„Die Lippische Landes-Zeitung= erscheint mit Ausnahme der Sonn= und Festtage täglich und werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht. Redaction u. Expedition: Detmold, Leopoldstraße Nr. 117. „„„ Abonnementspreis für das Vierteljahr: In Detmold 2 Mark 25 Pf., auswärts durch die Post bezogen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M. Inserate werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet. Verantwortlicher Redacteur August Klingenberg. Druck und Verlag der Meyer'schen Hofbuchdruckerei(Gebr. Klingenberg) in Detmold. Je 36. Deutscher Reichstag. Sitzung vom 10. Februar. Das Gesetz betr. die Kontrolle des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß=Lothringen wird in erster und zweiter Lesung ohne Debatte genehmigt. Nach diesem Gesetze soll die preußische Abrechnungskammer als„Rechnungshof des Deutschen Reiches die betr. Kontrollgeschäfte erledigen. Es folgt die zweite Berathung der Vorlage betr. die Abänderung des Reichsbeamtengesetzes. Abg. Möller(Fortschr.) findet die Befugnisse der Vorgesetzten der Beamten bei Pensionirung der Letzteren zu weit gehend. Man wisse ja, wie schädlich dieser Einfluß der Vorgesetzten auf untere Beamten eingewirkt habe. Minister Scholz protestirt gegen diese Behauptung und der Abg. MeyerJena(Nat.=Lib.) sucht nachzuweisen, wie verschwindend selten solche Uebergriffe vorkommen können. Abg. Langerhaus(Fortschr.) findet Beweise für eine bedenkliche Beamtenbeeinflussung bei den jüngsten Wahlen. Bei der hierauf folgenden Berathung des letzten Punktes der Vorlage, nämlich über den Beginn der Pensionsberechtigüng, erhebt sich eine lebhafte Debatte. Die Regierungsvorlage hatte verlangt, daß die Pensionsberechtigung mit dem 20. Lebensjahre beginne. Der Abg. v. Gerlach(Kons.) beantragt diesen Zeitpunkt mit dem 18. Lebensjahre eintreten zu lassen. Abg. Richter=Hagen ist entschieden gegen diese Abänderung, die neue finanzielle Belaftungen zur Folge haben würde. Das Haus lehnt den Antrag v. Gerlach und auch den Antrag v. Pfetten=Arnbach(Centrum), die Vorlage zur nochmaligen Berathung an die Kommission zu verweisen, ab, und nimmt die Vorlage unverändert an.— Hiernächst folgt die Berathung der Abänderungsvorlage zum Militärpensionsgesetz. Abgeordneter Mayer(Württemberg, Volkspartei) erklärt das Gesetz ablehnen zu müssen, die Belastungen des Volkes durch dies Gesetz kohnen in der gegenwärtigen Zeit nicht ertragen werden. Abgeordneter von Pfetten(Centrum) hat dasselbe Bedenken, auch könge man den seit 1870 pensionirten Offizieren eine nachträgliche Entschädigung nicht gewähren, was sehr mißlich sei. Abg. Schröder=Oberbarnim(Kons.) und Abg. v. Bernuth(Nat.=Lib.) treten Der Straßenkehrer von London. Ein soziales Bild von Theodor Küster. (Fortsetzung.) 10 „Nun, Sir“, redete der Mann mich an, als er mein Erwachen bemerkte,„Sie haben fest geschlafen, das muß ich sagen; wir sitzen jetzt über eine Stunde hier, und all' das Toben und Springen der Kinder vermochte Sie nicht zu erwecken. Aber unruhig war Ihr Schlaf, Sir, denn sie haben immerwährend im Traume gesprochen.“ „Die Gutmüthigkeit, die in seinen Worten sich kundgab, mehr aber noch in seinen Zügen ausgedrückt war, that mir wohl; ich wandte mich zu ihm um ihn genauer zu betrachten. Mann wie Frau waren— es war Sonntag— sehr anständig gekleidet, ebenso die fünf Kinder, deren ältestes, ein etwa 14 Jahre altes Mädchen, neben der Mutter im Grase saß und ein Buch vor sich auf dem Schooße liegen hatte, aus dem es vorgelesen zu haben schien. Die ganze Familie machte den Eindruck bürgerlichen Wohlstandes. entgegnete ihm auf seine freundliche Zusprache, mein unruhiger Schlaf nicht Wunder nehmen könnte, indem mich das Schicksal eines Freundes sehr beschäftigte. In allgemeinen Umrissen erzählte ich ihm meine eigene Lage als die des mir nahe stehenden Freundes. „Unsinn, Sirt warf er ein, als ich ihm von den vergeblichen Bemühungen um Beschäftigung berichtet, „nonsense!— Wer arbeiten will, der findet Arbeit und Verdienst, und sollte er beide auf der Straße suchen müssen. Sehen Sie mich an, Sir; auch mir war es nicht an der Wiege gesungen, daß ich Tages für mich und meine alte, nun todte Mutter um eine Brodrinde verlegen sein sollte; und doch kam jener Tag. Eine lange Krankheit hatte mir nicht nur meine Stelle als Maschinenmeister in einer großen Fabrik geraubt, sondern in ihrem Verlauf auch einen so nachtheiligen Einfluß auf meine Sehkraft geübt, daß die Ausübung meines seitherigen Berufes mir zur Unmöglichkeit geworden war. Als ich körperlich wieder Montag, 12. Februar. für den Entwurf ein. Man müsse Bedacht nehmen, den bereits pensionirten Offizieren Schadloshaltung zu gewähren. Abz. Richter=Hagen hält das ganze Pensionssystem des Militäts für ein durchaus verfehltes, das mit dem Pensionswesen der Civilbeamten garnicht verglichen werden kann. Durchschnittlich tritt die Militärpensionirung im 39. Lebensjahre ein und dauert 15½ Jahre, beim Civilbeamten tritt die Pension viel später ein; denn beim Militär kommt es auf die Felddienstfähigkeit, beim Civil aber auf die Erwerbsunfähigkeit an. Das unhaltbare System ist ein Grund gegen das Gesetz und ebenso bedenklich ist die Bevorzugung der adeligen vor den bürgerlichen Offizieren; hierzu kommt die finanzielle Mehrbelastung. Alle diese Gründe veranlassen mich und meine politischen Freunde, gegen das Gesetz zu stimmen. Oberstlieutenant Hutz(Reg.= Kommiss.) erklärt, daß eine Reform des Militär=Pensions=Wesens nicht denkbar sei ohne eine fundamentale Umgestaltung unserer Armee.— Abg. Buhl(Nation.= lib.) spricht sich zugleich Namens seiner politischen Freunde gegen das Gesetz aus. Es wäre nöthig, die für Offiziere in Aussicht genommenen Pensionserhöhungen auch auf Unteroffiziere und Soldaten auszudehnen. Abg. v. Minnigerode(Kons.) ist für den Entwurf, auch bereit, demselben rückwirkende Kraft für die seit 1870 pensionirten Offiziere beizulegen. Die Debatte wird vertagt. Nächste Sitzung Montag 12 Uhr. TagesOrdn.: Rest der heutigen Tagesordnung und kleinere Vorlagen. Schluß 4¾ Uhr. Deutsches Reich. * Berlin, 10. Februar. Bei dem Diner im kronprinzlichen Palais nach Ueberreichung des Ehrengeschenks der Städte, saßen die Vertreter der Städte und übrigen Geladenen in bunter Reihe zwischen den Mitgliedern der kronprinzlichen Familie. Der Kronprinz brachte den einzigen Toast auf den Kaiser als Beschützer des deutschen Städtelebens aus, mit welchem er sehr geschickt in verbindlichen und herzlichen Worten den Ausdruck seines Dankes an die Städte zu verflechten wußte. *— Die Börsensteuerkommission hat vorgestern Abend die erste Lesung des Wedell'schen Börsensteuergesund war und sah, wie das kleine Hauswesen mit Riesenschritten dem Untergange entgegeneilte, da dachte ich nicht an Stolz und Künste und Fertigkeiten, für mich nun werthlos geworden waren, sondern griff zu dem Mittel, das uns, wenn auch mehr als bescheiden, so doch unmittelbar mit dem Nöthigsten für's Leben versah. Einige Versuche, als„Portier“(Hausdiener, Markthelfer) anzukommen, schlugen fehl; da stellte ich mich an eine Straßenecke und putzte den Leuten die