Nr. 98. Gelsenkirchen, Samstag, den 26. April 1884. 10. Jahrgang. „Euscher Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Som= und hohen Feiertage. Wochen=Beilage:„Illustrirtes Emscher Sonntagsblatt“. Insertionspreis: Die Petit=Zeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen 40 Pf. Verantwortlicher Redacteur K. Dienst in Gelsenkirchen. verbunden mit dem Amt Herner Tage Blatt. (Früher: Der Reichsireund.) Sincere et constanter. Berruna Abonnementspreis: Mark.50 vierteljährlich im Vorans. Man abonntri außer bei der Expedition in Gelsenkirchen, Marktstraße 13, bei allen Reichspostanstalten und bei den Filial=Expeditionen: Nud. Eick, Herne; W. Walbeck, Wanne; W. Pötter, Wattenscheid. Druck und Verlag von F. Dienst in Gelseneirchen. Algeneines Grgan für die Stadt Sellenkirchen, die Zeuter Schalte, Becerdorf, Wanne und Herne.— Auzeigeblatt für Gerichis, Civil=Verwaltungsr und Miltiär=Hehörden Sociales, Industrielle und Verhältnisse. *s Zur Sorge für die erwachsene Jugend. Von dem Gedanken geleitet, daß in unseren Großstädten Tausende und aber Tausende junge Männer moralisch zugrunde gehen, weil es ihnen an jedem gesellschaftlichen Anhalt besserer Art gebricht und sie lediglich auf Trinkstuben und den Verkehr mit leichtfertigen Alters= und Standesgenossen angewiesen sind, ist auf Auregung eines amerikanischen Geistlichen zu Anfang vorigen Jahres in Berlin ein„christlicher Verein junger Männer“ gebildet worden, der sich folgende Aufgabe stellt. Er will nicht wie die meisten der bestehenden Jünglingsvereine nur oder fast nur Mitglieder aus dem sogenannten vierten Stande umfassen, sondern alle Gesellschaftskreise in sich vertreten sehen. Bei dem kürzlich abgehaltenen Jahresfeste ergaben sich denn auch 449 den verschiedensten Berufsständen angehörige Mitglieder: 8 Arbeiter, 2 Aerzte, 3 Architecten, 57 Beamte, 6 Buchhändler, 1 Buchdrucker, 11 Diener, 12 Geistliche, 144 Handwerker, 3 Journalisten, 97 Kaufleute, 22 Kellner, 5 Künstler, 5 Landwirte, 6 Stadtmissionäre und Missionsgehülfen, 5 Officiere, 1 Gutsbesitzer, 1 Seemann, 47 Studenten, 5 Soldaten, 3 Techniker. Alle Vorstandsämter sind in Laienhänden und eigene Commissionen sind gebildet für Aufnahme, Finanzen, Einladungen, Empfang, Presse, religiöse Versammlungen, Sonntagsschulen, besondere Stände, Unterhaltungen, Unterricht, Turnen, Vibliothek, Knaben, Mitgliedschaft, Stellenvermittelung, Kosthaus, Musik resp. Gesang, Besuch, Oeconomie. Schon aus dieser Liste geht hervor, wie vielgestaltig die Vereinsthätigkeit ist. Näheres ist zu erfragen vom Vereinssecretär Phildius, Berlin SW., Gr. Friedrichstraße 214, welcher auch einen„Monatlichen Anzeiger“ herausgiebt. Mitgliedsbeitrag 50 Pf. monatlich, unterstützende Mitglieder zahlen jährlich mindestens 10 Mark. Neue Wirtschaftspolitik. Auch im Süden macht sich mehr und mehr eine wohlthätige Wirkung ter neuen Wirtschaftspolitik geltend. So constatirt ker Stuttgarter Handelsverein in seinem Jahresbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, daß das Jahr nach lange dauernder Stagnation Anfänge eines lebhafteren Verkehrs zeigte und hoffen läßt, daß eine fortschreitende Belebung der commerziellen und industriellen Thätigkeit die wirtschaftliche Wohlfahrt fördern werde. 8C. Ländliche Arbeiterverhältnisse in Schleswig= Holstein. Dem soeben herausgegebenen „Jahresbericht der ausführenden Direction des Schleswig= Holsteinischen Landwirtschaftlichen Generalvereins für das Jahr 1883“(Kiel, 1884) lentnehmen wir Folgendes: Die vorhandene Zahl der(ländlichen) Arbeiter genügt für gewöhnlich dem Bedürfnisse einer im ganzen intensiven Wirtshaft. Sobald Betriebe ins Leben treten, welche ein größeres Quantum Arbeitskraft erfordern, muß die letztere außerhalb der Provinz gesucht werden. So z. B. müssen die Zuckerfabriken— von denen in Schleswig=Holstein zwei im Betriebe und zwei im Bau befindlich sind— sich die Arbeiter aus der Ferne(Schlesien, Ostpreußen 2c.) herauholen und auch bei öffentlichen Arbeiten, Bauund Wegearbeiten, sind häufig die nötigen Kräfte nicht sofort zu beschaffen. In fast allen Berichten der Ortsvereine wird der zunehmende Mangel an weiblichen Dienstboten auf dem Lande betont; insbesondere sollen Meiereimädchen kaum zu beschaffen sein. Die Klage ist alt und das Uebel hat seine naheliegende Ursache darin, daß die Stellung der Mädchen in der Meierei eine untergeordnete und wenig zusagende, der Lohn aber im ganzen sehr niedrig ist(140 bis 150 Mark pro Jahr). Je mehr durch gute Schulen die Leistungsfähigkeit des heranwachsenden Geschlechts gehoben wird, desto weniger Individuen werden sich bereit finden lassen, die niedrigsten Dienste, welche verlangt werden, zu übernehmen. So lange nicht die Technik es dahin bringt, daß diese Dienste durch Maschinen verrichtet werden, muß man durch erhöhte Löhne die nötigen menschlichen Arbeitskräfte zu gewinnen suchen. Rechskag, 17. Plenar=Sitzung vom 24. April 1884. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesetzentwurfs, betr. Abänderung des Militärpensions= und des Reichsbeamtengesetzes. Abg. v. Bernuth hat mehrfache Bedenken gegen die Form des vorliegenden Entwurfes; derselbe habe auf die Wünsche des Reichstages, namentlich in Bezug auf die Heranziehung des Privatvermögens der Offiziere zu der commanalen Besteuerung, keine Rücksicht genommen. Abg. Graf v. Moltke führt den Bemerkungen des Vorredners gegenüber aus, daß das größte Contingent zu unserem Officierkorps vom kleinen preußischen Adel geliefert werde, der früher reich begütert gewesen, aber gerade dadurch, daß er den wenig einträglichen Dienst in der Armee zu seinem Lebensberuf gemacht, verarmt sei. Es seien nur sehr wenig Officiere, welche von ihren Eltern ein Vermögen ererben, die große Zahl der Officiere sei auf das Diensteinkommen angewiesen. Unstreitig gebe es auch wohlhabende, sogar reiche Leute in unserem Officiercorps, aber die Zahl derselben sei nur eine sehr geringe, er fürchte also, daß die Städte von der Heranziehung der Privatvermögen der Officiere nur geringe Vortheile haben würden. Vor Allem aber sei doch die Frage aufzuwerfen, ob es recht und billig, die Officiere gerade für die Commnnen zur Steuer heranzuziehen, die doch ihrerseits für die Garnisonen nichts thun. Außerdem sei doch nicht außer Acht zu lassen, daß die Officiere gar nicht das Recht haben, vanach zu fragen, was mit den von ihnen zu entrichtenden Steuern geschieht; wo aber kein Recht, da sei auch keine Pflicht. Auch schreibe die Städteordnung ausdrücklich vor, daß die Militairs nicht zu der Einwohnerschaft zu rechnen sind. Was sei denn geschehen, daß nunmehr, nachdem wir einen großen Krieg gehabt, von diesem Grundsatze abgewichen werden solle? Er nehme die wohlhabenden Officiere in keiner Weise in Schutz, aber wie sie dazu kommen sollen, gerade in den Städten besteuert zu werden, aus denen sie jeden Tag versetzt werden können, entziehe sich seiner Beurteilung. Mit demselben Rechte könnten ja auch die Reichstagsmitglieder hier in Berlin zur Besteuerung herangezogen werden. Ob das Pensionsgesetz angenommen wird oder nicht, werde von der Erwägung abhängen, ob man glaube, den Männern einige Dankbarkeit zu schulden, welche die Schlachten mitgekämpft und ihre beste Lebenskraft für das Vaterland eingesetzt haben.(Beifall rechts.) Abg. Mayer(Württemberg) findet es begreiflich, wenn die militärische Pensionirung von einem einseitigen militärischen Standpunkte behandelt werde, aber man müsse auf der anderen Seite auch die Besteuerung des Volkes berücksichtigen. Er glaube, man werde endlich zu einer Reform gelangen müssen, welche einen Unterschied zwischen dienstfähigen und dienstunfähigen Officieren herstellt. Abg. Dr. Reichensperger(Olpe) spricht sich im Allgemeinen im Sinne des Abg. v. Bernuth für Heranziehung des Privatvermögens der Officiere zu den Kommunalsteuern aus, während Abg. Frh. v. Manteuffel betont, daß die conservative Partei in dieser Frage auf ihrem früheren Standpunkt beharre. Er beantrage die Verweisung der Vorlage an eine Commission von 21 Mitgliedern.