„Die Lippische Landes=Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonn= und Festtage und werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht. Redaction u. Expedition: Detmold, Leopoldstraße Nr. 117. Abonnementspreis für das Vierteljahr: In Detmold.Mark 25 Pf., auswärts durch die Post bezogen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M. Inserate werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet. Verantwortlicher Redacteur August Klingenberg. Druck und Verlag der Meyer'schen Hofbuchdruckerei(Gebr. Klingenberg) in Detmold. De 282. Sonnavend, 1. Dezember. 1805. nehmen Bestellungen auf die Lippische Landeszeitung jede Postanstalt zu 87 Pf.— einschließlich Bestellgeld 1 Mark— und für Detmold die Unterzeichnete zu 75 Pf. entgegen und machen wir besonders auf die in diesem Monat stattfindenden Landtagsverhandlungen aufmerksam. Die Erpedition. Das Krankenlassengesetz. N. Mit dem heutigen Tage tritt bekanntlich das Krankenkassengesetz in seinen organisatorischen Bestimmungen in Kraft, der erste große sozialpolitische Gesetzgebungsversuch der neuen Aera. Das Gesetz ist freilich in mancher Beziehung ein„Sprung ins Dunkle“, ein Experiment, das sich praktisch erst bewähren muß und dessen Durchführbarkeit noch von manchen Seiten angezweifelt wird. Wie sich die verschiedenen Kassen bewähren, ob sie sich zur Uebernahme auch noch größerer sozialpolitischer Aufgaben eignen, ob die Arbeiter bald zur Erkenntniß der Wohlthaten des Gesetzes kommen oder nur die ihnen dadurch auferlegten, an sich ja geringfügigen Lasten empfinden werden, ob die Ausdehnung des Versicherungszwanges richtig gegriffen und in dessen Rahmen die Freiheit der Bewegung glücklich abgegrenzt ist, ob in allen Fällen den auferlegten Pflichten und wohlerworbenen Rechten auch die Leistungen entsprechen werden, ob der moralische Zweck des Gesetzes, die Sicherung gegen die durch Krankheit entstehende wirthschaftliche Noth und die Befreiung von der demüthigenden Armenunterstützung, wirklich in vollem Umfang erreicht wird: das sind Fragen, die sich heute mit Sicherheit noch nicht beantworten lassen. Den guten Willen und das redliche Streben dieser Gesetzzebung wird man auf alle Fälle nicht bezweifeln dürfen. In dem neuesten Heft der Hildebrand=Conrad'schen Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik liegt uns ein Aufsatz des sezessionistischen Reichstagsabgeordneten Professor Paasche vor, der in durchaus sachlicher und objektiver Weise die Bedeutung und vorUnter der Maske. Novelle von Antonie Haupt. (18. Fortsetzung.) IV. Die Sonne schimmerte voll und golden durch den Wald und füllte die Kronen der Bäume mit der ganzen Pracht ihres Lichtes. In allen Zweigen war fröhliches Gezwitscher, und die Lerche stieg jubelnd zum Himmel und badete sich im reinen Aether. In freudiger Stimmung stand Heinrich, der eben mit seinem Onkel den Wald verlassen hatte, hoch oben auf dem Berge, von wo man eine freie Aussicht über die sonnige Gebirgslandschaft hatte. Ein unendliches grünes Wogengemälde breitete sich vor ihm aus. Die Luft war so durchsichtig, daß man trotz der Entfernung die feine Zeichnung der den Horizont begrenzenden, gewaltigen Bergriesen erkennen konnte. Ganz nahe erschloß sich dem Blick ein friedliches Wiesenthal, wo Weiden und Erlen sich über den kleinen Fluß neigten und ein stattliches Landhaus mit hohen Giebeln und Thürmchen aus grünem Dickcht hervorsah. In tiefen Zügen athmete Heinrich den erfrischenden Waldesduft und mit strahlendem Auge rief er aus:„Ich hätte nie geglaubt, daß Eure Gegend ein so schönes Fleckchen Erde sei! Witklich entzückend schön.“ Onkel Paul nickte nur still befriedigt vor sich hin, dann sagte er:„Da hast Du auch den Klingenthaler Hof dort unten im Grunde. Freundlich bewillkommnet werden wir gewiß, obgleich ich als Junggeselle bei Frau Buschner ein seltener Gast bin. Wie Du weißt, verkehre ich überhaupt wenig mit den benachbarten Gutsbesitzern, aber doch genug, um zu wissen, daß keiner derselben im vorigen Herbste eine junge Dame beherbergte, die Deirer Schilderung gleichgekommen wäre. Deine Reisegefährtin konnte also nur ihren Aufenthalt dort im aussichtliche Wirkung der wichtigsten Bestimmungen des neuen Gesetzes untersucht: Der Verfasser, der zu den wenigen Mitgliedern der liberalen Vereinigung gehört, welche für das Gesetz gestimmt haben, hat gegen manche Bestimmungen schwere und gewiß sehr beachtenswerthe Bedenken. Es wird sich vielleicht auch bald in der Praxis die Nothwendigkeit herausstellen, an manchem Punkt die bessernde Hand anzulegen. Im Ganzen aber kommt Herr Paasche doch zu der Ueberzeugung und dem Schlußresultat, daß mit diesem Gesetz eine große sozialpolitische That geschehen und ein wichtiges Werk zur Beförderung des Wohls der Arbeiter zu Stande gekommen ist und daß die prinzipiellen Grundzüge richtig und gesund sind. Der Verfasser schließt seine lehrreiche Untersuchung mit den folgenden Bemerkungen: „Wenn der Reichstag auch nichts Vollkommenes geschaffen hat, wenn, um das allgemeine Wohl zu fördern, im Einzelnen vielfach drückende Fesseln angelegt wurden und, wo ihr Nutzen nicht zu Tage tritt, nur ihr Druck empfunden wird, wenn mancher Wunsch auf freiere Gestaltung nicht Befriedigung fand, wenn Organisationen ins Leben gerufen oder erhalten werden, von denen es zweifelhaft ist, ob isie ssich bewähren, so glauben wir doch, daß im Großen und Ganzen dies Gesetz als ein wesentlicher Fortschritt zu betrachten ist, daß in der Praxis der Verwaltung die Schwierigkeiten, welche die erste Einführung in großer Zahl bieten wird, in nicht allzulanger Zeit sich werden überwinden lassen. Einen wesentlichen Fortschritt nennen wir das Gesetz insofern, als es die Krankenversicherung mit all ihren materiellen und moralischen Vortheilen für den Arbeiterstand schnell verallgemeinern, vor Allem durch die Lokalifirung der Krankenpflege an dem Ort, wo der Arbeiter beschäftigt wird, ein gutes Theil der jetzt so zahlreichen, lästigen und deprimirenden Streitigkeiten beseitigen wird, wem die Unterstützungspflicht des Erkrankten zufalle. In der Praxis des Lebens wird sich aber auch bald zeigen, ob und welche lebensfähigen Gebilde man geschaffen und der zukünftigen Gesetzgebung kann es dann überlassen bleiben, die verbessernde Hand anzulegen und das, was sich bewährt hat, auszubilden zu einem Grund= und Eckstein, auf dem das Gebäude der sozialen Reform zum Heile unseres Vaterlandes fest und sicher erbaut werden kann.“ Wir zitiren diese Worte um so lieber, als sie von einer Seite kommen, wo blinde Klingenthaler Hof bei Frau Buschner genommen haben.“ „So laß uns auch nicht mehr zögern hinabzugehens, rief Heinrich in jugendlicher Ungeduld und begann mit größter Eile den Berg hinunter zu laufen. Onkel Paul blickte ihm lächelnd nach, dann aber setzte er sich selbst in Trab:„Man muß den Kindern den Willen thun", brummte er. Eine Viertelstunde später schritten die beiden Männer durch das Eingangsthor in eine Obstbaumallee, die zwischen Gemüsefeldern auf das einsame Gebäude zuführte, einen alten, stattlichen Bau aus dem vorigen Jahrhundert, der durch die sorgfältigste Unterhaltung und größte Sauberkeit das Gepräge der Wohlhabenheit trug. Er war von üppig wucherndem Gehölz umgeben, und hinter demselben zog sich der ehemalige Park als dichter Laubwald weit den kleinen Fluß entlang. Vor dem Landhause breitete ein riesiger Nußbaum sein dunkelgrünes Gesweige aus und beschattete ein höchst einladendes Ruh=plätzchen, das man aus einer einfachen Moosbank und einem runden Tische kunstlos verfertigt hatte. An diesem Tische saßen ein stattlicher Greis und eine rüstige ältere Dame in traulichem Zwiegespräch beisammen. Der alte Herr hatte eine Menge Bücher vor sich aufgethürmt und schien mit einer schriftlichen Arbeit beschäftigt gewesen zu sein, ehe die freundlich plaudernde Dame sich mit einem Korb voll Gemüse, an dem sie emsig fegte, neben ihn gesetzt hatte. Als letztere die beiden Ankömmlinge bemerkte, erhob sie sich und schritt ihnen rasch entgegen mit einem freudigen„Grüß Gott, Herr Nachbar! Das ist ja eine seltene Ehre!" Ockel Paul schüttelte kräftig die dargebotene Hand: „Ich wollte Ihnen doch meinen Neffen vorstellen, Frau Buschner. „Freut mich, daß Sie diesmal an Ihre alte Freundin gedacht habenn, sogte die Dame und reichte auch Heinrich die Hand. Verehrung der neuen Sozialpolitik gewiß nicht zu suchen ist, sondern ruhige Prüfung, kühle Kritik und vorsichtige Zurückhaltung. Deutsches Reich. * Berlin, 30. November.