Lippische Landes=Zeitung, erscheint mit Ausnahme der Sonn= und Festtage täglich und werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht. Redaction u. Expedition: Detmold, Leopoldstraße Nr. 117. Abonnementsprets für das Vierteljahr. In Detmold 2 Mark 25 Pf., auswärts durch die bezogen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M. Inserate werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet. b2 208. Montag, 3. November. 18844. Für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die Lippische Landeszeitung von allen Postämtern für M. 1,75— einschließlich Bestellgeld 2 M.— in Detmold von der Unterzeichneten für M. 1,50 entgegengenommen. Die Expedition. Die dchaiate der Reihsagchasen. II. Die kleineren deutschen Bundesstaaten. In 1) Baiern haben die Ultramontanen ihren Besitzstand in der Hauptstadt in Stichwahlen zu vertheidigen, im 1. Münchener Wahlkreis gegen die Nationalliberalen, im 2. gegen die Sozialdewokraten. Erobert haben sie Würzburg von der Volkspartei, behauptet das hartbedrohte Immenstadt. Die Nationalliberalen haben sich in der Pfalz in vier Wahlkreisen behauptet, in zwei(Speier und Kaiserslautern) noch Stichwahlen mit der Sozialdemokratie und der Volkspartei durchzumachen, von den Deutschfreisinvigen erobert haben sie Rothenburg a.., in Stichwahl zu vertheidigen haben sie Dinkelsbühl gegen die Konservativen. In Nürnberg (oisher sozialdemokratisch) ist Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Deutschfreisinnigen, in Erlangen(bisheriger Vertreter Herr von Stauffenberg) Stichwahl zwischen diesem und Herrn von Schauß, in Ansbach zwischen dem bisherigen deutschfreisinnigen Vertreter und einem Kandidaten der Volkspartei. In 2) dem Königreich Sachsen haben die Sozialdemokraten die Wahlkreise Freiberg und Mittweida an die Nationalliberalen verloren, dagegen Glauchau den Nationalliberalen und Landkreis Leipzig den Freikonservativen abgenommen; in Kirchberg=Auerbach findet noch Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Nationalliberalen statt. Die deutschfreisinnige Partei hat Meißen an die Konservativen, Zschopau an die Nationalliberalen verloren und muß ihren Besitzstand in Zittau, Löbau, Pirna, Döbeln in Stichwahlen gegen Nationalliberale oder Konservative vertheidigen. In Dresden links der Elbe, bisher vertreten durch den nationalliberalen Dr. Die Erbin von Hallneck. Novelle von L. Migula. (41. Fortsetzung.) Einundzwanzigstes Kapitel. Schluß. Wochen und Monden waren seit jenem schreckensvollen Abend vergangen und hatten manche Veränderung gebracht. Blanka war nach den aufregenden Ereignissen und in Folge der heftigen Erschütterung, die sie erlitten, in schwere Krankheit verfallen und kämpfte lange Zeit mit dem Tode. Günther hatte in diesen Wochen unbeschreiblich gelitten und war oft in Todesangst auf die Knie gesunken, um von Gott die Erhaltung des ihm über Alles theuren Lebens zu erflehen. Und seine Bitte ward erhört. Blanka blieb am Leben, aber nur sehr langsam schritt ihre Genesung vorwärts. Ja, noch einmal drohte die tückische Hand der kaum überstandenen Krankheit Blanka zu ergreifen bei der erschütternden Kunde von dem plötzlichen Ableben ihres Vaters. Indeß hatte sie ihm doch von jeher zu wenig nahe gestanden, hatte zu wenig Liebe für ihn empfinden können, um diesen Schlag nicht rasch zu überwinden. Sie hatte wohl mehr Schreck als Schmerz empfunden, als man ihr so schonend wie möglich sein jähes Ende mittheilte. Er hatte, nachdem er sein Spiel verloren sah, es nicht über sich zu bringen vermocht, den rechtmäßigen Besitzer in Hallneck einziehen zu sehen. Sein Schicksal verflachend, gab er sich selbst den Tod. Camilla verschmerzte den Verlust des Bruders nur langsam, er war vielleicht das einzige Wesen auf Erden, das sie in ihrer Weise geliebt. Auch ihres Bleibens war nun nicht länger in Hallneck, das Günther unter dem Jubel seiner Untergebenen in Besitz nahm. Ja einer kleinen Provinzialstadt führte sie von der kaappen Wittwenpension ein zurückgezogenes Leben, mit dem Stübel, findet Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und „Antisemiten“ statt. Im 3) Königreich Württemberg hat die Volkspartei schwere Niederlage erlitten. Sie hat Cannstatt, Hall und Ulm an die Nationalliberalen verloren und hat in Stuttgart und Heilbronn Stichwahlen mit denselben durchzumachen; von ihren Mandaten hat sie nur Reutlingen und Crailsheim im ersten Wahlgange gerettet; die nationalgesinnten Parteien haben sich überall behauptet; das einzige deutschfreisinnige Mandat(Balingen) muß erst noch in einer Stichwahl gegen die Nationalliberalen vertheidigt werden. 4) Großherzogthum Baden ist leider Tillingen, wo Kiefer kandidirte, bisher von dem nationalliberalen Gerwish vertreten, an das Centrum gefallen; dagegen ist dem letzteren Waldshut von den Nationalliberalen abgenommen worden Stichwahlen finden statt in Lörrach(zwischen Deutschfreisianigen, den bisherigen Inhabern, und Nationalliberalen), Offenburg(zwischen Nationalliberalen, zu denen der bisherige Vertreter gehörte, und Ultramontanen), ebenso in Karlsruhe, ferner in Mannheim, bisher demokratisch vertreten, zwischen Volkspartei und Nationalliberalen. Heidelberg, der langjährige Wahlkreis des Dr. Blum, ist an die durch Ultramontane unterstützten Konservativen gefallen. Im 5) Großherzogthum Hessen haben die deutschfrei sinnigen Gießen und Alsfeld an die Nationalliberalen verloren, verloren haben sie ferner Darmstadt, wo Stichwahl zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten, und Mainz, wo Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Ultramontanen stattfindet. In AlzeyBingen, dem heißumkämpften Wahlkreise Bambergers, findet Stichwahl zwischen diesem und Herrn v. Schauß statt, wobei die Ultramontanen den Ausschlag geben, auch in den bisher deutschfreisinnig vertretenen Wahlkreisen Bensheim und Friedberg finden Stichwahlen zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen statt, eine Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Nationalliberalen in dem bisher sozialdemokratisch vertretenen Offenbach. 