Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Tarichen Postämtern vierkeljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr. N 43. Lemgo, 25. October 1857. Anzeigen werden berechnet: unter 5 Zeilen mit 2 Sgr. 6 Pf. von—10 Zeilen 5 Sgr. über 10 Zeilen jede Zeile 6 Pf. Geldkrisis und Lirisis des Volkswohlstandes. Viele Leser dieses Blattes mögen sich wohl wenig dafür interessiren, ob das Diskonto vier oder acht Prozent hoch steht, wenige nur mögen sich darüber klar sein, was es eigentlich heißt: es befinde sich die Welt in einer Geldkrisis. Wir halten es daher für unsere Pflicht, diese Börsenredensarten einmal ins Volksthümliche und Allgemeinverständliche zu übersetzen und zugleich durch eine Betrachtung der jetzigen Zustände zu zeigen, inwieweit das, was Kapitalisten und Bankiers sehr interessirt, auch von Einfluß ist auf das Volk, sein Gewerbe und sein Wohlergehen. Wenn ein Fabrikant eine Waare abliefert, so erhält er dafür nur selten baares Geld; denn der Kaufmann, der die Waare abnimmt, muß erst längere Zeit warten, bevor er sie verkauft; er giebt also dem Fabrikanten statt des Geldes einen Wechfel. Der Fabrikant aber, der seine Arbeiter bezahlen und neue Einkäufe machen muß, um frische Bestellungen ausführen zu können, ist genöthigt, den erhaltenen Wechsel zu verkaufen. Er geht also zu einem Bankier und ersucht ihn, ihm den Werth des Wechsels auszuzahlen. Vorausgesetzt, daß der Wechsel gut, der Aussteller also ein sicherer Mann ist, so wird der Bankier den Wechsel kaufen; aber der Fabrikant muß daran etwas verlieren, weil der Wechsel, wenn er auch so sicher ist, wie baares Geld, doch immer erst nach einiger Zeit von dem Aussteller bezahlt und in baares Geld verwandelt wird. Diesen Verlust am Wechsel versteht man unter Diskonto. Erhält der Fabrikant für einen Wechsel von 100 Thlr. auf's Jahr berechnet nur fünfundneunzig, so hat er fünf Prozent verloren. Muß er mehr daran verlieren, so heißt es, das Diskonto ist gestiegen. Wie denn beispielsweise gegenwärtig das Diskonto bei der Londoner Bank acht Prozent steht. Fragt man nach der Ursache, weshalb denn das Diskonto so gestiegen sei, während es vor mehreren Monaten lange nicht so hoch stand, so erhält man die Auskunft: das Geld ist knapp: wir befinden uns in einer Geldkrisis! Wodurch ist denn aber das Geld knapp geworden? Das ist die Frage, auf welche es hauptsächlich ankommt; denn da es fest steht, daß Niemand sein Geld in's Wasser geworfen hat, so muß man die Ursache aufsuchen, woher eine Geldkrisis stammen kann. Die richtige Beantwortung dieser Frage ist nicht bloß für Bankiers und Kapitalisten, sondern für das gesammte Volk, das von seiner Hände Arbeit und Geschicklichkeit lebt, von großer Bedeutung. Wenn der Fabrikant ein hohes Diskonto zahlen, also einen großen Verlust tragen muß, so hat dies zwar einen Einfluß auf den Arbeiter, der den Verlust im Kleinen mittragen muß; allein dieser Verlust ist zu unbedeutend, um auf das Wohlergehen des einzelnen Arbeiters von Einfluß zu sein. Sehr fühlbar aber ist es für den Arbeiterstand, wenn der Fabrikant für mäßig gute Wechsel gar kein Geld auftreiben, also keine neue Arbeiten unternehmen kann; er muß die Arbeiter ablohnen, die Arbeit auf einige Zeit einstellen, wodurch zunächst aus der Geldklemme eine Arbeitslosigkeit entsteht. Hiernach geht es freilich den Arbeiterstand auch etwas an, ob der Bankier Geldmangel hat oder nicht, und darum ist es gerechtfertigt, daß man sich allgemein über die Natur einer Geldkrisis klar werde. Eine Geldkrisis kann aus sehr verschiedenen Gründen entstehen; all' diese Gründe aufzuzählen, ist theils zu schwierig, theils würde es den Raum unserer kleinen Zeitung weit übersteigen; wir wollen nur zwei Hauptursachen aufführen, deren