Schuhe und was sie sonst noch geputzt haben wollten, öffnete Abends die Wagenschläge vor den Theatern, besorgte kleine Kommissionen und dergleichen Dinge und Dienste mehr. Das Geschäft hat mich im Unglück ernährt und ich bin ihm nachher auch treu geblieben, als meine Augen besser wurden, denn, Sir, es„nährt seinen Mann“, und hier blinzelte der Erzähler—„wenn er's nur anzufangen weiß und ehrlich dabei zu Werke geht, früh aufsteht, sich früh zur Ruhe begiebt und allen falschen Stolz bei Seite setzt, denn der hat noch Keinem durch die Welt geholfen. Und wenn Ihr Freund klug ist, so soll er's auch so machen. Nur muß er mir nicht ins Revier fallen, denn Konkurrenz dulde ich nicht; würde ihm auch übrigens nicht viel nützen, denn ehe er's dahin bringt, so bekannt zu werden und so viele und feste Kundschaft zu haben als ich, na, da hat's gute Zeit; doch sein Brod kann er gleich damit finden. Es giebt noch viele Punkte in London, wo Einer, der's Herz auf dem rechten Fleck hat, ein ganz gutes Geschäft machen könnte. Erst dieser Tage habe ich meine Betrachtungen angestellt über Hyde=Park Corner, Sir, da wäre so'ne Ecke für Ihren Freund!.... Ich würde mich keinen Augenblick mit Gelehrsamkeit und Erziehung und wie die Vorurtheile sonst heißen mögen, aufhalten, wenn sie mir nicht einmal das tägliche Brod einbringen wollten; frisch gewagt! das ist die Loosung. Der ganzen vornehmen Welt ein Schnippchen geschlagen und unten anfangen: da zeigt sich der wahre Mann!...“ „Dieser Vorschlag, ich muß es gestehen", fuhr Seuthend fort,„war mir neu und überraschte mich nicht wenig. Erstaunt sah ich den Mann an und 1883. gesetzentwurfs beendet und sich bis nach Ostern vertagt: Die Ablehnung des Wedell'schen Entwurfs auch in der zweiten Lesung gilt schon jetzt als gewiß, voraussichtlich werden von der Kommission mehrere Resolutionen vorgeschlagen werden, die der Regierung als Anlaß und Direktive für eine in nächster Session einzubringende Vorlage dienen, wobei nicht ausgeschlossen ist, daß man das ganze Börsengeschäft und nicht bloß die Heranziehung der Börse zur Steuerzahlung gesetzlich zu regeln sucht. *— Die Forderung für das Reichsgerichtsgebäude in Leipzig ist im Reichstag nach kurzer Debatte mit sehr großer Mehrheit bewilligt worden, und damit ist die Frage über den Sitz dieses Gerichtshofs wohl definitiv entschieden. Der Vorschlag einer Verlegung des Reichsgerichts ist im Reichstag gar nicht mehr zur Sprache gekommen; auch der Antrag, die geforderte erste Rate abzusetzen, wurde nicht damit begründet, daß eine Verlegung des Gerichtshofes in Frage kommen könne, sondern nur damit, daß der Umfang der Geschäfte des Gerichts und sonach auch der erforderlichen Räumlichkeiten sich noch nicht hinlänglich übersehen lasse, daß das Bauterrain unzweckmäßig sei, kurz mit bautechnischen Gründen, wobei immerhin der Gedanke, später einmal auf die Frage der Verlegung zurückzukommen, im Hintergrunde gelegen haben mag. Nach der Bewilligung des Baues durch den Reichstag wird nun auch die für eine Verlegung des Gerichts nach Berlin ins Werk gesetzte Agitation als gegenstands= und aussichtslos zur Ruhe kommen. Wir hätten seiner Zeit lieber gesehen und es für natürlicher und zweckmäßiger gehalten, wenn der höchste Gerichtshof in Berlin errichtet worden wäre; allein nachdem einmal die Entscheidung gefallen war, mußte man sie auch als dauernd anerkennen. Was zu Gunsten und zum Nachtheil der beiden Städte gesagt werden konnte, ist schon vor sechs Jahren aufs Erschöpfendste erörtert worden. Daß sich hinterher Uebelstände herausgestellt hätten, welche eine ersprießliche Wirksamkeit des Tribunals in Leipzig geradezu unmöglich machten, wird man nicht behaupten können. Und so wird nun wohl diese Frage aus der zahlreichen Reihe unserer„Fragen" verschwinden. konnte mich nicht enthalten, ihn zu fragen, ob das, was er jetzt sei und besitze, die Frucht einer solchen problewatischen Straßenindustrie sei.“ „Ganz gewiß, Sir, ganz gewiß!— Hätte ich mich damals nicht kurz entschlossen und in den sauren Apfel gebissen, so hätte man acht Tage später mit Krokodilsthränen in den Zeitungen von unserm Hungertode gesprochen,— darauf können Sie sich verlassen.— Nun denn, ich habe mir selbst geholfen und es nie bereut. Mit einem Anlage=Kapital von 4 oder 5 Schilling hat man alles nöthige Handwerkszeug und kann das industrielle Unternehmen sogleich beginnen. Und ich Ihnen mein Wort, Sir, es rentirt sich ganz gut; man muß nur die erste Scheu überwinden und mit der Aufgabe vertraut geworden sein, Andern ohne Unterschied dienstbar zu sein. Was ist übrigens das menschliche Leben weiter, als ein beständiges Dienstbarsein einer Hälfte gegen die andere?.... Dem Reinen ist Alles rein, und wie der Dienst geschieht, gleich, wenn man nur ehrlich sein Brod damit verdient und— das ist die Hauptsache— unabhängig bleibt von den Launen und Schlechtigkeiten seiner Mitmenschen. Doch wenn es Ihrem Freunde Spaß machen sollte, ehe er sich entschließt, mich einmal in meiner Industrie thätig zu sehen, so können Sie ihm sagen, daß er mich von 8 Uhr früh bis zum Dunkelwerden stets an der Ecke von Oxford Street und Tottenham Court Rogd findet, da wo die Omnibusse halten unter dem mitten in der Straße stehenden Gaskandelaber.— Doch nun, Sir, guten Abend! Wir haben noch weit zu gehen bis nach dem Uxbridge Road, denn da wohne ich, und in einem ganz anständigen Hause, das mir gehört und hoffentlich nach mir meinen Kindern gehören wird. Glauben Sie mir, daß keine Arbeit schändet, am allerwenigsten aber die, welche trotz aller Ehrlichkeit und Sparsamkeit goldene Früchte trägt.“ „Mit einem treuherzigen„Gute Nacht, Str!“ drückte der Mann mir die Hand, bot galant seiner hübschen Frau den Arm und umschwärmt von den blühenden Kindern zog die Gesellschaft bergab London zu. (Fortsetzung folgt.) *— Die Kommission des Reichstages für den Antrag, betreffend die Entschädigung unschuldig Verhafteter, hat die Berathung desselben beendet. Auf Grund derselben wird der Generalstaatsanwalt Abg. v. Schwarze einen neuen Gesetzentwurf ausarbeiten und denselben der Kommission vorlegen. *— Die„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht an erster Stelle ein Entrefilet, in welchem den deutschen Zeitungen der Text gelesen wird, die sich über den General Thibaudin abfällig geäußert haben. Das genannte Blatt behauptet, es gehe deutsche Blätter nichts an, welche Eigenschaften ein französischer Kriegsminister habe, das sei eine interne französische Angelegenheit. Die Stichhaltigkeit dieser Ausführungen dürfte von den Blättern doch wohl nicht als ganz zweifellos erachtet werden. *— Man schreibt der„Wes.