Abonnementspreis für das Vierteljahr: In Detmold 2 Mark 25 Pf., auswärts durch die Post bezogen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M. „Die Lippische Landes-Zeitunge mit Ausnahme der Sonn= und Festtage täglich and werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht. Redaction u. Expedition: Detmold, Leopoldstraße Nr. 117. Inserate werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet. Verantwortlicher Redacteur in Vertretung A. Mewes. Druck und Verlag der Meyer'schen Hofbuchdruckerei(Gebr. Klingenberg) in Detmold. Fe 127. Sonnabend, 2. Juni. 1609. Bestellungen auf die Lippische Landeszeitung pr. Monat Juni werden von sämmtlichen Postanstalten für 87+— einschließlich Bestellgeld 1 M— und für Detmold von der Unterzeichneten für 75 J entgegengenommen. Die Exped. der Lipp. Landesztg. Mädchenturnen. 0. Der Verein für Körperpflege in Volk und Schule zu Bonn hat vor einiger Zeit eine Eingabe an den Kultusminister gerichtet, worin derselbe gebeten wird, er möge seine überall so dankbar empfundene Fürsorge für das körperliche Wohl der die Schule besuchenden Jugend ganz besonders auch den Volksmädchenschulen zuwenden, wobei die Einführung eines geregelten Turnunterrichts an denselben als das dringendste Bedürfniß zu erachten sei. Wenn man die Entwickelung des Mädchenturnens übersieht, so erübrigt in der That noch dieser letzte Schritt, damit grundsätzlich wenigstens— denn die thatsächliche Einführung würde hier gewiß noch langsamer vor sich gehen als an den Knabenschulen— das Mädchenturnen seine ihm gebührende Stelle als unerläßlicher Unterrichtsgegenstand einnehme. Während 1864 der preuß. Minister v. Mühler erklärte, daß der Staat„nicht Recht und Beruf" habe, wie er es bei den Knabenschulen hatte(warum nur hier, ist nicht gesagt), das Turnen an den Mädchenschulen als einen nintegrirenden Theil des Unterrichts, zu dessen Benutzung genöthigt werden kann", zu erklären, machen sich seit längeren Jahren doch andere Anschauungen in dieser Frage geltend. In den Konferenzen über mittleres und höheres Mädchenschulwesen, welche im August 1873 unter Vorsitz des Ministerialdirektors Greiff stattfanden, wurde für diese Schulen das Turnen als obligatorischer Lehrgegenstand eingeführt. 1874 wurde in der Prüfungsordnung für Lehrerinnen Einsicht in die Metbode und Lehrmittel des Turnunterrichts gefordert, 1875 folgte eine Prüfungsordnung für Turnlehrerinnen, und seit 1880 werden für letztere Kurse an der königlichen Turnlehrer=Bildungsanstalt zu Berlin abgehalten. Inzwischen haben einzelne Städte— an der Spitze, wie steis in allen turnerischen Dingen, Berlin— bereits #e Durch Leid geläutert. Ein Schwarzwald=Idyll Von S. v. W. (5. Fortsetzung.) „Sie, die sein Kommen nicht gewahrt hatte, fuhr erschrocken zusammen; von Schamröthe übergossen, wandte sie ihm den Rücken. An ihrer Statt trat Franz vor Frider hin und, sich in die Brust werfend, sagte er in hochmüthigem Ton:„Kunzelmanns Rösle tanzt mit mir, — was ist Euch gefällig?“ Fiaster und seinen Groll mit Mühe bekämpfend, antwortete Frider:„Nicht mit Euch hab ich zu schaffen!" und nach Röschins Hand haschend, als wollte er sie vor fernerer Berührung mit dem Soldaten zurückhalten, wiederholte er seine Bitte. Sie schwieg wieder; aber wohl fühlend, um was es sich hier handelte, brauste Franz auf.„Laßt mir das Mädel los, oder ich will den Bauern lehren, was es heißt, sich in meine Rechte zu drängen!" Da zuckte es um Friders Brauen, es tobte und gährte in ihm, und, sich gewaltig gegen Jenen aufrichtend, rief er mit zornbebendem Munde:„Wenn Jemand hier Rechte hat, so bin ich es,— das merkt Euch!: Aber ebenso schnell nach Selbstbeherrschung trachtend, wandte er sich noch einmal an die Ungetreue: „ Rösle, sieh mich an, kannst du mich um dieses Mannes willen verrathen? Antworte mir, Rösle,— sag, daß er gelogen hat.—“ Kaum hatte er das Wort gesprochen, so stieß Franz ihn mit der geballten Faust vor die Brust, daß er einen Schritt zurückweichen mußte; aber im nächsten Augenblick hob sich Friders Arm zum wuchtigen Schlag, sein Auge flammte und ein wilder Kampf wäre zwichen den beiden entbrannt, wenn die Nächststehenden nicht rasch dazwischen gesprungen wären und die erbitterten Gegner auseinander gehalten hätten. Die wenigen lauten Worte hatten sofort die allgeein Mädchenturnen an einigen Volksschulen mit bestem Erfolg eingerichtet. Um aber die Nothwendigkeit des Turnens an den Mädchenschulen darzuthun, dazu erinnern wir an das klassische Gutachten der Berliner Medizinischen Gesellschaft vom Jahre 1864, von dem berühmten Augenarzt A. v. Gräfe unterzeichnet. Dasselbe ist in allen seinen Voraussetzungen und Folgerungen auch heute noch von derselben schlagenden Richtigkeit wie damals, da sich leider die bezüglichen Verhältnisse wenigsters an den Volksschulen noch nicht geändert haben. Es heißt da: „Allgemeine Muskel= und Nervenschwäche, nervöse Leiden aller Art, Bleichsucht, mangelhaftes Wachsthum, Schmal= und Engbrüstigkeit und Rückgratsverkrümmungen sind notorisch sehr häufige Krankheitszustände der Mädchen, wohl zehnmal so oft bei diesen beobachtet als bei Knaben. Der Grund dieser häufigen Erkrankung des weiblichen Geschlechts liegt nicht sowohl in der schwächern Organisation desselben, als in einer Vernachlässigung eines wesentlichen Elements ihrer physischen Erziehung."... „Wir Aerzte können nicht laut genug unsere Stimmen erheben, daß diesem Mangel abgeholfen werde. Wir erkennen neben anderen körperlichen Uebungen(Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Spielen im Freien u. s..) in dem methodischen Mädchenturnen das wesentlichste Mittel zur Abhülfe.: Diese Wichtigkeit des Turnens für die Mädchen zur entsprechenden Ausgleichung der von der Schule geforderten geistigen Anstrengung ist durchaus keine blos theoretisch vorausgesetzte, die medizinische Gesellschaft konstatirt vielmehr ausdrücklich, daß sie an Privatanstalten, wo ein regelmäßiges Turnen eingeführt war, die allergünstigsten Erfolge gesehen:„Bleiche, schwächliche, unbeholfene Wesen mit schlechter Haltung wurden in frische, kräftige und gewandte, gerade umhergehende umgewandelt, und ganz allgemein geht unsere Erfahrung dahin, daß ein frühzeitiges, d. h. mit dem siebenten oder achten Lebensjahr begonnenes und konsequent fortgesetztes Mädchenturnen ein späteres Schief= und Buckligwerden, selbst in Fällen, wo eine erhebliche Anlage dazu vorhanden ist, fast ausn ihmslos verhütet.“ Um namentlich die Wichtigkeit des letzten Punktes richtig zu ermessen, muß hier daran erinnert werden, daß noch heute 30—40 Proz. aller Schülerinnen in den Volksschulen mehr oder minder an Rückgratsverkrümmung leiden. Was hat man dagegen gethan? Nun, ein ganzes Museum von neuen Schulbänken ist erfunden worden. Das Pult des Tisches ist ganz nahe an den Körper geschoben, sodaß beim Schreiben der linke Arm aufliegen muß und nicht hinuntergehalten werden kann, die Rücklehne stützt fest gegen das Krevz, das Kinn liegt womöglich auf einer Soennecken'schen Schreibstütze, und wenn diese Verbesserungen— deren Werth im Einzelnen gewiß nicht verkannt werden soll— sich noch meine Aufmerksamkeit auf die Streitenden gelenkt; jetzt liefen die Mädchen schreiend durcheinander, die besonneneren riefen den alten Kunzelmann und seine Frau herbei. Eifrig kam er herein, ehrerbietig machten die Burschen ihm Platz und gleich darauf stand er vor den dreien. Mit wegwerfenden Worten beklagte sich Franz bei dem Alten über Friders gewaltsames Eindringen, die Störung ihrer Freude und die Beleidigung, die jener Röschen zugefügt habe,— und schluchzend, ihr Antlitz verbergend, schien diese dem Kläger Recht zu geben. Seines Kindes Thränen erregten den Zorn des Bauern, die keifende Stimme der Frau Babette, die ohne Weiteres für Röschen und Franz Partei ergriff, that das Ihrige, sein Selbstgefühl zu steigern, und mit barschen Worten wandte er sich gegen Frider, schalt ihn und verwies ihm, ohne Entgegnung abzuwarten, das Haus. Frider stand wie vom Donner gerührt! Daß Franz sogar bei den Eltern Röschens seiner Sache so gewiß sei, hatte er nicht erwartet. Der Freund faßte ihn am Arm, um ihn so rasch wie möglich zu entfernen, Frider wollte sprechen, Franz und der Hausherr wehrten ihm; aber jetzt traten die übrigen Burschen für den Gekränkten ein und verlangten, daß man ihn sagen lasse, was er zu sagen habe. Wohl oder übel mußte sich der alte Kunzelmann fügen; und Frider, von den ermunternden Zurufen seiner Freunde aufgefordert, begann:„Ihr seid all zu hart gegen mich, Tannenhof=Bauer! Und Ihr könntet doch gemerkt haben, daß ich ein Jahr lang in Ehren um Euer Rösle gefreit habe.“ „Da hör Einer den Unverschämten!