„Die Lippische Landes=Zeitung= erscheint mit Ausnahme der Sonn= und Festtage täglich und werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht. Redaction u. Expedition: Detmold, Leopoldstraße Nr. 117. Abonnementspreis für das Vierteljahr: In Detmold 2 Mark 25 Pf., auswärts durch die bezogen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M. Inserate werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet. Verauntwortlicher Rehataur Kagus Kliagenberg. Druc und Verlag der Meyer'schen Hofbuchdruckerei(Gedr. Klingenberz in Denich U2 45. Dienstag, 20. Februar. 1885. Die Zurückweisung von Telegrammen. u In der Reichétagssitzung vom 16. Februar ist eine wichtige Frage zur Erörterung gekommen, nämlich die über das Recht und die Grenzen für Zurückweisung von Telegrammen. Die Telegraphenordnung vom 21. Juni 1872 bestimmt:„Privatdepeschen, deren Inhalt gegen die Gesetze verstößt oder aus Rücksichten des öffentlichen Wohles oder der Sittlichkeit für unzulässig erachtet wird, werden zurückgewiesen. Die Entscheidung über die Zulässigkeit des Inhalts steht dem Vorsteher der Aufgabestation, bezw. der Zwischenoder Adreßstation, oder dessen Stellvertreter, und in zweiter Instanz der dieser Station vorgesetzten Central= verwaltung zu, gegen deren Entscheidung ein Rekurs nicht stattfindet.: In ähnlicher Weise heißt es in dem internationalen Telegraphenvertrag:„Die vertragschließenden Theile behalten sich die Befugniß vor, die Beförderung eines jeden Privattelegramms zu verhindern, welches für die Sicherheit des Staates gefährlich erscheint oder gegen die Landesgesetze, die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstößt.“ Das gesetzliche Recht der Telegraphenverwaltung, gewisse gegen die obigen Erfordernisse verstoßende Telegramme im inneren und internationalen Verkehr zurückzuweisen, ist sonach nicht zu bezweifeln und man wird auch nicht befürworten wollen, daß die Verwaltung genöthigt wird, jedes Telégramm ohne Ansehen des Inhalts, mag dasselbe auch wirkliche Gefahren für Staat und öffentliche Ordnung in sich schließen, zu befördern. Es ist auh nicht zu vermeiden, daß die Ermächtigung zur Zurückweisung solcher gefährlicher Telegramme in weitgefaßten dehnbaren Ausdrücken ertheilt wird, wie Verstoß gegen„Staatswohl“,„öffentliche Ordnung",„gute Sitte", daß dem diskcetionären Ermessen weite Grenzen gesteckt werden und daß bei der Natur des telegraphischen Verkehrs die Entscheidung auch von verhältnißmäßig untergeordneten Instanzen getroffen wird. Bei dem wenigstens im inteenen Verkehr nicht allzu großen Vorsprung, den die telegraphische Beförderung vor der brieflichen hat, wird sich Niemand, wenn er nicht gerade den Zweck eines prinzipiellen Austrags verfolgt, auf lange Weiterungen, wie den Rekurs an die Central= verwaltung, einlassen. Noch weniger kann ernstlich von dem Vorschlag richterlicher Entscheidung oder dergleichen Das Vonauweibchen.“ Aus dem Leben eines Künstlers von George Baron Dyherrn. „Verläumdungen sind Wolken, die tief unter'r gehen!“ sagte die junge Dame und bemühte sich, ihrer Stimme einen ruhigen Ton zu geben. Sie erhob sich von ihrem Stickrahmen, die Hand zitterte unmerklich, mit der sie den Stuhl zur Seite schob, die Wimper zuckte leise, als sie, zu ihrem Bruder tretend, fortfuhr: „Sage mir aber, Eck, ist es Theilnahme, die Dich veranlaßt, wir zu erzählen, was müssige Thoren sich in ihrem leeren Hirn ausdenken?" „Mein Gott,u entgegnete er scheinbar gleichgültig, „ich dachte nicht, daß es Dich in der Weise aufregen könnte; denn Du bist aufgeregt, Errha, obwohl Du sagst, es berühre Dich nicht, was man über Dich denkt und spricht! Laß also die Leute reden, zumal die Herren vom Klub!“ Sie trat dicht an ihn heran.„Siehst Du, Eck, wenn man von Deiner Schwester Arges redet, so ist das mir nicht wunderbar; denn welcher Mensch bliebe unverletzt von den Pfeilen, die auf einer bösen Zunge sitzen? Aber daß man es wagt, zu Dir über mich in solchem Tone zu sprechen, das macht mich erröthen für Dich. Wie kann ein Mann sich von Personen, die ihm nahe stehen, beleidigen lassen, wie kann er Lästerworte anhören, ohne dem Lügner ins Gesicht zu schlagen! Und endlich frage ich Dich, Eck, wenn es wahr wäre, was man sagt, müßtest Du als Bruder mich nicht schützen und vertheidigen, bis Du aus meinem Munde die Wahrheit hörtest, müßtest Du nicht an mich glauben?“ „Man lebt in der Welt und mit der Welt, Schwester, man muß auch den Schein wahren! Das„On dit“ ist eine Macht!“ „Das„Onu dit“ ist die Zeitung der Narren!“ rief sie aufgebracht; doch sie preßte die linke Hand zusammen, * Widerrechtlicher Nachdruck wird strafrechtlich verfolgt. die Rede sein. Allein die Verwaltung übernimmt mit den weitgehenden diskretionären Befugnissen, die ihr in dieser Hinsicht ertheilt und die in vielen Fällen von untergeordneten Beamten ausgeübt werden, die Verpflichtung, von dem Zarückweisungsrecht nur in den allereklatantesten und offenkundigsten Fällen Gebrauch zu machen; sonst kommen wir zu den größten Willkürlichkeiten, Chikagen, Censurmaßregeln. In den im Reichstag zur Sprache gekommenen Fällen, den Telegrammen über die Erschütterung der Stellung des Herrn Stephan wegen entdeckter Unregelmäßigkeiten, über Errichtung neuer Forts bei Kiel und dergl, scheinen uns genügende Gründe, im Interesse des Staatswohls und der öffentlichen Ordnung die Beförderung zurückzuweisen, allerdings nicht vorzuliegen. Daß alltäglich taktlose, tendenziöse und erlogene tungsnachrichtn massenhaft in die Welt gehen, ist ja leider eine Thatsache; aber das wird die Telegraphenverwaltung durch Unterdrückung einzelner beliebig herausgegriffener Depeschen nicht zu hindern vermögen. Sie wird höchstens ecreichen, daß Nachrichten, die anstößig erscheinen, auf brieflichem Wege oder telegraphisch in Chiffern oder Formen, die den Beamten unverständlich sind, verbreitet werden. Daß die schädliche Wirkung einer Zeitungsnachricht dadurch aufgehoben wird, daß sie ein paar Stunden später zur Veröffentlichung kommt, dürfte doch nur in den seltensten Fällen zutreffen. Wenn der Staatssekretär Stephan u. A. äußerte:„eine Lüge ist gegen die gute Sitte, braucht also nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht telegraphirt zu werden", oder wenn die Zurückweisung eines Telegramms damit gerechtfertigt wird, daß dasselbe zu Börsenmanövern dienen solle, so wird damit für die Beamten ein Urtheilsvermögen in Anspruch genommen, welches doch zu den bedenklichsten und seltsamsten Vorgängen führen könnte. Es ist auch ganz mit Recht hervorgehoben worden, daß die Unterdrückung von Depeschen in der Regel gerade den Erfolg hat, dem Fall zu sensationellem Aufsehen zu verhelfen und daß Telegramme, welche die Kontrolle passirt haben, sie mögen noch so lügenhaft und tendenziös sein, gewissermaßen mit dem Schein amtlicher Prüjung und Bestätigung auftreten. Kurz, in den meisten Fällen wird die Kontrolle und Censur den beabsichtigten Zweck nicht erreichen, sie kann auf zu leichte und mannigfache Weise bezwang sich und sagte, ihm die Rechte herzlich reichend: „Laß uns Freunde sein, Eck, gute Kameraden, die zusammenhalten zu jeder Zeit. Wir sind ja von der Natur darauf hingewiesen, Eins zu sein, und weil im Ganzen vielleicht unser Charakter sich gleicht, deshalb sehen wir Einer die Fehler des Anderen in grellerem Lichte. Sage mir Nichts mehr, Eck, laß den Leuten ihre Reden— es ist Heu und Stroh für mich und so sei es auch für Dich. Aber wie in der Regel ein Kern der Wahrheit in jeder Lüge sich verbirgt, so auch hier, und in Kurzem sollst Du Alles wissen, Eck.