Nr. 10. Gelenkuchen Mantag den d. Blck. 1499. Id. Seingne. Prrrcrei. Die„Emscher Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Somn= und hohen Feiertage. Wochen=Beilage:„Illustrirtes Emscher Sonntagsblatt“. Insertionspreis: Die Petit= Zeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen 40 Pf. Verantwortlicher Redacteur F. Dienst in Gelsenkirchen. verbunden mit dem Amt Herner Tage Blatt. (Früher: Der Reichsfreund.) Sincere et constanter. Adonnementspreis: Mark.50 viertelfsährlich im Vorans. Man abonntri außer bei der Expedition in Gelsenkirchen, Marktstraße 18, bei allen Reichspostanstalten und bei den Filial=Expeditionen: Rud. Eick, Herne; W. Walbeck, Wanne; W. Pötter, Wattenscheid. Druck und Verlag von F. Dienst in Seisenkirchen. Algemeines Grgan für die Stadt Selsenbirchen, die Jemter Schalte, Jechendorf, Warne und Herre.— Inzeigeblatt für Gerichts=, Civil=Verwaltungs= und Militär=Gehörden Ein französisches Urteil über die Concurrenz Deutschlands. Unter diesen Titel hat ein in Frankreich geschätzter Volkswirt, Thierry=Miey einen längeren Aufsatz veröffentlicht, der wegen seiner nahen Beziehung zu einem vielbesprochenen französischen Tagesinteresse einiges Aufsehen erregt hat. Unter Weglassung der Abschnitte, in denen die französisischen Tagesinteresse einiges Aufsehen erregt hat. Unter Weglassung der Abschnitte, in denen die französischen Industriellen darüber belehrt werden, daß das zu einem gefährlichen Mitbewerber auf dem Weltmarkt gewordene deutsche Gewerbe nicht von gestern stammt, daß Augsburg und die Hansestädte bereits im Mittelalter als Handelsemporien berühmt gewesen sind, daß die Neublüte des deutschen Wirtschaftslebens von der Begründung des Zollvereins herrühre u. s. w. lassen wir einige der bemerkenswertesten Mitteilungen des französischen Oeconomisten im Auszuge folgen. Lange vor dem letzten Kriege wurde ein wichtiger Teil des französischen Handels durch in Paris etablirte deutsche Commissäre besorgt, welche den Verkehr zwischen den französischen Fabrikanten und den hamburgischen Ausfuhrfirmen besorgten; ebenso waren die meisten und die thätigsten Exporthäuser Bordeauxs, Havres, Marseilles u. s. w. in den Händen von Schweizern und von Deutschen— sehr häufig solchen, die sich hatten naturalisiren lassen. Dank dem hohen Stande des deutschen Schul= und Bildungswesens konnten alljährlich zahlreiche gut vorbereitete junge Deutsche nach Frankreich kommen, wo sie wegen ihrer solideren Kenntnisse, besserer Bildung und wegen ihres größeren Ernstes vielfach vor den Einheimischen bevorzugt und in gute Stellung gebracht wurden. Ist es in Frankreich doch seit lange üblich, vornehmlich verdorbene Gymnasiasten(wörtlich: trockne Früchte der classischen Bildung) in die Comptoire zu stecken... Diese jungen Deutschen, die als Kassirer, Buchhalter, oft auch als Fabrikbeamte und bloße Handwerker vorwärts kamen, wären ohne den Krieg wahrscheinlich in Frankreich geblieben, um daselbst eigene Geschäfte zu begründen. Unter dem Eindruck, in Frankreich unbeliebt zu sein, sind sie im Jahre 1870 auf Nimmerwiederkehr in ihre Heimath gegangen, um sich in dieser selbständig niederzulassen und lieber dem Vaterlande als der Fremde zu dienen. Auf den Aufschwung von Handel und Industrie Deutschlands hat das den größten Einfluß geübt. In Frankreich bildet man sich noch gegenwärtig ein, die Deutschen verkauften ihre Erzeugnisse unter französischer Firma in das Ausland. In Wahrheit zieht man in manchen Ländern, z. B. in Italien, Spanien und Amerika die deutsche Waare bereits vielfach der französischen vor. Wir(die Franzosen) bildeten uns ein, allenthalben beliebt zu sein, weil wir vielfach gefürchtet waren; seit unseren Unglücksfällen hat auch das aufgehört 2c. Seitdem beginnen die Deutschen uns zu überflügeln. Während der französische Geschäftsmann seine Kunden und Abnehmer in Paris erwartet, um ihm seinen Geschmack und seine Muster aufzudrängen, reist der Deutsche allenthalben umher, um sich die Kunden zu suchen. Er spricht ihre Sprachen und studirt ihren Geschmack, er weiß sich demselben anzupassen, ja den gehegten Wünschen zuvorzukommen... Die Hauptsache ist, daß der Deutsche nichts dem Zufall überläßt und daß er die Dinge, denen er sich widmen will, zuvor eifrig studirt. Bevor er ein Land bereist, sucht er sich dessen Sprache anzueignen, seine Sitten und seine Geschichte kennen zu lernen. Außerdem giebt es in Deutschland und in der Schweiz sehr zahlreiche Fachschulen, in denen alle möglichen Dinge gründlich gelernt werden können, rüchsichtlich deren der Franzose sich auf seinen Geschmack und seine angeborene Geschicklichkeit verlassen muß. Zu dieser theoretischen Ausbildung kommen bei sehr vielen Deutschen Zähigkeit, Energie und eine durch angeborene Reiselust und vielfache Praxis begünstigte Reise=Routine.... Nach einer längeren Ausführung darüber, daß Deutschland keine Colonien habe, solche aber auch kaum brauche, weil die Deutschen„ganz Europa“ colonisirten und dasselbe dereinst vollständig in Anspruch nehmen zu wollen schienen, heißt es dann weiter: Seit Herstellung des Gotthard=Tunnels wimmelt Italien von Deutschen und ist die Ziffer daselbst etablirter deutscher Häuser kaum mehr zu zählen. Sie machen kein Hehl daraus, daß sie den Franzosen das Feld abgewinnen wollen und obgleich französische Waaren zur Zeit noch bevorzugt werden, sind deutsche Artikel doch schon vielfach eingeführt worden. Mit den gemachten Versuchen sind die italienischen Käufer im Ganzen zufrieden, die niedrigen deutschen Preise locken au und von Jahr zu Jahr gewinnt das deutsche Geschäft au Umfang. Je größer der Umsatz desto mehr vermindern sich die allgemeinen Betriebskosten, desto billiger können die Waaren gestellt werden 2c. Der Artikel Thierry=Miey's schließt mit einem Mahnruf an die französischen Gewerbsleute, ihre Austreugungen zu verdoppeln und vor allem der Sache der Verbreitung technischer Bildung größere Opfer zu bringen.— Auf die Lehren, welche sich aus diesen Ausführungen für uns ziehen lassen, werden wir zurückzukommen Gelegenheit haben. Arbeiterversammlungen angesetzt, die aber größtenteils schon vor der Eröffnung polizeilich verboten wurden. + Die Strikes in Berlin dauern fort, aber sind offenbar im Niedergange begriffen. Zu Anfang dieser Woche waren von 5400 Tischlergesellen, welche die Arbeit niedergelegt hatten, 3700, denen ihre Forderungen bewilligt worden, zur Arbeit zurückgekehrt, so daß noch 1700 Mann im Strike lagen. Aber auch diese Zahl wird sich im Laufe der Woche voraussichtlich erheblich verringern. In der Frister und Roßmann'schen Fabrik sind am Montag über 400 Mann wieder zur Arbeit angetreten. Auf Sonntag war eine große Zahl von Der„Dziennik poznanski“ richtet in einem„Die Methode der Action“ betitelten Artikel an Oesterreich verschiedene Warnungen vor dem Annexionsgelüste Deutschlands. Dazu bemerkt die„Nord. Allg. Ztg.“: Es ist den Polen nicht geglückt, das so heiß ersehnte Ziel zu erreichen, Rußland und Deutschland miteinander zu verfeinden; die Hoffnung auf einen Krieg zwischen den beiden Großmächten, an dem Polen sich als tertius erfreuen könnte, ist geschwunden, und nun sucht man im polnischen Lager nach Chancen in einer anderen Richtung; man bemüht sich, zwischen Deutschland und Oesterreich Mißtrauen zu erwecken. Die Mittel, mit denen dieser Versuch ausgeführt wird, können allerdings nur comisch wirken; zur Kennzeichnung der Art und Weise, in welcher Deutschland seine Anexionsplätze einleite, wird Bezug genommen auf einen Artikel— des„Berliner Tageblatts“. Wenn es gerade in den Kram paßt, so wird auch das Leibblatt der Opposition zu einem offiziösen Organ gestempelt.— Dieser neueste polnische Verhetzungsversuch ist auch für die Characteristik des Centrums von Wert. Die Herren Windthorst, v. Schorlemer und ihre Gefolgschaft sind in letzter Zeit mit großem Eifer für jeden Antrag eingetreten, den die Polen im Reichstage oder im Abgeordnetenhause gestellt haben. Sie werden sich nicht beklagen dürfen, wenn man sie nach dem Satze beurteilt: Nenne mir Deine Freunde und ich werde Dir sagen, per Du bst. 1s Deutscher Neichstag. 