Sbe Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Taxichen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr. Ne 41. Lemgo, 11. October 1857. Anzeigen werden berechnet: unter 5 Zeilen mit 2 Sgr. 6 Pf. von—10 Zeilen 5 Sgr. über 10 Zeilen jede Zeile 6 Der Landmann. Welch schönes Loos ward ihm beschieden! Er lebet glücklich und zufrieden Auf seiner ländlich stillen Flur, Befreit von Gram und schweren Sorgen, Erblühet süß ihm und verborgen Des Herzens wahre Freude nur. Er sieht des Frühlings Knospen schwellen, Erblickt des Sommers Aehrenwellen, Des Frucht behang'nen Herbstes Kleid; Er find't ein seliges Behagen, Wenn er in rauhen Wintertagen Dem armen Vöglein Futter streut.— Um seines nied'ren Fensters Bogen Hat traulich sich die Reb’ gezogen, Die er von Jugend an gepflegt; In seinem Garten duften Rosen, Um die mit schmeichlerischem Kosen Der Zephyr seine Flügel schlägt. In dichtbelaubten Buchenhallen Lauscht er dem Klang der Nachtigallen Und hört im Feld der Wachtel Schlag; Betrachtet seiner Bienen Zellen, Und trinkt aus reinen Silberquellen Im lusterfüllten Blumenhag', Er findet, was das Aug' entzücket, Genießet, was das Herz beglücket, Und Alles ihn mit Frohsinn füllt; Er hat des Lebens goldnen Frieden Und find't in seinem Loos hienieden Des fernen Paradieses Bild. Das wichtigere Nachspiel. Wir haben es bereits ausgesprochen, daß, wenn die Meuterei in Indien bewältigt sein oder durch die eigene Anarchie sich aufgelöst haben wird, dann noch ein ernsterer Kampf in England bevorstehe, der Kampf der Interessen der ostindischen Kompagnie mit denen des englischen Staates. Wer so recht erkennen will, wie so anders die Dinge in England stehen, als fast in allen Ländern Europas, der braucht nur eines Umstandes eingedenk zu sein, daß ein Reich wie Indien, ein Reich an Umfang größer als Europa und an Seelenzahl 180 Millionen in sich fassend, nicht etwa dem englischen Staat gehört, sondern das Eigenthum einer Kompagnie englischer Geschäftsleute ist. Dieser Zustand ist für uns so fremdartig, daß wir ihn erst verstehen, wenn wir ihn uns durch ein Beispiel aus den heimatlichen Verhältnissen deutlicher machen. Ganz so wie es bei uns Aktiengesellschaften giebt, welche auf ihre Kosten Land erwerben und Eisenbahnen bauen, ganz so ist die ostindische Kompagnie ursprünglich auch nichts als eine bloße Aktiengesellschaft, die Anfangs bloße Geschäfte nach Indien machte, dann gelegentlich dort die nöthigen Grundstücke zur Anlegung ihrer Waaren=Lager ankaufte und diese Waaren=Lager durch Diener bewachen ließ, welche Waffen trugen und in denselben geübt waren. Was so klein und ganz in den Schranken einer Aktiengesellschaft begann, wuchs später immer mehr und mehr heran. Aus den Grundstücken wurden Ländereien, aus den bewaffneten Dienern wurden Soldaten, in deren Reihen nach und nach auch indische Eingeborne mit Erlaubniß der indischen Könige eintraten. Wenn Anfangs die Aktionaire selber sich noch um die Verwaltung der Gesellschaft kümmerten, wurde diese später, als die Gesellschaft gar glänzende Geschäfte machte, einem sehr gut besoldeten Beamtenthum überlassen, und dieses Beamtenthum, an Kenntnissen und Mitteln den indischen eingeborenen Herrschern und deren Regierungen überlegen, wurde bald dort so mächtig, daß es im Stande war, sich auf eigene Hand zu bereichern, um nach wenig Jahren sich ins Privatleben mit ungeheuren Schätzen zurückzuziehen. Ungefähr so wie unsere Privat=Eisenbahngesellschaften ursprünglich zu ihrem eigenen Besten unter den Schutz des Staates gestellt wurden, ebenso war es auch mit der Aktiengesellschaft, die Indien zum Gegenstand ihrer Spekulationen machte, der Fall. Wie bei uns der Eisenbahn=Beamte gewisse Rechte des Polizei=Beamten innerhalb seines Dienstes