„Die Lippische Landes=Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonn= und Festtage täglich und werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht. Redaction u. Expedition: Detmold, Leopoldstraße Nr. 117. Abonnementspreis für das Vierteljahr: In Detmold 2 Mark 25 Pf., auswärts durch die Post bezogen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M. Inserate werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet. Verantwortlicher Redacteur August Klingenberg. Druck und Verlag der Meyer'schen Hofbuchdruckerei(Gebr. Klingenberg) in Detmold. Je 214. Mittwoch 12. September. 188.. Die Landtagswahlen in Baden. N. Den bevorstehenden badischen Landtagswahlen sieht man auch außerhalb des nächstbetheiligten Bundesstaats mit großer Spannung entgegen. War doch Baden seit langen Jahren das Land, von welchem eine tiefgehende Einwirkung auf den Gang der politischen Dinge und die öffentliche Meinung in ganz Deutschland ausging, in welchem die nationale und liberale Sache in Zeiten der bedeutsamsten, entscheidungsvollsten Umwandlungen und Krisen in Regierung und Volk ihre festeste Stütze hatte. Die Politik dieses Landes der nationalen und liberalen Sache zu entfremden, muß allen partikularistischen, klerikalen, freiheitsfeindlichen Gegnern ganz besonders am Herzen liegen, und es läßt sich nicht verhehlen, daß die badischen Liberalen, die durchweg der nationalliberalen Parteirichtung angehören, augenblicklich einen schweren Stand haben. Die badische Verfassung hat das Prinzip der theilweisen Erneuerung der Volksvertretung. So soll jetzt die Hälfte der Mandate zur zweiten Kammer Neuwahlen unterzogen werden, Mandate, die sich ziemlich gleichmäßig auf die Parteien vertheilen. Allein gerade einige der heißumstrittensten und zweifelhaftesten Wahlkreise, die bisher liberal vertreten waren, befinden sich unter den jetzt zur Erledigung gekommenen. Die badische zweite Kammer zählte unter ihren 63 Mitgliedern 31 Nationalliberale, 22 Ultramontane, 7 Demokraten und 3 Konservative. Man sieht, eine liberale Mehrheit, wenn man nicht die „Demokraten“ hinzurechnet, war schon jetzt eigentlich nicht mehr vorhanden. Immerhin war die nationalliberale Partei den übrigen Parteien einzeln weit überlegen und ihnen selbst in ihrer Gesammtheit gewachsen, und in diesem, wenngleich unsicheren und schwankenden parlamentarischem Verhältniß konnte die liberale Regierung eine genügende Stütze finden. Auf eine wesentliche Besserung dieses Verhältnisses wird nicht zu hoffen sein; man wird zufrieden sein müssen, wenn es nicht schlimmer wird. Wie man sieht, kommen in Baden eigentlich nur Nationalliberale und Klerikale in Betracht; Konservative und Demokraten sind an sich ohnmächtig und nur darum von Bedeutung, weil sie bei einer annähernd gleichen Stärke der andern beiden Parteien den Ausschlag geben können. Und in der Doppelnatur, die ihm ja auch in Norddeutschland eigen ist, unterhält der Klerikalismus mit den beiden Extremen von rechts und links enge Fühlung, und eine überlegene Koalition, nicht zum positiven Schaffen, aber zum Hemmen und stören der bisherigen staatlichen Entwickelung auf nationaler und liberaler Grundlage, ist eine ernste Gefahr. Wir wollen hoffen, daß der Ansturm auch diesmal zurückgeschlagen werden wird. Es sind im Grunde nur ganz wenige Wahlkreise gefährdet; allein unter den Parteiverhältnissen, wie sie oben angegeben sind, ist eben jedes einzelne Mandat von größter Bedeutung. Agrarische Agitation, demokratische Schlagwörter, allgemeiner Pesstmismus, verbunden mit der klerikalen Wühlerei, die das katholische Volk mit einem in Wahrheit gar nicht mehr vorhandenen„Kulturkampf“ in Athem hält, haben auch in Baden der nationalen und freisinnigen Partei den Boden vielfach untergraben. Neid, Mißgunst und Mißstimmung gegen eine so lange Zeit in der Herrschaft befindliche Partei liegen nun einmal in der Natur des Menschen, so wenig sachlicher Grund dazu auch gerade in Baden vorhanden ist. Dauernd werden die Erfolge der Gegner, wenn wirklich solche errungen werden sollten, nicht sein. Die Interessen der„Verbündeten sind zu verschieden und es würde nur einer kurzen Probezeit einer klerikal= konservativ=demokratischen Mehrheit und einer auf diese bunte Gesellschaft sich stützenden Regierung bedürfen, um der nationalen und liberalen Partei für eine lange Zukunft die Herrschaft zu sichern. Deutsches Reich. * Berlin, 11. September.(Der Kronprinz von Portugal) ist gestern Vormittag um 11 Uhr hier eingetroffen. Derselbe wurde auf dem Bahnhof, wo eine Ehrenkompagnie mit Musik und Fahne aufgestellt war, von dem Kronprinzen empfangen und nach dem königlichen Schlosse geleitet. Der Kaiser stattete dem Kronprinzen von Portugal sofort nach dessen Ankunft einen Besuch ab, der gleich darauf erwidert wurde. Nachmittags findet ein großes Essen beim Kaiser statt, an welchem der Kronprinz von Portugal, die Mitglieder des Königshauses, der Herzog und die Herzogin von Connaught, die Mitglieder der portugiesischen Gesellschaft und andere Personen von Rang Theil nehmen. *—(Die 30. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands) ist gestern in Düsseldorf eröffnet worden. Heir Windthorst ist auch dort der meistgefeierte Mann und der geistige Leiter der Versammlung. Auf der Tagesordnung der Versammlung stehen diesmal vornehmlich sozialpolitische Fragen. Die katholische Kirche und ihre Getreuen auf politischem Gebiet fühlten sich ja ganz besonders berufen, sich der „sozialen Frage“ anzunehmen, umsomehr, als nach ultramontaner Anschauung der Liberalismus weder fähig noch willig ist, irgend etwas Ernsthaftes auf diesem Gebiete zu leisten. Wir werden auf die Art der ultramontanen „Gesellschaftsrettung“ ein wachsames Auge haben. Wenn irgend Jemand unfähig ist, die Bedürfnisse der Zeit auf sozialem Gebiet zu begreifen, so ist es die katholische Kirche mit ihren verknöcherten Weltanschauungen, ihren überlebten Ansprüchen und ihrer unausrottbaren Eigenschaft, in alle, auch die materiellsten Fragen des Wirthschaftslebens ihre einseitigen kirchlichen Interessen und Bestrebungen hineinzutragen. *—(Resolution.) Während gestern das „Deutsche Tageblatt“ melden mußte, die große Versammlung in Berlin zur Fruktifizirung des Steglitzer Eisenbahnunglücks müsse wegen Verhinderung eines der Hauptredner aufgeschoben werden, hat eine ArbeiterVersammlung im Eiskeller=Etablissement nachstehende Resolution beschlossen:„Die Versammlung erklärt es für eine Schmach, wenn man für einen Unglücksfall, wie den in Steglitz, eine politische Partei verantwortlich macht. Die Arbeiter weisen eine solche niedrige Kampfesweise mit Entrüftung zurück.: Zur Begründung der Resolution wurde u. A. bemerkt: Die konservativ=antisemitische Partei verschmäbe selbst die schlimmsten Kampfesmittel nicht. Die Arbeiter müßten sich mit Abscheu von einer solchen Partei abwenden. So berichtet die „Kreuzztg.“ *—(Verweigerte Erlaubniß, betr. die Anlegung eines Ordens.) Dem Abgeordneten Dr. Windthorst ist die von ihm erbetene Erlaubniß, das Großkreuz des Ordens vom heiligen Grabe, welche Dekoration der lateinische Patriarch von Jerusalem dem Führer des Centrums übersandt hatte, anlegen zu dürfen, nicht ertheilt worden. Die„Schles. Volksztg.“ ist in der Lage, den Wortlaut des Herrn Or. Windthorst zugegangenen Ministerialentscheides mitzutheilen; derselbe lautete: Berlin, 16. Juli 1883. Ew. Excellenz erwidere ich auf die gefällige Zuschrift vom 30. Juni d. J. ganz ergebenst, daß es nach den bestehenden Vorschriften zu einer Anlegung des Ihnen von dem lateinischen Patriarchen zu Jerusalem verliehenen Großkreuzes des Ordens vom heiligen Grabe der landesherrlichen Genehmigung bedürfen würde. Dieselbe zu erwirken, sehe ich mich indessen zu meinem Bedauern außer Stande, nachdem Se. Majestät der Kaiser und König nach dem Ergebniß der über die Verhältnisse dieses Ordens stattgehabten Erhebungen, welches die Möglichkeit der Erlangung dieser Auszeichnung im Wege des Kaufes nicht ausgeschlossen erscheinen läßt, allgemein zu bestimmen geruht haben, daß Anträge auf Ertheilung der Ermächtigung zur Anlegung des Ordens vom heiligen Grabe überhaupt nicht, also auch in denjenigen Fällen nicht der allerhöchsten Entscheidung zu unterbreiten seien, in denen, wie in dem Ew. Excellenz berührenden, die obengedachte Art der Erlangung des Ordens nicht in Frage Schatten! Kriminal=Novelle von N. I. Anders.“) „Station.! Nach W. aussteigen!“ Nur ein Passagier arbeitete sich mühselig zwischen den Toiletten der Damen eines Koupés 2. Klasse hindurch und sprang dann mit jugendlicher Elastizität auf den Perron, während der Zug gleich darauf in der Richtung nach E. fortbraufte. Der Passagier, der denselben soeben verlassen hatte, war eig noch junger Mann. Er mochte noch nicht ganz 30 Jahre zählen, dennoch verrieth sein Auge jene Sicherheit des Blickes, wie man sie sonst nur bei Männern reiferen Alters anzutreffen pflegt. Von kräftiger Gestalt, zeigte er mit jeder Bewegung den Mann von Bildung und besseren Sitten, und die Wirthin des Stations=Restaurants, das er gleich darauf betrat, wendete dem einzigen Gast daber doppelte Sorgfalt zu. Nicht allein seine Manieren, sondern auch die fast impontrende Schönheit des Reisenden nöthigten der Wirthin unwillkürlich eine Liebenswürdigkeit ab, wie sie bei derselben nicht gerade an der Tagesordnung war. Der Fremde hatte, nachdem er die Wirthin in leicht freundlicher Weise begrüßt, an einem der sauberen Tische Platz genommen. Er erbat sich die Speisekarte und musterte, während er dieselbe anscheinend fleißig studirte, flüchtig das Zimmer. Kann ich hier zur Nacht bleiben?" fragte er, die Karte zurückgebend und das verlangte Gericht darauf mit dem Zeigefinger andeutend.„Es ist nämlich stets das erste Beginnen auf Reisen, mich um ein möglichst angenehmes Nachtquartier zu kümmern, denn wenn der *) Nachdruck verboten. Körper sein Heim gefunden, fühlt der Magen doppeltes Behagen an den sich ihm bietenden Genüssen.“ Die Wirthin stand noch immer vor ihm, ohne auf die Frage eine Antwort zu ertheilen, während sich in ihren Mienen die Verlegenheit deutlich ausdrückte. „Du mein Himmel“, sprach der Fremde lächelnd, „Sie werden doch hier im Bahnhofsrestaurant, besonders da diese Station den Kreuzungspunkt bildet, ein Zimmerchen für einen Fremden übrig haben?“ Anschluß hat der Zug nicht und ich kann doch unmöglich von Abends elf bis Morgens fünf Uhr hier schlaflos zubringen." „Ja mein Herr", nahm endlich die Wirthin das Wort,„es dürfte Ihnen, wenn Sie es nicht vorziehen, in der schönen Sommernacht nach W. zu gehen, nichts weiter übrig bleiben. W. ist aber nicht weit; Sie können es, wenn Sie tüchtig zuichreiten, in drei Viertelstunden ganz bequem erreichen.“ „Ist doch wenigstens ein Trost“, rief der Fremde lachend. „Da sieht man wiedern, fügte er unwillig und mehr für sich hinzu, ndie Segnungen der Privat=Eisenbahn= gesellschaften. Bauen da ein halb Dutzend Industrielle eine Zweigbahn von 25 Kilometer Länge und nicht allein, daß dieselbe keinen regelmäßigen Anschluß hat, ist auch nicht einmal auf dem Stationsgebäude, das das einzige Haus auf der Station bildet, ein Fremdenzimmer vorhanden.“ „Das sei Gott geklagt!u fiel hier die Wirthin ein, „denn glauben Sie mir, mein Herr, wir haben am schwersten unter diesem Uebelstand zu leiden. So etwas spricht sich bald herum und da ist es keinem Fremden zu verargen, daß er lieber weiter fährt, oder schon auf einer früheren Station aussteigt, um dort zu übernachten, während wir hier in der schweren Pacht sitzen und nur das Nachsehen haben.“ „Sollte sich denn nicht trotz alledem ein ganz kleines Zimmerchen finden, geeignet, mich bis zum Morgen zu beherbergen?“ fragte der Fremde nochmals dringend. „Ich bin nicht verwöhnt und nehme mit dem bescheidensten Raume fürlieb, denn die Aussicht, in der Nacht in einer wildfremden Gegend als einzelner Mann drei Viertelstunden zu laufen, ist gerade nicht verlockend.“ „Leider kann ich Ihnen beim besten Willen nicht dienen:, betheuerte die Wirthin nochmals,„so leid es mir auch thut, einem so anständigen Herrn diese Bitte abschlagen zu müssen. Das ganze Haus hat nämlich außer diesem Zimmer nur noch vier Räume, von denen zwei von der Direktion benutzt werden, eins zur Vorrathskammer dient und das vierte endlich Wohn= und Schlafgemach für meine Familie bildet.“ „Sieh, sieh!" erwiderte der Frewde lächelnd,„also schon verheiruthet: das hätte ich Ihnen, verehrte Frau, nicht angesehen!“ Er mußte wohl eine Absicht haben, denn wenn die Wirthin sich auch noch in den besten Jahren befand, so war sie doch sichtlich längst über jenes Alter hinaus, in dem eine derartige Mittheilung Befremden hervorrufen konnte. Er hatte seinen Zweck erreicht. Welche Dame hört nicht mit Entzücken, daß ein hübscher Mann sie für jünger hält, als sie ist. „Ich habe mich auch in der That sehr früh verheirathet“, erwiderte dieselbe freundlich lächelnd,„und kein Mensch will glauben, daß ich bereits einen Sohn von zwölf Jahren habe.“ „Ja, das frappirt in der Thate, warf der Fremde ein. (Fortsetzung folgt.) kommen kann. Das Patent beehre ich mich in der Anlage wieder beizufügen. Der Minister des Innern.(gez.) v. Putkamer. An den Staatsminister a. D. Herrn Dr. Windthorst, Excellenz, zu Hannover. * Kiel, 10. September.(Lühr; Mommsen.) Der Kultusminister hat die Amtsentlassung des Pastors Lühr in Eckernförde nicht bestätigt. Konsistorialpräsident Mommsen hat einen Urlaub angetreten und wird wahrscheinlich seinen Abschied nehmen. * Hannover, 8. September.(Enthüllung des Burckhardt=Denkmals.) Am heutigen Tage fand die Feier der Enthüllung und Uebergabe des Denkmals für den verstorbenen Forstdirektor Burckhardt statt. Der Oberforstmeister Rettstadt hielt die Weihrede. In kurzen Worten erörterte derselbe die Berechtigung der Klage, welcher ein Wiener Fachblatt beim Tode des hannoverschen Forstdirektor Burckhardt in den Worten Ausdruck gegeben hatte:„Der große Forstwirth Heinrich Burckhardt ist nicht mehr!: Der Redner sprach sich dann dahin weiter aus, daß Hannover in Burckhardt nicht nur einen bedeutenden Forstmann verloren habe, sondern in jeder Hinsicht einen der besten seiner Mitbürger. Mancher Einwohner habe in ihm den Mann mit einfachem biederem Bürgersinne kennen gelernt, einen Mann, der sich die Liebe Aller, besonders aber seiner Untergebenen, zu erwerben gewußt habe. Den in Noth und Gefahr Gerathenen habe er liebreich und helfend zur Seite gestanden, und so habe sein Tod bei Allen tiefe Trauer hervorgerufen. Dieser Trauer Ausdruck zu geben, habe den Wunsch entstehen lassen, dem hochverdienten Manne ein Denkmal zu errichten. Der Magistrat sei dem Wunsche nachgekommen und habe dafür einen Platz angewiesen in der Eilenriede, für welche B. vielfach gewirkt habe. Die städtische Verwaltung möge nun das Denkmal übernehmen und das Publikum für seinen Schutz mitsorgen. Bildhauer Dopmeyer entfernte die Hülle, Stadtdirektor Haltenhoff übernahm das Denkmal und erklärte, daß die städtische Verwaltung dasselbe sorgsam zu schützen suchen werde. Dann erinnerte er nochmals an die Bedeutung des Verewigten und hob besonders hervor, wie derselbe für die Eilenriede segensreich gewirkt, deshalb sei auch kein Platz für das Denkmal passender gewesen, als der gewählte.— Dasselbe hat seinen Platz gefunden in der Ecke zwischen dem Wege nach dem zoologischen Garten und dem Wege nach der List. Auf einem drei Stufen hohen Unterbau liegt der aus weißem Sandstein hergestellte Sockel. Den Kopf des Sockels bildet ein Fries aus grünem Gestein, auf welchem sich ein Obelisk aus schwedischem Granit erhebt. Das Denkmal ist 5 Meter hoch. Auf der Vorderfläche befindet sich das Reliefbild des Forstdirektor Burckhardt. Ueber dem Bilde schweben zwei Genien, einen Lorbeerkranz auf sein Haupt niedersenkend, eine Figur hält ein Buch in der Hand mit der Inschrift„Säen und Pflanzen“, die andere die Insignien der Forstwirthschaft und der Jagd. Gegossen wurde dies Bildwerk von Herrn Pfahl hier. Zur Feier der Uebergabe war das Denkmal reich mit Kränzen, Guirlanden und Tannenbäumen geschmückt.(O. Ztg.) * Göttingen, 8. September.(Prof. Dr. Baum.) Professor Dr. Baum, einer der namhaftesten deutschen Chirurgen, ist hier gestorben. * Hamburg, 11. September.(Ueber die morgen stattfindende 50jährige Jubelfeier des Rauhen Hauses) schreibt die„Ev.=luth. Kztg.“: Am 12. September werden es 50 Jahre, daß im Saale der„Patriotischen Gesellschaft" zu Hamburg die Versammlung stattfand, in welcher die Begründung Gewohnheit und Gewöhnung. „Karl, nimm die Finger aus dem Mund!“ ruft die Mutter wohl zwanzig Mal des Tages, und das Kind, mag es nun Karl oder Emil oder Fritz heißen, thut pflichtschuldigst, was ihm gesagt wird. Aber schon nach wenigen Minuten lutscht es von Neuem an den Fingern oder kaut an den Nägeln, oder überläßt sich irgend einer andern von den tausend Angewohnheiten des Kindesalters, welche für die Kinder selbst so süß, für den Zuschauer aber so unendlich unangenehm, so häßlich und widerwärtig anzusehen sind. Wieder ruft die Mutter, wieder schilt der Vater und wieder, immer wieder gehorcht das Kind, um sofort in denselben Fehler zurückzufallen. Und so gehts im ewigen Kreislauf, bis die Geduld des Vaters oder der Mutter erschöpft ist, oder bis etwas Anderes uns mißmuthig macht, und dann folgen statt der Worte Thaten, Ermahnungen werden zu Schlägen, das Kind weint, fleht, verspricht und— zwei Stunden später— ist Alles beim Alten. — Es ist die Macht der Gewohnheit, welcher das Kind gehorcht, welche das Kind beherrscht, gegen welche die Eltern mit Worten und Züchtigungen vergeblich kämpfen. Tausendförmig wie die kindlichen Gesichter, wie der Cherakter der Kinder sind die kindlichen Angewohnheiten, und schneller als die Köpfe der Hydra schießen sie auf. Noch gestern war nichts Auffallendes zu bemerken und heute schon muß der Ruf:„Karl, nimm die Finger aus dem Mund!“ unaufhörlich ertönen. Und nun beginnt der Kampf gegen die leidige Gewohnheit; ist sie aber überwunden, so ist im Handumdrehen eine andere da. Man glaubt gar nicht, auf was die Kinder kommen und wie sie darauf kommen. Wie die Räder der Eisenbahn sich ganz von selbst auf dem vorgezeichneten Geleise bewegen, so folgt das Kind in seinem Thun unbewußt und ohne Wahl der gewohnten Weise; denn Geist und Körper des Menschen gehorchen dem Beharrungsgesetz nicht minder als die einer Anstalt für Kinder beschlossen wurde, deren Eltern es nicht selbst vermöchten, diesen eine christliche Erziehung zu Theil werden zu lassen. Am 1. November 1833 hat dann der junge Wichern mit seiner Mutter das Rauhe Haus, das der am 30. Juni 1847 heimgegangene Syndikus Dr. Sieveking geschenkt hatte, beziehen können, und wie schon am 12. September 1858 das Rauhe Haus sein 25jähriges Bestehen feiern durfte, so rüstet sich die aus einem geringen Senfkorn zum mächtigen Baume herangewachsene Anstalt jetzt zum goldenen Jubiläum. Wohl weilt der am 7. April 1881 abgerufene Dr. Wichern nicht mehr unter den Lebenden. Aber wie er in Prediger Oldenberg einen treuen und geschickten Biographen gefunden, so geben die meisten Stätten seiner Wirksamkeit das lauteste Zeugniß seiner gesegneten Thätigkeit. Der Sohn und seit 1. April 1873 Nachfolger im Amt hat dem Heimgegangenen in inniger Pietät und doch in größter Einfachheit ein laut redendes Gedächtniß errichtet, das er als Jubelgabe zum 12. September 1883 darbietet:„Das Rauhe Haus und die Arbeitsfelder der Brüder des Rauhen Hauses 1833 bis 1883. Eine Jubelgabe mit Festgruß von K. Gerok.“ Von Johs. Wichern, Vorsteher der Anstalten des Rauhen Hauses. Diese Jubelschrift führt uns zuerst die Geschichte des Hauses seit 1833 vor Augen. Wir sehen die verschiedenen Familien= und Mutterhäuser, das Agenturgebäude, das Lehrlings=, Schul= und Krankenhaus entstehen, sehen das Thun und Treiben in jedem Einzelnen und staunen über den mannigfachen Segen, der von hier ausgegangen ist. Der zweite Theil zeigt uns die Arbeitsfelder der Brüder des Rauhen Hauses. 814 Brüder sind bisher in der Anstalt ausgebildet: gegenwärtig stehen 235 Brüder in selbständigen Arbeitsfeldern und 65 als Gehülfen, 12 sind pensionirt, viele bereits entschlafen. Die jetzigen arbeiten in verschiedenen Gebieten: als Hausväter in Rettungshäusern, Herbergen, Waisen=, Kranken= und Armenhäusern, als Stadt= und Hafenmissionare, Kolonistenprediger und Kolporteure, in den durch Dr. Wichern reorganisirten Gefängnissen. Das Arbeitsgebiet umfaßt die sämmtlichen Staaten Norddeutschlands, breitet sich auch aus über Ungarn, Rumänien, Rußland, England, Amerika und war während der Thätigkeit der Felddiakonie in den Kriegen von 1864 und 1870 noch weiter ausgedehnt. Werden wir so durch die einzelnen Länder und Provinzen auf die Anstalten gewiesen, die noch jetzt mit Brüdern aus Hamburg oder aus der 1858 gegründeten Filialanstalt des Berliner Johannisstifts besetzt sind, so ist die Zahl der Anstalten, die der Anregung des Rauhen Hauses ihr Entstehen verdanken, eine viel größere. Mit besonderem Interesse hören wir von der einstmals so vielfach angefochtenen, nun aber vollbewährten Thätigkeit Wicherns für die Einzelhaft in den Gefängnissen. An tausend Orten hat der Stifter des Rauhen Hauses, der Vater der inneren Mission als kräftiges Werkzeug der Gnade Gottes zur Heilung und Rettung Bieler gewirkt. Bremen, 11. September.(Schiffsnachricht.) Der Postdampfer Neckar, Kapitän R. Bussius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 29. August von Bremen und am 30. August von Southampton abgegangen war, ist gestern 4 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. S.& 0. Elsaß=Lothringen. * Straßburg, 10. September.(Ernennung.) Die Els. Lothr. Ztg. meldet amtlich, daß der BezirksPräsident v. Flottwell in Metz auf sein Ansuchen mit der gesetzlichen Pension vom 1. Oktober cr. ab in den Ruhestand versetzt und der Kreisdirektor v. Hammerstein in Mülhausen zum Bezirkspräsidenten von Lothringen ernannt worden ist. Oesterreich=Ungarn. * Wien, 9. September.(Der König von Spanien) ist heute Abend 9½ Uhr hier eingetroffen und auf dem Westbahnhof von dem Kaiser, dem Kronprinzen, den Erzherzögen Albrecht, Wilhelm, Eugen und von dem gesammten Personale der spanischen Gesandtschaft, sowie von dem kommandirenden General und dem Polizeipräsidenten empfangen worden. Bei der Ankunft des Zuges intonirte die aufgestellte Ehrenkompagnie die spanische Nationalhymne, der Kaiser schritt auf den Wagen zu, in welchem sich der König befand todte Materie. Daß sich aber der kindliche Geist so überraschend schnell in einem Geleise festfährt, oder, mit anderen Worten, daß im Kindesalter ein Thun so rasch zur Gewohnheit wird, hat seinen Grund in dem Umstand, daß diese Angewohnheit noch nicht mit anderem gewohnheitsmäßigen Thun in Konflikt geräth. Der Geist des Kindes gleicht einer unberührten Fläche. Der erste Wagen, welcher hinüberfährt, läßt eine Spur hinter sich, der alle anderen folgen und die sich darum in unglaublich kurzer Zeit zu einem festen Geleise ausbildet, aus welchem man nicht ohne Kraftanstrengung und Ausdauer ausbrechen kann. Nichts ist begreiflicher, als daß sich in Folge dieser Umstände die Erziehung der Kleinen in der Hauptsache negativ gestaltet. Im Kampf gegen das eingewurzelte Unschöne erschöpft und verzehrt sich die Kraft, welche der Gewinnung positiver Resultate hätte dienen können, ohne nennenswerthe Erfolge. Wo das Verbot eine größere Rolle spielt als das Gebot, ist stets Etwas nicht in Ordnung. Man sollte so selten als möglich sagen:„Thu das nicht!“ Das wahrhaft erziehliche Gebot heißt:„Thu' dies, thu' das!" Damit man es aber häufiger höre, ist nöthig, daß von vornherein positive Forderungen an das Kind herantreten und daß man nicht wartet, bis etwas Unangenehmes oder Schädliches zu bekämpfen und abzugewöhnen ist. Der Drang nach Bethätigung ist den Menschen angeboren. Leben heißt thätig sein, und je frischer und jünger das Leben, desto größer der Drang nach Thätigkeit, desto heißer das unbewußte Verlangen, Spuren und Zeichen seines Daseins in die Welt zu graben. Dieser Thätigkeitstrieb, der im Grunde genommen nichts Anderes ist als ein Streben nach Herrschaft, ist die Voraussetzung allen Fortschrits, wofern er nur richtig geleitet wird. Von der Geburt an sind die Füße und Hände der Kleinen in beständiger Bewegung und schon nach verhältnißmäßig kurzer Zeit blicken die Augen so klug und wissensdurstig in die Welt, daß, wer nur zu lesen verund begrüßte denselben wiederholt durch Umarmung und Kuß auf das Herzlichste. * Budapest, 10. September.