22. Plenarsitzung vom 2. Mai 1884. Der Reichstag beschäftigt sich zunächst mit Wahlprüfungen. Die Commission beantragt Gültigkeitserklärung der Wahl des Abg. Cronemeyer. Abg. Hasenelever stellt für die nächste Session einen Antrag in Aussicht, wonach Abgeordnete, deren Wahl in der Commission beanstandet worden, an den Abstimmungen nicht mehr Teil nehmen dürfen. Redner verweist u. a. darguf, daß in den nächsten Tagen eine hochwichtige Abstimmung bevorstehe(Socialistengesetz) und daß noch heute nicht weniger als 6 Wahlbeanstandungen des Beschlusses des Hauses harren. Abg. Möller bedauert ebenfalls, daß so kurz vor Sessionsbeschluß noch über Wahlprüfungsberichten zu beschließen sei: Es liege das an der überaus großen Schwerfälligkeit des Wahlprüfungsverfahrens. Der Reichstag müsse sich direct an die betreffenden Behörden zu wenden in der Lage sein, nur von dieser das gewünschte Actenmaterial — und nicht erst auf dem Umwege über den Reichskanzler einzufordern. Abg. v. MaltzahnGülz entgegnet, daß diese Vorschläge im Widerspruch zur Verfassung stehen. Abg. Wölfel (freis.) ist gegen den Möller'schen Vorschlag und empfiehlt Wahlprüfungen an die erste Stelle der T. O. zu setzen. Abg. v. Heeremann nimmt die Wahlprüfungscommission gegen die erhobenen Vorwürfe in Schutz, worauf die Wahl des Abg. Cronemeyer für gültig erklärt wird, ebenso die Wahl des Abg. Glagowski. Es folgt die Beratung der Kaiserlichen Verordnung, betr. die Zollermäßigungen in den Tarifen A zu den deutsch= italienischen und den deutsch=spanischen Handels= und Schifffahrtsvertrage vom 20. October 1883 fragt nach dem Stande der Verhandlungen mit Griechenland über Abschluß eines HandelsVertrages. Minister v. Bötticher erwidert, bei dem Stande der schwebenden Verhandlungen könne er eine detailirte Auskunft nicht erteilen. Es sei Hoffnung auf sehr baldiges Zustandekommen des Vertrages vorhanden. Es folgt die dritte Lesung des Gesetz=Entwurfs über Anfertigung und Verzollung von Zündhölzern. Abg. Barth spricht nochmals gegen die Zollerhöhung. Bundescommissar Burchard tritt der Auffassung entgegen, daß die Zollerhöhung den ausländischen Producenten von Weißphosphorhölzern zu verstärkter Production anreizen werde. Die heimische Production sei notorisch größer als der Verbrauch, und wo das der Fall sei,— beispielsweise auch bei der ZuckerProduction— wirke der Zoll nicht im Sinne einer weiteren Steigerung der heimischen Production, sondern bewirke vielmehr nur eine Verringerung des Imports. Die Bestimmung über die Zollerhöhung wird im Hammelsprung mit 118 gegen 96 Stimmen angenommen und damit das ganze Gesetz. Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Lesung des Gesetz=Entwurfs über den Feingehalt der Gold= und Silberwaren. Abg. Lenzmann ist gegen das Gesetz überhaupt: die ganze Sache sei noch nicht spruchreif, der mittlere und kleinere Betrieb, der Handwerksbetrieb empfinde schwer die Molesten, welche ihm die Bestimmungen dieses Gesetzentwurfs bereiten, wodurch die Vorteile, welche die Garantie eines bestimmten Feingehalts offenbar gewährt, reichlich aufgewogen würden. Das Gesetz unterscheide zwischen„Geräten“. und„Schmucksachen", wie schwer die Grenze zu finden liege auf der Hand. Abg. Frohme(soc.dem.) ist für die Vorlage und vindivirt dem Staate das Recht wirtschaftliche Verhältnisse zu regeln, wobei seine Partei der Regierung stets behülflich sein werde. Mehr als durch Hebung der Arbeitsgeschicklichkeit werde durch die Solidität in der Industrie den Arbeitern geholfen. Reg.=Com. Bödicker bestreitet, daß in Interessentenkreisen ein diametraler Gegensatz zur Vorlage bestehe und daß diese den Character eines Polizeigesetzes habe. Abgg. Schläger und Lingens befürworten das Gesetz. Die ersten Paragraphe werden fast einstimmig angenommen. Nach§ 3 b der Commission sollen Schmucksachen in jedem Feingehalt gestempelt werden dürfen. Die Abgg. v. Göler, Haerbe, Reiniger und Stölpel beantragen, daß die Schmucksachen und bei einem bestimmten Feingehalt(bei goldenen von 330 Tausendteilen an, bei silbernen von 660 an) gestempelt werden dürfen. 60 Chrlos. Hamburgischer Roman von F. Klinck. Elftes Capitel. Jan van der Houte. Dämmerung und Stille lagerten sich in den Räumen, wo sonst die angestrengteste Thätigkeit herrschte. In dem kleinen Stübchen des Vorderhauses, mit der Aussicht auf eine enge, dunkle Straße, wo endloses Rädergerassel und Rufe den Tag über jedes Wort unverständlich machten, saß Christian Marveldt, der Einhüter in dem Geschäftshause der Firma Johannes Winkelmann, mit seiner jungen Frau. Beide waren seit einem Jahre verheiratet und, wenigstens die kleine, hübsche Frau, blutjung. Auf ihrem Schoße lag ein prächtiger Junge und Christian stand mit überglücklichem Gesicht vor ihr, um in dem Antlitz des Kindes die blauen Augen seines jungen Weibes wieder zu sehen. Es war ein stilles, bescheidenes und doch so unendliches Glück, das die blankgeputzte Lampe in diesem engen Raum beschien. Christian hatte sein reichliches Auskommen und wenn es auch viele Arbeit gab, so fand man ihn doch jederzeit fröhlich und guter Laune; er freute sich der wenigen Stunden, die er im Kreise seiner kleinen Familie zubringen konnte. „Hörtest Du nichts, Christian?“ fragte plötzlich Frau Marveldt.„Mir ist es, als hätte ich einen Schritt gehört.“ „Es kann nicht sein, Lina, die Thür ist verschlossen, ich habe alles versichert.“ Sie verharrten einige Augenblicke schweigend. Alles blieb still. Da— war es nicht, als ob eine Thür ins Schloß gefallen wäre? Die junge Frau schrak zusammen. „Ja, Du hast Recht, es ist noch jemand im Hause, Lina." flüsterte Christian eifrig,„ich will einmal nachsehen.“ Er näherte sich der Thür. „Nimm doch Licht,“ mahnte die junge Frau. „Ach was!“ meinte der junge Mann leichthin. „Es ist noch nicht einmal dunkel und im Hinterhause auf der Treppe brennt noch die Lampe. Es ist gut, daß ich daran erinnert werde. Herr Winkelmann verzeiht eine solche Nachlässigkeit nicht leicht.“ „Wenn nun aber ein Dieb oder Einbrecher—“ „Pah, die wagen sich hier nicht herein. Sei unbesorgt, mein Schatz. In wenigen Augenblicken bin ich wieder da.“ Mit raschen, aber leisen Schritten verließ der Mann das Gemach. Mit hochklopfendem Herzen blieb die junge Frau zurück. Zu Ewigkeiten wurden ihr die Minuten. Atemlos lauschte sie, aber kein Laut ließ sich vom Hinterhause her vernehmen. Die Angst schnürte ihr die Brust zusammen. Zitternd kniete sie neben der Wiege ihres Kindes. Da plötzlich ein leiser Schritt, starr hafteten ihre Augen auf der Thür. Im nächsten Moment wurde geöffnet und mit geisterbleichem Antlitz und schlotternden Knieen taumelte Christian herein. Die Frau sprang auf. Ein Schrei wollte sich ihren Lippen entringen, aber er bedeutete ihr Schweigen. „Still, still,“ flüsterte er bebend,„ein Mord ist verübt!“ Die junge Frau schrie nicht auf bei den entsetzlichen Worten ihres Mannes; die Größe einer unbekannten Gefahr gab ihr den verlorenen Mut zurück. Sie trat dicht an ihn heran. „Christian, was ist geschehen? Sage mir alles!“ flüsterte sie. „Ein Mord ist verübt, Lina. Er hat den alten Mann im Hinterhause ermordet.“ Sie sah ihn mit wirrem Ausdruck an, nun hatte das Entsetzen auch ihre Stimme gelähmt. „Wer?“ fragte sie endlich tonlos. Er beugte sich dicht zu ihr. „Johannes Winkelmann.“ Eine Pause trat ein, eine bange, unheimliche Pause, nur von den tiefen Atemzügen der beiden Menschen unterbrochen. Die Frau gewann zuerst ihre Fassung wieder. „Erzähle, Christian! Ich ertrage diese Ungewißheit nicht. Du hast alles gesehen? Wo ist er— der Mörder?“ Die Ruhe seiner jungen Frau brachte auch den starken Mann wieder zur vollen Besinnung. „Er ist fortgegangen, Lina, und ich habe die Sicherheitskette vorgelegt, aber er könnte Helfershelfer im Hause haben, obgleich ich es schwerlich glaube. Wir müssen auf unserer Hut sein.“ „Wo ist der Ermordete?“ Die junge Frau sah so bleich aus, wie ein Gespenst; ihre sonst rosigen Lippen waren in diesem Augenblick bläulich gefärbt. Sir hatte doch wieder die Frage kaum über ihre Lippen bringen können. „Im Keller! Als ich hier aus der Thür trat, sah ich den Herrn sich gerade vom Eingange nach rechts wenden, der Treppe zu. Im ersten Augenblick wollte ich umkehren, als ich mich noch des Treppenlichtes erinnerte und daran dachte, daß ich mir vielleicht noch einen Verweis ersparen könne. Ich eilte hin und löschte das Licht; es es war mir, als ob ich oben laute Stimmen höre. Ich lauschte; es schien, als ob jemand zu Boden stürzte, dann war alles still. Seltsame Gedanken stürmten auf mich ein, ich hatte aber gleich die Ueberzeugung, daß etwas Furchtbares geschehen sein müsse. Ich zündete das Licht wieder an, denn mir fiel ein, daß Herr Winkelmann nichts davon ahnen dürfe, daß Jemand da gewesen sei, aber ich wagte es nicht mehr, mich.von der Stelle zu rühren. Oben erschollen Männerschritte; es kam Jemand leise die Treppe herunter, ging aber bald wieder hinauf und— und— o, Gott, Lina, ich glaube, ich werde nie im Leben den schrecklichen Anblick wieder vergessen— dann kam er mit dem alten Herrn auf der Schulter die Treppe herunter, er brauchte nur einen Blick zur Seite zu werfen und er würde mich gesehen haben!“ Abermals war eine Pause eingetreten. Beide waren von Grauen und Entsetzen vollständig überwältigt. Abg. Göler begründet diesen Antrag mit der Zweckmäßigkeit, auch für die Schmucksachen, gleich wie für die Geräte, einen Unterschied zwischen feinerer und minder feiner Ware zu schaffen. Dieser Antrag wird in Fassung der Commission angenommen.§ 7 enthält die Strafbestimmungen. Nach der Vorlage soll bestraft werden„wer Goldoder Silberwaren, welche mit einer Angabe des Feingehaltes nicht versehen sein dürfen, mit einer solchen Angabe versieht.