besitzt, so war es auch mit dem Beamtenthum der Kompagnie. Die Selbstverwaltung wurde Selbstregierung, und als dann immer mehr der Länderbesitz anwuchs, entstand eine, unter dem Schutz des englischen Staates stehende, selbstständige indische Regierung dieser Ländereien, im Namen der Kompagnie, Indien war ein Reich, das von eingeborenen Eroberern und Tyrannen regiert wurde, die nach Art asiatischer Tyrannei das ganze Volk als bloßes Werk der Willkür betrachteten. Diese Tyrannen führten unter einander Kriege, oder wurden, wenn sie die Wirthschaft zu blutsaugerisch gegen ihre Unterthanen trieben, durch Revolutionen gestürzt. Solchen Regierungen gegenüber war die englische Kompagnie, die ihre Habgier nur in der Weise befriedigte, wie es Kaufleute gegen unerfahrene und unmündige Kunden thun, eine sehr gefährliche Nachbarschaft; da sie jedoch unter dem Schutze des englischen Staates stand und in sich selber fest gegliedert war, gewann sie an Ansehn bei den Herrschern und an Anhang bei den Unterthanen des indischen Reiches. In Kriegen der Tyrannen gegen einander fingen die Parteien an, um die Freundschaft der Engländer zu buhlen; bei Revolutionen suchte die gestürzte oder die siegende Macht Schutz bei den sich selbst so gut regierenden Engländern. Für diesen Schutz gewannen die Engländer immer mehr Ländereien und Privilegien. Die Gesellschaft wurde dadurch bald mächtiger als irgend eine der dortigen Regierungen. Intriguen, Bündnisse, Ankäufe, und endlich auch Kriege und Eroberungen vollendeten die Herrschaft der Engländer, so daß sie die eigentlichen Herren des ungeheuren Landes wurden. So entstand denn unter dem Schutz der englischen Regierung eine Privatgesellschaft, die ein ungeheures Reich in Besitz nahm, das sie eigentlich auf eigene Faust regierte und bewirthschaftete. 162 Allein dieses Umsichgreifen und Regieren war nicht ohne sehr ernstliche Krisen. Die Habgier der Beamten der Kompagnie stieg mehrere Male bis zu einer Höhe, die sich die grausamsten Bedrückungen der indischen Bevölkerung zu Schulden kommen ließ. Der militärische Befehlshaber in Indien, der von der englischen Regierung dahin gesandt wird, gerieth oft in schwere Konflikte mit dem Civilbeamtenthum daselbst. Er wurde der Barbarei, sie der ungerechtesten Habsucht und des Aussaugungssystems beschuldigt. Beides mußte natürlich den Bestand der englischen Herrschaft in Indien gefährden, und deshalb entstanden in England gewaltige Prozesse, die mit heftiger Leidenschaft vor dem Parlamente geführt wurden. Zwei solcher Prozesse, der eine gegen Lord Clive, der andere gegen seinen Nachfolger Warren Hastings, sind berühmt in der Geschichte, und verdienen von Jedem gekannt zu werden. Das Resultat aller derartigen parlamentarischen Kämpfe in England war aber immer noch, daß die Selbstregierung der Gesellschaft immer mehr und mehr beschränkt und die Regierung Indiens in immer wesentlichern Punkten in die Hände der englischen Regierung überging.— Die gegenwärtige Krisis wird dieses Resultat noch weiter ausdehen. Die Kompagnie ist schon längst weit über die Grenzen einer Handelsgesellschaft hinausgewachsen; jemehr sie Englands Staatskräfte in Anspruch nehmen muß, desto mehr muß sie von ihrem Selbstregiment aufopfern, und da solche Opfer immer nur unter schweren Kämpfen gebracht werden, und es sich bei diesem um ein wichtiges Prinzip des Streites zwischen Regierungsgewalt und Selbstregiment der Gesellschaft handelt, so wird unserer Ansicht nach dieses Nachspiel der jetzigen Krisis wichtiger und interessanter sein, als die Militair=Emeute, die wahrscheinlich in ihrer eigenen Anarchie untergehen wird. Weltbegebenheiten. Die stuttgardter Zusammenkunft beschäftigt noch immer die Gedanken der Politiker. Die officielle Welt wenigstens