Betrachtung ffür die Gegenwart wichtig ist; denn erst aus diesen Gründen ergiebt es sich, ob eine vorhandene Geldkrisis ein schlimmes oder gar ein gutes Zeichen der Volkswirthschaft ist. Gesetzt, ein Staat macht eine große Kriegsanleihe und zahlt dafür sehr hohe Prozente, so wird natürlich der Geldbesitzer sagen: wozu soll ich mein Geld dem Fabrikanten billig hingeben? ich kaufe mir lieber ein Staatspapier, das hohe Zinsen trägt. Daraus kann schon eine Geldkrisis entstehen. Das Geld ist zwar vorhanden, aber der Staat verwendet es zu unproduktiven Zwecken; und das ist die schlimme Geldkrisis. Es kann aber auch aus ganz entgegengesetzten Gründen eine Geldkrisis eintreten. Gesetzt, es entdeckt Jemand ungeheuer große Steinkohlenlager, die sehr großen Gewinn versprechen, wenn man sie ausbeutet, so werden sich natürlich viele Gesellschaften bilden, die sehr große Kapitalien für Kohlenbergwerke in Anspruch nehmen. Das Geld für diese neue Unternehmung wird natürlich den alten Unternehmungen entzogen, und somit entsteht wieder eine Geldkrisis; allein es ist eine Krisis, welche neue Arbeit schafft, neue Reichthümer anbahnt, dem Arbeiterstand für lange Zeit Aussicht auf Thätigkeit giebt und dem Kapitalisten Gewinn verspricht. Eine solche Krisis ist zwar auch für den Moment drückend, allein sie hat einen gesunden Hintergrund und wird für die Folge sich wieder von selbst lösen. Im Allgemeinen nun ist die jetzige Geldkrisis von dieser besseren Art, und deshalb haben wir Grund zu hoffen, daß sie eben von keinem bösen Einfluß auf den Volkswohlstand sein werde. Es sind gegenwärtig zu viel neue Unternehmungen von zu großem Umfange im Beginn, weshalb zur Zeit Geldmangel entsteht; aber es ist ein Geldmangel der meist daher rührt, daß viele Millionen für Anlagen aus, gegeben sind, und noch viele in dieselben hineingesteckt werdenmüssen, welche für jetzt zwar noch nicht Gewinn abwerfen, die aber einen solchen abwerfen und den Nationalreichthum vermehren werden. Wir befinden uns jetzt bei den größten Unternehmungen in der Zeit der Aussaat, und wenn wir zugestehen, daß mitunter schwindlerische Gewinnsucht viel der Aussaat auf unfruchtbare Felsen zerstreut, so dürfen wir doch sagen, daß die Frucht des Bessern nicht ausbleiben und die sogenannte Geldkrisis zu keiner Krisis des Volks= und Arbeiterwohlstandes führen wird. Correspondenzen. Detmold, 22. Oct. Gestern feierte hier der lippische Zweigverein des Gustav=Adolfs=Vereins sein Jahresfest in der reformirten Kirche, wozu sich aus der Nähe und selbst aus der Ferne viele Theilnehmer eingefunden hatten. Morgens 7 Uhr ertönte vom Thurme der Choral:„Allein Gott in der Höh' sei Ehr'!g. Der Gottesdienst begann um 10 Uhr mit dem herrlichen Chorgesang:„Jehovah, Jehovah, Jehovah!“ welchen die Detmolder Liedertafeln unter der Direction des Hrn. 170 Hofmusicus Dassel zur allgemeinen Befriedigung ausführten. Hierauf hielt Hr. Consistorialrath v. Cölln ein passendes Altargebet und las den 46. Psalm vor. Darnach stimmte die Versammlung das Kraftlied unsers Reformators Luther an:„Ein' feste Burg ist unser Gott.n Die Predigt hielt Herr Pastor Cronemeier aus Schötmar über„Matth. 16, 18. Der als Abgeordneter des lippischen Vereins nach Cassel zum allgemeinen Gustav=Adolfs=Feste abgesandte Herr Pastor Werth trug dann seinen Bericht über die dortige Feier vor. Nachdem noch mehrere Chorgesänge von den Liedertafeln gesungen wurden, sprach Herr Consistorialrath Böhmer noch einige Worte über Gal. 6, 10. und schloß mit dem Segen. Die Festesgaben wurden auf dem Altare niedergelegt, sie betrugen 175 Thlr.