Nr. 148. Gelsenkirchen, Freitag, den 27. Jui 1884. 10. Johnggng, BURTLe TTT Die„Euscher Zeitung“ erscheint täglich mn Ausnaome der Sonn= und boden Feiertage. WochenBeilage:„Ilukrirtes Emscher Sonntagsblatt“.— Insertionspreis: Die Petit=Zeile oder derer Raum 15 Vf., Reklamen 441 Vf.— Verantwortlicher Redacteur F. Dienst in Gelsenkirchen. Früher: Der Reichsfreund. Sinoere et constanter. Adonnemenzspreis: Mark.50 vierteljährlich im Voraus. Man adonnirt außer dei der sExpedition in Selsenkirchen, Marktstraße 13, bei allen Postanstalten und bei den Filial=Expeditionen: Rud. Eick, Herne: W. Walbeck, Wanne.— Druck und Verlag von F. Dienst in Gelsenkirchen Allgemeines Organ für die Stadt Gelsenkirchen, für die Aemter Schalke, Ueckendorf, Wanne und Herne.— Anzeigeblatt für Gerichts= und Militär=Behörden. * Der Staatsrat. Mit der von dem Könige befohlenen Wiedereinberufung des Staatsrats ist eine Einrichtung von neuem ins Leben gerufen, welche geeignet sein dürfte, einige mit der ganzen neuen Entwicklung des parlamentarischen und politischen Lebens verbundene Uebelstände zu beseitigen. Dieselben lagen zum Teil in der Art der Vorbereitung der Gesetze, welche bisher allein auf den Schultern der Minister ruhte. An die Zeit und Arbeitskraft derselben waren hiermit um so größere Anforderungen gestellt, als denselben vor allem auch die Führung der laufenden Geschäfte der immer umfangreicher werdenden Verwaltung obliegt. Die Thätigkeit, welche sich speciell an die Dorbereitung der Gesetze knüpft, ist aber eine sehr umfangreiche. Es sind nicht nur in den einzelnen Ressorts— woran selbstverständlich nichts geändert werden kann— die Vorlagen auszuarbeiten, sondern auch noch Verhandlungen über dieselben zwischen den verschiedenen Ressorts und endlich Verhandlungen im Staatsministerium zur endgültigen Feststellung der Vorlagen zu führen. Weiter haben die Minister die Vorlagen im Oarlament zu vertreten, und dabei sind alle diese Mühen häufig vergeblich: den Vorlagen ist im Landtage, namentlich auch in letzter Zeit infolge der Fersplitterung der Oarteien, ein Schicksal widerfahren, welches die ganze aufgewendete Mühe und Arbeit umsonst erscheinen ließ. So weit eine Abhülfe hiergegen in der Art der Vorbereitung der gesetzgeberischen Aufgaben gefunden werden kann, darf dieselbe von der Wiederherstellung des zwar noch zu Recht bestehenden, aber seit langem nicht mehr thätig gewesenen Staatsrats erhofft werden. Der Staatsrat, welcher in parlamentarischer Zeit die höchste beratende Behörde des Staatsoberhaupts war, hat durch Einführung der Verfassung eine wesentlich andere Stellung erhalten. Nach der bei der zeitweisen Wiedereinführung des Staatsrats erlassenen Verordnung vom 21. November 1854 sollte derselbe die Verwaltungsmaßregeln und die in den Ministerien ausgearbeiteten Entwürfe, bevor sie der Rammer vorgelegt würden, gründlich prüfen und begutachten, er sollte— wie es in den über diese Verordnung im Jahre 1855 geführten Kammerdebatten hieß— eine Versammlung bilden,„von welcher man voraussetzen kann, daß sich darin Intelligenz, Fachkunde, Renntnis der wahren Bedürfnisse des Landes und practische Erfahrung zusammenfinden werde.“ Auf eben dieser Grundlage ist der Staatsrat jetzt wieder hergestellt worden. Derselbe soll die zur Einbringung an den Landtag bestimmten und vorher in den betreffenden Ressorts ausgearbeiteten wichtigeren Gesetzentwürfe, bei dem Bundesrat zu stellende Anträge von besonderer Bedeutung und Entwürfe zu Verordnungen aufgrund des Artikels 65 der Verfassungsurkunde einer Vorberatung und Begutachtung unterziehen. Das Staatsministerium schlägt dem Rönige die„zur Erstattung von Gutachten“ dem Staatsrat vorzulegenden Gegenstände vor und dann werden durch Allerhöchste Cabinetsordre die dafür bestimmten Angelegenheiten dem Staatsrat überwiesen. Dieselben werden zunächst einer der zu bildenden Abteilungen des Staatsrats übergeben und sodann in der Regel nur von der sogenannten engeren Versammlung des Staatsrats durchberaten, das Olenum würde nur in Ausnahmefällen in Function treten. Das Dotum des Staatsrats geht darauf an das Staatsministerium zur Beschlußfassung und wird von diesem bei Nachsuchung der Allerhöchsten Entscheidung mit vorgelegt. Es erhellt daraus, daß durch diese Einrichtung den Ministern ein Teil der Arbeitslast, namentlich die Derhandlung mit den einzelnen Ressorts und die Feststellung der Entwürfe im Staatsministerium abgenommen beziehungsweise erleichtert wird und daß mit der Dorberatung, Orüfung und Begutachtung der Entwürfe durch eine Versammlung, in welcher„Intelligenz, Fachkunde, Renntnis der wahren Bedürfnisse des Landes und practische Erfahrung" vertreten sind, die beste Bürgschaft dafür gegeben ist, daß die an den Landtag gelangenden Entwürfe in einer möglichst vollkommenen und den mannigfachen Interessen des Staats Rechnung tragenden Weise vorbereitet worden sind. Daß mit dieser Einrichtung weder die Verantworlichkeit des Staatsministeriums noch die verfassungsmäßigen Rechte des Landtags irgendwie verkürzt und beeinträchtigt werden, liegt auf der Hand und wird jetzt auch allseitig zugestanden. Die Zusammensetzung des Staatsrats, wie sie durch die jüngst bekannt gewordenen Allerhöchsten Erlasse und Ernennungen gestaltet worden ist, den Aronprinzen an der Spitze und als seinen Stellvertreter den Reichskanzler, giebt dem Lande die Gewähr, daß in dieser hohen Körperschaft die Interessen des Daterlandes eine unparteiische Würdigung und Berücksichtigung finden werden. Das Ansehen desselben wird gewiß auch nicht ohne wohlthätge Wirkungen auf die bisher vielfach durch Darteikämpfe zur Unfruchtbarkeit verurteilten parlamentarischen Beratungen bleiben und auch hierin dem Lande zum Segen gereichen. Don denen, welche an der ersprießlichen Entwicklung des Landes ein wirkliches Interesse haben, kann die Wiedereinberufung des Staatsrats nur mit Freuden und mit den besten Wünschen auf Erfolg begrüßt werden. Die Art, wie dieselbe von einem gewissen Teil der Oresse aufgenommen und beurteilt wird, indem einmal die Besorgnis vor Beeinträchtigung des Ansehens des Oarlaments durch den Staatsrat ausgesprochen und dann wieder dem Staatsrat im Doraus jede Bedeutung abgesprochen wird, beweist, daß für gewisse Oolitiker das Interesse für das Wohl des Landes seine Grenzen findet an dem Wirkungskreis des Oarlaments, an der ausschließenden Herrschaft desselben und an den Darteikämpfen innerhalb und außerhalb desselben. 18 Deutscher 41. Plenarsitzung vom 25. Juni 1884. Eingegangen sind folgende Vorlagen: 1. ein Nachtragsetat— Errichtung eines Reichs=Versicherungsamtes—, 2. die Literarconvention mit Italien, 3. eine Uebereinkunft mit Siam, betreffend den Handel mit geistigen Getränken in Stam. Der Gefetzentwurf, betreffend die Beschaffung eines Dienstgebäudes für das Generalconsulat in Shanghai wird in dritter Lesung definitiv genehmigt. Es folgt der fünfte Bericht der Petitionscommission über die Petition des Herrn von Carstenn zu Lichterfelde um Vermittelung einer Entschädigung aus Reichsmitteln wegen angeblich ihm durch den Militairfiscus zugefügten erheblichen Nachteile.— Die Petition wird debattelos nach dem Antrage der Commission durch motivirte Tagesordnung erledigt. Das Haus tritt darauf in die dritte Beratung des von dem Abg. Ackermann und Genossen wegen Abänderung der Gewerbeordnung(Lehrlingsfrage). In der Generaldiscussion erklärt sich zunächst Abg. Dr. Bamberger gegen den Antrag. Es sei sehr merkwürdig, daß, während man sich bemühe, den Handel und Verkehr nach außen hin zu befördern, im Innern alles Mögliche gethan werde, um dasjenige, was Handel und Verkehr belebt, die freie Thätigkeit zu zerstören und einzuschränken. Die ganze Tendenz der gegenwärtigen wirtschaftlichen Gesetzgebung lasse sich in zwei Worte zusammenfassen, die natürlichen Beine werden ausgerissen und künstliche angesetzt. Man möge doch dem consumirenden Publikum überlassen, zu prüfen, ob der Handwerker etwas Tüchtiges leistet, nicht aber Privilegien für den Handwerkerstand schaffen. Während man sich hier manchmal gegen Tiervivisectionen wende, sei man sehr unempfindlich gegen diejenigen Vivisectionen, welche an dem wirtschaftlichen Körper des Volks vorgenommen werden. Außer Bauern= und Arbeiterfang gebe es nun auch einen Handwerkerfang. Auf diesem Wege werde man bald dahin gelangen, daß es im Reichstage nur eine Interessenvertretung gebe! Abg. Ackermann bezeichnet den Antrag als einen Schritt vorwärts nach dem Ziele, das er und seine Freunde anstreben Sie wollten sich nicht überstürzen, sondern den Innungen das Terrain, das sie verloren, nach und nach zurück erobern. Wenn die Handwerker sich den Innungen gegenüber noch immer reservirt verhielten, so sei das darauf zurückzuführen, daß die Innungen keine Vorteile böten. Sollten die Innungen diejenigen Aufgaben erfüllen, welche ihnen das Innungsgesetz zuweise, dann müsse man auch die Innungen mit Vorteilen ausstatten. An Wiederbelebung der alten Zünfte oder an ein Innungsmonopol sei bei diesem Antrage nicht gedacht; derselbe bezwecke nur, das zu stärken und neu zu beleben, was sich als lebensfähig