Ins Fenster blicket schweigend Der gold'ne Mond hinein; Auf weichen Kissen ruhet Ein liebes Töchterlein. Die Mutter hat sich trau ig Zur Seite ihm gesetzt Und, tiefbetrübt, die Wangen Mit Thränen ihm genetzt. Sie faltet ihm die Händchen Und trocknet sanft und leis' Von der erbleichten Stirne Den bangen Todesschweiß. Ein stilles Lächeln schwebet Auf seinem Angesicht, Und unter starrem Zucken Das zarte Auge bricht. Ach! eine Knospe, eben Erblüht im Morgenglanz,— Der Fürst des Todes ziehet Sie aus der Lieben Kranz. In's Fenster blicket schweigend Der gold'ne Mond hinein; Auf weichen Kissen ruhet Ein todtes Töchterlein. S. Characterzüge. (Fortsetzung aus Nr. 39 d. Bl.) Die englische Race ist als mürrisch verrufen. Ich wüßte nicht, daß ihre Stirnen düsterer wären, als die ihrer Nachbarn in nördlichen Klimaten. Sie sind melancholisch im Vergleich mit den singenden und tanzenden Nationen: nicht melancholischer, aber langsam und stätig, weil sie ihre Freuden zu Hause suchen und finden. Auch sie glauben, daß, wo keine Lebensfreudigkeit ist, die Sprache ohne Kraft und der Gedanke ohne Feinheit sein müsse; daß ein fröhliches Herz den ganzen Weg geht, ein trauriges schon nach einer Weile ermüdet. Dieser düstere Zug ist ihnen durch französische Reisende angedichtet, die von Froissart, Voltaire, Le Sage, Mirabeau bis zu den muntern Journalisten ihrer Feuilletons über die Feierlichkeit ihrer Nachbarn ihren Witz ausgeschüttei haben. Die Franzosen sagen, fröhliche Unterhaltung kennt man auf der Insel nicht. Ich vermuthe, daß ihre ernste Haltung und ihre Einsylbigkeit ihnen diesen Ruf eingetragen haben. Vergleiche ich sie mit den Amerikanern, finde ich sie freudig und zufrieden. Unsere jungen Leute sind weit geneigter zur Melancholie. Die Engländer haben ein sanftes Aussehen und eine helle, fröhliche Stimme. Ihre Natur ist größer angelegt, und sie sind nicht so leicht zu amüsiren wie die Südländer, sondern nehmen sich unter ihnen aus, wie Erwachsene unter Kindern, und wollen Krieg, Handel oder Eisenbahnen und keine frivolen Spiele. Sie sind stolz und zurückgezogen und werden, auch wenn sie sich erholen wollen, einen offenen Garten vermeiden. Sie ergötzen sich in ihrer melancholischen Weise; ils’amusaient tristement, selon la coutume de leur pays*), sagte Froissart; und ich denke, keine Nation baute ihre Brandmauern so dick und ihre Gartenwände so hoch. Trank und Speise bringen auf sie keine Wirkung hervor; sie sind beim Schluß einer Mahlzeit eben so kalt, ruhig und gemessen, als beim Beginn derselben. Sie haben diesen Ruf der Schweigsamkeit schon seit sechs= oder siebenhundert Jahren, und man bemerkt im Unterhause, daß sie eine Art von Stolz darin setzen, öffentlich schlecht zu sprechen, als ob sie zeigen wollten, daß sie nicht von ihren Zungen leben, oder als ob sie dächten, sie sprächen gut genug, wenn sie nur den Ton von Gentlemen haben. In gemischter Gesellschaft sind sie stumm. Ein Mühlenbesitzer in Yorkshire sagte mir, daß er mehr als einmal den ganzen Weg von London bis Leeds mit denselben Personen in der ersten Wagenklasse gefahren sei, und kein Wort wurde gewechselt. Die Klubhäuser wurden eingerichtet zur Beförderung der Geselligkeit, und doch ist es selten, daß mehr als zwei zusammen essen, und meistens ißt einer allein. War es ein Aufblitzen von Humor in dem ersten Swedenborg, oder war es nur seine mitleidslose Logik, was ihn auf den Gedanken brachte, die englischen Seelen in einen besonderen Himmel einzuschließen? Die Einen haben sie als mürrisch, wunderlich und eigensinnig geschildert, die Andern als mild und sanft und vernünftig. Die Wahrheit ist, sie sind reich an Charakteren. Der Handel