wird sehr bald darüber im Reimen sein, was der franz. Kaiser in Stuttgardt gewollt hat. Wir erfahren, daß Graf Walewski an alle franz. Agenten im Auslande ein vertrauliches Rundschreiben erlassen hat. In diesem Documente, das durchaus friedfertig abgefaßt sein soll, wird, wie man uns versichert, die Linie festgestellt, welche die franz. Politik nunmehr verfolgen wird, und zwar im Einverständniß mit den Großmächten, deren Zustimmung man sich versichert habe. Auch Preußen hat neuerdings die freundschaftlichsten Versicherungen von Frankreich erhalten. Der junge Prinz Mürat, den der Kaiser bei seiner stuttgardter Reise sehr hervorzuziehen wußte und der an der Tafel der gekrönten Häupter mitzuspeisen die Ehre hatte, ist von dem Kaiser beauftragt gewesen, ein verbindliches Handschreiben dem König von Preußen zur Begrüßung entgegenzuschicken. Prinz Mürat ist ganz ausgezeichnet aufgenommen worden, und der König hat in einem eigenhändigen Schreiben geantwortet— Der Kaiser Napoleon soll übrigens in Mißstimmung über den Verlauf seines Besuchs, beziehungsweise den russischen Theil der stuttgardter Gäste und ihre an den Kaiser Nicolaus erinnernde mehr oder weniger reservirte Haltung, aus Stuttgardt weggegangen sein. Die wiederholte Durchkreuzung der Einführung der Kaiserin Eugenie in den Fürstinnenkreis wäre das nicht am wenigsten verletzende Moment gewesen. Wären der Kaiser und die Kaiserin von Rußland noch einen Tag in Stuttgardt geblieben, so wäre die so unerwartet aus Biaritz in Paris eingetroffene Kaiserin wahrscheinlich noch nach der schwäbischen Residenz gekommen. Der bloße Händedruck in Stuttgardt und Kuß um Umarmung in Weimar scheinen ebenfalls wie bon ami und bon frère, parvenu und légitime zu contrastiren.— Wenn man den nNord# liest, so sollte man glauben, Franz Joseph sei nach Weimar gereist, wie Heinrich IV. nach Canossa, um Buße zu thun und namentlich die Donaufürstenthümer als Sühnopfer darzubringen. Dem ist aber nicht so. Am 23. Sept. hat die Pforte, ohne Zweifel nach gepflogener Berathung mit den Gesandten Oestreichs und Englands, ein Rundschreiben an ihre Vertreter im Auslande erlassen, worin sie ihre Verwahrung gegen die Vereigung der Fürstenthümer erneuert, dagegen sich bereit erklärt, zur möglichsten Ausgleichung der Verwaltung beider Provinzen ihre Zustimmung zu geben. In Sachen Schleswig=Holsteins scheint der Bundestag Nichts thun zu wollen; dafür stehen wir nicht nur an dem Vorabende großer Ereignisse(wie der„Nordn schreibt), sondern auch eines europäischen Bundestages in Paris, der Holstein und noch manche andere deutsche Frage in die Hand nehmen wird. In Rußland soll die Leibeigenschaft aufgehoben werden. Die eingesetzte Commission hat von allen Seiten Vorschläge bekommen. Der größte Theil derselben befürwortet die Freigebung der Bauern, allein die Bedingungen, unter denen dies geschehen soll, sind so verschieden, daß einheitliche Bestimmungen nicht denkbar sind. Der allgemeinste Einwurf ist der, daß, sobald die Leibeigenschaft aufgehoben wird, in vielen Gouvernements der Ackerbau aufhören muß, da die Freigelassenen voraussichtlich meist davon laufen würden nach andern Gegenden, wo mehr zu verdienen ist und wo es ihnen besser behagt. Die Commission hat daher die Einigung zwischen Herr und Knecht diesen selbst überlassen; es soll gefordert und geboten werden. Dagegen aber ist von ihr vorgeschlagen, daß 30 Jahre als der längste Termin zum völligen Loskauf angenommen werde, bis aber dieser eintrete, kein Bauer sich von seiner Scholle entfernen dürfe. Der Kaiser wird darüber zu entscheiden haben. In Spanien hat das Ministerium am 1. Oct. seine Entlassung eingereicht; der Ministerpräsident Narvacz ist ausgeschieden und nach Paris abgereist; provisorisch hat