„Die Lippische Landes=Zeitung“. erscheint mit Ausnahme der Sonn= und Festtage täglich und werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht. Redaction u. Expedition: Detmold, Leopoldstraße Nr. 117. Abonnementspreis für das Vierteljahr: In Detmold 2 Mark 25 Pf., auswärts durch die Post bezogen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M. Inserate werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet. Verantwortlicher Redacteur August Klingenberg. Druck und Verlag der Meyer'schen Hofbuchdruckerei(Gebr. Klingenberg) in Detmold. Je 168. Freitag, 20. Juli. 1883. Die Orleans. Auf der staubigen Landstraße, welche von Wiener Neustadt zu dem kleinen niederösterreichischen Dorfe dessen ursprünglichen Namen Krotten= oder Froschdorf sich in Frohsdorf verwandelte, seit es dem Haupte der französischen Bourbons als Aufenthaltsort dient, rollten um die Mittagsstunde des 7. Juli drei schimmelbespannte Wagen dahin. Neben den Postillonen auf dem Bock saßen gallonirte Diener in blauer silberbetreßter Livrée. Die Insassen der Wagen aber waren drei Prinzen von Orleans, der Enkel Louis Philipps, Graf von Paris, sein Oheim, der Herzog von Nemours, und dessen zweiter Sohn, der Herzog von Alencon, nebst einem kleinen Gefolge. Sie wollten den kranken Mann besuchen, der seit 53 Jahren auf die Wiederaufrichtung des Lilienbanners in Frankreich wartete und sich jetzt, da der Tod mit knöchernem Finger an seine Schwelle pochte, gestehen mußte, daß sein Hoffen und Harren vergeblich gewesen war. Aber— le roi est mort, vive le roi! der König stirbt nicht, ohne daß ein Anderer an seine Stelle tritt, und die Prinzen kamen nicht eines bloßen Krankenbesuches wegen, sondern um eine Erbschaft anzutreten. Wenn der dreiundsechzigjährige Einsiedler von Frohsdorf die müden Augen schloß, trug man den letzten direkten Nachkommen Ludwigs XIV. zu Grabe, und die Königskrone Frankreichs vererbte sich auf die Sprossen von Ludwigs jüngerem Bruder Philipp, Herzog von Orleans. Man hat zwar mit einer gewissen Beflissenheit neuerdings darauf hingewiesen, daß die spanischen Bourbons als Abkömmlinge eines Enkels von Ludwig XIV. dem Grafen Chambord näher verwandt seien als die Orleans, und hat dadurch das Märchen glaubhaft machen wollen, daß der Graf den spanischen Don Carlos berüchtigten Andenkens zum Erben seiner Ansprüche einzusetzen gedenke. Aber nicht allein, daß Graf Chambord schon 1873 den Grafen von Paris als Nachfolger anerkannt hat; ein spanischer Prinz als Thronbewerber in Frankreich wäre nach altfranzösischem Staatsrecht schon deshalb unmöglich, weil in dem Frieden zu Utrecht, welcher 1713 den spanischen Erbfolgekrieg beendete, Philipp V. von Spanien für sich und seine Nachkommen auf die Thronfolge in Frankreich verzichtete, gleichwie die französischen Bourbons ihren Ansprüchen auf Spanien entsagten. Es kann also einem Zweifel nicht unterliegen, daß der Nachfolger Heinrich's V. ein zweiter Louis sein wird, daß der Graf von Paris berechtigt ist, den Thron der Könige von Frankreich zu besteigen. Die We Sache hat nur zwei Schwierigkeiten, eine kleine und eine große. Die kleine Schwierigkeit ist die, daß der bereits todt gesagte Graf Chambord noch immer lebt und sogar Zeichen von Besserung giebt, aber lange kann er's ja doch nicht mehr treiben. Die größere Schwierigkeit dagegen liegt darin, daß die Krone Frankreichs, deren Erbschaft den Orleans zufällt, jenen überseeischen Ländern gleicht, mit deren Austheilung nach der Entdeckung Amerikas Könige und Päpste so freigebig waren. Es waren herrliche und lockende Gefilde, man brauchte sie blos— zu erobern. Auch Frankreich muß erst erobert werden, denn die einstigen Krondiamanten sind zum Verkaufe ausgestellt und am Staatsruder sitzt eine Schaar derber Gesellen mit der Jakobinermütze, welche weder vor dem Hahn der Bonapartes, noch vor den Lilien der Bourbons allzugroße Hochachtung bekunden. Werden die Orleans den Muth haben, die Hand nach der Krone auszustrecken, oder werden sie die Erbschaft nur cum beneficio inventarii antreten? Es läßt sich nicht leugnen, daß die Aussichten für sie keine ungünstigen sind. Der Tod des Grafen von Chambord, den man den letzten Träger des Legitimitätsprinzips nennen kann, wie Maximilian den letzten Ritter, schafft den Bestrebungen der königlich Gesinnten in Frankreich freie Bahn. Das ancien régime ist dort ein= für allemal beseitigt, und seine Wiederkehr war daher aussichtslos; die moderneren Lebensanschauungen der Orleans werden leichter einen Wiederhall im Volke finden. Die Spaltung zwischen den Anhängern des Roy und der Orleans wird aufhören, ja es machen sich bereits Anzeichen bemerkbar, daß ein Theil der Bonapartisten in das Lager der Prinzen übergeht; Paul von Cassagnac sträubt sich zwar dagegen, daß man ihn als Royalisten bezeichne, aber jeder Prätendent, wenn er nur zugreift und die verhaßte Republik bekämpft, ist seiner Unterstützung sicher. Was also wiederholt vergeblich versucht wurde, die Einigung aller monarchisch gesinnten Elemente zu einem Ansturm gegen die Republik, ist in diesem Augenblicke nicht mehr ganz aussichtslos. Und wie viele von denen, welche sich jetzt Republikaner nennen, würden der Republik den Rücken kehren, sobald sie unter einem anderen Regiment dieselbe Sicherheit gewährleistet fänden? Dazu kommen auf der einen Seite die ganz unzweifelhaft starken Sympathien, deren sich die Prinzen von Orleaus im Heere, der sichersten Stütze jedes Thrones, und bei der in Frankreich besonders einflußreichen Geistlichkeit erfreuen, auf der anderen Seite die offenkundige Schwäche der republikanischen Regierung. Minister kommen und gehen, Beamte Einquartierung. Novelle von Silvester Frey. (1. Fortsetzung.) Der Raum, in welchem Totus eben den Folgen eines vormittäglichen Labetrunkes nachhing, war ein Gartensalon. Durch die halb geöffneten Flügelthüren strömte ein würziger Wohlgeruch, welchen all' die vielen Blumenarten, vom vollgoldigen Strahl der Avgustsonne geküßt, ausathmeten. Ein Sperling hüpfte herein und flog neugierig auf die Rückwand des Sessels, welchen der Schläfer füllte; aber der kümmerte sich nicht um den Nachbar Spatz. Eben so wenig erweckte Totus das monotone Gesumme der Fliegenschaar, welche ihn neugierig von der Nasenspitze aus beguckte. Trotz der unglücklichen Neigung zu Minette schlief Totus den Schlaf der Gerechten. Doch plötzlich sprang er hastig auf und suchte Position zu gewinnen. Es war allerdings nur der leicht beflügelte Schritt eines Damensußes, welcher über die Teppiche des Nebenzimmers glitt; aber er genügte, um alle Freuden und Leiden des Schlafes jäh von seinen