(Ein Umschwung in der studirenden Jugend.) In der Berliner Studentenschaft beginnt eine erfreuliche Ein= und Umkehr sich vorzubereiten. Wie die Jugend für alle neuen und blendenden Ideen empfänglich ist, so war sie es auch für die Phrasen vom echten Deutschthum, welches angeblich verloren gewesen und jetzt wiedergewonnen werden müsse, und welches sich zunächst praktisch als der reine Antisemitismus darstellte. Auf diese Weise konnte es kommen, daß nicht bloß Männer, wie Treitschke und Wagner, die doch immer noch etwas sind in der wissenschaftlichen Welt, sondern daß sogar ein Stöcker zum Führer und Helden des„nationalen Studenten wurde. Der Unfug hat lange gedauert, viele Erbitterung verursacht und manche tüchtige junge Kraft durch das Hineinziehen in die wüsteste und unfruchtbarfte aller Tagesfragen vor der Zeit lahm gelegt. Jetzt aber kommt der Gesundungsprozeß, langsam, doch wie es scheint, sicher. Anläßlich der bevorstehenden studentischen Ausschußwahlen nämlich hat eine Reihe von wissenschaftlichen Vereinigungen und Landsmannschaften einen gemeinsamen Aufruf erlassen, worin sie die vorgekommenen Zwistigkeiten aufs Tieffte bedauern und mit dem offenen Eingeständniß, daß die studirende Jugend sich um Politik nicht zu kümmern habe, die dringende Bitte verbinden, bei den Wahlen alle konfessionellen und politischen Rücksichten bei Seite treten zu lassen. Möglich, daß ein Erfolg für jetzt noch nicht zu erreichen ist, indessen ausbleiben wird und kann er auf die Dauer nicht, wenn anders nicht das Vertrauen auf den verständigen und doch zugleich idealen Sinn unserer Jugend verloren gehen soll. Für die symptomatische Bedeutung der beginnenden heilsamen Reaktion aber werden hoffentlich auch die Matadore der antisemitischen Bewegung die erforderliche Begriffsfähigkeit mitbringen. *—(Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke.) Der Berliner Zweigverein des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke ist am Dienstag Abend im Bürgersaal des Rathhauses gebildet worden. Zahlreiche namhafte PerInzwischen war der alte Herr ebenfalls herbeigekommen. „Mein Schwager, Professor Werner“, begann Frau Buschner,„Herr Gutsbesitzer Tannhausen, Herr—“ „Wir beide kennen uns schon“, fiel ihr Werner in's Wort, indem er zu dem jungen Manne trat:„Seien Sie mir willkommen in meinem stillen Asyl, mein lieber junger Freunds, sagte er herzlich. Heinrich, der sich durch die freundliche Anrede des Professors geehrt fühlte, wußte nicht, ob er sich über das unerwartete Zusammentreffen freuen, oder ob er bestürzt sein sollte. Ein Begegnen mit Valerie wollte er in jedem Falle vermeiden. Zu seiner nicht geringen Beruhigung setzte der alte Herr hinzu:„Meine Tochter, die gestern hier angekommen ist, wird gewiß sehr bedauern, Ihren Besuch versäumt zu haben; sie ist nach der Klingenthaler Mühle zu einer Jugendgespielin gegangen.“ Frau Buschner, eine stattliche Fünfzigerin, deren gebräunte Gesichtszüge mit den lebhaften dunkeln Augen noch jetzt verriethen, daß sie in den Blüthentagen ihrer Jugend eine verführerische Erscheinung gewesen, lud die Gäste nun mit geschäftiger Höflichkeit ein, sich ins Haus zu begeben, um einen kleinen Imbiß zu nehmen. Onkel Paul aber rief, auf den schattigen Ruheplatz unter dem Nußbaum deutend:„Hier ist's gut sein, Frau Nachbaria! Hier wollen wir Hütten bau'.“ „Nun, wie Sie wollen“, lachte die Gutsherrin und verschwand im Hause; bald erschien sie wieder, von zwei Mägden gefolgt, und ließ von allem Guten, was der Hof an Küche und Keller aufzuweisen hatte, auf dem Tische ausbreiten. Daran anknüpfend, brochte Onkel Tannhausen bei der liebenswürdigen Wittwe ein wirthschaftliches Gespräch in Anregung, in das beide sich mit größtem Interesse vertiesten. (Fortsetzung folgt.) sönlichkeiten wohnten der Versammlung bei. Den provisorischen Vorstand bilden: Geheimrath Spinola als erster, Generalsuperintendert Brückner als zweiter und Professor Leyden als dritter Vorsitzender, Sanitätsräthe Baer und Goldammer als Schriftführer und verschiedene Persönlichkeiten als Beisitzer. * Köln, 24. November.(Intervention.) Man erinnert sich wohl noch, daß die belgische Regierung Anfangs Februar vorigen Jahres eine Belohnung von 25,000 Frcs. für die Entdeckung resp. Auslieferung des Mörders des Advokaten Bernays aussetzte. Am 7. März wurde darauf Henry Vaughan(Leon Peltzer) auf dem hiesigen Centralbahnhofe verhaftet, und zwar geschah die Entdeckung durch einen Kellner der Bahnhofsrestauration Namens Füser, der nunmehr auf die ausgesetzte Belohnung Anspruch machte. Die belgische Regierung aber verhielt sich trotz aller Reklamationen diesem Anspruch gegenüber sehr harthörig und erst ein Jahr später fand sie sich bewogen, dem 2c. Füser mitzutheilen, daß sie seine Forderung nicht anerkennen könne, ihm jedoch vergleichsweise 2000 Frcs. zahlen wolle. Anfangs Oktober d. J. ist nun Füser persönlich nach Brüssel gereist und hat dort, vor die Alternative gestellt, 2000 Frcs. oder gar nichts zu bekommen, die genannte Summe angenommen. Inzwischen aber hat sich das Reichskanzleramt mit der Sache befaßt und bei der belgischen Regierung intervenirt, so daß nunmehr zu hoffen steht, Füser werde endlich zu seinem Rechte kommen. * Dortmund, 28. November.(Verurtheilung von Polizeibeamten.) Im August. v. J. standen in Hamm eines Abends einige Former beisammen und unterhielten sich über die Vorzüge des deutschen Eisens dem englischen gegenüber. Die Unterhaltung wurde etwas laut geführt. Dies veranlaßte den Polizeisergeanten Kröner, die Leute aufzufordern, nach Hause zu gehen, welcher Aufforderung jedoch nicht entsprochen wurde. Kurz darauf kam der Beamte, der angetrunken war, wieder, versetzte einem der Leute einen Schlag ins Gesicht und arretirte ihn. Auf dem Wege nach dem Polizeibureau gesellte sich ein anderer Beamter(Brah) hinzu und verhaftete den Genossen des Arretirten, der diesem gefolgt war. Beide Leute wurden in das Gefängniß gesteckt und die Nacht über dort behalten. Am andern Morgen entließ Kröner die beiden Leute mit der Bemerkung, er werde nichts aus der Sache machen. Es war über die Verhaftung weder ein Protokoll aufgenommen, noch sonst etwas niedergeschrieben worden. Diese eigenthümliche Handlungsweise brachte die beiden Beamten heute vor die Strafkammer wegen widerrechtlicher Freiheitsberaubung. Es wurde jedoch nur Kröner verurtheilt und zwar zu drei Monaten Gefängniß. Brah wurde freigesprochen, da er bei Begehung der That erst 19 Tage im Dienste war und die Instruktionen über die Verhaftung von Leuten nicht kannte. * Göttingen, 28. November.(Von der Universität.) Nach dem neuen Personalbestande unserer Universität für dieses Wintersemester beläuft sich die Zahl der hier Studirenden auf 1064. Von diesen studiren 175 Theologie, 179 Rechtswissenschaft, 181 Medizin, 529 philosophische Wissenschaften. Der Landesangehörigkeit nach entfallen auf Preußen 833(davon auf die Provinz Hannover 617), auf die übrigen Reichsländer 165, auf Frankreich 1, auf Griechenland 4, England 11, Niederlande 1, Rußland 12, Schweiz 4, Türkei 1, Ungarn 2, Amerika 30. Außer den immatrikulirten Studirenden sind noch 22 Herren zum Hören der Verlesungen zugelassen. * Hannover, 27. November.(Die eben vollzogenen Bürgervorsteherwahlen) würden an sich das Interesse über das Weichbild unserer Stadt kaum in Anspruch zu nehmen haben, wenn sie nicht als der Gradmesser für das allwähliche Schwächerwerden des Welfenthums einen Maßstab abgäben. Die Art und Weise des Kampfes in Wort und Schrift von der Seite dieser Partei überstieg aber diesmal doch alle Grenzen des Erlaubten, so daß sich die gebildeten Kreise der Stadt von dieser Kampfesart abwandten und für den Hauptgegner der Welfen, den kundigen und schneidigen Dr. Glackemeyer, eintraten, der denn auch einen glänzenden Sieg erfocht. Gegen ihn, als den gefährlichsten Gegner, wandte sich vergeblich der welfische Zorn, und nunmehr dürfen wir hoffen, daß der Magistrat an der nationalen Minderheit des Bürgervorsteherkollegiums endlich auch eine wirkliche Stütze gewinnt und die Bürgerschaft einen wahrheitsgetreuen Bericht aus den vertraulichen Sitzungen, an dem es hier vollständig fehlt, erhält. Selbst über die Verhandlungen der gestrigen gemeinschaftlichen öffentlichen Sitzung bringt das hier zumeist gelesene„Tageblatt“ lückenhafte Berichte und kein Wort von dem Proteste gegen den mit 4 Stimmen Mehrheit gewählten Bürgervorsteher Rocholl, in dem es zur Frage gestellt wurde, ob ein wegen„Bestechung" bestrafter Herr überhaupt für das Ehrenamt noch qualifizirt sei. Rocholls Wahl wurde beanstandet, und es sollen die Landgerichtsakten zur Prüfung herangezogen werden, aus denen nach der Meinung des ultramontanen Kollegen Fischer nichts Nachtheiliges gegen den kirchlich separirten Rocholl zu finden sein soll. Ob in seinem Distrikte eine Neuwahl beschlossen werden muß, steht noch dahin. (Magd. Zig.) * Hildesheim, 27. November.(Die hiesige Landwirthschaftsschule) hat ihr Winterhalbjahr mit der stattlichen Zahl von 237 Schülern und Hospitanten(gegen 206 am Schlusse des Sommerhalbjahrs) eröffget.— Davon fallen auf die Provinz Hannover 164(Landdrostei Hildesheim 85, Hannover 46, Lüneburg 20, Stade 8, Aurich 3 und Osnabrück); auf die übrigen preußischen Provinzen 33(Sachsen 16, Schleswig=Holstein 5, Hessen=Nassau 4, Westfalen 4, Rheinprovinz, Brandenburg, Westpreußen und Ostpreußen); auf das nichtpreußische Deutschland 30 (Braunschweig 15, Oldenburg 3, Bremen 2, Anhalt 2, Hamburg, Sachsen=Weimar, Sachsen=Koburg, Schaumburg=Lippe, Lippe, Königreich Sachsen, Württemberg und Elsaß=Lothringen je); endlich auf das Ausland 10 (Niederland 5, Amerika 3, Dänemark und England je). — Von dieser Gesammtzahl entfallen auf die berechtigte Landwirthschaftsschule 107(Klasse 1: 17, II: 29, III: 28, Vorschule: 33); auf die Ackerbauschule einschließlich der zu dieser gehörenden Hospitanten 130 (Klasse 1: 24, 2: 22, 3a: 35, 3b: 17, Hospitanten 33). — Bemerkenswerth erscheint, daß der Prozentsatz der aus der nächsten Nähe stammenden Schüler in diesem Semester ein ganz besonders hoher ist. Unter den Hospitanten befinden sich in großer Zahl solche junge Männer, welche ihrer Militärpflicht, sei es als EinjährigFreiwillige, sei es als Dreijährige, genügt haben; auch zwei aktive Einjährig=Freiwillige unseres 79. Regiments nehmen an einigen Unterrichtsstunden Theil. Spanien. * Madrid, 29. November.(Vom Kronprinzen.) Das Gratulationsschreiben des Kaisers Wilhelm zum Geburtstag hat beim König Alfons und bei der gesammten Bevölkerung einen ausgezeichneten Eindruck hervorgerufen, namentlich war der König besonders erfreut über das vom Kronprinzen mitgebrachte Geschenk des Kaisers, eine Nachbildung des Denkmals des Großen Kurfürsten. Unser Kronprivz ist ungemein befriedigt von der Aufmerksamkeit des katholischen Klerus für ihn, hier und in Toli do war der päpstliche Nuntius sichtlich überall um den Kronprinzen bemüht. Die Abreise des Kronprinzen ist für Montag in Aussicht genommen, die Rückfahrt findet zur See statt, die Route ist noch unbestimmt. — Heute Mittag stattete der Kronprinz den Majestäten zu deren Hochzeitstage einen Gratulationsbesuch ab und überreichte der Königin drei prachtvolle Vasen, Erzeugnisse der königlichen Porzellanmanufaktur zu Berlin. Nach dem Dejeuner im Schlosse spielte der Pianist Fauer vor den Majestäten und dem Kronprinzen. * Madrid, 29. November.(Zum Geburtstage des Königs) ist auch ein telegraphischer Glückwunsch von dem Ulanenregiment in Straßburg eingelaufen. Es ist die Rede davon, daß König Alfons den Kronprinzen zum Inhaber eines spanischen Regiments zu ernennen beabsichtige. Es wäre dies in Spanien eine Neuerung und in den höchsten militärischen Kreisen weiß man noch nichts davon, ob es geschehen wird; doch traut man dem energischen Monarchen recht wohl einen solchen wenn auch ungewohnten Schritt zu.— Das Programm für des Kronprinzen Reise nach Andalusien wird heute ins einzelne ausgearbeitet.— Am Sonnabend werden im königlichen Theater die Hugenotten gegeben, am Montag im Apollotheater die Oper Marina.— Eine Abordnung der hiesigen deutschen Kolonie wird dem Kronprinzen eine mit 120 Unterschriften bedeckte Adresse überreichen. Schweden. * Christiania, 24. November.(Verein gegen den Radikalismus). Der Uebermuth, den die Linkenführer durch den reichsgerichtlichen Angriff auf die Regierung gezeigt haben, hat endlich die drohende Gefahr der Massentyrannei klargelegt und die Konservativen im Lande zur Bildung von„Grundgesetzvereinen“ angeregt. Bis jetzt sind 95 solcher Vereine mit dem Hauptzweck, dem Radikalismus entgegenzuwirken, gestiftet worden. Pern. *(Ein Blutbad.) Die chilenischen Besatzungstruppen befinden sich sämmtlich in Arequipa. Die Reorganisation der peruanischen Armee macht rasche Fortschritte. Eine chilenische Truppenabtheilung wurde auf dem Marsche nach Ayacucho von 4000 nur schlecht mit Waffen versehenen Indianern angegriffen. wurden geschlagen und 700 derselben getödtet. Man sagt, Caceres habe die Indianer zu dem Angriff aufgestachelt und das nutzlose Blutbad verschuldet. Aus dem Fürstenthum Lippe und Umgegend. * Detmold, 29. November.(Zur Frage der Unterstützung Hülfsbedürftiger bei Unglücksfällen.) Von vereiozelten Bewohnern ist anläßlich der jüngsten, die allgemeinste Theilnahme hervorrufenden Unglücksfälle in unserer Stadt die Frage in das Publikum geworfen, ob es nicht eine Aufgabe der vorbeugenden christlichen Nächstenliebe sein möchte, durch Ansammlung milder Gaben, die etwa durch Konzerte, theatralische Vorstellungen 2c. 2c. in den verschiedensten Vereinen unseres Gemeinwesens aufzubringen wären, einen Fonds zu gründen, aus welchem bei allen und jedweden Unglücksfällen sofort eine ausreichende Summe zur Linderung der ersten Noth zur Verfügung gestellt werden könnte. So glücklich und folgewichtig dieser, gewiß aus edlem Gem infinn hervorgegangene Gedanke auf den ersten Blick erscheint, so sehr geeignet er scheint, wegen seines humanitären Ursprungs die Anerkennung und thätige Beih lse aller Menschenfreunde in Ansprich zu nehmen, so wenig dürste er doch den kritischen Bedenken widerstehen können, welche die praktische Armenpflege diesem gewiß nicht neuen Gedanken entgegenstellen muß. Als vornehmster Beweis für die Unausführbarkeit des angeregten Gedankens dürfte hingestellt werden, daß derselbe noch niemals in unserem großen Vaterlande zur praktischen Anwendung gekommen ist. Unsere Reichs= und Staatsbehörden, die bedeutendsten Sozialpolitiker haben bislang vergeblich nach gesetzlichen Normen gesucht, die diesen Gedanken in das praktische Leben einzuführen vermöchten. Ein Versuch, denselben für die arbeitende Klasse der Bevölkerung wirksam zu machen, wird gegenwärtig in Reichstagskreisen ventilirt, ob der von der Reichsregierung ausgearbeitete Entwurf des Unfall=Versicherungsgesetzes die Zustimmung des Reichstages erhält, muß dahingestellt bleiben. Jedenfalls sprechen gegen die angeregte Verallgemeinerung der Hülfe bei allen und jedweden Unglücksfällen die schwerwiegendsten Bedenken. Wie hoch denkt man sich die Summe, wie hoch muß sie sein, um aus deren Zinsen eine ausreichende Unterstützung gewähren zu können? Wie denkt man sich die Verwaltung eines Fonds, an welchen jeder Bedürftige, weß Standes er sei, auch bei dem geringsten Unglücksfall Anspruch erheben zu können glaubt? Wir glauben(und wir haben dies in unserem Lande wie allüberall bestätigt gefunden), daß die Nächstenliebe bei einem Unglücksfalle nicht schlummert, daß die momentane Theilnahme die beste Helferin in der Noth ist und daß das größere wie das geringere Unglück immer seine Linderung findet. Wie aber, wenn diese rasch eingreifende Nächstenliebe durch ein unbedeutendes Scherflein, das im Laufe des Jahres hier und da gesammelt wird, auf eine Kommission übertragen würde, die nach Maßgabe der Umstände und, nicht zum Wenigsten, nach dem Stande des Fonds, die Höhe und Art der Unterstützung bestimmt? Wird alsdann nicht auch der mitleidige Nebenmensch sich sagen: Laßt erst sehen, welche Mittel der„Fonds“ auswirft? Wird die rasche, thätige Mithülfe dadurch nicht geradezu erstickt? Was hilft die Unterstützung der nothwendigerweise langsam arbeitenden Kommission dem Unglücklichen, für den für alle Zeiten geltea wird: „bis dat qui cito dat“? Oder nehmen wir an, der „Fondsu wüchse im Laufe der Zeiten, wie angestrebt werden müßte, ins Unermeßliche an— was werden das für Enkel sein, denen die Aeußerung der allereinfachsten Menschenliebe durch unsere Fürsorge schon vorweggenommen ist? Die Noth des Tages ist der Menschheit Glück. Wir meinen nach alledem, daß auch der edelste mildthätige Gedanke der reiflichsten Ueberlegung werth ist, bevor er, ohne Rücksicht auf die thatsächlichen Folgen, dem Publikum zur Verwirklichung vorgetragen wird. * Detmold, 30. November.(Ueber das herrliche Abendroth), wie es schon 4 Tage lang am westlichen Himmel erscheint, wird der„Rh. W. Ztg. aus Düsseldorf geschrieben:„Ein Nordlicht wird bei uns selten oder niemals um die Nachmittagsstunde von 5 bis 6 Uhr und am allerwenigstens in diesem Sphärenpunkte — streng südwestlich— erscheinen. Ich habe Nordlichter entstehen und fortwachsen sehen, und weiß es, wie ganz anders die Wirkung desselben im Vergleich zu einem Abendroth sich gestaltet. Sein Stand berührt nur die nordische Luftregion, das der Erdachse näher liegende Gebiet, wo die zur Erzeugung des Nordlichts kommenden Elemente in den elektrischen und magnetischen Strömen ihren Sitz haben, wie solches unsere Naturforscher annehmen. Dieses Abendroth folgte einem über den ganzen südwestlichen Horizont liegenden orangefarbenen Lichtergusse. Die Luft war leicht verschleiert und da, wo die Sonne versank, lag eine kräftige Dunstschicht. Als der Sonnenball hinter diese hinabgesunken war, warf er den Scheidegruß in einem vollen Hauche rother Farbentöne empor, die sich nach und nach zu einer feurigen Lohe gleichmäßig und ruhig über den Horizont, doch nicht bis zum Zenith hinauf ausdehnten. Von den ein Nordlicht charakterisirenden Erscheinungen, dem Segment oder Lichtkern, von den flammenden Strahlenbündeln, die in zuckender Bewegung auf= und abzusteigen scheinen, und endlich von der sogenannten Nordlichtkrone im Zenith war nichts vorhanden. Also Abendroth und kein Nordlicht!“ * Detmold, 1. Dezember.(Die Andreasmesse), welche zwar von ihrem früheren Glanze viel eingebüßt hat, zieht nichtsdestoweniger noch immer einen ziemlich regen Verkehr von Außen herbei und besonders die diesjährige Messe war, vielleicht in Folge des so schönen Wetters, wieder bedeutend besser beschickt und besucht, wie die letztvorangegangenen. Die Verkaufsbuden zogen sich die ganze Langestraße entlang, vom Hornschen Lemgoerthor, doch fand das Leben und Treiben natürlich seinen Höhepunkt dicht bei und auf dem Marktplatze, wo es neben Cirkus und Schaubuden zur Freude der Jugend auch an dem unvermeidlichen Karoussel nicht fehlte. Schade, daß der heut eingetretene nasse Schnee die Aussicht auf ein gutes Nachgeschäft, welches mit Rücksicht auf den morgigen Sonntag gewiß erwartet wurde, so unerwartet herabgemindert hat.— Der Viehmarkt war gleichfalls in Anfuhr und Verkauf befriediger d. Im Ganzen waren angetrieben 1250 Schweine, 80 Stück Rindvieh und 4 Pferde. Von den Schweinen wurde das Jungvieh mit 3 M. für 5½ bis 6 Wochen, fettes mit 90 bis 120 A bezahlt. Sehr viel wurde von Händlern gekauft und mit der Bohn verschickt. * Lage, 28. November.(Der Delegirtentag des Lippischen Kriegerbundes) fand am 25. d. ., wie bereits kürzlich angemeldet, hier statt, und waren von den dem Bunde angehörigen Vereinen 15 vertreten, während die sehr weit wohnenden Vereinsvorstände unvertreten geblieben waren. Außer den Delegirten hatten sich auch sonst noch mehrere Vereinsmitglieder einiger Vereine und auch Vorstände noch nicht dem Bunde beigetretener Vereine eingefunden, sodaß sich die Gesammtzahl der Erschienenen auf ca. 60 Personen stellte. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vereinspräses, Herrn Gymnasiallehrer und Reserveljeutenant Naber aus Detmold begrüßte und bewillkommnete zunächst der Präses des Kriegervereins Lage, Herr Baumeister Hanke, die Anwesenden, worauf der Delegirtentag folgende Adresse an Se. Durchlaucht den regierenden Landesfürsten „Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht bezeugen allerunterthänigst die zum außerordentlichen Delegirtentage versammelten Abgeordneten der Lippischen Kriegerund Landwehrvereine ihre treugehorsamste Ehrerbietung.“ beschloß und telegraphisch übermitteln ließ. Hierauf brachte der Herr Bundespräses ein Hoch auf das Durchlauchtigste Fürstenpaar aus Anlaß der jüngst gefeierten Silberhochzeit aus, nachdem derselbe den Delegirten von der Seitens des Kriegerbundes dem Durchlauchtigsten Herrscherpaare überreichten Glückwunschadresse zur filbernen Hochzeit Höchstderselben Kenntniß gegeben und die photographische Aufnahme derselben in Cirkulation gesetzt hatte. Das Hoch wurde von den gesammten Anwesenden begeistert aufgenommen. Sodann wurden die neu entworfenen Bundesstatuten berathen und mit geringen Abänderungen genehmigt, worauf der Delegirtentag beschloß, daß diese Statuten sofort in Kraft treten und Hochfürstlicher Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden sollten. Während der Verhandlungen traf ein Telegramm Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht des Fürsten Woldemar als Antwort auf das abgesandte Begrüßungstelegramm folgenden Inhalts: „Besten Dank für Ihren freundlichen Gruß, den Ich von Herzen erwidere. Woldemar, Fürst zur Lippe.“ ein, welches Veranlassung gab, die Verhandlungen kurz abzubrechen und ein dreifaches Hoch auf den hohen Absender auszubringen. Mit einem Hoch auf Se. Majestät den Allerhöchsten Kriegsherrn wurde die Sitzung geschlossen, worauf dann noch der Vereinspräses Lage dem Bundespräses Namens der Delegirten den Dank für die umsichtige Leitung der Verhandlungen aussprach und die Anwesenden zu einem Hoch auf denselben aufforderte, welcher Aufforderung ungetheilte Annahme folgte. Die Kameraden verblieben dann noch einige Stunden in Gemüthlichkeit beisammen und trennten sich in dem Bewußtsein, einem ersprießlich gewesenen Delegirtentage angewohnt zu haben. Hoffentlich werden auch die dem Bunde noch nicht beigetretenen Vereine in nächster Zeit Fühlung mit demselben nehmen und an dem im nächsten Jahre in Lage stattfindenden Bundesfeste sich lebhaft betheiligen. Allgemeiner deutscher Bauerntag. Eisenach, 26. November. Aus den zur Annahme gelangten Statuten des „Deutschen Bauernvereins" theilen wir zur Ergänzung des bereits Berichteten noch folgende Hauptbestimmungen des Programms mit: 1) als hochwichtigster politischer Kardinalpunkt ist die unerschütterliche Treue und Anhänglichkeit an die verfassungwäßige Einheit des deutschen Reiches unter der erblichen Kaiserherrlichkeit des Hohenzollerngeschlechtes hochzuhalten. Die verfassungsmäßige Mitwirkung des deutschen Volkes an der Regelung der Ordnungen des Reiches durch die frei gewählte Volksvertretung wird für alle Zeiten als unentbehrlich zur Förderung der Wohlfahrt des Vaterlandes erachtet. 2) Ueberall, wo die Regelung der Gemeindeverhältnisse noch nicht erfolgte, ist diese Regelung durch ein Gemeindeverfassungsgesetz zu vollziehen, welches die Selbständigkeit des Gemeindelebens auf praktischen Grundlagen erweitert und den Schwerpunkt der niederen ländlichen Polizeiverwaltung in die Gemeinde verlegt. 3) Die bestehenden Besteuerungsformen betreffs Erzeugung von Spiritus und Zucker sind— jedoch unter Berücksichtigung besonderer Verhältnisse des bäuerlichen Kleinbetriebs— dahin abzuändern, daß durch die Steuer nicht die zur Fabrikation verwendeten Rohprodukte, sondern das fertige Fabrikat betroffen wird. # natürliche Entwickelung der Verhältnisse des ländlichen Grundbesitzes darf zu Gunsten bevorzugter Familien durch einseitige Richtung der Gesetzgebung nicht gehemmt werden. 5) Die Aufgabe des Staates ist es, überall, wo es durchführbar, die Staatsdomänen in kleinere leistungsfähige Besitzungen umzuwandeln und dieselben auf geeignete Weise durch Bauerngeschlechter aus überfüllten Distrikten zu kolonisiren. 6) Die Umwandlung des abhä gigen bäuerlichen Besitzes in freies Eigenthum ist üb rall, wo sie nicht bereits erfolgt ist, durchzuführen. Die Ablösbarkeit aller Reallasten, insbesondere der Dienste, Frohnden und Naturalabgaben, ist überall, wo sie nicht bereits erfolgt ist, zu bewerkstelligen. 7) Das Jagdrecht auf eigenem Grund und ##, ist aufrecht zu erhalten und wo es noch nicht vessem, schleunigst einzuführen. Eine Verbesserung der Jagdordnungen hat zu Gunsten der Landwirthschaft, aber nicht der Wildzüchtung, stattzufinden. Wildschad nersatz ist überall einzu ühren. 8) Die Gründung von Unterrichtsanstalten, in welchen die elementaren Grundlagen der Landwirthschaft den Hauptzweig des Unterrichts bilden, ist überall da durch den Staat anzustreben, wo die Möglichkeit des Besuchs derselben nicht durch übergroße räumliche Entfernungen ausgeschlossen bleibt. 9) Die Bildung leistungsfähiger Schulverbände ist durch die Gesetzgebung zu bewirken. Die Regelung des Wegbauwesens und der Flußregulirungen durch die Gesetzgebung ist überall als unerläßlich anzustreben. 10) Die Förderung der landwirthschaftlichen Meliorationen, insbesondere durch Ausführung technischer Vorarbeiten für umfassendere Unternehmungen von Staatswegen, sowie durch Errichtung von LandeskulturRentenbanken ist überall durchzuführen. 11) Grundkreditbanken oder landschaftliche Kreditinstitute, welche auch dem kleineren bäuerlichen Besitz zugänglich sind, müssen behufs Sicherung eines angemessenen Zinsfußes und zwecks der Amortisation überall eingerichtet werden. 12) Das bestehende Maß der indirekten Steuern ist wesentlich herabzusetzen, sobald die allgemeine Staatslage die Ausführung einer solchen Maßregel gestattet. 13) Die gerichtlichen Kosten und Stempelgebühren bei Kauf oder Pachtung des Grundbesitzes, ebenso Prozeßund andere Gerichtskosten, sowie die Kosten der Separationen, Konsolidationen und Ablösungen sind wesentlich zu ermäßigen. 14) Bei Einschätzungen des Grundbesitzes zur persönlichen Steuerveranlagung sind nicht die willkürlichen Annahmen der fiskalischen Steuerbehörden über die Erträgnisse des Grundbesitzes diesem Verfahren zu Grunde zu legen. 15) Förderung des auf Hebung der bäuerlichen Verhältnisse gerichteten Vereins= und Genossenschaftswesens durch die Gesetzgebung und auf dem Wege der Anregung und Belehrung ist unerläßlich. Vermischtes. * Kleinenberg(Kreis Büren), 25. November.(Ergreifung von zwei Wilderern.) Heute Morgen wurden während des sonntäglichen Gottesdienstes von den nach hier kommandirten Gardeschützen, Gefreiten Psetzing und Gefreiten Garcsansky, zwei Wilderer bei Ausübung der Wilddieberei in den hiesigen königlichen Forsten ertappt. Einer dieser Wilderer, von dem Garcsansky hart verfolgt, warf sein Gewehr fort, benutzte das koupirte Terrain und verschwand im Dickicht, wogegen der andere von dem Pfetziag erfaßt wurde. Garcsansky ließ darauf von der weiteren Verfolgung des einen ab, nahm das fortgeworfene Gewehr auf und beeilte sich, seinem Kameraden Hilfe zu leisten, wobei er das gespannte und scharf geladene Gewehr des angehaltenen Wilddiebes wiederholt auf seine Burst gerichtet sah. Nachdem der Wilddieb überwältigt und entwaffnet worden war, transportirten die beiden Forstbeamten ihn zur Oberförsterei Hardehausen, woselbst protokollarisch festgestellt wurde, daß der erfaßte Wilddieb der Holzschläger Wolf ist, der Rame des Complicen Lange, und beide in dem benachbarten Holtheim domicilirt sind. Industrie, Handel und Verkehr. * Haunover, 29. November,(Central=Schlacht= und Viehhof. (Amtlicher Bericht.) Zu heutiger Viehbörse waren aufgetrieben 31 Stück Großvieh, 259 Stück Schweine, 151 Stück Kälber, 139 Stück Hammel. Die Preise sind: Großvieh: I. Sorte—., II. Sort# 60—63., III. Sorte 54—60 M. für 100 Pfd. Schwein per 100 Pfd. 54—51—46., Kälber per Pfd. I. Sorte 70 Pf. II. Sorte 60 Pf. Hammel per Pfd. 65—60 Pf.(Alles Schlachtgewicht.) Der Handel war flau. Wochenmarktbericht. * Detmold, 1. Dezember. Weizen pr. 50 Kilo 9,20 M. Roggen, pr. 50 Kilo 7,50 M. Mengekorn, pr. 50 Kilo.— Gerste pr. 50 Kilo 7,50 M. Raufutter, pr. 50 Kilo—.— Hafer pr. 50 Kilo 7,— M. Heu pr. 50 Kilo 2,50 M. Stroh, pr. 50 Kilo 2,— M. Kartoffeln pr. 50 Kilo 2,— M. Rindfleisch, bestes, pr. Kilo 1,20 M. Kalbfleisch, bestes, pr. Kilo .— M. Hammelfleisch pr. Kilo 1,20 M. Schweinefleisch pr. Kilo 1,20 M. Speck, geräuchert, pr. Kilo 1,50 M. Gänse pr. Kilo 1,30 M. Schinken, geräuchert pr. Kilo—.— M. Butter pr. Kilo 2,20 M. Eier 10 St.—,70 M. Rüben pr. Schffl. 1,50 M. Wurzeln pr. Schffl. 1,80 M. Apfel pr. Schffl. .20 M. Birnen pr. Metze—.— M. Zwetschen, pr. Metze —.— M. Gurken, kleine, pr. Schock—.— M. Gurken, große, Stück—.— M. Weißkohl, pr. Schock 4,50 M. Rothkohl, Stück —.15 M. Wirsing, Stück—,10 M. Blumenkohl, Stück —.50 M. Zwiebeln pro Kilo—,14 M. Wie alljährlich, so findet auch in diesem Jahre mit dem Tage nach dem Weihnachtsfeste beginnend, die Ziehung der großen Schlesischen Lotterie statt. Bekanntlich erfreut sich dieselbe schon seit geraumer Zeit so sehr der besonderen Gunst des Publikums, daß deren Loose in der Regel sehr schnell vergriffen zu sein pflegen. Die gegenwärtige Lotterie weist wiederum sehr erhebliche Treffer in großer Anzahl auf, wie solche im Werthe von 20000, 10000, 5000, 3000 Mark u. s. w. u. s.., während der Preis eines Looses nur Mark 3,15 inkl. Reichsstempelsteuer beträgt. Antwort auf die Skatfrage. Es ist eine ganz allgemeine Regel, daß beim Lachse resp. Bierskat der Ramsch wie ein Carreausolo berechnet wird und dem Verlierer demnach drei bis viermal 10, bei einer Jungfer 15, anzuschreiben sind. Marktberichte. * Berlin, 30. November. Weizen fester, per Novbr.=Dezbr. 79.—, per April=Mai 185,75 M. Gek.— Ztr. Roggen jalt, per Novmbr.=Dezbr. 145.—, April=Mai 148,50 M. dek.— Zte. Hafer still, per Novbr.=Dezebr. 126.50, April Mai 31,50 M. Gek.— Ztr. Rüböl mart, loko mit Faß 65.50, hne Faß 64,80, per Novbr. 65,40, April=Mai 65,70 M. Gek. 000 Ztr. Spiritus ruhig, loko 48 70, per Novbr. 49.20, Nov.= dezbr. 48.30, April=Mai 40,40 M. Gek. 160,000 1 Petroleum st. loko 26.—, per Novbr.=Dezbr. 25,80, Dezbr.= Januar .80 M. Gek.— Ztr. * Neuß, 30. November. Weizen à 100 Kilo erster Qualität 19,60, zweiter Qualität 17,60. Landroggen 100 Kilo 1. Qualität 15,80, 2. Qualität 13.80. Wintergerste 15,50. Buchweizen à 100 Kilo 1. Qualität 15.50, 2. Qualität 15,—. Hafer pr. 100 Kilo 14.—. Raps à 100 Kilo 1. Qualität 33,—, 2. Qualität 31,50. Kartoffeln à 100 Kilo.—. Heu à 50 Kilo 3,60. Roggenstroh à 600 Kilo 28,— M. Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ztr. M. 70,50, Rüböl per 100 Kilo faßweise 72,—. Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 M. höher als Rüböl. Preßkuchen per 1000 Kilo M. 137,—. Kleien der 50 Kilo 5,60. * Witten, 29. November. Weizen 19,50, Roggen 15,50, Gerste 15,—, Hafer 15,50, Kartoffeln 5,—, alles per 100 kg; Vutter à ½ kg 1,20. * Bremen, 30. November. Petroleum besser, loco 8,30, per Dez. 8,30, Jan..45, Febr. 8,55, März 8,65. Schmalz Marke Wilcox loco 44, per Nov.=Dez. 44. * Antwerpen, 30. November. Petroleum ruhig, disp. 21¼ per Nov.—, Dezmbr. 21¼, Jan. 21½, Jan.-März 21½ fr. Kaffee ruhig, Verkäufe 520B Gonaives neuer zu 32c verzollt. Neueste * Berlin, 30. November. Der Kaiser ist heute Nachmittag 3 Uhr mittelft Extrazuges über Wittenberge nach der Göhrde zur Jagd abgereist. In seiner Begleitung befinden sich die Prinzen Wilhelm und Albrecht, Prinz August von Württemberg, der Fürst von Schwarzburg=Rudolstadt und der Erbgroßherzog von Baden. Se. Majestät gedenkt Morgen Abend hierher zurückzukehren. * London, 30. November. Der Prozeß gegen 'Donnell, den Mörder Careys, begann heute Vormittag vor dem Old=Bailley=Gerichtshofe unter großer Theilnahme des Publikums. Der Angeklagte erklärte sich für Nichtschuldig, während der öffentliche Ankläger nachwies, daß es sich um einen Akt vorbedachten Meuchelmords handle. * Paris, 30. November. Gestern Abend fand bei Méen(Stadt im Dep. Ille=et=Bilaine) auf der Zweigbahn nach Ploermel ein Zusammenstoß zweier Züge statt, wobei 14 Personen getödtet und 17 schwer verwundet wurden. * Madrid, 30. November. Der Kronprinz besuchte heute Vormittag mit König Alfons die Kasernen, wo die Truppen mit Paradeanzug Exerzitien ausführten. Nachmittags treffen Graf Bardi und die Herzogin Braganza auf der Durchreise nach Lissabon hier ein. Zu dem heutigen Balle im Schlosse sind 2000 Einladungen ergangen. Das Journal„Estandarte“ meldet, daß der Kronprinz bei der Unterredung mit Canovas äußerte, der Kaiser und der Kronprinz hofften ihn gelegentlich seiner nächstjährigen Reise nach Karlsbad auch in Berlin zu sehen. * Kairo, 29. November. Von den 600 Mann ägyptischer Gendarmerie, welche gestern nach Suakim abgesandt worden, sind 268 auf der Fahrt von Kairo nach Suez desertirt. Meteorologische Beobachtungen der Deutschen Seewarte in Hamburg vom 30. November, Morgens 8 Uhr. London: milde. Eine tiefe Depression von 743mm liegt an der nordnorwegischen Küste, von dort aus steigt der Luftdruck südwärts bis nach Wien hin bis zu 776mm an. Ueber der Südhälfte Skandinaviens, sowie an den Nordküsten Centraleuropas wehen mässige bis starke westliche und südwestliche Winde. Im Binnenlande Centraleuropas ist das Wetter ruhig, stark nebelig, ohne wesentliche Niederschläge. In Deutschland ist es fast überall kühler geworden, in dem Streifen Kaiserslautern-Kassel-Hermannstadt herrscht Frostwetter. Meteorologische Beobachtungen in Detmold. Abgemeiner Witterungscharakter: 1. bewölkt; Schnee und Regen. Sonnen=Aufgang 7 U 50 Min., Untergang 3 U. 48 M. Mondes Anfgang 852 Mcos., Untergang 534 Abds. Für den Inseratentheil verantwortlich: A. Mewes in Detmold. Holzverkäufe in den Fürstlichen Forsten. Forstrevier Sternberg. Aus dem Schutzbezirk Steinegge und zwar aus den Forstdistricten Fichtenbusch, Kalköfen und Teufelskämpe sollen am Mittwoch den 5. k. M. Deebr., Vorm. 11 Uhr, in der Vehmeierschen Gastwirthschaft zu Linderhofe folgende Nadelholz= Sortimente meistbietend verkauft werden: 1. an Fichtenholz: 182 Stck. Bau= und Schneidh. zu 122 fm. 78 Sick. Stau. I. Cl, 51 dergl. II. Cl., 60 dergl. III. Cl., u. 3½ rm Kloben. 2. an Lärchenholz: 20 Sick. Bauholz zu 8 fm. Sternberg, den 27. Novbr. 1883. Der Oberförster F. Heise. Stadtverordneten-Wahl. Die Wahl von 6 Stadtverordneten für die Zeit vom 1. Jannar 1884 bis 31. December 1886 findet am Dienstag, 4. December d. I, Morgens 10 bis 1 Uhr auf dem Rathhause, Zimmer Nr. 5, statt. Von den zeitigen Mitgliedern des Stadtverordneten Collegiums scheiden mit dem 31. December d. J. aus: die Herren Landrichter Dr. Rosen, Gastwirth F. Pieper, Landrentmeister W. Busse, Schlossermeister C. Pohl, Gymnasial=Direktor a. D. Professor Dr. Horrmann und Buchhändler H. Hinrichs; es bleiben; die Herren Landsyndikas O. Preuß, Photograph Th. Kliem, Maler E. Witte, Partikulier C. Husemann, Tischler= meister C. Pieper, Gymnasiallehrer Winkelsesser, Kaufmann E. Plesmann, Schuhmachermeister C. Grote, Kaufmann E. Freitag, Gymnastallehrer Dr. Weerth, Major a. D. Kellner und Tischlermeister H. Schwarz. Zum Wahlkommissar ist der Herr Amtsrichter Heldman ernannt. Die Bürgerrolle liegt zur Einsicht auf dem Büreau aus. Zur Theilnahme an der Wahl werden die Wahlberechtigten hierdurch unter gesetzlichem Präjudize und mit dem Bemerken geladen, daß zur Gültigkeit der Stimmzettel die Unterschrift der Wähler erforderlich ist. Detmold, den 14. Nov. 1883. Der Magistrat: Petri Es wird beabsichtigt eine städt. Wiese im Hagen zu Vahlhausen, in der Nähe der sogenannten Ochsenwiese, 1 Schffls. 5 Mtz. 8 R. groß, öffentlich meistbietend zu verkaufen, und ist hierzu Termin auf Mittwoch den 5. Decbr., Vorm. 11 Uhr auf hiesigem Rathhause angesetzt, wozu Kauflustige eingeladen werden. Horn, 30. November 1883. Der Magistrat: S. Capelle. Naturliche Mineralwasser in stets frischer Füllung empfiehlt Julius Huensing. Avis für Raucher! La Comercial pro M ie K 44. El Descansadero, Regalia, pro Mille K 60. Agua, kleines Facon, pro Mille M 50. El Salinda, Handarbeit, pro MillR 75. Obige Fabrikate sind aus den besten west= und ostindischen sowie amerikanischen Tabakn hergestellt. Ich versende davon P oben in 50=Stück=Kistchen. Hameln. Carl Hapke. Aebersicht über den Stand der Spar= und Leihekasse der Stadt Blomberg Blomberg, den 18. November 1883. Das Curatorium. Ad. Stecker. Fr. Meyer. Der Rendant. Krüger. 95 5 K. Koster ASw. Detmold8 Inhaber Heinrich Köster. von eleganten Herren= und Knaben=Anzügen Wäsche, Shlipsen, Cradatten etc. Confection 9 ∆ 8 Lager der neuesten deutschen, englischen und frauzösischen Tuche und Buckskin. 5 8 56 95 5 P eleganter Herren= u. Knaben=Bekleidung, * Uniformen und Livrées. 8 Wollmachts-Ausverkauf wie in früheren Jahren vom 1. Dezember ab. I. C. Koch Nachfolger Th. Storch. Zwangsversteigerung. Am Dienstag, 4. Debr. er., Morgens 10 Uhr, sollen bei der Plöger'schen Gastwirthschaft in Siekholz bei Schieder 4 starke Arbeitspferde öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert werden. Blomberg, 30. Novbr. 1883. Köller, Hülfsgerichtsvollzieher. Empfehle zu mäßigen swo Preisen in feinster Qualität: Ia. Salami=, Cervelat=, Leber= und Bratwurst. „ knochenfreies Rauchfleisch, zum Kochen und Rohessen, Rauch roulade und Rauchzungen. „ knochenfreies Pökelfleisch mit und ohne Fett, Pökelroulade und Pökelzungen. „ Gänsewurst, Gänsekeulen und Gänsebrust. Preiscourant gratis und franco, Bedienung prompt. Blotho a. d. Weser. J. Steinberg. Chöcoladen und Cacaos der Fürstl. Lipp., Kgl. Preuss. u. Kais. Oesterr. Hof-Chocol.-Fabr. Gebr. Stollwerck in Cöln. 23 Hof-Diplome, 21 goldene, silberne und bronzene Medaillen. Reelle Zusammenstellung der Rohproducte. Vollendete mechanische Einrichtungen. Garantirt reine Qualität bei mässigen Preisen. Firmenschilder kennzeichnen die Conditoreien, Colonial-,Delicatess- u. Droguen-Geschäfte sowie Apotheken, welche Stollwerck'sche Fabrikate führen. Lern Sonntag, den 2. Dezember c. 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Wellenheide bei Heiden, den 30. November 1883. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Dezember, Nachmittags 3½ Uhr, vom Trauerhause aus, statt. Weihnachts-Ausverkauf. Vom 2. d. Mts. an beabsichtige ich eine große Partie Kleiderstoffe und Reste, Buxkin, Double und Ratiné=Reste, Bettzeug und Barchende, Drelle, Tücher, Paletots und Regenmäntel, sowie viele andere Manufaktur=Waaren, um damit zu räumen, zu weit herabgesetzten Preisen zu verkaufen, und bietet dieser Ausverkauf außerordentlich gute Gelegenheit, vortheilhafte Einkäufe zu machen. Lemgo, den 1. Dezember 1883. L. Retheim. Reie ect! Theerschwefel=Seife bedeutend wirksamer als Theerseife, vernichtet sie unbedingt alle Arten Hautunreinigkeiten und erzeugt in kürzester Frist eine reine, blendendweiße Haut. Vorräthig à Stück 50" bei Chr. Kate in Detmold und S. H. Knie, Salzuslen. Ein braves, zuverlässiges Macchen, welches fix plätten kann, im Kochen und in Haus= und Gartenarbeiten nicht unerfahren ist, sucht zum 1. April Frau H. Theopold, Schieder. Fern von hier und ohne meine Gegenwart endete am 23. November das rastlos thätige aber auch vielfach schwer bewegte Leben(im 37. Jahre einer glücklichen Ehe in dem Alter von 67 Jahren), meiner braven und so guten Frau Louise, geb. Gevers, und unserer uns so zärtlich sorgsamen Mutter; es vereinigte uns ein Band der größten Liebe und der gegenseitigen Hingabe; ihr Leben war nur für uns, und gerade bei dem gereiften Alter der 4 Kinder entfaltete sich jener schöne Zug ihres Lebens gegen diese, gepaart mit Hochachtung und Dank, beides tief begründet! Trotz ihres Alters, trotz ihres gebrechlichen Körpers eilte sie daher vor wenigen Wochen in wahrhaft glücklicher Stimmung in das neue Heim ihres ält sten Sohnes, des Apothekers G. Feldmann in Lobmachtersen bei Wolfenbüttel, um diesen in seiner friedlich schönen Stellung zu sehen— um ihm die letzten Liebesdienste, die litzte hülfreiche Hand zu sein! Nach wenigen glücklichen Wochen, gerüstet bereits zur Rückreise, ereilte sie ein sehr leichter Lungenkatarrh, dem in letzter Stunde eine Lungenlähmung folgte und ihr ein leichtes schönes Ende, das Ende der schönen Mission ihres Lebenslaufs bereitete. Groß ist unser Gram— tief unsere Trauer. Detmold, den 28. November 1883. Apotheker G. zug'eich im Namen meiner Kinder Gustav, Emil, Minna und Alfred. Hierzu 8 Seiten Beilagen, den Weihnact Anzeiger 2c. entholtend, worauf wir die geschätzten##e besonders aufmerksam machen. Erste Teilage zu Nr. 2Ss der Tippischen Tandeszeitung. Eertzes Rurseonauf! Wegen bevorstehender geschäftlicher Veränderung beabsichtige ich mein reichhaltiges Waarenlager möglichst zu reduciren und verkaufe ich deshalb sämmtliche Artikel desselben zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Teppiche und Möbelstoffe, in welchen eine besonders gediegene Auswahl vorräthig ist, sowie Herrenwäsche, welche Artikel ich gänzlich eingehen lassen will, verkaufe ich zu Einkaufspreis. 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In derselben referirte Dr. Hellmann über einige vorläufige Resultate von Beobachtungen des Dämmerungsbogens, dessen Breite erheblich kleiner anzunehmen sei, als man gewöhnlich angegeben finde. Dr. van Bebber demonstrirte sodann in sehr lehrreichem Vortrage zwei typische Fälle von Verschmelzung zweier barometrischer Depressionen, worauf Dr. Koeppen eine neue, jede Willkür ausschließende Methode der Prognosenprüfung vorlegte und deren mathematisch sicheren Resultate nachwies. Zur Erläuterung derselben wurden längere Reihen der Prognosen der Seewarte hiernach geprüft und als Resultat die zweifellos richtige wissenschaftliche Basis anerkannt; dieselbe Methode auf die Prognosen Dr. Overziers angewandt, ergab mit einer dem Mathematiker untrüglichen Schärfe das Fehlen jeder Grundlage derselben. Die Deutsche Meteorologische Gesellschaft streifte nur bei dieser Gelegenheit die Angelegenheit der Overzier’schen Prognosen und zwar bei der genannten objektiven mathematischen Behandlung; sonst erklärte dieselbe auf dem Wege des Beschlusses jede Erwähnung des Namens dieses Prognosten für ihrer durchaus unwürdig! Hiermit ist definitiv jede Gemeinschaft zwischen den deutschen Meteorologen und Dr. Overzier grundsätzlich ausgeschlossen worden. Die Deutsche Meteorologische Gesellschaft wird, so hoffen wir, in kurzer Zeit durch zahlreichen Beitritt interessirter Männer aus den gebildeten Ständen eine Macht werden auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiete und wird die noch junge Wissenschaft mit schnellen Schritten auf gesichertem Pfade ihrer Vervollkommnung entgegen führen. Landwirthschaftliches. * Um denjenigen Herren Landwirthen, welche bis jetzt noch nicht Abonnenten der„Deutschen Allgemeinen Zeitunge für Landwirthschaft, Gartenbau und Forstwesen sind, Gelegenheit zu geben, diese immer mehr an Bedeutung gewinnende Zeitschrift kennen zu lernen, hat sich die Administration derselben entschlossen, den vom 1. Januar n. J. neu eintretenden Abonnenten die Zeitung jetzt schon bis zu diesem Terwine gratis zu überlassen. Man hat also nur nöthig, seine Adresse der Expedition zu übersenden, um die Zeitung bis zum 1. Januar gratis und franko zugesandt zu bekommen. Die Zeitung zählt die ersten Autoritäten auf dem weiten Gebiete der Landwirthschaft zu ihren ständigen Mitarbeitern und bietet dadurch für die Gediegenheit und Reichhaltigkeit ihrer Aufsätze die beste Gewähr. Alle die Landwirthschaft betreffenden neuesten Ereignisse findet man in wohlgeordneter Reihenfolge alsbald in der Deutschen Allgemeinen Zeitung für Landwirthschaft verzeichnet. In dem vielseitig benutzten Briefkasten erhält jeder Abonnent über alle die Landwirthschaft betreffenden Anfragen sachgemäßen und gewissenhaften Rath und Auskunft. Der Abonnementspreis ist ein mäßiger, denn er beträgt inklusive des Unterhaltungsblattes, welches allwöchentlich gratis beiliegt, nur 1½ M vierteljährlich. Man abonnirt entweder direkt bei der Post oder bei der Expedition der Deutschen Allgemeinen Zeitung für Industrie, Handel und Verkehr. Aus Westfalen, 24. November.(Das Strontianit) dürfte demnächst berufen sein, eine große Rolle auch in der Stahlfabrikation zu spielen und zwar bei dem bekannten Thomas=Gilchrist'schen Entphospherungsprozeß. Herrn C. Stöckmann in Ruhrort ist nämlich ein Patent auf die Darstellung von basischen Ziegeln aus Strontianit ertheilt worden. Der rohe oder gebrannte Strontianit wird mit Thon oder thonhaltigem Eisenstein in solchem Verhältniß gemischt, daß die fertigen Ziegel bis etwa 10 Prozent Kieselsäure enthalten und dann mit Theer oder schweren Kohlenwasserstoffen zu einer plastischen Masse verarbeitet werden, um Steine daraus formen und pressen zu können. Wenn die letzten aus der Form kommen, werden sie außen mit feinem Thon oder Eisenstein bestäubt, getrocknet und gebrannt. Die Bestäubung hat zur Folge, daß beim Brennen eine Verbindung des Thons mit dem Strontianit eintritt und sich dadurch eine gewisse Glasur bildet, welche den Stein beim späteren Aufbewahren vor dem nachtheiligen Einfluß der Luftfeuchtigkeit schützt.— Die Folgen einer Einführung dieser basischen Steine in dem Thomas=Gilchrist=Prozeß würden für die Strontianit=Industrie sehr erfreuliche sein, was um so mehr zu wünschen ist, als diese noch junge Industrie durch Verwendung des Cölestins an Stelle des Strontianits in der letzten Zeit erhebliche Einbuße erlitten hat.(Hag. Ztg.) Zweite Beilage zu Nr. 282 der Lippischen Landeszeitung. Die deutsche meteorologische Gesellschaft wurde am 17. und 18. November bei einem Kongreß deutscher Meteorologen in Hamburg gegründet. Auf Grund zahlreicher und längerer Vorbesprechungen erließ der Direktor der deutschen Seewarte, Wirkl. Geh. Admiralitätsrath Professor Dr. Neumayer, eine Aufforderung an alle namhaften Meteorologen Deutschlands, um sich in Hamburg zu einem festen Verbande, ähnlich dem der österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, zu vereinigen. Das schon seit langen Jahren in Deutschland, ganz besonders aber in Preußen, gefühlte Bedürfniß einer Vereinigung und Zusammenfassung der vorhandenen Kräfte blieb wegen der intimen und freundnachbarlichen Beziehungen der deutschen Meteorologen zu der österreichischen Gesellschaft länger latent, als dies unter anderen Bedingungen möglich gewesen wäre. Die ganze Geschichte der Gründung der neuen Gesellschaft athmet auch überall die unentwegte Zusammengehörigkeit mit der österreichischen Meteorologie, welche uns so lange Zeit hindurch liebevoll bei sich aufgenommen und unseren Arbeiten die Spalten ihrer vorzüglich redigirten Zeitschrift geöffnet hat. Nach einer festlichen Begrüßung in den Räumen des Direktors der Seewarte am Abende des Freitages fand die erste Sitzung am Sonnabend statt, an welcher folgende Herren Theil nahmen: Professor Neumayer, Professor von Bezold(München), Professor Boergen (Wilhelmshafen), Professor Ebermayer(München), Professor von Schoder(Stuttgart), Professor Müttrich (Eberswalde), Professor Bornstein(Berlin), Professor Zoeppritz(Königsberg), Professor Karsten(Kiel), Professor Krebs(Frankfurt a..), Reichstagsabgeordneter Geh. Sanitätsrath Dr. Thilenius(Soden), Ober= baurath Honsell(Karlsruhe), Dr. Köppen, Dr. van Bebber, Dr. Sprang, Kapitän Dinklage, Dr. von Danckelmann, Dr. Koch(Hamburg), Dr. Klein(Köln), Dr. Hellmann(Berlin), Dr. Schreiber(Chemnitz), Dr. Aßmann(Magdeburg). In derselben wurden die allgemeinen Grundzüge zu der am Sonntag stattfindenden Durchberathung der Statuten festgestellt. An den Festlichkeiten zu Ehren der zurückgekehrten Polarexpeditionen nahmen die deutschen Meteorologen in Folge der an sie ergangenen Einladung Theil. An Sonntag wurde nun in harter Arbeit in fünfstündiger Sitzung die deutsche meteorologische Gesellschaft gegründet, aus deren Statuten wir Folgendes allgemeiner Interessante hervorheben. Der Zweck der Gesellschaft ist die„Pflege der Meteorologie als Wissenschaft und in ihren Beziehungen zum praktischen Leben". Erreicht soll dieser Zweck werden durch Wanderversammlungen und ganz besonders durch eine eigene Zeitschrift; ferner sollen Zweigvereine und Vorträge in speziellen Bezirken für Verbreitung gründlicher meteorologischer Anschauungen und Kenntnisse Sorge tragen. Der Eintritt in die Gesellschaft ist einem Jeden gegen Erlegung des Jahresbeitrages von 10 M gestattet, welcher von zwei Mitgliedern derselben vorgeschlagen und vom Vorstande als würdig befunden wird. Mitgliedern der österreichischen Gesellschaft für Meteorologie oder von Zweigvereinen ermäßigt sich der Beitrag auf 7 I. Ueberhaupt ist das ganze Statut derartig angelegt worden, daß nirgends eine Spur von Konkurrenz gegen die allgemein sehr hochgeschätzte österreichische Gesellschaft hervortritt, vielmehr einer dereinstigen, sehr erwünschten Fusion beider Gesellschaften überall die Wege geebnet sind. Der Vorort für die nächsten drei Jahre ist Hamburg, die erste Wanderversammlung findet in Magdeburg, und zwar im Anschluß an die Versammlung der Naturforscher und Aerzte statt. der Expeditiog der Deutschen Allgemeinen Zeitung Nach Fertigstellung der Statuten schritt die neue Landwirtyschaft, Gartenbau und Forstwesen in FraakGesellschaft zu ihrer Konstituirung; zum Präsidenten: furt a. M. Literatur, Kust und Wisenschaft. *(Das moderne Drama), dargestellt in seinen Richtungen und Hauptvertretern von Alfred Klaar. Von diesem, in der literarischen Welt mit Spannung erwarteten Werke ist soeben die erste Abtheilung:„Geschichte des modernen Dramas in Umrissen"(als IX. Band der von G. Freytag in Leipzig und F. Tempsky in Prag herausgegebenen deutschen Universalbibliothek für Gebildete:„Das Wissen der Gegenwart“) erschienen. Der vorliegende Band, ein für sich abgeschlossenes Ganzes, bietet eine übersichtliche historische Darstellung der dramatischen, vorzüglich der deutschen Literatur, soweit dieselbe den lebendigen Besitz der modernen Bühne ausmacht. Auf die Ergebnisse einer scharfsinnigen und tiefgehenden ästhetischen Untersuchung über das Wesen des Fabeldramas und des Charakterdramas baut der Verfasser, der durch seine dramaturgische Thätigkeit und durch seine literarhistorischen Monographieen sich einen unbestrittenen Platz unter den modernen Literarhistorikern Deutschlands und auch im größeren Publikum einen geschätzten Namen erworben hat, eine an originellen Gedanken reiche Charakteristik Shakespeares und der Klassiker auf, welche uns die veränderte Stellung der dramatischen Herren zur modernen Bühne in überraschendem Lichte zeigt. Hieran schließt sich eine eingehende Würdigung der Charakteristiker(Kleist, Grabbe, Otto Ludwig, Hebbel u..), und der Nachklassiker(Grillparzer, Halm, Raupach, Raimund u. s..), von welchen Letzeren namentlich Grillparzer mit liebevoller Ausführlichkeit behandelt wird. Grillparzer, dem Stiefkind unserer Literarhistoriker, wird hier mit seinem Verständniß für die dichterische Eigenart des größten deutsch=österreichischen Poeten die gebührende Stellung in der Geschichte des deutschen Dramas angewiesen. Strenge, aber nicht lieblose Beurtheilung erfährt das junge Deutschland mit seiner nach äußerlichen Effekten strebenden Tendenz. Ein eigenes Kapitel ist einer grundlegenden, geistreichen Untersuchung über das Wesen des Lustspiels und dessen modernen Hauptvertretern, Bauernfeld und Benedix, sowie den an dieselben sich reihenden Gruppen gewidmet. Uebersichtlich und eingehend sind in dem Schlußkapitel:„Die Neueren und die Neuerer“ jene Richtungen und deren Vertreter behandelt, welche gewissermaßen den aktuellen Besitz der Bühne bilden und noch dem Urtheil des Tages ausgesetzt sind. Hier treten uns in markanten Zügen Adolf Wildrandt, Anzengruber, Richard Wagner, dessen Bestrebungen für ein Musikdrama der Zukunft objektiv und kritisch gewürdigt werden, ferner alle jene Dichter entgegen, welche in die Fußstapfen der Klassiker zu treten bemüht sind und jene, die den Boden des Gesellschaftsstückes und des Lustspiels bebauen. In einer kurzen Uebersicht werden endlich die hervorragendsten außerdeutschen Dramatiker charakterisirt. — Das von einer glänzenden Diktion getragene Buch, in welchem an zweihundert Autoren und über dreihundert Stücke behandelt sind, wird nicht verfehlen, das allgemeinste Interesse auf sich zu ziehen und durch die in demselben niedergelegten ästhetischen Anschanungen und literarhistorischen Urtheile eine lebhafte Besprechung hervorzurufen.— Das Buch ist 20 Bogen stark, elegant in Leinwand gebunden, mit vortrefflichen Porträts und Facsimiles von Shakespeare, Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, Hebbel, Grillparzer, Bauernfeld und Gustav Freytag geschmückt. Der niedrige Preis von 1 Mark R. W.= 60 kr. ö. W. macht es auch den breiten Schichten des Publikums zugänglich. 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L Wiegand. 00 Empfehle folgende Artikel, zum bevorstehenden Weihnachtsfest als Geschenke passend: Reisekoffer, Reise=Schul=Umhänge, Geld=, Courier= und Damentaschen, Rollnecessaires, Tornister, Schlittschuhe für Herren und Damen, Gummi= und gestickte Hosenträger, Tourniquet=Hosenträger, welche im Nothfalle zu Verbandzwecken benutzt werden können, kurze und lange Plaidriemen, lederne Stulpen, Strumpfbänder, lederne und GummiDamengürtel, Reitstulpen, Reit=, Fahr= und Kinderpeitschen, letztere von 20—100 Pf., mehrere Sorten Schlittengeläute mit und ohne Schweife, sowie meine bekannt billigen und guten Schaukelpferde und Kinderwagen. Ferner halte eine große Auswahl von Korde in Seide und Wolle dem geehrten Publikum bestens empfohlen. Blomberg, gegenüber der Post. 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