„Dir Lipptsche Landes-Zeitunge erscheint mit Ausnahme der Sona= und Festtage täglich und werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht. Redaction u. Expedition: Detmold, Leopoldstraße Nr. 117. Abonnementsprets für das Vierteljahr: In Detmold 2 Mark 25 Pf., auswärts durch die bezogen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M. Inserate werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet. Verantwortlicher Redacteur August Klingenberg. Druck und Verlag der Meyer'schen Hofbuchdruckerei(Gebr. Klingenberz) in Detmold. FO 47. Sonnabend, 24. Februar. 1009. Ein abgebrochener Wegweiser nach Canossa. Jetzt ist es wohl Jedermann klar, warum es so gewitterhaft in den Bäumen rauschte, als die Veröffentlichung der Antwortschreiben des Papstes im Anzuge war. Der alkront, welcher dem deutschen Kaiser in den beiden päpstlichen Briefen angethan wurde, war allerdings darnach um eine förmliche Revolution gegen den päpstlichen Uebermuth zu erzeugen. Die vatikanische Staatsschrift riecht durchwegs nach jener Selbstüberchebung, die einst die Depeschen Oliviers an den napoleonischen Gesandten Benedetti in Ems diktirte, nur brusquirt sie auf Umwegen, da sie keine Kanonen, sondern nur schlangenglatte diplomatische Waffen zur Verfügung hat. Wie doch die Augen des deutschen Reichskanzlers zornfunkelnd geleuchtet haben mögen, als er die beiden vatikanischen Schriften las. Jene vom 3. Dezember kann im vorliegenden Texte nicht einmal vollständig sein, denn der Eingang bezieht sich auf keine vorhergegangene Schrift, sondern nur auf eine Thronrede; letztere aber allein konnte schon nach aller althergebrachter Gepflogenheit ganz unmöglich Anlaß zu einem päpstlichen Schreiben sein. Indem der Papst in seinem zweiten Briefe sagt, er wolle gestatten, daß die Wahl neuer Pfarrer der Regierung notifizirt werde, schließt er von selbst das Recht der Regierung eines Einspruches gegen die vom Papst ernannten Geistlichen aus. Das wäre ja noch hinzunehmen, denn man könnte durch eine gegenseitige Toleranz Konflikte vermeiden. Dagegen macht aber der Papst die Permanenz der betreffenden„Gestattung" ausdrücklich von einer vollständigen und definitiven Revision der Maizesetze abhängig, wobei selbstverständlich einbegriffen ist, daß das Rezept hierzu vom Kardinalkoklegium in Rom geliefert oder doch vollständig gutgeheißen werden müßte. Kann man sich eine noch gebundenere Marschroute nach Canossa überhaupt denken? Nun aber kommt das gröbere und endlich das gröbste Geschoß. Nämlich: man habe mit obiger„Gestattung; jedoch verlangt, daß man gleichzeitig mit einer Modifikation der Maßregeln beginne, welche heute die Ausübung der geistlichen Macht und des geistlichen Amtes, sowie den Unterricht und die Ausbildung des Klerus verhindere. Die Ausübung der Macht kennen wir; sie reicht nicht blos hin, den Beamten zu exkommuniziren, der den Das Vonauweibchen. Aus dem Leben eines Künstlers von George Baron Dyherrn (Fortsetzung.) 5 Ein Entzücken ohne Gleichen überströmte ihn oft bei seiner Arbeit, beflügelte seine Hand, von der schöpferisches Leben ausging auf sein Werk. In diesen einsamen Stunden, nur ausgefüllt von dem Walten des Genies, der magnetischen Kraft, die von ihr zu ihm herüberwehte, den Gesprächen, die für diesen Ort und diese Arbeit paßten, traten sie sich näher und gelangten erst zur rechten Kenntniß ihres eigentlichen Wesens und Werthes. Sie hätten in der Ehe lange Jahre zusammen leben können, ohne je sich so kennen zu lernen. Und wer unbefangen in den wunderbaren Saal geschaut hätte, in dem Errha mit aufgelöstem Haar auf dem rothen Atlas des Divans saß, die Hände gefaltet im Schooß liegend, ihr unbewegtes, edles Antlitz auf den Meister gerichtet, seinen Mittheilungen über sein Studium lauschend, selbst wenig sprechend, über ihrem seitwärts geneigten Haupt von der Höhe der Wölbung die reichen Stoffe in schwerem Faltenwurf herabhängend, aus schwarzem Sammet, weißem Gyps oder Marmor hervorleuchtend, an rothgoldenen Schnüren farbenprächtige Gemälde die Wände bedeckend, die blanken Rüstungen, die alten, seltsam geformten Waffen geheimnißvoll aus den Nischen ins Auge blitzend, der hätte trotz all' des phantastischen Schmuckes, der schimmernden Zierrathen, die theils Luxus, theils das Bedürfniß hier verschwenderisch aufgehäuft, nimmer geglaubt, die Liebe hauche dort Seele in den Stein und glühe hinter dieser weißen Mädchenstirn, deren Mund so streng geschlossen oder so ernste Rede führte. Die hohen Feuster waren mit grünseidenen Vorhängen geschlossen, nur das eine, Errha gegenüber, ließ die Sonne hereinfließen. So trat ihr helles Bild wie aus einem Rahmen heraus. Geistlichen vor sein Forum zieht, wenn er sich der Rebellion gegen die Staatsgrundverfassung und das Staatsoberhaupt schuldig macht, sondern auch alle diejenigen, die im Konfliktsfalle dem Könige oder seinen Dienern Gehorsam leisten. Die Kirche bedürfte nur auf einige Jahrzehnte der vollen Freiheit in Beziehung auf den Unterricht und die Ausbildung des Klerus, um uns Legionen von Priestern herzustellen, die den schon von Pius IX. tausendfach verfluchten preußischen Staat in allen seinen Grundvesten erschüttern. Welch' freundliche und christliche Segenswünsche Leo XIII. speziell für die Protestanten und Freimaurer hat, deren Meister vom Stuhl der deutsche Kaiser ist, das kennen wir sattsam aus seinen Allokutionen an das Kardinalskollegium. Gebet der Kirche die von ihr verlangten Freiheiten und sie wird von Etappe zu Etappe darauf hinschreiten ihre selbständigen geistlichen Gerichtshöfe zu etabliren, welche Inquisition und Scheiterhaufen über diejenigen verhängen, die den gehaßtesten Feind der katholischen Kirche, nämlich den Protestantismus und respektive das bei ihm asylirte Freimaurerthum, nicht mit Stumpf und Stiel auszurotten geloben. Doch das Beste kommt am Schlusse des päpstlichen Briefes und hier lauert die List im Grase. Es ist nämlich gesagt:„Sobald über diese Punkte eine Verständigung hergestellt ist, wird es bei gegenseitigem guten Willen leicht sein, sich auch über andere nothwendige Dinge zu verständigen.“ Damit ist schließlich ausdrücklich und schwarz auf weiß angezeigt, daß, sobald alles Vorstehende bewilligt wäre, der Tanz dann wegen des Zubehörs und wegen sonstigem Anderen, was der Kirche nothwendig ist, erst recht losgeht. Und das also soll jenes Entgegenkommen sein, auf das der deutsche Kaiser in seinem letzten Schreiben rechnen zu können die Hoffnung aussprach? Das also ist die Erwiderung des Papstes auf die Ehre, die ihm der deutsche Kaiser erzeigte? Es darf nun wohl angenommen werden, daß von Seite des Kaisers diese Korrespondenz als beendet erklärt wird. Der thatsächliche Abbruch der Beziehungen geht nach Ansicht der ultramontanen Blätter selbst schon aus den Umständen hervor, indem es nicht zu den diplomatischen Gepflogenheiten gehöre einen derartigen Austausch über Meinungsverschiedenheiten zu veröffentlichen, wenn auch nur die geringste Hoffnung vorläge, sich noch zu verständigen. Die nun noch nothwendigen geschäftlichen Erledigungen zwischen dem deutschen Botschafter von „Wo endeten Sie gestern Ihre Mittheilung über den Gang Ihrer Studien?" fragte fie. Immer wieder führte sie ihn auf dies Thema zurück und wußte ihm jede Kleinigkeit aus seinem lernenden Leben durch ihre Theilnahme und kluges Eingehen werth zu machen, in seinen eigenen Augen sie zu erhöhen, sie als natürlich und vothwendig hinzustellen, auf der Bahn, die er verfolgte. Wo immer auch seine flüchtigen Gedanken umherschweiften, wie sehr er auch sich in das Anschauen der Geliebten versenkte— sobald Errha sprach, kam sein Geist in das Geleis, wohin sie ihn lenken wollte, und er erzählte ihr gern, er wurde beredt während seiner Arbeit. „Es war bei dem anatomischen Studiums, entgegnete er,„das für mich von ganz besonderem Interesse war. Ich hatte auf der Universität zu jeder Stunde Zeit; doch da die Mediziner früh Morgens ihr unheimliches Seziren an den Abends in den Saal geschafften Leichnamen begannen, so mußte ich für meinen Stift die Nacht benutzen.“ „Das ist ein schauerliches Studium!“ bemerkte Errha.„Bei Tagesschein spricht es sich gut davon, aber wenn es dunkelt, möchte ich nichts davon hören, ich würde mich fürchten!" „Das glaube ich nicht, Errha, Sie sind ein starkes und kühnes Weib!“ „Aber ein Weib! Fahren Sie fort, Ede!“ „Ich habe schon als Kind eine seltsame Reigung gehabt, Verstorbene zu sehen, und wo ein Geschiedener ausgestellt war, da ging ich gewiß, ihn anzuschauen. fürchtete mich also nicht, wenn die nächtliche Ampel ihr weißes Dämmerlicht über den schweigenden Körper warf, der vor mir auf der langen Marmortafel ausgestreckt lag. Ich vergaß, daß es ein Mensch gewesen, der dort ruhte, ein Mensch, der vielleicht verzweifelnd diese Hülle von sich geworfen— ein Selbstmörder, ich Schlözer und dem Kardinal Jacobini werden nun zweifellos nach dem Satze:„Kurze Haare sind bald gebürstet; sehr bald erledigt sein, und Herr von Schlözer dürfte sich nach einiger Zeit in ein anderes Klima begeben, schon seiner in Rom stark zu Schaden gekommenen diplomatischen Gesundheit zuliebe. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 22. Februar. Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 10½ Uhr. Am Ministertisch: Scholz, v. Goßler u. A. Auf der Tagesordnung steht zunächst die von der Kommission zu dem Klassensteuergesetz beschlossene Resolution, welche für die nächste Session die Vorlegung eines Gesetzes fordert, das die Einkommen= und Klassensteuer nach anderweiten Prinzipien regelt. Insbesondere soll die Leistungsfähigkeit derselben bei der Veranlagung berücksichtigt, und auf eine höhere Besteuerung des Einkommens aus Kapitalvermögen entweder im Rahmen der Einkommensteuer oder auf andere Weise Bedacht genommen werden. Das wirkliche Einkommen soll bei der Veranlagung ferner in höherem Maße als bisher festgestellt und zu diesem Ende vor Allem zu dem Grundsatze der Deklarationspflicht übergegangen werden.— Abg. Büchtemann beantragt einen Zusatz, demzufolge die Quotifirung der Einkommensteuer auf die reformirte Steuer Anwendung finden soll. In der Debatte erklärte sich Abg. Dr. Hänel gegen die Deklarationspflicht, die er event. nur auf das Kapitalvermögen beschränkt wissen will. Eine stärkere Heranziehung des fundirten Vermögens wünsche auch er und seine politischen Freunde, aber man dürfe nicht so weit gehen und eine neue Ungerechtigkeit schaffen. Redner empfiehlt den Antrag Büchtemann bezüglich der Quotisirung der Einkommensteuer und erklärte zum Schluß, im Ganzen gegen die Resolution stimmen zu wollen, die nur ein überflüssiger Ballast sei. Abg. Dr. Wagner bezeichnet die Resolution als das Minimum dessen, was die Konservativen zu fordern sich berechtigt glaubten. Ihm persönlich sei die Resolution nicht präzise, nicht scharf genug. Redner bedauert, daß der konservative Antrag auf stärkere Heranziehung des Kapitals zur Einkommensteuer nicht die Zustimmung der Majorität gefunden habe. Aber nicht blos das höhere Einkommen, auch das fundirte Einkommen müsse schärfer als bisher herangezogen werden. Es sei das eine Forderung der Gerechtigkeit, das Einkommen aus Kapitalbesitz anders zu bemessen, als das Einkommen aus selbständiger sah nur die edle Form des regungslosen Leibes, ich begriff jenen Ausspruch:„Nur in der vollkommenen Ruhe ist die reine Schönheit zu finden, nicht in der wechselnden Bewegung.“ Wie ein plastisches Kunstwerk, aus den Meisterhänden der schaffenden Natur hervorgegangen, erschien mir der Mensch, und ich saß Stunde auf Stunde in der Stille der Nacht mit dem Stift in der Hand, gebeugt über meinen Karton, Linie um Linie sorgsam zeichnend, bis dieser Körper vor mir auf dem Papier lag, lebend durch meine Kunst; denn ich scheute mich nicht, dem Kopf oder Arm oder Bein diese oder jene Wendung zu geben, als ob er lebendig und nur eingeschlummert sei. Da kam es vor, daß mir selbst das Haupt sank, die Hand mit dem Stift müde wurde und ich neben dem Leichnam einschlief. So fanden mich Prefessoren und Studenten am Morgen und weckten mich.“ Errha schauderte.„Nicht eben ist eines Künstlers Weg“, sagte sie;„viel Selbstüberwindung gehört dazu!“ „Ich glaube, ein wahres Talent bricht sich überall Bahn, wenn es auch oft an sich zweifelt. Meine Mutter wollte gerade das Gegentheil von Dem aus mir machen, was ich geworden bin; sie hielte es für ein Glück, wenn ihr Sohn mit Tausenden auf der breiten, bequemen Heerstraße einherginge, nicht zu schnell, nicht zu langsam, und doch behaupte ich, es ist ihr Blut in meinen Adern, was so heiß dahinrollt und mich aus der Bahn des Gewöhnlichen herausdrängt. Sie ist voll Sorge über meine Zukunft, sie denkt, ich greife nach Schatten, indeß wird sie sich überzeugen, und nächst Ihrer Liebe, meine Errha, wird die Anerkennung in den Augen meiner Mutter mein größter Lohn sein!“ Sie nickte ihm lächelnd zu.„Freuen Sie noch einen Lorbeerzweig zu den Füßen einer Mutter legen zu können!“ sagte sie dann bewegt. Thätigkeit. Der Sozialismus habe seine Berechtigung, und halte er es für ein Glück, daß unsere akademische Jugend heute mit einem erhöhten Staatsbewußtsein in das praktische Leben übertritt, mit dem später alle politischen Parteien werden rechnen müssen. Man müsse mit Rodbertus anerkennen, daß die moderne Technik den Gegensatz zwischen Arm und Reich erhöht, daß Armuth und Elend auf der einen, der Uebermuth und Ueppigkeit auf der andern Seite zugenommen. Dem gegenüber müsse es doch befremden, wenn man immer technische Schwierigkeiten erhebe, wenn es sich darum handelt, die Börse oder das Kapital überhaupt stärker als bisher zur Steuer heranzuziehen. Redner stellt sich auf den Boden der kaiserlichen Botschaft und sucht des Weiteren darzulegen, daß er sich bisher mit derselben in Harmonie befunden habe. Wenn er, so bemerkt er weiter, die kostbare Zeit des Hauses für diese Ausführungen so lange in Anspruch genommen, so liegt die Schuld daran, daß der Reichstag die Debatte über den Militäretat unverhältnißmäßig in die Länge gezogen. Man habe versucht, an der Heereseinrichtung zu rütteln, dieser Institution, welche Deutschland groß und mächtig gemacht hat. Abg. Dr. Windthorst: Er habe erwartet, daß der Vorredner seinen früheren Aeußerungen noch neue hinzufügen werde. Aber seine kühnsten Erwartungen seien übertroffen worden. Er halte den Vorredner zu seinen Ausführungen für vollkommen berechtigt, aber zurückweisen müsse er als unberechtigt die Angriffe auf den Reichstag. Es sei Niemanden in den Sinn gekommen, die Heeresinstitution als solche anzutasten, es habe sich nur um Ersparnisse gehandelt, wofür doch Niemand einen Vorwurf verdient. Gerade im Interesse der Aufrechthaltung der Institution seien Ersparnisse dringend nothwendig. Es wäre ihm sehr lieb zu wissen, wie weit die Herren Konservativen sich mit den Anschauungen Wagners in Uebereinstimmung befinden, denn Herr Wagner habe Grundsätze entwickelt, welche den Staat in seinem Fundament erschüttern müsse. Die kaiserliche Botschaft könne jeder Manchestermann Wort für Wort unterschreiben, ohne seine Grundsätze aufgeben zu müssen. Die soziale Frage würden die Herren Sozialprofessoren mit ihrer Weisheit nicht lösen, sie könne allein durch die Kirche gelöst werden, und deshalb sei es ein Fehler des Fürsten Bismarck, daß er die Bedeutung der Kirche für die soziale Frage nicht anerkennt. Die Abgg. Büchtemann, Rickert und Hänel weisen gleichfalls die Angriffe Wagners auf den Reichstag als unberechtigt zurück. Die Liberalen hoffen durch ihre Sparsamkeit der unteren Klasse mehr zu nützen, als Herr Wagner mit seinen unklaren Plänen. Mit leeren Phrasen werde man überhaupt nicht die soziale Frage lösen.— Abg. v. Rauchhaupt erkennt einen eigentlichen Widerspruch in den Ausführungen des Abg. Wagner mit den Konservativen nicht an; der Grundsatz, daß das Königthum die Aufgabe zur Lösung der sozialen Frage habe, und daß die unteren Klassen von dem Druck, der auf ihnen lastet, befreit werden müßten, widerstreite nicht den konservativen Prinzipien. Nachdem noch Abg. Stöcker ebenfalls den Standpunkt Wagners vertheidigt, wird der Antrag des Abg. Büchtemann abgelehrt und die Resolution angenommen. Das Haus geht über zur Berathung des Kultusetats. Die Einnahmen werden ohne Debatte bewilligt. Bei dem Ausgabeposten Ministergehalt 36,000 M nimmt das Wort der Abg. v. Schorlemer=Alst: Das im vorigen Jahre angenommene „Wir werden ihn auf das Grab Ihrer Mutter legen, Errha.“ Sie erhob sich.„Die Stunde ist um, Ede. Eins will ich Ihnen noch sagen: Ich halte es nicht mit der egoistischen, maßlosen Trauer um Verstorbene, sondern ich meine, die rechte Art, sie zu ehren, ist, daß man sich auch nach ihrem Tode ihren Rath erholt, so handelt, wie man es an ihrem Grabe stehend verantworten kann und glaubt, böse Thaten lasten schwerer auf denselben, als der Marmor, stören ihre Ruhe in der Erde. Ich habe meine Mutter gefragt, ob ich so thun darf, wie ich that, und sie hat es gebilligt.— Doch die Kunst ist heiter! brach sie ab,„und ich hänge Trauerflore in Ihr schönes Atelier.“ „Wollen Sie nicht einen Blick auf meine Arbeit werfen? Ich würde sie gern unter ihren Augen wachsen sehen.“ „Nein, Ede, ich zwinge mich, es nicht zu thun; eines Künstlers Schaffen muß frei und unbeeinflußt sein, erst vollendet werde ich Ihr Werk loben. Jetzt gehe ich zu Ihrer Mutter hinauf, ich bitte Sie, hier zu bleiben und weiter zu arbeiten, so viel Sie ohne Ihr Modell im Stande sind.“ Lange schaute er ihr nach, lauschte auf ihren Tritt auf der Treppe, hörte sie über sich im Gemach seiner Mutter schreiten. Es wollte ihm nicht gelingen, auf's Neue fleißig zu sein, doch er trat entschlossen an den Marmor. Sein Genius dort auf dem rothen Atlas war verschwunden. „Sonderbar“, sagte Frau von Domanin zu der Eintretenden, nich sitze hier am Fenster zwischen zwei Spiegeln, welche mich die Straße nach beiden Seiten übersehen lassen, ich habe nicht bemerkt, Errha, daß Sie ins Haus traten.