Lersundi das Präsidium übernommen. Bis zum 24. Sept. hatten sich 5800 Deutsche um die Helenamedaille beworben. Dieselbe wird aber nur an diejenigen Krieger verliehen werden, welche in der franz. Armee selbst gedient haben. Es können hiernach alle diejenigen Angehörigen deutschen Staaten, welche in der Rheinbundarmee an den Feldzügen des Kaisers Theil genommen, keine Ansprüche auf die Medaille machen, und der Kreis der Anspruchsberechtigten beschränkt sich vielmehr auf die alten Krieger des linken Rheinufers, während dasselbe mit dem franz. Reiche unmittelbar verbunden war. Karl Schurz, der Befreier Kinkels, ist von den Republikanern in Wisconsin zum Vicegouverneur ernannt worden. Er dankte der Convention für diese Ehre mit folg. Worten:„Wohl fühlend, daß meine Verdienste um die Sache der Freiheit, welche sie auch seien, mich nur dazu berechtigen, als gemeiner Soldat in den Reihen der Freiheitskämpfer zu fechten, so kann ich doch die mir erwiesene Ehre schon deßhalb nicht ablehnen, da ich sie als ein Zeichen der Achtung für die Deutschen ansehe, welche die Sache der republikanischen Partei, die Vertilgung der Sclaverei, unterstützen.(Beifall.) Ich gehöre zu der Klasse Deutscher, welche schon im alten Vaterlande gegen die Bollwerke der Tyranei fochten und es für ihre heilige Pflicht halten, diesen Kampf auch im neuen Vaterlande bis zum letzten Hauche fortzusetzen.“ Diese wenigen, schlichten, aber mit großer Innigkeit gesprochenen Worte riefen einen donnernden Beifallssturm in der ganzen Versammlung hervor. Die bedenkliche Lage der Sache in Indien hat das Ministerium bewogen, noch mehr Milizen auszuheben, so daß binnen Kurzem 85000 Mann im Dienste sein werden, und damit dieselben rasch nach Indien gelangen, sendet es seit Oct. die Truppen über Aegypten. Unter den gebildeten Classen soll im ganzen Lande eine Begeisterung herrschen, welche beinahe der gleichkomme, die vorhanden war, als England von einer Invasion durch den ersten Napoleon bedroht wurde. Die grauenvollen Einzelnheiten der an Weibern und Kindern verübten Schreckensthaten haben einen solchen Rachedurst erregt, daß, wenn die Regierung nur sofort sagte, die Feiwilligen aus den mittlern Volksclassen sollten nicht als bloße gemeine Soldaten betrachtet werden, Tausende mit Freuden in die Reihen des Heeres eintreten würden, vorausgesetzt, daß man denen, welche sich im Felde auszeichneten, jede gebührende Aussicht auf Avancement eröffnete.— Neues hat aus Indien eben nicht verlautet. Die Belagerten in Delhi hatten dem Gerüchte nach Capitula= tionsanträge gemacht, sie wollten sich ergeben unter der Bedingung, daß man einer gewissen Anzahl von ihnen das Leben schenke. Es wurde ihnen der Bescheid, daß sie sich auf Gnade und Ungnade ergeben müßten. Daß es den Rebellen 163 an Munition fehlte, sah man daraus, daß sie eine Zeit lang kleine telegrafische Drahtstücke und Kunkur aus ihren Flinten feuerten. Auch sollen Hunger und Krankheit stark unter ihneu aufräumen. Ueberhaupt scheint große Verwirrung in Delhi zu herrschen. Läden werden geplündert und reiche Leute getödtet. Viele hatten sich so mit Gold und Silber überladen, daß sie kaum gehen konnten. Andere dagegen darbten und da jene sich nicht schlagen mochten, kam es wiederholt zu Reibungen. Von Disciplin ist keine Spur, und selbst der neue„König von Indienn kann die Soldateska nur dadurch bei Laune erhalten, daß er ihnen aus seiner Küche Geschenke sendet. So wird Delhi denn sich wohl nicht lange mehr halten können.