“— unterbrach Frau Babette den Sprechenden,—„bildet sich ein, daß wir unser einzig' Kind dem ersten, besten Bauernbuben an den Hals werfen!" Aber murrend schallte es aus dem Kreise:„Ruhig, Frau Babett, ruhig,— der Frider soll reden!“ Und Frider fuhr fort:„Von Herzen schien Euer häufen, kann ja schließlich, so schreibt man der„Köln. Zeitung", eine niedliche Normal=Gesundheitsschulbank herauskommen, in der so ein armes Wesen eingeklammert sitzt wie in einem Schraubstock Aber es ist gar nicht wahr, daß die fehlerhafte Haltung beim Schreiben die Rückgratsverkrümmungen allein verursacht. Ein viel wesentlicherer Faktor ist die Muskelschwäche, die Folge der übertriebenen Sitzarbeit in Schule und Haus. Was beispielsweise beim Mädchenturnen richtig geleitete regelmäßige Hangübungen am Reck, an der wagerechten Leiter oder am Rundlauf zur Kräftigung der die Wirbelsäule umgebenden Muskeln und Bänder und damit zur Verhütung von Verkrümmungen leisten, das ist weit höher anzuschlagen als Alles, was eine noch so finnreich konstruirte Schulbank in gedachtem Falle nutzen kann. Daß da, wo Blutarmuth und Muskelschwäche auf mangelhafter Ernährung beruhen, wo die Kinder nach den Schularbeiten von ihren Eltern bis in die Nacht mit Handarbeiten beschäftigt werden, oder gar im Gewerbe, in der Fabrik mit helfen müssen, daß da auch das Turnen keine nachhaltige Wirkung ausüben kann, liegt auf der Hand. Neuerdings wird mit Recht der hohe Werth von Spielen im Freien, Ausflügen u. s. w. betont. Aber man glaube nicht, daß dadurch ein methodischer Turnunterricht ersetzt und überflüssig gemacht werden könne. Die Stärkung der Gesammtmuskulatur, die Kräftigung der Athemwerkzeuge, die gerade Körperhaltung, die Belebung des Stoffwechsels u. s.., die stets eines gut geleiteten regelmäßigen Turnens sind, lassen sich durch bloße Spaziergänge und Ballspiele nicht erzielen. Am allerwenigsten aber, wenn Ausflüge der Schülerinnen und Spielnachmittage(wie z. B. in Stettin) alle vier bis sechs Wochen veranstaltet werden. Das sind ja gewiß hübsche Feste und Erholungen für Lehrer und Schüler und verfehlen auch wohl nicht ihren wohlthätigen Einfluß auf das Verhältniß Beider zu einander. Aber es wäre doch lächerlich, diesen so selten stattfindenden Veranstaltungen irgend einen nennenswerthen gesundheitlichen Einfluß zuzuschreiben, oder gar naiver Weise zu glauben— wie das aus einer Verfügung des Stadtschulraths zu Stettin allerdings hervorgeht— so ein Spielnachmittag alle vier bis sechs Wochen" entspreche etwa den in der bekannten Verfügung des KultusRösle mir gut zu sein, wenn wir auch nie davon gesprochen haben,— bis vor Kurzem, bis der Soldatenfranz kam und ihr den Kopf bethörte!" „Das lügst Du, Bauernsimpel!“— rief Franz voll Wuth dazwischen. Aber:„Ruhig,— ruhig!“— schallte es ihm entgegen und drohende Fäufte erhoben sich, so daß jener es für das Klügste hielt, zu schweigen. Weiter sprach Frider:„Euer Rösle ist mir untreu geworden, Ihr habt mir das Haus verboten,— der Frider bittet nicht um Eure Gunst, der Frider geht. Lacht ihn nur aus, Tannenhof=Bauer und=Bäuerin, gebt Euer Kind dem Soldatenfranz; aber seht zu, daß Ihr nimmer nöthig habt, noch einmal bei dem Bauernbuben anzuklopfen!" Damit wandte er sich zum Gehen. Die Stimme der Liebe hallte in diesem Augenblick nicht in ihm wieder, er empfand nur Grimm und Verachtung.„„.— *'S wird nicht nöthig sein, Du Narr!“— rief ihm der Alte wüthend nach. Aber ein Theil der Freunde Friders, die ihm das Geleit gaben, rief lauter als der polternde Bauer:„Recht hat er, der Frider, Recht hat er doch!“ Und den Scheidenden umringend und ihn ihrer Freundschaft versichernd, verließen sie mit ihm das Haus. Zurück blieb nur der kleinere Theil, blieben die Mädchen, die Freunde des Reitersmannes und dieser selbst. Eine peinliche Stille war nach dem Fortgang Friders entstanden. Bei all seiner zur Schau getragenen Keckheit stand Franz doch in einiger Verlegenheit dem alten Kunzelmann gegenüber, der nun so plötzlich und in nicht gerade vortheilhafter Weise das Verhältniß des Soldaten zu Röschen entdeckt hatte. Aber auch der Tannenhof=Bauer schien nicht wenig rathlos; er sogte sich, daß es ihm, als Vater, zukomme, ein entscheidendes Wort zu sprechen, aber er brauchte Zeit zu so wichtigem Entschluß, und die war ihm hier nicht vergönnt. (Fortsetzung folgt.) ministers v. Goßler enthaltenen Forderungen betreffs der Jugendspiele. Mag sein, daß unsere Behörden dem Mädchenturnen nicht den Grad von Förderung zu Theil werden lassen, wie dem Knabenturnen, da ja bei letzterem der Hinblick auf die spätere militärische Ausbildung keine unwesentliche Rolle spielt, mag sein, daß viele Schulmänner wieder große„pädagogische Bedenken“ haben werden, um so mehr ist es Pflicht Aller, denen das Wohl der Jugend und des Volkes am Herzen liegt, darauf zu dringen, daß den traurigen gesundheitlichen Verhältnissen in unseren Mädchenschulen stete Aufmerksamkeit geschenkt und daß namentlich die Einführung des gerade hier so ersprießlichen Turnunterrichts nicht länger mehr hintangehalten werde. Deutscher Reichstag. Sitzung vom 1. Juni. Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um 11½ Uhr. Ueber die Anträge Winterer und Ruppert zu§ 56 b der Novelle wurde die nochmalige geschäftsordnungsmäßige Abstimmung vorgenommen und beide Anträge abgelehnt, der§ 56 b in der Fassung der zweiten Lesung wiederhergestellt. Hierauf werden die Bestimmungen über den Legittmationszwang der Reisenden berathen, wobei die Debatte einen besonders heftigen Charakter annahm, als Abg. Baumbach den Handelsstand für ebenso ehrenwerth erklärt, wie den Offizierstand; was würde man dazu sagen, wenn gegen diesen ein Votum gefällt werden sollte, bloß weil einige unmoralische Individuen darunter seien. Abg. v. Minnigerode legt Verwahrung gegen diese Herbeiziehung des Offizierstandes ein. Kriegsminister v. Bronsart verwahrt den Offizierstand ebenfalls dagegen, daß er in der allerschmutzigsten Weise hier in die Debatte gezogen werde. Abg. Baumbach verliest nochmals seine Worte, um zu beweisen, daß von einem Angriff auf den Offizierstand nicht die Red. sein könne. Abg. v. Köller(Kons.): Herr Baumbach konzentrirt sich rückwärts. Abg. Baumbach: Gegen diese Unterstellung verwahre ich mich. Kriegsminister v. Bronsart: Die Ursache des Streites liegt vielleicht darin, daß der Abg. Baumbach seine Worte anders auffaßt, als sie von Mitgliedern des Hauses aufgefaßt werden. Der betr. Paragraph wird hierauf angenommen mit einem Antrage Ackermann, in welchem den zum Zwecke von Ankäufen reisenden Personen Beschränkungen auferlegt werden, Reisende zur Vermittelung von Verkäufen dagegen nach einem Antrage des Abg. Richter=Hagen, von diesen Beschränkungen ausgeschlossen bleiben. Die Fortsetzung der Berathung findet heute Abend 8 Uhr statt. Schluß 5 Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 1. Juni. Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 9 Uhr 20 Minuten. Es wird die Beraihung der Vorlage über das Staatsschuldbuch fortgesetzt. Zum§ 2 liegen mehrere Anträge vor, die mit Ausnahme eines vom Abg. Strombeck(nationalliberal) eingebrachten sämmtlich abgelehnt werden. Geh. Finanzrath Rüdorff empfiehlt den Antrag Strombeck zur Annahme; dieser bezweckt, die zu Kassenrevisionen beauftragten Personen von Kassen und Stiftungen zur Einsicht des Staatsschuldbuches zuzulassen. Abg. Wessel(freikonservativ) bekämpfte die Einrichtung, daß das Staatsschuldbuch der Steuerbehörde vicht zugänglich sein solle. Sein Fraktionskollege Bitter(Waldenburg) widersprach ihm. Alle Sparkassen bewahren in dieser Beziehung Diskretion und das Staatsschuldbuch sei auch als Staatssparkasse gedacht. Abg. v. Rauchhaupt(konservativ) spricht seine Verwunderung aus, daß der Finanzminister gestern so heftigen Anstoß an seiner— des Redners— ganz objektiven Kritik der Vorlage genommen. Finanzminister v. Scholz: Die Regierung kann sich die Vorwürfe der Fahrlässigkeit und des Mangels an gutem Willen, die der Vorredner gestern erhob, nicht gefallen lassen.— Die Vorlage wurde bis einschließlich§ 9 erledigt und soll morgen, Sonnabend, 9 Uhr weiter berathen werden. Schluß 11 Uhr. Deutsches Reich. * Berlin, 31. Mai. Dem Bundesrath ist jetzt die am 6. Mai vollzogene Internationale Konvention zur Regelung der Fischereien der Nordsee nebst einer Denkschrift zugegangen. Der Vertrag, welcher in deutschem und französischem Text vorliegt, umfaßt 39 Artikel und einen Zusatzartikel, welcher dem König von Schweden und Norwegen das Recht vorbehält, dem Vertrage beizutreten, sowohl für beide Staaten gemeinsam, als für jeden derselben besonders. Die Denkschrift theilt mit, daß der Vertrag hervorgegangen ist aus den Berathungen einer internationalen Konferenz, welche— von Großbritannien angeregt, durch die königlich niederländische Regierung berusen— in den Tagen vom .