Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und koster bei den Fürstl. Thurn= und Tarischen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/4 Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Dermold 10 Sgr. De Lemgo, 12. Mai 1861. Zur Erinnerung an den Freiherrn vom Stein. (Schluß.) Während die Mächte auf dem Wiener Congresse unter einander haderten, kehrte Napoleon von der Insel Elba im März 1814 nach Frankreich zurück. Die Erbitterung über den Congreß, welche sich der Gemüther bemächtigt hatte, ging unter in dem Haß gegen Napoleon, in der Kampflust. Der Wiener Congreß ging bald aus einander. Es ist bekannt, daß Napoleon bei Waterloo geschlagen wurde und daß die Verbündeten zum zweiten Male in Paris einzogen. Auch Stein begab sich auf eine Einladung Alexanders im August 1814 nach Paris, reis'te aber, da keine Hoffnung war, zu erlangen, was Deutschlands Ehre forderte, schon im Septbr. wieder nach Nassau zurück. Hier wurde er durch einen Besuch des Großherzogs von Weimar, des geistreichen Karl August, überrascht. Der Großherzog lud Stein zu einem Ausfluge nach Coblenz und Köln ein. Zwei geistreiche Männer waren da zusammen, aber Stein war mehr. Seine sittliche Kraft bewährte sich herrlich einem Manne gegenüber, der mit den heiligsten Dingen gern spielte. Der sittlich starke Stein gab der geistreichen Frivolität des Fürsten nicht nach. Ward er angeschlagen, so sprühte er Funken heiligen Zornes, so daß der Graf Solms nach einer Gesellschaft, in welcher der Fürst und der Freiherr zusammen waren, zu Arndt sagte: Nein, wie der mit den Fürsten umgeht! mir ist noch ganz heiß davon; ich zitterte immer, es würde Scenen geben. Der Herzog, so berichtet Perz, kam unter Anderm auf den Königsberger Dichter Zacharias Werner zu sprechen, der, durch seinen Lebenswandel erschöpft, in Frankfurt katholischer Priester geworden war und noch manches Jahr in Wien als Kanzelredner durch zweidentige Andachtspredigten, die lüsternen, abgelebten Weltkinder um sich versammelt hat. Der Herzog erzählte eine Menge anstößiger Geschichten von dem Dichter, welcher eine Zeitlang in Weimar unter seinen Augen gelebt hatte, Alles in seiner leichtfertigen und leckeren Weise, so daß Stein der Kamm schwoll.„Der arme dünnschälige Kerl, sagte der Herzog, hatte sich eingebildet, er müsse in einer Art leiblicher Seelenwanderung durch alle weiblichen Naturen den Durchgang machen, bis er die finde, welche Gott recht eigentlich für ihn erschaffen habe. Das war so seine dichterische Naturlehre.“ Stein fiel ein:„Sie sollten sagen: es war eine fürstliche!“ Der Herzog schloß mit der Nutzanwendung, daß eigentlich jeder Mann Aehnliches durchgemacht habe;„und Sie, wendete er sich zu Stein, haben auch nicht wie ein Joseph gelebt!—„Wenn das wäre, erwiederte Stein, so ginge es Niemand Etwas an; aber ich habe in meiner Jugend sittlich gelebt und immer einen Abscheu gegen schmutzige Gespräche gehabt, und halte es nicht für passend, daß ein deutscher Fürst dergleichen vor jungen Offizieren führe." Der Herzog verstummte. Es folgte eine Todtenstille. Nach zwei Minuten fuhr der Herzog mit der Hand über das Gesicht und setzte, als sei Nichts vorgefallen, die Unterhaltung fort. Den Anwesenden aber war es heiß und kalt geworden, und der Oberst von Eude gestand beim Nachhausegehen seinem Begleiter, er wolle lieber das Feuer einer Batterie, als solche Reden aushalten. Mit zihm ist das berühmte Geschlecht der Reichsfreiherrn vom Stein erloschen, indem er keine männlichen Nachkommen hinz terlassen hat.