“ Er hatte finster zu Boden geschaut;—„glaube an mich,“ wiederholte sie dringend und legte ihm den Arm um den Hals. Da brach ein unbeschreiblicher Blick aus seinen Augen, ein Lichtfunke von Liebe, er warf seine Armeum ihren Nacken, zog sie leidenschaftlich an sich und berührte schnell mit seinen Lippen ihren blühenden Mund. „Ich glaube, Erha, ich glaube!“ sprach er mit leidenschaftlichem Tone.„Was würde aus mir ohne den Glauben an Dich, Schwester! Zertrümmert wäre ein Heiligthum in meiner Seele, herabgeschleudert ein Bild, das dort seit frühester Kindheit steht. O, Du weißt, was Du mir bist, deshalb trifft mich jeder Vorwurf doppelt. Aber Du hast Recht, nua will ich den einen Lügner nennen, der Dich antastet!: Noch einmal küßte er sie und wollte gehen. „Halt!“ rief sie ihn halb zögernd zurück,„warte noch, ich will Dir danken, Eck,- und schluchzend mit stürmisch wogender Brust, die Thränen brennend wie eine Fluth aus ihren Augen hervorstürzend, lag sie an seinem Halse stumm; nur krampfhaft arbeitete es in ihrem Innern. Zärtlich strich er ihr das lose Haar aus der Stirn, auch er sagte Nichts mehr. Er zürnte sich und seinen Gedanken, die kamen ungerufen und zudringlich wie lästige Mahner und sie raunten ihm fragende tückische Worte in das widerwillig hörende Ohr:„Warum ist umgangen werden und die Praxis, Depeschen im Interesse des Staatswohls, der guten Sitte und Wahrheitsliebe zurückzuweisen, könnte, wenn nicht die Verwaltung ihre diskretionären Befugnisse mit äußerster Zurückhaltung und Vorsicht ausübt, einen sehr bedenklichen Umfang annehmen. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 19. Februar. Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 10/½ Uhr. Am Ministertisch: Maybach. In die Tagesordnung eintretend, setzt das Haus die Berathung über den Eisenbahnetat fort. Eine längere Debatte entspinnt sich zunächst über die Frage der Kommunalbesteuerung der Eisenbahnen, deren gesetzliche Regelung Ministerial= direktor Brefeld in baldige Aussicht stellt.— Abg. Dr. Hammacher beschwert sich über das Verfahren der rheinischen Eisenbahndirektionen. Einige rheinische Gemeinden hätten in Folge des von diesen Direktionen befolgten Systems einen Steuerausfall von 20 bis 30 Prozent zu erleiden. Man möge wenigstens im Verwaltungswege Remedur eintreten lassen. Minister Maybach stellt in Abrede, daß die Staatskasse sich auf Kosten der Kommunen bereichern wolle. Bei Feststellungen des kommunalsteuerpflichtigen Einkommens solle nach gerechten Grundsätzen verfahren werden.— Abg. Dr. Majunke bringt zur Sprache, daß der Verein für Verbreitung christlicher Erbauungsschriften zur Kolportage seine Traktätchen verwende. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, wenn es sich nicht um speziell polemisch=protestantische Schriften handelte, die sich in absprechender Weise über die katholische Kirche und deren Lehren äußere. Hiergegen müsse er entschieden Protest erheben. Er wünsche Auskunft darüber, ob die Verwaltung von einer solchen Verwendung des Eisenbahnpersonals Kenntniß habe.— Abgeordneter Frhr. von Schorlemer=Alst bedauert das Schweigen der Herren am Regierungstisch und bringt seinerseits zur Sprache, daß einem Bahnhofsrestaurateur das Auslegen der ultramontanen Essener Volkszeitung entgegen den Intentionen des Ministers untersagt worden sei.— Bei Beschwerden, welche Abg. Dirichlet über den Fahrplan mehrerer ostpreußischer Eisenbahnlinien und über den Berliner Schuellzug der Ostbahn vorbringt, werden regierungsseitig bei Feststellung des Sommerfahrplans Deiner Schwester Wesen so verwandelt? Zuerst weist sie kalt und hoheitsvoll die Verläumdung zurück, scheint unverletzt und ungetroffen, dann wird sie erregt und verlangt, daß Du nur ihr glaubest, und wenn alle Welt gegen sie wäre. Würde sie Dir immer und in jedem Falle die Wahrheit sagen? Und zuletzt dieses herzbrechende Schluchzen! Kommen diese Thränen aus einem ruhigen Herzen, das sich frei weiß von Schuld und Fehlern?“ An seinem Auge zog ein schwarzer Schatten vorüber. Er wollte ihn abschütteln, den peinigenden Druck, und er vermochte es doch nicht. diesem Augenblicke sah das in Weh verlorene Weib plötzlich zu ihm auf, sie zuckte zusammen; sie bog sich zurück aus seiner Umarmung, ihre Zähren stockten wie erstarrt, sie warf das Haar zurück, wandte sich ab und abgewendet reichte sie ihm die Hand.„Geh jetzt, Eck, geh und amüsire Dich in dem Konzert!" Seltsam verändert war ihre Stimme, kein Klang darin, kalt die Hand, die sie ihm gab, ohne Gegendruck in der seinen liegend, dann wie todt herabfallend in die Falten ihres weißen Gewandes. „Willst Du mich nicht begleiten?“ fragte er sauft. „ Nein, Du wirst mir erzählen, wie es war.“ „Lebe wohl, Errha!“ „Adien, Eck!“ Die Thüre klappte zu, sie erschrak, sie war allein. Einen Moment stand sie still, die Hand an der Stirn, vor sich hinschauend, Richts denkend, wie gebannt das Blut, wie gefesselt der Fuß, wie erstarrt die Gedanken. Dann schoß eine jähe fliegende Röthe über Gesicht und Hals, als stehe sie im flammenden Widerschein eines Feuers oder der Abendröthe, das Bewußtsein kam ihr wieder.„Er verbirgt mir sein Interesse zu Marie Graßwang, warum sollte ich ihm meine Liebe gestehen? warum? Ruhelos begann sie ein stetes Aufund Niederwandeln im Gemach, stieß die Thür zu dem nächsten Zimmer auf und schritt durch beide Räume. (Fortsetzung folgt.) Abhülfe in Aussicht gestellt.— Abe. Dr. Windhorst führt Beschwerde über die ungleiche Behandlung von Katholiken und Protestanten bei Gewährung von Preisermäßigungen auf den Staatsbahnen. Den Theilnehmern an Katholikenversammlungen werde diese in der Regel nicht gewährt, während den Theilnehmern anderer Versammlungen diese niemals versagt werde.— Geh. Rath Fleck erwidert, daß die Ermäßigungen auf Befürwortung des Oberpräsidenten erfolgen.— Abg. Dr. Kolberg befürwortet Gleichstellung der Stationsvorsteher II. Klasse mit den Güterexpedienten hinsichtlich ihrer Gehaltsverhältnisse. Abg. Berger(Witten) regt die Frage der Sonntagsruhe der Beamten an. Wie ihm mitgetheilt worden, sollen die Lokomotivführer oft erst den zehnten Sonntag einen freien Tag haben.