(Die Unruhen in Kroatien) haben während der Feiertage große Dimensionen angenommen. In Gora(?) hat ein blutiger Zusammenstoß zwischen Bauern und Militär stattgefunden, wobei drei Bauern erschossen und viele verwundet wurden. Ebenso in Kannicza, wo neun Bauern gefallen und fünf Soldaten schwer verwundet wurden. Tisza hat Pejacsevich, Zivkovics und Josipovich zu einer Konferenz nach Budapest eingeladen, um zu einem Vergleich zu gelangen. Britisches Reich. * London, 8. September.(Falsche Vermuthung.) Vorige Woche hieß es, daß in Wexford 35 Tagelöhner, welche auf dem Gute eines boykottirten Landlords arbeiteten, vergiftet worden seien und man glaubte allgemein, es mit einem Racheakte der irischen Verschwörer zu thun zu haben. Die eingeleitete Untersuchung läßt es jedoch wahrscheinlich erscheinen, daß die Erkrankung beziehungsweise der Tod der Leute eine Folge des Genusses schlechten Fleisches war. Auf dem Gute wurde eine kranke Kuh geschlachtet und das Fleisch derselben den Arbeitern mehrere Tage vorgesetzt, was die eingetretene Vergiftung in sehr einfacher Weise aufklärt. Amerika. * Newyork, 9. September.(Baumwollernte.) Nach dem offiziellen Bericht betrug die Baumwollernte in dem mit dem 31. August abgelaufenen Jahre 6,950,000 Ballen oder 1,493,000 Ballen mehr als in dem vorhergehenden Jahre. Aus dem Fürstenthum Lippe und Umgegend. * Detmold, 12. September.(Schöffengericht.) In der gestrigen Sitzung, an welcher unter dem Vorsitz des Amtsrichters Eberhardt die Landwirthe Hagemeister in Meiersfeld und Fritz Wiemann in Hiddentrup als Schöffen theilnahmen, wurde der Schlossergesell Hättich wegen Betrugsversuchs in eine Geldstrafe von 3 J. event. 1 Tag Haft genommen; gegen den Kolon Brand in Bentrup lautete das Urtheil wegen Uebertretung des § 367 12 des.=Str.=.=B. auf Freisprechung; der Mühlenpächter H. A. Kamp zu Kohlstädt erhielt wegen Betrugs 14 Tage Gefängniß und die Arbeiterin Ehefrau Amalie Möller zu Heiden wegen Bettelns eine Woche Haft. * Detmold, 11. September.(37. Hauptversammlung des evangelischen Vereins der Gustav=Adolfstiftung.) Auf Ersuchen des Lokalkomités haben sämmtliche deutsche Eisenbahnverwaltungen sich freundlichst bereit erklärt, die Gültigkeitsdauer der Retourbillets, welche von den Theilnehmern an der am 25., 26. und 27. September d. J. zu Lübeck stattfindenden Hauptversammlung in der Zeit vom 23. Sept. d. J. ab direkt nach Lübeck oder, soweit direkte Retourbillets nach Lübeck nicht bestehen, in der Richtung auf Lübeck werden gelöst werden, bis zum 30. Sept. d. einschließlich zu verlängern dergestalt, daß die Rückreise vor Ablauf des letzteren Tages vollendet sein muß. Bei Lösung der Retourbillets bedarf es weder der Vorzeigung einer Legitimationskarte, noch einer Vormerkung auf dem Billet, dagegen müssen diese Retourbillets, um jene Vergünstigung zu erlangen, im Bureau des Lokalkomités zur Beklebung mit einer Tectur vorgelegt und vor Antritt der Rückreise am Billetschalter der Station steht, diese stumme Sprache nicht mißdeuten kann:„Gebt uns zu thun!“ Das kleine Wesen weiß nicht, was es mit Händen und Füßen beginnen soll und da es außerdem instinktiv findet, daß Alles, was zum Munde eingeht, Wohlbehagen verursacht, so steckt es die scheinbar so überflüssigen Dinge— denn als solche erscheinen ihm Hände und Füße, die es nicht zu benutzen versteht— ganz folgerichtig in den Mund. Das Kind thut, was es kann, es wiederholt, was es schon früher gethan hat, da es nichts Besseres anzufangen weiß und eine Kritik, ob das Gethane gut und zweckmäßig ist, nicht zu üben vermag. So ist die Angewohnheit fertig, ehe man es recht bemerkt. An der Sprache der kleinen Kinder kann man dieselbe Erscheinung beobachten. Ohne zu ermüden, ohne sich im Geringsten dabei zu langweilen, wiederholt das Kind denselben Satz, dasselbe Wort wohl zwanzig, dreißig Mal. Es will sich beschäftigen, ohne zu wissen, wie und wodurch, und darum wiederholt es sich hier in Worten, dort in Thaten, ohne nach der Zweckmäßigkeit zu fragen. Diese Wiederholungen sind für die Entwickelung des Kindes von ungemeiner Wichtigkeit, denn durch dieselben und an denselben erarbeiten sich die betheiligten Organe die erforderliche Gewandtheit und nur auf Grund derselben gelangen wir zu jener automatischen Fertigkeit, welche bei zahllosen Verrichtungen des Lebens ganz unentbehrlich ist. Gefährlich werden diese Wiederholungen jedoch in dem Augenblick, in welchem das Kind aus Mangel an zweckmäßiger Beschäftigung unschöne, widerwärtige oder gar schädliche Dinge treibt, mit einem Wort, wenn es thut, was es nicht soll. Nach dem Vorangegangenen, schreibt man dem „Hamb. Corresp.“, kann es nicht zweifelhaft sein, daß die Langeweile die Mutter der Angewohnheit ist. Angewohnt ist hier natürlich mit dem Nebensinn des Unzweckmäßigen, Häßlichen, Schädlichen gebraucht. Wenn dem aber so ist, so kann es für Eltern und Erzieher Lübeck abgestempelt werden. Dies gilt auch für diejenigen Retourbillets, welche nicht auf Lübeck, sondern auf eine vor Lübeck belegene Station lauten. Lübeck, 4. September 1883. * Hameln, 8. September.(Todesfall.) Am Dienstag starb, wie die„L. u..=Ztg.“ berichtet, in Elze der Orgelfabrikant Herr Furtwängler, Chef und Mitinhaber der Firma Ph. Furtwängler Söhne. Die dortige Industrie verliert in dem Dahingeschiedenen einen ihrer respektabelsten Vertreter, der durch seine Fabrikate in allen Welttheilen sich und der Stadt Elze einen guten Namen verschafft hat. Vermischtes. *(Die Giftbude auf Norderney) ist am Dienstag verpachtet. Es ist erstaunlich, was in dem jetzt so fashionablen Seebad während der kurzen Badesaison von dieser Badestrandrestauration herausgeschlagen werden muß, wenn eine so hohe Pachtsumme geboten werden kann, wie thatsächlich geboten wurde. Die jetzigen Pächter der Giftbude, Colstedt und Gramberg, gingen mit ihrem Gebot bis zu 6005+ hinauf; Höchstbietender blieb aber mit 6010 M der Hotelier Gustav Weidemann, der, wie es heißt, das Gebot nicht für sich, sondern für den Kapitän der„Forelle", Herrn Wurtmann, abgegeben hat. Die Preise, welche in den meisten Restaurationen Norderneys gefordert werden, geben übrigens die beste Erklärung für die Einnahmen ihrer Besitzer. Ein Gläschen Bier muß z. B. mit 30„, ein gewöhnlicher Doornkaatschnaps mit 15„, ein