Donnerstag, 19. Juli. Einzelpreis 19 Pfa. der West Belloge 50 Merkur erscheint läglich morgene mit der „Die Unkerhaltung“, Sonntage mit der Elleratur-Beilage. bedaktion: Lütkegasse 118. Sprechstunden 10—11 Uhr vorm. Telegramm=Adresse: Merkur, Münsterweßt. Anzeigenpreise: Zu Misimstereaum tur die 21 uin breite Anzeigensgaltz füe Vozelss uberdass des Reo.=Pa., Mänster, sowie iür ale amtlicher slie uni Miarieckarltel=Aoseigen i. Gsg, be. Mänlie: 4 Bsc, HamilienMaber sammel= und Markesartikel=Anzeigen 15 Vtg., für Anze leg.=Bez. Münster 12 Vig., aus der Stadt Münster 8# szeigen von auswärhe# Vis., aus der Stadt Münster 7 Vig., Johnungs= und Stellen=Anzeigen aus Münster 8 Pso, bei sofortiger dahlung, Reklamen: das mm 76 Hig.(Spaltendreite 90 mm). Her wa gewährte Radtztt erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen und gerichtlichen Klaggn., inzeigen=Annahmeg, Geschäftestelle Münster, Königstraße 50. Gegründet 1822 Münster 107. Jahrgang 1928.— Nr. 251. 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In sämtlichen Orten des Münsterlandes war er ein gern gesehener und gehörter Redner, denn alles, was er sagte, hatte etwas Eindringliches und Anschauliches und vor allem Ueberzeugendes an sich, zumal auch bei der katholischen Bevölkerung seine an der katholischen Weltanschauung orientierten Darlegungen ein zustimmendes Echo fanden. Man dachte in jenen Jahren, als Graf Ferdinand von Galen die Westfälische Zentrumspartei leitete, wohl nicht daran, welche Bedeutung dieser Abgeordnete Herold für Westfalen noch gewinnen sollte. Ein ganzes Menschenalter ist seitdem verflossen. Aber gleichzeitig auch eine Fülle der Jahre ununterbrochener treuer Arbeit des Abg. Herold im Dienste der Zentrumspartei und zum Wohle von Kirche und Vaterland. Am morgigen 20. Juli kann er seinen 80. Geburtstag begehen. Da geziemt es sich, dieses hervorragenden Zentrumsmannes, der heute noch trotz der Last der Jahre so fest mit dem politischen und wirtschaftlichen Leben seiner Heimatprovinz und darüber hinaus verbunden ist, mit besonders anerkennenden Worten zu gedenken. In die politische Arena ist Karl Herold erst verhältnismäßig spät hinabgestiegen. Zunächst bereitete er, der am 20. Juli 1848 auf dem waldumkränzten Gute Lövelinkloe bei Mecklenbeck in der Nähe Münsters das Licht der Welt erblickte, sich auf den landwirtschaftlichen Beruf vor. Er besuchte das Gymnasium Paulinum in Münster und studierte dann an der Universität Halle a. d. S. Seine theoretischen Studien ergänzte und vervollkommnete er darauf durch praktische Betätigung in der Landwirtschaft auf verschiedenen Gütern in Sachsen und in Westfalen. Als er im Jahre 1870 die Bewirtschaftung und Verwaltung seines väterlichen Gutes, auf dem er heute noch als Patriarch unter den Seinen waltet, kraftvoll übernahm, da wurde seine Tüchtigkeit bald von seinen Berufsgenossen erkannt. Nach und nach übertrugen sie ihm einen Ehrenposten nach dem andern und zwar sowohl in beruflicher als auch in verwaltungstechnischer Beziehung. Wir sehen ihn bald ebenso als Vorsteher der Westfälischen Prüfungsstation für landwirtschaftliche Maschinen, als Direktor des Meiereiverbandes für Westfalen, Lippe und Waldeck, als Vorsitzenden oder Vorstandsmitglied in bauernständischen Organisationen, auch im Westfälischen Bauernverein und in der Landwirtschaftskammer, wie als Beigeordneten des Amtes Mauritz, als Mitglied des Kreistages und des Kreisausschusses, des Westfälischen Provinziallandtages usw. Je mehr Aemter ihm übertragen wurden, desto größer wurde seine Kraft, aber ebenso auch sein Eifer. Da war es natürlich, daß sich auf ihn auch die Aufmerksamkeit der Zentrumswähler lenkte bei der Suche nach einem Abgeordneten. Zunächst wurde er (1889) Abgeordneter für den Preußischen Landtag und zwar für den zweiten westfälischen Wahlkreis AhausSteinfurt, den Frhr. von Schorlemer=Alst innegehabt hatte. Im Landtag war damals noch Windthorst tätig und auch Porsch gehörte ihm beinahe schon ein Jahrzehnt an; mit diesem, der also wie unser Geburtstagskind zu den kraftvollen Epigonen jenes großen Zentrumsführers gezählt werden muß, verbindet ihn auch heute noch feste Freundschaft. Zu dem Landtagsmandat kam aber später noch das Reichstagsmandat hinzu. Als der bekannte Zentrumsabgeordnete Müller=Fulda sein Mandat niederlegte, wurde 1898 Herold als sein Nachfolger für den Wahlkreis Fulda=Schlächtern=Gersfeld gewählt, für den Wahlkreis, den fast 15 Jahre hindurch auch der noch in bester Erinnerung stehende Graf Droste zu Vischering, Erbdroste, vertreten hatte. Herold hatte diesen Wahlkreis bis zur nächsten Wahl 1903 inne. Damals war der langjährige Vertreter des Reichstagswahlkreises Tecklenburg=Steinfurt=Ahaus, Fabrikant Timmermann, gestorben und nun übertrugen die Zentrumswähler dieses Kreises das erledigte Reichstagsmandat ihrem bisherigen Landtagsabgeordneten Herold. Die Wahl ging nicht ohne Kampf vor sich, da gewisse Kreise wieder einen Fabrikanten als ihren Vertreter wünschten und nun einen Gegenkandidaten aufstellten. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich aber deutlich, welches Ansehen der Doppelmandatar innerhalb des Zentrums erlangt hatte. Für seine Kandidatur trat damals besonders der bekannte rheinische Abg. Justizrat Trimborn ein, der sich auch als Wahlredner in Herolds Wahlkreise betätigte. Das Resultat war, daß Abg. Herold mit rund 19 000 Stimmen seinen Gegenkandidaten schlug, der nur rund 3000 Stimmen erhielt. Seitdem blieb der Wahlkreis seinem Abgeordneten treu. Nach dem Umsturz wurde Herold als Vertreter sowohl für die verfassunggebende Preußische Landesversammlung wie für die Deutsche Nationalversammlung gewählt und ist bei allen aachfolgenden Wahlen Spitzenkandidat geblieben. Seine parlamentarische und politische Tätigkeit kann hier nicht mit Einzelheiten aufgezählt werden, denn Abg. Herold gehört zu senen unermüdlichen Arbeitern, die immer wieder in die vorderste Reihe geschickt werden. Aber was diese Tätigkeit besonders auszeichnet, das ist die Tatsache, daß in allen schwierigen Fragen, in denen die Gegensätze— auch innerhalb der eigenen Fraktionen— schier unüberbrückbar schienen, der Abg. Herold doch stets eine vermittelnde Lösung fand. Er ging eben den Weg der Mitte: der beste Beweis dafür ist wohl der Umstand, daß der Abg. Herold vielfach von seinen Berufskollegen als Arbeitervertreter und von den Arbeitern als Bauernvertreter bezeichnet wurde. Abg. Herold richtete eben den Blick auf das große Ganze. Der Schreiber der Zentrumsgeschichte wird an dem Abg. Herold nicht achtlos vorübergehen können, ganz gewiß nicht der Schreiber der westfälischen Zentrumsgeschichte, die, oftmals in Aussicht gestellt. bis heute ein leerer Wunsch geblieben ist., Seit über 2 Jahrzehnten nämlich steht Abg. Herold an der Spitze des Westfäl. Zentrumspartei. Bis dahin hatten sie andere Männer, geleitet, zuletzt noch der schon erwähnte Graf von Galen, aber die treibende Kraft war doch der Prälat Hüls amp(f 1911) gewesen, der ja mit an der Wiege des Zentrums gestanden und der eigentliche Schöpfer des Soester Programms war. Ihn mahnte die Last der 70 Jahr zur Ruhe und so wurde Prälat Hülskamp 1906 zum Ehrenpräsidenten der Westfäl. Zentrumspartei ernannt, Abg. Herold aber zum Vorsitzenden gewählt. Unter ihm setzte die neue Organisation ein, die uns das Generalsekretariat brachte und die große Zahl der sog. Beiräte. Im Laufe der Jahre ist dann auch der ursprünglich kleine Vorstand erheblich erweitert worden. Immer wieder fand der Abg. Herold das Vertrauen der Zentrumswähler, das ihn an die Spitze der Partei gestellt hatte. Es ist wohl kaum eine Versammlung des westfäl. Zentrums von einigermaßen Bedeutung abgehalten worden, der Abg. Herold nicht beigewohnt hätte. Noch vor den letzten Maiwahlen leitete er die Versammlung in Hamm, die sich mit der Kandidatenaufstellung befaßte, und gab damit einen Beweis von seiner ungebrochenen zentrumsfreudigen Arbeitskraft. Es bleibt noch ein Wort zu sagen über den Katholiken Herold. Wir hoben schon hervor, daß er alle seine Handlungen, zumal seine politischen, orientierte an der katholischen Wettanschauung, die ihm, der die schweren Kulturkampfsjahre mit erlebt hatte, Herzenssache ist. Als vor 5 Jahren, gelegentlich seines 75. Geburtstages, von seinen Freunden eine kleine Feier veranstaltet wurde, da sagte er: „Wenn es mir möglich gewesen ist, heute den 75. Geburtstag zu begehen, so verdanke ich das zunächst der Gnade Gottes, welche mir vergönnte, in der Zentrumspartei mitzuwirken.“ Und damals prägte er aus seiner katholischen Ueberzeugung heraus Worte, die auch heute, noch volle Bedeutung gerade für uns Katholiken haben: er sagte u. a.: „Der Geist der Gegnerschaft gegen die katholische Kirche ist in gewissen Kreisen geblieben, darum müssen wir uns als Katholiken zusammenschließen und zusammenhalten. Ich sage, alle Katholiken sollten in der Zentrumspartei vereinigt bleiben, damit es entschlossen und darum stärker u. energischer die katholischen Interessen vertreten kann, nicht in Gegnerschaft gegen andere Auffassungen, aber unsere katholischen Interessen finden in erster Linie in der Zentrumspartei ihren Schutz. Durch das Zusammenhalten der Katholiken in der Zentrumspartei ist sie groß und mächtig geworden, dadurch können wir unseren Einfluß am intensivsten ausüben.“ Wiederholt ist Abg. Herold auf den jährlichen Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands als Redner aufgetreten, in Breslau war er 1909 deren Präsident. Als Vorbild treuester Pflichterfüllung steht heute an seinem 80. Geburtstage der greise Abg. Herold vor uns; er ist fast unverändert geblieben seit Jahrzehnten. Wohl sieht man ihm die Last der Jahre an, aber sie hat ihn nicht gebeugt. Fest und unerschütterlich wie die Eichen seines väterlichen Erbes steht er in der politisch so bewegten Zeit als der gottvertrauende, mutige und unermüdliche Kämpfer in den Reihen derer, denen das Banner mit der Aufschrift: „Mit Gott für Wahrheit, Recht und Freiheit“ voranleuchtet. Möge Gottes Güte ihm noch lange Jahre gesegneten Schaffens schenken. Herold als Vorkämpfer der deutschen Landotrschost im Landage. Von Dr. Felix Porsch, Geheimer Justizrat, Vizepräsident des Preußischen Landtages. Vor einem Monat waren vier Jahrzehnte vergangen, seitdem Landesökonomierat Herold ununterbrochen dem Preußischen Abgeordnetenhause bzw. dem Preußischen Landtage angehörte. Ich hatte die Freude, während dieser ganzen Zeit mit Herold im Landtage zusammen zu arbeiten. Damals kam es für uns darauf an, die Umkehr von dem Wege des Liberalismus durchzuführen. Es war eine große Zeit, in der die gesamte Wirtschaftspolitik grundlegend in neue Richtungen geführt werden mußte. Die Landwirtschaft war nicht zum wenigsten dabei beteiligt. Sie mußte alsbald nach jener Zeit noch die Caprivizeit erleben. Dann kamen die großen zollpolitischen Erörterungen, die auch im Landtag ihre Wellen schlugen, und bei denen Herold schon bald Führer und Vorkämpfer für das deutsche Bauerntum war. Es kamen auf finanzpolitischem Gebiete grundlegende Umwälzungen. Die Miquel'sche Steuerreform wurde in den kommenden Jahren durchgeführt. Die Steuerpolitik der Landwirtschaft, insbesondere die Grundsteuer, erhielt eine ganz neue Basis. Schon in jener Zeit begann Herold den Begriff des Ertragswertes für die Landwirtschaft durchzusetzen, wodurch die steuerliche Beurteilung der landwirtschaftlichen Werte und Erträgnisse in Bahnen geleitet wurde, die heute noch den Bauernstand schützen, und die trotz aller Angriffe immer wieder für den deutschen Bauernstand durch Herold erkämpft sind. Auch diese Tätigkeit liegt in der Richtung der Befreiung vom Liberalismus, um die Bauernhöfe in der Hand ihrer Familien dauernd zu erhalten. Weiter sorgte alsbald Herold dafür, daß er das Anerbenrecht durchsetzte zwecks Festigung der Bauernfamilien auf den Bauernhöfen. Die Hebung der Kreditverhältnisse zur Förderung der bäuerlichen Wirtschaften war in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts eine besondere Sorge Herolds. Zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion wurden erhöhte Staatsmittel bereitgestellt und ein vermehrter Schutz des heimatlichen Viehbestandes gegen Einschleppung von Seuchen aus dem Auslande geschaffen. So ging es weiter bis in die heutige Zeit, insbesondere als in der Nachkriegszeit die Nöte anderer Berufsstände eine besondere Berücksichtigung erforderten und gleichwohl das Interesse aller Berufsstände für die Landwirtschaft herbeigeführt werden mußte. Herolds geschickten und klugen Verhandlungen verdankt der Bauernstand hierbei die Erhaltung seiner Lebensgrundlagen. Wenn man ihm das nur immer und überall warm gedenken wollte! Abg. Herold als Wirtschaftspolitiker. Von Theodor Roeinah, Mitglied des Preuß. Landtages. Die Zentrumsportei feiert heute das dreißigjährige Jubiläum eines Doppelmandatars, Mitgliedes des Reichstags und des Preußischen Landtags, und das achtzigste Wiegenfest unseres verehrten westfälischen Zentrumsführers, des Abg. Landesökonomierats Herold. Daß die Partei alle Veranlassung dazu hat, ein solches in der Geschichte wohl kaum wiederkehrendes seltenes Ereignis gebührend zu begehen, dürfte unbestritten sein, vor allem, weil es sich um einen so verdienstvollen, noch immer hochaktiven Politiker handelt. Ohne Zweifel gehört Abg. Herold zu den führenden politischen Persönlichkeiten, die es verstanden haben, der Parteipolitik seit Jahren ihre persönliche Note aufzudrücken, der er wegweisend Ziel und Richtung gab. Als praktischem Landwirt lag ihm zwar die Vertretung der berechtigten Interessen seines Berufsstandes sehr am Herzen; man hat ihm aber nie den Vorwurf machen können, daß er einsertiger Standespolitiker sei. Er war in richtiger Weise Allgemeinpolitiker. Die Interessen von Voik und Vaterland zu fördern, ist stets der Leitgedanke seiner umfassenden politischen Tätigkeit gewesen. Daß er bei Berätigung seiner Auffassung ein Idealpolitiker werden mußte, ein Mann, der in erster Linie der Verteidiger und Förderer der höchsten Güter der Menschheit wurde, daß so Foctschritte für die Wahrung von Religion, Glaube und Sitte erzielt wurden, ist ein Ertrag der Zentrumspolitik, der ihm in erster Linie zu danken ist. Eine besondere Eigenart seines Wesens gibi ihm auch die Eigenschaften eines jelten klaren Realpolitikers. Abg. Herold hat einen scharfen Blick dafür. welche von den gesteckten Zielen politisch erreichbar sind, und wieweit man sich sein näheres bezw. weiteres Ziel stecken darf. Infolgedessen widerstrebt er allen uropistischen und rein agitatorischen Anträgen und sonstigen politischen Aktioneu und verhielt sich auch in der Partes diesen gegenüber ablehnend. Besonders traten diese seine Eigenschaften in Erscheinung bei der praktischen Ausübung seiner wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Denn, daß ihm auf Grund seiner persönlichen Kenntnisse der wirtschaftlichen Zusammenhänge die Gestaltung der Wirtschaftspolitik besonders gut lag, ist wohl selhstverständlich. Er wußte stets sehr genau, daß man nur eine gesunde Staatspolitik machen kann, wenn man für die ureigensten Belange der Wirtschaft zweckmnäßige gesetzliche Maßnahmen schafft, und daß die einzelnen Zweige der Volkswirtschaft ihrer Wichtigkeit entsprechend sich aneinander anpassen müssen wie die Zahnräder in einem Uhrwerk. Darum prüfte er steis mit klarem Blick, wie weit man auf die Wünsche der einzelnen Wirtschaftszweige eingehen konnte, ohne daß dadurch die Gesamtwirtschaft aus dem Gleichgewicht kam. Interessant ist ein Rückblick auf die politische Betätigung des Abg. Herold zum Schutze der Landwirtschaft in der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Vorausgeschickt möge werden, daß ihm seine westfälischen Berufskollegen seit langen Jahren volles Vertrauen entgegenbringen, eine Tatsache, die hauptsächlich daraus erhellt, daß Abg. Herold in zahlreichen wichtigen landwirtschaftlichen Organisationen Vorsitzender war. Auf Grund seiner hierbei gewonnenen umfassenden Erfahrungen wußte er. was hauptsächlich zur Belebung der landwirtschaftlichen Produktion geschehen mußte, und konnte so die gesetzlichen Maßnahmen entsprechend beelnflussen und gestallen helfen. Sowohl im Reichstag als auch im Preußischen Landtag war Abg. Herold lange Jahre hindurch in den landwirtschaftlichen Fachausschüssen Führer und Ratgeber, selbstredend auch in beiden Fraktionen des Zentrums, wo er seit Johrzehnten als anerkannter Agrarführer gilt. Im Politischen Jahrbuch für 1924 stellt Abg. Universitätsprofessor D. Dr. Schreiber folgendes fest:„In der kurzen Zeitspanne des am 4. Mai 1924 neu gewählten Reichstages war die Zentrumsfraktion für die Landwirtschaft lebhaft tätig. In dieser Richtung wirkte besonders der innerhalb der Fraktion gebildete landwirtschaftliche Ausschuß, der unter dem bewährten Vorsitz des Landesökonomiecats Herold die Anregungen und Wünsche aus den Kreisen der Landwirtschaft zu bedeutsamen Anträgen gestaltete.“ Dasselbe gilt in gleicher Weise für seine Tätigkeit im Landtage. Daß die deutsche Landwirtschaft gegenüber der wesentlich billiger erzeugenden Landwirtschaft des Auslandes nicht konkurrenzfähig ist ohr einen ausreichenden Schutzoll, hat auch Abg. Herold früh erkannt, vor allem zur Zeit der Freihandelsära von Caprivi. Bereits im Jahre 1889 sehen wir ihn unter den zielbewußten, aber immer maßvollen Vertretern einer Schutzzollpolitik. Geradezu von entstheidender Bedeutung war seine Einstellung in den Zollverhandlungen des Jahres 1902, wo er am 20. November in einer Reichstagsrede ausführte:„Wenn wir für erhöhte Zölle aus die notwendigsten Lebensmittel eintreten, so tun wir das, um einem bedeutenden, der Zahl nach bedeutendsten Beruf im Vaterlande den nötigen Schutz angedeihen zu lassen.“ Abg. Herold tritt da auch für die Aufhebung der städtischen Lebensmittelbesteuerung ein:„Derselbe Schutz, den wir den Bauern gewähren beim Einlaß des Getreides, des Viehes in das Land, nehmen wir ihm zum Teil wieder ab dadurch, daß die Städte das Oktroi erheben. Ich glaube, dieser Zustand muß beseitigt werden. Zum Schutze eines wichtigen Produktionszweiges verwirft man die Zölle, man führt sie aber wieder ein als Finanzquelle für die Städte.