— Haben wir wohl heutigen Tages viele oder auch nur einen Freiherrn vom Stein oder werden deren in Zeiten der Noth, welche bald genug kommen werden, sich zeiDie Zeit wird es lehren, ob die Rücken nicht zu sehr gekrümmt und die Zungen nicht zu glatt und geschmeidig geworden sind, um gerade zu gehen und als ehrlicher Mann die oft bittere Wahrheit zu sagen.## 1n K. Wir brechen hier ab. Stein starb am 29. Juni 1831. Am Kaffeetisch. Bergebens haben Gesetzgeber, Theologen und Aerzte beinahe zwei Jahrhunderte hindurch sich angestrengt, einem medicinisch=politischen Bannspruche gegen den Kaffee Geltung zu verschaffen; am Ende hat der Geschmack über alle Bedenklichkeiten, die Mode über Gesetze den Sieg davon getragen. Das Schlürfen des braunen Zaubertranks— vom Mokka bis zum s. g. Blümchenkaffee— ist eine der jüngsten und zugleich stärksten Angewöhnungen in allen Gesellschaftsschichten civilisirter Völker; seine Culturmission ist es, die geistigen Getränke besonders die gebrannten Wässer aus den Tagesbedürfnissen der arbeitenden Klassen allmälig zu verdrängen und in dem Maaße, als dies gelingt, der Trunksucht, der Verschwendung, der Trägheit und der Entsittlichung ein Ziel zu setzen. Das Vaterland des Kaffees ist der gewürzreiche Orient und noch heute gedenkt der Araber bei jeder Tasse, mit einem Segensspruche jenes Mufti von Aden, dem man die Aupflanzung des köstlichen Baumes verdankt, und wünscht ihm zum Lohne die endlosen Freuden des Paradieses. Im Jahre 1580 brachten ihn die Venetianer nach Europa. Sein erstes Debut in der feinen Welt war eigenthümlich genug. Ungefähr um das Jahr 1670 traf ein Gesandter Mohameds IV. am französischen Hofe ein, der seine diplomatischen Gäste mit diesem Trank bewirthete— natürlich ohne Milch und Zucker. Ein Franzose jener Zeit hätte einen solchen Frevel nicht wagen dürfen, aber dem Heiden verzieh man diese sonderbare Grille, um so williger, als reizende türkische Sklaven und Sklavinnen kniend die bittere Flüssigkeit servirten. Der romantische Anstrich der Scene versüßte den herben Geschmack. Seiner Verbreitung traten im christlichen Europa ähnliche Anfechtungen entgegen, wie solche ihm früher auf orientalischem Boden erwachsen waren. Nicht selten wurden die Kaffeehäuser, als Sammelplätze der Schöngeister oder Revolutionäre von Seiten der Obrigkeit geschlossen. Aber auch auf die Töpfe der Privatküche legte sich die drohende Hand der Regierung, angeblich um das Volk von einer Luxusausgabe zu bewahren, welche anfänglich ziemlich hoch ging, da das Pfund roher Bohnen nicht selten mit 50 bis 60 Gulden bezahlt werden mußte. Man lebte daher nicht ohne Besorgniß, daß eine andauernde starke Geldausfuhr aus dem eignen Lande die wachsende Verarmung der einheimischen Bevölkerung nach sich ziehen könne. Am heftigsten eiferten die Aerzte gegen die aufkeimende Neuerung in den Lebensgewohnheiten der großen Masse. Ihnen war namentlich der Umstand befremdend, daß der Kaffee heiß 74 getrunken werden sollte, während man bisher dem Genuß der kalten Flüssigkeiten eine besonders erfrischende Wirkungskraft zugeschrieben hatte. Sie drohten mit einer förmlichen Entnervung und Erschlaffung des ganzen Menschengeschlechts, welches künftig nur Feiglinge und Zwerge zeugen werde. Eine Regierungs=Ansprache an die bischöflich Hildesheimsche Bevölkerung vom Jahre 1780 lautet eigenthümlich genug:„Eure Väter tranken Branntwein und wurden bei Bier, wie Friedrich der Große auferzogen; waren fröhlich und guten Muthes. Dies wollen wir auch. Ihr sollt den reichen Holländern und Engländern Holz und Wein, aber kein Geld mehr für Kaffee schicken. Alle die Töpfe, die vornehmen Tassen und gemeinen Schälchen, alle Mühlen und Brennmaschinen, kurz Alles, welchem das Wort Kaffee beigesetzt werden kann, soll zerstört und zertrümmert werden, damit dessen Angedenken unter unsern Mitgenossen vernichtet sei. Wer sich untersteht, Kaffeebohnen zu verkaufen, dem wird der ganze Vorrath confiscirt, und wer sich Trinkgeschirr dazu verschafft, kommt in den Strafkarren.