= Abg. Richter(Hagen): Das Gefühl der Dankbarkeit für die Armee beherrsche alle Teile dieses Hauses, aber man müsse diese Dankbarkeit in gleichem Maße allen Denen abtragen, welche an jenen großen Thaten beteiligt waren. Von den 30,000 Officieren, welche in Frankreich gewesen, seien etwa nur 15,000 berufsmäßige Officiere, die übrigen hätten vielleicht noch größere Opfer bringen müssen als die Berufsofficiere. Wenn sich der Abg. Graf von Moltke darauf berufen habe, daß es sich. hierbei um eine altpreußische Einrichtung handele, so bemerke er, daß das Alte für den Reichstag nicht maßgebend sein könne. Die Ausführungen des Grafen Moltke, daß die Officiere nichts von den Gemeinden hätten, werde im Lande einiges Kopfschütteln hervorrufen, die Officiere hätten beispielsweise hier in Berlin an die höheren Lehranstalten dieselben Ansprüche, wie alle übrigen Staatsbürger. Wenn der kleine Adel in Preußen zurückgegangen, so liege das an den ungemessenen Prätensionen desselben an den Lebensunterhalt, die mit den Einnahmen in keinem Verhältnisse stehen. Redner nimmt hierbei Veranlassung, seine frühere Behauptung zu wiederholen, daß der Adek in der Armee bei dem Avancement zu der höheren Rangstufe bevorzugt werde. Ohne die Gleichstellung der Officiere mit den Beamten halte er das Pensionsgesetz überhaupt nicht für diskutirbar. Kriegs=Minister Bronsart v. SchellenAltdeutscher Witz und Verstand. ist auf Erden kein besser List Denn wer seiner Zungen ein Meister ist; wissen und wenig sagen, Richt antworten auf alle Fragen. Bücher fressen und nicht käuen macht ungesund. Freundlich Gesicht ist halb Zugemüse. Die Glocken klingen viel anders, wenn einem lieber Freund gestorben. Es meint jede Frau, Ihr Kind sei ein Pfau. ein 4) Ghrlos. Hamburgischer Roman von F. Klinck. . Verstimmt verließ William Copper an diesem #Norgen sein Haus. Er betrat zunächst das Geschäftslocal eines seiner Bekannten, der ihm t der Frage entgegen trat, ob es wirklich wahr “ daß der junge Winkelmann als Fälscher verLot werde, weil dessen Vater den gefälschten Bechsel zu bezahlen sich geweigert habe. .„Wie kommen Sie zu dieser Frage?“ ver###t William Copper.„Die ganze Angelegenheit “ doch so verschwiegen wie möglich betrieben „natürlich aus Schonung für die unückliche Frau.“ „O, es wird mancherlei gesprochen. Die Sache viel Aufsehen.“ „Es ist noch kein Steckbrief erlassen,“ meinte #slom Copper trocken,„aber wenn ich mein nicht bekomme— ich habe immer dorff hält es für zweifelhaft, ob es überhaupt möglich sei, die Communalsteuerfrage in diesem Gesetze im Sinne des Reichstages zu regeln. Die Frage, wie verabschiedete Officiere zu pensioniren seien, stehe in keinem Zusammenhange mit der Frage, wie die Officiere zur Communalbesteuerung heranzuziehen. Die verbündeten Regierungen seien nach wie vor der Meinung, daß diese Frage nicht hierher gehört; wenn man trotzdem den Versuch machen sollte, mit der Pensionserhöhung der verabschiedeten Officiere eine neue Steuer für die aktiven Officiere zu verbinden, so würden die verbündeten Regierungen nicht in der Lage sein, demselben zuzustimmen. Der Herr Minister weist sodann mit großer Entschiedenheit die Behauptung des Abg. Richter, daß bei den Avancements in der Armee ein Unterschied zwischen bürgerlichen und adligen Officieren gemacht werde, zurück; eine Reihe vortrefflicher Officiere seien aus bürgerlichem Stande hervorgegangen und später geadelt worden. Die Statistik des Abg. Richter habe für ihn so viel Wert, als wenn man fragen wollte, ob bei uns die Blonden oder Brünetten bevorzugt werden. Abg. Dr. Meyer(Jena) erklärt, daß die Nationalliberalen bezüglich der communalen Besteuerung auf ihrem früheren Standpunkt verharren müßten, wenn sie sich auch ein Resultat hiervon nicht versprechen könnten. Nach einer kurzen Replik des Herrn Kriegsministers nimmt noch das Wort Abg. Dr. Windthorst, um gleichfalls zu erklären, daß ohne gleichzeitige Regelung der Communalbesteuerung dem Gesetze nicht zugestimmt werden könne. Wenn man eine Verbindung dieser beiden Materien für unzweckmäßig halten könne, unzulässig sei sie jedenfalls nicht. Wünschenswert wäre es, wenn die Regierungen sich entschlössen, inbezug hierauf den Vorschlägen des Reichstages zuzustimmen. Kriegsminister Bronsart von Schellendorff erwidert, daß die Regierungen im vorigen Jahre das Gesetz getrennt eingebracht, daß man aber im Reichstage eine neue Materie in dasselbe hineingetragen habe. Wenn das Gesetz nicht zustande kommt, dann treffe die Verantwortung dafür nicht die verbündeten Regierungen. Abg. Graf Moltke erkennt an, daß die Städte dankenswerte Opfer für das Militär bringen, aber andererseits seien auch die Vorteile der Städte von den Garnisonen nicht unerheblich, denn die Einnahmen der Officiere 2c. kämen doch den Gewerbetreibenden und dem mittleren Bürgerstande zugute. Nach einigen weiteren Ausführungen des Abg. Richter(Hagen), des Kriegsministers und des Abg. Reiniger beschließt das Haus die Verweisung des Gesetzes an diejenige Commission von 21 Mitgliedern, welche zur Vorberatung des gestern angenommenen Antrages Büchtemann erwählt worden ist. Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr(Relictengesetz; Hülfskassengesetz). gehofft, der alte Winkelmann werde Mittel und Wege suchen und sein einmal gesprochenes Wort zurücknehmen. Niemand wird sich durch solch' ein Ammenmärchen über den wahren Stand der Dinge täuschen lassen.“ „Wie meinen Sie das?“ William Copper warf verächtlich die Oberlippe auf. „Einfach, daß Johannes Winkelmann nicht die Mittel zur Einlösung des Wechsels besitzt, Freund Coborne.“ „Unmöglich!“ stammelte dieser, und in seinen Mienen prägte sich der Ausdruck des höchsten Entsetzens aus.„Ich habe in fünf Tagen eine Forderung von hunderttausend Mark an das Haus Winkelmann. Ich hoffe, Sie täuschen sich. Mir erscheint eine Handlungsweise wie die Winkelmanns seinem Sohne gegenüber durchaus nicht befremdlich, wenn ich mir den ehrenstolzen Mann vorstelle!“ „Ehrenstolz!“ lachte Copper spöttisch.„Ist es etwa ehrenstolz, wenn Johannes Winkelmann bei dem Juwelier Stifter den Schmuck seiner Frau verkaufen läßt?“ „Wer sagt Ihnen das?“ braus'te Coborne beinahe auf. „Gemach, mein Lieber, ich pflege nie etwas zu sagen, was ich nicht beweisen kann!“ Bei diesen Worten zog Copper langsam ein Etui aus der Rocktasche herror und öffnete es. Die stadtbekannten Juwelen der Frau Marie Winkelmann blitzten den Kaufmanne entgegen. „Das Collier!“ stammelte er bestürzt.„Wie kommen Sie dazu?“ „Wie ich dazu komme? Ich habe es mir von dem Juwelier Stifter für neuntausend Mark gekauft.“ Herr Coborne stand einige Augenblicke in yöchster Bestürzung, doch es lag ihm selbstverständlich daran, dieselbe möglichst zu verbergen, aber es gelang ihm nur schlecht. William Coppers Gesicht strahlte vor Vergnügen, als er das Haus Cobornes verließ. Er war gerade an den rechten Mann gekommen. Frau Marie sollte noch auf den Kniee um seine Freundschaft bitten. Er war, in Gedanken versunken, verschiedene Straßen entlang geschritten, als er sich plötzlich zwei Frauengestalten gegenüber sah, die scheu vor ihm zurückwichen. Das Gesicht der einen war dicht verschleiert, als er hätte die graciöse Gestalt unter Tausenden wieder erkannt; die andere Deborah Nietschel, war ihm nicht fremd. Blitzähnlich durchzuckte ihn ein Gedanke. Er erinnerte sich des Abends, als er, an der Thür Gretchen Löbers horchend, jemanden die Treppe herauf kommen gehört und sich leise zu entfernen versucht hatte. In demselben Moment stieß er gegen ein ihm entgegenkommendes, weibliches Wesen. Deutlich hörte er den Namen„Gustav“ aussprechen. Wie hatte ihm das nur achtlos entgehen können. In diesem Augenblick wußte er, daß Devorah Nietschel diejenige gewesen war, die den Namen Gustav ausgesprochen hatte. Ihr Zusammense'a mit Frau Winkelmann sagte ihm, daß deren Sohn jener Gustav war und daß Deborah ihn verborgen halte. Kaum waren beide Frauen seinem Gesichtskreise entschwunden, so eilte er schnellen Schrittes zu Frau Löber, die im Begriff stand, ihre ärmliche Wohnung mit einer anderen, besseren zu vertauschen. Er fand sie mit dem Aufräumen ihrer wenigen Habseligkeiten beschäftigt, die sie des Mitnehmens wert hielt. Beim Anblick William Coppers strahlte ihr unangenehmes Gesicht vor Freude auf. Sie machte einen Knix über den anderen und erging sich in allerlei Redensarten, die ihre Ergebenheit und ihr Geehrtsein an den Tag legen sollten. Ihr Besuch konnte sich ihrer Zuvorkommenheiten kaum erwehren. „Frau Löber ich komme in einer besonderen Angelegenheit zu Ihnen. In diesem Hause wohnt eine Tänzerin vom Balletcorps ein Fräulein Deborah Nietschel. Haben Sie jemals die Bemerkung gemacht, daß Sie den Besuch eines Mannes, eines vornehmen, jungen Mannes empfängt?“ Frau Löber schüttelte überrascht das Haupt. „Nein,“ sagte sie bestimmt.„Die ist viel zu hochmütig, die läßt sich mit keinem Manne ein i: „Es könnte ohne ihr Vorwissen sein. Könnte sie nicht einen Mann hier im Hause verborgen halten? Besinnen Sie sich! Meine Nachrichten lauten ganz bestimmt.“ In dem Weibe regten sich die Furien der Bosheit und Nachsucht. Deborah Nietschel war ihr, um ihres bescheidenen, ruhigen und stillenf Preußischer Landtag. 73. Sitzung des Abgeordnetenhauses. 