Lidern zu verscheuchen. Totus verspürte das Gewitter schon beim ersten leisesten Wetterrollen. Weil er sich noch nicht recht sattelfest in etwaigen Ausreden und Entschuldigungen wußte, ergriff er ein Glas und eine Serviette, als wollte er den Krystau putzen, und schlüpfte durch die geöffnete Glasthür auf die Balkon=Veranda, die in den Park führte. Es war die höchste Zeit, denn sofort, nachdem Totus das Freie gewonnen hatte, trat eine Frauengestalt in den Salon. Sie war hochblond und trotz der tiefen Trauer, welche ihre Kleidung bis in die kleinsten Einzelheiten verrieth, von schönem, frischen Aussehen. Das dunkle Auge sprühte das Feuer der reifen Frauenjugend. Denn wenn die Gräfin Dabich auch bereits Wittwe war, stand sie gleichwohl in dem Alter, wo sich ihre Geschlechts= und Standesgenossinnen noch den holdesten Mädchenträumen hingeben. Therese schritt vor den Spiegel, welcher die eine Seite des Salons fast ganz bedeckte. Mit der weißen Hand strich sie das aschblonde Haar über die Stirn hinweg und schürzte es zwanglos und doch gerecht zum einfachen Kranz. Wie sie so hoch aufgerichtet, vom Strahl der Sonne vergoldet, dastand, mußte ihre Schönheit wundersam berühren. Der scharfe Kontrast zwischen Kleidung, wo Alles Thränen, und Gesichtsausdruck, wo Alles Jugendlust war, reizte zur Bewunderung. Die Gräfin rückte einen Sessel an den Tisch und schlug ein in schwarzen Sammet gebundenes Buch vor sich, auf. Aber die feinen Finger spielten mit den Blattern, wie wenn sie Rosen zerpflücken wollten, und das dunkle Auge flackerte hin und her, von nachdenklichem Geist genährt. Auf das Gebetbuch fiel kein sich aug verese sat auch weder fromm noch unglücklauschte sie auf. Vom Korridor her erklang ein leises Geräusch, ein Konzert aus dem Schritt eines Frauenfußes und dem Rauschen einer Robe. Der frohe Glanz in Theresen's Augen erlosch; ein Zug von Trauer umwölkte Stirn und Brauen; der Blick war auf das Gebetbuch geheftet. So ward sie von einer Dame betroffen, welche soeben in den Salon trat. Diese war gleichfalls tief in Schwarz gehüllt. Gesichtsausdruck und Schnitt des werden ein= und abgesetzt, wie es die wechselnde Kammermehrheit verlangt, die Ständigkeit der Verwaltung leidet Noth, altüberkommene Rechtsgrundsätze, wie die Unabsetzbarkeit des Richterstandes, werden angetaftet, in der äußeren Politik herrscht die Willkür und Planlosigkeit; statt des Rachekrieges gegen Deutschland, der die heiße Sehnsucht jedes Franzosenherzens bildet, aber ohne Verbündete nicht unternommen werden kann, sieht sich Frankreich vereinsamt, und, was das Bedenklichste ist, die Gegner erstehen der republikanischen Staatsform nicht blos von Rechts, von den Anhängern der vertriebenen Könige und Kaiser, sondern auch von Links, aus jenen Elementen, welche schon einmal die Versailler Regierung zu blutigem Kampfe um die Landeshauptstadt zwangen. Aber so günstig die Aussichten gegenwärtig sind, um das Bärenfell zu zertheilen, der Bär ist noch nicht todt, man muß ihn erlegen, und der Graf von Paris ist kein Nimrod, der ihm kühn den Genickstoß giebt. Wie beim Gefangenenchor in„Fidelio" tönt aus allen Handlungen der Prinzen von Orleans der Refrain: „Sprecht leise, haltet euch zurück!: Sie müssen für jede monarchistische Kundgebung in Frankreich die Prügelknaben abgeben, müssen ihre Kommandos in der Armee niederlegen, weil der Prinz Napoleon sein Manifest erließ; aber sie murren nicht, sie sind zufrieden, wenn nur die Republik zufrieden ist, und vermeiden mit ängstlicher Sorgfalt Alles, was etwa die Machthaber im Elysée vor den Kopf stoßen könnte. Wahrlich der alte Thiers hatte Recht, als er sagte:„Zu einer Monarchie braucht man einen Monarchen, wie man zum Hasenpfeffer einen Hasen braucht; die Orleans aber, das ist kein Hase, kaum ein Kaninchen.“ Einem Manne der That würde die Krone Frankreichs, auf welche der Graf von Chambord zeitlebens geharrt, jetzt zufallen, einem Leisetreter aber droht das Schicksal, daß ihm aus der Erbschaft Heinrichs V. nichts bleibt als— da8 Erl.(F..) Deutsches Reich. * Berlin, 19. Juli.(Das Schreiben Hänels an seine Wähler.) Professor Hänel in Kiel hat ein Schreiben an seine Wähler gerichtet, aus welchem wir bereits vor Kurzem einen Hauptpassus citirten. Zum allgemeinen Verständniß lassen wir nun dasselbe, wenn ach nicht im ganzen Wortlaut, so doch in seinem größeren Umfange folgen: Nachdem sich Hänel in demselben zunächst zur Annahme der Wahlkandidatur bereit erklärt und dann in aller Kürze seinen politischen Gewandes verriethen die Eintögigkeit, welche die Trauer erheischt. Die Baronin von Gränitz war etwas größer und schlanker als ihre Koufine, die Gräfin. Aber ihre Züge trugen nicht die Lebhaftigkeit des Ausdrucks, welcher Therese vorhin, als sie allein war, so interessant gestaltete. Eine gewisse Marmorkälte lag über den schönen, dunklen Teint gebreitet. Das große Auge, von langen Wimpern umrandet, ließ in einem stillen Verweilen des Blicks auf eine Energie des Willens schließen, der vor keinem Ziel zurückbangt. Beide Frauen waren gewiß von wundersamer Schönheit; die elegante Haltung, die geschmackvolle Drapirung der Trauergewänder um die schlanken Gestalten mußten außerdem das Auge berücken. Die Baronin neigte sich über Theresens Stuhl; obgleich diese ganz wohl wußte, wer soeben in den Salon getreten, that sie, als ob sie, aus tiefer Andacht gerissen, zusammenführe. „Ich störe Sie, Therese!" „Nein, aber ich glaubte, Sie schliefen noch.: Hermine seufzte.„Meine Nächte pflegen kurz zu seine, erwiderte sie mit einer Stimme, die vor Trauer zitterte. „Sie haben geweint“, sagte Therese und zog die Baronin, welche sich, wie um ihren Schmerz zu verbergen, abgewandt hatte, neben sich auf einen Stuhl. „Ich habe gebetet“, sagte Hermine. Die Gräfin zeigte auf das in schwarzen Sammet gebundene Büchlein, welches vor ihr auf dem Tische lag. „Fassen wir uns Beide, indem wir uns gegenseitig trösten. Haben wir nicht einen gleichen Verlust erlitten, hat nicht jede von uns fast zu derselben Zeit den Gatten verloren?