6) In den Großherzogthümern Mecklenburg ist das bisher konservative Mandat Malchin an die Deutschfreisinnigen gefallen; der bisher stets nationalliberal vertretene Wahlkreis Schwerin wird erst noch eine Stichwahl mit den Konservativen vorzunehmen haben. 7) Im Großherzogthum Oldenburg, bisher zwei freisinnige und ein ultramontaner Vertreter, hat sich nicht verändert. 8) Im Herzogthum Braunschweig haben die Deutschfreifinnigen die Stadt Braunschweig(bisheriger Vertreter Schrader) verloren, wo Stichwahl zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten stattfindet; der bisher nationalliberal vertretene Wahlkreis Holzminden ist zwischen Deutschfreisinnigen und Freikonservativen streitig. 9) In Thüringen und den kleinen mittel deutschen Fürstenthümern haben die Deutschfreisinnigen Meiningen (den Wahlkreis des Dr. Baumbach) und Dessau an die Nationalliberalen verloren, Eisenach, Sonneberg, Soudershausen haben sie in Stichwahlen gegen die Nationalliberalen, Weimar gegen die Konservativen, Gotha gegen die Sozialdemokraten zu vertheidigen. Auch in Jena, dem Wahlkreis des nationalliberalen Dr. Meyer, findet Stichwahl zwischen diesem und einem Freikonservativen statt, in Altenburg Stichwahl zwischen Freikonservativen, den bisherigen Inhabern, und Deutschfreisinnigen, in Gera, bisher deutschfreifinnig vertreten, Stichwahl zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten. 10) Die freien Städte. In Hamburg haben sich die Sozialdemokraten in zwei Wahlkreisen behauptet, im dritten, bisher deutschfreisinnig vertreten, findet Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Nationalliberalen statt. Bremen ist dem nationalliberalen Vertreter Meier treu geblieben. In Lübeck haben die Deutschfreifinnigen ihren Besitzstand in Stichwahl gegen die Nationalliberalen zu vertheidigen. In 11) Elsaß=Lothringen hat sich nichts verändert. Deutsches Reich. * Berlin, 2. November.(Die Wahlniederlage der deutsch=freisinnigen Partei.) Das hervorstechendste Merkmal der Reichstagswahlen ist außer dem Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen der arge Zusammenbruch der deutsch=freisinnigen Partei. Sie zählt nur 31 sichere Mandate und wenn sie auch bei den Stichwahlen aus dem Schiffbruch noch einige Trümmer retten mag, so ist an der Thatsache, daß an dieser Partei ein schweres Volksurtheil gefällt worden, doch nichts mehr zu ändern. Es ist bezeichnend, daß die Verluste ganz besonders die Geschick über das Fehlschlagen aller ihrer Hoffnungen und Pläne grollend. Blanka war im Waldschlößchen geblieben, und während Güather das Schloß seiner Väter für sein junges Weib schmücken ließ, erholte sie sich sichtlich unter der sorgsamen Pflege Tante Helenens und ihrer künftigen Schwägerin. Margarethe schwamm in Glückseligkeit. Als nach der Katastrophe im Schlosse die gräflichen Geschwister Hallneck verließen, war Herbert noch einmal heraufgekommen, um sich von den ihm so theuer gewordenen Personen zu verabschieden. Er fühlte wohl, daß dies nicht der passende Augenblick sei, sich um Margarethens Hand zu bewerben, und so reiste er ab, ohne das bedeutungsvolle Wort gesprochen zu haben. Bald aber traf ein Brief an die Gräftn ein, in dem er sie mit seinen Wünschen bekannt machte. Diese war wenig überrascht, desto mehr aber erfreut. Auch sie hatte den Grafen liebgewonnen und achtete ihn seiner vortrefflichen Eigenschaften wegen hoch. Mit vollem Vertrauen legte sie die Hand der zärtlich geliebten Pflegetochter in die seine. Zum Weihnachtsfeste war der alte Graf mit seinen Kindern auf dem Waldschloß eingetroffen, um die neuen Verwandten kennen zu lernen, und die liebliche, goldhaarige Schwiegertochter mit dem zarten Kindergesicht hatte bald sein Herz gewonnen, wie auch Alice sich völlig mit der Wahl des Bruders aussöhnte, da sie die Zukunft desselben so glänzend gesichert sah. Es waren fröhliche Tage, die diese glücklichen Menschen zusammen verlebten, und Dornbachs nahmen mit inniger Freude an dem Glück ihrer Freunde Theil. Die drei Brautpaare schmiedeten Pläne für die Zukunft und bauten goldene Luftschlösser, die Eltern hörten lächelnd zu und ergötzten sich an dem jugendlichen Frohsinn. Blanka war kaum wiederzuerkennen. Sie hatte, wie erwähnt, den Tod des Vaters bald überwunden, mußte sie sich doch selbst gestehen, daß es für ihn, wie für sie und die ihr jetzt so nahe Stehenden das Beste sei. Auch ihr Abschied von Frau von We Burgau war karz und kühl gewesen, sie hatte die selbstsüchtige, intriguante Frau nie geliebt. Von all' den alten, drückenden Banden gelöst, schmiegte sie sich mit hingebender Janigkeit an die neugewonnenen Freunde und blühte wieder auf, wie eine junge Rose. Sie, die sonst so hochmüthig kalt und abwehrend zurückgetreten, zeigte jetzt eine so bezaubernde Liebenswürdigkeit, daß sie unwiderstehlich fesselte. Nie war ihre strahlende Schönheit, der leuchtende Blick ihrer meergrünen Augen so bestrickend gewesen, und Hermann sagte eines Tages in unverhohlener Bewunderung zu seiner Braut: „Weißt Du, Lieschen, Blanka ist jetzt so schön, daß man sie wie ein Kunstwerk staunend anblickt. Ich glaube, mir fehlte der Muth, mich in sie zu verlieben.“ „Nun, das würde ich mir denn doch auch sehr verbitten“, scherzte diese, gich habe gar nicht die Absicht, Deine Liebe an eine Andere abzutreten.“ „Da hat es keine Noth, Du bist meiner leider viel zu sicher, und ich habe auch wirklich zu tief in Deine hübschen, braunen Augen geschaut, um jemals wieder loskommen zu können.