88 Berlin, 24. April. Auf der Tagesordnung steht in erster Reihe der Bericht der Wahlprüfungscommission über die Wahl des Abg. Frhr. v. Lyncker(5. Gumbinner Wahlkreis.) Die Commission beantragt: 1) die Wahl des Frhru. v. Lyncker sowie die Wahlen sämtlicher Wahlmänner des Kreises Angerburg für ungültig zu erklären; 2) die Staatsregierung aufzufordern: die Einleitung eines strafgerichtlichen Ermittelungsverfahrens über die von einigen Zeugen bekundeten Vorkommnisse zu veranlassen und den Stadtwachtmeister Lauschat zu Angerburg und den Amtsvorsteher Hinz zu Kehlen wegen ungesetzlicher Wahlbeeinflussung in geeigneter Weise zur Verantwortung zu ziehen. Hierzu liegen folgende Anträge vor: 1. von den conservativen Abgg. Althaus u. Genossen: unter Ablehnung der Commissionsbeschlüsse die Wahl des Frhru. v. Lyncker für gültig zu erklären, und die Staatsregierung aufzufordern: diejenigen Beamten, welche sich eine Ueberschreitung ihrer Amtsbefugnisse haben zu Schulden kommen lassen, in geeigneter Weise zur Verantwortung zu ziehen. 2. Von dem(freiconservativen) Abg. Barth und Genossen: An Stelle der Nr. 2 der Commissionsbeschlüsse zu setzen;„diejenigen Beamten, welche sich eine Ueberschreitung u. s..“ wie vorstehend. Abg. Hahn befürwortet den Antrag Althaus, indem er ausführt, daß der Antrag der Commission den Grundsätzen, welche seit einer Reihe von Jahren sowohl von der Wahlprüfungscommission, als auch von dem Hause selbst bei der Prüfung der Wahlen festgehalten worden, widerspreche. Selbst wenn man sich auf den Standpunkt der Commission stellen wollte, würde sich die Ungültigkeitserklärung der Wahl selbst nicht rechtfertigen lassen, denn nach der bisherigen Praxis sei hierfür allein die Stimmenzahl maßgebend, und diese ergebe, selbst nach Abzug der für ungültig erklärten Wahlmännerwahlen, noch immer 18 Stimmen über die absolute Majorität für den Freiherrn v. Lyncker. Das Institut der Wahlprüfungscommission sei in der Hauptsache deshalb eingesetzt worden, um bestimmte Grundsätze bei Prüfung der Wahlen einzuführen; von diesen Grundsätzen sollte auch im vorliegenden Falle nicht abgewichen werden. Abg. Dirichlet tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen, welcher die tendenziöse Einwirkung bei dieser Wahl vollkommen aus dem Auge gelassen hobe. Es sei actenmäßig festgestellt, daß die Feststellung der Wahlbezirke in tendenziöser Weise, und nicht, wie das Wahlreglement vorschreibt, durch den Kreislandrat, sondern durch den Regierungspräsidenten erfolgt sei. Andererseits seien durch die stattgehabten Zeugenvernehmungen mehrfache Wahlbeeinflussungen vonseiten der Beamten constatirt worden. Er kommt zu dem Schluß, daß der Antrag der Commission nach jeder Richtung gerechtfertigt erscheine. Vicepräsident des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer versagt sich, seiner Meinung über die Gültigkeit oder Ungültigkeit der Wahl Ausdruck zu geben. In dieser Beziehung stehe die Entscheidung dem Hause allein zu. Er müsse aber die innere Berechtigung des Verfahrens der Behörden rechtfertigen, insoweit dasselbe in dem vorliegenden Berichte als incorrect bezeichnet worden. Daß der Präsident Steinmann das Schreiben an ein Mitglied der Wahlprüfungscommission gerichtet, müsse auch allerdings er als unzulässig bezeichnen, er habe dieses Verfahren auch bereits gerügt und Herr Steinmann habe sein Versehen auch vollständig anerkannt. Daß bei Feststellung der Wahlbezirke in tendenziöser Weise verfahren worden, sei nicht erwiesen, es könne sich höchstens um formelle Incorrectheiten handeln. Der Regierungspräsident habe das unzweifelhafte Recht, in die Bildung der Urwahlbezirke als Oberaufsichtsbehörde dirigirend einzugreifen. Was die behaupteten Wahlbeeinflussungen anlange, so trage der Commissionsbericht in dieser Wesens willen, stets ein Dorn im Auge gewesen. Vielleicht ahnte sie auch instinktiv, mit welchen Gefühlen sie von derselben betrachtet wurde. Wenn es möglich wäre, dieses Mädchen von ihrer Höhe herabzustürzen? Sie vergaß darüber die * Gefahr, welche sie für iyr eigenes Kind in den Nachforschungen William Coppers witterte. „Bislang ist mir nichts verborgen geblieben, Herr Eopper, aber beschwören kann ich es nicht. Wer soll es denn sein?“ „Das zu ergründen, soll eben Ihre Ausgabe sein, Frau Löber. Ich muß so schnell als möglich bestimmte Nachrichten haben. Sie können eine hübsche Summe Geld dabei verdienen.“ „Ich werde alles aufs Beste besorgen und wenn etwas im Werke ist, mein Wort darauf, Sie haben morgen in der Frühe Nachricht!“ Damit trennten sich beide und nicht fünf Minuten später stand Frau Löber bei einer Nachbarin, um ihr im Vertrauen mitzuteilen, daß sie über die kleine, kokette Tänzerin Dinge gehört i habe, die eigentlich nicht zu glauben seien, aber es müsse doch etwas Wahres daran sein. So # viel sei gewiß: Von ihrem Verdienst könne sie ein solches Leben nicht führen, denn in der Wohnung des alten Nietschel solle es aussehen, wie in einem soliden Bürgerhause und man wisse doch, was die Anstellung beim Balletcorps eintrage. Militärische Commandos.] Deutsch: # Vataillon Marsch! Holländisch: S' chanze Bataillon soll trampeln. Chetzt noch nich, aber un!— Deutsch: Aufgesessen! Holländisch: Thlettert uf die Beesters! Beziehung mehr den Character einer Streitschrift als den einer objectiven Darstellung. Die Ermittelungen hätten auch keineswegs diejenigen Resultate ergeben, wie sie der Vorredner darzustellen gesucht habe. Es sei namentlich durch nichts erwiesen, daß der Präsident Steinmann den interimistischen Strafanstaltsdirector v. Hartung als Wahlagitator bis nach den Wahlen zur Disposition haben wollte, und was den Dr. Paulini anlange, so habe Herr Steinmann in einer die Grenzen seiner Befugnisse überschreitenden Weise über die Persönlichkeit desselben Nachforschungen nicht gehalten; wenn er sich über die politische Haltung des Dr. Paulini zu informiren gesucht habe, so sei es nur die Pflicht der oberen Behörden, sich in dieser Beziehung orientirt zu halten, eine unzulässige Beeinflussung könne er darin nicht erblicken. Der Zustand der Verhältnisse in jener Provinz sei keineswegs ein unhaltbarer, wie Herr Dirichlet behauptet; er kenne aus eigener Erfahrung die Provinz Ostpreußen und wisse, daß es dort gewisse Politiker gebe, die ohne Conflict mit den Staatsbehörden nicht leben könnten; die mit einer unermüdlichen Geschäftigkeit nach einem Conflict suchten, den sie mit Außerachtlassung der öffentlichen Interessen verfolgen; es solle kein friedliches Verhältnis mit den Behörden bestehen bleiben, weil man hofft, die Bevölkerung in die Gewalt zu bekommen, um sie als Wahlheerde zu benutzen. Er(Redner) wolle wirkliche Ausschreitungen der Behörden nicht in Schutz nehmen, aber selbst die nicht gestatteten behördlichen Beeinflussungen würden weit in den Schatten gestellt durch die Agitationen der Fortschrittspartei. Abg. Korsch führte in juristischen Deductionen aus, daß aus dem vorliegenden Material sich ein Grund zur strafrechtlichen Verfolgung wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt in keiner Weise herleiten lasse. Um 1¼ Uhr wurde die weitere Veratung auf Freitag 11 Uhr vertagt. Tages=Rundschau. * Berlin, 25. April. Wie sich denken läßt, sieht, man der morgenden Sitzung der Commission für Verlängerung des Socialistengesetzes mit Spannung entgegen. Die Commission wird nur noch zwei Sitzungen für die Beendigung ihrer Arbeiter nötig haben. Heute hält alle Welt mehr als je die Annahme der Verlängerung des Socialistengesetzes für wahrscheinlich. LC. Der Reichstag beriet heute in erster Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und der Marine. Abg. MeyerJena tadelte, daß die Regierung von den im vorigen Jahre in der Commission beschlossenen Abänderungen keinerlei Notiz genommen habe, selbst von denen nicht, denen sie selbst zugestimmt, und die nur redactioneller Art seien. Der Kriegsminister rechtfertigt dies damit, daß weder ein Beschluß des Reichstags noch ein Bericht der Commission vorgelegen habe. Nach längerer Debatte wurde der Gesetzentwurf an dieselbe Commission verwiesen, welche bereits die Pensionsvorlage zu beraten hat. Alsdann wurde die zweite Lesung des Hülfskassengesetzes fortgesetzt. Der von der Beaussichtigung handelnde§ 33, bei welchem neulich die Beschlußunfähigkeit des Hauses sich herausstellte, wurde heute mit geringer Mehrheit angenommen. In§ 34 hatte die Commission die Bestimmung gestrichen, wonach Erörterungen über öffentliche Angelegenheiten in den Generalund Mitgliederversammlungen bei Strafe verboten sind. Abg. von Hammerstein beantragte Wiederherstellung. Nach langer Debatte, an welcher sich die Abg. v. Hammerstein, Schrader, Stolle, von Maltzahn=Gültz, L. Löwe, Windthorst, Dr. Hirsch, sowie der Staatsminister von Bötticher und der Geh.