— Die Meutereien im übrigen Lande gehn noch fort, obwohl die Engländer, vorsichtiger geworden, sie oft in der Wurzel unterdrücken. Sicherlich wird aber noch ein halbes Jahr damit hingehen, ehe Indien wieder ganz unterworfen ist. Eine Anzahl französ. und russischer Ingenieure verbreitet einen Prospectus, worin sie die Legung eines unterseeischen Telegrafen zwischen Europa und Amerika als höchst kostspielig, äußerst schwierig und ohne alle Bürgschaft von Dauerhaftigkeit nachweisen und ein Gegenprojekt aufstellen. Sie wollen die beabsichtigte Verbindung auf dem Wege durchs nördliche Asien ausführen. Der äußerste Nordpunct des schon bestehenden Telegrafennetzes ist Nischnei=Nowgorod. Von da will man die Drähte über das Uralgebirge, durch das asiatische Rußland bis an die Behringsstraße führen, von wo dieselben das amerikanische Rußland durchlaufen, Nordamerika auf zwei Wegen, über New=York und SanFrancisco, erreichen und endlich, indem sie die große Felsenkette und die Cordilleren verfolgen, die beiden Amerika in ihren Bereich ziehen. Die Anlegung dieser Telegrafenlinie würde nach ihnen allen daran betheiligten Staaten zusammen nicht mehr kosten, als der Bau der kleinen Eisenbahn von Paris nach Saint=Germain gekostet hat. Außerdem könnte man, sagen sie, von einem oder mehren Puncten im asiatischen Rußland Ausläufer nach Persien, Ostindien, China oder Japan schicken, so daß Petersburg, Hamburg, Amsterdam, London und Paris stets ein Ohr in Canton, Sumatra, Madras und Pondichery hätten. Ein großes Unglück ist in der Ostsee einem Kriegsschiffe, das mit 800 Mann von Reval nach Kronstadt fuhr, in der Nähe der Insel Hogland durch den Sturm widerfahren; von allen Passagieren hat auch nicht einer gerettet werden können.— Auf dem Lodogasee hat derselbe Sturm viele Fahrzeuge zusammengedrängt und durch ein entstehendes Feuer sind 56 derselben mit allen ihren Waaren verbrannt. In Alabama(Nordamerika) hat eine schwarze Köchin, angeblich auf Anstiften eines Ungarn Coskine, eine Familie von 37 Personen mit Arsenik vergiftet. 6 Personen starben an der Vergiftung. Die Freunde des Hauses, wo dies vorgefallen war, verbrannten die Negerin lebendig und beschlossen, den Ungarn in derselben Weise hinzurichten. In Eastern Tenessee wurde ein Neger durch die Folter zum Geständniß mehrerer Verbrechen gezwungen und dann vom Pöbel lebendig verbrannt. Da die Presse im Norden diese Art Justiz mißbilligte, fand sich ein Pastor Brownlow aus Knopville berufen, die Anwendung der Folter„in diesem Falle“ in einem öffentlichen Sendschreiben zu rechtfertigen. Man darf nicht etwa wähnen, sagt die„New=Yorker=Timesn daß die Ersetzung der Zeugenaussage durch die Tortur blos auf die Negerrace Anwendung findet. Freie weiße Bürger sind der Tortur ebenfalls ausgesetzt. Vor zwei oder drei Wochen sagten ein paar Sclaven in Abbeyville aus, daß ein Weißer sie aufzuwiegeln gesucht habe. Darauf hin erhielt er so viel Pritschenhiebe, als nöthig waren, ein Schuldbekenntniß aus ihm herauszupressen. Seit dem Schiffbruch des Dampfer„Artice“ im verflossenen Jahre hat kein Unglück in Amerika so große Bestürzung und Theilnahme erregt als der[Untergang des„Central Amerika“ und grauenhaft in der That sind die Einzelheiten, die von den Ueberlebenden erzählt, von den newyorker Blättern mitgetheilt werden. 592 Personen befanden sich an Bord des unglücklichen Schiffes, als es am 10. Sept. Havannah verließ, und von ihnen haben, so viel man weiß, nicht mehr als 173 die Katastrophe überlebt. Die Anderen, und mit ihnen gegen 2 Millionen Dollars in Gold und Silber liegen auf tiefem Meeresgrunde. Die Passagiere waren zumeist Leute aus Kalifornien, die mit ihren mühselig erworbenen Schätzen der Heimath zueilten, um ihre Verwandten zu holen, oder die Früchte ihrer langjährigen Wanderungen in Ruhe zu genießen. Als das Wasser in den Schiffsräumen auf bedrohliche Art zu steigen anfing, sah man, wie diese Kalifornier auf die Rettung ihrer Schätze bedacht waren: sie legten ihr Gold sorgfältig neben sich um es mitnehmen zu können, wenn ein rettendes Schiff in Sicht kommen würde, oder sie banden sichs um den Leib, damit es ihnen nicht abhanden komme. Als jedoch die Gefahr immer drohender wurde, als zuletzt die Meisten an der Rettung des nackten Lebens verzweifeln mußten, da ward des Goldes bald nicht mehr gedacht. Eine Börse mit Gold gefüllt lag in der Kajütte, ohne daß sich jemand um sie gekümmert hätte; auf den Bänken, auf dem Deck lag der Goldstaub, den die Besitzer von sich geworfen hatten, damit er sie nicht in die Tiefe ziehe; kein Mensch bückte sich ihn aufzulesen, und 2000 Dollars, frei auf einen Kajüttentisch hingeschüttet, lagen dort so sicher vor Diebeshänden, als wären sie hinter tausend Riegeln verschlossen. Die Liebe zum Leben war die einzige Leidenschaft, die den Armen geblieben war, und doch benahmen sich, nach dem Aussagen Aller, diese kalifornischen Abenteurer, denen man im Allgemeinen nicht übergroße Selbstbeherrschung und Fügsamkeit zutrauen jdarf, im letzten Momente so großmüthig und wacker, daß es ihnen die besten Männer der Welt nicht hätten zuvorthun können. Nachdem sie Nächtelang erfolglos an den Pumpen gearbeitet hatten, sahen sie ruhig zu, als der Kapitän erst alle Frauen und Kinder in die Boote bringen ließ, die sie dem rettenden Klipper„Marinan und der Barke „Ellenu zuführten. Keiner drängte sich vor, keiner stellte auch nur die Anforderung, vor den Anderen in Sicherheit gebracht zu werden. Sie sahen das Fahrzeug, auf dem sie standen, allmälig versinken; Jeder hatte erfaßt, was ihm Rettung zu verheißen schien; lautlos standen sie auf dem Deck, als das letzte Boot vom Schiffe abstieß, als dieses, mit einem jähen Ruck in die Tiefe fuhr. Die später aufgefischt wurden, hatten mitunter Furchtbares ausgestanden; die See ging hoch, und trennte die Schwimmenden, die sich Anfangs, gruppenweise an Balken geklammert, zwischen den Schiffstrümmern herumgetrieben hatten. Das bekanntlich in den Jahren 1848—1852 trocken gelegte Harlemer Meer enthielt zu Anfang des laufenden Jahres 17000 Hectaren guten Landes unter Anbau, 2518 Bauerstellen mit 157 Wohnhäusern und 721 Scheunen und einer Bevölkerung von 5157 Personen. Nachdem die Brände, welche sich dieses Jahr so unheilvoll auszeichnen, etwas nachgelassen haben(kürzlich sind erst in Wiedenbrück wieder 19 Häuser abgebrannt), meldet sich ein zweites Element, das Wasser, mit schrecklichen Verheerungen. Der Süden Frankreichs und das Königreich Sardinien haben dadurch am 10. Sept. bedeutende Verluste erlitten. Am furchtbarstenk aber wurde dadurch der Wallfahrtsort MariaRodna bei Arad in Ungarn am 13. Sept. betroffen, wo gerade eines Festes wegen gegen 8000 Andächtige von auswärts anwesend waren. Nach 12 Uhr Mittags stürzte mit Sturmessausen ein Wolkenbruch herab und ¾ Stunden lang ergoß sich der Himmel. Die ganze Gegend wurde in einen wüthenden, vom Sturm gepeitschten See verwandelt und Maria=Rodna gewährte einen Anblick, wie man ihn etwa auf Gemälden der Sündfluth hat. Leichen kamen geschwommen, während Menschen sich auf Bäume zu retten suchten oder um Hülfe rufend die Arme ausstreckten. Die Hunderte von Wagen, welche die Wallfahrer hergebracht, wurden fortgerissen, viele Pferde ertranken, und ein Bauer, der sein prächtiges Zweigespann, wofür ihm Tags zuvor 1000 Gulden geboten waren, umkommen sah, stürzte sich aus Verzweiflung in die Fluth. Häuser mit Allem, was darin war, ganze Karavanen von Wagen, namentlich die, welche man an den Ufern des Maros aufgestellt hatte, wurden fortgerissen. Die Zahl der Ertrunkenen wird auf mehr als 100 geschätzt. Der Hohenstein bei Münden spie kürzlich Feuer und Flammen. Ungefähr 2 Morgen breit bis 10 Fuß unter der Erde oder vielmehr im Steingeröll, wo die Wurzeln der abgehauenen Bäume, vertrocknetes Holz und seit Jahrhunderten aufgehäuftes Laubwerk dem Feuer Nahrung gaben, haben vom 26. Sept. bis 1. Oct. gebrannt, und an 800 Menschen waren beim Löschen beschäftigt. In England und Schottland sind die Kartoffeln, von denen wir eine so gute Ernte gehabt haben, durch die Kartoffelnfäule zum größten Theile verdorben. 