“ (Fortsetzung folgt.) Standpunkt entwickelt, welchen er durch 16 Jahre als Vertreter des Kieler Kreises eingenommen und an dem er auch„in der Ungunst der heutigen politischen Verhältnisse unbedingt festhält“, heißt es weiter:„Ich bin nicht davon überzeugt, daß die neueste Gewährung dehnbarer Vollmachten an die Polizei irgend etwas zur Förderung unseres Gewerbestandes beitragen kann. Ich glaube nicht daran, daß bureaukratisch verwaltete Zwangseinrichtungen, wie man sie jetzt vorschlägt, uns der Lösung der sozialen Frage annähern. Die wirth= schaftliche und fittliche Hebung der arbeitenden Klassen erwarte ich nur von der freien Entwickelung sich selbst verwaltender Genossenschaften. Ich sehe durch den Rückfall in ein einseitiges Schutzzollsystem nur die einseitigen Interessen des Großkapitals und der Großindustrie gefördert. Für Schleswig=Holstein hat hiefür die Vorlage über den Holzzoll den unzweidentigen Beleg gegeben. Ich finde in der Ausdehnung der indirekten Steuern selbst auf den nothwendigen Lebensunterhalt des Volks eine Verletzung der gleich austheilenden Gerechtigkeit. Ich bin davor zurückgeschreckt, eine blühende Industrie durch das Tabakmonopol zu zerstören. Ich bin bereit, der unbedingten Gewissensund Religionsfreiheit jede Bürgschaft zu gewähren, die ihr noch mangeln kann.„Aber ich bin schlechterdings nicht bereit, im Jahre des 400jährigen Geburtsfestes Martin Luthers an dem Rückzuge des Staates mich zu betheiligen, den derselbe gegenüber den unersättlichen Anforderungen einer kirchlichen Hierarchie jetzt angetreten hat.“ Gilt es doch heute schon, die Verfassung und die Freiheit unserer Volksschule gegen die Angriffe dieser Hierarchie zu vertheidigen! Vor allen Dingen— ich vertheidige die Rechte der Volksvertretung in ihrem vollen verfassungsmäßigen Umfange gegen alle Eingriffe, Schmälerungen und Zurücksetzungen, die sie neuerdings erfahren haben. Ich bin überzeugt, daß nur bei ihrer vollen Geltung die Einheit des deutschen Reiches und nur mit ihnen die hohe Aufgabe der Monarchie in Deutschland gewahrt werden kann. Wenn bei diesem Standpunkte die gegenwärtige Politik des Staates und die krankhafte Lage unserer Parteien mich in eine entschiedene Opposition drängen, so glaube ich in langjähriger Thätigkeit bewiesen zu haben, daß mir höher als eine solche Oppofition die positive Mitwirkung an den Staatsaufgaben steht. Ich glaube nicht minder bewiesen zu haben, daß ich, jeder einseitigen Fraktionspolitik feind, ein Zusammengehen aller liberalen Parteien erstrebe, überall, wo es die Sache und die gemeinschaftliche Gegnerschaft fordert. Aber ich halte auch dafür, daß die heutige Lage der Dinge volle Entschlossenheit von jedem liberalen Manne fordert. Kleinliche Nützlichkeitsrücksichten des Augenblicks können heute nur die großen Grundsätze des Liberalismus verdunkeln und den Glauben an ihre Zukunft erschüttern. Ich glaube fest an diese Zukunft. Ich weiß, daß die Zeit nicht fern ist, wo die schwankenden Elemente, die die Macht oder ein einseitiges Interesse verführt haben, sich uns wieder anschließen werden. Darum harre ich in dem Kampfe aus. Wie sehr persönliche Rücksichten und augenblicklicher Mißmuth dazu rathen mögen, ich werde das Mandat zum Reichstage nicht zurückweisen, falls mich das Vertrauen meiner Wähler auch diesmal dazu berufen sollte.“ *—(Fürstliche Verlobung.) In Hofkreisen wird, laut der„Börsen=Zeitung", gegenwärtig viel von einer Vermählung der Schwester unserer Prinzessin Wilhelm, der Prinzessin Karoline Mathilde von Schleswig=Holstein, geboren 25. Januar 1860 zu Dolzig, mit dem präsumtiven Thronfolger in Württemberg, Prinzen Wilhelm, gesprochen. Die Prinzessin weilt seit längerer Zeit mit ihrer Mutter in Cannstatt bei Stuttgart, wo sie sich der ganz besonderen Aufmerksamkeit der Königin Olga von Württemberg zu erfreuen hat. Prinz Wilhelm von Württemberg ist Wittwer und steht im 36. Lebensjahre. * Hannover, 17. Juli.(Todesfall.) Der „Hann. Cour.“ meldet: Aus München geht uns die Trauerbotschaft vom Tode des Geheimen Regierungsraths Professor Dr. Gustav Heyer, des vormaligen langjährigen Direktors der Forstakademie in Hannoversch= Münden, zu. Der Verblichene fuhr am 10. d. M. von München ab nach Fürstenfeldbruck und ist beim Fischen in der Amper verunglückt. Seine Leiche wurde erst am 14. d. M. früh in der Amper bei Emmering aufgefunden.— In Gustav Heyer verliert die neuere Forstwissenschaft einen ihrer glänzendsten Vertreter, einen mit Recht gefeierten Lehrer. In früheren Jahren hatten wir das Glück, Herrn Heyer zu unseren Mitarbeitern zählen zu dürfen, wir verdanken ihm eine Anzahl gediegener Artikel. Auf das Wirken desselben werden wir noch zurückkommen. * Rüdesheim, 16. Juli.(Aufstellung des ersten Stückes zur Kolossalfigur der Germania.) Die mit Spannung und, sagen wir es offen, von Vielen mit Besorgniß erwartete Aufstellung des ersten Stückes zur Kolossalfigur der Germania ist heute glücklich erfolgt. Nachdem gestern der Krahnen und alle Theile der Flaschenzüge und Haspeln in Ordnung gebracht und mit dem doppelten Gewichte an Eisenbahnschienen auf ihre Sicherheit geprüft waren, wurde heute Vormittag um 10 Uhr das Gußstück auf dem Transportwagen ungefähr in die Stellung gebracht, welche es auf dem Postamente einnimmt. Zu dem nunmehr beginnenden Aufwinden des Erzkolosses hatten sich zahlreiche Zuschauer eingefunden, wie denn auch von Rüdesheim und Bingen aus sich viele Blicke nach der Denkmalsstätte richteten. Um ½2 Uhr ist der Koloß aufgewunden, daß er frei über die Höhe des Postaments schwebt und wird nun der Laufkrahnen vorsichtig nach der Mitte des Gerüstes zu fortbewegt, was eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nimmt, einige kleine Wendungen noch und— das erste Stück der ehernen Germania thront auf seinem erhabenen, hoffentlich auf ferne Zeiten hinaus sicheren Sitz! Stürmischer Jubel, 12 donnernde Böllergrüße an den majestätisch vorüberrauschenden sagenreichen Rhein mit seinen grauen Burgen, seinen heuer besonders üppig grünenden Rebenhügeln und seinen freundlichen Dörfern und Städten verkünden das frohe Ereigniß! (Rhg. Anz.) * Hamburg, 16. Juli.(Berichtigung.) Die Mittheilung der„Frankf. Ztg.", daß das Defizit der internationalen Thierausstellung 500,000 M betrage, beruht auf einer eigenen Uebertreibung, da sich nur ein Defizit von 100,000 bis 150,000 K. herausstellen wird. Der Garantiefonds beträgt 340,000 K. Sachsen. * Dresden, 15. Juli.(Kriegervereinsfest.) Wiederum hat Dresden in Gegenwart des Königs und der Mitglieder der Königsfamilie heute durch seine überaus reich geschmückten Straßen einen glänzenden Festzug ziehen sehen, der zu Ehren des sächsischen Kriegervereinsfestes von mehr denn 10,000 Mitgliedern sächsischer Militärvereine gebildet wurde. Circa 200 Fahnen, gegen 20 Musikchöre, von den angesehenen Bürgern geführte Equipagen mit Veteranen von 1812 und 1813, Marketender=Wagen, eine Germania=Gruppe, alles das gab in dem Zuge ein buntes, wechselreiches Bild. Von Seiten des Königshauses hatte sich der Zug des sichtlichsten Interesses und der ehrenden Anerkennung zu erfreuen. Am Morgen des heutigen Sonntags hatten Deputationen aller Militärvereine bereits in würdiger Form am Dresdener Krieger= und Siegesdenkmal dem Andenken der gefallenen Kameraden einen Ehrentribut gezollt, indem sie bei dumpfem Trommelwirbel und gesenkten Fahnen Lorbeerkränze an dem Denkmal niederlegten und Präsident Tanner eine kurze, ergreifende Ansprache hielt. Baiern. * Nürnberg, 15. Juli.