“ Der Oberförster, der behaglich seine Pfeife rauchend in der Sophaecke lehnte, lachte laut auf. „Hätte ich doch in meinem Leben nicht gedacht, daß ich mir ein paar solch' alberne Kinder erziehen würde, die nur allerhand sentimentales Zeug zu verhandeln haben. Nimm Dich nur in Acht, Du großer Held, daß Du nicht schon jetzt unter den Pantoffel kommst, zieh' bald andere Seiten auf; denn das sage ich Dir, die Liesel ist ein Wettermädel, vor der man höllisch auf der Hut sein muß!“ 7O, da sei ganz ohne Sorge, lieber Papa, Hermann kann seine Tyrannenrolle, die er von Kindheit an gespielt, nicht so plötzlich abstreifen, und ich wünsche das auch gar nicht.“ „Na, das machst Du recht“, nickte der Oberförster befriedigt,„der Mann muß immer das Oberregiment behalten, schon in der Bibel steht ja: Er soll Dein Herr sein.“ (Schluß folgt.) ehemalige sezessionistische Richtung zu tragen hat, ein Beweis, daß gerade diese Richtung durch ihren Anschluß an die Fortschrittspartei das Vertrauen ihrer früheren gemäßigt liberalen Wähler verloren hat. Von einem mäßigenden Einfluß der ehemaligen Sezessionisten auf die Fortschrittspartei wird fortan noch weniger als bisher die Rede sein, da die ersteren nichts mehr in die Wagschale zu legen haben. Ueber die zusammengeschmolzene Schaar der Deutsch=Freisinnigen wird fortan widerspruchsloser als je Eugen Richter kommandiren. Die nationalliberale Partei hat auf jeden Fall einen beträchtlichen Zuwachs empfangen. Schon ohne die Stichwahlen zählt sie ungefähr so viel Mitglieder wie in der vorigen Legislaturperiode. Unsere Wünsche sind freilich nicht alle erfüllt, von einer konservativnationalliberalen Mehrheit kann auch im neuen Reichstag nicht die Rede sein, allein nüchterne Berechnungen konnten auch von vornherein nicht zu der Erwartung kommen, daß jetzt schon dieses Resultat zu erreichen sein werde. Hat man davon gesprochen, so war es eine Uebertreibung, wie sie der Wahlagitation zu gut zu halten ist. Das hat der vielgeschmähte„Heidelberger Aufschwung" auf alle Fälle erreicht, daß die gemäßigte Richtung innerhalb des Liberalismus wieder zu Macht und Ansehen gekommen ist. Wäre die nationalliberale Partei dem Rathe zweifelhafter Freunde gefolgt und Hand in Hand mit den linksliberalen Parteien in den Wahlkampf gegangen, wie sie es zu ihrem schweren Schaden im Jahre 1881 gethan, so hätte sie ohne Zweifel an der Niederlage der„Freisinnigen" theilgenommen und stände jetzt besten Falls als eine kleine Richter'sche Hülfstruppe da, geduldig abwartend, bis ihr dieser Mann, dessen Wahlpolitik von jeher in dem Ziel der Vernichtung der gemäßigten Richtung völlig aufgegangen ist, das Lebenslicht ganz ausblasen würde. Die nationalliberale Partei wird voraussichtlich eine stärkere Vertretung im neuen Reichstag aufweisen, als die deutsch=freifinnige, und wenn auch nicht alle hochgespannten Erwartungen erfüllt worden find, so hat die Entscheidung vom 28. Oktober doch auf alle Fälle die gute Folge, daß der deutsche Liberalismus vor einer sehr ungesunden Entwickelung bewahrt geblieben ist. Große Wählermassen haben gegen die Auffassung protestirt, als ob es zum Wesen des deutschen Freisinns gehöre, auf politischem Gebiet radikal=oppositionelle, auf sozial=wirthschaftlichem Gebiet extrem freihändlerischmanchesterliche Bestrebungen zu verfolgen. *—(Die Erklärung, welche Reuß ältere Linie im Bundesrathe zu Protokoll gegeben hat), lautet wörtlich: „Die fürstliche Regierung steht auf dem Standpunkte des monarchisch=legitimistischen Prinzips, gemäß dessen dem nach den betreffenden Ordnungen berufenen legitimen Thronfolger des Souveräns einer erblichen Monarchie die Regierungsrechte mit dem Ableben desselben von selbst zufallen. So erwünscht der fürstlichen Regierung die Betheiligung der herzeglich braunschweigischen Bevollmächtigten an den Verhandlungen des Bundesrathes erscheint, vermag sie doch an einer Abstimmung nicht theilzunehmen, die ihres Erachtens ein Abweichen von dem eingenommenen Standpunkte invölviren würde.“ * Hamburg, 29. Oktober.(Der gestrige Wahltag) hat durch sein Ergebniß die schlimmen Befürchtungen, weiche man in Folge der Uneinigkeit der Liberalen hegen mußte, noch übertroffen. Den ersten und zweiten Wahlkreis haben die Sozialdemokraten so fest gehalten, daß es nicht einmal zu einer Stichwahl im ersten kommt, wie man vielfach angenommen hatte. Im dritten Wahlkreise kommt es zu einer der Stichwahlen, die diesmal zwischen einem Sozialdemokraten und einem Kandidaten der bürgerlichen Parteien nothwendig geworden sind— in diesem Falle zwischen Heinzel und Adolf Woermann. Wenn sich alle liberalen Stimmen auf Woermann vereinigen, so ist wenigstens dieser Wahlkreis mit Erfolg den Sozialisten streitig zu machen— aber nur in diesem Falle. Hoffentlich wirkt die Lehre, welche die Freisinnigen diesmal erhalten haben, in diesem Sinne, denn an ihrer Hartnäckigkeit ist der Kompromiß gescheitert, welcher allein den Sieg in zwei Wahlkreisen hätte sichern können. Mit der deutschfreisinnigen Partei ist es hier rapide bergab gegangen; von 38,350 Stimmen bei den letzten Wahlen ist sie bei diesen auf 18,550 Stimmen gefallen! Dagegen hat es die gemäßigt liberale Partei in der Person Woermanns auf mehr als 14.000 Stimmen gebracht. Wahrhaft erschreckend ist das Anwachsen der Sozialdemokratie, die in Hamburg eine ihrer festesten Burgen besitzt. Während bei der vorletzten Reichstagswahl von 68,900 abgegebenen giltigen Stimmen 44 Prozent sozialdemokratische waren(30,200) haben diesmal von 72,600 Stimmen 37,500 sozialdemokratisch gewählt, also 51 Prozent. Die Sozialdemokraten haben überall sehr viel Terrain gewonnen, auch wo sie nicht fiegten, sind ihre Minoritäten sehr groß. Bremen, 30. Oktober.