— Minister Maybach hält diese Frage vom sittlich=religiösen Standpunkte für sehr ernst. Sollte die Regierung es für nothwendig halten, in dieser Beziehung mit Forderungen vor das Haus zu treten, so hofft er dasselbe auf seiner Seite zu haben. Indeß dürfe das öffentliche Verkehrsinteresse darunter nicht leiden. Die Frage könne überhaupt von einem einzelnen Staate oder vom Reiche nicht gelöst werden, dazu seien internationale Abmachungen nöthig.— Abgeordneter Dr. Windthorst freut sich, daß der Minister Maybach in dieser Frage einen anderen Standpunkt vertritt, als Herr Dr. Stephan. Aber es werde doch nothwendig sein, daß Herr Maybach sich mit dem Generalpostmeister über diese Frage verständige. Herr Maybach thäte überhaupt besser, seine akademischen Erörterungen einmal ins Praktische zu übersetzen; solche elegischen Aeußerungen, solche verstohlenen Blicke nach dem materialistischen Verkehr fördern die Sache nicht.— Abgeordneter Dr. Löwe (Bochum) erklärt sich entschieden gegen die Einführung einer puritanischen Sonntagsfeier, wie sie in En land und Schottland bestehe. Redner steht in dieser Frage ganz auf dem Standpunkt des General=Postweisters Stephan. Eine längere erregte Debatte ruft eine Lobrede des Abgeordneten Or. Adolf Wagner auf das Staatseisenbahnsystem hervor. Die Eisenbahnverstaatlichung habe sich nach politischer, sozialer, ökonomischer und finanzpolitischer Richtung hin vorzüglich bewährt; es sei dieselbe der erste Schritt auf dem Wege der Förderung des Verkehrs. Namentlich in sozialer Beziehung sei die Verstaatlichung von nicht zu unterschätzendem Vortheil. Wir dürfen, schließt der Redner, stolz sein, daß wir das, was andere Völker noch nicht gewagt haben, in die Hand zu nehmen, bereits zum größten Theil ausgeführt haben mit derj nigen Energie, welche dem preußischen Staate eigen ist.— Abgeordn. Rickert gloubt nicht, daß der Vorredner mit seinen Ausführungen dem Minister einen Dienst geleistet habe. Nach so kurzer Zeit könne man doch unmöglich schon zu einem sicheren Urtheil über das Staatsbahnsystem gelangen. Abgeordneter Dr. Windthorst tritt ebenfalls den Ausführungen Wagners entgegen, derselbe stehe auf dem Standpunkte der Sozialdemokratie, die nur dasselbe auf gewaltsamem Wege herbeiführen wolle. Mit demselben Rechte könne der Redner die Verstaatlichung des gesammten Grundbesitzes rechtfertigen. Solche Reden seien im hohen Grade bedenklich. In derselben Weise sprachen sich die Abgeordneten Büchtemann und v. Eynern aus. Letzterer verwahrt sich dagegen, aus denselben Motiven für die Eisenbahnverstaatlichung gestimmt zu haben. Die weitere Berathung des Eisenbahnetats wird hierauf auf Dienstag 10 Uhr vertagt. Schluß 5¼ Uhr. Deutsches Reich. * Berlin, 19. Februar. Die kirchliche Feier des Geburtstages des Kaisers soll nach allerhöchster Bestimmung da, wo dieselbe üblich ist, in diesem Jahre mit dem Vormittagsgottesdienst am Palmsonntag verbunden werden. Da der Geburtstag auf den grünen Donnerstag fällt, so würde die Feier an diesem selbst mit der Stille der Charwoche nicht vereinbar seien. Eine ähnliche Verlegung hat übrigens schon mehrfach, so namentlich in den Jahren 1875 und 1880 stattgefunden, wo der Geburtstag des Kaisers ebenfalls in die Charwoche fiel. Dem Vernehmen nach sollen alle sonstigen zu Königsgeburtstag üblichen Festlichkeiten, wie die Diners der Behörden und Offizierskorps, in diesem Jahre am Tage vor Palmsonntag, den 18. März, stattfinden. *— Den von verschiedenen Stellen mit Absicht ausgestreuten Gerüchten über Wiederanknüpfung des Kanzlers mit den gemäßigt Liberalen, besonders mit Herrn von Bennigsen, liegt, so viel wir aus guter Quelle erfahren, weiter nichts zu Grunde, als die Thatsache, daß die konservative Partei im Reichstage und im Landtage bisher nicht nur absolut nichts geleistet, sondern auch der Regierung, statt dieselbe erfolgreich zu stützen, Verlegenheiten aller Art theils absichtlich, theils aus Mangel an politischer Fähigkeit bereitet hat, während anderseits der Mißerfolg der Verhandlungen mit der Kurie Centrum und Regierung abermals in einen Gegensatz gebracht hat, dessen volle Schärfe nächster Tage beim Kultusetat sich noch deutlicher offenbaren wird als bisher. Auch die ungeschickte Art und Weise, in der sich die Konservativen der Demission Kameke gegenüber, welche von der„Kreuz=Zeitung“ so hartnäckig behauptet wird benommen haben, ist auf die Stimmung des Kanzlers schwerlich ohne Einfluß geblieben. Man kann die Lage dahin zusammenfassen, daß dem Fürsten Bismarck die konservativ=klerikale Mehrheit, wenn man von einer solchen noch reden darf, herzlich wenig behagt, und daß der Kanzler mehr als genug von dieser Kombination hat. Weitere Folgen hieraus zu ziehen, wird man jedoch besser den Konservativen überlassen, denen allerdings— um Herrn von Puttkamers Ausdruck zu gebrauchen— bei einem Blick auf ihre bisherigen Resultate nicht ganz wohl zu Muthe zu sein scheint. *— Gestern Abend fand unter dem Vorsitze von Gneist eine Versammlung zum Schutz des Deutschthums in Ungarn statt. Es sprachen unter andern: Prof. Wattenbach, Georg v. Bunsen, v. Kardorff, Dr. Kapp. Die Versammlung nahm einstimmig einen Beschluß an, in welchem es heißt:„Der aufs neue dem ungarischen Reichstage vorgelegte Entwurf eines Mittelschulgesetzes bedroht die siebenhundertjährige deutsche Kultur des siebenbürgischen Sachsenstammes mit dem Untergange.“ *— Der Abg. Stöcker wird sich um so mehr darüber grämen, daß in der vorgestrigen Abendsitzung des Reichstages die von ihm so warm befürwortete Resolution Lingens, betreffend die Sonntagsruhe, mit Stimmengleichheit— 103 gegen 103 Stimmen— abgelehnt wurde, als er selbst durch seine Abwesenheit dies Resultat herbeigeführt hat. Es geht doch nichts über einen gewissenhaften Parlamentarier! *— Die durch den Tod von Ernst Dohm erledigte Redakteurstelle am„Kladderadatsch“ ist, wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, dem Gymnasiallehrer Polstorff am Lyceum I in Harnover unter sehr günstigen Bedingungen angetragen worden, doch hat derselbe bis jetzt sich noch nicht entschlossen, seine Stellung in Hannover aufzugeben. Herr Polstorff gehört seit Jahren zu den geistvollsten und hervorragendsten Mitarbeitern am„Kladderadatsch“. * Hannover, 15. Februar. Unsere Stadt hat heute ihren ersten Geistlichen, Flügge, durch den Tod verloren, der fast 50 Jahre hindurch in milder versöhnlicher Weise als Seelsorger wirkte und namentlich durch seine Vertretung auf den Jahresv.rsammlungen des GustavAdolf=Vereins in wetten Kreisen bekannt ist. National gesinnt, betheiligte er sich nicht an den politischen Agitationen seiner geistlichen Kollegen. * Magdeburg, 16. Februar. Gestern hat ein zweites Schöffengericht, diesmal in Neustadt=Magdeburg, in einem auf der bekannten Sonntags=Polizeiverordnung beruhenden Anklagefall auf Freisprechung erkannt, indem es, nach der„Magd. Ztg.