“ Bekannt sind die Ausführungen des Abg. Herold rom 3. Dezember 1902, die er als Berichterstatter im Reichstag über den Zolltarif machte. Interessant ist, mit welcher Sachkenntnis er alle wirtschaftlichen Materien, auch wenn sie ihm zum Teil persönlich fernlagen, behandelte. Stets trat er für die Aufrechterhaltung der Mindestsätze bei den Betreidezöllen ein. Auch für den Weinbau hatte er lebhaftes Interesse und half ihm zu berechtigten Schutzzöllen. Bei Gestaltung des Zolltarifs im Jahre 1925 trat Abgeordneter Herold wieder sehr aktiv in die Erscheinung und versuchte die Einführung von Mindestzöllen; als das aber nicht zu erreichen war, trat er für ausreichende Autonomzölle ein, indem er betonte, daß man für die bevorstehenden Handelsverträge ein wirksames Regulativ in Form von Autonomzöllen haben müsse, die als Kompensation jeweils gesenkt werden könnten. Hiermit setzte sich Abg. Herold im Reichstag durch. Selbstredend verfolgte er vor allem in den Jahren ab 1925 die Gestaltung unserer Handelsvertragspolilik im Sinne der Stärkung der deutschen Produktion. Dabei setzte er sich auch für den Beterinärschutz so ein, daß alle Staaten vollständige Freiheit haben, um zur Verhütung von Seucheneinschleppung jederzeit die Grenzsperre verhängen zu können. Allgemein bekannt sind die Bemühungen unseres verehrten Landesökonomierats Herold um die Ausgestaltung einer gerechten Besteuerung. So sträubte er sich stets schroff gegen die Bestrebungen einer allzu stark ausgebauten Realbesteuerung und suchte die Idee einer gerechten Besteuerung nach dem Reinertrage und der wirtschaftlichen Leistungstädigkeit zu verwirklichen. Daß die Besteuerung nach dew Ertragswert bei den Steuernotverordnungen nach der Revolution sowohl als auch beim Reichsbewerlungsgesetz erreicht worden ist, wird allgemein als Verdienst des Aba Herold anerkannt. Auch ist es ihm zu verdanken, daß man bei der Umgestaltung der vorkriegszeitlichen preußischen Ergänzungssteuer, für die früher Schätzungsmerkmale, wie Kaufpreissammlung usw. maßgevend waren, für die Bewertungsgrundlage, im Jahre 1924 den Begriff des Ertragswertes hineinbrachte, wie das aus den Bestimmungen des neuen Grundvermögenssteuergesetzes deutlich hervorgehl. Eine Reihe von Anträgen möge seine Bemühungen um die Ertragswertsgestaltung näher beleuchten. Er erteschte dadurch 1925 die Aufstellung von Normalbetrieben für die Steuerveranlagung. Er erreichte, daß auch landwirtschaftlich genutztes Bauland nay dem Ertragswert besteuert wird, daß zu den Werbungskosten auch die Kosten der Zusammenlegung gerechnet werden dürfen, daß Einkünfte aus Vermögenssubstanz nur dann der Besteuerung unterliegen, wenn sie spekulativer Art sind. Ferner hat er durch seinen Antrag 171 erzielt, daß die Vermögenszuwachssteuer bis 31. 12. 1928 außer Kraft gesetzt ist. Ihm hat die deutsche Landwirtschaft ferner zu verdanken, daß sie bei ihrer schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Lage der letzten Jahre von der Hauszinssteuer verschont geblieben ist. Ferner ist wichtig, festzustellen, daß Abg. Herold bei der Weimarer Verfassung gaeholfen hat, die Nowwendigkeit des Schutzes des Eigentums unverrückbar anzuerkennen. Auch möge noch erwähnt werden, daß er stets für die Ausgestaltung der Selbstverwaltung eingetreten ist. Er kritisiert zum Beispiel mit folgenden Worten:„Der Eingriff in die Selbstverwaltung wird immer größer und intensiver derart, daß die ganze Selbstverwaltung fast zu einem Schatten herabsinkt.“ Abg. Herold war stets ein Freund der inneren Kolonisation. Gegen die falsche Vorkriegsvoli ik hat er sich allerdings stets mit Entschiedenheit gewandt:„Die Hunderte von Millionen wären besser nutzbar gemacht in unserem Wirtschaftsleben usw.“ Die jetzige Siedlungspolitik der Reichsund Staatsregierung, die zum Ziele hat, den nicht aufgeschlossenen oder unrationell bewutschafteten Großgrundbesitz des Ostens als Stellen für unsere Bauernsichne aufzuschließen, hat stets seine wärmste Unterstützung gefunden, da er der Ansicht ist, daß Deutschland wiederum ein Bauernland mit möglichst vielen gesunden bäuerlichen Existenzen werden muß. Alle diese Hinweise legen beredtes Zeugnis dafür ab, daß Abg.Herold stets ein energischerWirtschaitspolitiker war und noch heute ist; insbesondere war seine Mitwirkung in der Agcargesetzgebung nicht zu ersetzen. Seiner zielbewußten, geschicklen Taktik hal die deutsche Landwietschaft sehr viel zu verdanke., was leider nicht von allen Berufskollegen immer gebühcend gewürdigt worden ist, Spätere Jahre werden dies noch deutlicher in die Erscheinung treten lassen, und die Anerkennung wird dann nicht ausbleiben. Daß Abg. Herold daneben stets ein Mann des Ausgleiches war, der in erster Linie alle politischen Maßnahmen nach staatspolitischen Erwägungen faßte, braucht nicht nochmals besonders betont zu wecden. Aus diesem Grunde hat man ihn auch als Führer der gesamten Zentrumspartet sleis gern anerkannt; die großen Erfolge unserer Staatsvolltik in den letzten Jahren sind ihm hauptsächlich zu verdanken. Möge er seine segznereiche Tätigkeit in den Parlawenten noch lange Jahre zum Wohle des deutschen Vaterlandee ausüben können! Das ist heute unser Wunsch! Ehrung des Herrn Landesökonomierats Herold durch die Vereinigung der Deutschen Bauerrvereine. Anläßlich seines 80. Geburtstages wurde Herrn Landesökonomierat Herold durch eine Abordnung der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine eine kunstvoll gearbeitete Ledermappe überreicht mit nachstehender Widmung: Herrn Landesökonomierat Karl Herold, Haus Loevelinkloe bei Münster i. W., Mitglied des Reichstages und Preußischen Landtages, zum 80. Geburtstag. Westfälischem Bauerngeschlecht entsprossen, haben Sie, beseelt von tiefer Liebe zur Heimat und Scholle, mit undeirrbarem Wirklichkeitssinn und zähem Wollen sich in vorbildlicher Pflichttreue unermüdlich dem Dienste am deutschen Volke hingegeben. Als der Kampf um die Erhaltung des deutschen Ackerbaues begann, standen Sie bereits in der vordersten Fron des öffentlichen Lebens. Ihre kluge Voraussicht und Ihre frische Entschlußkraft eröffneten der Landwirtschaft wieder den Weg zum Aufstieg. Sie sind Vater der grundlegenden Gesetze zur Erhaltung der deutschen Bauernfamilie, der deutschen Bauernhauses, des deutschen Bauernhofes. Unbekümmert um die Gunst des Tages waren Sie wachsamet und weiser Hüter dieser Kernstücke der deutschen Landwirtschaft. Ihre tiefe Einsicht in die Nöte und Sorgen anderet Berufsstände schuf die Brücke zu einer dem Wohl des Vaterlandes dienenden ausgleichenden Zusammenarbeit aller Volksschichten. An Ihrem heutigen Ehrentage grüßen die deutschen Bauern Sie in tiefer Dankbarkeit. Möge Gottes Gnade auch in Zukunft mit Ihnen sein und Ihre große Kraft dem Bauernstande weiter erhalten, heute, da es gilt, die deutsche Landwirtschaft aus gefahrdrohender Abhängigkeit vom Auslande zu befreien und sie auf neuen Wegen zu neuer Blüte zu führen. Berlin, den 20. Juli 1928. Vereinigung der Deutschen Bauernvereine. Dr. Hermes, Präsident, Weißhaupt, Erster Vizepräsident, Stamersohann, Zweiter Vizepräsident. " Abg. Herold zum Ehrendoktor der Westfalischen Witheims=Universität ernannt. Münster, 18. Juli. Die Philosophische und Naturwissenschaftliche Jakultst der Westfälischen Wilhelms-Universität hat Herrn Landesökonomierat Abg. Herold anläßlich seines 80. Geburtstages in Anerkennung seiner großen Verdienste die er sich um die Jörderung der wesisälischen und der deutschen Landwirtschaft und der Belange der westfälischen Landesuniversität erworden hat. den Titel eines Doktor phil. ehrenhalber verliehen. Das Ehrendiplom haben ihm Seine Magnifizenz der Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität Prosessor Dr. Schöne und der Dekan der philosophischen Jakultät Professor Dr. Ektlinger sowie Professor Dr. Böhmer als Vertreter der Landwirtschaft an der Universität Münster and Mittwoch abend auf seinem Wohnsid Hous Cövelinklos elerlich überreicht. Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxel Nr. 251. Leigtens mnd Potens Anworten auf den Kellogg=Vorschlag. Die Antwort Englands wird Freitag veröffentlicht. chen Ges WDV. Brüssel, auf den Brief des 23. Juni über den 18. Juli.(Tel.) In seiner Antwort gmerikanischen Gesandten Gibson vom untikriegspakt sagt dmister des Auswärtigen, Hymans, u. a. folgendes: Der von der Washingtoner Regierung ausgearbeitete Wortlaut des Vertrages findet die volle Zustimmung der belgischen Regierung, die die in dem Brief enthaltenen Erklärungen und Auslegungen mit Genuginung zur Kenninis almml. Die beigische Regierung ist besonders glücklich, festzustellen, daß der geplante Vertrag die sich aus dem Völkerbundspakt ergebenden Rechte und Verpflichtungen vollkommen aufrecht erhält, die für Belgien die Grundgarantien seiner Sicherheit darstellen. Die Regierung des Königs wäre der Regierung der Vereinigten Staaten kankbar, wenn sie ihr das Datum und den Ort mitteilen wellte, die die für die Unterzeichnung des Vertrages wählen wird. Polens Antwort auf den Kellogg-Vorschlag. WTB. Warschau, 18. Juli. Gestern überreichte der Staatssekretär im polnischen Außenministerium, Dr. Alfred Wysocki, die Antwortnote der polnischen Regierung auf den Abrschlag des Staatssekretärs Keilogg über die Aechtung des Krieges dem Warschauer Gesandten der Vereinigten Staaten, Stetson. In der polnischen Note wird erklärt, daß die im KellogaPast enthaltenen Grundsätze vollständig mit den Zielen übereinstimmen, die die Außenpolitik Polens verfolge. Die polnische Regierung nehme den Text des Paktes an und erkläre sich bereit. ihn zu unterzeichnen. Aus der in der amerikanischen Note vom 23. Juni enthaltenen Interpretation entnehme die polnische Regierung folgende Feststellungen: Erstens, der Pakt schränkt das Recht auf Verleidigung in keiner Weise ein, zweitens, demjenigen Teil, der den Pakt unterschreibt und der die Verwirklichung seiner inter nationalen Interessen durch die Entfesselung eines Krieges herbeiführen wollte, können die sich aus dem Pakt ergebenden Begünstigungen entzogen werden, drittens, zwischen den Bestimmungen des amerikanischen Antikriegspaktes und den Verpflichtungen, die der Völkerbundspakt enthält, besteht keinerlei Widerspruch. Ueberreichung der brikischen Antwort auf die Kellogg-Rote. WTB. London, 18. Juli.(Tel.) Die brikische Note, in der die Zustimmung zu dem Krieasversehmungspakt an Staatssekretär Kelloga zum Ausdruck gebracht wird. wurde heute dem amerikanischen Botschafter überreicht. WTB. London, 18. Juli.(Tel.) Im Unterhause erklärte Chamberlain auf verschiedene Anfragen, er habe heute vormittag dem amerikanischen Geschäftsträger die Antworten der Regierung Großbritanniens, Australiens, Neuseelands, Südafrikas und die Antwort der Regierung Indiens übergeben, in denen die Vorschläge der amerikanischen Regierung für einen vielseitigen Vertrag zum Kriegsverzicht angenommen werden. Die britische Regierung werde glücklich sein, den Vertrag zu der Zeit und an dem Orte zu unterzeichnen, der der Regierung der Vereinigten Staaten angenehm sei. Die Antwort werde am Freitag früh veröffentlicht werden. Er werde aber keine Erklärung über den Inhalt der Antwort vor diesem Zeitpunkt abgeben. Die Vertreter des irischen Freistaates und Kanadas in Washingvon würden ihre eigenen Antworten übergeben, die in einem zünstigen Sinne gehalten seien. Die Antwort der Tschechof lowakei auf die Relloga-Rote. Prag. 18. Juli.(Tel.) Der Minister des Aeußern, Dr. Benesch, erstattete heute im Ministerrat Bericht über die internationale Lage sowie über den Stand der Verhandlungen über den Kellogg=Pakt. Dr. Benesch unterrichtete die Mitglieder des Kabinetts über den Standsunkt der einzelnen europäischen Regierungen zum KelloggPakt und über die geplante Antwort der Tschechoslowakei, die er am Freitag dem Gesandten der Verinigten Staaten Einstein überreichen werde. Sie werde in wesentlichen mit den Antworten Englands, Frankreichs und Deutschlands übereinstimmen und zum Ausdruck bringen, daß die tschechoslowakische Regierung der Unkerfertigung des Kellogg-Paktes zustimme. Vonnerstag, 19. Juli 1928. Der zukünftige mexikanische Präsident Obregon ermordet. Während eines Banketts bei klingendem Spiel erschossen. Der Mörder verweigert jede Auskunft.— Vor neuen Unruhen in Mexiko. England und die Rheinlandräumung. Chamberlain steht einer Rheinlandräumung wohlwollend gegenüber. WTB. London, 18. Juli.(Tel.) Im Unterhaus stellte heute das Mitglied der Arbeiterpartei, Wellock, die Anfrage, ob die britische Regierung das vor kurzem gestellte Ersuchen des deutschen Reichskanzlers bezüglich der Rheinlandräumung erwogen habe und ob sie bereit sei, in wohlwollender Erwägung dieses Ersuchens zu handeln. Chamberlain erwiderte, der deutsche Reichskanzler habe in seiner Reichstagsrede keine ausdrückliche Forderung bezüglich der Räumung des Rheinlandes gestellt, sondern lediglich der Ansicht Ausdruck verliehen, daß das besetzte Rheinland in Anbetracht der bestehenden Verhältnisse noch vor Ablauf des durch den Vertrag von Versailles festgesetzten Zeitpunktes geräumt werden sollte. Die britische Regierung stehe dieser Ansicht wohlwollend gegenüber, aber eine vorz zeitige Räumung des Rheinlandes könne, wie er bereits früher auseinandergesetzt habe, nur auf Grund einer besonderen Vereinbarung zwischen den Besatzungsmächten und Deutschland erfolgen, bei der neben den Besatzungsmächten auch andere Mächte befragt werden müßten. Die britische Regierung sei jedenfalls bereit, etwaige Vorschläge, die von einer an dieser Frage stärker interessierten Seite ausgingen, in wohlwollende Erwägung zu ziehen. Wellock stellte sodann die weitere Frage, ob Chamberlain irgendwelche Initiative ergriffen habe. Chamberlain erwiderte: Ich beschränke mich darauf, den Kern der Frage zu beantworten. Ich glaube nicht, daß ich zurzeit mit irgendeinem Nutzen eine Initiative ergreisen kann. Der Abg. Kirdwood stellte die Frage: Ist der Staatssekretär des Aeußeren nicht bereit, endlich die Rolle des Starken zu übernehmen, der es sich leisten kann, edelmütig zu sein? Ist es nicht für uns an der Zeit, der unseren Friedenswillen zu beweisen, indem wir alle unsere Truppen vom Rhein zurückziehen? Chamberlin erwiderte: Ich habe bereits gesagt, daß ich es zurzeit nicht für zweckmäßig erachte, eine Initialiv## zu ergreisen. Die Zurückziehung der britischen Truppen allein würde die Frage der Rheinlandräumung weder lösen, noch sie einer Lösung näherbringen. Parker Gilbert über das Junktionieren des Dawesplanes. WTB. Paris, 18. Juli. Wie das„Journal“ berichtet, sand gestern eine Sitzung der Reparationskommission und des Transferausschusses statt, in deren Verlauf der Generalagent für die Reparationszahlungen Ausführungen über das Junktionieren des Dawesplones machte. Tanger=Abkommen. Paris, 18. Juli.(Tel.) Die Endunterzeichnung des am Dienstag paraphierten Tanger=Abkommens wurde auf den Wunsch Spaniens, das diesem Akt feierlichen Charakter geben möchte, auf ein späteres noch nicht bestimmtes Datum verschoden und dürfte voraussichtlich in Madrid erfolgen. Das am Dienstag varaphierte Protokoll enthält acht beachtliche Bestimmungen. 1. Die internationale Tanger=Gendarmerie, deren Stärke 400 Mann beträgt und später auf 250 herabgesetzt werden soll, wird von einem spanischen Offizier im Masorsrang defehligt. Die Kosten dieser Truppe teilen sich Pariz und Madrid. 2. In Tanger wird ein französisch=spanisches„Informationsbüro“ eingerichtet, das der Leitung eines höheren spanischen Offiziers untersteht, dem die Aufcade zufällt, die Aufrechterhaltung der Ordnung zu überwachen. 3. Italien deri seinerseits statt bisher drei Deleaierten vier Vertreier WTV. Mexiko, 17. Juli. Der neugewählte Staatspräsident Obregon ist ermordet worden. Obregon hatte sich nach San Angel begeben, um an einem ihm zu Ehren im Labombilla-Restaurant veranstalteten Bankett teilzunehmen. Als er an der Tasel saß, näherte sich ihm der in den 20er Jahren stehende Jean Escapularlo, angeblich, um Obregon Zeitungskarikaturen zu zeigen und feuerte dann aus etwa 30 Jentimeler Entfernung aus einer 4,5 mm-Pistole. Der Mörder wurde sofort nach der Tat verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Ueber die Einzelheiten des Attentats herrscht noch keine Klarhelt. Obregons Leiche wurde anscheinend heimlich nach seiner Wohnung in der Stadt Mexiko gebracht, wo sich nachmittags eine große Menschenmenge ansammelte. Polizei und Soldaten sperrten die Straßen in der Umgebung des Wohnhauses ab. Niemandem wird der Zutrikt gestattet, nicht einmal Beamten. Als der Mörder feuerte, spielte gerade die Kapelle. Viele überhörten infolgedessen die Schüsse und sahen Obregon plötzlich auf seinem Stuhle zusammensinken. Als Obregons Freunde über den Mörder herfallen wollten, um ihn zu lynchen, wurden sie von dem Polizeipräsidenten der Stadt Mexiko daran gehindert, der ausrief: Nein, wir wollen ihn am Leben lassen, um festzustellen, wer dahinter steckt. Präsident Calles ordnete sofort eine Untersuchung unter Mitwirkung der Polizei und Armeebehörden an, um festzustellen, ob der Meuchelmord die Tat eines einzelnen oder die Folge einer tiefgehenden politischen Verschwörung ist. Wie gemeldet wird, dürfte der Mörder bereits in wenigen Stunden hingerichtet werden. Obregon war erst am Sonntag von seinem Heim in Sonora nach Mexiko City zurückgekehrt, wo er eine der größten politischen Kundgebungen der letzten Jahre leitete. Er hatte gestern abend Pressevertretern erklärt, er werde voraussichtlich vor Antritt der Präsidentschaft am 1. Dez. eine Reise nach den Vereinigten Staaten antreten. Nach einer Mitteilung aus dem Hauptquartier Obregons, ist Obregon unmittelbar nach dem Attentat seinen Verletzungen erlegen. Auf Obregon waren bereits in den letzten Monaten verschiedene Attentate verübt worden. San Angel liegt 12 Meilen südlich von der Stadt Mexiko. * General Obregon, der bereits von 1920 bis 1924 Präsident von Mexiko war, wurde am 1. Juli 1928 erneut zum Präsidenten gewählt. Er sollte sein Amt am 1. Dezember dieses Jahres als Nachfolger von General Calles antreten. Obregon war bei der Wahl am 1. Juli als einziger Präsident aufgestellt worden. Er stammt aus dem Indianerstaat Sonora. Im Jahre 1920 stürzte er mit Huerta den Präsidenten Carranza, der Anfang Mai 1920 aus Mexiko fliehen mußte und später in Tlaxclatatongo ermordet wurde. Vorläufiger Präsident wurde damals Huerta. Diesem folgte Anfang September 1920 General Obregon. Von der kommenden Präsidentschaft Obregons erhoffte man vor allem einen Ausgleich in der Erdölfrage mit den Vereinigten Staaten und den Abschluß eines Friedens mit der katholischen Kirche. Obregon war ein Freund des Prästdenten Calles und hatte im Bürgerkrieg einen Arm verloren. Bereits vor einigen Monaten war auf Obregon, als er sich auf dem Wege zu einem Stiergefecht befand, ein Anschlag versucht worden. Obregon wollte sich demnächst nach Europa einschiffen und vor allem auch Deutschland besuchen. Die Beisetzung Obregons. WTV. Mexiko, 18. Juli.(Tel.) Obregon wird wahrscheinlich auf dem kleinen Friedhof seines Wohnsitzes in Sonora beigesetzt werden. Seine Leiche soll mit der Galauniform bekleidet in der Totenkapelle des Nationalpalastes öffentlich auf gebahrt werden. Der Sarg wird mit der mexikanischen Fahne bedeckt sein, die von einer der Frauen seiner Partei angesertigt worden war und am Tage des Amtsantritts Obregons auf dem Nationalpalast gehißt werden sollte. Calles bleibt Präsident von Mexiko. Newyork, 18. Juli.