Donnerstag, 6. Septbr. Der Westsälische Merkur erscheint täglich morgene mit der Beilage„Die Unterhaltung“, Sonntags mit der Citeratue-Bellage. Redaktion: Lütkegasse 1/3. Sprechstunden 10—11 Uhr vorm. Telegramm-Adresse: Merkur, Münsterwestt. Anzeigenpreise: Der Millimeterraum für die 36 mm breite Anzeigenspalte für Anzeigen außerhalb des Reg.=Bez. Munster, sowie für alle amtlichen, Finanz=, Sammel= und Markenartikel=Anzeigen 15 Vig., für Anzeigen aus dem Reg.=Bez. Münster 19 Pig., aus der Stadt Münster 8 Pig., Familienanzeigen von auswärts 8 Pig., aud der Stadt Munster 7 Vig., Wodnungs- und Stellen=Anzeigen aus Münster 8 Vig. bei sofortiger Zahlung, Reklamen: das mm 70 Pig.(Spaltenbreite 90 mm). Der etwa gewährte Rabatt erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen und gerichtlichen Klagen. Anzeigen-Annahme: Geschäftsstelle Münster, Königstraße 59. Einzelpreis 10 Plg. Begründet 1822 Münster 107. Jahrgang 1928.— Nr. 307. Bengtpreis! Bezugspreis für einen Monat in der Stadt u#1 durch den Boten zugestellt 1,75 Goldmark, durch die bezogen 2.— Goldmark zuzügl. Bestellgeld. Im Falle von höherer Gewalt, Streik, Aussperrung, Betriebsstörung hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieserung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Einzelnummern: Zu haben in der Geschäftsstelle, den Zeitungskiosken, an den Bahnhöfen. Geschäftsstelle: Königstraße 59.— Geöffnet vormittags von 8—1 Uhr, nachmittags von 8—6½8 Uhr. Postscheckkonto: Amt Cöln 14622. Fernsprecher: Sammelnummer 25 454. Volksbegehren und Volksentscheid. . WTB. Berlin, 5. Sept.(Privattel.) Das Zulassungsverfahren in dem von der kommunistischen Partei gewünschten Volksbegehren ist im Gange. Der Antrag dazu ist von 5000 Stimmberechtigten gestellt worden. Weitere Stimmen sollen noch nachgebracht werden. Der Reichsminister der Innen hat zu entscheiden, ob der Antrag zuzulassen ist. Es ist üblich, daß das Reichskabinett hiervon verständigt wird. Das ist geschehen. Gestern erfolgte im Reichsministerium des Innern eine kommissarische Besprechung zwischen dem Reichsministerium des Innern und den beteiligten Ressorts, nämlich dem Reichswehrministerium, dem Reichsfinanzministerium und dem Reichsjustizministerium. Alle Ressorte treten der Stellungnahme bei, welche der Reichsminister des Innern dem Kabinett vorzuschlagen beabsichtigt. Wird der Antrag auf ein Volksbegehren zugelassen, so schließt sich das Eintragungsverfahren an. Bis zum Beginn des Verfahrens soll eine Frist von 14 Tagen laufen. Die Eintragungsfrist beträgt ebenfalls 14 Tage. Erforderlich sind ein Zehntel der bei der letzten Reichstagswahl Stimmberechtigten. Damals wurden 41 Millionen Stimmberechtigte ermittelt; es müßten also diesmal ungefähr 4129 000 Stimmen abgegeben werden. Die kommunistische Partei hat seinerzeit 3262000 Stimmen aufgebracht, es fehlen danach also etwa 766000 Stimmen, welche Zahlen aus anderen Kreisen aufgebracht werden müssen. Kommt das Volksbegehren zustande, so hat die Reichsregierung unverzüglich einen entsprechenden Gesetzentwurf beim Reichstag einzubringen. Nimmt der Reichstag diesen Entwurf nicht an, so ist darüber der Volksentscheid anzuberaumen. Der Reichstag kann auch ein neues Gesetz beschließen, etwa ein solches, welches den Bau des Panzerkreuzers aufschlebt. Dann würden zwei Gesetzentwürfe zur Volksabstimmung durch den Volksentscheid kommen. Für den Reichstagsentwurf würde einfache Mehrheit genugen. Der kommunistische Entwurf könnte nur angenommen werden, wenn sich die Mehrheit der Stimmberechtigten an der Abstimmung beteiligt, also etwa 20½ Millionen. Die Kosten der Reichskasse bei dem letzten Volksbegehren über die Fürstenenteignung betrugen 798000 M. die Kosten der Abstimmung 1,9 Millionen Mark. * Demokraten und Panzerkreuzer. BB. Berlin, 5. Sept.(Tel.) Der Vorstand der demokratischen Partei für Berlin befaßte sich gestern im Beisein des Reichsjustizministers Koch=Weser mit den politischen Vorgängen der letzten Zeit. Ein Antrag, der Vorstand möge sein Bedauern darüber aussprechen, daß auch die demokratischen Minister für den Panzerkreuzerbau gestimmt haben, wurde mit übergroßer Mehrheit abgelehnt, ebenso ein Antrag gegen spätere weitere Bewilligungen für den Schiffsbau. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung, in der es heißt:„Der Vorstand erwartet von der Fraktion im Reichstag und Landtag, daß energisch an die Durchführung der Versprechungen gegangen wird, die der Wählerschaft auf den staatsrechtlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Gebieten gemacht worden sind.“ Der Vorstand schloß sich den Darlegungen des Ministers Koch an, vaß die Demokraten im Kabinett nicht gegen den Panzerkreuzerbau stimmen konnten, nachdem die Sozialdemokraten sich dafür erklärt hatten. Es sei notwendig, freie Hand für die Vollendung des Panzerkreuzerbaues zu behalten. Ein Beschluß, die bewilligten 7 Millionen zu verbauen und auf die Vollendung des Schiffsbaues zu verzichten, würde in der ganzen Welt als ein Schildbürgerstückchen betrachtet werden. Buchdruckerkongreß in Köln. WTB. Köln, 5. Sept.(Tel.) Der zweite internationale Buchdruckerkongreß, der auf Einladung des Deutschen Buchdruckervereins in der Zeit vom 5. bis 9. September im Rahmen der internationalen Presseausstellung hier stattfindet, wurde heute vormittag mit einer Eröffnungsfeier in der Festhalle der Messe eingeleitet. Ueber 20 Buchdruckerorganisationen aus aller Welt, u. a. aus England, den Vereinigten Staaten, Belgien, Dänemark, Italien, Jugoslawien, Norwegen, Oesterreich, Polen, Schweden, der Tschechoslowakei, der Schweiz und aus Ungarn sind vertreten. Der Vorsitzende des Deutschen Buchdruckervereins, Rudolf Zickfeld, hieß die Anwesenden willkommen, unter ihnen namentlich den Vertreter der Reichsregierung, Reichsminister des Innern Severing, die Vertreter der Länderregierungen und der Stadt Köln. Reichsminister des Innern Severing dankte dem Vorsitzenden für die freundlichen Begrüßungsworte. Die Reichsregierung habe an den Verhandlungen des Kongresses großes Interesse. Es gelte zunächst der technischen und beruflichen Entwicklung des Buchdruckerstandes. Die Reichsregierung hoffe, daß die ausländischen Gäste auch von der internationalen Presseausstellung Anregungen mit nach Hause nehmen werden. Gelte es aber, lediglich dieses Interesse zu bekunden, so fuhr der Minister fort, dann stände nicht ich hier, sondern mein Kollege vom Reichswirtschaftsministerium. Ich habe als Vertreter eines politischen Ressorts besonderes Interesse an den Zielen der Vereinigung, die sich auf die Zusammenarbeit der Völker beziehen. Da muß ich sagen, daß die Reichsregierung es außerordentlich begrüßt, wenn möglichst oft und zahlreich Männer zusammenkommen, um vom Frieden zu sprechen, von dem man nie genug sprechen kann. Wenn in den letzten Tagen in Paris die hervorragendsten Staatsmänner aller Nationen zusammengekommen sind, um ihre Unterschrift unter einen Kriegsächtungspakt zu setzen, so darf ich auch heute wieder betonen, daß das ein Akt von allergrößter politischer und kultureller Bedeutung war. Aber ein Werk der Staatsmänner ist ein Stückwerk, wenn es nicht getragen wird von den Völkern selbst, und deshalb begrüße ich es, daß berufliche Vereinigungen auf nationalem Boden zusammenkommen, um sich international zu verständigen. Welcher Stand wäre in dieser Hinsicht in seiner Bedeutung für die Völkerverbrüderung wohl berufener als das Buch= und Zeitungsdruckgewerbe. Die Jünger der schwarzen Kunst sind, wenn sie willens sind, auch imstande, Wegbereiter einer helleren, einer lichteren Zukunft zu sein. Das möge das Ergebnis Ihrer Beratungen sein, und in diesem Sinne begrüße ich Sie herzlichst im Namen der Reichsregierung und wünsche Ihrer Tagung den besten Erfolg. Der zurzeit amtierende Vorsitzende des Vereins deutscher Zeitungsverleger, Kommerzienrat Neven Dumont, überbrachte die Grüße und Glückwünsche dieser Organisation und betonte das völkerverbindende Ziel der Presse, das heute schon in so hohem Maße erreicht sei. Er sprach die Hoffnung aus, daß der hier ausgestreute Samen aufgehen und reiche Früchte bringen möge. Politische Tagesnachrichten. Eine Mitteilung des Reichsfinanzministeriums. WTB. Berlin, 5. Sept.(Tel.) Zu den Nachrichten, die in den letzten Tagen von einem Teil der Presse über den Sonderkommissar für die Ablösung der Reichsanleihe in Frankreich, Direktor Heinzmann, gebracht worden sind, teilt das Reichsfinanzministerium mit, daß von ihm Material in diesem Zusammenhang weder verlangt noch gegeben worden sei. Preicheranzter Maller der Briand! Keine Verhandlungen, nur eine Konversation. Kein positives Ergednis zu erwarten. Berlin, 5. Sept.(Eig. Drahtber.) Aus Genf ist uns heute eine private Mitteilung zugegangen, derzufolge die für heute abend angesetzte vertrauliche Besprechung zwischen dem deutschen Reichskanzler Müller und dem französischen Außenminister Briand ganz bestimmt der Erörterung der Rheinlandfrage dienen wird. Müller wird Briand die Forderung der deutschen Reichsregierung auf eine gesamte Lösung der Räumungsfrage unterbreiten. Man kann aber jetzt schon sagen, daß es zu einem osittven Ergebnis kaum kommen wird, da kriand nach allem, was man aus Pariser Informationen entnimmt, fürs erste lediglich die Instruktion zur Entgegennahme der offiziellen deutschen Wünsche hat, ohne sich dazu verantwortlich zu äußern. Man erwartet aber auch in Kreisen der deutschen Delegation, daß in dem heutigen Gespräch zwischen Müller und Briand das ganze Problem in Fluß gebracht wird. Auffallend ist allerdings, wie von französischer Seite dahin gearbeitet wird, daß diese Debatte auf keinen Fall in der Oeffentlichkeit geführt wird. Die Besprechungen zwischen Reichskanzler Müller und Außenminister Briand. WTB. Genf, 5. Sept.(Tel.) Die angekündigte Besprechung zwischen dem Reichskanzler Hermann Müller und dem französischen Außenminister Briand hat heute abend am Sitz der französischen Delegation stattgefunden. Der Reichskanzler war von dem Dolmetscher der deutschen Delegation Dr. Schmidt begleitet. Die Unterredung dauerte von ½7 bis 8 Uhr. Ueber den Verlauf der Besprechung wurde noch nichts bekannt gegeben. Die deutsche Delegation ist sofort nach Rückkehr des Reichskanzlers zu einer Delegationssitzung zusammengetreten. WTB. Genf, 5. Sept.(Telegr.) Ein Kommuniqué über die Unterredung zwischen Reichskanzler Hermann Müller und dem französischen Außenminister Briand ist nicht ausgegeben worden. In den Kreisen der deutschen Delegation wird verlautbar, daß der Gegenstand der Besprechung die Frankreich und Deutschland betreffenden Probleme(Rheinlandräumung) bildeten. Die Besprechung hatte der Natur der Sache nach vorbereitenden Charakter. Es besteht beiderseits der Wunsch. daß weitere Besprechungen mit den Besatzungsmächten in Genf folgen. Kurz nach Schluß der Unterredung empfing die französische Delegation ihre Presse. Es wurde betont, daß bei der heutigen Zusammenkunft es sich nicht um Verhandlungen handelte, sondern um eine Konversation. In der Unterredung sei auf beiden Seiten der Wunsch erkennbar geworden, die Beziehungen zwischen beiden Ländern immer besser zu gestalten. Da es sich bei den Besprechungen um ein Gesamtproblem handele, müsse jedoch auch mit den übrigen beteiligten Mächten in Verbindung getreten werden, ehe die heute aufgenommenen Besprechungen den Charakter von Verhandlungen annehmen können. Die Generaldebakte in Genf. WTB. Genf. 5. Sept.(Tel.) In Fortsetzung der Generaldebatte sprach der holländische Minister des Aeußern Beelaerts. Bei Behandlung des Abrüstungsproblems begrüßte er die Unterzeichnung des Kellogg=Paktes und erklärte, daß Holland ihm beitreten werde. Auch das Zustandekommen des englisch=französischen Kompromisses über die Seeabrüstung werde einen glücklichen Einfluß auf den Fortgang der Abrüstungsarbeiten ausüben. Nach einer kurzen Würdigung der wirtschaftlichen Aktion des Völkerbundes und der grundsätzlichen Bedeutung der Konvention für die Aufhebung der Ein= und Ausfuhrverbote zur Verwirklichung der wirtschaftlichen Abrüstung ging der holländische Außenminister auf das Minderheitenproblem ein. Bei aller Anerkennung der Tätigkeit der Minderheitenabteilung setzte sich der Redner für die Errichtung eines ständigen Völkerbundsausschusses für Minderheitenfragen ein. Der frühere schwedische Außenminister Unden behandelte fast ausschließlich das Abrüstungsproblem. Im Namen der schwedischen Regierung begrüßte er die Initiative, die zum Abschluß des Kellogg=Paktes führte. Dadurch könne nur das Friedenswerk des Völkerbundes verstärkt werden. Der schwedische Delegierte unterstrich dann die Störung in den Abrüstungsarbeiten. In jedem Jahre seien neue Hemmungen festzustellen und in jedem Jahre höre man mehr Einwendungen gegen die Verwirklichung der Abrüstung. Die öffentliche Meinung erwarte mit Ungeduld ein Ergebnis der Abrüstungsarbeiten, das nach seiner Meinung durch das Zustandekommen des englisch=französischen Flottenkompromisses erleichtert werden könne. Die Völkerbundsversammlung vertagte sich hierauf auf Donnerstag vormittag ½11 Uhr. Der heutige Nachmittag wird mit Ausschußsitzungen ausgefüllt. Genfer Besprechungen. WTB. Genf. 5. Sept. Unter den Besprechungen der gestrigen Abends werden am meisten beachtet eine längere Unterredung zwischen Briand und dem belgischen Außenminister Hymans, die dem Rheinlandproblem gegolten haben dürfte, ein Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Monsignore Seipel bei Lord Cushendun und eine Besprechung zwischen diesem und dem chinesischen Hauptdelegierten Wang=King=Ky. Die Besprechung des österreichischen Bundeskanzlers wird vorwiegend mit wirtschaftlichen Fragen Oesterreichs in Zusammenhang gebracht, während nach der Fühlungnahme der chinesischen Delegation mit Lord Cushendun nunmehr bestimmt verlautet, daß England den chinesischen Antrag auf sofortige Wiederwahl in den Rat unterstützen wird. Loucheur nach Paris abgereist. WTB. Paris, 5. Sept.(Tel.) Havas berichtet aus Genf, daß Arbeitsminister Loucheur nach Paris abgereist ist, um dem Kabinettsrat beizuwohnen, der über die neue Besetzung des Postens des Handelsministers zu beschließen hat. Bernard Shaw in Genf. WTB. Genf. 4. Sept. Bernard Shaw, der seit einiger Zeit Mitglied eines Unterausschusses der Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit ist, traf heute in Genf ein. Shaw, der noch nie während einer Völkerbundsversammlung in Genf geweilt hatte, beabsichtigt, die Genfer Arbeiten bei seinem jetzigen Aufenthalt in Genf aus der Nähe kennen zu lernen. Ein argentinischer offiziöser Beobachter in Genf. WTB. Genf. 3. Sept. Der argentinische Gesandte in Bern, Cantillo, hat von seiner Regierung telegraphisch den Auftrag erhalten, als offiziöser Beobachter den Arbeiten der diesjährigen Völkerbundsversammlung zu folgen und hat dementsprechend bereits am heutigen Tage auf der Delegationsbank Platz genommen. Wie erinnerlich, hatte sich Argentinien im Dezember 1920 wegen Ablehnung seiner Forderung nach sofortiger Wiederherstellung der Universalität des Völkerbundes von den Arbeiten der Bundesversammlung zurückgezogen und sich seither auch nicht mehr an ihnen beteiligt, wohl aber bei den Spezialaufgaben des Völkerbundes in den letzten Jahren in steigendem Maße wieder mitgewirkt. Mit der Entsendung eines offiziösen Beobachters ist nunmehr zum ersten Male Argentinien wieder in der Völkerbundsversammlung selbst erschienen. Regelung der Standesherrenfrage. BB. Berlin, 5. Sept.(Tel.) Auf Grund einer Fühlungnahme zwischen Reichsminister Koch=Weser und dem preußischen Finanzminister Dr. Höpker=Aschoff ist ein Gesetzentwurf in Vorbereitung, der eine Regelung der Standesherrenfrage bringen soll. Der Gesetzentwurf wird voraussichtlich bei Beginn der Herbsttagung den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt werden. Tschitscherin kommt nach Berlin. Berlin, 5. Sept.(Eig. Drahtber.) Nach einer der deutschen Reichsregierung zugegangenen Mitteilung wird der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Tschitscherin, demnächst nach Berlin kommen. Der Besuch wird zwar nach außen hin als private Angelegenheit bezeichnet, ist es aber in der Tat nicht. Tschitscherin dürfte die Aufgabe haben, die in letzter Zeit wegen der Inhaftnahme der deutschen Ingenieure getrübten deutsch-russischen Beziehungen wieder zu ordnen. Aufklärung im Fall Jakubowski. WTB. Neustrelitz, 5. Sept.(Tel.) Nachdem die neue eingeleitete Voruntersuchung gegen August Nogens und Genossen(Fall Jakubowski) heute zu einem Abschluß gekommen ist, fand, wie die Landeszeitung für beide Mecklenburg meldet, heute in Neustrelitz beim Staatsminister Freiherrn von Reibnitz eine Besprechung statt, an der Polizeipräsident Dr. Weiß=Berlin, Kriminalrat Gennat=Berlin und der Neustrelitzer Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Hundt teilnahmen. Als Ergebnis der Besprechung kann folgendes mitgeteilt werden: Die von Kriminalrat Gennat, dem Leiter der Berliner Mordinspektion, und dem Neustrelitzer Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Hundt gemeinsam aufgestellten umfassenden Ermittlungen lassen keinen Zweifel daran, daß Ewald Nogens von dem später deshalb hingerichteten Josef Jakubowski ermordet worden ist und zwar unter Mitwirkung des damals 15jährigen Fritz Nogens. Fritz Nogens ist inzwischen verhaftet worden. Die Forderungen des Friedensbundes der deutschen Katholiken. * München, 5. Sept. In der zweiten öffentlichen Versammlung des Friedensbundes deutscher Katholiken wurde einstimmig beschlossen, die nächste Tagung des Bundes in Frankfurt am Main abzuhalten. Der Vorsitzende des Bundes, Schulrat Dr. Miller=Hechingen, sprach über die Macht= und Kampfmittel des heutigen Militarismus und ihre wirksame Bekämpfung. Nach seiner Meinung gäbe es keinen anderen Weg, den Militarismus zu bekämpfen, als das Wort und die Tat Christi. Zum Schluß beschäftigte sich der Redner mit der Frage, ob man dem Zentrum, wenn es sich nicht auf die Ideen des Friedensbundes einstelle, weiter Gefolgschaft leisten könne. Die folgenden Redner, darunter Jesuitenpater Noppel, Dominikanerpater Stratmann und ein weiterer Vertreter aus Berlin lehnten die Ausführungen des Redners zum Teil ab. Das Militär, so führten sie aus, sei da, um der Politik zu dienen. Der Militarismus habe jedoch das Verhältnis wiederholt umgekehrt und beherrsche die Politik. Den Schutz des Militarismus könne man nicht ablehnen. Man widerspreche dadurch auch der chrätlichen Weltanschauung, denn das Christentum kenne auch Recht und Gewalt. Der Berliner Vertreter Dr. Adler forderte, den Rotfrontkämpferbund, das Reichsbanner und weiter den Stahlhelm zu verbieten, denn der Staat habe allein die Aufgabe, die Ordnung und die Verfassung zu schützen. Französischer Kabinettsrat. WTB. Paris, 5. Sept.