“ Abg. Lenzmann beantragt statt„welche" zu sagen„von denen er weiß,„daß sie." Der Paragraph wird unverändert angenommen. Damit ist dieser Gegenstand erledigt. Der Präsident setzt die nächste Sitzung auf Donnerstag mit der Tagesordnung: Socialistengesetz an. Abg. Dr. Windthorst wünscht, daß morgen zur Erledigung von Initiativanträgen noch eine Sitzung stattfinde. Nach längerer Debatte, in welcher sich Abgg. Ackermann und RichterHagen für den Vorschlag des Präsidenten aussprachen, bleibt es bei demselben. Landtag. 80. Sitzung des Abgeordnetenhauses. 88 Berlin, 2. Mai. Das Abgeordnetenhaus setzt die zweite * L e s u n g d e s C o m m u n a l s t e u e r= N o t h g e s e t z Entwurfs fort.§ 5 bestimmt: Die gesamten Staats= und für Rechnung des Staats verwalteten Eisenbahnen sind als eine abgabepflichtige Unternehmung anzusehen. Als Reineinkommen gilt der rechnungsmäßige Ueberschuß der Einnahmen über die ordentlichen Ausgaben(mit Ausnahme derjenigen für Renten, Zinsen und Amortisationen, welche an die Actionäre und Obligationeninhaber der für Rechnung des Staats verwalteten Eisenbahnen gezahlt sind), mit der Maßgabe, daß unter die Ausgaben eine 3½ prozentige Verzinsung der Anlagen bezw. Erwerbskapitals nach der amtlichen Statistik der im Betriebe befindlichen Eisenbahnen zu übernehmen ist. Der sich danach ergebende abgabepflichtige Gesamtbetrag ist durch Resolut des Ressortministers alljährlich entgültig festzustellen und öffentlich bekannt zu machen.“ Die vorstehend in Paranthese gesetzten Worte sind von der Commission vorgeschlagen. Abg. Dr. Hammacher beantragt, statt 3½ procentige zu sagen 3 procentige. Reg.=Com. Gleim bittet um Streichung der von der Commission hinzugefügten Worte. Abg. Hammacher befürwortet Beibehaltung derselben, sowie seinen Antrag im Interesse der Gemeinden, die so gut wie nichts erhalten würden, wenn 3½ pCt. des Erwerbscapitals abgezogen würden. Reg.=Com. Gleim: Der Satz von 3½ pCt. beruhe auf eingehenden Erwägungen der Regierung. Eigentlich sei die Regierung berechtigt, 4 pCt. des Erwerbscapitals in Abzug zu bringen. Jedes Heruntergehen unter diesen Satz stelle eine Begünstigung der Gemeinden dar, zu welcher man im Interesse des Staats nicht ohne zwingendste Gründe schreiten dürfe. Dr. Hammacher habe nur an das Actiencapital gedacht, das doch den geringeren Teil des gesamten Anlagecapitals bilde. Der Abzug von 3½ pCt. erstrecke sich aber auf das gesamte Anlagecapital; also auch auf die Prioritäts=Obligationen, obwohl der Staat für diese im allgemeinen 4 pCt., also noch ½ pCt. über 3½ pCt. hinaus Zinsen zu bezahlen habe. Eine subtile Berechnung habe dargestellt, daß für den Bereich der ganzen Monarchie die Communen bei einem Abzug von 3½ pCt. das Erwerbscapital als„Ausgaben“ nicht zu kurz komme. Minister v. Scholz erklärt, er habe als Finanzminister überhaupt nur mit schwerem Herzen diesem Punkt der Vorlage, bei dem der Staat den Communen weitgehende Concessionen mache, zugestimmt und auch nur, weil es sich um ein Notgesetz handle. Die 3½ pCt. seien das Aeußerste, was die Regierung zugestehen könne. Weiter bekämpft der Minister vornehmlich die von der Commission beschlossene Einfügung des Wortes „ordentlichen". Bleibe dasselbe stehen, so würde die Staatsbahnverwaltung bei jeder Ausgabe immer erst bei der Etatsaufstellung in Betracht ziehen müssen, daß jeden Posten, den sie in das Ordinarium einstelle, die Steuer zugunsten der Commune erhöhe, dagegen bei Einstellung in das Extraordinarium erniedrige. Abg. Schmidt=Sagan bekämpft den Hammacher'schen Antrag. Die Gemeinden seien sich bewußt gewesen, daß sie ein dauerndes Recht auf die früheren Bezüge nicht haben. Abg. Büchtemann befürwortet den Hammacher'schen Antrag, wandte sich aber gegen den Hammacher'schen Standpunkt, als müsse der Staat im Interesse der Verkehrsinteressen gänzlich auf die Rentabilität eines Eisenbahnwesens verzichten. Abg. Dr. Wagner beantragt gänzliche Wiederherstellung der Regierungs=Vorlage, also Streichung der Worte„ordentlichen" und von „mit Ausnahme" bis„gezahlt sind.“ Abg. Schmieding spricht für den Hammacher'schen Antrag, welcher schließlich gegen die Stimmen der Freisinnigen und eines Teils der Nationalliberalen abgelehnt wird, während der conservative Antrag, die Regierungsvorlage pure wiederherzustellen, Annahme findet. Abgelehnt wird endlich ein Antrag Hammacher, folgende Bestimmungen des§ 6 neu einzuschalten:„Es wird den abgabeberechtigten Gemeinden anheimgestellt, mit den nach§ 1 Abgabepflichtigen im voraus ein Abkommen über die Höhe der jährlichen Abgabe zu treffen. Ein solches Abkommen darf jedoch jedesmal nicht für einen längeren als einen dreijährigen Zeitraum getroffen werden und unterliegt der Genehmigung der staatlichen Gemeindeaufsichtsbehörde.— Die Beratung wird morgen festgesetzt. 8* Ferlin, 4. Mai. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Beratung des Communal= steuer= Notgesetzes fort. Die Verteilung des Eisenbahn=Reineinkommens zu Steuerzwecken erfolgte jetzt nach der Bruttoeinnahme der einzelnen Stationen. Nach der Vorlage soll an die Stelle dieses Modus die Verteilung nach den Ausgaben der Stationen an Gehältern und Löhnen einschließlich der Tantiemen des Verwaltungs= und und Betriebspersonals treten. Abg. Dr. Hammacher beantragt, es beim Alten zu belassen oder doch wenigstens das Mittel zwischen dem bisherigen und dem von der Regierung vorgeschlagenen neuen Verfahren zu ziehen(also zur Hälfte nach der Bruttoeinnahme, zur Hälfte nach den Ausgaben der Stationen die Verteilung vorzunehmen). Vonseiten der Regierung sprachen Unterstaatssecretär v. Herrfurth u. Geh. Ober=Finanzrat Gleim gegen die Anträge. Namennachtrag: die Verteilung nach der Bruttoeinnahme sei schon heute nicht mehr durchführbar; außerdem bringe sie eine ungerechte Begünstigung einzelner Gemeinden mit sich. Für den Hammacher'schen Eventualantrag sprachen die Abgg. Büchtemann, Bachem und Zelle, welche in dem Vorschlage der Regierungsvorlage eine Begünstigung des Westens auf Kosten des Ostens erblicken. Schließlich wurden die Hammacher'schen Anträge, abgelehnt und der in der Regierungsvorlage enthaltene Verteilungsmodus angenommen. Eine längere Debatte rief die Bestimmung hervor, wonach Gemeinden, welchen nach § 2 ein Besteuerungsrecht nicht zusteht, wenn eine erhebliche Steigerung ihrer Gemeindeabgaben durch den in einer anderen Gemeinde stattfindenden Betrieb von Berg=, Hütten=, Salzwerken, Fabriken oder Eisenbahnen, verursacht wird oder bereits verursacht ist, beanspruchen können, daß ihnen ein angemessener Teil der in der letzteren Gemeinde erhobenen Steuer überwiesen werde. Dieselbe wurde mit folgendem Zusatze des Abg. Frhr. v. Zedlitz=Neukirch angenommen:„Eine erhebliche Steigerung der Gemeindeabgaben ist jedenfalls anzunehmen, wenn infolge des in einer anderen Gemeinde stattfindenden Betriebes(Abs. 1) nachweislich eine Erhöhung um zehn Procent der in der Gemeinde aufkommenden Staatssteuer nötig wird, bezw. erfolgt ist." Die Weiterberatung findet Montag statt. §* Der Bundesrat hat auf die Eingaben der Mecklenburgischen Pastorenconferenz um Abschaffung der obligatorischen Civilehe auch diesmal ablehnend entschieden. §* Die abermalige Vertagung der Schlußberatung des Bundesrats über den Antrag Sachsens wegen Revision der Maß= und Gewichtsordnung hat ihren Grund nicht in principiellen Bedenken gegen den Antrag; es handelt sich vielmehr nur um eine Verständigung über einzelne specielle Punkte. §* Der Landeseisenbahnrat tritt am 23. d. M. zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen u. A. Anträge auf Ausdehnung der Ausnahmetarife für Spiritus und Wiedereinführung von Ausnahmetarifen für Getreide und Mühlenfabrikate von den Ems=Weserund Elbhäfen nach rheinisch=westfälischen Stationen, sowie wegen Herabsetzung der Tarifsätze für Steinkohlen 2c. auf der Oberschlesischen Eisenbahn. 8“ Berlin, 4. Mai. Die Abreise des Kaisers ist dem Vernehmen nach auf Montag über acht Tage festgesetzt. Gleichzeitig wird die Kaiserin Berlin verlassen. K Perlin, 5. Mai. Dem Gedanken eines einmütigen Zulammenhaltens aller national und monarchisch gesinnten Männer hat Fürst Bismarck in folgendem, als Antwort auf eine Zustimmungsadresse des patriotischen Vereins in Wriezen an den Vorsitzenden desselben, Prediger Neuendorf gerichteten Schreiben von Neuem Ausdruck gegeben: „Berlin, den 27. April 1884. Ew. Hochehrwürden und ihren Herren Auftraggebern danke ich verbindlichst für die freundliche Begrüßung und erwidere dieselbe mit dem Wunsche, daß alle national und monarchisch gesinnten Mäuner Deutschlands die trennenden Schranken des politischen Parteigeistes, der ihre Kräfte bisher zersplittert hat, wegräumen undingeschlossener Organisation eiumütig an der Durchführung der Reformen mitarbeiten mögen, welche der wirtschaftlichen und socialpolitischen Entwickelung des Reichs förderlich sind. von Bismark.