(Eröffnung des Schachkongresses.) Der dritte Kongreß des deutschen Schachbundes, wozu sich zahlreiche Theilnehmer eingefunden hatten, wurde heute Nachmittag durch Herrn Rögner, Vorstand des Nürnberger Schachklubs, eröffnet. Durch Delegirte waren vertreten die Städte: Berlin, Hamburg, Breslau, Leipzig, Dresden, Halle, Frankfurt a.., Wiesbaden, Offenbach, Siegen, Buchholz, Kassel, Würzburg, Wien, Prag, Graz, Köln, Görlitz, Weißenburg, Lüneburg, Stuttgart, Magdeburg, Mannheim, Heid, Nassengrund, München, Lübeck. Bayreuth, London. Herr Rögner machte, wie die„Augsb. Abd=Ztg.“ mittheilt, nach Begrüßung der Anwesenden, die von der Versammlung mit Bravorufen begrüßte Mittheilung, daß König Ludwig von Baiern dem Kongreß eine namhafte Summe zur Verfügung gestellt habe, wodurch es ermöglicht worden sei, noch vier weitere Preise zu schaffen. Das Budget des Kongresses stellt sich auf ca. 6000 M. Zur Ausloosung des Preistourniers meldeten sich 19 Meister, eine Zahl, welche noch kein Meistertournier aufzuweisen hatte. Beim letzten Tournier in London waren 14, in Wien 17 Meister. Fünf Preise sind ausgesetzt, nämlich 12, 8, 5, 3 und 2 Hundert Mark. Am Meistertournier betheiligen sich die Herren: Dr. Lange(Leipzig), Fritz(Darmstadt), Schallop(Berlin), Bien(Hamburg), Professor Berger(Graz), Schottländer(Breslau), Mason(Newyork), Louis Paulsen (Nassengrund), Wilhelm Paulsen(Nassengrund), Riemann (Breslau), Blackburne(London), Leffmann(Köln), Gruby (Wien), Schwarz(Wien), Weiß(Wien), v. Bardeleben(Leipzig), Gunsberg(Baden), Winawer(Warschau), Bird(London). (Nat.=Ztg.) Oesterreich=Ungarn. * Wien, 17. Juli.(Das Drama in Nyiregyhaza) naht seinem Schlusse: es besteht wohl kaum mehr ein ernster Zweifel darüber, daß Staatsanwalt Szeiffert die Anklage einfach wird zurückziehen müssen. Wer den Prozeß verfolgt hat, wird schwerlich noch bestreiten, daß die bei Dada in den Kleidern des verschwundenen Mädchens aufgefischte Leiche wirklich jene der Esther Solimossy ist. Damit wäre denn die phantastische Geschichte von dem Morde im Tempel als eine ungeheuerliche Lüge von A bis Z erwiesen. Ob, was nach der Leichenschau gar nicht unwahrscheinlich klingt, ein Lustmord vorliegt, das wird heute— ohne ein Wunder— schwerlich mehr zu ermitteln sein, nachdem das Gericht anderthalb Jahre glücklich damit vertrödelt hat, eine Untersuchung auf einen rituellen Mord, wie ihn die antisemitischen Führer brauchten, einzufädeln. Selbst dies voreingenommene Auditorium konnte sich eines lauten Heiterkeitsausbruches nicht erwehren, als der bedeutendste der Vertheidiger, Eötvös, bei der Diskussion der Leichenfrage dem Untersuchungsrichter Bary trocken bemerkte:„Für Sie mußte es natürlich von vornherein feststehen, daß der bei Tisza=Dada aufgefischte Kadaver nicht derjenige der Esther sein könne, weil ihm der Kopf nicht abgeschnitten war.“ Morgen findet nun noch ein Akt der Autopsie statt, der voraussichtlich die Verlogenheit der ganzen Prozedur aus dem Vollen konstatiren wird und auf den man deshalb allgemein gespannt ist. Moritz Scharf soll am Tempel selber das Kunststück vormachen, wie ein Mensch, der auf einem Auge bis zur Blindheit kurzsichtig ist, mit dem anderen Auge durch ein Schlüsselloch ununterbrochen Vorgänge in der Synagoge von Tisza=Eszlar beobachten kann, die, seiner eigenen Aussage nach, sich im Verlaufe von drei Viertelstunden abspielten! Es wird sich dabei auch zu zeigen haben, wie die handelnden Parteien gruppirt sein mußten, damit eine solche Spionage überhaupt möglich war! Von vornherein hingegen wird wohl auf jede Erklärung des Wunders zu verzichten sein, daß nach der Abschächtung der Esther, d. h. nach Durchschneidung der Aorta und der beiden Ha spulsschlagadern, das Blut nicht ein paar Meter hoch aufspritzte, sondern„in breitem Strome abfloß!“ Daß so eine Masse, die nach Aussage der Pester Professoren mindestens anderthalb Liter betragen mußte, ganz gemüthlich in zwei Suppentellern aufgefangen werden konnte! und daß von dieser ganzen Fleischhackerarbeit auch nicht die kleinste Blutspur auf dem Boden der Synagoge zurückblieb, mit solchem Phlegma und solcher Sauberkeit war das Geschäft verrichtet! Das Haupt der Antisemiten in der Nyr, der Vizegespan des Comitates, Zoltan, erklärt inzwischen rund heraus, er lasse sich von dem betretenen Wege nur durch eine Armee abbringen: Ministerialbeamte, die Tisza zur Beaussichtigung des verfahrens nach Nyiregyhaza entsendet, läßt Zoltan per Schub aus dem Komitate entfernen— und der allmächtige Premier schweigt dazu, weil er sich nicht mit dem Komitatsgewaltigen zu überwerfen wagt.(F. Pr.) Frautreich. * Paris, 17. Juli.(Verschiedenes.) Der gestern nach Schloß Eu zurückgekehrte Graf von Paris hatte sofort eine längere Unterredung mit dem heißblütigen Orleanisten Estancelin.— Fast alle Zeitungen fallen heute über Gladstone her, weil er ohne verbürgte Nachrichten bloß auf die Mittheilung eines Sekretärs des Konsuls Pakenham hin, der ein Hova sei, Drohworte an Frankreich gerichtet habe. Einige Blätter meinen sogar, daß Admiral Pierre, selbst wenn er das gethan, was Gladstone ihm vorwirft, bloß nach dem Kriegsrecht gehandelt habe. Nicht allein„Paris“ und Genossen führen solche Sprache, sondern auch das „Journal des Débats" und das„Siècle". Man schließt aus diesem Verhalten der gesammten offiziösen Presse, daß die französische Regierung, wenn England sie nicht in Madagaskar, Tonking 2c. in Ruhe läßt, die Zähne zeigen und etwa in Aegypten Unruhen hervorrufen werde. So erklärt man auch die plötzliche Berufung des Seepräfekten von Toulon nach Paris. — Das letzte Nationalfest in Paris kostete der Stadt und dem Staat 6= bis 700,000fr; der Staat steuerte 300,000fr bei. * Paris, 18. Juli.(Deutsche Arbeiter verkappte Soldaten.) Nach dem„Eoénement" zu urtheilen, bereiten sich hier sehr verhängnißvolle und grausame Dinge vor. Es scheint, daß die Deutschen nach Errichtung der neuen Pariser Forts an der Möglichkeit einer neuen Einschließung von Paris verzweifeln und daher dem Herzen der Welt auf andere Weise beizukommen trachten. Die 50,000 hier lebenden deutschen Arbeiter scheinen nämlich verkappte Soldaten zu sein, die nur darauf warten, daß ihnen Waffen und Uniformen aus Deutschland zugeschickt werden, um dann über die ahnungslosen Pariser herzufallen.