sendet die verschiedenen Klassen massenweis in die Fremde. Der cholerische Walliser, der eifrige Schotte, der gallige Bewohner Ost= und West=Indiens stehen weit ab von dem musterhaften Betragen des wohlerzogenen, würdevollen Mannes von Familie. Eben so der bäuerische Pächter und eben so der Landedelmann in der Derbheit und Beschränktheit seines Lebens. In jedem Gasthofe existirt eine Gaststube, in welcher„Reisende" oder Leute, die Muster im Lande herumtragen und Bestellungen für die Fabrikanten entgegennehmen, verkehren. Nun kann es leicht kommen, daß der Fremde, der diese Klasse auf der Straße und überall in den Gasthöfen trifft, sein Urtheil über die Engländer von ihr nimmt; aber die Vornehmen vermeiden die Wirthshäuser, oder bleiben in denselben auf ihren Zimmern. Indessen diese Klassen sind doch der rechte englische Stamm und man kann an ihnen die nationalen Eigenschaften, ehe noch Kunst und Erziehung sie in die Hände nahmen, sehr wohl studiren. Sie sind gute Liebhaber und gute Hasser, langsame aber treue Bewunderer, und in jeder Hinsicht sehr von ihrem Temperamente abhängig, wie Menschen, die eben aus tiefem Schlaf, welchem sie sehr ergeben sind, erwachen. Ihre Gewohnheiten und ihr Instinkt halten sich an die Natur. Sie sind von der Erde, irdisch, und von der See, wie die Geschlechter des Meeres, ihm zugethan, weil es *) Sie belustigten sich auf eine trübselige Art, nach Landes Gebrauch. Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Tarichen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr. Lemgo, 8. November 1857. Anzeigen werden berechnet: unter 5 Zeilen mit 2 Sgr. 6 Pf. von—10 Zeilen 5 Sgr. über 10 Zeilen jede Zeile 6 Pf. 178 sie erhält, und nicht aus irgend einer sentimentalen Rücksicht. Sie sind voll von roher Kraft, tüchtiger Leibesbewegung, Rinderbraten und gesunden Schlaf; und einer poetischen Insinuation oder irgend einer Hindeutung von dieser animalischen Existenz weg nach seinem feineren Leben trauen sie nicht, als ob ihnen das direkt an den Magen ginge und ihnen ihre Subsistenzmittel entziehen könnte. Sie ziehen den gefunden Verstand eines Menschen, der nicht mit Appetit ißt, in Zweifel, und schütteln den Kopf, wenn er eine auffallende Keuschheit blicken läßt. Eine rauhe Gleichgültigkeit, manchmal Grobheit und böse Laune wird man im gemeinen Volke durchweg finden. Sie sind starrköpfige Anhänger und Vertheidiger ihrer Meinungen und nicht weniger entschlossen, an ihren Wunderlichkeiten und Verkehrtheiten festzuhalten. Hezekiah Woodword schrieb ein Buch gegen das Vaterunser. Und es läßt sich annehmen, daß Burton, der Anatom der Melancholie, der aus den Sternen die Stunde seines Todes vorausgesagt hatte, sich selbst die Schlinge um den Hals legte, um sein Horofkop nicht Lügen zu strafen. Correspondenzen. Aus dem Lippischen, 30. Oct. Das Ziegeleigewerbe ist schon oft der Gegenstand der Besprechung in diesen Blättern gewesen und wird es auch noch wohl für längere Zeit bleiben, da dasselbe in alle unsene Verhältnisse so tief eingreift und da ohne dasselbe in unserm Lande beklagenswerthe Zustände eintreten würden. In neuerer Zeit aber hat das „Ziegelgehen“ eine Ausdehnung gewonnen, die namentlich für die Landwirthe Uebelstände hervorgerufen, an deren Beseitigung jetzt ernstlich gedacht wird, wie der geneigte Leser aus nachstehendem uns durch Freundeshand mitgetheilten Erlasse Fürstl. Regierung an die Verwaltungsbehörden ersehen mag: „In einem an des Fürsten Durchlaucht gerichteten unterthänigsten Vortrage ist Seitens des Landtags auf den großen Umfang, welchen der Betrieb des Ziegeleigewerbes auf auswärtigen Ziegeleien durch hiesige Unterthanen in den letzten