“ Die junge Dame erröthete leicht bei dem prüfenden Blick, der schnell und blitzartig aus den schwarzen Augen der Frau kam, die dann ihre Handarbeit wieder aufnahm.„Sie sind blässer, als sonst“, fügte sie hinzu. Sie liebte es, ein getreuer Spiegel der Menschen zu sein, und sagte ihnen ohne Schmeichelei ins Gesicht, Gesetz habe den Frieden nicht herbeigeführt. Die Lage der katholischen Kirche sei nach wie vor unerträglich, man begünftige alle Elemente, welche die Katholiken auseinander sprengen können, zum Beispiel die Sozialdemokraten.— Minister Goßler: Friedensunterhandlungen waren im Gange, sie wurden gehindert durch das Verhalten des Erzbischofs von Breslau und durch die Agitation des Abg. Windthorst am linken Rheinufer Ende vorigen Jahres. Abg. Windthorst bestreitet ein Friedensstörer zu sein, den Frieden wollen Alle, der ehrwürdige Greis auf dem Throne, wie das Volk, nur die Regierung will ihn nicht. Minister Goßler betont, daß ein Widerspruch zwischen den Anschauungen des Monarchen und des Ministers nicht bestehe, und in Preußen überhaupt nicht bestehen könne. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Freitag 10 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung des Kultusetats. Schluß 4¾ Uhr. ** * Sitzung vom 23. Februar. Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung 10¼ Uhr. Das Haus tritt in die Fortsetzung der Berathung des Kultusetats ein. Abg. Reichensperger=Olpe beklagt allgemein die Lage der Kirche. Die Regierung suche nach Gründen, den Frieden mit der Kirche hinauszuschieben. Die Heranziehung der Vorkommnisse in Breslau und die Kritik der Windthorft'schen Agitation müssen zu diesem Zweck dienen. Die Kirche soll eine staatliche Polizeianstalt werden, wie das russische Popenthum. Die Katholiken können sich den Maigesetzen nicht unterwerfen. Auch die Kirche kann das nicht, denn sie ist eine Dienerin Gottes und muß frei bleiben, wenn sie anders dafür sorgen soll, daß die Religion dem Volke erhalten bleibe.— Abg. Stöcker: Die Mischehenfrage hat viel böses Blut gemacht und die friedlichen Bestrebungen gestört. Es ist unsein über die Erziehung von Kindern zu bestimmen, die noch nicht geboren sind. Auch ist es unrecht, daß die katholische Kirche alle Kinder aus Mischehen für sich beansprucht. Der Mann soll des Weibes Haupt sein, das erkennen ja auch Sie an.— Redner weist auf die Rede des Rektors der Berliner Universität Professor Dubois=Reymond hin, in welcher dieser den kraffesten Materialismus und Darwinismus bei der Geburtstagsfeier Friedrich des Großen gepredigt haben soll. Er bittet den Minister diesem Gelehrten das Unpassende seines Verhaltens bemerklich zu machen. Abg. Cremer(kons., früher Centrum): das Centrum sei nicht mehr wie früher prinzipiell und oppositionell. Sein Prinzip, Aufhebung der Maigesetze, habe es aufgegeben, oppositionell sei es geblieben. Man solle doch eine patriotische Politik machen, den christlichen preußischen Staat anstreben; ob freilich Herr Windthorst dazu der rechte Mann sei, sei zweifelhaft. Abg. Windthorst: Es ist immer zu bedauern, wenn ein Sohn, der das Haus verläßt, später auf das Haus schimpft. Es wäre wünschenswerth gewesen, wenn der Kultusminister der Rede des Rektors der Universität beigewohnt hat, daß er nach den geschilderten Worten der Rede sofort den Saal verlassen hätte. Abg. v. Schorlemer=Alst: Das Bündniß des Centrums mit Windthorst sei unlöslich und werde desto fester, je mehr man versuche, gegen Windthorst anzukämpfen. Abg. Hänel:(Fortschr.) Die kirchenpolitische Lage ist augenblicklich so dunkel, daß wir eine reservirte Haltung einnehmen müssen. Der Darwinismus schließt die Religiosität nicht aus, die ob sie schön oder häßlich seien, ob sie ihr gefielen oder nicht.—„Sie sind heute frisirt, wie ein Kakadu, Herr von P,— Sie sind ein recht hübsches Mädchen, Fräulein., aber Füße haben Sie in Ihren neuen Stiefeln wie ein Pfau,— mein Gott, was haben Sie denn mit Ihrer Nase gemacht, liebe Gräfin.? sie hat ganz das Aussehen, als ob sie erfroren sei,— grau steht Ihnen gar nicht zu Ihrem impertinent blonden Haar, Herr von ., Sie müssen schwarz tragen."— Solche Redensarten dienten nicht dazu, ihr die Menschen zu Freunden zu machen, denn die Meisten wollen einmal getäuscht sin und mögen die Wahrheit durchaus nicht bören. Wen Frau von Domanin in ihr Herz geschlossen — und es waren Wenige— der konnte auf sie bauen in jeder Lage, sie vertheidigte ihn wie ein Cicero, wenn er angegriffen wurde. Errha gehörte zu ihren Lieblingen, so rauh sie auch gegen sie sein konnte. Und das junge stolze Mädchen fühlte sich durch die Worte aus dem Munde der Freundin ihrer Mutter nie verletzt. „Wir wollen eine Spazierfahrt machen. Sie begleiten mich doch? fragte sie nach einer Weile, und ohne eine Antwort zu erwarten, drückte sie mit dem Fuß auf den Knopf unter ihrem Teppich und befahl dem eintretenden Diener, den Wagen zu bestellen. „Sie mischt sich so selten in den Corso der vornehmen Welt, der stets zu dieser Zeit in der großen Allee stattfindet", dachte Errha, sie hat mich noch niemals zur Begleitung aufgefordert. Ohne Zweck handelt die Kluge nie, oder sollte es doch eine Laune, ein Zufall sein?“ Frau von Domanin nahm ihren Arm.„Wollen wir meinen Sohn mitnehmen?“ fragte sie, an der Thür des Ateliers stehen bleibend, und jenes gütige Lächeln, das ihr ernstes Gesicht so bezaubernd machte, schwebte um Mund und Augen.„Es ist mir verboten, dies Heiligthum zu betreten, vielleicht weiß Ihre Stimme das Zauberwort, das uns die Pforte öffnet. Pochen Sie, oder rufen Sie, Errha!“ „Nein“, entgegnete sie und wich zurück,„wir wollen ihn nicht stören!“ Nun wußte sie, daß Ede's Mutter natürliche Fortentwicklung bleibt wunderbar und unerforschlich, selbst wenn man Darwins Lehre anerkennt. Dieser große Gelehrte ist von den Engländern, deren Kirchlichkeit Herr Stöcker so hoch anschlägt, in WestMinster bestattet. Kultusminister v. Goßler erklärt, daß er sich nicht veranlaßt finde, gegen den Rektor der Universität einzuschreiten. Im weiteren Verlauf der Debatte verlangt der Abg. Windthorst Auskunft, ob der letzte Brief des Pepstes beantwortet ist und in welchem Sinne. Minister v. Goßler entgegnet, daß der Brief beantwortet sei, in welchem Sinne könne er nicht mittheilen, da es nicht üblich sei, den Inhalt von Briefen bekannt zu machen, bevor diese nicht an den Empfänger gelangt sird. Die Debatte wird geschlossen. Aus den persönlichen Bemerkungen zwischen den Abgeordneten Stöcker und Hänel ist zu konstatiren, daß ersterer die Rede des Universitätsrektors nur aus Zeitungsberichten kannte. Im weiteren Verlauf der Debatte wies der Abg. v. Minnigerode auf den kirchlichen Nothstand in Berlin hin, wo die Kirchensteuer erdrückend sei. Abg. Langerhans(Fortschritt) bestreitet jeden kirchlichen Nothstand in Berlin, während sein Fraktionsgenosse Abg. Knörcke einen solchen anerkennt.— Beim Etat der Bisthümer verlangt Abg. Windthorst vom Minister Antwort, ob dieser nicht die Sperre im Bisthum Köln aufheben wolle, und als der Minister nicht sofort antwortete, erklärte der Redner, das Verfahren der Regierung sei eine eiserne Härte. Minister v. Goßler protestirt dagegen, daß aus seinem Schweigen Schlüsse gezogen werden. Es sei kein einzelner Redner berechtigt, von der Regierung eine Antwort zu erzwingen. Nächste Sitzung Sonnabend 10 Uhr. Tages=Ordnung: Fortsetzung der Etatsberathung. Schluß 5 Uhr. Deutsches * Berlin, 23. Februar. Der Kaiser ließ sich heute Mittag diejenigen Feuerwehrmannschaften vorstellen, die sich im vergangenen Jahre besonders ausgezeichnet haben, wohnte um 1 Uhr der Hauptprobe zu dem Kostümfeste im Schlosse bei, empfing heute Nachmittag den Staatsminister Grafen Hatzfeldt zum Vortrage und darauf den Fürsten von Reuß, dem zu Ehren heute Abend größere Tafel stattfindet. *— Die spanischen Grenzzollämter haben von Madrid aus Anweisung erhalten, den deutsch=spanischen Hande svertrag als bis zum 15. März verlängert anzusehen. *— Die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses beschäftigte sich in zwei längeren Sitzungen ausschließlich mit einer Petition des Centralvereins für Körperpflege zu Düsseldorf, welche lautet: „Das hohe Haus wolle die königliche Regierung ersuchen, nach dem Vorbilde der Unterrichtsverwaltung von ElsaßLothringen eine Kommission von Aerzten behufs Erstattung eines Gutachten über das höhere Schulwesen Preußens einzusetzen, um auf Grund desselben die genügenden Maßnahmen zur Verhütung einer für die gebildete Jugend Deutschlands immer drohender werdenden Gefahr des körperlichen Rückgangs mit all seinen traurigen Folgen zu treffen.