“ An diesem Bilde ist so ziemlich der Standpunkt ersichtlich, von dem man noch am Schluß des vorigen Jahrhunderts die Kaffeefrage beurtheilte. Gegenwärtig sind alle diese falschen Anklagen und Anfeindungen gegen den Kaffee verstummt; sein Genie, seine unvergleichlichen Tugenden werden in Hütten und Palästen gewürdigt und in keinem Haushalt fehlt heutzutage die so beliebte Bankerottsmühle. Im Hirn des Denkers macht der Kaffee die Gedanken flott.— Auch läßt es sich so hübsch Politik spielen bei einem Täßchen Mokka. Aber er ist nicht nur ein Diplomat, er ist auch Prophet! Es ist männiglich bekannt, daß der Kaffesatz unfehlbare Lotterienummern zeigt und liebebedürftigen Wesen den Namen des künftigen Schätzchens enthält. Das weibliche Geschlecht protegirt vorzüglich den holden Freund, und bei keiner andern Veranlassung fließen deßhalb die Worte so redselig von den Lippen der Frauen als bei einer Kaffeegesellschaft; nirgends besser als in einem s. g. Kaffeeklatsch mit dazugehörigem Eintunken, geht es leichter, des Nächsten „Falten zu ziehen“ und das Alles mit dem holdseligsten Lächeln; doch es genüge diese leise Andeutung. Daß der Kaffee außerdem noch, um nichts von seinen Tugenden zu verschweigen, die trübste Melancholie zu verscheuchen im Stande ist, dafür haben wir einen historischen Beleg. Die Gattin eines hochgestellten Offiziers erhielt die traurige Botschaft, daß ihr Mann auf dem Schlachtfelde gefallen!— Ach, ich Unglückliche!— schluchzte sie, man bringe mir nur schnell meinen Kaffee!— Sie trank ihn, und war getröstet. Correspendenzen. Lemgo.(Volkswirthschaftliches.) Es ist bekannt, daß von einigen Stadtverordneten in einer gemeinschaftlichen Versammlung mit dem Magistrate der Antrag gestellt ist,„daß, solange Schulden auf dem Patrimonialgute der Stadt ruhen, ein Jeder der dasselbe benutzt, für diesen Nutzen, der durch Sachverständige abzuschätzen, an die Stadtkasse bezahlen solle.“ Dieser Antrag blieb in der Minorität, worauf sich einige Bürger, die darin eine Steuerausgleichung fahen, bei Fürstlicher Regierung wegen ungerechter Besteuerung beschwerten. Ein Bescheid ist hierauf noch nicht erfolgt. Keine Stadtverwaltung des Landes hatte wohl größere Mängel aufzuweisen, als die von Lemgo, von denen allerdings schon manche beseitigt, jedoch bleibt die Hauptfrage: die zeitgemäße und richtige Verwerthung des Patrimonial= gutes, noch zu lösen, wobei das Hudebedürfniß die Hauptrolle spielt. Der Anfang dazu ist gemacht und die neue Hudeordnung gedruckt erschienen und vertheilt. So schwach dieser Anfang auch ist, so hat er doch nicht verfehlt, großen Widerstand bei den weniger urtheitsfähigen Bürgern, welche sich in ihren alten Rechten und Gewohnheiten bedroht glaubten und zwar in Rechten, die sie sich mit der Zeit selbst angemaßt hatten, zu finden. Diese Hudeordnung ist von den vier Bauerschaften der Altstadt sofort acceptirt, solche haben, da mit der Aufhebung der alten Hudecorporationen auch deren Kasse, welche sich nach und nach gebildet hatte, überflüssig wurde, die vorhandnen Gelder getheilt. Nur die beiden neustädter Bauerschaften wollten sich der neuen Ordnung der Dinge nicht fügen, werden sich derselben aber