=Rat Lohmann beteiligten, wurde der Antrag Hammerstein mit 132 gegen 110 Stimmen(Conservative und Centrum zum größten Teil) abgelehnt und der Commissionsvorschlag angenommen. Der Rest des Gesetzes wurde ohne ehebliche Debatte angenommen. Alsdann vertagte sich das Haus bis Montag(Wahlprüfungen, Zündhölzervorlage, Hülfskassengesetz). NLC. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Prüfung der Wahl des Abg. von Lyncker fort. An der Debatte beteiligten sich die Abgg. Bachem, v. Bismarck=Flatow, Rickert und v. Meyer=Arnswalde. Die Abstimmung hatte das Resultat, daß die Wahl des Herrn von Lyncker sowie die aller Wahlmänner im Wahlkreise Angerburg für ungültig erklärt und der freiconservative Antrag mit einem Amendement Bachem angenommen wurde, wonach also die Regierung aufgefordert wird, diejenigen Beamten, welche sich eine Ueberschreitung ihrer Amtsbefugnisse haben zu Schulden kommen lassen, in geeigneter Weise zur Verantwortung zu ziehen und von den getroffenen Maßregeln dem Hause Kenntnis zu geben. Zwei Rechnungsvorlagen wurden nach kurzer Debatte für erledigt erklärt. Nächste Sitzung morgen(Jagdordnung). * In der Unfallcommission erklärte Bötticher mit größter Entschiedenheit, die Regierung müsse an dem Umlageverfahren unter allen Umständen festhalten. Zur Abstimmung kam es noch nicht. NLC. Die Actiengesetz=Commission des Reichstags hielt am Donnerstag Vormittag ihre erste Sitzung. Es wurde zunächst beschlossen, den Entwurf zwei Lesungen zu unterziehen, von einer Generaldiscussion aber vorbehaltlich einer generellen Debätte bei den einzelnen Abschnitten, Abstand zu nehmen. Es wurde ferner beschlossen, die Beratung der Bestimmungen über die Commanditgesellschaft auf Actien voraufgehen zu lassen. Die Verhandlung begann daher mit Artikel 207, welcher ohne Debatte angenommen wurde. Eine lange Debatte entspann sich über den ersten Absatz des Artikels 207a, welcher den Mindestbetrag der Actien festsetzt. Es wurde der im Gesetz gemachte Unterschied zwischen Namensactien und Inhaberactien lebhaft bekämpft und unter Hinweis auf die practischen Verhältnisse dargelegt, daß eine derartige Unterscheidung keinen Erfolg haben könne und werde. Namentlich werde durch eine Begünstigung der Namensactien dem Strohmänner= Unwesen in den Generalversammlungen nicht wirksam entgegengetreten werden können, da Namens=Actien mit Blanco=Giro ebenso leicht gegen Leihgeld an der Börse zu haben seien, wie Inhaber=Actien. Wenn aber dieser allein inbetracht kommende Grund für eine Begünstigung der Namensactien hinfällig sei, so sei keine Veranlassung vorhanden, die alte gesetzliche Unterscheidung zwischen Namens=Actien und InhaberActien inbetreff der Höhe des Mindestbetrags aufrecht zu erhalten. Es war demnach beantragt worden, den Mindestbetrag für alle Actien ohne Unterschied auf 400, auf 500, auf 1000 Mark festzusetzen. Die beiden ersten Anträge wurden gegen eine kleine Minorität, der Antrag, den Mindestbetrag für alle Actien auf 1000 Mark festzustellen, mit 9 gegen 8 Stimmen(Conservative und Centrum gegen Nationalliberale und freisinnige Partei) abgelehnt. Darauf wurde die Regierungsvorlage(Mindestbetrag Mark 1000 bei Namens=Actien, Mark 2000 bei Inhaber=Actien) mit 12 gegen 5 Stimmen angenommen. NLO. In der heutigen Sitzung der Commission zur Beratung des Gesetzentwurfs wegen Regelung des Feingehaltes von Gold= und Silberwaren kam man wiederum nicht wesentlich über allgemeine Erörterungen hinaus. Erfreulicherweise kam der Grundsatz der möglichsten Schonung der in dieser Industrie so außerordentlich großen Anzahl von Arbeitern zur Geltung. In voller Würdigung dieses Grundsatzes halten die in der Reichshauptstadt sehr zahlreich anwesenden Bijouterie=Fabrikanten die Hoffnung noch aufrecht, daß der zu erledigende Gesetzentwurf nur für Anfertigung von Gold= und Silbergeräten Geltung erhalten solle. *8 Ueber die Vorlage betreffend Subventionirung von Postdampfschiffsverbindungen mit Ostasien und Australien herrschen unter den Freisinnigen Meinungsverschiedenheiten. Die Mehrheit ist principiell dagegen; Einzelne— frühere Secessionisten— sind dagegen der Meinung, daß von dem Gesichtspunkte geregelten Postverbindungen aus die Angelegenheit der Erwägung wert sei. &* Nach einer uns zugehenden Mitteilung hat Seine Majestät der Kaiser am 20. ds. die Grundzüge für die Wiedereinberufung des Staatsrats, sowie für den Wirkungskreis und die Verhandlungen desselben genehmigt, und es sind nunmehr die Arbeiten zum Erlaß der Ausführungsbestimmungen in Angriff genommen worden. js Der Kaiser hat die Berichte der unter der Leitung des Geh.=Rats Koch stehenden deutschen Choleracommission mit großem Interesse verfolgt. Dem Leiter der Commission wird nach Rückkehr derselben eine besonders ehrende Dankesbezeugung zuteil werden. Ueber die Forschungsergebnisse der deutschen Commission giebt es auch im Auslande nur ein Urteil, das der unumwundenen Anerkennung. * Die kronprinzlichen Herrschaften sind in Eisenach von der Bevölkerung warm begrüßt, eingetroffen und von dem Großherzog, dem Erbgroßherzog und der Prinzessin Elisabeth empfangen worden. Der Kronprinz und der Prinz Heinrich begaben sich mit dem Großherzog auf die Wartburg. * Wien, 25. April. Dem Abgeordnetenhause ist der Gesetzentwurf betreffend die Verstaatlichung der Albrechtbahn zugegangen. Neuigkeiten aus der Verwaltung. In den Verhandlungen der Unterrichtscommission des Abgeordnetenhauses, irsbesondere auch bei der Beratung über den Antrag des Abg. Drawe, bezüglich des Wegfalls des Nachmittagsunterrichtes in den ländlichen Schulen im März d. J. ist darüber Klage geführt worden, daß bei Aufstellung der Lectionspläne nicht selten die Rücksicht auf die aus den örtlichen Verhältnissen sich ergebenden besonderen Bedürfnisse der Gemeinden dem Bemühen um Herbeiführung einer gewissen Uniformität in den Schulen nachstehen müsse. Der Kultusminister hat jetzt die Provinzial=Regierungen angewiesen, überall da, wo es ohne Nachteil für die Schule, insbesondere auch ohne Kürzung der Unterrichtszeit geschehen kann, jene Rücksicht walten zu lassen. Provinzielle Nachrichten. * Gelsenkirchen, 25. April. In der heutigen Schöffengerichtssitzung wurden verurteilt wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt: Bergmann C. Kämmler aus Röhlinghausen zu 2 Monaten Gefängnis, Bahnarbeiter Johann Zaremba zu 3 Monaten Gefängnis(beide Angeklagte hatten sich an Polizei=Officianten vergriffen). In vier Sachen erfolgte Bestrafung wegen Vergehens gegen den§ 360 Nr. 11 des St.=.=B.(Unfug), in einer wegen Bettelei und in einer Sache gegen die des unerlaubten Vogelfangs angeschuldigten Bergleute Franz Papwreck, Johann Maßling und Friedrich Schirnbeck aus Hüllen. P. wurde zu 30 Mark, M. und Sch. eder zu 18 M. verurteilt. * Wie wir erfahren, hat der vom hiesigen stenografischen Verein in Aussicht genommene Cursus in französischer und englischer Sprache seitens des Herrn Lehrer Velten aus Essen viel Interesse erweckt, sodaß eine zahlreich besuchte Versammlung namentlich unger Kaufleute, heute Abend im Elverfeld'schen Locale in Aussicht steht. ** Zur Warnung teilen wir Folgendes mit. Ein Reisender wurde von dem Schöffengericht zu Elberfeld zu 15 M. Strafe verurteilt, weil er in einem Coupee für Nichtraucher, trotz der Einsprache anderer Passagiere, das Rauchen nicht eingestellt hatte; zwei andere Reisende wurden wegen Singen unzüchtiger Lieder vor dem nämlichen Gerichte zu 4 Tagen Gefängnis verurteilt. * Am 28. d. Mts. wird sich der Westfälische Provinziallandtag mit der Teilung des Kreises Bochum zu beschäftigen haben. Schalbe, 26. April. An dem morgen Nachmittag in Essen stattfindenden Begräbnis des Bergwerks= und Hüttenbesitzers Herrn Friedrich Funke steht— wie wir hören, auch von unserem Orte aus, um den sich der Verstorbene so sehr verdient gemacht hat, eine zahlreiche Beteiligung zu erwarten. ) Der Fröbel'sche Kindergarten hierselbst geht voraussichtlich schon mit Ende dieses Monats ein. ** Der Unternehmer des 1. Abonnementsconcerts seitens der Giesenkirchen'schen Capelle, Herr Börste zu Nectendorf, hat dadurch, daß er in Ueckendorf Gelegenheit giebt, eine gute Musik zu hören, das allgemeine Urteil für sich gewonnen. Das am Dienstag veranstaltete Concert war derartig zahlreich besucht und die Piegen wurden mit solchem Applaus aufgenommen, daß man dem 2. Abonnementsconcert mit Spannung entgegensieht. * Herr Pastor Krebs in Wattenscheid hält morgen seine Abschiedspredigt. * Der für den abgegangenen Lehrer Herrn Klicks von der königlichen Regierung zu Arnsberg nach Herne gesandte Lehrer Herr Blänemann, wurde am 21. ds. durch den dortigen Local=Schulinspector, Herrn Pfarrer v. Martitz, in sein Amt eingeführt. Gleichzeitig wurde die Lehrerin Fräulein Uhlenbusch in ihr Amt eingeführt und vereidet. * Wie sehr die Seelenzahl der Gemeinde Herne wächst, erhellt wohl am deutlichsten aus der Zahl der angestellten Lehrkräfte. In Herne selbst wirken gegenwärtig 27, in den umliegenden Gemeinden Holsterhausen, Hiltrop und Baukau je 2, und wo jetzt diese 33 Kräfte wirken, reichten vor 10 Jahren 3 Lehrer aus, um der Jugend die notwendigen Kenntnisse beizubringen. * Bei Herne ist die mit Heu und Stroh belagerte Kegelbahn auf Zeche Providence abgebrannt. * In Witten findet am nächsten Sonntag, nachmittags 3½ Uhr im evangel. Vereinshause eine Kreisvertretung der Jünglings= Vereine der Witten=Dortmunder Kreisverbindung statt, zur welcher die Vertreter der verbundenen Jünglingsvereine eingeladen sind. Tagesordnung: Bestimmung des Kreisfestes und Verschiedenes. * Das neue Landgerichtsgebäude in Essen ist bis auf die letzten Arbeiten des Anstreichers fast vollständig vollendet, sodaß der Einzug der Justizbehörde in dasselbe demnächst erfolgen wird. Einige Räume werden, nach der„Rh. W..