Jahren gewonnen habe und auf die daraus für die Landwirthschaft zu besorgenden Nachtheile aufmerksam gemacht und um den Erlaß gesetzlicher Bestimmungen gebeten, wodurch dem Ziegelgehen der noch nicht erwachsenen jungen Leute ein Ziel gesetzt und gegen das contractwidrige Entweichen der Dienstboten zur Ziegelarbeit ins Ausland ein wirksamer Schutz gewährt werde. Die Regierung, vom Fürstl. Cabinets=Ministerium mit der Prüfung und Begutachtung dieser Anträge beauftragt, erachtet es zur Erledigung dieser Aufgabe zunächst für erforderlich, daß die in Beziehung darauf nach allen Seiten hin in Betracht kommenden Thatsachen festgestellt und die Localbehörden über die etwa zu treffenden Maßregeln gehört werden. Die Frage, in wie weit die Beschwerde der Dienstherrschaften über das contractwidrige Entweichen von Dienstboten zur Ziegelarbeit ins Ausland begründet und in welcher Weise ihr abzuhelfen sei, ist ohnlängst Gegenstand einer gründlichen Prüfung gewesen. Sämmtliche Aemter und Magisträte haben sich gutachtlich darüber geäußert und ist mit Berücksichtigung der von ihnen eröffneten Vorschläge die Circular=Verfügung vom 4. Nov. v. J. erlassen. Es wird daher gegenwärtig genügen, wenn die Obrigkeiten über die Ausführung und Wirksamkeit jener Verfügung berichtliche Auskunft ertheilen und zugleich die Mittel und Wege bezeichnen, wodurch dieselbe etwa vervollständigt und ihre Wirksamkeit enhöht werden könnte. Anlangend sodann den weiteren Antrag des Landtages, daß das Gehen der unerwachsenen jungen Leute auf Ziegelarbeit ferner nicht mehr, gestattet werden möge, so enthält bereits das Circular vom 11. Jan. 1820, die Ertheilung von Pässen an Militairpflichtige p. 1820 betr.(L. V. Bd. IV. S. 481) die Bestimmung, daß jungen Leuten, welche zwar coufirmirt sind, aber das 17te Jahr noch nicht zurückgelegt haben, nur Bässe zur Arbeit in der Nachbarschaft ertheilt werden sollen. Durch eine Erinnerung an diese allmählig in Vergessenheit gerathene oder doch nicht mehr zur Anwendung kommende Vorschrift würde jedoch den dem ständischen Antrage zum Grunde liegenden Wünschen schon deshalb nicht genügt werden, weil, wenn die jungen Leute auch nur zur Arbeit in der Nachbarschaft Pässe erhielten, dem Mangel der hiesigen Landwirthe an Arbeitskräften nicht abgeholfen werden würde. Es wird daher, wenn das Ziegelgehen der unerwachsenen jungen Leute fortan nicht mehr zugelassen werden soll, zu dem Ende einer allgemeinen gesetzlichen Bestimmung bedürfen und hat das Amt— der Magistrat— in dieser Beziehung über folgende Punkte Auskunft zu geben und sich gutachtlich zu äußern: 1) Kommt das Ziegelgehen unerwachsener junger Leute ins Ausland in neuer Zeit häufig vor und äußert dasselbe auf ihre Gesundheit und Sittlichkeit einen nachtheiligen Einfluß? 2) Erachtet es das Amt— der Magistrat— deshalb für gerathen, daß den jungen Leuten, so lange sie nicht ein zu bestimmendes Alter erreicht haben, das Ziegelgehen gesetzlich untersagt werde? 3) Welches Alter hält das Amt— der Magistrat— für erforderlich, bevor den jungen Leuten der Betrieb des Ziegeleigewerbes ohne Nachtheil für ihre Gesundheit und Moralität gestattet werden kann? 4) Ist ein derartiges Verbot auch auf den Betrieb des Ziegeleierwerbs im Inlande zu erstrecken und ohne Ausnahme anzuwenden, so daß z. B. dem Vater nicht gestattet wird, seinen Sohn, nach erfolgter Confirmation, mit auf Ziegelarbeit zu nehmen oder auf seiner eigenen inländischen Ziegelei dies Gewerbe erlernen zu lassen? 5) Genügt es, daß einem Burschen, welcher das bestimmte Alter noch nicht erreicht hat, nur der Paß zum Ziegelgehen ins Ausland verweigert werde, oder ist er, wenn er sich ohne Paß entfernt, auch zu bestrafen? und ist auch den Eltern und Vormündern Strafe anzudrohen, wenn ihre Kinder, resp. Pflegbefohlenen mit ihrem Wissen u. Willen dem Verbote entgegen handeln? 