—29. Oktober 1881 im Haag getagt hat. Vertrelen waren außer der niederländischen die Regierungen von Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark und Schweden=Norwegen. Als Grundlage der Verhandlungen hat ein von britischer Seite aufgestellter Entwurf gedient, welcher im deutschen Interesse zuvor durch eine von dem Reichskanzler berufene Kommission geprüft und begutachtet worden war. Die Abänderungsvorschläge dieser Kommission haben bei Feststellung der vorliegenden Konvention sämmtlich Berücksichtigung gefunden. Es wird weiter ausgeführt, daß der Entwurf das Ergebniß einer in den Tagen vom.—6. Mai 1882 im Haag stattgehabten Konferenz der oben genannten Staaten ist. Die britische Regierung hat die Angelegenheit angeregt in Folge der Klage bri ischer Fischer über die ihren Fahrzeugen und Netzen durch fremde Fischer an der Ostküste Englands häufig zugefügten Beschädigungen. Gleichartige Klagen sind bekanntlich von deutschen Fischern über Störung und Beeinträchtigung der See= und Küstenfischerei durch fremde Fischer an der deutschen Küste fortdauernd erhoben worden. Man hat auf Grund einer von England angestellten gründlichen Untersuchung und an der Hand der englischen Vorschläge die besagte Konvention abgeschlossen, welche, wie die Denkschrift ausführt, folgende Bestimmungen enthält: 1) Allgemeine Bestimmungen über die Begrenzung des Gebiets der Nordsee, auf welche die internationalen Maßregeln zum Schutze der Fischerei Anwendung finden sollen, Art.—4; 2) Vorschriften über Registrirung und äußere Bezeichnung der Fischerfahrzeuge nach Namen, Heimathshafen, Unterscheidungsbuchstaben u. s.., über Bezeichnung der hauptsächlichsten Fischereigeräthschaften und über die zum Nachweise der Nationalität jedes Fahrzeugs erforderlichen Schiffspapiere, Art.—13; 3) Ordnungsvorschriften hinsichtlich der Art der verschiedenen Fischereibetriebe und polizeiliche Verbote zur Verhütung gegenseitiger Betriebsstörungen und Beschädigungen, Art. 14—24; 4) Bestimmungen zur Sicherung des Eigenthums an geborgenen See= und strandtriftigen Fischerfahrzeugen, Schiffszubehörungen und Fischergeräthschaften und der Schadloshaltung des Bergens, Art. 25; 5) Einführung einer internationalen Ueberwachung der Fischerei in der Nordsee durch Fischereikreuzer der verschiedenen Nationen und Festsetzung der Rechte und Pflichten der letzteren, Art. 26—33; 6) wechselseitige Zusage des Erlasses von Ausführungsvorschriften zum Vertrag, soweit erforderlich im Wege der Gesetzgebung der betheiligten einzelnen Staaten und Grundsätze des Verfahrens, Art. 34—37; 7) Bestimmungen über die Ratifikation, Inkraftsetzung, Dauer und Kündbarkeit des Vertrags, Art. 38—39 *— Der„Reichsanzeiger“ meldet amtlich: Se. Majestät der König haben allergnädigst geruht, den Professor der Chemie an der Universität zu Berlin, Geheimen Regierungsrath Dr. Hofmann, und den Bildhauer Professor Reinhold Begas zu Berlin nach stattgehabter Wahl zu stimmfähigen Rittern des Ordens pour le mérite für Wissenschaften und Künste zu ernennen. Berlin, 31. Mai. Die französische Tonking= Expedition wird von der englischen Presse mit großer Lebhaftigkeit erörtert: „Sollten— schreibt die„Times“— die Bewegungen Frankreichs in Tonking zu einem Kriege mit China führen, so werden sie sofort britische Interessen berühren. Unser Aus= und Einfuhrhandel mit China läßt sich oberflächlich auf neunzehn Millionen das Jahr schätzen. Wir würden einem Verlauf der Dinge, welcher diesen Handel zu unterbrechen und unsere Beziehungen zu dem chinesischen Reiche zu verwirren und den Fortschritt eines Landes, in dem für uns mehr auf dem Spiele steht als für irgend eine andere Macht jemals stehen wird, zu gefährden droht, nicht ruhig zusehen können. Aber auch abgesehen davon möchte die Ausdehnung, welche Frankreich jetzt anstrebt, es in nicht allzu langer Zeit mit unsern Grenzen in unmittelbare Berührung und uns dergestalt in eine Nachbarschaft bringen, die wir beinahe ebenso wenig wünschen als China. Wenn Tonking französisch würde, würde sich bald ein Vorwand zu einem Protektorat über Siam finden, und obwohl wir kein großes Interesse an Siam haben, so können wir doch nicht wünschen, es in französischen Händen zu sehen, da es an unsere Besitzungen in Birma grenzt. Frankreich scheint anzunehmen, daß, da es uns in Aegypten allein läßt, wir uns um seine anderweitigen territorialen Erwerbungen nicht bekümmern werden. Doch hat unser auswärtiges Amt diese Ansicht niemals adoptirt. In Madagaskar und Westafrika kann Frankreich seine eigenen Wege gehen. Wir können für seine Flibustierpläne keine Theilnahme hegen, aber wir sind in keiner Weise verpflichtet, uns aus reinen humanitären Gründen einzumischen. In Tonking liegt die Sache aber anders. Es kann die Zeit kommen, wo unsere Regierung es nöthig erachten wird, eine Remonstration an Frankreich zu richten und eine Demarkationslinie zu verlangen, über welche sie ein Hinausgehen nicht dulden werde. Noch ist ein unmittelbarer Anlaß zu einem solchen Schritte nicht vorhanden, doch ist es möglich, daß die Zeit dafür kommt.“ Diese Ausführungen erinnern lebhaft an die Betrachtungen, welche seiner Zeit Sir Charles Dilke, der jetzige Präsident des Lokalverwaltungsamtes, in seinem Buche„Greater Britain“ in Bezug auf Frankreichs asiatische Eroberungspläne niedergelegt hat; nach Sir Charles ist England allein berufen, die Welt zu beherrschen, und daher verpflichtet, wo immer ihm eine fremde Macht in den Weg tritt, dieselbe zu verdrängen. Der junge Baronet bezeichnete bereits im Jahre 1867 es als Englands Aufgabe, Frankreich aus Aegypten zu entfernen; nachdem dieselbe im vorigen Jahre überraschend schnell zur Ausführung gebracht worden, wartet England jetzt auf die günstige Gelegenheit, sich auch in Indien seines europäischen Rivalen zu entledigen.(.=.) * Berlin, 1. Juni. Die dritte Lesung der Gewerbenovelle verläuft im Reichstag in einer für die Freiheit des gewerblichen Verkehrs sehr beklagenswerthen Art. Nachdem die Zahl der Gewerbe, deren Betrieb auf Grund höchst dehnbarer Vorschriften untersagt werden kann, vergrößert worden ist, hat der Reichstag auch einen für das deutsche Volk geradezu beschämenden Beschluß gefaßt: er hat den in der zweiten Lesung beschlossenen unverfänglichen Paragraphen über den Kolportage=Buchhandel gestrichen und mit 172 Stimmen der konservativen Fraktionen, des Centrums und seiner Annexe gegen 146 Stimmen aller Liberalen einen Antrag Ackermann angenommen, Druckschriften von der Kolportage auszuschließen, sofern sie in sittlicher oder religiöser Beziehung Aergerniß geben oder mittelst Prämien vertrieben werden; die Kolporteure sollen ein Verzeichniß derjenigen Druckschriften, welche sie vertreiben wollen, der Behörde zur Genehmigung vorlegen und immer bei sich führen. Dadurch ist unter dem Vorwande, gegen die unsittlichen Schriften einzuschreiten, die Lektüre des deutschen Volkes, soweit sie ihm durch die Kolportage zugeführt wird, unter polizeiliche Aufsicht gestellt. In einem früheren Stadium der Verhandlungen war ein ähnlicher Antrag seitens der Regierung für praktisch unausführbar erklärt worden; es ist in der That unvermeidlich, daß danach in den verschiedenen Landestheilen die schreiendsten Ungleichheiten entstehen werden— aber Angesichts des Angebots einer weitgehenden diskretionären Befugniß der Behörden scheint man die früher betonten praktischen Schwierigkeiten zu vergessen. Herr Windthorst, der Führer der Partei „für Freiheit und Recht“, brachte es fertig, mit den abgestandensten, nachgerade lächerlich gewordenen Berufungen auf den„Kulturkampf“ diese Ausdehnung der Polizeimacht zu motiviren. Wir glauben, daß dieser Beschluß, dem an reaktionärer Kühnheit kaum irgend einer aus den fünfziger Jahren an die Seite zu stellen ist, den Konservativen, und in manchen Kreisen selbst dem Centrum, bei den nächsten Wahlen theuer zu stehen kommen wird. Es ist nur natürlich, daß eine Mehrheit, welche derartige reaktionäre Beschlüsse faßt, auch die Einheitlichkeit der Gewerbegesetzgebung antastet: auf einen klerikalen Antrag wurde ebenso, wie dem Bundesrath unter dem Vorbehalt nachträglicher Zustimmung des Reichstags, auch den Landesregierungen unter dem Vorbehalt nachträglicher Genehmigung ihrer Landtage die Befugniß beigelegt, aus besonderen Gründen einzelne Gegenstände zeitweilig vom Gewerbebetrieb im Umherziehen auszuschließen. Wir sind gespannt darauf, ob die Reichsregierung die Genehmigung dieses Einbruchs in die Zuständigkeit des Reiches im Bundesrath unterstützen wird(N. Ztg.) * Quedlinburg, 30. Mai.