(Tel.) Wie der amtliche Junkspruch aus Mexiko-City meldet, glaubt man allgemein, daß Präsident Calles infolge des Todes seines Nachfolgers auf dem Posten des Präsidenten von Mexiko verbleiden wird. Bestürzung in den Vereinigten Staaten über die Ermordung Obregons. WTV. Washington, 18. Juli. Die Nachricht von der Ermordung des mexikanischen Generals Obregon hat hier tiefe Bestürzung hervorgerufen. Man befürchtet, der Tod Obregons werde innerpolitische Schwierigkeiten in Mexiko hervorrufen und als deren Folge werde erneut eine Spannung in den erst kürzlich wieder in normale Bahnen geleiteten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko eintreten. Präsident Coolidge und Staatssekretär Kellogg sandten sofort herzlich gehaltene Beileidstelegramme an die mexikanische Regierung. Die Zeitungen sprechen die Hoffnung aus, Calles werde die Lage in der Hand behalten. Beileid der deutschen Regierung zum Tode Obregons. Berlin, 18. Juli.(Tel.) Der deutsche Gesandte in Mexico hat dem mexikanischen Präsidenten Calles sofort nach Bekanntwerden des Attentats auf den neugewählten Staatspräsidenten Obregon das Beileid der deutschen Regierung ausgesprochen. Unsinnige Gerüchte über den Täter. Berlin, 18. Juli.(Eig. Drahtbericht.) Kaum ist die Nachricht von der Ermordung des zukünftigen mexikanischen Staatspräsidenten Obregon bekannt geworden, ist auch schon eine gewisse Presse am Werk, diese verabscheuungswürdige Tat auf fanatisierte Katholiken zurückzuführen, die damit erneut ihre Kampfstellung gegen die kirchenfeindliche mexikanische Regierung dokumentieren wollten. Ohne die Spur eines Beweises werden damit Vermutungen ausgestreut mit ganz bestimmten Absichten. Der ermordete General Obregon hat, was gerade auch der„Vorwärts" zugeben muß, seine künftige Herrschaft geradezu auf Blut aufgebaut. Er hat gegen seine Widersacher, deren er habhaft werden konnte, einfach hinrichten lassen, und das Tollste leistete er darin, daß er einen Gegenkandidaten bei der Präsidentschaftswahl kurzerhand erschießen ließ. Dem Bankett, bei welchem General Obregon ermordet wurde, ging die Hinrichtung von hohen militärischen Personen voraus. Es ist also sehr leicht möglich, daß aus diesen Kreisen ein Rächer erstanden ist, ohne daß irgendwelche kirchenfeindliche Beweggründe hier auch nur die geringste Rolle spielen. Jedenfalls zeigt dieser Vorgang wieder, wohin eine Regierung kommt, die so sehr die Grundsätze der Gerechtigkeit und Moral mißachtet, wie das gegenwärtig in Mexiko geschieht. Mit dem mexikanischen Volke, das treu zu uns steht, empfinden wir das tiefste Mitgefühl, und wir möchten wünschen, daß diesem schönen und wirtschaftlich so wertvollen Lande alsbald wieder eine Führung zuteil wird, die sich die Ruhe und wirkliche Befriedung Mexikos zu eigen macht. E. erhessgrich, fondern wosch in dierser Perstnütchten Damit schließt die Beweisaufnahme. wird eine Pause bis 3 Uhr eingelegt. Der Antrag des Staatsanwalts. Im Hein=Prozeß beantragte heute nachmittag erster Staatsanwalt Leimer nach längerem Plädoyer wegen Mordes in drei Fällen dreimal die Todesstrafe, wegen Mordversuches in zwei Fällen eine Zuchthausstrafe von 15 Jahren, ferner Aberkennung der bürgerlichen Ehren. rechte auf Lebenedauer. 69 Todevurtell gegen hein. WTV. Koburg, 18. Juli.(Tel.) Im Prozeß gegen den Raubmörder hein wurde gegen ½10 Uhr abends das Urteil gefällt. Hein wurde zweimal zum Tode und zu 16 Jahren Zuchthaus verurleill, außerdem zu den üblichen Rebenstrasen, der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. in die gesetzgebende Versammlung entsenden. 4. Den neugeschaffenen Posten eines„beigcordneten Verwalters“ in der Justizverwaltung wird Italien erhalten. 5. Die Finanzlage bleibt den Engländern vorbehalten, während das Hygienewesen einem Spanier unterstellt ist. 6. Der gemischte Gerichtshof wird in Zukunft auch einen italienischen Richter haben. 7. In ganz außergewöhnlichen Fällen kann die italienische Marine aufgefordert werden, sich mit ihren Streitkräften an der Ueberwachung des Kriegsmaterialschmuggels zu beteiligen. 8. Als letztes Zugeständnis hat man schließlich Italien das Recht zuerkannt, auf dem Fuße der Glechberechtigung an allen öffentlichen Arbeiten in der Tangerzone mit seiner Industrie und ihren Arbeitern teil zunehmen. Die deutsche Reichsbahngesellschaft im Juni 1928. " WTB. Berlin, 18. Juli.(Tel.) Nach dem heute veröffentlichten Bericht der deutschen Reichsbahngesellschaft über die Verkehrslage im Juni ist der Güterverkehr im Berichtsmonat zurückgegangen. Der erwartete Verkehrszuwachs infolge des Austalle; der Rheinschiffahrt ist nicht eingetreten. Der Personenverkehr hat der Jahreszeil entsprechend zugenommen. Die letzten Tage des Monats brachten aus Anlaß des Ferienbeginns regen Verkehr. Insgesamt wurden im Juni 5920 außerplanmäßige Züge gefahren, immerhin 5368 Züge weniger als im Juni des vorigen Jahres. Die Einnahmen der Reichsbahn betrugen im Mai dieses Jahres 415,1 Millionen, die Ausgaben beliefen sich insgesamt auf 440,9 Millionen Reichsmark. Zur Ausgleimung der Differenz mußten dem Vortrag von 1927 weitere 26 Millionen entnommen werden. Für den Dienst der Reparationsschuldverschreibungen ist die Zahlung an den Generalagenten rechtzeilig geleistet worden. Der Personalstand betrug im Mai 1928 einschileßlich der Zeit= und Aushilfsarbeiter 708 248 gegenüber 694 511 im April 1928. Aufsehenerregende Verhaflung. WTB. Zweibrücken, 17. Juli. Der Polizeikommi ssar Franz Bauer wurde heute abend durch einen ranzösischen Gendarmen auf die französische Gendarmeriestation beordert. Von dort wurde er in einem geschlossenen Auto unter Bedeckung in der Richtung Landau abtransportiert. Ueber die Gründe der Verhaftung ist noch nichts bekannt. Zur Verhaftung des Polizeikommissars Bauer aus Zweibrücken verlautet, daß die Franzosen, nachdem sie im Zweibrückener Flaggenprozeß die deutschen Polizeibehörden schon der fahrlässigen Untersuchungsführung bezichtigt haben, Bauer deshalb verhaften, weil sie in ihm denjenigen sehen wollen, der die Kiarstellung des Sachverhaltes verdunkelte. Deutsch=polnisches Kommunigus zur Grenzzonenordnung. WDB. Berlin, 18. Juli.(Tel.)(Amtlich.) Gelegentlich der Wiederaufnahme der Unterhandlungen zwischen den Bevollmächtigten für die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Polen und Deutschland, die am 10. September dieses Jahres in Warschau beginnen sollen, sind der deutschen Seite authentische Zusicherungen dahingchend gegeben worden, daß die polnische Grenzzonenverordnung eine allgemeine Maßnahme darstelle, die in keiner Weise gegen die Angeyörigen irgendeines Staates also auch nicht gegen die deutschen Staatsangehörigen gerichtet sei und daß sie auch nicht in einem solchen Sinne gehandhalst werden. * Die von polnischer Seite in dem deutsch=polnischen Kommuniqué zur Grenzzonenverordnung gegebenen Zusicherungen sind von erheblicher Bedeutung, denn wie man auch immer über die Grenzzonenverordnung und ihre Bestimmungen denken mag, es unterliegt keinem Zweifel, daß durch die amtliche Erklärung die polnische Regierung jede Möglichkeit ausschließt, etwa einseitig die Bestimmungen der Grenzzonenverordnung gegen deutsche Reichsangehörige anzuwenden. Im übrigen wird es Aufgabe unserer Unterhändler sein, bei den Verhandlungen über das Niederlassungsrecht Garantien zu schaffen. Max Hölz aus der Hast entlassen? BB. Berlin, 18. Juli.(Tel.) Der Ferienstrafsenat des Reichsgerichts hat, wie die„Vossische Zeitung" erfährt, unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Arndts in Sachen Max Hölz gemäß dem Haftunterbrechungsantrag der Verteidigung einen Beschluß gefaßt, nach dem der Verurteitte ohne Verzug mit Strafunkerbrechung aus der Stoafanstal; Sonnenburg enklassen werde. Das eingeleitete Wiederaufnahmeverfahren geht unabhängia hiervon weiter. Das„Berliner Tageblatt“ meldet: Nach dem Wortlaut des Amnestiegesetzes hätte Max Hölz dieser Tage vom Zuchthaus Sonnenburg in ein Gefängnis überführt werden müssen, um dort den Rest der durch die Amnestie auf 7½ Jahre festgesetzten Freiheitsstrafe zu verbüßen. Nunmehr soll aber eine andere Entscheidung unmittelbar bevorstehen. In längeren Konferenzen, die gestern im Reichsjustizministerium gepflogen wurden, hat der Verteidiger auf die Undurchsichtigkeit der juristischen Lage des Falles hingewiesen, daß eine offenbar materiell nicht mehr gerechtfertigte Strafe aus formalen Gründen weiter vollstreckt werde, weiter darauf. daß die Gesundheit von Mar Hölz unter den Erregungen der letzten Zeit stark gelitten hat. Es ist anzunehmen, daß daraufhin im Reichsjustizministerium eine andere Entscheidung getroffen worden ist. Raubmörder Hein zweimal zum Tode verurteilt. Der dritte Tag des Mordprozesses hein. B03. Koburg, 18. Juli. Im Verlaufe der heutigen Sitzung wurden die Sachverständigen vernommen. Als erster führte über den Geisteszustand Heins Medizinalrat Dr. Hartig(Koburg) aus: Hein war arbeitsam und allgemein beliebt. Sobald Larm in Jena erschien, änderte sich das ganze Wesen des Hein. Larm ist affektlabil. Er ist ein fanatischer Hasser der Polizei. Es ist möglich, daß er auf Hein einen unheilvollen Einfluß ausgeübt hat. Hein ist leidenschaftlicher Sportliebhaber, kein Trinker und kein Raucher. Er hat sich lassen. Hein hat mir a fort, daß er hittere von Larm beinflussen sesagt, so fährt der Sachverständige in Pranskraster Afiete„Neue über seine Taten empfinde. Ein kranthäftel Affert liegt bei Hein nicht vor. Ich schließe bei Hein Geisteskrankheit, krankhafte Affekte und Haftpsychose aus. Ich schließe die Voraussetzungen des§ 51 in ollem Umfange aus. „osgrurtur Dr. vouem Amfunge aus. Der zweite Sachverständige Medizinalra: Kunze erklärte, daß er ein von dem ersten Sachverständigen in wichtigen Punkten abweichendes Bild erhalten habe. Er habe niemals ein Geständnis von Hein bekommen. yein hade bestimmt behauptet, er stehe von einem Rätsel und könne sich über die Taten keine Erklärung machen. Hein habe weiter gesagt, daß auch von Reue keine Rede sein könnte. Eine infantile Persönlichkeit ist Hein sicher nicht. Das Leben Heins war völlig normal bis zum Eintreffen Larms in Jena. Wie weit Hein dem Einfluß Larms unterlegen ist, das zu beurteilen wäre nur berechtigt, wenn man pathologische Ursachen annähme. In dem Augendlick, wo hein zum Verbrecher geworden war, und ein starkes Maß keimineller Energie zeiale, sind die Taten nicht mehr Neueste Nachrichten. Massentodesfälle beim Baden. WTB. Breslau, 18. Juli.(Tel.) Das Baden in der freien Oder hat in den letzten Tagen insgesamt 15 Opfer gefordert. In ganz Schlesien haben innerhalb weniger Tage 25 Personen den Tod durch Ertrinken gefunden. Eröffnung des drahklosen Telephonverkehrs zwischen den Vereinigten Staaten und der Schweiz. WTB. Bern, 18. Juli.(Tel.) Heute nachmittag ist der drahtlose Telephonverkehr mit Nordamerika eröfinet worden. Bundesrat Scheurer begrüßte den schweizerischen Gesandten in Washington und gab seiner Genugtuung über die neuen Verkehrsmöglichkeiten zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten Ausdruck. Sodann wurde die Verbindung mit dem schweizerischen Konsulat in Newyork hergestellt. Die Verständigung war aut. Tonking durch einen Wirbelsturm verwüstel. WTV. Paris, 18. Juli. Wie Havas aus Hanol berichtet ist Tonking durch einen heftigen Wirbeisturm verwüstet wor. den. Besonders stark litten die Städte Hanoi und Haiphon. Der Dampfer„Caplay“ fuhr während des Unwetters in der Mündung des Sonkambac auf einen Jeisen auf. In der Nacht explodierte ein kessel des Dampfers, und das Schiff ging unter. Von den 250 Jahrgästen sollen die meisten gerettet worden sein. Auch der Flußdampfer„Diamanl“, ist gekentert. Dabei ertranken 20 Anamiten. Die Freilassung der amnestierten Autonomisten. WTB. Paris, 18. Juli.(Tel.) Wie Havas aus Colmar berichtet, haben gestern abend um 10 Uhr Rosse, Schall und Faßhauer das Gefängnis verlassen. Eröffnung des Pmendentunnels. WTV. Paris, 18. Juli.(Tel.) Heute vormittag wurde auf dem spanischen Grenzbahnhof Canfranc in Anwesenheit des Königs von Spanien und des Präsidenten der französischen Revublik der Pyrendentunnel von Somport feierlich eröffnet, der zwischen den Städten Pau und Saragossa die erste nicht unter Umgehung der Pyrenäen hergestellte französisch=spanische Eisenbahnverbindung schafft. Bei einem anschließenden Frühstück hielten der König Alfons und Präsident Doumerque längere Ansprachen, in denen sie die Gemeinsamkeit der von beiden Völkern verfolgten Ziele betonten. König Alfons unternahm hierauf mit dem Präsidenten eine Fahrt auf der neuen Strecke bis Froges d'Abel, dem ersten Ori auf der französischen Seite des Tunnels. Der Präsident wird heute wieder nach Paris zurückreisen. Amtsankritt des neuen deutschen Gesandten in Reval. WTB. Reval, 18. Juli.(Tel.) Staatspräsident Tonissor empfing heute den neuen deutschen Gesandten Dr. Schröt. ter zur Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens. Das Hilfswerk des„Krassin“. WTB. Moskau, 18. Juli.(Tel.) Der Eisbrecher„Krassin" lief heute nacht nach Kingsbay aus, nachdem er das Flugzeug Tschuchnowskis, das einer Reparatur unterzogen worden war, an Bord genommen hatte. Auf der Fahrt nach Kingsbay traf der„Krassin" den Dampfer„Braganza“, übergab ihm die zur Hilfeleistung für Tschuchnowski entsandte Ski=Mannschaft und nahm einen italienischen Arzt an Vord. Der„Krassin" arbeitet sich mit großer Mühe durch das Packeis durch. Stäbtisches. Münster, 19. Juli. a Otto Keinath Mitglied des Reichswirtschaftsrates. Wie uns der Verein der Kaufmannschaft zu Münster mitteilt, hat der Reichswirtschaftsminister Herrn Otto Keinath, das Geschäftsführende Präsidialmitglied des Reichsverbandes des Deutschen Groß= und Ueberseehandels unter dem 12. Juli d. J. als Arbeitgebervertreter des Handels als Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates einberufen. Referendarprüfung. Vor der Prüfungskommission Vor der Wirtschaft Schultmann, Neustraße, wurde am 17.7. folgende Rechtskandidaten der Universität Münster die erste juristische(Referendar=) Prüfung bestanden: Bubenser aus Bornhausen(Kreis Gummersbach), Fritz Erhart aus Hamm, Heinrich Knost aus Osnabrück und Ludger Kühle aus Coesfeld. * Die dreitägige Diözesan-Konserenz kathol. Standesführer, die vom 7.—10. Juli im Kettelerheim stattfand, war mit etwa 50 Delegierten aus der ganzen Diözese gut beschickt. Die einzelnen Bezirke hatten Männer entsandt, die wirklich führend im Leben stehen. Aeußerst anregend waren die Vorträge über unsere moderne Sozialversicherung, die von Fachreferenten der Oberversicherungsämter und der Landesversicherung gehalten wurden; sehr eingehend und fruchtbar waren auch die stundenlangen Aussprachen über Unklarheiten, gewünschte Verbesserungen usw. Sicherlich wird dieser erste Teil des Kursus gerade für die Beratung der versicherten Mitglieder äußerst segensvoll sein. Der zweite Teil handelte über Bodenreform, Siedlung und Klein=Wohnungsbau, ein Thema, das gerade heute für unser Volk und Velksleben von allergrößter Bedeutung ist; auch rein seelsorglich, weil eben so viele Seelsorgsarbeit erfolglos bleibt angesichts der überaus traurigen Wohnungsverhältnisse so vieler Menschen. Die kath. Verbände haben daher seit etwa zwei Jahren einen eigenen Verband Wohnungsbau(Sitz M.=Gladbach) errichtet, der die Aufgabe hat, Siedlung und Wohnungsbau in jeder Weise zu fördern. Wir Katholiken machen uns aus verschiedensten Gründen unsere besonderen Gedanken, wie sie eben aus unserem Glauben und Familienideal sich von selber ergeben. Daher ist die Gründung eines besonderen Verbandes Wohnungsbau sehr zu begrüßen. Gott Dank, sind tüchtige Facharbeiter und Referenten gewonnen worden, sodaß wir mit Vertrauen dem großen Unternehmen begegnen dürfen. Es ist überaus erfreulich, daß die kath. Arbeitervereine der Diözese Münster in den letzten Jahren bereits ungefähr eintausend Wohnungen in eigenen Bauvereinen fertig gebracht haben. Weich ein Segen für ebensoviele brave kath. Familien, die nun n einem Eigenheim, meistenorts sogar in einem Einfamilien= häuschen mit Garten usw. in Licht und Luft ein glückliches katholisches Eigenleben entfalten können. Möchte man doch baldigst in allen Bezirken, auch auf Pastoral= und DekanateKonferenzen überlegen, wie in der Siedlungs= und Wohnungsfrage überall in echt christlichem Geiste gearbeitet werden kann. Der Verband Wohnungsbau wird gern renten stellen. Es ließe sich bei verständnisvoller, wohlwollender Zusammenarbeit der christlichen Teile anseres Volkes überall in der Diözese gerade heute ungeheuer viel in dieser eminent wichtigen Sache erreichen, wenn nur von fachkundiger Hand die richtigen Wege gezeigt werden. Würde man dach in allen Pfarreien mit Gott und gutem Mute A A A 3 A4 A15 Nr. 251. Westfälischer Merkur Verall ans ür Werk gehen und in echt christlichem Geschoffen zum Segen für Kirche und Vaterihlung. Auf die öffentliche Mahnung der tadthauptkasse in dieser Nummer zur Zahlung der in der sekanntmachung aufgezählten Steuern und Schulelder usw. werden die säumigen Zahlungspflichtigen onders hingewiesen. Wegen der nicht unerheblichen hosten empfiehlt es sich, umgehend die Rückstände zu bebleichen Die Abgabe einer Steuererklärung für die Gewerbesteuer nach dem Gewerbekapital für 1928 hat inherhalb von 14 Tagen nach Empfang eines Vordrucks zu heschehen.