6) Erachtet es das Amt— der Magistrat— für angemessen und unbedenklich, daß auch den Ziegelmeistern bei Strafe untersagt werde, Ziegelarbeiter, welche das bestimmte Alter noch nicht erreicht haben, anzunehmen? sowie den Ziegelagenten, solche anzuschreiben? Endlich wünscht die Regierung Kenntniß darüber zu erhalten, welche Löhne an Tagelöhner, Knechte und Jungen in Gelde oder Naturalien gegenwärtig für landwirthschaftliche Arbeiten in kleineren und größeren Wirthschaften bezahlt werden? und was eine Arbeiterfamilie(im Durchschnitt von—6 Personen) gegenwärtig nöthig hat, um für Wohnung, Nahrung und Kleidung den unentbehrlichsten Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Amt— der Magistrat— wolle hierüber verlaßbare Erkundigung einziehen und das Ergebniß in den zu erstattenden Bericht aufnehmen. Detmold den 25. August 1857. Fürstl. Lipp. Regierung. Petri.“ Wir werden hierauf zurückzukommen uns erlauben und möge die Veröffentlichung des vorstehenden Erlasses Fürstl. Regierung dazu beitragen, daß auch in diesem Bkatte von recht vielen Seiten dieser hochwichtige Gegenstand beleuchtet werde! 30. Oct. Am verflossenen Mittwoch hatten wir hier eine erhabende Feier, nämlich die Einweihung einer evangelischen Kapelle, die um so mehr in diesem Blatte besprochen zu werden verdient, als nicht nur der Gustav=AdolfsVerein des lippischen Landes, sondern mmentlich viele Einwohner der uns nahe liegenden lippischen Dörfer und Bauerschaften bedeutende Beiträge und letztere insbesondere viele Fuhren und Handleistungen zu dem Aufbau derselben verwendet haben. Der Generalsuperintendent Wiesmann von Münster und der Sup. Baumann von Paderborn waren eigens herübergekommen, um die Weihe vorzunehmen, an der sich außer dem für diese Kapelle als Prediger bestimmten in Martenmünster wöhnenden Pastor Böttner noch viele andere benachbarte preuß. und lipp. Prediger betheiligten; den Gustav=Adolfs=Verein in Detmold vertraten Herr Ebert und Hr. Regierungsrath Meyer, das Detmolder Consistorium Hr. Consistorialtath Dr. Heinrichs. Unter dem Geläute des von Bremens Frauen geschenkten und Tags zuvor im Thurm des Kirchleins aufgehängten Glöckleins bewegte sich bald nach 10 Uhr von der Wohnung eines evangel. Gemeinbegliedes der Festzug, bestehrnd aus einer großen Menge, theils aus der paderbornischen Diaspora, theils aus dem benachbarten Lippischen herübergekommenen Evangelischen, wie auch einiger Katholiken, namentlich der Hrn. Amtmann Fahle und Rendanten Rohde von hier, und unter Vortritt der evangel. Geistlichkeit, nach der festlich geschmückten Capelle, wo, nachdem auf dem Vorplatze unter Absingung des Liedes:„Thut mir auf die schöne Pforte“ von dem Hrn. Bauunternehmer dem G. S. Wiesmann der Schlüssel des neuen Gotteshauses übergeben war, die Feier 179 nach der im Programm vorgezeichten Weise vor sich ging. Die Versammlung war so groß, daß das Kirchlein sie nicht ganz zu fassen vermochte. Unter den Reden sprach besonders die des G. S. Wiesmann über Hesek. 37, 27 an, ihm folgte der Past. Böttner mit der Festpredigt über Eph. 2, 19—22, und zum Schluß redete noch der Sup. Baumann über Ps. 84. Die Liturgie wurde vom Sup. Backhaus aus Höxter unter Mitwirkung des Höxterschen Knabenchors und unter Begleitung einer von einem frommen Privatmann an die Capelle geschenkten Physharmonica in ansprechender Weise gesungen.