“ Wir haben schon in Nr. 45 dieser Zeitung mitgetheilt, daß die Petition der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen wurde; aber bei dem Interesse, welches die Bestrebungen des Centralvereins für Körperpflege allenthalben, und namentlich in Westfalen und Rheinland gefunden haben, dürfte auch noch ein ausführlicherer Bericht unseren Lesern erwünscht sein: ihr Geheimyiß ahne. Sie vergaß alle Unbill und unterhielt sich lebhaft mit der mütterlichen Freundin, die ihr sorkarstische Bemerkungen über einzelne Vorüberfahrende zuflüsterte und voll Humor war. Nicht ohne Staunen sah man Frau von Domanin und Fräulein Doliwa zusammen in der Equipage sitzen, Jene noch immer den Titel„pikante Schönheit", den ihr die Herren gegeben, rechtfertigend, ganz in schwarze Spitzen gehüllt, das kleine Hütchen mit langem Schleier nach Art des venetianischen Kopfputzes auf dem vollen Scheitel, diese im Glanz ihrer jugendlichen Schönheit wie eine weiße Rose anzuschauen. Ede's Mutter nickte heute in liebenswürdigster Weise vielen Bekannten zu und warf scherzende Worte in die vorüberfahrenden Carossen. Sie hatte offenbar eine geheime Freude an dieser Fahrt. „Es ist ein lustiges Spießruthenlaufen“, sagte sie; „man sammelt hier Stoff zur Moquerie für den Abend, man winkt sich freundschaftlich zu und möchte sich wegen einer glänzenderen Toilette, wegen edlerer Pferde kratzen! ach, die Katzen, die Katzen! Aber mich amüsirt es heute! Dort sprengt Graf Graßwang heran, ich weiß, Sie mögen ihn nicht leiden, seien Sie aber liebenswürdig gegen ihn. Ihr Bruder interessirt sich für seine Schwester." Errha faßte mit der Hand ihren Sonnenschirm fester. Schon war der Kavalier am Wagen.„Darf ich der seltenen Ehre theilhaftig werden, die Damen, die unseren Corso in der Regel verschmähen, zu begleiten? fragte er, sich tief verneigend. „Je seltener, um so höher ist das Vergnügen für uns! bemerkte Frau von Domanin.„Der Corso ist ja wohl Ihre Domaine, Graßwang? Die Seele würde ihm mit Ihnen fehlen.“ „Entzückt, gnädigste Frau, über Ihr Lob, entzückt!“ Errha hatte sich schweigend verhalten, jetzt färbte eine lebhafte Röthe ihr weißes Gesicht, ein Entschluß lag in ihren Augen und gab ihnen einen fieberhaften. Gianz (Fortsetzung folgt.) Die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses verhandelte in ihrer Sitzung am 15. Februar die Frage wegen der Gesundheitspflege und der körperlichen Ausbildung der Schüler an höheren Schulen auf Grund der eingegangenen Petitionen. Referent Abg. Dr. Kropatschek stellte, nachdem er den Inhalt der verschiedenen Petitionen, welche zur Untersuchung der Frage eine medizinische Kommission berufen wissen wollen, vorgetragen und die Motive dazu einer Erörterung unterzogen hatte, den Antrag, die Petitionen der königl. Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweifen; er behauptete zwar, wenn ein Rückgang in der Gesundheit der Schüler stattgefunden habe, so trage die Schule die geringste Schuld; auch wäre es die Frage, ob eine solche Kommission greifbare Früchte bringe, aber es habe diese Frage einmal eine Bewegung in weiten Kreisen hervorgerufen und deshalb stelle er den Antrag auf Berücksichtigung, damit die Beschwerden, welche in dieser Beziehung erhoben würden, gründlich untersucht, event. zurückgewiesen würden. Der Regierungskommissar, Geh. Rath Dr. Bonitz, ging ausführlich auf die Anklagen ein, welche man gegen die Schulen erhoben habe, wie dies auch die Petitionen thäten. Der hohe Prozen satz der militärisch Untauglichen aus den höheren Schulen sei sehr vorsichtig aufzunehmen; auch die Ersatzkommissionen hätten eine erhebliche Mehrzahl der Untauglichen aus diesen Kreisen gegenüber anderen nicht konstatiren können. Uebrigens fänden nach dieser Richtung hin jetzt Erhebungen statt. Es werde an allen höheren Anstalten geturnt, durchschnittlich zwei Stunden wöchentlich im Sommer, die Dispensationen von diesem Unterrichte wären verhältnißmäßig gering, sie bewegten sich nach den einzelnen Provinzen zusammengestellt zwischen—15 Prozent. Die Leistungen der höheren Schulen ständen hinter anderen Schulen nicht zurück. Die Spiele der Jugend würden freilich oft durch polizeiliche Maßnahmen unmöglich gemacht, wozu ein drastisches Beispiel angeführt wurde. Daß Schüler höherer Schulen in größerer Zahl der Geistesstörung verfielen, sei durchaus nicht erwiesen. Trotzdem verfolge die Unterrichtsverwaltung diese Frage eifrig, namentlich sehe sie darauf, daß die Schüler nicht mit häuslichen Arbeiten überhäuft würden und daß diesen Arbeiten in der Schule auch angemessen vorgearbeitet werde. Es seien deshalb auch Berichte ven den Provinzialschulkollegien eingefordert und die Oberpräsidenten hätten dieselben begutachtet. Der größere Theil dieser Berichte stelle die Ueberbürdung in Abrede, andere hätten eine solche jedoch zugegeben und diese Ansicht begründet. Von diesen Begründungen habe sich die Unterrichtsverwaltung bei Festsetzung der Lehrpläne und der Erläuterungen dazu wie der Prüfungsordnung mit leiten lassen. Die Ueberbürdung trete meist nur hervor an Schulen mit großer Frequenz. namentlich in großen Städten, bei Schulen mit geringerer Schülerzahl, an welchen die Lehrer einander näher kennen und auch den Schülern näher stehen, komme eine Ueberbürdung überhaupt nicht vor. Nach dem Erscheinen des Gutachtens der elsaß=lothringischen Kommission habe im Ministerium eine eingehende Berathung stattgefunden, wozu auch die Medizinal= und die Bauabtheilung zugezogen gewesen sei. Einzelne Punkte, die besonders gravirend erscheinen, seien darauf der wissenschaftlichen Deputation, der u. A. auch Professor Dr. Virchow angehöre, zur Begutachtung vorgelegt. Als Grundlage für dieses Gutachten habe die Unterrichtsverwaltung eine Denkschrift ausgearbeitet, von der einige Exemplare vertheilt wurden. Bei dieser Sachlage müsse die Unterrichtsverwaltung auf die Berufung noch einer besonderen Konferenz verzichten. Eine nur aus Medizinern bestehende Kommission könne auch die pädagogische Seite nicht so berücksichtigen, wie dies hier nöthig sei.— Von anderer Seite wurde wiederum hervorgehoben, daß, wenn die Resultate einer solchen Kommission auch nicht groß sein könnten, durch dieselbe doch manche Aufklärung und Beruhigung herbeigeführt werden könne. Es sei hier noch Manches zu thun, die Turnstunden müßten vermehrt, fachlich ausgebildete Lehrer angestellt, Turnhallen und Spielplätze eingerichtet werden, aber wie sollten die Kosten gedeckt werden? Auch beim Unterricht sei noch Vieles zu beobachten, die Methode lasse namentlich in den unteren Klassen viel zu wünschen übrig, nicht die philologische, sondern die pädagogische Bildung der Kandidaten müsse beim zukünftigen Lehrer in den Vordergrund treten.— In Betreff des Turnunterrichts, betonte ein anderer Redner, müßte mehr persögliche Einwirkung durch Inspektionen von den höheren Stellen aus geübt werden. Es wurde dann für eine gemischte Kommission gesprochen und einige der dort zu behandelnden Fragen wurden formulirt. Von konservativer Seite wurde motivirte Tagesordnung vorgeschlagen. Die Verhandlungen wurden jedoch mit Rücksicht darauf, daß die heute überreichte Denkschrift etwa neue Momente für die Verhandlungen böte, auf die nächste Sitzung vertagt. *— Der Reichskanzler muß, wie die„Schl. Ztz“ meldet, seine amtliche Arbeit auf drei bis vier Stunden täglich beschränken, und diese werden vorzugsweise von auswärtigen Angelegenheiten in Anspruch genommen. Für die inneren Angelegenheiten bleibt daher dem Reichskanzler nur sehr wenig Zeit übrig. Wie glaubwürdig verlautet, glaubt Fürst Bismarck nicht in der Lage zu sein, die Arbeit in inneren Angelegenheiten in vollem Maße überhaupt wieder aufnehmen zu können. Der für die Regierung wenig befriedigende Gang, den die öffentlichen Angelegenheiten im Augenblcke nehmen, mag für din noch immer von seiner Krankheit nicht ganz genesenen Reichskanzler gleichfalls wenig Aufmunterndes haben. *— Die Staatsregierung beabsichtigt, wie wir erfahren, dem Landtage in seiner gegenwärtigen Session noch einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die Gerichtskostenerhebung bei Zwangsversteigerungen und bei Zwangsverwaltungen von Gesenständen des unbeweglichen Vermögens im Geltungsbereich des in der Berathung befindlichen Gesetzes über die Zwangsvollstreckung einheitlich reguliren wird. Der Kostenbetrag soll etwas niedriger bemessen werden, als er gegenwärtig zur Berechnung kommt, auch werden die ziemlich hohen Schreibgebühren künftig richt mehr erhoben werden. *— Die„Wes. Zig" schreibt: Der Beschluß des Bundesraths über die Verordnung betr. das Einfuhrverbot von Schweinen u. s. w. aus Amerika setzt voraus, daß auch die Zollausschlüsse Bremen und Hawburg das Einfuhrverbot für den inneren Verkehr in Kraft setzen und Vorkehrungen treffen, daß die Einfuhr der„Trichinen des armen Mannesn nur für den Zwischenhandel und zur Verproviantirung der Schiffe verwendet wird. Es trifft sich übrigens gut, daß in demselben Augenblick, wo die Einfuhr von amerikanischen Schweinen 2c. untersagt wird, die strengen Maßregeln gegen die Einfuhr russischer Schweine eine erhebliche Minderung erfahren. An der russischen Grenze genügt es nach dem neuesten Eclaß der Regierung in Gumbinnen, daß die einzuführenden Schweine thierärztlich untersucht werden. Es wäre von Interesse zu erfahren, ob die Russen es in der Schweinezucht