(Näheres slehe Im Anzeigenteil dieser Nummer.) * Der amtliche Verkauf von Eisenbahnfahrkarten aller Art, auch Sonntagsrückfahrkarten findet außer der Bahn uuch im Lloyds Reisebüro H. Coenen, Ludgeriaße 91 statt(bisher im Verkehrsverein). * Straßensperrung. Wie die Polizeiverwaltung im Anzeigenteil der vorliegenden Ausgabe bekannt macht, ist die Wienburgstraße von der Melchersstraße bis zur Ringstraße wegen Kanalisationsarbeiten vom 17. Juli bis zum 1. September d. J. gesperrt. Die Sperrung und Umleitung ist durch Schilder angezeigt. * Samstag Eröffnungsvorstellung des Zirkus Gleich. Ganz überraschend kommt Riesenzirkus Gleich, der soeben sein Gastspiel ankündigte, schon am kommenden Samstag pach Münster, wo er auf dem Hindenburgplatz seine Zeltstaot errichten und noch am gleichen Abend die Eröffnungsvorstellung geben wird. Gleich demonstriert mit dem Aufhau seines Unternehmens eine erste, ganz ungewöhnliche technische Leistung: er kommt am Samstag früh an, beginnt mit dem Ausladen seiner drei Sonderzüge unmittelbar und vollendet den Aufbau binnen 8 Stunden— ein Schauspiel, das anzusehen sich unbedingt verlohnt. Das Gastspiel in Münster ist nur auf sechseinhalb Tage berechnet und wird am Freitag, 27. Juli, nachmittags schon wieder beendet sein. Eine Verlängerung wird, wie uns die Direktion mitteilt, unter keinen Umständen erfolgen, da das ungewöhnlich umfangreiche Reiseprogramm grundsätzlich nicht geändert werden kann. Der Kartenvorverkauf beginnt schon vor Eintreffen des Zirkas am kommenden Freitag im Zigarrenhaus Engelkamp am Prinzipalmarkt. Ein schwerer Radfahrerunfall ereignete sich am Dienstag gegen 21 Uhr auf der Habichtshöhe. Eine Dame, die die ruhige Habichtshöhe zum Lernen des Radelns benutzte, wurde das Opfer des wilden Rennfahrens der Jugend auf der Habichtshöhe. Zwei Jungens, die wieder mal ein Rennen veranstalteten, sahen nicht die ihnen entgegen kommende Radlerin und einer von ihnen prallte in voller Fahrt mit der Radlerin zusammen. Beide Fahrer stürzten zu Boden. Während der Radler sich gleich wieder erheben konnte, blieb die Radlerin besinnungslos klegen und mußte von hilfsbereiten Nachbarn in ihre nahegelegene Wohnung getragen werden. Der Radler kam mit leichteren Verletzungen davon. Dagegen erlitt die Radlerin ernstere Verletzungen und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Räder gingen vollständig in Trümmer. Es wäre gut, daß die Polizei sich die„Rennen“ auf der Habichtshöhe einmal ansehen würden und diesem wilden Jagen Einhalt geböte. ( Ein plötzlicher Tod ereilte gestern nachmittag einen jungen Radfahrer auf der Frauenstraße. Das Pferd eines der Vorreiter des durch die Stadt ziehenden Festzuges schlug plötzlich aus und traf den neben dem Reiter fahrenden jangen Mann in die Herzgegend. Er fiel vom Rade und war nach einigen Augenblicken tot. Die Leiche wurde In ein anliegendes Haus gebracht. Jahrraddiebstahl oder Verwechselung der Räder. Vor der Wirtschaf Schulmann, Neustraße, wurde am 17. Juli gegen 18 Uhr ein Fahrrad Marke W. K. C. Nr. 119 415 entwendet. Schwarzer Rahmen, grün gestreifte Felgen. An Stelle des entwendeten Rades wurde ein fast neues Rad Marke Torpedo Nr. 397046 vorgefunden. Auch dieses Rad ist mit schwarzem Rahmen und grün gestreiften Felgen versehen. Die Schelle trägt die Firmenbezeichnung Gerhard Ruhr, Sterkrade=Buschhausen. Möglicherweise liegt eine Verwechselung der beiden Räder vor. Die Eigentümer wollen sich auf Zimmer 55 der Kriminalpolizei melden. * Jestnahme eines Fürsorgezöglings. Ein Fürsorgezögling, welcher unter falschem Namen bei einem hiesigen Händler einige Zeit beschäftigt und nach Unterschlagung von 300 Mark flüchtig war, konnte infolge vei eingesetzten Fahndung durch die Kriminalpolizei in Mainz zur Festnahme gelangen.— Festgenommen wurden zwei Personen wegen Vergehens nach§ 175 R. Str. G. B. * Bergung einer unbekannten männlichen Leiche. Am 18. d. M. vormittags gegen 7 Uhr wurde im DortmundEmskanal, in Höhe der alten Militärschießstände an der Loddenheide, eine männliche Leiche gesichtet und alsbald geborgen. Die Person des Toten steht nicht fest, es wurden keinerlei Ausweispapiere bei demselben vorgefunden. Anscheinend hat die Leiche längere Zeit im Wasser gelegen, denn die Verwesung ist schon weit vorgeschritten; das Gesicht stark gedunsen und schwarz angelaufen. Beschreibung des Toten: Alter etwa 35 Jahre, 1,75 Meter groß, kräftig, dunkelblond graugemischtes Haar, hohe Stirn, blaue Augen, kleine leicht ausgebogene Rase(sogenannte Stülpnase), mittlere etwas abstehende Ohren und vollständige Zähne. Der Tote war bekleidet mit blauer Joppe, grauer Cord=Brecheshose, blau karriertem Hemd, grauen Socken und Wadenstrumpfen und schwarzen Schnürschuhen. Die Leiche weist keinerlei Verletzungen auf und kommt zweifelsohne Selbstmord in Frage. Bestärkt wird diese Annahme dadurch, weil der Tote an seinem Leibriemen, nach Befestigung durch die Knopflöcher des Rockes, einen ca. 10 Pfund schweren Stein trug. Sachdienliche Mitteilungen nimmt das Krim.= Kommissariat 1 entgegen. Donnerstag, 19. Juli 1928. Provinzielle Nachrichten. Stadtlohn, 17. Juli. Gasexplosion. Hier ereignete sich in sieben Häufern eine Gasexplosion. Infolge des arken Gasdruckes waren eine große Anzahl Gasuhren zerstört und hatte Explosionen hervorgerufen. Der größte Schaden wurde bei dem Eisenhändler Schäfers angerichtet. Von den beiden Schaufenstern wurden die beiden Flügelfenster vollständig zertrümmert. Die Wucht der Explosion war so stark, daß von den zertrümmerten Schaufenstern sozusagen kein Glassplitter im Rahmen blieb. In der Küche wurde alles durcheinander geworfen. In einem gegenüberliegenden Geschäft wurde das ganze Schaufensterinventar in den Laden geschleudert. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt; man nimmt an, daß der Gasdruck zu stark gewesen und dadurch die dünne Wandung gesprungen ist. Glücklicherweise sind bei den verschiedenen Explosionen keine Menschenleben zu beklagen. O Essen, 17. Juli. Jur Ausweisung des Kritikers Dannenberger aus dem Stadtthealer Bochum. Wir registrieren folgende Tatsachen: Die„Rhein.=Westf. Ztg.“ berichtet aus Bochum: Der unter dem Pseudonym Erik Reger schreibende Schriftsteller Dannenberger wurde gestern während der Bochumer Faust=Aufführung durch Polizei aus dem Theater verwiesen. Im Einverständnis mit der Stadtverwaltung machte der Intendant, wie ein Zeuge des Vorfalls berichtet, ven seinem Hausrechte gegen Rege: Gebrauch. Die Ursache ist nicht näher bekann:. Ganz zweifellos hängt sie mit den unaufhörlichen, maßlos heiabsetzenden u. beleidigenden Schreibereien zusammen, die Dannenberger öffentlich gegen das Stadttheater Bochum erscheinen läßt. In diesem Zusammenhang interessiert die Tatsache, daß der g, der Essener Presse kürzlich in einer Volngung, ver Vertreter aller Zeitungen und Richtungen beiwohnten, einstimmig eine Erklärung abfaßte, nach der keine Mitglieder es unter ihrer Würde hielten, auf die persönlichen Beleidigungen Dannenbergers einzugehen. Zu diesem Vorfall schreidt uns Herr Dannenberger:„Der Theaterkritiker Erik Reger wurde am Sonntag während der Faust“=Aufführung im Bochumer Stadttheater aus dem seater gewiesen, obwohl er im Besitz seiner vollbezahlten Marte war. Der Grund ist dar 10. Deutsches Sängerbundfest in Wien. Die neuerrichtete riesige Sängerhalle im Flaggenschmuck. 6 8 Prof. Wohlgemut=Leipzig, der Festdirigen: Architekt Rupprecht, Friedrich List=Berlin, der Erbauer der monumentalen, der Präsident des deutschen . Sängerhalle Sängerbundes Hundertfünfzigtausend kengesfrohe Männer und Frauen werden in der österreichischer Bundeshauptstadt aus allen Gauen Deutschlands zur festlichen Einweihung der neuerbauten Wiener Sängerhalle und zum 10. Deutschen Sängerbundfest erwartet. Die Zusammengehörigkeit aller deutschen Stämme und die Liebe zur einigen deutschen Nation wird aus allen Liedern der riesenhaften Sängerschar herausklingen. Das Bekenntnis zum deutschen Liede wird zu einem Bekenntnis zum deutschen Volke. Eintrittsk Der Grund ist darin zu suchen, daß leger wiederholt an der Spielplangestaltung der Vereinigten Bochum= Stadttheater gur Klärung an=Duisburg Kritik geübt hat. Reger hat der prinzipiellen Frage, ob die Freiheit der Kritik auf solche Weise unterbunden werden darf, gerichtliche Entscheidung gegen die Stadtverwaltung Bochum beantragt.“ WTB. Aachen, 17. Juli. Blultat eines Zigeuners. In dem holländischen Grenzort Sittard gerieten Wirtsleute mit einem Zigeuner in Streit, da ihm ein Eimer Wasser verweigert worden war. Plötzlich zog der Zigeuner einen Dolch und versetzte der Frau einen Strich in den Hals und verletzte auch den Mann schwer. Die Frau brach tot zusammen. An dem Aufkommen des Mannes wird gezweifelt. Der Täter stellte sich später der Polizei. Akademisches Sportfest in Münster. Heiß war es wieder am Mittwoch. Doch obwohl die Sonne ihre Strahlen in voller Kraft herniedersandte, fand der Festzug der Akademiker eine sehr starke Beteiligung. Wieder gab es das belebte, malerische Bild, als die Korporationen und Verbindungen mit ihren Chargierten in vollem Wichs von der Johannisstraße, am althistorischen Rathaussaale vorbei nach dem akademischen Sportplatz an der Wilhelmstraße zogen. Den imposanten Zug eröffnete die akad. Reiterabteilung. Die Spitze der Verbindungen bildete die Sauerlandia. Neben der Viegenerschen Kapelle stellte sich auch das flotte Orchester des Paulinums in den Dienst der Sache. Unter klingendem Spiel betrat der Zug den Sportplatz um vor der Terrasse des Klubhauses Paradeaufstellung zu nehmen. Der zeitige Rektor, Professor Dr. Schöne, hielt eine herzliche Begrüßungsansprache. Der Körperpflege und den Leibesübungen, so erklärte er, drängt sich heute die akademische Jugend mit Ueberzeugung zu. 1100 Studenten, davon 300 Damen, haben in diesem Sommersemester in voller akademischer Freiheit an den Uebungen auf unserem Sportplatz teilgenommen. In Freiheit soll diese Bewegung wachsen und mit der Zeit die ganze Studentenschaft erfassen. Mir als Rektor liegt daran, heute zu betonen, daß für uns an der Universität nicht die Höchstleistungen maßgebend sind, sondern die gute Durchschnittsleistung einer möglichst großen Zahl Studierenden, das Est es, um deswillen die ganze Bewegung gefördert wird. Ohne Wettbewerb aber gibt es auch das nicht. Darum sage ich, in diesen Kämpfen, die heute ausgefochten werden, gibt es nicht Sieger und Besiegte, es gibt die Sieger von heute und die Sieger von morgen und übermorgen. Es liegt mir am Herzen, noch allen denen ein Willkommen zu sagen, die als Schüler des Paulinums durch das Orchester unseren Zug unterstützt haben. Die studentische Teilnehmerschar rückte wieder ab und es begannen die Sportkämpfe. 100 Meter=Lauf. 1. Korbach(Akad. Abtig. des S. C. Münster 08) 11,3 Sek. 2. Hungerberg(Akad. Abtig. Preußen 06) in 11,6 Sek. 3. Müller(S. S. Preußen 06). 8 mal ½ Rundenstaffel für Korvorationen. 1. Osning 3 Minuten 43.6 Sek.(Neue Hochschalbestleistung. 2. Alemannia 3,45,5. 3. Westmark 3.49. 4. Wingolf. Mit 10 Meter Vorsprung gewonnen. Der Staffelwechsel war teilweise sehr schlecht. Obwohl ein Läufer Osnings nach dem dritten Wechsel einmal stürzte, konnte doch der Sieg glatt sicher gestellt werden. 4 mal 100 Meterstaffel. 1. S. C. Münster 08 45.1 Sek. (Neue Hochschulbestleistung). 2. S. S. Preußen 1 46,3. 3. Preußen U. Preußen verlor nur durch schlechten Stabwechsel beim dritten und vierten Mann. Im Weitsprung stellte Uhlenbrock(S. C. Preußen) mit 6,24 Meter einen neuen Rtord der Hochschulen auf. Olympische Staffel. 1. Münster 08 346,1(Neue hochschulbestleistung). 2. Preußen 06 3,55,5. Großem Interesse begegneten dann die Kämpfe auf den verschiedenen Spielfeldern. Es traten an im Handball: Westmark gegen Alemannia und Germania gegen Rhenania. Im Jauslball Guestfalia gegen Osning, im Schlagballspiel Sauerlandia gegen Wingolf. Die Verkündigung der Sieger in den Meisterschaftskämpfen der Universität in der letzten Zeit erfolgte durch den Prorektor Professor Dr. Lux. Der Senat hat für die Fußballmannschaft unserer Hochschule, die dreimal hintereinander die westdeutsche Hochschulmeisterschaft gewann, einen prachtvollen Ehrenpreis gestiftet. Die beste Gesamtleistung erzielte in diesem Jahre die Akademische Abteilung des Sportclubs Preußen 06. Zweiter wurde S. C. Münster 06, der bisher geführt hatte. Professor Lux sprach der Studentenschaft und den Studentinnen für das glänzende Ergebnis namens der Universität den herzlichsten Dank aus für die ernste sportliche Arbeit, die getrieben worden sei. Der Sport soll ihnen ein Lebensbedürfnis werden und sie zu kraftvollen Gestalten heranbilden. Besonders herzüchen Dank zollte Redner dem Sportlehrer Dr. Wagner, der in unermüdlicher und opferbereiter Weise die Ausbildung der Studentenschaft im Sport übernommen hat.(Ledhafter Beifall.) Auch diese sei ihm dankbar für die Führung im Sport. Erfreulicherweise ist auch die akademische Reiterabteilung wieder aufgeholt, die durch ihre übungen auf einem Seitenfelde erfreute. Sie wird auch an den Wettkämpfen in Berlin teilnehmen. Herzliche Dankesworte widmete Professor Lux zum Schluß der Unterrichtsverwaltung, dem Kuratorium und den Förderern der Gesellschaft der Universität, vor allem dem Dreigestirn, den Generaldirektoren Vögler und Toyka und Professor Dr. Hoffmann.(General= direktor Toyka war auf der Terrasse des Eigenheims neben Professor Hoffmann anwesend.) Des Prorektors Worte klangen aus in ein Hoch auf die Sieger und Siegerinnen. Hieran schloß sich das Fußballspiel der Hochschule Aachen gegen die Universität Münster. Die Münsteraner zeigten sich. hedeutend überlegen. Mit 4:1 ging es in die Halbzeit. unser. gewann verdient mit 9:3. Jugendkraft. Besuch in der Reichslehrstätte der Deutschen Jugendkraft. Der Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Dr. Diem, folgte am Dienstagnachmittag einer Einladung der D. J. K. Reichslehrstätte Münster. Zunächst besichtigte Dr. Diem die am vergangenen Sonntag eingeweihte Sportplatzanlage der Saxonia(Münster), die er infolge ihrer Verbindung von Sportplatz und Jugendheim einzigartig und vorbildlich nannte. Mit großem Interesse nahm er die Ausführungen des Vorsitzenden der Saxonia, Kaplan Schepers, über die Selbsthilfe der Saxonia wie auch über die gemeinsame Unterstützung der Pfarreingesessenen auf. Anschließend erfolgte die Besichtigung der Reichslehrstätte an der Grevenerstraße. Dr Diem wohnte längere Zeit de der Arbeit der anwesenden Kursisten bei. Auf die Begrüßungsworte des Reichslehrstättenleiters Oberturnlehrer Behre antwortete Dr. Diem in längeren Ausführungen, in denen er auf die hohe Aufgabe der Deutschen Jugendkraft hinwies, dem deutschen Sport den Weg zu weisen zu einer sittlichen Zielsetzung. Am Abend verbrachte Diem noch längere Zeit im Kreise der Münsterischen Jugendkraftführer, um dann weiter zu fahren zur Olympiade nach Amsterdam. Handeis-Nuchrionten. Devisenkurse. Berlin, 18. Juli.(Telegramm.) Telegraphische Auszahlungen für: Stimmungsbild der Berliner Börse. Freundlichere Tendenz. WTB. Berlin, 18. Juli.(Tel.) Damit auch die andere Seite mal wieder zu ihrem Rechte kommt, ist die Tendenz der heutigen Börse freundlicher. Man bebt, da man es gerade braucht, die günstigen Momente stärker hervor und läßt die Motive, die vielleicht eine Mißstimmung hervorrufen könnten, unbeachtet. Der leichtere New Yortser Tagesgeldmarkt und der festere gestrige Börsenverlauf veraalaßten die Spekulation zu Deckungen, zumal neue Entlastungsverkäufe nicht beobachtet wurden. Die ersten Freigabezahlungen, die jetst eine Bestätigung erfahren haben, lenkten die Aufmerksamkeit erneut auf die eogen. Freigabewerte, die Erwartungen der kommenden Reparationsverhandlungen, der Zusammenschluß in der Zementindustrie unter Mitwirkung der Ostwerke, die Wiederaufnahme der DeutschPolnischen Handelsvertragsverhandlungen, waren einige der angegebenen Haussemomente. Auch der Reichsbankausweis ist zu erwähnen, der aber geteilte Aufnahme fand, da die Wechsel-Eatlastung mit 62 Millionen und die Lombardzusahme um 16 Millionen und die Verminderung des Betrages der umlaufenden Noten um 201 Millionen ebenso wie die Besserung der Deckung um etwa 2—3 Prosent nicht den Erwartungen entspreche. Bei ruhigem Geschäft lagen die ersten Notierungen —4 Proseet lester. Nebenwerte waren allerding, aur wenig verändert. Kaliaktien, Textilwerte, Schullbeiß, Ostwerke und Polyphon hatten Gewinne bis au 15 Prozent aufzuweisen. Anleihen lester, Ausländer geschäftelos, Pfandbriefmarkt vernachlässigt. Geld wieder eher etwas leichter. Tagesdeld 7—9 Prozent, Monatsgeld 7,75—8,75 Prozent, Warenwechsel ca. 7 Prozent. Auch im Verlaufe lebhafter und fester, wobei Elektrowerte, besonders Schlesische B-Gas(plus 5 Prozent) und Im Zusammenhang damit Dessauer Gas plus 2 Prozeat, Banken, Karstadt, Berger und I. G. Farben bevorzugt waren. Salzdethfurt, Tietz ruhig, aber 4 Prozent über Anlang. Für Farben regte ein zu erwartender Amerikaprospekt an. Man verwiee auf den weiteren Rückgang des Dollars unter die 4,19 Grenze und wollte von englischen Geldangeboten wissen.— Der Kassamarkst hatte nicht einheitliche Tendenz, die Kurse konnten aber überwiedend etwas anziehen. Lindström notierten 29 Prosent niedrißer. Unter kleinen Schwankungen blieb die Tendenz bis zum Schluß vecht freundlich, für Spezialwerte sehr fest. Im Durchschnitt 1—2 Prosent über Anfang, schlossen Spezialpapiere bis 10 Present lester. Bemberg plus 17 Prozent. Schlusskurse der Berliner Börse. Eigener Drahtbericht des Westfälischen Merkur. Ablös.-Schuld 5% Westf. Kohle 6# Westf. Roggen 74 Westf. Landb. Prov.-Goldani 8% Westi Prov.Feingold 7% Westf. Pfdbr. Anl Hauserdst. 3% Westf. Ldsch. Goldpfandbr. 6% Westf. Ldsch. Dollar Gold Engelhardt Dortm. Aht.-Br. Dortmund. Union Düsseldort. Höfel Schultheiß Patzh. Accumulat.-Fabr. Adler-Werke Alexander-Werke Allg. Elektr.-Ges. Allg. B. Omnibus Anglo-Cnt.-Guano Anhalter Kohlen Ankerw. Bielefeld Annener dußstahl Aschaffenb. Zellst. Augsb-N. Masch. Bamag Beroper Welzw. Basalt A-G. Lins J. B. Bemberg CerlBerg, Eveking Bergmenn Elektr. Berlin-Gub. Hutf. Berlin-Karlsr. Ind. Berliner Maschin. Bochum. Gußstahl Bösperde Walzw. Braunk. u. Brikett Brem. Bezigseim Bremer Vulkan Bremer Woll-ind. Buderus Eisenw. Busch, Lüdensch. Calmon Aebest Charlottenb. Wass. Chem. I. Geisenk. Cont. Cautschuck Daimler Motoren Dessauer Gas D.-Luxb. Bergw. Deutsche Kabel Deutsche Kallw. Deutsch Linoleum Deutsche Maschin. Deutsche Reichsb. Deutsch.Spiegelgl. D. Ton- u. Steinz. Dresd. Gardinen Dürkoppwerke Dynamit A. Nobel Egestorff Salz Eisenwerk Kraft Elitewerbe Eschweiler Bergw. Ess. Steinkohlen Farben-Ind. A.-G. Felten Guilleaume Friedrichshall Kell Gelsenk. Bergerk. " Gußstahl Genschow& Co. Germ.Portl.-Cem. Gerresh. Glshütte Ges.für el. Untern. Gladbach Wollind. Th. Goldschmidt Gothaer Waggon Hackethal Draht Hamburg. Elektr. F. H. Hammersen Hann. Masch. Eges. Hbarurger Gummi Harpener Bergbi Hartm. Sächs. M. Hirsch Kupfer Hoesch Stahlwerke Humboldt Masch. Reichsbankausweis. Nach dem Ausweir der Zeichsbank vom 14. Juli bat sich die gesamte Kapitalanlage in Wechseln und Schecks, Lombards und Effeklen um 46.3 Mlll. auf 2330.0 Mill. RM. verringert; im einzeinen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 62.2 Mlll. auf 2242.0 MIll. RM. und die Bestände an Reichsschatzwechseln um 1.0 Mill. auf 0.1 Kinl. RM. abgenommen, während die Lombardbestände um 16.7 Mill. auf 42,9 Mill. RM. angewachsen sind. Die Anlage in Effekten, ist mit 94,0 Mill. RM. unveräadert geblieben. An Reichsbanb. noten und Rentenbankscheinen zusammen sied 206.2 Mill. RN. in die Kassen der Bank zuröckgeslossen. Der Umiauf an Reichebanknoten verminderte sich um 201.7 Pfill, auf 4225,6 MIll. RM., derjenige an Restenbankscheinen um 4.3 MIll. auf 531.8 Nlfl., RM. Demeatsprechend sind die Bestände der Reichsbank an Rentenbackscheisen auf 32.8 Mill. RM. gestiegen. Die kremden Gelder zeigen eine Zanahme um 124.6 Mlll. auf 358.4 Mill. R. Die Bestände an Gold und deckungstäbigen Derisen zuiameen sind mit 2327,3 Mill. RM., im einzelnen die Goldbestände an 2127,3 Mill. RM., die Bestände an deckungsfähigen Devises#n 200.1 Mill. RM. ausgewiesen. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 47,6 Prozeal in der Vorwochs auf 50.3 Prozent, die Deckung durch Gold und deckungsfählge Devisen von 53.0-Prozent auf 53,1 Prozent. * Anleihe der Stadt Hagen I. Westi. Ein Konsortium unter Führung der Firmen Gebr. Arnhold, Dresdea-Berlis, und Commern- und Prival-Bank A.