“ annahm, daß der Oberpräsident mit dem Erlaß der Verordnung seine Machtbefugnisse überschritten habe, welche ihm das Gesetz über die Landesverwaltung eingeräumt hat. * Marburg, 14. Februar. Gestern hatte der Herr Feldmesser Brettung von hier das gewiß seltene Jagdglück, im Wehrdaer Walde eine Wildkatze zu erlegen. Dieselbe mißt vom Kopf bis zur Schwanzspitze circa 90 Ctm. Sachsen. * Leipzig, 16. Februar. Das Reichsgericht verwarf, wie bereits karz mitgetheilt, in der Strafsache gegen den früheren Landrath von Bennigsen=Förder die vom Kaufmann Schlichteisen als Nebenankläger eingelegte Revision gegen das Urtheil des Altonaer Landgerichts. Herr v. Bennigsen=Förder hatte als Landrath von Lauenburg den Kaufmann Schlichteisen, einen Führer der dortigen liberalen Partei, am Tage der Reichstagswahl widerrechtlich verhaften und einsperren lassen: Schlichteisen klagte gegen den inzwischen seines Amtes enthobenen Landrath wegen widerrechtlicher Freiheitsberaubung, das Gericht erster Instanz aber sprach Herrn v. Bennigsen frei, weil es annahm, daß die Verhaftung des Kaufmanns Schlichkeisen gesetzlich ungerechtfertigt, auch derselbe ohne rechtlichen Grund in Haft behalten worden war; dagegen stellte der Vorderrichter zugleich fest, daß dem Angeklagten nicht das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit seines Verfahrens innegewohnt habe. Das freisprechende Urtheil ist nunmehr durch das Reichsgericht bestätigt. Baiern. * Bayreuth, 18. Februar. Punkt 4 Uhr hute Nachmittag hat bei großartiger Betheiligung des Publikums die feierliche Beerdigung Wagners stattgefunden. Die ganze Stadt war schwarz geflaggt; die Gaslaternen, von Flor umhüllt, brannten in mattem Schimmer. Viele Städte haben ihre Vertreter entsenbet. vertreten sind alle Künste, insbesondere die ersten Theater von Berlin, Wien, München, Frankfurt, Köln, Leipzig, Hannover, Kassel. Der Sarg wurde am Bahnhof unter den Klängen des Trauermarsches aus der„Götterdämmerung“ aus dem Wagen gehoben und aufgebahrt. Zahllose Kränze und Blumensträuße wurden abgegeben. Den Sarg schmückten Blumenkränze, die der König von Baiern gesandt hatte; einer derselben trug die Inschrift: „König Ludwig von Baiern dem Wort= und Tondichter Richard Wagner.“ Am Bahnhofsplatze sprachen ergreifende Worte der Bürgermeister Munker und das Reichstagsmitglied Banquier Feuftel, als Vertreter des Verwaltungsraths der Bayreuter Festspiele, Worte, welche den großen Todten priesen und seine Verehrer zu treuem Ausharren an dem von ihm Geschaffenen aufforderten. Parzifal wird im nächsten Sommer zu Bayreuth im Sinne und Geiste des Meisters wiederholt werden. Nach Absingung eines Chorliedes setzte sich der Leichenzug mit zwei Musikkorps in Bewegung. Tausende von Menschen bewegen sich in den Straßen. Der Zug fährt durch die schwarzbeflorte Stadt zur Villa Wahnfried. Hinter dem Sarge schreitet der Vertreter des Königs von Baiern. Der Eintritt zur Grabstätte war nur wenigen gestattet. Die Gruft liegt hinter der Villa. Der Geistliche segnete und weihte die Stätte; Wagners Kinder standen am Sarge; Frau Cosima Wagner ist krank. Drei protestantische Geistliche standen an der Gruft und beteten; nachdem dieselbe eingesegnet worden, verließ alles den Trauerort: der Sarg blieb stehen, bei ihm verweilten nur die nächsten Angehörigen. Mit den Abendzügen reisen fast alle Fremden ab. Das Wetter war herrlich und frisch. Frankreich. * Paris, 17. Februar. In Sachen der Ministerkrisis ist noch nichts weiter geschehen. Grévy hat bis zur Stunde Niemanden empfangen. In den Wandelgängen der Deputirtenkammer wurde die Abstimmung des Senats lebhaft besprochen; anwesende Deputirte erklärten, sie würden der Kammer den Antrag vorlegen, die Regierung aufzufordern, daß sie die Prinzen kraft des Rechtes der hohen Polizei ausweisen möge. Aus dem Fürstenthum Lippe und Umgegend. * Detmold, 16. Februar. Dem„Bielef. Tageb’.“ wird über den Städtischen Haushalt folgendes von hier geschrieben: Die Einnahme beträgt im ordinario 35,681 K 05 5, die Ausgabe dagegen 68,321 U 07 9, so daß ein Defizit von 32,640 K 02+ bleibt, welches durch Zuschläge zur Klassen= und klassifizirten Einkommen=Steuer zu decken ist. Die Deckung geschieht in der Weise, daß 8 Simpla(Monate) Staatssteuer als Kommunalsteuer gehoben werden, da das Simplum (Monat) etwa 4100 M beträgt. Außer dieser kommunalen Steuer wird noch eine Armensteuer gehoben, die 2 Simpla(Monate) beträgt. Nach dem Voranschlage beziffern sich die Einnahmen der Armenkasse auf 5290 M, die Ausgaben dagegen betragen 12,390 M, so daß ein Defizit von 7100 A zu decken bleibt, was, wie bemerkt, durch einen 2monatlichen Zuschlag zu den Staatssteuern geschieht. Da außerdem noch eine Kirchen= und Schulsteuer zur Hebung kommt, so kann man die gesammte kommunale Steuer unserer Stadt auf rund 100 Proz. der Staatssteuern veranschlagen. Das städtische Vermögen betreffend, so sei bemerkt, daß die Stadt einen werthvollen Komplex von Bauplätzen auf dem Bruche besitzt, von welchen viele in den früheren Jahren zu sehr hohen Preisen verkauft sind. Zur Zeit ist die Nachfrage geringer, da die Baulust wegen Leerstehens mehrerer Häuser sich vermindert hat. Außerdem besitzt die Stadt für 60,000 M Aktien der hiesigen Gasanstalt, die sich bislang recht gut verzinst haben. Ob es gelingen wird, die ganze Gasanstalt auf städtische Rechnung zu übernehmen und die anderen Aktionäre entsprechend abzufinden, muß dahin gestellt bleiben; der Versuch wird wahrscheinlich gemacht werden. An Pacht und Miethgelder erhebt die Stadt jährlich etwa 9800 K. Außerdem wird hier eine Accise auf Spiritus gehoben, die der Stadt jährlich rund 7800 M einbringt. Bemerkt mag noch werden, daß pro 1883 zum ersten Mal für einen städtischen Baumeister ein Gehalt von 900 M im Etat ausgeworfen ist, da sich bei der Ausdehnung der Stadt die Nothwendigkeit herausgestellt hat, die Stelle nicht länger unbesetzt zu lassen. * Detmold, 19. Februar. Dem„H..“ wird folgendes mitgetheilt: Ein gefährlicher Gauner reist durch Deutschland als Kolporteur und sammelt namentlich Unterschriften auf die Monatsschrift„Vom Fels zum Meer:. Er läßt sich stets ein Quartal mit### pränumeriren und stellt Quittung im Namen der im Bezirk angesehensten Buchhandlung aus, ohne dazu Auftrag zu haben— im Gegentheil ist es nur auf Unterschlagung des Geldes abgesehen. In Bruchsal nannte er sich„Kurz“, in Kaiserslautern„Horst“, in Pforzheim und Speyer„Knabe“, außerdem liegen Klagen Betrogener vor aus Heidelberg und Eisenach, und jetzt neuerdings aus Paderborn und Bad Oeynhauseo. An letzterem Orte nannte er sich„Grothe“ und mißbrauchte die Firma einer hannoverschen Buchhandlung. Jeder Leser dieser Notiz, der durch einen Besuch dieses Individuums behelligt werden sollte, wird gebeten, ihn sofort der Octspolizeibehörde zu empfehlen, damit er endlich unschädlich gemacht werde. O Salzuflen, 18. Februar. Bei dem gegenwärtigen schönen und milden Wetter drängt besonders am Sonntage ein buntes Gewimmel