=Ztg.: Hierher gelangten Nachrichten zufolge fanden vor einigen Wochen zu Versailles vergleichende Schießversuche mit Repetirgewehren statt, und zwar konkurrirten das kürzlich für die norwegische Infanterie angenommene Jarmanngewehr und das bereits in Bar=le=Duc versuchte französische Magotgewehr. Die Berichte sprechen sich über diese Versuche sehr günstig aus, indessen wird ein nochmaliges Konkurrenzschießen mit dem Schweizer Vetterlirepetirgewehr stattfinden. Die Neubewaffnung der französischen Infanterie mit einem Repetirgewehr ist beschlossene Sache und soll, sobald die eingesetzte Gewehrkommission sich endgültig über das Modell geeinigt hat, mit Aufbietung aller Kräfte innerhalb dreier Jahre völlig durchgeführt werden. Das Repetirgewehr ist die Waffe der Zukunft; in Generalstabskreisen ist man überzeugt, daß auch Deutschland zu seiner Einführung durch das Vorgehen der anderen Staaten gedrängt werde, und es ist ein offenes Geheimniß, daß, obwohl ähnliche Stimmen wie damals bei Einführung der gezogenen Geschütze gegen diese Waffe sich jetzt erheben, man im Kriegsministerium sich über die Nothwendigkeit der Umbewaffnung klar ist. Es handelt sich in Berlin jetzt darum, eine Konstruktion zu finden, welche bei einer Aptirung des jetzigen Gewehrs dem Staate die geringsten pekuniären Opfer auferlegt. * Hamburg, 7. Februar. Gestern hat in der Angelegenheit des Pastor Hanne eine Verhandlung im Kollegium der Geistlichen des zweiten Landkreises unter dem Vorsitz des Senior Hirsche stattgefunden. Da Hanne dem Kollegium angehört, so war er miteinberufen; aber der alsbald nach dem Zusammentritt des Kollegiums gestellte Antrag, denselben wegen des gegen ihn eingeleiteten Disziplinarverfahrens von den Verhandlungen in dieser Sache auszuschließen, ist abgelehnt worden, obwohl die orthodoxe Richtung in der Majorität war. Die Konferenz hat trotz einer Dauer von fünf Stunden zu keinem Beschluß kommen können. Der Kernpunkt der Frage, um die es sich handelte, bestand nämlich, wie die„Weser=Ztg.“ mittheilt, darin, ob es wahr sei, daß Hanne in dem bekannten Vortrage das Dogma von der Trinität und von der Gottheit Christi als auf heidnischer Grundlage beruhend bezeichnet habe. Hanne hat dies ruhig zugestanden, aber dann alle weiteren Fragen, mit denen man auf ihn eingedrungen ist, als unbefugtes Inquiriren abgewiesen. * Hamburg, 9. Februar. Zu der in der Angelegenheit der Cimbria morgen vor dem hiesigen Seeamte stattfindenden Verhandlung sind nur die Zeugen vom Sultan vorgeladen, und zwar: der Kapitän Cuttill, der erste Steuermann Bullard, der zweite Steuermann Watkinson, der Bootsward Tether und die Matrosen Reynolds und Hird. Letzterer war zur Zeit des Zusammenstoßes des Sultan mit der Cimbria auf dem Ausguck; Tether und Reynolds waren am Ruder. Die Zeugen sind bereits in der Voruntersuchung vernommen und sollen morgen ihre Aussagen wiederholen und beeidigen und mit den geretteten Offizieren der Cimbria ins Kreuzverhör gebracht werden. Die nächste Sitzung des Seeamts findet künftigen Dienstag statt, zu derselben sind die Zeugen von der Cimbria vorgeladen. Reuß j. L. * Gera, 9. Februar. Se. Majestät der Kaiser hat unserem Fürsten den Schwarzen Adler=Orden verliehen und die Insignien desselben am Tage der silbernen Hochzeitsseier durch den Prinzen Heinrich XVIII. Reuß überreichen lassen. Eigenhändige Glückwunschschreiben gingen ein von der Kaiserin, vom Kronprinzen und der Kronprinzessin. Alle anderen Höfe ließen durch besondere Abgesandte ihre Glückwünsche aussprechen.(Magd. Ztg.) Frankreich. * Paris, 8. Februar. Der Kriegsminister General Thibaudin erklärte gestern vor dem Senatsausschuß für den Prätendenten zuerst, daß er seine vor der Kammer gemachten Erklärungen vollständig aufrecht erhalte. Er bemerkte dann weiter, daß er von der Tapferkeit der Prinzen und der Dienste, die sie dem Land geleistet haben könnten, nicht zu sprechen habe, aber er sei der Ansicht, daß ihre Aawesenheit in der Armee eine fortwährende Ursache der Störung für die Mannszucht und die Sicherheit des Staates sei; es sei gut, die republikanische Arme und das Land, deren Ehre und Interessen eng verbunden seien, zu beruhigen. Der Kriegsminister theilte dann ein Schreiben des Generals Billot(des früheren Kriegsministers) mit, worin er den Herzog v. Aumale am 27. Oktober 1882 auffordert, die Offiziere der Garnisonen von Versailles und Paris nicht mehr zu seinen Jagden im Walde von Chantilly einzuladen. Der Kriegsminister gab dann weitere Aufschlüsse über das Auftreten des Herzogs v. Chartres, der sich ohne alle Ermächtigung nach dem Lager von Chalons und zu den Manövern von Bleré begeben habe. Der Kriegsminister fügte noch hinzu, daß das Auftreten des Herzogs v. Chartres, der, als die Nationalversammlung noch in Bordeaux getagt, schon zu einem Gewaltstreich gerathen habe, um die Monarchie wieder herzustellen, seinem Vorgänger General Billot so große Besorgnisse eingeflößt habe, daß dieser ihn nach Tunesien habe senden wollen. * Paris, 9. Februar. Die Anklagekammer in Sachen des Prinzen Napoleon trat diesen Mittag zusammen. Sie bestand aus dreizehn Richtern, da sie sich die Appellkammer für Zuchtpolizeiprozesse beigesellt hatte, was Kraft des Gesetzes vom 26. Juli 1810 erlaubt ist. Der Generaladvokat zog sich zurück, nachdem er sein Ersuchschreiben niedergelegt hatte, das auf Einstellung der Untersuchung lautete. Der Präsident las hierauf die Akten und die Denkschrift der Vertheidiger des Prinzen Napoleon vor. Um 1½ Uhr gab die Anklagekammer ihren Beschluß auf Einstellung der Untersuchung kund. Der Prinz war seit diesem Morgen davon unterrichtet, daß die Untersuchung eingestellt werden würde. Um 5¾ Uhr hatte er das Krankenhaus in Auteuil noch nicht verlassen. Vor der Wohnung des Prinzen in der Avenue'Antin war ein großer Zustrom von Wagen und Besuchern versammelt. Viele Beamte der geheimen Polizei bewegten sich vor dem Hause. Der Prinz äußerte, als ihm der Beschluß der Anklagekammer mitgetheilt wurde:„Darin erkenne ich die edlen Ueberlieferungen des französischen Richterstandes". Der Prinz wird, wie es heißt, Frankreich auf einige Zeit verlassen und zunächst zum Besuch der Kaiserin nach England gehen. Er ist indeß immer noch unwohl. dem Fürstenthum Lippe und Umgegend. * Detmold, 9. Februar. Das Reichspostamt hat bestimmt, daß die für Briefe bis zu 60 g den Soldaten gewährte Portofreiheit sich auch auf die an Soldaten abgesandten Postkarten erstreckt, sofern sie den für Soldatenbriefe vorgeschriebenen Vermerk tragen.„Selbstverständlich setzt die Portobefreiung den Gebrauch ungestempelter Postkartenformulare voraus.“ * Detmold, 10. Februar. Das Herford. Kreisblatt enthält folgende Erklärung:„In Ihrer Nummer vom 1. Febr. er. finde ich die Notiz, daß ich eine sozialdemokratische Versammlung besucht habe. Aus dem Referate über diese Versammlung könnte ein mit unseren politischen Verhältnissen nicht Vertrauter vielleicht den Schluß ziehen, als ob ich durch mein Erscheinen in der Versammlung meine Uebereinstimmung mit den Bestrebungen der Sozialdemokratie hätte an den Tag legen wollen. Ich erkläre hiermit, daß mir die Tendenz jener Versammlung unbekannt war; meine politischen Freunde und auch diejenigen Gegner, die meine bisherige politische Wirksamkeit näher kennen, werden überdies die Ueberzeugung gewonnen haben, daß meine Partei und ich entschiedene Gegner der sozialdemokratischen Bestrebungen sind. Mit Hochachtung W. Büxten, Mitglied des Reichstages. Berlin, den 6. Februar 1883.