164 Ein Stiergefecht in Bayonne. Es ist bekannt, daß die Kaiserin von Frankreich, als geborne Spanierin, eine besondere Liebhaberei für Stiergefechte besitzt, und ihre galanten Landsleute beeifern sich während des jedesmaligen Aufenthalts der Kaiserin in den Pyrenäen der hohen Dame diese barbarische Belustigung zu bereiten. Den Franzosen will diese grausame Lustbarkeit nicht recht munden, und, wie es scheint, scheitert die beabsichtigte Einführung dieser neuen nnoblen Passion“ an der Abneigung der Pariser. Man wird, nach dem Berichte eines Augenzeugen über ein derartiges, neuerdings stattgehabtes Schauspiel, nicht umhin können, die Ansicht der Pariser zu theilen. Ich war zeitig genug gekommen(erzählt der Berichterstatter der A. A. Ztg.), um mich mit Muße noch etwas umschauen zu können. Die Galerien sind nur mäßig gefüllt; die wohlfeilen Plätze für das Volk kaum zur Hälfte, die hoch im Preis stehenden jedoch fast alle besetzt. Hier glänzten die schönsten Damentoiletten. Die Französinnen sommerleicht und luftig, die Spanierinnen in schwerer bunter Seide, die schwarze Spitzenmantille um die dunkelglänzenden mit natürlichen Blumen gezierten Haarflechten. Vor dem Circus, an der mit dicken türkischen Teppichen belegten Treppe, über welche der kaiserliche Hof in die Loge schreiten muß, rasseln Trommeln, und klingt: Partant pour la Syrie. Die aufgestellte Truppe begrüßt die Kaiserin, welche eben vorfährt, aus ihrer Meer=Villa in Biarritz kommend, wo sie zur Zeit ihre Sommerfrische hält. Ein lebhaftes„vive’Imperatrice“ schallt ihr entgegen, sobald sie an die Brüstung ihrer Loge tritt,— zwischendurch aber auch einige Mißklänge. Ein offizielles Ohr hört so etwas nicht. Sobald die hohe Dame Platz genommen, sprengt ein in schwarzem Sammet gekleideter Reiter in den Kreis, hält dicht vor der kaiserlichen Loge sein mageres braunes Roß an und bittet, indem er zugleich den mit wallenden Federn geschmückten Hut vom Haupte zieht, um die gnädige Erlaubniß, das Spiel beginnen zu dürfen. Die Form ist genügt, und, wieder zurück zum Eingang sprengend, geleitet er die Toreros, welche paarweise schreiten, herein. Voran die beiden Matadore, dann die Chulos, Banderilleros, Cacheteros; die Picadores, auf elenden Mähren reitend, Stieropfer zur Belustigung der Menge, schließen den Zug. Der Fußfechter, angelangt vor der kaiserlichen Loge, entblößen das seltsam frisirte Haupt, und berühren in ehrfurchtsvoller Begrüßung der Majestät mit dem gebogenen rechten Knie den Sand der Arena, welcher, wie lüstern nach Blut, unter dem Druck ihrer zierlichen Schuhe knirscht; die Piccadores senken ihre schweren Lanzen, und die Musik spielt einen lustigen Bolero. Nun werfen die Chulos und Banderilleros, sich zum Kampf bereitend, ihre reichgestickten Mäntel ab, und lassen sich andere, leichte, reichen, alle roth, nur in verschiedenen Nüancen. Es sind prächtige Bursche; die knappe spanische Tracht, mit Gold und Silber wahrhaft überladen, erhöht noch die Schönheit ihres elastischen Körpers. Die Matadore treten ab, und der Reiter in schwarzem Sammet verläßt mit den Piccadores wieder den Schauplatz, zwei seiner steifen Lanzenträger zurücklassend. Ein schmetterndes Trompetensignal— die Musik schweigt, und eine erwartungsvolle Stille tritt ein. Beim zweiten Signal öffnet man die Schranke, und gleich darauf die hinter der Schranke befindliche Thür des Stierstalls. Ich konnte deutlich sehen wie der Stier, durch