zu größerer Vollkommenheit wie die Amerikaner gebracht haben. Die Washingtoner Regierung ist mit ihrem Antrage auf Untersuchung der Angelegenheit etwas zu spät gekommen. *— Bei der Abstimmung über die Forderung von 16000 M Diäten und Reisekosten des preußischen Volkswirthschaftsraths mußte es sehr auffallend erscheinen, daß's auf ein einziges Mitglied, Graf von Schmiesing=Keissenbrock, das Centrum geschlossen mit der Linken stimmte, während die hochschutzzöllnerischen Mitglieder der nationalliberalen Partei, unter Führung des Herrn v. Cuny, den Herrn v. Bennigsen im Stich ließen. Die neuesten römischen Nachrichten scheinen das Centrum überzeugt zu haben, daß kein Grund vorliegt, auf die Wünsche der Regierung Rücksicht zu nehmen. *— Der Kaiser=Wilhelmsspende sind nach dem letzten Jahresabschluß bereits 4600 Mitglieder beigetreten, die insgesammt eine Einlage von 552000 M geleistet haben. * Bremen, 21. Februar. Gestern ist der Hauptvertreter des liberalen Protestantismus im Nordwesten, Pastor Dr. Marchot, nach Hamburg übergesiedelt, wo die Aufgabe der Bildung einer neuen Pfairgemeinde in einem der jüngsten Stadttheile, des schönen Uhlenhorft, ihn erwartet. Seine Freunde und Verehrer gaben ihm vorgestern ein stark besuchtes Abschiedsmahl, bei welchem der Domsenior und Vorsitzer de des hiesigen Protestantenvereins, Pastor Frickhöffer, die Verdienste des scheidenden Kollegen treffend charakterisirte und der Bürgerschaftspräses Heinrich Claussen die Bedeutung des liberalen Protestantismus für das nationale Leben würdigte. Manchot überläßt die eine der beiden Funktionen seiner Führerschaft, die Leitung des Protestantenblatts, einem Konsortium hiesiger Gesinnungsgenossen; die andere nimmt er mit nach Hamburg, wird sie dort aber an einen dazu bereiten und geeigneten Kollegen abtreten, da ihm selbst vorläusig keine Zeit bleibt, nämlich die Geschäftsführung des nordwestdeutschen Protestantenvereinsverbandes. Hier wird man seine wachsame und umsichtige Wahrnehmung der liberalen Interessen auf kirchlichem Gebiet noch oft vermissen. Der Sache im Allgemeinen kann seine erfahrene Mitwirkung ja auch durch das absorbirendste Amt nicht ganz verloren gehen. (N. Ztg.) Frankreich. * Paris, 22. Februar. Die heute in der Deputirtenkammer verlesene Ministererklärung erbittet von der Kammer Vertrauen und weist auf die Schwierigkeiten der parlamentarischen Lage hin. Vor Allem müsse der Zwischenfall geschlossen werden, der die Einigkeit gestört. Die erste Sorge des neuen Kabinets werde sein, dem Wunsche der Kammer durch Anwendung des Gesetzes von 1834 zu entsprechen. Die Republik könne nicht ohne Vertheidigung bleiben, noch sich einem Laisser=faire hingeben, ohne jedoch die wesentlichen Freiheiten zu verletzen. Das Kabinet werde Maßregeln beantragen zur Regelung des Ausruf= und Anschlagewesens. Das Land verlange Reformen und Maßregeln, die zum festen Einwurzeln der Republik dienten, welche die definitive und nothwendige Regierung sei und keinen agicatorischen und provisorischen Charakter haben dürfte. Man müsse der Republik ein festes Terrain durch ein verständiges System geben, welches aufreizende Fragen und unfruchtbate Diskussionen beseitige und der Regierung die ihr gebührende Initiative zu dringenden Resormen ließe. Hierzu gehörten das Gesetz über die Magistratur, Militärgesetze, Gesetze gegen die Rückfälligen, und das Gesetz über die Gewerbesyndikate. Die Regierung werde demnächst das Budget für 1884 vorlegen und die Verhandlungen mit den Eisenbahngesellschaften eröffnen. Die Ausführung öffentlicher Arbeiten erleichterten ferner die beabsichtigten Vorlagen über die Organisirung des Protektorats über Tunis, welche die Kosten der Okkupation vermindern. Die auswärtige Politik der Regierung könne wie seit 12 Jahren nur die des Friedens sein. Der Frieden sei das jenige, was der Staat in erster Linie bedürfe. Daraufhin gehe auch das ernste Streben der Demokratie, indessen sei eine friedliche Politik noch keineswegs eine Politik der Unthätigkeit. Ueberall, wo unsere Interessen und unsere Ehre engagirt sind, wollen und müssen wir Frankreichs Rang behaupten, welcher ihm zukommt. Gerade um dem Vaterlande eine moralische Autorität und Vertrauen unter den Völkern zu geben, ist es wichtig, Europa den Anblick einer Regierung zu gewähren, die auch über den nächsten Tag gesichert und besser gegen Faktionen jeder Art gewaffnet ist, der Anblick einer starken Verwaltung, die von der parlamei tarischen Republik respektirt wird und sich auf jene drei Dinge stützt, die wesentlich dem französischen Volke eigen, nämlich gesunder Menschenverstand, Arbeit und Liebe zum Fortschritt.(Beifall) * Cannes, 22. Februar. Verdächtige Personen näherten sich gestern in der Kirche dem Premier Gladstone, wurden aber durch Detektives rechtzeitig verscheucht. Britisches Reich. * London, 22. Februar. Wie die„Daily Newsu wissen will, würde die Donaukonferenz ihre Arbeiten Mitte der nächsten Woche beenden. Amerika. * Newyork, 21. Februar. Aus Hongkong hier eingegangenen Nachrichten zufolge hat das amerikanische Kriegsschiff„Ashuelot“ in den dortigen Gewässern Schiffbruch gelitten, wobei elf Mann der Besatzung umgekommen sind. dem Fürstenthum Lippe und Umgegend. * Detmold, 24. Februar. Im Laufe des gestrigen Tages ist Ihre Durchlaucht die Fürstin Wittwe Elisabeth von Rudolstadt wieder hierher zurückgekehrt. * Detmold, 23. Februar. Man hört aus verschiedenen Gegenden des Landes, daß in diesem Jahre die Nachfrage nach Ziegelarbeitern wieder eine größere und die Aussicht auf Verdienst eine bessere sein soll, als in den Vorjahren. Bei der hohen Bedeutung, welche das Ziegelgewerbe für die Gesammtwohlfahrt unseres Landes thatsächlich besitzt, wollen wir hoffen, daß obige Nachrichten sich bewahrheiten werden. Vielleicht wird dem Leserkreise der Landeszeitung von besserunterrichteter Seite demnächst eine genauere Mittheilung gemacht. * Bielefeld, 23. Februer. Ueber den Stand des Projekts einer hier zu errichtenden Wasserleitung interpellirte in der jüngsten Stadtverordnetensitzung Herr Kommerzienrath Delius den Oberbürgermeister, und dieser führte in seiner Antwort aus, daß in der Sache unaus gesetzt gearbeitet werde; die regelmäßig stattfindenden Wassermessungen erfordern jedoch monatelange Beobachtungen und Vergleichungen, um über die zu erwartende Menge ein einigermaßen verläßliches Urtheil zu gewinnen. Auch die Berechtigung der Ableitung des Wassers nach der Stadt sei sorgfältigen Erwägungen und Verhandlungen unterzogen worden. Das Resultat einer inzwischen abgehaltenen Umfrage bei der Bürgerschaft wegen Betheiligung an der Wasserleitung sei kein günstiges gewesen, indem nur etwa 26 Prozent sich dafür erklärt hätten. Man habe dieses aber kaum erwarten können, da erfahrungsgemäß solch großartigen Unternehmungen, so lange sie noch in Vorbereitung sich befinden, mit Zurückhaltung begegnet wird. In 2 bis 3 Wochen hofft der Magistrat der Versammlung eine umfassende Vorlage unterbreiten zu können, auch hat der die Arbeiten leitende Ingenieur Schmidt sich bereit erklärt, in der Stadtverordnetenversammlung zu erscheinen und ein eingehendes Referat über die Sache zu geben.(W. Ztg.) * Bückeburg, 23. Februar. Dem im Schlosse zu Stadthagen refidirenden erbprinzlichen Ehepaare ist heute Vormittag gegen 11 Uhr ein Sohn geboren worden. Ihre Durchlaucht der Fürst und die Fürstin hatten sich schon heute früh nach Stadthagen begeben. Aus Anlaß dieses Geburtsfalles, der im ganzen Lande freudige Erregung hervorgerufen hat, ist die Stadt festlich beflaggt und öffentlich bekannt gemacht, daß heute Abend illuminirt wird. * Soest, 21. Februar. Mit der Errichtung der Zuckerfabrik hier scheint es nun schnell voranzugehen. Die Submission auf die Anfertigung der Bauarbeiten sowie der nöthigen Materialien ist bereits vom Regierungsbauführer Sümmermann ausgeschrieben. Der Schlußtermin der einzuliefernden Offerten ist auf nächsten Dienstag festgesetzt. Anfrage. Vor mehreren Monaten wurde hier öffentlich aufgefordert, einem zu bildenden Zweigvereine für Wilhelmsdorf beizutreten. Seitdem hat man nichts von der Sache gehört. Welches Hinderniß steht im Stadt= oder Amtsbezirke dem Zustandekommen eines solchen Vereins entgegen, nachdem in anderen Bezirken des Landes vor langer Zeit schon Zweigvereine Thätigkeit getreten sind? Neueste Nachrichten. * Berlin, 23. Februar. Die gestrige Rede Windthorsts läßt arch das Bestreben erkennen, einen Gegensatz zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Bismarck, als dem Leiter seiner Politik, herzustellen und letzteren persönlich als den eigentlichen Feind des Kirchenfriedens zu bezeichnen. Die Kirchenfrage wird hier zugleich für den zwischen dem Reichskanzler und dem Rathgeber und Agitator der Welfenpartei bestehenden politischen Gegensatz ausgenutzt. Daß die Stellung des Reichskanzlers durch Hrn. Windthorsts Angriffe nicht erschüttert werden wird, liegt auf der Hand. Immerhin kann aber die Debatte über den Kultusetat, die sich voraussichtlich mit der nämlichen Heftigkeit fortsetzen wird, zu Folgen führen, welche weit über den Rahmen des zur Berathung stehenden Kultusetats hinausgehen. * Paris, 23. Februrr. Es verlautet, die Dekrete betreffs der Agwendung des Gesetzes von 1834 wegen Versetzung der Prinzen in Disponibilität werden vom „Journal officiel“ morgen veröffentlicht werden. Dieselben betreffen nur die Herzöge von Chartres und Alencon, nicht den Herzog von Penthièvre, der nicht mehr im aktiven Dienst sich befindet, auch nicht den Prinzen Roland Bonaparte, den man nicht zu den Prätendenten zählt. * Madrid, 22. Februar. Brieflichen Nachrichten aus Manila zufolge hat auf einem Dampfer, welcher zwischen den verschiedenen Inseln den Verkehr vermittelt, eine Explosion stattgefunden, in Folge deren gegen 100 Personen ums Leben gekommen sein sollen. Für den Inseratentheil verantwortlich: A. Mewes in Detmold. Holzverkäufe in den Fürstlichen Forsten. Forstrevier DiestelbruchBexten. Am Mittwoch d. 28. d. M. Morgens 10 Uhr sollen im Falkenkruge bei Detwold versteigert werden: a. aus d. Fstdst. Mischerholz, Helberg, Brennelse u. Altehain an Fichten=, Lärchen= und Kiefernholz: 190 Stck. Rtzhz. zu 100,84 fm, 16 rm dgl., 527 Stg. I. bis III Kl., 135 Stg. IV. u. V. Kl., 850 Stg. VII. und VIII. Kl., 21 rm Kl. und Kn. ungek. und 230 rm Dchfst.