(Vorträge.) Der hiesige und der hamburger Protestantenverein werden im laufenden Winterhalbjahr wieder, wie seit zwei Jahren, dieselben Vorträge hören, diesmal nach einem in Hamburg aufgestellten Plane. Als Gegenstand sind die geistigen Bewegungen auf dem Gebiet des deutschen Protestantismus seit der Reformation gewählt: Die Orthodoxie des Pietismus(Superintendent Dr. Dreyer aus Gotha), die nationale Bedeutung des alten Rationalismus(Pastor Manchot), die Zweifelsucht des Materialismus, der moderne Pessimismus(Amtsrichter Hugo Sommer aus Blankenburg), die neuere liberale Theolozie(Professor Dr. Lüdemann aus Bern). (Magdeb. Ztg.) * Hannover, 30. Oktober.(Vorläufiges Wahlergebniß.) Liegen auch vollständige Ermittelungen über den Ausfall der Reichstagswahlen in unserer Provinz noch nicht vor, so kann man doch jetzt schon mit großer Wahrscheinlichkeit angeben, wie die beiden Hauptparteien, Welfen und Nationalliberale, sich in die 19 Reichstagssitze unserer Provinz theilen werden. Die Hoffnungen der Nationalliberalen, daß sie zu den vier Sitzen, die ihnen in der letzten Wahl geblieben waren, auf Koften ihrer Gegner, der Welfen und Deutschfreisinnigen, drei bis vier Sitze zurückerobern würden, sind in Erfüllung gegangen oder werden in Erfüllung gehen. Als ganz oder doch ziemlich gesichert kann die Wahl der nationalliberalen Kandidaten im., 10., 11., 14., 18. und 19. Wahlkreise gelten; es sind hier gewählt die Herren v. Hülst, Struckmann, Falkenhagen, von der Brelie, Cornelsen und Gebhard. Stichwahlen, bei denen Nationalliberale gegen Welfen konkurriren, werden voraussichtlich stattfinden im 5. Wahlkreis(Sattler, nationalliberal, gegen v. Arnswald, Welfe), im 6. (Wattenberg, nl., gegen v. Arnswald,.) im 9.(v. Reden, nl., gegen v. Wangenheim,.) und im 17. (Hastedt, nl., gegen v. Estorf,.) Außerdem findet in der Stadt Hannover eine Stichwahl statt, bei der sich aber Sozialdemokraten und Welfen gegenüberstehen. Endgültig gesiegt haben die Welfen zunächst im 3. Wahlkreise, den natürlich die kleine Exzellenz Windthorst, wie bisher, behauptet hat, ferner in Osnabrück, wo v. Scheele gewählt ist, im 7. Wahlkreise, wo der nationalliberale Stadtlander seinem welfischen Gegner Lanzwerth von Sauern unterlegen ist, im 12., wo Götz v. Olenhusen mit Hülfe des ultramontanen Eichsfeldes gesiegt hat, ferner im 15., wo Graf v. Bernstorff gewählt ist, und dann wahrscheinlich noch im 13. und 16. Wahlkreise, in denen beiden Dr. Schläger von den Nationalliberalen aufgestellt war; beide Wahlkreise scheinen den Welfen v. Alten und v. Wangenheim zugefallen zu sein. Die Deutschfreisinnigen, welche bei der letzten Wahl drei Sitze gewonnen hatten, haben zwei davon an die Nationalliberalen wieder abgeben müssen, darunter befindet sich auch der alte Wahlbezirk Herrn v. Bennigsen's. Nur im 2. ostfriesischen Bezirk scheint sich der Fortschritt behauptet zu haben. * Witten, 30. Oktober.(Ein Brief von Dr. Löwe=Calbe.) Als am 28. Oktober der glänzende Sieg der nationalliberalen Partei im Kreise Bochum durch Telegramme nach hier gemeldet wurde, beschloß das Wahlkomité, nachdem Herr Dr. Beumer auf den langjährigen früheren Vertreter, Herrn Dr. Löwe=Calbe, unter dem jubelnden Beifall von über 2000 Wählern ein donnerndes Hoch gebracht und vorgeschlagen hatte, diesem verdienten Manne zuerst das glückliche Ereigniß zu melden, ein Begrüßungstelegramm nach Berlin abzusenden. Daraufhin ist heute folgende Antwort eingegangen: Berlin., Landgrafenstraße 10. An das liberale Komité in Witten. Herzlichen Dank sage ich den geehrten Herren vom liberalen Komité für ihr Telegramm mit der guten Nachricht, das ich soeben empfangen. Ich freue mich sehr, daß der Kreis Bochum für die Liberalen wiedergewonnen ist und besonders darüber, daß eine so energische und mühevolle Agitation in dem Wahlfeldzuge stattgefunden hat, die nun auch mit einem glänzenden Siege belohnt ist. Ich wünsche jetzt nur und bitte sie darum, diese Anstrengungen jetzt noch zu einer dauernden Organisation der Partei zu führen, durch welche der liberale Besitzstand dieses großen und intelligenten Kreises auch für die Zukunft sicher gestellt werden kann. Mit bestem Dank für das freundliche Gedenken, das Sie mir bewahrt und der Versicherung der wärmsten Sympathieen für Ihre Bestrebungen Ihr ergebenster Or. W. Löwe. Osnabrück, 30. Oktober.(Postsparkasse.) Die Direktion der hiefigen Sparkasse, der größten Sparkasse unserer Provinz, hat im Hinblick auf die in Aussicht genommenen Postsparkassen laut„Westf. Merkur“ an sämmtliche Sparkassen=Verwaltungen unserer Provinz ein Schreiben gerichtet, laut welchem sie es als eine Pflicht der Sparkassen=Verwaltungen anfieht, sich rechtzeitig auf diesen Mitbewerb vorsorglich einzurichten. Zu diesem Zwecke erscheine es unabweislich, auch bei den Gemeindesparkassen 1) die Uebertragbarkeit der Einlagen von einer Sparkasse nach einer anderen einzuführen, 2) die Gelegenheit zum Sparen bequem zu machen(Vermehrung der Sparstellen, Sparmarken), 3) den Einlegesatz zu erniedrigen und die Auszahlungen zu erleichtern. Falls die Antworten der übrigen Sparkassen ermunternd ausfallen sollten, so wird für die zweite Hälfte des November ein hannoverscher Sparkassentag, wohl am besten in der Stadt Hannover, beabsichtigt. Brannschweig. * Brannschweig, 30. Oktober.(Das Testament des Herzogs.) Die„Kreuzztg. kann aus Breslau, und zwar aus zuverlässiger Quelle mittheilen, daß sich beim Breslauer Amtsgericht Kodizille zum Testament des Herzogs von Braunschweig überhaupt nicht befinden. „Am 1. Oktober 1879 wurden— so heißt es weiter— alle Testamente, Nachträge u. s.., die beim früheren Breslauer Stadtgericht und Kreisgericht hinterlegt waren, an das königliche Amtsgericht geliefert. Bis zu dem genannten Tage war kein Testamentsnachtrag des Herzogs eingereicht worden, ebensowenig ist später ein Kodizill gerichtlich deponirt worden. Beim königlichen Appellgericht Breslau, welches bis zum 1. Oktober 1879 Verwaltungsbehörde für Lehen, Fideikommisse und andere Stiftungen war, ist ebenfalls keine Urkunde niedergelegt worden. Falls Herzog Wilhelm sich im Testament das Richt vorbehalten hat, außergerichtliche Kodizille zu machen, könnten solche sich noch in den Händen eines Notars befinden. Eingezogenen Erkundigungen zufolge trifft jedoch auch diese Voraussetzung auf Breslau nicht zu.