(Tel.) Der Kabinettsrat, der heute nachmittag im Finanzministerium unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Poincaré zusammentrat, dauerte von 4 bis 6 Uhr und war der Prüfung der Fragen gewidmet, die durch die Ernennung eines Nachfolgers des verstorbenen Handelsministers Bokanowsky aufgeworfen worden sind. Der Kabinettsrat hat beschlossen, im Laufe des nächsten Ministerrates, der am 14. September in Rambouillet stattfinden wird, dem Präsidenten der Republik ein Dekret zur Unterzeichnung vorzulegen, das die Schaffung eines Luftfahrtministeriums vorsieht und die Befugnisse dieses neuen Ministeriums festlegt. Bis zu diesem Zeitpunkt werden Marineminister Leygues interimistisch das Luftfahrtministerium und Landwirtschaftsminister Queuille das Handelsministerium leiten, wie sie dies bereits getan haben. Der neue Handelsminister wird in dem gleichen Ministerrat vom 14. September ernannt werden. Bis zum 14. September werden die verschiedenen Dienststellen in den einzelnen Ministerien die Fragen regeln, die durch die Zusammenfassung der Luftfahrtbehörden in das Luftfahrtministerium sich ergeben und die gegenwärtig vom Kriegsministerium, vom Marine= und vom Handelsministerium erledigt werden. Der Kabinettsrat hat außerdem beschlossen, die 5 Opfer der Flugzeugkatastrophe damit auszuzeichnen, daß sie in einer amtlichen Erklärung als diejenigen bezeichnet werden, die sich ein großes Verdienst um das Vaterland erworben haben. Die angeblichen Rücktrittsabsichten Chamberlains und Birkenheads. WTB. London, 5. Sept.(Tel.) Der amtliche britische Funkdienst teilt mit:„Daily Mail“,„Daily Expreß" und verschiedene andere Zeitungen fahren fort, die Möglichkeit zu erörtern, daß Sir Austen Chamberlain aus Gesundheitsrücksichten zurücktritt. In amtlichen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß derartige Gerüchte keine Begründung haben außer der Tatsache, daß Sir Austen Chamberlain kürzlich nach einer langen Periode angestrengter Arbeit ernstlich erkrankt war und daß er noch außerordentlich schwach war, als er vor kurzem England zu einer Seereise verließ. Indessen erwartet man zuversichtlich, daß Chamberlain dank der vollständigen Ruhe und des Wechsels, die ihm seine Reise verschaffen, bei seiner Rückkehr im Spätherbst fähig sein wird, seine Tätigkeit im Auswärtigen Amt wieder aufzunehmen. Zu den Zeitungsnachrichten, wonach der Staatssekretär für Indien, Lord Birkenhead, zurückzutreten beabsichtige, um eine Stellung im Wirtschaftsleben zu übernehmen, erfährt der amtliche britische Funkdienst von der Leitung der konservativen Partei, daß ihr von solchen Zukunftsabsichten Lord Birkenheads nichts bekannt sei. Kelloggs Rückreise. WTB. Paris, 5. Sept.(Tel.) Staatssekretär Kellogg ist gestern mit dem Kreuzer„Detroit“, von Irland kommend, in Cherbourg eingetroffen und hat an Bord des Dampfers „Leviathan“ die Rückreise nach den Vereinigten Staaten angeireten Hierzu„Die Unterhaltung“. Neueste Nachrichten. WTB. London, 5. Sept.(Tel.) Die Blätter berichten aus Johannisburg, daß einige Meilen von der Stadt entfernt ein Waggon mit 15 Tonnen Dynamit explodierte. Glücklicherweise waren wegen der Mittagsstunde nur wenige Perfonen in der Nähe. Ein Europäer wurde schwer verletzt. ein Eingeborener wird vermißt. Alle in der Nähe befindlichen Gebäude erlitten ernste Beschädigungen. Die Lohmann=Bank liquidiert. BB. Berlin, 5. Sept.(Tel.) Laut„Verl. Tagebl.“ ist eine Generalversammlung des Berliner Bankvereins einberufen worden, die über die Liquidation dieses Institutes formell beschließen soll. Es handelt sich hier um die Bank. deren Majorität Kapitän Lohmann seinerzeit für das Reichswehrministerium erworben hat. Die Versuche für dieses Unternehmen, das dem Reiche schon beträchtliche Verluste gebracht hat und wohl noch bringen wird, einen Interessenten zu finden, sind nun, wie das Blatt bemerkt, offenbar als aussichtslos aufgegeben worden. Die ersten Probefahrten des Zeppelin=Luftschiffes in der zweilen Septemberhälfte. * Stuttgart, 5. Sept.(Tel.) Die Arbeiten am Lufd schiff„Graf Zeppelin“ sind in den letzten Tagen soweit gediehen, daß am Mittwoch oder Donnerstag die Füllung der fünf Gaszellen ihren Anfang nehmen kann. Sie wird in etwa acht Tagen beendet sein. Der Einbau der fünf Maybach=Motoren ist bereits abgeschlossen, sodaß nunmehr damit zu rechnen ist, daß der erste Aufstieg des Schiffes in der zweiten Hälfte dieses Monats unternommen werden kann. Da angesichts der noch unzureichenden Triebkraftvorräte für die Speisung der Motoren die Probefahrten größten Teils mit Benzingas als Betriebsstoff durchgeführt werden, wird die Zahl der vorhandenen Benzintanks des Schiffes noch vermehrt werden. Die Amerikareise des Luftschiffes wird nicht vor Ablauf des Monats erfolgen. Der Grund hierfür liegt lediglich darin, daß die Ansammlung des Triebgases etwas langsame Fortschritte macht, d. h. täglich nur 1000 Kubikmeter an Stelle von 3000 Kubikmetern hergestellt werden können. Die für einen Amerikaflug erforderliche Triebgasmenge von ungefähr 30000 Kubikmetern wird somit erst in vier Wochen zur Verfügung stehen. 100 Personen an Paratyphus erkrankt. WTB. Stuttgart, 5. Sept.(Tel.) In Weihingen auf den Fildern tritt seit einigen Tagen seuchenartig ein Magenund Darmkatarrh auf. Der Verlauf der Krankheit bei den jetzt etwa 100 erkrankten Personen weist auf das Vorhandensein von Paratyphus hin, gibt jedoch zu ernsten Besorgnissen keinen Anlaß. Im Zusammenhang mit dieser Massenerkrankung ist eine hiesige Wirtschaft und Metzgerei behördlich geschlossen worden, da vermutet wird, daß die Seuche auf den Genuß des aus dieser Metzgerei stammenden Fleisches zurückzuführen ist. Den erkrankten Personen geht es heute wieder gut. Großes Schadenfeuer in einer Porzellanfabrik. WTB. Coburg, 5. Sept.(Tel.) Im nahen Oeslau brannten heute vormittag gegen 10 Uhr ein Schuppen und zwei große Lagerhäuser der Porzellanfabrik Goebel bis auf die Grundmauern nieder. Das Hauptfabrikgebäude konnte geschützt werden. In den beiden niedergebrannten Lagerhäusern befand sich viel wertvolles Kunstporzellan, das vollkommen vernichtet worden ist. Der Schaden beträgt über 100 000 Mark. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch unbekannt. Zwei Kinder von einem Langholzfuhrwerk gelötel. WTB. Steinach, 5. Sept.(Tel.) Ein mit Langholz bergab fahrender Wagen mit Anhänger geriet auf der Landstraße aus unbekannter Ursache ins Gleiten und stürzte in einer Kurve um. Zwei an dieser Stelle spielende Kinder, ein Mädchen und sein Bruder im Alter von 3 und 5 Jahren gerieten unter das stürzende Langholz und wurden auf der Stelle getötet. Der Wagenführer wurde in schwerverletztem Zustand ins Sonneberger Krankenhaus gebracht. Mord und Selbstmord. WTB. Kattowitz, 5. Sept.(Tel.) Die Kaufmannsfrau Kühn aus Lodz warf gestern ihr 8jähriges Söhnchen aus dem vierten Stockwerk ihres Hauses auf den Hof hinunter. Das Kind war auf der Stelle tot. Die Irau stürzte sich hierauf selbst aus dem Fenster und fand ebenfalls den Tod. Frau Kühn stammt aus einer der angesehensten und reichsten Kaufmannsfamilien in Lodz. Sie dürfte infolge Fa milienzwistigkeiten die Tat begangen haben. Großsener. WTB. Roßlau, 5. Sept.(Tel.) Heute nacht entstand in der Faßfabrik, Dampfsägewerk und Holzhandlung von Richard Kohl, G. m. b. H., die 300 Arbeiter beschäftigt, ein Großfeuer. Nach 4stündiger angestrengter Tätigkeit gelang es, des Brandes Herr zu werden. Das große Lager mitt vielen fertigen Fässern, die Reservemaschinenhalle und ein Teil der Böttcherei sind zerstört. Man vermutet Brand stiftung. Der Schaden ist sehr groß, aber durch Ber sicherung gedeckt. Die Leidenszeit der Grönlandflieger. WTB. Newyork, 5. Sept.(Tel.)„Newyork Times“ veröffentlicht einen ausführlichen Bericht aus Moun; Evans, in dem die Schwierigkeiten geschildert werden, mit denen die Besatzung des Flugzeugs„Greater Rockford" nach ihrer Landung in Grönland zu kämpfen hatte. Sie hatten ursprünglich angenommen, innerhalb eines Tages Camp Lloyd erreichen zu können. Nach 10tägigem Marsch hatten sie indessen erst den Fjord erreicht, der nach Camp Lloyd hineinführt. Sie sahen sich während der letzten Tage genötigt, ihre tägliche Ration auf 5 Unzen Pemmikan zu beschränken und waren im Begriff, den Weitermarsch als hoffnungslos aufzugeben, als das rettende Motorboot des Mount Evans Observatorium auftauchte. Die Ueberschwemmungskatastrophe in Korea. * Tokio, 5. Sept. In Nordostkorea hat sich an der durch den Tumen=Fluß gebildeten Grenze gegen Sibirien und die Mandschuret eine Ueberschwemmungskatastrophe ereignet. Die Bevölkerung des Tales wurde in ihren leichten Hütten von den Wassermassen des aus seinen Ufern getretenen Tumenflusses plötzlich überrasch, so daß es ihr nur zu einem kleinen Teil gelang, sich noch rechtzeitig in Sincherheit zu bringen. Die gewaltigen Wassermassen, die aus einer Höhe von beinahe 2000 Metern zu Tal stürzten, haben große Landstrecken überschwemmt, die Straßen und Wege völlig unbenutzbar gemacht und sämtliche Drahtverbindungen zerstört, so daß das von der Ueberschwemmung betroffene Gebiet völlig von der Umwelt abgeschlossen ist. Auch der Sachschaden soll enorm sein, da u. a. auch die gesamte Ernte, zum Teil noch auf dem Halm, von den entfeffelten Fluten weggerissen worden ist. Nach weiteren Meldungen dehnt sich die Ueberschwemmungskatastrophe immer weiter aus. Die Stadt Grenzan steht unter Wasser. Die Retsfelder sind fast gänzlich zerstört. Die sapanische Regierung h## Schiffe entsandt, um der Bevölkerung Hüse zu bringen. Flagzeuge unterrichten die Bevölkerung über den Stand des Hochwassers und versorgen sie mit Lebensmitteln. Die Jahl der Todesopfer beirägt nach den letzten Meldungen 1050. Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxe Nr. 307. Westsälischer Merrur. 1 Donnerstag, 6. September 1928. Der Präsident der Bölkerbundsversammlung Zum Flugzeugunglück in Toul. Herluf Zahle, Berliner Gesandte Dänemarks, wurde in Genf um Präsidenten der Völkerbundsversammlung gedählt. Er vertritt sein Vaterland bereits seit vier ahren in der Reichshauptstadt und spielt im Berliner hiplomatischen und gesellschaftlichen Leben eine vielbeachtete Rolle. Seipel in Genf. Bundeskanzler Dr. Ignaz Seipel, der Führer der österreichischen Delegation zur Völkerbundsversammlung in Genf. Rußland tritt dem Antikriegspakt bei. Handelsminister Bokanowsky(links) spaziert kurz vor seinem Absturz mit Poincaré, Kriegsminister Painlevé und Justizminister Barthou(rechts) im Garten des Ministerpräsidenten. Wenige Stunden später war seine Leiche völlig verbrannt und konnte nur an der Armbanduhr erkannt werden. Der abgestürzte und ausgebrannte Doppeldecker auf dem Flugplatz in Toul „„Ha Die Beisetzung Bokanowskys. WTV. Paris, 5. Sept.(Telegr.) Auf dem Friedhof Mont=Martre fand heute vormittag die feierliche Beisetzung des bei der Flugzeugkatastrophe bei Toul ums Leben gekommenen Haadelsministers Bokanowsky statt. Die Beisetzung erfolgte auf Staatskosten. Zu Ehren des Toten hatten alle öffentlichen Gebäude halbmast geflaggt. Um 10,30 Uhr setzte sich der Zug, der durch die ganze Stadt vam Handelsministerium über die Seine nach dem Mont=Martre=Friedhof ging, in Bewegung. Unter den Blumenspeaden befund sich ein im Namen der Reichereaserung und ein von Botschafter Hoesch persönlich niedergeleater Kranz. Ministerpräsident Poincaré und die Mitglieder der Regierung, mit Ausnahme der in Genf weilenden Minister Briand und Loucheur und des erkrankten Kriegsministers Painleve, sowie die Mitglieder des Diplomatischen Korps, darunter Botschafter v. Hoesch und der Leiter der Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft, Gesandtschaftsrat Doehle, nahmen an der Beisetzung teil. Volkskommissar Litwinow hat in Vertretung des erkrankten russischen Außenministers Tschitscherin dem Botschafter Frankreichs in Moskau mitgeteilt, daß die Sowietregierung bereit zei, dem Kellogg'schen Kriegsächtungspakt beizutreten, — obwohl im Kellogg=Pakt die Verpflichtung zur Abrüstung, die als wesentlichstes Element zur Sicherung “ d e s F r i e d e n s z u b e t r a c h t e n s e i, f e h l t. Umschau im Auslande. Die erste Anerkennung Jogus I. Rom, 3. Sept. Zugu I. empfing nach seiner Ausrufung als ersten ausländischen Vertreter den italienischen Gesanden Sola, der dem neuen Monarchen die Anerkennung des Königreichs Albanien durch Italien bestätigte und sich von seiner Regierung beauftragt erklärte, mit der Regiekung Seiner Majestät des Könias der Albaner sofort in offizielle Beziehungen zu treten. Zogu I. dankte dem Gesandzen für die Unterstützung, die Italien und der Duce ihm, dem König, und seiner Nation gewährten. Der beide Nationen Herbindende Bündnisvertrag werde nicht nur für die vorgedehene Frist, sondern für ewig dauern. Der angebliche Inhalt des englisch-französischen Flottenabkommens. * London, 4. Sept.(Tel.) Aus den Indiskretionen Kranzösischer Delegierter in Genf ergibt sich, wie der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Telegraph“ feststellt, ein ziemlich genaues Bild von dem Inhalt des englisch=französischen Flottenabkommens. Es enthalte folgende drei Hauptpunkte: 1. Unterseeboote unter 600 To. Wasserverdrängung werden der Rüstungsbegrenzung nicht unterworfen. 2. Kreuzer mit einer geringeren Bestückung als 17 Zentimeter=Geschütze werden von der allgemeinen Abrüstung gusgeschlossen, und und 3. Kleinere Torpevofahlzeuge und undere Hilfsschiffe werden in ein allgemeines Abrüstungsschema nicht einbezogen. Amerikas Einwendungen schützten sich auf die Erwägung, daß auf Grund dieses Abkommens Kreuzer mit einer Bestückung von 20=Zentimeter=Geschützen, ein von Amerika bevorzugter Kreuztyp, zahlenmäßig begrenzt werden solle, während der von Großbritannien bevorzugte leichtere Kreuzertyp danach von jeder Begrenzung ausgenommen wäre. Besuch des estländischen Staatspräsidenten in Stockholm. WTB. Stockholm, 4. Sept. Der Präsident der Republik Estland, Toennison, ist heute in Begleitung des estländischen Ministers des Aeußern, Rebane, sowie einer Reihe politischer und militärischer Persönlichkeiten zum offizlellen Besuch des Königs von Schweden dier eingetrofffen. Wieder eine Regierungskrise in Bulgarien. Belgrod, 3. Sept. Nach Meldungen aus Sofia brach heute in Bulgarien eine schwere Krise aus. Der Präsident der Sobranje, Zankow, und der Minister des Aeußern, Burow, stelltenk dem Ministerpräsidenten Liaptschew ein Ultimatum, er solle sofort eine neue Regierung aufstellen, vor allem solle er den Kriegsminister Wolkow ausschiffen. Liaptschew sagte angeblich eine Neuordnung zu. Eine Lösung der Krise ist sehr schwierig, da bekanntlich Interessen der Großmächte hinein oielen und die Krone noch vor kurzem Wolkow ihr Vertrauen ausgesprochen hat. steden offensichtlich schwere Kämpfe innerhalb des Regierungslagers bevor. Die größte Spende, die je ein Wahlfonds erhalten hal. Neipyork, 4. Sept. Der Leiter des demokratischen Nationalkomitees. John J. Raskoh. berichtet, daß er von seinem Freunde Pierre S. du Pont einen Scheck über 60000 Dollar für den Wahlfonds der Smith=Kampagne erhalten habe. Dies ist vermutlich der größte Betrag. der # non einer Varson für den Wahlionds einer amerikanischen Partei gezahlt worden ist. Wohl hat Andrew W. Mellon nach Adschluß der Harding=Kampagne gleichfalls 50000 Dollar gezeichnet, doch geschah das damals nicht während des Wahlkampfes, sondern erst nachher, um die ungedeckten Schulden zu tilgen. Es wird unterstrichen, daß du Pont eigentlich Anhänger der republikanischen Partei ist, aber Gouverneur Smith unterstützt, weil dessen Standpunkt in der Prohibitionsfrage seiner Auffassung in hohem Maße entspricht. Die Steubengesellschaft und die Präsidentschaftskandidaten. WTB. Chicago, 4. Sept.(Tel.) Die Jahrestagung der Steubengesellschaft hat sich entschieden, von einer Beschlußfassung zu der Frage, ob die Gesellschaft bei den Wahlen Hoover oder Smith unterstützen soll, abzulassen. Die Gesellschaft hat an beide Präsidentschaftskandidaten ein Schreiben gesandt, in dem sie um Stellungnahme zu den die Amerikaner deutscher Abstammung besonders interessierenden Fragen ersucht wurden. Auf beide Schreiben ist keine Antwort eingegangen. Die Jahrestagung hat nunmehr einen Ausschuß von drei Personen ernannt, der die beiden Kandidaten persönlich aufsuchen und um schriftliche Darlegung ihrer Stellungnahme ersuchen soll. Neue amerikanische Einwanderungseinschränkungen? WTB. Tenino(Staat Washington), 4. Sept.(Tel.) Der Vorsitzende des Einwanderungsausschusses des Repräsentantenhauses, Johnson, kündigte an, er werde dem Kongreß eine Beschränkung der latein-amerikanischen Einwanderung nach den Vereinigten Staaten vorschlagen und zwar solle sie nur in dem Umfang zugelassen werden, wie in dem jeweils vorhergehenden Jahr Personen aus den Vereinigten Staaten nach Latein=Amerika ausgewandert sind. Ferner beabsichtige er eine Herabsetzung der Paßgebühren auf zwei Dollar, jedoch eine Erhöhung der Einwanderertaxe anzuregen. Stäbtisches. Münster, si. September. [*) Westfälische Zentrumspartei. Der Frauenbeirat der W3P. wird seine diesjährige Winterarbeit mit einer großen allgemeinen Tagung, die für den 23. September in Soest geplant ist, eröffnen. Namhafte Redner und Rednerinnen sind als Referenten gewonnen worden. Zu dieser Tagung werden die Zentrumsfrauen aller westfällschen Kreise recht herzlich um ihre Teilnahme gebeten, damit der Tagung ein voller Erfolg beschieden sein möge. Tags zuvor werden der Frauenbeirat, die Bezirksvorstände und die weiblichen Stadtverordneten zu einer Beratung über die Lehren des Wahlkampfes und die Vorbereitung der bevorstehenden Kommunalwahlen zusammentreten. * Die große Erweiterung des Gesellenheims. Münster ist von jeher dafür bekannt, daß dort die edle Sache Vater Kolpings eine besonders wohlgepflegte Heimstätte hat. Als seiner Zeit das Heim des Katholischen Gesellenvereins vom Domplatz fortverlegt wurde in den für damalige Verhältnisse außerordentlich großen Bau auf dem ehemals gräflich Esterhazyschen Grundstück an der Ecke von Aegidiistraße und Grüne Gasse, ahnte wohl niemand, daß dieses Heim in absehbarer Zeit zu klein werden würde. Jetzt aber hat man nach Niederlegung des alten„Nordkirchener Hofes" dort auf der Ecke nach den Plänen des Architekten Wucherpfennig einen Erweiterungsbau errichtet, der den von der Straße zurückliegenden ursprünglichen Hauptbau vollständig in den Schatten stellt. In vier Geschossen steigt dieser Bau auf Betongrundlage in Ziegel auf. Ein hoher Treppengiebel gibt ihm eine starke Note und ein vorgezogener Ausbau des betonierten Untergeschosses weist schon jetzt auf den stark in den Vordergrund gerückten Eingang hin. Wie es heißt, soll das Untergeschoß ganz dem Wirtschaftsbetriebe dienen, und darüber in den einzelnen Stockwerken werden rund hundert Zimmer als Unterkunftsräume für die Gesellen und Durchreisenden hergerichtet. Es ist ein großes Werk, das hier zum Besten der Gesellen und zur Förderung des Gesellenvereinsgedankens seiner Bollendung entgegengeht. 