=Rig.; b. aus d. Fstdst. Brokerholz u. Johannettenthaler Eichholz 149 Stck. EichenNthz. zu 146,81 fm. Detmold den 19. Februar 1883. Der Oberförster Schmidt. Holgeräse im Forstrevier Sternberg. I. am Mittwoch d. 28. d.., Nachm. 1 Uhr, in der Brandes'. schen Gastwirthschaft zu Bösingfeld aus den Forstd. Wolfeberg, Schiernegge, Dachsberg, Selle, Staatswittelse u. Eimkeregge: a an Eichenholz: 11 Stck. Nutzh. zu c. 9 fm, 8 rm Kl. u. Kn. u. 10 rm Astr.; b. an Buchenholz; 2 Stck. Nutzh. zu 1,36 fm, 70 rm Kl. u. Kn., 25 Hfn. Astr. und 15 Hin. starkes Durchf. Reisig; c. an Fichtenholz: 5 St. Nutzh. zu 2 fm, 33 Stau..—IV. Cl., 13 Hfn. Nutz= u. Knüppel holz von ungek. Stgn. und 200 rm Durchf. Reifig; d. an Erlenu. Birkenholz: 20 fm Nutzh., 49 rm Kl. u. Kn. u. 36 Hfn. Astreisig. II. am Sonnabend d. 3. März d.., Morgens 11 Uhr, im Rathskeller zu Alverdissen aus den Forstd. Gr. Alverd. Egge, Streitbusch, Devessiek, Gr. Riegelfeld, Lehmkahle u. Bodenholz: a. an Fichtenholz: 81 Stck. Bau= u. Schneidh. zu 53 fm; 450 Stck. Stau. I. bis IV. Cl. u. 15 rm Kn. in Hfn. von ungek. St.; b. an Eichenholz: 68 rm Kl., 61 rm Ku., 57 rm Stockholz u. 250 rm Astr.; c. an Buchenholz: 24 rm Knüppel. Sternberg, d. 22. Februar 1883. Der Oberförster F. Heise. Eichen=u. Buchennutzholz=Verkauf im Salzufler Stadtforste. Dienstag, den 27. Februar c. sollen in den Forstorten Echternbrede, Großeholz und Loose öffentlich meistbietend verkauft werden: 360 fm Eichennutzholz in 345 Abschnitten, 38 fm Buchennutzholz in 35 Abschnitten und 45 rm ger. Eichennutzholz in 21 Haufen. Der Verkauf beginnt Morgens 10 Uhr in der Echternbrede an dem von Herford nach Wüsten führenden Wege. Salzuflen, den 14. Febr. 1883. Der Magistrat. Ringsdorf. Die Stadt Horn beabsichtigt, im städtischen Forste in der Schüsselgrund einen oder zwei Kallosen zu verpacht n, wozu Unternehmungslustige eingeladen werden. Der Termin zur Verpachtung ist auf Mittwoch, den 28. d.., Vorm. 11 Uhr festgesetzt worden. Horn, 22. Februar 1883. Der Magistrat. S. Capelle. Zur Nachricht für die Ziegelmeister! Das übliche Anschreiben der Ziegelarbeiter geschieht für dieses Jahr: 1) Dienstags und Freitags in Lage beim Herrn Wirth Brinkmann. 2) Donnerstags in Lemgo beim Herrn Gastwirth Harke. 3) Mittwoch, den 21. März beim Herrn Gastwirth Fr. Junker in Schötmar. Lage, den 22. Februar 1883. A. hanke. Lebensversicherungs-& Ersparnissbank in Stuttgart. Im Jahre 1882 waren zu erledigen 4454 Anträge auf Todesfall und Aussteuer mit KK 25,680,500. In Kraft waren im Laufe des Jahres 44,077 Pol. auf Todesfall und Aussteuer mit„ 199,691,600. Gestorben sird auf Todesfall versichert: 500 Personen mit........„ 2,463,300. incl. 21 Selbstmordfälle mit K 280,257. Versicherungsstand per 31. Dezember 1882: auf Todesfall und Aussteuer 42,500 Policen mit...... K 193,227,500. Reiner Zuwachs im Jahre 1882 auf Todesfall und Aussteuer 2030 Policen mit„ 13,847,500. Die Rechnungsergebnisse sind noch nicht fertig gestellt, werden aber ein günstiges Nesultat liefern. Aller Gewinn fließt voll und ungeschmälert den Versicherten zu. Die seit 24 Jahren zur Vertheilung gebrachten Dividenden bewegten sich zwischen 33—46% für die lebenslänglich Versicherten, und zwischen 40—60% für die alternativ Versicherten, nach Maßgabe der lebenslänglichen Prämie. Die Dividende kann von Anfang an in vollem Betrage oder in successive steigender Weise bezogen werden. In ersterem Falle wird die Prämie alsbald aufs niedrigste Maaß reduzirt, bei dem steigenden Dividendenbezug aber nach 5 Jahren, 10 Jahren, 20 Jahren, 30 Jahren, um 15% 30% 60% 90% 2c. der Prämie vermindert. Nach weiterer Versicherungsdauer wird der Versicherte bei letzterer Art der Dividendenvertheilung nicht nur von jeder Prämienzahlung vollständig befreit, sondern er hat alljährlich noch eine steigende Rente zu beziehen. Als reine Gegenseitigkeits=Anstalt hat die Bank kein anderes Streben, als einzig und allein nur die Interessen ihrer Versicherten zu fördern; es werden denselben daher die möglichsten Erleichterungen nach jeder Richtung statutarisch geboten. An Beamte werden Darlehen zu Kautions=Stellung gegen sehr mäßige Bedingungen gewährt. A. W. Brüggemann in Schötmar. Forstrevier Varenholz. Mittwoch den 28. d. M, Morgens 10 Uhr, sollen im Nebelsiek'schen Gasthause zu Talle an Eichenholz: 36 Stück Bau= und Schneidholz mit circa 67 Festmeter, und 40 rm Kloben; an Buchenholz: 95 rm Kloben, und 47 rm Knüppel; aus dem Forst districte Rießen, unter den alsdann bekannt zu machenden Bedingungen öffentlich meistbietend verkauft werden. Bei Beträgen von 150 Mark anfangend ist mindestens der vierte Theil der ganzen Kaufsumme gleich baar anzuzahlen. Langenholzhausen 19. Febr. 1883. Der Oberförster. Wagener. und Brennholzvertauf. Am Donnerstag, den 1. März d.., sollen die in den von Mengersen'schen zum Rittergute Reelkirchen gehörigen Forsten aufgehauenen Nutz= und Brennhölzer und zwar: Morgens 10 Uhr im Lütgenbusche: a. 24 rm Buchen=Klobben, b. 16„„ Knüpppel, c. 156„„ Ast= und Durchforftungsreisig. d. an Lärchenholz 8 Stück zu 3 fm und 15 Stück I bis III. Kl. Morgens 11½ Uhr im Butterberge: 12 Stück Rothtannen zu 3,07 fm und 89 Stück I. bis IV. Kl. an Ort und Stelle öffentlich meistbietend verkauft werden. Reelkirchen, d. 22. Februar 1883 Der Administrator. Behmeyer. Lippischer Das Anschreiben geschieht für dieses Jahr in Lage an jedem Dienstag und Freitag bei Herrn Gastwirth Kampmann, in Lemgo an jedem Donnerstag bei Herrn Gastwirth Brockhausen, in Detmold am 17. und 24. März bei Herrn Gastwirth Jansen und in Schötmar am 14. März bei Herrn Gastwirth Junker. Lage, den 22. Februar 1883. Victor Schütz, Agent. Jede Auskunft ertheilt: Jegliche Art von Klagen und Klagebeantwortungen werden von mir angefertigt. Auskunft in Gerichtssachen. Proceß=Vertretungen. Incasso von Ausständen. Abfassung von schriftl. Arbeiten. Erledigung prompt, reekl u. billig E. Hattesohl, Mandatar. Detmold, Paulinenstr. 6 Kolonats=Verkauf. Am Dienstag, den 27. d.., Vormittags 11 Uhr, beabsichtige ich mein Kolonat Nr. 12 in Veldrom, wozu ein in der Brandkasse zu 2850 M versichertes Wohnhaue sowie 1 Scheffels. Gartenland und 37 Scheffels. Ackerland gehören, in dem Lokale des Wiiths Möller das. öffentlich meistbietend zu verkaufen. Kaufliebhaber werden hiermit eingeladen. H. Möller Nr. 12. Wohn= u. Geschäftshaus. Ein in Ziegel=Rohbau erbautes Eckhaus am Kaiser=Wilhelmsplatze hier, enthaltend einen schönen geräumigen Laden in frequenter Lage und zu jedem Geschäfte passend, zwei eventl. drei herrschaftliche Wohnungen mit Erker und 2 Balkons, steht unter günstigen Bedingungen zu verkaufen oder per 1. April zu vermiethen. Frk.=Off. A. Z. 66 befördert die Exp. d. Bl. Versteigerung. Dienstag, den 27. d.., Nachmittags 1 Uhr, sollen auf dem Kolonate Eke Nr. 16 zu Pivitsheide eine Quantität Hafer, Gerste, Rauhfutter, Roggen, Roggenstroh, Haferstroh, Heu, Flachs, Flachs=und Hedegarn, Speck, Schinken, Kartoffeln, verschiedenes Gemüse, sowie Hausgeräthe und 2 Milchkühe öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigert werden. Im Auftrage Fürstlichen Amtsgerichts Abth. I. K. Wolf, Gerichtsvollzieher. Detmold, 23. Februar 1883. Resie eneele. 9g guten Santoskaffee zu 7 M 9gfeinen Santoskaffee zu 8. versendet frco. u. verzollt per Post H. H. Schmidt, Bremen. Es steht eine Auswahl von Arbeitssowie Wagen=Pferden bei mir zum Verkauf. Detmold. 3. 