geputzter Menschen zu den Thoren unserer Stadt hinaus,„ein jeder sonnt sich so gern“ und will nach winterlichem Stillleben die reine Frühlingsluft einathmen. Die Allee nach Schötmar, die stets trockenen Wege in unmittelbarer Nähe der Gradirung werden von Spaziergängern besonders gern besucht; doch auch unser Stadtforst ertönt schon jetzt an schönen Sonntagen von den Liedern froher Menschen. Es fehlt darin nicht an schön gelegenen Spaziergängen durch die Thäler und bequem angelegten auf die Berge. Zweierlei ists aber, wodurch die Umgegend unserer Stadt wesentlich verschönt werden könnte. Der sogenannte Oberberg im Norden der Stadt gewährt auf seinem höchsten Punkte eine ziemliche Fernsicht; doch würde diese bedeutend erweitert, wenn auf dem Plateau eine Erhöhung von vielleicht—3 ch aufgeworfen würde: das Material dazu findet sich in dem in unmittelbarer Nähe gelegenen Steinbruche und verursacht die Arbeit daher wenig Kosten. Die Fernsicht würde dann reichen bis zur Porta, weit ins Ravensberger Land und nach Süden würde man unser Land bis zum Köterberge überschauen können. Ein Zweites ist die Anlage eines Restaurationsgebäudes auf dem schön gelegenen Platze: vor dem Oberberge. Es würde sich ein Unternehmer. finden, wenn die Stadtverwaltung das Terrain zum Bauplatze unentgeltlich überwiese und die Ausführung von Anlagen im nahen Hölzchen erlaubte. Der Wirth würde im Sommer jedenfalls ein brillantes Geschäft machen, denn nicht nur die hiesigen Waldspaziergänger würden sich dort gern durch frischen Trunk erquicken, sondern auch von dem benachbarten Herford würde ein koulanter Wirth reichen Besuch erhalten. Zur Eisenbahnfrage. * Während das Komité für die Bahnverbindung von Lage nach Hameln schon seit längerer Zeit recht thätig gewesen ist und bereits erhebliche Summen zur Verwirklichung des Projektes aufgebracht hat, hört man von der Fortsetzung der Eisenbahn von Detmold zum Anschluß an die Hannover=Altenbekener Eisenbahn eigentlich gar nichts. Wir wollen indessen hoffen, daß, wenngleich in den öffentlichen Blättern einmal mitgetheilt wurde, es sei wegen der Weiterführung dieser Linie ein Kommissarius fürstlicher Regierung in Berlin gewesen, die Angelegenheit an maßgebender Stelle dennoch weiter in Erwägung gezogen ist. Unter allen Umständen aber müssen wir unser Bedauern darüber aussprechen, daß aus dem hiesigen Lande mit Rücksicht auf die Weiterführung und besonders auf den Anschließpunkt der in Rede stehenden Linie, selbst aus den dabei interessirten Kreisen, bislang noch keine Stimme laut geworden ist. Brachten wir hin und wieder diese Angelegenheit zur Sprache, so begegneten wir einer gewissen Gleichgültigkeit, verbunden mit allbekannten Sonderinteressen, was Alles sich schließlich stützte auf die Erklärung:„Diese Bahn muß ja ganz von selbst kommen.“ Dagegen hätten wir nun zwar nicht viel zu erinnern, wenn wir dadurch die Gewißheit hätten, daß es nicht zu lange währte, bis die Bahn von selber käme, und daß wir einen für unsere Verhältnisse passenden und vortheilhaften Anschluß an die Hannover=Altenbekener Eisenbahn erhielten. Das Letztere, nämlich der Anschluß, erscheint uns so wichtig, daß wir darüber das Folgende nicht verschweigen zu sollen glauben. In den Vorträgen über die Erbauung und den Betrieb der Eisenbahn Herford=Detmold ist hinsichtlich der Weiterführung dieser Bahn die Station Bergheim namhaft gemacht. Dies ist recht bedenklich. Einen Anschluß an diese Station Bergheim halten wir für vollständig verfehlt und zwar nach aller und jeder Richtung hin, es muß uns sogar wundern und wird wahrscheinlich manchen Andern, welcher sich diesen geographischen Begriff genau besiehet, auch wundern, daß seit Eröffnung der Bahn Herford=Detmold diese Station in ihrer früheren Verfassung annach geblieben ist. Das Dorf Bergheim nämlich mit seiner ganzen Umgebung, selbst die Stadt Nieheim nicht ausgeschlossen, sind in fast jeder Beziehung auf Steinheim angewiesen, während die Station Bergheim für die Eisenbahn= und Postverwaltung ein Krebsschaden ist und auch bleiben wird. Der Personen= und Güterverkehr ist daselbst kaum der Erwähnung werth, und daß dafür das große Stationsgebäude, Beamten= und Arbeiterpersonal, Postamt 2c. erhalten und bezahlt wird, finden wir, gelinde ausgedrückt, sehr überflüssig und deshalb auch weder im Interesse der Sparsamkeit, noch des Handels und Wandels. Nun denke man sich den Anschluß in Bergheim zunächst für das in Geschäften reisende Publikum. Man hat einen Knotenpunkt erreicht, wie es deren so viele giebt, B. Altenbeken, Scherfede, Ottbergen, Löhne, Lehrte, Kreiensen, Nordstemmen, Börßum 2c., wo kein Geschäftsreisender etwas zu thun hat und außer diesen, wohl ohne Ausnahme jeder Andere sich nur langweilt, Zeit versäumt und Geld ausgiebt. In unseren hiesigen Verhältnissen müssen wir aber besonders auch Rücksicht nedmen auf die vielen Touristen und Vergnügungsreisenden. Nachdem diese die Unannehmlichkeiten des Wartens in Ottbergen, Scherfede und Altenbeken 2c. genugsam empfunden haben, sollen sie nun noch in Verzhein an der neuen Bahn nach Detmold(Externstein, Hermannsdenkmal) wegen einer Fahrzeit von etwa 12—20 Minuten, vielleicht die 3= oder=mal so lange währende Zeit dorten verbringen, bevor der Zug sie weiterbefördert. Equipagen für Vergnügungsreisende sins im Bergheim nicht zu haber, während Steinheim davon in genügender Zahl stellen kann, auch mangelt es in Bergheim an Hôtels und jedweder Bequemlichkeit für das reisende Publikum, Den zeitraubenden und kostspieligen Rufenthalt auf Knotenpunkten, die gewissermaßen wie die Station Bergheim im freien Felde liegen, hat man längst erkannt und dürfen wir deshalb vertrauen, daß in unserem Lande unter allen Umständen gegen den Anschluß in Bergheim die Stimmen erheben werden. Gegen den Anschluß in Bergheim haben wir auch mit Rücksicht auf den Güterverkehr uns entschieden zu erklären und zwar aus folgenden Gründen: 1) Ein Lokalgüterverkehr mit Bergheim existirt überall ticht und wird nie entstehen, wohl aber mit Steinheim. Es würden folglich alle z. B. für Detmold bestimmte und aus Detmold abgehende Güter in Bergheim liegen bleiben, bis mit einem der betr. Züge von Weiterbeförderung vorgenommen werden kann. Daraus folgt also, daß die Güterbewegung zwischen Steinheim und Detmold viel prompter und wahrscheinlich auch nicht theurer als bisher, in der jetzigen Weise, nämlich pro Fuhre, auch fernerhin stattfinden wird. 2) Da sich der Güterverkehr übrigens selbstverständlich hin und her über Altenbeken hinaus erstreckt, so ist es, da auch in den weitaus meisten Fällen in Altenbeken eine Umladung statt zu finden hat, begreiflich, daß die Beförderung von Stückgut namentlich, eine recht langsame werden wird und es deshalb zu erwarten stehet, daß die Versender von Gütern in Detmold und Horn, sowie auch die Empfänger, dasselbe per Fuhre nach Steinheim transportiren und resp. von da abholen lassen werden, weil mit dieser Stadt ein gegenseitiger Verkehr bereits bestehet, wodurch viele Abladungen dorten zu erfolgen haben, die man natürlich lieber direkt macht, um prompt erledigen zu können, als wie Bergheim per Bahn mit der Umladung daselbst und dem unvermeidlichen Aufenthalte. 