(6. Geflügelausstellung.) Die Anmeldungen zu der in den Tagen vom 3. bis 5. Juni cr. im Richterschen Gartenetablissement stattfindenden allgemeinen 6. Geflügelausstellung sind wider Erwarten so zahlreich eingerangen, daß etwa hundert der nach dem Anmeldetermin eingegangenen Anmeldungen haben zurückgewiesen werden müssen, ein Beweis, daß das Interesse an der rationellen Geflügelzucht sich hier nicht verringert hat. Die bedeutendsten und bekanntesten Züchter Deutschlands haben ihre Betheiligung zugesagt, so daß diese diesjährige Ausstellung voraussichtlich an gutem Material ihre Vorgängerinnen übertreffen wird, obgleich das Standgeld, um höhere Preise gewähren zu können, in diesem Jahre um 20 resp. 25% erhöht worden ist. An Novitäten werden außer den vom hiesigen Verein für Geflügelzucht und Vogelschutz gezüchteten Phönixhühnern noch drei andere Stämme dieser prächtigen und beliebten Rasse vom Verein zu Egeln und einem braunschweiger Aussteller vorgeführt werden. Als eine besondere Neuigkeit auf dem Gebiete der Züchtungsversuche wird Herr R. Ortlepp aus Magdeburg blaue Cochins ausstellen und somit nach jahrelangem Bemühen den Beweis liefern, wie sehr sich eine Rasse in der Hand eines verständigen und konsequenten Züchters verändern kann. Der Katalog wird über 600 Nummern enthalten. An einem Tage wird ein Wettflug von Brieftauben stattfinden; eber so werden die neuen Brutapparate großes Interesse erwecken.— Auf der hiesigen Kleerswiese herrscht jetzt auch schon das regste Leben, indem man mit dem Aufbauen von Buden, Zelten, Ausstellungsräumen 2c. für die am Dienstag, den 5. Juni er. stattfindende Thierschau eifrig beschäftigt ist. Die Anmeldungen zu dieser Schau sind gleichfalls sehr zahlreich eingelaufen, so daß auch diese Ausstellung, namentlich bei Landwirthen, das größte Interesse erwecken wird. Frankreich. * Paris, 31. Mai. Im heutigen Ministerrathe bei Ferry theilte der Marineminister mit, daß der „Annamite“ gestern mit 1000 Mann und zehn höhern. Offizieren und der„Mytho“ mit 900 Mann nach Tongking abgefahren sei; andere Kriegsschiffe zu Truppensendungen würden in einigen Tagen seebereit sein. Der Marineminister versichert, daß er keine neue Depesche aus Tongking erhalten habe.— Baring, der an Malets Stelle in Aegypten tritt, wird den Titel„Ministerresident mit außerordentlichen Vollmachtene erhalten. *— 31. Mai. Admiral Courbet, der gegenwärtig in Paris weilt, hat seine Weisungen für die Operationen in den anamitischen Gewässern erhalten: er hat die Küste von Tongking und das Delta des roihen Flusses zu überwachen, vorbehaltlich der Fälle, wo seine Truppen ausgeschifft werden, um die Unternehmungen zu Lande zu unterstätzen. Courbet fährt am Sonnabend nach Algier, um sich auf dem„Bapzardnach dem Kriegsschauplatze einzuschiffen. Die letzten, Nachrichten aus Tongking melden, daß die französischen Truppen in die Citadelle von Hanoi zusammengezogen und die Kanonenboote im Flusse vom Delta bis Hanoi staffelförmig aufgestellt sind und allen Verkehr der schwarzen Flagge mit der Stadt abschneiden, und daß. ein unterseeisches Kabel zwischen Saigon und Tongking. gelegt wird. Auch der Kreuzer„Chateau=Renard“ gehr: nach Tongking. Rußland. * Petersburg, 30. Mai. Die Polizei ist etwas vorschnell gewesen; es stellt sich nämlich nach und nach heraus, daß die Unruhen einen wirklich ernsten Charakter, sowie die Polizei es dem Minister des Innern telegraphisch dargestellt hatte, gar nicht angenommen hatten. Es hat wohl Prügelelen gegeben, die Poliz.i und Gendarmerie wurde mehrfach beleidigt, gröblich und thätlich sogar, so etwas kann bei Volksfesten aber überall vorkommen. Den Oberpolizeimeister empfing man mit Schimpfreden, ein Bäckermeister wurde schwer verletzt, ein höherer Polizeioffizier geschlagen. Schließlich zerstreute sich jedoch die Menge, der gegenüber die Polizeigewalt durchaus nicht ausgereicht haben würde, von selbst. Der hagere lange Stadthauptmann Gresser war Anfangs mit seiner offenen Rappenkutsche überall und wie gewöhnlich allzu schneidig. Die Polizei spielte schließlich, da sie ihren Forderungen keinen Nachdruck zu verleihen wußte, eine äußerst klägliche Rolle und wurde vom Pöbel, der allerlei Unfug verübte, den Leuten die Hüte vom Kopfe schlug, brüllte, Hurrah schrie und alle Wagen angriff, unter Hohngelächter zurückgedrängt. Zu einem Putsch kam es aber auch nicht annähernd; gute Vorsichtsmaßregeln und einige Kosaken würden genügt haben, den rüpelhaften Ausschreitungen der theils betrunkenen, theils übermüthigen Menge zu begegnen. Die Sache wurde aber sozusagen als Hochverrath aufgefaßt, weil an irgend einer Stelle eine Fahne mit den Nationalfarben von einem Trunkenbold herabgezerrt wurde. Aus dem Fürstenthum Lippe und Umgegend. * Detmold, 30. Mai.(Teutoburger Waldfest.) Wiederholt sind schon Notizen über das Teutoburger Waldfest durch die Zeitungen gelaufen, es scheint daher an der Zeit, über Veranlassung und Absicht desselben eine eingehende Darstellung zu geben. Dasselbe ist hervorgegangen aus dem Bestreben, innerhalb der Turnerei den volksthümlichen Uebungen eine größere Pflege zu Theil werden zu lassen. Unter volksthümlichen Uebungen sind solche zu verstehen, die ohne Geräthe gemacht werden können, zu denen es also keinerlei Vorbereitungen bedarf, und an denen sich auch Jedermann ohne Vorübungen betheiligen kann. Es sind vornehmlich Laufen, Ringen, Werfen(Steinstoßen), Springen, Ziehen und dergl. Es sind das dieselben Uebungen, an denen sich schon die Jugend im alten Hellas kräftigte, und die auch der alte Jahn betrieb, als er zuerst die Berliner Jungen auf die Hasenheide führte, um sie dort für die Vaterlandsvertheidigung tüchtiger zu machen. Diese Uebungen sind zwar von der deutschen Turnerschaft nie vernachlässigt, aber sie find durch das Geräth= turnen, das ja allerdings weit mehr Muth, Kraft und Gewandtheit erfordert, etwas in der Hintergrund gedrängt, jedenfalls mehr als gut war für die Wirkung der Turnerei nach außen hin. Denn zur Theilnahme am Turnen reizen diese einfachen Uebungen mehr, als das Geräthturnen, das leicht für eine Kunstleistung gehalten wird, die gewöhnliche Sterbliche doch nicht mitmachen können, während es einleuchtet, daß unsere Freiübungen, unsere Uebungen mit Hantel und Eisevstab und die oben genannten volksthümlichen Uebungen etwas für Jedermann nützliches und ausführbares sind. Deshalb sucht man diesen Zweig der Turnerei wieder mehr in den Vordergrund zu stellen und veranstaltet zu diesem Zweck Turnfeste, auf welchen lediglich in den volksthümlichen Uebunzen geturnt wird und die Feste dieser Art, z. B. das Feldbergfest am Mittelrhein und das Sonnensteinfest an der Ruhr sind von großer Bedeutung geworden, nicht blos für die Entwicklung des Turnens, sondern auch als allgemeine Volksfeste, zu denen die Leute von weit und breit herbeiströmen. Etwas ähnliches hoffen wir mit dem Teutoburger Waldfest zu erreichen. Es soll Propazanda machen für körperliche Uebungen, aber zugleich auch ein Volksfest sein, an welchem das Publikum sich mit Freuden betheiligt. Denn wenn irgend etwas geeignet ist, unsern Volksfesten Leben und Inhalt zu geben, so sind es körperliche Uebungen und Spiele im Freien, die nicht blos unterhalten, sondern auch alles in frische, fröhliche Stimmung bringen, und zum Mitmachen anregen. Das yn sich anderwärts bewährt, und wird hoffentlich hier, wo wir das Hermannsdenkmal als Zugmittel hinter uns haben, erst recht der Fall sein. Von Festlichkeiten wird bei diesem Feste wenig die Rede sein. Auch in dieser Beziehung bemüht sich die Turnerei, mit gutem Beispiel voran zu gehen und ihre Zusammenkünfte so einfach wie möglich zu gestalten. Die Sache wird sich demnach so abspielen, daß nach Ankunft des 11 Uhr=Zuges vom Odeon aus der Aufmarsch zur Grotenburg stattfindet, wo um 2 Uhr das Turnen beginnt. Es besteht in gemeinschaftlichen Freiübungen, Hochspringen, Weitspringen, Steinstoßen(Fortschleudern eines 17 Kilo schweren Steines), Laufen und, wenn sich Theilnehmer dafür finden, Ringen. Daneben werden dann Spiele gemacht: Schleuderball, Fußball, Tauziehen und dergleichen mehr. Möglich, daß der Wirth des Hermannsdenkmals zur Unterhaltung des Hershern pguieen ein Konzert verasstaltet, es st shae eneschie üder manche Einzelheiten, noch noch ganz.: Auch die Zahl der Theilnehmer ist e# enbestimabar, sie klann sich auf einige bondert Ttschrauten, aber auch weit größer werden, denn die e, seschatechen Aasurmerischen Kresen weit und breit den Leohastesten unllang gefunden. Das Fest wird, wie schon anderweit mitgetheilt, am 15. Juli stattfinden. Lage, 1. Juni.