— Die ganze Feier war eine erhebende und wird gewiß allen Anwesenden unvergeßlich bleiben. Auch verdient die würdige Haltung der kathol. Bevölkerung Steinheims alles Lob. Nach beendigtem Gottesdienste vereinigten sich 78 der Festgenossen zu einem Mittagsmahle bei Hrn. Wiethaup, welcher mit demselben bei seinen Gästen Ehre einlegte. Weltbegebenheiten. Der hohe deutsche Bundestag hat in seiner letzten Sitzung eine Vorstellung der Ritter= und Landschaft des Herzogthums Lauenburg, betr. den Schutz der verfassungsmäßigen und vertragsmäßigen Rechte u. Verhältnisse des Herzogthums, ferner daran geknüpfte Mittheilungen der von Oestreich und Preußen in Bezug auf die Verhältnisse der Herzogthümer Holstein u. Lauenburg mit der dänischen Regierung gepflogenen Verhandlungen und des nicht entsprechenden Erfolges derselben, weshalb die Sache in die Hände des Bundes zur Erwägung und Beschlußnahme niedergelegt wurde, sowie endlich einen Antrag von Seiten Hannovers, die dem Bundesrechte widersprechenden Bestimmungen der holsteinischen Verfassung bei fortdauerndem Dissens Dänemarks für unverbindlich zu erklären,— entgegengenommen und sämmtlich einem Ausschusse zugewiesen. Der Anfang wäre also gemacht; wir wollen hoffen, daß wir auch das Ende loben können. In Oestreich ist ein Zeitungsstempel eingeführt worden, welcher für jedes Exemplar einheimischer sowohl wie fremder Blätter einen Kreuzer beträgt. Das trifft besonders hart die kleinen Blätter und die unbemittelten Leute. Man sollte doch die Intelligenz fördern und nicht hemmen. In Schweden ist die königl. Vorlage, die Religionsfreiheit betr., von der Ritterschaft, dem Priester= u. Bauernstand abgelehnt, von dem Bürgerstande angenommen worden. Der Priester= und Bauernstand hat die betr. Vorlage dem Gesetzescomité zurückgesandt; man glaubt, daß das Gesetz in der laufenden Session nicht durchgehn werde. In Frankreich hat die Demokratie einen schweren Schlag erlitten. Cavaignac ist am 28. Octbr. an einem Herzschlage gestorben. Der General litt seit längerer Zeit an einer Herz=Hypertrophie. Er war mit einem Nachbar (er wohnte auf seinem Schlossé Ournes bei Flée im Sarthe=Departement) auf der Jagd gewesen und kehrte mit seiner Flinte auf dem Arme nach Hause zurück, als er an der Treppe seiner Wohnung angekömmen, plötzlich zusammenstürzte und fast im nämlichen Momente mit dem Ausrufe: „Ich sterbeln den Geist aufgab. Die Verzweiflung der Madame Cavaignac, die eine tiefe Zuneigung zu ihrem Gemahl hatte, ist nicht zu beschreiben. Sie hat jedoch einen festen energischen Characker. Da alle Versuche, den General ins Leben zurückzurufen, vergeblich waren, so beschloß sie, den Leichnam ihres Mannes sofort nach Paris zu bringen. Von Herrn Piscatory, früherem Gesandten Frankreichs in Athen, und ihrem 4jährigen Sohne begleitet, fuhr sie in einer Kalesche nach der nächsten Eifenbahnstation und, nachdem sie einen eigenen Zug bestellt, von da nach Paris, während der ganzen Reise ihren Mann in ihren Armen haltend. In Paris angekommen, wurde dieser nach seiner Wohnung gebracht, woselbst man eine Todtenkapelle herrichtete. Der Schmerz der jungen Frau zeigte sich hier in seiner Größe. Als die Freunde ihres Mannes ankamen, fanden sie dieselbe über seiner Leiche liegend, und man mußte Gewalt anwenden, damit sie sich auf einige Augenblicke von ihm trennte. Als man später den General in den Sarg legte, ergriff sie ihren Sohn u. hob ihn in die Höhe, indem sie ihm sagte:„Sieh Deinen Vater recht an, es ist das letzte Mal!“ Am 31. Oct. fand das Leichenbegängniß statt. Eine große Menschenmenge, nahe an 100,000 Persotten, hatte sich eingefunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisett: Nicht Alle, sondern nur ungefähr 15,000 folgten dem Zuge; die Uebrigen bildeten Spalier in den Straßen, durch die der Leichenzug ging. Die Ehren=Escorte wurde von dem 46. Linien=Regiment, einem Bataillon Jäger zu Fuß und 2 Schwadronen Hufaren gebildet. Die Ordnung an der Kirche und auf der Straße hielten zahlreiche Polizei=Agenten aufrecht, und am Kirchhofe selbst waren Infanterie, Cavallerie und pariser Garden aufgestellt. Am Todtenhause wurden Einlaßkarten ertheilt. Der Leichenwagen war mit 12 dreifarbigen Fahnen geschmückt.— Man erzählt, daß Louis Napoleon der Tod des Generals mit den Worten angekündigt wurde:„Sire, übermorgen wird man die einzige mögliche Republik begraben. Cavaignac war wohl in Frankreich die einzige Persönlichkeit, welche als solche dem Kaiserthum wirklich imponirte und ihm gegenüber eine Macht repräsentirte. In seinem Namen concentrirte sich die ganze honette Republik, die liberale Bourgeoisie und Alles, was aus Prinzip, aus Moralität und in der Hoffnung auf die Zukunft zwischen Legitimität und Bonapartismus eine unabhängige Stellung sich erhalten wollte. Geboren am 15. Oct. 1802, wurde er von seinem Vater, der mit für die Hinrichtung des 16. Ludwig gestimmt hatte, und seiner Mutter, einer für die Freiheit schwärmenden Frau von hohem Charakter und großem Muthe, erzogen. In seinem 18. Jahre trat er in die polytechnische Schule und 2 Jahre später ging er in die Artillerieschule von Metz. 1827 wurde er Lieutenant, einige Monate später Hauptmann. Als solcher machte er die griechische Expedition mit und zeichnete sich durch seine Kaltblütigkeit und seinen Muth aus. Der neuen Regierung gefiel sein republikanisches Auftreten nicht, und er wurde erst 1832 wieder in activen Dienst berufen und nach Afrika gesandt, wo er sich viele Jahre auszeichnete und 1844 den Grad als BrigadeGeneral erhielt. Er befand sich dort noch beim Ausbruche der Februar=Revolution, wurde aber bald zum Volksvertreter und am 17. Mai zum Kriegsminister ernannt. Einen Monat darauf brach die verhängnißvolle Juni=Schlacht aus. Während des Kampfes in den Straßen von Paris zum Diétator ernannt, behielt er bis zur Wahl Louis Napoleons zum Präsidenten die oberste Leitung der französ. Angelegenheiten. Bis zum Staatsstreich war er Mitglied der Nationalversammlung. Am 2. Dec. verhaftet, wurde er einige Tage in Ham festgehalten, aber dann in Freiheit gesetzt und nicht, wie seine Schicksalsgenossen, nach dem Auslande gesandt. Seit jener Zeit lebte er als einfacher Privatmann zum Theil in Paris, zum Theil auf dem Lande. Der Verstorbene war ein ehrlicher, stolzer und energischer Charakter; er liebte sein Vaterland und die Freiheit.— Die Regierung hat beschlossen, daß sein Bild, in seiner Eigenschaft als ehemaliger Präsident der Executivgewalt, in dem Museum von Versailles aufgestellt werden soll. Der Finanzhimmel fängt an sich etwas aufzuklären. Die Krisis in Nordamerika scheint gebrochen, seitdem die Banken der verschiedenen Staaten ihre Zahlung momentan eingestellt haben. Man hofft bereits, die Reaction auf den englischen Markt werde sobald und so schnell eintreten, daß der Disconto in London vielleicht schon nächsten Montag herabgesetzt werden könne, was das Signal zu ähnlichen Maßregeln für den ganzen Continent geben würde. Von NewYork lautets freilich noch nicht sehr erfreulich, da beträgt das Disconto noch 3% monatlich! Nach einer amerik. Zeitung darf man die centralamerikanische Frage als gelöst betrachten. Die bestehende Regierung von Nicaragna soll nämlich in Washington anerkannt worden sein und Mr. Irrissari als Gesandter empfangen werden. Es wurde, heißt es ferner, ein Tractat mit Nicaragua abgeschlossen; der jenen vom 22. Sept. 1849, sammt dessen Umänderungen vom 27. Juli 1857 in Betreff der Transitu=Route, zu