“ * Detmold, 10. Februar. Das diesjährige Datum des Osterfestes gehört fast zu den frühesten, die überhaupt möglich sind: es ist der 25. März. Bisher trat dieser Fall nur ein in den Jahren 1663, 1674, 1731 und 1742; im 19. Jahrhundert bis jetzt noch gar nicht. Außer in 1883 wird auch in 1894 Ostern auf den 25. März fallen und in den folgenden Jahrhunderten in den Jahren 1951, 2035, 2046, 2057, 2103, 2114, 2125 und 2198 2c. Nach den Bestimmungen des Konzils zu Nicäa kann Ostern überhaupt frühestens auf den 22. März fallen. Dies tritt ein, wenn der in Betracht zu ziehende Vollmond auf den 21. März trifft und wenn gleichzeitig dieser Tag ein Sonnabend ist. Diese beiden Bedingungen treffen offenbar sehr selten zusammen. Es war dies der Fall in den Jahren 1598, 1693, 1761, 1818 und wird wieder der Fall sein in den Jahren 1970, 2076 und 2144; in den dann folgenden drei Jahrhunderten wird Ostern niemals auf den 22. März fallen. Der späteste Termin für Ostern ist der 25. April. Dieser eben so seltene Fall trat bis jetzt ein in den Jahren 1666 und 1734 und wird wieder eintreten in den Jahren 1886, 1943, 2043, 2117, 2269 u. s. w. * Detmold, 12. Februar. Diese Woche, Mittwoch, wird zum Benefize für Frl. Marly„Philppine Welser“ gegeben werden. Bei der hohen Anerkennung, welche dem Talente dieser geschätzten Künstlerin allseitig gezollt wird und der allgemeinen Gunst, deren sie sich bei unserm kunstsinnigen Publikum zu erfreuen hat, bedarf es wohl nur dieses Hinweises, um der Sympathie für die Dame an ihrem Ehrenabende durch ein voll besetztes Haus auch wahren Ausdruck zu geben. Die sächsischen und preußischen Staatswaldungen. Noch unter dem Eindruck der großen Ueberschwemmungen, welche soeben so viele Gebiete unseres Vaterlandes verheerten, wird von allen Seiten auf die Nothwendigkeit hingewiesen, unseren Forsten, als den natürlichen Aufsaugern der Feuchtigkeit, den Schwämmen, welche das Wasser gierig aufsaugen und langsam abfließen lassen— größere Aufmerksamkeit als bisher zuzuwenden. Insbesondere gilt es, die Waldungen in den Quellgebieten der Ströme zu vermehren und die Waldschutzgesetzgebung recht streng zu handhaben. Theater=Wochenschau. * Detmold, 10. Februar. Die abgelaufene Woche brachte uns zunächst am vorigen Sonntag Pohls „Der Gold=Onkel“, welche bei guter Inszenirung und flottem Spiel noch stets ihre Wirkung ausübt. Daß dies wohl auch diesmal der Fall gewesen sein muß, bewies der lebhafte Beifall, mit dem sie von dem gut besetzten Hause aufgenommen wurde. Herr Textor wußte aber auch den Goldonkel in lebendiger und doch maßvoller Weise zu charakterisiren, ebenso Herr Pichler den jüdischen Handelsmann Blumenkranz. Die derbkomischen Partien waren bei Herrn Wohlbrück und Frl. Raberg bestens aufgehoben, während die sentimentalen Rollen diesmal von Frl. Marly und Herrn Ad. Müller in bekannter Charakteristik vertreten waren. Die Inszenirung war eine sorgfältige und besonders das letzte Bild recht wirkungsvoll arrangirt. Am Montag ging E. v. Wildenbruchs„Opfer um Opfern vor leider nur mäßig besetztem Hause in Szene. Auch dieses Stück zeichnet sich gleich den übrigen Arbeiten des Verfassers durch seine edle Sprache, tiefe Empfindung und scharfe Charakterzeichnung vortheilhaft aus, und vermissen wir kaum den Mangel an Handlung, der ihm im Verhältniß zum Mennoniten z. B. innewohnt, im Gegentheil, wir möchten es eher gerade bei diesem Stück für einen Vorzug halten. Der Dichter hat eben in Opfer um Opfer die ganze Kraft seines Talents auf die Steigerung des Seelenkampfes seiner drei Hauptpersonen verwandt, sodaß jede übermäßige Abschweifung nur störend wirken müßte. Daß er es trotzdem verstanden hat, die Spannung bis zum letzten Augenblicke rege zu halten und das Publikum von Akt zu Akt immer mehr einzunehmen, das zeugt gerade von der eminenten Begabung des Dichters. Nur scheint uns der Idealismus, dem er in diesem Stücke Ausdruck giebt, denn doch ein etwas gar zu hoher, eine sich in der hier geschilderten Weise aufopfernde Schwesterliebe halten wir in unserer leider so realistischen Zeit für undenkbar. Außerdem passirte ihm hier eine Inkonsequenz, die uns bei seiner sonst so tiefen Empfindung unverständlich bleibt. Während er im Mennoniten sagt: Aus Freundschaft kann wohl Liebe werden, Liebe, die Freundschaft wird, war Liebe nie, will er Opfer um Opfer dadurch zu einem versöhnenden Abschluß bringen, daß er Hedwig zum Schluß sagen läßt: Ich habe Dich so innig geliebt, daß ich Dir auch eine Freundin sein kann. Hier ein Widerspruch, der uns, wie gesagt, unerklärlich ist. Nichts destoweniger möchten wir wünschen und hoffen, daß Opfer um Opfer sowohl wie der Mennonit recht bald noch einmal zur Aufführung gelangten. Wesentlichen Antheil an dem Erfolg des Abends hatten aber auch die darstellerischen Kräfte. Herr wußte mit der von Akt zu Akt sich steigernden Leidenschaft in seinem Spiel vollkommen Schritt zu halten und fand an Frl. Marly, welche die Hedwig mit feinem Verständniß und wohl angebrachtem Verhalten der Leidenschaft wiedergab, eine getreue Partnerin. Auch Frl. Ulrichs bemühte sich sichtlich, der schwierigen Partie der Christine gerecht zu werden und erfreute uns durch manche neue Momente in ihrem Spiel. Der zwar leichtfertige, aber im Grunde seines Herzens doch nicht schlechte Paul Kellenberg lag bei Herrn Klug in besten Händen, ebenso die lebendige Tante Ulrike bei Frau Grunert. Die beiden Nebenfiguren, Diener Windeland und Dienftmädchen Rieke wurden durch Herrn Textor mit ebenso feiner Komik wie von Frl. Raberg mit dem nur ihr eigenen Schelm wiedergegeben. Am Mittwoch gelangte Mel's Charakterlustspiel Heinrich Heine zur Aufführung, in welchem wieder recht wacker gespielt wurde. Herr Müller gab den alten Banquier Heine in Spiel ganz vortrefflich wieder, nur hätten wir bei dem sonst so gut ausgeprägten Charakter den geizigen Zug um den Mund nicht gern gesehen. Herr Weiß war ein vortrefflicher Heinrich Heine und auch die Damen Frau Grunert, Frl. Marly und Ulrichs spielten mit der bei ihnen gewohnten Sicherheit. Sehr gut war diesmal auch Herr Wohlbrück, sein Hirsch war ein echt jüdischer Typus ohne Uebertreibung. Hierauf folgte noch eine Wiederholung des Puttlitz'= schen Schwankes:„Das Schwert des Damokles“ in der bekannten Besetzung. Am Freitag ging Sardous Lustspiel„Cyprienne(Divorcons) über die Bretter. Hier hatte Herr DirektorSteffen einmal wieder Gelegenheit, sich als gesetzter Charakterspieler zu zeigen und führte er den Herrn v. Prunelles mit feinem Verständniß durch. Der Cyprienne des Frl. Ulrichs fehlte die leichte Beweglichkeit einer Französin, und glauben wir, wäre diese Rolle von Frl. Raberg ungleich besser wiedergegeben worden. Es giebt eben eine gewisse Grenze, über welche selbst eine Künstlerin nicht hinaus kann. Frl. Ulrichs ist einmal eine naive Liebhaberin, die sehr gut damit auch die gesetzten Rollen zu verbinden weiß, zur Darstellung einer Cyprienne gehört bei aller Naivität aber ein ganz eigenes lebhaftes Temperament, welches wir bei Frl. Ulrichs vermissen. Im Uebrigen können und wollen wir der geschätzten Darstellerin durchaus nicht die Anerkennung vorenthalten, die ihr auch in diesem Stücke