erwiesen trotz aller Angriffe, welchen die Innungen ausgesetzt gewesen. Abg. Dr. Blum erklärt, daß die nationalliberale Partei auch für die Entwickelung des Innungswesens eintrete, aber nur für freie Innungen; sie wolle nicht an die alten Institutionen anknüpfen, sondern auf der Gegenwart aufbauen. Der Antrag Ackermann würde im Falle er Gesetz werde, den Handwerkerstand in zwei Hälften teilen, in eine privilegirte und in eine nichtprivilegirte;## damit würde man aber die von den Innungen Ausgeschlossenen nur in die Arme der Socialdemo= kratie treiben. Privilegien, wie sie der Antrag wolle, hätten nicht einmal zur Zeit der alten Innungen existirt, denn diese hätten doch wenigstens gewisse Rechte den Nicht=Innungsmeistern eingeräumt. Er bitte also um Ablehnung des Antages. Abg. Bebel erkennt an, daß unser Handwerkerstand sich in einer traurigen Lage befinde;## das hänge aber eng zusammen mit unserer ganzen! öconomischen Entwickeluug; auf dem Boden der# bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse sei es denn auch absolut unmöglich, das Handwerk zu retten. Der Handwerkerstand leide unter der capitalistischen Entwickelung, die man nicht hemmen wolle, aber auch nicht hemmen könne, denn die nationale) Machtstellung Deutschlands sei nur möglich auf; dem Boden der modernen Entwickelung. Uebrigensi kann er aufgrund seiner eigenen Erfahrungen constatiren, daß es tausende von Handwerksmeistern# giebt, welche bezüglich ihrer Leistungen, ohne den Innungen anzugehören, den Innungsmeistern in keiner Weise nachstehen. Dasjenige, was das Handwerk producirt, spiele auf dem Weltmarkt auch keine Rolle. Das Handwerk könne auch mit der modernen Technik nicht mehr concurriren, es stehe dem Großcapital gegenüber völlig machtlos da. Der Antrag Ackermann werde an diesen Zuständen nicht das mindeste ändern, sei aber bei der heutigen Arbeitsteilung auch undurchführbar. Die Annahme desselben würde die Handwerksmeiste auf dem Lande nur in eine böse Lage bringen sie würden von der Innungsmitgliedschaft nicht weiter haben, als Mühe und Kosten. Die Herren## Antragsteller sollten doch auch nicht außer Ach lassen, daß auch Socialdemokraten in die Innung gen treten würden; die Innungen könnten dan vielleicht ein famoses Agitationsfeld für die Be 9 Schloß Wilhelmsthal. Novelle aus den schweren Tagen der Fremdherrschaft von A. Norden. Er wollte die Gestalt der Zigeunerin umschlingen und sie festhalten, doch schneller wie er, hatte dieselbe sich ihm schon entwunden, und: „Maskenfreiheit!“ tönte es hinter der Larve hervor, begleitet von ironischem Lachen. Da stand sie schon vor dem König, der, seine Gemahlin loslassend, sich der Beweglichen genähert hatte. „Was kannst Du mir verkünden, Kind?“ lachte der König. „Die Wahrheit!“ erklang es ihm als Antwort entgegen. „Die Wahrheit? Das ist viel,“ entgegnete Jerome.„Wenn ich Dich nun beim Wort nehme, willst Du es wagen?“ Das Mädchen stand in demütiger Haltung, die Arme über der Brust gekreuzt, da. „Ich kann es, allmächtiger Gebieter der Erde!“ tönte es aus ihrem Munde zurück. „Nun in der That, Du machst mich neugierig.“ „Die Wahrheit ist nicht immer schön und nicht jeder mag sie kennen lernen. Willst Du sie dennoch von mir hören, mein König? Wohlan, so folge mir!“ „Ich Dir folgen? Weshalb kannst Du das, was Du zu sagen hast, mir nicht auch hier sagen?“ „Allen anderen, gewöhnlichen Sterblichen ja; doch nicht Dir, mein Herrscher. Nur wenn Du mir folgst, kann ich die Wahrheit Dir unverhüllt zeigen!“ „Nun denn, so führe mich, aber hüte Dich, mich zu täuschen!“ Das Mädchen eilte dem König einige Schritte voran, und als sie sah, daß er ihr folgte, führte sie ihn aus dem Saal von Gemach zu Gemach. Auf alle Fragen Jeromes hatte sie nur ein stummes Kopfschütteln, und bedeutsam legte sie den Finger auf die Lippen. So hatten beide mehrere Gemächer durchschritten, die völlig einsam, von der ganzen Gesellschaft verlassen waren, da alles an die Fenster und auf die Balcons getreten war, um dem Feuerwerk zuzusehen. Sie näherten sich dem letzten Zimmmer, einem kleinem Raum, der ganz im japanischen Geschmack eingerichtet war. Aus demselben ertönte ein Lachen und Flüstern, zärtliche Worte konnte man unterscheiden und eine hell klingende Frauenstimme rief:“ „Da haben wir nach langer Zeit uns endlich einmal wieder ein glückliches Beisammensein erkämpft, Geliebter, das mich für alle langweiligen Stunden, die ich in der Nähe dieses verliebten Königs zubringen muß, entschädigen soll.“ Der König zuckte bei dem Klange dieser Stimme zusammen und ergriff den Arm des Mädchens, das, unter der Maske erbleichend, mit ihm zusammen die Schwelle des Gemaches überschritt. Was er sah, war wol dazu geeignet, seinen Unmut zu entflammen. Die schöne Diana war es, Gräfin de la Gardie, im Arme des Lientenants von Plessing ruhend. Jupiter ließ seinen göttlichen Zorn voll über die Schuldigen sich entladen; die Zigeunerin aber war in der allgemeinen Verwirrung verschwunden, als sei sie von der Erde verschlungen worden und im großen Saale bezauberte die Sternenkönigin wieder nach wie vor ihre Verehrer durch ihre reizvolle Lieblichkeit. ** * Die Nacht lagerte über dem Schlosse von Wilhelmsthal, eine tiefdunkle Sommernacht. Das Fest war zu Ende und alle Lichter im Schlosse ausgelöscht. Auch die Fenster der von Fräulein von Fremont bewohnten Zimmer schienen dunkel, doch hinter denselben brannte durch grüne Schirme gedämpftes Lampenlicht. Madeleine, in einen langen, dunklen Mantel gehüllt, das Haupt unter einem großen, schwarzen Schleier verborgen, der jetzt noch halb zurückgeschlagen war, klopfte an die Thür ihres Schlafgemachs. „Noch nicht fertig, mein Herr?“ rief sie gedämpften Tones.„Es ist Zeit!“ „Ich komme!“ antwortete von innen die Stimme Karl von Plötz. Die Thür öffnete sich und auf der Schwelle stand eine weibliche Gestalt, größer wie Madeleine, ebenfalls in einen langen, dunklen Mantel gehüllt, einen schwarzen Schleier über dem Kopf. Doch auch dieses luftige Gewebe war noch zurückgeschlagen und unter seinen Falten hervorblickte das Gesicht Karls. In diesem Augenblick verkündete die Schloß= uhr die zweite Stunde. Ein leichtes Zittern überfiel Madeleine; sie drückte einen Moment die Hand auf das klopfende Herz. ]„Den Schleier herab, mein Herr! So, jetzt gleichen Sie meiner Kammerfrau ganz und gan Haben Sie den Korb mit den Fläschchen au Arm, den wir dem kranken Försterskinde bringen Welch' ein glückliches Zusammentreffen, daß is diese treue Frau in der Nähe habe. Sie ist ar Frankreich gebürtig, die Tochter eines frühere Dieners meines Vaters, an den hiesigen Först verheiratet, dessen Häuschen von dem Parkthe nur durch die Chaussee getrennt ist. Zufällig sch ich die Försterin hier wieder, sie ist mir„treu ei# geben. Das Pferd, das Sie weiter bring wartet jenseits des Waldes, bis dahin führt S der Förster. Dank der Hülfe meiner gut Toinette, welche die Botendienste verrichtete, konr ich alle diese Vorbereitungen treffen. Und nt## vorwärts denn, mit Gott!“ „Madeleine,“ sprach der junge Mann t# bewegt,„Sie haben so viel für mich gethan u. wenn auch mein Herz von Dank gegen Sie üb fließt, es ist nicht das allein, was mich erfül Madeleine, darf ich hoffen, Sie dereinst wiel zu sehen, wenn andere, glücklichere Sterne### leuchten?“ Karl sah gespannt dem jungen Mädchen die braunen Augen. Einen Moment senkte Madeleine den BlI, dann schlug sie ihn voll auf zu dem jungen Ma „Es wäre thöricht,“ sagte sie, in einer ernsten Stunde aus den Gefühlen, die mich wegen, aus falscher Scham einen Hehl zu mach! Ja, Karl, ich hoffe auf ein Wiedersehen,### wenn nicht hier auf Erden, dann doch dort obe### Sie erhob feierlich die Hand, wie 3 Schwur, und einen Moment standen diese beid jungen Menschenkinder, die sich unter so eig strebungen der Socialdemokratie werden. Er seinerseits habe deshalb auch nichts gegen den Versuch, denn die meisten Menschen ließen sich nicht durch Theorien, sondern durch Thatsachen überzeugen, und die Thatsachen würden ihm binnen kürzester Frist Recht geben, daß es auf dem von den Antragstellern eingeschlagenen Wege doch nicht geht. Abg. Dr. Reichensperger(Krefeld) bittet, nicht immer mit Schlagwörtern um sich zu werfen. Es handele sich bei diesem Antrage nur darum, das Gute aus der alten Zeit in die neue hinüberzunehmen. Abg. Walter ist der Meinung, daß der Antrag nichts weiter als obligatorische Innungen bezwecke. Er schließt sich im allgemeinen den Ausführungen des Abg. Bebel an, und schließt mit der Aufforderng an das Haus, sich noch einmal die Sache reiflich zu überlegen und den Antrag abzulehnen, da er in die heutigen Verhältnisse nicht passe. Nachdem noch Abg. Günther(Sachsen) den Antrag empfohlen, wird die Generaldiscussion geschlossen. In der Specialdiscussion über den einzigen Paragraphen tritt Abg. Köhl ebenfalls dem Antrage entschieden entgegen, von dessen Wirkungen sich die Antragsteller eine falsche Vorstellung machten. Er glaube, daß es denselben völlig ernst mit dem Bestreben ist, das Lehrlingswesen auf eine höhere Stufe zu bringen, aber auf dem vorgeschlagenen Wege sei dieses Ziel nicht zu erreichen. Man sollte weiter gehen und die Errichtung staatlich organisirter Lehrwerkstätten anstreben; dem darniederliegenden Gewerbe werde mit dem Antrage doch nicht geholfen werden. Abg. von Kleist=Retzow hält dem Abg. Bamberger vor, daß er hier gesprochen habe, wie ein französischer Minister und in der Dampfersubventions=Commission wie ein englischer Minister. Die Herren Bebel und Bamberger hätten in ein Horn geblasen; deren Ausführungen gipfelten in der Hoffnungslosigkeit. Das thuen seine Freunde nicht. Im Gegenteil, sie glauben, daß an dem frischen Körper des neuerstarkten deutschen Reiches auch seine einzelnen Glieder wieder gesunden können. Es handele sich hier einfach darum, ob man mehr Sympathie für die Großindustrie und das Großcapital oder für das Handwerk habe. Wem das Handwerk mehr am Herzen liegt, der müsse für den Antrag stimmen. Die Discussion wird geschlossen und der einzige Paragraph in namentlicher Abstimmung mit 159 gegen 156, und darauf das ganze Gesetz bei Zählung mit 154 gegen 150 Stimmen angenommen. Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildet die dritte Beratung des von dem Abg. Dr. Windthorst eingebrachten Gesetzentwurfs, betr. die Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr (Literarconvention mit Italien; Uebereinkunft mit Siam; Handels= und Schifffahrtsvertrag mit dem Königreiche Korea; Wahlprüfungen; dritte Beratung der Unfallversicherungs=Vorlage; zweiter Nachtragsetat; dritte Lesung des Relictengesetzes). vativen, sowie der nationalliberalen Partei besonders die patriotische Seite betont wurde und der von der Vorlage zu erwartende Nutzen erst in zweiter Linie zur Geltung gebracht wurde, behielten sich die Redner der deutsch=freisinnigen und der Centrumspartei das Recht einer sorgfältigen Prüfung vor und glaubten besonders finanzielle Bedenken erheben zu sollen. Der Herr Reichskanzler Fürst v. Bismarck, welcher bald nach Beginn dieser Debatte im Hause erschien, griff mehrere male in dieselbe ein und gab seinen allgemeinen Anschauungen über das fragliche Gebiet in gleichem Sinne, wie es neulich in der Commission geschah, wiederholt Ausdruck. Schließlich gelangte der Vertrag mit Korea selber zur unveränderten Annahme. Nächste Sitzung, Freitag 11 Uhr.(Erste und event. zweite Beratung des internationalen Vertrages zum Schutze unterseeischer Kabel, sowie des zweiten Nachtragsetats, ferner dritte Beratung der Unfallversicherungsvorlage, sowie des Relictengesetzes und der Actiengesetznovelle; außerdem Wahlprüfungen.) NLO. Man wird erwarten dürfen, daß die morgen auf der Tagesordnung stehende dritte Lesung des Unfallversicherungsgesetzes rasch zu Ende geht. Die Differenzpunkte sind schon in den vorangegangenen Beratungen aufs gründlichste erörtert und es ist jetzt eine Grundlage hergestellt, auf welcher das Zustandekommen des Gesetzes mit einer sehr bedeutenden Mehrheit gesichert ist. Die Zugeständnisse, welche Centrum und Conservative noch in letzter Stunde, namentlich in der Carenzfrage, gemacht haben, erleichtern den Nationalliberalen die Zustimmung zu dem Gesetz wesentlich, wenn sie gleich auch jetzt noch schwerwiegende Wünsche zu unterdrücken sich entschließen müssen. Es ist erfreulich, daß eine so wichtige und grundlegende socialpolitische Reform nicht mit einer knappen Mehrheit von wenigen Stimmen, sondern mit dem vollem Gewicht der Uebereinstimmung aller Parteien, mit Ausnahme der äußersten Linken, ins Leben tritt. Ihre Wirksamkeit muß dadurch wesentlich erhöht werden. Politische Tages=Rundschau. is Berlin, 26. Juni. Der Reichstag erledigte in seiner heutigen Sitzung zunächst in erster und zweiter Beratung die am 20. Juni d. J. mit Italien wegen gegenseitigen Schutzes der Rechte an Werken der Literatur abgeschlossenen Uebereinkunft, sowie die Uebereinkunft zwischen dem Reich und dem Königreich Siam, betreffend den Handel mit geistigen Getränken in Siam vom 12. März d. I. Die dann folgende Beratung des Handels=, Freundschafts= und Schifffahrtsvertrages zwischen dem Reich und dem Königreich Korea vom 26. November 1883 gestaltete sich zu einer umangreichen Debatte über die Dampfersubventionsvorlage. Während von den Rednern der conserNLC. Von Mitgliedern des Centrums, der nationalliberalen und der conservativen Partei ist zur dritten Lesung des Unfallversicherungsgesetzes eine Reihe gemeinschaftlicher Anträge eingebracht worden. Hervorzuheben ist aus denselben u. a. der Vorschlag, daß dem Reichs= bezw. dem Landesversicherungsamt bei Ausübung seiner rechtsprechenden Befugnisse noch zwei richterliche Beamte hinzutreten sollen. Damit wird eine verstärkte Garantie für eine unabhängige und unparteiische Rechtsprechung geschaffen. Den weitaus wichtigsten Teil der Anträge aber bilden die Aenderungen in § 5. Zunächst wird in demselben eine Besserstellung der Krankenkassen insofern vorgeschlagen, als denselben die durch die Verpflegung eines Unfallbeschädigten nach Ablauf der ersten dreizehn Wochen verursachten Heilungskosten in der vollen Höhe des nachweisbaren Aufwandes, also nicht nur, wie in der bisherigen Fassung bestimmt war, mit der Hälfte der Krankengelder ersetzt werden sollen. Der Schwerpunkt aber liegt in der auf das Betreiben der Nationalliberalen vorgenommenen neuen Regelung der Carenzzeit. Die betreffenden jetzt beantragten Sätze lauten: Von Beginn der fünften Woche nach Eintritt des Unfalls bis zum Ablauf der dreizehnten Woche ist das Krankengeld, welches den durch einen Betriebsunfall verletzten Personen aufgrund des Krankenversicherungsgesetzes gewährt wird, auf mindestens zwei Drittel des bei der Berechnung desselben zugrunde gelegten Arbeitslohnes zu bemessen. Die Differenz zwischen diesen zwei Dritteln und dem gesetzlich oder statutengemäß zu gewährenden niedrigeren Krankengelde ist der beteiligten Krankenkasse(Gemeinde= Krankenversicherung) von dem Uuternehmer desjenigen Betriebes zu erstatten, in welchem der Unfall sich ereignet hat. Die zur Ausführung dieser Bestimmung erforderlichen Vorschriften erläßt das Reichsversicherungsamt. Den nach§ 1 versicherten Personen, welche nicht nach den Bestimmungen des Krankenversicherungsgesetzes versichert sind, hat der Betriebsunternehmer die in den§§ 6 und 7 des Krankenversicherungsgesetzes vorgesehenen Unterstützungen einschließlich des aus dem vorhergehenden Absatze sich ergebenden Mehrbetrages für die ersten dreizehn Wochen aus eigenen Mitteln zu leisten. Streitigkeiten, welche aus Anlaß der in den beiden vorhergehenden Absätzen enthaltenen Bestimmungen unter den Beteiligten entstehen, werden nach Maßgabe des§ 58 Absatz 1 des Krankenversicherungsgesetzes entschieden. Nach dieser Fassung bleibt also der Unfallbeschädigte nach wie vor während der ersten dreizehn Wochen in der Pflege der Krankenkasse, er erhält aber schon von Beginn der fünften Woche an den vollen Betrag der Unfallrente, welche ihm nach dem Beschlusse zweiter Lesung erst vom Beginn der dreizehnten Woche an zustehen sollte. Mit anderen Worten: die Carenzzeit wird von dreizehn auf vier Wochen herabgesetzt. Wenn man erwägt, daß dadurch jährlich mindestens 20000 Schwerbeschädigten die wirtschaftlichen Existenzbedingungen erheblich verbessert werden, so kann über die tiefgreifende Bedeutung dieser Aenderung kein Zweifel sein. Wir freuen uns derselben um so mehr, als nur durch sie ein einmütiges Eintreten der nationalliberalen Fraction für das Unfallversicherungsgesetz ermöglicht wird. ** Der Bundesrat wird dem gestern vom Reichstag definitiv angenommenen Antrag Ackermann in der Innungs= und Lehrlingsfrage nunmehr wol seine Zustimmung erteilen, und unser Gewerberecht wird damit den ersten Schritt zur Einführung der Zwangsinnungen thun. Die höchst geringfügige Mehrheit von drei Stimmen kann freilich nicht als ein überwältigendes Votum des Reichstags ausgelegt werden, indessen formell genügt sie und bei der zweiten Lesung hat der Regierungsvertreter Erklärungen abgegeben, welche kaum daran zweifeln lassen, daß der Bundesrat dem Antrage, der ja nur einem früher von der Regierung selbst ausgegangenen Vorschlage entspricht, zuzustimmen geneigt ist. Das unerfreuliche Ergebnis der gestrigen Verhandlung, schreibt entrüstet die „National=Liberale Correspondenz“, hätte bei noch größerem Eifer auf liberaler Seite vermieden werden können. Die Entscheidung setzte sich bekanntlich aus zwei Abstimmungen zusammen. Bei der ersten Abstimmung über den ersten und einzigen Artikel des Gesetzentwurfs stimmten 159 Abgeordnete mit Ja, 156 mit Nein, bei der zweiten Abstimmung über den gesamten, eben aus jenem einzigen Artikel und der Ueberschrift bestehenden Gesetzentwurf stimmten 154 mit Ja, 150 mit Nein. Es hatten sich also inzwischen von der Rechten fünf, von der Linken sechs Mitglieder entfernt. Wären die 165 Gegner der ersten Abstimmung auch bei der Gesamtabstimmung noch vollzählig am Platze gewesen, so wäre das Gesetz abgelehnt worden. Es mochte mancher nicht bedacht haben, daß nach der Abstimmung über den einzigen Artikel noch eine Gesamtabstimmung folgen werde. Das ändert aber nichts an der Thatsache, daß hier eine Nachlässigkeit verschiedener Mitglieder der Linken vorliegt, die zu höchst bedauerlichen und wichtigen practischen Folgen führen kann. Wir werden das Erscheinen des stenographischen Berichts abwarten, um zu constatiren, wer an diesem unerfreulichen Ereignis die Schuld trägt. der aufrichtigen Freundschaft, womit Ich verbleibe Eurer Hoheit freundwilliger Vetter Wilhelm. Ems, den 19. Juni 1884. * Die„Times“(London) besprechen die Augra Pequena=Angelegenheit und drücken dabei ihre Befriedigung darüber aus, daß in dieser kleinen aber nicht unbedeutenden Frage die zwei großen colonisirenden Länder der Welt, England und Deutschland, es möglich gefunden haben, ohne ernste Schwierigkeiten zu einer Verständigung zu gelangen. * Wie verlautet, soll demnächst über ElberfeldBarmen beim Bundesrate die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes beantragt werden. * Eine Depesche des Königl. Gerichts der 15. Division zu Köln an die Königl. Staatsanwalischaft zu Bielefeld meldet, daß der Füsilier Böken gestarden hat, die Auguste Borrey erdrosselt zu haben. * Schwientochlowitz, 25. Juni. Endlich ist amtlich die Liste dei jenigen Bergleute festgestellt worden, welche am 20. d. M. durch das Einbringen von Tagewassern auf der Deutschlandsgrube verunglückt sind. Hierbei mußte traurigerweise constatirt werden, daß die Zahl der Verunglückten nicht 37, sondern 42 ist. * Graz, 25. Juni. In dem hier verhandelten Anarchisten=Processe sind von den 23 Angeklagten 9, darunter Kappauf, Kreiner und Lindnet, von den Geschworenen der Störung der öffentlichen Ruhe schuldig erkannt und zu schweren Kerkerstrafen von 23 Monaten bis zu 4½ Jahren verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. * Paris, 25. Juni. Nach weiteren Meldungen aus Toulon sind im Laufe des Nachmittags noch 3 Cholera=Todesfälle vorgekommen, sodaß sich die Zahl der am heutigen Tage an der Cholera gestorbenen Personen auf fünf stellt. Neuerdings choleraverdächtig erkrankte Personen sind in das Civil=Hospital heute nicht eingebracht worden. Die Bevölkerung zeigt sich wieder beruhigt. * Aus der Commissions=Sitzung, welcher der Herr Reichskanzler neulich beiwohnte, wird be* Paris, 25. Juni. Eine Mitteilung des Handelsministers, nach welcher heute 2 Cholera=Todesfälle in Toulon vorgekommen sind, besagt, daß alle Aerzte übereinstimmend der Meinung sind, die Cholera sei nur sporadischer Natur. Der allgemeine Gesundheitszustand in Marseille und in dem ganzen benachbarten Gebiet sei nach wie vor ein günstiger. Constantinopel, 26. Juni. Die Provenienzen aus Toulon haben sich einer regelmäßigen Quarantäne zu unterwerfen und müssen sich zu diesem Behufe ausschließlich nach Smyrna, Beirut oder Tripolis begeben. Neuigkeiten aus der Da über die Erledigung von Beschwerden wegen Versagung eines Wandergewerbescheines zum Handel im Umherziehen mit Druckschriften in den beteiligten Kreisen vielfach Unklarheit zu herrschen scheint, so ist darauf aufmerksam zu machen, daß über solche Beschwerden in der Recursinstanz nicht der Minister für Handel, sondern der Minister des Innern Entscheidung zu treffen hat. + Der Sitz des Landrats des Kreises Mettmann, Regierungsbezirks Düsseldorf, ist von Mettmann nach Vohwinkel in demselben Kreise und der Sitz des Landrats des Kreises Wipperfürth, Regierungsbezirks Köln, von Haus Alsbach nach Heiligenhoven in demselben Kreise verlegt worden. + Der Name der im Regierungsbezirke Oppeln belegenen Stadt„Stadt Königshütte“ ist in „Königshütte Oberschlesien" abgeändert worden. richtet, daß sich alle Mitglieder erhoben, als der Fürst Bismarck sich empfahl, nur die Herren Bamberger, Rickert und Richter hielten es für schicklich, sitzen zu bleiben. ümlichen Verhältnissen gefunden hatten, einander jegenüber, sprachlos und doch sich mit den Augen nehr sagend, als alle Worte auszudrücken vermögen. Da plötzlich ergriff Karl Madeleine's Hand ind dieselbe fest drückend, preßte er einen innigen kuß auf ihre reine Stirn. „Mit diesem Kuß weihe ich Dich zu meiner Zraut, Geliebte, bis ich Dich dereinst auf das Schloß meiner Väter in der Mark als Herrin ühre. Dazu helfe uns Gott!“ Die so schnell Verbundenen machten sich auf en schweren Weg. Nur kurz war derselbe, aber jeder Schritt onnte Verderben bringen. Sie hatten einen kleinen Gang passirt und aren eine kleine Treppe herabgestiegen. Da zang ihnen aus einer nur angelehnten Thür utes Lachen und Sprechen entgegen. Madeleine blieb erschreckt und zögernd stehen. „Das Vorzimmer des Königs!“ füsterte das nge Mädchen angstvoll.„Sollen wir umhren?“ Doch noch ehe sie einen Entschluß fassen nute, wurde die Thür aufgestoßen und auf den ang hinaus traten, in den Händen brennende erzen haltend, mehrere Hofherren, deren geröteten esichtern man es ansah, daß sie dem Genusse s Weines in reichem Maße zugesprochen hatten. In ihrer Mitte befand sich der König. Madeleine wurde unter dem Schleier bleich e der Tod. Ein Zurückweichen war unmög5; hier galt es, Alles gewinnen, oder Alles lieren! Ah, zwei Damen!“ rief einer der Hofherren angeheitertster Laune, auf Madeleine zutretend. „Wußte ich doch, daß dieser Tag uns noch interessante Ereignisse bringen würde!" Madeleine hatte den Schleier dichter vor dem Gesicht zusammen gezogen und wich einige Schritte zurück vor dem Zudringlichen. „So stumm, meine Schöne?“ fuhr der Hofherr fort, mit raschem Griff den Schleier erfassend, um ihn zu lüften.„Wie unrecht, daß Sie uns Ihr reizendes Antlitz so hartnäckig verbergen!“ Noch immer verharrte Madeleine stumm und regungslos vor dem sie Bedrängenden; in diesem Moment kam ein anderer auf ihren Begleiter zugeschritten und versuchte ebenfalls, den Schleier zu heben. „Enthülle Dich, holdes Rätsel!" rief er lachend. Madeleine faßte einen verzweifelten Entschluß. Mit einer schnellen Bewegung den Schleier zurückschlagend, rief sie: „Sie kennen mich alle, meine Herren! Ich bin Madeleine von Fremont und mit meiner alten Kammerfrau Toinette auf einem Samaritergang begriffen. Hier das Körbchen", fuhr sie fort, indem sie der angeblichen Toinette das Körbchen mit den Arzneiflaschen vom Arm nahm und es in die Höhe hob,„soll dem kranken, vielleicht sterbenden Försterskinde Linderung bringen. Wünschen Sie das Antlitz meiner alten Toinette zu sehen?“ „Des alten Drachens, der die Zimmer des Fräuleins wie ein Cerberus hütet? Brrr— nein! Wir kennen sie alle genugsam!“ rief der König lachend.„Lassen Sie uns lieber in Ihr schönes Gesicht sehen, Fräulein von Fremont, und erlauben Sie uns, daß wir Sie begleiten!“ * In einem Berliner Artikel der„Elberfelder Zeitung“ wird auf die kernigen Worte hingewiesen, in denen Fürst Bismarck Herrn Bambergers Standpunkt das Urteil gesprochen und hinzugefügt:„Im übrigen hat das Land bei den nächsten Wahlen den Gegnern der Bismarck'schen Colonialpolitik zu sagen, was es über ihre kleinliche Auffassung der Machtstellung unseres Vaterlandes denkt.“ * Der anfänglich so viel angefochtene Frühschoppen des Reichskanzlers macht Propaganda. Zu einem Spätschoppen, wie man es nennen könnte, ladet das vereinigte Präsidium des Reichstags den hohen Bundesrat und die Reichstagsmitglieder in den Reichstagsgarten auf morgen Abend u Uhr ein. * Coburg, 22. Juni. Unser Herzog feierte gestern seinen 66. Geburtstag, welcher durch die üblichen militärischen und Schul=Festlichkeiten wie durch Flaggenschmuck u. s. w. ausgezeichnet wurde. Sehr erfreut wurde der Herzog durch das folgende Handschreiben des Kaisers: Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter! Eurer Hoheit kann Ich Mir nicht versagen, auszusprechen, daß Ich und Meine Armee des 21. dieses Monats als desjenigen Tages in lebhafter Teilnahme gedenken, an welchem vor 50 Jahren Eurer Hoheit Eintritt in die Armee stattgefunden hat. Der Rückblick auf diese Zeit führt so viele Beweise von Eurer Hoheit hingebendem Interesse für die militärische Entwickelung unseres deutschen Vaterlandes und von Ihrem persönlichen Anteil an den kriegerischen Ereignissen der letztverflossenen Zeit in Meine Erinnerung zurück, daß Ich ebensowol Meinen dankenden und lebhaft anerkennenden Empfindungen heute gern Ausdruck leihe, als auch Meinem warmen Wunsche, daß Mir Euer Hoheit freundschaftliche Gesinnung und Meiner Armee Ihr teilnehmendes Interesse noch recht lange erhalten bleiben möge. Empfangen Eurer Hoheit bei diesem Anlasse zugleich die Versicherung Provinzielle Nachrichten. Gelsenkirchen, 27. Juni. Das gestrige Concert der„ungarischen Zigeuner=Capelle Domby Caroly“ war wol besser besucht als am Vorabende, doch nicht zur Zufriedenheit des Unternehmers. Das liegt aber hauptsächlich daran, daß man vielleicht sich des„Farkas Mohr" erinnert, dessen Capelle s. Z. ebenfalls viel Beifall gefunden, bei Lichte besehen jedoch als eine„himmlische Dudelsacksmusik“ bezeichnet werden konnte. An dem verhältnismäßig geringen Besuche soll auch der Uebelstand schuld sein, daß die Abonnementslisten mangelhaft circulirt worden sind. Anderseits hört man wieder, eine Mark sei zu viel. Wie wir hören, hätte der Unternehmer gerne ein geringeres Eintrittsgeld genommen, wenn nicht über die Festsetzung desselben polizeiliche Vorschriften vorgelegen hätten. Die Musikfreunde und=Freundinnen des gestrigen Concerts hörten mit Vergnügen den Piecen zu. Die Auffassungen der ungarischen Musik sind sehr verschieden. Den Einen gefallen die ungarischen Weisen, den Andern die der deutschen Musik entnommenen Compositionen. Von den Piecen des gestrigen Programms kamen hauptsächlich„Il Trovatore, Potpourri von Verdi." Lied aus Boccaccio Hab, ich nur Deine Liebe“, vorgetragen als Violin= Solo von dem Dirigenten der Capelle, welcher aus Dank für gezollten Beifall das Lied „Ich kenn' ein Auge, das so mild“ als Violin=Solo sehr schön beigab. Außerdem sprach auch das Ständchen an Schubert:„Leise flehen meine Lieder“ ebenfalls als Violin=Solo von dem Dirigenten vorgetragen, vorzüglich an. Das Auditorium zeigte sich eben für jede Piege des Programms dankbar. Die Mitglieder der Capelle sind Künstler vom Fach, spielen ohne Noten und wäre ein recht zahlreicher Besuch für das heutige(letzte) Concert wol zu wünschen. Wie wir hören, sollen heute die langen Pausen in etwa gekürzt und für„kühlen Stoff“ seitens des Wirtes gesorgt werden. X Schalte, 26. Juni. Anschließend an unsere gestrige Notiz, betreffs des nächsten Vortrages im ev. Arbeiter=Verein, können wir heute berichten, daß Herr Clamer dazu das dankbare Thema „Königin Luise“ gewählt hat und wird der Vortrag wahrscheinlich am Sonntage nach dem Todestage der edlen Kl stattfinden. Die hohe 19. Juli 1810. X Schalbe, 27. Ju vereinigten Krieger= 1 Amtes Schalke steht v Herrn Stallberg erbaute und bald werden die m des 57. Infanterie=Regin keit einladen. Es schei der seit gestern wieder sicht macht, ein gleiches auf die Festesfreude he bleibt warm“ lautet die (Freitag); möge auch ein blauer Himmel sich# Nachmittag findet im A Gemeinderats statt. * Aus Witten, 23. u..: Das Jubelfest Kriegervereins liegt hi war die Begeisterung, Kameraden, sondern auch deren Patriotismus ste strahlte, ergriffen hat; war die Teilnahme ur der Ehrengäste und Del sowol, als auch der v welche das Fest durch i halfen. Den Glanzpun gestern Morgen nach ein dienste Herr Landrat S Ansprache auf dem Markt „Seine Majestät unse „Fahne des Wittener „vereins die Fahnenbi Unter brausendem der herzlichsten Glückwür gäste und Delegirten an festigte Herr Landrat Sd seidenen Bänder, eine Ar Fahnen besonders verdien Wissens noch keiner Kr worden ist, an diejenige und Kriegervereins. * Die Sparkasse zu von 4% auf 3 ½% Reduction gab der außer Capitalien. Der„kleine fern berücksichtigt, als Mark der alte Zinsfuß * Seitens des Herrn vinz Westfalen ist dem verein zu Recklinghausen Verlosung von Vieh un räten 2c. in Verbindung d. J. in Recklinghausen Ev. Arbeiterver Schalke. Dem allmächtigen C Gebieter über Leben Tod, hat es gefallen, u teures Vereinsmitglied Diedr. Endema im Alter von 40 J so plötzlich während Beruses in die Ewigkeit zurufen. Die Beerdigung Freitag Nachm. 5 von Consolidation Sche aus statt. Die Mitgl versammeln sich 4½ mit Abzeichen im Ver local. Um eine recht zahl: Beteiligung bittet Der Vorstan Goltesdienst=rod der evangel. Gem Gelsenkirchen. Sonntag, den 29. Juni Frühgottesdienst 8 Uhr. Leich. Hauptgottesdienst 10 Uhr Deutelmoser. Nachmitt. 2 Uhr: Pastor Samstag, den 5. Juli Nachmitt. 3 Uhr: Beich Pastor Leich. Amtswoche: Pastor Deut Bekanntmachu Die Herren Lehrer und Lehrerinnen wollen gefäll Schulkinder vor dem Bet Felder und Wiesen ernstlich Gerade in letzter Zeit sach Schaden an den Fri angerichtet. Die Eltern machen wiaufmerksam, daß sie ev. und schadenersatzpflichtig Gelsenkirchen, den 25. Ji Die Polizei=Verwaltu Vattmann. Bekanntmachu Die diesjährige Ems findet für die Strecke vo berg nach Horst am M den 9. Juli er., mor Uhr, von der Emscherbi### halb Grimberg auf der von der Buer=Bochumer nach dem Bleck aus statt. Indem ich dies zur öff Kenntnis dringe, fordere Grundbesitzer hiesigen Am unter Modificirung mei kanntmachung vom 3. d. Gräg der Bä##en schon bis zum 9. vrwirkt zu haben. Schalke, 18. Juni 1884 Die Polizei=Verwaltu Klose. Todestage der edlen Königin, d. i. am 20. Juli stattfinden. Die hohe Frau starb bekanntlich am 19. Juli 1810. X Schalbe, 27. Juni. Das Verbandsfest der vereinigten Krieger= und Landwehr=Vereine des Amtes Schalke steht vor der Thüre; das von Herrn Stallberg erbaute große Festzelt ist vollendet, und bald werden die munteren Weisen der Capelle des 57. Infanterie=Regiments zu Lust und Fröhlichkeit einladen. Es scheint, als wolle der Himmel, der seit gestern wieder ein etwas gnädigeres Gesicht macht, ein gleiches thun und nicht mürrisch auf die Festesfreude herabschauen.„Das Wetter bleibt warm“ lautet die Wetterprognose für heute (Freitag); möge auch an den kommenden Tagen ein blauer Himmel sich über uns wölben!— Heute Nachmittag findet im Amtshause eine Sitzung des Gemeinderats statt. * Aus Witten, 23. Juni, schreibt das„W..“ u..: Das Jubelfest unseres Landwehr= und Kriegervereins liegt hinter uns; unbeschreiblich war die Begeisterung, welche nicht allein die Kameraden, sondern auch unsere ganze Bürgerschaft, deren Patriotismus stets in glänzendem Lichte strahlte, ergriffen hat; herzlich, überaus herzlich war die Teilnahme unserer auswärtigen Gäste, der Ehrengäste und Delegirten zum Verbandstage sowol, als auch der verschiedenen Kriegervereine, welche das Fest durch ihre Gegenwart verschönern halfen. Den Glanzpunkt erreichte die Feier, als gestern Morgen nach einem erhebenden Feldgottesdienste Herr Landrat Schmieding in öffentlicher Ansprache auf dem Markte die Mitteilung machte, daß „Seine Majestät unser Kaiser geruht haben, der „Fahne des Wittener Landwehr= und Krieger„vereins die Fahnenbänder zu verleihen.“ Unter brausendem Hochrufen und Darbringung der herzlichsten Glückwünsche von seiten der Ehrengäste und Delegirten an den Vereinsvorstand, befestigte Herr Landrat Schmieding die schwarz=weißseidenen Bänder, eine Auszeichnung, die sonst nur Fahnen besonders verdienter Regimenter und unseres Wissens noch keiner Kriegervereinsfahne verliehen worden ist, an diejenige des Wittener Landwehr= und Kriegervereins. * Die Sparkasse zu Annen hat den Zinsfuß von 4% auf 3½% herabgesetzt. Anlaß zu dieser Reduction gab der außerordentliche Andrang von Capitalien. Der„kleine Mann“ ist jedoch insofern berücksichtigt, als für Einlagen unter 150 Mark der alte Zinsfuß inkraft bleibt. * Seitens des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Westfalen ist dem landwirtschaftlichen Kreisverein zu Recklinghausen die Genehmigung zur Verlosung von Vieh und landwirtschaftlichen Geräten 2c. in Verbindung mit dem im Monat Juli d. J. in Recklinghausen abzuhaltenden Kreis= und Bezirks=Tierschaufeste mit der Maßgabe erteilt worden, daß Geldgewinne ausgeschlossen bleiben, nicht mehr als 3000 Lose à 1 Mark ausgegeben werden, der Reingewinn zum Ankauf von Gewinngegenständen verwendet wird und daß endlich der Absatz der Lose auf den Regierungsbezirk Münster und die Kreise Bochum(Land und Stadt), Dortmund(Land und Stadt) und Hamm beschränkt bleibt, auch das Absatzgebiet auf den einzelnen Losen selbst ausdrücklich vermerkt wird. * In Portmund soll demnächst mit dem Baue des Lutherhauses begonnen werden. An der Bausumme von 95000 M. fehlen noch 30 000 M. Das Lutherhaus wird nach dem Markmann'schen Bauplan aus einem 2½geschossigen 27 m langen und 13,5 m breiten Hauptgebäude und einem daran schließenden 1geschossigen 30 m langen Saal bestehen. Das Erdgeschoß der Vorderfront wird eine geräumige Vorhalle, einen für 150 Personen berechneten Saal, die Wohnung des Castellans, sowie Räume für Buffet und Toilette umfassen, das Obergeschoß die Wohnung für die Diakonissen und einen Teil der Mägdeherberge, deren anderer im Halbgeschoß untergebracht werden kann. An den kleinen Saal im Erdgeschosse soll sich dann der große 800 Personen fassende Saal anlehnen. Zu den Sälen und der Diaconissenwohnung mit Mägdeherberge werden besondere Eingänge führen. Um dem Gebäude, das aus Backsteinen aufgeführt wird, eine seiner Bestimmung entsprechende Physiognomie zu geben, ist der gotische Stil zugrunde gelegt, wie auch die ganze Anlage das Merkmal des Monumentalen erhalten soll. Wie schon oben erwähnt, wird vorerst nur der Hauptteil des Gebäudes, und zwar der 2½geschossige Bau, sowie der große Saal zur Hälfte ausgeführt. So lautet, nach der„.=W..“, der Vorschlag, über welchen sich in den nächsten Tagen die Presbyterien und Gemeindevertretungen schlüssig zu machen haben. * Aus Menden, 24. Juni, wird berichtet: Der Raubmörder Oswald, der in der Nacht vom 14. Juni den Köhler F. Vorberg ermordet hat, konnte, obwol er an verschiedenen Orten hiesiger Gegend wiederholt gesehen worden, bis jetzt ncht dingfest gemacht werden, obwol die Polizei eifrig hinter ihm her ist. Die Ergreifung des Scheusales wäre um so wünschenswerter, als allerlei Gerüchte umgehen, denen zufolge der Mörder geäußert haben soll, er werde noch drei Einwohner in Deilinghofen ermorden und sich dann selbst töten. Die hiesige Gegend befindet sich in begreiflicher Aufregung. * Aus Hemer, 24. Juni, wird geschrieben: Der Raubmörder Oswald, welcher in der Nachbarstadt Menden vom 14.—15 d. M. den Köhler Fritz Vorberg ermordete, ist in den jüngsten Tagen an verschiedenen Stellen unserer nächsten Umgebung gesehen worden, Donnerstag und Freitag zwischen den Dörfern Landhausen und Stübbecken, wo er einer Frau im Felde ein Stück Brot abgenommen hat. Vorgestern(Sonntag) Nachmittag hielt der Mörder sich zwischen Sundwig und Deilinghofen— im Felsenmeere— auf, woselbst er denn auch von der Polizei eifrig gesucht wurde. Leider blieben alle Nachforschungen resultatlos. Heute früh geht der Fabrikarbeiter Stoffel aus Deilinghofen durch den nahen Gyberg. Derselbe hört ein Jammern und sieht in einiger Entfernung den Oswald davonlaufen. Kurz darauf findet der Arbeiter im Wege einen Hut, an welchem sich frische Blutspuren zeigen. Der Hut ist der hiesigen Polizei übermittelt. Die Aufregung, welche hier von dieser Nachricht herrscht, ist eine große. Man nimmt an, daß Oswald wieder einen still seines Weges daher wandernden Menschen überfallen hat. Möge es unserer Polizei recht bald gelingen, das Scheusal von einem Menschen dingfest zu machen, ehe er noch weitere Grauelthaten verübt. * In der Stadtverordnetensitzung zu Essen vom 21. Juni wurden die Bedingungen festgesetzt, unter denen der neue Polizeiinspector angestellt werden soll. Das Gehalt soll darnach 3900 M. betragen, außer freier Wohnung in dem erst in diesem Jahre errichteten Dienstgebäude, oder falls die Stadt darüber anderweitig verfügen sollte, 600 Mark Mietsentschädigung. Die Pensionirung richtet sich nach§ 59 der Städteordnung, wobei der zu Wählende verpflichtet würde, der städtischen Beamtenpensions= und Witwenkasse beizutreten. In der Vorlage wurde besonderer Nachdruck darauf gelegt, daß in erster Linie auf solche Bewerber Rücksicht genommen werden soll, welche nicht über 40 Jahre alt sind und sich neben einer ausreichenden practischen Erfahrung auch eine solche allgemeine Bildung erworben haben, daß sie die auch in socialer Beziehung bedeutungsvolle Stellung voll und ganz auszufüllen imstande sind.(Sehr richtig! Die Red.) * Aus Essen, 22. Juni, wird gemeldet: Die Delegirten des Gastwirtstages zu Essen fuhren am Freitag mit fein geschmücktem Extrazuge von 10 Wagen mit der Rheinischen Bahn nach Königswinter, um dann mit der Zahnradbahn den Drachenfels zu ersteigen. Der Extrazug wurde ab Königswinter leer nach Deutz befördert, weil die Delegirten den Rückweg zu Schiff nach Köln machten, woselbst sie nach Besichtigung des Doms, Flora, Zoologischen Gartens und anderen Sehenswürdigkeiten gegen 9 Uhr abends die Rückreise nach Essen wieder antraten. * In dem Vorbecter Mühlenbach wurde die Leiche einer ältlichen Frau gefunden. Der Kopf steckte unter dem Mühlenrade der sog. Bergmühle, und zwar mit dem Gesicht nach unten, sodaß der Hinterkopf aus dem Wasser emporragte. Am Ufer fand man einen Regenschirm, ein Umschlagetuch und eine Schürze, Verletzungen waren an der Leiche nicht wahrzunehmen. Alle diese Umstände lassen darauf schließen, daß die Frau sich selbst den Tod gegeben. hat. Ueber ihre Herkunft ist noch nichts bekannt geworden. * Aus Elberseld wird der folgende interessante Fall aus dem Tierleben mitgeteilt. Der Botenmeister des dortigen Landgerichts hatte 2 Glucken, die eine mit 10, die andere mit 8 Küchlein. Vor einigen Tagen starb die letztere, sodaß ihre Küchlein verwaist umherliefen. Nach zwei Tagen fing nun eines der anderen Hühner an zu glucken, und aus freien Stücken nahm es sich fortan in sorgsamster Weise der Küchlein an. Mit wahrhaft mütterlicher, innigster Liebe und Anhänglichkeit wandert das Huhn seitdem auf Schritt und Tritt schützend zur Seite der kleinen Schaar, und wenn ein anderes Huhn oder eine andere Glucke ihr den Besitz der nun von ihr in Obhut genommenen Küchlein streitig machen will, oder nur schon in ihre Nähe kommt, so verteidigt sie ganz energisch ihren Besitz wie ein teures Gut. * Püsseldorf wird nun auch bald einen weiblichen Arzt haben; es hat sich nämlich eine Dame, auf dem Gebiete der Zahnkunde wol erfahren, angemeldet. Sie ist auf der„Zahnschule" in Lyon ausgebildet, spricht fertig deutsch, französisch, englisch und italienisch, kann also in vier Sprachen Trost und Hülfe leisten. * Herr Oberbürgermeister Dr. Becker aus Cöln ist anfangs dieser Woche nach Ems gereist, um Sr. Majestät den Kaiser Wilhelm für den Herbst bei Gelegenheit des Manövers nach Cöln zu einem Besuche einzuladen. Ev. Arbeiterverein Schalke. Dem allmächtigen Gott, Gebieter über Leben und Tod, hat es gefallen, unser teures Vereinsmitglied Diedr. Endemann im Alter von 40 Jahren so plötzlich während seines Beruses in die Ewigkeit abzurufen. Die Beerdigung findet Freitag Nachm. 5 Uhr von Consolidation Schacht I aus statt. Die Mitglieder versammeln sich 4½ Uhr mit Abzeichen im Vereinslocal Um eine recht zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. 8 Cöln Mindener 4½% Prior. VII. Die nächste Ziehung findet im Juli statt. Gegen den Coursverlust von ca. 3½% bei der Auslosung mit dem niedrigsten Treffer übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von 10 Pfg. pro 100 M. Letmathe, den 2. Juni 1884. Geehrter Herr Brandt! Ich empfing die bestellten Schweizerpillen und berichte Ihnen gern, daß ich dieselben für ein schweres Magenleiden gebrauchte. Schon bei der ersten Schachtel fühlte ich Linderung und die Schmerzen verschwanden und weil Ihre Schweizerpillen mich vollständig hergestellt haben, werden sie bei mir stets als Hausmittel gehalten. Die zuletzt bestellten fünf Schachteln sind nicht nur für mich, sondern auch für andere, bei welchen sie gleichfalls ausgezeichnet gewirkt haben. Achtungsvoll Anton Niggemeier. Die ächten Apotheker R. Brandt's Schweizerpillen sind in den meisten Apotheken à M. 1 erhältlich. Hauptdepot für den Reg.=Bez. Arnsberg: Apotheker Hoynek in Allendorf. Gottesdienst=Ordnung der evangel. Gemeinde Gelsenkirchen. Sonntag, den 29. Juni 1884. Frühgottesdienst 8 Uhr. Pastor Leich. Hauptgottesdienst 10 Uhr. Pastor Deutelmoser. Nachmitt. 2 Uhr: Pastor Leich. Samstag, den 5. Juli 1881. Nachmitt. 3 Uhr: Beichtandacht Pastor Leich. Amtswoche: Pastor Deutelmoser. Bekanntmachung. Die Herren Lehrer und Fräulein Lehrerinnen wollen gefälligst die Schulkinder vor dem Betreten der Felder und Wiesen ernstlich warnen. Gerade in letzter Zeit ist vielsach Schaden an den Früchten 2c. angerichtet. Die Eltern machen wir darauf aufmerksam, daß sie ev. strafbar und schadenersatzpflichtig sind. Gelsenkirchen, den 25. Juni 1884. Die Polizei=Verwaltung: Vattmann. Bekanntmachung. Die diesjährige Emscherschau findet für die Strecke von Grimberg nach Horst am Mittwoch den 9. Juli er., morgens 10 Uhr, von der Emscherbrücke unterhalb Grimberg auf der Straße von der Buer=Bochumer Chaussee nach dem Bleck aus statt. Indem ich dies zur öffentlichen Kenntnis dringe, fordere ich alle Grundbesitzer hiesigen Amtsbezirks unter Modificirung meiner Bekanntmachung vom 3. d. M. auf, Reinigung der Bäche und Gräben schon bis zum 9. Juli er. bewirkt zu haben. Schalke, 18. Juni 1884. Die Polizei=Verwaltung: Klose. Aufgrund des§ 11 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 verordnen wir hierdurch für den Umfang unseres Verwaltungsbezirkes was folgt: § 1. Die Anfertigung und Veräußerung von Spielmarken, welche den als Zahlungsmittel im Verkehr dienenden Münzen so ähnlich sind, daß sie zu Täuschungen Veranlassung geben können, ist verboten. § 2. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu dreißig Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Freiheits: strafe tritt, geahnde“. ..§. 3. Die vorstehende Polizeiverordnung tritt mit dem 1. Juli 1884 inkraft. Arnsberg, den 27. Mai 1884. Königliche Regierung, Abteilung des Innern. Vorstehendes wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gelsenkirchen, den 18. Juni 1884. Die Polizei=Verwaltung: Vattmann. Bringe meine gut abgelagerten „ Arren. sowie sämtliche Parfümerien, Mundwasser, Haarfärbemittel und 5die nur allein bekannten, echten Gebr. Gehrigs Zahnhalsbänder, serner meine Auswahl fertiger Flechten in empfehlende Erinnerung; auch werden Fiechten sowie andere Haararbeiten schnell und sauber angefertigt.— Die Ausübung der kleinen Chirurgie, Zahnziehen, Schröpfen, Blutegelsetzen 2c. wird von mir bestens besorgt. Carl Dröge, Bardier und Friseur, Gelsenkirchen, Kreuzstraße 14. Lopir=Lenleempfichlt F. Tienst. K — 23 — 8— .— □D S O 1 02 Leutsche Wein=Gesenschaft Buhr& Co., Köln, Rheinberg 3&a 5, Eherry.— „im alten Turm“. Moscatell, weiß 90. alt do. rot Ebro Benicarlo, alt Hautes Sauternes Lacrimae Christi Samos M..50 ".— ".50 ".50 ".50 ".50 * ".50 Gold Sherry„.50 Brown Cherry.— Madeira„.— Dry Madeira.— Portwein.50 do. alt„.— Malaga„.— Marsaal.— per Flasche inel. Glas. Vorrätig zu Originalpreisen bei: Wilh. Schäfer, Gelsenkirchen, Bahnhofstraße: H. Funke, Schalke; Franz Scholven, Essen a. d.., Gravenstraße; H. Jacody, Wattenscheid; Kellermann, Steele; W. Rocholl, Herne. Unsere sämtlichen Weine sind mit unsern Etquets, Kapseln, mit unserer Schutzmarke und Firma.rsehen, worauf wir zu achten bitten. ausführliche Preis=Courante in Diensten. * Wetseitkteuteiter-Wauctettsccetit im Locale Duesberg, Marktstraße. Freunden des Gesanges ist jetzt Gelegenheit geboten, nachdem es gelungen ist. in Hrn. Capellmeister Matzeinauer eine tüchtige Kraft zu gewinnen, sich dem Vereine anzuschließen. Zu einer desfallsigen Besprechung werden hierdurch die Mitglieder des Vereins und diejenigen Herren. welche beabsichtigen dem Vereine beizutreten, zu einer Versammlung auf Samstag, den 28. ds., abends ½9 Uhr, in das Vereinslocal eingeladen. Der Vorstand. Badesaison bis October. Sonntag, den 29. Juni 1834: und Streich-Concert. — Tanz in den Anlagen.