die in seinen lichtlosen Behälter plötzlich hereindringende Helle, wie verblüfft war, aber gleich darauf sprang er in drei Sätzen auf den Kampfplatz. Die Schranke schloß sich rasch hinter ihm, und nun war er dem Tod unrettbar verfallen. Lautes Lustgeschrei der Menge begrüßte sein muthiges Erscheinen. Es war ein überaus kräftiges Thier, erdbraun, mit einem schmalen gelben Strich den starken Rücken hinab. Wie erstaunt über den Lärm und die fremdartige Umgebung stand der Wiederkäuer regungslos mit glotzenden Augen. Das breite Haupt mit den langen gekrümmten Hörnern etwas zur Seite biegend, erblickt er den dicht an der Schranke haltenden Picador. Mit blitzschneller Wendung stürzt er sich auf diesen, doch ein wohlgeführter Stich mit der Lanze in's Genick treibt das Thier zurück, das sich, mehr erbittert, gleich darauf nach dem zweiten Picador kehrt. Dieser führt mit oder ohne Willen seinen Garrochon schlechter als sein Kamerad, und der Stier stößt mit seinem spitzen Horn ungehindert nach dem Bauch des Pferdes; das zuckt augenblicklich zusammen, und mit Gewalt dringen aus der breiten Wunde die Eingeweide hervor. Im Nu springen die Chulos herbei, durch Zuruf und Mantelschwenken den Stier auf sich lockend. Der so befreite Reiter drückt dem tödtlich getroffenen Pferd die großen rostigen Sporen in die schon halbleeren Weichen, und galoppirt quer durch den Cirkus hinaus, wobei sich die arme Mähre mit den Hinterhufen die eigenen heraushängenden Eingeweide buchstäblich aus dem Leib tritt. Ein widerwärtiger Anblick! Einige Damen in meiner Nähe verlassen in diesem Augenblick ihre Plätze, und drängen nach der Treppe dem Ausgange zu. Aber meine Damen, das ist ja erst ein kleiner Anfang! Pferde müssen niedergestoßen werden, sonst ist kein Spaß dabei. Was sind das für Nerven? Sehen Sie doch Ihre schöne Kaiserin an, wie sie vor Vergnügen lächelt.— Aber freilich ist sie eine Spanierin, und Sie sind nur— neugierige Französinnen. Briefkasten:: Das Gedicht:„Kennt ihr die Stadt 2c.“ hat uns zwar sehr amüsirt, kann aber wegen mancher Anzüglichkeiten nicht aufgenommen werden.— Der Correspondenz über die Tauben sehn wir mit Vergnügen entgegen.— Das Gedicht:„Sonst und jetzt= bedürfte wohl erst einer bedeutenden Umarbeitung. Für die Redaktion: Ph. Kotzenberg. Zu beachten. Da ich Gelegenheit hatte auf der letzten Leipziger=Messe sehr billige Einkäufe zu machen, so erlaube ich mir nur hier zu erwähnen, daß ich wollene Cravatten=Muselintücher von 1½ Sgr., wollene Shäwlchen Muselin von 2 Sgr, wollene Kleiderstoffe von 5 Sgr. per Elle abgebe. Alle anderen Manufacturwaren billigst. Für's Putzgeschäft bemerke, daß ich feine Blumen, Bänder, Schleier u. s. w. in dem neusten Geschmack und billigsten Preisen abgebe und halte mich in allen diesen Artikeln bestens empfohlen. Lemgo im Oct. 1857. H. A. Doht. Dr. Romershausen's zur Erhaltung, Stärkung und Herstellung der Sehkraft, sowie gegen Augenentzündung. Attest. Dem hiesigen Apotheker Herrn Dr. Geiß wird hierdurch bescheinigt, daß uns derselbe aus dem Jahre 1856 205 an ihm ergangene Schreiben, welche sich über die Wirksamkeit und Güte der von ihm bereiteten obigen Augenessenz aussprechen, im Original vorgelegt hat, und daß die Zahl dieser Zeugnisse sich seit 1853 auf 830 beläuft. Aken, den 28. Febr. 1857. (L..) Der Magistrat; Wittich. Obige Zeugnisse sind bei mir einzusehen, und wird diese anerkannt beste Augenessenz für Lippe nur ächt besorgt à 15 Sgr per Flasche durch D. W. Stamm in Detmold. Weizen 1 Thlr. 27½ Sgr. bis 2 Thlr. 7½ Sgr. Roggen 1 Thlr. 15 Sgr. bis 1 Thlr. 22½ Sgr. Gerste 1 Thlr. 17½ Sgr. Hafer 1 Thlr. bis 1 Thlr. 7½ Sgr. Rauhfutter 2 Thlr. Oel 15½ Thaler. Stand der Louisd'or à 5 Thlr. 15 Sgr. Druck und Expedition von F. L. Wagener in Lemgo.