(Schöffengericht.) An der am verflossenen Mittwoch stattgehabten Schöffengerichtssitzung nahmen als Schöffen Theil die Herren Gutspächter Asemissen zu Schakenburg und Kolon Dreier in Hagen. Es lagen drei Sachen vor und wurden bestraft: 1) Nagelschmied Fr. Brauns in Lage wegen Ausreißens von Pflänzlingen aus der Hecke seines Nachbars Alberti mit 20 M Geldstrafe, eventuell 4 Tage Gefängniß. 2) Arbeiter F. Klöpping aus Spork wegen Landstreichens mit 14 Tagen Haft und Ueberweisung an die Landespolizei. 3) Bäckergesell Fr. Mannminga aus Windrum, Kreis Emden, wegen Bettelns ebenfalls mit 14 Tagen Haft und Ueberweisung an die Landespolizei. * Blomberg, 1. Juni.(Städtische Angelegenheiten.) Das an dieser Stelle früher besprochene Projekt der Stadtverordneten betreffs Erhebung einer Kommunalsteuer ist nunmehr damit zu Grabe getragen, daß die fürstl. Regierung den Gründen der oppositionellen Minorität zustimmend, die Genehmigung hierzu nicht ertheilt hat. Mithin wird Blomberg den Ruhm behalten, eine der wenigen Städte im deutschen Reiche zu sein, in welcher keine Kommunalsteuer erhoben wird. *—(Bürgerrecht.) In Bezug auf den Zwang zum Ankauf des Bürgerrechtes für Hausbesitzer der hiesigen Stadt kann berichtet werden, daß auch hier der Versuch gemacht ist, das Ortsstatut in Betreff dieses Punktes zur Geltung zu bringen. Nachdem jedoch eine Weigerung rechtskundiger, hier ansässiger Hausbesitzer zur Zahlung dieser veralteten Steuer erfolgt war, nahm die städtische Behörde von weiteren Repressalien Abstand. * Herford, 31. Mai.(Zigeuner=Unfug.) Seit mehreren Tagen schon trieb sich ein Trupp Zigeuner hier und in der Umgegend umher, die bekanntlich durch Diebstahl, Betrug und Bettelei ihre Wege kennzeichnen. benachbarten Salzuflen hausten sie so toll, daß die Polizeibehö de Hülfe aus der Bürgerschaft requiriren mußte, sich das.sindel vom Halse zu schaffen. Gestern Nachmittag wurden drei handfeste Gesellen der Bande geschlossen von Enger aus in das hiesige Gefängniß abgeliefert, die in dem Dorfe Besenkamp gewaltthätiger Weise Futter für ihre Pferde gestohlen und durch Bettelei 2c. sich sonst noch vergangen hatten.(M. Z) * Bielefeld, 1. Juni.(Bielefelder Kunstverein.) Bei der heute stattgefundenen öffentlichen Verloosung entfielen an Oelgemälden: 1) Raetzer, Düsseldorf, Landschaft von Rügen, Aktie 202, Hr. Theod. Tiemann hier. 2) Kotsch, Th. München, Bauernhof unter Nußbäumen, Aktie 499, Hr. Herm. Haacke, hi r. 3) Sondermann,., Düsseldorf, Familienglück, Aktie 425, Hr. Baumeister Hermann, Detmold. 4) Ebel, ., Düsseldorf, Waldlandschaft, Aktie 282, Hr. August Klasing hier. 5) Bode,., Düsseldorf, An der Fraueninsel am Chiemsee, Aktie 198, Hr. Albert Mohr hier. 6) Schlüter,., Düsseldorf, Westfäl. Mühle, Aktie 407, Hr. Forstmeister Feye, Detmold. 7) Schweich,., Düsseldorf, Haidelandschaft, Aktie 476, Hr. Julius Albert hier. 8) Frische, H. L, Düsseldorf, Aus dem Rheiolande, Aktie 201, Hr. Wilb Niemöller, Gütersloh. 9) Röth, Th., München. Am Seeufer, Aktie 369, Hr. Arnold Crüwell hier. 10) Splitgerber,., München, Idylle, Aktie 43, Frau Ww. Crüwell hier. 11) Splitgerber,., München, Waldweg, Aktie 313, Hr. Pastor Meyer, Gadderbaum. 12) Morgenstern, C., Starnberg, Schloß Rattenberg(Tirol), Aktie 272, Hr. Theod. Möller, Kupferhammer. 13) Morgenstern, C. E, Starnberg, Walchensee, Aktie 138, Hr. Julius Poggenpohl hier. 14) Bermuth,., Düsseldorf, Teich bei Externsteinen, Aktie 72, Hr. Oberlehrer Zander, Gütersloh.— Außerdem entfielen zweite Gewinne, Photographien nach Defregger, auf die Nr.: 375, 199, 104, 484, 416, 70, 288, 184, 99, 451, 495, 22, 471, 210, 77, 163, 347, 491, 42, 14, 91, 89, 157, 479, 311, 21, 84, 73, 271, 114. Die Oelgemälde können erst nach beendetem Turnus, gegen Ende Juli, die Photographien sofort gegen Vorzeigung der Aktie bei Herrn Rathsherrn E. Wessel hierselbst in Empfang genommen werden. * Gütersloh, 31. Mai.(Blitzschlag.) Das gestrige Gewitter hat unserm Nachbardorfe Isselhorst Unglück gebracht, indem der Blitz in den Kirchthurm gefahren ist und denselben sehr beschädigt hat. In Brockhagen zerfiörte er die elektrische Batterie der Telegraphenstation.(B..) Der Nutzen und Schaden des Sperlings. Ueber diese vielbestrittene Frage hat Dr. Schleh in den„Landwirthschaftlichen Jahrbüchern“ eine außerordentlich mühevolle und sorgfältige Untersuchung ausgeführt, deren Resultate in dem gedrängten Resumé des Verfassers nachstehend mitgetheilt werden sollen. Der Sperling ist als überwiegend schädlich zu erachten, aber nicht in dem Maße, daß der Vernichtungskrieg gegen ihn gepredigt werden müßte. Den Sperling gesetzlich zu schützen, ist verwerflich, man würde Landwirthe und Gärtner schutzlos dem Zerstörungstriebe der Sperlinge preisgeben und seine übermäßige Vermehrung auf Kosten der viel nützlicheren Sylvien befördern. Dagegen ist eine Verfolgung von Seiten des Staats, wie sie wohl in vergangener Zeit gehandhabt wurde(Friedrich Wilhelm I erließ die erste Verfügung, daß eine Anzahl Sperlingsköpfe pro Morgen abgeliefert werden müßten; das Gesetz blieb in Preußen bis Anfang dieses Jahrhunderts bestehen, in anderen deutschen Ländern erhielt sich die Sitte sogar bis Mitte desselben), eben so wenig das Wort zu reden; denn es frißt der Sperling in seiner Jugend, bis etwa acht Tage, nachdem er flügge wurde, nicht unwesentliche Mengen von Kerfen und Unkrautsämereien, wie die 99(approximatio) Haltica affinis ia beiden angestellten Beobachtungen und 321 Samenkörner von Stellaria media beweisen; dieselben können unter Umständen Gärtnern und Landwirthen recht lästig werden. Eine weise Einschränkung durch Aufhängen von Brutkästen, durch Verwendung der Jungen zur menschlichen Nahrung und die Verbreitung dieser Gesichtspunkte in der Stadt und auf dem flachen Lande wird das zu erstrebende Ziel sein. Ein sensationeller Dresden, 25. Mai. Die zweite Kammer des Landgerichts verhandelte gestern in einer achtstündigen, durch eine kurze Mittagspause unterbrochenen Sitzung gegen die Frau des Feuilleton=Redakteurs der„Dresdn. Nachr.“, Herrn Hartmaan, in einer wider sie von dem Violinisten Herrn Waldemar Meyer erhobenen Anklage wegen thätlicher Mißhandlung und Beleidigung. Der Fall, der zu einer cause célébre für Dresden geworden war, hatte einen so außerordentlich starken Zudrang des Publikums der besseren Stände veranlaßt, daß der große Schwurgerichtssaal für die Verhandlung hatte eingeräumt werden müssen. Lange vor Beginn der Verhandlungen war derselbe denn auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Frau Hartmann(geb. v. Kirchmann, eine Tochter des bekannten ehemaligen Appellationsgerichtspräsidenten und philosophischen Schriftstellers) war offenbar sehr übel berathen, als sie gegen Herrn Meyer, den sie am 6. Januar d. J. wegen von ihm gethaner Aeußerungen über Käuflichkeit ihres Gatten als Kritiker in ihre Wohnung eingeladen und dort mit einer Reitpeitsche gezüchtigt, und der in Folge dessen Klage erhoben hatte, eine Widerklage wegen Beleidigung anstellte. Sie hatte dadurch den ihr zugedachten Schlag zu pariren gehofft; die Folge war aber, daß Herr Meyer gezwungen wurde, den Wahrheitsbeweis anzutreten, der in hohem Grade belastend, ja, geradezu vernichtend ausfiel. Daß dies Resultat erzielt werden konnte, hat allgemein überrascht. Die Bezichtigung drehte sich immer um mehr oder minder werthvolle Geschenke wie Meißner Porzellau, Schmuckgegenstände, Teppiche 2c., die Herrn oder Frau Hartmann gelegentlich in Form gesellschaftlicher Aufmerksamkeiten unter guten Bekannten gemacht worden waren. Es darf daher auch nicht Wunder nehmen, wenn mehrere der vorgeladenen Zeugen jede andere Deutung der gemachten Geschenke schlankweg abwiesen. Unter diesen Umständen, bei der Schwierigkeit, diesen delikaten Beziehungen irgend wie auf den Zahn zu fühlen, wäre der Wahrheitsbeweis wahrscheinlich ziemlich unmöglich geworden, wenn nicht der Hofopernsänger Herr Bulß sich veranlaßt gesehen hätte, das Eis zu brechen. Herr Bulß bekannte sich einfach zu der Thatsache, daß er von 1879 ab, da ihn eine gewisse kühle Haltung der Hartmannschen Kritik verstimmt habe, und da ihm von befreundeter Seite wiederholt gerathen worden sei,„bei Hartmanns anzutreten“, Geschenke gemacht habe, um die Kritik zu beeinflussen. Es sei ihm dies auch durch rechtzeitige Wiederholung gelungen. So habe er u. a. 1879 zu Weihnachten einen Pariser Windleuchter im Werthe von etwa 52 Mk., dann 1880 eine Bowle im Werthe von 130.., 1881 ein Meißener Besteck im Werthe von 200 M. geleistet. Alle hätten übrigens unter derselben„Knute“ gestanden und sich ihr mehr oder minder gefügt. Frau Hartmann sei von der Allmacht ihres Mannes in Bezug auf Theaterangelegenheiten so überzeugt gewesen, daß sie geäußert habe, ihr Mann mache das Theater, und Graf Platen thue nur, was ihr Mann wolle. Ferner habe sie die ihr zu machenden Geschenke durch Bewunderung ihr zu Gesicht gekommener Gegenstände unverhohlen provozirt. Es kamen außerdem noch andere Aussagen vom Herrn Musikalien= händler wieß, vom Herrn Buchhändler Pierson u. a hinzu, welche den belastenden Momenten immer neue hinzufügten. Schließlich war ein Gemälde entstanden, welches in der verschiedensten Weise immer dasselbe Thema varürte: Ausnutzung der innegehabten Stellung und des Einflusses, sei es durch Annahme von Geschenken in der Richtung auf Kritik oder dadurch daß die vom Herrn H. besonders zu protegirenden Künstler sich angelegen sein lassen mußten, die von ihm komponirten Lieder fleißig in Konzerten zu singen, oder daß Frau., die eine starke Bauspekulantin war, ihre Wohnungen und Billen bei Künstlern unterzubringen suchte. Tributpflichtig waren keineswegs bloß Mitglieder der Hofbühne, sondern viele andere, denen Blatt an der wichtigen Stelle, die Herr H. besetzt hielt, nützen oder schaden konnte. So finden sich Geschenke von einem Musikalienhändler, von einem Pianofortefabrikanten. Professor Lamperti, der berühmte Dresdener Gesanglehrer, stellte sich mit Wein ein, Herr Hofopernsänger Gudehus desgleichen,„um ein gutes Einvernehmen anzubahnen.