-G. hat von der Stadt Hagen eine Sprez., auf Feingoldbasis lautende Anleihe in Höhe von 4 Mill. RM. übersommen, die demnächst sur Zeichnung aufgelegt werden soll. Dem Konsortium gehören ferner folgende Firmen an Barmer Bankverein Hinsberg, Fischer& Co., Düsseldorf, Ban & Herz, Frankfurt a. M., Ciro-Zentrale Hannover, Hardy& Co., G.m.b.H., Landesbank der Provinz Westialen in Münster. Osnabrücker Bank, Oesabrück, S. Resbert& Co., Hagen I. Wirtschaftsbank für Niederdeutschland A.-G., Hannover. * Dieris conira Hammersen, in der neuen Klageschrift Dr. Netters als Anwalt der Dieris-Gruppe, die bekanntlich auch gegen die Bilanz der Hammereen A.-G. für das Jahr 1927 Protest eingelegt und die Anfechtungsklage erhoben hat, wird zunächst die Richtigkeit der Anwesenheitsliste in der letzten H.-V. bestritten, weil weder die 4.2 Mill. RM. vom Barmer Bank-Verein für die Gesellschaft verwalteten Aktien noch die Aktien der Holding-Gesellschaft des Hammersen-Kenzerne, der Deiag, erkenntlich waren. Maa habe die Aktien durch Strohmänser vertreten lassen, um damit die Beschränkung des Stimmrechte zu umdehen, der eie als an die Weisung der Verwallues gebundene Aktien zu unterließen hatten. GleichP. MrOtm!! Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxe A 3 A 2 A Nr. 281. Westsälischer Merkur. Donnerstag, 19. Juli 1923. seilig wird die Frage aufgsworien, ob überhaupt ein H.V. Beechluß über eine Bilans angängig ist, die sich auf eine vorjäheige Bilanz aufbaut. Neben diesen theoretischen Ausführungen beschäftigt die Klageschrift eich mit den bekannten Beschwerden über Unzulänglichkeiten des Berichts, der z. B. die bekannten Vorgänge mit den S Mill. RM. Konsortial-Aktien, deren Begebung nachträglich geändert werden mußte, nicht enthielt. Schließlich erörtert der Bericht die Beschwerden, die in der H.-V. zu den einzelnen Bilanzpositionen vorgebracht wurden. * Zeichnungsergebnis. Die Zeichnungen auf die an der Amsterdamer Börse eingeführten Stammaktien der Vereinigten Kork-Industrie A.-G., in Höhe von 2 Millionen RM. sind in solchem Umiange eingelaufen, daß nur ein geringer Prozentsatz zugestellt werden kann. * R h e i n i s c h- W e s t f ä l i s c h e G e t r e i d e- K r e d i t- A.- G., D u l s b u r g Münster, Duisburg. Das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr hat laut Mitteilng von maßgebender Seite ein derart zufriedenstellendes Ergebais gebracht, daß mit mindestens Vorjahrsdividende(8 Proz.) zu rechnen ist. Eine Dividendenerhöhung ließt durchaus im bereiche der Möglichkeit. Die Umsätze haben eine nicht unbeträchtliche Steigerung erfahren, und entsprechend ist der Reingewinn, der im Vorjahre 80000 Mk. betrug, weiter gestiegen. * S e k t k e l l e r e i E w a l d u. C o. A.- G., R ü d e s h e i m a m R h e i n. Neuer Verlustabschluß. Der Abschluß der Gesellschaft, deren Aktienmehrheit bekanntlich nach dem Uebergang von der zur Martin-Sternberg-Gruppe gehörigen Frankfurter Verkehrs- und Hotelbetriebs-A.-G. an ein Konsortium unter Führung von Hugo Asbach in Rüdesheim übergegangen ist, legt nunmehr den Abschluß für 1927 vor. Danach erfuhr zwar der Rohgewinn eine Erhöhung auf 333 245(1. V. 243 112 RM. zuzüglich 33013 RM. sonstige Einnahmen) RM., jedoch stiegen die Handlungs- und Betriebsunkosten weitaus stärker auf 470617 (Handlungsunkosten 202 597 RM., Betriebsunkosten 42 665) RM., so daß der aus dem Vorjahr übernommene Verlust von 19427 RM. wieder eine Erhöhung auf 156 799 RM. erfahren hat, nachdem es im Vorjahr möglich gewesen war, den Fehlbetrag aus 1925 von 30290 RM. auf den genannten Vortrag zu ermäßigen. * A.-G. für Baumwollindustrie, Bocholt. Die Gesellschhft schließt das abgelaufene Geschäftsjahr nach Abschreibungen in Höhe von 2959 Mk. mit einem Verlust von 963 Mk. ab. * Stillegung einer Emmericher Margarinefabrik. Bei der zum Van den Bergh-Konzern gehörigen Margarinefabrik Dr. Max Bömer-Emmerich ist sämtlichen Arbeitern und Angestellten gekündigt worden; die Fabrik soll zum 1. April stillgelegt werden. Im vorigen Jahre ist bereits die Emmericher Margarinefabrik van Rossum des Konzers Jurgen u. Prinzen stillgelegt worden. * Neuer Aufsichtsrat bei der Oldenburger Margarinewerke A.-G. In der a. o. H.-V. wurde mitdeteilt, daß sich der gesamte Aufsichtsrat in seiner letzten Sitzung entschlossen habe, wegen des Mehrheitswechsels sein Amt niederzulegen. Auf Vorschlag wurden dann von der Versammlung folgende Herren neugewählt: Fabrikdirektor Neef(J. Thörls Vereinigte Harburger Oelfabriken A.-G.), Harburg-Wilhelmsburg, Bankier J. F. Schröder (J. F. Schröder-Baak, K. C. a. A.)., Bremea), und Kaufmana Ferkel 19—-23, 8-10 Wochen alte Ferkel 25-33,10—12 Wochen Ernst Possel(Verband deutscher Oelmühlen, e. V.), Hamburg, alte Ferkel 38—50. Der nächste Markt findet statt am 23. Juli. * Oenabrücker Nutz. und Zuchtviehmarkt vom 18. Juli. (Tel.) Auftrieb: 382 Rinder, 1084 Ferkel. Preise: Kühe In Mllch und tragende Kühe: a) 500—630, b) 450—500, c) 350 bis 400, d) 250—300; traßende Rinder: a) 360—460. b) 300—360, c) 250—300, d) 200—250; Ferkel: Pfund in Lebendgewicht 0.30 bis 0.48; 6—8 Wochen alte Ferkel 8—12, 8—13 Wochen alte 12 bis 16: Läuferschweine: 17—27. Der Handel mit Rindern war langsam, mit Ferkein ziemlich langsam. Nächster Markt 23. Juli. Loerer Zucht- und Nutzviehmarkt vom 18. Juli.(Tel.) Auftrieb: 627 Stück Großvich, darunter 30 Kälber, 125 Stück Kleinvich. Marktverlauf: Auswärtige Käufer ziemlich zahlreich vertreten. Handel schleppend. Preise: Hochtragende frischmelke Kühe, erste Sorte 650—750, zweite Sorte 550—650, dritte Sorte 350—475; hoch- und niedertragende Rinder 300—600; jährige Bullen 250—600; 1—2jährige jüste Rinder 150—350; Zuchtkälber, 2 Wochen alt 30—60; Ferkel bis 6 Wochen alt 9 bis 12; Ferkel 6—8 Wochen alt 12—16; Läuferschweine 20—45; Schafe 30—45. Der nächste Markt findet statt am 25. Juli 1928. * H u s u m e r F e t t v i e h m a r k t v o m 1 8. J u l i.( T e l.) A u f t r i e b: 585 Stück Rindvich, 110 Schafe und Lämmer. Handel: sehr träge. Preise: Ochsen, Quienen: a) 55—59, b) 50—55, c) 46 bis 50: Kühe: a) 43—53, b) 42—46, c) 35—41, d) 18—30; Schafe: a) 48—52, b) 43—49; Lämmer: 55—60. * Hamburger Schweine- und Kälbermarkt vom 17. Juli. (Tel.) Auftrieb: 1206 Schweine, 11 091 Kälber. Preise: Schweine: a) 63—64, b) 64—65, c) 65—66, d) 58—63; Sauen: 53—58; Kälber: a) 77—85. b) 65—75, c) 54—64, d) 36—46. Der Handel war ruhig: beste Tiere wurden über Notiz bezahlt. * Berliner Schlachtviehmarkt vom 18. Juli.(Tel.) Auftrieb: 1212 Rinder, darunter: 268 Ochsen, 247 Bullen, 697 Kühe und Färsen, 2295 Kälber, 5517 Schafe, 10727 Schweine; 183 Auslandschweine. Preise: Ochsen: c) 54—57, e) 48—52, f) 42—46; Bullen: a) 53—54, b) 49—51, c) 46—48, d) 43—45; Kühe: a) 42 bis 46. b) 32—38, c) 24—28, d) 18—21; Färsen: a) 56—58, b) 50 bis 53. c) 41—46; Fresser: 34—44; Kälber: b) 65—73, c) 48—62, d) 32—45; Schafe: b) 54—56, c) 47—52, d) 40—47, e) 35—43, 0) 25—30; Schweine: a) 67, b) 67—69, c) 68—70, d) 66—68, e) 62 bis 65; Sauen: 60—63. Marktverlauf: Bei Rindern langsam, trotz Ueberstand; bei Kälbern in guter Ware glatt, sonst ruhig; bei Schafen lustlos, großer Ueberstand; bei Schweinen ruhig, Stimmungsbild vom Berliner Gstreidsmarkt. Sehr schleppendes Geschäft. WTB. Berlin, 18. Juli.(Tel.) Vom Auslande konnte der heutige Markt Anregungen nicht erhalten und das Geschäft entwickelte sich sehr schleppend. Die Cifofferten für Brotgetreide waren besonders für Roggen erneut im Preise rückgängig. Auslandsgetreide alter Ernte wird in den Forderungen kaum verändert genannt, findet jedoch nur vereinzelt Käufer. Roßten neuer Ernte soll von der Küste zur Deckung für August-Lieferung gefragt sein, da man die Ware zur Erfüllung von Exportabschlüssen benötigt. Bemerkenswert ist, daß bereits Offerten für neuen Roggen für Juli-Lieferung ohne Nachfrist aus der Mark vorliegen, die natürlich ein Aufgeld bedingen. Das Mehlgeschäft ist sehr still, die Verkäufer zu Preiskonzessionen geneigt. Hafer ist weiter schwach, für sehr gute Qualitäten zeigt sich jedoch bei gedrückten Preisen wieder einiges Interesse. Neue Wintergerste hat weiter schwieriges Geschäft. Am Lieterungsmarkt für Weizen waren die vorderen Sichten rückgängig, die späteren dagegen dehalten. Der Roggen-Lieferungsmarkt war allgemein etwas ruhiger, die Herbstsichten gingen um etwa 1 Mark zurück. Die zu heute angedienten 30 Tonnen Weizen wurden als kontraktlich erklärt. Amtliche Berliner Produktenpreiss. WTB. Perlin, 18. Juli.(Tel.) Weizen, märk. 247-249, Juli 258.5—258, Sept. 257.5, Okt. 257,5, Der. 260—259, ruhig: Rotten, märk. 257—260. Juli 267, Sept. 244—244,5, Okt. 244.75, Dez. 246.5, ruhig; neue Wintergerste 207—215; Hafer, märk. 238 bis 249, Juli 254 u. G., beh.; Mais, loco Berlin 250—253, ruhig; Weizenmehl 30.25—33,9, matt: Roggenmehl 34.75—36,9, matt; Weizenkleie 15—15,1, schwächer: Melasse 15.9—16,1; Rosgenkleie 17—17,1, schwächer: Viktoriaerbsen 45—60; kleine Speiseerbsen 35—40; Futtererbsen 25—27; Peluschken 27—29; Ackerbohnen 24—26; Wicken 27—30; Lupinen, blaue 14—15.5; Lupinen, gelbe 16—17; Rapskuchen 18.8—19; Leinkuchen 22,1 bis 23.8; Trockenschnitzel 17.25; Soyaschrot 20.9—21,9; Kartoffelflocken 25,5—25,8. Allgemeine Tendenz: ruhig. Magdeburger Zucker. WTB. Magdeburg, 18. Juli.(Tel.) Innerhalb 10 Tagen 25.62½—25,87½; Juli 26; Autust 25.87½—26,15. Tendenz: ruhig. Wetter: heiß. Vishmärkte. * Dortmunder Zucht- und Faselviehmarkt vom 18. Juli. (Tel.) Auftrieb: 631 Stück Großvich, 191 Schweine, 21 Kälber. Der Handel war in guten Tieren schleppend, beste Tiere über Notiz. Preise: Kühe: 325—635; Rinder: 250—500. Am Schweinemarkt war der Handel sehr langsam. Preise: 6—8 Wochen alte Baumwolls-Hotisrungen. Amerikanische Produktenpreiss. Chieage, 18. Juli.(Telegr.) Getrelde. Schlußpreise. Weizen Juli " Sept. " Dez. Mais Juli Sept. Dez. Oeffentliche Aufforderung zur Abgabe einer Steuererklärung für die Gewerbesteuer nach dem Gewerbekapitel für 1928. I. Eine Gewerbekapitalsteuererklärung ist abzugeben für alle gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen, die im Veranlagungszeitraum(seit dem 1. April 1928) in Münster I. W.= Stadt Betriebsstätten unterhalten haben oder noch unterhalten. Die Steuererklärungen sind von dem Inhaber des Betriebes abzugeben. II. Alle hiernach zur Abgabe der Steuererklärung Verpflichteten werden aufgefordert, die Gewerbekapitalsteuererklärung unter Benutung eines der beiden übersandten Vordrucke„Muster 37“ innerhalb 14 Tagen nach Zustellung bei dem Vorsitzenden des Gewerbesteuer=Ausschusses für den Stadtkreis Münster i. W., Handelshof. Sondikatplatz Nr. 7, einzureichen. Der zweite Vordruck kann als Entwurf verwandt werden. Die Steuererklärung ist schriftlich einzureichen oder mündlich dem Vorsitzenden des zuständigen Gewerbesteuer=Ausschusses. Handelshof. Syndikatplatz Nr. 7. gegenüber abzugeben. Die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung ist vom Empfang eines Vordruckes zur Steuererklärung nicht abhängig. III. Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, kann mit Geldstrafen zur Abgabe der Steuererklätung angehalten werden; auch kann ein Zuschlag bis 10 v. Hd. des festgesetzten Steuergrundbetrages auferlegt werden. IV. Die Hinterziehung oder der Versuch einer Hinterziehung der Gewerbesteuer nach dem Gewerbekapitel wird bestraft. Auch ein fahrlässiges Vergehen gegen die Steuergesetze (Steuergefährdung) wird bestraft. Münster, den 17. Juli 1928. Der Vorsitzende des Gewerbesteuer=Ausschusses für den Veranlagungsbezirk Münster=Stadt. Leistungstählge Vigognespinnerei Sachsens. Spezialität hochklassige Garne, sucht bestens eingeführten Vertreter für das Münsterland. Gefl. Angebote unter L. C. 16 an Rudolf Mosse, Grimmitschau erbeten. Für m. Bügeleisen-Untersats selbsttät. schaltend— Strom sparend— Ia Verkaufsart., suche Vertreter f. Privatkundsch. mögl. Kolonnen, guter Verdienst. Mk. 200.— s. Lagerhaltg. erw., jed. nicht Beding. Routin. Verkäuf. melde sich bei 31 Max Winter, Stuttgart, Wilhelmsbau. Technikun Jlmenau i. Thür. Ingenieurschale für Maschinenhau und Elektrotechnik. Wissenschaftliche Betriebsführung. 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Siles De Korolande, Suite.— Widors Serenade.— Lehart ap d Ferpsls9t; Potv. 6 21.10: Unterdrechung durch das InterDef.„Hiuaskandidat.„Komödie in drei Aufzügen von Hans Müner=Schlösser. Pers.: Kaspar Brinkmein, Kanzlist; Sophie, seine Erau; Mariechen, seine Tochter: der Bürgermeister; Pingeler, Kamiit kers; Klütsch;, ie Handlung spi# nschi.: Meldunge dungen. vorsteyer; Hadernaa; Bläsgen u. Kamps, Kanzlisten; der Grapsch: Mandelberg, Geschäftsinhaber; Dr. Kickers: Klütsch: Zapfjunge; der Stadtschreiber; ein Briefträger. Die 6 innerhalb zweier Tage in einer kleinen Stadt. Ansch Tanzmusk.= Ansch. Deutsche Welle. Freitag, 20 Juli. 6: Gymnastik# 12; Stud.=Rat Dr. John u. Frau O=hana=San. o 15: Prof. Dr. Dietrich: Rheumatismus als Volksirankheit. 15.35: Wetter und Börse. O 16: Dir. Eisner: Der Beruf des Schneiders. v 16.306 W. C. Comoll: Land und Leute in der Krim. o 17: Leipug: Ouvertüren und Fantasien. 6 18: Dr. Arnd Jessen: Die öffentlichen österreichischen Finanzen und der Anschluß. 18.30: Pros. Dr. Vierkandt: Macht und Verantwortung. O 18.55: Reg.=Gewerberat Dr. Preller: Techn. Lehrg. f. Facharbeiter und Werkmeiste 19.20: Vortrag für Aerzte. m 20.30: Wien: Uebertr. d# 10. Deutschen Sängerbundesfestes in Wien. Schubert=Ehrung. schl.: Berlin: Pressenachrichten. Hauptredakteur: Theoden Warnede. Verantwortlich für den politischen Teil: Th. Warnecke: für Haudel. Lokales und Provinzielles: Dr. Haus Kock; für Feuilleton, Kunst und Wissenschaft: IDr. Heinz Bause; für Anzeigen u. Reklamen: Max Peuten, Vmtich n Bünker. auch Sonntagsrückfahrkarten erhalten Sie zu bahnamtlichen Preisen im: Bioga Heischute u. Cochen jetst: Ludgeristraße 91 (bisher Verkehrsverein) nach Lourdes und Rom. a) XX. Lourdes(Spanienreise) v. 3.—18. AugBerlin, Koblenz, Trier, Paris, Lisieux, Lourdes, Einsiedeln, Stuttgart, Berlin. b) XII. Rom(Sizilienreise) vom 10.—30. Septbr. Berlin, Stuttgart, Einsiedeln, Genua, Rom, Neapel, Sizilien, Florenz, Venedig, Bozen, München, Berlin. Späterer Anschlus u. früherer Abgang mit Fahrgelderlaß. Prospekte gratis durch die Geschäftsstelle 1es Berliner Pilgerkomitees(Gegr. 1900) Berlin W. 62, Keithstr. 11. Ruhe und Erholung finden Sie in der neuzeit lich eingerichteten Fremdenpension Friedens höhe. Gr. Garten, Liegewiese. Prosp. durch Jos. Bretholt Augustanmeldung schon heute erbeten. „ Esergeshohenam MReeresstrultaf! ist die Sonne besonders stark und beilkräftig. Aber sie ist nicht ganz ungefährlich für die Haut. Es sei denn, daß Sie vorbeugen, gnädige Frau, und Ihren Teint bei Sport und Spaziergang durch 72711° Matt-Creme schützen, bei Sonnenbädern und vor der Nachtruhe 7711“ Cold Cream gebrauchen. heißen Tagen weiß die Dame ½711“-Pflege besonders zu schätzen. Nur echt mit der ges. gesch. 74711“ und dm blaur goldene Hauffarben. 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Die Wienburastr. von der Melchersstraße bis zur Ringstraße wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten vom 17. Zull bis zum 1. Septemb. ds. S. für Fahrzeuge aller Art — mit Ausnahme der Fahrräder— gefperrt. Die Umleitung erfolgt über Melchersstr.— Kinderhauserstraße— Coerdeweg. Auf die Sperrung und Umleitung wird durch Schilder hingewiesen. Münster, den 16. Juli 1928. Die Polizeiverwaltung reisen sicher, schnell, billig und angenehm mit der Holland-Amerika Linie Rotterdam-New Tork Rotterdam-Canade Rotterdam-Cuba-Mexico Deutsche Bedienung. Vorzügliche holländische Küche. Fahrpläne, Prospekte durch Reisebüro M. bückertz., Hünster Ludgeristraße 12. RINDENBURGPLATZ- TELEF. 20000 UNDUPPGANP eb Freitag, 20. Juli cr. Im Zigerrenhaus NUnannnhat Engelkamp, Prinzipalmarkt, Tel. 21 992. Bekanntmachung. Zahlungspflichtige, welche mit d. nächstehend aufgeführt. Steuern u. Schulgeld. im Rückstande sind, werden hierdurch aufgefordert, die Rückstände innerhalb 3 Tagen zu zahlen. andernfalls diese im Wege d. Verwaltungs zwangsverfahrs. eingezogen werd. Diese öffentliche Mahnung tritt an die Stelle der Einzelmahnung. Es sind fällig gewesen: a) für den Monat Zull Grundvermögenssteuer, Hauszinssteuer. Schulgeld für die Westf. Musikschule. b) für das I. Vierteljahr: Schulgelder für die böheren und mittleren Schulen. Schulgelder für die Fachschulen. Arbeitgeberbeiträge für die Berufsschulen, Hundesteuer. Münster, den 15. Zuli 1928. Stadthauptkasse als Voltstreckungsbehörde. Möbliertes, gut eingericht. Fimmer(PE) in nur gutem Hause mit voller Pension von junger Dame zum 1. August gesucht. Off. unter K. 6936 an den Westf. Merkur, Münster. Seefische in großer Auswahl Räucherfische Fischkonserven Lebende Forellen Lebende Schleie Lebende Krebse Matiesheringe Kaviar Salate, Mayonaise empfiehlt täglich frisch Neubrückenstraße 2 Fernruf 20 197. Nach Köln p. 15. Aug. 