gebührt, nämlich in der Szene, wo mehr die wirkliche En pfindung von Liebe zum Durchbruch kommt. Auch Herr Klug gestaltete den Adhémar v. Gratignan zu einer ganz den Intentionen des Dichters entsprechenden M. Unter diesen Umständen ist es besonders erfreulich, hervorheben zu können, daß von mehreren deutschen Staaten bereits seit einer größeren Reihe von Jahren die Forderungen erfüllt wurden, welche man so berechtigter Weise gestellt hat. Insbesondere gilt dies vom Königreich Sachsen, einem der waldreichsten der deutschen Staaten, denn etwa 80 Quadratmeilen— fast der dritte Theil seines ganzen Flächeninhaltes— sind mit Wald bedeckt. Davon gehören 28 Quadrat= meilen dem Staate, während die übrigen 52 im Privatbesitze sind. Die sächsische Forstverwaltung vergrößert nun alljährlich die mit Wald bepflanzte Fläche, indem zu diesem Zwecke solche Grundstücke aufgekauft werden, welche der Landwirthschaft oder dem Gartenbau nicht dienstbar gemacht werden können. Auch Wald, der im Privatbesitz nicht gut bewirthschaftet werden kann, theils, weil das Areal zu klein ist, um einen Förster zu nähren, theils, weil der Besitzer auf den Wald keinen Werth legt, wird vielfach erworben. Aus dem kürzlich in neuer Auflage erschienenen, nach amtlichen Quellen bearbeiteten Werke:„Die forstlichen Verhältnisse Preußens geht hervor, daß sich der fiskalische Wald auch in diesem Staate fortwährend vermehrt. Während im Jahre 1867 die staatliche Forstfläche Preußens 2,053,163 Hektar ausmachte, beträgt sie gegenwärtig 2,649,892 Hektar. Wie in Sachsen, überwiegt auch in Preußen das Nadelholz bei weitem das Laubholz, denn die preußischen Staatsforsten bestehen aus 61,, pCt. Kiefern, 17,0 pCt. Buchen, 12,0 pCt. Fichten, 5,5 pCt. Eichen, 3,8 pCt. Erlen und Birken. Die Eiche wird am meisten angebaut in den Regierungsbezirken Köln, Münster, Düsseldorf und Stralsund, die Buche in den Regierungsbezirken Wiesbaden, Trier, Arnsberg und Minden, die Kiefer in den Regierungsbezirken Bromberg, Marienwerder, Posen und Frankfurt a. d. Oder, die Fichte in den Regierungsbezirken Erfurt, Aachen, Hannover und Gumbinnen. Der preußische Wald zeichnet sich aus durch viele alte Bestände, indem der Hochwald zu 15 Proz. aus Beständen von über 61—80 Jahren, zu 13 Proz. aus Beständen von 81—100 Jahren und zu 12 Proz. aus Beständen von über 100 Jahren besteht. Mit Recht kann man daher über die Fürorge, welche dem deutschen Walde zugewandt wird, beruhigt sein, wenn auch hier und da noch manches zu wünschen übrig bleibt. Das Wachrufen des öffentlichen Gewissens wird aber doch die Folge haben, daß unsere Nachkommen, wenigstens in dieser Hinsicht, keinen Grund zu dem Ausrufe haben werden:„Weh' Dir, daß Du ein Enkel bist.“ Der Zusammenstoß der Dampfer„Cimbria“ und„Sultan". Hamburg, 10. Februar. Die heutige Verhandlung des Seeamts, betreffend die Kollision der„Cimbrian mit dem„Sultann begann mit der Verlesung der in der Voruntersuchung abgegebenen Aussagen der Mannschaft des„Sultan" und der von derselben am 25. Januar abgelegten Verklarung. Darauf folgte die Vernehmung der Zeugen. Der erste Zeuge, Kapitän Cuttill, sagte aus:„Der„Sultan“ verließ Hull am 15. Januar früh. Um Mitternacht trat Nebel ein. Bis dahin lief der„Sultan" 9½ Knoten. Um 12 Uhr 50 Minuten Nachts wurde der Nebel dichter; die Maschine arbeitete deshalb langsam. Es wurden etwa 4 Knoten zurückgelegt. Um 1 Uhr 15 Minuten(englische Zeit) steuerte der„Sultan“ Ost zu Süd und sah das Toplicht(grünes Licht) des entgegenkommenden Dampfers 2 Strich über dem Bug Steuerbord. Der„Sultan“ legte die Ruder bei und das Steuerbord fiel ab. Als der Kopf Oft=Nord=Ost zeigte, erblickte er, der Kapitän, das rothe Licht und gab Befehl, die Maschine zu stoppen. Das Kommardo war nicht mehr wirksam. Vom Erblicken des grünen Lichtes bis zum Zusammeastoß verfloß kaum eine Minute. Die Maschine des„Sultans“ macht bei voller Kraft 66—68 Umdrehungen in der Minute. Als das rothe Licht erblickt wurde, machte die Maschine noch 25—26 Umdrehungen. Der Zeuge ist der Ansicht, daß die Kollision vermieden worden wäre, wenn die„Cimbrian nicht den Kours verändert hätte. Nach der Kollision glaubte Kapitän Cuttill, der„Sultan“ würde sinken; das Schiff war durch den Stoß herumgedreht worden, so daß der Kopf nach Westen zeigte. Kapitän Cuttill blieb so liegen, weil er nicht wagte, das Schiff gegen Wind und Seegang zu drehen, aus Furcht, der beschädigte Kollisionsschott werde den Druck nicht aushalten. Er ließ zuerst den Kollisions= schott abstützen und die Löcher im Bug mit Betten verstopfen. Auch als man damit fertig war, wurden keine Schise abgesandt, weil man nicht wußte, wo das fremde geblieben war und man fürchtete, die Boote im %5 zu verlieren. Der„Sultan“ hotte 5 Boote, im Ganzen 70 Personen aufnehmen konnten. Nachste Schott des„Sultans hinter dem Kollisionsschott war der Maschinenschott; wenn ersteres brach, mußte der„Sultann sinken. Bei der Verstärkung des Kollisionsscholtes waren ein Zimmermann und 1 bis 2 Matrosen beschäftigt; die übrigen Leute waren verfügbar. Der„Sultan" hatte 18 Mann Besatzung. Cuttill hörte kurz vor der Kollision kein Nebelsignal; eine kleine halbe Stunde vorher war das Nebelhorn über dem Steuerbordquarter gehört worden. Dies mag vom borkumer Riff hergerührt haben. Der„Sultane blies alle Minuten das Nebelhorn und brannte nach dem Zusammenstoß blaue Feuer ab. Er glaubte, der Sultan“ sei schwerer beschädigt als das andere Schiff. Der Bericht der„Times“ vom 23. Januar, nach welchem der„Sultan" zuerst das Backbordlicht des anderen Dampfers erblickt habe, beruhe auf einem Mißverständniß und beziehe sich auf ein anderes Schiff. Diesem sei er ausgewichen, indem er den Kours durch das Steuerbordruder um einen Strich veränderte. Der Vorsitzende machte den Zeugen darauf aufmerksam, daß er in der beschworenen Verklarung anders ausgesagt habe. Der Zeuge erklärte diese Aussage für einen Irrthum; er müsse die Frage mißverstanden haben. Er sei seit 1860 Schiffsführer und habe zwei mal Kollision gehabt, einmal auf der Humber und das andere mal auf der Elbe, diese unter dem Kommando eines Lootsen, auf See noch nicht. Die Nebelsignale des„Sultan" vor der Kollision seien von dem Steuermann aus eigenem Antriebe gegeben worden, welcher ihm(dem Zeugen) keine Zeit zum Kommando gelassen habe. Die Vernehmung ist damit beendet. Es wird alsdann Pause gemacht. Vermischtes. * Die große Eisbrücke, welche sich über den Niagara unterhalb des Falles gebildet hat, erregt gegenwärtig viel Aufmerksamkeit. Tausende von Besuchern strömen täglich herbei, um das Naturschauspiel zu sehen, und in allen Theilen Amerikas werden Vergnügungszüge nach dem Niagara organisirt. Man darf keinen Brückenbogen und keine Krystallpfeiler erwarten, — es ist nichts als eine große, noch zusammengefrorere Eisfläche. Der Baumeister ist der Südwind. Er hat lange angehalten und das Aufbrechen des Eises im Eriesee, der 25 Meilen entfernt ist, verursacht. gigantischen Blöcken schwimmen sie den Fluß herab, bis sie über die Fälle schießen, ein Anblick, der sihenswerth ist und eine lange Reise lohnt. Unterhalb der setzen sich einige dieser Blöcke fest; Frost und Schaum kitten sie zusammen und dieser Prozeß nimmt seinen Fortgang, bis der Fluß von Ufer zu Ufer bedeckt ist. Diese Brücke ist die größte, die je gebaut worden und erstreckt sich vom Fuße des Kataralts drei Meilen weit. Sie kann mit Sicherheit an jedem Punkte passirt werden und an ein Aufbrechen des Eises ist vor dem Eintreten warmer Witterung nicht zu denken. Den Schmugglern ist durch die Eisbrücke eine ausge zeichnete Gelegenheit für ihr Treiben geboten und sie sind nicht müssig, sich derselben zu bediener. ** * * Trier. Entweder ist das neue Steuerempfänger= examen in seinen Anforderungen verzweifelt hoch, oder aber es sind bisher sehr ungenügende Kräfte zu den Stellen der Steuerempfänger gekommen, denn von den 28 Aspiranten welche sich hier der Prüfung unterzogen, sind 20 durchgefallen, nur 8 haben bestanden. Unter den Durchgefallenen befindet sich auch ein Premier= lieutenant a. D, welcher in den letzten Jahren auf verschiedenen Bürgermeistereien praktisch gearbeitet hat. Industrie, Handel und Verkehr. * Das Auskunftsinstitut von W. Schimmelpfeng zu Berlin versendet seinen neuesten Jahresbericht. Aus dem ersten Abschnitt:„Verbindung mit Vereinen“ ist zu ersehen, daß angesehene Verbände zu dem Institut ein Vertragsverhältniß unterhalten, welches der Auskunftsertheilung neben genossenschaftlicher Kontrole„die Basis einer möglichst umfassenden und prompten Leistungsfähigkeit; gewähren soll. Der Umfang der Geschäftsthätigkeit erweist sich als ein stetig zunehmender. Die Abonnentenzahl, um 2755 gestiegen, beläuft sich zur Zeit auf 12411; an diese wurden täglich über tausend Auskünfte ertheilt. Bei der Incasso Abtheilung gingen 4486 Mandate zur Regelung von über zwei Millionen Mark ein. Angestellt hatte das Institut 106 Personen, in Berlin 84. Das Hauptbureau hatte über 50000 Mark allein an Porto zu verausgaben. In längeren Abschnitten:„Anerkennung und Anfeindung“—„Die Presse und die berufsmäßige Auskunftsertheilung“—„Zur rechtlichen Lage des Auskunftsbureaus“ sowie einen Anhang:„Zur Geschichte der Auskunftsbureaus“, enthält der Jahresbericht Auseinandersetzungen über Wesen, Entwickelung und Werth der organisirten Auskunftsertheilung, die der Beachtung aller Derer empfohlen werden dürfen, welche sich über diese Neuerung des modernen Verkehrs näher informiren wollen. Jeder Einsichtige wird nach der Lektüre der Bemerkung zustimmen: Es giebt Dinge, namentlich Neuerungen, die nicht jeder gleich zu verstehen vermag, aber allgemach ist die berufsmäßige Auskunftsertheilung vorgeschritten genug, daß sich die Pflicht aufdrängt, sich mit Interesse und positiven Ideen an der Entwickelung der Sache zu betheiligen. Literarisches. Eine erfreuliche Reform. Die Verlagshandlung S. Schottlaender zu Breslau steht im Begriff, in die deutsche belletristische Literatür eine Neuerung einzuführen, welche von den Autoren mit großer Begeisterung begrüßt worden ist und jedenfalls auch bei dem gesammten lesenden Publikum den lebhaftesten Anklang finden wird. Sie giebt nämlich in einem neuen Unternehmen, unter dem Gesammttitel„Drei=Mark=Bibliothek“, die neuesten Werke der beliebtesten Roman= und Novellendichter: Heinrich Laube, Adolf Wilbrandt, Felix Dahn, Alfred Meißner, Ernst Wichert, Wilhelm Jensen, Paul Lindau, Rudolf Lindau, Karl Braun=Wiesbaden, Ernst von Wildenbruch, Luise Ernesti, Levin Schücking, Eusemia Gräfin Ballestrem, Elise Polko, C. Schröder 2c. pro Band zu dem billigen Preise von 3 Mark in elegantem Original=Einbande heraus; wobei also die so oft als Muster gerühmte Billigkeit der französischen Romanliteratur mit englischem Komfort verbunden zur Geltung kommt und jeder Käufer Gelegenheit erhält, sich ohne Mühe selbst mit geringen Mitteln eine eigene, geschmackvolle Hausbibliothek anzulegen. Hoffentlich wird diese anerkennenswerthe Neuerung dazu beitragen, der von ärztlicher Seite bisher vergeblich gerügten Unfitte zu steuern, daß unsere Leserwelt ihren Unterhaltungsstoff meist nur aus Leihbibliotheken bezieht. Zwei Novellen von Heinrich Laube bilden dem Vernehmen nach den Anfang dieser hochinteressanten Drei=Mark=Bibliothek, auf die wir nach Erscheinen des erstrn Bandes zurückkommen werden. Zu dem bevorstehenden Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers erläßt ein Komité in Berlin, an dessen Spitze der Generalfeldmarschall von Herwarth steht, Aufforderungen zu Zeichnungen für ein Geschenk für die Armee, um Seiner Majestät hierdurch zu Seinem Geburtstage ein indirektes Geschenk zu machen und eine Freude zu bereiten. Dieses Armeegeschenk besteht in einer von höheren Offizieren bearbeiteten und von Seiner Majestät wiederholt revidirten Denkschrist, enthaltend eine authentische militärische Biographie Seiner Majestät mit einem ganz vorzüglichen photographischen Porträt Allerhöchstdesselben. Die Idee des Armeegeschenkes ist die, möglichst viele Soldaten der Armee, ehemalige Soldaten, Vereine, Schüler 2c. durch Zeichnungen aus privaten Kreisen in den Besitz dieser werthvollen Denkschrift, deren Preis inkl. der Photographie nur 80 Pfennige beträgt, zu setzen, damit jeder aktive, ehemalige und zukünftige Soldat authentische Kenntniß davon erhält, was Kaiser Wilhelm als Monarch, Feldherr und Soldat leistete und dadurch zu eigener, treuer Pflichterfüllung in seiner Berufssphäre angespornt wird. Nachdem Seine Majestät der Kaiser die Idee des Armeegeschenkes gebilligt, wurde es ermöglicht, bisher 240,000 Exemplare der Denkschrift in der Armee und im Volke, in den Schulen, in den Fabriken, unter der Landbevölkerung 2c. zu verbreiten und gab Seine Majestät wiederholt Seiner Freude über dieses Resultat eigenhändigen Ausdruck.— In diesem Jahre werden zu Kaisers Geburtstag wiederum Zeichnungen auf die Denkschrift angenommen und dürfte dies für jeden Patrioten dem es ein Bedürfniß ist, zu dem Fest= und Ehrentage Seiner Majestät der Liebe und Verehrung für Allerhöchstdenselben Ausdruck zu geben, eine erwünschte Gelegenheit zur Betheiligung sein.— Ausführliche Prospekte zu diesem Armeegeschenk und Zeichnerlisten für Personen, die selbst zeichnen oder in Bekanntenkreisen sich für die Cirkulation dieser Listen interessiren wollen, sind direkt franko und gratis zu erhalten von Herrn G. von Glasenapp, Berlin, Kurfürstenstraße 9. Repertoir des königlichen Theaters zu Hannover. * Montag, den 12. Februar: Die Zauberflöte. Dienstag, den 13. Februar: Des Meeres und der Liebe Wellen. Mittwoch, den 14. Februar: Der Stammhalter, Der Vetter. Donnerstag, den 15. Februar: Der fliegende Holländer. Freitag, den 16. Februar: Egmont. Sonnabend, den 17. Februar: Der neue Stiftsarzt. Sonntag, den 18. Februar: Rienzi. Wochenmarkts=Preise. * Bielefeld, 7. Februar. Butter pr. ½ Kilo M. 1,—, Rindfleisch pr. ½ Kilo M.—,65, Schweinefleisch pr. ½ Kilo. M. —.70, Speck, hiesiger pr. ½ Kilo M.—,85, Speck amerikanischer pr. ½2 Kilo M.—,80, Kalbfleisch pr. ½ Kilo M.—.50, Hammelfleisch pr. ½ Kilo M.—,65, Gänsefleisch 4 Pfund für —.—, Eier 22 Stück M. 1,—, Zwiebeln pr. ½ Kilo M.—,09, Aepfel pr. ½ Kilo M.—,13, Birnen ½ Kilo—,15, Rüben pr. 1 Kilo M.—10, Wurzeln pr. 1 Kilo M.—,09, Kartoffeln, neue, 1 Kilo M.—.—, Blumenkohl d Stück M. —.50, Kopfsalat 2 Stück M.—,17, Kappus à Stück M.—,10, Rothkohl à Stück M.—,15, Wirsing à Stück M.—,12, Steckrüben à Stück M.—.07, Kohlrabi 3 Stück M.—,10, Gurken 2 Stück M.—.—, Kartoffeln pr. 150 Pfund M. 7,—, Roggenstroh 50 Kilo M..25, Haferstroh 50 Kilo M. 1,60, Weizenstroh 50 Kilo M. 1,50, Heu 50 Kilo M. 2,60. Neueste Nachrichten. * Berlin, 10. Februar. Im Bundesrath wurde eine Zollerhöhung für rohes, mit der Axt bearbeitetes Holz von 0,10 auf 0,30 für Sägewaaren von 0,25 auf 0,30 M pro 100 Kilo angenommen, mit einigen Anmerkungen zu Gunsten des kleinen Grenzverkehrs.— Eine Zuckersteuerenquete wurde beschlossen. Der sofortige Erlaß eines Gesetzes, betreffend vorläufige Herabsetzung der Bonifikaton um 40 wurde angenommen, ebenso das Jagdpolizeigesetz für Elsaß=Lothringen. * Bonn, 10. Februar. Ein Extrablatt der klerikalen „Deutschen Reichszeitung“ meldet aus Rom, die Antwort des Papstes laute dahin, daß ein Uebereinkommen betreffs des Einspruchsrechtes nur gleichzeitig mit einer Revision der organischen Maigesetze stattfinden könne. * Paris, 10. Februar. Wie versichert wird, fand eine Besprechung Grevy's mit Freycinet statt. Letzterer hätte jedoch den Auftrag der Bildung eines neuen Kabinets abgelehnt, weil er auf die Majorität der Kammer nicht rechnen zu können glaube. Im Senat erklärt der Berichterstatter Allon, die Kommission lehne die Prätendentenvorlage ab. Hinsichtlich der zur Vorlage eingebrachten Amendements beantrage sie aber, zur Berathung der einzelnen Artikel überzuzehen. Challemel=Lacour bekämpft die Erwägungen der Kommission. * London, 10. Februar. Die Donaukonferenz ist heute Nachmittag 3 Uhr hier zusammengetreten. Alle Botschafter waren anwesend, auch Musurus Pascha, der Instruktionen erhalten hatte. * Dublin, 10. Februar. Komplotprozeß. Die Angeschuldigten Brady, Fitzharzis, Kelly, Parey, Palk, Delaney, Handon, Moroney, Gerley und zwei Brüder Mullet erschienen unter der Anklage der Ermordung Cavendish's und Burke's. Der Kutscher Karanah erschien als Zeuge und sagte aus, er habe Brady, Ketty und zwei andere Personen am 6. Mai im Phönixpark bis zu der Gegend gefahren, wo der Mord begangen worden, bis zu deren Rückkehr gewartet und dieselben sodann nach Dublin zurückgefahren. Amtl. Bekanntmachungen des Amtsblattes Nr. 12. Mit dieser Nummer wird das Titelblatt und alphabetische Inhaltsverzeichniß zum 10. Band der Gesetzsammlung(18. Band der Landesverordnungen) für das Fürstenthum Lippe ausgegeben. Detmold. Regierung. Dem Gerber Paul Blumenheim aus Mühlhausen in Ostpreußen ist der Aufenthalt im hiesigen Lande untersagt. Detmold. Direktion der Landessparkasse. Jeder Landessparkassen=Einlageschein erfordert zu seiner Gültigkeit die Unterschrift des Direktors, Rendanten und Kontroleurs, sowie die Beidrückung der betreffenden Stempel und ist dem Kontroleur zu diesem Zwecke innerhalb einer sechswöchigen Frist von der Zeit der Ausstellung an während der Kassenstunden vorzulegen. Scheine ohne diese Unterzeichnungen sind ungültig. Detmold. Der Erste Staatsanwalt. Gegen den Kürschner und Holzhändler Julius Wessel aus Wolfenbüttel ist wegen versuchten Raubes die Untersuchungshaft verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Gefängniß des hiesigen Landgerichts abzuliefern. Detmold. Verwaltungsamt. Der Metzgergesell Hermann Heinrich Friedrich Krohne aus Heidenoldendorf will nach Amerika auswandern. Detmold. Amtsgericht l. Die Stätte Rethmeyer Nr. 14 in Jerxen soll Dienstag den 20. Februar Morgens 11½ Uhr zwangsweise meistbietend verkauft werden und müssen Ansprüche bei Meidung des Ausschlusses spätestens in diesem Termine geltend gemacht werden. Das Konkursverfahren der Wittwe Kolona Möllmeier Nr. 4 zu Hedderhagen wird, da eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Masse nicht vorhanden ist, eingestellt. Lemgo. Der Amtsanwalt ladet den Reservist Friedrich August Führing aus Matorf, welcher als beurlaubter Reservist ausgewandert ist, auf Donnerstag, den 8. März d.., Vormittags 9 Uhr vor das Schöffengericht. Lemgo. Magistrat. Friedrich Stock 16 Jahre alt, der Bierbrauer Hermann Valtmann 19 Jahre alt, beide aus Lemgo, sowie der 16jährige August Meierjürgen aus dem Bredaerbruch beabsichtigen nach Amerika auszuwandern. Lage. Der Amtsanwalt ladet den Reservist, Musketier Friedr. Wilh. Ludwig Biermann alias Binda, 31 Jahre alt, wegen unerlaubten Auswanderns auf Mittwoch den 28. März d. I. Vormittags 10 Uhr vor das Schöffengericht zu Lage. Lage. Amtsgericht. Der auf den 11. April, Morgens 10 Uhr angesetzt gewesene Zwangsverkauf des Kolonats Sobbe Nr. 42 zu Hagen ist aufgehoben. Die Militärpflichtigen Ludwig Friedrich Wilhelm Holtmann aus Müssen und Friedrich Wilhelm Biere aus Billinghausen haben eine wegen Fehlens im Musterungstermine rechtskräftig erkannte Subsidiarhaft von je 3 Tagen zu verbüßen, halten sich aber verborgen. Es wird gebeten, dieselben zu verhaften und sie dem Amtsrichter des Orts der Ergreifung, welcher um Strafvollziehung und Mittheilung darüber ersucht wird, vorzuführen. Zur Testamentseröffnung der am 16. d. M. verstorbenen Wittwe Leibzüchterin Heuwinkel Nr. 2 zu Waddenhausen ist Termin auf Mittwoch, den 21. d.., Morgens 10 Uhr anberaumt worden, wozu Betheiligte sich einfinden können. Blomberg. Amtsgericht II. Zur Kraftloserklärung der auf das Geise'sche Kolonat Nr. 17 zu Reelkirchen ingrossirten Kapitalien: 1) 30 Thlr., eingetragen am 2. Februar 1841, für den Kirchenvorstand zu Reelkirchen, cedirt an den Pastor Knoll das.; 2) 10 Thlr., eingetragen am 20. Dezember 1853, für den Kirchenvorstand das. und an den Pastor Knoll cedirt, ist Termin auf Donnerstag den 15. März er., Morgens 9 Uhr, anberaumt und sind etwaige Rechte unter Vorlegung der Urkunden spätestens in diesem Termine geltend zu machen, widrigenfalls die Ingrossate für erloschen erklärt werden sollen. Meteorologi Febr. Stunde. sche Beobachtungen in Detmold. Relative Barometer Thermsmeter Grade R. Feuchtigkeit der Luft in Proc. Wind= richtung .=Stärke. 11. 12. 12. 8 U. Abds. 8 U Mrgs. 1„ Migs. 27. 10,8 27. 11,3 27. 10,7 2,8 2,6 5,4 86 X2 71 ONO. mäßig. Sonnen=Aufgang 7 U. 25 M. Untergang 5 U. 5 M. Mondes=Aufgang 98 Vorm., Untergang 1153 Abds. Für den Inseratentheil verantwortlich: A. Mewes in Detmold. Holzverkäufe in den Fürstlichen Forsten. Forstrevier DiestelbruchBexten. Am Mittwoch d. 14. d. M. 12 Uhr Mittags soll im Kruge zu Wahmbeckerheide aus d. Fstdst. Mönkeberg, Losbruch und Wiembeckerberg meistbietend verkauft werden: a. Eichenholz: 137 Sick. zu 100,16 fm, 85 rm Kl. u. Kn. u. 300 rm Astrsg.; b. Buchenholz: 1 Sick. Rtzhz. zu 1,25 fm u. 1 rm Kl.; C. holz: 1 Stck. Rtzhz. zu 0,87 fm; d. Fichtenholz: 2 Stck. zu 0,62 fm, 3 Stg. I u. II Kl. u. 3 rm Nthz. Detmold den 8. Februar 1883. Der Oberförster Schmidt. Forstrevier Lopshorn. Am Sonnabend den 17. d. Morgens 10 Uhr soll zu horn an Buchen=Holz versteigert werden: Distr. Kribben(28): 1047 rm Klob. u. Knüp., 75 rm Stockh., 11 Hauf Durchforst. Reis. Distr. Braunenthal(26, 27, 37, 38, 43): 271 starke Haufen. Distr. Philippsbusch(45): 10 rm Klob. u. Knüp Distr. Stellgrund(54): 19 Stück Nutzh. zu 21 fm, von Nr. 27 ab, 46 rm Klob. u. Knüp. Heidenthal, 8. Februar 1883. Der Oberförster Limberg. spitzen— zu Nutzholz tauglich— an Buchenholz 80 rm Astreisig. Berlebeck den 8. Februar 1883. Der Oberförster Kellner. Volzverkauf. 229 Festmeter Eichen=Nutzholz u. 5„ Buchen=Nutz= u. Brennholz sollen in den Pinneichen, unmittelbar an der Lage'schen Chaussee vor Detmold, am Montag, den 26. Februar cr., Morgens von 9 Uhr an, öffentlich meistbietend verkauft werden. Die Verkaufsbedingungen liegen auf dem Rathhause, Zimmer Nr. 5, zur Einsichtnahme aus und werden im Tecmine bekannt gemacht. Detwold, den 9. Februar 1883. Der Magistrat. Petri. Carbolineum von Gebr. Avenarius bei Bingen. Einziges sicheres Mittel gegen Verfaulen und Sticken des Holzes, gegen Hausschwamm, gegen Aufsteigen und Vordringen der Feuchtig keit am Mauerwerk 2c.(billiger und besser als Theer) empfiehlt der alleinge Vertreter für Lippe B. Kotzenberg, Detmold. [IImer Loose à.50 geg. Ottter anw. Zieh. 19. Febr. Haupttreffer 75000 J. Theodor Mühlschlegel, Augsburg. Forstrevier Siekholz. Donnerstag, den 15. d. M. Morgens 10 Uhr sollen in der Plöger'schen Gastwirthschaft in Siekholz folgende Hölzer versteigert werden: 1, aus dem Forstdistrict Winterberg 34 rm Buchen Knüppel 470„„ Astreisig 2, aus dem Forstdistrict Hainberg 98 rm Buchen Scheitholz 56„„ Knüppel 300„„ Astreisig 680„„ Stammreisig 3, aus dem Forstdistrict Siekholz 7 rm Eichen Knüppel 105„„ Astreifig 2 Stück= 0,68 fm Akozien Nutzholz. Siekholz, den 10. Febr. 1883, Der Oberförster Franke. Forstrevier Berlebeck. Zum meistbietenden Verkauf der nachfolgend aufgeführten Nutzu. Brennhölzer steht Termin an auf Donnerstag den 15. d. M. Februar, Morgens 11 Uhr, im Forsthause zu Hartröhren: 1. Forstdistrict Liemenstuken an Buchenholz 15 Stück Nutzholz zu 14,40 fm von Nr. 508 ab, 114 rm Kloben von Nr. 148 ab, auch eine Quantität alten Einfriedigungsholzes; 2. Forstdistrict Röschensschlucht bei Hartröhren an Fichtenholz 109 Stück Nutzholz zu 100,73 fm u. 25 Stangen I. bis IV. Cl. von Nr. 200 ab, an Kiefernholz 7 starke Haufen mit Holzverlauf. Am Donnerstag, den 15. d. M. sollen im städtischen Forste, Forstort„Mark“ 42 Stück EichenNutzholz zu 93 fm, 33 rm gekürztes und ungek. Eichen=Nutzholz. 2 rm Eichen=Kloben und 21 Haufen Astreisig an Ort und Stelle meistbietend verkauft werden. Kaufliebhaber wollen sich am besagten Tage, Morgens 10 Uhr, bei dem Tischler Fricke zu Veldrom versammeln. Horn, 7. Februar 1883. Der Magistrat. S. Capelle. Zu TonsirmandenHolzverkauf in der Oberförsterei Altenbeken. Freitag, den 16. Februar d. I, Vormittags 11½ Uhr, kommen im Forsthause Steinbeke I. aus Unterforst Neuwald Forstort Kleeberg und Schmaleschlag: 200 rm Buchen=Scheit, 48„„ Knüppel, 92„„ Astreiser; II. aus Unterforst Steinbeke Forstort Römerberge, Schneeberg und Heimath: 299 rm Buchen=Scheit, 58„„ Knüppel, 104 Fichten mit 17 fm zum öffentlichen Verkaufe. Forsth Durbeke, 9. Febr. 1883. Der Königliche Oberförster. Huber. Mein Laden, vollkommen eingerichtet zum Kolonial= u. Delikateß Geschäft, ist zu vermiethen. Otto Tilly. Julie M. Werthauer Joseph Kemper Verleicke Lage, Melle, i. Lippe. Prev. Hannover. 11. Februar 1883. empfehle schwarze Tuche u. Burkins zu billigen Preisen. Detmold. Heinrich Pieper. Langestraße 5. Eine Pariie Rüschen, Schleifen, Spitzen, lein. Kragen, Corsets, Handschuhe, Morgenhauben u. s. w. verkaufe ich bebeutend unter Einkauf. Clara Grussendorf, vorm. A. Barenholz. Gestrickte baumwoll. Röcke, weiße baumwoll. Strümpfe (bunt gestrickt) empfiehlt zu bedeutend herabgesetzen Preisen Fr. Freimann's Nachfolger. Kusvertau aller Eisenwaaren, Farben 2c. zu sehr billigen Preisen am Mittwoch und Freitag dieser Woche, bei G. Hölzermann, Bruchstr. hiers. Detmold. Mein Lager landw. Maschinen als Drillmaschinen Wanzl. Pflüge Zickzackeggen Ringelwalzen Glattwalzen Cambridgewalzen Croscillwalzen Cultivatoren etc. etc. empfiehlt Otto Tiuy. Meinberger Armenspinnschule. Von Ihrer Hoheit der Fürstin als gnädigstes Geldgeschenk 100 M. Minberg, 10. Februar 1883. Menke, Past. Lebensversicherungsbank für Deutschland in Gotha. Stand am 1. Januar 1883. Versichert 59,750 Personen mit.... 415,900,000 Mark, Bankfonds ca. 108,500,000„ Ausgezahlte Versicherungssummen seit Eröffnung bis 1. Janzar 1883.... ca. 140,000,000„ Die Bank erhebt keine Aufnahmegebühren und gewährt alle Ueberschüsse voll und unverkürzt an die Versicherten in der Weise zurück, daß auf jede Normalprämie nach 5 Jahren eine Dividende vergütet wird. Die beim Aufhören der Versicherung auf die letzten 5 Jahresprämien rückständigen Dividenden werden baar nachgewährt. — An Beamte werden Darlehen zur Bestellung von Dienstkautionen gewährt.— Versicherten Militärpflichtigen wird die Aufrechterhaltung ihrer Versicherung auch für den Kciegsfall unter güastigen Bedingungen sichergestellt.— Die Auszahlung der Versicherung erfolgt ohne Zins=Abzug sofort nach Beibringung der Sterbefallnachweisungen. Dividende in diesem Jahre: 43%, im Jahre 1884 voraussichtlich 44% Nettoprämie für 1000 Mark nach Abzug von 43% Dividende beim Beitritt im Alter von 70„ 80„ in Blomberg: Sparkassen=Rendant Fr. Krüger, „ Detmold: Hauptmann a. D. Heitmann, „ Lage: Jul. Rahmlow, „ Lemgo: L. Cronemeyer. Ein gewandtes properes Zimmermadchen nit guten Zengnissen aus Hôtels ges. Einkommen per Jahr 70—90 Thaler. Cur=Anstalt Inselbad b. Paderborn. Zum 1. April d. J. wird ein junges Madchen gesucht, welches Luft hat das Kleidermachen zu erlernen. Auskunft in der Exp. d. Bl(45) Ein erfahrenes Kindermädchen gegen hohen Lohn zum 1. April zelucht. Zum 1. Okt. wird eine Familien= wohnung, 6 Räume und Zubehör, gesucht. Adresse abzugeben in der Exped. d. Bl. unter Nr. 47. Die untere Etage meines Wohnhauses, nebst Bodenkammer, Keller und Zubehör, wie auch ein Theil des Gartens, ist zum ersten Oktober zu vermieth n. Frau Rechtsanwalt Dreves. Ein blauer Radmantel ist wohl irrthümlich vom Maskenball im Lippischen Hof mitgenommen. Es wird gebeten, denselben bei Pinkau abzugeben. Ein junges Mädchen im Kochen, Plätten und allen Hausarbeiten erfahren, sucht Stelle. Zu erfragen Lageschestr. Nr. 9. Nordsee=Schellfisch W. Wittenstein. Limburger Käse ächt S. Meier. Geräuch. Speck bei S. Meier. Colporteure und Hausirer, welche 20 □l Caution stellen können, erhalten einen leicht verkäuflichen Artikel bei hoher Provision in Commission. Offerten hierauf sind unter Nr. 1002 an die Annoncen=Exp. von Adolf Steiner in Frankfurt.[M. zu richten. Dem geehrten Publikum hiesiger Stadt und Umgegend die ergebene Anzeige, daß ich am heutigen Tage das Geschäft des verstorbenen Zimmermeisters Hausmann übernommen habe und empfehle dasselbe dem geneigten Wohlwollen. Lage, im Februar 1883. Tischler= und Zimmermeister. Fürstliches Theater. Mittwoch den 14. Februar. Venesiz, für Fräulein Mathilde Marly. Bei aufgehobenem Abonnement. Welser. Hiftorisches Schauspiel von O. v. Redwitz. Den geehrten Abonnenten bleiben ihre Plätze(zu ermäßigten Preisen) bis Mittwoch 12 Uhr Mittags reservirt. h. Steffen.