— Nach der kirchlichen Feier versammelte sich ein Theil der Mitglieder des Vereins auf dem Rathhaussaale, wo die Rechnung vom vorigen Jahre abgelegt, für den verst. Sup. Stockmeyer Herr Pastor Werth in den Vorstand gewählt und Lage als Versammlungsort für nächstes Jahr bestimmt wurde. Eine gemeinsame Tafel in der„Stadt Frankfurt“ vereinigte dann noch viele Mitglieder des Vereins, und Abends wurde im Theater das Fest mit einem Concerte beschlossen, dessen Direction dem bewährten Herrn Kapellmeister Kiel anvertraut war und das sehr ansprach. Lemgo, 20. Octbr. Unsere kirchlichen Wirren scheinen jetzt bald ihr Ende erreichen zu sollen. Für die MarienGemeinde wird nächstens ein Prediger ernannt werden und zwar nach vorhergegangener Wahl oder vielmehr nach einem durch 12 Presbyter, die auf höhere Anordnung von den beiden Herrn Burgemeistern unter Mitwirkung des Herrn Pastor Kähler theils aus der Marien=Gemeinde selbst, theils aus solchen Mitgliedern der neuen evangel. Gemeinde, die früher zu der Marien=Gemeinde gehörten, zu bestimmen sind, zu machenden Vorschlage von drei Candidaten. Nach der kürzlich erlassenen landesherl. Verordnung, die Regelung der evangel.=protest. Parochialverhältnisse betr., vom 7. Oct., zu schließen, wird binnen 3 Monaten die neue evangelische Gemeinde aufgehoben werden, und haben sich die Mitglieder derselben dann entweder zu der lutherischen oder zu der refermirten Kirche zu wenden. Die darin getroffenen Bestimmungen über die Parochialverhältnisse stimmen mit dem Edict vom 15. März 1854 völlig überein und scheinen uns durchaus der Gerechtigkeit gemäß, besonders was darin über die Verpflichtung zu Beiträgen für die resp. Kirchen angeordnet ist. Die wichtigsten Puncte daraus sind folgende: 1) Niemend ist verpflichtet zu den kirchlichen Lasten einer andern Confession beizutragen, falls er glaubhaft nachweist, daß er nicht zu dieser sich bekennt, und binnen drei Monaten seinen Beitritt zu einer Kirche seiner Confession schriftlich erklärt. In Lemgo und Detmold sollen zu dem Ende die Parochianen=Verzeichnisse revidirt und dann öffentlich ausgelegt werden, damit Jeder während einer sechswöchigen Präclusivfrist etwaige Erinnerungen dagegen vorbringen kann.(Die im Bezirk der Nicolai= und der Marien=Gemeinde vorhandenen Reformirten haben also, falls sie irrthümlich im Parochianenverzeichnisse dieser Gemeinde aufgeführt ständen, nach Publication jener Präclusivfrist, sich einfach zu melden und als Reformirte zu erklären, worauf sie in das Parochianenverzeichniß der Johannis= Gemeinde aufgenommen werden). 2) Die Zugehörigkeit einer Familie zu einer Parochie wird bestimmt nach der Religion oder Confession des Familienvaters, auch nach dem Tode desselben, und die Kinder folgen der Confession desselben, sofern er nicht etwa das Gegentheil ausdrücklich verfügt hat; nur nach zurückgelegtem 14. Lebensjahre ist den Kindern gestattet, auch einer andern Confession sich zuzuwenden. 3) Jeder Reformirte gehört zu der Kirchengemeinde, in deren Bezirk er wohnt(in Lemgo ist der Bezirk der Johannisgemeinde über die ganze Stadt ausgedehrt); außerhalb Lemgo gilt dies auch von den Lutheranern, wenn sie nicht binnen drei Monaten erklären, daß sie zu einer der drei lutherischen Kirchen nach deren abgegrenztem Bezirke gehören:(die Detmolder umfaßt die Städte und Aemter Detmold, Lage und Horn; die Nicolai=Kirche außer Lemgo in ihrem bisherigen Bezirke Salzuflen und die Aemter Oerlinghausen, Schötmar, Hohenhausen und Varenholz; die Marienkirche außer Lemgo in ihrem bisherigen Bezirke die Städte Blomberg und Barntrup, sowie die Aemter Brake, Sternberg und Barntrup, Blomberg, Schieder und Schwalenberg). 4) Will Jemand seine Confession wechseln, so hat er dies seinem bisherigen Parochus förmlich zu Protocoll zu erklären; dieser verkündigt hierauf dessen Austritt an drei auf einander folgenden Sonntagen von der Kanzel, und der Uebertretende muß das ihm gegen die Gebühr abschriftlich auszufertigende Protocoll nebst den Netizen aus dem Kirchenbuche binnen 6 Wochen seinem neuen Parochus persönlich überreichen. Während des laufenden Jahres hat er aber die kirchlichen Lasten seiner bisherigen Gemeinde noch mitzutragen.— In Bezug auf die katholische Kirche ist noch durch ein besonderes Edict verfügt, daß in gemischten Ehen es lediglich von der Ueber einkunft der Eltern abhängt, in welcher Confession sie ihre Kinder erziehen lassen wollen, und Zusagen vor der Ehe nichtig und unverbindlich sind, daß aber, wo keine Uebereinkunft stattfindet, die Confession des Vaters, auch nach, dem Tode desselben, entscheidet. Lieme, 9. Octbr.(Verspätet). Am vorigen Mittwoch sand hier die im Regierungs= und Anzeigeblatte bekannt gemachte halbjährige allgemeine lippische Lehrerconferenz statt. Es war die 14te. Von den auf der Tagesordnung stehenden Arbeiten sind zwei als besonders interessant hervorzuheben, von denen die eine:„über Jugendliteratur“ von Hru. Köster in der Vormittagssitzung, und die andere:„über den Unterricht in der biblischen Geschichte“, von Hrn. Meyer in der Nachmittagssitzung verhandelt wurde. Hr. Köster gab erst einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der Jugendliteratur und führte dann, nachdem auf die Wichtigkeit dieses jetzt ausgedehnten Literaturzweigs für Lehrer und Eltern hingewiesen, sowie Inhalt und Form der Jugendschriften besprochen war, namentlich aus, welche Schriften nicht für die Jugend zu wählen seien: 1, keine sog. Volksschriften; 2, keine politische; 3, keine einseitig religiösen Inhalts; 4, keine romanhafte; 5, keine Struwwelpetereien; 6, keine, die über den Horizont der Kinder gehen. Schließlich wurde bemerkt, daß das Lesen der Bücher nur eine Art der Nebenbeschäftigung für Kinder bilden dürfe und daß das viele Sitzen über den Büchern den Kindern die Bücher überhaupt verleide und sie für die Schulzeit unbrauchbar mache. Nachdem nun ein Mittagsmahl eingenommen, verlas Herr Schnüll zum Dessert seine kurze Abhandlung über ndie Null“. In der Nachmittagssitzung gab Hr. Meyer in seiner Arbeit erst an, wie der Zweck des Unterrichts in der bibl. Geschichte nicht blos der sei, die Kinder mit der Geschichte alten und neuen Testaments bekannt zu machen, sondern wie sie durch ihn auch in die Glaubens= und Sittenlehre der Religion eingeführt werden, wie ihre Religionekenntnisse durch ihn befestigt und erweitert werden sollten. Darauf führte Hr M. noch aus, welche Grundsätze man im Auge behalten müsse, wenn diese Zwecke erreicht werden sollten. Die Arbeit fand ungetheilten Beifall. Die Abhandlung von Herrn Wehrmann„über Erziehung zur Sittlichkeit" wurde auf die nächste Conferenz ausgesetzt. Den Beschluß machten einige Männerchöre, ausgeführt von dem herrlich besetzten Helpuper Quartett. Die nächste Zusammenkunft wird in Detmold am Tage nach Pfingsten stattfinden. Hoffentlich wird dieselbe zahlreicher besucht werden, als bisher. Lage, 18. Oct. Gestern Abend hieß es, in der Gegend von Lemgo oder Brake sei eine Feuersbrunst, und die Sprütze war schon angespannt, um zur Hülfe zu eilen, als zufällig ein von Lemgo kommender Herr uns benachrichtigte, daß es weiter nichts sei, als das Octoberfeuer auf dem Biesterberge, welches die Lemgoer allemal, wenn der 18. Oct. auf einen Sonntag fällt, am 17. anzuzünden pflegten. — In unserer Nähe ist eine wichtige Entdeckung gemacht worden, man hat nämlich bituminösen Schiefer gefunden, aus welchem, wie verlautet, ein recht hell brennendes Hydrocarbur gewonnen werden kann. So hätten wir hier denn Aussicht, einen neuen Erwerbszweig zu bekommen, und wer weiß, ob wir nicht so am Ende auch noch ein Stückchen Bergbau erobern? Weltbegebenheiten. Aus Ostindien ist nicht viel Neues zu berichten, obgleich die britischen Truppen in ihren Angriffen gegen den Feind kühner geworden sind. Der Pendschab ist ruhig geblieben, doch mußten auf isolirten Stationen verschiedene Ausbrüche unterdrückt werden. Auf den Stationen von Radschputana herrschte ein unbehaglich Vorgefühl kommender Meutereien. Auch die Bombay=Sepoys scheinen reif zur 171 Empörung, wie mehrere theilweise Aufstandsversuche zeigten. In der Präsidentschaft Bombay herrscht vergleichsweise Ruhe. Am 18. Sept. fand in Sattora, im Beisein einer ungeheuren Zuschauermenge, die Hinrichtung von 18 des Verraths überwiesenen Personen statt; 5 wurden gehenkt, 7 erschossen und 6 vor die Kanonenmündung gebunden und„fortgeblasen.“ Der Timescorrespondent in Bombay ist der Ansicht, daß der Orkan sich ausgetobt hat. In dem Schreiben heißt es: „Niemals hat es sich klarer als in ben letzten 14 Tagen gezeigt, daß die Rebellion keinen Eingeborenen von nur mittlerem militärischen Geschick hervorgerufen hat, daß die Meuterer keinen Führer haben, der dieses Namens würdig ist. Oft haben uns die Rebellen wie ein undisciplinirter Pöbel, im besten Falle wie eine Ansammlung von Regimentern aberund abermals, zuweilen auch heftig genug angegriffen, wenn sie gute Seiks hatten, aber immer mit einer Planlosigkeit, die den Mangel an einem Führer verräth.“— Indeß deuten die Maßnahmen der ostindischen Compagnie, namentlich der Ankauf von 17000 Kameelen und 9000 Elephanten an, daß dieselbe einen sehr langen Feldzug voraussieht.— In Mandesore, einer der reichsten Städte von Maharadscha Sindia, ist eine Volkserhebung ausgebrochen und es scheint, daß es einen heißen Kampf gegeben hat, in welchem die Rebellen Meister geblieben. Das Haupt dieses Aufstandes gibt sich für einen Schahazadah(Sohn des Königs von Delhi) aus, der kürzlich von Mekka zurückgekehrt sei. Dies Ereigniß ist um so unangenehmer, als dies die erste wirkliche Volkserhebung ist. Auch die Schweiz hat von den Jesuiten viel zu leiden; ausgewiesen sind sie zwar schon seit mehreren Jahren, aber sie fangen an, zu den Fenstern wieder hereinzusteigen; wie man aber vernimmt, geht der Bundesrath damit um, gegen das Auftreten derselben in Wallis einzuschreiten. Die italienischen Verhältnisse nehmen jetzt die Aufmerksamkeit der französ. Regierung sehr in Anspruch. Die Rundreise des Herrn Benedetti an alle italienischen Höfe gibt dafür einen deutlichen Beweis, und der Aufenthalt des Generals Goyon in Neapel steht damit in Verbindung. Benedetti hat die politischen, Goyon die militärischen Verhältnisse an Ort und Stelle genau zu untersuchen, und alle diese Vorbereitungen scheinen darauf hinzudeuten, daß die italische Frage wohl bei dem demnächstigen Congresse zur Sprache kommen wird. Noch immer wird von Feuersbrünsten gemeldet; in Goslar sind eine Menge Gebäude eingeäschert; in Frankfurt a. M. hat eine Pulverexplosion ein großes Haus verwüstet und mehrere Menschen gefährlich verletzt. In der Gemeinde Berteire(Frankreich) waren 2 Kühe, die an der Brandkrankheit litten, getödtet und das Fleisch verkauft worden; mehrere Menschen, die sich in dem Wasser, worin dieses Fleisch abgewaschen war, die Hände gereinigt hatten, starben, während die, welche von dem Fleische genossen, keinen Schaden genommen haben. Der pariser Planetenliebhaber, Hr. Goldschmidt, der schon 9 solche Welten aufgefunden und nun zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden ist, hätte noch ein Dutzend solcher Sterne aufgabeln können, ohne sich dieser Auszeichnung zu erfreuen, wäre er nicht auf den galanten Einfall gekommen, das jüngste Produkt seiner teleskopischen Himmelsreise Eugenie zu taufen. Die Schönheit darf unter allen Umständen in den Himmel erhoben werden, und ein galanter Ritter der Schönheit verdient auch Ritter der Ehrenlegion zu sein, selbst wenn er ein gelehrter Astronom ist und 9 Planeten gefunden hat. Nach einer neuerdings abgeschlossenen Uebereinkunft soll die russische Flottenabtheilung, welche für China bestimmt ist, ihre Operationen gegen das himmlische Reich gemeinschaftlich mit dem französ. und engl. Geschwader vornehmen. Möglich daß darin eine der Folgen den stuttgarter Zusammenkunft sich kund gibt und darin eine Andeutung für die Ansicht läge, daß Frankreich in Stuttgart unter Anderem auch eine Annäherung zwischen Rußland und England herbeizuführen versucht habe. Einstweilen ist die Blokade des Hafens und des Flusses von Canton den verschiedenen Mächten Europas in offizieller Weise zur Kenntniß gebracht worden. Der„Siecle" kommt bei Besprechung der stuttgardter Zusammenkunft und der Nothwendigkeit der Fortdauer der engl.=franz. Allianz auf die Verträge von 1814 und 1815 zu sprechen und hält Englands Verlegenheit für eine#erwünschte Gelegenheit, num die Frankreich gebührende Genugthuung auf friedlichem Wege von England und Rußland zu erlangen, jetzt, da Frankreich seinen Einfluß in den europäischen Berathungen wieder eingenommen und das Oberhaupt der Regierung nicht ignoriren dürfe, was die Nation wünscht und verlangt.“ Der junge Kaiser von Rußland muß wolten, daß Europas Geschicke in dauernder Weise fixirt werden. Er kann die große und edle Mission, die er angefangen, seine Völker zu civilisiren, nur erfüllen, wenn Europa im Frieden ist, wenn die Bedingungen seines Gleichgewichts auf billige und reparatorische Weise geordnet werden. Schüchterne Geister werden uns anklagen, Stürme zu erregen, Europa in Flammen setzen zu wollen. Wir werden diese Anklage zu so vielen anderen, die man gegen uns richtet, verweisen. Gegen die selbstsüchtige Politik, die, weil sie Nichts vorhersieht, in den Tag hineinlebt, haben wir den ärgsten Widerwillen. Wir begreifen jene nicht, die für die Größe ihres Vaterlandes nicht in Begeistrung gerathen. Wir gestehen, es gibt keine Opfer, die wir nicht dieser Nothwendigkeit des Einflusses Frankreichs darbrächten, und— laut sprechen wir’s aus— nicht wir werden jemals Allem, was zur Sicherung seines Uebergewichtes unternommen wird, irgend wie hindernd entgegentreten.— So spricht ein Blatt, das nicht einmal imperialistisch gesinnt ist! Wenn das am grünen Holze geschieht, was soll am dürren werden? Der Pfälzer Zeitung wird aus Landau(Rheinbaiern) geschrieben: Vor etwa 14 Tagen hat ein unverheiratheter, 36 Jahre alter Ackersmann aus Flemlingen im Wahnsinn zur Nachtzeit seine Mutter gewürgt und zur Treppe hinuntergeworfen, worauf augenblicklich der Tod erfolgte. Er wähnte, in der Hölle gewesen zu sein und wollte seine Mutter vom Teufel erlösen. Er ist darauf im Gefängnißgebäude verschieden. Die Geldkrisis ist in den letzten Tagen stärker geworden, vor allem in Amerika, wo fast allenthalben Banken und Häuser die Zahlungen einstellen. Das Geld wird immer gesuchter und knapper. Der Wechselcours ist nicht bestimmbar und sämmtliche Effekten sind gedrückt. In London ist der Discont auf 8% erhöht worden. Den amerikanischen Blättern zufolge ist Walker mit Ausrüstung einer neuen Expedition gegen Nicaragua lebhaft beschäftigt. Der Präsident hat nun an alle nordamerikanischen Agenten ein Rundschreiben erlassen, worin er den festen Entschluß der Regierung erklärt, die Grundsätze der vollkommensten Neutralität zu beobachten und durch alle gesetzlichen Mittel die Anführer und Theilnehmer von Unternehmungen zurückzuhalten, die gegen befreundete Staaten gerichtet sind. Auf der Eisenbahn von Süd=Wales in England hat sich wieder ein furchtbares Unglück ereignet, das lediglich der Unachtsamkeit des Bahnpersonals zuzuschreiben ist. Zwei Passagierzüge rannten im vollsten Laufe gegen einander, und in Folge des heftigen Stoßes wurden die Tender eines jeden derselben auf die ihnen zunächst befindlichen Wagen geschleudert. Sie zerschmetterten im Falle die Verdachung, und von den Passagieren, die sich in diesen dem Verderben anheimgefallenen Wagen befanden, wurden alle in furchtbarer Weise verstümmelt, so daß an dem Aufkommen mehrerer derselben gezweifelt werden muß. Schon beschäftigt man sich damit, dem diesjährigen Weine, dessen Güte eine so vorzügliche sein soll, einen bezeichnenden Namen zu geben. Die Franzosen schlagen die Bemerkung„Fünf=Kometen=Wein" vor, die Kölner Zeitung meint, Sieben=Planeten=Wein“ wäre noch charakteristischer, da bekanntlich in diesem Jahre 7 neue Planeten entdeckt worden sein. Das Salzlager in Staßfurt bei Magdeburg hat eine so große Ausbeute geliefert, daß es— die großen galizischen Lager ausgenommen— als das bedeutendste Salzlager Europas gelten muß. Ein Stiergefecht in Bayonne. (Schluß.) Im zweiten Kurs, in allen Theilen dem ersten gleichend, trat der weniger berühmte Espada auf. Nicht so glücklich als sein Vorgänger, stach er dreimal vergebens. Der Stier schüttelte sich wiederholt die nicht tief eingedrungene Waffe aus der Wunde, und das dritte Mal zeg sie ein Chulo über die Brüstung herüber aus dem Körper des Stiers. Erst der vierte Stich genügte; das Thier fiel, mußte aber vom Cachetero geknickt werden. Ruhmlos trat der Mann unter lauten Zeichen des Mißfallens ab. Das dritte Opfer kam im raschen Trabe, schnaubend und mit dem Schweife peitschend, ans dem Stall heraus. Das Thier war so muthig und so flink dabei, daß es einem allzu unverschämten Chulo über die Baranda nachsprang. Es war ein prächtiger Anblick, den Stier über die hohe Schranke setzen zu sehen, welche die Chulo's nur mit Hülfe der rings um die Baranda laufenden Schwelle überspringen können. Die für solchen seltenen Fall bestimmten inneren Thüren fielen schnell zu und der Stier mußte, keinen anderen Ausweg findend, durch die geöffnete Schranke vor der Stallthür in die Arena zurück. Fünf Pferde fielen seiner Wuth zum Opfer— in drei Kursen also neun arme Klepper. Die leichten Wolken, welche sich auf den Gipfeln der Pyrenäen gelagert, hatten sich unterdessen zu einem Gewitter ausgebreitet; schon fielen einzelne schwere Regentropfen, und das Spiel mußte heute mit dem dritten statt mit dem sechsten Gange geendet werden. Im Augenblick als Salamanquino den törtlichen Stoß führte, krachte der Donner. Ein Theatercoup!— aber leider war es nicht der Donner allein. Die gedeckte Tribüne der Militärmusik, auf welche sich viele Zuschauer, Schutz vor dem beginnenden Regen zu finden, gedrängt hatten, war zu schwach für die größere Last, brach ein, und die Unglücklichen stürzten mit dem krachenden Holzwerk zusammen. Welch ein schauerlicher Schluß des grausamen Spiels!— Erschreckt und empört verließ ich den Schauplatz, unter strömendem Regen meinen Wagen in dem entstandenen Gewirre suchend. Am Abend hörte ich, daß man kein Menschenleben zu beklagen habe, nur einige Personen seien nicht unbedeutend verletzt. Man kennt das! Die Todten können nicht sprechen, und man begräbt sie in der Stille. Aber die Presse? Sie beklagt den betrübenden Vorfall, spricht von einer genauen Untersuchung und Bestrafung der Fahrlässigkeit, freut sich, daß kein Menschenleben verloren, und die Verwundeten bereits auf dem Wege der Besserung seien. Währenddem stöhnen und klagen die Armen mit gebrochenen Gliedern im Spital. Solche Zustände sind denn doch, wie wir Schwaben sagen, ungemüthlich. * Ich glaube nicht, daß es der hohen Beschützerin der Stiergefechte gelingen wird, die Plaza des Toros an der Seine in Mode zu bringen. Noch haben die Franzosen keinen Geschmack daran. Der