— Außer guter Küche, feinen alten Weinen, wird auch ff. Bier verabreicht. Entree für Herren 50 Pfg. Damen 30 Pfg. Höflichste Einladung. Die Direction. Wegen anderweitiger geschäftlicher Unternehmungen beabsichtige ich, mein hiesiges aufzugeben. Verkaufe deshalb meine sämtlichen Manufactur=WarenCestandr, um möglichst rasch damit zu räumen, Se zu und unter Einkaufspreisen. Ladenlocal nebst Wohnung badiest in N. D. Weldert, Gelsenkirchen, Kreuzstr. 1, neben der neuen ev. Kirche S44 für Wäschezeichnen vorrätig bei F. Dienst, Gelsenkirchen. Krieger= u. LandwehrVerein Gelsenkirchen. Sonntag den 29. Juni, nachmittags ½2 Uhr, Antreten der Kameraden im Vereinslocale, Abmarsch nach Marwig zum Preisschießen. Daselbst: 1. Empfang der Beiträge, 2. Aufnahme neuer Mitglieder, 3. Vereins= Angelegenheiten, 4. Preis=Verteilung im Vereinslocal. Der Vorstand. Evang. Arbeiterverein Ueckendorf. Sonntag den 29. Juni, mittags 12½ Uhr: Versammlung der Mitglieder mit Abzeichen, im Vereinslocale des Herrn Wirt Stallberg. Von 12½ bis 1 Uhr: Empfangnahme der Abzeichen für die neu aufgenommenen Mitglieder. 1 Uhr: Abmarsch zur Fahnenweihe nach Königssteele. Um Beteiligung sämtlicher Mitglieder wird dringend gebeten. Die Bibliothek bleibt am Sonntag den 29. d. geschlossen. Der Vorstand. Samstag, 28. d.., vormittags 11 Uhr: werde ich an der Wohnung des Wirts Hundt, Bulmke, folgende dorthin geschaffte Sachen, als: 1 Kleiderschrank, 1 Console, 1 Tisch, 5 Binsenstühle und 1 Sessel, ferner: Nachmittags 3 Uhr, an der Wohnung des Wirts Brundert zu Bickern, folgende dorthin geschaffte Sachen, als: 1 complettes Bett u. 1 Schiebkarre, sodann nachmittags 4 Uhr, an der Wohnung des Franz Winkelhaus, Bickern(Schacht Wilhelm), nachstehende Gegenstände als: 4 Wirtschaftstische, 1 Theke, 1 Real, 1 Bierapparat, 1 Mantelofen, 1 Säulenofen, 2 Sophas, 2 Tische, 1 Glasschrank, ½ Dutzend Rohrstühle, 12 Binsenstühle, 1 Stubenuhr, 1 Spiegel, 3 große Bilder, 2 Kleiderschränke, 1 Comode und 1 Console öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung zwangsweise versteigern. Gelsenkirchen, 27. Juni 1884. Guderow, Gerichtsvollzieher. 4 4 Schützt Eure Wälder! □ Die sich fort und fort in verstärktem Maße wiederholenden Ueberschwemmungen, namentlich in Tirol, dem Musterlande der Waldverwüstung, haben bewirkt, daß eine aus Regierungsund Landesorganen zusammengesetzte Commission für Gewässer=Regulirung mehrere zweckdienliche Beschlüsse faßte, u. a. den: die Forstgesetze sollen von den Behörden in strengster Weise gehandhabt, nötigenfalls von der Bevölkerung erzwungen werden. In Tirol allein wurden 103 neue Forstwarte, woran dringender Mangel war, angestellt und mit bündigen Weisungen versehen. Einige Bestimmungen zielen auch darauf, der Zucht der Ziegen, der gefährlichsten Waldfeinde, entgegenzuarbeiten.— Im Sommer 1883 hatte der Ackerbauminister, von anderen Fachmännern begleitet, Süd=Frankreich— wo man bekanntlich mit so trefflichen Erfolgen die Aufforstung und Gewässer=Regulirung betrieben— Tirol und Kärnten bereist. Ein eingehender Bericht darüber, „v. Seckendorf, Verbauung der Wildbäche, Aufforstung, Berasung", Wien 1884, Frick, erschien soeben. Gewarnt wird darin u. a. vor jenen zwar rasch und billig herzustellenden Holzbauten, die aber bald verfaulen und dann Alles noch schlimmer machen, und nachdrücklich darauf hingewiesen, daß es vor allem gilt, das Uebel an seinem Sitze, im Sammelbecken des Wildbaches, anzugreifen.— Ob diese Vorarbeiten ins practische Leben eingreifen, der Landbevölkerung endlich die Augen öffnen, sie zu verständigem Thun und Lassen anleiten, sie gewöhnen, den Wald als eine edle Gottesgabe zu betrachten, wie„das liebe Brot?“ Hoffen wir es, ebenso, daß jene auch in den deutschen Ländern überall wo Waldschutz und Forstcultur noch lau betrieben werden, warnend und spornend einwirken. Sociales, industrielle und ArbeiterVerhältnisse. sc. Braunschweigische Arbeiterverhältnisse. Aus Braunschweig wird der„Social= Corr.“ unterm 22. Juni geschrieben: Die Arbeitsverhältnisse haben sich im Herzogtum Braunschweig und namentlich in der Residenzstadt des Landes durch eine Anzahl besonderer Umstände, so günstig gestaltet, daß schon seit längerer Zeit bei uns von einem eigentlichen Arbeitsmangel keine Rede mehr sein kann. Zwar giebt es auch hier Beschäftigungslose, aber der Grund ihrer Arbeitslosigkeit ist meist in persönlichen Verhältnissen zu suchen und nicht auf die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes zurückzuführen. Infolge großer Staats= und Privatbauten erleben namentlich gegenwärtig die Baugewerbe hier eine Blüteperiode, wie wir sie seit langer Zeit nicht gehabt haben. Diese günstige Zeitlage wollten sich die Maurer und Zimmerer im vorigen Monat zu Nutzen machen und durch einen längst vorbereiteten Strik die Meister zur Zahlung höherer Löhne bestimmen. Glücklicherweise ist es zu dieser Arbeitseinstellung nicht gekommen, vielmehr gab man gegenseitig nach und zwischen Meistern und Arbeitern wurde eine Vereinbarung erzielt, nach welcher gegenwärtig Maurer und Zimmerer bei zehnstündiger Arbeitszeit einen Lohn von 32 Pf. die Stunde erhalten. Obgleich augenblicklich Nachfrage und Angebot auf dem Gebiete des Bauhandwerks sich heben, so sind die Arbeiter dieses letztern doch gegenwärtig weit günstiger gestellt als ihre Collegen von den andern Gewerken. So sind z. B. die Arbeitsbedingungen der Malergehülfen gegenwärtig weit ungünstiger. Die Malerei geht so lange flau, bis die großen Bauten so weit vollendet sind, daß es dort Beschäftigung giebt. Infolgedessen erhalten Malergehülfen auch nur einen Lohn von 15—20 M. die Woche. Die Schuhmacher haben Arbeit genug, aber die hohen Lederpreise schmälern Meistern und Gesellen den Verdienst und man kann es schon günstig nennen, daß ein stets beschäftigter Schuhmachergeselle hier bei täglich 10—14stündiger Arbeitszeit wöchentlich einen Lohn von 12—20 M. verdient. Im Verhältnis zu Arbeitern dieses Gewerkes stehen sich Schlachter und Bäcker hier am Orte weit besser, da sie meist Kost und Wohnung im Hause des Meisters erhalten und dabei noch einen Wochenlohn von—9 M. bekommen. Die große Menge der hiesigen Maschinenschlosser und Metallarbeiter hat sehr guten Verdienst, da die großen Maschinenfabriken und Kesselschmiedereien infolge ihres soliden Rufes nicht nur völlig ausreichende, sondern auch lohnende Aufträge haben und ihren Arbeitern guten Lohn zahlen. Die Tischlerei wird sich hier etwas heben, wenn in den Neubauten die Arbeiten in Angriff genommen werden können. Im allgemeinen herrschen hier auf jedem Arbeitsgebiet augenblicklich ziemlich stabile Verhältnisse; selbst im Kaufmannsstande, wo früher Commis in außerordentlich großer Zahl auch hier beschäftigungslos waren, scheint die alte Misère geschwunden zu sein, denn die Arbeitslosen erhalten auch in diesem Beruf jetzt ungleich schneller wieder Stellung, wenngleich hier am Platze das Salair ein verhältnismäßig niedriges ist, wie überhaupt in den meisten Berufen in Braunschweig die Lohnsätze etwas geringer sind, als in anderen Städten gleicher Größe. 8c. Strikes. Der Strike der Plüschweber in Berlin ist zugunsten der Strikenden beendet.— In Hannover haben, am 14. Juni die Tischler= meister folgende Resolution angenommen:„Die Tischlermeisterversammlung beschließt, eine Lohnaufbesserung der Gesellen nach Leistungsfähigkeit derselben eintreten zu lassen, im übrigen aber bei den früher gefaßten Beschlüssen zu verharren.“— In der Bettstellenfabrik von Baschin ir Berlin haben infolge von Lohnabzügen die Gesellen die Arbeit niedergelegt.— In Glogau stellte ein Teil der Maurer am 16. Juni die Arbeit ein.— Für den Strike bei Frister und Roßmann in Berlin sind im ganzen aus der Strikekasse 16 541 Mark 95 Pf. verausgabt worden. Hiervon hatte Berlin incl. der Fachvereine 13 286 Mark 69 Pf. gesteuert.— Aus England wird gemeldet, daß in Ost=Worcestershire und Süd=Staffordshire am 16. Juni 16 000 Kohlengrubenarbeiter gegen eine Herabsetzung ihrer Löhne strikten.— In Bradford striken gegenwärtig 5000 Kammgarnspinner behufs Erzielung einer Lohnerhöhung.— In Budapest wurden am 14. Juni die strikenden Schmiede von der Polizei aufgefordert die Stadt zu verlassen, falls dieselben binnen 24 Stunden einen Erwerb nicht nachweisen könnten. 15 Gesellen verließen hierauf die Hauptstadt, während 35 Strikende anderweite Beschäftigung fanden. In Turin haben die Kutscher die Ausstellungszeit zur Inscenirung eines Strikes benutzt und höhere Löhne verlangt.— Bei dem Strike der Schnitter in den Provinzen Rovigo(Italien) schritt das Militär ein. Einige Personen sind hierbei verwundet worden.