auf Gnade oder Ungnade ergeben müssen. Zu dieser Oppossition hatte die Heiligengeister Bauerschaft gar keine Veranlassung, weil sie so zu sagen die schlechtesten Hudereviere hat. Bei einer Veränderung kann sie nur gewinnen, wogegen die Marien=Bauerschaft, die ungleich die besten Reviere hat, nicht verlieren soll. Die Agitatoren gegen die neue Hudeordnung stecken in letzterer und sie hätten sich am besten gestanden ruhig zu sein, weil man dadurch seit kurzem erst allgemein auf den großen Werth der dortigen Huden aufmerksam geworden ist. Die Opposition gegen eine neue Hudeordnung kam daher, daß man bei den wenigen gebildeten Bürgern die Meinung verbreitete, Magistrat und Stadtverordnete wollten die Huden verkaufen; die unbemittelten Burger wurden damit in Schrecken gebracht, daß sie kein Fallholz mehr aus dem Holze holen sollten, was Niemandem in den Sinn gekommen waren. Daß die Huden Bedürfniß für die meisten Ackerbautreibenden Bürger sind, weiß Jeder, der mit den hiesigen Verhältnissen bekannt ist, eben so gut aber wird Jeder einsehn, daß es eben nicht nöthig ist, daß einzelne Bürger auf Kosten der ganzen Stadtgemeinde billiges Korn zeugen. Wir bestreiten daher den Ackerbürgern den Vorzug, den sie anderen Bürgern gegenüber zu haben veimeinen, daß die Stadt verpflichtet sei, ihnen unentgeldlich das zum Ackerbau nöthige Vieh ohne alle Vergütung zu süttern. Ein solches Verhältniß, wie es hier besteht, ist unerhört: Pferdehnde, Kuhhude, Schweinebude, Schaafbude— alles frei und ohne Geld— und die Stadt hat 98000 Thlr. Schulden. Die übrigen Bürger, welche kein Vieh halten oder solches auf dem Stalle fütterten oder eigene Kuhkämpe haben oder solche, welche zur ärmeren Klasse gehören und noch so wenig Steuren zahlen, waren so zu sagen nur da um das Deficit der Stadtrechnung zu decken. Wir sagten oben, daß der Anfang zur Regelung der Hudeangelegenheiten durch die Aufstellung einer neuen Hudeordnung gemacht sei und wollen jetzt Vorschläge machen, wie solche, auf Gerechtigkeit gegen alle Bürger sich gründend, zur Vollendung gebracht werden könne. Hierbei haben wir aber nöthig, auf zwei Voraussetzungen zu fußen, von deren Erfüllung und sehr baldiger Erfüllung Alles abhängig ist. Diese Voraussetzungen sind: daß die Servitut=Huden recht bald abgelöst sind und daß der Beschwerde mehrerer Bürger wegen ungerechter Besteurung bei Fürstl, Regierung Berücksichtigung finde. Die sechs Bauerschaften der Stadt benutzen die Huden in der Art, daß jede Bauerschaft ein besonderes oder daß zwei Bauerschaften ein Wechselrevier haben. Diese Huden sollen dem Bedürfnisse angepaßt werden und ist es daher die einzige Aufgabe, damit sie auch dem Gemeinwesen dienen, sie so einzurichten, daß aus einem geringeren Raum als jetzt mehr Vieh besser genährt werden kann, damit der übrige Boden entweder urbar oder zu Wiesen gemacht, für Rechnung der Stadt verpachtet werden kann und sollen die Pachtsummen alljährlich zur Abtragung von Schulden verwandt werden. Hierzu gehören Meliorationen welche Sachverständigen überlassen werden müssen. Sodann sollen für die ganze Stadt nur zwei Hudereviere verbleiben und den Außenbürgern in ihrer Nähe ein entsprechendes Revier angewiesen werden. Diese beiden großen Hudereviere würden aus der Luherheide mit den abzuholzenden und in freie Huden umzuwandelnden Haidkämpe und dann aus der jetzigen Hude der Marien Bauerschaft, mit den 70—80 Scheffelsaat, die jetzt davon verpachtet waren, welchen die Steinkuhle und der Biesterberg zugelegt würden, bestehen. Es sollen demnach künftig nur offene Huden bestehn, welche