“ Es ist zu hoffen, daß dieser Gedanke in immer weiteren Kreisen Zustimmung und Anklang findet: nur so wird es möglich sein, den schädlichen Einflüssen der Fractionspolitik zu begegnen, an denen schon manche gute und von dem deutschen Volk mit Beifall begrüßte Sache im Parlament gescheitert ist. * Ein dem ultramontanen Frangais aus Rom zugegangenes Telegramm will wissen, daß der Papst eine neue Note inbetreff der Propaganda vorbereite. * Die Encyclica des Papstes gegen die Freimaurer soll, wie römische Blätter berichten, eine Action der italienischen Freimaurer in der Weise bewirkt haben, daß letztere ein Rundschreiben erlassen wollen, um sich gegen die ihnen imputirten Vorwürfe zu verteidigen. * Staatsminister v. Puttkamer hat an die „Voss. Ztg.“ folgende Berichtigung celangen lassen, der wir hier Raum geben, weil das falsche Referat auch durch eine große Anzahl von Provinzialblättern gegangen ist. Die Berichtigung lautet: „In Nr. 202 der„Vossischen Zeitung" vom 30. April d. Is. befindet sich unter der Ueberschrift „Parlamentarische Nachrichten“ ein Nachtrag zu einem Referat über die Sitzung der VIII. Commission des Reichstags für das Socialistengesetz vom 29. April d. Is., in welchem Nachstehendes mitgeteilt wird: „Herr v. Puttkamer glaubte den Einwendungen der Freisinnigen gegen die Aufrechterhaltung des kleinen Belagerungszustandes auch über Berlin damit begegnen zu sollen, daß er auf die Ansprache hinwies, welche der Kaiser am 22. März an die Präsidien der parlamentarischen Körperschaften gerichtet. Darauf erwiderte der Abg. Eugen Richter, der Minister hätte besser daran gethan, sich einer solchen Beweisführung zu enthalten. Jene Ansprache sei nicht officiell beglaubigt, sie müsse, bis etwa der Reichstagspräsident sie amtlich dem Hause mitteile, als ein bloßes Gerücht betrachtet werden. Im Uebrigen sei nicht anzunehmen, daß der Kaiser sich so geäußert haben solle wie man ihm zugeschrieben. Herr v. Puttkamer setzt diesen Ausführungen nichts weiter entgegen.“ Diese Darstellung widerspricht, wie sich aus dem amtlichen Protocoll ergiebt, in ihrem ganzen Umfange dem thatsächlichen Hergange in der gedachten Commissions= sitzung. von Puttkamer, Staatsminister." NLC. Die Abgg. Dr. Phillipps und Lenzmann, unterstützt von der Volkspartei, den Socialdemokraten und Polen, haben im Reichstag den Antrag eingebracht, die Aburteilung der politischen und Preßvergehen den Schwurgerichten zu übertragen. Bei der dermaligen Geschäftslage im Reichstag kann die Anregung eines so schwerwiegenden und weitschichtigen Gegenstan s unmöglich einen praktischen Erfolg haben. Bekanntlich wären an diesem Punkte beinahe die Justizgesetze gescheitert. Ob es Zweck hat, das Thema jetzt wieder, nachdem die Justizgetze erst so kurze Zeit inkraft stehen, in die öffentliche Discussion zu werfen, ist sehr fragwürdig. Die Aussicht, mit der Forderung durchzudringen, dürfte im Reichstag gering sein, im Bundesrat noch viel geringer. Bemerkenswert ist, daß von der deutsch=freisinnigen Partei kein Mitglied den Antrag unterzeichnet hat. §* Der Gesetzentwurf gegen den Mißbrauch von Sprengstoffen hat die Zustimmung des Kaisers erhalten und geht unverzüglich an den Bundesrat. Die Einbringung desselben beim Reichstage ist nach dessen endgültiger Beschlußfassung über das Socialistengesetz zu erwarten. §* Von den 70 Torpedobooten, deren Bau vom Reichstage vor den Osterferien beschlossen wurde, treffen bereits die ersten zehn dieser Tage in Kiel ein. Der„Vulkan“ hat sich verpflichtet, das ganze Material noch in diesem Jahre zu liefern. §* Bremen stellt sich, wie aus verschiedenen Kundgebungen hervorgeht, zu dem Gesetzentwurf betr. die Errichtung neuer subventionirter Postdampfer=Verbindungen mit überseeischen Ländern recht günstig. Die sonst so oft gehörten Einwendungen wegen unberechtigter Eingriffe in die freie wirtschaftliche Entwickelung und dergleichen sind verstummt. §* Ein römisches Telegramm der„Germania, bezeichnet die Nachricht, Staat und Kirche hätten sich über den bisherigen Weihbischof von Gnesen, Herrn v. Cebichowski, als Nachfolger des Grafen Ledochowski als„vorläufig unbegründet.“ Der„Kuryer" Pognanski teilt aus angeblich bester Quelle mit, daß der Papst bisher die Resignation des Cardinals Ledochowski nicht angenommen habe und mithin alle Combinationen über den Nachfolger Ledochowskis von selbst zufammenfallen. §* Die Berliner Blätter begrüßen die aus Indien heimgekehrte deutsche Choleracommission, deren Führer der berühmte Entdecker der Schwindsuchts= und Cholera=Baccillen, Geh. Rat Dr. Koch, ist, mit warmen Worten des Dankes für die Ehre, welche die Commission dem deutschen Namen durch ihre so ergebnisreichen Untersuchungen in Egypten und Indien bereitet hat. Mit Recht preist man die heimkehrenden als Sieger, sie haben einen Sieg auf dem Gebiete der Forschung davon getragen, welcher der ganzen Menschheit zu Heil und Segen gereicht. * In den Staaten New=York New=Jersey und Pennsylvanien haben zahlreiche Waldbrände stattgefunden, der Kohlendistrict von Pennsylvanien wurde von einer besonders verheerenden Feuersbrunst heimgesucht, die Stadt Brichin ist vollständig zerstört, gegen 3000 Personen sind obdachlos, mehrere Personen haben bei der Feuersbrunst das Leben verloren. 1* Der bisherige außerordentliche Professor Dr. Georg Hagemann zu Münster ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Königlichen Academie daselbst ernannt worden. Nachrichten. Selsenkirchen, 5. Mai. Wie wir hören, soll vom 1. Juni ab jenseits der Unterführung vor dem Hotel Bremen die Abfahrt der„rheinischen" Züge wieder stattfinden. Die vielen Durchkreuzungen der Schienengeleise nach dem.=M. Bahnhofe haben sich nicht allein nicht bewährt, sondern verursachen nur Störungen im Betriebe. Das Eisenbahnministerium hat sich deshalb für obiges Project entschieden und soll Herr Fr. Le Claire sein Local zum Wartesaal herzugeben sich erboten haben. Ob nunmehr die „frühere“ Ueberführung der Bahn wieder hergestellt werden soll, bleibt abzuwarten. X Schalte, 5. Mai. In der Friedenskirche werden in diesem Sommer für die polnisch redenden Evangelischen unserer Gegend polnische Gottesdienste abgehalten werden, deren erster übermorgen(Bußtag) Nachmittag stattfindet. X Dem Polizei=Sergeanten Germscheid, bisher für den Bezirk Friedrichstraße 2c. angestellt, ist der Bezirk Sophienau überwiesen worden. ai Kraudauerschaft, 5. Mai. Gestern feierte der Turnverein Braubauerschaft sein 1. Stiftungsfest. Nach voraufgegangenem Zug durch die Gemeinde fand im Locale Schulz Preisturnen, Concert und Ball statt. Preise erhielten für Leistungen am Reck: 1 Preis Gen. Schewe, 2. Preis Gen. Kalinowsky(beide Turnverein Gelsenkirchen), 3. Preis Gen. Stumpf(Turnverein Horst bei Steele); im Springen: 1. Preis Gen. Kalinowsky, 2. Preis Gen. Löwe(beide Turnverein Gelsenkirchen), 8. Preis Gen. Bormann(Turnverein Horst). Ferner erhielt der Gen. König(Turnverein Ueckendorf) eine lobende Anerkennung für seine Leistungen im Springen und erbot sich der festgebende Verein einen Preis für denselben nachträglich zu verteilen. Im übrigen verlief das Fest zur vollen Zufriedenheit der Besucher. *e Netzendorf, 5. Mai. Bei der Wahl von drei neuen Amtsverordneten wurden gewählt: 1. Abt.: Herr Betriebsführer Peters, 2. Abt.: Herr Kalkbrennereibesitzer Bernh. Leonhard, 3. Abt.: Herr Gutsbesitzer Ferd. Schulte in Hofe. * In Essen tagte am 21. im van de Looschen Locale die jährliche Zusammenkunft des Kreisausschusses und der Gauvertreter des VIII. deutschen Turnkreises(Rheinland und Westfalen). Außer den Mitgliedern des Kreisausschusses waren die Vertreter sämtlicher Gaue, des Gladbacher, Niederrheinischen, Sieg=Rheingaues, des Bergischen, Nieder= und Nord=Bergischen, des Wupperthaler, MindenRavensberger, des Märkischen, Aachener, Lippeschen und Ruhrgaues anwesend. Aus dem Bericht des Kreisvertreters ist zu entnehmen, daß der VIII. Turnkreis zur Zeit 277 Vereine mit zusammen 25000 Mitgliedern zählt, daß in den Grenzen des Kreises die Zahl der Vereine und deren Angehörigen sich in dem Zeitraum von 7 Jahren um nahezu das Dreifache vermehrt hat. Von den Beschlüssen der Versammlung, welche meist turntechnische Fragen behandelten, ist hervorzuheben, daß der Kreisausschuß beauftragt wurde, auf dem nächsten Kreistage, welcher Ende August in Crefeld stattfinden soll, einen Antrag einzubringen, welcher geeignet ist, dem noch vielfach herrschenden Unwesen der Preisturnerei Abhülfe zu schaffen und den Gauzwang im VIII. Kreise einzuführen, d. h. diejenigen losen Vereine des Kreises, welche noch keinem Gau angehören, zum Beitritt in den Gau, in dessen Grenzen sie liegen, aufzufordern, andernfalls sie nicht Mitglieder der deutschen Turnerschaft sein können. Nach Schluß der Verhandlungen, welche von morgens 10 bis nachmittags 3 Uhr