Grunde legt. Gleich nach Abschließung dieses Tractats wurde dem betreff. Commandeur die Ordre zugemittelt, jeder Freibenter=Expedition entgegenzutreten, und der britische Gesandte, Lord Napier, hat dem Commandanten des englischen Geschwaders, Capitän Erskine, bedeutet, jeven Freibeuter zu fangen und dem amerik. Geschwader auszuliefern. Die Nachrichten aus Indien enthalten fast nur weitere Mittheilungen über die Einnahme von Delhi. Die briti 180 sche Streitmacht vor dieser Stadt betrug nur 10000 Mann; aus Europa waren noch keine Hülfstruppen erschienen. Der Verlust der Engländer war vergleichsweise gering, obwohl an Offizieren bedeutend; die Feinde hatten schon am 3. Tage 7000 Mann verloren. Die Mehrzahl hat sich geflüchtet. Der Stand ist für die Engländer immer noch nicht sehr günstig. Der Aufstand macht rasche Fortschritte und hat Provinzen ergriffen, die man bis dahin sicher glaubte. Die Bevölkerung in den Präsidentschaften Madras und Bombay und in den centralindischen Staaten ist fast durchgängig den Engländern feindlich gesinnt. Ueberdem sind die Bande der Disciplin unter den europäischen Truppen sehr gelockert; die Wuth, mit der sie über wehrlose Indier herfallen, soll kaum zu zügeln sein. In Medeah in Algerien ist ein Neger angekommen, der, wie alle Männlein und Weiblein seines Stammes(Niam=Niam) mit dem von den Gelehrten hartnäckig angezweifelten Schwanze versehen ist. Dieser geschwänzte Neger soll nun von einem unternehmungslustigen Barnum nach Paris gebracht werden, damit alle Pariser sich durch den Augenschein überzeugen können, daß Herr Ducourret, der Reisende, der von dieser geschwänzten Menschenrace berichtete, Recht gehabt. Ganz Brüssel war dieser Tage in Aufregung wegen eines ungeheuren Schatzes, den der Eigenthümer des„Hotel des Etrangers“ in einer Hutschachtel gefunden hatte, die ein Engländer vor drei Jahren bei ihm zurückließ. Es handelte sich um nicht weniger als 1,117,875 Franken in engl. Banknoten von 5, 10 und 20 W. Die Noten wurden für ächt gehalten; aber da der Fund der Behörde übergeben worden, nahm sich der englische Consul der Sache an und telegraphirte nach London, um den Eigenthümer zu ermitteln. Polizeiagenten und Beamte der Bank kamen auf die Anzeige nach Brüssel und erkannten die Banknoten als— falsch. In Spanien ist kürzlich ein gewisser Juan Jose Pereira zu 18 Jahren Galeerenstrafe verurtheilt, weil er sich fälschlich als Priester ausgegeben und durch seine theologischen und besonders seine Kenntnisse im Kirchenrechte es selbst zur Bischofswürde gebracht hatte. Er war einer der ausgezeichnetsten Kanzelredner, kam 1854 als Bischof nach Madrid und machte hier durch seine Rednergabe ein solches Aufsehen, daß er den Auftrag erhielt, die Rede zum Jahresfeste der Opfer des Freiheitskrieges zu halten. Der falsche Priester und Bischof wurde in Corunna von einem sehr alten Kriegscameraden, mit dem er in demselben Regimente gedient hatte, erkannt, als er eben pontificirte. Er war im Begriff, sich nach den Kolonien einzuschiffen, als ihn sein Kamerad bei den Gerichten anzeigte. Der Papst soll alle Handlungen, welche derselbe als Priester vollzogen, bestätigt haben. Ein interessanter Preßproceß. Nach der Mel.: 0 si facuisses etc. Die Leser werden sich vielleicht noch eines Corresp.