5 konzertgemeinschaft des M. G. B. 1889 und M. G. V. Melodia. Dem ersten Auftreten der von den beiden Vereinen Münsterscher M. G. B. 1889 und M. G. V. Melodia gegründeten Konzertgemeinschaft sieht man nicht nur in Sängerkreisen, sondern in der gesamten musikalisch interessierten Bürgerschaft mit Spannung entgegen. Zum ersten Male wird hier in Münster, der Versuch zur Bildung eines starken Männerchores in die Tat umgesetzt. Die Konzertgemeinschaft verfügt über rund 200 Sänger von ausgezeichnetem Können, die in der Hand von Franz Ludwig zweifellos zu einem großen, schönen Klangkörper geformt werden. Mit dieser Gründung wird Münster hoffentlich auch auf dem Gebiete des Männergesanges in die erste Reihe derjenigen Chorvereinigungen eintreten, über die Städte, die eine so wertvolle musikalische Tradition, wie Münster nicht aufweisen könsten, längst verfügen. Wie das Konzert des Männerchorbundes in der Halle Münsterland gezeigt hat, ist an guten Sängern in Münster kein Mangel. Wir möchten den Wunsch aussprechen, daß sich noch recht viele stimmbegabte und begeisterte Sänger der Konzertgemeinschaft anschließen, auf daß Franz Ludwig Gelegenheit gegeben wird, einen leistungsfähigen Chor zusammenzuschweißen. Das erste große Konzert ist für den 8. Dezember in der Stadthalle unter Mitwirkung des Städtischen Orchesters vorgesehen. Die Vortragsfolge steht vor den 98. Psalm mit großem Orchester und Orgel von Franz Wüllner, der bei der Wiener Aufführung durch den M. G. V. Rheinland, Koblenz begeisterte Aufnahme gefunden hat; an acapella=Chören das große Werk„Sturmerwachen“ von dem in den ersten Tagen dieses Jahres verstorbenen Mathien Neumann, sowie zwei kleinere Werke von Hugo Kaun:„Weine leise"(achtstimmig) und „Sternennacht“. Zum Schlusse wird in den„Variationen über Prinz Eugen“ für Männerchor, Blas= und Schlaginstrumente von Bernhard Sekles ein modernes Werk als Erstaufführung für Münster gebracht werden, das in Frühjahr im Konzert des Lehrergesangvereins in Osnabrück eine Begeisterung auslöste, die den Dirigenten Volkmann zu einer Wiederholung zwang. Nach Beendigung der Ferien setzt der Uebungsbetrieb am Freitag, den 7. September, wieder ein. Anmeldungen werden im Uebungslokal entgegengenommen.(Siehe Anzeige.) 6' Der gemischte Chor der Schutzpolizei Münster veranstaltete am vergangenen Sonntag in den Gartenanlagen des Gertrudenhofes sein erstes öffentliches Konzert. Unter Leitung des Chormeisters Gärtner wurden die Gesangsvorträge eindrucksvoll und gut vorgebracht. Das Konzert hatte zahlreiche Besucher gefunden, die mit ihrem Beifall nicht kargten. Der Chor bestand aus 70 Mitgliedern und zwar alles nur junge Leute im Alter von 18 bis 30 Jahren. Im Anschluß an das Konzert hielt der gemischte Chor in den Räumen des Gertrudenhofes sein diesjähriges Sommerfest ab. Bemerkenswert ist, daß der Chor im August 1927 von dem Polizeihauptmann Dröge gegründet wurde. Hauptmann Dröge gründete auch bereits im Jahre 1924 den über 300 Mitglieder zählenden gemischten Chor der Schutzpolizei Berlin unter Leitung des Münsteraners Hans Metzmann. O Die Westfalenfleiß-Werkstätten— gemeinnützige Krüppel= und Blindenwerkstätten— haben den Vertrieb von billigem Brennholz übemnommen. Es handelt sich um zerkleinertes, völlig trockenes Anmachebrennholz und um gröberes Hartholz für Waschkessel= und Kachelösenheizung. Auch kleinere Mengen werden frei Haus geliefert. Aufträge nimmt entgegen die Berkaufsstelle, Bergstraße 29, Telephon 41 591. Taubstummen-Goltesdienst. Für katholische Taubstumme aus Münster und Umgegend wird am Sanntag, den 9. September, nachmittags 3½ Uhr, in der Kapelle der Barmherzigen Schwestern des Mutterhauses(Marien=Hospitals), Loerstraße, Gottesdienst mit Predigt abgehalten. 4 Wetteraussichten für Donnerstag: Meist trocken, nur vorübergehend stärker bewölkt bei wenig veränderten Temperaturen. Die Kosten der Arbeitslosenversicherung in Westfalen und Lippe im Monat Juli 1928. Das Landesarbeitsamt Westfalen berichtet: Die Gesamtausgaben für die Arbeitslosenversicherung im Bezirke des Landesarbeitsamtes Westfalen haben im Monat Juli gegenüber dem Vormonat einen Rückgang von rund 840000 R.A erfahren Sie betragen 4 455000 RcA gegenüber 4 793000 R.A im Juni 1928. Von den Gesamtausgaben entfallen rund 3,2 Millionen Rok auf reinen Unterstützungsaufwand. Gegenüber dem Vormonat hat sich dieser Betrag um rund ½ Million Ra#l verringert. An Krankenkassen= und sonstigen Versicherungsbeiträgen für die Hauptunterstützungsempfänger wurden im Juli 439000 R.A gegenüber 447 000 Reichsmark im Vormonat verausgabt. Zum Zwecke der Förderung der Arbeitsaufnahme und zur Verhütung und Beendigung der Arbeitslosigkeit wurden im vergangenen Monat 313000 R-A gegenüber 224000 R. im Vormonat verauslagt. Auf die Verwaltungskosten für die Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge entfallen im Juli 492000 R.A gegenüber 407 000 R.A im Monat Juni 1928. Das sind im letzten Monat rund 11 Prozent der Gesamtausgaben in der Arbeitslosenversicherung im Bezirke des Landesarbeitsamtes Westfalen. Bei der Beurteilung des Anteils der Verwaltungskosten muß beachtet werden, daß dieser umso höher steigt, je geringer die Ausgaben für reine Unterstützungszwecke sind, bezw. je kleiner die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger wird. Denn in den Verwaltungskosten sind auch die Kosten der Arbeitsvermittlung enthalten, die verständlicherweise umso höher werden, je intensiver die Vermittlungstätigkeit der Arbeitsnachweise im Interesse der Senkung der Arbeitslosenziffern wird. Unter den Arbeitsnachweisen weist Dortmund mit rund 631 000 RA die höchsten Ausgaben nach. Auf die öffentlichen Arbeitsnachweise in Gelsenkirchen und Buer entfallen 323000 und 124000 R.A, auf Bochum 243000 RcA. Der Anteil der Ausgaben in diesen vier Arbeitsnachweisbezirken an den Gesamtausgaben im Landesarbeitsamtsbezirke beträgt rund 30 Prozent. Dieser Anteil entspricht ungefähr demjenigen der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in den vorgenannten Arbeitsämtern an der Gesamtzahl der Hauptunterstützungsempfänger in Westfalen und Lippe(28,8 Prozent). Im Gebiete des öffentlichen Arbeitsnachweises Bielefeld wurden im vergangenen Monat 358000 R.A, in Recklinghausen 178000 R. A, in Wanne=Eickel 127.000 R.A, in Herne 118000 Reichsmark, in der Stadt Hagen 97.000 R.4, in Wattenscheid 80000 R.A und in Witten 65000 R.A ausgegeben. Die Gesamtausgaben in diesen Arbeitsnachweisbezirken betragen rund 1.3 Millionen R.A; das sind 23 Prozent der Ausgaben in Westsalen und Lippe. Auf die vorstehend aufgeführten 11 Arbeitsämter entfallen also insgesamt rund 53 Prozent der Gesamtausgaben im Landesarbeitsamtsbezirke bei einem Anteil der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger der Arbeitslosenversicherung an der Gesamtzahl in Westfalen und Lippe von 55 Prozent. An Beitragseinnahmen sind im Juli 1928 rund 6,7 Millionen R.A aufgekommen gegenüber rund 6,8 Millionen Reichsmark im Vormonat. Die Verwaltungseinnahmen betrugen im Juli 194 000 R.A, so daß sich die Gesamteinnahmen auf 6 941 000 R.A errechnen. Es wurden demnach im Bezirke des Landesarbeitsamtes Westfalen im Juli 1928 Ueberschüsse in Höhe von 2 486 000 Reichsmark erzielt gegenüber einem Ueberschuß von 2 165 000 Reichsmark im Vormonat. In der Krisenfürsorge wurden im Juli 1928 in Westfalen und Lippe rund 319 000 R.A an die Unterstützungsempfänger ausgezahl! Noch einmal der tödliche Unfall an der Eisenbahnstrecke Münster—Coesseld. Rehabilitierung der Reichsbahn.— Erneuter Freispruch. Wie erinnerlich ereignete sich am 17. Oktober 1927 an dem Eisenbahnübergang der Strecke Münster—Coesfeld auf der Weseler Chaussee morgens gegen 6.45 Uhr ein Motorradunfall, dem der Student Heinz Ernst aus Münster bedaues#icherweise zum Opfer siel. Mit einem Freunde, dem Studenten Albert Schlenkhoff aus Herne, hatte er auf dem Soziussitz die fragliche Stelle passieren wollen, als Schlenkhoff erst auf 20 Meter Entfernung sah, daß die Eisenbahnschranken geschlossen waren. Schlenkhoff versuchte dann links vor der Schranke auf einen Feldweg zu fahren, geriet aber gegen einen Prellstein, und beide Fahrer wurden durch den Anprall von dem Motorrade geschleudert. Im hohen Bogen flog Ernst zwischen beide Schienen, während Schlenkhoff außerhalb des Schienenstranges liegen blieb. Unglücklicherweise kam gerade in diesem Augenblick der erste Zug aus Richtung Coesfeld. Schlenkhoff sah das Unglück nahen und versuchte, seinen Freund noch von den Schienen zu reißen. Inzwischen war aber die Maschine des Zuges herangekommen, Ernst wurde ersaßt und zu Tode geschleift. Die Staatsanwaltschaft griff seinerzeit diesen Unfall auf und stellte den Studenten Schlenkhoff unter die Anklage der fahrlässigen Tötung. Sein Verschulden solle darin liegen, daß er die nötige Vorsicht als Kraftfahrer außer acht gelassen hätte. Am 29. März d. J. wurde daraufhin von dem erweiterten Schöffengericht gegen ihn verhandelt. Nach eingehender Beweisaufnahme kam das Gericht aber zu einem Freispruch des Angeklagten, da man der Auffassung war, daß lediglich die Angestellten der Reichsbahn bezw. die mangelhaften Anordnungen der Reichsbahnverwaltung Schuld an dem Tode des Studenten trugen. Das Gericht vertrat die Auffassung, daß sich der Unfall hätte vermeiden lassen, falls die Schranken erleuchtet gewesen wären. Gegen diesen Freispruch legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein, trotzdem sie selbst in dem ersten Termine die Freisprechung des Angeklagten beantragt hatte. Auf Grund dieser Berufung hatte sich nunmehr die Große Strafkammer erneut mit dem Unfall zu befassen. Außer den in erster Instanz geladenen Zeugen und Sachverständigen waren nunmehr der Oberingenieur Dahlmann und der Reichsbahnoberrat Konrad aus Kassel als Sachverständige hinzugezogen worden. Die Vernehmung der Angeklagten sowie die Zeugenvernehmung ergaben im allgemeinen kein anderes Bild der Vorgänge, wie es bereits auch in erster Instanz festgestellt worden war. Schlenkhoff und der Verunglückte hatten in Herne bis gegen ½4 Uhr an einer Familienfeier teilgenommen, aber in keiner Weise übermäßig dem Alkohol zugesprochen. Auch von der Uebermüdung des Angeklagten konnte keine Rede sein. Der Schrankenwärter Wiedebusch, dem eigentlich nach dem ersten Urteil in gewisser Hinsicht die größte Schuld zugesprochen werden müßte, führte aus, daß es am Unglücksmorgen bereits so hell gewesen sei, daß er nach seinen Vorschriften die Schranke nicht mehr hätte beleuchten brauchen. Außerdem sei Schlenkhoff auch ohne Licht gefahren. Er hatte das Motorrad bereits aus einiger Entfernung kommen sehen und war Augenzeuge des gräßlichen Unfalles. Seine Wanrnungsrufe kamen allerdings zu spät. Der Lokomotivführer des Zuges hatte allerdings noch Licht, da es vorher noch sehr stürmisch gewesen sei. Er hatte wohl etwas vor seine Maschine fliegen sehen, konnte aber nicht unterscheiden, was es gewesen war. Der Zeuge hätte trotz größter Vorsicht das Unglück nicht verhüten können. Hauptmann Petersen, der Führer der Kraftfahrabteilung der Schutzpolizei, bekundete als Sachverständiger und Zeuge, daß die Schranke tatsächlich schlecht zu erkennen sei. Die Geschwindigkeit des Motorrades sei in keiner Weise zu groß gewesen und der Angeklagte habe alles versucht, den Unfall zu vermeiden. Seiner Ansicht nach treffe den Angeklagten keine Schuld. Oberingenieur Dahlmann schloß sich diesem Gutachten an. Auch die Warnungstafeln, die zurzeit des Unfalls unübersichtlich angebracht gewesen seien, hätten sehr leicht von dem Angeklagten übersehen werden können. Reichsbahnoberrat Konkad=Kassel äußerte sich darüber, daß die Schrankenwärter Anweisung hätten, die Schranken bei Dunkelheit zu beleuchten. Der Begriff Dunkelheit sei aber nicht bestimmt festgelegt. Im Unterricht würde den Eisenbahnangestellten der Begriff„Dunkelheit“ insofern erklärt, daß von Dunkelheit nicht mehr die Rede sein könne, sobald sie im Freien Geschriebenes lesen könnten. Der Schrankenwärter habe demnach seinen Anweisungen entsprechend gehandelt, zumal die Beamten der Station Mecklenbeck selbst das Schließen der Schranke beobachtet hätten. Nach den Plädoyers verkündete der Vorsitzende der Großen Strafkammer, Landgerichtsrat Rektler den erneuten Freispruch des Angeklagten. Das Gericht führte den Unfall auf die unglücklichen Witterungs= und Straßenverhältnisse zurück. Im Interesse der Allgemeinheit erwähnle der Vorsitzende, daß die Anweisungen der Reichsbahnverwaltung durchaus zweckmäßig gewesen seien, und auch den Schrankenwärter Wiedebusch keinerlei Fahrlässigkeit treffe. Nach den gesetzlichen Bestimmungen wurden die Kosten der Verteidigung der Staatskasse auferlegt. Provinzielle Nachrichten. O Rienberge, 5. Sept. Die schlauen Hunde und der Bauer. In der Nähe des Anwesens des Landwirtes Aug. Engberding wurde die Jagd von mehreren Pächtern schon jahrelang gepflegt. Ein Privatförster war von ihnen bestellt worden und dieser stellte schon seit längerer Zeit fest, daß sich die Hunde des Engberding wildernd im Revier herumtrieben. Eines Tages wurde dem Engberding dann gesagt, daß man die Hunde über den Haufen schießen würde, sobald sie noch einmal angetroffen würden. Engberding antwortete darauf den Jägern, das sollten sie nur versuchen, die Hunde wären viel zu schlau. Tatsächlich ergriffen die Hunde schon bei dem Nahen eines Jägers aus weiter Entfernung die Flucht, so daß man ihrer nicht habhaft werden konnte. Die Jagdeigentümer erstatteten darauf Anzeige bei dem Amte Roxel, und Engberding erhielt gemäß§§ 3, 7 der Polizeiverordnungen vom Jahre 1882 und 1896 eine Geldstrafe von drei Mark. Gegen diese Strafe legte Engberding Berufung ein und beanspruchte nunmehr vor dem Amtsgericht in Münster gerichtliche Entscheidung. Zur Begründung seines Einspruches gab er an, die Hunde seien Eigentum seiner Mutter gewesen, trotzdem ihm seit einigen Jahren der 80 Morgen große Besitz zum Eigentum übertragen worden ist. Da er zugab, daß die Hunde sich wiederholt wildernd herumgetrieben hatten, erachtete das Gericht seine Einlassung als nicht stichhaltig und ließ den Strafbescheid in Höhe eines Talers als zu Recht bestehen. Jetzt kommen aber noch die Gerichts= und Zeugengebühren dazu und außerdem gilt die Strafe nun als gerichtliche Vorstrafe.— Das waren schlaue Hunde. X8 Jreckenhorft, 5. Sept. Unterschlagungen eines Lohnbuchhalters. Der Lohnbuchhalter einer hiesigen Weberei verschwand Mitte voriger Woche, ohne daß man zunächst den Grund dafür ermitteln konnte. Als jedoch die ernste Maynung einer Krankenkasse eintraf, doch endlich die rückstandigen Kassengelder zu zahlen, wurden die Bücher nachgeprust und es ergab sich, daß der Mann die zurückgehaltenen Krankenkassengelder nicht an die Kasse abgeführt und für sich ver“ braucht hatte. Die Höhe der Unterschlagung wird auf 3000 Mark geschätzt. Der Aufenthalt des Flüchtigen ist nicht bekannt., 9 Jobenbüren, 5. Sept. Verschiedenes. Eine Versammlung des Reichsbundes der Kinderreichen, Ortsgruppe Ibbenbüren, hielt im Körlingschen Saale hierselbst einen Muttertag zur Ehrung kinderreicher Mütter ab. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Gemeindevorsteher Verl““ mann, begrüßte die zahlreich Erschienenen, insbesonder Herrn Schröder=Münster, den Vorsitzenden des Provinzialverbandes, sowie die hochw. Geistlichkeit Ibbenbürens. Herr Verlemann dankte der Amtsvertretung, die durch Spendung eines namhaften Beitrages dieses Fest ermöglicht habe. Herr Schröder hielt die Festansprache. Die eigentliche Mütter. ehrung nahm Herr Dießenbacher vor. Neun der kin derreichsten Mütter erhielten ein Angebinde. Eine Verlosung bildete den Schluß.— Ein im Betriebe der Firma Crespe! und Deiters mit dem Abladen eines Kessels beschäftigte Arbeiter geriet unter den Kessel und erlitt schreckliche Be letzungen. Er fand Aufnahme im Krankenhause. 2 A 3 Westsälischer Merkur. Vonnerstag, v. September 1928. Nr. 307. I Beckum, 5. Sept. Selbstmord einer Munkler von sleben Kindern. Die Frau des Bergmanns Bökamp, Mutter von sieben Kindern, litt seit mehreren Jahren an Schwermut. Am Montagvormittag, als sie mit ihrer 19jährigen Tochter allein zu Hause war, ließ sie das junge Mädchen eine Bensorgung machen, und kaum hatte die Tochter das Haus verlassen, erschoß sie sich mit einem Trommelrevolver und war auf der Stelle tot. (2) Hamm, 5. Sept. Verkehrsschulung für Kinder. Die hiesige Polizeidirektion beabsichtigt, gleich nach den Herbstserien Schulungskurse für Kinder durch erfahrene Polizeiheamte erteilen zu lassen, um gerade die Schulkinder auf die Gefahren des Verkehrs aufmerksam zu machen. Die Anregung dazu hat das mustergültige Beispiel der Stadt Dortwund gegeben. Ganz ähnlich wie dort, sollen auch hier die Kinder zu verkehrsreichen Straßenkreuzungen geführt werden, um ihnen an Ort und Stelle alles Wissenswerte in der Praxis zu zeigen. X Dortmund, 5. Sept. Eln 16jähriger schießt auf seine Mutter. Am Dienstagabend gab der 16jährige Sohn Ernst der Eheleute Bregortz in Dortmund im Verlaufe einer Auseinandersetzung auf seine im Bett liegende Mutter hintereinander mehrere Schüsse ab, wodurch die Frau lebensgefährlich verletzt wurde. Dann ergriff er, nur mit einem Heumd bekleidet, die Flucht. Schon nach kurzer Zeit wurde der jugend„Täter von der Mordkommision gestellt. Bei seiner Vernehmung gab er an, daß die Mutter sich seinem Wunsche, Thauffeur zu werden, entgegensetze. * Recklinghausen, 5. Sept. Verzweiflungskat eines 21jährigen. Ein überaus trauriger Vorfall ereignete sich in den gestrigen frühen Morgenstunden gegen 5 Uhr an der Bahnstrecke Recklinghauser=Hbhf.—Recklinghausen=Süd im Zuge der Linte nach Haltern—Münster. In der Nähe des Erlbruchparkes hinter dem Rathause fand man auf dem Bahndamm die Leiche eines jungen Mannes, die vollkommen zerstückelt war. Der Kopf befand sich eine ganze Strecke weiter am Damm. Aus den vorgesundenen Papieren ging hervor, daß es sich um den 21 Jahre alten Sohn eines Hertener Wirts namens Koop handelte, der kurz zuvor mit einem Freunde und einem jungen Mädchen eine Autofahrt in die Lippegegend unternommen und dabei als Chauffeur fungiert hatte. Auf irgendeine Weise ist, wie hier verlautet, dabei ein Unglück entstanden, bei dem das mitfahrende Mädchen erhebliche Verletzungen erlitten haben soll, während der Freund und der Lenker selbst mit unbedeutenden Wunden davonkamen. Es ist anzunehmen, daß Koop aus Gewissensbissen seinem Leben ein Ende bereitete, obwohl bisher noch garnicht feststeht, wieweit ihn überhaupt eine Schuld an dem Autounfall trifft. Die Untersuchung durch die Kriminalpolizei ist ausgenommen worden. □ Mülheim-Ruhr, 5. Sept. Tragischer Tod einer Mutter. Im Stadtteil Speldorf herrscht noch heute die von Alters her übernommene Sitte, daß sich gelegentlich der Kirmes alle Kinder im Hause der Eltern wieder zusammenfinden. Als nun die an der Liebigstraße wohnende Witwe van der Velden ihre Freude darüber Ausdruck gab, einmal ihre Kinder alle zusammen bei sich zu sehen, brach sie plötzlich tot zusammen. Ein Herzschlag hatte ihrem Leben ein gesetzt. Dr. Schmidt über die kommunale Neugliederung des Ruhrgebietes. * Essen, 5. Sept. Verbandodirektor Schmidt war jebeten worden, in einer Versammlung der sozialdemokraschen Gemeindevertreter des Bezirks, die am 3. d. M. in Buer stattfand, über Fragen der kommunalpolitischen Neugliederung im Ruhrgebiet einen Vortrag zu halten. Gegenüber den verschiedenen Darstellungen in der Presse, die Widerspruch erfahren haben, sind wir in der Lage, mitzuteilen, daß Dr. Schmidt nur seine grundsätzliche Auffassung über die Neuorganisation, ferner die wirtschaftlichen und siedlungstechnischen Voraussetzungen dargelegt hat. Er erklärte, von der Mitteilung irgendwelcher Einzelheiten mit Rücksicht auf seine amtliche Gutachtertätigkeit absehen zu müssen. Nach seinen langjährigen Erfahrungen im Ruhrgebiet komme er zu der Ueberzeugung, daß ein gewisser Zusammenschluß der stadtgebilde erforderlich sei, daß aber ein übertriebener sroßftadtgedanke auch für das Industriegebiet nicht empfehenswert sei. Umgekehrt müßten aber auch die Kreise aufhören, ständig nur Abgabeobjekte für die Großstädte zu bleien. Die Kreisgebiete, die am Rande des engeren Industrieezirks heute noch lebensfähig seien, müßten in einer gewissen kommunalpolitischen Abrundung erhalten bleiben und in angemessener Gleichwertigkeit den Großstädten gegenüber verwaltet werden. Dr. Schmidt erklärte ferner, die von ihm angeregte Kennzeichnung von sogenannten Interessenscheiben halte er für erforderlich, um innerhalb der einzelnen Teilbezirke das dauernde kommunalpolitische Gegeneinanderarbeiten zu vermeiden. Ohne daß die einzelnen Städte oder Pandkreise hierbei ihre Selbständigkeit aufgeben müßten, sei doch ein Zusammenwirken auf zahlreichen kommunalen Gedieten durchaus erwägenswert und notwendig. Vermischtes. Lasayette kauft den Tauentzienpalast. Wie die„Voss. Ztg.“ erfährt, hat das Pariser Warenius Lafayette den Tauentzienpalast in Berlin erworben. lußerdem hat Lafayette die in der Nürnberger Straße anfrenzenden Gebäude und den gesamten Riesenkomplex des benachbarten Neubaus in der Nürnberger Straße erworben. Dieser Neubau=Komplex wird nicht weiter ausgeführt, sondern für die Zwecke des Warenhauses zu Ende gestaltet werden. Als Kaufpreis für das gesamte Objekt wird der Betrag von 60 Millionen Reichsmark genannt. Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Reklamefachleute. Vom 6. bis 10. September 1928 hält der Verband Deutder Reklamefachleute E. B. seine Jahres=Hauptversammlung n Düssekdorf und Köln ab, die gleschzzeitig der Feier des 20jährigen Bestehens des Verbandes gewidmet ist. Die Lagung wird in Düsseldorf am Donnerstag, dem 6. Septemder, mit einem Reichsfachgruppentag eröffnet, die westeren Verbandsverhandbungen finden am 7. und 8. September statt. Umrahmt werden sie am Abend des 7. September von einem Vortrag des Präsidenten des Statistischen Reichsamtes, Professor Dr. Ernst Wagemann, über„Wirtschaftskonjunktur und Werbewesen“ und einer Vortragsmatinee am Sonntag, dem 9. September, bei der Werbwart Weidenmüller einen„Ueberdlik über den Stand des deutschen Werbewefens“ geben und Dr. Albrecht über„Reklame, Wirtschaft und Kultur“ sprechen wird. Gesellschaftliche Veronstaktungen bilden den Schluß in Düsseldorf. Montag, dem 10. September, ist dem gemeinsamen Besuich der Pressa in Köly gewidmnet, bei dem auch ein Empfang der Teilnehmer zurch die Stadt Köln stattfinden wird. Eine Folge der Grundung des Kontinentalen Reklame=Verdandes ist die Beheiligung ausländischer Gäste, und zwar der Mikglieder des Verwaltungsrates dieses Verbandes und zahlreicher weiterer Kollegen aus Frankreich, Holland, Oesterreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei. Der Wettlauf um das größte Schiff. # London, 4. Sept. Die Blätter besprechen mit großer Befriedigung die Mitteilung der White Star Line, daß der neue Amerikadampfer, der sich auf der Werft von Harland und Wolff in Bau befindet, wo er im Juni auf Kiel gelegt wurden, 60 000 Bruttokonnen groß sein wird. Der„Dasly elegraph“ sagt, daß der Bau dieses Schifforiesen besonders deswegen zu begrüßen sei, weil Großbritannien zwar gegenwärtis in der„Mauretania“ das schnellste Schiff der Welt rsitze, daß aber der Rekord an größten Schiffen noch immer von Deutschland gehalten werde, da sowohl der heutige „Majestic“ wie der heutige„Leviathan“ auf deutschen Werfen erbaut worden seien. Dazu sei zu bedenken, daß die beiden neuen Schiffe des Norddeutschen Lloyd,„Europa“ und Bremen“, eine Geschwindigkeit von 26½ Knoten(48 Klm.) erhielten, also die„Mauretania“ überflügeln sollten. Es war also höchst erwünscht, daß die britischen Linien die deutsche „Herausforderung aufnahmen. Bereite doch auch die Qpuard * Großflugtag in Berlin. A A A b4 4 5 uc Reche Bung K Die Udet-Flam ingo-Staffel hat auf dem letzten Großflugzeugtag in Berlin=Tempelhof bewundernswerte Kunstflüge,— wahrhaft halsbrecherische Kunststücke— ausgeführt, während unten Fansaren erklangen. Line den Bau eines neuen Riesendampfers vor, der gleichzeitig an Schnelligkeit mit der„Mauretania“ wetteifern solle. Der neue White Star=Dampfer soll rund 6 Millionen Pfund (120 Millionen Mark) koften und in drei Jahren fertig sein. 125 mal auf dem Matterhorn! Bergführer Hermann Perren hat in Ausübung seines Berufes zum 125. Male das 4505 Meter hohe Matterhorn bestiegen. Mancher mit lauter Reklame gepriesene Sporterfolg kann sich mit den außerordentlichen Leistungen des bescheidenen Bergführers nicht messen. Spott. Erfolge des R. V. M. 1882 in Berlin. Die Schüler- und Jugendabteilung des Rudervereins 1882 (Münster) erringt 3 erste und 2 zweite Siege auf der Schülerund Jugendregatta in Berlin-Grünau. Nachdem die Schüler= und Jugendabteilung des R. V.M. 1882 auf den Regatten in Essen und Duisburg sich als der erfolgreichste Verein Westdeutschlands qualifiziert hatte, wünschte der Vorstand des Westdeutschen Schüterruderverbandes, durch den Start der Münsterischen Abteilung auf der Berliner Regatta gut vertreten zu werden.(Diese Regatta ist einer Metsterschafts=Regatta der Schüler= und Jugendruderverbände gleichzustellen.) Nachdem unter Anspannung aller Kräfte die Fahrt ermöglicht war, fuhr die Abteilung mit einer Achter= und einer Vierermannschaft nach Berlin, wo ihr von der Rudergesellschaft Wiking in überaus kameradschaftlicher Weise Quartiere und Boote zur Verfügung gestellt worden waren. Die Tage vor der Regatta wurden zu eifrigem Training und zur Gewöhnung an das fremde Wasser der Märkischen Seen benutzt. Dann kam am Sonntag, den 2. September, die große Schlacht. Alles war auf das Beste vorbereitet und beim Ausbleiben des üblichen Regattapechs mußten die energischen Vorbereitungen von Erfolg begleitet sein. Gleich das erste Rennen wurde dann auch von der Schülermannschaft des R. V. M. gewonnen. Der l. Achter, der Städteachter war von Münster gewonnen. Nach fabelhaftem Endspurt wunden die Münsterischen Jungens in der besten Achterzeit des Tages(5:19,4) überlegene Sieger vor Hamburg, Potsdam und R. V. Arkona(Berlin), nachdem vorher Lübeck und Berliner Verein abgemeldet hatten. Diese auf der sogenannten Schülermeisterschaftsregatta so erfolgreiche Achtermannschaft verdankt ihren Sieg neben der Härte und Technik besonders dem vorbildlichen Zusammenhalt ihrer aus Schülern des Paulimuns, des Städt. Gymnasiums und der Oberrealschule bestehenden Mitglieder. Im Anfängervierer wurde die Jugendabeitlung des R. V. M. hinter der Oberrealschiole Dortmund Zweiter. Beide Boote sochten wie im 1. Vierer, in dem Münster ebenfalls Zweiter gegen Essen wurde, den Kampf um die Sieg 2—3 Längen vor dem 7 Boote starken Felde aus, und steilten so ihre hohe Klasse, die von keinem Berliner Verein erreicht wurde, erneut unter Beweis. Im Jungmannenvierer siegten die Schüler gegen die überaus starke, vorwiegend Berliner Konkurrenz. Zum Schluß machten dann die Jugendlichen ihren Platzsieg im Anfängervierer durch einen schönen Sieg im Dahmevierer in der besten Zeit ihrer Abteilung(4:02,4) wieder wett. Am Montag werden die Ruderer unter kundiger Führung eine Studienfahrt nach Berlin und zu den Märkischen Seen unternehmen, um so neben dem Körper auch dem Geist zu seinem Rechte zu verhelfen. Der Verein wird den zurückkehrenden Ruderern einen des Erfolges würdigen Empfang bereiten in der Hoffnung, daß er im nächsten Jahr den Wanderpreis des Achters endgüktig gewinnt. Dr. Peltzer bisqualifiziert! Wieder eine Sensation um den Weltrekordler. Essen, 4. Sept. Der deutsche Wektrekordmann Dr. Otto Peitzer wurde von der Deutschen Sportbeyörde für Leichtathletik disqualifiziert, da er es am Sonntag vorzog den Länderkampf in Berkin gegen Frankreich nicht zu bestreiten, sonderm einem Feste seiner Schule in Wickersdorf beiwohnte... So wird also Dr. Peltzer zum nächsten Wochenende nicht bei den internationalen Großkämpfen in Paris vertreten sein. Das ist wirkkich schade, umsomehr als sich die Pariser Presse eingehend mit dem deutschen Wektrekordter und seiner glortosen Vergangenheit beschäftigt und sein Leben breit vor den Augen des Lefers aufrollt. Vor allen Dingen wird an den 1000 Mr. Weltrekord des Wircer=doriere erivwert, den er im Vorjahre auf der Bahn zu Cokombes gegen den Wektrekordmann Sera Martin kief und knüpft hieran die Hofinung, daß Pettzer seine hohe Form ebenso plötzlich und überraschend wie damals wiederfinden möge, nachdem er schon letzthin wieder eindrucksvolle Zeiten über 800 Meter erreicht habe. Man darf vielleicht darauf hinweisen, daß es Peltzer mit dem Amateurstandpunkt sehr ernst ist, und daß es schließlich bei ihm ist, Feste, die innerhatd des Rahmens seines Berufes liegen, zu besuchen oder nicht. Ob die deutsche Sportbehörde diesen Standpunkt teilt oder nicht, spiekt hierbei gar keine Rolle, lediglich die Rücksichtsnahme Dr. Peitzers auf seinen Beruf als Lehrer und Jugenverzieher. Deutschland führt im Tennisländerkampf gegen Ungarn 3:1. Budapest, 4. Sept. Mit zwei weileren Spielen wurde der Tennisländerkampf Deutschland— Ungarn am Montag fortgesetzt. In beiden Spielen konnten sich sowohl die Herren als auch die Damen der deutschen Vertretung behaupten, sodaß nach dem Verlauf des zweiten Tages in der Gesamtwertung Deutschland mit 3:1 füyrt. Das deutsche Paar Frau Stephanus und Frt. Roß schlug die ungarische Vertretung Frau Petery und Frau Schreder 6:2, 3:6, 6:3 und die deutschen Herren Froitzheim und Dr. Kleinschroth konnten nach harkem Kampfe über Ungarns Vertreter von Kehrling und Petery 2: 6, 6: 1, 6: 4, 11:9 gewinnen. Motorsport. Bufé(Münster) auf D-Rad Klassensieger im„Großen Preis der Hansestädte“. Die vom„Allgemeinen Deutschen Automobilklub e. V.“ (ADAC) Gau VIa Weser=Ems ausgeschriebene Zuverlässigkeitsfahrt um den„Großen Preis der Hansestädte“ wurde am vergangenen Sonntag auf der 33 Kilometer kangen Rundstrecke bei Wildeshausen zur Durchführung gebracht. Zu dieser Fahrt starteten auch die beiden münsterischen Sportfahrer, die Herren Tom Buse u. Rolf Keßler. Herr Bufé konnte die 524 Kilometer lange Strecke ohne jede Panne zurücklegen. Es wurden ihm lediglich durch falsche Zeitmeldung eines Funktionärs zwei Straspunkte zudiktiert, wodurch ihm die schon sichere„Große goldene Senatsmedaille" der Stadt Bremen verloren ging. Jedoch wurde er troß der beiden Strafpunkte Klassensieger und erhielk die„Große silberne Senatsmedaille“ nebst Kranz und Schheife. Der Münsteraner Herr Rolf Keßler wurde durch dauernde Reifenpannen soweit zurückgeworsen, daß er die Fahrt nur mit einer größeren Anzahl Strafpunkte beenden konnte. Jedoch wurde ihm für seine sportlichen Leistungen die broncene Plakette übergeben. Das A. D. A. C.— Nürburg-Rennen 1928. Der Allgemeine Deutsche Automobil Club hat für den 30. September 1928 das A. D. A. C.=Nürburg=Rennen für Krafträder und Krafträder mit Beiwagen auf dem Nürburgring ausgeschrieben. Die Veranstaluing, die gleichzeitig der 7. deutsche Meisterschaftslauf für Krafträder ist und für die Reklame von der obersten Motorsportbehörde freigegeben wurde, wird auf der Südschleife des Nürburgrings, die eine Länge von 7,8 Kilometer aufweist, ausgetragen. Nennungen sind an die Sportabteitung des A. D. A. C., München, Königinstraße 11a zu richten. Der erste Nennungsschluß für die Veranstaltung ist der 20. September 1928 und Nach=Nennungsschluß der 24. September. Eine„Hermann Köhl"=Staffel in Gelsenkirchen. Gelsenkirchen, 4. Sept. Die für den 5. August gepkont gewesene große Flugveranstaltung findet nunmehr bestimmt am 16. September auf dem Gessenkirchener Flugplatz statt. Gemessen an dem aufgestellten Programm erhätt die Veranstaltung eine Bedeutung, die weit über den Rahmen des Industriegebiets hinausreicht. Den Luftkämpfen und allem Gebotenen wohnt auch der Ozeanstieger Hermann Köhl mit Frau bei. Er trifft bereits am 15. September mittags in Gelsenkirchen ein und an diesem Tage werden die atten Kriegsflieger des Westens sich in Getfenkirchen zu einem FliegerWiedersehenstag treffen. Nicht unerwänht soll bleiben, daß Hermann Köhl in Geksenkirchen kein Unbekannter ist, denn hier wurde er nach einer schweren Verletzung, die er im Weltkriege erlitt, ausgeheilt. Eine besondere Note erhält der 16. September dadurch, daß auch Dr. Eckener sein Kommen mit dem„Graf Zeppelin" zugesagk hat. Allerdings ist diese Zusage noch nicht ganz bindend, da technische Schwierigkeiten das Vorhaben über den Haufen werfen können. Nandeis Nachrtontenn. Westdeutscher Rundfunk Münster i. W. ## Freitag, 7. September. 12.10: Mechanssche Musik. D 13.05: Millagstonzert. Klaviersoli: W. Wielsch.# 16.50: Rettor Simon: Das Märchen von den gesangenen Sonnenstrahlen.— Zäpfel Kerns Abenteuer, eine lustige Kasperlgeschichte. 17.30: Dr. Stichtenoth: Neue Wege zur Kunsterziehung auf dem Lande. S 17.45: Kammermusik des Streichquartetts des Westd. Rundfunks. Mitw.: Kläre Hansen(Sopran). 18.30:„Michael Kohlhaas“ von Heinr. v. Kleist. c 19.15: Dr. Friedemann: Deutsche Kunst und Deutschtum in Paris. o 19.40: Dr. Hochreuther: Aufstieg oder Untergang.— Ein Vererdungsproblem. 20: Abendmuzik des Kleinen Orchesters des Westd. Rundfunks. Leitung: Ensoldt. O 21: o. Zum 130. Geburtstag deo Dichters(ged. Eiche 7—: Assreh Pilems=Reimann(Ald, Nathe Poselle. Rad Hietd Ruiiad, On, Kuld, grndi. Wie le leit die P; blotr ,„Ghegptrt, Aatung; leit die Biätter wehen. Orahmei### Clemens Brentano. 8. September 1778). #, gad, Kield Galstak Kaltelle, 8y Mlier9„Ptatz,##. Bloht an J#ch: Wie so leif, vie Biatter wehen. rahler Wald.— Brentano: Was reif in die#en aus der Ferne: O Mutter, halte dein Kindiec wim: Lore Lay, Mendelssohn: Es ist ein Schuttter.— Verzögenperg: Vör“,## klagt Zeiten stehts Sprsch Inn: Loxe Lon, 1. wven: Nachklänge Beet Anschl.: Meldungen. on Walter umor imor beschche anS- Prscht.i“ Presenächeschieg. 2 89906 d Bauum Devisenkurs Berlin, 6. Sept. Telegraphische Auszahlungen für: (Telggramm.) Schlusskurse der Berliner Börse. Egeser Drahtbericht des Westlälischen Merkur. Stimmungsbild vom Bariiner Gstreidsmarkt. Schwache Tendenz. WTB. Beslin, 5. Sept.(Tel.) Nachdem noch im heutigen Vormitlagsverkehr im Anschleß an die gestrige festere Abendböne eine recht zuversichtliche Stimmung herrschte, änderte sich diese bereits zu Betinn des offiziellen Verkehrs. Anregungen allgemeiner Natur lagen heute se gut wie gar keine vor. Newyork hatte nach einem festen Beginn auf Anziehen des Tagesgeldsatzes 8 Prozent schwächere Kurse gemeldet, abes ale sich herausstellte, daß für die heutige Börse so gut wie gar keine größeren neuen Orders eingetroffen waren, sah sich die Spekulation zu Realisationen veranlaßt. Es kam auf fast allen Märkten, wenn auch in mäßligem Umlange, Ware beraus, die aber zu gedrückten Kursen Aufnahme land Obwohl der Geldmarkt heute etwas leichter war, hielt man einen Tagesteldsatz von 6½ bis 9½ Prozent immer noch für reichlich hoch und beurteilte besondere die Aussichten für den Termindeldmarkt sehr ungünstig. Von wenigen Papieren abgeschen, war die Umsatztätigkeit geringer als destern. Eine einbeitliche Kursgestaltung war aber nicht zu erkennen. Die Abweichungen bewegten sich um 1 Prozent nach beiden Seiten sur gestrigen Schlußbasie. Größere Veränderungen hatten unter anderem Glanzstell minne 9 Prosent, Aceumulatoren minus 7 Prozent, Adlerwerke und lise minus 3 Prozent, Berger minus 3½ Prozent. Bei letzteren verstimmte anscheinend die Mitteilung des Aufeichteraten, daß heine Kapitalerböbungspläne beständen. Höher lagen Pöge plus 9 Prozent und Deutsch-Linoleum plus 2 Prozent. Auch Bertiner Handele eröffneten 11 Prosent über gestrigem Schluß. Der Verlaut neigte überwiegend sur Schwäche, wobei auch außenpolttische Betrachtungen mitgesprochen haben dürtten. Die Rückgänge betrugen für Nebenwerte ca. 1 Prozent. Die Hauptspekulationspapiere lagen: und mehr Proseat Gedrückt. Polyphon gingen cn. 7 Prozen) unter Anlang um, Berger verloren weitere 4M Prosent usw. Anleiben gut behauptet. Ausländer ruhig, Russen weiter getragt, Solia-Stadtanleibe 194 Present böber Geld ren— Die P RATOTT! Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxel A 3 A 2 Nr. 307. Westsälischer Merkur. Notis für Mazedonische Renten ist bis auf weiteres eingestellt, da die Haltung der griechischen Regierung betreffs einer Aufwertung erst geklärt werden soll. Pfandbriefe uneinheitlich, Roggenpfandbriefe bis 7 Pfennig fester. Devisen eher freundlich, der Ven bröckelte weiter ab. Am Geldmarkt nannte man für Tagesgeld einen Satz von 6½—8½ Prozent, Monatsgeld bis 9¼ Prozent und Warenwechsel ca. 7 Prozent. Der Kassamarkt war uneinheitlich und überwiegend 1—2 Prozent schwächer: David Richter verloren 6 Prozent. Dürener Metall 7 Prozent usw. Auf ermäßigtem Niveau machte sich gegen Schluß eine gewisse Widerstandsfähigkeit bemerkbar, vorliegende Limite veranlaßten anscheinend die Spekulation zu Deckungen. Die niedrigsten Kurse wurden im allgemeinen wieder überschritten, trotzdem schloß die Börse meist 1—4 Prozent unter Anfang. Durch feste Haltung fielen die Aktien der Berliner Handelsgesellschaft auf. Auch Accumulatoren gewannen 3 Prozent ihres Anfangsverlustes zurück. * Zahlungseinstellung eines Berliner Kaufhauses. Die Firma Kaufhaus Lamm, G. m. b. H., Berlin, Danzigerstraße 98, hat. wie„Die Textil-Woche“ erfährt, die Zahlungen eingestellt und bietet einen Vergleich von 60 Prozent. Die Passiven betragen ca. 290000 Mark. Dis Lage der Gladbacher Fextiliodustrie. (Eig. Bericht des Westf. Merkur.) Im Textilgeschäft am linken Niederrhein herrscht fortgesetzt Stüle: infolgedessen ist der Auftragsbestand bei den meisten Betrieben noch weiter erheblich zurückgegangen, damit haben sich auch die Arbeitszeitverkürzungen gemehrt. Die Erwerbslosenzahl ist zwar noch nicht so sehr gestiegen wie die Kurzarbeit, indessen haben sich auch hier die Ziffern schon wesentlich gesteigert: Der üble Geschäftssang zeigt sich heute vor allem in dem Hauptzweige der niederrheinischen Textilindustrie, der Baumwollindustrie. Hier hat eich besonders das Geschäft der Spinnereien in der Jetzten Zeit stark verschlechtert. Die Garnläger haben sich dauernd gehäuft und damit hat auch eine weitere Erzeugungseinschränkung Hand in Hand gehen müssen. In einem Falle ist es sogar schon zu einer Stillegung eines größeren Betriebes gekommen. Infolge der starken Ueberproduktion halten auch die gegenseitigen Unterbietungen fortgesetzt an, die Preise der Garne eind daher ständig weiter gedrückt. Trotzdem ist das Ausland noch immer mit Angeboten am Markte, die 10 Prozent und mehr unter den deutschen liegen. Vor allem kommen von der Tschechoslowakei, Italien und von Frankreich weiter größere Mengen herein. In der Baumwollweberei ist es ebenfalls recht still deworden. Die Hoffnung, daß die wärmeren Tage im August noch eine größere Bestellung von Sommersachen bringen würden, hat sich nicht erfüllt, die Kundschaft ist vielmehr weiter Außerst zurückhaltend geblieben. Auch der Artikel Windjackenstoff, der für Sport- und Wanderkleider sich recht gut eignet, dst nur wenig Gefragt worden. Recht schlecht geht zur Zeit Genua-Cord, in dem starke Ueberproduktion im Laufe der letzten Jahre eingetreten ist. Für Herbst- und Winterstoffe. namentlich für gerauhte Waren, arbeiten die Betriebe meist noch etwas mehr, indessen ohne daß überall ausreichende Bestellungen vorliegen. Es wird hierbei Ware auf Lager genommen in der Hoffnung, daß demnächst das Geschäft noch stäirker einsetren wird, wie das auch im vorigen Jahr der Fall gewesen ist. Leider sehlt es in diesen Artikeln an ausreichender Ausfuhr, die den Markt etwas entlasten könnte. Im Gegenteil werden fortgesetzt noch Gewebe aus dem Ausland eingeführt. Besonders ist dies in Elsässer Druckware der Fall, für die der Zoll im deutsch-französischen Handelsvertrag erheblich ermäßigt worden ist. Darunter haben vor allem auch die Druckereien zu leiden. Bei der Wollindustrie hat jetzt die Neumusterung stattgefunden. Auf Grund der bisherigen Vorlage bei der Kundschaft kann man annehmen, daß auch in der kommenden Zeit kammgarnartige Stoffe, wie sie im Gladbacher Bezirk in den letzten Jahren besonders aufgenommen sind, sich der Gunst der Mode erfreuen werden. Es sind auch schon einige Bestellungen hierfür in den Bezirk gekommen. Stiller bleibt es vorläufig noch in der Streichgarn- und Buckskinindustrie, die infolgedessen weiter stark eingeschränkt arbeitet. Bei der Leinenindustrie macht sich zu dem allgemeinen Uebelstand auch heute noch der hohe Stand der Rohstoffpreise nachteilig fühlbar, wodurch Flachsspinnereien sowie Leinenwebereien zu starken Stillegungen von Spindeln und Stühlen gezwungen worden sind. Die Seidenidustrie hat ebenfalls ein recht ruhige: Geschäft bekommen, namentlich soweit Kleiderstoffe in Frage kommen. In diesen finden auch heute fortgesetzt starke Einfuhren aus Frankreich statt, wodurch die Preise sehr gedrückt werden. Schirmstoffe und Samt und Plüsch haben noch etwas mehr Aufträge aus der vergangenen Zeit. Auch Kunstseidenstoffe gehen noch immer verhältnismäßig Lut. Die Kleiderfabriken sind über den bisherigen Ganz des Geschäfts enttäuscht, da weder Nachbestellungen in Sommerware noch genüßend Neuaufträge für Herbst- und Winterware eingegangen sind. Infolgedessen muß von den meisten Betrieben verkürzt gearbeitet werden. Der Uebelstand der schlechten Zahlungsweise macht sich unter heutigen Verhältnissen besonders fühlbar. Man rechnet allerdings immer noch damit, daß sich diese im Spätherbst zum Bessern wenden werde. Die letzten Wochen haben der Textilindustrie des Gladbacher Bezirks zum Ueberfluß noch einen Streit mit den Arbeitern gebracht, die eine Kündigung der Tarife vorgenommen haben, um höhere Löhne durchzusetzen. Die Arbeitgeberverbände haben demgegenüber ihrerseits eine Beseitigung des Konjunkturzuschlage gefordert, der in der heutigen Zeit keine Berechtigung mehr hat. Die bisherigen Verhandlungen haben noch keine Möglichkeit gezeigt, wie eine Einigung erfolgen kann. Man muß daher befürchten, daß die Zwistigkeiten noch üble Folgen nach sich ziehen können. Stimmungsbild der Berliner Börss. Niedrigere Forderungen für Brotgetreide. WTB. Berlin, 5. Sept.(Tel.) Die Meldungen vom Auslande lauteten niedriger. Das Angebot von Brotgetreide aus dem Inlande, namentlich aus den nördlich von Berlin gelegenen Distrikten, hat sich verstärkt und die Kauflust der Mühlen ist angesichts des unbefriedigenden Mehlabsatzes nur minimal. Auch bei den gegenüber gestern etwa 2 Mark niedriger lautenden Forderungen kamen Umsätze in Weizen und Roggen nur in geringstem Ausmaß zustande, obgleich die Versorgung der Mühles mit Rohmaterial, wie die heute veröffentlichten Ziffern der Industrie- und Handelskammern In Berlin zeigen, keineswegs reichlich zu nennen ist. Auch das Exportgeschäft von Roggen destaltet sich wieder recht schwierig. Von Neuabschlüssen war bisher nichts zu hören. Am Lieferungsmarkt stellten sich die Preise für beide Brotgetreidearten gleichtalls niedriger. Von den zu heute angekündigten dreihundert Tonnen Roggen gelangten nur 150 Tonnen zur Ausführung, die besichtigten 30 Tonnen Weizen wurden gleichtalls als kontraktlich lieferbar befunden. Mehlgeschäft trotz ermäßigter Mühlenforderungen sehr still. Von Hafer war auch reichlicheres Angebot guter Qualitäten am MarRte, Käufer verharren in ihrer Reserve. Amtlichs Berliner Produktenpraiss. • WTB. Berlin, 3. Sept.(Tel.) Weizen, märk. 218—220, Sept. 230.25, Okt. 232.50—232.25, Der. 236.50. März 241, malt; Roggen, märk. 219—221, Sept. 231. Okt. 232.75, Dez. 23450—234, März 238.50, matter: Braugerste 234—254, behauptet; Industrieund Futtergerste 220—233; Wintergerste 202—211; Hafer, märk. 199—206, Okt. 209, Dez. 212—211, März 219, matt: Mais, loco Berlin 210—212, schwächer: Weizenmehl 26.50—30, ruhig: Roggenmehl 28.50—31, behauptet; Weizenkleie 15, stetig: Melasse 16.2—16.5; Roggenkleie 15.50, stetig: Raps 330—332, ruhig: Viktoriaerbsen 41—51; Wicken 30—32; Lupinen, blaue 15—16, gelbe 16.50—17.50; Rapskuchen 19.2—19.7; Leinkuchen 23.3—23,5; Trockenschnitzel 16.5—18; Soyaschrot 21—21,7. Allgemeine Tendenz matter. Magdeburger Zucker. WTB. Magdeburg, 5. Sept.(Tel.) Alles gestrichen. Tendeuz stetig. Vishmärkts. * Dortmunder Zucht- und Faselviehmarkt vom 5: Sept. (Tel.) Zum heutigen Zucht- und Faselviehmarkt wurden aufGetrieben: 580 Stück Großvich, 127 Schweine, 18 Kälber. Kühe kosteten 300—675 M. Rinder 250—500 M. Sämtliches zum Markt aufgetriebenes Großvich ist gegen Maul- und Klauenseuche geimpft worden. Die zeimpften Tiere sind mit Ohrenmarkennummern versehen, die die Bezeichnung„Magerviehhof Dortmund“ tragen. Am Schweinemarkt war der Handel sehr langsam. Es wurden bezahlt für Ferkei von 6—8 Wochen 13 bis 23 M. 8—10 Wochen 23—38 M, 10—12 Wochen 38—55 M. Der nächste Markt findet am 12. September statt. * Osnabrücker Nutz- und Zuchtviehmarkt vom 5. Sept. (Tel.) Auftrieb: 125 Pferde, 382 Rinder, 120 Ferkel. Es wurden bezahlt: Pferde a) 500—750. b) 400—500, c) 300—370, d) 150 bis 250: Kühe in Milch und tragende Kühe a) 500—640, b) 400—500, c) 300—400, d) 250—300; tragende Rinder a) 400—500. b) 300 bis 400, c) 250—300, d) 150—250; Ferkel, 6 bis 8 Wochen alte 14—20 M, 8 bis 13 Wochen alte 20—26 M. Läufer 26—36 M. pro Pfund in Lebendgewicht 60—70 Pfg. Handel mit Pferden ziemlich langsam, mit Großvich anfangs lebhaft, zum Schluß abflauend, mit Ferkein mittel. Nächster Markt am 12. Sept. * L e e r e r Z u c h t- u n d N u t z- V i e h m a r k t v o m 5. S e p t.( T e l.) Zum heutigen Markt wurden aufgetrieben: 1549 Stück Großvich, darunter 10 Kälber, 146 Stück Kleinvieh. Marktverlauf: Auswärtige Käufer zahlreich vertreten. Handet in hochtragenden und frischmelken Kühen I. und 2. Sorte gut, 3. Sorte mittel; in jährigen Bullen mittel, in 1—2jährigen güsten Rindern langsam. Gesamttendenz lebhaft. Preise: Hochtragende und frischmelke Donnerstag, 6. September 1928. Kühe 1. Sorte 780—-900, 2. Sorte 390-673, 3. Sorte 390-300, hoch- und niedertragende Rinder 300—650; jährige Zuchtbullen 450—650; 1—2jährige güte Rinder 130—330; Zuchtkälber, 2 Wo. chen alt 20—40; 1—2jährige Bullkälber 100—325; Ferkel bie 6 Wochen alt 14—16; Ferkel, 6—8 Wochen alt 16—20; Läufer 28—50; Schafe 25—50; Lämmer 25—50; Ziegen 18—25. Nächster Markt am 12. September 1928. * H u s u m e r F e i t v i e h m a r k t v o m 3. S e p t.( T e l.) Z u f u h r: 1349 Stück Rindvich, 130 Schafe und Lämmer. Handel mittel, mäßig. Es wurden bezahlt für 50 kg Lebendgewicht: Ochsen a) 54—58, b) 49—53, c) 44—48; Qulenen a) 53—58, b) 48—52. c) 43—47; Kühe a) 48—82, b) 42—44, c) 35—41, d) 20—34 Schale a) 47—51, b) 44—46; Lämmer 51—35. Ausnahmetiere über Notiz bezahlt. * Berliner Schlachviehmarkt vom 5. Sept.(Tel.) Auftrieb; 1373 Rinder, darunter 252 Ochsen, 335 Bullen, 786 Kühe und Färsen, 2250 Kälber, 4635 Schafe, 12777 Schweine, 886 Auslandsschweine. Es wurden bezahlt für 50 kg Lebendgewicht: Ochsen 59—62, b) 55—57, c) 48—51, d) 38—44; Bullen a) 54—56. b) 50—52, c) 46—48, d) 40—44; Kühe a) 44—48, b) 34—40, e 25—30, d) 18—21; Färsen a) 55—58, b) 48—52, c) 38—46; Frea. ser 35—44; Kälber a)—. b) 76—85, c) 70—80, d) 58—68; Schafe a) 67—68, b) 66—68, c) 60—65, d) 52—57, e) 50—56, f) 33—45, Schweine a) 76—77, b) 77—78, c) 77—79, d) 75—77, c) 70—74. Sauen 68—71. Marktverlauf: Bei Rindern und Schweinen ziem. lich glatt, Kälber glatt, bei Schafen glatt, beste Stallämmer über Notiz. Bremen, S. Sept.(Eig Ber.) Middling Universal Standard 28 Millimeter loco: Baumwolls-Hotisrungen. 5.9. 1 4.8 8½ Uhr. 444 Uhr 20.76 Dollarcente 20.94 Dollarcen Liverposl, 5 Sept. (Kabel-Meldung.) Amerikan, middling Oktober Dezember Januar Märs Mal New Tork, 5. Sept.(Durch Funkspruch.) 4.9 Schl. 9.80 9.78 9.78 9.81 9.81 4.9.Schlu## 18.82 18.60 18.50 18.80 18.62 18.52 Amerikanische Produktenpreiss. Chleago, 3. Sept.(Telegr.) Getreide. Schlußpreise. 5.9. 4.9 385 38½ 40¼ 495 42⅞ 43½ 94¼ 95½ 93¼ 96⅛ 97½ 99 Oeuptrehetenet Thesben Marus da. Verantwortlich für den politischen Teil: Th. Warnecke: für Handel, Lokales und Provinzielles: Dr. Hans Kock: für Feuilleton, Kunst und Wissenschaft: IDr. Heinz Bause; für Anzeigen u. Reklamen: Max Peuten. sämtlich in Münster. Jamilien=Nachrichten. Gestorben in der Stadt Münster: Bernard Burmann 37 J. Bahnsteigschaffner a. D. Wilhelm Hackmann 57 J. Auswärtige Sterbefälle: Beckum: Frau Anna Bökamp geb. GroßeHellweg 46 J.— Brock=Westbevern: Anna Schniedenharn 37 J.— Lügde: Postmeister i. R. Ludwig Tennie 65 J.— Neubeckum: Ehefrau Paula Nennker geb. Jasper 28 J.— Rheine: Philipp Huber 82 J. Der „katholischen Sterbevorsorge“ der„Leo“ Diözesan=Direktion Münster, Breul 5a sollte jeder Katholik beitreten. Sie hat sich den Inflationswirkungen angepaßt. ist sicher, billig, gemeinnützig. Aufnahmen bis zum 70. 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Er zog sich beinahe ängstlich zurück, zeigte sich nie auf der Straße oder im Restaurant, fuhr im geschlossenen Wagen zum Festspielhaus, das er an verschiedenen Eingängen betrat und verließ, um nicht belästigt zu werden. So schien es nur im Bereich eines günstigen Zufalls zu liegen, wenn ich ihn überhaupt zu Gesicht bekäme. Einer unserer Bekannten hatte mit dem Hausinspektor des Festspielhauses Freundschaft geschlossen und durch ihn erfahren, bei welcher Türe Wagner heute das Haus verlassen würde. In atemloser Hast eilten wir nach Schluß der Vorstellung dorthin. Der Wagen, der sonst immer vor Wahnfried stand, war da. Einer von uns näherte sich dem Kutscher und frug, ob der Meister noch im Theater sei. „Weiß nicht“, war die mit unbeweglicher Miene gegebene Antwort. Plötzlich erscholl lautes Sprechen aus dem Hause Wir drückten uns so nahe wie möglich heran und erkannten nun deutlich eine Stimme, die ausgesprochenen sächsischen Dialekt redete. Das mußte er sein. Daß Wagner die Eigentümlichkeit seiner Landessprache nie abgelegt hatte, wußten wir.— Eine große, schlanke Dame tritt aus dem Hause und steigt sofort in den Wagen, vermutlich Frau Cosima. Ein Herr hat sie begleitet; wir kennen ihn: Josef Rubinstein, der Verfertiger des Parsifal=Klavierauszuges, einer der Vertrauten des Meisters. Er wechselte noch ein paar Worte mit der Dame im Wagen. Da kommt raschen Schrittes ein auffallend kleiner Herr aus der Eingangstür und tritt auf Rubinstein zu:„Run leben Sie wohl, mein-lieber Rubinstein! Auf Wiedersehen und grüßen Sie mir Ihren Vaterl“ So ungefähr lauteten die rasch hervorgesprudelten Worte. Einige Sekunden kann ich der Erscheinung in das vom Flackerlicht der Laterne beleuchtete Antlitz sehen. Es ist Richard Wagnerl Unverkennkar die scharfgeschnittenen Gesichtszüge. Auf der stark hervorspringenden Nase sitzt eine Brille und auf dem Kopf ein Zylinderhut. Er trägt den hellgelben Ueberzieher, an den er, einer Legende zufolge, so angänglich ist, daß er trotz der inständigen Bitten seiner Frau nicht zu bewegen ist, ihn gegen einen neuen umzutauschen. Kaum kann ich den Eindruck des langersehnten Anblicks in meinem Bewußtsein festhalten, als der Wagen mit seinem kostbaren Inhalt schon in Bewegung ist und im Dunkel verschwindet... Im Hause Wahnfried fanden wöchentlich zweimal Empsänge statt, zu denen, wie man erzählte, jeder geladen wurde, der seine Karte mit Adresse abgab. So faßten wir denn zu dritt, Kadletz, Böttcher und ich, den Mut, bis zur Eingangstür der Villa vorzudringen und dem öffnenden Diener Visitenkarten abzugeben, worauf wir unsere Adressen notiert hatten. Eine mannigfaltig zusammengesetzte Gesellschaft bewegte sich in den Räumen Wahnfrieds am Abend, da wir uns dort einfanden. Die ehrwürdige Gestalt Franz Liszts stach hervor; er war nach kurzer Abwesenheit am selben Tage wieder in Bayreuth angekommen. Ich erkannte Hans Richter, Hermann Lewi und viele der mitwirkenden Künstler. Frau Cosima in einem eleganten Schleppkleide, das aschblonde Haar geschmackvoll frisiert, hielt Hof wie eine Fürstin. Junge Mädchen in weißen Kleidern. die Töchter Wagners und Bülows, huschten anmutig durch die Menge. Siegfried, noch ein Knabe, sprach mit ausländischen Besuchern englisch, und ich beneidete ihn um die Kenntnis dieser Sprache. Wird Wagner kommen?— Oft blieb er diesen Gesellschaften fern. Heinrich Porges, der„Blumenvater“, hatte mir versprochen, mich ihm vorzustellen, wenn er käme. So bezwang ich meine Ungeduld und betrachtete die große, reichhaltige Bibliothek und den merkwürdigen Kopf Schopenauers, der von Lehnbach gemalt, über einem Schreibtisch ding Ich sah Liszt in ein Nebenzimmer treten, das durch einen halbaufgezogenlen Vorhang vom Empfangsraum getrennt war. Instinktiv folgte ich ihm und konnte, ohne in das Zimmer selbst einzutreten, alles sehen, was dort vorging. Eine Tür öffnete sich— Wagner eilte Liszt entgegen, flog ihm um den Hals und übergoß ihn mit einem Schwall erregter, zärtlicher Worte. Diese rührende Szene, deren Zeuge ich durch einen Zufall wurde, war nur ein Vorspiel. Gleich darauf trat Wagner, seine Gäste grüßend, in den großen Saal. Er schien besonders guter Laune zu sein, denn er hatte sich, was er sonst nicht zu tun pflegte, einen Frack angezogen. In der Hand trug er einen Chapeau claque, den er öfter zugeklappt auf dem Kopfe balancierte. Was aber am meisten erstaunte, war ein großer exotischer Ordensstern, den er, als Berächter aller Auszeichnungen, um den Hals trug. Das Rätsel löste sich bald; er hatte ihn nur umgehängt, um ihn mit liebenswürdigen Worten dem ersten seiner Blumenmädchen, Fräulein Horson aus Weimar. zu schenken. Man erzählte, er hätte diesen Stern am selben Tag von einem orientalischen Potentaten erhalten und schon manchen Ulk damit getrieben, ihn auch seinem großen Lieblingshund umgehängt, als er im Garten mit ihm promenierte. Wagner war ungemein lebhaft und rasch in seinen Bewegungen, niemand hätte auf den bloßen Augenschein hin vermuten können, daß er kein Jahr von seinem siebzigsten Geburtstag entfernt sei, noch mehr, daß er diesen Tag nicht mehr erleben würde. Er war bereits etwas beleibt; der prachtvoll geformte, aber keineswegs übermäßig große Kopf stand ebensowenig im Widerspruch zur untersetzten Statur, wie die kleineren Hände und Füße. Er sah unverhältnis, mäßig jünger aus als der bereits greisenhafte Liszt, trotzdem dieser nur zwei Jahre älter war als er. Das Haar war erst mäßig ergraut. Die Augen blitzten aus dem bleichen Antlitz in wechselnder Farbe hervor. Bald erschienen sie hell, bald dunkel. Rastlos schoß er umher, bald diesen, bald jenen in die Unterhaltung ziehend. Ich vermied es respektvoll, mich in seine Nähe zu drängen: so verstand ich Vieles nicht, was er sprach. Einmal aber stand ich ganz nohe, als er über das Tempo des Tannhäuser=Marsches sprach, dessen häufiges Vergreifen ihm unerklärlich schien. Im Allabrevetakt schreitend, summte er die Melodie, wie er sie haben wollte. Hätte sch damals geahnt, daß ich nur dies einz'ge Mal in seiner Nähe weilen würde, ich wäre weniger diskret gewesen und hätte mehr von seinen Aeußerungen mitgenommen. Für kurze Zeit zog er sich in den Nebenraum zurück und ließ sich etwas zu essen servieren. Ein Blick auf die vor ihm stehende Platte zeigte, daß er lein Eintreten für das vegetarische Regime nicht in die Praxis umsetzte. Man brach bereits auf, als ich mich Porges näherte und ihn an sein Versprechen erinnerte. Meine beiden Freunde standen neben mir. Porges stellte uns vor. Wagner reichte uns freundlich die Hand und frug, ob wir schon Aufführungen gesehen hätten. Er schien zu bemerken, daß ich aufgeregt war, denn plötzlich legte er die Hand auf meine Brust und rief:„Ihr Herz klopft sa“! Als ich überrascht und wohl auch etwas verlegen schwieg, sagte er in unverfälschtem Sächsisch:„Nun sehen Sie, für einen so jungen Mann sind im Parsifal zunächst die Blumenmädchen die Hauptsache, aber das Herz dürfen Sie dabei nicht verlieren.