0 Wegen Neucomplettirung meines Lagers verkaufe ich folgende Artikel vom 23. dieses bis incl. 2. nächsten Monats mit 10% Rabatt: Trikotagen, Tuchröcke und Tücher, Corsetts, Herren- und Damenwäsche. Sämmtliche Putzartikel, als Rüschen, Stickereien, Spitzen, Bänder 2c. verabfolge ausnahmsweise in dieser Zeit mit 5% Rabatt gegen Baarzahlung. L. Nebelsieck. LORRRAAAPPARA Am 9. März d.., Abends 8 Uhr findet im Kurhôtel zu Salzuflen ein Ich nehme hiermit meine über den H. Köller gemachte Aeußerung zurück. Hohenhausen, d. 23. Febr. 1883. W. Brand. Detmold. Einem geehrten Publikum die ergebene Anzeige, daß ich bier wieder zum BettfedernReinigen eingetroffen bin. Wohne beim Gastwirth Schlüter, Meierstraße Nr. 8. 21 Kregalschöck, Pyrmoni. Sämmtliche Nähutensilien empfiehlt zu billigen Preisen „Die Nähmaschinenhandlung von E. Richardt, Detmold. Ulm. Dom.=Lott. amtl. Gewinnlisten vers. gegen Einsendung von 25 Pfg. in Briefmarken, sowie Geldgewinne zahlt sofort baar aus Fuhse, Lott. und Bankgesch., Mühlheim a. d. Ruhr. Breunschweiger alle übrig.eingemachten Gemüse, Früchte empfehlen Bosse& Co. LBraunschweig Wir bitten um Aufträge. Billigst gestel ter Preis-Courant gratis und franco. Heute frische Schieweletten zu haben bei F. Parensen. Kieler bucklinge ee H. Mueier. Handels= und Gewerbe=Verein. Abschiedsessen zu Ehren des von hier scheidenden Herrn Landrichters Gevekot natt. Diejenigen, welche daran Theil zu nehmen wünschen, werden gefl. ersucht, sich bis zum 3. März in die Listen einzutrager, welche an folgenden Stellen ausliegen: im Kurhôtel zu Salzuflen, im Hôtel Korf zu Schötmar, im Kruge zu Bexten, im Kruge zu Grastrup, in Linnemann's Busch zu Holzhausen, im Schuckmann'schen Kruge zu Unterwüsten. Salzuflen, den 22. Febr. 1883. Detmold. Eine Wagenkette gefunden. Zu erfragen bei Heinr. Windt. Montag, den 26. Februar 8½ im Restaurant Meier Vereinsversammlung. Tagesordnung: Anschluß des Vereins an den Central=Gewerbe=Verein für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke als Zweigverein. Der Vorstand. Alfred Heinrichs. Freiwillige Feuerwehr. Montag, den 26. Februar c. Abends 8 Uhr: Dienstliche Versammlung in voller Ausrüstung. Der Vorstand. Statt besonderer Anzeige. Minna Oetling erleicte Celle, Salzuflen, im Februar 1883. Heute früh um ½4 Uhr entschlief meine liebe gute Mutter still und gottergeben zu einem besseren Jenseits an der Lungenentzündung. Sie erreichte ein Alter von 71 Jahren. Die Beerdigung findet am Montag, den 26. d.., Namittags 3 Uhr statt. Selbeck, d. 23. Febr. 1883. August Schlue. Hierzu eine Beilage. Beilage zu Haus= und Landwirthschaft. * Berlin, 28. Januar. In landwirthschaftlichen Kreisen wird schon seit mehreren Jahren die wichtige Frage lebhaft besprochen und erwogen, ob die Torfstreu geeignet sei, die Strohstreu in den Pferde= und Viehställen zu ersetzen. Es sind in dieser Beziehung in umfangreichem Maße Versuche gemacht worden, an denen sich bekanntlich auch die Militärverwaltung betheiligt hat. Diese haben zwar noch nicht zu einem abschließenden Urtheil geführt, aber so viel steht doch bereits fest, daß die Torfstreu in stroharmen Jahren ein ganz vortreffliches Surrogat ist. Viele Landwirthe ziehen sie aber auch schon jetzt der Strohstreu entschieden vor, da sie sehr weich und angenehm für Pferde und Rinder ist, welche vortrefflich darauf ruhen und sich dabei durchaus wohl befinden. Auch nimmt die Torfstreu weit besser als jede andere Streu die feuchten Exkcemente der Thiere in sich auf und entzieht so dem Stalle den Ammoniakgeruch, welcher bei der Strohstreu sich in penetranter Weise geltend macht. Da nun auch die Torfstreu sich erheblich weniger kostspielig erweist, so würde sie wohl schon eine weit größere Verbreitung gefunden haben, wenn auch ihr hoher Düngwerth, der über den der Strohstreu weit hinaus geht, allgemein bekannt wäre. Neuerdings hat nun die Torfstreu noch eine weitere Verwendung gefunden, die von größter Bedeutung ist, zum Austrocknen nämlich iaundirt gewesener Räume. Unter den Anordnungen, welche seitens des Oberpräsidiums der Rheinprovinz in Bezug auf die von den Ueberschwemmungen heimgesucht gewesenen Ortschaften getroffen worden, nimmt die erste Stelle das Verbot ein, die durchfeuchteten Wohnräume wieder zu beziehen, ehe sie eine gründliche Austrockaung erfahren haben. Die Bewohnbarmachung aber dieser Wohnräume ist mit den größten Schwierigkeiten verbunden und hat daher eine große Zahl von Vorschlägen veranlaßt, die bald mehr, bald weniger sich als praktisch erwiesen haben, zumeist aber die Austrocknung viel zu theuer machen. Zu letzteren Vorschlägen gehört u. A. der in den letzten Tagen durch die Presse, namentlich der provinz, verbreitete Rath, die inundirt gewesenen Gebäude mit einer breiten Schicht ungelöschten Kalkes zu umgeben, welcher die Feuchtigkeit aufsauge. Die Kosten dieses an sich nicht zu verwerfei den Verfahrens übersteigen bei Weitem das Maß der den Hausbesitzern zuzumutherden Geldaufwendungen. Dagegen giebt es nun kein einfacheres, billigeres und doch zugleich wirksameres Mittel als die Einbrirgung von Torfstreu in die nassen Räume, die dadurch in kürzester Frist völlig ausgetrocknet werden. In den überschwemmt gewesenen Ortschaften Frankreichs ist dies Mittel mit dem besten Erfolg ausgeführt worden. Ich konnte Einsicht nehmen in den Brief eines französischen Landwirths, dessen Besitz an Wohn= und Wirthschaftsräumen ein sehr ausgedehnter ist und der über seine Erfahrungen in Betreff der Anwendung von Torfstreu u. A. schreibt:„Währe d der Ueberschwemmungen war mein Besitzthum von dem Wasser überfluthet. Sowohl in meinen Kellein als auch in den Gärten stand das Wasser mehrere Meter hoch. Namentlich die Ställe und Remisen waren überschwemmt, die Pferde standen bis zum Leibe im Wasser und ich mußte sie fortführen lassen. Als das Wasser zu sinken begann, ließ ich, nachdem die Ställe gereinigt waren, Torfstreu ausbreiten, in der Hoffnung, daß diese die Feuchtigkeit absorbiren solle. Es gelang vollständig; meine Ställe sind heute gesund und trocken. Ich hatte die alte Streu ausfegen und eine neue Streu von 30 cm Höhe legen lassen. Dann ließ ich die Pferde zurückführen und diese befinden sich thatsächlich außerordentlich wohl in der Trockenheit und Wärme und bezeugen dies durch vortrefflichen Appetit. Diese Wahrnehmung verdient in den Kreisen der Gebäudebesitzer, namentlich der Landwirthe, welche durch die Ueberschwemmungen heimgesucht sind, die weiteste Verbreitung, um zu ähnlichen Maßnahmen anzuregen.“ * Braunschweig, 20. Februar. Die sämmtlichen dreißig Zuckerfabriken des Herzogthums haben nunmehr ihre Kampagne während des Betriebsjahres 1882/83 beendet. Das Ergebniß der von größeren Unglücksfällen überall verschont gebliebenen Arbeiten ist ein durchaus zufriedenstellendes. Selbst in den Harzlandschaften, wo der Rübenbau nur unter den schwierigsten Verhältnissen und vor allen Dingen nur unter Anwendung der stärksten Düngung möglich ist, dürfte nach den uns gemachten Mittheilungen den Aktionären eine Dividende von etwa zwanzig Prozent sicher sein. Die Zuckerrüben selbst sind hier, in der Magdeburger und in der Umgegend von Hildesheim mit durchschnittlich 110 Pfennigen pro Centner bezahlt worden, so daß die besseren Bodenarten Reinerträge von 180 bis 200 M pro Morgen, die schlechtern Lagen aber solche bis zu 100 K pro Morgen geliefert haben. Wenn man darum behauptet, daß Braunschweigs Landwirthe ihren Reichthum lediglich der Rübenwirthschaft zu verdanken haben, so ist das im Hinblick auf die über dreißig Jahre jetzt betriebene Rübenwirthschaft durchaus keine leere Phrase. Uebrigens machen die Wasserverhältnisse den Zuckerfabriken schwere Sorgen. Die bisherige Manier, die Fabrikabwässer lediglich den öffentlichen Gewässern wieder zuzuführen, hat zu vielen Unzuträglichkeiten geführt. Die Gesundheit der Anwohner wird gefährdet; der Fischstand ist total der Vernichtung preisgegeben. 2c.: Die gebräuchlichen ReinigungsmethoNr. 47 der Lippischen den des in den Fabriken benutzten Wassers erweisen sich als unzulänglich; selbst eine Berieselung der Wiesen mit den Abwässern, also eine natürliche Filtration, zeigt sich als nicht genügend. Es wäre wohl zu wügschen, daß diese„Wasserfrage" zur Zufriedenheit aller Betheiligten recht baldigst eine genügende Lösung erfährt.(W..) Vermischtes. * Ottleben, 21. Februar. Um fortgesetzte Wilddiebereien zu steuern, hatten sich gestern Abend auf Wunsch des Besitzers des Rittergutes Neindorf ein Förster, ein Forsteleve, der erste Gärtner und noch eine vierte Person auf das nahe der Feldmark Ottleben gelegene, eigentlich dem Gute in Hornhausen gehörende Jagdrevier begeben. Der Gang war nicht vergeblich, denn es wurde eine Person aufgescheucht, die sofort die Flucht ergriff. Während der fortgesetzten Verfolgung erhielt der Förster G. einen Schuß in den Arm. Die Jagd setzte sich immer weiter, über eine halbe Stunde Weges fort, bis in die Nähe der Chaussee von hier nach Hamersleber. Dort, wo Chaussee, Wassermühle und Bach ein Dreieck bilden, kam der Kampf zum Stehen. Der Wilddieb gab vier Schüsse, welche die Mühlenbewohner alarmirten und hier im Dorfe vielfach kurz vor 10 Uhr deutlich gehört wurden, auf seine Verfolger ab, traf den Förster in den Kopf, erschoß den Gartner und verwundete den Eleven. Das trockene Ufer des Baches diente hier dem unzweifelhaft mit Hinterlader ausgerüsteten Wildschützen als Deckung. Hierdurch erklärt sich auch, daß derselbe entkommen konnte. Die Leiche des Erschossenen wurde bald darauf nach Hornhausen gefahren, während der Förster nach Hamersleben gehen konnte, um ärztliche Hülfe zu sucher. Jetzt befindet sich derselbe schon im Krarkenhause zu Magdeburg. Hoffentlich wird der Nachtjäger, der, beiläufig erwähnt, schon drei Hasen erlegt hatte, ermittelt werden, denn es ist kaum wahrscheinlich, daß er ganz unverletzt geblieben ist. *** * Wie man in einem amerikanischen Grenz=Fort lebt. Ich halte mir bis dahin unter einem amerikanischen Fort einen nach Art unserer Festungen mit Bastionen, Gräben und Wällen versehenen festen Platz vorgestellt und war nun nicht wenig erstaunt, zu sehen, daß an dem Fort gar nichts fortifizirt sei, dasselbe vielmehr aus einem großen Rasenplatze bestehe, auf dem Abends die Regimentsmusik spielt, während die Damen von ihren Verandas aus den süßen Tönen lauschen und die Herren Offiziere in Helm und Schärpe, von den Unteroffizieren und Mannschaften weit getrennt, sich mit wichtiger Miene jene tiefe Geheimnisse anvertrauen, in welche das große, un ingeweihte Publikum vergebens einzudringen trachtet: die neuesten Anekdoten und alte aufgewärmte Kommißwitze, die unter den jüngeren Kameraden immer willige Nehmer finden. Um diesen viereckigen Rasenplatz liegen an drei Seiten ohne festen Zusammenhang die Kasernen, Lagerräume und Exerzierhäuser, während den Schluß eine Reihe von allerliebsten für die Offiziere bestimmten Villen bildet. Jede dieser sogenannten Kottages, inmitten eines kleinen, wohlgepflegten Blumengartens gelegen, enthält zwei bequem eingerichtete Offizierswohnungen, deren jede wieder ihre besondere Eingangsthür hat, durch welche die Veranda, ebenso wie das ganze Innere des Hauses, in zwei durchaus von einander abgeschlossene Hälften geschieden wird, denn so demokratisch die Amerikaner im öffentlichen Leben auch sind, so exklusiv sind sie in ihrem Privatleben und schließen sich, der aristokratischen Auster gleich, stolz von jeder Berührung mit der Außenwelt ab. Dem Gesetze nach steht dem Sekondelieutenant eine Wohnung zu, die außer der Küche nur ein Zimmer enthält, der Premierlieutenant kann schon Anspruch auf zwei erheben, der Kapitän auf drei, Stabsoffiziere auf vier 2c. Da nun die meisten Offiziere der amerikanischen Armee verheirathet sind— der Sekendelieutenant der Infanterie fängt mt 1400 Dollars(über 5600 M) für das Jahr im Gehalte an und steigt alle fünf Jahre um 10 Prozent— und man es doch keiner Dame zumuthen kann, wenn sie ihr Herz einem Sekondelieutenant geschenkt hat, mit ihm seine einzige Stube zu beziehen, und Salon, Boudoir und Schlafzimmer aus derselben zu machen, so hat man obiges Gesetz dahin amendirt, daß Dachkammern nicht als Stuben mitgerechnet werden dürfen. Seit jener Zeit baut man die oberen Etagen der Offizierswohnungen mit nach vorn und hinten etwas abgeschrägten Wänden, und die dadurch entstandenen schönen geräumigen Stuben, die offiziell als Dachkammern aufgeführt werden, ermöglichen es nun auch einem Sekondelieutenant, sich mit seiner theuren Hälfte standesgemäß zu etabliren. Die Offiziere in solchem Fort leben höchst kameradschaftlich und gesellig. Bälle, Schlittenfahrten und Liebhabertheater im Winter wechseln mit Ausflügen und garden parties im Sommer ab; aber das Verlangen nach angenehmer Häuslichkeit herrscht dort ebenso, wie in allen Kreisen der besseren amerikanischen Gesellschaft vor, und diese Vergnügen, die niemals das ganze Sinnen und Trachten ausfüllen, werden nur in genügendem Maße eingeschaltet, um das Leben vor Einförmlichkeit und Langeweile zu bewahren und gute Umgangsformen aufrecht zu erhalten. „ * * Einen Begriff vom Geldwerth wilder Thiers verschafft eine Versteigerung, welche kürzlich in North Woolwich bei Gelegenheit der Auflösung einer Menagerie stattfand. Sechs männliche Löwen wurden um den Preis von 1000 Guineas(21,000 M) losgeschlagen; ein Elephant, welcher mit seinem Kopfe eine Last von 14 Tonnen(140 metrische Centner) fortschieben konnte, erzielte 150 Guineas(3150); vier Elephanten, die sich durch besondere Gelehrsamkeit auszeichneten, bezeichnete der Ersteher, der für dieselben 1000 Guineas bezahlte, als billige Akquisition. Einem indischen Blatte zufolge wurden in der Präsidentschaft Madras im Jahre 1881 an 20,251 Rupien(eine Rupie gleich zwei M) Schußgeld und Schadenersatz für wilde Thiere gezahlt. Erlegt wurden 1429 wilde Thiere, darunter 136 Tiger, 750 Panther und Leoparden. Es wurden von wilden Thieren 1302 Personen und 8938 Stück Vieh zerrissen; hierin sind auch jene eingerechnet, die durch Schlangen ums Leben kamen. Durch Tiger allein wurden 135 Menschea und 3328 Stück Vieh zerrissen. Marktberichte. * Berlin, 23. Februar. Weizen matt, per April=Mai 183,50, Juni=Juli 188,25 M. Gek.— Ztr. Roggen matt, per April=Mai 137,50, Juni=Juli 140,25 M. Gek. 2000 Ztr. Hafer ruhig, per April=Mai 122,—. Juni Juli 125,— M. Gek.— Ztr. Rüböl höher, loko mit Faß 79,50, ohne Faß 79,—, per April=Mai 80.—, Sept.=Okt. 62,— M. Gek.— Ztr. Spicitus fester, oko 52,70, per Februar 53,—, April=Mai 54,— M. Gek.— I. Petroleum ruhig, loko 24,—, per Februar 24,—, per März=April 23,70 M. Gek.— Ztr. * Köln, 23. Februar. Weizeu hiesiger lsco 19,50, fremder loco 20,50, per März 19,45, per Mai 19,70, per Juli 20,10. Reggen loco 14.50, per März 14.25, per Mai 14,45, per Juli 14,70. Hafer lsco 14,50. Rüböl loco 39,20, per Mai 39,10, per Oktober 32,20. * Neuß, 23. Februar. Weizen à 100 Kilo erster Qualität 20,—, zweiter Qualität 18,—. Landroggen 100 Kilo 1. Qualität 14,40, 2. Qualität 12,40. Wintergerste 14,—, Hafer pr. 100 Kilo 1350. Raps 1. Qualität——. 2. Qualität—.—. Kartoffeln.50. Heu d 50 Kilo.—. Roggenstroh à 600 Kilo 21.— M. Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ztr. M. 77,—. Rüböl per 100 Kilo faßweise 7850. Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 M. höher als Rüböl. Preßkuchen per 1000 Kilo M. 126,—. Weizenvorschuß 00 per 100 Kilo 30,—. Kleien per 50 Kilo 5,—. * Bremen, 23. Februar. Petroleum ruhig, loco.50, per Mai 7,50, März 7,65, April 7,75, Aug.=Dez 8,40. Schmalz Marke Wilcox loco 57½, per Februar=März 57¼ Speck, halb short, halb leng per Februar=März=Abladnug per Steamer 53½. * Antwerpen, 23. Februar. Petroleum ruhig, disp. 19, per Febr. 19, per März 19½, per Axril 19⅛. per Mai 19¼, per Septbr.=Dezbr. 20¾ fr. Kaffee ruhig. Wochenmarktbericht. * Detmold, 24. Februar. Weizen pr. 50 Kilo 9,00— 9,50 M. Roggen, pr. 50 Kilo 6,75—7,— M. Mengekorn, pr. 50 Kilo 7,00—7,25 M. Gerste pr. 50 Kilo 7,25 M. Raufutter, pr. 50 Kilo 7,50 M. Hafer pr. 50 Kilo 6,40—6,80 M. Heu pr. 50 Kilo 2,20 M. Stroh, pr. 50 Kilo 1,80 M. Kartoffeln pr. 50 Kilo 3,50 M. Rindfleisch, bestes, pr. Kilo 1,20 M. Kalbsleisch, bestes, pr. Kilo 1,— M. Hammelfleisch pr. Kilo 1,20 M. Schweinefleisch pr. Kilo.30 M. Speck, geräuchert, per Kilo 1,60 M. Butter pr. Kilo 1,90 M. Eier 10 St. —.40 M. Kocherbsen pr. 50 Kilo 10.50 M. Meteorologische Beebachtungen der Deutschen Seewarte in Bamburg vom 23 Februar, Morgens 8 Uhr. London: Milde. Ein hohes Minimum von über 780 mm liegt über Frankreich und der Südhälfte der britischen Inseln, während der tiefsts Barometerstand über Lappland unter 740 mm liegt, dem entsprechend sind über dem Nord- und Ostseegebiete die Gradienten steil und herrscht daselbst vielfach stürmische Luftbewegung aus westlicher und nordwestlicher Richtung. Im Binnenlande Centraleuropas dagegen wehen bei veränderlicher Bewölkung und stellenweise geringen Niederschlägen meist nur schwache bis mässige westliche und nordwestliche Winde, welche die Temperatur fast allenthalben, zumal im Nordwesten, zum Sinken gebracht haben. Meteorologische Beobachtungen in Detmold. Wind= richtung .=Stärke. Allgemeiner Witterungscharakter: 24. bedeckt. WNW. mäßig. Sonnen=Aufgang 7 U. 1., Untergang 5 U. 27 M. Mondes=Aufgang 833 Abds., Untergang 721 Vorm. Ich habe mich hierselbst als Rechtsanwalt niedergelassen. Herford, den 23. Februar 1883. A. Lücken, Rechtsanwalt. Eine freundliche Krhnung, bestehend aus 3 Zimmern, für einen einzelnen Herrn oder eine einzelne Dame geeignet, ist zum 1. April zu vermiethen. Aler Meyer. Zum 1. April steht eine freundliche Stube und Kammer, möblirt oder unmöblirt, zu vermiethen. Fr. Peter, Hermannstraße 35. Der Laden m. Wohnung m. an der Lageschen Str. in Detmold belegenen Hauses, worin Handlung u. Bäckerei mit gutem Erfolg betrieben, steht sofort oder 1. April anderweitig zu vermiethen. C. Wellentrup bei Oerlinghausen. Für und arbeiter. Sreinsormen liefert zu billigen Preisen E. Sundermann, Schlossermeister in Lage. s Tiesbohrungen S auf jedes Material bis zus beliebiger Tiefe unternimmt Detmold. 2 S A. Pettenpohl, Bohrmeister. Für Wiederverkäufer. 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