“ Buchhändler Pierson leistete nach der Aufführung des„Faust= II. Theil einen Teppich von 200 Mk., da die Musik seines Vaters dabei zur Annahme gelangt war; Graf Hochberg, Komponist des„Werwolf“, findet sich vor und nach der Aufführung mit werthvollen Geschenken ein 2c. Einen besonders drastischen Eindruck machte die Verlesung zweier Kritiken über die Oper„Bianca= von Ignaz Brüll, die eine ganz verschiedene Lesart boten. Allerdings hatte die Oper zwischen der ersten und zweiten Kritik eine gewisse Kürzung erfahren, die aber den totalen Umschlag der Kritik wohl weniger erklärte als der Umstand, daß dem Kritiker mittlerweile 500 Mk. für 1000 der besten Cigarren zugegangen waren. Als Zeuge für eine ihm gegenüber stets bewiesene uneigennützige Haltung der Familie Hartmann trat besonders der Schauspieler Karl Sontag ein; auch mehrere andere Künstler bestängten, daß Frau Hartmann ihr angebotene Geschenke nicht angenommen, bezw. zurückgegeben habe; allein dem schwer belastenden Material gegenüber waren diese Ausnahme natürlich unvermögend, im wesentlichen das Urtheil zu ändern, oder den Eindruck zu mildern. In schärfster Weise faßte denselben der Rechtsanwalt des Privatklägers, Dr. Thürmer, in seiner Schlußrede zusammen. Er hob die allgemeine sittliche Bedeutung des Falles hervor. Er erinnerte daran; wie schwer der Staat den Beamten strafe, — selbst unter Umständen mit Zuchthaus— der sich unerlaubte vermögensrechtliche Vortheile durch seine Stellung und seinen Einfluß sichere; er erinnerte daran, daß der Kritiker ein Beamter des öffentlichen Vertrauens sei, der sich selbstwillig an diesen Posten stelle, auf dem in dieser ehrenvollen Stellung ein um so größeres Maß der Verantwortlichkeit laste, je wichtiger, je umfassender, je geistiger die ihm anvertrauten Interessen seien. Er wies darauf hin, daß die Verurtheilung der Frau des Kritikers., nachdem sie sich einmal auf die Integrität ihres gemeinschaftlichen Verhaltens berufen habe, gleichzeitig eine VerWöchsührs des, Pannes selbst, der von ihnen angewandten sechens immer drot. Jeck=sei; die auf allen Gebieten des al venzureten verpsichtet u der wir überderauf zürück, Nach PPlichtet seien. Der Gerichlshof zog sich Es lautete auf 5 gan: Zeit wurde das Urtheil verkündet. Ge## tonate Gefängniß und Verurtheilung in die auf 3000 Mk. veranschlagt werden. Herr g. Hartmann hat seine Stellung als Kunstkritiker der „Dr. Nach..“ niedergelegt. Der auf den 4. d. M. zum Zweck der Zwangsversteigerung des Kolonats Finke Nr. 12 in Spork anstehende Termin ist aufgehoben, da der die Zwangsvollstreckung betreibende Gläubiger seinen Antrag zurückgenommen hat. Detmold, 2. Juni 1883. Fürstliches Amtsgericht Abtheilung III. Eberhardt. u, cheslende Sehesier und Vit sterarbenten in und außer dem Hause werden gut und billig genacht von Ferdinand Reuling, Detmold. Mühlendamm 4. Ein Haus in einem frequenten Orte mit Amtsgericht, in bester Lage, worin Handlung und Wirthschaft betrieben worden, ist unter günstigen Bedingungen sofort zu verkaufen. Dasselbe eignet sich, seiner besonders günstigen Lage wegen, auch zum Betriebe einer Bäckerei. Näzere Auskunft ertheilt die Exped. d. Bl.(143) vermiethen zwei schöne geräumige Zimmer der 2. Etage nach vorn. Lagesche Str. 61, 1 Treppe. 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Theilnehmenden Freunden und Bekannten die traurige Anzeige, daß heute Nachmit tag 2½ Uhr unser lieber Vater, Groß= und Schwiegervater im 75. Jahre zu einem besseren Jenseits entschlafen ist. Salzuflen, 1. Juni 1883. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Montag Nachmittag 4 Uhr statt. Neue Isländer Matjes=Häringe empfing und empfiehlt billigst A. Walermann. Kieler Buckinge geräucherte Tachsheringe enpfcht Aug. Kast. Feinstes Olivenöl Mohnöl Aug. Kast. empfiehlt Prima gehämmertes Sohlleder, alle Sorten Oberleder, Schäfte und Schuhmacher=Artikel empfiehlt H. Sigges. Prima Ziegelkohlen liefere ich zu M. 103 pr. Doppel=Waggon von 200 Ctr. loco Station Detmold. Detmold, Obere=Straße Nr. 22. C. halfmann, Kohlenzen gros=Handlung. Hildesheimer Sparherde, Kachel-, Säulen-, Koch- und Füllöfen, Kesselrümpfeu. s. w. empfiehlt A. W. Brüggemann, Schötmar. 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Wenn die betreffende Stute bereits bedeckt ist, so ist der Deckschein vorzuzeigen. 2) Ebenso werden die besten ausgestellten Stutfüllen, welche die Eigenthümer nicht verkaufen wollen, prämürt. 3) Desgleichen hervorragende Leistungen und Bestrebungen in Erzielung von Pferden eigener Anzucht jeglichen Geschlechts. Die Herren Landwirthe und Viehbesitzer werden daher aufgefordert, mit obenbenannten Thieren recht zahlreich und frühzeitg auf dem Markte zu erscheinen. 526 85, Es wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, vaß die Prämien für die Zuchtstuten von fürstlicher Regierung, die übrigen Prämien aber vom unterzeichneten Vereine bewilligt sind. Die Pferdezüchter, denen im Jahre 1881 Prämien pro 1883 in Aussicht gestellt worden, werden aufgefordert, falls sie den gestellten Bedingungen nachgekommen sind, mit den betr. Zuchtstuten, event. deren Füllen und den nöthigen Deckscheinen, am 17. Juli, Morgens, ebenfalls auf dem Markte zeitig zu erscheinen, um die ihnen zugesagten Prämien in Empfang zu nehmen. Diejenigen, welche die gestellten Bedingungen nicht erfüllt und daher keine Ansprüche auf die Prämien haben, müssen dies bis zum 12. Juli dem Verein, zu Händen des Herrn Rittergutsbesitzers Merckel auf Brannenbruch schriftlich mittheilen. Detmold, den 2. Juni 1883. Der Verein zur Besörderung der Viehzucht, insbesondere der Pferdezucht im Fürstenthum Lippe. Hierzu eine Weilage. Beilage zu Nr. 127 der Lippischen Landeszeitung. Dritte Bielefelder Gemäldeausstellung. IV. Wir haben unsere Leser eine weite Wanderung machen lassen von Italiens sonnigen Gefilden über der Alpen weiße Firnen in den Schatten deutschen Waldes; wir würden fürchten, sie zu ermüden, wollten wir ihnen noch einen weiteren Weg zumuthen. Aber wer dennoch gern noch weiter ziehen möchte, ob er an der Ostsee waldumkränzten Ufern Erquickang sucht, ob an der Nordsee Dünen das Fischerleben beobachten, ob im Skagerrack eine einsame Fahrt machen, ob an den majestätischen Fjords Norwegens sich erfreuen, oder gar an Spaniens Ufern vergangene Herrlichkeit stolzer Burgen schauen möchte, der findet in den trefflichen Bildern von Raetzer(156), Keßler(95), Huth(87), Xylander(231), Rasmussen(303), zur Hellen(74) genug Befriedigung seiner Wanderlust. Und wer lieber daheim bleibt, aber an„mondbeglänzter Zaubernacht stille, träumerische Freude findet, dem bietet vor allen das wunderbare Bild von Douzette, eine Perle der Ausstellung(40), dem die Bilder von Deiters, Nordgreen, Morgenstern, Wille Stoff genug zum Sinnen und Träumen!