= Artikels in Nro. 21 d. Bl. d. d. Papenhausen 18. Mai erinnern, worin von der Erscheinung dreier merkwürdiger Vögel im dortigen Gehölz die Rede ist. Die Redaction hatte denselben aufgenommen, weil sie nichts Anderes, als ein unverfängliches Phantasiegemälde darin erblickte; sie war daher nicht wenig erstaunt, als sie am Tage nach dem Erscheinen des Blatts ein von den Herren Subconrector Hunnäus, Kaufmann Kasemeyer und Amtmann Overbeck unterzeichnetes Schreiben erhielt, worin diese dieselbe ersuchten, da sie in dem bez. Artikel ein Pasquill erblickten, ihnen den Verfasser desselben zu nennen und die betr. Papiere auszuhändigen, widrigenfalls sie sofort sich an das Criminalgericht wenden würden. Da die Redaction nun unverantwortlich gehandelt haben würde, wenn sie obigem Gesuche gewillfahrtet hätte, so konnte sie nicht anders als sich weigern, und so kam es denn zu dem verhängnißvollen Processe, welcher bis den 5. d. gedauert hat, an welchem Tage das Erkenntniß publicirt wurde. Es würde die Leser ermüden, wenn ihnen der ganze Proceß mit allen seinen Verhandlungen vorgeführt würde; es soll daher nur das Wichtigste daraus hier mitgetheilt werden. (Forts. folgt.) Für die Redaktion: Ph. Kotzenberg. Photographische Portraits S. auf Wachsleinwand in allen Größen, auch zu Medaillons und Brochen, # werden täglich von Morgens 9 bis Nachm: 3 Uhr, #, auch ohne Sonnenschein vom Unterzeichneten angeA fertigt. Das Atelier befindet sich im Hause des Herrn E. Wippermann, Mittelstraße. Es liegen daselbst wie in der Expedition dieses Blattes Pro## bebilder jederzeit zur gef. Ansicht bereit. Mein Aufenthalt wird nur kurze Zeit währen und bittet deshalb um baldige geehrte Aufträge . L. Paul, Photograph. 600 Setzkarpfen, 2 Jahre alt und darüber, sind zu kaufen, bis 14. Novbr. spätestens, bei## Col. Cordsmeier in Lue. Preis zu erfragen bei F. L. Wagener in Lemgo. Dermischtes. Neue Fütterung für Bienen. Der Zufall spielt oft wunderbar und läßt uns Dinge entdecken, die a priori zu finden dem schärfsten Verstande unmöglich wäre. Im Mai 1857 bemerkten zwei Landwirthe im Departement Var in Frankreich, daß alle ihre Bienen ihre Stöcke verlassen hatten, obwohl diese sehr reichlich mit Futter versehen waren. Gegen Abend kehrten die Flüchtlinge schwer beladen zurück und überließen es den beiden Nachbarn, sich darüber, wo sie ihre ungewöhnlich reiche Ernte gefunden hatten, die Köpfe zu zerbrechen. Am andern Morgen waren die Stöcke frühzeitig in Bewegung und die Bienen machten sich abermals reisefertig. Die beiden Bienenväter folgen nunmehr der Richtung, welche die Bienen einschlugen, und kamen bald an einem Landgute an, wo eine große Menge Oelkuchen(Saatkuchen) zerschlagen und mit Wasser angemengt worden waren, um als Dünger verwandt zu werden. Hier saßen die Bienen am Rande der mit der erwähnten Flüssigkeit gefüllten Tonnen und sammelten so eifrig wie möglich. Die Vorräthe in den Stöcken vermehrten sich auf eine erstaunliche Weise und eben so zeigte sich die junge Brut äußerst zahlreich und kräftig.— Diese Beobachtung wird für Bienenfreunde und Bienenzüchter nicht verloren sein. Dr. Romershausen's ** zur Erhaltung, Stärkung und Herstellung der Sehkraft, sowie gegen Augenentzündung. Aktest. Dem hiesigen Apotheker Herrn Dr. Geiß wird hierdurch bescheinigt, daß uns derselbe aus dem Jahre 185 6 an ihm ergangene Schreiben, welche sich über die Wirksamkeit und Güte der von ihm bereiteten obigen Augenessenz aussprechen, im Original vorgelegt hat, und daß die Zahl dieser Zeugnisse sich seit 1853 auf 830 beläuft. Aken, den 28. Febr. 1857. (L..) Der Magistrat: Wittich. Obige Zeugnisse sind bei mir einzusehen, und wird diese anerkannt beste Augenessenz für Lippe nur ächt besorgt à 15 Sgr per Flasche durch W. Stamm in Detmold. Weizen 1 Thlr. 25 Sgr. bis 2 Thlr. 2½ Sar Roggen 1 Thlr. 124 Sgr. bis 1 Thlr. 17½ Sgr. Gerste 1 Thlr. 15 Sgr. bis 1 Thlr. 17½ Sgr. Hafer 1 Thlr. bis 1 Thlr. 7½ Sgr. Linsen 4 Thlr. Oel 15½ Thaler. Stand der Louisd'or à 5 Thlr. 15 ½ Sgr. Druck und Expedition von F. L. Wagener in Lemgo.