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Kahlow, einer unserer bewährtesten Flugzeugführer, übernimmt die Führung. Bald darauf schwebt der Riesenvogel in der sonnendurchfluteten Luft, schraubt sich immer höher und höher. Ueber die Ruhr geht es und bald ist Düsseldorf in Sicht. Der Rhein begleitet lange das Flugzeug. Köln. Dort die gigantischen Domtürme, die Riesenbrücken, die gewaltigen Häuserkomplexe. Kurzer Aufenthalt und dann geht es in direktem Fluge nach Paris, über die Maas, nach Lüttich; vor uns Kamur, weiter nach Belgien, über die Oise und Somme. Einen unvergleichlich schönen Anblick bietet das Ardennengebiet. Gewitterschwangere, schwefelgelbe Gewitterschwaden ommen uns in rasendem Tempo entgegen. Es wird fast bunkel. Regen und Hagel peitschen gegen das schwankende Flugzeug. Nach längerer Zeit wird es wieder licht und hell. Es geht an Laon vorbei, an der Aisne, Soisson; Kampfgebiet an Kampfgebiet, vereinzelt noch Spuren von jenem gewaltigen Ringen. Drei Stunden sind verflossen. Aus weiter Rec- uer berichenr bcht grier wrshnzen ünf Minuten, bis man an diesem Wahrzeichen des Pariser Fluaplatzes kommt, und bald darauf glatt und sicher landet. Le Bourget. Die Kabinentür wird aufgerissen und man betritt französischen, Boden, um nach kurzen Formalitäten im Kraftwagen die Fahrt nach dem Innern der Weltstadt anzutreten. Ein steigendes Crescendo. Die Straßenzüge werden immer dichter, die Häuser immer höher und gigantischer. Der Verkehr wächst von Minute zu Minute und es dauert nicht lange, bis man inmitten dieser beispiellosen Ueberfülle von Licht ist. Im Herzen von Paris! * 9, du unvergeßlich köstlicher Sommerabend! Die Luft geht mild. Die durchleuchteten Bäume zeigen zartes, frisches Grün. Ueberall Farbe. Glanz Rhythmus, der das Ganze durchpulst, dieses fabelhafte Gebilde, das sich Paris nennt, die Stadt einer zweitausendjährigen Kultur. Das Leben und Treiben auf den Poulevards, der beispiellose Verkehr, der sich so reibungs= und hemmungslos abwickelt., Die endlosen Stuhlreihen vor den Restaurants, besetzt mit einer unabsehbaren Menschenmenge. Boulevard Montparnasse, die„Rotonde“, jenes berühmte BohemeCafé, dicht gefüllt mit einer abenteuerlichen Gesellschaft, Boulevard des Capucines, Café de la Paix, das man vielleicht nicht so ganz mit Unrecht den Treffpunkt von Europa genannt hat. Hier herrscht im allgemeinen erhebliche Eleganz vor. Vor ihm entwickelt sich ein Verkehr, wie man ihn sich lebhafter nicht denken kann. Nach der Place de[’Opera und der großen berühmten Avenue staut sich der Verkehr immer mehr. Drüben der Boulevard des Italiens. Allüberall Menschenmengen, die die köstlichen Stunden des Sommerabends genießen wollen. Alles getaucht in Licht und Farbe, alles durchklutet von einem Rhythmus, der etwas Mitreißendes hat. Keine Geschmacklosigkeiten an Lichtreklamen, wie etwa am Broadway in Newyork. Keine Aufdringlichkeiten, kein unnötiger Lärm. Herrlicher, unvergeßlicher Sommermorgen an der Seine, über die sich so zahlreiche Brücken schwingen. Ein köstliches Blau durchzittert die Luft. Ein Stadtbild von unerhörter Großartigkeit tut sich auf. Hier die Place de la Concorde, mit ihren gewaltigen Ausmaßen, ihren Skulpturen, der Ueberfülle monumentaler Bauten, die ihn umsäumen. Hier die Deputiertenkammer, dort die Admiralität. Im Hintergrunde die Madelaine, in der Mitte der berühmte Obelist von Luksor. Hier die Tuilerien mit dem Karussel=Platz und Lelie die boenie hach den Change Cigel an Sngang flankiert von den gewaltigen Pferdebändigern. Dort die Stelle, an der Ludwig XVI. und das Haupt Marie Antoinettens fiel. Im Hintergrunde das alles beherrschende Arc de Triomphe mit dem Grabmal des unbekannten Soldaten, ener, einzigartigen„Erinnerungsstätte, und drüben der Wunderbau des Eiffelturms mit dem Trocadero. * Im Louore die Venus von Milo, jene herrliche Frauengestalt, die lichtumflossen, zu leben und zu atmen scheint. Die erdrückende Fülle der Rubens=Sammlung, die staunenden Gaffer vor Lionardos Mona Lisa, der einst geraubten. Eine Stunde in Notre Dame. Im Innern dieser wundervollen Kirche, die Geschichte durch Jahrhunderte sah. Vor dem Altar knlet ein Brautpaar vor dem Priester auf dem Betschemel. Wundervoller Gesang ertönt aus dem HinDas Drama von Schillerhorst. Original=Detektioroman von Wilhelm Holt. (21. Fortsetzung.) 11. Der Detektiv als Opfer. Arthur Roger hielt den Atem an, und den anderen sing's nicht besser, Erstaunen, sa Schrecken hatte sie erfaßt. Gas geing da vor? Keiner fand sich zurecht. Da stand vor hnen der Baron von Weitenfeld und ein zweiter, der ihm lich, wie ein Wassertropfen dem andern, ihm buchstäblich zum Verwechseln ähnlich war, Einer mußte ein Betrüger sein, denn den Mann, der rus dem Haus getreten, hatten sie Herrn Baron nennen hören, während Baron von Weitenfeld in Begleitung des hungen van Beekum und des Gendarms an ihnen vorbeibekommen war. Die beiden wußten denn auch, daß jener ein Betrüger war, wenngleich der Gendarm noch immer bazu neigte, an eine Geistererscheinung zu glauben. Aber auch der Rechtsanwalt zweifelte nicht daran, daß der echte Baron sich auf dem Wege befand, während er sich über die Erscheinung des Doppelgängers seine eigenen Gedanken machte. Er wußte, wie vortrefflich sich sein Freund. der Detektiv, auf die Kunst verstand, in eines anderen Gestalt zu erscheinen, und wenn er auch nicht verstand, wie er diesmal die Möglichkeit, dazu gefunden, glaubte er doch nicht anders als daß Rosch sich als Baron verkleidet habe und auf diese Weise aus seiner Gefangenschaft entronnen sei. Darum hielt er den Atem an, als die beiden einander gegenüberstanden und es zu einer Erklärung zwischen ihnen kommen mußte. Die Nacht war still. Der Mond war höher gestiegen and stand über den Baumwipfeln. Sein weiches Licht lag pie ein feines Geriesel über den Weg gestreut. Nichts rührte ich ringsum, so daß man das Atemholen der sechs Männer Fören konnte. van Beekum und der Gendarm schauten schweigend zu und warteten ab, was da kommen mußte. Ahnungslos natürsich, daß hinter ihnen noch zwei Zuschauer und Lauscher standen, die nicht weniger gespannt die seltsamen Dinge in der Eillen Mondnacht verfolgten. Ein paar Augenblicke schwiegen die Doppelgänger, und die Spannung wuchs. Plößzlich begannen harte Worte in die Stille zu fallen. „Das ist ja eine ganz merkwürdige Komödie!“, sprach eine scharfe Stimme. Deutlich und unleugbar die Stimme des Barons. Der Gendarm, der wußte, daß die Stimme dennach nicht dem Baron Weitenfeld angehörte, verspürte neue Lust, auf und davon zu laufen. „Eine ganz merkwürdige Komödiel“ klang es zurück. „Nur ist es für die Zuschauer schwer, zu unterschelden, wer der Komödiant ist.“ Dos war in der Tat schwer. Wer die beiden da einander gegenüber sah, konnte zu keinem Schlusse kommen, und belm Klang der ersten Worte waren selbst in Franz von Beskum Zweifel aufgestilegen, od nicht der Mann, der tergrunde und dann hebt ein Orgelspiel an von überirdischer Schönheit. *— Mitternacht im Quartier latin, tief unter der Erde, unter uraltem Gemäuer, das weit bis in die Römerzeit zurückreicht. An den Tischen haben Studenten mit ihren Liebschaften Platz genommen. Der Wirt und seine Bedienten in roter mittelalterlicher Tracht. Man singt Chansons. Man ist in dem„Caveau des oubliettes rouger“, trinkt Absinth und atmet die zum Schneiden dicke Luft ein.—— Verhaltene Sonne flutet durch die Fenster der majestätischen Kuppel des Invalidendomes, um des ersten Napoleon Grabmal, jenes einzigartigen wuchtigen Sarkophags, der von zersetzten Fahnen, wie von stummen Wächtern, umsäumt ist. Singende Sonne durchströmt Versailles, das eine ganze Stadt für sich bildet. Alles darauf bedacht, das Majestätische, Wuchtige zum Ausdruck zu bringen. Nach endloser Wanderung kommt man in den Spiegelsaal, in dem am 18. Januar 1871 das deutsche Kaisertum ausgerufen wurde und in dem sich der schwarze Tag des 28. Juni 1919 vollzog, als das schmachvolle Dokument von Versailles unterzeichnet wurde. Die Gärten von Versailles unermeßlich; gewaltige Wasserbecken, Fontänen, Kaskaden, Boketts, verschwiegene Gänge, die an eine galante Zeit erinnen; der kleine und der große Trianon. geht leichter Der heimatliche Sommer. Von Heinrich Droege. Wie heiße Hände hängt der Himmel viele Wochen über der Weite. Es ist, als ob kein Leben mehr wäre. Die weißne Stämme der Birken verglühen. Und wie ein schmaler Süberstreifen läuft der weiße Weg in die endlose Versunkenheit. Die Fuhrenwand in der Tiefe versinkt. Es ist nichts als ein glühender Himmel. Auch kein Lied ist da. Sogar der Häher schaukelt stumm von Baum zu Baum. Nur manchmal ist hoch im Brand des Himmels der verlende Klang der Lerche und ist wie Tropfen und macht dann die brennende Stille golden und glänzend mit seinem Jubel. Und je höher das Lied steigt, umso irdischer wird der metallene Ton, umso süßer schmelzender perlt er nieder. Da nun aber der Sommer milder brennt, das Feld hinter dem Heidberge goldener leuchtet und die satten Sommerwolken tief und schwerer wandern, wird das Land ringsum rosenrot, purpurn, violett. Die weglose Stille wächst durch Verklärung einer Farbe, deren Zauber unaussprechlich ist, sie wird zu einem roten Meer, über dem die Wolken wuchtige Segel werden und in das der Abend aufbrechend hinsinkt, unerlöschlich in roter Glut, trunken, verblutend, rätselvoll. Nun ist das Land Tal erfüllter Sehnsucht, erblüht in der Stunde der Seligkeit. Unter leise verbergenden Schatten der Birke glüht die Liebe süße Feier: Sülber, Gold, Purpur und Duft von Honig. Und in diesen Abend ungeheuren Brandes, alles Weite überflutend, horche ich still dem Abendläuten auf einem fernen Dorf. Dann steigt auch wieder über dem Heimgang das leise Klingen, dem alles Verworrene fehlt, in dem schon die nahende Klarheit der Sterne und der sanfte Friede einer kühlen Heidenacht ist. Aus der Glut der sterbenden Schönheit tönt eine Glocke verborgenen Frieden. Und so wird das Lied der kleinen, trunkenen Vogelkehle nichts als dankbare Seligkeit. Die Lerche fällt und steigt und schwebt dahin über der gewaltigen Weite, über dem Saum erlöschender Wälder, über der reifen Stille einsamer Felder. Da die Glut sanft erlischt und das Dunkel unsagbar tröstlich mit duftenden Schatten naht, werden neben dem Lerchenlied tausend wispernde Stimmen wach und halten Abendsprache. Seltsam ist die Verwandlung aller Dinge, die in Blau und Grau zerfließen und denen alles brennende Bunte genommen ist. Als ob mich nichts mehr berührte, ein Bild, das entschwindet, ein Ahnen aus der Verlorenheit und stilles Fragen und ferne Antwort, erfüllt mit tausend Räteln und tausend Wundern. aus dem Bauernhaus getreten, der echte Baron von Weitenfeld sei. Aber das konnte doch nicht sein. Dann hätte er sich la mehr als eine Stunde von dem faischen zum besten halten lassen. „Was wollen Sie?“ fragte der Doppelgänger. „Wir wollen auf jeden Fall verhindern, daß Sie welterhin Ihre Schandtaten verüben,“ erwiderte der Baron. Ein kurzes, unangenehmes Lachen war die Antwort. Roger war sich natürlich vollkommen kkar darüber, daß nur einer von den beiden der echte Baron von Weitenfeld war. Aber setzt neigte er wieder der Meinung zu, daß es der Mann aus dem Bauernhaus, in der Vermummung des andern jedoch der Detektiv sieckte. Der spielte dann freilich eine merkwürdige Komödie, und Roger begriff nicht, was er damit bezweckte. Aber so war es wenigstens erklärlich, daß er Franz van Beekum und den Gendarm mitgebracht hatte, um Zeugen bei der nächtlichen Begegnung zu haben. Der Rechtsanwalt zweifelte nicht daran: diese Unterredung führte endlich zur Verhaftung. Der Baron würde sich zwar widersetzen, obgleich er im Nachteil war. Und noch viel mehr im Nachteil, als er ahnte. Standen doch noch zwei weitere Zeugen im Hinterhalt. Besonders vorsichtig waren diese biden Zeugen indes nicht. Sie hatten sich so weit als möglich vorwärts gewagt, um nichts zu übersehen. Chamois hatte überhaupt irgendwo anders Posten gefaßt, er stand nicht mehr neben Roger. Die andern waren jedoch offenbar zu sehr von der Sache in Anspruch genommen. Sie achteten der beiden nicht. Einen Augenblick herrschte tiefe Stille. Da riß mit einer blitzschnellen Bewegung der Mann aus dem Bauernhause einen Revolver aus der Tasche und richtete den Lauf auf seinen Doppelgänger. Der Rechtsanwalt zitterte. Schoß er nun vor seinen Augen den Detektiv nieder? Denn für diesen hielt er den Mann auf dem Weg noch immer. Und wirklich, noch ehe der andere eine Waffe bereit hatte, knallte ein Schuß durch die Nacht. Da sprang der Gendarm herzu. Er begriff nicht, was da vorging. Er glaubte nach wie vor mit ziemlicher Ueberzeugung an eine Geistererscheinung. Aber das eine wußte er doch: geschossen durfte nicht werden. Ein Feigling war der einfältige Polizeimann nicht. Er stürzte sich auf den Uebeltäter, der den Revolper abgefeuert hatte. Im selben Augenblick lenkte ein Schrei seine Aufmerksamkeit ab. Der Schrei kam, meinte er, von dem echten Baron. War dieser getroffen? Rasch wendete er ihm den Blick zu, und was er sah, ließ ihn für einen Augenblick den Verbrecher vergessen, den er hatte verhaften wolle“. Der Baron lag nicht etwa verwundet am Boden. Das I, ate ihn nicht überrascht. Er lag auf dem Boden, sa, aber im Kampf mit einem, der plötzlich aus dem Gebüsch auf ihn herangesprungen wor. Der Gendarm zögerte einen Augenblick, unschlüssig, was er tun sollte. Als er sah, daß Franz van Beekum den neuen Feind anfiel und somit dem Baron zu Hilfe kam, wendete er sich wieder dem Manne zu, der geschossen hatte. Das alles war in einem Augenblick geschehen. Immerhin hätte der kleine Zwischenfall dem Doppelgänger eine neue Möglichkeit geschaffen. Er hätte ein zweites Mal shießen, Können. Er hatte jedoch von der Gelegenheit, daß Siehe, diese blaue Ruhe ist für den Schöpfer da, für Gott und seine Sterne, um alle Wunder der Erde in Frieden zu lösen, Und voll Frieden und göttlicher Ruhe schreite ich, allem Lärm des Lebens fern, in den köstlichen Schatten eines Dorfes. Auf den Wiesen und über der Schwere der Julifelder heben sich Nebel wie kühle Schleier. Sterne stehen felerlich und klar über einem Wald. Und oben im Esch beginnt eine Wachtel zu schnarren, unermüdlich und feierlich, als spräche sie im Traum vor unendlichen Kornfeldern. So kommen die Nächte, so werden sie immer noch sein, auch wenn schon die Sensen schwirrten und die Früchte schwer werden. Dann werden sich die Arme, welche mich setzt in einem mondbeglänzten Zimmer empfangen, weiß und freundlich um meine Schultern legen. Und ein reifer roter Mund wird leise Worte Georg Trakles sagen: „Verflossen ist das Gold der Tage, Des Abends braun und blaue Farben: Des Hirten sanfte Flöten starben, Des Abends braun und blaue Farben: Verflossen ist das Gold der Tagel“ Die schönen Tage von Paris gehen ihrem Ende zu. Es wieder hinaus nach Le Bourget. Diesmal wird ein leichter Farman bestiegen, ein elegantes Flugzeug, einmotorie, mit nur wenigen Sitzen versehen. Es geht über Evmenonville, über die Aisne, Laon, in der Richtung Rethel. Die Luft wird immer klarer, der Ausblick auf die weite Landschaft immer herrlicher. Es wird auf Lüttich gesteuert: im Handumdrehen ist man östlich von Aachen und ehe man es sich versieht, geht es in schönem Gleitflug hinab, Flugplatz Köln; bitte aussteigen! Wie ein Märchen aus Tausend und eine Nacht liegt das alles hinter mir, wie ein Wundertraum. Gendarm ihn einen Augenblick gus dem n M-iaa f.c“ Auge laber.“ sollst Vater und Mutter ehren“. John Riefenstahl war ein Mann, vor dem wir auch dann Respekt gehabt hätten, wenn er nicht der Direktor der größten Fabrik unserer Stadt gewesen wäre. Für mehr als 2000 Arbeiter hatte er Brot zu beschaffen. Die Last der Verantwortung beugte seine Schultern nach vorn. Ein tiefer Ernst durchfurchte in harten Linien sein Gesicht. Ich will offen gestehen, daß wir Angestellte, die wir täglich mit dem Direktor zu tun hatten, ihn bei aller Achtung vor seiner Leistung mehr fürchteten, als liebten. Dies mochte daher kommen, daß er niemals persönlich freundlich, sondern stets konventionell höflich war. Zum andern war er überaus pünktlich und gewissenhaft, was er auch von uns verlangte. Er kam hinter den kleinsten Fehler, den einer von uns gemacht hatte. Wenn die Kasse nicht stimmte, war er der erste, der wußte warum. Und niemals konnte ihm verborgen bleiben, wenn einer von uns zu spät ins Geschäft kam. Riefenstahl war Junggeselle. Er bewohnte nahe beim Fabrikkompler eine Villa. Viel zu Hause konnte er aber nicht sein. Wenn er sich nicht im Kontor aufhielt, oder in den Werkstätten, befand er sich auf Reisen oder machte Geschäftsbesuche. Bei Tag und bei Nacht repräsentierte er seine Firma. Wir hielten ihn für eine Arbeitsmaschine, der sein Leben seinem Betriebe aufopferte. * Es dauerte lange, bis wir bemerkten, daß John Riefenstahl nicht nur ein kluger Geschäftsmann war, sondern auch ein guter Menschl Soeben hatte es vier Uhr geschlagen, und wir Angestellte verließen das Bürogebäude. Dicht beim Fabrikdirektor begegneten wir einem Auto, in dem gebst einigen Herren auch unser Direktor saß. Von der andern Seite kam eine Krankenschwester, eine jener hilfreichen Menschenwesen, die ihr Leben im Dienst für ihre Mitmenschen aufrieben. In ihrer braunen Kutte, auf dem Kopf die weiße Schwesternhaube, wandelte sie dahin, eine lebendige Mahnung darstellend, Nächstenliebe zu üben. Aber leider verspürten die Herren im Wagen diese Mahnung nicht. Einer von ihnen deutete auf die Schwester und schien auf ihre Kosten einen Witz zu machen, denn alle brachen in ein Gelächter aus. Doch säh hörte dieses Lachen auf, als Herr Riefenstahl ein mißbilligendes Wort zwischen seinen Lippen hervorzischte und dann seinen Kopf entblößte, um die Schwester tief und ehrfurchtsvoll zu grüßen. So stark war die Geste des Direktors, daß die andern Herren zwangsläufig ebenfalls nach ihren Hüten greifen und grüßen mußten. * Bald darauf konnten wir zum andermal feststellen, daß John Riefenstahl in einem feltsam innerlichen Verhältnis zu Schwestern stand. Der Direktor war in Mantel und Hut aus seinem Zimmer gegangen. Wir traten an ein Fenster, das Ausblick nach der Straße gewährte, um zu sehen, in welcher Richtung unser Chef verschwinden würde. Wir beobachteten folgende Szene: Zwei Schwestern kamen des Wegs. Wahrscheinlich hatten sie eine Reise vor, denn jede von ihnen trug an einem schweren Koffer. Als das der aus dem Haus tretende Herr Riefenstahl bemerkte, eilte er auf die beiden Schwestern zu und erbot sich, die beiden schweren Koffer zu tragen. Sofort eilte einer von uns Angestellten hinunter, um seinerseits wieder dem Direktor die Koffer abzunehmen. Es ereignete sich aber der merkwürdige Fall, daß John Riefenstahl diese Hülfe freundlich, aber entschieden zurückwies. mde, einen andoun Lodnuch gemachte ur uge in dectch verschwunden. Der Gendarm ihm nach. Einer war bis jetzt untätig geblieben: Roger. In äußerster Verwunderung hatte er die Geschehnisse, die sich vor seinen Augen überstürzten, vorübergehen lassen. Gerne hätte er geholfen. Aber wem? Der Mann, in dem er den Detektiv vermutete, wurde von Chamois überfallen, dem erbittertsten Feind des Barons. Chamois hielt ihn also ohne Zweifel für den echten Baron von Weitenfeld. War nun der andere der Detektiv? Warum floh er dann vor dem Gendarm? Nein, nein, der Flüchtige war der Verbrecher. Er machte sich also ihm auf die Fersen. Damit ließ er Chamois im Stich, aber dieser mußte bald darauf kommen, daß er sich geirrt hatte. Jedenfalls hatte Chamois sich insoweit geirrt, als er entweder seine Kräfte überschätzt oder mit Sicherheit auf Hilfe gerechnet hatte. Indes gelang es dem Ueberfallenen bald, ihn, unterstützt von Franz van Beekum, von sich abzuhalten und auf den Boden niederzuzwingen. „Hal“ schrie der Baron.„Das ist wieder der verfluchte Kerl. Wie kommst du hierher?. Was willst du das“ Hätte Chamois auch die Absicht gehabt, Rede und Antwort zu stehen, es wäre ihm doch nicht möglich gewesen. Denn im Kampf mit den beiden Gegnern war sein Kopf gegen eine Baumwurzel oder einen Stein aufgeschlagen, und zwar so heftig, daß er das Bewußtsein verlor. Als die anderen dies bemerkten, ließen sie ihn los und legten ihn dann an den Wegrand. „Was tun wir mit ihm?“ fragte Franz von Beekum. Der Baron zuckte die Achseln. „Der Bursche wird schon wieder zu sich kommen,“ sagte er.„Es ist jetzt wichtiger, daß der Gendarm den anderen zu fassen bekommt, der so geschickt meine Rolle zu spielen weiß. Bleiben Sie da, und ich schaue, ob ich dort etwas helfen kann. Oder wir können den da auch allein hier liegen lassen und miteinander dem Gendarm folgen.