„Schlagt im Faubourg St. Antoine Allarm nach der Weise der preußischen Tambours, und ihr werdet eine Landwehr zusammenströmen sehen, die wir bisher in unserer Gutmüthigkeit mit einem Brod genährt haben, das viel besser ist als ihre Erbswurst.: Hiergegen zunächst eine thatsächliche Berichtigung: Erbswurst ist gar kein„Brod“, sondern eine Konserve, aus der Erbssuppe(„purée croütons") bereitet wird und die ganz gut schmeckt, namentlich wenn man Hunger hat. Was aber Uebrige anbetrifft, so ist also einer der finstersten Pläne enthüllt, den der Marschall Moltke je gefaßt hat.„Die Konsuln sind gewarnt“ und das„Evénement“ hat denn auch die Freude, mittheilen zu können, daß eine Kommission des Gemeinderaths beauftragt ist, die Frage zu studiren, wie die Zahl der fremden Arbeiter, die einem Arbeitgeber zu verwenden gestattet sein darf, durch ein Reglement begrenzt werden kann." Wie dringend diese Angelegenheit ist, kann man daraus ersehen, daß das „Drapeau" Déroulédes sich bereits gezwungen sah, sich in die Kosten eines Holzschnittes zu stürzen, der einen leibhaftigen Ulanen vorstellt und die Unterschrift trägt: „Portrait eines Tischlers aus dem Faubourg St. Antoine:. Einigen Trost muß es den Deutschen gewähren, daß mit ihnen auch die Italiener und Belgier ausgetrieben werden sollen. Solamen miseris.(K..) dem Fürstenthum Lippe und Umgegend. * Detmold, 18. Juli.(Das Eisenbahnprojekt Lage=Hameln.) Wie der„Rheinisch=Westfälischen Zeitung" aus sicherer Quelle mitgetheilt wird, hat das betreffende Komité aus dem fürstlichen Kabinetsministerium ein diesen Gegenstand betreffendes Reskript folgenden Inhalts erhalten. Fürstliche Regierung habe sich mit dem preußischen Eisenbahnministerium in Verbindung gesetzt und bei diesem die Ertheilung der Konzession zur Vornahme der Vorarbeiten auf preußischem Gebiet beantragt. Das preußische Ministerium habe aber die Konzessionsertheilung abgelehnt und sehe sich fürstliches Kabinetsministerium aus diesem Grunde veranlaßt, das gleiche für das diesseitige Gebiet zu thun. Großenmarpe, 19. Juli.(Fernsprechbetriebsstelle.) Am 21. Juli d. J. wird bei der Postagentur in Großenmarpe eine Fernsprechbetriebsstelle mit beschränktem Tagesdienste in Wirksamkeit treten. = Barntrup, 16. Juli.(Feuerwehr.) Wir haben vor kurzer Zeit in diesen Blättern von der Nothwendigkeit der Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr in dem hiesigen Orte gesprochen. Wenn wir heute darauf zurückkommen, so thun wir das in der Hoffnung, daß unsere Worte nicht ungehört verhallen mögen. Aber das wollen wir gleich von vorn herein sagen, wir dehnen unsere damals ausgesprochene Ansicht bezüglich Barntrups noch auf eine Reihe anderer Orte unseres Landes aus, in denen das Material einer freiwilligen Feuerwehr zwar hinreichend vorhanden ist, in welchem es aber entweder an der Erkenntniß von der Nothwendigkeit eines solchen Instituts, oder an dem guten fehlt, wie z. B. die 4 Flecken Schwalenberg, Alverdissen, Bösingfeld und Varenholz und die Dörfer Sonneborn, Humfeld, Brakelsiek, Elbrinxen, Lieme, Stemmen u. s. w. Sämmtliche genannte Orte besitzen allerdings Löschgeräthe allerlei Art, welche sich auch meistens, Dank der staatlichen Aufsicht, in gutem Stande befinden, es sind auch die erforderlichen Bedienungsmannschaften ordnungsmäßig verzeichnet; wie wenig das alles aber genügt, einem großen Schadenfeuer erfolgreichen Widerstand zu leisten, das hat die Erfahrung hinreichend bewiesen. Bestanden z. B. in den Jahren 1858 und 1876 zu Barntrup und Blemberg Feuerwehren, so hätten die Feuer, falls der Barntrupper Wehr die Blomberger zu Hülfe kam, keine so große Ausdehnung nehmen können. Es liegt das ja auch in der Natur der Sache. Die freiwillige Feuerwehr besteht aus geübten Leuten, die gewöhnlichen Sprützenmannschaften dagegen haben anders keine Gelegenheit sich einzuüben, als wenn jährlich einmal der angestellte Beamte zur Sprützenprobe erscheint. Es geht ferner jene freiwillig an die Arbeit, diese thun es aber gezwungen, jener ist es eine Lust, diesen eine Last. Dazu kommt, daß bei letztern die sogenannten Rettungsleute gänzlich fehlen. Nicht minder vermißte man öfters bei den Sprützenleuten nicht die unbedingtnoth wendige Disziplin, während bei der freiwilligen Feuerwehr stramme Ordnung herrscht. Hier gilt der Wille des Kommandanten, dort glaubt ein jeder kommandiren zu dürfen. Diesem allen wird Niemand widersprechen können, welcher einmal Gelegenheit gehabt hat, der Thätigkeit freiwilliger Feuerwehren beizuwohnen. Wir haben dabei aber nicht allein ein bloßes Manöver, ein Schaustück, nein, sondern namentlich die Bekämpfung eines wirklichen Schadenfeuers im Auge.—„Das ist alles recht gut gesagt,“ hören wir manchen erwidern, der dies liest,„bei uns geht das nicht, es fehlt an Leuten, es fehlt an Geld, auch ist hier die Feuersgefahr nicht in dem Maße vorhanden, wie in großen Städten.“ Das sind die gewöhnlichen Entschuldigungen, das sind die Schlummerpolster, auf denen der Durchschnitts=Deutsche sich so gern dem süßen Nichtsthun hingiebt, wenn es gilt, ein gemeinnütziges Werk ins Leben zu führen. Keine Leute? Das ist nicht wahr. In Barntrup z. B. können wir 40—50 kräftige Männer namhaft machen, Zimmerleute, Maurer, Eisenarbeiter, Tischler u. s.., fast alle junge Leute, welche sich sämmtlich zu einer freiwilligen Feuerwehr eignen. In allen andern genannten und nicht genannten Arten dürfte das gleiche der Fall sein. An Geld? Wir geben gern zu, daß die erste Einrichtung und Ausrüstung ziemlich viel Geld kostet. Aber bei ernstem Willen wird sich auch das beschaffen lassen, theils durch freiwillige Beiträge, theils aus Gemeindekassen oder auf andere Weise. Jede Gemeinde hat ja z. B. Jagdpachtgelder, die verwende man doch hierzu. Auch geben die Brandversicherungskassen gern einen einmaligen oder auch jährlichen Beitrag. Die Feuersgefahr ist nicht so groß? Auch das bestreiten wir. Bei der Bauart eines großen Theils der Häuser, Strohdocken, Strohdächer, Landwirthschaft und noch mancher anderer Dinge, ist überall die Gefahr eines Großfeuers vorhanden. Hoffen wir, daß unsere Worte auf einen fruchtbaren Boden fallen! Minden, 18. Juli.(Landwirthschaftliches.) Ueber den gegenwärtigen Stand der Feldfrüchte im Regierungsbezirk Minden sind beim Ministerium für Landwirthschaft folgende Mittheilungen eingegangen: Der Stand des Roggens und Weizens ist im Allgemeinen noch als ein guter zu bezeichnen und verspricht überall reichen Körnerertrag.— Hafer, Gerste und Sommerweizen werden nur in den nördlicheren Kreisen eine Mittelernte liefern; die Strohernte bleibt gegen das vorige Jahr stellenweise über die Hälfte zurück.