen Getränken und einem Nachtragsetat, welcher durch die Errichtung des Reichs=Versicherungsamtes notwendig geworden, seine Zustimmung. Diese Vorlagen sind nun auch schon dem Reichstage zugegangen und vom Präsidium bereits auf die Tagesordnung gestellt. Es wird dort, wie man zu sagen pflegt, mit Dampf gearbeitet, was insofern allerdings sein Gutes hat, als man gegenwärtig weniger langatmige Reden zu hören bekommt. So wurde am Mittwoch der vom Abgeordneten Windthorst beantragte Gesetzentwurf bezüglich der Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern ohne jede Debatte in dritter Lesung mit großer Majorität angenommen, nachdem vorher bereits der Gesetzentwurf betreffend die Beschaffung eines Dienstgebäudes für das Generalconsulat in Shanghai und alsdann der Antrag Ackermann bezüglich der Lehrlingsfrage in dritter Lesung beraten und, letzterer mit einer sehr kleinen Majorität(154 gegen 150 Stimmen), angenommen worden waren. In den voraufgegangenen Sitzungen hat der Reichstag zunächst die wichtigste Vorlage dieser Session, das Unfallversicherungsgesetz, in zweiter Beratung beraten und in allen wesentlichen Punkten nach den Anträgen der Commission genehmigt. Die dritte Lesung dieses Gesetzes ist außer den obengenannten Gegenständen auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung des Reichstages gesetzt und wird im wesentlichen zu einer Wiederholung der Beschlüsse zweiter Lesung führen, in welcher Erwartung denn auch die Regierung den bereits gedachten Nachtragsetat eingebracht hat. Auch das Actiengesetz ist in den jüngsten Sitzungen in zweiter Beratung unverändert nach den Beschlüssen der Commission angenommen worden und wird voraussichtlich auch in dritter Lesung in gleicher Fassung genehmigt werden. Endlich hat der Reichstag das Relictengesetz in zweiter Lesung beraten, leider aber dabei die der ursprüngliche Regierungsvorlage günstigen Amendements abgelehnt und die Beschlüsse der Commission, welche nach den Erklärungen der Vertreter der Regierung unannehmbar sind, angenommen. Wenn sonach dem Reichstage die Anerkennung nicht versagt werden kann, daß er in jüngster Zeit ein erhebliches Stück Arbeit geschafft hat, so muß man aber leider hinzufügen, daß dies nicht infolge eines lebhaft erwachten Schaffensdranges geschehen, sondern vielmehr infolge unüberwindlicher Ermüdung und großer Arbeitsunlust, indem alles daran gesetzt wird, um nur so rasch als möglich die Session zum Abschluß zu bringen. Diese Unlust ist um so auffälliger, als der Reichstag keineswegs eine lange Session hinter sich hat und dieselbe durch eine längere Pause unterbrochen und verkürzt worden ist. Es scheint aber geradezu unmöglich, die Mitglieder länger beisammen zu halten, und somit bleiben verschiedene, in hohem Grade wichtige und gewissermaßen dringliche Angelegenheiten unerledigt, die, weil zugleich die Reichstagsperiode zu Ende geht, nicht einmal in die nächste Session hinübergenommen werden können, sondern alsdann wieder ganz von vorne angefaßt werden müssen. Zu diesen unerledigt bleibenden Gegenständen gehört u. a. die Zolltarifnovelle und weiter die Zuckersteuerreform, deren Abschluß rasch herbeizuführen nicht nur im fiscalischen Interesse, sondern auch in dem der Zucker=Industriellen liegt, welche nunmehr über die Lage der einschlägigen Verhältnisse zur Zeit der im August 1885 beginnenden Campagne, auf welche hin schon jetzt vielfache Dispositionen von ihnen getroffen werden müssen, im Unklaren sind. Unerledigt bleibt ferner das Börsengesetz, dessen Beratung wenigstens in erster Lesung von der Regierung dringend gewünscht wurde, damit die Parteien durch ihre Vertreter im Reichstage darüber Gewißheit hätten geben können, wie sie sich, nicht so sehr zu der Vorlage insbesondere, sondern zu der Frage einer Besteuerung der Börsengeschäfte überhaupt stellen. Unerledigt bleibt endlich die Dampfersubventions=Vorlage, obgleich selbst Organe der gegnerischen Parteien mit großer Wärme für dieselbe eingetreten sind und obgleich der Reichskanzler von der hohen Bedeutung der Angelegenheit für die Ehre und die Interessen des Reichs durch sein Erscheinen in der Commissionssitzung am Montag und durch seine dort abgegebenen Erklärungen Zeugnis abgelegt hat. Die deutschen Freisinnler, in diesem Falle vom Centrum unterstützt, haben trotz alledem ein Verschleppung der Angelegenheit und damit ihre vorläufige Beseitigung durchzusetzen gewußt. Ok dieses die deutsche Nation in ihren heiligsten Gr fühlen empfindlich verletzende Vorgehen der deutsch freisinnigen Partei wohl bekommen wird, ist aber sehr: fraglich und wird bei den bevorstehende Neuwahlen zum Reichstage wahrscheinlich entschie den werden. is Deutscher 43. Pleuarsitzung vom 27. Juni 1884 Auf der Tagesordnung stehen zunächst Wah prüfungen. Die Wahlen der Abgg. v. Sczaniec! (4. Wahlkreis Marienwerder) und Kutschba (20. Wahlkreis Königreich Sachsen) werden na jängerer Debatte für ungültig erklärt. Es folgt die dritte Beratung der Unfal versicherungs=Vorlage. Schloß Wilhelmsthal. 11) Novelle aus den schweren Tagen der Fremdherrschaft von A. Norden. (Schluß.) „Es ist dies schwerlich der Ort, Herr Marquis de Breteuil, um solche Dinge zu erörtern. Ich denke, Sie könnten sich wol eine passendere Stunde dazu wählen. Ich bin wahrlich jetzt nicht in der Stimmung, mich mit Ihnen zu unterhalten.“ „Nicht in der Stimmung?“ Der Marqnis brach in ein lautes Gelächter aus.„Das waren Sie auch heute Abend nicht, sobald Sie bemerkten, daß ich mich Ihnen nähern wollte.“ „Nun dann, Herr Marquis, können Sie sich ja selbst sagen, welche Antwort Ihnen von mir zuteil wird," versetzte das geängstigte Mädchen, indem sie vergeblich nach Fassung rang.„Lassen Sie mich unbehelligt meinen Weg fortsetzen.“ „Das werde ich nicht thun!" rief der Marquis, indem er Madeleines Arm ergriff.„Nicht eher, als bis Sie mir gesagt haben, daß Sie die meine sein wollen, werden Sie von der Stelle gehen!“ Der Margais hatte kaum diese Worte gesprochen, da fühlte er sich von einer starken Hand erfaßt, ein kurzes Ringen und er, der Schwächere, mußte der Gewalt weichen. In unsanfter Weise kam der Zudringliche mit dem Erdboden in Berührung. „Teufel und Höllet fluchte der Besiegte. „Ist das Ihre Kammerfrau, Mademoiselle de Fremont? Ein Mann war es, der Sie begleitete!“ Doch die Flüchtigen hörten den Wätenden nicht mehr. Schnellen Schrittes gewannen sie das Försterhaus. Noch ein kurzer, bewegter Abschied und in der Kleidung eines Forstgehülfen trat Karl von Plötz mit dem Förster den Weg durch den Wald an, in dem ein schnelles Pferd seiner wartete. Ein dankbarer Seufzer hob Madeleines Brust. „Gerettet!“ flüsterte sie, indem sie die Hände wie zum Gebet faltete, als Karls Schritte verhallt waren und in der Begleitung Toinettes, die sie im Forsthause erwartet hatte, kehrte sie unbehelligt in das Schloß zurück. ** * Jahre waren vergangen. Deutschland hatte sich von dem schweren Joch der Fremdherrschaft befreit. Napoleon schmachtete in der Verbannung auf St. Helena für die vermessene Kühnheit, mit der er einen Weltteil zu unterjochen die Macht zu besitzen gewähnt hatte. Der Mann mit dem eisernen Willen hatte eine Hand fühlen lernen müssen, die mächtiger war, als die seine, die Hand des Schicksals, das ihn hoch hatte steigen lassen, um ihn in einem Moment desto tiefer zu stürzen. Die Willkür der fremden Fürsten war zu Ende. Deutscheres Leben denn je zuvor wehte durch Deutschlands Gauen, wenn auch erst langsam reifend zu der herrlchen Ernte, die nach Jahrzehnten fallen sollte. Die Verbannung Deutscher aus ihrem Heimatlande war vorüber, die französische Hofwirtschaft hatte ein plötzliches Ende gefunden. Inmitten des Sommers war es, als von den Türmen des alten Plözenschlosses in der Mark die Fahnen herabwehten auf die im Festglanz prangende Erde. Blumen und Laubgewinde schmückten Pforten, Hallen und Sälen der alten Burg, alles zu Ehren des jungen Schloßherrn, der heute ein junges, liebliches Weib einführte in die Heimstätte seiner Väter. Madeleine von Fremont vertauschte freudig ihre französische Heimat mit der deutschen, wo sie Schutz und Schirm finden sollte fürs ganze Leben an dem Herzen eines über alles geliebten und sie in echter, deutscher Treue wieder liebenden Gatten. Mit festem ehrlichen Blick begrüßte der alte Edelmann die junge Französin, die ihm sein