“, bereits in den ersten Tagen des Mai in Benutzung genommen werden. Ein grober Verstoß gegen die bergpolizeilichen Vorschriften führte der Strafkammer zu Essen den Abschlepper Joseph Wegmann aus Holsterhausen auf die Anklagebank. Am 18. Januar d. J. teilt die„Rh.=W..“ mit, erlitt auf Zeche„Ernestine" bei Stoppenberg der Bremser Kammann durch einen Schlag des Haspelhorns der Bremse einen Bruch des linken Oberschenkels, wodurch er bis jetzt arbeitsunfäig wurde. Der Unfall war dadurch herbeigeführt worden, daß Wegmann, ohne das Signal dazu erhalten zu haben, vom Bremsbock einen Wagen abzog, sodaß, da die Bremse noch nicht geschlossen war, das Gegengewicht über dem Bremsbock das Uebergewicht verlor und letzteren in die Höhe schnellte. Wegmann hat sich durch das zu frühe Abziehen des Wagens straffällig gemacht und wurde deshalb mit 8 Tagen Gefängnis bestraft.— Der Bergmann Wittpoth aus Gelsenkirchen belästigte am 2. März d. J. auf der Straße zu Gelsenkirchen mit einer Anzahl von Gesinnungsgenossen mehrere Vorübergehende, was diese sich verbaten. Sofort fiel er nun über sie her und brachte ihnen mit einem Dolchmesser verschiedene Verletzungen bei. Es wurde ihm dafür eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr auferlegt. * Aus Vergevorbett wird gemeldet, daß man dort in 2 Waggons Kohlen auf dem einen eine Blechdose mit 1 ko Pulver und auf dem anderen eine Dynamitpatrone vorgefunden habe. Eine neue Warnung für die Zechen, in der Ueberwachung ihrer Sprengmiktel auf das strengste zu verfahren. * Um die Restauration der städtischen Tonhalle in Büsseldorf, deren neue Uebernahme vor einiger Zeit ausgeschrieben worden, haben sich bis zu Anfang der vorigen Woche ca. 20 Personen beworben. Es befinden sich unter denselben solche aus Misdroy, Stuttgart, Marienbad, Hamm und anderen weit entfernt liegenden Orten. Das höchste Gebot beträgt, der„Westf..“ zufolge, z. Z18000., das niedrigste 8000.; durchschnittlich erreichen die Angebote die Summe von gegen 10 bis 12000 M. * Auf dem Barbarossaplatz in Sel# em interessante fördert. An einer Stelle, wo befunden hatte, fand man schen Sarg aus Tuffstein. drei Thonkrüge, ein Glasfläse Auch auf einem Grundstück Friesenstraße und Steinfelder Vormittag auf einen römisch * Die„K. Vztg." berich wohnende Unterzeichner des likenversammlung am Osterm woch, 30.., zur Vernehmut Amtsgericht vorgeladen word gegen§ 131 des Strafgest Behauptung erdichteter oder um dadurch Staatseinrichtung der Obrigkeit verächtlich zu Bereits am Samstag wurde antwortliche Redacteur des de vernommen wegen Preßvergel den Abdruck des Aufrufs also einige Dutzend Prozesse * Kölner Schuster hatter schwerdeschrift an den Kriegs welcher sie darauf hinwiesen, Regimentsschuster, welche auch ten, geschädigt würden, und Die Eingabe ist abschläglich * In Köln büßte ein wallungsarbeiten mittels ei Leben ein. * Johannes Brahms hat richtete Anfrage, ob er die S Capellmeisters in Köln annehr geantwortet. * In Tachen hat sich verweilender Portepée=Fähnrich Regiments erschossen. * In Tachen kam vor gewiß seltene Fall vor, daß z der Bräutigam aus dem Ar portirt und nach Abschluß de Gefängnis zurückgeführt wu ehe“ fängt jedenfalls gut an. * In Frankfurt wurde Ehescheidungsprozeß eingeleite besonders merkwürdig, weil telbar nach der Hochzeit auf ist. Des Morgens war die nach Haus, setzte sich in zum Hochzeitsschmaus und d junge Gatte in Gesellschaft ei Die Beerdigung meines & Sohnes Julius findet am Montag Nachmittag ½4 Uhr von der evang. Schule Wiehagen aus statt. Lehrer C. Hörster. Gottesdienst=Ordnung der evangel. Gemeind Gelsenkirchen. Sonntag, den 27. April 1884. Frühgottesdienst 8 Uhr. Past Deutelmoser. Haupigottesdienst 10 Uhr. Past Leich. Collecte für das Asyl in Enger. Amtswoche: Pastor Leich. Gottesdienst=Ordnung der evangel. Gemein! Schalke. Sonntag, den 27. April 1884. Hauptgottesdienst vormitt. 9 U Collecte für das Asyl in Eng Kindergottesdienst nachm. 2 Uhr Evangelische Kirche zu Herr Sonntag, den 27. April 1884 Frühpredigt 8 Uhr: Pf. Dransfe Vormittags 10 Uhr: Pf. v. Mart Collecte für das Asyl zu Eng Amtswoche: Pfarrer v. Mart Bekanntmachung. Die Hundesteuer=Heberolle Gemeinden Schalke, Braubai schaft, Bulmke und Hüllen 1884/85 liegen vom 24. ds. M ab 8 Tage auf dem hiesigen? waltungsdureau zu Jedermal finsicht offen. Etwaige Re nationen sind bis zum 1. Auf er. schriftlich an die betreffen Herren Gemeindevorsteher oder das hiesige Amt zu richten. Alle nach dem 1. August er. gehenden Reclamationen wer als verspätet eingereicht zur gewiesen. Schalke, 22. April 1884. Der Amtmann: Klos Haus= und Paupia Verkauf. Dienstag, 29. Ap wirs m nachm. 4 Uhr, wiid Vergarbeiter seine hierselbst an der Bochun sraße in Nähe der Apotheke Egene Besitzung, bestehend ause estöckigen e sc01 Wohnha nebst schönem Baur welcher ca. 42“ Front Bochumerstraße hat, Locale des Wirtes Hö daselbst unter günstigen Bedi Ein zum Verkaufe aussetzen I Gelsenkirchen. W. Behme Schreibe Haut, Speeialarst für und Geschlechts=Le Bochum, Augustastraße ## n interessanter Fund zu Tag gefördert. An einer Stelle, wo sich eine Hohltraverse befunden hatte, fand man im Sande einen römischen Sarg aus Tuffstein. Derselbe enthielt Asche, drei Thonkrüge, ein Glasfläschchen und eine Münze. Auch auf einem Grundstücke an der Ecke der Friesenstraße und Steinfeldergasse stieß man heute Vormittag auf einen römischen Sarg. * Die„K. Vztg.“ berichtet:„Mehrere in Köln wohnende Unterzeichner des Aufrufs zur Katholikenversammlung am Ostermontag sind auf Mittwoch, 30.., zur Vernehmung vor das königliche Amtsgericht vorgeladen worden. Der Aufruf soll gegen§ 131 des Strafgesetzbuches(wissentliche Behauptung erdichteter oder entstellter Thatsachen, um dadurch Staatseinrichtungen oder Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen) verstoßen. Bereits am Samstag wurde in Kempen der verantwortliche Redacteur des dortigen„N. Wochenbl.“ vernommen wegen Preßvergehens, begangen durch den Abdruck des Aufrufs. Anscheinend stehen also einige Dutzend Prozesse in Aussicht. * Kölner Schuster hatten sich mit einer Beschwerdeschrift an den Kriegsminister gewandt in welcher sie darauf hinwiesen, daß sie durch die Regimentsschuster, welche auch für Civilisten arbeiten, geschädigt würden, und um Remedur baten. Die Eingabe ist abschläglich beschieden worden. * In Köln büßte ein Arbeiter bei den Umwallungsarbeiten mittels eines Erdrutsches sein Leben ein. * Johannes Brahms hat auf eine an ihn gerichtete Anfrage, ob er die Stelle eines städtischen Capellmeisters in Köln annehmen würde, ablehnend geantwortet. * In Tachen hat sich ein dort als Curgast verweilender Portepée=Fähnrich des 116. InfanterieRegiments erschossen. * In Tachen kam vor dem Standesamte der gewiß seltene Fall vor, daß zu einer Eheschließung der Bräutigam aus dem Arresthause herbeitransportirt und nach Abschluß der Ehe sofort in das Gefängnis zurückgeführt wurde. Diese„Musterehe“ fängt jedenfalls gut an. * In Frankfurt wurde vor einiger Zeit ein Ehescheidungsprozeß eingeleitet, der um deswillen besonders merkwürdig, weil der Gatte fast unmittelbar nach der Hochzeit auf und davon gegangen ist. Des Morgens war die Trauung, man fuhr nach Haus, setzte sich in Gesellschaft der Gäste zum Hochzeitsschmaus und des abends trat der junge Gatte in Gesellschaft einer Kellnerin, mit der er schon als Bräutigam ein Verhältnis unterhalten hatte, die Hochzeitsreise an. Alles Baargeld nahm er mit. Die Frau wartete einige Wochen auf die Rückkehr ihres ungetreuen Gatten und hat endlich eine Scheidungsklage eingereicht, die demnächst zu Ende geführt werden wird. * In einem Vergnügungs=Local zu Cassel stürzte ein junges Mädchen, das sich angeblich zu fest geschnürt hatte, vom Herzschlage getroffen, mitten in der Lust des Tanzes tot zu Boden. An demselben Abend hatte das Mädchen noch bei der Aufführung eines Theaterstückes im besten Wohlsein mitgewirkt. Es soll seit Jahren an einem Herzleiden gelitten haben. * In Merzig erlebte eine Frau, die Witwe Becker geb. Blick, zum hundertsten Mal das Osterfest. Die Frau erreicht binnen kurzem das höchst seltene Alter von 101 Jahren. Obwohl gebeugt und etwas schwerhörig, erfreut sich die Greisin doch noch einer gewissen Rüstigkeit; auch ist ihre Sehkraft noch wenig geschwächt. Industrie, Neuß, 25. Weizen##. Du. 1660 100 Kilo.