Kaiser scheint diese Kämpfe nicht zu lieben, wenigstens reiste er gerade an dem Tage, als das Stiergefecht in Bayonne stattfand, von Biarritz nach Chalons. Seiner Neigung entsprechen mehr die Jagden im Walde von Compiegne, oder die kriegerischen Uebungen in der Lagerstadt, nicht allzu fern der deutschen Grenze. Die französischen Zuschauer verhielten sich bei dem wilden Spiele ruhig und wendeten sich zum Theil mit Mißbilligung ab, die Ausbrüche eines rohen Beifalls den Spaniern überlassend. Auf einer Tribüne, wo sich eine Anzahl Offiziere befand, sah ich keine Hand sich zum Beifall erheben, keinen Mund zum Zuruf öffnen. Mißstimmung und Abneigung sprach aus den Gesichtszügen dieser Männer, die, nach der Krim=Medaille auf ihren Uniformen zu schließen, mancher Gefahr ins Auge geschaut und manche Greuelthat mit angesehen hatten. Paris, das genußsüchtige, verderbte Paris weist für jetzt noch, das ist gewiß, das barbarische Vergnügen des ritterlichen Spaniens mit enschiedenem Widerwillen zurück. Für die Redaktion: Ph. Kotzenberg. Die nächste Versammlung des landwirthschaftlichen Vereins fur Lemgo, Brake und Umgegend findet statt: Montag, den 2. November[Nachmittags 3 Uhr im Eikernkruge. Zu zahlreichem Besuche wird eingeladen. Brake, 22. Oct. 1857. Der Vorstand. Lemgo. Auf hiesigem Schützenplatze soll am nächsten Montag, den 26. Oct., ein fettes Rind ausgeschossen werden. Anfang Nachmittags 2 Uhr. W. Krüger. Liniirtes Notenpapier bei F. L. Wagener. Concept=, Schreib= u. Briefpapier in allen Größen und Farben bei F. L. Wagener. jedruckte Obligationen auf ganzen und halben Bogen, erste à 1 Sgr. und letztere à 9 Pf., sowie Schuldscheine auf ¼ Bogen à 3 Pf. sind stets vorräthig bei F. L. Wagener in Lemgo. Frucht=Preise. Weizen 1 Thlr. 25 Sgr. bis 2 Thlr. 2½ Sgr. Roggen 1 Thlr. 10 Sgr. bis 1 Thlr. 17½ Sgr. Gerste 1 Thlr. 15 Sgr. bis 1 Thlr. 20 Sgr. Hafer 1 Thlr. bis 1 Thlr. 7½ Sgr. Oel 15½ Thaler. Stand der Louisd'or à 5 Thlr. 15½ Sgr. Gegen jeden veralteten 90 sowie gegen Brustschmerzen, langjährige Zeiserkeit, Grippe, Verschleimung der Lunge und gegen Neuchhusten, ist der auch im hiesigen Lande bereits rühmlich bekannte, von dem Medicinalrath Herrn Dr. Magnus, Stadtphysikus in Berlin Aalb aice bier dis dier dih bih bsr bsd dlch ss approbirte weisse 9sb 9she 2s 2lsb dlbe isi Aid dib disr dick Preis: Preis: 1 sroße Flasche 1 3### m MHGM GVDID# 1 große Flasche 1 38 34 1 kleine Flasche#M“ BRUSTTSTRUT# 1 kleine Flasche 4 6 8 BAASANANN. Ma 4 16., Sitete ie Ss Mittel, welches noch nie, und zwar in zahlreichen Fällen, ohne das befriedigendste biesuitat in Anwendung gebracht worden ist. Dieser Syrup— welcher einen lieblichen Geschmack hat und zu dem ich nur indische Raffinade verwende, weshalb er von weißer Farbe ist und sich durch diese allein schon von demjenigen einer ähnlichen Firma leicht unterscheiden läßt— wirkt gleich nach dem ersten Gebrauch auffallend wohlthätig, zumal bei Krampf= und Keuchhusten, befördert den Auswurf des zähen stockenden Schleimes, mildert sofort den Reiz im Kehlkopfe und beseitigt in kurzer Zeit jeden noch so heftigen, selbst den schlimmsten Schwindsuchtshusten und das Blutspeien. G. A. W. Mayer in Breslau. Für Lemgo und Umgegend einziges Lager bei Herrn C. Wilh. Hecker in Fredeburg, Generalagent u. Feuerschwamm=Fabrikant. Zeugniß. Den Mayerschen Brust=Syrup habe ich in vielen bezüglichen Fällen verordnet, und hat sich derselbe als ein allen übrigen derartigen, angepriesenen Mitteln mindestens vorzuziehendes, besonders gegen Catarrhe, und die dadurch entstehende Heiserkeit, wie Lungenverschleimung u. s. w. als zweckdienlich erwiesen. Breslau, 11. März 1855.(L. S)„ gez. G. Riller jun., prakt. Wund= und Communal=Arzt. Druck und Expedition von F. L. Wagener in Lemgo.