dauerten, führte der Essener Turnverein seine Jugendabteilung und seine Turner den Gästen in einem Schau= und Muster=Riegenturnen vor, welches durch seine schulgerechte und musterhafte Ausführung die lebhafte Anerkennung seitens der Vertreter des Kreises hervorrief. * In Hagen ereignete sich ein recht bedauerlicher Unglücksfall in einem Fabrik=Eiablissement. Ein älterer Arbeiter war mit der Bedienung zweier Hobelmaschinen beschäftigt, eine derselben war so gestellt, daß der hin= und hergehende Tisch der Maschine bis auf ca. 1½ Zoll an die gegenüberliegende Wand reichte. Der Arbeiter war nun zwischen die Maschine und die Wand getreten, um zum Fenster hinauszusehen. Hierbei hatte er sich zu lange aufgehalten, denn noch bevor er sich entfernt hatte, kam der Tisch zurück, welcher ihn gegen die Wand drückte, so daß er nicht mehr entweichen konnte. Der Unglückliche trug schwere Qnetschungen am Unterleibe davon und mußte dem hiesigen Krankenhause überwiesen werden. * Nach herbede ist dieser Tage eine Familie, aus Mann, Frau und Kind bestehend, aus Amerika zurückgekehrt, um viele traurige Erfahrungen reicher. Nach den Aussagen dieser Leute ist das Ausbeutungssystem drüben furchtbar ausgebildet und ist an den Landungsplätzen ein ganzer Schwarm von Agenten aufs beste bemüht, die Auswanderer nach allen Regeln der Kunst zu rupfen. Zu den mancherlei Enttäuschungen, welche unsere Europamüden in ber neuen Welt erfahren mußten, gehörten auch die bezüglich eines größeren Verdienstes, das ihnen so glänzend in Aussicht gestellt war, in dem der allerdings höhere Betrag durch enorme Mieten sowie die hohen Kosten des Lebensunterhaltes fast ganz absorbiert wurden. Nur unter den größten Einschränkungen gelang es den Leuten nach zwei Jahren emsigen Schaffens und Sparens, die Ueberfahrts=Kosten zu erschwingen, und danken sie nun Gott, die Yankees hinter dem Rücken zu haben und sich nun wieder der soliden, geordneten Verhältnisse der deutschen Heimat zu erfreuen. Eine ernste Mahnung für alle, welche mit ihrem Lose unzufrieden, in freventlichem Leichtsinn hier oft ein gesichertes auskömmliches Verdienst daran geben, um sich jenseits des Oceans erst mit vieler Mühe und nach vielen Entbehrungen eine Stellung wieder zu erringen oder gar, was leider nicht zu den Seltenheiten gehört, drüben in Not und Elend unterzugehen. * Einen fechtenden fahrenden Stromer, also gewiß etwas ganz seltenes, hatten die Passagiere des am Samstag Abend von Irnsberg nach Schwerte fahrenden Personenzuges Gelegenheit, in voller„Arbeit" zu sehen. In Neheim=Hüsten stieg nämlich ein ziemlich reducirt aussehender Mensch in ein Coupe dritter Klasse und bettelte unter großem Wortschwall die Passagiere um„Schlafgeld“ an, da seine Barschaft gleich Null sei und sein Magen energisch revellire. Da es stets Gutmütige giebt, so erhielt der bruder einige Groschen, womit er aber noch nicht zufrieden war, er bettelte vielmehr von seinem Platze aus die in den anstoßenden Coupes sitzenden Passagiere an. In Wickede stieg der Industrieritter aus und in ein anderes Eoupe ein, in dem er sein Geschäft fortsetzte. Diese Art zu fechten ist gewiß neu, Hei Ran strie, Handel Neuß, 3. Mai.[Fruch 4• m.„(1. Qu. 18 60 wweizen. 12.„ 1660 100 Kllo s3."— Landroggen /1. neu 14 80 à 100 Kilo 12." 12 80 Gerste 100 Kilo 15 50 Buchweizen„ 15 50 Rüböl per 100 Kilo in P Rüböl per 100 Kilo faßweise Preßkuchen per 1000 Kilo Kleien per 50 Kilo Weizen=Vorschuß 00 per 100 Glasgow, 3. Mai. Di in den Stores belaufen sich 581 100 t im vorigen Jahre. findlichen Hohöfen 97 gegen Kar Her Ro Part Berliner Berli Fonds und Deutsche Reichs=Anleihe Preußische consolidirte Anleih do. Staats=Anleihe 1868 „ 1850, 52, 53 Staats=Schuldenscheine Oesterreichische Goldrente „ Silberrente „ Papierrente Eisenbahn=Sta Verstaatlichte Bergisch=Märkische Rheinische, abgestempelte " L. B.(gar.) Gottbard vollgezeichnet Russische Staatsbahn Eisenbahn=Prioritd Aachen=Mastricht Brg.=Märk. I. und II. Serie Berg.=Märk. III. A. B. 3¼ „ Lit. C. „ IV. Serte „ V. Serie „ VI. Serie Berg.=Mark. VII. Serie c „ VIII. Serie IX. Serie Bank=# Zinsfuß überall 4 pCt., bei Aachener Disconto=Gesellscha Allg. Deutsche Handels=Gese Bank für Rheinland und W Bergisch=Märkische Bank „ Industrie=Gesell Berliner Handels=Gesellschaft Berliner Makler=Verein Cölnische Wechs.= und Bank Deutsche Bank „ Hyptheken=Bank " National=Bank Disconto=Commandit Dortmunder Bank=Verein Essener Credit=Anstalt Evangelischer Arbeiter=Hert Ueckendorf. Am Sonnabend, den 3. morgens 3 Uhr, starb kurzem Leiden unser Mitglied im jugendlichen Alter vo Jahren 9 Monaten. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. d. nachmittags 3 Uhr, vom er Krankenhause zu Gel kirchen aus statt. Die Mitglieder versam sich 1½ Uhr im Verlocale. Um rege T ilnahme bi Vorstat Sonntag Nacht(26. April dem Wege von Zollverein eine Wagendecke nebst verloren gegangen. Der redliche Finder wird die Sachen gegen Belohn zugeben. Näheres berich Expedition d. Bl. Tapeler in schöner Answahl von 13 Spiegel= u. Fenster sowie alle Sorten Farben, Oelfarbe empfiehlt zus gen Preisen Gelsenkirchen, Kreuzstraße, alten Markt. — Sdateig, dands und wench: Neutz, 3. Mai.(Fruchtpreis.] 4 S8 12. Or- 48 80 4. Hafer alter à 100 Kllo 15 40 „ neuer„„ 14 50 Raps 1..... „ 2„— Kartoffeln„„„ 400 Heu per 50 Kilo 4 90 Roggenstrob 600 Kilo 28 00 Partien von 100 Ctr. 595 98252 2. r 1660 100 Kllo 3."=.— Landroggen 1. neu 14 80 à 100 Kilo[2.„ 12 80 Gerste 100 Kilo 15 50 Buchweizen„„ 15 50 Rüböl per 100 Kilo in Pa Rüböl per 100 Kilo saßweise Preßkuchen per 1000 Kilo Kleien per 50 Kilo Weizen=Vorschuß 00 per 100 Kilo..—— Glasgow, 3. Mai. Die Vorräte von Roheisen in den Stores belaufen sich auf 592 600 t, gegen 581 100 t im vorigen Jahre. Zahl der im Betrieb befindlichen Hohöfen 97 gegen 114 im vorigen Jahre. 5950 61— 128 5 80 Nationalbank für Deutschland Norddeutsche Bank Preußische Boden=Credit=Bank Reichsbank Schaaffhausener Bank=Verein 0 97.50 0 15950 0 104.25 0 146.50 0 92.00 103,10 101.80 101.80 99 25 85.30 68.40 67 70 Berliner Börse. Berlin, den 3. Mai 1884. Fonds und Staats=Papiere. Deutsche Reichs=Anleihe...... 4 102.70 Preußische consolidirte Anleihe... 4½ 103.40 do. Staats=Anleihe 1868 4 ## 1850, 52, 58 62... 4 Staats=Schuldenscheine 3½ Oesterreichische Goldrente 4 „ Silberrente 4½ „ Papierrente..... 4½ Eisenbahn=Stamm=Actien. Verstaatlichte Eisenbahnen. Bergsch=Bärkische.......5, 16760 Rheinische, abgestempelte.. 6½ 16769 " L. B.(gar.) 4 102.90 Gottbard vollgezeichnet.... 0 6 106,60 Russische Staatsbahn.... 0 5 132,50 Eisenbahn=Prioritäten=Obligationen. Aachen=Mastricht 4 Brg.=Märk. I. und II. Serie.. 4½ 104 00 Berg.=Märk. III. A. B. 3¼ g... 3½ 96 40 Lit. O.., 3½ 96.25 : IV. Serie... 41g 2625 „. V. Serie... 4½ 103.90 „ VI. Serie... 4½ 105.0) Berg.=Märk. VII. Serie conv... 4½ 103.70 „ VIII. Serite.. 4½ 40300 IX. Serie... 5 103,00 Bank=Actien. Zinsfuß überall 4 pCt., bei der Reichsbank 4½ pCt. Aachener Disconto=Gesellschaft Allg. Deutsche Handels=Gesellschaft Bank für Rheinland und Westfalen Bergisch=Märkische Bank „ Industrie=Gesellschaft Berliner Handels=Gesellschaft Berliner Makler=Verein Cölnische Wechs.= und Bank:. Deutsche Bank. „ Hyptheken=Bank " National=Bank Disconto=Commandit Dortmunder Bank=Verein Essener Credit=Anstalt 95 Industrie=Papiere. Nachen=Höngen...... 0 39 50 Annener Gußstahl=Fabrik...——— Arenberg, Gesellschaft für Bergbau. 0 139,00 Bochumer Bergwerks=A. Lit. A. 0 79.25 2 an erns. ur, Uüt. B. Bochumer Gußstahlfabrik Borussia, Bergwerk Vonifacius Bergwerk:. Cölner Bergwerks=Verein Cöln=Müsener Bergwerks=Verein Dortmunder Bergwerke Lit. A. „„„ Oblig. Dortmunder Union 600 Mark "" 400„ „ 300 Dortmunder Union Stamm=Pr. „„ Part.=Obligation Gelsenkirchener Bergw.=Actien=Ges. Georg=Marten=Bergwerks=Verein Harkort Bergwerk.... " Maschin. Harpener Hütten Hibernia u. Shamrock Hörder Bergw.= u..=Act.=Ges. do. zusammengen. Louise Tiefbau Märkisch=Westfälische Bergw. Madeburger Bergwerks=Act.=Ges. Mechernicher„.... Oelheim Petroleum. 80% Phönix Berzwerks=.=G. Lit. A. Lit. B. Pluto Bergwerks=Gesellschaft Westfälische Draht=Industrie Union.... Rhein.=Westf. Industrie..— Geld=Sorten und Banknoten. Dukaten per Stück Sopereigns per Stück 20 Francs=Stück per Stück Gold=Dollars per Stück Imperials(halbe) per Stück.. Imperials per 500 Gr. Englische Banknoten 1 Lstr.: Französische Banknoten per 100 Fr. Oesterreichische Banknoten 110 Fl. „„ Silber=Coupons.. Russische Banknoten per 100 Rubel " Zoll=Coupons Umrechnungs= Sätze. 1 Dollar= 4,25 M. 100 Francs= 80 M. 1 Gulden Oest. Währ.= 2 M. 7 Gulden Südd. Währ. = 12 M. 100 Gulden Holländ. Währ.= 170., 1 Mark=Banco= 1,50 M. 100 Rubel= 320 M. 1 Liv. Sterl.