* Landroggen /1. neu 1480 à 100 Kilo 12.„ 12 80 Gerste 100 Kilo 15 50 Buchweizen„ 15 50 Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ctr. Rüböl per 100 Kilo faßweise Handel und Verkehr. April.[Fruchtpreis.] 44 S 444 Hafer alter à 100 Kilo 15 40 " neuer„„„ 14 50 Raps 1.„.„"— Kartoffeln„„„ 400 Heu per 50 Kilo 490 Roggenstroh 600 Kilo 28 00 59 50 61— Preßkuchen per 1000 Kilo 131 Kleien per 50 Kilo 5 80 Weizen=Vorschuß 00 per 100 Kilo.—— Glasgow, den 25 April. 3 Uhr 3 Min. nachm. Roheisen. Warrants 428 5d. Meteorologische Notizen. Anmeldungen zum Bezug unserer Zeitung können zu jeder Zeit erfolgen bei unseren Boten oder Expeditionen. Die Schützlinge des großen Kurfürsten. 41) Historische Erzählung von Max Ring. „Kennt Ihr diesen Mann?“ fragte der Gesandte. „Nur dem Namen nach“ erwiderte der Agent. „Derselbe ist ein Refugié, ein Ketzer aus Nimes, sonst, wie ich höre, ein geschickter Arzt, der sich der besonderen Gunst des Marschalls erfreut.“ „Sollte es nicht möglich sein, von ihm den Inhalt jener Schrift zu erfahren, wenn man ihm für seine Mitteilungen einen angemessenen Preis bietet?“ „Das halte ich für höchst bedenklich. Der junge Mann ist ein verstockter Calvinist und hat allen Drohungen und Versprechungen des ihm sonst wohlgesinnten Intendanten Baville mit einer echt hugenottischen Halsstarrigkeit widerstanden. Deshalb glaube ich auch nicht, daß er selbst für eine große Summe uns das Geheimnis überlassen dürfte." „Es kommt auf einen Versuch an. Jeder Mensch ist käuflich, wenn man nur die geforderte Summe bezahlen kann.“ „Trotzdem möchte ich in diesem Fall nicht dazu raten, da Eure Excellenz sich der Gefahr aussetzen, compromittirt zu werden. Wir müssen vorsichtig sein und jedes Aufsehen vermeiden. „Das wäre allerdings fatal. Aber wie kann ich mir sonst die Schrift verschaffen? Wißt Ihr ein besseres Mittel?“ „Wie mir der Kammerdiener sagte, verwahrt der Graf das Document in einer fest verschlossenen Truhe, die sich in seinem Schlafzimmer befindet und in der noch andere Kostbarkeiten liegen. Mit Hülfe eines Nachschlüssels wird es nicht allzuschwer fallen, sich desselben zu bemächtigen. Um aber jeden Verdacht von uns abzuwälzen, müßte man einen Einbruch fingiren. Ich kenne zwei verwegene Burschen, alte polnische Freibeuter, die sich zu dem Geschäft—“ „Verschont mich mit den Einzelheiten!“ unterbrach der Gesandte den Agenten. Das ist Eure Sache. Wenn ich nur die Schrift erhalte, die ich Euch mit Gold aufwiegen will.“ Kurze Zeit nach dieser Unterredung erkrankte der Marschall, infolge einer Erkältung an einem heftigen, aber nicht gefährlichen Fieber, das ihn an sein Lager fesselte. Der sogleich hinzugerufene Raoul verordnete ihm vor allem die größte Ruhe und strenge Enthaltung von allen Geschäften. Eines Abends, als er den kranken Grafen besuchte, fand er denselben in höchster Aufregung, deren Grund ihm dieser mitteilte. „So eben“, sagte der Marschall,„habe ich von dem Erbstatthalter eine überaus wichtige Nachricht erhalten, die der Kurfürst mit Ungeduld erwartet und ohne Verzug wissen muß. Leider befindet er sich in diesem Augenblick in seinem Schlosse zu Potsdam und ich selbst bin zu schwach, um nach Potsdam zu reisen.“ „Das würde ich auch unter keiner Bedingung zugeben,“ erwiderte Raoul,„da## Uenz sich durch eine solche nächtliche Reise der größten Gefahr für ihr Leben aussetzen würden. Können Sie nicht einen zuverlässigen Boten statt Ihrer schicken?“ „Unmöglich! Ich kenne keinen Menschen, dem ich eine solche folgenschwere Mission anvertrauen kann. Außer Euch weiß niemand um unser Geheimnis. Ich bin in der größten Verzweiflung, was ich anfangen soll?“ „Wenn Excellenz befehlen, bin ich gerne bereit, die Mission zu übernehmen.“ „Das wäre freilich das Einfachste und Beste," versetzte der Graf sichtlich erfreut,„da Ihr bereits in alles eingeweiht seid und dem Kurfürsten mündlich die nötige Auskunft geben könnt. Ihr würdet ihm zugleich das von Euch ausgearbeitete Memorial in meinem Namen überreichen und mir seinen Bescheid mitteilen. Doch thut die höchste Eile not, da wir keine Zeit verlieren dürfen.“ „Ich brauche kaum eine halbe Stunde, um meine Vorbereitungen zu treffen.“ „Ihr könnt ein Pferd aus meinem Marstall nehmen, auch werdet Ihr gut thun, Euch mit Waffen zu versehn, da der Weg nicht ganz sicher sein und sich allerlei gefährliches Gesindel im Walde herumtreiben soll. Ich würde Euch gern zum Schutz einige von meinen Leuten mitgeben, doch das würde nur unnötiges Aufsehen machen und Verdacht erregen.“ „Ich habe keine Furcht; doch, wenn Excellenz gestatten, will ich mich von einem Freund begleiten lassen, der den Weg kennt und im Fall der Not seinen Mann steht.“ „Dagegen habe ich nichts, da Ihr für Euren Freund mir bürgt. Unterdessen werde ich die nötigen Anorduungen treffen, Ihr seid wohl so gut, meinen Kammerdiener zu rufen, damit er alles besorgen hilft und Ihr keinen Aufenthalt habt.“ Die Beerdigung meines & Sohnes Julius findet am Montag Nachmittag ½4 Uhr von der evang. Schule Wiehagen aus statt. Lehrer C. Hörster. Gottesdienst=Ordnung der evangel. Gelsenkirchen. Sonntag, den 27. April 1884. Frühgottesdienst 8 Uhr. Pastor Deutelmoser. Haupigottesdienst 10 Uhr. Pastor Leich. Collecte für das Asyl in Enger. Amtswoche: Pastor Leich. Gottesdienst=Ordnung der evangel. Gemeinde Schalke. Sonntag, den 27. April 1884. Hauptgottesdienst vormitt. 9 Uhr. Collecte für das Asyl in Enger. Kindergottesdienst nachm. 2 Uhr. Evangelische Kirche zu Herne. Sonntag, den 27. April 1884: Frühpredigt 8 Uhr: Pf. Dransfeld. Vormittags 10 Uhr: Pf. v. Martitz. Collecte für das Asyl zu Enger. Antswoche: Pfarrer v. Martitz. Bekanntmachung. Die Hundesteuer=Heberolle der Gemeinden Schalke, Braubauerschaft, Bulmke und Hüllen pro 1884/85 liegen vom 24. ds. Mts. ab 8 Tage auf dem hiesigen Verwaltungsdureau zu Jedermanns Einsicht offen. Etwaige Reclanationen sind bis zum 1. August r. schriftlich an die betreffenden Vherren Gemeindevorsteher oder an das hiesige Amt zu richten. Alle nach dem 1. August er. eingehenden Reclamationen werden 4ls verspätet eingereicht zurückgewiesen. Schalke, 22. April 1884. Der Amtmann: Klose. haus= und HauptatzVerkauf. Dienstag, 29. April, nachm. 4 Uhr, Bird Bergarbeiter Joh. Aßauer eine hierselbst an der Bochumerin Nähe der Apotheke beEegene Besitzung, bestehend aus ein m Usstöckigen Wohnhause schönem Baurlatz, seicer ca. 42• Front zur Dochamerstraße hat, im Locale des Wirtes Hölling eselbst unter günstigen Bedinguneen zum Verkaufe aussetzen lassen Gelsenkirchen. 89. Behmer. Schreiber " Speeialarzt für vaut= und Geschlechts=Leiden Augustastraße 2. Großer Har Verkauf. Montag, 28. April., vorm. 9 Uhr anfangend, werde ich im Auftrage des Schreiner= meisters Peter Jost, Gelsenkirchen, Hochstraße Nr. 28, (früher Wirt Küpper'schen Hause) verziehungshalber folgende Möbel, als: 1 eichenen und 1 tannenen Pultschrank, 1 mahagoni und 1 tannene Commode, 1 großen und 2 kleinere Kleiderschränke, 1 nußbaum und 1 tannenen Ausziehetisch, einige Küchentische, 2 Küchenanrichten, eine Küchenanrichte mit Aufsatz, 2 Nachtconsölchen, eine SpiegelConsole, 9 eichene u. tannene Bettstellen jeder Größe, 2 Lehnbänke, 5½ Dtzd. buchene, eschene u. kirschbaum Binsenstühle, 2 Sopha's, 1 Partie Hut= und Mantelhaken, sonstige verschiedene Sorten Möbel und 1 Tafelherd öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung verkaufen. A. Stegemann, Gerichtstaxator. Oeffentliche Serst. RKung. Am Montag, 28. d.., nachm. 3 Uhr anfangend, werde ich im Auftrage des Schenkwirts Herrn Heinrich Piening in dessen Wohnung in Bulmke wegen Aufgabe des Geschäfts und verziehunghalber nachstehende Gegenstände, als: 1 fast neue Nähmaschine, 4 Birken=Stühle, 1 BirkenKleiderschrank, 1 Spiegel, 6 Tische, 24 Stühle, 2 Kleiderschränke, 1 Schreibpult, mehrere Bettstellen mit u. ohne Matratzen, 3 vollständige Federbetten, 5 Waschconsolen, 2 Glasschränke, 1 Anrichte, Haus= und Küchengeräte, 1 ganz neuen Tafelherd, Bilder, 2 Aquariums, 2 Vögel mitKörben, 1 Regulator, mehrere tausend Cigarren, Tabak, Ackergeräte, 2 Taschenuhren, 4 Hängelampen, verschiedene Fässer, als: Fleischfässer, Branntweinfässer, Waschfässer 2c., 2 Spiegel, 2 Schaufenster, 1 Theke, Pferdegeschirr, Porzellan= und Glassachen 2c. 2c. öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verlaufen. Geldern, Autionater. 