“ * Braunschweig, 30. Oktober.(Ueber die Zukunft des hiesigen Hoftheaters) giebt man sich hier nach dem Ableben des Herzogs Wilhelm um so mehr allerlei Befürchtungen hin, da auch in dem sonderbaren Testament desselben, soweit es bis jetzt bekannt geworden, des Theaters in keiner Weise gedacht ist. Der Herzog hat nämlich zu den Kosten des Theaters jährlich einen Zuschuß von etwa 63,000 Thalern geleistet, der Wegfall dieser Summe wäre gleichbedeutend mit einem Ruin des Theaters, keinenfalls würde es ein anderes als ein höchst kümmerliches Dasein fernerhin fristen können. Die Befürchtungen, welche dieserhalb aufgetaucht sind und die namentlich für das Theaterpersonal einen ernstern Hintergrund hätten, wenn sie begründet wären, sind dieses letztere glücklicherweise nicht. Wie ich von dem Intendanten, Herrn General v. Rudolphi erfahre, ist die Existenz unseres Theaters in der bisherigen glänzenden und vorzüglichen Weise als völlig gesichert zu betrachten. Herr v. Rudolphi nahm dieser Tage Gelegenheit mit dem Vorsitzenden des Regentschaftsraths, Herrn Staatsminister Graf Görtz=Wrisberg, über diese Angelegenheit zu sprechen und erhielt die Versicherung, daß der Zuschuß zu dem Theater nach wie vor geleistet werden solle. Dieser letztere ist nämlich auch schon früher eigentlich nur in sehr verhältnißmäßiger Weise aus der Privatschatulle des Herzogs, sondern vielmehr aus den Einnahmen des Landes genommen, denn die Theaterzuschüsse waren in der Civilliste vorgesehen und diese ist bei Steigerung der Zuschüsse entsprechend erhöht worden. Das Land wird auch fernerhin die Subvention des Theaters tragen und es ist somit zu hoffen, daß der Stadt und dem Herzogthum Braunschweig dieses Kunstinstitut erhalten bleibt. Holland. * Haag, 30. Oktober.(Wahlergebniß.) Nach dem definitiven Wahlergebniß sind 37 Liberale, worunter sich vier gesonderte Liberale befinden, und 36 Antiliberale in die Kammer gewählt. Dreizehn Stichwahlen haben noch stattzufinden. Aus dem Fürstenthum Lippe und Umgegend. * Detmold, 3. November.(Vom Hofe.) Am Sonnabend Abend ist Ihre königliche Hoheit, Prinzeß Katharina von Württemberg, von Marienbad kommend, zum Besuche am hiesigen Hofe eingetroffen und wird voraussichtlich circa 8 Tage hier verweilen. * Detmold, 3. November.(Landtagswahl.) Bei der heute stattgehabten Wahl eines Landtagsabgeordneten für die II. Abtheilung erhielt im I. Wahlkreise Herr Rechtsanwalt Seiff 117, Herr Rathsherr Ehlerding 87 Stimmen, ungültig eine. Morgen, Dienstag, von—2 Uhr findet die Wahl für die III. Abtheilung gleichfalls auf dem Rathhaussaale statt. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß die Wahl, ebenso wie die Reichstagswahl, eine geheime ist, die Stimmzettel also nicht mit dem Namen des Wählers unterschrieben werden dürfen. * Detmold, 3. November.(Reichstagswahl.) Die amtliche Feststellung der diesjährigen Reichstagswahl im Fürstenthum Lippe hat im Vergleich zu 1881 folgendes Resultat ergeben: Bürten Schemmel Sozialdemokrat Lengerke(1884 nicht aufgestellt) Diverse Ungültig Bei der Stichwahl 1881 erhielt Büxten, wie wir schon neulich mittheilten, 9242 und Schemmel 5931. Stimmen. Im Allgemeinen war die Betheiligung wieder eine ziemlich schwache, wozu u. a. wohl der Umstand beigetragen haben mag, daß ein sehr großer Theil der Ziegler noch nicht zurückgekehrt ist. Bemerkenswerth ist auch in unserem fast industrielosen Lande das Anwachsen der Sozialdemokratie, welche gegen die vorige Wahl um ca. 63% zugenommen hat. * Salzuflen, 2. November.(Zauber=Soirée.) Für kommenden Mittwoch steht den Bewohnern von Salzuflen und Schötmar eine angenehme Abwechslung in Aussicht, indem der Prestidizitateur Jacoby aus Hamburg an diesem Abend im hiesigen Kursaal eine seiner Zaubervorstellungen geben will, welche überall mit so großem Beifall aufgenommen worden sind. Wie die„Landeszeitung“ seiner Zeit mittheilte, hat Herr Jacoby in Detmold drei Vorstellungen kurz hiatereinander gegeben, in denen man sich nicht genug über die Gewandtheit und Fixigkeit dieses Künstlers der modernen Salonmagie, welcher alle seine Sachen ohne die bekannten Hülfsmittelchen von doppelten Einsätzen 2c. machte, wunderte, und welche die Anwesenden steis in größtes Erstaunen versetzten. * Leopoldshöhe, 31. Oklober.(Jahrmarkt.)So ist denn hier zum dritten Male Jahrmarkt gewesen und darf wohl gesagt werden, daß unser Markt sich hält und bewährt. Der jedesmalige sehr staike Besuch beweist, daß ein Markt auf Leopoldshöhe wohl angebracht ist. Im ersten Jahre waren die Ansichten getheilt, obgleich die Betheiligung am Markt stark und die Freude und Lust groß war. Im zweiten Jahre war der Besuch noch größer und Bude reihte sich an Bude. In diesem Jahre war der Markt ebenfalls stark besucht und für Erheiterung und Vergnügen des Publikums bestens gesorgt. Außer zwei großen Tanzzelten und Carroussel waren 60 Verkaufsstellen aufgebaut, woselbst bis zu später Stunde ein reger Verkehr herrschte.— Was den Viehmarkt anbetrifft so waren an 60 Kühe angetrieben, von welchen einige für 270—280 M. verkauft wurden. Schweine waren an 270 Stück da; für sogen. Stangen wurden Preise von 27—30 M erzielt, —8 wöchige Ferkeln wurden mit—9M bezahlt.— So können wir jetzt ruhig behaupten, der Leopoldshöher Markt ist jetzt schon bedeutend und wird es hoffegtlich noch mehr werden zur Freude der ganzen Umgegend. * Herford, 1. November.