für das Vieh gesunder sind. Holzhuden taugen schon der Culturen wegen nicht. Daß diese Meliorationen um die Huden in gutem Stand zu setzen nicht aus der Stadtkasse bestritten werden können, ohne die Bürger, welche die Huden nicht benutzen zu benachtheiligen, ist klar und nehmen wir an, daß wenn Fürstl. Regierung die erwähnte Beschwerde berücksichtigt die Huden einen Ertrag von 1500 bis 2000 Thlr. wo jeder Bürger soviel Vieh treiben kann als er hat, im Jahre lieferten, was bis 2043 Scheffelsaat offne Huden und 2000 Scheffelsaat Holzhuden, à Scheffelsaat 10 bis 15 Sgr., betrüge. Mithin wäre dieser Ertrag nicht zu hoch gegriffen. Von diesem Ertrage würde jedem Bürger drei Simpla Classensteuer erlassen, die Grundsteuer von den Huden an's Land und der Hirtenlohn bezahlt. Der Rest stellt den Grundstock der Hudekasse vor, welcher alljährlich zu Meliorationen der beiden Hudereviere verwendet wird, bis sie in dem Zustande sind, welcher im Interesse des Gemeinwesens zu wünschen ist, bis dahin, daß die Ablösung noch nicht erfolgt, soll aber mit den Meliorationen an den Stellen der beiden Reviere schon bald begon 75 ven werden, auf welchen keine Servituthude ist, und steht die Abholzung der Heidkämpe, deren Eichenbestand von wenig Bedeutung ist, nichts im Wege. Wir meinen durch diesen Vorschlag könnten sich die Ackerbautreibenden Bürger nicht gravirt halten, in ihrem Interesse werden große Summen verwendet und sie bekommen Steuer erlassen, während diejenigen Bürger, welche die Huden nicht benutzen auch einen Steuererlaß haben, welcher angemessen erscheint. Erstere zahlen freilich, aber ohne Ausgaben werden die Huden alljährlich schlechter und zuletzt so schlecht, daß sie unbrauchbar werden, indeß mögen auch sie bedenken, daß die Welt nicht der Kühe wegen allein geschaffen ist, und sie darauf bevorzugt bleiben. Vorstehende Zeilen legen wir unsern Mitbürgern in der Erwartung vor, daß auf diesem Wege, nicht aber durch Auflehnung gegen die Behörden, Widerspruch erfolge, wodurch diese für unsere Stadt so sehr wichtige Augelegenheit zur Klärung und zum Abschlusse kommen kann und wird. Weltbegebenheiten. Berlin, den 7ten Mai. Gegen den Polizei=Obersten Patzke ist die gerichtliche Haft wegen wissentlich unrichtiger Ausstellung einer Urkunde, deren Ausstellung ihm vermöge seines Amtes oblag, in der Absicht andern Gewinn zu verschaffen und wegen Unterschlagung von Sachen, die er in amtlicher Eigenschaft in Gewahrsam hatte, verbunden mit unrichtiger Buchführung, beschlossen worden. Seine Verhaftung hat aber nicht ausgeführt werden können, weil er von einem ertheilten Urlaub nicht wieder zurückgekehrt ist. In Wien fand am 23. April in aller Stille die Vermälung des Herzogs Leopold von Sachsen=Koburg, k. k. Obersten der Infanterie, mit Fräulein Konstanze Geiger Statt. Die jetzige Herzogin war als eine Art Universalgenie bekannt; sie componirte, sang, tanzte, spielte Clavier und Komödie und hat sich auf ihren zahlreichen Kunstreisen in den meisten Städten Deutschlands producirt, jedoch selten die gewünschte Anerkennung gefunden. Die Dame ist nun in nächste Verwandtschaft zu den regierenden Häusern von England, Belzien, Portugal und Sachsen=Koburg getreten. Die Verbindungen zwischen Künstleringen und Mitgliedern der Aristokratie kommen jetzt überhaupt häufig in Wien vor; wie vor einigen Jahren Frl. Luise Neumann Gräfin Schönborn und ganz kürzlich Frl. Goßmann Baronin Prokesch wurde, so wird noch in diesem Jahre die ausgezeichnete Conversationsschauspielerin Frl. Boßler sich mit Baron Bruck, einem Sohne des verstorbenen Ministers, vermälen. Paris 5. Mai. Heute hatten wir ganz winterliches Wetter in Paris; Mittags schneite es. In der Umgegend von Paris blieb der Schnee liegen. Aus den Provinzen lauten die Nachrichten ebenfalls sehr ungünstig. — Der Volkszeitung wird von Paris, 6. Mai geschrieben: So eben erscheint die Broschüre des Prinzen Napoleon gegen den Herzog von Aumale, betitelt: Prozeß gegen den Herzog von Aumale und den Baron von Feucheres.