3) Der Lokalgüterverkehr zwischen Detmold bezw. Horn und Bergheim ist sonach ganz aus dem Auge zu lassen, vielmehr in Aussicht zu stellen, daß uns, auch wenn die Bahn nach Bergheim im Betriebe ist, die Chancen nach Steinheim alljährlich mehr zu unterhalten kesten wird, als dies momentan der Fall ist. 4) Wohl mit annähernder Bestimmtheit darf angenommen werden, daß wir für die Fortführung der Bahn auch mit finanziellen Mitteln herüber kommen sollen, was freilich der Stadt Horn bei ihrem Reichthum nur leicht, der Stadt Detmold indessen, die schon für die jetzige Bahnanlage nach Herford zur Ader gelassen worden ist, etwas recht schwer werden wird, daß aber von beiden Städten dafür, daß man uns per Bahn sozusagen bei Bergheim auf's freie Feld fährt, um daselbst vorläufig auf Weiterbeförderung zu warten, baare Gelder hergegeben werden, das müssen wir auf das allerstärkste in Zweifel ziehen. Ganz anders hingegen und ganz unseren Interessen entsprechend würde die Angelegenheit sich indessen gestalten, wenn der Anschluß der Bahn in Steinheim erfolgte. In dieser unserer Schwesterstadt, mit welcher wir, nebenbei bemerkt, seit langer Zeit gar keine direkte Verbindung haben, merkwürdiger Weise dagegen 3malige Postverbindung täglich nach Bergheim, bestehen allein 34 Firmen, welche in Klasse A. II, 28 Firmen, welche in Klasse B. I der Gewerbesteuer steuern, ferner eine bedeutende Fabrik landwirthschaftlicher Maschinen, drei große Ziegeleien und 3 große Mühlenetablissements, welche zum großen Theile Detmold mit Mehl versorgen. Diese wenigen Angaben genügen wohl schon, um zu beweisen, daß wir Recht haben, wenn wir uns für den Anschluß nach Steinheim aussprechen. Diese Stadt hat auch bereits Schritte gethan, um den Anschluß der Bahn von Detmold dorthin zu bekommen und ist bereit zu diesem Zweck ein Opfer zu bringen, was von Bergheim selbstverständlich gar nicht erwartet werden kann. Der Anschluß an Steinheim würde auch dem Flecken und Amte Schwalenberg nur von Vortheil sein. Die Bewohner desselben kommen auf diese Weise denjenigen Städten nahe, in denen sie ihre Produkte verwerthen und ihre Bedürfnisse beschaffen können. Schließlich sei hervorgehoben, daß von uns im Allgemeinen dahin gestrebt werden muß, mittelst Eisenbahnen in direkte Verbindung mit den nächsten Städten zu kommen, dadurch wird der Handel und Wandel gefördert und gehoben, was für uns von weit größerem Nutzen ist, als wenn wir, dies Prinzip verlassend, es vorziehen würden, unter allen Umständen danach zu trachten, möglichst rasch die Endpunkte langer Bahnverbindungen als etwa Frankfurt a.., Berlin, Hamburg 2c. zu erreichen. Neueste Nachrichten. * Paris, 19. Februar. Das Ministerium Fallières hat diesen Morgen endgültig seine Entlassung genommen. Um 2 Uhr erschien Ferry im Elysée, vom Präsidenten Grévy berufen, dem jetzt ein Kabinet Freycinet unmöglich erscheint, weil es vorzüglich aus Senatoren bestehen würde. Ferry nahm die Aufgabe sofort an und legzte folgende Ministerliste vor: Ferry Konseilspräsident und Minister des Auswärtigen, WaldeckRoussean Justiz, Martin Feuillée Inneres, Pierre Legrand Handel, Mahy Ackerbau, Tirard Finanzen, Cochery Post und Telegraphenwesen, Raynal öffentliche Arbeiten, Charles Brun Marine, Senator Berthelet Unterricht; Thibaudin behält das Kriegsministerium. Tirard, Mahy, Pierre Legrand, Cochery und Thibaudin waren Mitglieder des Kabinets Fallières, WaldeckRousseau und Martin Feuillée gehörten dem Kabinet Gambetta an. Das Kabinet Ferry wird sich bereits morgen der Deputirtenkammer vorstellen und Ferry dem Vernehmen nach mit einer Erklärung auftreten, in welcher gesagt werden soll: in Ermangelung eines Prätendentengesetzes werde die Regierung im Nothfalle Maßregeln der hohen Polizei gegen die Prinzen ergreifen. Zugleich wird als zuverlässig gemeldet, daß der Herzog von Chartres und der Herzog von Alencon in Nichtaktivität versetzt werden würden. Der Herzog von Chartres, Bruver des Grafen v. Paris, ist Oberst des 12. Regiments der reitenden Jäger in Rouen. Der Herzog von Alencon, zweiter Sohn des Herzogs von Nemours, ist Kapitän in der französischen Artillerie.] * Paris, 18. Februar. In Bouchet bei Corbeil ist eine Pulvermühle in die Luft geflogen; 6 Personen wurden getödtet, 2 verwundet. * Pest, 19. Februar. Das Theater in Arad ist abgebrannt. Der Schaden beträgt über 150000 Gulden. Menschenverlufte sind nicht zu beklagen, die Entstehungsursache bisher nicht bekannk. Marktberichte. * Berlin, 19. Februar. Weizen ermattend, zer April=Mai 187,50, Juni=Juli 192,50 M. Gek.— Ztr. Roggen ermattend, per April=Mai 138,75, Juni=Juli 141,50 M. Gek. 3000 Ztr. Hafer still, per April= Mai 123,—. Juni-Juli 126.— M. Gek.— Ztr. Rüböl ruhig, loko mit Faß 79,50, ohne Faß 78,50, per April=Mai—.—, Sept.=Okt. 62,20 M. Gek.— Itr. Spiritus fester, loko 52,10, per Februar 52,50, April=Mai 53,50 M. Gek.—I. Petroleum fest, loko 24,30, per Februar 24,20, per März=April 23,90 M. Gek. 200 Ztr. * Köln, 19. Februar. Weizen hiesiger loco 19,50, fremder loco 20,50, per März 19,65, per Mai 20,10, per Juli 20,40. Roggen loco 14,50, per März 14,30, per Mai 14,60, per Juli 14,75. Haferloco 14,—. Rüböl loco 39,20, per Mai 39,—, per Oktober 32,20. * Neuß, 19. Februar. Weizen à 100 Kilo erster Qualität 20,—, zweiter Qualität 18,—. Landroggen 100 Kilo 1. Qualität 14,40, 2. Qualität 12,40. Wintergerste 14,—. Hafer pr. 100 Kilo 13.50. Raps 1. Qualität—.—. 2. Qualität—.—. Kartoffeln.50. Heu d 50 Kilo.—. Roggenstroh à 600 Kilo 21.— M. Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ztr. M. 77,—. Rüböl per 100 Kilo faßweise 7850. Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 M. höher als Rüböl. Preßkuchen per 1000 Kilo M. 126,—. Weizenvorschuß 00 per 100 Kilo 30,—. Kleien per 50 Kilo 5,—. * Antwerpen, 19. Februar. Petroleum ruhig, disp. 19¼, per Febr. 19, per März 19, per April 19, per Mai 19¼, per Septbr.=Dezbr. 20½ fr. Kaffee flauer. Berliner Kurse vom 19. Februar heutsche Fonds. Deutsche Reichs-Anl. 102.— 4½% Preuss. kons.„ 103,90 4„„„„ 102,— Staatsschuldsch. 98.30 Ostpr. Pfdbr. 101.— 3½ B 4„ 91,90 101,70 102,70 100,90 101,10 101,50 3½, Pomm. „„„ 4½„„„ 4„ neue Posen.„ 4„ Westfäl.„ 4" Westpreuss„ 4% Rhein.-Wstf Rtnb. 101.— usländische 4½% Oesterr. Silberrente J/J. Papierrente M/N. Goldr. 60r Loos. 120,40 322,50 101.20 132.25 .35 30 99.90 4„ 5„ Oesterr. 64er Loose 5% Russ. Stieglitz VI. Ser. „ 62er Anl. 71er„ be„ „ 77er„ 80er„ III Orient. Anl. 4½% Brem. 74er Anl. 4%„„ 80er„ 4„ Bad Präm. 4" Baier.„„ Braunschw 10 Thlr.Loose 3½% Köln-Mind. Loose 126,60 Kurhess. 40Thlr.-„ 299.— Meining. 4„„ 27,30 3% Oldenburger„ 147.— 3½% Preuss. PrämienOblig. 146.— Fands 5% Russ. Prämien 66 136,50 „ Bodenkred. Pfandbr. Gömörer Ital. Rente Jersey City New-Yorker 81.70 84,90/8 85.756 77,40 91.— 71.20 6% 57,104„„ Bankaktien. 115,25 Hannover'sche Bank 71,25 Köln. Wechslerbank Leipz. Disconto-Ges. 67.— 6675 82.80 9 2 „„„ 9 Raab-Grazer Präm Rumän. Anl. 9„ Schwed. Anl. Ung. Goldrente 75er Berg.-Märk. Bank Berliner Handels-Ges. Braunschweig-Hannov. Hypoth.-Bank Bremer Bank 107,30 Preuss. Bodenkreditb. Cob.-Goth. Cred.-Ges. 75,90„ Hyp. Akt.-Bk. Dessauer Creditanstalt 91 50 Deutsche Bank 147.— Disconto-Gesellschaft 195.— Essener Creditanstalt 93.— Gothaer Grundkr.-Bank 70,25 „„ junge 81 50 Eisenbahn-Stammaktion. Aachen-Mastricht Bergisch-Märkische Bresl.-Schwdn.-Freib. Dortmund-Enschede Gal. C. Ludwb.(gar) Gotthardbahn Kronpr. Rudolf(gar.) 82.40 101,30 88.80 106,50 120.— 93,20 109.— 103.10 96.40 103.50 101,08 75.— 112.— 93.25 105.— 87,50 Oesterr. Kreditanstalt 520.— 108.25 84.25 „ Hypoth.-Vers. Ges 88.80 Reichsbank 147,90 Schaaffhausen. Bankv. 89,70 Westfälische Bank 99.50 52,75 Mainz-Ludwigshaf. 99,10 127,30 Oberschlesische 247,60 Oesterr. Staatsb. 572.— " Südb.(Lomb). 242.— Rechte Oder-Uferb. 176 70 Rheinische 165,20 Russ. St-B.(5% gar) 132.50 4% 105.60 57.25 130.90 108.— 70,80 Lisenbaha-Priortäts-Obligationen Aachen-Mastricht 96,805% Elisab. Westb. 72 4½% Bergisch-Märk. (gar.) 85,60 3½ 4½ do. do. I. u. II. Ser. 103—4½% Gal.Karl-Ludwb. 84,40 4½ 4½ 9 2 n 4½ „ 4½ 4„ 4„ 4½ 4½ 4½ La. C. IV. und Serie do. VI. Ser. do. VII.„ do. VIII. do. IX.„ Köln-Mind. III. S. 103,105 IV. „„ v. VI. Magdb.-Halb. Rheinische 93.30/3" Oester. Staatsb. V. 500 fs 385.— . 1 0 3.— 3„ d o. v 1 8 7 4. 3 7 9, 2 5 104,255„ do 105,60 102,90/3" de. Süd-Bahn 102,90 500 ks. 286.— 104,305„ do. Sdb.(gar.) 101,60 Rudolfsb. III. E. 83,90 100,905„ Ung. Ostb.(Silb.) 77.— „„(Gold) 94.— Warsch.-Wiener III. E. 101.— 100,905 104,605 103.— 103,105„ do. VI. 5.„ Gotthardtb. I. Aypetbekes-Certifkate Braunsch.-Hann. 101,705% Prss. Centr. Bdne. 98.60 103,40 4 5„ 5„ 4½ 4 ½2 n 5 4 5 „„ 97.— Gothaer Präm. I 118,60 „„ II 114,50 „ rzb. 110 103,50 „„ 100 95.— Meininger 100,70 „„ Präm. 117,— „Preuss. Bodencr. V. u. VI. Ser. 104,— „ Preuss. Bodener. rzb. 110 110 90 " do.„ 100 100,80 do.„ 100 97.90 Pres. Centr. Bdnc. rzb. 100 104,75 Industrielle Gesellschaften 4½ 4½ 5„ 5„ 4½ 4½ 4½ 4½ rzb. 110 1 350 do.„ 100 104.— Preuss. Hypoth. Pfdbr. rzb. 120 105,75 do.„ 110 107,25 do.„ 100 102,25 do.„ 100 101.— Preuss. Hyp. V. A. G. Certific. 101.25 Stettiner Nat. Hyp. rzb. 100 do.„ 110 Schwedisch. Hy. potheken 101.— 103,10 102.— Berg. Märk. Bergw.-Vn. 6 30 Bochumer Gussstahl 99— Bonifacius Bergwerk. 74.— Borussia„ 99.— Deutsche Eisenb. Bau.—.— Donnersmarkhütte 64,75 Dortm. Union St. Prior. 97,90 Egestorff’s Salzwerke 110,30 Gelsenkirchen. Georg Marienh.St. Act. Hannov. Masch. do. St. Prior. Harkort Bergwerke 122,70 86.— 11.— 78.50 Harpener Bergwerke 112.— Hibernia„ 92,70 Hörder Hütten. conv. 102.— Königs- u. Laurah. 129.— König Wilhelm.. 32.— Louise Tiefbau.... 44.50 Menden u. Schwerte. 69,75 Nordd. Lloydaktien 141,— Ravensberg. Spinnerei 117.75 Sächsische Maschinen 139.— Vorwärts, Bielef.Spinn. 99.5 Westfäl.Drahtindustrie 122 75.40 Westf. Union St. Prior. 90.25 * Die Lebensversicherungs= und Ersparniß=Bank in Stuttgart hatte im Jahre 1882 auf Todesfall 4072 Anträge mit M. 24,893,300 zu erledigen. Davon mußten 813 Anträge mit M 5,122,900 abgelehnt bezw. zurückgestellt werden, und 3225 Anträge= 79,20% mit M. 19,524,300= 78,43% konnten ausgenommen werden. Die weiteren Anträge wurden dem Jahre 1883 zur Erledigung überwiesen. Im Laufe des Jahres 1882 waren 35,571 Personen mit M. 193,198,312 auf Todesfall versichert. Der Tod forderte 500 Personen mit M. 2,463,358. Darunter sind aber 21 Selbstmordsfälle mit M. 280,257, welche nur mit ca. M. 67,000 abzufertigen waren, inbegriffen. Die Bank giebt beim Selbstmord in allen Fällen die sämmtlichen Einlagen wieder zurück und je nach Lage des einzelnen Falles werden noch höhere Auszahlungen gewährt. Diese meist mit höheren Summen betheiligt gewesenen und mit wenig Ausnahmen dem Handelsstande angehörenden Selbstmordsfälle(der Durchschnitt berechnet sich auf über M. 13,000 per Kopf) kennzeichnen so recht deutlich die schlimme Geschäftslage des vergangenen Jahres. Wegen Ablaufs der Versicherungsdauer gingen 31 Personen mit M. 203,456 und in Folge Rückkaufs, Unterlassung der Prämienzahlung und Umwandlung 589 Personen mit M. 3,331,205 ab. Gegenüber den im Laufe des Jahres versichert Gewesenen stellt sich dieser Abgang auf nur wenige 1,66% zur Personenzahl und auf.72% zur Versicherungssumme, in Berücksichtigung der sehr kritischen Zeitverhältnisse, die so manchem Familienvater die Fortzahlung der Prämien unmöglich machten, ist dieses Ergebniß als sehr mäßig zu bezeichnen. Deu wegen unterlassener Prämienzahlung Ausgeschiedenen wurden seit 1. Juli 1882 auf Grund der an diesem Termin in Kraft getretenen neuen Statuten die gleich hohen Rückvergütungen wie bei der Kündigung gewährt. Am Ende des Jahres 1882 waren 34,447 Personen mit M. 187,200,300 auf Todesfall versichert, und da zu Anfang des Jahres Versicherungen für 32,727 Personen mit M. 173,674,012 in Kraft standen, so ergiebt sich für diese Versicherungsart für das Jahr 1882 ein reiner Zugang von 1720 Personen mit M. 13,526,278. Die Alters= oder Aussteuer=Versicherungen sind auf M. 6,027,202 angewachsen. Der Gesammtstand der Versicherungen erreichte per 31. Dec. 1882 die Summe von M. 193,227,493, und als reiner Zugang ergeben sich M. 13,847,411. Die Rechnungs=Ergebnisse sind noch nicht fertig gestellt, solche werden aber günstig ausfallen und die Vertheilung einer gleich hohen Dividende wie bisher ermöglichen. Meteorologische Beobachtungen in Detmold. Allgemeiner Witterungscharakter: 20. wolkig. Sonnen=Aufgang 7 U. 9., Untergang 5 U. 20 M. Mondes=Aufgang 410 Nchm., Untergang 554 Mrgs. Meteorologische Beonschtungen der Deutschen Seewarte vom 19. Februar, Morgens 8 Uhr. London: Kalt. In der gestern erwähnten Furche niedrigen Luftdrucks, welche sich jetzt von den Hebriden südo stwärts nach dem südlichen Deutschland erstreckt, liegt im südlichen Nordseegebiete eine flache Depression, welche im südwestlichen Deutschlaud Regen, an der nordwestdeutschen Grenze Schneefälle verursacht. Im übrigen Centraleuropa herrscht bei schwacher, vorwisgend östli her Luftströmung heiteres „ u n d t r o c k e n e s F r o s t w e t t e r. I m n o r d ö s t l i c h e n D e u t s c h l a n d herrscht strenge Kälte, an der o tpreussischen Küste bis m 11 Grad. Für den Inseratentheil verantwortlich: A. Mewes in Detmold. Holzverkäufe in den Fürstlichen Forsten. Forstrevier DiestelbruchBexten. Am Mittwoch d. 28. d. M. Morgens 10 Uhr sollen im Falken kruge bei Detwold versteigert werden a. aus d. Fstdst. Mischerholz, Helberg, Brennelse u. Altehain an Fichten=, Lärchen= und Kiefernholz: 190 Stck. Rtzhz. zu 100,84 fm. 16 rm dgl., 527 Stg. I. bis III Kl., 135 Stg. IV. u. V. Kl., 850 Stg. VII. und VIII. Kl., 21 rm Kl. und Kn. ungek. und 230 rm Dchfst.