“ Das letztere paßte Franz besser. So schritten sie in der Richtung aus, die der Gendarm eingeschlagen hatte, um den Flüchtigen zu verfolgen. Nach einer Weile verloren sie einander im Gebüsch aus den Augen, und Franz irrte eine gute Viertelstunde umher, bis er plötzlich Arthur Roger gegenüberstand. „Du lieber Himmel!“ schrie er fast,„was machst du hier, Arthur?. Ich dachte, du...“ „Ich liege ruhig im Bett, nicht wahr? Das begreife ich. Aber ich werde die später erzählen, warum dies nicht der Fall ist. Ich suche den Baron und den Gendarm.“ „Den Baron und den Gendarm?“ „Ja, ich, bin ungesehen Zeuge her seltsamen Begegnung der beiden Doppelgänger gewesen.“ „Du? Wieso?“ „Das werde ich dir schon erzählen. Später einmal. Ich war zur Stelle, als ihr drei den Baron aus dem Bauernhaus treten saht.“ „Den Baron Der Baron war doch bei uns.“ Du wirst doch nicht behaupten wollen, daß es wirklich der Baron war, der mit dir und dem Gendarm bierber kamf: ## netirsc uns u b“ Schwer beladen entschwanden der Direktor und die beiden Schwestern unserm Gesichtskreis. Der hilfsbereite Angestellte, der inzwischen wieder heraufgekommen war, erzählte, daß er den bestimmten Eindruck gehabt habe, es bereite dem Chef ein besonderes Vergnügen, für die beiden Schwestern Lasten schleppen zu dürfen. * Wenige Wochen später erschien eine Schwester bei und im Büro, um Teilnehmerkarten für ein Misionsfest zu verkaufen. Wir meldeten die Schwester John Riefenstahl an weil wir dachten, der Direktor würde ganz besonderes Interesse an der Sache haben. Und wir hatten uns nicht getäuscht. Der Direktor empfing die Schwester. Nach Schluß der Unterredung begleitete er sie wie einen hohen Gast hinunter bis zum Fabrikportal. Als er zurückkam, teilte er uns Angestellten mit, daß er für uns alle Karten zum Missionsfest erworben habe. Ee lade uns herzlich ein, mit ihm zusammen an den Feierlichkeiten teilzunehmen. * Auf dem Missionsfest endlich sollten wir erfahren worauf die Freundlichkeit Direktor Riefenstahls den Schwestern gegenüber beruhte. Es wurde uns im Festsaal ein großer Tisch angewiesen, um den wir uns gruppierten. Unser Chef setzte sich zu uns. Der sonst so verschlossene Mann taute im Laufe der Zeit richtig auf. Uebte die Musik, die den Vortrag eines Missionars umrahmte, einen so starken Einfluß auf den Gemütszustand Riesenstahls aus? Oder war es der Vortrag selbst, in dem von unerhörten Leiden, Kämpfen und Freuden um das Christentum in Ostafrika erzählt wurde? Wir Aelteren kamen auch jetzt dem Direktor nicht recht nahe. Wir sahen zu sehr den Vorgesetzten in ihm. Unser jüngster Lehrling jedoch war entzückt von der menschlichen Wärme des Chefs. Rascher als wir Erwachsenen, brachte er es fertig, eine Brücke zum Herzen Riefenstahls zu schlagen. Der Atem wollte uns vergehen, als wir den Stift in einer Pause fragen hörten:„Und dann, Herr Direktor: Warun sind Sie zu allen Krankenschwestern so nett?“ In unserer Unterhaltung trat eine jähe Stille ein. Würde Riefenstahl böse werden? Aber nichts Aehnliches geschah. Ein Leuchten trat in seine Augen, als er zu erzählen begann: „Vor mehr als 40 Jahren war ich ein kleiner Schuljunge, arm im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Vater war tot. Meine Mutter mußte sich als Tagelöhnerin verdingen. Obwohl sie von morgens bis abends schuftete, kamen wir immer weiter zurück. Sie verdiente kaum das tägliche Brot für mich und meine Geschwister, geschweige denn, daß sie uns anständig hätte kleiden können. Oft haben wir selbst bei schlechtestem Wetter barfuß in die Schule gehen müssen, weil unsere Schuhe durchgelaufen waren und Geld nicht vorhanden war, um sie besohlen zu lassen.“ „Aber unerträglich wurden unsere Verhältnisse erst." fuhr Riefenstahl fort, als unsere gute Mutter krank wurde. Oeffentliche Fürsorge wie heute gab es noch nicht. Nach wenigen Tagen schon war uns oas Brot ausgegangen. Und was das schlimmste war: Wir Kinder hatten kein Geld, um für die Mutter einen Arzt und lindernde Arzneien holen zu können.“ „Als die Not am größten war,“ erzählte Riefenstahl weiter,„da war die Hilfe am nächsten. Sie kam in Gestall von jenen mildtätigen Schwestern, die ich seit jenem Tag wie ungekrönte Königinnen verehre. Sie kam, die Hilfe, obwont unsere Mutter einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörte. Nahrung und Kleidung brachten die guten Schwestern ins Haus. Sie holten Aerzte und Arzneien herbei. Und sie ordneten das Hauswesen, daß Küche und Kammern vor Sauberkeit funkelten“ Die Stimme des Direktors zitterte vor Bewegung, als er mit seiner Geschichte zu Ende kam. „Leider hat die freundliche Hilfe unserm Mütterchen nicht mehr viel genützt. Ein schweres, unheilbares Leiden hatte sich in ihrem ausgezehrten Körper eingenistet. Sie starb zwei Monate, nachdem sie sich hatte niederlegen müssen. Aber niemals werde ich jene Schwestern vergessen, die meiner Mutter die letzten Stunden ihres Lebens leichter machten. Und wenn ich alle Schwestern grüße, die mir auf meinem Lebensweg begegnen, so geschieht das aus Hochachtung vor ihren guten Werken. Immer dann, wenn ich nach meinem Hut greife, um eine von ihnen zu grüßen, sehe ich einer Vision gleich das liebe Gesicht meiner verstorbenen Mutter vor mir. Und ich höre ihre gute Stimme:„Das machst du brav, mein Sohn“!“ Nunmehr war endgültig der Bann gebrochen, der uns vom Herzen unseres Direktors trennte. Stumm drückten wie ihm die Hand. Und mancher von uns dachte: Wenn alle Menschen auch nur einen Bruchteil von der Kindesliebe John Riefenstahls in ihrer Seele haben würden, dann würde es heute besser in der Welt aussehen! der Ast ene er dan be eient „Das weiß ich wahrhaftig nicht. Aber jedenfalls nicht Baron.“ „Weißt du das ganz bestimmt?“ „Ja, natürlich. Der Baron ist mit dem Gendarmen vom Eichenhof gekommen. Er hatte mich ersucht, ihn zu beglelten. Er vermutete, daß der Detektiv in dem Bauernhaus da unten festgehakten werde, und wollte ihn defreien.“ „So? Das ist unwahrscheinlich.“ „Was geschehen ist, kommt mir viel unwahrscheinlicher vor. Du hast doch selbst gesehen, daß semand aus dem Hause kam, dem es offenkundig darum zu tun ist, für den Baron gehalten zu werden.“ „Ja, das habe ich gesehen.“ „Und du hast auch gesehen, daß er einen Schuß abfeuerte und dann die Flucht ergriff. Aber gleichzeitig fiel ein anderer über den Baron her. Ich habe ihm geholfen, den Angreifer niederzuringen, und dann sind wir miteinander dem Flüchtigen gefolgt.“ „Und weißt du, was aus ihm geworden ist?“ „Rein, der Bursche weiß hier allem Anschein nach den Weg besser als wir. Er ist uns, und jedenfalls auch dem Gendarm sicher wieder entwischt. Komm, gehen wir zu der Stelle zurück, wo sich die merkwürdigen Dinge abgespiell haben. Wir müssen auch schauen, was aus dem Chamols geworden ist.“ „Chamois?“ „Ia, das ist der Mann, der den Baron überfallen hat.“ „O, der ist doch ziemlich glimpflich davongekommen. Er hatte das Bewußtsein verloren, und mir haben ihn lieger lassen. „Also dann schnell, schnell!“ mahnte der Rechtsanwall, der es plötzlich eitig zu bekommen schien. Frau van Beekum war einverstanden. Zuerst konnten sie sich nicht einigen, welche Richtung sie einschlagen sollten aber schließlich gingen sie aufs Geratewohl einen Seitenpfas hinein. Sie hatten gut gewählt, denn schon nach turzer Zei gelangten sie an den Platz, an dem der Kampf stattgefunden Der Gendarm und der Baron waren ihnen dereits dahin zuvorgekommen. „Wo haben Sie Ihren Freund so rasch auftreiben können?“ fragte der Baron den jungen van Beekum. „Ich hatte genau so wie Sie, Herr Baron, Kunde davon erhalten, daß der Detektio hier gefangen gehalten werde!“ erwiderte Roger selbst. „Zum Kuckuck! Da geht mir ein Licht auf. Sie hatten jedenfalls noch einen zweiten bei sich?“ „Ja, der Mann, der mit Ihnen gerungen hatt“ Rechtsanwalt ohne weiteres zu. Der Baron ließ ein keises Pfeisen vernehmen. „Und wo ist er jetzt?“ fragte er dann. „Herr van Beekum er llegen geblleben.“ „Das stimmt! Aber sehen Sie, der Gendarm war erster an der Stelle zurück, und er behauptet, slemand mehr gesehen zu haben.“ „Da hat sich der Mann offenbar wieder erholt und bann seiver Wege gegangen,“ lagte gab erzählte mir, er sei bewußtlos bes wiecher Fronz mikrofilm Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxe A 3 A•2 Der Magdeburger Katholikentag vom 4. bis 9. September wird gegenwärtig, wie zahllose mündliche oder schriftliche Anfragen und Bestellungen von „Mitgliedskarten deim Zentral= und Lokal=Komitee beweisen, in weitesten Kreisen der deutschen Katholiken absolut derkehrt aufgesaßzt. Es mag wohl an der Veröfsentlichung eines ausführlichen Programms, desgleichen an einzelnen Zeitungsaufsätzen über„Magdeburg als Tagungsort des nächsten Katholtkentages“ liegen, daß man glaubt, mit einer Allgemeinen deutschen Katholikenversammlung es gu tun zu haben. Dennoch haben zahllose Hinweise in unsern Blättern bereits seit dem Dortmunder Katholikentag 1927 stets und sch. und während des Sonntags(9. September) ein Katholiken= ag der Diaspora anschließen werde, der hauptsächlich für Nagdedurg und Umgebung gedacht ist, und die zahlreichen Hiasporakatheliken bei dieser Gelegenheit einmal mit den übrern und Vertretern der großen katholischen Verbände eutschlands in Beziehung bringen möchte. Es ist also an im genannten Sonntag eine ganz ähnliche Tagung, wie r seit langem bekannte sogenannte„Märkische Katholiken= der alljährlich für die Katholiken Berlins und der ark Brandenburg gehalten wird, in diesem Jahre am 12. August. Weil, wie schon oftmals betont wurde, für das Jahr 1928 zufälligerweise keine Stadt einen allgemeinen KathoRkentag Dautschlands zu sich eingeladen hatte, beschloß das Zentralkomitee, bei der Fülle der heutigen inneren Angelegenheiten und äußeren Aufgaben der deutschen Katholiken eine nichtöffentliche„Vertretertagung zwecks Aussprache und besserer Fühlungnohme der Verbandsleiter zu halten. Im Jahre 1920 wurde einmal eine ähnliche Tagung solcher Art in Würzburp veranstaltet, die damals auch einen recht guten Erfolg aufzuweisen hatte. In wogenden, unklaren Zeiten, wie die gegenwärtigen Zeiten eines ungewöhnlichen Uebergangs aus den alten Geleisen in neue Wege sind, können die verantwortlichen Führer gar nicht oft genug zu Besprechungen und Arbeitsgemeinschaften zusammen komzen. Je offener und allseitiger dann eine Aussprache sein kann, desto größer ist zweifellos der Gewinn. Von diesem Besichtspunkte hat die Magdeburger Tagung, wie sie geplant und mit großer Sorgsalt vorbereitet ist, sicherlich eine große Bedeutung. Versammlungen, die ins Große gehen, die die in Dortmund, lassen es nicht zu, daß die Aussprache sichtiger und mehr innerlicher Angelegenheiten des katholien Lebens und Arbeitens zustande kommt. Die Hervorhebung dieser Anlage und des Gesamtplanes der Magdeburger Tagung genügt wohl, um zu zeigen, welcher Art das Ganze ist, daß also entsprechend dieser Anlage auch der Gesamtcharakter der Magdeburger Tagung absolut kein öffentlicher sein kann. Erscheinen werden die verantwortlichen Führer der großen katholischen Verdände und einzelne eigens dazu eingeladene führende Persönlichkeiten, die diesen Arbeiten der katholischen Berbände nahe stehen. Die Abendversammlung am Samstag, den 8. September, Gottesdienst und Versammlungen am Sonntag, 9. September, tragen naturgemäß einen öffentlichen Charakter und sind allen ohne Ausnahme zugänglich. (Die Presse wird um Abdruck dieser Zeilen gebeten.) Zwei katholische Tagungen am Die Mission des Kaldolizismus für Wirtschaftoleben und Völkerverständigung. Unter dem Protektorat des Hochw. Herrn Bischofs Dr. Waitz für Tirol und Vorarlberg wird das katholische Werk „IKA“ seinen 8. internationalen Jahreskongreß in Bregenz em Bodensee abhalten, in den Tagen vom 31. Juli bis 4. August. Die Verhandlungen stehen unter dem Leitgedan ken„Moderner Industrialismus und katholische Kirche" Die Vorträge, für die beste Kenner aus den verschiedensten Ländern und Weltteilen(Asien und Amerika) gewonnen sind. berühren z. B. die moderne Arbeitstechnit(Tayloris= mus), die staatliche Sozialpolitik, das christliche Eigentumsrecht, den kolonialen Imperialismus, Arbeitsrecht und Arheitsschutz, die Entproletarisierung als Grundfrage einer In#ustriereform. Die fremdsprachigen Reden werden verdolnetscht. Teilnahmekosten 10 österr. Schilling. Alle Anfrazen an den Landesarchtvar V. Kleiner, Bregenz. In unmittelbarem Anschluß an diesen Kongreß folgt die große Tagung des Akademikerverbandes in onstanz, mit dem Leitthema„Katholische Kirche und Einheit des Abendlandes“, vom 5.—10. August, unter dem Protektorat des Hochw. Herrn Erzbischofs von Freiburg i. B. Die Tagungen schließen mit einer Heiligtumsfahrt im Gebiet des Bodensees und nach St. Gallen, Schweiz. H. Nr. Deutsches Reich. Das Reichspostgutachten fertiggestellt. BB. Berlin, 17. Juli.(Tel.) Der Reichssparkommissar hat, wie das„Berliner Tageblatt" berichtet, die Arbeiten zum Rentabilitätsgutachten über die Reichspostbetriebe nunmehr abgeschlossen. Das sehr umfangreiche Gutachten wird zunächst dem Kabinett zugeleitet werden und später beim Wiederzusammentritt des Reichstages auch dem Parlament zugehen. Ein Demenkk Geßlers. Berlin, 17. Juli.(Eig. Drahtbericht.) Die Nachricht, daß der frühere Reichswehrminister Dr. Geßler in eine Berliner Bank eingetreten sei, wird von unterrichteter Seite dementlert. Dr. Geßler wird im Winter nach Berlin übersiedeln, um sich wirtschaftlichen Studien zu widmen. Orgend ein Angebot einer Bank an den früheren Reichswehrminister liegt nicht vor, im übrigen würde ein es erfolgte, nicht angenommen werden. solches, falls Vom deutsch-französischen Studienkomitee. Baden=Baden, 14. Juli. Das deutsch=französische Studienkomitee hat im Verlaufe seiner Tagung in Baden=Baden Professor Dr. v. Deckerath von der Untversität Köln, Franz v. Papen und den Industriellen Ernst Pönsgen aus Düsseldorf zu Mitgliedern berufen. In den nächsten 6 Monaten führt den Vorsitz des Studienkomitees der ehemalige französische Botschafter in Berlin, Charles Laurent. Die nächste Tagung findet voraussichtlich vom 5. bis 7 Februar 1929 in Paris statt. Deutsch=Ualienischer Ausgleichs- und Schiedsvertrag. WTB. Rom, 17. Juli. Mussolini und der deutsche Botschafter v. Neurath tauschten heute die Ratisikationen zu dem am 28. Dezember 1926 in Rom unterzeichneten deutsch=italienischen Ausgleichs= und Schiedsvertrag aus. Wiederaufnahme der rumänisch-deutschen Besprechungen. WTB. Bukarest, 16. Juli.(Tel.) Einer Privatmeldung zufolge hat der rumänische Gesandte in Berlin, Comnone, den Auftrag erhalten, die Besprechungen in Berlin zur Regetung der strittigen Fragen zwischen Rumänien und Deutschland wieder aufzunehmen. Umschau im Auslande. Die Aufnahme der Zustimmunsserklärungen zum Kekloggngt!. TB. Washingion, 17. Juli. Im Staatsdepartement wurde heute erklärt, daß Staatssekretär Kellogg von der von Frankreich und Italien bekundeten Bereitwilligkeit, den Vertragsentwurf zur Aechtung des Friedens zu unterzeichnen, sehr befriedigt sei. Der spanische Botschafter sprach heute im Staatsdepartement vor, um mit dem zuständigen Reserenten auf Wunsch seiner Regierung, die bisher nicht zur Unterzeichnung des Kellogapaktes aufgesordert worden ist, den event. Beitritt Spaniens zum Pekt zu erörtern. Hierzu wird von zuständiger Seite erklärt, daß selbstverständlich jeder Staat als Mitglied willkommen sei, daß man jedoch Verhandlungen jetzt als abgeschlossen betrachte und Aen ugen des Vertragspaktes nicht mehr in Frage kämen. Ländern, die dem Pakt noch beitreten wollen, werde bei Unterzeichnung des Vertrages dunch die ursprünglichen Vertragsstaaten Gelegenheit gegeden werden, den Pakt gleichzeitig zu unterzeichnen. Eine Abrüstungsrede Lloyd Georges. London, 15. Juli. In einer Rede in Aylesbury unterzog heute Lloyd George die Rüstungsausgaben einer scharfen Kritik. Vor dem Krieg habe England 70 Millionen Pfund für Rüstungen ausgegeben, während die Rü stungsausgaben in diesem Jahre 114 Mil lionen betrügen. Das sei widersinnig. Man nehme vom rein geschaftlichen Standpunkt aus gesehen kein zu großes Risiko, wenn man voraussehe, daß die großen Nationen während dieser Generation keinen Krieg mehr führen würden. Weshalb sei es da nötig, sich solche Ausgaben zu machen, wenn doch keine Gefahr vorliege? Dadurch, daß er beim Rüstungsetat Ersparnisse mache, könne England durch seine friedfertige Haltung dem übrigen Europa ein gutes Beispiel geben. Das ware desser, als die Industrie mit Steuern zu überlasten und den Handel durch eine zu große Einjuhr lahmzulegen. Die Reorganisation des einesischen Heeres. London, 14. Juli.