(Viehmarkt.) Dem gestrigen Monatsviehmarkte waren zugetrieben 107 Pferde, 444 Kühe, 567 Schweine. Der Handel war im ganzen ein lebhafter, vorzugsweise in Jahresschweinen, die sehr begehrt und gut bezahlt wurden. Die Nachfrage in diesem Artikel war deshalb lebhaft, weil viele Käufer aus dem benachbarten Lipperland aus dem Stande der zurückgekehrten Ziegler erschienen waren. Die aufgetriebene Waare in diesem Artikel war dann auch bald verkauft. Gute Milchkühe waren hoch im Preise. Unter den Pferden waren einzelne werthvolle Exemplare, die unverkauft blieben. Von auswärtigen Händlern wurde flott aufgekauft. Mit den Abendzügen gingen 21 Wagen mit aufgekauftem Vieh in der Richtung nach Dortmund ab.(H. Krsbl.) * Bielefeld, 1. November.(Nach amtlicher Feststellung des Wahlergebnisses) für den Reichstagswahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück haben erhalten: v. Ungern=Sternberg 9114, Hänel 1532 Hegemann 2624, Elmendorf 1539, Pilgrim 428 Stimmen; 3 Stimmen sind zersplittert, 13 ungültig. Wahlberechtigt sind 23,422 Wähler; nur 15,253(ca. 60%) haben das Wahlrecht ausgeübt. Herr v. UngernSternberg ist demnach mit ungefähr 1500 Stimmen über die absolute Majorität gewählt.(.) * Minden, 31. Oktober.(Bildung eines Fischereivereins.) Um für die Weser die Interessen einer rationellen Fischerei und Fischzucht zu wahren, in die Bildung eines Fischereivereins für das gesammte Flußgebiet beabsichtigt. Da jetzt noch zwölf verschiedene Staaten, die außerdem zahlreiche Enclaven besitzen, in das Wesergebiet eingreifen, so sind die auf die Fischerei bezüglichen Gesetzesbestimmungen verschieden, oder werden, wenn sie auch im Wortlaut übereinstimmen, hinsichtlich der Schonzeit und Schonreviere, sowie der Ausübung der Fischerei verschiedenartig interpretirt und gehandhabt. Der zu konstituirende Verein würde seine Aufgabe hauptsächlich darin zu suchen haben, im Auskausch der gegenseitigen Erfahrungen Maßregeln ausfindig zu machen und höheren Orts vorzuschlagen, die zur Hebung der Fischerei in der Weser und ihrer Nebengewässer nothwendig erscheinen. Die Erhaltung und Vermehrung des Fischbestandes mit Hülfe von Brutanstalten und Laichschonrevieren, die mit vereinten Kräften anzustrebende Beseitigung der Gefahren und Hindernisse, welche den Fischbestand bedrohen, die möglichst rationelle Verwerthung der Fische, die Vereinigung der genossenschaftlich zu bewirthschaftenden Fischereibezirke, die Ueberwachung der Fischerei durch Anstellung geeigneter Personen 2c., alles mit Rücksicht auf den ganzen Weserstrom erganifirt, bilden so bedeutungsvolle Aufgaben für die Hebung und Förderung der Fischerei, daß einem Vereine für das ganze Wesergebiet zweifellos eine große und segensreiche Wirkung offen steht. Zur Konstituirung eines Fischereivereins für die Weser hat Herr F. W. Meyer, Mühlenbesitzer in Hameln, alle Freunde der Fischzucht zu einer Versammlung auf Sonntag, den 16. November, nach Hameln, Hotel Dose, einberufen. (M. Krsbl.) * Pyrmont, 1. November.(Das definitive Resultat der Reichstagswahl) in den Fürstenthümern Waldeck=Pyrmont ist die erfolgte Wahl des national=liberalen Dr. Fr. Böttcher in Freiburg i. B. mit 3534 Stimmen. Der Wahlkampf war ein sehr heftiger.(H..) Vermischtes. * Der Gendarm als wandelndes Plakat. In Wahlautt het sich Sonntag Nachmittag folgende heitere Wahlepisode ereignet. Die Sozialdemokraten hatten, austätt eigene Wahlprogramme an den Straßen anzucchlagen, ganz einfach kleine rothe, wohlgummirte Zettel, Euf welchen:„Wählet v. Vollmar“ stand, auf die Dahlprogramme der anderen Parteien befestigen lassen, tis Zwar an der Stelle, auf welcher sich die Namen er vorgeschlagenen Kandidaten befinden. Die Polizeiorgane erhielten alsbald Ordre, diese Zettel zu enternen. Ganz vertieft in diese Arbeit, bemerkte nun ein Gendarm nicht, daß ein hinter ihm stehinder Sozialdemokrat einen derartigen ominösen Zettel auf ### patronentasche befestigte. Ahrungslos patronilhg#e „WBächter des Gesetzes in den Straßen seines dievon an Zefolst von einer heiteren, ansehnlichen Gesellschaft *er Wianchenern aller Attersklassen. Erst nach längerer Velus nachte ein Herr den Mann auf die Utsache der -lustigung aufmerksam, worauf der Gendarm sofort eine Agitation für die Sozialdemokraten einstellte. ** (Das Haus Braunschweig) hat, wie schon erwähnt, ecche ganze Reihe als Kriegsmänner ausgezeichneter Sprossen aufzuweisen. Jedenfalls aber kann keine Herrscherfamilie Europas den Ruhm beansprachen, so zahlreiche Mitglieder auf dem Felde der Ehre verloren zu haben, wie der nunmehr im Mannesstamme erloschene ältere Zweig der Welfen. Es sind im ganzen 22 Welfen, von Heinrich dem Löwen abstammend, welche den Tod auf dem Schlachtfelde gefunden haben. Wir wollen uns aber hier darauf beschränken, diejenigen Braunschweiger Fürsten namhaft zu machen, die in den letzten zwei Jahrhunderten im deutschen beziehungsweise preußischen Kriegsdienste vor dem Feinde geblieben sind. Es sind ihrer acht. Die Reihe eröffnet Prinz Friedrich August von Braunschweig, welcher bei der Belagerung Philippsburgs im Jahre 1676 in den Laufgräben vor dieser Festung blieb. Während des spanischen Erbfolgekrieges fiel Prinz August Ferdinand in der Schlacht am Schellenberge(2. Juli 1704), als er mit der Fahne in der Hand und an der Spitze der braunschweigischen Truppen die feindlichen Verschanzungen erstürmte; außerdem fand Prinz Heinrich Ferdinand den Tod während der Belagerung von Turin(1706). An den Kriegen Friedrich des Großen nahmen fünf braunschweigische Prinzen Theil, von denen drei auf dem Schlachtfelde blieben. Prinz Albrecht wurde in der Schlacht von Soor(30. September 1745) getödtet, in welcher Schlacht er einem Bruder, der bei den kaiserlichen Truppen focht, gegenübergestanden hatte. Einen