Cognac mit 30„ bezahlt werden. Wer Norderney besucht, dem ist jetzt mehr denn je die Mahnung zuzurufen: „Thu Geld, aber ja recht viel Geld in Deinen Beutel" Haben doch z. B. die Schiffer bereits ein festes Uebereinkommen getroffen, die etwa halbstündige Ueberfahrt von Norderney nach Norddeich im Segelboot nicht unter der Taxe von 10 K auszuführen. In einem älteren Dampfboot kostete die Ueberfahrt dahin nur 1+ pro Person, ein jetzt neu eingestelltes Dampfboot thut es aber nicht unter 2,50 0, wenn die Billets vorher gelöst, und 2,70 M, wenn die Billets erst an Bord entnommen werden. Berechnet man, daß das Schiff bei jeder Tour 50 bis 70 Passagiere befördert, so kommt man zu dem Facit, daß die Anschaffungskosten für den neuen Dampfer in einer einzigen Saison herausgeschlagen werden. Das nenpt man doch noch Geschäft! *(Ein belustigendes Schauspiel), schreibt die G.., bietet sich zur Zeit fast täglich den Passanten des Marktes in Güstrow dar, wenn die einquartierten Truppen vom Manöver zurückkehren. Der Thurmwächter der Pfarrkirche, welcher neben seiner„hohen: Stellung, die er bekleidet, auch noch Eigenthümer ist, hat demgemäß in diesem Jahre„zwei Mann“ Einquartierung erhalten. dieselben aber nicht in seinem Hause untergebracht, sondern zu sich in seine Dienstwohnung auf den Thurm der Pfarrkirche genommen, um besser und bequemer für das leibliche Wohl der ihm anvertrauten Vaterlandsvertheidiger sorgen zu können. Die engen Treppen, die nach dem luftigen Quartier der Krieger führen, erschweren aber ein Hinaufsteigen mit dem Gepäck bis zur Unmöglichkeit, und so werden einfach die„Affen“ abgeschnallt, an ein von der Höhe des Thurmes herabhängendes Seil befestigt und so nach oben gewunden. Diese Prozedur geht stets unter dem hellen Jubel der sich zahlreich zu diesem Schauspiel Versammelnden vor sich, nicht zweifelhaft sein, daß man der Angewohnheit, welche im zwecklosen, häßlichen oder schädlichen Gebrauch der Organe bemerkbar wird, am besten dadurch entgegentritt, daß man sie zu zweckmäßigem, schönem und nützlichem Gebrauch der Organe anhält. Mit anderen Worten würde das heißen: Man muß die Kinder an das gewöhnen, was sie thun sollen, damit ihnen nicht Zeit bleibt, sich das anzugewöhnen, was sie nicht thun sollen. Ist die Langeweile die Mutter der Angewohnheit, so bekämpfe man sie durch Thätigkeit und setze der Gewohnheit des Schlechten und Häßlichen die Gewöhnung an das Gute und Schöne entgegen. „Natur ist nur Gewöhnung“, sagt der Franzose Jean Jaques Rousseau und giebt damit den Schlüssel zur Erklärung der zwingenden Macht, welche der Gewohnheit anhaftet. Wenn derselbe Philosoph es aber für die Aufgabe des Erziehers hält, dahin zu wirken, daß der Mensch womöglich gar keine Gewohnheit habe, wenn er sogar die Regelmäßigkeit in Bezug auf die Zeiten des Essens und Schlafens bekämpft, so muß doch ausgesprochen werden, daß dieses Verlangen nichts Anderes heißt, als das Kind mit dem Bade ausschütten. Nicht alle Angewohnheiten sollen bekämpft werden, sondern nur die schlechten und schädlichen, durch welche der Mensch verächtlich und lächerlich wird, und diese soll man weniger bekämpfen als verhindern. Der Erzieher und mehr noch die Eltern haben es ja völlig in der Hand, woran sie das Kind gewöhnen wollen. Sich selbst überlassen, verfällt es natürlich auf allerhand Thorheiten, und dann heißt es beständig:„Karl, nimm die Finger aus dem Mund!“„Karl, thu' dies nicht, und thu' das nicht!: Darum trete man von vorn herein mit positiven Forderungen an das Kind heran, man gewöhne es planmäßig an das Schöne und Zweckmäßige, dann wird man es nicht vom Häßlichen und Zwecklosen entwöhnen müssen. Einer der gewöhnlichsten Fehler, welche bei der aus deren Mitte jüngst die Bemerkung gehört wurde, daß der Thurmwächter die Ehre habe, die zwei„höchsten Militärpersonen zu beherbergen. Magistrat und Witz sind offenbar gleicherweise in Güstrow gutmüthiger Natur. ** * * Eine interessante Anekdote von dem verstorbenen Kommodore Vanderbilt erzählen amerikanische Blätter. In Saratoga, dem fashionablen amerikanischen Seebadeorte, saß eines Tages der Millionär auf der Piaza seines Hotels, als eine Dame in etwas auffallender Toilette zu ihm herantrat und sich ihm als eine alte Bekannte vorstellte. Der Kommodore erhob sich und sprach leutselig wit ihr, während seine Frau und Tochter die Nasen rümpften.„Vater“, sagte Miß Vanderbilt, als der Kommodore sich wieder setzte, nerinnerst Du Dich nicht, daß diese vulgäre Frau zu Hause uns Geflügel zu verkaufen pflegte?“„Gewiß“, entgegnete der alte Herr,„und ich erinnere mich auch, daß Deine Mutter Bier, das Glas zu 3 Cents, in Jersey auszuschenken pflegte, als ich dort mit Austern aus meinem Boote hausiren ging.“ Da diese unverfeinerte Antwort von einer Gruppe in der Umgebung der Familie gehört wurde, machten Frau Vanderbilt und deren Tochter während der Saison keinen weiteren Versuch, sich wie Aristokratinnen zu geberden. * *(Inseratenwesen.) Wie man in Deutschland oft Inserate stilisirt, zeigt folgende Sammlung in der„Germanias:„Ein Mädchen von fünf Wochen wünscht eine Mutter an Kindesstatt abzugeben.“(Intelligenzblatt.)— „Drei doppelte Buchhalter für erste Häuser sucht der Vorstand des Handlungs=Kommis=Vereins."(Nat.=Ztg.) —„Ich suche solide, tüchtige Handschuhmacher und zahle pro Dutzend 1 bis 2 M. F. Friedel, HandschuhFabrikant."(Schles. Ztg.)—„Der Unterzeichnete bringt zur Anzeige, daß unter Heutigem Vormittags 10 Uhr der Hund des Lohnkutschers Adres, welcher Rattenfänger nicht nur einmal, sondern mehrere Tage ohne Marke und Maulkorb herumläuft, ohne sich darum zu kümmern und höhnisch dazu lacht, wenn derselbe gewarnt wird. Josef Hörner, Polizeisoldat.“(Bair. Vztg.)—„Am 4. März, zu meinem Geburtstage, 7½ Uhr, entriß mir der Tod zum zweiten male meine innig theure und gewiß von Jedermann geliebte Gattin. F..:(Leipz. Tagebl.)—„Steckbrieflich verfolgt wird Johann Müller, der seinen Vater erschlug, um ihn zu berauben und dann heirathen zu können.“(Frankf. Cour.)—„Die Dame, welche vorigen Montag den Manschettenknopf suchte, ist gefunden worden, und ist abzuholen Grimmasteig.“(Leipz. Tagebl.)— Durch die„Kobl. Zig. wird für einen älteren jungen Mann Nachhülfe in der Religion gesucht.—„Ein dreijähriger Esel, wegen seiner Frömmigkeit auch für den Umgang mit Kindern passend, ist zu verkaufen.“(„Amtsblatt für Rügen.")— „Zu verkaufen sind zwei gut melkende Ziegen, Capellgasse Nr. 9, und nur Nachmittags von 3 Uhr an zu sprechen.:(Leipz. Tagebl.) Literatur, Kunst und Wissenschaft. * Die politischen Ereignisse sachgemäß und ohne Parteizuschnitt kennen zu lernen, ist eigentlich das natürliche Bedürfniß jedes wahrheitsliebenden Menschen. Dennoch erregte es auf vielen Seiten Zweifel und Bedenken, als zum ersten Mal bei uns in Deutschland eine große Tageszeitung, die„Tägliche Rundschau“ in Berlin, dieses Prinzip zu ihrem obersten Grundsatz machte. Der thatsächliche Erfolg des Blattes freilich belehrte die Zweifelnden sehr bald, daß hier einmal wirklich einem„tiefKindererziehung gemacht werden, ist die Ueberschüttung der Kleinen mit Spielzeug. Zu viel Spielzeug und zu künstliches Spielzeug lähmt die Spannkraft des Geistes und ist der Entwickelung nachtheilig. Das zu viel zerstreut. Die Kleinen lernen nicht von den einzelnen Stücken den ausgiebigen Gebrauch machen, welcher möglich ist, und da sie sich von vornherein daran gewöhnen, die Dinge nur oberflächlich zu behandeln und zu gebrauchen und sie dann in den Winkel zu werfen, so entwickelt sich in ihnen, wenn ich so sagen darf, ein Heißhunger nach Neuem. Das Viel reizt den Appetit nach mehr und immer mehr ohne Ende. Und dennoch wird selbst durch Befriedigung aller Wünsche nicht erreicht, daß die Kinder wirklich zufrieden sind. Wenn man durch die Galerie läuft und Gemälde auf Gemälde ansieht, ohne ein einziges recht zu betrachten, so hat man gar keinen Genuß. Man steht schließlich am Ausgang, fühlt sich abgespannt, zu Tode ermüdet und empfindet einen Widerwillen vor allem Bunten und Farbigen, daß man am liebsten die Augen schließt, um Nichts zu sehen. In ähnlicher Lage befindet sich das Kind, wenn man es mit Spielzeug überschüttet. Schließlich wendet es sich gelangweilt ab und gähnt. Das ist der Augenblick, wo die Langeweile und mit ihr die schlechte Angewohnheit beginnt. Bald wird die Mutter rufen: „Karl, nimm den Finger aus dem Mund!“ Gleich groß, ja größer ist die Gefahr, wenn das Spielzeug zu kunftvoll ist. Mit den Sachen, welche wohlhabende Leute ihren Kindern auf den Weihnachtstisch setzen, oder die sie ihnen zum Geburtstage schenken, wissen die Kinder in der Regel Nichts anzufangen und geistig Geweckte werden nicht lange damit spielen wollen. In der Regel sind es nur zwei Augenblicke, in welchen diese Dinge aufrichtige Freude hervorrufen: wenn sie zum ersten Mal gesehen werden, und wenn sie zerbrochen am Boden liegen. gefühlten Bedürfnisse" namentlich der gebildeten Deutschen abgeholfen war. Schon nach Verlauf des ersten Jahres gehörte die „Tägliche Rundschau“ zu den meistgelesenen Blättern Deutschlands. Die Vorzüge dieser eigenartigen Zeitung liegen allerdings nicht allein in der strengen Parteilosigkeit ihrer politischen Tagesrundschau, sondern ebenso sehr in der Mannigfaltigkeit ihres übrigen Inhalts, der großen Zahl ihrer trefflichen Mitarbeiter, deren Beiträge das täglich beigelegte Unterhaltungsblatt zu einer Familienlektüre der besten Art machen, und vor Allem in der Frische und der vornehmen Haltung, durch welche sich die„Tägliche Rundschau“ vor vielen anderen großen Blättern auszeichnet. „Gesundheit“, Zeitschrift für öffentliche und private Hygieine in Frankfurt a. M.(Redaktion Professor Dr. C. Reclam in Leipzig.) Abonnementspreis pro ¼ Jahr M. 4.— Inhaltsverzeichniß von Nr. 15: Originalarbeiten: Ueber Entstehung der „Cholera nostras“ und über Gesundheitspflege in Aegypten. — Uebersichten: Anämie.— Der Erdboden und seine Erwärmung.— Ueber Salicylpasten.— Zuschriften und Mittheilungen: Aus Amerika.— Besprechungen neuer Schriften: Parreidt, Die Zähne und ihre Pflege.— Magnus, Die Blindheit, ihre Entstehung und ihre Verhütung.— Aus Bädern und Kurorten.— Feuilleton: Einrichtung der Krankenzimmer.(Mit 18 Abbildungen.)(Schluß.)— Verschiedenes.— Zur Choleraepidemie. Industrie, Handel und Verkehr. * Hannover, 10. September.(Central=Schlacht= und Viehhof.) (Amtlicher Bericht.) Zu heutiger Viehbörse waren aufgetrieben: 118 Stück Großvieh, 171 Stück Schweine, 42 Stück Kälber, 87 Stück Hammel. Die Preise sind: Großvieh: I. Sorte 68—72., II. Sorte 64—68., III. Sorte 60—64 M. für 100 Pfd. Schweine per 100 Pfd. 54—57—60 M. Kälber per Pfd. I. Sorte 70 Pf., II. Sorte 60 Pf. Hammel per Pfd. 60—65 Pf. (Alles Schlachtgewicht.) Neueste Nachrichten. * Wien, 11. September. Die Enthüllung der am Kahlenberg zur Erinnerung an die Befreiung Wiens errichteten Gedenktafel ist heute Vormittag in feierlichster Weise erfolgt. Anwesend waren der Gemeinderath in corpore, Vertreter der Armee, die Behörden Wiens, Nachkommen der Kämpfer von 1683, Künstler, Schriftsteller und Gesangvereine. Nach dem Festgottesdienst in der Kahlenberger Kirche begab sich die Festversammlung nach dem Kirchplatz, wo der Bürgermeister in einer mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede die Ereignisse von 1683 schilderte. Die Rede schloß:„Wir wollen stets innig festhalten an dem Bande, welches die Völker Oesterreichs mit der erlauchten Dynastie Habsburg=Lothringen verbindet. Gott schütze das ruhmvolle Fürstengeschlecht Habsburg=Lothringen! Hoch lebe sein erlauchter Sproß Kaiser Franz Josef und das gesammte kaiserliche Haus!" Alsdann erfolgte die Enthüllung der Tafel unter Böllerschüssen und unter Vortrag einer Festhymne. * Krakau, 11. September. Die Stadt ist anläßlich der Sobieskifeier festlich geschmückt. Nach dem Trauergottesdienste für Sobieski und die polnischen Krieger wurden am Sarkophag Sobieski's zahlreiche Kränze und Blumen durch Deputationen niedergelegt. In seiner Rede zur Eröffnung der historischen Ausstellung wies der Landmarschall auf den zivilisatorischen Charakter des Entsatzes Wiens und der Heldenthat Sobieski's hin; dieselbe bilde einen unauslöschlichen historischen Beweis der vitalen Zusammengehörigkeit der polnischen Nation mit dem Abendlande. Vom bloßen Betrachten wird kein Kind froh, wenigstens nicht auf die Dauer. Es will selbst anfassen, selbst aufstellen, mit einem Wort, es will selbst Etwas thun, selbst seinen Geist bethätigen. Dazu ist kunstvolles Spielzeug nicht geeignet; es darf ja meist nur angesehen werden. Die Phantasie, der Gestaltungstrieb der Kinder bleibt unbefriedigt, und darum wird und muß jedes Kind beim bloßen Besehen sich gelangweilt fühlen. Langeweile ist aber bekanntlich die Mutter schlechter Angewohnheiten. Das beste Spielzeug ist ein Haufen Sand. Darin mag das Kind nach Herzenslust umherwühlen, daraus wird es mit immer gleichem Vergnügen bald Häuser und Thürme bauen, bald Kuchen backen. Und erlaubt der Papa zum Ueberfluß seinen Stock, so verwandelt ihn die stets rege Phantasie des Kindes bald in ein Pferd, bald in eine Peitsche oder in ein Gewehr. So ein Ding, das eigentlich Nichts ist, hat die große Eigenschaft, daß sich Alles daraus machen oder darin sehen läßt. Darum wird das Kind auch nimmer müde, wieder und immer wieder damit zu spielen. Es ist ewig das Alte, und doch ist es stets neu, ein reiner Proteus. Und das Neue hat den Vorzug, daß das Kind es selbst gemacht, das heißt, erdacht hat. Auf diese Weise gewöhnt sich das Kind an eigene Thätigkeit, es verlangt nicht, daß man sich beständig mit ihm beschäftigt, ja, es wünscht es nicht einmal; so bleibt das Kind vor Langeweile und vor schlechten Angewohnheiten bewahrt. Und wächst es heran, so darf man bald seine Kräfte zu kleinen Dienstleiftungen in Anspruch nehmen, es wird sich nicht sträuben, weil es von Anbeginn an Thätigkeit gewöhnt ist und die Thätigkeit nicht als Last, sondern als Lust betrachten gelernt hat. So entwickelt sich das spielende Thätigsein allmählich zum zielbewußten Arbeiten, und damit ist eine der schwierigsten Aufgaben des Erziehers gelöst, die Erziehung, das heißt, die Gewöhnung zur Arbeit und die Erweckung der Arbeitsfreudigkeit... * Newyork, 11. September. Ein Telegramm des „Herald“ aus Hongkong meldet, in Kanton sei ein chinefischer Volkshaufen in einige auf dem Quai gelegene Häuser ausländischer Kaufleute gewaltsam eingedrungen und habe die Häuser alsdann angezündet. Chinesische Truppen hätten später die Ruhe wieder hergestellt. * Newyork, 11. September. Der„Herald“ meldet weiter, die Auftritte in Kanton seien durch den zufälligen Tod eines chinesischen Wohnungskommissars hervorgernfen worden, welcher an Bord des Dampfers„Hankow“ gehen wollte und dabei verunglückte. Die Volksmenge bewarf den Dampfer mit Steinen; derselbe entfernte sich in Folge dessen. Mehrere Häuser auf dem Quai wurden durch den Pöbel in Brand gesteckt, ein Angriff auf Personen hat jedoch nicht stattgefunden. Chinesische Soldaten erschienen später, zerstreuten die Menge und stellten die Ordnung wieder her. Drei Kanonenboote sind von Hongkong zum Schutz der Ausländer nach Kanton abgegangen. Meteorologische Beobachtungen der Deutschen Seewarte in Hamburg vom 11. September, Morgens 8 Uhr. London: Regen Hoher Luftdruck von über 765 mm erstreckt sich von Nordosten über das Ostseegebiet und Deutschland nach der Adria hin. Ein zweites Luftdruckmaximum liegt westlich von Britannien, sodass über Frankreich und der Nordsee eine Zone relativ niedrigen Luftdrucks liegt, welche das Gebiet der starken nördlichen Winde im Westen von demjenigen der leichten östlichen Luftströmung im Osten scheidet. Ueber Centraleuropa ist das Wetter ruhig, trocken und vielfach wolkenlos. Ueber dem Binnenlande Frankreichs und Westdeutschlands ist Erwärmung, dagegen im nordöstlichen Deutschland Abkühlung eingetreten. Nennenswerthe Niederschläge werden aus Centraleuropa nicht gemeldet. Meteorologi Sept. Stunde. sche Beobachtungen in Detmold. Relative Barometer. ThermometerGrade R. Feuchtigkeit der Lust in Proc. Wind= geichtung u. Stärke. 69 75 81 910 schwach. 11. 1U. Mtgs. 28. 0,4 I 16 11. 18U. Abds.) 28 0,5 1 10 12. 7U. Mrgs. 28. 0,6 8 Allgemeiner Witterungscharakter: 12. wolkig. Sonnen=Aufgang 5 U. 30 Min. Untergang 6 U. 22 M. Mondes Aufgang 341 Nchm., Untergang 1230 Rchts. 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Die meisten Menschen leiden an diesem Uebel, ohne es zu wissen. Kennzeichen sind: Abgang nudel- oder kürbie kernähnlicher Glieder; muthmaßliche: Blässe des Gesichts, matter Blick, blaue Ringe um die Augen, Abmagerung, Verschleimung, stets belegte Zunge, Verdauungsschwäche, Apperitlosizkeit abwechselnd mit Heißhunger, Uebelkeit, sogar Ohnmachten bei nüchternem Magen, oder nach gewissen Speisen, Aufsteigen eines Knäuels bis zum Halse, stärkeres Zusammenfließen des Speichels im Munde, Magensäure, Sodbrennen, häufiges Aufstoßen, Schwindel, Kopfschmerz, unregelmäßiger Stuhlgang, Jucken im After, Koliken, Kollern und wellenartige Bewegungen, dann stechende und saugende Schmerzen in den Gedärmen, Herzklopfen, Menstruationsstörung. Salomon& Oppenheimer, Bankgeschäft. Detmold 12. September 1883. in kurzer Wir suchen per. 1. Oktober d J. geübte Hand- u. MaschinenNäherinnen, sowie Lehrmädchen für unsere Wäschefabrik. Kanne& Rahmlow. Sage. Preussische Hypotheken-Actien-Bank. Die am 1. 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Ichon zu wiederholten Malen haben wir die Wahrnehmung gemacht, daß bei vorgerückter Abendstunde die sperrende Barrière nebst Laterne vor der Weinbergstraße bei Seite gerückt wird und dadurch das diese Straße passirende Fuhrwerk mit seinen Insassen in größte Gefahr gerieth, wie dies in der Nacht vom Sonntag zum Montag dreimal und Montag Abend wiederum einmal geschah. Gleichgültig, ob Nachlässigkeit des Bau=Aufsehers oder Muthwillen hier vorliegt, im Interesse der Sicherheit von Leib und Leben ist Abhülfe hier dringend geboten. Noch nothwendiger für die Unterzeichneten aber ist die Hinwegräumung der Steine von dem Trottoir; die Passage ist jetzt Abends wahrhaft halsbrecherisch und wiederholt hört man Aufschreie von stürzenden Personen, am Montag Abend fiel eine alte Frau derart, daß sie von Anderen aufgehoben und fortgeführt werden mußte. Bei dem Vertrauen zu der Ordnungsliebe unseres Magistrats dürfen wir wohl auf baldige Abhülfe dieser gegen die Straßenpolizeiordnung arg verstoßenden Uebelstände rechnen. Mehrere Anwohner.