— Die Kartoffeln stehen überall sehr gut. Die Futterkräuter, namentlich Klee, haben durch die anhaltende Trockenheit fast durchweg gelitten. Die Gartenfrüchte stehen gut, auch die Obsternte verspricht eine gute zu werden. Im Allgemeinen sind daher die Ernteaussichten nicht schlecht und darf wohl auf eine gute Mittelernte gerechnet werden.(M. Vermischtes. * Wiesbaden, 15. Juli.(Anzeichen eines Hauptweinjahrs.) Der glänzende Stand der Weinbeige laßt die Hoffnungen hochgehen. Im hiesigen Leroberge sieht es brillant aus, noch viel großartiger aber in den hervorragenden Gemarkungen des Rheingaues. In Rauenthal und Rüdesheim sind die Trauben vollständig ausgewachsen und hängen sehr schwer und voll. Der„Margarethentag“(13. Juli) ist in Hattenheim ein Feiertag. An demselben wurden in diesem Jahre mehrere vollständig reife eßbare Weintrauben aus dem Garten des Herrn Karl Heiners in Hattenheim an den Altar gebracht. Dieses ist seither nur 1862 und 1865 vorgekommen und gilt als ein sicheres Anzeichen eines Hauptweinjahrs. Möchten sich nach fünfzehn Mißernten endlich alle Hoffnungen erfüllen. ** * * Hamburg, 13. Juli. Der„Hamb. Corresp.“ berichtet: Das Testament des verstorbenen Herrn Baron I. H. v. Schröder wurde heute Mittag im Rathhause durch den ersten Aktuar des Erbschaftsamtes, Dr. Timm, publizirt, wozu sich ein zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Das Testament enthält zumeist nur die Familie betreffende Bestimmungen, so wie Anordnungen über das Fortbestehen der Firma. Der hinterlassenen Wittwe sollen außer vielen anderen Benefizien die Zinsen von 3 Millionen Mark Banko zukommen. Ste behält das Haus auf den Gr. Bleichen und das n Othmarschen. Als Universalerben des auf 60 Millionen Mark geschätzten Vermögens sind nach Abzug der verschiedenen ausgesetzten Legate die neun Kluver des Erblassers eingesetzt, mit der ausdrücklichen Bedingung, daß, wie sich von selbst verstehe, keinem isen ue die bereits enpfangenen Summen(Mit.. in Anrechnung gebracht werden sollen. Seinent stillen Sozius, Herrn Vogler, sind 100,000 Ml Banko ausgesetzt. Sein Sekretär Jenner, sowie sein Prokurist v. Harlessem, sind je mit 25,000 M. Banko bedacht. Im Weiteren sollen 120,000 J. Banko nach einem dem Testamente beigelegten Verzeichniß an die zur Zeit des Ablebens des Testators in den Etablissementsfirmen angestellten Personen vertheilt werden. In Betreff der Etablissementsfirmen bestimmte der Testator, daß mit seinem Tode die Betheiligung an der Firma in Liverpool aufhört und daß das Geschäft spätestens nach zwei Monaten liquidirt werden soll. Die Liquidation des hiesigen und des Londoner Geschäftes soll in 3 Monaten erfolgen. Die Fortführung dieser beiden Geschäfte durch den Kompagnon des Verstorbenen ist nur unter gewissen Bedingungen gestattet, vorzugsweise soll der Nachlaß vor jeder Verantwortung sicher gestellt sein. Die Petrikirche erhält ein Legat von 100,000 M. Zur ferneren Zahlung von bisher gezahlten Pensionen sind die Zinsen von 150,000 M bestimmt. Die Güter„Roß" und„Kl. Schwansen“ sollen in Fideikommisse umgewandelt werden. Zur Erhaltung der von dem Verstorbenen begründeten Stiftungen ist ein entsprechendes Kapital ausgesetzt. Das Testament ist am 6. Juli 1872 errichtet und mit Kodizillen aus den Jahren 1879 und 1881 versehen. Zu Testaments=Exekutoren sind eingesetzt der Sohn des Erblassers Johann Heinrich Wilhelm v. Schröder und die Schwiegersöhne J. Rudolf Schröder und H. Donner. Als Honorare sind den Testamentsvollstreckern je 25,000 M. ausgesetzt. *„* * Oldenburg, 16. Juli.(Falsch verstanden.) Dem„Westf. Merk.“ meldet man folgende komische Geschichte. Bei einer kürzlichen Felddienstübung der hiefigen Dragoner schickte ein Rittmeister einen Soldaten in ein„feindlicheen Dorf mit der Weisung, er solle einmal sehen, ob er in jenem Orte„Feuer“ bekäme. Der biedere Vaterlandsvertheidiger kam mit einem reichlichen Vorrath von Schwefelhölzern zurück, die er sich bei den Bauern gesammelt hatte. Die„Feinde" aber hatten nicht auf ihn gefeuert. Industrie, Handel und Verkehr. (Die Roheisenpreise) sind im rheinisch=westfälischen dustriebezirke in der letzten Woche noch weiter gesunken. In Folge der Auflösung der Siegerländer Roheisen=Konvention ist das Angebot der dortigen Hochöfen so stark gewesen, daß auch die Konvention der rheinisch=westfälischen Hochofenwerke sich bequemen mußte, ihre Preise herabzusetzen. Wie eine in dieser Beziehung gewiß unverdächtige Quelle, ein Artilel des General= Sekretair Bueck im neuesten Hefte der Zeitschrift„Stahl und Eisen“, sagt, kann bei der Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes eine Beschränkung der Produktion nicht ausbleiben, da schon jetzt bei dem hohen Preisstande der Rohmaterialien die Hochöfen ihre Selbstkosten nicht mehr erzielen sollen. Die Umsätze sind im Monate Juli, in welchem die Werke ihre Inventaraufnahme zu machen pflegen, stets nur unerheblich, doch können die Werke diesmal auch dem Wiederbeginn der Campagne nicht mit großen Hoffnungen entgegensehen, selbst wenn sie solche auf den Strike in Staffordshire gründen sollten. Namentlich die Drahtfabriken befinden sich in großer Verlegenheit, und in ihnen ist eine Produktionsbeschränkung schon thatsächlich eingetreten. Auch die Fabriken für Eisenbahnmaterialien beginnen bereits über den geringen Umfang neuer Aufträge zu klagen. Trotz aller Schutzzölle und aller durch dieselben ermöglichten Koalitionen machen sich eben die thatsächlichen Verhältnisse unabwendbar g78%. Berliner Kurse vom 19. Juli. Deutsche Fonds. Deutsche Reichs-Anl. 4½% Preuss. kons.„ 4„„„ 973-2 3½„ Staatsschuldsen. 4 Ostpr. Pfdbr. 3½, Pomm.„ 4„„„ 4½„ 0„ 0 neue Posen. Westfäl. 4„ Westpreuss.„ 4% Rhein.-Wstf Rtnb. 102,20/4½% Brem. 74er Anl.—. 103,804%„„ 80er„ 101,60 102,104" Bad. Präm.„—.— 98.554" Baier.„„—.— 101,70 Braunschw 20 Thlr.92,80 Loose 97,30 102,—/3½% Köln-Mind. Loose 126,25 102,75 Kurhess. 40Thlr.-„ 295,50 101,50 Meining. 4„„ 28.40 101,70 3% Oldenburger„ 147,75 102,80 3½% Preus. Prämien101,40 Oblig 147,10 Ausländisebe Frnde. 4½% Oesterr. Silberrente J/J. 68.— 4½„„ Papierrente M/N 67,10 Goldr. 84,60 60r Loos. 122,20 319.— 5 5 4„ 5„ Oesterr. 64er Loose 5% Russ. Stieglitz VI. Ser. 58,80 62er Anl. 83.30 71er„ 87,40 75er„ 87,75 77er„ 94,45 80er„ 72,75 III Orient. Anl. 57,15 86.50 101.— 91,10 4½ 4„ 5„ 5% Russ. Bodenkred. Pfandbr. Gömörer Ital. Rente Jersey City New-Yorker—.— 127,75 94.20 110,40 „„ 103,80 „„ 98,90 " Amortisations Anleihe 4½% Schwed. 75er Anl. 6% Ung. Goldrente „„ 4„ 8„ n„„„ Raab-Grazer Präm Rumän. Anl. 93.90 5% Russ. Prämien 66 131.75 Bankaktien. Berg.