anderen Bruder, Prinz Friedrich Franz, tödtete in der Schlacht von Hochkirch(14. Oktober 1758) eine österreichische Kanonenkugel. Prinz Albrecht Heinrich endlich erlag am 9. August 1761 den Verwundungen, welche er in der Schlacht von Villinghausen(15./16. Juli 1761) davongetragen hatte. Die napoleonischen Kriege kosteten zwei braunschweigischen Fürsten das Leben. Der Herzog Karl Wilhelm Ferdinand, der ruhmreiche Feldherr aus dem siebenjährigen Kriege und der unglückliche Oberbefehlshaber in der Schlacht von Auerstädt, empfing am 14. Oktober in der genannten Schlacht eine Wunde, die ihn des Augenlichtes beraubte und an welcher er, verbannt aus der Heimath, am 10. November 1806 verstarb. Die lange Reihe dieser Tapferen schließt aber der Held von 1809, der„schwarzer Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig=Oels, den am 16. Juni 1815 in dem Gefecht von Quatrebras die tödtliche Kugel traf! ** * * Eine Zähnefabrik. Einer der bestbezahlten Berufszweige in Amerika ist der des Zahnarztes. Obwohl es in jeder Stadt fast eben so viele Zahnärzte giebt, als Heilkünstler, die sich mit der Bekämpfung anderer körperlicher Leiden der Menschea beschäftigen, machen sie doch alle gute Geschäfte. Sie haben nicht nur eine zahlreiche Kundschaft, besonders unter den Frauen, sondern lassen sich auch zahlen. Wer einmal verdorbene Zähne bekommen hat und dieselben ausbessern lassen will, hat tief in seine Tasche zu greifen. Und nach Tausenden zählen in jeder größeren Stadt die Menschen, die mit gefüllten Zähnen oder künstlichen Gebissen herumlaufen. In keinem anderen Lande der Welt ist aber auch die Lebensweise der Leute so günstig für die Prosperität der Zahnärzte. Von frühester Jugend an ruiniren sich die Kinder in den Vereinigten Staaten ihre Zähne durch den Genuß von Zuckerwerk. Die meisten Kinder leiden bereits an verdorbenen Zähnen, bevor sie noch das zehnte Lebensjahr erreicht haben. Und viele Personen, die aus ihren Kindheitstagen gesunde Zähne ins reifere Alter mitnehmen, verderben dieselben durch den Genuß von allzukalten oder allzuwarmen Speisen. Unter den Leuten, die aus der Behandlung der Zähne ihrer Mitmenschen Geld machen, herrscht die Ansicht, daß es noch schlimmer werden wird. Das erklärt auch die geplante Errichtung einer großen Fabrik künstlicher Gebisse in Ultra, im Staate New=York, aus der täglich 3000 falsche Gebisse hervorgehen sollen. Man nimmt somit an, daß sich bald ein weiterer jährlicher Absatz für eine Million falscher Gebisse finden werde. Wohin soll es führen, ruft ein amerikanisches Blatt klagend aus, wenn wir schließlich ein Geschlecht Zahnloser werden? Warum wird nichts gethan, um der Zähne=Verderbniß ein Ziel zu setzen? Es werden Konventionen abgehalten, die den nützlichen Zweck der Erhaltung der Wälder fördern. Ist nicht auch die Erhaltung der Zähne eine ebenso nützliche, ja nützlichere Mission? Gemeinnütziges. * Verbesserung des Petroleums. Namentlich auf dem Lande bereitet der nicht seltene Uebelstand, daß das Petroleum in den Lampen nicht ordentlich brennen will, der Hausfrau manchen Verdruß. Diesem kann man jedoch leicht abhelfen. Man filtrire das Petroleum, ehe man es zur Verwendung gelangen läßt, durch ein dünnes Läppcen Zeug, das man am einfachsten in einen, auf eine gereinigte Flasche gestellten Blechtrichter legt und man wird sich wundern, welche Menge Schmutz sich von Petroleum der gewöhnlichen Sorte an dem Zeuge absetzt. Weiter zieht ein starker Wollenfaden, in das Bassin der Lampen gelegt, vielen Schmutz aus dem Petroleum an sich. Literatur, Kunst und Wissenschaft. * Köln, 30. Oktober. Der berühmte Tenorist unseres Stadttheaters, Herr Emil Götze, wird nach einem zwischen Direktor Hofmann und Generalintendant v. Hülsen in Berlin abgeschlossenen Vertrage vom 1. Mai bis 15. Juni k. J. an der dortigen Hofbühne an 15 Abenden auftreten. Das Honorar beträgt jeden Abend 2000 Mark. Repertoirentwurf des königlichen Theaters zu Hannover. Montag, den 3. Oktober: Zum 1. Male:„Der Raub der Sabinerinnen: Schwank in 4 Akten von F. und P. von Schönthan. Dienstag, den 4. November: „Die weiße Dame“, Komische Oper in 3 Akten von Boieldieu. Jenny: Fräul. Muzell. Mittwoch, den 5. November:„Gudrun“, Große Oper in 3 Akten von Felix Draeseke. Donnerstag, den 6. November:„Der Raub der Sabinerinnen: Schwank in 4 Akten von F. und P. von Schönthan. Freitag, den 7. November: „Fra Diavolo“. Oper in 3 Akten von Auber. Sonnabend, den 8. November:„Minna von Barnhelmu. Lustspiel in 5 Akten von Lessing. Sonntag, den 9. November:„Hans Heiling“. Oper in 3 Akten von Marschner. Anti. Bekanntmachungen des Amtsblattes Nr. 88. Detmold. Regierung. Der Regierungsassesser Pustkuchen ist zum Regierungskommissarius für den Steuerbezirk der Klasse AI der Gewerbesteuer bestellt worden. Detmold. Amtsgericht II. Die Verwaltung des gemeinschaftlichen Vermögens der Eheleute Mühlenpächter Ernst Nagel hierselbst ist der Ehefrau Henriette Nagel, geb. Heringlake, übertragen worden. Horn. Der Amtsanwalt. Der Steinhauer Karl Friedrich Wilhelm Deppe, genannt Pollmann, aus Veldrom wird unter der Beschuldigung, als beurlaubter Reservist ohne Erlaubniß ausgewandert zu sein, auf Donnerstag, den 11. Dezember d.., Vormittags 9 Uhr, vor das fürstliche Schöffengericht zu Horn in Lippe geladen. Blomberg. Verwaltungsamt. Der Simon Siek zu Istrup will nach Holland auswandern. Lemgo. Amtsgericht II. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Bauerrichters und Holzhändlers August Hölscher in Hillentrup ist zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen Termin auf Dienstag, den 25. November d.., Vormittags 9 Uhr, vor dem fürstlichen Amtsgerichte hierselbst(Zimmer Nr. 7) anberaumt. Alverdissen. Amtsgericht. Das Testament der weiland Eheleute Leibzüchter Hagemeier auf Nr. 7 zu Göstrup wird Dienstag, den 11. November d.., Vormittags 10 Uhr eröffnet werden. Zwangsverkäufe: Am Amtsgericht II zu Detmold, Zimmer Nr. 7, Dienstag, den 30. Dezember, Vormittags 11 Uhr, das Wohnhans D Nr. 190 des Bauunternehmers A. Bonhagen hierselbst, zur Zeit in Bielefeld. Taxe und Verkaufsbedingungen liegen 4 Wochen vor dem Termine auf der Gerichtsschreiberei aus. Am Amtsgericht II zu Detmold Donnerstag den 20. November, Morgens 11 Uhr, der Grundbesitz des Tischlers Aug. Schäfer hierselbst, bestehend aus dem C 69 an der Krummenstraße belegenen Wohnhaus und zwei Ländereien am Hohenloh und Wehrenhagen. Taxe und Verkaufsbedingungen liegen 14 Tage zuvor auf der Gerichtsschreiberei, Zimmer Nr. 6, aus. Am Amtsgericht Horn, Dienstag, den 2. Dezember, Morgens 10 Uhr, das Bornemeiersche Kolonat Nr. 136 der Bauerschaft Meinberg. Taxe und Verkaufsbedingungen liegen 3 Wochen vorher auf der Gerichtsschreiberei aus. Neueste Nachrichten. * Bromberg, 1. November. In dem Prozeß gegen den Professor Möller(Königsberg) wegen Beleidigung des Staatsministeriums und des Reichskanzlers erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung, da durch Zeugenaussage der Beweis nicht erbracht worden sei, daß der Wortlaut des vom„Bromberger Tageblatt“ grbrachten Berichts mit dem von Prof. Möller in der Versammlung vom 14. März Gesagten identisch sei. * Paris, 1. November. Der„Matin“ meldet aus Nantes 12 Cholerafälle seit dem 25. Oktober. Die „Agence Havas", bestätigt, daß seit dem 15. Oktober etwa 15 choleraartige Fälle vorgekommen seien, doch sei kein Anlaß zu Besorgnissen vorhanden. Die Behörden hätten sofort die erforderlichen Borsichtsmaßregeln getroffen. * Rom, 1. November. Gestern kamen in den infizirten Provinzen 19 Cholera=Erkrankungen und 14 Cholera=Todesfälle vor. * Madrid, 1. November. Gestern fand in Huete (Provinz Cuenca) eine große Feuersbrunst statt, wobei 27 Todte und 12 Verwundete zu beklagen sind. * Newyork, 31. Oktober. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd„Rheinn ist hier angekommen und hat alle Passagiere und die Mannschaft, zusammen 186 Personen, von dem verbrannten Dampfer„Maesdam“ mitgebracht. Meteorslogische Beobachtungen in Detmold. Allgemeiner Witterungscharakter: 3. wolkig. Sonnen=Aufgang 7 U. 0., Untergang 4 U. 29 M. Mondes=Aufgang 5 Abds. Untergang 645 Morgen. Für den Inseratenheil verantwortlich: A. Mewes in Ein Wohnhaus mit großem Garten, für eine Familie passend, steht zu verkaufen. Offerten unter Nr. 670 an die Expedition d. Bl. Coripantosfel ur EE ar goblien u. imitrt.lecderPallage( Frasen Dasend 8ig Mk. mit enagelten festen Tuchsohl. für Frauen Dutzend 6¾ Mk. — T u c h s c h u h e l m i t h o l z g e n a g e l t e n f e s t e n Cordschuhe Doszend 11 Guask. Bei grösser. Abnahme billiger lief. G. Engelhardt. Zeitz. I L Vaterländischer Frauen-Verein. Die nächste Zusammenkunft der ordentlichen Mitglieder des Vereins wird am Donnerstag, den 6. November, Nachmittags 3 Uhr im Fürstlichen Schlosse statt finden. Detmold, den 3. Nov. 1884. Der Vorstand. In Vertr.: Marie Schmidt. Gestern Abend 8½ Uhr entschlief sanft nach langen schweren Leiden unsere innigstgeliebte Tochter Elisabeth. Verwandten und Freunden diese traurige Nachricht mit der Bitte um stille Theilnahme. Detmold, 3. Nov. 1884. Th. Limberg u. Frau. Beerdigung am Donnerstag Nachmittag 3½ Uhr. Nach Gottes ewigem Rathschluß wurde diesen Nachmittag gegen 3 Uhr unsere einzige, innig geliebte Tochter, Schwester und Schwägerin Johanne Möllemann nach langen schweren Leiden, im 21. Lebensjahre, in die ewige Heimath abgerufen. Die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Waddenhausen, 1. Nov. 1884. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. d.., Nachmittags 3 Uhr statt. Todes=Anzeige. Theilnehmenden Verwandten und Freunden die ergebene Anzeige, daß der Herr unser Gott unsern lieben, theuren Sohn, Bruder u. Schwager Hermann von seinen schweren Leiden heute Morgen im Alter von 32 Jahren erlöset hat. Pastor Mörs u. Familie. Bega, den 1. Nov. 1884. Die Beerdigungfindet Dienstag Nachmittag 4 Uhr vom Pfarrhause in Bega statt. Tobes=Anzeige. hat Gott dem Allmächtigen gefallen, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter u. Großmutter, die Wittwe Caroline Meyerherm geb. Watermann zu Ehlenbruch, nach kurzen, schweren Leiden im Alter von 65 Jahren zu sich zu nehmen. Die Hinterbliebenen. Ehlenbruch, 2. Nov. 1884. Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag 3 Uhr statt. Knaben=Anzüge von 6 Mk. an, Knaben=Paletots von 8 Mk. an, Knaben- Kaisermäntel von 10 Mk. an, für größere Knaben 16, 18, 20 bis 22 Mark empfiehlt in großer Auswahl H. Dieper, Detmold, Langestraße 5. 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Elegie für Cello von Ernst. b Lied ohne Worte für Cello von Mendelssohn. 7) Duettinen von Frank. Liebig's selbstthätiges Backmehl Zur Herstellung von Brod, Kuchen, Torten etc. ohne Hefe. Aplel-Torte. Man bereite aus ½ Pf. Liebig’s Mehl mit Zucker, Butter, einem Ei und etwas Milch einen steifen Teig, rolle ihn aus, bestreue mit Zucker und Zwiebackskrumen und belege mit Apfelschnitten, welche vorher mit etwas Butter erwärmt waren. Alsdann bestreue man wieder ###glmit Zucker, lässt braun backen und übergiesst den Kuchen mit folgen* dem Guss: Man bringt ½ Liter Milch mit Zucker, Citronenschale und Canehl zum Kochen. 4 Löffel Liebig’s Mehl werden mit kalter Milch angerührt, in die kochende Mischung hineingethan. Nach dem Erkalten füge man 4 Eier hinzu(das Weisse zu Schaum geschlagen). Der Kuchen muss alsdann noch 10 Minuten backen.(Sehr zu empfehlen.) Deit BRbrn! Illustrirte Damen= und Moslen=Zeitung. Abonnementspreis vierteljährlich 2½ Mk.(3 fres. 35 c.— in Oesterreich nach Cours). 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