— Auch in den Provinzen Padua und Mantua sind Strikes von Schnittern eingetreten. Die Zahl der Strikenden beträgt gegen 10 000; 27 Verhaftungen sind vorgekommen. Lebens und darum wirkte seine Kunst sittlich erhebend und veredelnd. In den letzten Jahren mußte Richter infolge eines Augenleidens seine künstlerische Beschäftigung aufgeben. Er verschied sanft an einem Herzleiden. Der Verstorbene bezog vom Kaiser seit mehreren Jahren eine Jahrespension von 3000 M. Nr. 14 ** [Eisbedarf.] Vor kurzem teilten wir mit, daß infolge des milden Winters, der es in Deutschland unmöglich gemacht hat, den Eisbedarf für den Sommer von den eigenen Gewässern zu gewinnen, in diesem Frühjahr die Einfuhr von Eis aus Norwegen und Schweden über Stettin eine sehr umfangreiche gewesen ist. Das Gleiche wird auch aus anderen Hafenplätzen an der Ostsee gemeldet. So gingen in den Monaten Februar bis April über Stralsund 28209 Doppelcentner Eis aus Norwegen ein und die Einfuhr über diesen Platz hatte damit noch nicht ihren Abschluß gefunden. ** Klapperschlangen als Damengürtel, das ist die allerneueste Mode, vorläufig noch nicht bei sondern in dem extravaganten Amerika. Vermischtes. " Karlsruhe, 15. Juni.(Unschuldig verurteilt.] Die„Bad..=.“ erzählt einen trostlosen Fall von der Verurteilung eines Unschuldigen. Er betrifft den jungen Musiker August Stadler von Karlsruhe, der auf die anscheinend zutreffende Aussage eines 11jährigen Mädchens wegen eines Sittenverbrechens zu einer Zuchthaus. strafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden war. Erst in der Christenlehre erkannte das Mädchen, das allem Anschein nach den Verdacht von sich selbst hatte ablenken wollen, die ganze Größe seiner Verschuldung. Allein jetzt war es zu spät; der Unglückliche war inzwischen nach Verbüßung des größeren Teiles seiner Strafe im Zuchthaus gestorben. Die vom Landgericht nachträglich ausgesprochene Freisprechung wurde nur noch einem Toten zuteil. [Ludwig Richter.] In Loschwitz bei Dresden ist der Maler und Illustrator Ludwig Richter gestorben. Es war deutsche Kunst, die Richter pflegte: bescheiden, keusch und gemütsvoll. Er schöpfte aus der Gemütstiefe des deutschen uns, Wenn nur die amerikanische Närrin, die sich das erste Schlangenfell um den Leib wand, sich hierzu irgend eine der zahlreichen buntschillernden Arten dieser Reptiliengattung ausgewählt hätte, nicht aber die häßliche aschgraue, unregelmäßig schwarzgefleckte Klapperschlange! Die Entstehung der Schlangenmode wird von einem englischen Blatte also erzählt: Bei einer ländlichen Picknickpartie schleuderte eine Lady mit einem Freunde abseits von den andern stillen Pfaden durch den Wald. Da erblickte sie eine schlafende Klapperschlange. Statt, wie Tausende ihrer Schwestern gethan hätten, mit einem Schrei des Entsetzens die Flucht zu ergreifen, nahm die mutige Lady den Bergstock, den sie mit sich trug, und tötete mit einigen wuchtigen Schlägen aufs Haupt das giftgeschwollene Reptil. Im Triumpf wurde dann die seltene Jagdbeute zur Gesellschaft gebracht und im muntern Gespräch dem Gemahl der Lady das Versprechen abgerungen, die Haut des Ungetüms in zierliche Spangen fassen zu lassen und seiner Gattin als Gürtel zu verehren. Die Geschichte wurde erst in engern, dann in weitern Kreisen bekannt und bald war ein Klapperschlangengürtel der Gegenstand heftigster Sehnsucht für zahllose andere Damen. Seitdem ist die Jagd auf Klapperschlangen ein einträgliches Geschäft geworden auf der westlichen Halbkugel; und wie eine Narrheit die andere erzeugt, wird jetzt nicht blos die Haut als Gürtel, sondern werden auch die Klappern— als Ohrringe getragen. Nicht zu übersehen! Einem geehrten Publikum teile ich hierdurch mit, daß mein Schüler-Concert nicht am 26. d.., sondern am 10. Juli stattfindet, da ich plötzlich erkrankt bin. F. Große, Musiklehrer. Lotterie .Deutschen Kriegerbundes, Berlin. Hauptg. 10000 7584 Gew. u. 100000 M. Ziehg. unwiderruflich 16. Julier. 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Karten im Vorverkauf: Sperrsitz à M. 1,50 und II. Rang M. 1,— sind bis Sonntag den 29. Juni, nachm. 4. Uhr, in den dortigen Buchhandlungen und Restaurationen, bei Herrn Schrott und den Mitgliedern der Lehrer=Witwenund Waisenkasse des Stadt= und Landkreises Bochum zu haben. Kassapreis 2 M. resp. 1,50 M.— Textbücher sind an der Kasse zu haben. 16—.41628 Entree zu der an demselben Tage, vorm. 11 Uhr staltsindenden General-Probe 1 M. Der Reinertrag ist zum Besten der Lehrer=Witwen= u. Waisenkasse d. Stadt=u Landkreises Bochum bestimmt. Das Comitee. GeflügelAussleuung. Mit dem am 5. Juli stattfindenden; landwirtschaftlichen Feste wird eine Ausstellung von Bühnern, Gänsen, Enten und Tauben verbunden und sind hierfür 14 Prämien, welche jedoch nur Vereinsmitglieder erhalten können, ausgesetzt. Die auszustellenden Tiere können vom 4. Juli, mittags 4 Uhr ab, auf dem Schützenhofe eingeliefert werden. Für die Verlosung sollen eine Anzahl Stämme angekauft werden und ersuchen wir zugleich um billigste Preisangabe. Für gute Wartung und Pflege der Tiere wird gesorgt. Bochum, den 19. Juni 1884. Das Special-Comité: Wilh. Mummenhoff. Justizrat Duesberg. J. Hartmann. August Strätling. Trunksucht Stadium beseitigt sicher, auch ohne Vorwissen, unter Garantie Th. Konetzky, Berlin, Brunnenstr. 53, Erfinder der Radicalcuren u. Specialist f. Trunksucht=Leidende amtl. beglauhigte Danksagungsschreiben gratis. Nachahm. beachte man nicht, da solche nur Schwindel treiben. Anpreisunentg. Curen sind d. Schwindelh. Fahrplan vom 20. Mai 1884 ab. 10 520 .34 .05 Treffe Samstag, den 28. Juni., mit einer großen Partie schöner Eidenburger Faselschweine ein Wiederverkäufer erhalten Rebatt. Von Gelsenkirchen nach Wanne .46.43 10,36 2,08 4,19 5,43 8,52 1,19[Wanne Abf. nach Münster 6,05 10,53 2,19 5,52 10,04 1,39.] Von Gelsenkirchen nach Deutz=Köln 5,34.12.49 11,30 12,32 2,22 5,02 8,35. Von Wanne nach Dortmund 8,56 10,51 4,30 9,03.52.45 [Herne Abf. 9,05 11,01 .13 1,56.] Von Gelsenkirchen nach Essen 6,44.13 11,40.50 (.17 nur bis Kran) 7,24 (5,34 nur bis Langendreei) svon Kray nach Dortmund 6,58.56 12,02.45 5,39 8,17(11,37 nur bis Bochum)]. Von Bochum nach Ueckendorf=Wattenscheid 5,30.05 11,41 1,46 .30 7,20 10,45.02 svon Ueckendorf=W. nach Kray Essen 5,43.55.21 11,54 1,59 3,43 7,30 9,15. Von Dahlbusch nach Essen 5,25 6,49 8,18 11,45 1,55 3,39 (5,22 bis Kray) 7,29 9,10. Von Dahlbusch nach Gelsenkirchen 5,58 7,31 9,05 12,15 4,01 2,53 5,49 8,28 11,45. Von Essen nach Gelsenkirchen(rhein.) 5,25 6,49.47 11,53 2,36 5,30 8,08 11,28. Von Essen nach Gelsenkirchen (Köln=Minden) 5,20 8,15 10,00 1,40 3,50 5,15 8,20 9,20. Von Herne nach Deutz=Köln 5,39 8,28 11,09 1,59 8,13[Wanne Abf. 5,26, 559 6,02 11,19 12,23 2,10 4,54 (11,04 nur bis Duisburg)]. Von Schalke nach Wanne 5,52 10,38 4,39.40. Von Schalke nach Sterkrade 5,53 .23 2,29 8,04. Von Wanne nach Schalke 5,40 9,15 2,20 7,55. Von Wanne nach Ueckendorf=Wattenscheid=Bochum 5,27 8,40 12,30 3,55 5,29 8,00 10,07. Von Ueckendorf=Wattenscheid nach Wanne 5,47 10,30 2,01 5,05 7,35 9,18 1,07. Von Ueckendorf=Wattenscheid nach Dortmund 7,05 9,03 12,09 .52 5,46.24(von Ueckendorf=Wattenscheid nach Bochum von Wanne kommend 5,42 12.50 11,10.) Von Schalke nach BismarckWinterswyk 8,28 2,33 6,20 9,09. Von Schalke nach Essen 6,58.20 1,17 735. Von Essen nach Schalke 8,07 2,14 5,52 8,48. 8 .39 .24 Geumann, Gehinniichen, Hochameeste. Von Herne nach Bochum 7,10 1,12 7,35. Von Bochum nach Herne 6,40 12.21 627. 93 — 65 G 0 Die„nscher heitung“ Beilage:„Illustrirtes Raum 15 Vf., Reklon Allgemeines C * Theor herr Bamberge vom 14. Juni, um Zuhörer und Leser in seinen Auseinand finden, daß er die 0 doctrinären Gesicht Sein Verspreche gehalten, daß mar ein vollständiges S# theoretischen Betra zwar an sich noch aber ist es, wen seinen Angriff stützt Das gilt in gleich kunststücken des Her Vorlage zu Leibe Leistungen dieser be Herr Bamberg schreiende Verschle wenn man jährlick tung von Oostda Australien und der bestehenden, von Gegenden unterhalt dürfnissen Deutschl. weil ferner die Sch beiden privaten, zie Dampferlinien zu 1 dafür sind, daß nach einem lebha jenen überseeischen größeres Vergnüger als die Dostflagge Millionen Mark weil neue Dampfe künstlich schaffen kö Schiff nicht nach Dampferlinien nich nicht subventionirt beeinträchtigt würd Weise beförderte 2 Und nun noch eini verwirft die Vorlag ist, ferner weil de in keinem Verhältr die Steuerzahler da weil das Geld sick Oostbeamten verwe So sprechen und Autoritäten d Dingen, die— wird soeben der General=Oostdirecte ten, sondern th der von Frank zwecke jährlich francs(gleich 21 Verselbe, enthält gende Widerlegung schwebenden, durch theoretischen Beha Die Natur, es sei Kraft, bleibt allzeit d Gottes über uns. 10) Novelle aus den sch 903 Madeleine erble „Mich begleiten den Wegen der Ba nicht gesehen sein, ich den kurzen Weg zurücklege. Meine reichender Schutz fl „Fürchten Sie über die Landstraß belästigt zu werden „Ich kann das 1 männlichen Schutz wenigstens einem d Geleit geben zu dü „Majestät,“ einmal muß ich bei Wegen, die ich oft stunde unternahm, als meine Kammer zumal gönnen Nach den Anstreug ermüdet sein.“ Ein Blick auf der Cavaliere und das Antlitz des Kb glaube