“ Dann gab er uns nochmals die Hand. Wir waren bereits bei der Türe, als eine Stimme erscholl:„Aber das Herz nicht verlieren“! Ich wandte mich um. Da stand Wagner allein mitten im Zimmer und winkte mir lächelnd mit der Hand.—.—— Bei der Trauung von Blandine von Bülow saß Frau Cosima, die Mutter der Braut, zwischen Wagner und Liszt. Als die Zeremonie zu Ende war, stand Wagner, leicht in seine Frau eingehängt, ziemlich lange unter dem Portal der Kirche, bis sein Wagen vorfuhr. So konnte ich seine Erscheinung nochmals in der Nähe betrachten.— Es war das letzte Mal, daß ich ihn sah.— Mit Verbrechern über den Ozean. Von Paul A. Schmitz. In der Bar„des amis“, i Hofenviertek Toulons, begann diese Geschichte. Das unstete Blut trieb mich mit der Peitsche der Sehnsucht durch füdliche Länder. Aber in Toulon verließ mich das Glück.— Der Postdompfer nach Korsika— jener Insel der Berge— war überfüllt... überfüllt in allen vier Klassen. So saß ich in der„Bar des amis“— in der Kneipe der Freunde— unn im Rotwein der Provence meinen Groll zu ertränken... Aber— viele Wege führen— nicht nur nach Rom— auch nach Korsika. Und glückliche Fügung scheint mir das größte Wunder des Lebens. An meinem Tisch saß noch einer, dem der Wein zu schmecken schien: Ein verwitiertes Seemannsgesicht wandte sich heimlich zu mir, Augen blinzelten— Rede gab Gegenrede— und in der Kncipe der Freunde schlossen wir Freundschaft— ein Steuermannsmagt und ich Er ging om Abend in See— nach Konsika. „Nach Korsika?“— fragte sch ihn, und er gab Erklärung: „Mit einem Verbrechertransport laufen wir aus nach den Teufelsinsetn. Und in Korsika nehmen wir noch Einen an Bord...“ Ein Gang zum Kapitän des Schiffes— einem freundlichen Graubart in straffer Unform.— eine kurze Unterredung— ein Handdruck,— ein Wort des Dankes, dann waren wir einig... Am Nachmittag ging ich mit meinem Freund aus der „Vor des amis“ an Bord des Schiffes.—„Nice“ hieß der Kosten, ein Hilfsdompfer der fronzösischen Kriegomarine— und wor so schmutzig wie alt. Am Abend liefen wir aus.. So begann die Fahrt mit Verbrechern über den Ozean. Von Toulon noch Korsika fährt mon 10 Stunden— wir brauchten zwanzig. Noch eine Nacht unter sternbefätem Himmel auf offenem Deck— die Kosen stanken vor Schmutz und Ungeziefer— dann holte man am anderen Morgen die Verbrecher aus ihren dumpfen Löchern. Somali=Soldaten mit aufgepflanztem Bajoneit patroullierten auf Bord im Gleichschritt, einer hinter dem anderen stompften die Gefangenen über die Planken— auf— ab— auf— ab, kuftschöpfend nach diefer Nacht in der Gesellschoft von Ungeziefer und Ratten. Nur zwei hatte man nicht heraufgelassen— sie lagen in Ketten in der Tiefe des Schiffes. Mit den anderen aber durfte ich sprechen. Zwei Anorchisten waren darunter! Der eine deklamierte glühend, begeistert Gedichte von Rimbaud.— Verbrecher und Wochen lauschten verwundert, seltsam berührt ... dann donnerte der Fluch eines Unteroffiziers— und die Rhythmen verstummten... Da soh man andere, fektsome Typen unter denen, die der Hölle der Teufelsinseln entgegenfuhren.— Einer erzählte aus seiner Vergangenheit... Schon zum zweitenmal fuhr er in die Verbannung. Zwanzig Jahre tag die erste Fahrt zurück. Im Jähzorn hatte er damals die Mutter erschlagen, die noch ein Kind zur Erde bringen wollte.— Fünfzehn Jahre währte seine Verbannung. Halb wahnsinnig war er, da die Erlösunz winkte. In der Heimat tobte der Krieg, man brauchte Soldaten, auch wenn es Verbrecher waren... Und aus der Hölle der Teufelsinseln schickte man ihn in die Hölle von Verdun... Der Krieg ging zu Ende. Jahre der Not und des Hungers... und dann wieder ein Mord... Ein Todesurteil—— und dann die„Begnadigung“: lebenslange Verbannung.—.— Vor mir steht der zweifache Mörder: ein Greis, bald vielleicht ein Irrsinniger. Schicksal um Schicksal kest man aus den Gesichtern— hört man aus den abgerissenen Worten... Lann müssen die dunkten Gesellen wieder hinunter in den süinkenden Schiffsbauch. Das Schiff stampft weiter gen Süden.— Es schlingert ... Mir ist zum Erbrechen vor Ekel und Wellengang. Und da am Nachmittag Korsikas Berge winken, ists eine Erköfung Im Hofen von Bastia: Mich schiffen sie aus, einen Verdammten nehmen sie mit zurück:.. Dann quirlen wieder die Schrauben. Ich stehe auf dem Koi und win': dem Verbrecherschiff nach! Meiner warten die leuchienden Berge Korsikas— ihrer dort umen im Schiff — die Hölle! Settsames Leben... Der Mam mit der Grimase. Von Reinhold Ortmann. Thomas Heiden war ein herzensguter Junge und gab seinen Erziehern nicht mehr Anlaß zum Tadel als seine Altersgenossen. Auch in seinem Aeußern unterschied er sich von ihnen in nichts zu seinem Nachteil. Nur eine fatale Eigentümlichkeit macht sich schon frühzeitig bei ihm bemerkbar: Wenn er gescholten wurde oder wenn man ihn irgendeiner Missetat bezichtigte, verzog sich sein Gesicht auf sonderbare Art zu einer höchst komischen, spöttischen Grimasse, die sich nicht anders deuten ließ, denn als ein Ausdruck höchlicher innerer Belustigung und offenbarer Verhöhnung desjenigen, der ihn zur Rede stellte. Dabei sprach er kein Wort, aber je mehr man auf ihn einredete, desto toller wurde das Fratzenr schneiden, und er bot dabei einen so drolligen Anblick, daß seine scheinbare Heiterkeit auf unbeteiligte Zuschauer unwiderstehlich ansteckend wirkte und daß derartige Szenen stets von schallenden Lachsalven seiner Mitschüler begleitet waren. Bei den Tadlern aber machte ihn diese Gewohnheit nicht eben beliebt. Sie trug ihm in seinen Kinderjahren manche saftige Ohrfeige ein und auch später fielen seine Bestrafungen immer doppelt so hart aus als bei denen, die mit zerknirschter Miene dastanden und schon durch ihr Aussehen an Mitleid und Nachsicht appellierten. Die gewöhnliche Bsscheidenheit seines Benchmens galt als Verstellung, seine natürliche Frechheit und Verstocktheit offenbatte sich ja bei solchen Gelegenheiten allzu deutlich, und sie hatte zur Folge, daß er trotz redlichen Fleißes nur mit Ach und Krach durch die Eramina kam. Er murde Kaufmann, aber seine leidige Art, in den ernstesten Augenblicken die lustigsten und spöttischsten Gesichter zu schneiden, war ihm bei leinem Fortkommen überall im Wege. Seine Prinzipale verziehen es ihm nicht, daß er sich durch sein Mienenspiel über sie lustig machte, und das Gekicher seiner Kollegen brachte Sie zumeist so in Harnisch, daß er ungeachtet seiner sonst befriedigenden Leistungen eine Kündigung nach der andern erhielt. Endlich aber hatte er Glück. Er fand nicht nur eine auskömmliche Stellung bei einem etwas jähzornigen, aber sonst recht umgänglichen Großhändler, sondern es gelang ihm auch, dessen Töchterchen in Liebe für sich zu gewinnen. Die Eltern sahen nicht ohne Wohlgefallen die wachsende Zuneigung der beiden jungen Leute, und wenn auch eine Aussprache noch nicht erfolgt war, so stand doch ein baldiges Verlöbnis in sicherer Aussicht. Da traf eines Morgens im Kontor eine schlimme Hiebspost ein. Eine Firma, der der Großhändler erheblichen Kredit eingeräumt, hatte unter erschwerenden Umständen ihre Zahlungen eingestellt und ein großer Verlust schien unvermeidlich. Heiden hatte, wozu er bevollmächtigt war, den Brief geöffnet und sah in großer Erregung der Ankunft des Chefs entgegen. Tieferschüttert ging er mit der verhängnisvollen Mitteilung auf ihn zu und überreichte sie ihm stumm. Der Großhändler war wie erschlagen. „Ein Unglück— ein großes Unglück“ stöhnte er, um dann, als sein Blick auf Thomas Heidens spöttisch verzerrtes Gesicht fiel, in ausbrechender Entrüstung hinzuzufügen: „Aber es scheint Ihnen ja besonderes Vergnügen zu machen, daß Sie mir diese Neuigkeiten mitteilen konnten.“ Thomas Heiden schüttelte zwar den Kopf, aber er konnte wie immer, wenn er sich in heftiger Gemütsbewegung befand, kein Wort hervorbringen. Nur sein Mund zog sich noch mehr in die Breite und in seinen Zügen spiegelte sich das Entzücken eines Menschen, der soeben die Nachricht=vom Gewinn des großen Loses erhalten hat. „Herr!“ schrie ihn der Großhändler an,„Ihr Benehmen ist eine bodenlose Unverschämtheit. Sie sehen mich auf das schwerste getroffen und Sie lachen mir ins Gesicht. Von heute an sind wir geschiedene Leute. Lassen Sie sich Ihr Salair auszahlen und verlassen Sie auf der Stelle mein Geschäftslokal. Ich kann Ihre Bisage nicht mehr sehen.“ Heiden würgte grinsend an einer Erwiderung, aber der andere ließ ihn gar nicht zu Worte kommen. Und eine Viertelstunde später stand der unglückliche Fratzenschneider auf der Straße. Mit zerrissenem Herzen lauerte er am folgendem Tage dem angebeteten Mädchen auf, um ihr sein Mißgeschick zu klagen und sich zu rechtfertigen. Aber er befand sich schon wieder in einem Zustande, der ihn aller Herrschaft über seine Physiognomie beraubte. Stotternd und unbeholfen hatte er kaum den ersten Satz zustande gebracht, als Sie ihn schwer beleidigt unterbrach:„Ich verstehe den Zorn meines Vaters vollkommen. Ihr Gesicht verrät Sie zur Genüge. Ich bin froh, daß ich Sie noch rechtzeitig erkannt habe. Und ich ersuche Sie, mich künftig mit weiteren Annäherungsversuchen zu verschonen.“ Thomas Heidens schöner Liebestraum war ausgeträumt. Und von nun an ging es in jeder Hinsicht mit ihm bergab. Er fand keine Stellung mehr und versuchte sein Heil in den verschiedensten Berufen. Eines Tages landete er in der Filmbörse, von der schwachen Hoffnung erfüllt, daß ihn jemand für die Statisterie engagieren würde. Aber er wartete stundenlang umsonst. Achtlos streiften die Blicke der Regisseure über ihn dahin, denn er war weder besonders schön, noch sah er irgendwie charakteristisch aus. Vernichtend überkam ihn die Erkenntnis von der Hoffnungslosigkeit seiner Lage. Die Tränen stiegen ihm auf, und mit ihnen kam auch die bekannte Grimasse, die sein Antlitz so überwältigend komisch machte. Ein Herr, der gerade vorüberging, lachte dell auf. „Mensch! Ihr Gesicht ist ja unbezahlbar. So einen Kladderadatschkopf kann ich gerade brauchen. Ich engagiere Sie für die Aufnahmen zu meinem nächsten Film.“ Der Vertrag wurde abgeschlossen und Thomas Heiden fand sich im Atelier ein. Seine Szene kam und man erwartete von ihm die Grimasse aus der Filmbörse. Aber seine Muskeln gehorchten ihm nicht auf Kommando und was er zustande brachte, befriedigte den Regisseur nicht im geringsten. Endlich riß dem Manne die Geduld. „Sie sind ja ganz unfähig. Ich habe mich vollständig in Ihnen getäuscht und kann Sie nicht brauchen.“ Thomas Heiden sah seine letzte Hoffnung zusammenbrechen. Verzweifelt wollte er sich zurückziehen, und da war sie ohne sein Zutun mit einem Male wieder— die Grimasse, die alle Welt zum Lachen brachte. Der Regisseur schlug ihm voller Freude auf die Schulter, der Kurbelkasten wurde in Bewegung gesetzt, und die anderen Mitwirkenden wollten sich vor Bergnügen ausschütten. Thomas Heiden blieb beim Film und seine Zukunft ist heute gesichert, denn er weiß jetzt, was er zutun hat. Er braucht nur an alle Unglücksfälle seines Lebens zu denken, an die Ohrfeigen seiner Kindheit: an alle späteren Enttäuschungen, an die noch immer heißgeliebte Tochter des Großhändlers, und die Fratze ist da, die ihm kein anderer Komiker nachmacht. Er ist ein erklärter Liebling des Publikums geworden, und niemand der über sein Gesicht bis zu Tränen lacht, hat eine Ahnung davon, mit zwie schmerzlichen Mittein er seine zwerchsellerschütternden Wirkungen erzielt. Sein Mundel. Originalroman von Rose Bernd. (3. Fortsetzung.) Dann war er abgereist, und er ahnte nicht, daß Reta mit weinenden Augen hinter ihm hersah und sich, als er verschwunden war. auf den Divan warf und in ein krampfhaftes Schluchzen ausbrach. In ihrem jungen Herzen lebte vom ersten Augenblick, da sie Bert gesehen hatte, für ihn eine Ichwärmersche Verehrung und Zuneigung, ein inniges, gläubiges Vertrauen. Bert war nach Leipzig zurückgekehrt und hatte seine letzten Vorbereitungen zu seiner Reise nach Tibet getroffen. Einige Wochen später war er mit Professor Salms aufgebrochen. Vor seiner Abreise hatte er noch einen herzlichen Brief an Reta geschrieben, der sie auf alle Fälle über ihre Zukunft beruhigen sollte. Und nun waren vier Jahre seit seinem Scheiden vergangen, Jahre voll ernster Arbeit, voll Mühen und Geahren. Er war in diesen vier Jahren um das Doppelte gereift. Aber reiche Ausbeute hatte er von dieser Reise durch Eibet mit heimgenommen, und er hatte sich mit Professor Salms darüber geeinigt, welchen Teil der Reise er und welchen der Professor in dem geplanten Werk behandeln sollten. Während der Seereise sichtete er schon immer ein wenig das Material, und bei der Durchsicht verschiedener Papiere war ihm dann auch Mallys Horvats Brief und Bild in die Hände gefallen. Und während er auf das Bild der schönen Frau herniedersah, kam es ihm wiederum zum Bewußtsein, daß ihre Tochter sa in Dornfels lebte und auf seine Wiederkehr wartete. Etwas wie Freude regte sich dabei in seinem Herzen, er hatte das Gefühl, daß die kleine Reta sich seiner Heimkehr freuen und daß er nicht ganz allein auf Dornfels sein würde. Sie konnte so nett und verständig plaudern. Er hatte zuwellen, wenn es anging, Nachricht nach Dornfels gegeben und auch ab und zu Post von zu Hause erhalten. So wußte er, daß Reta sich in Dornfels gut eingelebt habe, und daß sie dankbar seiner gedenke. Ja, er freute sich barauf, sie wiederzusehen, hatte er doch sonst keinen Menschen, der ihm nahestand, außer seinem Freunde Salms, mit dem er reiste. Aber diese Freundschaft basierte eigentlich nur auf wissenschaftlicher Grundlage. Professor Salms war ein sehr kühler. positiver Mensch, der nur Interesse für die gemeinsame Arbeit hatte. Deshalb hatte ihm Bert auch verheimlicht, daß er in Dornfels die Tochter einer Frau, die er geliebt, aufgenommen habe. Das hätte Professor Salms nicht verstanden. Für ihn waren alle„Sentiments“ überflüssiger Lebensballast. Das hinderte natürlich nicht, daß er ein sehr bedeutender Mensch war, von dem Bert viel gelernt hatte und mit dem er gern arbeitete. Als jetzt Professor Salms an Berts Kabinentür klopfte, verbarg Bert schnell Bild und Brief, ehe er zum Eintritt vet Aber er wurde das frohe, freudige Gefühl nicht mehr los, das der Gedanke an Reta in ihm ausgelöst hatte. Er kühlte plötzlich so recht intensio, was er in all den Jahren, da er fast ausschließlich in Gesellschaft des Professors gewesen war, entbehrt hatte. Etwas wie Heimweh befiel ihn mit einem Male, und er konnte kaum die Zeit erwarten, wieder nach Deutschland zu kommen. Schon der Gedanke an den deutschen Wald konnte ihn mit einer brennenden Sehnsucht erfüllen. Und um Dornfels herum gab es so wunderherrlichen Wald. Reta sah er bei alledem noch ganz so vor sich wie er sie kennengelernt hatte— als halbwüchsigen, unfertigen Backfisch, mit rotgeweinten Augen und blassem Gesicht. Nur die Augen— das wußte er, waren sehr schön gewesen und hatten so lieb und zutraulich zu ihm aufgeblickt wie zu einem Menschen, von dem man sein Heil erwartet. Und diese Erinnerung löste ein warmes Gefühl in ihm aus. Er freute sich darauf, sie wiederzusehen. Daß sie inzwischen neunzehn Jahre alt geworden war, daran dachte er gar nicht. Soviel er auch selbst in den vier Jahren erlebt hatte, Dornfels, mit allem, was dort lehte, erschien ihm wie ein feststehender Begriff, an dem nicht geändert worden war. * Schloß Dornfels war ein malerischer Bau von burgähnlichem Charakter. Es stammte noch aus dem Mittelalter und war schon einmal bis zur Ruine verfallen gewesen. Da hatte aber vor etwa 90 Jahren ein Graf Dornfels plötzlich Lust bekommen, diese alte Stammburg seines Geschlechtes wieder aufzubauen. Die Grundmauern und Kellergewölbe waren noch eisenfest und auch der große Hauptturm war noch ganz intakt. Das alles schien mit dem Felsen, auf dem es sich erhob. ganz verwachsen zu sein. Und so war damals Schloß Dornfels neu, aber ganz im Charakter seiner Zeit erstanden. Die festen Kellergewölbe und der Turm wurden neu renopiert, und um diesen Turm gruppierten sich nun in malerischer Zwanglosigkeit die verschiedenen Anbauten, deren Fundamente sich noch wohlbehalten vorfanden. Diese Bauten hingen im Innern alle zusammen, obgleich es nach außen den Anschein hatte, als bestehe Schloß Dornfels aus vier oder fünf verschiedenen Gebäuden. Ein paar kleine Türme belebten in ziemlich bizarrer Form das ungemein malerisch wirkende Ganze. Von einer Stelle im Walde hatte man durch eine Lichtung einen wundervollen Ausblick auf das Schloß und vom Schloß aus hatte man wiederum einen herrlichen Rundblick über weite Waldstrecken, über die Saale, die munter unten vorüberfloß, und über die im Hintergrund kulissenartig aufgebauten Berge des Thüringer Waldes. Reta Horvat hing mit ihrem ganzen Herzen an Schloß Dornfels. Der wunderliche Bau mit seinen Turmzinnen, den vorspringenden Wehrgängen und den bizarren Türmen war für sie immer das schönste Bild, das sie sich denken konnte. Hinter dem Schloß lag der große Schloßgarten mit den köstlichen alten Obstbäumen und den neuen Spalierobstanlagen, mit den zahlreichen Beerensträuchern und den Gemüsebeeten, und dann weiter hinten, den ganzen Schloßberg umgebend, der Park mit den riesigen Buchen und Eichen. Für Reta konnte es keinen schöneren Erdenfleck geben als Schloß Dornfels mit seiner herrlichen Umgebung. Wenn sie oben in ihrem Wohnzimmer stand, das im Turme direkt unter der Söllerkrönung lag und nach vier Seiten Ausblick hatte, oder wenn sie gar auf der zierlichen Wendeltreppe, die aus ihrem Zimmer direkt auf den Turmsöller führte, zu diesem hinaufkletterte und von oben herab ins weite Tal blickte, dann hätte sie immer dankbar die Hände falten mögen, daß sie hier sein durfte. Als Schlafzimmer benutzte sie das unter dem Wohnzimmer liegende Turmzimmer, in das sie ebenfalls über eine Wendeltreppe hinabsteigen mußte. Und aus dem Schlafzimmer wieder führte eine Wendeltreppe in den großen Saal, der an den Turm anstieß. In diesem Saal wirkte der unter Retas Schlafzimmer liegende Raum wie ein großer Erkerausbau, von dem einige Stufen in den großen Festsaal hinabführten. Dieser Erkerausbau schien wie geschaffen zu einer kleinen Bühne für Festvorstellungen und war früher wohl auch als eine Art Sängerlaube benutzt worden. Ueber zwanzig Zimmer und kleinere Säle befanden sich neben reichlichem Nebengelaß noch im Schloß und die Küche und die Wirtschaftsräume lagen neben den Kellern im Unterbau des Schlosses, Als Bert Falk das Schloß und das Gut kaufte, waren nicht alle Zimmer mehr möbliert gewesen und nur etwa die Hälfte davon hatten ein Mobiliar, das die Zimmer bewohnbar machte. Aber oben auf den großen Speichern lag und stand eine Menge Hausrat herum, den man in Zeiten, wo man nicht zu sparen brauchte, ausrangiert hatte und in Kisten und Truhen waren zum Teil noch gut erhaltene und auch noch wertvolle Stoffe verständnislos zusammengepackt. Der große Festsaal war ganz leer, nur ein alter Flügel stand darinnen und an den Wänden befanden sich gut erhaltene Wandmalereien. Reta hatte sich in den vier Jahren ihres Aufenthaltes in Dornfels die Aufgabe gestellt, alle diese vernachlässigten Räume wieder behaglich und wohnbar zu machen. Unermüdlich kramte sie auf dem Speicher zwischen den beiseitegestellten alten Möbeln und Truhen, und ein Stück nach dem andern wurde wieder instand gesetzt und hinunter in einen der leren Räume geschafft. Die Truhen und Kisten wurden ausgekramt und die darinliegenden Stoffe daraufhin durchgesehen, ob sie noch verwendbar waren. Sie wurden gereinigt und aufgefrischt, und Reta verwandelte sie mit einem fabelhaften Geschmack und Kunstverständnis zur Ausschmükkung der Räume. Es war bewundernswert, mit welchem unermüdlichen Fleiß und mit welcher Ausdauer sie dabei zu Werke ging. Es war ihr heiligster Ernst, sich wahrhaft nützlich zu machen. Und in diesem sungen Geschöpf steckte so viel schöpferische Tüchtigkeit, so viel Ausdauer, die nach Betätigung drängte. Der Verwalter und seine Frau hatten sie ernst lächelnd gewähren lassen, aber mit der Zeit standen sie staunend Retas Verschönerungen gegenüber. Es erschien ihnen wie ein Wunder, was Reta mit all den verstaubten Dingen, die sie vom Speicher herunterholte, für Wirkungen erzielte. Nur selten bettelte Reta dem Verwalter einige kleine Summen zu unbedeutenden Neuanschaffungen ab, wenn es einmal gar nicht ohne solche ging. Und nun waren alle Räume im Schlosse wieder wohnlich gemacht und einige davon wirklich sehr vornehm und künstlerisch. Reta hatte wie ein erfinderischer Innenarchitekt gewaltet. Selbst der große Festsaal hatte eine Ausstattung erhalten. Da prangten ringsum an den Wänden die wunderschönen alten Truhen und Bänke, die verstaubt und halb verfallen auf dem Speicher gestanden hatten. In der Mitte stand der Flügel. der gestimmt worden war. und auf dem Reta fleißig musizierte. Und wenn sie ihre Lieder sang, lauschte nicht nur Liesel Heims andächtig, sondern auch ihre Eltern und das Gesinde. Liesel Heims hatte erst über Retas Verschönerungsversuche gelacht und sie wie einen Spaß betrachtet, als sie dann aber sah, was unter Retas fleißigen Händen entstand, staunte sie erst, und dann half sie Reta mit Begeisterung. Liesel war zwar zwei Jahre älter als Reta, aber nicht so ernst und verständia wie diese, und deshalb wirkte Reta meist älter als Liesel. Aber die beiden lungen Mädchen verstanden sich sehr gut und ergänzten einander auf die glücklichste Weise. Liesels stets ungetrübter Frohsinn und Uebermut Abte einen wohltätigen Einfluß auf Reta aus, und diese wieder vertiefte und veredelte Liesels etwas flatterhaften Sinn., so das Liesels Mutter Reta sehr dankbar war und sich über diese Gesesschaft ihrer Tochter freute. Liesel war es bald gelungen, Reias Schmerz üder den Verlust ihrer Mutter zu mildern und sie froh und heiter zu machen, wozu natürlich auch das sorglose Leben und die wunderschöne Umgebung beitrug. Es war ein herrliches Leben, das Reta auf Dornfels führte und wofür sie Bert Falk so von Herzen dankbar war. Im Frühling und Sommer jauchzte sie mit Liesel um die Wette in das Grünen und Blühen hinein, im Herbst beteiligte sie sich froh und vergnügt an der Obsternte, und im Winter sauste sie mit Liesel auf dem schmalen Schlitten den Schloßberg hinab oder lief auf der zugefrorenen Saale Schlittschuh. Im Sommer konnten die sungen Mädchen in der Saale Schwimmbäder nehmen oder in dem kleinen Ruderboot dem Rudersport huldigen. Jede Woche ging Reta zwei Nachmittage ins Dorf hinunter, um mit der Frau Pfarrerin Französisch und Englisch zu treiben und sonst allerlei von ihr zu erlernen und beim Lehrer Klavier= und Gesangsstunden zu nehmen. Der Lehrer, ein großer Musikenthusiast, hatte bald Retas schönen, weichen Mezzosopran entdeckt und hatte sein Vergnügen daran, ihn auszubilden. Aber auch in der Wirtschaft half Reta fleißig. Sie begleitete zuweilen den Verwalter auf die Felder und in den Forst und war auch ihm eine fleißige Schülerin, die ihm allerlei ablauschte. Verwalters hatten Reta sehr lieb gewonnen und ließen sich gewissermaßen von ihrem Eifer, alles in Dornfels zu verbessern und zu verschönern, anstecken. So war Reta wirklich ein Segen für den ganzen Betrieb und nützte Bert mehr. als er ahnen konnte. Ihre Tage waren so angefüllt mit einer nimmermüden Tätigkeit, daß sie ihr schnell vergingen. Und dabei blühte sie auf wie eine junge Maienrose. Aus dem unfertigen, eckigen Backfisch mit dem reizlosen, blassen Gesicht war ein schönes junges Mädchen geworden mit jugedschöner, schlanker Gestalt. Ihr blühender Teint, die schöngeschweiften blaßroten Lippen, die beim Lachen prachtvolle weiße Zähne zeigten, die wundervollen grauen Augen. die von dunklen Wimpern umsäumt waren und seltsam hell und klar aus dem lieblichen Gesicht leuchteten, dazu das goldbraune Haar, über dem ein leiser, rötlicher Schimmer lag, das alles vereinigte sich zu einem entzückenden Ganzen. Reta wurde von Tag zu Tag ihrer schönen Mutter ähnlicher, und der Jugendschmelz, der über ihrer ganzen Erscheinung lag, war von bezaubernder Wirkung. Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxel Al] Westsälischer Merkur. Rußland und der Abrüstungsgedanke. Die russische Note vom 31. August, die den Beitritt der Sowjetunion zum Kelloggpakt ankundigt, ist aus mehr als einem Grunde recht interessant. Zunächst natürlich deshalb, weil durch die Teilnahme Rußlands der Kreis der Vertragskontrahenten erweitert und die, anfangs gerade von dem neuen Paktgenossen mit aller Bestimmtheit vertretene Meinung, der Vertrag gäbe sich nur äußerlich pazifistisch, in Wirklichkeit aber sei er weiter nichts als ein neues Werkzeug der imperialistischen Feinde Rußlands, endgültig erschüttert wird. Die Menschheit wünscht keine imperialistischen Kriege, sondern sie will den Frieden. Dieser Wille zum Frieden ist so stark und so allgemein, daß er jede Regierung unweigerlich zwingt, einer vazifistischen Demonstra###on auch dann zuzustimmen, wenn sie Art und Anlage der Geste nicht für ganz einwandfrei hält. Der Kelloggpakt hal, wie man auch bei uns weiß, seine Mängel. Auf einen der schwersten wies die russische Antwort nicht nur hin, sondern verkündete zugleich mit dem Hinweis die Absicht,„allen Teilnehmern am Pakte die für die Sache des Friedens wichtigste Frage vorzulegen, jämlich die Frage der Abrüstung, deren Lösung als einzige Garantie für die zukünftige Vermeidung von Kriegen erscheine". Diese offenbare Ankündigung eines neuen aktiven Vorgehens der Sowjetregierung ist der zweite Anlaß, Litwinows Note für besonders interessant zu erklären. Leider läßt sich die Antwort der großen Militärstaaten voraussehen. Es ist ja nicht das erste Mal, daß Rußland die Abrüstungsbewegung weiter zu treiben versucht. Die Note erwähnt ja selbst, wie man in Genf nicht nur dem ersten, sehr radikalen Entwaffnungsplan der Sowjetunion, sondern auch ihrem zweiten, gemäßigten, die Zustimmung versagte und , vie ein von ihr angeregter Verzicht auf alle, nicht nur auf Angriffskriege, nur von Deutschland, der Türkei, Persien, Asahantstan und Litauen angenommen, von den anderen Staaten jedoch stillschweigend übergangen oder mit der sonderbaren Behauptung abgelehnt worden sei, ein unbedingter Verzicht auf den Angriff vertrage sich nicht mit ihren Verpflichtungen dem Völkerbunde gegenüber. Auf die neue Anregung Rußlands wird man zweifellos antworten, der Angriffskrieg sei ja als Mittel der Politik ausgeschlossen, aber die Möglichkeit, irgendwann einmal angegriffen zu werden, gebiete die Bereitstellung der für einen Verteidigungskrieg notwendigen militärischen Mittel. Und da dieser Standpunkt nicht nur von den westlichen Militärmächten eingenommen wird, sondern, wie der Verlauf des letzten kommunistischen Weltkongresses ja deutlich gezeigt hat, in besonderein Maße auch von den Bolschewisten selbst, und da weiter der Umfang der Verteidigungsrüstung ins Belieben des einzelnen Staates gestellt ist, ist der Abrüstungsgedanke saktisch auf einen toten Pinkt gelangt. Er wird erst wieder neues Leben gewinnen, wenn das Mißtrauen verschwunden ist, das bis jetzt die Staaten veranlaßt, sich eine mehr oder weniger schwere Verteidigungsrüstung anzulegen. Wie kann das Mißtrauen überwunden werden? Offenbar nicht, indem man radikale Abrüstungsprogramme verkündet und gleichzeitig in den Waffenschmieden mit Ueberstunden arbeitet. Das tut aber Rußland und sein kommunilischer Anhang in allen Ländern der Erde. Wie kann man Glauben an seinen friedlichen Willen erwarten, wenn man, sei es auch unter dem Deckmantel der Verteidigungsnotwendigkeit, selber fieberhaft rüstet, wenn man eine Weltordnung wunscht, die nur nach blutigen Kriegen realisierbar ist, wenn man sich Mühe gibt, planvoll und beharrlich die Moral und den Zusammenhalt fremder Staatskörper empfindlich zu stören. Solange der Kommunismus seine aggressiven Absichten nicht aufgibt, solange die Sowjetunion nicht darauf verzichtet, auf dem Wege über ihre Sektionen in den anderen Ländern, in den fremden Heeren zersetzend zu wirken, solange sie ihre eigene Verteidigungsorganisation nicht auf das wirklich notwendige Maß beschrankt, werden ihre Friedensprogramme stets billigen Einwänden begegnen. Wer ein Apostel des Friedens sein will, muß dafür Sorge tragen, daß sein Reden und sein Handeln im Einklang stehen. Das ist bei Deutschland der Fall. Unser Reich ist die einzige Großmacht, die unzweifelhafte Beweise ihres Friedenswillens gegeben und gleichzeitig ihre Rüstungen auf ein Maß heruntergebracht hat, das ihm zwar die Verteidigung, aber niemals den Angriff gestattet. Dieses Deutschland, dessen Bevölkerung in überwiegender Mehrheit es ablehnt, die augenblickliche Stagnation des Abrüstungswillens zum Anlaß eigener Aufrüstungsbestrebungen zu machen, hat damit eine weltgeschichtliche Mission übemnommen. Es ist zum wahren Rufer im Streit um den Frieden, zum geeigneten Wortführer einer Sehnsucht geworden, die die ganze Menschheit in steigendem Maße beherrscht, zum Exponenten eines allgemeinen Willens, der über die wichtige Etappe des Kelloggpaktes hinweg zu neuen Taten fortschreiten wird. Kritik des„Osservatore Romano“ am Kelloggpatt. Am Schlusse eines Artikels, der der Unterzeichnung des Kelloggpaktes gewidmet ist und bei Vermeidung aller Illusionen dem Pakt gerecht wird, führt der„Osservatore lomano“ unter Hinweis auf das„große Dokument“ der Friedensnote Benedikts XV. aus: „Es besteht ein Unterschied zwischen diesem großen Dokument, dem leibhaftigen Prototyp und der vollkommenen Basis derart wohltätiger Abmachungen und dem internationalen Pakt. Das papstliche Dokument widmete Ideal und Wunsch des Friedens dem göttlichen Erlöser, dem Fürsten des Friedens. Der Kellogg-Pakt erwähnt Gott nicht! Gott, unser Vater, der im Himmel ist, einziger und direkter Urheber in seiner universalen Väterlichkeit von jener universalen Brüderlichkeit, die der Gastgeber bei der Begrüßung der Geladenen als Voraussetzung des Friedens bezeichnete — dieser Gott überschritt nicht die Schwelle dessen, was der Tempel eines werktätigen Glaubens sein sollte! Die Unterschrift des Paktes hatte die feierliche Zelebration eines Ritus sein können, war aber nur die Feierlichkeit eines diplomatischen Aktes.“ Ferner widmet der„Osservatore Romano“ der erfolgten Unterzeichnung des Kellogg=Paktes einen vom Direktor des Blattes„della Torre“ unterzeichneten Artikel an der Spitze der Zeitung. Er soll die Bedeutung des Paktes „ins richtige Licht setzen“, auf der einen Seite Illusionen korrigieren, die übrigens gar nicht so häufig aufgetreten seien, auf der anderen Seite aber auch die viel häufigeren „sarkastischen Gelächter“ zum Schweigen bringen. Wie alle prinzipiellen Erklärungen großer Dinge sei der Pakt platonisch, aber ohne die vorhergegangene platonische Kundgebung habe sich noch kein großes Ziel erreichen lassen. Der Artikel erinnert daran, daß das Ende der Sklaverei, die internationalen sanitären Abmachungen, die Kriegsverwundetenhilfe und andere Dinge zögernd und angezweifelt mit solchen Proklamationen begonnen hätten, wie der KelloggPakt eine ist.„Gewiß ist der Pakt“, so heißt es weiter, „nicht das Ende des Krieges! Vorderhand ist nur das Bewußtsein da, daß der Krieg nicht nur ein Schaden, sondern ein Delikt ist. Das Bewußtsein rückt von den Volksmassen nach den Regierungen vor und überschreitet die geschlossenen Kreise und den Cgoismus einer Politik, den nur der Kriegsgeist in seinen Vorbehalten und in seiner Eifersucht lenkte.„Der Friede gehört allen": dieses Axiom kommt jetzl ausgerechnet von dorther, wo Monroe ein anderes Axiom der Teilung und Isolierung diktiert hatte. „Amerika den Amerikanern“, aber der Friede der ganzen Welt! Die Unterschrift der Vereinigten Staaten zeigt, daß kein partikularistisches Interesse, und sei es auch so groß wie ein ganzer Erdteil, dem universalen Friedensinteresse zuvorkommen kann. Der Friede geht langsamen Schrittes seinen Weg. Es waren elf Jahre nötig, bis die Worte Benedikts XV. in der Note vom August 1917:„Zuvörderst der materiellen Gewalt der Waffen sei die moralische Gewalt des Rechts substikuiert" nach Paris gelangten.„Es ist nötig. den Frieden zu organisieren“— saate nämlich jetzt Briand—„die juristischen Lösungen müssen an die Stelle h#. Losungen mu der Gewolt gesetzt werden. Das Schweigen gegenüber dem Appell des Papstes hat recht lange. gedauert. Dafür hat das Echo im Auswärtigen Amt am Qual d'Orsay in Gegenwart von 15 Nationen auch solchen, die damals nicht antworteten, die identische Auffassung, die gleichen Worte wiederholt!“ In Pariser Nationalistenkreisen wird die Feststellung, daß der frühere Sozialist Briand nach 11 Jahren sich Idee und Wortlaut des verstorbenen Papstes zu eigen gemacht, um so unliebsamer aussallen, als erst kürzlich der„deut sche Friede" Benedikts XV. mit aller Heftigkeit anläßlich eines früheren Artikels im„Osservatore Romano“, angegriffen worden war. Deutsches Das amerikanische Freigabegesetz. WTB. Berlin, 4. Sept.(Tel.) Es wird vielfach beobachtet, daß Reichsangehörige, welche Anspruch auf die Herausgabe ihres in Amerika beschlagnahmten Vermögens haben, sich nicht darum kümmern, in der Meinung, daß die amerikanische Regierung von sich aus die Rückgabe bewirken werde. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß die deutschen Eigentümer sich mit einer Eingabe an den Treuhänder wenden müssen, was unter einer gewissen Form zu geschehen hat, die ausdrücklich die Beantragung auf Rückgabe enthalten muß und welcher die nötigen Unterlagen beizufügen sind. Ein solcher Antrag muß bis zum 2. April 1929 gestellt sein, sonst geht das Eigentum endgültig verloren. Um solche Formfehler, die vorkommen können, gegebenenfalls noch beseitigen zu können, kann man sich an den Deutschl-amerikanischen Wirtschaftsverband wenden, Berlin NW. 7, Neue Wilhelmstraße 12—14, oder an die amerikanische Abteilung der Auslandsdeutschen, Berlin NW. 6, Luisenstraße 26—28, welche bereit sind, auch Nichtmitgliedern Auskunft zu erteilen. Neue Tagung der Länderkonferenz. Für den Herbst, und zwar für Ende September oder Anfang Oktober ist, wie die„Vossische Zeitung" dem Demokratischen Zeitungsdienst entnimmt, eine neue Tagung der Länderkonferenz in Aussicht genommen. Reform des Schlichtungswesens? Reichsarbeitsminister Wissell hat, den Blättern zufolge, die Spitzenverbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer für Mitte Oktober zu einer Konferenz geladen, in der das Problem des Schlichtungswesen s aufgerollt werden soll. Er hat ferner die beteiligten Organisationen aufgefordert, ihm zuvor ihre Stellungnahme schriftlich darzulegen und vor allem über ihre Kritik hinaus positive Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten. Die Frage der Zusammenlegung der Berliner Verkehrsunternehmungen. WTB. Berlin, 4. Sept.(Tel.) In der Deputation für das Verkehrswesen berichtete heute Stadtrat Reuter über die Frage der Zusammenlegung der Berliner Verkehrsunternehmungen zu einer Berliner Verkehrsaktiengesellschaft. Es wird der Weg der Liquidierung der einzelnen bisher bestehenden Verkehrsunternehmungen und die Neugründung einer einzigen mit einem Kapital von 400 Millionen Mark ausgestatteten Aktiengesellschaft gewählt. Die Deputation entschied sich dahin, daß eine Vorlage in der gemachten Form im Magistrat vorgetragen werden soll. Der Abschluß des Münchener Museumsfesttages. WTB. München, 4. Sept. Mit dem Festabend im Prinzregenten=Theater fand der Museumsfesttag in München einen glanzvollen Abschluß. Reichspräsident v. Hindenburg, der bei der Abfahrt vom Hause des Ministerpräsidenten in den Zufahrtsstraßen zum Theater und vor dem Theater selbst abermals lebhaft begrüßt wurde, wohnte dem Festabend mit Ministerpräsident Dr. Held, Staatssekretär Meißner und seinem Sohn, Major v. Hindenburg, bei. Zu Beginn des Abends teilte Exzellenz v. Miller mit, daß der vorgesehene Festvortrag des Generaldirektors Dr. Vögler ausfallen müsse, da Dr. Vögler zu seinem Bedauern in letzter Stunde verhindert gewesen sei, nach München zu kommen. An seiner Stelle gab Exzellenz von Miller in seiner gewohnten lebendigen ungezwungenen Art einen Ueberblick über das Werden des Projektes des Studienbaues und die mit dem Bau verfolgten Ziele. Unter dem lebhaften Beifall des erlesenen Zuhörerkreises schloß der Redner:„Dies ist der Grundstein, nun kommt die gemeinsame Arbeit!“ Nach einer Teepause fand der Festabend seinen Abschluß mit der Uraufführung eines Festspieles von Dr. Max Halbe„Meister Jörg Michel und seine Gesellen", das mit lebhaftem Beifall ausgenommen murde. Nach dem Festabend begab sich Reichspräsident von Hindenburg zum Hauptbahnhof und fuhr um 11 Uhr nach Berlin ab. Französische Militärgerichtsbarkeit. BB. Berlin, 4. Sept. Vor den französischen Militärund Kriegsgerichten des besetzten Gebietes in Mainz, Koblenz, Trier, Kaiserslautern, Landau und Düren hatten sich nach einer Meldung des„Benliner Tageblatts“ aus Speyer in der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. September d. Is. insgesamt 89 Deutsche wegen Vergehens gegen die Paragraphen der Rheinlandkommission und des Militärstrafgesetzes zu verantworten. Die in dieser Zeit verhängten Strafen betragen 20 Jahre Zuchthaus, 15 Jahre Aufenthaltsverbot, 16 Jahre und 6 Monate Gefängnis, 3532 R.A und 1091 Franks Geldstrafe. Diese Zahlen erstrecken sich jedoch nur auf die Fälle, die von deutschen Verteidigern vertreten worden sind. Bestrafter Wahlschwindel. BB. Berlin, 4. Sept.