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Carl Dröge, Bardier und Friseur, Gelsenkirchen, Kreuzstraße 14. 80 s 9. 1 *— *8 E — 2 —us auf 4 Das Früh=Aufstiehen. Früh aufstehen wird gewöhnlich für sehr schwierig und unangenehm erklärt, und man findet deshalb so gern am Morgen irgend eine kleine Entschuldigung. Wem fehlt zum Früh=Aufstehen nicht oft Mut und Entschlossenheit? Und wer empfand nicht großes Vergnügen in der Ueberzeugung, daß es wirklich noch zu früh sei? Im allgemeinen gehört wohl bei Erwachsenen, die den Genuß, welcher im Früh=Aufstehen liegt, einmal empfunden haben, keine Ueberwindung und Mühe mehr dazu, diese Gewohnheit zu üben. Bei den meisten Menschen aber bleibt es täglich Ueberwindung. Es giebt freilich auch Zeiten, wo jeder ohne Schwierigkeit früh aufstehen kann, z. B. beim Antritt einer Reise, oder um irgend eine Lieblingsbeschäftigung auszuführen, zu der sonst keine Zeit bleibt.„Wo das Wollen ist, da ist auch das Können," dies ist ein wahres Wort. Aber das Wollen ist eben die Schwierigkeit und selbst, wo Gewohnheit es erleichtert, macht sie es doch— selten angenehm. Man sollte sich zwingen, das Früh=Aufstehen als eine einflußreiche Pflicht zu betrachten; es ist gut für die Gesundheit, es bringt mehr Zeit ein, als irgend sonst etwas, es ist eine tägliche Gelegenheit zur Selbstverleugnung und es fördert die Heiterkeit und gute Laune. Auch gewinnt man durch die ruhige ungestörte Zeit, welche die frühen Morgenstunden bieten, Muße zur Einkehr in die eigene Seele. Alle häuslichen Arbeiten sollte man so früh wie möglich am Morgen erledigen, denn man gewinnt dadurch manche Stunde des Tages für andere Verwendung. Der Unterschied zwischen dem Aufstehen um 6 und um 8 Uhr beträgt in 40 Jahren 29,000 Stunden oder 3 Jahre 120 Tage und 16 Stunden, oder 8 Stunden des Tages 10 Jahre lang, sodaß das Aufstehen um 6 Uhr in Hinsicht der Geschäfte eben so gut ist, als lebte man 10 Jahre länger. Früh am Morgen ist auch der Geist frisch und jede Arbeit geht leichter von statten. Und wie herrlich ist nicht ein Spaziergang ins Grüne am taufrischen Morgen? Ja, Morgenstunde hat Gold im Munde! Elne Stadt von 3000 Einwohnern ohne weibliches Wesen. Innerhalb der hohen Kette der Berge der Mongolei liegt in einer weiten sandigen Ebene die Stadt Mai=matschin, zu deutsch: Kaufmannsstadt. Sie gehört zum chinesischen Reich, hat 3000 Einwohner und hat die besondere Eigentümlichkeit, daß in ihr nicht ein einziges weibliches Wesen zu finden ist. Trotzdem sind viele ihrer Bewohner Familien= väter, ihre Frauen und Kinder befinden sich weit weg im Innern von China. Diese seltsame Thatsache erklärt sich daraus, daß die chinesische Regierung fürchtet, die Einwohner der genannten, unweit der russischen Grenze gelegenen Stadt könnten Lust bekommen, sich mit Russinen zu verbinden. Zur Verhütung dieses Unglücks wurde ein Gesetz geschaffen und streng gehandhabt, das jeder Frau und jedem Mädchen bei schwerer Strafe untersagt, sich innerhalb des Weichbildes von Mai=matschin blicken zu lassen. In jüngster Zeit soll sich nun ein Engländer dieses Verbot zu nutze gemacht haben. Gepeinigt von einer„bösen Sieben,“ gegen die er sich nicht zu raten und zu helfen wußte, war der beklagenswerte Sohn Albions bereits am Rande der Verzweiflung angelangt. Wohin er auch reisen mochte, um der Entsetzlichen zu entrinnen, stets wußte sie seine Wege ausfindig zu machen und folgte ihm auf Schritt und Tritt, um ihm durch ihre Gegenwart das Dasein zu verbittern. Schon trug sich der Aermste mit Selbstmordgedanken. Da drang zu ihm die Kunde von Mai=matschin und den dortigen Einrichtungen. Eilends flüchtete er nach diesem paradiesisch dünkenden Asyl und preist nunmehr innerhalb der Mauern seines Eldorado die Weisheit der chinesischen Regierung. Gemeinnütziges. * Mästen junger Tauben. Drei Wochen alte Tauben, die eben anfangen, sich zu befiedern, setze man in einen luftigen Korb und füttere sie des Tages mehrmals mit lauwarmen Maiskörnern, die man vorher recht weich gekocht hat. Qualität und Quantität des Fleisches sollen nach—2 Wochen überraschend sein. * Gegen Vorfall des Afters bei Kindern wird der„Fdgr.“ von einem Abonneuten folgendes mitgeteilt: Der Darm wird durch den in Oel getauchten Finger zurückgebracht und dann ein mit Rotwein befeuchtetes Schwämmchen einige Minuten lang an den After gehalten, was auch unter Tags mehrmals wiederholt wird. Das Hervortreten des Afters nach jedem Stuhlgang ist oft eine Jahre lang dauernde Sache. Bei dem obigen Verfahren hört das Uebel gewöhnlich nach einigen Monaten auf. * Gegen Verbrennung und Verbrühung. Dr. Hirsch in Prag, ein allerfahrener Arzt, veröffentlicht ein Mittel, das, weil es ebenso einfach ist, als wirksam sein soll, eine weite Verbreitung verdient. Dasselbe besteht aus einer Salbe, die aus Butter und Eidottern,(auf 1 Löffel Butter ein Ei gut miteinander verrührt) zusammengesetzt ist. Diese Salbe wird, auf Läppchen gestrichen, aufgelegt und so oft sie trocken wird, erneuert. Sie soll sehr bald den Schmerz lindern und selbst die größten und tiefsten Brandwunden in verhältnismäßig kurzer Zeit und ohne Zarücklassung von Brandnarben vollkommen heilen. Vermischtes. ** * Wie sehr die Mitglieder der königlichen Familie es verstehen, im großen wie im kleinen die im Herzen des Volkes festgewurzelten Gefühle der Liebe und Verehrung immer aufs neue zu beleben, davon gab die Prinzessin Wilhelm wieder einen herzerfreuenden Beweis. Die Prinzessin Wilhelm, welche sich gern in den Straßen Potsdams bewegt und vielfach persönlich Einkäufe macht, besuchte am Samstag vor Ostern ein Geschäft in der Nauenerstraße. Der vor demselben haltende königliche Wagen hatte die Aufmerksamkeit der Jugend erregt und war bald von derselben dicht umringt, wobei die Kleinen verstohlene Blicke in den Laden richteten, was von der Prinzessin nicht unbemerkt geblieben war. Bald darauf erschien sie mit einer großen Düte Ostereier (Chocolade= und Zucker=Eier) unter der Jugend und begann den Inhalt an die überraschten Kinder zu verteilen. Als nun die Prinzessin in jede sich ihr darstreckende Hand ein Ei gedrückt und die Wünsche der Kleinen befriedigt glaubte, sagte sie: „Wer hat nun noch kein Ei?“ Da streckten sich flehenden Blickes noch eine Menge kleiner Arme aus und die Verteilung begann von neuem. Glückstrahlend eilten die beschenkten Kinder nach Hause, um dort von der gütigen Spenderin zu erzählen und das Osterei als ein teures Andenken an fürstliche Huld für spätere Zeiten aufzubewahren. Geibels Testament.] Lübeck. Geibels Testament, welches im Jahre 1873 errichtet worden, ist am 16. d. Mts. publicirt. Aus demselben geht, wie die„Nat.=Ztg.“ berichtet, hervor, daß der Dichter kein irgendwie nennenswertes Vermögen hinterlassen hat, was erklärlich ist, da Geibel bekanntlich niemals die Kunst moderner Schriftsteller erlernte, aus ihren poetischen Productionen Capital zu schlagen. In der vom Dichter selbst in seiner kräftigen characteristischen Handschrift abgefaßten kurzen Urkunde wird seiner langjährigen Hausfr undin und Nichte Fräulein Bertha Geibel eine jährliche Rente ausgesetzt. Zur Erbin seines Vermögens einschließlich seiner Autorrechte ernennt Geibel seine Tochter, Ehefrau des Lübecker Rechtsanwalts Dr. Ferd. Fehling. Letzterem wird die Vollstreckung des Testaments übertragen und die Bibliothek des Dichters vermacht. Der Erbin legt Geibel ausdrücklich ans Herz die Fürsorge für das auf dem Friedhofe in München befindliche Grab seiner jung verstorbenen und vielbesungenen Gattin Ada. Eine feine Antwort.] An der Tafel :* * Louis Napoleons saß einst der Erzbischof von Paris neben dem Ober=Rabbiner in freundlichem Gespräch. Dieser ließ nicht koschere Speisen unberührt an sich vorübergehen. Nach Aufhebung der Tafel durch den Kaiser klopfte der Erzbischof dem Ober=Rabbiner vertraulich auf die Schulter. „Geehrter Freund— sagte er—„wann wird der Morgen tagen, an dem wir aus einem Topfe essen werden?"—„An Ihrem Hochzeitstage,“ erwiderte der Ober=Rabbiner, sich leicht verneigend. *.*(Sanitätspolizei der Zukunft.] Bekanntmachung, das Rauchen von Cigarren betreffend. Der Privatier M. Krautmayr hat eine Sendung von etlichen tausend Pfälzer Cigarren um billigen Preis erworben und beabsichtigt, selbe in seiner Wohnung bei offenen Fenstern zu rauchen. Mit Rücksicht auf die allerhöchste Verordnung vom 15. April 1932 zu Artikel 129 des Polizei=Strafgesetzbuches— Vorsorge gegen Gefahren und Belästigungen durch schädliche Dämpfe 2c. betr.