— Und willst du grauses Gemisch von stiller Mondesnacht droben am Himmel und auf der Erde ein Stück von dem „Wehe, wenn sie losgelassen, Wachsend ohne Widerstand; Durch die volksbelebten Gassen Wächst der ungeheure Brand“, so betrachte den„Brand von Rhöndorf“(169), dort findest du es in meisterhafter Weise von dem noch jüngeren, aber durch sein hervorragendes Talent, seinen gesunden Realismus und sein kräftiges Kolorit vielversprechenden Rammelspacher, Berlin, wiedergegeben. Könnte das„alles rennet, rettet, flüchtet vielleicht in der Staffage noch etwas kräftiger zum Ausdruck gebracht sein, die verschiedene malerische Lichtwirkung von Mond, Flammen, Laternen ist in geradezu vorzüglicher Weise, in unmittelbar packender Wahrheit wiedergegeben, und zieht das Bild mit Recht die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Und ist bis dahin unsere Wanderung eine sommerliche gewesen, wem ein heller Wintertag, ein stiller Winterabend besonders sympathisch, gerade auch hier hat unsere Ausstellung Vorzügliches aufzuweisen; wir nennen nur den stillen Winterabend im Walde von Jacobsen(290) und die Thauwetterstimmung von Malchin(296), beides in ihrer Art hervorragende Bilder, denen eine Reihe anderer tüchtiger Arbeiten von Nordgreen, Schroeter, Schweitzer u. a. sich anschließen. Ist so aber eine in der That hochinteressante und genußreiche Wanderung durch deutsches und fremdes Land reichster Abwechselung uns geboten, die man wieder und wieder machen kann, um immer neue Schönheiten herauszufinden,— wir ruhen heut einmal davon aus, um unsere Leser, die von anderer Seite auf die Reihe vorzüglicher Genrebilder schon aufmerksam gemacht sind, noch auf in ihrer Unscheinbarkeit leicht zu wenig beachtete Perlen unserer Ausstellung hinzuweisen— Professor Paul Thumanns vier Bilder zu Chamissos „Lebenslieder und Bilder". Es sind äußerlich schlichte, unscheinbare Bildchen, grau in grau gemalt, weil zum Photographiren für das bekannte Prachtwerk bestimmt,— aber welch eine Tiefe der Empfindung, welch ein Reichthum von Gedanken, welch eine Klarheit der Gruppirung und Zeichnung, welch eine Zartheit der Auffassung in jedem dieser Bilder! Der zartbesaitete, tief innerliche, gefühlvolle, liebenswürdige Dichter von„Frauenliebe und Leben",„Lebenslieder und Bilder“, durch die er der deutschen Frau und Jungfrau sich unvergeßlich gemacht hat und daneben dem ergreifendsten„Salas y Gomezu konnte in der That kaum einen verständnißvolleren Künstler zur bildlichen Wiedergabe seiner poetischen Gedanken finden. Mutter! Mutter! unsere Schwalben— Sieh doch selber, Mutter, sieh! Junge haben sie bekommen, Und die Alten füttern sie! Süßer und reizender konnte das Kindesentzücken kaum dargestellt werden, als in diesem kleinen lieben Mägdlein mit seinem herzigen Gesicht an der Mutter Seite, ihre Schürze fassend, sie festzuhalten bei dem lieben Bild! — Und nun ist das Mägdlein erwachsen zur züchtigen Jungfrau und der Knabe zum Mann: Ich habe von reinem Golde, Bestellt mir einen Ring, Den Ring— ich zittre verstummend— Den Ring, du Reine, du Holde, Nimm an den goldenen Ring; welch ein innig zartes Bild bräutlichen Liebeswerbens und Liebesglückes„Mein Leben und mein Lieben, die leg ich zu Füßen dir!— Nun ist das häusliche Glück erblüht: Der Vater hält dich im Arme Du goldenes Töchterlein, Und träumt gar eigene Träume, Und singt und wieget dich ein; das blondlockige Mägdlein auf des Vaters Armen, der frische Bub an die glückstrahlende Mutter geschmiegt, kann stilles häusliches Glück Vater= und Mutterfreude schlichter, sinniger wiedergegeben werden?!— Aber nun ruft das Vaterland! Es kommt die bittere Stunde des Scheidens und Meidens: Sei stark, du meine Männin, reiche mir Und weihe, sie berührend, meine Waffen! ——— Umarme mich noch einmal, laß das Weinen, Bring her mir meine beiden armen Kleinen! Und nun— leb wohl, du vielgeliebtes Weib! Der Mann in voller Waffenrüftung, die Kameraden sein schon wartend, der bittere Abschied, der kleinen Tochter bange Kindessorge und auf der Mutter Arm des Kleinsten arglos süßes Lächeln, das vom Ernst der Stunde noch nichts weiß— wem werden nicht ähnliche Erinnerungen wach! Wir enthalten uns jedes weiteren Wortes: wir bitten nur: komm und siehe es an und fühle es nach: Lied und Bild, sie klingen im innersten Herzen wieder! Vermischtes, * Das Hotel Rothschilo in Paris war vor einigen Tagen früh der Schauplatz einer aufgeregten Szeue. Eine Anzahl von fünfzig Juden, polnischen Ursprungs, erschienen im Hotel und verlangten den großen Banquier zu sprechen, und als man ihnen bedeutete, daß der Baron Rothschild sie nicht empfangen könne und sie sich zurückziehen möchten, verweigerten sie dies unter fürchterlichem Lärm und der Drohung, Alles zu zerschlagen, wenn man ihnen nicht Brod oder Geld gebe. Baron Rothschild sah sich genöthigt, den Polizeikommissär rufen zu lassen, der mit Hilfe von Polizeisergeanten die Ruhestörer aus dem Hotel hinauswerfen mußte. „* * *(Was ist Höhenrauch?) Der Höhenrauch hat zu manchen Erklärungen über Entstehung und Folgen desselben Veranlassung gegeben. Die köstlichste Definition desselben giebt aber die„Cochemer Ztg.“ Sie schreibt: „Höhenrauch ist ein nebliger Meteor ohne feuchten Niederschlag.“ *„* *(Sonnentemperatur.) Die Gelehrten sind bekanntlich über die Höhe der Sonnentemperatur uneinig, und es schwanken, wenn wir nicht irren, deren Angaben über diesen Punkt zwischen 2000 und 100,000 Grad. Sir William Siemens in London, dem die Königin neuerdings die Baronetswürde verlieh, tritt jetzt mit der Behauptung auf, die Temperatur der Oberfläche der Photosphäre übersteige 3000 Grad nicht, und sei somit keine höhere, als die eines Hochofens oder des elektrischen Lichtbogens. Bei einer höheren Temperatur, heißt es in dem betreffenden Vortrage, würde nämlich an der Oberfläche des Sonnenkörpers keine Verbrennung stattfinden, weil sämmtliche Bestandtheile der Photosphäre sich in dislozirtem Zustande befänden. Auch würden beim Sonnenlicht die violetten Strahlen überwiegen und dieses Licht blau sein, was mit dem Absterben aller Pflanzen auf der Erde gleichbedeutend wäre. Industrie, * In Westfalen herrscht gegenwärtig überall reiche Nachfrage nach Arbeitskräften. Nach Meldung der„Bonn. Ztg.“ wird die Kalkindustrie bei Lengerich mit vermehrten Arbeitskräften und gutem Absatz betrieben; die mechanischen Webereien in Warendorf und die Streichgarnfabrik in Sassenberg stehen in Blüthe; die Handplüschweberei in Freckenhorst hat sich empor gearbeitet, — es stehen dort jetzt 50—60 Stühle in Betrieb. Die mechanischen Webereien zu Coesfeld, Dülmen und Gescher haben flotten Absatz; die Spinnereien und Webereien zu Rocholl waren andauernd mit voller Arbeitskraft in Thätigkeit. Es ist daselbst mit dem Bau einer neuen mechanischen Weberei, die im August eröffnet werden soll, begonnen. In Ahaus soll eine neue Fabrik gebaut werden. Wenn weiter gemeldet wird, daß die Zahl der Bettler und Landstreicher in Westfalen etwas abgenommen hat, so ist dies gewiß ebenso auf den Aufschwung der industriellen Verhältnisse wie auf die segensreiche Thätigkeit der Arbeiterkolonie„Wilhelmsdorf“ zurückzuführen. Wochenmarktbericht. * Detmold, 2. Juni. Weizen pr. 50 Kilo 10,50 M. Roggen, pr. 50 Kilo 7,50 M. Mengekorn, pr. 50 Kilo 8,25 M. Gerste pr. 50 Kilo 7,50 M. Raufutter, pr. 50 Kilo—.— M. Hafer pr. 50 Kilo 7,— M. Heu pr. 50 Kilo 2,20 M. Stroh, pr. 50 Kilo 2,— M. Kartoffeln pr. 50 Kilo 3,70 M. Rindfleisch, bestes, pr. Kilo 1,20 M. Kalbfleisch, bestes, pr. Kilo .— M. Hammelfleisch pr. Kilo 1,20 M. Schweinefleisch pr. Kilo 1,20 M. Speck, geräuchert, pr. Kilo 1,70 M. Butter pr. Kilo 1,50 M. Eier 10 St.—,40 M. Kocherbsen pr. 50 Kilo—.— M. Spargel pr. Kilo 1,30 M. Schinken, geräuchert pr. Kilo 1,60 M. Marktberichte. * Berlin, 1. Juni. Weizen höher, per Juni=Juli 188,—, per Septbr.=Oktbr. 197,50 M. Gek. 148000 Ztr. Roggen fester, per Juni=Juli 150,50, Septbr.=Oktbr. 154,— M. Gek. 66000 Ztr. Hafer fester per Juni=Juli 130,75, Septbr.=Oktbr. 137.— M. Gek. 2200 Ztr. Rüböl ruhig, loko mit Faß 72,—, ohne Faß 71,—, per Juni 72,10, Septbr.=Oktbr. 60,30 M. Gek. 700 Ztr. Spiritus schwankend, loko 56,10, per Juni=Juli 56,10, Aug.=Sept. 57,30, Sept.=Okt. 55,40 M. Gek. 1 660000 I. Petroleum besser, loko 24,—, per Sept.=Okt. 24,40, Oktbr.=Novbr. 24,80 M. Gek.— Ztr. * Köln, 1. Juni. Weizen hiesiger loco 21,—, fremder loco 21,50, per Juli 20,20, per Nov. 20,45, Roggen loco 15,—, per Juli 15,20, per Nov. 15,80. Hafer loco 14,75. Rüböl loco 36,50, per Oktbr. 31,20. * Neuß, 31. Mai. Weizen à 100 Kilo erster Qualität 21,—, zweiter Qualität 19,—. Landroggen 100 Kilo 1. Qualität 15,—, 2. Qualität 13.—. Wintergerste 14,—. Hafer pr. 100 Kilo 15,—. Kartoffeln 8,50. Heu d 50 Kilo.—. Roggenstroh à 600 Kilo 21,— M. Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ztr. M. 72,—, Rüböl per 100 Kilo faßweise 73,50. Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 M. höher als Rüböl. Preßkuchen per 1000 Kilo M. 130.—. Kleien per 50 Kilo 5,80. * Bremen, 1. Juni. Petroleum steigend, loco 7,65, per Juli 7,75, Aug. 7,90, Aug.=Dez. 8,13. Schmalz Marke Wilcox leco 56, per Juni=Juli 55½. Speck, halb short halb leng, loco 55. * Antwerpen, 1. Juni. Petroleum höher, disp. 18¾, per Juni 19, Juli 19¼, Aug. 19 3/4, Septbr. 191, Septbr.= Dezbr. 