„Es ist zuweilen unklug, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen“, beginnt die skandalöse Broschüre. Sie kennen ohne Zweifel die Fabel dieses Prozesses, welchen der Prinz Napoleon gegen seinen literarischen Gegner ausspinnt. Der Bourbon Prinz von Condé bringt aus dem Exil eine junge Person mit, Miß Sophie Dawes, welche er ausstattet und einem Offizier, Baron von Feucheres, zur Gemahlin giebt. Als aber der Baron seine wahre Stellung entdeckte, verließ er seine Frau und seinen Dienst. Die Baronin ging für einen Augenblick in ein Kloster, aber bald an den Hof zurück, wo sie bald sich mit dem Plane beschäftigte, Geld und Gut zu gewinnen durch die Unterstützung, welche sie dem Herzog von Aumale angedeihen ließ, der Erbe des Namens und des Besitzes des Bourbonen werden wollte. Der Plan gelang, da die Baronin den sterbenden Prinzen mit ihrer Abreise bedrohte. Der Herzog von Aumale wurde zum Erben ernannt und die Baronin erhielt 10 Millionen Franken. Nun da die Erbschaft zugesichert war, wurde dem Erben die Zeit zu lang, und der Prinz von Conde erhing sich oder wurde erhängt, wie die öffentliche Meinung erklärte.— Geldsucht, sagt die Broschüre, war das Alpha und Omega der orleanistischen Dynastie. Der unterdrückte Prozeß aber muß endlich offenbar werden und sollte der Herzog von Aumale nicht der Nachwelt den Dienst leisten wollen, sie über das Geheimniß aufzuklären? Von der polnischen Gränze. Nach Nachrichten aus Warschau dauern daselbst die gerichtlichen Zivil=Untersuchungen und Verhaftungen fort, Wegen des bevorstehenden russischen Osterfestes sind verschärfte militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Vor der Kathedralkirche sind Kanonen aufgefahren. London, 6. Mai. Gutem Vernehmen nach hät Preußen einen Vermittelungsvorschlag Englands, Frankreichs und Rußlands in der holsteinischen Angelegenheit abgelehnt, da es daran festhält, diese Frage als eine rein deutsche zu betrachten. — Dem neuesten parlamentarischen Ausweise zufolge beläuft sich die fundirte Nationalschuld Englands gegenwärtig auf 785,961,998 Pfund und die Summe der zu zahlenden Interessen auf jährlich 23,579,340 Pfd. New=York, 25. April. Nach der vom Süden her bedrohten Bundeshauptstadt Washington strömen zur Vertheidigung zahlreiche Schaaren von Bewaffneten. Um die Hauptgebäude der Stadt hat die Regierung Befestigungen aufwerfen lassen. Baltimore ist in den Händen des Pöbels, der daselbst eine förmliche Schreckensherrschaft üben soll. Das Volk von Maryland hat 11 Kriegsschiffe vernichtet und die Telegrafendräthe zerschnitten. Der Geweinderath von NewYork hat eine Million Dollars für Freiwilligen=Korps bewilligt. Verschiedenes. Einem berliner Weinhändler ist kürzlich ein erheblicher Diebstahl zugefügt worden, indem zu einer Zeit, zu welcher das Local leer war, fünf Herren eintraten, eine Flasche Wein forderten und dem zum Mittrinken eingeladenen Wirth durch einen Schlaftrunk betäubten. Als die Frau des Weinhändlers später in die Weinstube trat, fand sie ihren Mann schlafend und die Casse mit einigen hundert Thalern ausgeräumt. — Unter den vielfachen Verschönerungen, mit denen sich die