= 20 M Zinsfuß der Reichsbank. Discont 4 vCt. Lombarden 5 pCt. Meteorologische Notizen. (9 Uhr vorm.) U 0 0 0 0 ∆ 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 6 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 102.10 119.75 70.30 118•25 19.00 53 75 102.50 12.10 17.50 22.90 79.40 107,90 118.50 68.60 71 90 96.00 95.00 28.50 19 00 46,00 62•00 230.75 175.00 45.25 86.25 35 00 61.90 105,10 .75 18,70 „973 " 20,36 " 16,21 ".205 " 16.78 1400.00 " 20.41 " 8 1. 2 0 168.35 167,80 " 2 0 8. 5 5 : 20.52 Nuidugg ur 9se unserer Zeitung für die Monate Mai und Juni zum Preise von Mr. 1,70 können zu jeder Zeit erfolgen bei unseren Boten oder Expeditionen. 3. Mai 5. Mai W W * Fortschritte in der electrischen Beleuchtung. Aus Westfalen, 1. Mai, wird der„Elb. .“ geschrieben: Das bekannte Fachblatt der englischen Eisen= und Stahlindustrie„The Ironmonger and Metal Trades Advertiser“, welches stets in vorzüglicher Weise aber über die neuesten Fortschritte in der electrischen Beleuchtung unterrichtet ist, hat einen Berichterstatter in die der Edison United Electric Ligthing Company gehörige Fabrik zu Glasgow gesandt, um über den gegenwärtigen Stand der electrischen Beleuchtung als Industrie unterrichtet zu werden. Die Mitteilungen sind wichtig genug, um auch weitere Kreise zu interessiren. Das electrische Licht, so berichtet der Correspondent des genannten Blattes, bahnt sich nach und nach seinen Weg in Schottland, ungeachtet die erste Versuche keineswegs günstig ausfielen. Ja, man kann sogar sagen, daß das Fehlschlagen der letzteren nicht wenig dazu beigetragen hat, die Erfahrungen zu vergrößern und den schließlichen Erfolg sicher zu stellen. Das electrische Licht läßt sich nunmehr mit ebenso großer Gefahrlosigkeit anwenden, wie Gasbeleuchtung. In einzelnen Fabriken hat man das Glühlicht eingeführt und dasselbe sehr zweckdienlich gefunden selbst in Fällen, in denen von Haus aus nur das Volta'sche Bogenlicht als geeignet erschienen war. Voraussichtlich wird alles dies der weiteren Verbreitung der electrischen Beleuchtung in Schottland Vorschub leisten, wozu noch kommt, daß der Vorrat an Cannelkohle sich mehr und mehr erschöpft. Mehrere Stadtbehörden haben sich bereits mit der Edison u. Swan Compapny in Verbindung gesetzt, und voraussichtlich dürften diese Conferenzen zu einer Entscheidung für das electrische Licht führen. Neuerdings ist in der Einrichtung von eltctrischer Beleuchtung an Bord der neuen, am Clyde gebauten Schiffe ein bedeutender Fortschritt erzielt worden. Das neueste aber ist die Verwendung des Glühlichts zur zeitweiligen Erleuchtung improvisirter Liebhaberbühnen. In dieser Hinsicht verdient die an Bord des Regierungsschiffes Rainbow angebrachte Beleuchtung Erwähnung. Das Schiff war bei einer Festlichkeit ganz wie ein Theater eingerichtet. Die Rollen des Theaterstücks wurden, wie beiläufig erwähnt sein mag, sämtlich von Mitgliedern des Corps der Freiwilligen zur See gespielt, und sowohl der Text wie die Composition war von einem Mitglied eigens zu diesem Tage verfaßt. Das ganze Schiff war mit etwas über 40 Swan'scher Lampen von 10 Kerzenstärken erleuchtet; die Lampen waren auf der Bühne und im Zuschauerraum verteilt und wurden von einem neben der Bühne aufgestellten Schwungbrette aus geregelt. Im Zuschauerraum waren sämtliche Lampen an zierlichen biegsamen Seilchen aufgehängt und mit versilberten Haltern sowie mit bunten venetianischen Gläsern versehen. Der Effect war ein günstiger und die Beleuchtung mehr als genügend. Auf der Bühne war die Einrichtung eine ganz einfache und das Licht überaus stark. Die Strömung wurde von 15 Doppelzellen der Holmes'schen Batterie hergeleitet. Nach solchen Erfolgen ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo die electrische Lampe auch in den Privathäusern dieselbe Rolle spielen wird, wie jetzt Gas und Petroleum. Amerikanische Frauen. Eine Dame schreibt in einer New=Yorker Zeitung, sie halte die Frauen von See=Capitänen, falls diese ihre Männer auf deren Seereisen begleiten, für die glücklichsten ihres Geschlechts; diese Frauen könnten sorglos dem Abend entgegensehen; sie wüßten immer, wo ihre Männer die Abende zubringen. Mag sein; trotzdem haben sich im Lande der Frauenemancipation die Damen bisher immer vom Seedienste ferngehalten. Selbst die Vertreterinnen völliger Gleichberechtigung beider Geschlechter, welche fordern, daß der Frau zu jedem Berufe der Zutritt offen stehe, haben diese Forderung noch immer auf das Festland beschränkt. Auch die amerikanischen Frauen haben im allgemeinen nicht die geringste Lust, Schiffsjunge oder Matrose zu werden, und nur sehr selten das Geschick, die Führung eines Schiffes zu übernehmen. Allerdings berichteten neulich die Zeitungen über weibliche Schiffscapitäne, allein der Plural war in jenem Falle wohl unangebracht. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Dagegen macht auf dem amerikanischen Continent die Emancipation weitere Fortschritte. In Franklin Co., Penn., hat es ein Frauenzimmer bereits zum HülfsSheriff gebracht. Wie lange noch, ruft die „.=Y..“ entzückt aus, und wir werden auch weibliche Sheriffe haben und unsere Verbrecher werden von schönen Händen kunstgerecht aufgeknüpft. In diesem Falle wie in vielen anderen ist die amerikanische Frauenemancipationsbewegung Evangelischer Arbeiter=Herein Ueckendorf. Am Sonnabend, den 3. ds., morgens 3 Uhr, starb nach kurzem Leiden unser liebes Mitglied im jugendlichen Alter von 19 Jahren 9 Monaten. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d.., nachmittags 3 Uhr, vom evang. Krankenhause zu Gelsenkirchen aus statt. Die Mitglieder versammeln sich 1½ Uhr im Vereinslocale. Um rege T ilnahme bittet Der Vorstand. Sonntag Nacht(26. April) ist auf dem Wege von Zeche Alma bis Zollverein eine Wagendecke nebst Tuch verloren gegangen. Der redliche Finder wird gebeten, die Sachen gegen Belohnung abzugeben. Näheres berichtet die Expedition d. Bl. in schöner Answahl von 13 Pf. an. Spiegel= u. Fenster=Glas sowie alle Sorten Farben, fertige Oelfarbe empfiehlt zu sehr billigen Preisen C. Handwerr, Gelsenkirchen, Kreuzstraße, nahe am Es wurde vollständig ADRIAN BALBT“ Allgemeine Erdveschreidung. Ein Handbuch des geographischen Wissens für die Bedürfnisse aller Sebildeten. Siebente Auflage. Vollkommen neu bearbeitet von Dr. Josef Chavanne. Mit 400 Illustrationen und 130 Textkarten. In 45 Lieferungen à 40 kr.= 75 Pf.= 1 Fr.= 45 Kop. Oder in 9 Abteilungen à 2 fl.= 3 M. 75 Pf.= 5 Fr. = 2 N. 25 Kop., auch in drei eleg. Halbfranzbänden geb. 4 7 fl. 20 kr.= 13 M. 20 Pf.— 17 Fr 60 Cts. = 7 N. 92 Kop. Die Auskattung is eine durchaus sorgfältige. Jede Lieferung enthält vier Pruckbogen(gleich 64 Seiten) Cert. Die Abnahne bann in Jieferungen oder Händen beliedig nach und nach erfolgen. Adrian Balbi's Erdbeschreibung ist in ihrer siebenten Auflage das erste geographische Handbuch, welches bereits die Ergebnisse der letzten Volkszählungen in den Jahren 1880 bis 1882 im Deutschen Reiche, in Oesterreich=Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Dänemark, Schweiz, Westrußland und selbst jene in Britisch=Ostindien enthält. Im tovographischen Teile der einzelnen Länder wurde auf practisch bedeutsame Partien besonderes Gewicht gelegt, und die Bedeutung jedes Ortes für Industrie und Handelsverkehr hervorgehoben. Das Werk, dessen Register mit besonderer Ausführlichkeit bearbeitet ist, dient somit gleichzeitig als zuverlässigstes Geographisch=satistisches Tezikon. Alle statistischen Daten entsprechen den jüngsten, mit größter Sorgfalt gesa nmelten Erhebungen aus den Jahren 1879 bis 1882. Als besonders wichtige und umfassende Bereicherung der siebenten Auflage sind fünf doppelseitige, in vielfachem Farbendruck ausgeführte Karten zum Allgemeinen Teile (Isothermenkarte, Regenkarte der Erde, die Vegetationsgebiete der Erde, die Völker= und Religionskarte der Erde, 50 Textkarten und 400 Illustrationen, darunter 120 Vollbilder) zu nennen.— Das Werk ist auf holzfreiem Papier gedruckt. A. Hartleben's Verlag in Wien. Schreibfedern empfiehlt F. Dienst. Hôtel Bremen. Reingehaltene Rhein- und Moselweine per Flasche von 65 Pf. an. Garantirt reinen Kanseischen Rotwein (Bordeaux) per Flasche 1 Mark, Fritz Le Claire. empfiehlt Post= und Telegraphen= Thermalbau Werhe 1Meilevonden Eisenbahnst. Camen. Fünen Station. bei Stadt Werne, Westfalen. Westf. Bahn. Heilquellen ersten Ranges, nach der Analyse des Herrn Geh. Hofrats Prof. Dr. Fresenius, von ähnlicher Zusammensetzung, aber reicher an heilkräftigen Bestandteilen als die warmen Soolquellen von Oeynhausen und Nauheim. Glänzende Curerfolge gegen Rückenmarksleiden, Skrophulose, Hämorrhoidalleiden, rheumatische Beschwerden, Lähmungen, Flechten, tarpide Geschwüre, Knochenkrankheiten, Hautwassersucht 2c. Brochüre Dr. Hövener. Sehr günstige klimatische Verhältnisse und schöne Umgegend, Kappenberg, Nordkirchen u. s. w.— Neuerbautes Logirhaus mit bester Einrichtung; sehr gute Pension zu billigsten Preisen.—4 Mk. pro Tag. Logis und Wagen zu jedem Zuge besorgt der unterzeichnete BadeCommissair, jede weitere Auskunft erteilen bereitwilligst diellnterzeichneten. Eröffnung des Bades am 1. Mai. Der Badecommissair: R. Schönijahn. Der Badearzt: San.