(Tel.) Das Schöffengericht zu Eichstätt verurteilte fünf Landwirte aus Aschbach zu Gefängnisstrafen von 2 Monaten und Tragung der Gerichtskosten, weil sie bei der letzten Reichstagswahl als Wahlausschußzmitglieder eine große Anzahl von Stimmzetteln mit einem Kreuz versehen hatten, um dem Bauernbundvorschlage zum Siege zu verhelfen. Deutsche Auszeichnung für eine französische Krankenschwester. WTB. Paris, 5. Sept.(Tel.) Der deutsche Botschafter von Hoesch überreichte heute im Botschaftsgebäude der Krankenschwester Suzanne Sissonet das Ehrenzeichen des deutschen Roten Kreuzes, das ihr verliehen worden ist, weil sie einem deutschen Kranken freiwillig zweimal ihr Blut zu Transfusionszwecken zur Verfügung gestellt hat. Konstituierung eines Rußlandausschusses der deutschen WTB. Berlin, 4. Sept.(Tel.) Heute fand in Anwesenheit von Vertretern der Reichsregierung die konstituierende Sitzung des Rußlandausschusses der deutschen Wirtschaft statt. In ihm sitzen 140 Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Industrie, des Deutschen Industrie= und Handelstages, des Reichsverbandes des deutschen Groß= und Ueberseehandels, des Zentralverbandes des deutschen Bank= und Bankiergewerbes sowie des deutsch=russischen Vereins zur Pflege u. Förderung der gegenseitigen Handelsbeziehungen. Alle am deutsch=russischen Geschäft interessierten Zweige der Industrie, des Handels, der Banken und des Verkehrsgewerbes sind in dem Ausschuß vertreten. Die Sonderausschüsse einzelner Spitzenverbände für deutsch=russische Fragen sind in dem Rußlandausschuß aufgegangen. Nach einem Vortrag des Geschäftsführers des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Dr. Herle, über die Vor= und Entstehungsgeschichte des Rußlandausschusses wählte der Ausschuß einstimmia einen Arbeitsausschuß von 40 Mitgliedern und einen Vorstand von 6 Mitgliedern und zu seinem Vorsitzenden Herrn Direktor Hans Kraemer, M. d. R. W. R., Breslau, Mitglied und bisherigen Vorsitzenden des Rußlandausschusses des Reichsverbandes der deutschen Industrie. Die vielseitigen Aufgaben des Rußlandausschusses der deutschen Wirtschaft gipfeln in der Forderung der deutsch=russischen Wirtschaftsbeziehungen, in der Herbeiführung einer einheitlichen Auffassung in deutsch=russischen Fragen innerhalb der deutschen Wirtschaft und in der Auschaltung der Doppelarbeit. Der Ausschuß soll den deutschen Münster. 1. September. * Die Bautätigkeit in Münster. In der zweiten Hälfte des Monats August wurden folgende Baugenehmigungen erteilt: a) Wohnungsneubauten. Frau H. Dieckhoff, Hittorfstr. 9. (Bauleitung: Arch. Hanlo). W. Knappmeier, Emsstraße 22, (Mück). Münst. Beamten=Wohnstätten=Gesellschaft m. b. H., Sertürnerstr. 12, 14 und 16(Reg.=Baum. Reiche). W. Brockmann, Dahlweg 40(Arch. Diening). Ph. Jünnemann, Dahlweg 42(Diening). d) Am-, An- und Aufbauten: W. Ahlmer, Kronprinzenstr. 22(Arch. Dreyer). F. Mönnig, Hammerstraße 45(Zschepank). H. Husemann, Pluggendorferstr. 29 (Kersting). E. Wirth, Urbanstr.11(Arch. Trowe). Th. Wenning, Dingbängerweg 60(Gellenbeck). I. Aubke, Pluggendorferstr. 12(Bierschenk). F. Falk, Wörthstr. 22(Baugewerkschaft). Emil Neumann, Im Drostebusch 6(Rühr). Magistrat, Margarethenstr. 6—8(Mag. Baurat Sittel). Fr. Dieninghoff, Steinfurterstr. 502(Heuring). c) Nebengebäude: Butmeyer, B., Wolbeckerstraße 131(Bermann). Niemer, K., Salzstraße 57(Nientiedt u. Pelle). Vethake, J., Junkerstr. 21 (Wirtz). Westf. Land. Eis. Ges., Albersloherweg 2(Landeseisenbahn). Stoltefaut, Th., Frie Vendstr. 19(Arch. Leßmann und Koch). (9 Caritasgutscheine. Seit fast einem Monat sind die neuen grünen Caritasgutscheine, die der Caritasverband in Verhindung mit dem Westf. Herbergsverband jetzt herausgibt, in Münster in Umlauf. Langsam finden sie in immer weiteren Kreisen der hiesigen Bürgerschaft, sowohl in der Geschäftswelt als auch bei unseren Hausfrauen Eingang und rege Anwendung. Es gibt wohl kaum ein besseres Mittel, um die teilweise unerträglich gewordene Hausbettelei zu bekämpfen und hiermit eine tatkräftige Hilfe für die wirklich Bedürftigen zu verbinden, als diese Caritasgutscheine, wie sie heute bereits in den meisten deutschen Großstädten zu einer allseitig geschätzten Einrichtung geworden sind. Die münsterischen Gutscheine sind gewissermaßen Geld, das der Empfänger in allen Wanderarbeitsstätten Westfalens gegen Verpflegung und Obdach jederzeit einlösen kann. Es soll durch diese Gutscheine der Mißbrauch des Almosens, der mit dem bloßen Geldalmosen meist verbunden ist, verhindert werden. Der erste unmittelbare Erfolg der Caritasgutscheine hier in Münster ist der, daß diejenigen, die allen Armen an der Tür klar und konsequent nur Caritasgutscheine geben, fortan von den Berufs=Bettlexn befreit bleiben. Ja, man kann jetzt schon sagen, daß viele gewerbsmäßigen Bettler, durch die Gutscheine dazu veranlaßt, aus Münster in andere Städte abwandern. Zu wünschen ist nun, daß die Verwendung der Gutscheine in allen Teilen der Bürgerschaft noch eine regere wird, damit dem Plan der Veranstalter, durch eine grozügige Maßnahme die Hilfe für die Notleidenden mit der Bekämpfung der unwürdigen Bettler zu verbinden, ein voller Erfolg beschieden ist. X Schloßgartenkonzert. In dem am morgigen Freitag, abends 20 Uhr, im Schloßgarten stattfindenden Konzert des Städtischen Orchesters im Schloßgarten wirkt der M.-G.=V. St. Mauritz unter der Leitung seines Dirigenten, Gauchormeisters Ferd. Clusmann mit. Der gesangliche Teil des Programmes sieht vor: Horch, was kommt von draußen, Wie ich so lieb dich hab', Hänsel und Gretel, Der Käfer und die Blume, Die gebundene Nachtigall, Vespergesang, Schlafglöckchen, Feldeinsamkeit, Nachtgebet sowie Gute Nacht. * F e s t n a h m e e i n e r K i r c h h o f s b l u m e n d i e b i n. E i n a u s wärtiges Mädchen, welches sich seit einigen Wochen ziel= und planlos in Münster umhertrieb, wurde am 3. 9. von dem Friedhofsinspektor Emmerich auf dem Zentralfriedhof bei Ausführung eines Blumendiebstahls abgefaßt. Die benachrichtigte Krim.=Polizei, welche sich ihrer sofort annahm, konnte bei der Aufnahme sorgfältiger Ermittelungen weiter feststellen, daß auf das Konto dieses Mädchens eine ganze Anzahl weiterer Blumendiebstähle zu buchen sind. Sie wurde in Haft genommen und dem Gericht zugeführt. C' Die Polizeistreifen zur Bekämpfung des nächtlichen Lärms. Der nächtliche Lärm auf den Straßen, Plätzen und in den Promenaden unserer Stadt hat in den letzten Wochen wieder recht bedenkliche Formen angenommen. Es wäre durchaus verkehrt, wollte man als die Urheber dieser nächtlichen Ruhestörung etwa ganz schematisch die Studenten ansprechen und den nächtlichen Lärm gewissermaßen dadurch entschuldigen. Im Gegenteil handelt es sich vielfach um jüngere und ältere Leute, die sich ein Vergnügen daraus machen, unter Vorspiegelung von Studentenulk die lieben Mitmenschen aufzuwecken. Die kommunale Polizei wird, wie wir erfahren, gerade gegen diesen nächtlichen Lärm mit aller Schärfe vorgehen. So wurde auch in der Nacht zum Mittwoch von der kommunalen Polizei eine größere Streife abgehalten und 15 Mann wegen Skandalierens, vor allem auch in der Promenade verhaftet. Streifen dieser Art sollen von der kommunalen Polizei häufiger abgehalten werden, um diese nächtlichen Radauelemente ständig in Unsicherheit zu halten. sche galtung der Doppelarbett. Der Ausschuß soll den deutschen Regierungsstellen in deutsch=russischen Wirtschaftsfragen zur Verfügung stehen und die Zentralstelle bilden, die Verhandlungen in grundsätzlichen und wichtigen Angelegenheiten mit der Handelsvertretung der U. d. S. S. R. in Berlin und anderen russischen Wirtschaftsstellen für die deutsche Wirtschaft führen. Die Geschäftsführung des Ausschusses liegt beim Reichsverband der deutschen Industrie Provinzielle Nachrichten. ( Roxel, 5. Sept. Silberhochzeit. Am heutigen Tage begingen die Eheleute Herr Brennereibesitzer Anton Leuvering und Frau Katharina geb. Oelk=Stodtbrock das Fest der silbernen Hochzeit. Die Feier fand dadurch eine Verschönerung, daß auch deren Tochter das Fest ihrer grünen Hochzeit begeht. X Greven, 4. Sept. Verschiedenes. Die Typhuskrankheit, die vor kurzem hier festgestellt wurde, ist nun völlig erloschen. Glücklicherweise hat sie kein Todesopfer gefordert. Dank der rechtzeitigen und energischen Maßnahmen seitens der Behörde konnte eine Epidemie vermieden werden.— Der bei dem Landwirt Naendorf, Marktstraße, bedienstete Landwirtschaftsgehilfe Heinrich Strohbücker war damit beschäftigt, Roggen in den Drescher einzulassen und “and auf dem Dreschar vor dem Einlaßschacht. Bei dieser Arbeit ist er den Gabeln der Welle, die in die Garben grei„ enh e nernziehen zu nabe anfamon Es wurden ihm zwei Finger der linken Hand abge4 Bocholt, 5. Sept. Generalmajor v. Gillhausen f. In Isselburg starb am Montagabend Generalmajor von Gillhausen nach längerer Krankheit. Er war vor dem Kriege viele Jahre Oberst des 11. Husaren=Regiments in Krefeld und machte als Führer dieses Regiments den Weltkrieg von Anfang bis zu Ende mit, wobei er zum Generalmajor befördert wurde. Er war mit einer Tochter des verstorbenen Direktors der Isselburger Hütte, Kommerzienrats Nering=Bögel, vermählt, trat nach dem Kriege in den Ruhestand und lebte seitdem auf dem Gute seiner verstorbenen Schwiegereltern in Isselburg.— Wallfahrts-Jubilare. Bei der Bocholter Fußprozession nach Kevelaer waren in diesem Jahre drei Jubilare zu verzeichnen, die 50 mal ander Fußprozession teilgenommen haben, nämlich die Herren Wissing, Schmelting und Gauting, während die Herren Tersteege und Beese die Fußprozession 25 mal als Fahnenträger mitgemacht haben. 6% Bochum, 5. Sept. Goethe=Woche. Die deutsche Goethe=Gesellschaft in Weimar veranstaltet im Einvernehmen mit der Stadt Bochum vom 20.—26. Oktober d. J. eine Goethe=Woche, während der folgende Werke Goethes im Stadttheater aufgeführt werden: der Urgötz, Egmont, Torquato Tasso und Faust 1. und 2. Teil. Der Intendant Saladin Schmitt hat selbst die kiinstlerische Leitung der Aufführungen übemnommen, während die Gootheforscher Prof. Korff=Leipzig, Dr. Ernst Bertram=Köln, Viktor Michels=Jena, Prof. Petersen=Berlin und Prof. Sprenger=Berlin die einführenden Vorträge halten werden. * Dmsoucg, 5 Sept. Beim Ringkampftraining zu Tode gekommen. Auf tragische Weise kam der 21jährige Erich Hilprecht, der Blücherstraße 36 wohnte, beim Ringkampftraining zu Tode. In der Schule an der Wert hauerstraße trainierte der junge Mann am Freitag abend. Während des Kampfes wurde H. von seinem Partner durch einen sog. Nackengriff so übereilt zu Fall gebracht, daß er einen Wirbelsäulenbruch erlitt. Im Marienhospital ist er am Montag morgen gestorben. * d ü s s e l d o r f, 4. S e p t. S e l b s t m o r d, w e i l s e i n e F r a u sich einen Bubenkopf schneiden ließ. Die Frau des Arbeiters S. aus Düsseldorf=Unterrath hatte vor einigen Tagen geäußert, sie wolle sich einen Bubikopf schneiden lassen. Ihr Mann war damit durchaus nicht einverstanden und erklärte ihr, wenn sie mit einem Bubikopf erscheinen werde werde er sich aufhängen. Am Freitag ließ sich die Frau einen Bubikopf schneiden. Und am frühen Morgen des Dienstag fand man den S. an der Kellertur erhängt vor. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. * Osnabrück, 5. Sept. Die Osnabrücker Bankräuber in Bonn? Wie noch erinnerlich, wurde im Vorjahre in Osnabrück zu einer der belebtesten Mittagsstunden auf der Straße zum Bahnhof ein Bankbote niedergeschossen und seiner Geldtasche, in der sich 40000 A befanden, beraubt, Die Täter entkamen in einem bereitgehaltenen gestohlenen Auto nach einer wilden Flucht und nach einer aufregenden Verfolgung durch Polizeitautos. In anderen Städten Deutschlands, so in Hattingen, wurden in der Foige gleiche Raubüberfälle ausgeführt. Jetzt erfolgte ein solcher schwerer Raubüberfall vor einem Bankgebäude in Bonn. Es waren wieder drei Personen, auf die das seinerzeit in Osnabrück festgestellte Signalement haargenau zutrifft und die gleichfalls in einem gestohlenen Auto entkamen. &* Oldenburg, 5. Sept. Ein neues katholisches Gotteshaus ist am vorigen Sonntag in der oldenburgischen Diaspora eingeweiht worden. An der Küste der Nordsee, in der Nähe der Wesermündung, liegt Einswaren, wo in den letzten Jahren viele katholische Arbeiter sich ansiedelten. Sie gehörten zur Pfarrei Nordenham, von wo aus seit nigen Jahren Gottesdienst in Einswarden gehalten wurde. Jetzt sind die Katyoliken im Besitz eines schmucken Kirchleins, das nach dem Plane des Architekten Burlage in Osnabrück erbaut wurde. Nachmittags war Festversammlung der Gemeinde, bei welcher Dechant Krone aus Oldenburg die Festpredigt hielt.— Auch in der Vorstabt Oldenburg, in Osternburg, wird eine katholische Kirche erbaut, die ihrer baldigen Vollendung entgegengeht. Vermischtes. Für eine Viertelmillion Beute! Berlin, 3. Sept. Hier ist einer der gefährlichsten und erfolgreichsten Pelz= und Konfektionseinbrecher, der 33 Jahre alte Adalbert= Gulski, nach langer Verfolgung jetzt von der Kriminalpolizei festgenommen und hinter Schloß und Riegel gebracht worden. Gulski hat sich nie, wie andere Einbrecher, mit kleinen Sachen abgegeben, sondern stets nur große Beuten gemacht, die ihm nach den bisherigen Feststellungen Werte von etwa einer Viertelmillion in die Hände spielten. Unter dem Namen„Direktor Oleinick“ mietete er sich eine Wohnung in Neukölln, als„Gutsbesitzer Oleinick" bezog er ein zweites Quartier bei einem Tischlermeister in Dahmsdorf Seine Berliner„Geschäfte" tätigte er meist als „Ackermann". So war es schwierig, des Gesuchten habhaft zu werden, da er jedesmal, wenn man ihm auf den Fersen war, sein anderes Quartier aufgesucht hatte. Das Schuldkonto des Verhafteten ist lang und schwer. Er hat nicht nur die bereits erwähnten Pelz= und Konfektionseinbrüche verübt, sondern ist auch der Einbrecher, der am 4. Oktober 1926 in ein Juweliergeschäft in der Rheinstraße zu Friedenau eindrang und dort für 20000 c Beute machte. Bald darauf wurde er von Beamten der Dienststelle B. 3 ermittelt und festgenommen. Er hat noch 7 Jahre Zuchthaus zu verbüßen. Als er zu einem Termin nach Brandenburg an der Havel gebracht wurde, gelang es ihm durch einen dreisten Handstreich, sich am 5. November 1926 wieder die Freiheit zu verschaffen. Er entschlüpfte aus dem Schöffensaal und schloß die Türe von außen ab, so daß der ganze Gerichtshof eingesperrt war. Wie man jetzt weiß, fuhr er nach der Flucht mit seinem Motorrad nach Kreuznach und kehrte erst Monate später nach Berlin zurück. Dann ging er an die„Arbeit" und vollführte Einbrüche über Einbrüche. Aus Geschäftssorgen in den Tod. WTB. Weimar, 4. Sept.(Tel.) In der vergangenen Nacht beschlossen die beiden Inhaberinnen eines Weimarer Wäschegeschäftes, ein Fräulein Schmidt und eine Frau Wolferman, die in geschäftliche Schwierigkeiten geraten waren, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Sie öffneten den Gashahn, nachdem sie große Mengen von Beronal zu sich genommen hatten. Im Weimarer Krankenhause starben sie heute vormittag. Mißglückter Ozeanflug. WTB. Paris. 4. Sept. Die heute früh auf dem Flugplatze von Le Bourget zur Ozeanüberquerung aufgestiegenen Flieger Assolant und Lefeore sind nachmittags 4,40 Uhr wegen eines Schadens an einem Oelzufuhrrohr in Casablanca gelandet. Selbstmord eines Meisterschaftsboxers. WT B.Paris, 4. Sept. Der Boxer Jean Breionnel, früherer französischer Meister im Leichsgewicht, hat sich in seiner Wohnung in Paris erhängt. Der Selbstmord wird auf Familienverhältnisse zurückgeführt. Automobilunglück in Spanien. WTB. San Sebastian, 4. Sept. Auf der Straße von Cestona nach San Sebastian geriet heute ein Automobil ins Schlendern und stieß nacheinander gegen drei Bäume. Der Chauffeur und ein Schriftleiter der Zeitung„Informaciones“ wurden getötet. Der Sohn des Eigentümers der „Informaciones“ und ein weiterer Insasse kamen mit leichteren Verletzungen davon. Wirbelsturmkalastrophe in der Krim. WTB. Moskau, 3 Sept. In der Krim richtete ein Wirbelsturm, der mit einem Wolkenbruch verbunden war, große Zerstörungen an. In Sewastopol sind sieben Personen umgekommen. An vielen Stellen wurden die Anlagen der Weinberge und Gärten weggespült und das Vieh getötet. Der Eisenbahnverkehr Simferopol—Sebastopol ist unterbrochen. Das Krokodil ist los! Zwei Stunden lang hat ein Krokodil die Station von Brescia siegreich verteidigt. Das Reptil, das einem reisenden Zirkus gehörte, war aus seiner Kiste entkommen, als es ausgeladen werden sollte, und erschien plötzlich auf dem Bahnsteig, der dicht mit Leuten besetzt war, die auf einen Zug warteten. Das Tier, das mit seinem starken Schwanz surchtbar um sich peitschte, erregte eine Panik unter den Wartenden. Nach wenigen Sekunden war der Bahnsteig leer und das Krokodil allein auf dem Platze. Polizisten und Zirkusangestellte versuchten zwei Stunden lang, den Ausreißer einzufangen, aber erst nach langen vergeblichen Muhen glückte es, ihm einen Lasso über den Kopf und einen andern über den Schwanz zu werfen und es glücklich in seine Kiste zu bringen. Flugzeugabsturz. Salt Lake Citn. 4. Sept. Ein Verkehrsflugzeug der Linie Salt Lake City— Great Falls ist in der Nähe von Pocatello(Idaho) abgestürzt. Sechs Insassen, unter ihnen eine Frau und zwei Kinder, kamen bei dem Absturz ums Leben. Verkäufe der General Motors im Juli. Um 25 Prozent gegen das Vorjahr gestiegen. Wie der Präsident der General Motors, Alfred P. Sloan jr., in seinem Bericht an die Aktionäre mitteilt, haben die General Motors Händler im Juli 177 728 gegen 134 749 Wagen im Juli vorigen Jahres im Kleinhandel verkauft. Die Zunahme beträgt also über 25 Prozent. Die Verkäufe vom Werk an die Händler beliefen sich auf 169 473 gegen 136 909 im Juli 1927. In den ersten sieben Monaten d. J. sind von den Händlern an die Verbraucher 1 240 461 gegen 975 230 im gleichen Zeitraum des Vorjahres verkauft worden, während die Verkäuse vom Werk an die Händler 1252 779 gegen 1 020 386 Wagen im Vorjahr betrugen. Die Erzeugung ist demnach um rund 37,5 Prozent gestiegen. Die Gesamterzeugung der General Motors im lausenden Zahr wird auf rund 1700000 Wagen im Wert von über zwei Milliarden Dollar vorausgeschätzt.