„Daily Telegraph“ meldet aus Peking: Die„großen vier“ chinesischen Generale haben einen Bericht über die Reorganisation der nationalen Armiee und die Abschaffung der bisher vorhandenen„persönlichen“ Armeen entworfen. Darin werden folgende Vorschläge gemacht: erstens Heredsetzung der Streitkräfte von zwei Millionen auf 50000 Mann; hierbei sollen die am besten ausgebildeten Truppen beibehalten und derartig gemischt werden, daß sie nicht mehr nach ihren Heimatprovinzen eingeteilt sind, zweitens Auswahl von 200000 Mann für eine zu bildende nationale Gendarmerie und drittens Einteilung der übrigen Truppen in Arbeiisgruppen. Diese Reorganisation soll einer Kommission anvertraut werden, die aus Fengjuhsiang. Tschiangkaischek, Litsungsen, Yenhsischon sowie vier von der Regierung ernannten Zivilisten besteht. Am 1. August wird die Kuomintangpartei diesen Plan in einer Vollversammlung prüfen. Nach Einsetzung der Kommission sollen die Titel Generalissimus und Marschall abgeschafft werden. Die Meldung besagt noch, dieser Plan werde nach sachkundigen Beobachtern steptisch beurteilt. Sie glaubten, daß Feugs Zustimmung, die scheinbar freiwillig erfolgte, in Wirklichkeit erzwungen war, denn Feng habe keine Seehäsen im Besitz und sei durch seine Nebenbuhler von Munitionszufuhren abgeschnttten Kandidaturkampf in Amerika. Aus Washington wird uns geschrieben: In den Vereinigten Staaten erwartet man, nachdem Hoover und Smith von der republikanischen und demokratischen Partei als Präsidentschaftskandidaten nominiert worden sind, einen besonders interessanten Verlauf des Wahlkampfes, denn es wird allgemein anerkannt, daß sich zwei starke Persönlichkeiten in den beiden Lagern gegenüber stehen. Daß der Newyorker Staatsgouverneur Alfred E. Smith als Kandidat vom großen demokratischen Parteitag in Houston erkoren werden würde, hatte man vorausgesehen, daß er jedoch eine so bedeutende Mehrheit finden würde, war nicht erwartet worden. Man vergleicht Smiths Erfolg mit dem Wilsons im Johre 1916, wo für diesen auch fost die gesamte Partei gestimmt hatte. Die Gründe, die für Smiths Sieg angeführt werden, sind zahlreich. Vor allem hat die allgemeine Ueberzeugung dabei mitgespielt, daß Smith für Sauberkeit, absolute Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in der Politik sorgen werde. Das habe er während der Jahre seiner Amtsführung als Gouverneur des größten amerikanischen Bundesstaates zur Genüge dewiesen. Er habe außerdem gezeigt, daß er die Fähigkeit besitze, die richtigen Männer als seine Mitarbeiter zu finden und man dürfe sicher sein, daß er den Staat gegen Forderungen politischer Parteiinteressen schützen werde. Das Programm, das Smith aufstellen würde, werde er auch ehrlich und mit allen Mitteln durchzuführen versuchen. Von demokratischen Blättern wird vorausgesagt, daß Smith ein Präsident werden würde, dem man Vorgängern wie Jesserson, Kackson und Cleveland würdig zur Seite stellen könne. Aber auch republikanische Blätter halten mit ihrer Anerkennung der überragenden Persönlichkeit nicht zurück, wenn sie auch erklären, daß Smith nicht so gute Aussichten habe wie Hoover, da einerseits die Demokraten die Minderheitspartei seien, andererseits Hoover durch seine Tätigkeit als Staatssekretär reiche Erfahrungen in Regierungskünsten gesammelt habe und man außerdem der Ueberzeugung sei, daß er die Politik Coolidges fortsetzen werde. Immerhin erkennt man auch hier an, daß es sich um eine Entscheidung zwischen zwei großen Persönlichkeiten handeln werde. Von unabhängigen Blättern wird geschrieben, Smith könne sich keine bessere Anerkennung seitens der Republikaner wünschen, als die Tatsache, daß er derjenige demokratische Führer sei, der von seinen politischen Gegnern am meisten gefürchtet werde. Für die Demokraten selbst bedeute seine Aufstellung eine Neugeburt der Portei, die vor vier Jahren nahe dem Zusammenbruche gewesen sei. Stäblischer. * Münster, 19. Juli. * L a n d e s r a l M o x K r a ß m e d i z i n i s c h e r E h r e n d o k t o r. Die Medizinische Fakultät der Westsälischen WilhelmsUniversität hat dem Leiter der Landesversicherungsanstalt Westfalen, Landesrot Max Kraß, die Würde eines Ehrendoktors verllehen. Dr. med h. c. Kraß hat sich seit vielen Jahren um die soziale Fürforge in der Provinz Westfalen in hervorragendem Maße verdient gemacht. a Lehrerabend der Wests. Schule für Musik. Am Freitag, den 20. Juli, 20 Uhr, findet im Foyer des Stadttheaters der 3. und letzte Lehrerabend in diesem Semester statt. Ausführende sind folgende Damen und Herren des Lehrkörpers: Marie Luise Betz. Eva von Skopnik, Paul Eberhard, Dr. Hermann Enßlin Clemens Glettenberg, Erich Hammacher, Karl Hoffmann, Kurt Platz und Dr. M. Sambeth. Ferner finden zum Schlusse des Semesters noch folgende Schülervorträge statt: Am 19. Juli 20 Uhr im Saal der Musikschule, und am 24. und 26. im Foyer des Stadttheaters, Eingang durch die Musikschule. ser Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Als Schlußveranstaltung des Semesters bringt die Opernschule am 28. Juli eine Oper im Theater der Stadt Münster heraus. I Vom Servaktipletz. Kürzlich wurde an dieser Stelle wieder einmal die Springbrunnen-Frage ledhaft in den Vordergrund gerückt. Die auch hier wiedergegebene Nachricht von der Stillegung dieses schönen Schmuckstücker bewahrheitet sich nicht; eine Verlegung des Brunnens in die Wiesenmulde am Aegidittore kam nicht in Froge. Zur Freude der Münsteraner und aller des Servatiitor passierenden Fremden sendet der Springdrunnen tagtäglich seine Wasserstrahlen majestätisch empor, was besonders an den heißen Tagen els eine Wohltat gelten kann. Die prächtigste Blumen= und Pflanzenrdrandung des Brunnens, die man neu geschaffen hot, läßt vermuten, daß man noch lange nicht daren denkt, eine Verlegung dieses Zierstückes im oben erwähnten Sinne vorzunehmen. Es wäre jetzt auch wahrlich schade um die Schmuckderaubung des Platzes und auch schade um die— Kosten, die diese Arbeit erfordern würde.— Noch auf eines möchten wir kurz hinweisen: Dicht an der Brunnen=Anlage steht in üppiger Schönheit die im Jahre 1871 gepflanzte Friedenseiche, deren weitverzweigtes Laubdach fast an die Brunnen=Anlage heranreicht. Will man de auch etwo Hand anlegen bei einer weiteren Veränderung des Platzes? Wir wollen nicht hoffen, daß auch dieses Kleinod der Stadt, das letzte Erinnerungszeichen an die große Zeit, von seinem jetzigen schönen Standorte entfernt werden muß 7 Vom„Himmelreich“. Der Unglücksfall dort, dem ein 6jähriger Knabe zum Opfer fiel, gibt Veranlassung, darauf aufmerksam zu machen, daß zur Verhütung weiteren Unheils etwas geschehen muß. Man sah dort und sieht täglich eine Schar munterer Knaben und Mädchen baden. An dem Unglückstage waren wohl 50—60 Kinder dort, die sich im Waser und auf den Wiesen tummelten. Höher hinaus badeten auch Erwachsene, die des Schwimmens kundig waren und die Tiefstellen der Aa kennen. Die Kinder waren de nesedeAussicht und ohne jedes Hüsagerdt im Fa des Unglückes. Polizeiliches Badeverdot dort auf d# spiei nutzt nichts. alle 657 01 eines Papier nutzt nichts * Wetteraussichten für Donnerstag: Vorwiegend trocken, vielfach heiter und wieder wärmer. Eine sinnige Ehrung für Prälat Beelert. Wie wir bereits mitteilten, hatte die Ludgeri=PetriBruderschaft ihren Pfarrer, Herrn Prälaten Beelert, zu seinem 70. Geburtstage in Anerkennu dienste„•* setner großen Ver-nste um das Gemeinschaftswesen der Pfarre zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Die Urkunde seiner Ernennung wurde ihm gestern zu seinem Namenstage feierlich überreicht. Die kunstlerisch ausgestattete Mappe der Urkunde ist eine Arbeit des bekannten Kunstgewerdlers Dürselen. Die Beschriftung und Zeichnung der Urkunde wurde ausgeführt von unserem münsterschen Graphiker Emil Stratmann und stellt eine anerkennenswerte Leistung dar. Der Wortlaut der Urkunde ist folgender: „Zu Münster, den 11. Juli des Jahres 1928, im Jubiläumsjahre der dreihundertjährigen Petri=Schützenbruderschaft St. Ludgeri begeht in einmütiger Freude die gesamte Ludgeripfarre den 70. Geburtstag ihres hochverehrten und geliebten Pfarrers, des Prälaten Fritz Beelert. Diesen Freudentag läßt die Pfarre St. Ludgeri nicht vorübergehen, ohne ihrer Anhänglichkeit, ihrer Liebe und ihrer aufrichtigen Verehrung für ihren Pfarrer, ihren Führers Berater und Freund in besonderer Dankbarkeit zu gedenken. Dieser Tag aber nimmt vor allem die St. Ludgeri=Petri=Schützenbruderschaft zum willkommenen Anlaß, in Ansehung der großen Liebe, die er gerade in den Reihen der Schützenbruderschaft genießt, Herrn Prälaten Fritz Beelert zum Ehrenvorsitzenden der St. Ludgeri=Petri=Schützenbruderschaft zu ernennen. Die Bruderschaft will wie eine Garde um ihren Ehrenvorsitzenden sich scharen, will in Treuen und in Folgsamkeit zu ihm stehen, will Wegbereiterin sein seinen Worten und seinem Wirken, ihm zur Freude, der Bruderschaft und der ganzen Pfarre zu Nutz und Frommen. Möge Gott der Herr segnend seine liebenden Hände aus das geweihte Haupt dieses hochverehrten Mannes legen, damit er noch lange in Glück und Freude der Ludgeripfarre erhalten bleibe, damit er noch lange der Anhänglichkeit und der herzlichen Berehrung seiner St. Lugeri=Petri=Schützenbruderschaft sich erfreue. Diesem Herzenswunsch soll diese Urkunde am heutigen Tage dem Chrenvorsitzenden der St. Ludgeri=Petri=Schützenbruderschaft wahren und freudigen Ausdruck geben.“ Zmeim der Verkehrsunfälle. Beachtei die polizeilichen Verkehrsvorschriften! Wie uns die Polizeiverwaltung mitteilt, haben sich in der letzten Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1928 in der Stadt Münster 172(148) Verkehrsunfälle ereignet. Die Zahlen in den Klammern geben die Unfälle des vorigen Halbjahres an. Getötet sind infolge der Unfälle 4(2) Personen. Es wurden 62(41) Personen verletzt, darunter 9(6) Kinder. An den Unfällen waren beteiligt 115(70) Personenkraftwagen, 6(2) Kraftomnidusse, 33(24) Lastkraftwagen, 31(23) Krafträder, 55(65) Fahrräder, 33(30) Pferdefuhrwerke, 13(8) Straßenbahnwagen. Die Schuld wurde zugeschrieben in 93(93) Fällen den Führern der Fahrzeuge, in 21(28) Fällen den Radfahrern und Fußgängern. In 58(27) Fällen konnte die Schuld nicht einwandfrei festgestellt werden. Als Ursache der Unfälle ist festgestellt, in 23(37) Fällen zu schnelles Fahren, in 30(38) Fällen folsches Einbiegen, in 62(47) Fällen andere grobe Verstöße gegen die Verkehrsvorschriften, in 4(2) Fällen Trunkenheit. In 53(24) Fällen führten sonstige Ursachen zu den Unfällen. Die meisten Unfälle wären vermieden worden, wenn die polizeilichen Verkehrsvorchriften und die polizeilichen Warnungstafeln beachtet worden wären. aus einen lärmenden Streit in der Dietrichschen Wohn.,, uufmerksam, der damit endete, 97jährige M merksam, der damit endete, daß die 57jährig. Rutter au Dietrit ung mi Peovinziene Nachrichten. * Rinkerode, 18. Juli. Die Schützengilde Rinkerode beging am 15. und 16. Juli in althergebrachter Weise ihr diesjähriges Schützenfest. Vom prächtigsten Wetter begünstigt, nahm das Fest einen überaus glücklichen Verlauf. Als Oberst fungierte Gemeindevorsteher Bolle, der am Montagnachmittag eine tiefempfundene Gedenkrede am Kriegerdenkmal auf die Gefallenen der Gemeinde Rinkerade hielt. Unter stärkster Beteiligung bewegte sich dann der Schützenzug zur Vogelwiese, wo sich unter Anteilnahme der gesamten Gemeinde ein reges Leden und Treiben entwickelte. Nach hartnäckigem Ringen tat Herr Albert Lachenicht den Meisterschuß und erward sich die Königswürde. Als Königin erwählte er sich Fräulein Aenne Schlering. Am Montagnachmittag fand dann auf dem festlich geschmückten Schulhof in althergebrachter Weise die Krönung des Königspaares statt. Auch in diesem Jahre war wieder das Glanzstück des Festes der Fahnenschlag, den der Fähnrich der Gilde, Theodor Watermann, in ausgezeichneter Weise ausführte. Abends sand der Schützenball statt. Der König konnte dann vier Jubilare dekorieren, die 40 Jahre Mitglieder der Gilde waren. Es sind dies die Mitglieder A. Lohmann, A. Mangels, B. Horstkötter und J. Ahland. * Höxter, 18. Juli. 800-Jahrfeier der ehemaligen Benediktiner-Abtei Marienmünster. Beim herrlichsten Sommerwetter konnte am Montag die ehemalige BenediktinerAbtei Morienmünster auf ihr 800jähriges Bestehen zurückblicken. Von Nah und Fern waren die Gläubigen herbeigeeilt, um an dieser alten bedeutungsvollen Kulturstätte im schönen Münster MMariens an diesem Tage mit dabei zu sein und Gottes Lob zu singen und zu preisen. Die kirchliche Feier wurde eingeleitet mit einem vom hochwürdigsten Herrn Weihbischof Hillebrand zelebrierten Pontifikalamt, bei dem der Kirchenchor Elsen die Missa in Ascensione Domini für fünfstimmigen gemischten Chor von Mitterer in formvollendeter Weise zur allgemeinen Erbauung wiedergab. Die Festpredigt hielt edenfalls der hochwürdigste Herr Weihbischof. Herr Lehrer Dissen(Marienmünster) wirkte meisterhaft auf der schönen restaurterten Orgel mit ihrem prachtvollen satten Ton. Nach dem Te Deum begann gegen 4 Uhr der Festzug, wie ihn Marienmünster ein dem weltabgeschiedenen Tal am Fuße der Oldenburg wohl noch nicht gesehen hat. Sr. Eminenz Kardinal Schulte (Köln) hatte ein Glückwunschtelegramm gesandt. Außerdem waren Glückwunschtelegramme eingegangen vom Oberpräsidenten, vom Landeshauptmann, Regierungspräsident Dr. Hogemeister hatte ebenfalls ein in besonders herzlichen Worten gehaltenes Telegramm geschickt und noch viele andere. Nach dem öffentlichen Festakt begann nach kurzer Pause die Festversammlung im Festraum aus dem Klosterhose. Am Abend kam die Schlußnummer der Feier, Fackelzug und Illumination der Abteikirche. Tragisches Ende einer zerstörten Ehe. Ein Chemann treibt vier Personen in den Tod. 2 Essen, 17. Juli. Vor mehreren Tagen wurden am Rhein—Herne=Kanal in der Nähe der Rahm=Dörne=Brücke zwei unbekannte Franen= und eine Kindesleiche unmittelbar hintereinander angeschwemmt. Der Polizei gelang es jetzt, die Personen zu identifizieren. Zu dieser Meldung berichtet heute die„Rhein.=Westf. Ztg. folgende erschütternde Einzel„Die schon seit langem bestehenden traurigen in der Familie des 29jährigen Gemüsehändlers die in dem Hause seiner Eltern Feldhauser Straße 229 in Zweckel wohnte, haben einen katastrophalen Ausgang genommen. Dietrich, ein äußerst roher Mensch, war in der ganzen Nachbarschaft dafür bekannt, daß er seine Frau, die 27jährige Tochter der Eheleute Stegweit aus der Schulten=Kolonie, in der grausamsten Weise mißhandelte. Dazu kam noch, daß Dietrich nicht nur über seine Verhältniffe tebte, sondern es auch mit der ehelichen ceue nicht genau nahm. Während des Wochenbettes seiner Freu unternahm er mit anderen weiblichen Personen Autoabrten und zerstörte durch sein Treiben das Eheleb vergangenen 1 tag nachmittag jagte Dietrich seine Frau aus dem Hause. Am Freitogmitten wurde die ganze Nachbarschaft wiederum rau Dietrich, Frau Stegweit, und Fre- Eilllich selbst mit zwei Kindern, dem 4jährigen Söhnchen Gustav und dem 1jährigen Töchterchen Ella, fluchtartig das Haus verließen, während das älteste Töchterchen sich gerade bei deg Großeltern, den alten Dietrichs, besand. Am Nachmittag sind die vier Personen noch in der Schulten=Kolonie umherirrend gelehen worden und waren feildem verschwunden. Am stagvormittag landeten die zwei Frauen und das Mädchen im Rhein—Herne Kanal. Am Montag landete nun die Leiche des 4jährigen Gustav. So hat die Roheit des Mannes vier Menschenleben aus dem Gewissen, da die beiden Frauen in ihrer Verzweiflung jedenfalls Selbstmord begangen und die beiden Kinder mit in den Tod genommen haben. Der liebe Amtsschimmel, er sebet noch. Nordhorn, 17. Juli. Im„Koblenzer General=Anzeiger“ heißt es unter„Stimmen aus dem Leserkreise":„Hei lewet noch!“„Ich hatte geglaubt, dieser olle bürokratische Klepper sei längst kaputt. Heuer trappt er lustig in Nordhorn rum, einem Städichen im Hannöverschen. Aus der dortigen Kämmereikasse fliegt nach Koblenz ein Steuerzettel, auf dem mit viel Umständlichkeit geschrieben steht, daß ein Bürgersmann aus Koblenz unter Hebebuch Nr. G. u. G. 564 noch an Staatsabgaben für Grundvermögenssteuer 10 Pfg. und an Gemeindeabgaben noch 25 Pfg., in Summa ummarum 35 ganze deutsche Reichspfennige schuldig ist. Der Brief war natürlich mit 15 Pfg. frankiert, der Steuerzettel auf gutem weißen Papier, sowie der Briefumschlag wird nicht gefunden sein, sondern Geld gekostet haben, und die Beamten, die sich mit dieser Affäre zu befassen hatten, werden gewiß nicht von Langeweile geplagt gewesen sein. Denn bis das Dokument neuzeitlicher Bürokratie aufgestellt, gebucht,„gegengebucht“, kontrolliert worden war, wird's kostbare Stunden gekostet haben. Und da soll noch mal irgendjemand den Mund auftun, daß Behörden nicht „rationell und wirtschaftlich" zu arbeiten verstünden. Der Spaß ist aber noch nicht zu Ende! Vom„Zahlungspflichtigen“ ist der Betrag von 35 Pfg.„mittelst" Postanweisung eingesandt worden. Kostet die Kleinigkeit von 20 Pfg. Nun hat sich der„Zahlungspflichtige“, der nie etwas von diesen Steuerbeträgen wußte, den Spaß erlaubt, die Richtigkeit der Beträge anzuzweiseln, und die Zahlung unter ausdrücklichem Vorbehalt der Nachprüsung zu leisten. Jetzt kann's noch heiter werden: Nachprüfen, kontrollieren... Verordnungsblatt... Nummer Gesetz Absatz soundso.! Wird da der„Bürokratismus“ wieder Sprünge machen!" Neue Radiverfindung stellt genaue Lage jedes fliegenden Finazences fest. Pros. Georg Csorda. ein ungarischer Gelehrter, hat einen Apparat erfun den, um die geographische Lage eines in der Lu defindlichen Flugzeuges genau zu bestimmen. Die Bedingung ist allein, daß man die Wellenlänge zweie bekannten Radio=Sendestationen kennt. Die Bestim mung erfolgt ohne Mathematik rein mechanisch du Ablesen auf Skalen in wenigen Augenblicken. D „Radiograph“ wird sich auf dem Gediete der Luftfahrt einer kolossalen Verbreitung erfreuen, da an einen großen Teil der vorgekommenen Flugkatastrophen die mangethafte Orientierungsmöglichkeit schuld hatte. Vermischles. Schiffskollision im Danziger Hasen. WTB. Danzig 17. Juli.(Tel.) Im Danziger Hafenkanal fuhr heute der lettische Dampfer„Biruka" dem enchlischen Dampfer„Kolpino“ in die Seite. Der lettische Dampfer traf mit dem Bug das englische Schiff zwischen Vordersteven und Mittelschiff und riß ein etwa 118 Meten großes Loch in die Schiffswand oberhalb des Wasserspiegels. Seine Jahrt war noch so groß, daß er auch einen Schlepper, der das englische Schiff zog. rammie und zum Sinken brachte. Es gelang der Mannschaft des Schleppers, sich zu retten. An Bord beider Schiffe defanden sich Lotsen. Ex wurde eine Untersuchung eingeleitet. Der Tod durch Ertrinken in Irankreich. WTB. Paris, 17. Juli. Nach einer im„Petit Journal“ veröffentlichten Aufstellung über die Todesfälle beim Baden in den letzten heißen Tagen, sind in Frankreich 30 Personen erkrunken, davon 9 in Paris und Umgebung. Ein französisches Militärflugzeug abgestürzt. WTB. Bourges, 17. Juki.(Tel.) Hier ist infolge eines plötzlich aufgetretenen Sturmes ein Militärflugzeug abgestürzt. Der Pllot wurde auf der Stelle gelötet, der Beobachter, ein Hauptmann sowie zwei andere Insassen wurden schwer verletzt. Schweres Eisenbahnungtück bei Warschau. TU. Warschau, 17. Juli. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich am Dienstagmorgen auf der Station Lescno bei Warschau, wo ein Güterzug aus einen Personenzug auffuhr. Beide Lokomotiven wurden vollständig zertrümmert. Sechs Wagen wurden teilweise ineinandergeschoben, darunter zwei vollbesetzte Personenwagen. Bis jetzt konnten nur neun Verwundete geborgen werden. Die endgültige Anzahl der Toten und Verwundeten ist noch nicht festgestellt. Die Bergungsarbeiten sind noch im Gange. Das Erdbeben in Kleinasten. Konstankinopel, 16. Juli. Die neue Erdbebenwelle in Kleinasien, die, wie bereits gemeldet, die Stadt Torbali(35 Kilometer südöstlich von Smyrna) vollkommen zerstört hat und auch in Smyrna Schaden anrichtete, hat, wie jetzt feststeht, fest alle Gebäude, die nach dem letzten großen Erdbeben in Smyrna stehen geblieben waren, vernichtet. Auch in den umliegenden Bezirken hoben die Erdstöße ähnliche Wirkungen gehabt. Im ganzen wurden fünf Stöße verspürt, die nur wenige Minuten auseinander lagen. Der letzte Stoß dauerte über zwanzig Sekunden. Es läßt sich immer noch nicht feststellen, ob Menschen umgekommen sind, doch ist schon gewiß, daß eine Reihe von Personen, besonders in Tooball, ernstlich zu Schaden gekommen ist. Die Bevölkerung, die in Smyrna das Schlimmste befürchtet, ist aus der Stadt geflohen, und Todesstille herrscht in den Straßen. Die Regierung hat sofort alle ihr unterstellten Organe angewiesen, einen Hilfsdienst zu organisieren, den Geflohenen Ledensmittel zukommen zu lassen und sie mit Obdach zu versehen. Außerdem ist im ganzen betreffenen Gebiet ein Sicherheitsdienst organislert worden, damit Plünderern, die die verlassenen Wohnungen berauben wollen, das Handwerk sofort gelegt werden kann. Der Verkehr im Hasen ist vollkommen eingestellt, und die meisten größern Schiffe sind auf See hinausgedampft und kreuzen in einiger Entfernung vam Land bin und der.