20⅝ fr. Kaffee unverändert, Verkäufe 498 B Rio zu 23 1 c, Haiti fester, 500 B Gonaives zu 32—32½ c und 300 B Jarmel zu 38g verzolt. Neueste Nachrichten. * Schwerin, 1. Juni. Die mecklenburgische LandesGewerbe= und Industrie=Ausstellung ist heute durch den Minister des Innern, Staatsrath Wetzell, feierlich eröffnet worden. Der Vorsitzende des Ausstellungskomités, Hofrath Bade, hielt die Eröffnungsrede, die mit einem Hoch auf den Großherzog schloß, alsdann erfolgte ein Rundgang durch die Ausstellung. * Paris, 1. Juni. Einer Meldung der„Agence Havas“ aus Hongkong zufolge, ist der französische Gesandte Tricou dort angekommen, aber sofort nach Shangai weitergereist, wo er mit Lihung Chang, dem Oberbefehlshaber in den südchinefischen Provinzen, eine Zusammenkunft haben wird. Paris, 1. Juni. Der„Gaulois theilt über Rivière's Tod Folgendes mit: Bei dem Ausfalle aus Hanoi theilt Rivière seine Truppen in zwei Hälften und avancirte mit 150 Marinesoldaten, während die andere Abtheilung von 250 Mann zu weit zurückblieb. Die Vorhut wurde durch eine große Anzahl Eingeborener überrascht und vernichtet; als die andere Abtheilung sich näherte, ergriffen die Schwarzen die Flucht, indem sie Rivière und 15 Marinesoldaten als Gefangene mit fortführten. Die Gefangenen wurden am nächsten Morgen gepfählt. * Paris, 1. Juni. Gestern wurde hier der Heirathsvertrag zwischen der Tochter des Barons Alphons v. Rothschild, Beatrice v. Rothschild, und dem Bankier Ephrussi vollzogen. Abends fand bei Alphons v. Rothschild ein großes Fest statt, bei welchem viele Diplomaten, im Ganzen circa 2500 Personen, anwesend waren. Die religiöse Trauung findet am 6. d. M. statt. * Moskau, 1. Juni. Das gestrige Fest im Adelsklub war von ungefähr 3000 Personen besucht. Das mit vornehmer Pracht ausgestattete Lokal war mittelst reizender Blumenarrangements und Springbrunnen in geschmackvollster Weise ausgeschmückt. Der Kaiser tanzte die Polonaise mit der Fürstin Trubezkoi und die erste Quadrille mit der Erzherzogin Karl Ludwig, die Adelsmarschälle, mit denen die Kaiserin tanzte, waren die Fürsten Bobrinski und Scheremetjew. Bei der Anund Abfahrt wurden die Majestäten von der zahlreich in den Straßen versammelten Volksmenge mit enthusiastischen Hochrufen und dem Gesang der Nationalhymne begrüßt. * Warschau, 1. Juni. Zum Nachfolger des verstorbenen Generalgouverneurs Albedinski ist Fürst Imeritinsky ernannt worden. Meteorologische Beobachtungen der„Deutschen Seewarte in Hamburg vom 1. Juni, Morgens 8 Uhr. London: warm. Bei im Allgemeinen wenig verändertem und gleichmässig vertheiltem Luftdrucke dauert über Centraleuropa das ruhige, vorwiegend heitere und trockene Wetter fort. Nur in Süddeutschland sind beträchtliche Niederschläge getallen, in Friedrichshafen 21, in München 25 mm. Die Temperatur ist meistens gestiegen und liegt in Deutschland fast überall über der normalen. Meteorologis sche Beobachtungen in Detmeld. gemeiner Witterungschairkter: 2. wolkig. Sonnen=Aufgang 3 U. 45., Untergang 8 U. 11 Mr. Mondes=Aufgang 159 Mrgs., Untergang 446 Nchm. Baumeistern, Haus= und Bauherren. Zur sicheren rationellen Tödtung des Hausschwamms empfehle das alleinig patentirte und prämürte kieselsaure Imprägnir= und Isolir=Material, bewährt in 100,000 Verwendungen und empfohlen durch div. Verfügungen höchster Militär= und Regierungsbaubehörden: Dr. H. Zereners Antimerulion.(Schwaum.) Herr F. Sielemann in Detmold und G. 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Wenn inzwischen der Bedarf befriedigt oder sonst weggefallen ist, wird um Abmeldung in gleicher Weise ersucht. 2. Alle Reisenden sind nach dem Rathhause bezw. an die Vorsteher zu verweisen, wo ihnen Arbeit nachgewiesen oder, wenn solche nicht vorhanden, eine Anweisung auf die Herberge des Vereins ertheilt wird. 3. Die Herberge des Vereins befindet sich vom 1. Juni ab Bruchstraße 29 im Hause der Volksküche. Die Reisenden, welche sich mit der Verpflegungsanweisung zu 2 daselbst einfinden, erhalten, und zwar die Vormittags bis 11 Uhr sich Meldenden Mittagsbrod, die Nachmittags Ankommenden Abend brod, Nachtquartier und Frühstück. Demnächst werden die Reisenden auf dem kürzesten Wege nach Wilhelmsdorf verwiesen. 4. Zum Rendanten des Vereins ist der Magistratsexpedient Bröker bestellt. Derselbe nimmt auf dem Rathhause während der Bureaustunden die Vereinsbeiträge an und verabfolgt dagegen unentgeltlich an die Mitglieder die an den Häusern anzubringenden Blechschilder mit der Inschrift„Verein Wilhelmsdorf". Auch nimmt Herr Bröker dort die Anmeldung neuer Mitglieder entgegen. Vorstand des Vereins Wilhelmsdorf in Stadt und Amt Detmold. „ in stets neuer Auswahl bei A. Schieferdecker. Tiefbohrungen auf jede beliebige Tiefe durch den härtesten Felsen, wie auch schon ausgemauerte Brunnen werden tiefer gebohrt, unter Garantie für genügendes Wasser von Pettenpohl, Detmold. Bohrmeister. Grabdenkmäler in Marmor und Stein, sowie sämmtliche Bildhauerarbeiten in Marmor, Stein, Stuck und Holz liefert in guter Ausführung und zu den billigsten Preisen K. Meier, Bildhauer, Detmold, Meiersfelderstraße. Kurtion. Im Auftrage des Herrn Bauunternehmer Ziesel werde ich am Montag, den 4. Juni cr., und darauf folgende Tage, Morgens 9 Uhr anfangend, auf dem Hofe der neuen Strafanstalt folgende Baumaterialien, als: ca. 550 Gerüststangen, ca. 1900 Gerüsthebel, ca. 1700 Gerüstbretter, diverse Schiebkarren, Steinkarren, Fahrbohlen, Leitern, Mörtelmühle, Stricke und Gerüstklammern, verschiedene Eisentheile und sonstige Gegenstände meistbietend gegen Baarzahlung verkaufen. Das Holzmaterial kann zu Neubauten gut verwendet werden und wird in einzelnen Partien zum Verkauf ausgesetzt. Herford, 29. Mai 1883. (420) Wilh. Strelo. Salomon& Oppenheimer, Bankgeschäft. Detmold 2. Juni 1883. Waaren-Versand-Magazin von C. H. Waldow, Hoflieferant, HAMBURG, a. d. Koppel 50. Versendet seine vorzüglichen selbst Importirten Caffees franco versteuert incl. Verpackung zu nachstehend billigen Preisen gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages, in Säckchen v. 94& Netto. 9#extra fein arab. Mocca M 15.20 9 fein fein Menado 14.25 9= brillant. Perl-Ceylon 13.30 9 vorz. gelb. 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Das langjährige Renommee des Hauses bürgt für reellste Bedienung.. die Vereinsbank in Berlin Actien=Gesellschaft: Grundcapital: 30 Millionen Mark;— emittirt u. vollbezahlt: 6 Millionen Mark, übernimmt die Besorgung des An= und Verkaufs börsengängiger Werthpapiere zum officiellen Tagescours der Berliner Börse, sowie die Ausführung fonstiger bank= und börsen. geschäftlicher Ordres, insbesondere auch die Ausführung von Börsen=Zeitgeschäften zu coulantesten Bedingungen. Die von der Bank in Ansatz gebrachte Provisio beträgt ausschließlich ein Zehntel Prorent. Die Einziehung von Ziuscoupons, vendenscheinen und ausgesoosten Stücken, so wie die Controse der Versogsungen, die Ein holung neuer Couponsbogen wird den Kunde der Bank kostenfrei unter Berechnung des Portos besorgt.— Verwerthung der in fremder Münze zahlbaren Coupons einige Zeit vor Verfall zum jeweiligen Börsen=Course. Lombard=Darlehne werden zu 65 bis 95pCt. des Courswerthes auf börsengängige Werthpapiere je nach Qualität der zu beleihender Effecten zu—6½ pCt. per annum frane Provision gewährt. Baar=Depositen werden zur Ver zinsung entgegengenommen, es be trägt dieselbe derzeit bei Rückzahlbarkeit ohne vorherige Kündigung 2 pCt., bei 2 tägiger Kündbarkeit 3 pCt., bei 14tägiger 3½ pCt., be 4 wöchentlicher 4 pCt. und bei 2monatlicher Kündbarkeit 4½ pCt. per Jahr, frei von allen Spesen.— Wechsel=Domici lirung; Giro=(Eheques= Verkehr. In dem Leipzigerstraße 95 parterre, befindlichen Wechselgeschäft der Bank wird der Umsatz von ausländischen Geldsorten, sowie vo Coupons, der An= und Verkauf von Effecten 2c.: zu coulantesten festen Coursen oder auch je nach Wunsch zur Verrechnung auf Grundlage des nächstfolgenden Börsencourses bewirkt, ebeno wird daselbst über Ausloosung von Effecten, üb Anlage in börsengängigen Werthpapieren 2c. bereitwilligst Auskunft ertheilt; letzteres geschieht auch auf an die Bank gerichtete mit Retourmarke versehene briefliche Anfragen. Baar=Einzahlungen für die Vereinsbaik nehmen alle Reichsbankstellen kostenfrei entgegen. Lippische Eisenbahn- und Postverbindungen vom 1. Juni ab. Detmold=Herford. Lage Salzuflen Sachussen Lage Detmold .46 8. 2 .20 .30 .20 .43 10.12 10.30 Postsendungen jeder Art werden von Detmold befördert mit den Postzügen.45., 12.15.,.46., Briefe außerdem mit den Zügen 5 V. und .0 N. Briefe sind bei dem Postamte in Detmold mindestens 30 Minuten vor Abgang der betr. Züge einzuliefern. Mit den Postzügen.45., 12.15.,.46 A. werden auch die Briefe befördert, welche 5 Minuten vor Abgang derselben in dem BahnhofsPostbriefkasten vorgefunden werden. Postverbindungen: