Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Tarichen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr. Lemgo, 23. August 1857. Anzeigen werden berechnet: unter 5 Zeilen mit 2 Sgr. 6 Pf. von—10 Zeilen 5 Sgr. über 10 Zeilen jede Zeile 6 Pf. Erntetag. Auf des Landmanns reichen Fluren Sanft die goldnen Aebren wogen, Leis vom Weste angefächelt, Schwer von Segenslast gebogen. Heiße Sonnenstrahlen glühen Nieder auf die braunen Matten; Seine=Sense schärft der Schnitter Hier im kühlen Ulmenschatten. Dort am Schmerlenbach, im Grünen, Schnittermädchen Blumen pflücken, Um den Busen schön zu zieren, Um den Hut damit zu schmücken. Froh wird nun das Werk begonnen! Laute Schnitterlieder schallen; Unter kräft'igen Sensenzügen Schnell die Halme niederfallen. Welche Freude für den Landmann, Für den Schnitter welch' Vergnügen, Da auf stoppelvollem Felde Halmenreiche Schwaden liegen!— Aufgeschürzt mit flinken Sprüngen, Jetzt die Binderinnen eilen, Stellend auf des Feldes Rücken Ihrer Garben lange Zeilen. Abend wird's,— und kühle Winde Ueber Flur und Stoppel fliehen; Nach der heimathlichen Hütte, Nun die frohen Schnitter ziehen. Auf dem Tische blankgescheuert Dampfet die gefüllte Schale. Landmann, Schnitter, Schnitterinnen Setzen sich zum Erntemahle. Wenn auch heiß der Tag gewesen; Wenn auch saurer Schweiß geflossen: Reichlich lohnt's der Erntesegen, Und das Tagwerk ist beschlossen. S. Indien. (Schluß.) Noch jetzt ist das Andenken Clive's umflort und seine volle zweltgeschichtliche Bedeutung nicht gehörig zum Durchbruche gekommen. Wer kennt seinen Namen? Es wird aber eine Zeit kommen, wo jeder Schulknabe den Namen Clive nebst den Namen Alexanders des Großen, Cäsar’s, Papst Gregor VII., Columbus und Napoleon's nennen wird. Was Clive für Bengalen und Indien gewesen, stellte sich erst nach seinem Abgange heraus. Wir wollen darüber nur den Engländer Macaulay reden lassen, damit man uns keiner Uebertreibung der englischen Habgier beschuldige. Macaulay sagt wörtlich Folgendes: „Seit einiger Zeit hatte jedes von Bengalen kommende Schiff beunruhigende Nachrichten überbracht. Die Mißbräuche in der innern Verwaltung dieser Provinz waren zu einem Grade gediehen, daß es in dieser Weise nicht fortgehen konnte. Was ließ sich in der That von einer Körperschaft öffentlicher Beamten erwarten, die, wie Clive einmal sagte, Verführungen ausgesetzt waren, denen Fleisch und Blut nicht zu widerstehen vermochte, eine unwiderstehliche Macht besaßen und gegen Niemand eine Verantwortlichkeit hatten, als gegen eine bestechliche, unruhige, sorglose, schlecht unterrichtete HandelsGesellschaft, die so weit entfernt war, daß zwischen dem Abgange einer Depesche und dem Eintreffen der Antwort auf dieselbe durchschnittlich ein Zeitraum von anderthalb Jahren lag? Wie es diese Umstände erwarten ließen, war während der fünf Jahre, die auf die Abreise Clive's aus Bengalen folgten, die Mißverwaltung der Engländer eine solche geworden, daß das Reich in seiner innersten Existenz bedroht wurde. Jener römische Prokonsul, der in zwei Jahren von einer Provinz so viel erpreßte, daß er an der Küste Campaniens Paläste und Bäder von Marmor aufführen, aus Ambra=Gefäßen trinken, sich von den seltensten Singvögeln nähren, Armeen von Gladiatoren und Heerden von Kameloparden unterhalten konnte; jener spanische Vizekönig, der mit dem Fluche Lima's und Mexiko's beladen, in Madrid mit einer langen Reihe goldener Kutschen und einer Masse von Packpferden mit silbernem Geschirr und Hufbeschlag einzog, waren nun übertroffen. Grausamkeit im strengsten Sinne des Wortes gehörte freilich nicht zu den Lastern der Gesellschaftsbeamten. Aber selbst die entschiedenste Grausamkeit hätte kaum größere Uebel hervorrufen können, als hier die Gier nach Reichthum in ihrem Gefolge hatte. Das Geschöpf der Engländer, Mir Jaffir, war entthront, und ein anderer Nabob, Namens Mir Kossim, an seine Stelle gesetzt worden. Aber Mir Kossim hatte Talente und einen Willen. Besaß er auch Neigung genug, seine Unterthanen selbst zu unterdrücken, so konnte er doch nicht ertragen, daß sie durch Erpressungen, die ihm keinen Nutzen brachten, ja seine Einkünfte in deren eigentlichsten Quellen vernichteten, zu Boden geworfen wurden. Demnach entthronten die Engländer Mir Kossim und setzten Mir Jaffir wieder ein, und Mir Kossim floh auf das Gebiet des Nabobs von Audh, nachdem er durch ein Gemetzel, das noch die Greuelthaten der schwarzen Höhle übertraf, seine Rache genommen hatte. Bei jeder dieser Umwälzungen vertheilte der neue Fürst unter seine englischen Gebieter so viel Geld, als sich in dem Schatze seines gestürzten Vorgängers zusammenscharren ließ. Die unermeßliche Bevölkerung seiner Besitzung opferte er auf, um nur die zu befriedigen, welche ihn zum Herrscher gemacht hatten und ihn wieder stürzen konnten. Die Beamten der englisch=ostindischen Handels=Gesellschaft erhielten für sich, nicht etwa für ihre Auftraggeber, Monopole, welche fast den gesammten innern Verkehr in sich begriffen. Sie zwangen die Eingeborenen, theuer zu kaufen und wohlfeil zu veräußern. Sie beschimpften ungestraft die 134 Gerichtshöfe, die Polizei und die fiskalischen Behörden des Landes. Ihr Schutz deckte eine Menge einheimischer Lehnsträger, welche die Provinzen durchzogen und überall, wo sie erschienen, Verwüstung und Schrecken verbreiteten. Jeder Diener eines indischen Faktors war mit der vollen Gewalt seines Herrn bekleidet, und sein Gebieter übte die ganze Machtfülle der Gesellschaft. Auf diese Weise wurden in Kalkutta unermeßliche Reichthümer aufgehäuft, während Millionen menschlicher Wesen im äußersten Elend schmachteten. Diese Unglücklichen waren daran gewöhnt, unter Tyrannei zu leben, aber eine solche Herrschaft kannten sie noch nicht. Sie fanden den kleinen Finger der Gesellschaft schwerer als den Arm Seradscha Daula's. Unter ihren alten Herren blieb ihnen wenigstens eine Hülfe: wenn die Leiden unerträglich wurden, erhob sich das Volk und stürzte die Regierung. Aber die englische Herrschaft ließ sich nicht abschütteln. Diese Regierung, die das Volk ärger als der schlimmste Despotismus von Barbaren bedrückte, war mit der ganzen Macht der Civilisation ausgerüstet. Sie glich mehr einer Herrschaft von Dämonen als einer menschlichen Tyrannei. Selbst die Verzweiflung konnte den weichlichen Bengalen nicht den Muth eingeben, Männern englischen Stammes, dem Erbadel der Menschheit, deren Intelligenz und Tapferkeit oft über zehnfache Uebermacht triumphirt hatten, entgegenzutreten. Das unglückliche Volk versuchte keinen Widerstand. Zuweilen unterwarf es sich seinem Elend geduldig, dann wieder floh es vor dem weißen Manne, wie seine Väter vor den Mahratten zu flüchten pflegten, und häufig wurde der Palankin des englischen Reisenden durch schweigende Dörfer und Städte getragen, die sich bei der Kunde seines Nahens von Menschen geleert hattenn. „Die fremden Herren Bengalens wurden von allen benachbarten Mächten glühend gehaßt, aber dem allen begegnete das stolze Geschlecht mit furchtloser Stirn. Seine Heere, überall an Zahl die schwächern, waren aller Orten siegreich. Eine Reihe von Befehlshabern, sämmtlich in Clive's Schule gebildet, hielt den Ruf ihres Vaterlandes aufrecht.„Man muß gestehenn, sagte der mohamedanische Geschichtschreiber dieser Zeiten, ndaß die Geistesgegenwart, Charakterfestigkeit und Tapferkeit dieses Volkes außer aller Frage stehen. Sie verbinden den entschlossensten Muth mit der vorsichtigsten Klugheit und haben in der Aufstellung zur Schlacht und im geordneten Kampfe ihres Gleichen nicht. Wenn sie verständen, mit dieser kriegerischen Tüchtigkeit auch Regierungskunst zu vereinigen; wenn sie darauf, das Volk Gottes zu beglücken, eben so viel Verstand und Sorgfalt verwendeten, als auf ihre Militärgeschäfte, so würde kein Volk der Welt ihnen vorzuziehen oder der Herrschaft würdiger sein. Aber überall seufzen die ihnen unterworfenen Völker und schmachten in Elend und Armuth. O Gott! hilf deinen bekümmerten Dienern und erlöse sie von der Unterdrückung, die sie leiden müssen lun „Es war kaum denkbar, daß das Heerwesen von den Gebrechen, die sich in jedem andern Theile der Verwaltung fühlbar machten, lange frei bleiben würde. Habgier, Verschwendung und Unbotmäßigkeit griffen vom Civildienst zu den Heerbeamten und von den Offizieren zu den Soldaten über. Das Uebel griff dergestalt um sich, daß jeder Mittagstisch von Offizieren der Mittelpunkt von Kabalen und Verschwörungen wurde, und die Sepoys(Eingeborene unter englischer Disciplin) nur durch die blutigsten Strafen in Ordnung gehalten werden konnten. Endlich begann der Zustand der Dinge in Bengalen selbst in England Bedenklichkeiten zu erwecken. Eine Reihenfolge von Revolutionen; eine zerrüttete Verwaltung; die Eingeborenen geplündert und die Gesellschaft doch nicht bereichert; jede heimkehrende Flotte mit glücklichen Abenteurern beladen, die sich Herrensitze und stattliche Gebäude kaufen konnten, aber die finanzielle Lage Indiens auf's Nachtheiligste darstellten; Krieg an den Grenzen; Unzufriedenheit in der Armee und der Ruf der Nation durch Erpressungen, eines Verres und Pizarro's würdig, geschändet!“ Die englisch=ostindische Handelsgesellschaft sah sich endlich zu durchgreifenden Maßregeln veranlaßt, um wieder Ordnung in die zerrütteten Zustände Indiens zu bringen und der Habgier ihrer Diener Schranken zu setzen. Man suchte der Politik und der Verwaltung den Charakter der Ehrlichkeit und Treue zu verleihen, man suchte die Glaubensfreiheit der indischen Völker zu schützen, man suchte sie vor Erpressungen durch Justiz und Verwaltung zu bewahren, man suchte den Racen=Eigenthümlichkeiten der Nationen und nationaler Selbstverwaltung Rechnung zu tragen und einen Zustand der Dinge herzustellen, der, wenn auch nicht ganz vollkommen, so doch mindestens weniger drückend war. Daß dies nicht immer vollständig gelang, liegt in der Natur der Sache. Denn einer Gesellschaft von Aktionären, die vor allen Dingen eine hohe Dividende ziehen wollen, war über Nacht die Herrschaft über ungeheure Reiche zugefallen, von denen sie 3000 Meilen weit entfernt waren, die die Meisten nie gesehen hatten, ja kaum einmal dem Namen nach kannten, und die sie jetzt vom grünen Tische aus verwalten sollten. Noch bis in das gegenwärtige Jahrhundert hinein existirte Sklaverei und Sklavenhandel in Indien, noch bis in die jüngste Zeit dauerte Bedrückung und Erpressung durch Verwaltung und Gerechtigkeitspflege fort, noch bis in die jüngste Zeit wurden die Länder durch den Handel der Gesellschaft systematisch und rücksichtslos ausgebeutet. Die Angelegenheiten Indiens leitet in Europa die ostindische Handelsgesellschaft, kontrollirt durch eine von der englischen Regierung beigegebene Aufsichtsbehörde; in Indien der General=Gouverneur, dem Räthe beigeordnet sind, für alle drei Präsidentschaften, Bengalen, Madras und Bombay. Unter ihm stehen für diese drei Präsidentschaften drei Gouverneure, denen gleichfalls Räthe beigeordnet sind. Die innere Landesverwaltung wird durch besondere Kriegs=, Justiz=, Handels und Finanzbehörden geleitet, doch mischt sich die Regierung wenig in die Verwaltung des Innern, und überläßt sie den Hindus, deren Gebräuche und Religion sie auch ehrt, eben so wie die der mongolischen Moslems. Die bürgerliche Rechtspflege wird dem Meistbietenden überlassen. Die Armee der englischen Regierung in Indien beträgt etwa 20,000 Mann, die der ostindischen Handelsgesellschaft etwa 10 mal so viel. Unter allen diesen Truppen befinden sich nur etwa 7000 Engländer; die Uebrigen sind Eingeborene (Sepoys.) Die Präsidentschaft Kalkutta zählte nahe an 100 Mill. Einwohner, die Präsidentschaft Madras zählt über 50 Mill. und die Präsidentschaft Bombay mit den verbündeten Staaten(die ursprünglich nur 2½ Millionen zählte) jetzt ziemlich eben so viel. Wenn man nun neben dieser Gesammtbevölkerung von über 150 Mill. Seelen in Betracht zieht, daß ganz Deutschland nur 45 Mill. Einwohner hat, und wenn man ferner erwägt, daß Indien das reichste und fruchtbarste Land der Erde ist, so wird man ermessen können, welche unerschöpfliche Quelle dies Land für Englands-Macht und Reichthum ist und welche unberechenbare Zinsen die Aktionäre der ostindischen Handelsgesellschaft aus ihrem Aktien=Kapitale gezogen haben und noch ziehen. Jur Zeilkunde. (Fortsetzung.) Alles Leben ist Bewegung, von den mächtigsten Anstrengungen der Glieder an bis zum chemischen Stoffaustausch in den kleinsten Zellen und Molecülen der organischen Gewebe und Säfte. Daher hat alles Lebendige, solange es lebt, den unwiderstehlichen Trieb, sich zu bewegen, und nur, wo das Leben, zum Zwecke seiner Erhaltung, auf ein Minimum herabgesetzt werden muß, stellt sich der Trieb zur Ruhe ein. Der Gesunde erquickt sich durch Schlaf, der Kranke verharrt fiebernd ohne Bewegung im Bett; bei Beiden hat der Trieb die gleiche Ursache: Erschöpfung des organischen Stoffs, und die gleiche Wirkung: Beschränkung des Stoffwechsels, der durch eine unaufhörliche Bewegung sich selbst, d. h. das Leben aufreiben würde. Man sagt von einem Menschen, der durch ungestümen, ruhelosen Verbrauch seiner Kräfte vor der Zeit zu Grunde ging, er habe rasch gelebt; es gibt aber auch Viele, welche frühzeitig dem Leben und seiner vollen Leistung oder seinem vollen Genusse vergehn, weil sie zu langsam leben, weil ihnen das natürlichste, eigenste Moment des Lebens, die allseitige Bewegung fehlt. In unserer Kultur aber ist der häufigste Fall dieser, daß einzelne Seiten des Lebens zu rasch verbraucht 135 werden auf Kosten anderer, die in unnützer Vernachlässigung verkümmern. Auf beiden Seiten ist Krankheit die nothwendige Folge, aber auf beiden Seiten aus entgegengesetzter Ursache, mit verschiedener Wirkung, und demnach, wie dem einfachen Verstande begreiflich ist, auf verschiedene Weise zu behandeln. Der erste Grundsatz der heutigen Heilkunde ist diese, daß es keine andere Krankheitsheilung gibt, als eine Naturheilung, daß alle unsere Mittel nur diese erregen und unterstützen, nur aus ihrer Beobachtung geschöpft werden. Was aber ist Naturheilung? Es ist der organische Lebensproceß selbst, die Bewegung der organischen Materie nach gewissen Gesetzen. Wo das Leben diesen Gesetzen nicht angepaßt wird, wo die Bewegung im weitesten Sinne des Worts sich ihnen entzieht, da muß die Ernährung der organischen Theile und ihre Function sich verändern. Es muß Krankheit eintreten und die Rückkehr zur Gesundheit durch normales Leben, des ist durch Herstellung der normalen Bewegung erstrebt werden. Wir beschränken uns darauf, diesen allgemeinen Grundsatz durch einige Beispiele zu erläutern. Viele Mädchen erwerben sich, meist durch eine üble Gewohnheit, eine schiefe Schulter, indem die Muskeln der einen Seite verkümmern und so dem Zuge der anderseitigen Muskeln nicht mehr das Gleichgewicht zu halten vermögen. Die Heilgymnastik bildet nun die verkümmerten Muskeln so weit aus, daß sie selbst Das leisten, was nur ein Wahn von todten Maschinen erwarten kann; sie werden durch eine eigenthümliche Methode befähigt und gezwungen, sich zu bewegen, dadurch auch ihrer Ernährung ein mächtiger Impuls gegeben und ihre Kraft geübt. Viele junge Mädchen leiden aus Ursachen, deren Erörterung uns zu weit führen würde, an mangelhafter Ernährung des Bluts und, weil dieses die Quelle der Körperbildung ist, des ganzen Körpers. Jeder kennt diesen Zustand, der von dem auffallendsten Symptom den Namen der Bleichsucht führt. So bekannt wie die Krankheit selbst, so bekannt ist das spezifische Mittel zu ihrer Beseitigung, das Eisen, so bekannt aber auch ist es, daß selbst dieses in sehr vielen Fällen fehlschlägt oder sehr langsam wirkt. Es genügt zur normalen Ernährung des Blutes nicht, ihm seine natürlichen Bestandtheile zuzuführen, man muß es auch in den Stand setzen, sich jene zu assimiliren und nicht minder das Verbrauchte wieder abzustoßen, damit es nicht übersättigt und so die Ursache jener häufigen Fälle von Unwohlsein werde, welche man bei Bleichsüchtigen nach zu sehr nährender Kost beobachtet und die immer wieder auf die Verschlimmerung der Krankheit zurückwirken. Die Fähigkeit aber, das Verbrauchte wieder abzugeben, um neuen Stoff aufnehmen zu können, erhält das Blut hauptsächlich durch die allseitige Uebung des Muskelsystems, welches dabei, sich selbst abnutzend, zu eigner Ergänzung das Blut consumirt und dieses gleichsam hungrig auf neue Nahrung macht. Lehrt doch schon die tägliche Erfahrung, daß eine reichliche Kost nur bei reichlicher Bewegung gedeiht. Das Eisen, dessen eine Bleichsüchtige bedarf, liefern die Nahrungsmittel in genügender Menge; man sorge nur dafür, daß die Ausgabe des Blutes durch methodische Ausbildung der Muskeln regulirt werde, so wird die Einnahme von selbst sich steigern und der Eisengehalt des Blutes auch ohne lateinische Recepte sich erhöhen. [Forts. folgt. Correspondenzen. Lemgo, den 19. August. Vor Kurzem ist hier in der Altstädter Gemeinde eine Kirchensteuer ausgeschrieben, um die nicht unbedeutenden Kosten der Reparatur der Nicolai=Kirche zu decken. Auffallend ist dabei, daß auch die in dem Kirchsprengel wohnenden Reformirten mit dieser Steuer belastet werden sollen, da dies dem Edicte vom 15, März 1854, wonach sowoh die Lutheraner von den Parochiallasten der reformirten Kirche, als vice versa die Reformirten von denen der lutherischen frei sein sollen, schnurstracks zuwider läuft. Nur bei einem Einzigen möchte es zweifelhaft erscheinen, ob er die Steuer zu zahlen habe, da derselbe zwar vor bereits 2 Jahren seinen Austritt aus der lutherischen Kirche angezeigt hat, ohne jedoch höheren Orts die Genehmigung dazu erhalten zu haben. Daß auch die Lehrer mit zur Steuer herangezogen werden, erscheint uns, mindestens gesagt, unbillig, da nach der bisherigen Observanz die Diener der Kirche von den Lasten derselben völlig frei waren. Es ist dies jener Bestimmung ähnlich, wonach die Lehrer für ihre eigenen Kinder Schulgeld bezahlen müssen, nur mit dem Unterschiede, daß für diese Verfügung ein landesherrliches Gesetz, für jene aber keines vorliegt. Berlebeck, den 11. Aug. Heute Abend trafen einige Herren vom Exteinsteine kommend hier ein und traten in unserm ersten Hotel ab. Sie redeten über die sonderbare Verwerfung im hiesigen Steinbruche und ich erfuhr denn auch, daß einer derselben, welcher sich sehr ausführlich darüber aussprach, der Herr Professor Cotta aus Freiberg sei. Ich konnte meine Neugierde nicht unterdrücken und suchte mit dem Herrn Professor anzubinden, um ihm auf den Zahn zu fühlen, indem ich an ihn die Frage richtete:„Haben Sie schon Kohlen im Lande gefunden,? worauf er mir antwortete:„Dies wünscht man allgemeinn. Diese sehr gewählte Antwort nahm ich mir zu Herzen, um ihn nicht weiter zu belästigen. Uebrigens ging es recht munter in der Gesellschaft zu und so gemüthlich, als ob sich die Herren schon lange Zeit gekannt hätten. Des andern Morgens recht früh brachen die Herren wieder auf, um über die Grotenburg nach der Senne zu gehen. Ob sie Detmold berührt haben, kann ich Ihnen nicht mittheilen, glaube es aber nicht, da ich hörte, man wolle es so lange verschieben, bis die Eisenbahn fertig sei. Weltbegebenheiten. Die drohende Wolke, welche sich über Konstantinopel zusammengezogen hatte, hat sich vorerst wieder verzogen, indem England und Oestreich eingewilligt haben, daß neue Wahlen in den Donaufürstenthümern angeordnet werden. Freilich wird deßungeachtet schwerlich eine Union derselben zu Stande kommen. Die Greuelthaten, welche die aufständischen Indier gegen die unglücklichen Familien verübt haben, die in ihre Gewalt kamen, sind schaudererregend und rechtfertigen theilweise das allgemeine Verlangen nach erbarmungsleser Bestrafung, wie es sich in der englischen Presse ausspricht. So wurde z. B. in Allahabad eine ganze Familie(Großvater, Vater und Mutter mit ihren Kindern) lebendig verbrannt. Die Angehörigen einer andern Familie wurden langsam getödtet, indem man ihnen erst die Nase, dann die Ohren, Finger, Zehen, Arme und Beine abschnitt. Mütter wurden vor den Augen ihrer Kinder geschändet und, nachdem diese getödtet waren, ermordet. In Bareilly wurden die Wohnungen der Engländer in Brand gesteckt; 40 Personen, in der Mehrzahl Weiber und Kinder, suchten den Flammen zu entrinnen, wurden aber niedergemetzelt. In Schajehanpore brach der Aufstand am Sonntage aus, als die englischen Familien in der Kirche waren; die Empörer drangen hinein, ermordeten alle und trieben dann mit den abgeschnittenen Köpfen der Weiber und Kinder in den Straßen Kurzweil. In Ihansi wurde den engl. Frauen auf der Straße Gewalt angethan, dann wurden sie in Stücke gehauen. Kleine Kinder wurden aus den Armen ihrer Mütter oder Ammen gerissen, unter brutalen Späßen in die Luft geschleudert und mit den Bajonetten aufgefangen. Ein Herr Beresford und seine Gattin wurden niedergesäbelt, nachdem man ihren 6 Kindern mit Glasscherben die Kehle abgeschnitten hatte. Mehreren Frauen wurden die Brüste abgeschnitten, bevor man ihnen den Tod gab. In Delhi drang ein Haufe Sepoys in ein Zimmer, wo sich 6 engl. Damen befanden, darunter ein sehr schönes Mädchen von 16 Jahren, welches sich unter das Sopha verbarg. Die Sepoys thaten den übrigen Gewalt an und erstachen sie hierauf; das Mädchen aber, welches sich durch einen Schrei des Entsetzens verrieth, als das Blut ihrer Freundinnen unter das Sopha strömte, wurde ergriffen und in den Harem des Königs von Delht gebracht.— Freilich verfuhren die Engländer nun auch nicht gelinde. So wurden von 200 Gefangenen 40 vor eine Kanone gebunden und ihnen so die Köpfe abgeschossen; der Tod am Galgen würde aber von den Hindus für ein weit größeres Unglück gehalten werden. Die Polizeiwirren sammt der obligaten Anarchie in der Stadt New=York dauern fort und ist das Ende noch 136 nicht abzusehen. Man sieht, daß auch in Republiken der Bogen zu straff gespannt werden kann, wenn die Regierung sich ausschließlich in den Händen einer Partei befindet. Die Majorität im Staate New=York gehört den Republikanern an, in der Stadt dagegen überwiegt die demokratische Partei dermaßen, daß bei der Präsiventenwahl von 82,000 nur 16,000 auf Fremont fielen. In beiden Häusern der Legislatur zu Albany haben aber die Republikaner die Oberhand und Gouverneur King ist ebenfalls einer der ihrigen. Sie gaben das neue Polizeigesetz, welches die Besetzung der Polizeistelle den städtischen Behörden nimmt und der Staatsbehörde verleiht. Daß Parteimotive dazu mitwirkten, stellt in New=York Niemand in Abrede, und so mußte die Maßregel erbittern. Die alte Polizei wollte nicht weichen, weil die Stadtbehörden, den Mayor an der Spitze, jenes Gesetz für verfassungswidrig erklärten. Stadt= und Staatspolizei lieferten sich 14 Tage hindurch förmlich kleine Schlachten und die Straßenraufbolde, Bummler und Diebe New=Yorks konnten ungehindert ihr Handwerk treiben. Inzwischen haben jedoch das Obergericht und der Apellhof dies Gesetz für gültig erklärt, und es bleibt der Stadt Nichts übrig, als sich zu fügen. So sind denn die Polizeigebäude, die Telegraphen und anderes Zubehör der neuen Polizei verabfolgt worden; nur über die Kassen dauert der Streit noch fort. Mittlerweile hat die Agitation eine geregelte Gestalt angenommen, an die Stelle der Raufereien sind Volksversammlungen getreten, in denen man über Abhülfe beräth. Bei den nächsten Wahlen wird eins der Hauptthemas der Parteiprogramme: Municipal= oder Staatspolizei sein, und es ist ziemlich gewiß, daß letztere wieder beseitigt werden wird, da auch ein guter Theil der Republikaner in dem Gesetze eine Beeinträchtigung der Gemeinderechte sieht. In den Provinzen Mexicos herrscht noch immer die alte Verwirrung. Die Verbindung der Hauptstadt mit den übrigen Orten des Landes ist nach verschiedenen Seiten hin unterbrochen. Juan Vicario ist abermals in Yguale eingefallen und hat diese Stadt wieder ausgeplündert und verwüstet. Gegen 60 Einwohner, welche sich in die Kirche geflüchtet, wurden dort niedergehauen, worauf man die Stadt, eine der ältesten und merkwürdigsten in Amerika, dem Erdboden gleich machte. Juan Antonio, der Häuptling der Chilipa=Indianer, hat sich mit Vicario verbunden, so daß jetzt Alvarez, der Oberbefehlshaber der gegen die Aufständischen ausgerückten Regierungstruppen, ein Heer von ziemlich 4000 Mann zu bekämpfen hat. In den letzten Tagen hat derselbe einige Vortheile errungen. Diese kleinen Erfolge haben bewirkt, daß die Wahlen für den Congreß bis jetzt im gemäßigt liberalen Sinne ausgefallen sind. Die im August stattfindende Präsidentenwahl wird aller Wahrscheinlichkeit nach auf den jetzigen interimistischen Präsidenten Ignacio Comonfort fallen. Einiges Aufsehen erregte ein von Santa Ana aus Tubaco erlassenes Manifest, in welchem er sich bereit erklärt, die Zügel der Regierung nochmals zu ergreifen, wenn man ihn rufe. Zu dem Letztern ist indeß gegenwärtig nicht die mindeste Aussicht vorhanden. Unter andern neuen Feuersbrünsten ist besonders furchtbar gewesen die zu Bojanowo in der Provinz Posen am 12.., wobei 350 Häuser eingeäschert und etwa 2000 Menschen obdachlos geworden sind. Vor einiger Zeit hat sich Dr. Laurentius Hannibal Fischer, unser früherer Kabinetsminister, bei Gelegenheit des Jubiläums des Pastor Dr. Schläger in Hameln auch als Dichter ausgezeichnet; in seinem Festgedichte kommen folgende reizende Verse vor: Thätig wirkten wir beide im Kampfe, ich wie Du in Liebe, Mir ward das schneidende Schwerdt, Dir war das heilende Wort Menschenleiden zu mildern; zu fürchten das Rechte und Gute, War uns gemeinsames Ziel;— keiner hat es verfehlt! Hat mir das dunkele Schicksal die Laufbahn des Glanzes beschieden Auf dem felsigen Weg zu den Höhen der Macht, Ward Dir, dem Jünger der Liebe, die Wandrung durch's Leben gewiesen In dem blumigen Thal stillen Wirkens in Gott. Für die Redaktion: Ph. Kotzenberg. is wird ein Bäckergesell gesucht. Zu erfragen in der Expedition bei F. L. Wagener. gester peruanischer Guano bei B. Klasing in Lemgo. An X. Kleinliche Rache! Möge der in so unedler Absicht gekaufte Weihrauch dem Denuncianten wohl bekommen! Lemgo, den 18. August 1857. Unter dem Einflusse des außerordentlich günstigen Wetters schreitet die Ernte rasch von Statten, und sind wir trotz der früher lautgewordenen Befürchtungen zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Der Rocken ist in trockenem Zustande geborgen und die Qualität desselben wird allgemein gerühmt. Ebenso haben wir vom Weizen einen befriedigenden Ertrag zu erwarten. Wenngleich über das Durchschnittsergebniß sich noch kein bestimmtes Urtheil fällen läßt, da noch zu wenig gedroschen ist, so kann man doch das Gewicht desselben schon jetzt als ein schweres bezeichnen. Dagegen lassen Bohnen und Erbsen zu wünschen übrig; dieselben konnten sich bei der anhaltenden Dürre während ihrer Blüthe nicht hinreichend entwickeln, und wir haben daher von diesen nur auf einen geringen Ertrag zu rechnen. Gerste ist mittelmäßig, im Ganzen aber mit schönem Korn; auch der Hafer hat sich durch den noch zur rechten Zeit fallenden fruchtbaren Regen sehr verbessert. Endlich sind die Kartoffeln nicht so schlecht, wie der Herr Correspondent von der„lipp. wald. Grenze“ sie schildert. Das Treiben neuer Keime beschränkt sich nur auf eine kurze Strecke; dieselben stehen sonst sehr schön; die Knollen sind gesund; die Quantität ist eine sehr gute und Geschmack vorzüglich. Hoffen wir daher, daß sich einmal wieder das alte Sprichwort:„Ein trockner Sommer bringt keine Theurung", aufs Schönste geltend macht. R. N. Gegen jeden veralteten Husten, sowie gegen Brustschmerzen, langjährige Zeiserkeit, Grippe, Verschleimung der Lunge und gegen Reuchhusten, ist der auch im hiesigen Lande bereits rühmlich bekannte, von dem Medicinalrath Herrn Dr. Magnus, Stadtphysikus in Berlin erlig ##e 1 große Flasche 1 3 S8 DDTGM GVNTD a 1 große Flasche 1## ##e 1 kleine Flasche 4#— DRODT-STRUT## 1 kleine Flasche 1### Aser dice Aibr bie isr üie Aib Aib aic eer,„„„„ Rb b e eie eie eice ie bice ie ie von G. A. W. Mager in Breslau ein vorzügliches Mittel, und ist dasselbe nicht zu verwechseln mit ähnlichen aber brannen Fabrikaten. Einer weiteren Anpreisung bedarf es nicht, da die vielfach eingegangenen Zeugnisse wohl am besten die Heilkraft dieses weißen Brustsyrups bestätigeg, Deur ächt vorräthig: bei D. W. Stamm in Detmold, sowie bei H. E. Paulsen in Barntrup, bei C. Petri in Lemgo, bei Th. Wilckens in Schwalenberg, bei A. Bögeholz in Langenholzhausen. Druck und Expedition von F. L. Wagener in Lemgo.