Sohn als Tochter zuführte; mit Innigkeit schloß die Mutter sie an ihr Herz, dessen Liebe sich hinfort teilte in die beiden Kinder, die sie nun besaß, und nie, nie wünschte Madeleine sich in den prunkenden Hofkreis zurück, in dem sie gelebt als Ehrendame der Königin Katharina, die ihren Liebling um das Glück beneidet haben würde, das sie gefunden, ein Glück, wie es der Fürstin auf der glänzenden Höhe, die sie für kurze Zeit eingenommen, nie geleuchtet hatte. Schloß Wilhelmsthal war wieder in die Hände des jetzt zum Kurfürsten erhobenen Landgrafen Wilhelm übergegangen und oft dachten die nach gebrochener Fremdherrschaft endlich glücklich Vereinten an den verhängnisvollen Tag zurück, der sie durch seltsame Fügung zusammengeführt hatte, um ihre Herzen einander finden zu lassen zum ewigen Bunde. *(Gehaltsverhältnisse der katholischen Geistlichen in Elsaßz=Lothringen.] In der letzten Tagung des Landes=Ausschusses waren 1 Gehaltsverhältnisse der katholischen Geistlichen Elsaß=Lothringen zur Sprache gebracht word und wurde die Unzulänglichkeit der bisher zogenen Gehälter rückhaltslos anerkannt, so d die beantragte Erhöhung dieser Gehälter e keinerlei Schwierigkeiten bei den Landboten sti Ein Erlaß des Kaiserlichen Statthalters ord nunmehr aufgrund der im Landes=Haushalts=E für 1884/85 enthaltenen Bestimmungen Zahlung dieser erhöhten Gehälter vom 1. Ap d. J. anfangend an. Die katholische Geistlich wird dabei in vier Hauptklassen eingeteilt: De herren, Pfarrer erster und zweiter Klasse, Hül pfarrer. Die Domherren beziehen ein jährlie Gehalt von 2200., die Pfarrer, 1. Klasse Alter von mehr als 70 Jahren 2000., 1 60. bis 70. Lebensjahr 1900., bis zum Lebensjahre 1800., die Pfarrer zweiter Kl im Alter von mehr als 70 Jahren 1700 vom 60. bis 70. Lebensjahre 1600., bis 60. Lebensjahre 1500., die Hülfspfarrer Alter von mehr als 75 Jahren 1600., 70. bis 75. Lebensjahre 1500., vom 60. 70. Jahre 1350., vom 40. bis 60. J 1200., bis zum vollendeten 40. Lebensi“ 1140 M. Durch diese Gehaltsaufbesserung wei die katholischen Geistlichen den protestanti gleichgestellt, was bisher nicht der Fall war; Erlaß des Kaiserlichen Statthaltes wird auch jenigen beruhigen, welche seit dem Beginn a; Etatsjahres auf denselben warteten, zumal die Zahlung der erhöhten Gehälter vom 1. k d. I. anordnet. —* In der Generaldiscussion nimmt zuerst das Wort Abg. Rickert, um noch einmal die Gründe darzulegen, welche ihn und seine Freunde veranlaßten, gegen das Gesetz zu stimmen. Er wendet sich dabei zunächst gegen die Nationalliberalen, die, nachdem sie jahrelang denselben Standpunkt, wie er eingenommen, und denselben jetzt plötzlich verlassen, sicher kein Recht hätten, die Freisinnigen der Negation zu beschuldigen. Die Idee, welche der Socialpolitik des Herrn Reichskanzlers zugrunde liege, sei gerade von den Liberalen ausgegangen; aus der liberalen Idee heraus sei die Initiative zum Haftpflichtgesetz hervorgegangen. Dieses Gesetz sollte nach dem Wunsche seiner Freunde ein ganz anderes Gesicht bekommen, als es jetzt hat. Hätte man die Sache sich weiter entwickeln lassen, die Arbeiter wären längst in dem Besitze der Wohlthaten, die man jetzt in diesem Gesetze denselben zuwenden wolle. Wer die Politik des Herrn Reichskanzlers auf diesem Gebiete verfolge, wisse, daß derselbe von Anfang an bestrebt gewesen, in die freie Erwerbsthätigkeit einzugreifen und den Staat als den entscheidenden Regulator einzuführen, sowie die Erwerbsgesellschaft in einer Weise zu organisiren, daß die Staatsgewalt den ausschlaggebenden Factor bei der Entscheidung bilde. Dieser Tendenz müßten seine politischen Freunde Widerstand leisten, diesen Anfang einer staatlichen Organisation nach socialdemokratischem Muster könnten sie nicht mitmachen. Um 4 bis 5000 Unfälle willen, die alljährlich der Entscheidung der Entschädigungsfrage unterliegen, mache man durch das ganze Reich einen Apparat von colossaler Ausdehnung, der von Selbstverwaltung auch nicht eine Spur an sich trage. Die Majorität habe mit Annahme dieser Vorlage einen Schritt gemacht zur Beseitigung eines Teiles der Erwerbsthätigkeit, die bisher in ausreichender Weise gewirkt habe, und diesen Schritt könnten sie nicht mitmachen. Abg. Frhr. v. Wendt erklärt sich im Gegensatze zum Vorredner für die Annahme der Vorlage. Die Regierungsvorlage habe sich im allgemeinen auf den Standpunkt vorjähriger Anträge seiner Partei gestellt. Die hauptsächlichsten Punkte derselben, die Beseitigung des Reichszuschusses, die Nichtzulassung der Privat=Versicherungsgesellschaften und die Organisation der Berufsgenossenschaften wären in dem vorliegenden Entwurfe berücksichtigt worden: Diese Punkte seien für seine politischen Freunde entscheidend, denn sie hielten dafür, daß das Gesetz in seiner gegenwärtigen Fassung wol geeignet sei, eine segensreiche Wirksamkeit zu entfalten, indem es unleugbar eine Linderung des socialen Elends und eine gerechtere Verteilung der Lasten herbeiführen werde. Gegenüber den Ausführungen des Vorredners, daß das Gesetz den Arbeitern nur geringe Vorteile gewähre, verweist er darauf, daß dasselbe die Zahl der Versicherten zegenüber dem Haftpflichtgesetz um das Zehnfache vermehre, was doch ein sehr wesentlicher Fortschritt sei. Gerade der Umstand, daß der Reichskanzler seine Hand auf die Actienversicherungsgesellschaften zelegt, sei für seine Freunde ein Grund mehr, für die Vorlage zu stimmen; wenn man für den Arheiter einen Versicherungszwang einführe, dann nüsse auch auf der andern Seite dafür gesorgt verden, daß nicht die Arbeiter als Erwerbsobject dienen für die wohlhabenden Klassen. Schließlich vendet er sich gegen die früheren Ausführungen des Abg. Bebel über die Wirksamkeit der katholischen Kirche auf dem socialen Gebiete und sucht des veiteren auszuführen, daß eine gedeihliche Socialeform nur dann möglich seit wenn man sich entchließen würde, den Culturkampf aufzugeben. Abg. Blos erklärt, daß seine, die socialdemoratische, Partei gegen das Gesetz stimmen würde. Wenn er für seine Person auch einer Verstaatichung der Versicherung zustimmen könnte, so trenne ur sich doch inbezug auf die Art und Weise, wie hier das Versicherungswesen organisirt werden ollte. Er seinerseits könne von diesem Gesetze iine segensreiche Wirksamkeit nicht erwarten, er und seine politischen Freunde lehnten die Vorlage iber vornehmlich deshalb ab, weil sie ganze Catezorien von Arbeitern von der Versicherung auschließe,— darunter solche, für welche die Verlicherung eine Notwendigkeit wäre— weil die Entchädigung zu gering sei und weil sie mit der Larenzzeit nicht einverstanden seien. Die Beseitijung der Arbeiterausschüsse sei auch hier ein Verluch, die staatliche Bevormundung einzuführen. Die Socialreform sei an einer ganz verkehrten Stelle ingefaßt worden; man hätte dieselbe mit Feststelzung des Normalarbeitstages beginnen müssen, henn ohne diesen schwebe auch das„Recht auf Irbeit" vollständig in der Luft. Ohne den Tormalarbeitstag werde man zu einer brauchharen Grundlage für die sociale Reform niemals jelangen. Abg. Dr. Buhl rechtfertigt noch einmal das Verhalten der Nationalliberalen gegenüber den lngriffen von freisinniger Seite. Er gebe zu, aß nach seiner Ueberzeugung die facultative Zuassung der Privatversicherungsgesellschaften mit iesem Gesetze vereinbar und durchführbar gewesen däre, aber er halte diese Auffassung nicht für ine derart fundamentale, daß er deshalb das anze Gesetz verwerfen müsse. Den Arbeitern sei 's übrigens einerlei, ob sie ihre Entschädigung on den Versicherungsgesellschaften oder von den Zenossenschaften erhalten. Es sei falsch, daß es en Nationalliberalen nur gelungen sei, eine Erheiterung des Gesetzes inbezug auf die Schorneinfeger durchzusetzen; auch der überwiegende Teil er Bauhandwerker sei neu in die Versicherung ineinbezogen, dessen Sicherstellung von der öffentichen Meinung seit Jahren gefordert worden. diese Hineinziehung von fast fünf Millionen Irbeitern in das Gesetz sei eine derartige Erungenschaft, daß schon aus diesem Grunde die Verwerfung des Gesetzes sich nicht würde rechtfertigen lassen. Abg. Richter(Hagen): Er sei sehr gespannt darauf gewesen, wie der Vorredner seine Wandlung in dieser Frage rechtfertigen würde, aber er müsse gestehen, daß er durch dessen Ausführungen außerordentlich enttäuscht worden sei. Niemand habe daran gedacht, die Herren zu zwingen, sie hätten aber ihre Position von vornherein verschoben. Was Herrn von Bennigsen anlange, der hier am nationalliberalen Parteitag teilgenommen, woselbst die Wandlung sich vollzogen, so sei es ja leicht, zur Parade zu erscheinen, schwerer aber, auf den Kampfplatz zu treten, wenn Gefahr vorhanden ist. Herr von Bennigsen sei zu sehr Cavalier in der Politik, wenn die Gefahr vorüber und die Zeiten wieder besser würden, werde er schon wiederkommen. Er und seine Freunde seien der Meinung, daß ein schlechteres Gesetz auf diesem Gebiet gar nicht gemacht werden könne, es werde für die ganze Richtung dieser Gesetzgebung schädlich wirken. Dasselbe sei lediglich geeignet, die staatliche Gewalt zu stärken, und deshalb begreife er das Centrum nicht, das keinen Anstand nehme, diesen Schritt mitzumachen, obgleich es damit die Staatsomnipotenz von Neuem erweitere. Hier auf diesem Gebiete vollziehe sich eine Scheidung der Nationalliberalen vom Liberalismus schärfer als auf irgend einem anderen Gebiete der Gesetzgebung. Die Generaldiscussion wird geschlossen. In der Specialdiscussion werden überall die zwischen den Majoritätsparteien vereinbarten Abänderungsanträge, die indes zum größeren Teile redactioneller Natur sind, angenommen. Nur zu§ 5, inbezug auf die Carenzzeit, wird gegen den Widerspruch der Regierung ein Antrag angenommen, welcher, materieller Art, dahin geht, daß die verunglückten Arbeiter vom Beginne der fünften Woche an einen Zuschuß bis zu 2/3 ihres Arbeitsverdienstes erhalten sollen zu dem gesetzlichen und statutenmäßigen Krankengelde, und zwar auf Kosten der Arbeitgeber, in deren Betrieb der Unfall passirt ist. Ferner wird zu§ 90(Reichsversicherungsamt) mit Zustimmung der Regierung ein Zusatz beschlossen, wonach bei Entscheidungen vermögensrechtlicher Streitigkeiten und im Recursverfahren gegen Schiedsgerichte die Beschlußfassung unter Zuziehung von zwei richterlichen Beamten erfolgen soll. Mit diesen Aenderungen wird das Gesetz im ganzen mit großer Majorität angenommen.(Dagegen stimmteen die Freisinnigen, die Volkspartei und die Socialdemokraten.) Auf den Antrag Windthorst beschließt das Haus zu dem Gesetze noch folgende Resolution: den Bundesrat zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, auf welche Weise die durch den gesetzlichen Ausschluß der privaten Unfallversicherungs=Gesellschaften in ihrem Erwerbe beeinträchtigten Bediensteten jener Gesellschaften zu entschädigen seien. Der mit der Vorlage in Verbindung stehende Nachtragsetat(Einrichtung des Reichsversicherungsamtes) wird hierauf nach kurzer Debatte in zweiter Beratung unverändert genehmigt und dann die Vertagung beschlossen. Nächste Sitzung Sonnabend, 10 Uhr. (Mehrere kleinere Vorlagen und dritte Lesung des Relictengesetzes und des Actiengesetzes.) Tages=Rundschau. fs Berlin, 28. Juni. Der Reichstag erledigte in seiner heutigen Sitzung zunächst die erste und zweite Beratung des internationalen Vertrages zum Schutze der unterseeischen Telegraphen= Kabel, nachdem der Herr Staatssecretär des Reichspostamts Dr. Stephan mit einigen Worten auf Geschichte und Bedeutung des Vertrages hiugewiesen. Es folgte die dritte Beratung des Militär=Relictengesetzes. Eine umfangreiche Debatte knüpfte sich nur an die Frage der Beitragspflicht der unverheirateten Offiziere. Während die Vorlage die unverheirateten Offiziere von den Beiträgen überhaupt frei lassen will, hat die Commission dieselben in gleicher Weise wie die verheirateten Offiziere herangezogen; die Abg. Frhr. v. Minnigerode und Dr. Windthorst beantragen eine Ermäßigung dieser Beiträge. Das Haus blieb jedoch bei den Commissionsbeschlüssen stehen. In der Gesamtabstimmung wurde der Entwurf mit geringer Majorität angenommen. Bei dem folgenden Gegenstande der Tagesordnung, der dritten Beratung des Actiengesetzentwurfs, entspann sich besonders bei den Straf=Bestimmungen eine eingehende Discussion. Ein Antrag des Abg. Dr. Windthorst, die Strafbarkeit des Redacteurs einer periodischen Druckschrift nach§ 20 Alinea 2 des Preßgesetzes auszuschließen, wenn ein bezügliches Inserat, welches die Vorspiegelung falscher oder die Entstellung wahrer Thatsachen zu dem Zwecke ent. hält, um zur Beteiligung an Actienunternehmungen zu bestimmen, die Unterschrift des Verfassers trägt und sich dieser im Bereiche der richterlichen Gewalt eines deutschen Bundesstaates befindet,— wurde trotz des Widerspruchs der Regierung angenommen. In der Schlußabstimmung gelangte das ganze Gesetz mit erheblicher Majorität zur Annahme.— Nachdem darauf der zweite Nachtragsetat ohne Debatte in dritter Lesung definitiv genehmigt, nahm das Haus gleichfalls ohne Discussion die Literarconvention mit Italien, sowie die Uebereinkunft mit dem Königreich Siam, und endlich den Handels=, 2c. Vertrag mit Korea definitiv in dritter Lesung an. Den Rest der Sitzung füllte die debattelose Erledigung einiger Petitionen.— Eine von dem Abg. Frhr. von Minnigerode eingebrachte Interpellation, beireffend die seitens der verbündeten Regierung in Aussicht genommenen resp. bereits ergriffenen Maßregeln zur Beseitigung der Gefahr einer Einschleppung der Cholera, wurde neben der dritten Beratung des internationalen Kabelvertrages auf die Tagesordnung der nach halbstündiger Zwischenzeit eröffneten Schlußsitzung gestellt. In dieser nahm das Haus zunächst den internationalen Kabel=Vertrag ohne Debatte in dritter Lesung definitiv an. Darauf erklärte in Beantwortung der erwähnten Interpellation der Herr Staatssecretär des Innern, Staatsminister von Bötticher, daß auf Veranlassung des Herrn Reichskanzlers gegenwärtg eine Commission von hervorragenden Sachverständigen zur Beratung der als geeignet zu treffenden Maßregeln versammelt sei und daß nach Lage der Verhältnisse voraussichtlich von der Anordnung einer Grenzsperre werde abgesehen werden können. — Darauf gab der Präsident die übliche Uebersicht über die Arbeiten des Reichstages während der verflossenen Session und demnächst folgte der seitens des Abg. Grafen v. Moltke dem Präsidenten von Levetzow im Namen des Hauses votirte Dank für die umsichtige und unparteiische Geschäftsleitung. Nunmehr erklärte der Staatssecretär des Innern, Staatsminister von Bötticher, im Namen Sr. Majestät des Kaisers und der verbündeten Regierungen die Sitzungen für geschlossen. Das Haus trennte sich, nachdem es in das von dem Präsidenten v. Levetzow ausgebrachte Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König dreimal begeistert eingestimmt hatte. NLC. Zum Actiengesetz hat der Abg. Windthorst, unterstützt von Mitgliedern des Centrums und der liberalen Parteien, seinen aus der zweiten Lesung bekannten Antrag wieder gestellt, wonach § 20, Al. 2 des Preßgesetzes keine Anwendung finden soll, wenn die öffentliche Bekanntmachung im Inseratenteil einer periodischen Druckschrift erfolgt und der Verfasser des Inserates nicht nur unter demselben genannt, sondern auch in dem Bereiche der richterlichen Gewalt eines deutschen Bundesstaates ist. Die Annahme dieses Antrages erscheint sicher und ein Teil der Bedenken, welche gegen die Actiengesetznovelle vom Standpunkt der Presse erhoben wurden, wäre damit beseitigt. Ganz befriedigend wäre nach unserer Ansicht die Frage der Strafbarkeit des Redacteurs nur dann geregelt, wenn er für„wissentlich“ falsche Vorspiegelungen bei der Aufnahme von Empfehlungen von Actiengesellschaften verantwortlich gemacht wird. 8“ In der gestrigen Sitzung der Budgetcommission ging es recht lebhaft zu. Es wurde die am Montag abgebrochene Debatte über die Dampfer=Subventions=Vorlage fortgesetzt. Dr. Bamberger bekundete wieder das an ihm gewohnte patriotische Deficit, indem er allerlei Indiscretionen über private Colonisationspläne beging, um die Tragweite der Vorlage in ein falsches Licht zu stellen. Eugen Richter nahm die im Plenum von Dr. Kapp gethane Behauptung wieder auf, wonach der Reichskanzler die Vorlage Monate lang habe liegen lassen. Dr. Kapp hatte diese Behauptung bekanntlich als anständiger Mann nach den Erklärungen des Reichskanzlers wieder zurückgenommen. Abgg. Dr. Frege und Dr. Hammacher plaidirten in warmen, von nationalem Geiste erfüllten Worten für die Vorlage und bestanden darauf, daß über dieselbe abgestimmt werde. Vom Centrum erklärte sich Graf Ballestrem gegen die Vorlage, während Dr. Windthorst erst einen ausführlichen Commissions= bericht vor sich haben wollte, bevor er sich schlüssig machen könne. Die Weiterberatung wurde auf heute Abend verlegt. §* Das officielle Organ der freisinnigen Partei, die„Lib. Corr.“ constatirt ausdrücklich, daß die deutsch? freisinnige Partei s. Z. einstimmig beschlossen hat, die Postdampfervorlage abzulehnen. Damit ist erwiesen, daß die diplomatische Rede Eugen Richters am Donnerstag, welche den Anschein erwecken konnte, als wäre für die Colonisations= bestrebungen von„freisinniger“ Seite noch etwas zu erhoffen, nur den Zweck hatte, die Wähler über die Ziele der„freisinnigen" Partei irre zu führen. SLC. In Erfurt hat am 27. d. M. nach einem Vortrag des Herrn Justizrat Pinckert eine zahlreich besuchte nationalliberale Versammlung einstimmig eine Resolution angenommen, worin das volle Einverständnis mit der auf dem Boden der Berliner Erklärung vom 29. Mai 1881 und der Heidelberger Erklärung vom 23. März 1884 stehenden Kundgebung des nationalliberalen Parteitages zu Berlin ausgesprochen wird. Alsdann constituirte sich die Versammlung als nationalliberaler Wahlverein für den Wahlkreis Erfurt=Schleusingen=Ziegenrück. * Der deutsche Colonialverein in Frankfurt a. M. hat unter dem 21. Juni an den Fürsten von Bismarck folgendes Schreiben gerichtet: „Euer Durchlaucht beehre ich mich im Namen des Vorstandes des deutschen Colonialvereins in der Anlage eine von diesem gefaßte Resolution zu sehr geneigter Kenutnis ganz ergebenst zu überreichen. Ich gestatte mir, diese Gelegenheit zu benutzen, um der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß Euerer Durchlaucht Bemühungen zur Herbeiführung einer der Würde Deutschlands und seiner Macht entsprechenden Stellung unter den seefahrenden Nationen trotz der bis jetzt noch vielfach entgegenlaufenden Tagesströmungen schließlich von dauerndem Erfolge gekrönt sein mögen. Der Deutsche Colonialverein wird jeder Zeit Alles aufbieten, um das Verständnis für die weit ausschauenden Bestredungen Euerer Durchlaucht im deutschen Volke zu fördern. Genedmigen Euere Durchlaucht die Versicherung meiner größten Ergebenheit, mit welcher ich die Ehre habe zu sein Euerer Durchlaucht gehorsamst ergebenster (gez.) Fürst zu Hohenlohe=Langenburg. Resolutionen. Der Vorstand des deutschen Colonial=Vereins ermächtigt seinen Präsidenten, Seiner Durchlaucht dem Herrn Reichskanzler Fürsten von Bismarck den Dank des deutschen Colonial= Vereins auszusprechen für den der Niederlassung des Herrn Lüderitz, nördlich des Orange=Flusses, zugesagten Schutz des Reiches. Der Vorstand des Vereins schöpft aus dieser Zusoge die Hoffnung, daß auch weiteren unter alinstigen Verhältnissen stattfindenden Erwerdungen deutscher Staatsbürger der gleiche Schutz und die gleiche Förderung vonseiten des Reiches zuteil werden und somit ein sicherer Boden für deutsche Colonial= bestrebungen gewonnen werden wird.“ Zu erwähnen sind noch Zustimmungs=Adressen aus Marburg, Leipzig(Verein für Handelsgeographie) Meerane(Gewerbeverein) und Jena(Verein für' Handelsgeographie). * In Toulon sind vom Freitag bis Sonnabend Mittag 6 Cholera=Todesfälle, in Marseille gestern 6 Cholera=Erkrankungen vorgekommen. Zahlreiche französische Deputirte haben in Vorschlag gebracht, die Feier des 14. Juli zu verschieben, um ein unter den gegenwärtigen Umständen gefährliches Zusammenströmen zahlreicher Menschenmassen zu vermeiden. 9• Der Kaiser dat, hocherfreut über die glückliche Rettung aller 43 in der Grube Deutschland bei Schwientochlowitz durch Erdbruch verschütteten Bergleute, auf die desfallsige Meldung den braven Rettern sofort telegraphisch seinen besonderen Dank und warme Anerkennung ausdrücken lassen. “ Aus Straßburg wird gemeldet, der Hirsch=Dun cker'sche Gewerkverein in Bischheim sei unterdrückt worden. Personalien. * Dem ordentlichen Professor an der Universität zu Bonn, Geheimen Justizrat Dr. Haelschner ist der Königliche Kronen=Orden zweiter Klasse verliehen worden. * Der bisherige außerordentliche Prosessor Dr. Josef Partsch ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fucultät der Universität zu Breslau ernannt worden. * Die Wahl des ordentlichen Professors in der philosophischen Facultät der Universität zu Berlin Dr. Franz Eilhard Schulze zum ordentlichen Mitgliede der physikalisch=mathematischen Klasse der Academie der Wissenschaften daselbst hat die Allerböchste Bestätigung erhalten. Neuigkeiten aus der Verwaltung. * Dem Central=Verein der deutschen Luther=Stiftung in Berlin sind die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. * Den von der verstorbenen verwitweten Frau Superintendent Leps, geb. Ebell und deren Schwiegersohn, dem ebenfalls verstorbenen Prediger Heydemann zu Neu=Ruppin mit einem Grundcapital von rund 48245 M. errichteten Stiftungen zur Verbesserung des Gehalts für evangelische Prediger und zur Unterstützung von Jungfrauen und Witwen daselbst ist die landesherrliche Genehmigung erteilt worden. * Dem Pestalozzi=Verein zu Frankfurt a. M. ist zur Annahme der ihm von dem daselbst verstorbenen Kaufmann David Haas vermachten Erbschaft von 40000 M. die landesherrliche Genehmigung erteilt worden. Provinzielle Nachrichten. 6 Selsenkirchen, 30. Juni. Gestern hatten wir wieder das Vergnügen, die Schützen durch die Hauptstraßen der Stadt marschiren zu sehen. Voran eine gute Musik, folgten der Oberst, Major und Rittmeister nebst Adjutanten; der Reiterzug unter Voranritt der beiden laut Escadron=Befehl ernannten Offiziere Herren H. Pokorny und R. Erkes; dann die Schützen zu Fuß in schöner, strammer Haltung, zuletzt der Leibbediente des Obersten. Ein Nichtkenner konnte sehen, daß die Schützen sowol zu Fuß als zu Pferde große Fortschritte gemacht hatten; auch hat der Herr Oberst seine volle Zufriedenheit darüber ausgesprochen. Demnach kann es nicht ausbleiben, daß wir einem geregelten Fest entgegensehen dürfen. * Gelsenkirchen, 30. Juni. Auf dem Schützenhofe zu Bochum haben sich gestern wol an 1200 Menschen zusammengefunden, welche dem seitens der Herren Lehrer des Kreises Bochum, bei Gelegenheit der Feier des 25jährigen Bestehens der LehrerWitwen= und Waisenkasse zu deren Bestem veranstalteten Concert anwohnten. Der ungefähr 120 Mann starke Lehrer=Chor führte die beiden großen Tonstücke, das„Fest der Rebenblüte", namentlich aber Scenen aus der„Frithjof=Sage“ in ansprechender Weise durch, in welch letzterer Frau Director Bohres aus Dortmund„Ingeborg“ und der Concertsänger und Bassist Herr P. Haase aus Elberfeld„Frithjof“, in einer Weise sangen, daß das Publikum vollständig befriedigt wurde. In„Ah! perfido“ von Frau Director Bohres in italienischem Texte vorgetragen und in der Arie aus den Jahreszeiten von J. Haydn, gesungen von Herrn Haase mit fester schöner Baßstimme, wollte der gezollte Beifall kaum enden. Die von der Essener Capelle u. a. vorgetragene zweite Symphonie von Beethoven erwirkte ebenfalls den Beifall der Zuhörer, doch schien diese Piece insofern nicht practisch gewählt, als ein gewaltiges Meer von Tönen unter Umständen das Publikum auch auf die Folter zu spannen imstande sein kann. Jedes andere Tonstück würde unserer Ansicht nach mehr angesprochen haben. Der Zweck für die Lehrer=Witwen= und Waisen=Kasse wird wol zur Genüge erreicht worden sein. * Der Herr Bürgermeister Vattmann ist zum Localschulinspector für die israelitische Volksschule hierselbst ernannt worden. * Eine Ertra=Beilage zu Stück 26 des Amtsblatts der königl. Regierung zu Arnsberg enthält u. a. ein Reglement, betreffend die Fürsorge für die Witwen und Waisen der Beamten des Provinzial=Verbandes von Westfalen. * Dem in Bochum erscheinenden„Christlichsocialen Arbeiter“ geht von hier ein Bericht über die beiden neuerdings in der hiesigen Germania stattichten Vellsversammlunget dacteur Polke und dem Samin unmitleidsvoll am Eird denselben u. A. Wahl #hrittler vorgeworfen, womi Um unrichtigen Ort angeko Ferner heißt es darin... ung bewies, daß das G Arbeiter beider Confessione Vereinen nichts wissen will, Erwartung Ausdruck geben weiche sich haben einfanger ###ar in der Butter finder lium von der alleinseli wlches die Fortschrittspart ##rnüdlich predigen, verfäng wicht mehr; denn hier Somit man damit hine verlangen vom Staate mit wesitz, d. i. ihre Arbeitskr Er den Kapitalisten in sei Verbrechen gegen das 6 bei dem jetzigen Stande r Arbeiter nicht hinreiche r ist vielfach der Gegenst Seutung, woher es auch ke Fürsten Bismarck zu spreche wreise auf dem Keh nüssen. Abhülfe kann Wege geschaffen werden, Uhierzu mitwirken, indem si nöglich gar keine Fortschr Fralen in den Reichstag ge * Für Wattensche germeister Pokorny die welche weitere Verbreitung Verschiedene Umstände daß von hiesigen Wirten kene Personen noch geist worden sind. Ich nehm Mißstand hier zur Sprac dringlichst dagegen zu wa Sollte wider Erwarte dazu führen, daß derartig welche der Völlerei in ho leistet wird, unterbleiben, in jedem einzelnen F. ziehungs=Verfahren einzul Die Polizeibeamtens Fälle strenge zu überwag bringen. Schalke, 30. Jun des ev. Arbeiter=Vereit an der Fahrt nach Steel und Bürger=Verein für im Saale des Herrn## und bei Herrn Hackmann Beleuchtungs=Ral für die Stadt Gelsenk pro Monat Juli 18. Gelsenkirchen, 26. Jun Der Bürgermeist Vattmann. Bekanntmach Seitens der Königlichen ist der Katostersup Deiters zu Bochum, 52, mit den Publikat Recla mationsarbeiten, die Neumessung, beauftr Gelsenkirchen, 29. Jul Der Bürgermeister: Va Bekanntmach Es wird hiermit zu der Grundeigentümer ge der Kataster: Suz Deiters dem Kataster=A zur Förderung der Pi und Reclamationsverhal den neugemessenen Gem gegen worden ist und diunter eigener Verantwort zuführen hat. Schalke, 27. Juni 18 Der Amtmann Bekanntmag Es wird zur öffentli nis gebracht, daß die Al in den Gemeinden B# Hüllen vorgekommen wechsels am Freita Juli er., nachm. von im Amtshause hierselb wird. Auf die Bekanntmac Gemeirde=Gitterkästen wiesen. Schalke, 27. Juni 1 Der Amtmann: habten Volksversammlungen zu, worin dem Herrn Bedacteur Polke und dem„Volkswirtschaftsrat“ amin unmitleidsvoll am Bart gezupft wird. Es Bird denselben u. A. Wahlagitation für die FortAbrittler vorgeworfen, womit dieselben hier doch an Um unrichtigen Ort angekommen seien...... terner heißt es darin.....“„Die VersammLng bewies, daß das Gros der Gelsenkirchener Arbeiter beider Confessionen, von den GewerkVereinen nichts wissen will, und man darf wol der Erwartung Ausdruck geben, daß auch diejenigen, weiche sich haben einfangen lassen, alsbald ein #aar in der Butter finden werden. Das Evan#lium von der alleinseligmachenden Selbsthülfe, #lches die Fortschrittspartei und ihre Presse unErnüdlich predigen, verfängt in den Arbeiterkreisen nicht mehr; denn hier weiß man ganz genau, womit man damit hinaus will. Die Arbeiter verlangen vom Staate mit Recht, daß er ihren esitz. d. i. ihre Arbeitskraft, schütze, ebenso wie er den Kapitalisten in seinem Besitze schützt und die Verbrechen gegen das Eigentum strenge bestraft. Bei dem jetzigen Stande der Gesetzgebung erscheint r Arbeiter nicht hinreichend genug geschützt; denn ist vielfach der Gegenstand gewissenloser Ausheutung, woher es auch kommt, daß, um mit dem Fürsten Bismarck zu sprechen, so viele Arbeiterggreise auf dem Kehrichthaufen sterben gmüssen. Abhülfe kann hier nur auf gesetzlichem Wege geschaffen werden, und die Arbeiter müssen hierzu mitwirken, indem sie dafür sorgen, daß wo nöglich gar keine Fortschrittler und sonstige Libe#ralen in den Reichstag gewählt werden.“ * Für Wattenscheid erläßt der Herr Bürgermeister Pokorny die folgende Bekanntmachung, welche weitere Verbreitung finden dürfte: Verschiedene Umstände lassen darauf schließen, daß von hiesigen Wirten an augenscheinlich betruntene Personen noch geistige Getränke verabreicht worden sind. Ich nehme Veranlassung, diesen Mißstand hier zur Sprache zu bringen und ein dringlichst dagegen zu warnen. Sollte wider Erwarten diese Warnung nicht dazu führen, daß derartige Ungehörigkeiten, durch welche der Völlerei in hohem Grade Vorschub geleistet wird, unterbleiben, kann es nur erübrigen, in jedem einzelnen Falle das Concessionsen ziehungs=Verfahren einzuleiten. Die Polizeibeamten sind angewiesen, derartige Fälle strenge zu überwachen und zur Anzeige zu bringen. X Schalke, 30. Juni. Ca. 200 Mitglieder des ev. Arbeiter=Vereins beteiligten sich gestern an der Fahrt nach Steele, wo der ev. Arbeiterund Bürger=Verein für Königssteele und Umgegend im Saale des Herrn Ribbert seine Fahnenweihe und bei Herrn Hackmann zu Horst sein Jahresfest durch Ansprachen, Gesänge und Musikvorträge feierte. Die Abfahrt erfolgte kurz nach Mittag. ) Die vor einigen Wochen hierorts eröffnete höhere Töchterschule wird von 26 Schülerinnen besucht, die vorläufig in 2 Abteilungen in einem Klassenzimmer von der Lehrerin Fräulein Hoffmann unterrichtet werden. * In Aeckendorf ist am 25. Juni dem Bergmann Aug. Meier während der Schicht auf Zeche Rhein=Elbe aus seiner Rocktasche eine darin aufbewahrte Uhr gestohlen worden.(Der Rock war bei der Arbeit abgelegt.) Der Thäter ist noch nicht ermittelt.(W..) * Am 17. Juli cr. findet auf dem Bahnhof zu Riemke die landespolizeiliche Prüfung des Projects für die Herstellung einer besseren Eisenbahn=Verbindung zwischen Bochum und Wanne statt. § Wanne, 29. Juni. Berichtigend wird zur Notiz in Nr. 149 d. Ztg. bemerkt, daß am Freitag nicht der Grundstein zu der neu zu erbauenden katholischen Kirche in Bickern gelegt ist, sondern nur die Winkel geschlagen und der erste Spatenstich von Herrn Vicar Wrede gethan ist. Die Grundsteinlegung erfolgt am Dienstag Vormittag gegen 11 Uhr. Den Bau selbst haben die Herren Bauunternehmer Franke und Hardick zu 10½% unter dem Kostenanschlage übernommen. * In Portmund wurde am 24. ds. infolge eingelegter Revision wiederholt gegen die Mörder des Försters Wilmsmann, Gebrüder Hodde verhandelt. Das Schwurgericht hatte in derselben Weise wie früher erkannt und zwar: Friedrich Hodde wurde zum Tode und einschließlich der Strafe, welche die Rechtskraft bereits beschritten hat, zu 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, Heinrich Hodde zu 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. * In Hagen soll demnächst ein amerikanisches Consulat für die Provinz Westfalen errichtet werden. * In der Sitzung des Schwurgerichts zu Essen vom 26. Juni wurde der Bergmann Carl Blömer aus Rotthausen von der Anklage des Meineides freigesprochen. * In Essen feierte am 27. d. Herr Lehrer Göcker den Jubeltag seiner 25jährigen Amtsthätigkeit. Von den Localschulinspectoren hat der Jubilar einen Prachtband„Hiltls deutsch=französischer Krieg“. und eine Ehrengabe von 300 M. erhalten. Seine Collegen überreichten einen prachtvollen Schreibtisch. Schüler und Schülerinnen und Freunde fanden sich zur Gratulation bei dem Gefeierten zahlreich ein. * In Mülheim a. d. K. will man für Stadt und Land einen Tierschutz=Verein ins Leben rufen. Magd. Hald. 4 ½% Prior.1865. Die nächste Ziehung findet im Juli statt. Gegen den Coursverlust von ca. 3½% bei der Auslosung mit dem niedrigsten Treffer übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 15 Pig. pro 100 M. Handel und Verkehr. Neuß, 28. Juni.[Fruchtpreis.] (1. Qu. 18 80 Weizen 2.„ 1680 100 Kllo|3."—— 4 3 1580 15 20 Landroggen /1. neu 15 40 à 100 Kilo 12." 1340 Gerste 100 Kilo 15 50 Buchweizen„ 15 50 Preßkuchen per 1000 Kilo Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ctr. Rüböl per 100 Kilo faßweise. Kleien per 50 Kilo Weizen=Vorschuß 00 per 100 Kilo Hafer alter à 100 Kilo " neuer„„„ Raps 1.."""—— " 2."„„"—— Kartoffeln„„„ 400 Heu per 50 Kilo 360 Roggenstroh 600 Kilo 28 00 122 58 00 59 60 5 80 Berliner Börse. Berlin, den 28. Juni 1884. Fonds und Deutsche Reichs=Anleihe..... 4,, 493½3 Preußische consolidirte Anleibe.. 4½8 102.10 do. 102.80 101.30 101.30 99 90 85.90 67.60 66.90 Datsiche Das„ „ Hyptheken=Gank 60% „ National=Bank Disconto=Commandit Dortmunder Bank=Verein Essener Credit=Anstalt Nationalbank für Deutschland Norddeutsche Bank Preußische Boden=Credit=Bank Reichsbank Schaaffhausener Bank=Verein Industrie=Papiere. 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 195 45 90.75 105.30 194.50 100,00 100.80 96.75 158 00 103.75 142.75 9080 0 0 0 0 0 0 4 Staats=Anleihe 18684 1850, 52, 53 62... 4 Staats=Schuldenscheine 3½ Oesterreichische Goldrente 4 Silberrente 4½ Papierrente 4⅛ Eisenbahn=Stamm=Actien. Verstaatlichte Eisenbahnen. Bergisch=Märkische 5—— Rheinische, abgestempelte.. 6½ 167,10 „ L. B.(gar.) 4 103,00 Gotthard vollgezeichnet..... 0 6 103,60 Russische Staatsbahn„... 0 5 131,00 Eisenbahn=Prioritäten=Obligationen. Aachen=Mastricht Brg.=Märk. I. und II. Serie Berg.=Märk. III. A. B. 3¼ g. Lit. C. IV. Serie V. Serie „ VI. Serie Berg.=Märk. VII. Serie conv. „ VIII. Serie „ IX. Serie Bank=Actien. Zinsfuß überall 4 pCt., bei der R Aachener Disconto=Gesellschaft Allg. Deutsche Handels=Gesellschaft Bank für Rheinland und Westfalen Bergisch=Märkische Bank „ Industrie=Gesellschaft Berliner Handels=Gesellschaft Berliner Makler=Verein Cölnische Wechs.= und Bank.. Aachen=Höngen Annener Gußstahl=Fabrik Arenberg, Gesellschaft für Bergbau Bochumer Bergwerks=A. Lit. A. Bochumer Gußstahlfabrik Borussia, Bergwerk Vonifacius Bergwerk: Cölner Berawerks=Verein Cöln=Müsener Bergwerks=Verein Dortmunder Bergwerke Lit. A. „„ Lit. B. „„ Oblig. Dortmunder Union 600 Mark „„ 400„ „ 300„ Dortmunder Union Stamm=Pr. „ Part.=Obligation Gelsenkirchener Bergw.=Actien=Ges. Georg=Marien=Bergwerks=Verein Harkort Bergwerk „ Maschin. Harpener Hütten Hibernia u. Shamrock örder Bergw.= u..=Act.=Ges. do. zusammengen. Louise Tiefbau Märkisch=Westfälische Bergw. Magdeburger Bergwerks=Act.=Ges. Mechernicher Oelheim Petroleum. 80% Phönix Berzwerks=.=G. Lit. A. „ Lit. B. Pluto, Bergwerks=Gesellschaft Westfälische Draht=Industrie „ Union Rhein.=Westf. Industrie Geld=Sorten und Banknoten. 0 34 00 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 6 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 130.25 7175 103.25 113.50 66.25 11700 18.25 37.0 101.50 .70 14,50 20.75 67.50 106,30 115.25 61.00 94.25 7290 33,80 93.60 24.40 51,50 38,50 227 00 153.00 43.50 80.90 32.00 59,00 9300 5,60 19,90 Dukaten per Stück Sovereigns per Stück 20 Francs=Stück per Stück Gold=Dollars per Stück Imperials(halbe) per Stück Imperials per 500 Gr. Englische Banknoten 1 Lstr. Farzösische Banknoten per 100 Fr. „#erreichische Banknoten 1000 Fl. „ Silber=Coupons Russische Banknoten per 100 Rubel " Zoll=Coupons Zinsfuß der Reichsbank. Discont 4 pCt. Lombarden 5 pCt. Meteorologische Notizen. (9 Uhr vorm.) 28. Juni Bar. 760 mm. Therm.+ 160R. SW 30. Juni„ 758 mm„+ 16°R S .70 20.38 16,22 4,19 16,76 1395.00 20,43 81.10 167,80 167,31 205 00 20,69 Beleuchtungs=Kalender für die Stadt Gelsenkirchen pro Der Bürgermeister Vattmann. Bekanntmachung. Seitens der Königlichen Regierung ist der Katostersupernumenar Deiters zu Bochum, Alleestraße 52, mit den Publikations= und Recla mationsarbeiten, betreffend die Neumessung, beauftragt. Gelsenkirchen, 29. Juni 1884. Der Bürgermeister: Vattmann. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur Kenninis der Grundeigentümer gebracht, daß der Kataster= Supernumerar Deiters dem Kataster=Amt Bochum zur Förderung der Publikations= und Reclamationsverhandlungen in den neugemessenen Gemeinden beigegen worden ist und diese Arbeiten unter eigener Verantwortlichkeit auszuführen hat. Schalke, 27. Juni 1884. Der Amtmann: Klose. Bekanntmachung. Es wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Aufnahme des in den Gemeinden Bulmke und Hüllen vorgekommenen Güterwechsels am Freitag, den 11. Juli er., nachm. von—6 Uhr im Amtshause hierselbst stattfinden wird. Auf die Bekanntmachung in den Gemeirde=Gitterkästen wird verwiesen. Schalke, 27. Juni 1884. Der Amtmann: Klose. Bekanntmachung. Die nächste General=Versammlung des landwirtschaftlichen Culturvereins des Land= und Stadtkreises Bochum, verbunden mit dem landwirtschaftlichen Feste, sindet am Samstag den 5. Juli d. Js., in dem dazu besonders festlich ausgeschmückten Schützenhofe zu Bochum in folgender Weise statt: 1. Beginn der General=Versammlung um 9 Uhr Vormittags, in der nur die Aufnahme neuer Mitglieder, die Wahl einiger zum Feste noch erforderlicher Commissionen und allgemeine Beratung bezüglich des Festes vorkommen: 2. Besichtigung des aufgestellten Viehes. An Prämien sind ausgesitzt aus Verein mitteln: a. für 6 Pferde von—2 Jahren ohne Unterschied des Geschlechts, d. für 8 Pfeide von—4 Jahren ohne Unterschied des Geschlechts, o für 9 Zuchtstuten ohne Rücksicht auf das Alter, d. für 18 Kühe, e. für 3 Stiere, f. 8 Rinder, g 6 Schweine, h. Federvieh(14 Prämien), i. Gartenerzeugnisse und Bienenzucht(10 Prämien), k. landwirtschaftliche Geräte(Prämien im Gesamtbetrage bis zu 300 Mk.), 1. Butter (10 Prämien). Die Prämien bestehen in geeigneten Ehrengeschenken. Sämtlichen Eingesessenen des Kreises ist die Ausstellung auf dem Festplatze gestattet; es können aber nur Vereinsmitglieder Prämien erhalten; 3. Mittags 1 Uhr: Gemeinichaftliches Mittagessen im Saale des Schützenhofes. Das trockene Couvert kostet.50 Mark. 4. Nachmittags. a. Verlosung Zum Ankauf für Gewinne, als landwirtschaftliche Maschinen, Rinder und Federvieh ist die Summe von 3300 Mk. und der Preis des Loses auf 3 Mk. festgesetzt, d. Verteilung von Ausstellungs=Prämien u. s. w. 5. Während des ganzen Festes von vormittags bis nachmittags findet Harmonie=Musik auf dem Festplatze statt. 6. Um 7 Uhr abends: Großer Festball. Zu einer recht zahlreichen Beteiligung bei dem ganzen Feste, namentlich auch bei der Preisbewerbung, bei dem Festessen 2c. wird eingeladen. Beim Festessen kann nur denjenigen ein Platz bestimmt offen gehalten werden, die bis zum 4. Juli er. eine Karte gelöst haben. Die Karten zum Festessen werden durch die Polizeidiener im Kreise colportirt, können aber auch bei Herren Laue, Middelmann, Aug. Strätling, C. Scharpenseel, Cail Schuhmacher, sowie auf dem Schützenhose hierselbst für.50 Mk. bis zum 4. Juli er. gekauft werden. Mitgl.eder des Vereins, welche die Mitgliedskarte tragen, haben mit ihren Familien freien Zutritt zum Feste. Nichtmitglieder zahlen zur Erlangung des Teilnahmerech s: a. wenn sie nur des vormittags, so lange die Thierschau währt, teil nehmen wollen, pro Person 50 Pfg. b. wenn sie an dem ganzen Feste sich beteiligen wollen: 1 Einzelne 1 Mrk., 2. mit Familie 2 Mrk. Diejenigen Herren, welche Vereinsmitglieder werden wollen, werden ersucht, sich bei dem Vorstande auf dem Festplatze so früh zu melden, daß sie in der um 9 Uhr beginnenden General=Versammlung noch aufgenommen werden können.— Die Mitgliedskarten sind am Eingange des Schützenhofes vorzuzeigen. Bochum, 27. Juni 1884. Der Vorstand des landwirt schaftlichen Cultur=Vereins 5 Dede Veckauf! Donnerstag, den 3. Juli er., abends 6 Uhr, läßt Herr H. Lohmann zu Hüllen das Sommergras in seiner Haumanns'schen Hofeswiese daselbst, ca. groß 3 Morgen, nummerweise meistbietend verkaufen. Gelsenkirchen. W. Behmer. Geas Geeka“. Freitag, den 4. Juli er., nachm. 4½ Uhr, werde ich für Oeconom Herrn Stratmann in Heßler, auf seiner bei Ludwig Vittinghof belegenen Fettweide„Hackshorst“ ca. 3 Morgen schönes Heugras nummerweise meistbietend verkaufen. Gelsenkirchen. W. Behmer. Nachricht! Der auf Freitag, 4. Juli er, angesetzte in Althoffs 2e. Wiesen wird hiermit auf Dienstag, 1. Juli er., nachmittags 4 Uhr, verlegt. Wanne. W. Walbeck. Steilrstub. g. Dienst. Tapeten in schöner Auswahl von 13 Pf. an Spiegel= u. Fenster=Glas sowie alle Sorten Farben, fertige Oelfarbe empfiehlt zu sehr billigen Preisen C. Gelsenkirchen, Kreuzstraße, nahe am alten Markt. .— 8 * K 8 5r S Polizei=Verordnung. Auf Grund des§ 11 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 verordnen wir hierdurch für den ganzen Umfang unsires Verwaltungsbezirks, was folgt: S 1. Vom 1. October 1884 an darf niemand in das von ihm ganz oder teilweise bewohnte Haus gegen Entgeld Personen unter Gewährung von Wohnung und Kost(Kostgänger) oder unter Gewährung von Wohnung und Bett(Quartiergänger) aufnehmen oder bei sich behalten, wenn er nicht für diese Personen genügende Schlafräume hat, welche den nachfolgenden Bestimmungen entsprechen: a. Die Schlafräume dürfen mit den eigenen Wohn= und Schlafräumen des Kost= und Quartiergebers und seiner Hausangehörigen weder in offener Verbindung stehen noch durch eine Thür verbunden sein.„ b. Jeder Schlafraum für Kost= und Quartierganger muß geotelt, mit einer Thür verschließbar und mindestens mit einem Fenster in der Außenwand des Hauses versehen sein; auch darf derselbe mit einem Abtritt weder in offener noch in verschließbarer Verbindung steben..... 7.„eshlztig o. Der Schlafraum muß für jede der benselben gleichzenig benutzenden Personen mindestens 10 Chm. Luftraum entholten. d. Für je zwei Kost; oder Quartiergänger muß mindestens ein Bett und ein Waschg schirr vorhanden sein. e. An der Thür des Schlafraumes muß auf der Innenseite eine Tafel hängen, auf welcher die zulässige Zahl der den Schlafraum gleichzeitig venutzenden Kost= oder Quartiergänger angegeben ist. Die Richtigkeit der Angabe wird auf der Tafel selbst nach der Meldung(§ 3) von der Polizeibehörde bescheinigt. Die Kost= oder Quartiergänger dürfen nur in den für sie bestimmten Räumen Schlafstätten haben und benutzen. Diese Räume dürfen nicht von Personen verschiedenen Geschlechts als Schlafräume benutzt werden. S 3. Wer Kost oder Quartiergänger bei sich aufnimmt,(§ 1) muß davon unter Angabe der Zahl der auszunehmenden Personen und der für dieselben bestimmten Räumlichkeiten der Ortspolizeibehörde binnen lechs Tagen Anzeige machen... Stersseres Eine Vermehrung der Zahl der Kost= oder Auurneigunger und jede Veränderung der Räumlichkeiten ist in gleicher Weise und innerhalb derselben Frist zur Anzeige zu bringen. S 4. Jede Zuwiderhandlung gegen die vorstehenden Bestimmungen wird mit Geldbuße von drei bis zu dreißig Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Freiheitsstrafe tritt, bestraft. S 5. Mit dem 1. October 1884, dem Tage des Inkrafttretens der vorstehenden Polizei=Verordnung wird die für die Stadt=Kreise Dortmund und Bochum, sowie für die Landkreise Dormund und Bochum und den Kreis Hagen unter dem 11. Januar 1879 erlassene Regierungs=Polizeiverordnung aufgehoben. Arnsberg, den 6. Juni 1884. Königliche Regierung, Aoteilung des Innern. Wird hiermit veröffentlicht Gelsenkirchen, den 28. Juni 1884. Die Potizei=Verwaltung: Vattmann. B*• 5• e nebst Restauration und Hospiz „„„„ bestens empfohlen. Drx.. Lenleempfichn F. Virnst. .4 Geschlechts- und Frauenkrank heiten, speciell Flechten, Hautausschlage, Wunden, Geschlechtsleiden selbst in den hartnäckigsten Fällen, frisch entstandene Fälle in einigen Tagen, Hals-, Mund-, und Rachengeschwüre, Schwächezustände, Pollutionen, Fluss, Impotenz, Nerven-, Rücken- und Magenleiden werden nach meiner langjäurigen Heilmerhode gründl. ohne Berufsstörung brieflich unter Garantie schnell u. sicher geheilt. Brochare Heilmethode allastr. Ank.) für 50 Pf., Briefm. frco. in Couv. 60 Pf. D. Schumacher, Frankfurt a. A. Allerheilisenstr. 45. * Vegetabilischer Srust Gen9 von S. Gold ann& Cie., Dresden, anerkannt bewährtestes diätisches Genuß= und Hausmittel für Erwachsene und Kinder, stannenerregend in seinen Erfolgen bei Husten, Keuchhusten, Catarrh, heisersteit, Verschleimung, Halsund Brustleiden 2c. à Flasche M. 1,00 und M. 1,75 allein haben bei Witwe F. W. h Nachf. Gelsenkirchen. Iur Beachtung! Mit dem heutigen Tage eröffnete ich eine Bäute= u. 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Die Statistik derjenigen Straf= und GefangenenAnstalten, welche zum Ministerium des Innern gehören, hatte für das Rechnungsjahr 1881/82 eine Zunahme des Gefangenen=Bestandes ergeben, und zwar sowol inbezug auf die während des ganzen Jahres überhaupt detinirten Personen, wie auch inbezug auf den täglichen Durchschnittsbestand, auf den am 31. März 1882 vorhandenen Gefangenenbestand und auf die Zahl der Deteutionstage. Der jetzt vorliegende statistische Bericht für das Jahr 1882/83 weist dagegen gegenüber dem Vorjahre in zweifacher Hinsicht einen Rückgang auf: inbezug auf die Gesamtsumme der in dem Berichtsjahre Detinirten und auf den Bestand am 31. März 1883; dagegen hat nach den beiden anderen Richtungen hin abermals eine Zunahme stattgefunden. Ueberhaupt detinirt wurden im Laufe des Jahres 117 860 Männer und 31128 Weiber, zusammen 148 988 Personen. Im Vorjahre waren es 121 703 Männer und 32048 Weiber, zusammen 153751 Personen gewesen, die Zahl ist also um 3843 Männer und 920 Weiber, zusammen 4 763 Personen gesunken. Unter den Detinirten waren 27213 Männer und 4403 Weiber Zuchthausgefangene, 20 145 Männer und 6 710 Weiber Gefängnisgefangene, 36.000 Männer und 12 725 Weiber Haftgefangene, 16856 Männer und 4 310 Weiber Polizeigefangene, 939 Männer und 438 Weiber Corrigenden, 16 487 Männer und 2524 Weiber Untersuchungsgefangene, 220 Männer und 18 Weiber Schuldgefangene. Die Zahl der Detentionstage betrug 11037414, 155033 mehr als im Vorjahre. Es entfielen 7 892 410 Tage auf Zuchthausgefangene, 2082 317 Tage auf Gefängnisgefangene, 449395 Tage auf Haftgefangene, 37472 Tage auf Polizeigefangene, 115 459 Tage auf Corrigenden, 459 793 Tage auf Untersuchungsgefangene, 568 Tage auf Schuldgefangene. Der tägliche Durchschnittsbestand an Gefangenen betrug 30 515 und war gegen das Vorjahr um 700 gestiegen. Der gesamte Gefangenenbestand am 31. März 1883 belief sich auf 30142 und hatte sich gegen den Jahresanfang um 541 vermindert. Am Jahresschlusse verblieben 21411(278 weniger) Zuchthausgefangene, 5711(44 weniger) Gefängnisgefangene, 1295(155 weniger) Haftgefangene, 122(32 mehr) Polizeigefangene, 370 (20 weniger) Corrigenden, 1232(76 weniger) Untersuchungsgefangene und 1(wie am Jahresanfang) Schuldgefangener. Was die einzelnen Provinzen betrift, so betrug Loggenee a un d. dae“ der tägliche Durchschnittsbestand in Ostpreußen 2258 gegen 2 226 im Vorjahre, in Westpreußen 1848 gegen 1 900, in Berlin 1932 gegen 2244, in Brandenburg 2876 gegen 2731, in Pommern 1078 gegen 1040, in Posen 2103 gegen 2154, in Schlesien 5625 gegen 5 594, in Sachsen 1876 gegen 1761, in Schleswig=Holstein 628 gegen 645, in Hannover 1 990 gegen 1850, in Westfalen 1319 gegen 1 293, in Hessen=Nassau 1 489 gegen 1034 und in der Rheinprovinz 5 492 gegen 5343. Die größte Abnahme zeigte also Berlin(um 13,90 Procent), wo auch im Jahre vorher eine Abnahme um 11,31 Procent stattgefunden hatte, die größte Zunahme HessenNassau(um 43,97 Procent), wo auch im Vorjahre eine Zunahme um 13,90 Procent constatirt war. Ueber die Verwaltung des Gefängniswesens sei Folgendes mitgeteilt: Das Beamtenpersonal bestand am 31. März 1883 aus 36 Directoren, 191 Inspectoren und Secretären, 1476 männlichen und 227 weiblichen Unterbeamten, 49 evangelischen, 40 katholischen und 7 jüdischen Geistlichen, 37 evangelischen, 32 katholischen, 2 jüdischen Lehrern und Leherinnen und aus 65 Aerzten, Wundärzten und Heilgehülfen, zusammen 2162 Beamten. Was die Verpflegung der Gefangenen betrifft, so trafen von der Gesamtzahl der Detentionstage 11051 auf Selbstverpfleger und 10988018 auf mit Anstaltskost Verpflegte. Im Gesamtdurchschnitte betrugen die Verpflegungskosten pro Kopf und Verpflegungstag für Gesundenverpflegung 32,15 Pf. (gegen 34,09 Pf. im Vorjahre), für Krankenpflegung 44,50 Pf.(gegen 45,15 Pf.) Krankenkost erhielten im täglichen Durchschnitt 6,96% (gegen 5,73% im Vorjahre). Die Vergünstigung, einen Teil des Arbeitsverdienst=Anteils zur Verbesserung der Verpflegung verwenden zu dürfen, genossen 31824 Männer und 5801 Weiber. Beschäftigt wurden durchschnittlich täglich für den eigenen Bedarf der Anstalten 5936 Männer und 979 Weiber, für eigene Rechnung der Anstalten zum Verkauf 605 Männer und 33 Weiber, für Dritte gegen Lohn 16154 Männer und 2910 Weiber, und zwar von letzteren bei Industrie= arbeiten 15310 Männer und 2 858 Weiber, bei landwirtschaftlichen und sonstigen gewöhnlichen Tagelöhnerarbeiten 844 Männer und 52 Weiber. Der Netto=Arbeitsertrag für Rechnung Dritter belief sich auf 2876293 Mk. 66 Pf.; davon wurden als Verdienstanteile der Gefangenen 489996 Mk. 12 Pf. gutgeschrieben. Der Einzelhaft wurden unterworfen 10 228 Männer und 1457 Weiber, darunter 5913 männliche und 503 weibliche Zuchthausgefangene. Disciplinarisch bestraft wurden 16 916 Männer und 3 572 Weiber. Die Zahl der einzelnen Straffälle betrug 47643, wovon 39078 auf Männer und 8565 auf Weiber trafen. Im täglichen Durchschnitt waren krank 914 Männer, darunter 692 Zuchthausgefangene, und 215 Weiber, darunter 131 Zuchthausgefangene. Die Zahl der Gestorbenen betrug 769 Männer und 123 Weiber, darunter 639 männliche und 106 weibliche Zuchthausgefangene. Durch Selbstmord starben 18 Männer, darunter 12 Zuchthausgefangene. Was die Kassenverwaltung und die Finanzverhältnisse betrifft, so betrugen die Einnahmen aus der Verwaltung der Anstalten 3052 198., die Ausgaben 9 062 754., sodaß ein Zuschuß von 6010 556 M. erforderlich war. Endlich ist aus der großen Zahl von Einzelheiten des Berichts hervorzuheben, daß im Laufe des Jahres durch die Gefängnisverwaltung Anträge auf vorläufige Entlassung von 345 Civilund 29 Militärgefangenen gestellt wurden. Davon wurden genehmigt durch das Justizministerium 205 und durch das General=Auditoriat 8 Anträge. 8 vorläufige Entlassungen wurden im Kalenderjahre 1882 widerrufen. * Ueber das Lehrlingswesen schreibt ein sach= und fachkundiger Kaufmann: In letzterer Zeit war ich mehrere male in der wenig angenehmen Lage, mit meinem Personal wechseln zu müssen, und machte die eintretende Vacanz öffentlich bekannt, worauf mir eine solche Masse von Offerten eingingen, daß ich zu der Durchsicht mindestens einen Tag Zeit gebraucht haben würde, und mich daher nur darauf beschränkte, selbige nach der Form und Accuratesse der Briefaufschriften zu sichten, und die ganz schlechten ganz einfach nicht durchlas. Ich machte die Bemerkung, daß wol drei Viertel der Bewerber kaum einen ziemlich correcten Brief zu schreiben imstande waren, und sich bei mehrfach persönlicher Vorstellung ergab, daß sie meistens von den allgemeinen kaufmännischen Kenntnissen so viel wie gar nichts wußten. Wenn ich nun frug:„Was in aller Welt haben Sie denn als Lehrling gelernt?“, so erhielt ich die Antwort, daß sie entweder zum Besuch einer Handelsschule keine Zeit hatten, oder eine solche am Platze nicht bestand, und sie zum Privatunterricht des Abends zu müde gewesen seien, weil sie am Tage tüchtig practisch arbeiten mußten; gegen Abend haben sie dann abwechselnd die Strazze oder Cladde zu führen gehabt, während sie zu anderen schriftlichen Arbeiten nicht gekommen sind. Also die ganzen theoretischen Kenntnisse der meisten eine—4jährige Lehrzeit absolvirender junger Leute besteht in Führung eines einfachen Notizbuches!!! Nun sollte man meinen, daß selbige wenigstens in der Warenkunde sattelhaft sind, doch stößt man auch hierin auf sehr viele böhmische Dörfer. Und diese jungen Leute erhalten bei Beendigung der Lehrzeit ein so schmeichelhaftes Zeugnis ausgestellt, welches ihnen das Herz in der Brust infolge eines plötzlich eingestellten Selbstbewußtseins höher schlagen läßt, der nächste Chef aber, welcher aufgrund dieses Zeugnisses den jungen Mann engagirt, besitzt eine Enttäuschung mehr. Nach mehrmaligem, kurz aufeinanderfolgendem Stellenwechsel sind diese jungen Leute auf die Straße angewiesen, und vermehre das Proletareat der Kaufleute. Es ist entschiede notwendig, daß sich die Innungen des Lehrlingswesens annehmen, und müßte ein junger Mannach Absolvirung der Lehrzeit ein Examen vo#### einer von der Innung ernannten Commission#### stehen, das sich nicht nur auf die kaufmännischen Wissenschaften, sondern auch auf die Branche, in der er lernte, erstrecken müßte. Sind die Kenntnisse des Lehrlings noch unter„mittelmäßig“ dann hat er noch einige Zeit in der Lehre: bleiben, stellt sich aber heraus, daß der Lehrhe. schuld daran war, so müßte selbigem die Berer tigung zum Halten von Lehrlingen entzogen werden, badurch würde wol auch etwas den sogenann ten Lehrlingsfabriken gesteuert! Auch würde dann bei dem Commis wieder Standesehre Wurzel schlagen, wenn sich selbige sagen können, daß der Commistitel einen gewissen Grad von Kenntnissen bedingt. Die Junungsmitglieder müßten angewiesen sein, nur Commis zu engagiren, welche im Besitz eines Lehrzeugnisses von einer Innungscommission sind..... Nach! Zur Aufstellung von Projecten für Gebäude aller Art, sowie zur Ausführung von Neubauten und Baureparaturen empfiehlt sich C. Heise, Zauunternehmer, Gelsenkirchen. Kirchstraße Nr. 21. Bade=Anstalt Josef Wieser, Hermannstr. Gelsenkirchen giebt täglich kalte, warme, Salz= u. Mutterlaugen=Bäder nach Verordnung der Herren Aerzte. 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Gebrauchter zu kaufen gesucht. Von wem sagt unter Nr. 598 die Expedition ds. Blgstes. Bekanntmachung. Die diesjährige Emscherschau findet für die Strecke von Grimberg nach Horst am Mittwoch den 9. Juli er., morgens 10 Uhr, von der Emscherbrücke unterhalb Grimberg auf der Straße von der Buer=Bochumer Chaussee nach dem Bleck aus statt. Indem ich dies zur öffentlichen Kenntnis bringe, fordere ich alle Grundbesitzer hiesigen Amtsbezirks unter Modificirung meiner Bekanntmachung vom 3. d. M. auf. die Reinigung der Bäche und Gräben schon bis zum 9. Juli er. bewirkt zu haben. Schalke, 18. Juni 1884. Die Polizei=Verwaltung: Klose. den 28. Juni., mit einer großen Partie schöner Oldenburger Faselschweine ein. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Johann Hellmann, Gelsenkirchen, Bochumerstr. 50. Evang. Gesangbücher g. Bienz. Deutsche Wein=Gesellschaft Mey’s berühmte Stoffkragen Vermischtes. ** Frankfurt a.., 26. Juni.[Zur Warnung.] Die Unsitte vieler Damen, den Hu: mit einer langen auf der Seite hervorragenden Nadel am Haar zu befestigen, kann nicht genug gerügt werden. Im Trambahn=Wagen zerkratzte gestern eine Dame mit ihrer langen Nadel hinten am Hute einem Herrn recht tüchtig das Gesicht— natürlich unabsichtlich. Man hat alle Ursache, sehr ängstlich zu sein, wenn man in die Nähe einer solchen abscheulichen Nadel kommt. *. New=York, 26. Juni.[Neue Sorte Ungeziefer.] Eine neue Sorte Ungeziefer hat infolge der bis vor wenigen Tagen herrschenden großen Dürre im östlichen Teile des Staates New=York längs des Hudson=Flusses ihr Erscheinen gemacht. Es ist dies ein bisher unbekannter Wurm, welcher sich in unglaublich kurzer Zeit in fabelhafter Weise vermehrt und sowol an Bäumen und Sträuchern wie an Gemüsen und Feldfrüchten beträchtlichen Schaden anrichtet. Fahrplan 89 vom 20. Mai 1884 ab. Von Gelsenkirchen nach Wanne .46.43 10,36 2,08 4,19 5,43.52 1,19[Wanne Abf. nach Münster 6,05 10,53 2,19 5,52 10,04 1,39.1 Von Gelsenkirchen nach Deutz=Köln 5,34.12.49 11,30 12,32 2,22 5,02 8,35. Von Wanne nach Dortmund 8,56 10,51 4,30 9,03 9,52.45 Herne Abf. 9,05 11,01 4,40 9,13 1,56.] Von Gelsenkirchen nach Essen 5,20 6,44 8,13 11 40 1,50 3,34 (5,17 nur bis Krav) 7,24 9,05 (5,34 nur bis Langendreer) svon Kray nach Dortmund Buhr& Co., Köln, Rheinberg 3&a 5, „im alten Turm“. eind keine Papierkragen, denn sie sind mit wirklichem Webstof vollständig überzogen, haben also genau das Aussehen von Leinenkragen, ole erfüllen alle Anforderungen an Haltbarkeit, Billigkeit, Elegans der Form, bequemes Sitzen u. Passen. Wenn man bedenkt, dass die leinen. Kragen beim Waschen und Plätten oft verunstaltet, zu hart gestäckt oderechlechtgebügelt werden, oder dass eie in der Wäsche eingehen, Stoffkragen solle man den Versach mit Ney’s Stoffkragen schon der geringen Ausgabe wegen machen. Noy's Stoffkragen mit umgelegtem Rand sind das Beste, was geliefert werden kann. Die Erfindung ist gesetzlich geschützt. Mey’s Stoffkragen müssen genau der Halsweite, resp. der Weite des Hemdenbündchens entsprechend bestellt werden. — Weniger als 1 Dtz.per Fagon wird nicht abgegeben. Für Enaben giebt es nichts Besseres. Jeder Kragen, der nur .Eibers, Bachbind, Ausckhunsde ganze Wochegeund vom tragon werden. Sherry 44.— Gold Sherry.„.50 Brown Sherry.— Madeira„.— Dry Madeira.— Portwein.50 do. alt..„.— Malaga„.— Marsaal...„.— Moseatell, weiß do. alt do. rot Ebro Beniearlo, alt Hautes Sauternes Lacrimae Christi Samos M.50 „.— „.50 ".50 ".50 ".50 „.— ".50 per Flasche inel. Glas. Vorrätig zu Originalpreisen bei: Wilh. Schäfer, Gelsenkirchen Bahnhofstraße: H. Funke, Schalke; Franz Scholven, Essen a. d.., Grabenstraße; H. Jacoby, Wattenscheid; Kellermann, Steele; W. Rocholl, Herne. 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Von Dablbusch nach Gelsenkirchen 5,58 7,31 9,05 12,15 4,01 2,53 .49 8,28 11,45. Von Essen nach Gelsenkirchen(rhein.) 5,25 6,49.47 11,53 2,36 5,30 8,08 11,28. Von Essen nach Gelsenkirchen (Köln=Minden) 5,20 8,15 10,00 1,40.50 5,15.20.20. Von Herne nach Deutz=Köln 5,39 8,28 11,09 1,59 8,13[Wanne Abf. 5,26, 559 6,02 8,39 11,19 12,23 2,10 4,54.24 (11,04 nur bis Duisbur Von Schalke nach Wanne 5,52 10,38 4,39.40. Von Schalke nach Sterkrade 5,53 .23 2,29 8,04. Von Wanne nach Schalke 5,40 9,15 .20.55. Von Wanne nach Ueckendorf=Wat: tenscheid=Bochum 5,27 8,40 12,30 3,55 5,29.00 10,07. Von Ueckendorf=Wattenscheid nach Wanne 5,47 10,30 2,01 5,05 7,35 9,18 1,07. Von Ueckendorf=Wattenscheid nach Dortmund 7,05 9,03 12,09 2,52 5,46.24(von Ueckendorf=Wattenscheid nach Bochum von Wanne kommend 5,42 12,50 11,10. Von Schalke nach Bismarck Winterswyk 8,28 2,33 6,20.09. Von Schalke nach Essen 6,58.20 .17 7 35. Von Essen nach Schalke.07 2,14 5,52 8,48. Von Herne nach Bochum 7,10 1,12 735. Von Bochum nach Herne 6,40 12.21 6/7. 9 —