französische Regierung jetzt beschäftigt, befindet sich auch der Vorschlag zu einer angemessenen Uniformirung der Scharfrichter. Diese sollen nach dem vorgelegten Preject einen schwarzen Frack, dreieckigen Hut und Degen mit filbernem Griff erhalten. Kragen und Aufschläge werden mit zwei in Silber gestickten Beilen verziert! —. Wie schwierig die Volksbewaffnung Eingang findet, zeigt die Schweiz, welche jedenfalls unter allen Völkern am allgemeinsten bewaffnet ist. Bei einer in diesem Jahre gemachten Aufnahme der Gewehre hat sich gezeigt, daß, mit Ausnahme der dienstpflichtigen Mannschaft, nur wenig Privatleute im Besitz von brauchbaren Feuerwaffen waren. Man sollte bei Zeiten darauf sehen, das Volk mit Waffen zu versehen; denn wenn die Gefahr naht, ist es in der Regel zu spät. — In Frankreich hat man Versuche mit neuen Stahlkanonen angestellt, die eine neue Art 90 Pfund schwerer Kugeln schießen. Man hat berechnet, daß ein solches Geschoß beim Einfallen in eine compacte Masse durchschnittlich an 100 Mann tödten oder kampfunfähig machen kann. Auch will ein Messerschmied in Saintes einen Carabiner erfunden haben, welchen man, ohne abzusetzen und ohne seinen Feind aus dem Visir zu verlieren, mit einer einzigen Hand laden und mit welchem man in der Minute zehn Schüsse abfenern kann. Auch nicht übel! Im Jahre 1604 hatte der Müller auf der ersten Mühle im Gründelbacher Thale, seitwärts von Sanct Goar, jährlich 2 Klafter Holz aus dem Stadtholze zu beziehen, wofür er gehalten war, auf Ansuchen des Stadtraths einen Esel zu stellen, auf welchem diejenigen Frauen zur Strafe durch die Stadt reiten mußten, vom Amtsdiener begleitet, welche ihre Männer geschlagen hatten. Bor dem Rathhause hielt nach dem Umritte der Rathsdiener den Esel an, und der 76 Wehrhaften wurde dann das Urtheil vorgelesen Es gehört dies zu den Rechtsalterthümern der Stadt, und es scheint, daß inzspätern Zeiten der Rath der Stadt sich nicht mehr in die Vorkömmnisse der intimen Häuslichkeit mischte und den Parteien die Schlichtung überließ; denu obgleich noch lange der Müller, das Holz bezog und den Esel parat hielt, so wurde er doch zur Dienstleistung nicht mehr herausgezogen. Ob die arge Strafe abgeschreckt von der rebellischen Thats In einem. Dorfe bei Laubach sollte eine Kirchensteuer bei der Evangelischen Gemeinde errichtet werden, selbige erklärte: dann lieber katholisch werden zu wollen. Am Thomastage ließ der Schültheis des Dorfes bekannt machen:„Wer einen Christbaum haben will muß sich melden, zahlt nur 2 Neugroschen." Die Gemeinde, welche das wohl nicht verstanden hatte, erklärte; isie wollten jeder 2 Neugroschen bezahlen und Evangelische Christen bleiben.“ anntmachung. Am 26. Mak, Nachmittags 4 Uhr, soll auf dem Johannisberge in der größen Tonhalle eine Versammlung von Mitgliedern und Freunden des deutschen National=Vereins in Westfälen und Rheinland stattfinden, zu welcher wir unsere Mitbürger und unsere deutschen Brüder, aus den astgrenzenden Staaten ergebenst einladen. Der Präsident des Vereins Herr v. Bennigsen aus Hannover, so wie die Ausschußmitglieder, Herr Metz von Darmstadt, Herr Mülkenfiefen von Crengeldanz, Herr Lüning von Rheda, haben ihre Theilnahme zugesichert. Auf die Tagesordnung-haben-wir vorläufig gesetzt, vorbehaltlich weiterer Anträge: 1) Die Wirksamkeit des National=Vereins, 2) Die deutsche Frage, 3) Die Organisation der deutschen Wehrkraft. Zur Controle der Abstimmungen werden die Mitglieder gebeten ihre Karten mit zubringen. Nach der Versammlung wird ein gemeinschaftliches Abendessen stattfinden. Die auswärtigen