=Rat Dr. Hövener. Eltern und Vormünder von Kindern, welche das Barbierund Friseur=Geschäft erlernen wollen, werden darauf aufmerksam gemacht, die Kinder nur solchen Lehrherrn anzuvertrauen, welche dem Deutschen Barbierverbande angehören, da die Mitglieder desselben statutengemäß für eine gute Lehre und auch nach bestandener Lehrzeit für deren Fortkommen zu sorgen haben. Zugleich wird bemerkt, daß das Central= Nachweise= Büreau in Bochum, Herr Bernhard Kuhlmann, gern bereit ist, jeder Zeit Auskunft über vacante Stellen zu geben. Der Vorstand des Zweigvereins Deutscher Barbiere Gelsenkirchen. Lnde=Anstatt Josef Wieser, Hermannstr. Gelsenkirchen giebt täglich kalte, warme, Salz= u. Multertaugen=Büber nach Verordnung der Herren Aerzte. Nathenow. Brillen. Cylinder=Uhren. von 11 M. an. Regulateure von 24 M. an. 945 0 Th. Holtmann, Uhrmacher, C Schalke, Friedrichstr. 3 Anstreichergesellen für bessere Arbeiten sucht Langmann, Gelsenkirchen, Kaiserplatz Nr. 2. Tausendfältig erprobt und bewährt haben sich bei zahnenden Kindern nur die ächten electromotorischen Zahnhalsbänder(Preis 1 Mark) von Gebrüder Gehrig. Hoflieferanten und Apotheker 1. Klasse in Berlin, Besselstr. 16. In Gelsenkirchen zu haben bei A. Springorum. I Janinos: Baur oder Hleine Raten. Amerikanische Harmoniume von W. Bell& Comp. Weidenslaufer, Berlin NW. Beste u. billigste Bezugsquelle: 9 K 6. inirr illen rus: berden ltnisse eburg, is hrend unrung verinten 1 er. idten und gene ist undvornge die gen ens derren bezen en ist er ter r. rt + 37 3 r *, 5 — 9 G2 9 i enst bich Seien 10 1n nichts anderes als ein Ausfluß von Excentrieität; sie basirt da nicht auf dem realen Bedürfnis, für die Frauen neue Erwerbsgelegenheit zu beschaffen. Die amerikanische Frau ist nicht Hausfrau im deutschen Sinne und es kann nicht Wunder nehmen, daß schließlich das dolce far niente der amerikanischen Frau zu einer Reaction führt, die in Exentricitäten ausläuft. Die deutsche Frau hat dazu keine Zeit; sie hat ihren traditionellen Wirkungskreis, der ihre Arbeitskraft ausreichend, oft mehr als ausreichend, in Anspruch nimmt. Die deutsche Frau aus dem Volke arbeitet oft nicht weniger als der Mann und oft häufig genug sind auf ihrer Hände Arbeit sie und die ihrigen allein angewiesen. Ein amerikanisches Blatt teilt als einen Beweis dafür, daß die Frauen auf Gebieten, die früher nur von Männern cultivirt waren, Bedeutendes leisten können, folgenden Fall mit: Ein verabschiedeter Soldat hatte sich auf dem von der Regierung erhaltenen Lande niedergelassen. Kaum hatte er ein Blockhaus errichtet, als er starb. Seine Witwe suchte sich und ihre drei Kinder mit der Nadel durchzubringen. Das Land, das der Mann ihr hinterlassen, war mit Holz bestanden, die Frau konnte dasselbe natürlich nicht bestellen und es war für sie daher beinahe wertlos. Die Nadel schützt sie und die Kinder gerade vor dem Verhungern, aber der bitterste Mangel war täglicher und stündlicher Gast in der Hütte. Da hörte die Frau in dem Countrystore in Lisbon, in dem sie ihre kleinen Einkäufe machte, zwei Bergleute darüber klagen, daß das Herbeischaffen des Brennholzes ihnen einen großen Teil der kostbaren Arbeitszeit raube. Axt und Säge hatte ihr Gatte hinterlassen, die Frau ging in ihren Wald, sägte Aeste ab und spaltete das Holz. Sie band dasselbe in kleine Bündel, brachte es nach dem Städtchen und verkaufte es hier zu glänzenden Preisen. Anfangs fiel ihr die Arbeit freilich schwer, aber mit dem besseren Verdienste kam reichliche Nahrung ins Haus und damit größere Kraft in die Glieder. Die Kinder verloren in wenigen Wochen ihr krankes Aussehen und halfen der Mutter, das Holz nach Lisbon tragen. Waren die Bündel auch klein, so half doch jedes ein wenig. Nach einem Jahre hatte die Frau ein Paar Zugochsen und einen Wagen gekauft, sowie einen Knecht gemietet, dem sie in Dakota üblichen hohen Lohn bezahlte. Soweit die Erzählung des amerikanischen Blattes. In Deutschland wird man sich schwerlich darüber wundern, daß die Frau energisch zu grober, aber lohnender Arbeit griff, um sich und ihre Kinder über Wasser zu halten, denn man wird hier ohne Schwierigkeit tausende solcher Fälle feststellen können, die freilich nicht in den Zeitungen an die große Glocke gehängt werden. P. Die scüßlinge des großen Kurfürsten. 48) Historische Erzählung von Max Ring. Als am frühen Morgen die beiden Hofprediger auf seinen Wunsch wieder hereintraten, redete er sie mit den Worten an:„Herr, wenn ich Dich nur habe, frage ich nicht nach Himmel und Erden. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist Du doch, Gott, alle Zeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ „Es ist ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet ihm begnügen,“ entgegnete der Prediger Cochius, indem er die Worte wiederholte, über die er vor einigen Tagen vor dem Kurfürsten geredet hatte. „Semper virebo, prospiciente Deo, durch Gottes Gnade werde ich alle Zeit blühen,“ rief dieser, mit gefalteten Händen betend. Nach diesen Worten fiel er in Ohnmacht, von der er sich nur langsam erholte. Er verlangte noch einmal seine Kinder zu sehen und sprach besonders mit dem Kurprinzen, dem er vor allen die französischen Flüchtlinge empfahl. „Ich habe,“ sagte er,„außer meiner noch eine andere angenommene Familie, die Anspruch auf meine Liebe hat und die mir nicht weniger teuer ist als diejenige, die mir der Himmel geschenkt hat. Es ist die große Zahl der Flüchtlinge, deren Kirchentrümmer ich aus Frankreich gerettet, und welche ich nach dem traurigsten Schiffbruch in meine Staaten, wie in einen sicheren Hafen, aufgenommen habe. Ihr Schicksal liegt mir am Herzen und ich bitte Dich, sie zu beschützen und ihnen beizustehen.“ Zugleich winkte er dem erfurchtsvoll in einiger Entfernung stehenden Raoul zu, näher zu treten und stellte ihn dem Kronprinzen vor, ihn mit warmen Worten empfehlend. „Er hat,“ fügte er hinzu,„mit seinem Blut sich ein Anrecht auf unsere Dankbarkeit erkauft und die ihm und seinen Angehörigen erwiesene Gnade mir reichlich gelohnt. Er wird auch Dir ein treuer Diener sein.“ „Bei Gott! das will ich,“ beteuerte Raonl, die herabhängende Hand des Kranken mit heißen Thränen benetzend. „Und ich,“ fügte der Kurprinz hinzu,„werde ihm stets ein gnädiger Herr bleiben.“ Von Schwäche überwältigt, verfiel der Kurfürst in einen kurzen Schlummer. Als er, daraus erwachend, gefragt wurde, ob er sich erquickt fühle, erwiderte er mit seligem Lächeln:„Christus ist mein und ich bin sein.“ An der ihm gegenüber befindlichen Wand hing ein Gemälde, worauf unter andern auch die Zeit mit einer Wasseruhr in der Hand dargestellt war. Nachdem er dasselbe lange Zeit mit aufmerksamen Blicken betrachtet hatte, sagte er leise:„Der Zeiger eilet zu Ende und meine Zeit ist dahin.“ Noch einmal richtete er sich auf, als der Offizier der Leibgarde zum Empfang der üblichen Parole gemeldet wurde. Er ließ ihn eintreten und gab ihm mit lauter ausdrucksvoller Stimme die Losung„Amsterdam!“ ebenso wie er am vorigen Abend die Parole„London“ ausgeteilt hatte. London und Amsterdam, damals die beiden Hauptstädte des Protestantismus, beschäftigten in diesem Augenblicke die Seele des Sterbenden; der bevorstehende Kampf und Sieg des Glaubens und der Freiheit gegen den Despotismus Ludwig des Vierzehnten und den Gewissenszwang der römischen Kirche. Im Angesicht des Todes, an den Pforten der Ewigkeit wurde sein Geist immer lichter und klarer und mit prophetischen Blicken erkannte er den hohen Beruf seines Hauses und die Bedeutung Brandenburgs, die künftige Größe und Macht des Vaterlandes. Vor seinem innern, vom Abglanz der Ewigkeit erfüllten Auge schwebte die lange Reihe seiner beühmten Ahnen und Nachkommen, verfloß Vergangenheit und Zukunft zu einem wunderbaren Bilde. Immer heller glänzte der Stern der Hohenzollern, immer mächtiger entfaltete der brandenburgische Aar seine Schwingen, immer leuchtender strahlte sein Wahlspruch:„Nec soli cedit! Selbst der Sonne weicht er nicht!