— wird dies mit dem Beifügen bekannt gegeben, daß zur Verhandlung der Sache Termin auf den 10. Juni 1948, Vormittags von 9 bis 10 Uhr, im Bureau Nr. 84 anberaumt ist, und daß zu dieser Verhandlung alle Jene, welche hiergegen begründete Einwendungen zu haben glauben, zu erscheinen und solche bei Vermeidung des Ausschlusses vorzubringen haben. Mittlerweile kann von obigen Cigarren ein Vorgeschmack gewonnen werden im Probe= Rauchlokale, wo ein Packträger auf Verlangen die Probe=Cigarren des 2c. Krautmayr vorzurauchen hat. Am 26. Mai 1948. Der Ortsgesundheitsrat. **(Karminrote Fracks.] In Paris beginnen die Herren im Salon in Fracks von kare minroter Farbe zu erscheinen, da der schwarzAnzug als zu kellner= oder leichenbestattungsmäßig befunden zu werden anfängt. Die Mode findet in einem Teile der englische Presse warme Befürwortung. *(Das Mutterglück]„Lieber Alfred, führe doch das unerträgliche Kind hinaus! Ich dichte eben eine ergreifende Ode:„Das Mutterglück," und vermag bei dem abscheulichen Lärm keinen Gedanken zu fassen.“ *.*[„Da hast Du eins!“] sagt der sechsjährige Stammhalter eines bekannten Staatsmannes und versetzt der französischen Bonne einen festen Klapps auf das Näschen. Die gerade zur Thür hereintretende Mama sieht es und ruft dem Liebling vorwurfsvoll zu:„Mais, mon fils, toujours de la main gauche! Vous étes donc mcorrigible.“(Aber, mein Junge, immer die linke Hand! Du bist unverbesserlich. Todes=Anzeige. Es hot dem lieben Gott gefallen, uns zuch unser ältestes Söhnchen Julius nach kurzer, schwerer Krankheit(Unterleibsentzündung) im Alter von 11 Jahren zu nehmen. Wir bitten um stille Teilnahme. Gelsenkirchen. Lehrer C. Hörster und Frau. Die diesjährige ordentliche Prüfung in der Fortbildungs= schule findet am Montag, den 28. April, abends 8 Uhr, im Schulloeale statt Die Herren Handwerksmeister und alle Freunde der Schule werden dazu ergebenst eingeladen. Schalke, 22. April 1884. Der Vorsitzende des Curateriums: Klose. Anstands- und Tanz-Schule im Saale der Gesellschaft Verein, Gelsenkirchen. Der Cursus für Knaben und Mädchen beginnt Donnerstag, den 1. Mai, abends 6 Uhr. Weitere Anmeldungen für den Cursus bei Herrn H. Holthaus erbitte ebenfalls baldigst. Boshammer. Bekanntmachung. Die Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung von Pflasterwerk in der Gemeinde Bulmke sollen an qualifiicirte und leistungsfähige Unternehmer im Submissions= wege vergeben werden. Mit entsprechender Aufschrift versehene Oflerten wolle man bis zum 8. Mai cr. versiegelt und portofrei an die hiesige Stelle gelangen lassen. Kostenanschlag und Submissions= bedingungen sind auf dem hiesigen Amte einzusehen. Schalke, 23. April 1884. Der Amtmann: Klose. Bekanntmachung. Die Arbeiten und Lieferungen a) zum Ausbau der Carlstraße in der Gemeinde Bulmke b) zum Ausbau einer Straße von Neuhaus bis zum Gemeindehause in Bulmke sollen an qualificirte und leistungsfähige Unternehmer im Submissionswege vergeben werden. Mit entsprechender Aufschrift versehene Offerten wolle man bis zum 8. Mai er. versiegelt und portofrei an die hiesige Stelle gelangen lassen. Kosten=Anschlaz und Eudmissions=Bedingungen sind auf dem kiesigen Amte einzusehen. u. Schalle, 23. April 1884. Der Amtmann: Klose. Zur Anfertigung von Bauplänen, Kostenanschlägen 2e. empfiehlt sich M. Baum, Architect, Gelsenkirchen, Marktstraße 13. Suche für mein Bureau einen Lehrling. M. Baum, Architect, Gelsenkirchen. Dr. Saurbier, Spezialarzt für Magen= u. Unterleibskranke, Köln, Mittelstraße 1.(2 bis 4 Uhr.) Umzugshalber 00 Mache noch ganz besonders auf eine große Auswahl in goldenen Halsketten, meiner sämtlichen Uhren, Gold-, Silber- und Alfenide-Waren für Konfirmanden. Ohrringen, Brochen, Ringen u. s. w. u. s. w. aufmerksam. Gleichzeitig bringe mein gut assortirtes Lager in optischen Gegenständen in empfehlende Erinnerung. Aug. Spelberg, Gelsenkirchen, alter Markt Nr. 2. Neu! Neu! Kaiser-Hof, Gelsenkirchen. 1 Größtes Naturwunder: „Die kreinstr Talr Welt, Gustel, 2 Fuß 6 Zoll groß, 25 Pfund schwer, 18 Jahre alt. najürliches, kohlensaures Mineralwasser aus dem Hermannsborn im Teutoburgerwalde. Angenehmstes, erfrischendstes, absolut reines S und an feiner Kohlensäure außerordentlich reiches Getränk; Magen, Nieren und Blut stärkend, als Tafelwasser für den täglichen Gebrauch für Gesunde und Kranke von bedeutenden ärztlichen und chemischen Autoritäten empfohlen, Niederlage für Schalke und Umgegend bei S. 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Von Gelsenkirchen nach Wanne 6,18.43 10,36 2,08 4,19 5,43.52 1,19[Wanne Abf. nach Münster 6,45 10,52 2,19 5,52 10,04 1,39.1 Von Bochum nach Ueckendorf=Wattenscheid 5,30 8,08 11,44 1,48 3,30 7,20 10,16 9,02 svon Ueckendorf=W. nach Kray=Essen 5,43 6,55.21 11,54 2,01 3,43 7,30 9,15. Von Dahlbusch nach Essen 5,41 6,52 8,18 11,45 1,55 3,39 (5,22 bis Kray) 7,29 9,10. Von Dahlbusch nach Gelsenkirchen 7,31 9,05 12,15 4,01 2,53 5,49 .28 11,45. Von Essen nach Gelsenkirchen(rhein.) 6,52.4711,53 2,36 5,30 8,08 11,28. Von Essen nach Gelsenkirchen (Köln=Minden) 5,55 8,15 10,00 1,40 3,50 5,15 8,20. Von Schalke nach Wanne 8,57 12,04 4,39.44. Von Schalke nach Sterkrade 5,52 .27 2,29 8,04. Von Wanne nach Schalke 5,40 9,15 2,20 7,55. Von Schalke nach BismarckWinterswyk 8,28 5,26 9,11[Bismarck Abf. 8,37 2,42.52.20.) Von Schalke nach Essen 6,56 9,20 1,17 735. Von Essen nach Schalke 8,07 2,17 4,54.50. Von Gelsenkirchen nach Deutz=Köln 5,39 6,54 8,49 11,30 12,41 2,22 5,02 8,35(10,55 nur bis Essen, Altenessen Abf. 6,10 u. 4,47 Eilzug.) Von Gelsenkirchen nach Essen 5,36 6,47 8,13 11,40.50.34 (5,17 nur bis Kray) 7,24.05 svon Kray nach Dortmund 7,01.56 12,02.45 5,9, .17(11,37 nur bis Bochum)). Von Wanne nach Dortmund 8,56 10,51 4,30 9,03 9,56.45 Herne Abf. 9,05 11,01 4,40 .13 1,56.] Von Herne nach Deutz=Köln 6,34 8,28 11,09 1,59 8,13[Wanne Abf. 5,31, 6,43 8,39 11,19 12,33 2,10 4,54 8,24(10,46 nur bis Essen)]. Von Herne nach Bochum 7,11 1,12 .35 Von Bochum nach Herne.40 12,21 .37. Von Wanne nach Ueckendorf=Wattens deid=Bochum 5,33 8,40 12,40.05 5,32 8,00 10,50. Von Ueckendorf=Wattenscheid nach Wanne 6,08 10,30 2,03 5,15 735 918 1,07. Von Uelkendorf=Wattenscheid nach Dortmund 7,08 9,03 12,09 2,52 5,46 8,24(von Ueckendorf=Wattenscheid nach Bochum von Wanne kommend.47 1,00 4,25 11,10.1 G 9 90 Nr. 99. Die Znicher Zeiune“ s hohen Feiertage. WochenInterdendhret: 9 Ormtmortlicher Beh Allgemeines Organ für &* Das Socia über dessen Unentbehrlichke Oolitikern, der conservati Dartei eine so weitgeher besteht, daß mehrere der gen Secessionisten, jetzigen lich zur Annahme dessel scheint in die„neue“ D Reil treiben zu sollen. 2 abweichende Akeinung eine neuen Fractionsgenossen Eugen Richter im Co klärt, daß die Ablehnung Freisinnigen ein unverbr welches jede Freiheit der zelnen ausschließe. Nur aussetzung habe er zu der Vereinigung und Secession seine teilt.— Ob damit hat daß„Freisinnige", die den tator nicht den Willen schließung aus der Dartei bezw. daß für den Fall fe verschiedenheiten der eben schrittlich=secessionistische B digt werden soll,— wi Thatsache eines innerhalb bestehenden Conflicts steht fest, nachdem mehrere eh sich über die Notwendigk zu dem Socialistengesetze gesprochen haben, um nich können. Für die große Jahl denen die Sicherheit des jede andere Rücksicht, lieg einfach, wie für den Al! nur umgekehrt. Seit den März ist die Frage des sie entschieden, die DiscussiAblehnung des Antrages Geltungsdauer desselben Dem Worte des Kaisers Machtspruch gegenüber, u die eine oder die andere S Gesinnungsgenossen sich Was das heißen will, hab die klügeren und patrioti den„Freisinnigen“ erkan Entscheidung getroffen. Versuch einer Oarteinahn stellung socialdemocratische dem monarchischen Deutsch lich werden könnte, nachd führt worden, daß diese Europa so bedenkliche Der hat, daß die Notwendigke regeln auch in den sog. Altdenischer Witz m Kein großer Mann thut eine Keine teuerere Henne, als die Wer zum Tischtrunk Fischtrun Selten den die Fußgicht krüm 45) Hamburgischer Roman Die Nachbarin schüttel mit dem Kopfe. „Deborah näht vom fr in die Nacht. Man sieht Lampe noch lange nach Mit ich habe nie etwas Unrecht noch gehört.“ Frau Löber zuckte mit „Sie soll ihren Liebhab hause verborgen halten. Anfangs schüttelte die Kopfe, dann aber leuchtete Rugen auf und sie griff na „Du meine Güte, wenn lef sie.„Deshalb trägt nach dem Verschlag vohin sie sonst niemals den ltzt erinnere ich mich, mehr: wends ein Geräusch wie kommen zu haben. Herr d# gedacht?“ Die Nachbarin nahm