Mitglieder und Freunde des Vereins, welche daran Theil nehmen wollen werden dringend ersucht, sich(einzeln oder nach den Städten zusammen) bis spätestens zum 19. Mai bei dem Kastellan des, Johannisberges, Herrn Tegtmeyer in Bielefeld, anzumelden: Der nöthigen Vorbereituügen wegen,„werden spätere Anmeldungen nicht berücksichtigt werden können. Bielefeld, den. 7. Mai. 1861. Das Comité. Lebensversicherungs=Gesellschaft zu. Leipzig auf Gegenseitigkeit und Oeffentlichkeit gegründet 1831. Mitglieder Ende 1860;.404 Personen versichert mit 5,934,000 Thlr. Seit Bestehen der Anstalt hat dieselbe 2,719,400 Thaler für Verstorbene bezahlt und 446,800 Thlr. als Divivende zurückerstattet. Durch die Gegenseitigkeit und durch den Reservefond im Betrage von 1,491,140 Thlrn. bietet sie jede zu wünschende Sicherheit. Der vertheilbare Ueberschuß ist auf 226,109 Thlr. gestiegen, wodurch auch künftig die Vertheilung hoher Dividenden in Aussicht gestellt werden kann. Im laufenden Jahre gelangen davon 27% der 1856 eingezahlten Beiträge zur Vergütung, so daß für 100 Thlr. z. B. beim Eintrittsalter von 30 Jahren statt 2 Thlr. 19 Ngr. nur 1 Thlr. 27 Ngr. 7 Pf.- von 35 Jahren statt 2 Thlr 29 Ngr. 1 Pf. nur 2 Thlr. 5 Ngr. für die ührigen Jahre in gleichem Verhältnisse, zu zahlen sind. Nähere Auskunft unentgeldlich bei B. Cottmann, Agent in Lemgo. Lemgo. Sardellen bester Qualität empfing und empfiehlt ms mme##m Carl Meyer. Lemgo! Sehr schöne Cathar. Pflaumen pr. Pfund 6 Szr. und 5½ Pfund pr. 1 Thlr., sowie feinen Meits, ausgesüchte Rosinen, Corinthen, große Sicilianische Mandeln empfiehlt zur gefäll. Abnahme Carl Meyer. Zur gefälligen Beachtung! Detmold. Durch Vermittlung des Herrn L. Heinemann habel ich aus bester Quelle eine so außerordentlich reichhaltige und geschmackvolle Auswahl der modernsten Damen=Mantillen und Mäntelchen für die jetzige Saison erhalten, daß ich mich im Interesse der geehrten Damen verpflichtet erachte, davon eine besondere Ausstellung zu veranstalten. Die Ausstellung wird, da es mir in meiner eigenen Wohnung dazu an Platz gebricht, im Hause des Herrn Kürschners Werkmeister dahier(Parterre, rechts) Statt finden und drei Tage— vom Sonntag den 12.5d. M. bis Dienstag.14### dauern.— Den Verkauf wird Herr L. Heinemann für mich besorgen und glaube ich versichern zu dürfen, daß die geehrten Damen, welche das Verkaufslokal zu besuchen die Güte haben wollen, sowohl durch die große Reichhaltigkeit der Auswahl an sich, als auch besonders durch die außerordentliche Billigkeit der von mir gesetzten festen Preise sich auf das Angenehmste überrascht finden werdend mar##n## J. Michaelis Jena. Schlamm und Schwefelwasser, Bad Seeoruth im Kreise Herford bei Vlotho an der Weser eröffnet am 1. Juni 1861. Des Kgl. Pr., Kreisphysikus Schachtel à 10 Sgr. Dr. Koch's Kräuter-Ronbons sind vermöge ihrer reichhaltigen Bestandtheile der vorzüglichst geeigneten Kräuter= und Pflanzensäfte als ein probates Hausmittel auerkannt bei Katarrh, Heiserkeit, Rauheit im Halse, Verschleimung 2c. u. werden in Lemgo fortwährend nur allein verkauft bei Th. Kellner, sowie auch in Lage bei H. A. Freitag. Bescheidene Anfrage an den Amtsgemeinderath des Amts Blomberg. Aus was für Gründen unterbleibt der Bau der Wegestrecke von Rothekuhle bis Großenmarpe? Einer für Viele. Schutzpocken=Impfscheine à 100 Stück 7½ Sgr. sind stets vorräthig bei F. L. Wagener in Lemgo. Weizen 2 Thlr. 15 bis 17½ Sgr. Roggen 1 Thlr. 15 bis 17 Sgr. Gerste 1 Thlr. 15 Sgr. Hafer 1 Thlr. Stand der Louisdor 5 Thlr. 14 Sgr. Redaktion, Druck und Verlag von F. L. Wagener in Lemgo.