“ Die letzte Nacht verlangte er allein zu bleiben. Von Brustbeklemmungen und Atemnot gequält, suchte er Stärkung im Gebet. Sobald der Morgen dämmerte, ließ er die beiden Geistlichen wieder rufen und fragte sie, ob nicht, weil es Sonntag wäre, eine Predigt gehalten würde; dieser Tag, erwiderten sie, wird schon seit frühesten Zeiten Misericordias Domini, die Barmherzigkeit des Herrn genannt, diese Barmherzigkeit wurde Gott gewißlich auch ihm in seinen Leiden angedeihen lassen und seine Seele mit Kraft und Trost erfüllen. Zum letztenmale verlangte er nach seinen Kindern; als diese weinend um das Bett des Vaters standen, tröstete er sie, indem er dabei äußerte, ihm schwebe das Bild des Patriarchen Jakob vor, wie dieser seine Söhne segnete und wie der Segen des Vaters den Kindern Häuser baue. „Ihr werdet in Ewigkeit gesegnet sein,“ sagte er zu seiner weinenden Gemahlin gewendet. Immer näher rückte der letzte Augenblick; seine Kräfte verließen ihn, sein Atem stockte und das große, starke Heldenherz schlug kaum noch hörbar. * Gegen die Trunksucht und das Nachtschwärmen der Jugend haben die practischen Holländer, und ebenso die Nordamerikaner ein sehr wirksames Mittel in ihrer Gesetzgebung, das unseren deutschen Vereinen gegen Trunksucht sich empfiehlt. Es ist das Verbot für alle jungen Männer unter 21 Jahren, also für alle Minderjährigen, das Wirtshaus zu besuchen. Kein holländischer Wirt verabreicht bei eigener Straffälligkeit irgend welche Alkohol=Gelränke an Minderjährige. Bier in mäßiger Quantität könnte bei uns wohl als Erfrischung und Stärkung eine Ausnahme bilden. Wie viel Vergehen der Jugend würden dann wohl im Keime erstickt, welche erst unter dem Einfluß des Rausches zur Ausführung gekommen sind und heutzutage so häufig mit Abscheu und Entsetzen erfüllen. Auch die Engländer haben diese Wahrheit erkannt, jedoch alsbald in den Mäßigkeitsvereinen durch völlige Anschließung aller geistigen Getränke, welche nur nach ärztlicher Verordnung ausnahmsweise gestattet sind, nachteilig übertrieben und dadurch unwirksam gemacht. Das Richtige liegt auch hier in der goldenen Mitte. *. New=York.[Neue Mode.] In NewYork ist es Mode geworden, Kahlköpfe zu bemalen. Bei einer jüngsten Abendgesellschaft war die kahle Platte eines Herrn mit einem Schlachtstücke bemalt, ein anderer trug eine Gruppe von Fischen und Muscheln zur Schau, und ein dritter eine Copie eines im Besitze des Millionärs Vanderbild befindlichen Gemäldes von Meissonier. ***[Kammerdienerlogik.]„Durchlaucht ist gesonnen, sich an der Wohlthätigkeitslotterie für verschämte Arme zu beteiligen; ich bitte daher, die besseren Lose etwas zurückzuhalten.“ **(Moslemitische Weisheit.]„Und die Engländer? sind das auch Christen?“ fragte ein junger Araber und angehender Schriftgelehrter seinen Lehrer.„Gewiß!“ war die Antwort des alten Moslems,„doch nur an ihrem Sonntage— in den Wochentagen sind sie Juden!" **(Pensionsberechtigt.]„Warum setzen Sie Ihre Caffeetasse auf den Stuhl, Herr Baron?“ fragte eine würdige Pensionsmutter mit gräßlich freundlichem Lächeln, einen entsetzten Blick auf den hellgeblümten Polstersessel werfend.—„Er muß sich setzen; er fühlt sich so schwach, meine Gnädige,“ erwiderte der Gefragte, mitleidig auf das hellblonde levantische Gebräu deutend,„es wäre grausam gewesen, ihn ohne diese letzte Aufmerksamkeit stehen zu lassen.“ Alle diesenigen, welche auf dem fast immer wirksamen Wege der Ankündigung ihren Zweck zu erreichen suchen, werden in ihrem eigenen Interesse auf die Annoncen-Expedition von Haasenstein& Vogler in Köln aufmerksam gemacht. Vertretung für Gelsenkirchen und Umgegend: F. Dienst. Bekanntmachung. Die Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung von Pflasterwerk auf der Wilhelmstraße hierselbst sollen an qualificirte und leistungsfähige Unternehmer im Submissionswege vergeben werden. Mit entsprechender Aufschrift versehene Offerten wolle man bis zum 15. d. M. versiegelt und portofrei an die hiesige Stelle gelangen lassen. Submissions=Bedingungen 2c. sind auf dem hiesigen Amte einzusehen. Schalke, 1. Mai 1884. Der Amtmann: Klose. Unterzeichneter beabsichtigt, auf seinem Grundstück in Ueckendorf ein 2 1/ stöckiges massives Wohnhaus zu erbauen und ersucht betreffende Meister um Offerten hierauf, mit Angabe der Einzelpreise. Bochum, im Mai 1884. Deilmann, Sasstuus guss t: Bekanntmachung. Die Bauarbeiten und Materialienlieferungen 1. zu einem=klassigen Schulandau an der kathol. Schule zu Bulmke: 2. zu einer=klassigen evang. Schule zu Heßler; 3. zu einer=klassigen evang. Schule zu Schalke, Westen; 4. zu einer=klassigen kath. Schule zu Schalke, Westen, sollen in folgende Lose geteilt, im Wege der schriftlichen Submission öffentlich verdungen werden: Los 1: Erd= und Maurerarbeiten, Maurermaterial, Zimmererarbeiten, Eisenguß= und Walzarbeiten, einschl. Einfriedigung und Platzregulirung; Los 2: Dachdecker= und Klempnerarbeiten; Los 3: Schreinerarbeiten nebst Mobilar; Los 4: Glaser= und Anstreicherarbeiten. Der Verding soll in der Weise stattfinden, daß die Bauarbeiten zu 1 für sich, zu 2, 3 und 4 zusammen, nach den einzelnen Losen getrennt, vergeben werden. Pläne, Kostenberechnungen, Massenberechnungen und Bedingungen riegen vom 5. bis 14. Mai im Amte zu Schalke zur Einsicht offen. Alle Offerten sind mit entsprechender Ausschrift versehen, versiegelt und portofrei bis zum 15. Mai er., vormittags 10 Uhr, an das Amt zu Schalke einzureichen, woselbst die Cröffnung derselben in Gegenwart der erschienenen Submittenten stattfindet. Schalke, den 2. Mai 1884. Der Amtmann: Klose. Neu! Neu! Kaiser-Hof, Gelsenkirchen. Sloßtes Ralurwunder: Die kreinste Talr der Welt, Gustel, 2 Fuß 6 Zoll groß, 25 Pfund schwer, 18 Jahre alt. Aley's berühmte Stoftkragen Unternehmer.[H 9— 44: 4.:44 Bekanntmachung. 18 Feeelichre Zimmerschmuck! Verziehungshalber beabsichtigt Herr W. Storp hierselbst seine in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Wanne belegene ca. 7 Morgen große, sehr gutes Heu liefernde Wiese, sowie mehrere Morgen Land, zu Bauplätzen sowohl wie zu Culturzwecken sehr geeignet, unter der Hand und unter günstigen Bedingungen im Ganzen oder auch im Einzelnen zu verkaufen. Nähere Auskunft erteilt W. Walbeck, Wanne. LOSe zur XVII. großen Hannover'schen Gedenkblatt zur 400jährigen Geburtagsfeier Martin Luthers. Größe: 45: 55 Centimeter. Das National denkmal auf dem Niederwald Größe 45:55 Centimeter. Die vier Kaiser. Kaiser Wilhelm, Sohn, Enkel und Urenkel. Bild kostet nur 1 Mark. Vorrätig bei F. Dienst, Gelfenkirchen. à 8 Mark, sowie Hose zu 2 und 1 Mark stets zu haben bei W. Walbeck, Wanne. Dr. Schreiber Speeialarzt für und Geschlechts=Leiden]—.7. Augustastraße 2. empfiehl. Beste und billigste „A 9 Aleppe-kine F. Dienst, sind keine Papierkragen, denn sie sind mit wirklichem Webstoff vollständig überzogen, haben also genau das Aussehen von Leinenkragen, sie erfüllen alle Anforderungen an Haltbarkeit, Billigkeit, EleV ganz der Form, begucmes Sitzen u. Passen. * Wenn men bedenkt, dass die leinen. Kragen beim Waschen und Plätten oft verunstaltet, zu hart gestärkt oder schlechtgebügelt werden, oder dass sie in der Wäsche eingeben, bei R. Scipio, Buchhdl. Theod. Dahl. A. Elbers, und vom sollle man den Versuch mit Mey’s Stoffkragen schon der geringen Ausgabe wegen machen. Ney's Staffkragen mit umgelegtem Rand sind das Beste, was geliefert werden kann. Die Erfindung ist gesetzlichgeschützt. Mey’s Stoffkragen müssen genau der Halsweite, resp. der Weite des Hemdenbündchens entsprechend bestellt werden. — Weniger als 1 Dts.per Façon wird nicht abgsgeben. Für Knaben giebt es nichts Besseres. Jeder Kragen, der nur wenige Pfennige kostet, kanneine ganze Wochegetragon werden. Versand-Geschäft Mey& Edlich, Plagwitz-Leipzig, welches auf Verlangen illustrirte Preiscourante gratis und franoe versendet. Sämtliche Schulartikel empfiehlt F. Dienst. vom 15. October 1883 ab. Von Gelsenkirchen nach Wanne 6,18.43 10,36 2,08 4,19 5,43.52 1,19[Wanne Abf. nach Münster 6,45 10,52 2,19 5,52 10,04 1,39.1 Von Bochum nach Ueckendorf=Wattenscheid 5,30 8,08 11,44 1,48 3,30 7,20 10,16.02 svon Ueckendorf=W. nach Kray=Essen 5,43 6,55 8,21 11,54 2,01 3,43 7,30 9,15. Von Dahlbusch nach Essen 5,41 6,52 8,18 11,45 1,55 3,39 (5,22 bis Kray) 7,29 9,10. Von Dahldusch nach Gelsenkirchen 7,31 9,05 12,15 4,01 2,53 5,49 .28 11,45. Von Essen nach Gelsenkirchen(rhein.) 6,52.47 11,53 2,36 5,30 8,08 11,28. Von Essen nach Gelsenkirchen (Köln=Minden) 5,55 8,15 10,00 1,40 3,50 5,15.20. Von Schalke nach Wanne 8,57 12,04 4,39.44. Von Schalke nach Sterkrade 5,52 .27 2,29 8,04. Von Wanne nach Schalke 5,40 9,15 2,20 7,55. Von Schalke nach BismarckWinterswyk 8,28 5,26 9,11(Bismarck Abf..37 2,42 5,52.20.] Von Schalke nach Essen 6,56 9,20 1,17 735. Von Essen nach Schalke 8,07 2,17 4,54.50. Von Gelsenkirchen nach Deutz=Köln 5,39 6,54 8,49 11,30 12.41 2,22 5,02 8,35(10,55 nur bis Essen, Altenessen Abf. 6,10 u. 4,47 Eilzug.) Von Gelsenkirchen nach Essen 5,36 6,47 8,13 11,40 1,50 3,34 (.17 nur bis Kray) 7,24.05 [von Kray nach Dortmund 7,01.56 12,02.45 5,9, .17(11,37 nur bis Bochum)]. Von Wanne nach Dortmund 8,56 10,51 4,30 9,03.56.45 Herne Abf. 9,05 11,01 4,40 .13 1,56.] Von Herne nach Deutz=Köln 6,34 8,28 11,09 1,59 8,13(Wanne Abf..31, 6,43 8,39 11,19 12,33 2,10 4,54.24(10,46 nur bis Essen)]. Von Herne nach Bochum 7,11 1,12 7,35. Von Bochum nach Herne 6,40 12,21 .37. Von Wanne nach Ueckendorf=Wate tenscheid=Bochum 5,33 8,40 12,40.05 5,32 8,00 10,50. Von Ueckendorf=Wattenscheid nach Wanne 6,08 10,30 2,03 5,15 7,35 9,18 1,07. Von Ueckendorf=Wattenscheid nach Dortmund 7,08 9,03 12,09 2,52 5,46 8,24(von Ueckendorf=Wattenscheid nach Bochum von Wanne kommend.47 1,00 4,25 11,10. 7 : 8 **