=Rfg.; b. aus d. Fstdst. Brokerholz u. Johannettenthaler Eichholz 149 Stck. EichenNthz. zu 146,81 fm. Detmold den 19. Februar 1883 Der Oberförster Schmidt. Forstrevier Barenholz. den 28. d. M, Morgens 10 Uhr, sollen im Nebelsiek'schen Gasthause zu Talle an Eichenholz: 36 Stück Bau= und Schneidholz mit circa 67. Festmeter, und 40 rm Kloben; an Buchenholz: 95 rm Kloben, und 47 rm Knüppel; aus dem Forstdistricte Rießen, unter den alsdann bekannt zu machenden Bedingungen öffentlich meistbietend verkauft werden. Bei Beträgen von 150 Mark anfangend ist mindestens der vierte Theil der ganzen Kaufsumme gleich baar anzuzahlen. Langenholzhausen 19. Febr. 1883. Der Oberförster. Wagener. Tüchtige Schmiedegesellen, welche sich in den Lehrschmieden zu Hannover oder Minden in Hufbeschlag auszubilden wünschen, erhalten aus der Kasse des Lippischen landwirthschaftlichen Hauptvereins einen Zuschuß von 75 K. Reflektirende wollen sich an den Schriftführer des Vereins, Herrn Herm. Meyer in Lemgo werden, welcher über alles Nähere gern Auskunft ertheilen wird. Lemgo, den 17. Februar 1883. Der Vorstand des Lippischen landwirthschaftlichen Hauptvereins. Als älteste Agenten sämmtlicher Existirenden Zeitungen sind Haasenstein& Vogler in Hamburg in der Lage, ihren Kunden die größtmöglichsten Vortheile zu gewähren. Reisende auf Nähmaschinen werden gesucht für den Kreis dieser Zeitung, auch weiter. Offerten unter„Nähmaschinen“ an C. W. Niemeyer's Annoncen=Expedition in Hameln. Suche zu Ostern einen Lehrling. Wilh. Warner, Schuhmacher. Ein zuverlassiges Mäbchen, welches in Haus= und Gartenarbeit erfahren ist, wird per sofort oder 1. April gesucht von Bielefeld, Feilenstraße. Nur solche wollen sich melden, welche mit guten Zeugnissen versehen sind. Ich suche per sofort oder spätestens 1. April ein Mädchen für Hausarbeit. S. Focke, Schülerstraße. Auettol! Kränklichkeitshalber habe ich meine Ackerwirthschaft aufgegeben u. lasse deshalb in meiner Wohnung am Freitag, den 23. Febr. d.., Morgens 10 Uhr anfangend, sämmtliche Ackergeräthe, als: Wagen, Pflüge, Eggen, Ketten, Walze, Ernteleitern 24. öffentlich meistbietend verkaufen wozu ich Kaufliebhaber hiermit ergebenst einkade. Blomberg, im Februar 1883. Georg Lorenz. Gesucht zum 1. April auf ein größeres Gut ein junges Mädchen zur Eclernung des Haushalts. FrankoOfferten unter L. L 58 an die Erp. d. 31g. Soeben erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen, in Detmold und Lemgo durch die Klingenberg'sche Hofbuchhandlung (H. Hinrichs): Die Neu. Imperial-Halbseide, völlig farbächte(säureächte), zum Beziehen der Schirme, empfiehlt unter Garantie Reese, Schirmmacher. Ia. Portland-Cement empfiehlt billigst L. Agethen, Detmold. Heu und Stroh und Pferdefutter, sogeganntes Bühnenfutter, zu verkaufen bei Georg Lorenz, Blomberg. Bergmann's Theerschwefel=Seife bedeutend wirksamer als Theerseife, vernichtet sie unbedingt alle Arten Hautunreinigkeiten und erzeugt in kürzester Frist eine reine, blendendweiße Haut. Vorräthig à Stück 50 J bei S. H. Knip, Salzuflen. Meine Niederlage von Chler Salz, bringe hiermit in empfehlende Erinnerung. Blomberg, im Februar 1883. Georg Lorenz. Braunschweiger u. alle übrig.eingemachten Gemüse, Früchte empfehlen Bosse& Co. Braunschweig Wir bitten um Aufträge. Billigst gestell ter Preis-Courant gratis und franco. Sriesuarr aller Länder, alle garantirt echt, zu sehr billigen Preisen. Sortimente von 100 Stück verschiedenen von 1 bis 500 Mark. Auswahlsendungen werden gemacht. Ankauf. Tausch. Gustav Priess& Co. Magdeburg, Breiteweg 103. Kolonats=Verkauf. Am Dienstag, den 28. d.., Vormittags 11 Uhr, beabsichtige ich mein Kolonat Nr. 12 in Veldrom, wozu ein in der Brandkasse zu 2850 M versichertes Wohnhaus sowie 1 Scheffels. Gartenland und 37 Scheffels. Ackerland gehören, in dem Lokale des Wirths Möller das. öffentlich meistbietend zu verkaufen. Kaufliebhaber werden hiermit eingeladen. Möller Nr. 12. Meine, sich für—7 Fohlen sehr gut bewährte Weide, beabsichtige für nächsten Sommer zu verpachten, resp. Fohlen anzunehmen. Reflektanten wollen sich gefälligst baldig melden. Carl Schierenberg. Horn, Nordtbor. vermiethen zum 1. Oktbr. die obere Etage in meinem Hause an der Palaisstraße 5. und Modernisiren der Strohhüte besorgt rasch und billig G. Treuenfels. Annöncen füralle existirenden lätter befördern zu Original-TarifPreisen, ohne Berechnung von Neben-Spesen Haasenstein& Vogler HAMBURG HANNOVER,— LUBECK. Filialen in allen grösseren Städten Agentur für Detmold: Herr P. Fritzen. Eine Brille verloren. Abzugeben in der Expedition der Landeszeitung. vor der arischen Einwanderung. Streifzuge auf turanischem Sprachgebiete von R. Cruel, Rector a. D. VIII. 11 Bogen gr. 8° Preis broch. K.50. Gestützt auf sorgfältige Studien und Forschungen sucht der durch seine Geschichte der deutschen Predigt im Mittelalter bereits rühmlichst bekannte Verfasser an der Hand der Sprachvergleichungen, soweit die betr. Sprachen noch heute das Material dazu liefern, das Dunkel aufzuhellen, welches bisher noch über die prähistorischen Bewohner unseres Erdtheils herrschte und liefert dadurch einen höchst interessanten Beitrag auf dem Gebiete der Linguistik sowohl wie der Geschichte, welcher in den betr. Kreisen gewiß mit höchstem Interesse aufgenommen werden wird. Detmold, im Februar 1883. Commissionsverlag der Wegen Neucomplettirung meines Lagers verkaufe ich folgende Artikel vom 23. dieses bis incl. 2. nächsten Monats mit 10% Rabatt: Trikotagen, Tuchröcke und Tücher, Corsets, Herren- und Sämmtliche Putzartikel, als Rüschen, Stickereien, Spitzen, Bänder 2c. verabfolge ausnahmsweise in dieser Zeit mit 5% Rabatt gegen Baarzahlung. T. Nevelstel. BARARRRA Meine so beliebt gewordene, nicht durchsichtige, aber Ueberall als vorzüglich anerkannte Universal-Glycerin-Seife empfehle für Jedermann als mildeste billigste und für die Gesundheit der Haut zuträglichste„Waschseife; dieselbe beseitigt bei längerer Anhoxzi#tug alle Sommersprossen, Hautausschläge, zu starke Röte der Haut und verleiht derselben üverhaupt größte Zartheit und klare Weiße, per Stück 15, 20 und 30 Pf.— Unentbehrlich zum Waschen für Kinder Nur ächt von der Fahrik von H. P. Beyschlag in Augsburg Alleinige Niederlage in Detmold bei Herrn H. Hahn, Leopoldstraße. Den Herren Fabrikbesitzern empfehle Seeierirmen jeder Länge und Breite. Reparaturen werden sofort ausgeführt. Näh= und Binderiemen nebst erforderlichen Garnituren billigst bei W. Lütkemeyer, Lederhandlung eleseld. Subscription auf 15,000,000 K 4% Anleihe des Norddeutschen Lloyd in Bremen am 22. und 23. d. Mts. Anmeldungen zum Subscriptionspreise von 95¾% vermitteln provisionsfrei Detmold. Salomon& Oppenheimer.