-Märk. u 117,50 Köln. Wechslerbank Leipz. Disconto-Ges. 102,75 102,70 75.75 Bank Braunschweig-Hannov. Hypoth.-Bank 89.— Bremer Bank 109.— Deutsche Bank 150,45 Disconto-Gesellschaft 195,60 Essener Creditanstalt 95.25 Gothaer Grundkr.-Bank 73.40 „„ junge 79,90 Hannover’sche Bank 112.80 Aachen-Mastricht 53 90 Bergisch-Märkische 127.25 Bresl.-Schwdn-Freib. 117.90 Dortmund-Enschede 62.25 Gal. C. Ludwb.(gar) 125.— Gotthardbahn 112.75 Kronpr. Rudolf(gar.) 71.75 Oesterr. Kreditanstalt Preuss. Bodenkreditb. „ Hyp. Akt.-Bk. „ Hypoth.-Vers. Ges. Reichsbank Schaffhausen. Bankv. Westfälische Bank Eisenbahn-Stammaktien. Mainz-Ludwigshaf. Oberschlesische Oesterr. Staatsb. " Südb.(Lomb). Rechte Oder-Uferb. Rheinische Russ. St.-B.(5% gar) 93.— 107.25 504,50 109.— 91.75 90.75 150,60 93.40 98 107.— 270,70 554,— 270.— 191.25 164,75 125.25 Eisenbahn-Priertäts-Obligatlenen 4% Aachen-Mastricht 96,304% Elisab. Westb. Goldpr. 4½% Bergisch-Märk. steuerfrei 91,75 3½ 4½ 4½ 4½ 4½ 4„ 4½ 4½ I. u. II. Ser. 102,90 do. La. C. 94,20 do. IV. und V. Serie 102,90 do. VI. Ser. 104,10 do. VII. und VIII Serie 102,90 do. IX. Serie 103,705 Braunschweig. 103,755 Köln-Mind. III. S. 102,80 5 „„ IV. u. V. 5 Serie 101.—5 „„ VI. B. 103,10 Magdb.-Halb. 102,90s5 Rheinische 103,—5 4½% Gal.Karl-Ludwb. 84,40 3" Oester. Staatsb. 500 fs. 390.— do. v. 1874 382.— do. 105,50 do. Süd-Bahn 500 fs. 295,60 do. Sdb.(gar.) 103,30 Rudolfsb. III. E. 87,20 Ung. Ostb.(Silb.) 78,70 „„(Gold) 98.— Warsch.-Wiener III. E. 102.25 do. VI.„ 98,90 Gotthardtb. I.„ 102,90 4½% Braunsch.-Hann. 102,10 Hypotbeken-Oertiskate. 10 99 4„ 4½ 4„ 50 5 5„ 4½ 4„ „„ 98.50 Deutsche(Berlin) 102,60 do. 99.20 do. 104,20 Gothaer Präm. I 117.75 „ II 115,75 5„ 5„ 4 ½2 rab. 110 104,70 „„„„ 100 96, „ Meinnger 101, „„ Präm. 117,60 „P reuss. Bodener. V. u. VI. Ser. 104.— „ Preuss. Bodener. rzb. 110 110,90 „ do. III„ 100 101,—/4½ „ do.„ 100 98,90 Industrielle Gesellschaften. % Prss. Centr. Bdnc. rzb. 100 104,50 do. rab. 110 1 4,50 4½„ do.„ 100 103.10 4½, Preuss. Hypoth. Pfdbr. rzb. 120 168.90 do.„ 110 109,20 do.„ 100 102.— do.„ 100 101,50 Preuss. Hypoth. V. A. G. Certific. 101.80 Stettiner Nat. Hyp. rzb. 100 101,60 do.„ 110. 104.— Schwedische 101.75 4½ Aachen-Hougener 44,75 Bochumer Gussstahl 106,50 Bonifacius Bergwerk 81.25 Borussia„ 162.— Donnersmarkhütte 68.50 Dortm. Union St. Prior. 97,75 Geerg Harienn.st. Aer. Hannov. Masch. do. St. Prior. Harkort Bergwerke Egestorff’s Salzwerke 106,75 Gelsenkirchen... 125,40 Ravensberg. Spinnerei 130.— Georg Marienk St An4 86— Säcbsische Weschiner 147 95 Harpener Bergwerke 122,75 Hibernia„ 103.— Hörder Hütten. conv. 52,50 Königs- u. Laurah. 133,40 König Wilhelm 37,75 Louise Tiefbau 54,75 Nordd. Lloydaktien. 127.— 50.— Sachnische maschinen W1.23 13.25 Vorwärts, Bielef.Spinn. 118.25 91.25 Westfäl.Drahtindustrie 122,50 69.80 Westf. Union St. Prior. 85.50 Neueste Nachrichten. * Nyiregyhaza, 19. Juli.(Tisza=Eszlarer Prozeß.) Mehrere Zeugen sagen aus, der Sicherheitskommissar Vay habe bei dem Inquisiten die Tortur angewandt, was dieser leugnet mit dem Bemerken, die Zeugen seien von den Juden bestochen. In Folge dessen entstand ein heftiger Auftritt zwischen dem Kommissar und den Vertheidigern. Staatsanwalt Szeiffert verlangt die Vorladung des Abg. Onody, um denselben zu vernehmen, ob er in Eszlar noch vor der Sektion der Leiche das Gerücht gehört habe, daß die Dadaer Leiche die einer Prostituirten sei. Nach Schluß der Sitzung forderte Onody den Staatsanwalt, Letzterer lehnte die Forderung vorläufig ab unter Berufung auf die Ergebnisse der Verhandlungen. * Newyork, 19. Juli. Nach hier eingegangener amtlicher Meldung aus Veracrnz sind daselbst im Monat Mai d. J. 90, im Monat Juni d. J. 261 und im Monat Juli bis zu Abgang der Meldung 144 Personen am gelben Fieber gestorben. Meteorologische Beobachtungen der Deutschen Seewarte in Hamburg vom 19. Juli, Morgens 8 Uhr. Stationen. Aberdeen Kopenhagen Stockholm Haparanda Petersburg Moskau Hamburg Momel Paris Müneter Karlsruhe Wiesbaden München Chemnitz Berlin Wien Breslau London: Die Depr Baro- Therm. meter Celsiue Wind und Wetter. 748+14 WNW., leicht, wolkig. 746+17 0NO., leicht, bedeckt. 743+17 NO., stark, heiter. 753+14 WSW., mässig, halb bedeckt. 748+16 WSW leicht, halb bedeckt. 759+13., bedeckt. 756+12 SW., schwach, wolkig. 758+14 SW., leicht, bedeckt. 758+13 SW., wolkig. 761+12., schwach, Regen. 757+12 WNW., mässig, wolkig. 754+13 WSW., leicht, Regen. 759+-12., schwach, halb bedeckt. 755+12., stark, bedeckt. warm. tession, welche gestern über Süd-Schweden lag, ist ostwarts nach dem Rigaischen Busen fortgeschritten, während im Westen und Südwesten der Luftdruck abgenommen hat. Im südlichen Nord- und Ostseegebiete dauert die lebhafte, böige südwestliche bis nordwestliche Luftströmung fort, während im Süden die Winde schwach geworden sind. Ueber Centraleuropa ist das Wetter ungewöhnlich kühl, veränderlich und vielfach regnerisch, allenthalben ist Regen gefallen. In Nord- und Mitteldeutschland fanden vielfach Gewitter statt. Meteorologische Beobachtungen in Detmold. Relative Juli. Stunde. Barometer. ThermometerGrade R. Feuchtigkeit Wind= der Lust(“g. in Proc. SW. mäßig. Sonnen=Aufgang 4 U. 3 Min. Untergang 8 U. 8 M. Mondes=Aufgang 752 Nachm., Untergang 435 Mrgs. Für den Inseratentheil verantwortlich: A. Newes in Dermold. 10% 10% Wegen vorgerückter Saison verkaufe Sirohhate 10 Prozent unter Einkaufspreis. Alex Meyer. 10% 10% Von ruhigen Leuten wird zum 1. August eine Wohnung von 4 Räumen im Preise von 150—180 M zu miethen gesucht. Schriftliche Offerten unter Nr. 188 nimmt die Exped. der Lipp. Landesztg. entgegen. Iiellegesuch. Ich suche für meine 16jährige Tochter behufs ihrer weiteren Ausbildung Stellung in einem accuraten Haushalte. Sie ist zu allerlei häuslichen Arbeiten angehalten und auch befähigt, Kindern den erst. Unter. in der franz. u. engl. Sprache zu erth. Gehalt wird für das 1. Halbjahr nicht beansprucht. Auskunft erbittet Stolte, Lehrer. Erder, 18. Juli 1883. Ein stolzer Schnurrbart Verweckt stets das Interesse der Mädchenwelt. Ohne Schnurrbart keine Liebe. OhneSchnurrbart kein Kuß Wem Schnurr= oder Vollbart noch fehlt, der kaufe sich gleich eine Dose Paul Bosse's Mustaches-Balsam. Ganze Dose K. 2,50, halbe cK. 1,50. Favorit=Balsam für üppigen KopfHaarwuchs p. Dose=.2,50.— Zu haben bei Paul Bosse, Frankfurt a. M. Schillerstr. 12. Frische Kähses Geringe, frische neue Vonl=Heringe und Sardellen enpürs Aug. Kau. Salzustlen. Sonntag, 22. Juli, Abends präcis 6 Uhr, Geistliches Concert gegeben von Theodor Vehmeier (Orgel) und Kammermusikus Jul. Schmidt(Violoncell). Eintrittskarten à 50+(Familienbillets, 3 Personen, 1 M) am Haupteingange der Kirche. Der Herr über Leben und Tod nahm heute nach kurzem aber schweren Leiden unser liebes Töchterchen Anna zu sich, dies seit einigen Jahren der dritte schmerzliche Berlust. Um stilles Beileid bitten die trauernden Eltern S. Hünefeld nebst Frau Charlotte, geb. Schaper. Die Beerdigung findet am Sonntag, Nachmittag 4 Uhr, statt. Gestern Abend 9 Uhr entschlief sanft nach langem, schweren Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater, der Wagenfabrikant Ernst Plasse im Alter von 80 Jahren 11 Tagen. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Lemgo, 19. Juli 1883. Die Beerdigung findet am Sonntag, Nachmittag 4 Uhr, statt. Termin zur Prüfung der Freiwilligen zum einjährigen Militärdienst. Die nächste Prüfung derjenigen Aspiranten, welche ihrer Militärpflicht durch einjährig= freiwilligen Dienst genügen wollen, ihre wissenschaftliche Qualifikation durch die im§ 90 der Wehrordnung vom 28. September 1875 näher bezeichneten Schulzeugnisse aber nicht nachweisen können, wird am 26. September d. J. hier beginnen. Der Zweck der Prüfung geht dahin, zu ermitteln, ob der zu Prüfende denjenigen Grad der wissenschaftlichen Bildung erlangt hat, welche durch Vorzeigung der Schulzeugnisse nachzuweisen ist. Die zur Prüfung Zugelassenen werden in Sprachen und in Wissenschaften geprüft. Die sprachliche Prüfung erstreckt sich, neben der Deutschen, auf zwei fremde Sprachen, wobei dem Examinanden die Wahl gelassen wird zwischen dem Lateinischen, Griechischen, Französischen und Englischen. Die wissenschaftliche Prüfung umfaßt Geographie, Geschichte, deutsche Literatur, Mathematik und Naturwissenschaften. Hinsichtlich der in den einzelnen Prüfungsgegenständen zu stellenden Anforderungen verweisen wir auf den§ 2 der Prüfungsordnung zum einjährig=freiwilligen Dienst— Anlage 2 zu der im 41. Stück pro 1875 des Centralblatts für das deutsche Reich veröffentlichten Wehrordnung—(Beilage zum Amtsblatt Stück 6, pro 1876). Die um Zulassung zur Prüfung Nachsuchenden haben in ihrem Gesuche anzugeben, in welchen zwei Sprachen sie geprüft sein wollen, und den Anträgen im Original a, ein Geburtszeugniß; b, ein Einwilligungsattest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über deren Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen aktiven Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen; c, ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge an höheren Schulen(Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Direktor der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizeiobrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; d. etwaige Schulzeugnisse, sowie e, einen von ihnen selbst geschriebenen Lebenslauf beizufügen. Die Gesuche um Zulassung zur Prüfung müssen spätestens bis zum 1. August 1883 bei uns eingehen, worauf die Aspiranten nach Prüfung der vorgedachten Papiere eine schriftliche Vorladung zum persönlichen Erscheinen zu dem im hiesigen Regierungsgebäude an beraumten Termine zu gewärtigen haben. Die nach dem 1. August 1883 eingehenden Gesuche und solche, welche nach Vorstehendem nicht gehörig belegt sind, können keine Berücksichtigung finden. Den dem Regierungsbezirke Arnsberg angehörenden und inner halb desselben wohnhaften Wehrpflichtigen bleibt es freigestellt, sich beliebig bei einer der in Münster, Düsseldorf und Minden besteherden Prüfungskommissionen für Einjährig-Freiwillige zum einjähriger Militärdienste anzumelden. Minden, den 9. Juli 1883. Prüsungskommission für Einjährig-Freiwillige. von Montbart. von Beesten, V. des Oberst= Regierungs= und Militärlieutenant und Bezirkskommandeur. Departementsrath. UrkPrst. Sountag, den 22. Juli 1883 auf dem Bruche beim Rennplatze großes Volksfest Hahnenjagen, Stangenklettern, Sacklaufen 2c. Zweistbaiges Cardasser, Frei-Concert und große Illumination des Platzes. Ball von 4 Uhr an. gutes Falkenkrüger Bier und Speisen alle wird bestens gesorgt. Veraunimachung. Ein Haus mit Schaufenster am frequentesten Platz der Stadt, mit Garten, zu erkaufen. Fannenbruck, Salzuflen, Osternstraße 7. Für mein Stabeisen= und Gußwaarengeschäft suche ich möglichst auf gleich einen(531) Lehrling. Minden. Carl Griese. Ein praktisch erlernter Lauswilih, welcher mehrere Jahre auf einem Gute war, sucht zum 1. Au oder später Stellung als Verwa Näheres in d. Exp. d. Bl.( Preuss. Lottene-Hauptziehung. ½ Originalloose à 73+. M. Meidner Nachf. Bankgeschäft, Berlin W. 16, Unter d. Linden. in Gold und Silber für Herrenu. Damen, neue und gebrauchte. F. W. Remmert. 1. Für arme Reisende ist eine Arbeitsnachweisestelle auf dem Rathhause zu Detmold bezw. auf dem Lande bei den Vorstehern errichtet. Hiernach werden die Arbeitgeber, insbesondere die Handwerksmeister aufgefordert, ihren Bedarf an Arbeitskräften mündlich oder schriftlich an jenen Stellen anzumelden, worauf die betr. Reisenden an sie verwiesen werden. Wenn inzwischen der Bedarf befriedigt oder sonst weggefallen ist, wird um Abmeldung in gleicher Weise ersucht. 2. Alle Reisenden sind nach dem Rathhause bezw. an die Vorsteher zu verweisen, wo ihnen Arbeit nachgewiesen oder, wenn solche nicht vorhanden, eine Anweisung auf die Herberge des Vereins ertheilt wird. 3. Die Herberge des Vereins befindet sich Bruchstraße 29, die Reisenden, welche sich mit der Verpflegungsanweisung zu 2 daselbst einfinden, erhalten, und zwar die Vormittags bis 11 Uhr sich Meldenden Mittagsbrod, die Nachmittags Ankommenden Abendbrod, Nachtquartier und Frühstück. Demnächst werden die Reisenden auf dem kürzesten Wege nach Wilhelmsdorf verwiesen. 4. Zum Rendanten des Vereins ist der Magistrats=Expedient Bröker bestellt. Derselbe nimmt auf dem Rathhause während der Büreaustunden die Vereinsbeiträge an und verabfolgt dagegen unentgeltlich an die Mitglieder die an den Häusern anzubringenden Blechschilder mit der Inschrift„Verein Wilhelmsdorf.: Auch nimmt Herr Bröker dort die Anmeldung neuer Mitglieder entgegen. Der Vorstand des Vereins Wilhelmsdorf in Stadt und Amt Detmold. Lippische Eisenbahn- und Postverbindungen vom 1. Juni ab. Detmold=Herford. Detmold Lage Salzuflen Herferd Salzuflen Lage Detmold Postsendungen jeder Art werden von Detmold befördert mit den Postzügen.45., 12.15.,.46., Briefe außerdem mit den Zügen 5 V. und .0 N. Briefe sind bei dem Postamte in Detmold mindestens 30 Minuten vor Abgang der betr. Züge einzuliefern. Mit den Postzügen.45., 12.15.,.46 A. werden auch die Briefe befördert, welche 5 Minuten vor Abgang derselben in dem BahnhofsPostbriefkasten vorgefunden werden. Postverbindungen: