Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhältung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Taxischen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr. Ne 26. Lemgo, 28. Juni 1857. Anzeigen werden berechnet: unter 5 Zeilen mit 2 Sgr. 6 Pf. von—10 Zeilen 5 Sgr. über 10 Zeilen jede Zeile 6 Pf. An die geehrten Leser! mit dieser Nummer das Dte Quartal der Sonntagspost zu Ende geht, so ersuchen wir die geehrten Leser, welche dieselbe durch die Post beziehen, die Bestellung für das dritte Quartal zeitig zu machen, damit keine Unterbrechung der Zusendung stattfindet; denjenigen, welche die Sonntagspost durch unsere Expeditionen und Boten beziehen, wird dieselbe nach wie vor zugesandt werden, wenn sie nicht vorher abbestellt werden sollte. 50 u. Die Redaktion. Froher Sinn. „Trübe sind der Erde Freuden!“ Also klagst du und du weinst Und du seufzest:„Wär' ich wieder doch ein Kind, ein Kind wie einst! „Kinderherz, du trägst verborgen still das Bild der Gotteskraft, „Bist ein See, noch ungetrübet von dem Sturm der Leidenschaft. „Aus dem ungetrübten Spiegel blinkt des Himmels Bildniß klar; „Nach dem Himmel greift vergebens hochgethürmter Wogen Schaar!“ Also sprichst du, senkst die Stirne und, der Erdenfreuden satt, Dünkt verwelkt dir jede Blüthe und das Leben schaal und matt. Wenn dir die Gedanken kommen, wandle auf die grünen Au'n, Lern' in jedem Blumenkelche einen Kelch der Wonne schau'n. Lausch dem Summen muntrer Käfer, lausch dem hellen Lerchenlied! Horch, ein ewig Lied der Freude tönend durch die Lande zieht. Selbst der Thau, die stille Thräne, die bei Nacht die Blume weint, Macht, daß schöner blüht die Blume, wenn auf's Neu' die Sonne scheint. Thränen sind der Thau der Blüthen, sprießend in der Menschenbrust! Tief in jedem Schmerz verborgen liegt ein Keim zu künft'ger Lust! Höre, wie die Lerchen jubeln! Lern' dich ohne Sorgen freu'n! Auf die Wege deines Lebens mußt du selbst die Rosen streu'n. Selig, selig ist's zu leben. Blumen senden rings den Gruß, Blumen, die der Frohe findet, die zertritt des Grüblers Fuß. Ist dir auch die Kindheit ferne, halt' die Stirne faltenrein, Und von Lerch' und Blume lerne du die Kunst, beglückt zu sein! R. Die belgische Angelegenheit. Wenn wir nicht irren, so wird das, was gegenwärtig in Belgien vorgeht, nicht eine bloße Angelegenheit innerer Interessen bleiben, sondern man wird versuchen, sie, wie man zu sagen pflegt, zu einer Angelegenheit europäischer Interessen zu machen; und deshalb scheint uns die Sache von tieferer Bedeutung als sonst werden zu wollen. Sehen wir uns darum die Lage der Dinge ein wenig näher an, und zwar jetzt ein wenig näher, bevor sie noch eine weitgreifende Bedeutung erlangt; es wird uns dies Verständniß wahrscheinlich später zu Gute kommen. Das belgische Volk besitzt ein so hohes Maß politischer Freiheit wie kein anderes in Europa; es hat das Glück, einen Fürsten zu haben, dessen Klugheit und Verfassungstreue dezi höchsten Grad der Achtung verdient und der auch deshalb im Lande außerordentlich verehrt wird; es hat Belgien däher auch Epochen wie die von 1848 durchgemacht, ohne im mindesten davon erschüttert zu werden. Es trägt jedoch dieses Land inmitten seiner Freiheit einen Keim der Zwietracht, der sehr gefährlich werden kann. Die belgische Freiheit verbürgt auch die Religionsfreiheit, die für die Wohlfahrt eines Volkes unbedingt nothwendig ist. Da aber Belgien eine starke strenggläubige katholische Bevölkerung hat und unter dem Schutze der Religionsfreiheit grade der katholische Klerus am besten verstanden hat für seine Interessen zu sorgen, während die nichtkatholische Bevölkerung, zersprengt und sorglos, dem kein Gegengewicht durch Einigung in die Waage gelegt hat, so ist es der klerikalen Partei nach mehrfachen vergeblichen Versuchen in früherer Zeit endlich seit dem Jahre 1852 gelungen, sich eine Majorität der Volksvertretung zu sichern. Denn mit diesem Jahre der großen Rettung Frankreichs hat der Ultramontanismus allenthalben sein Haupt empor gehoben und zumeist dort mit Erfolg, wo der Staat in seinen Freiheitsprinzipien ihm keinen Halt entgegenstellt. geht aber mit der klerikalen Partei und der Freiheit immer ganz eigenthümlich. So lange diese Partei in der Minorität ist, wirft sie sich auf den Freisinn des Volkes, stimmt sie mit der Linken, führt sie die Redensarten: Religionsfreiheit, Lehrfreiheit, Erziehungsfreiheit, Unabhängigkeit der Schule vom Staat, Versammlungsrecht und Preßfreiheit im Munde. Wir haben dies Alles erlebt. Sobald sie aber mittelst dieser Errungenschaft ihre Errungenschaften in Händen hat, dreht sie den Spieß um und schreit Wehe über die Gottlosigkeit aller dieser Freiheiten, wie wir dies ja auch nicht minder gehört und gesehen haben. Man darf sich daher nicht wundern, daß seit dem Jahre 1852 die belgische klerikale Partei von ihrer Majorität Gebrauch zu machen suchte und, mit kleinen Siegen im Schul= und Lehrfach nicht zufrieden, hat sie es gegenwärtig versucht, auch die städtischen rein bürgerlichen Wohlthätigkeits= und Stiftungs=Fonds unter ihre Hände zu bringen. Da wir ein Abbild, oder richtiger noch ein Zerrbild dieser Bestrebungen auch oft genug schon gesehen haben, so brauchen wir die Bedeutung derselben nicht weiter näher zu erörtern; unsere Leser werden es verstehen, wenn wir sagen, daß unter dem Namen Wohlthätigkeitsgesetzu nicht etwa in den belgischen Kammern darüber verhandelt wurde, wer wohlthätiger sein, sondern wer die für Wohlthätigkeitszwecke bestimmten Gelder in Gemeinden und Stiftungen unter sich bekommen solle. Die Majorität war für die Geistlichkeit. Da in einem konstitntionellen Staat auch die Majorität der Volksvertretung bestimmend auf die Regierung einwirkt, so war auch die Regierung theilweise dafür, Im Volke aber begann jetzt erst— und leider etwas sehr 102 spät— die Einsicht in die Lage der Dinge. Daher erhob sich dieses fast aller Orten gegen die Geistlichkeit, und in Brüssel selber veranlaßten Volks=Aufläufe und Unruhen die Vorgänge, welche wir in unsern Zeitungsnachrichten näher geschildert finden. Es ist nun an sich etwas Eigenthümliches, wenn einmal ein Volk sich erhebt gegen die Majorität der Volksvertretung. Die Majorität ist aus dem Volk hervorgegangen und somit tritt in solchen Fällen das Volk gegen sich selbst auf. Es deutet dies immer auf eine Unreife des Volkes hin; entweder stellt es sich damit das Zeugniß aus, schlecht gewählt zu haben, oder es beweist, daß es wankelmüthig sei. In konstitutionellen Staaten indessen giebt es hierfür ein Mittel, nämlich das einer Auflösung der Volksvertretung und die Anordnung einer Neuwahl. Dieses Mittel scheint nun der König einschlagen zu wollen und kann ein solches nur gebilligt werden, obwohl wir es noch keineswegs für ausgemacht ansehen, daß dadurch eine Niederlage der klerikalen Partei sicher sei. So weit wäre die Angelegenheit eine rein innerliche, und als solche würde sie sich nach einigen Schwankungen schon wieder in Ordnung bringen. Sie hat aber eine Seite nach außen hin, die sie von weitgreifender Bedeutung werden lassen kann. Die ultramontane Partei hat in keinem Staate etwas von dem, was man Patriotismus nennt. In Belgien ist sie erst mit der sogenannten„Rettung" Frankreichs an's Ruder gekommen. Frankreich, dieses ganz glücklich gemachte Land, das zu allen Zeiten auch gerne die Glücklichmacherei nach außen treibt, hat zuviel Gründe, diese Angelegenheit zu einer sogenannten europäischen zu machen; und da gegenwärtig Europa seine Friedenszelte in Paris aufgeschlagen, so liegt die Vermuthung nahe, daß man in diese an sich nicht bedeutsamen belgischen Vorgänge ein wenig für unbeschäftigte Diplomaten stets verlockende Europa=Frage hineinspielen sehen wird. Hofprediger Dr. Liarl Schwarz in Gotha. Die geistige Bewegung des Menschengeschlechts geht in der Regel nach zwei extremen Richtungen auseinander, und diejenigen, welche den geraden Weg zum Ziele finden wollen, haben bei dem Lärm entgegengesetzter Meinungen wohl Ursache, sich nach bewährten Führern umzusehen. Unter diesen, kämpfend gegen Links und Rechts, hat Dr. Schwarz schon seit einer längern Reihe von Jahren sich hervorgethan; doch ist er den Blicken des größern Publikums erst erkennbar geworden, seit der Herzog von Koburg und Gotha— auch kein Freund der Extreme— ihn zu sich berief und auf einen einflußreichen Platz stellte. In Halle geboren, widmete sich Schwarz den theologischen Wissenschaften und ließ sich in den dreißiger Jahren als Docent an der Hochschule seiner Vaterstadt nieder. Dort fand er bereits die verschiedensten Richtungen vertreten; jedoch war er, so viel wir wissen, der Einzige, der im Geiste Schleiermachers wirkte. Wo hinaus die damals herrschende Hegelsche Philesophie führen müsse, war tretz der Dunkelheit, in die der Meister seine Lehre hüllte, denkenden Männern sehr bald klar geworden; in weiteren Kreisen lernte man aber den Kern derselben erst kennen, als die„Halleschen Jahrbüchern die Schale aufklopften. Diesen Strebungen glaubte eine strenge Orthodoxie nicht kräftig genug entgegenwirken zu können; sie setzte sich aber damit nicht allein mit dem Geiste der Zeit, sondern ebenso mit dem Geiste des Christenthums in Widerspruch. Nie wurde ja durch Priesterherrschaft und strenge Kirchenzucht, sondern stets nur von innen heraus durch die Macht der Wahrheit die Kraft des Glaubens, das Feuer der Begeisterung genährt. Aeußerer Zwang erzeugt nicht Hingebung, er ruft vielmehr den Widerstand hervor, und in unsern Tagen hat sich der Rückschlag auf protestantischem Gebiet zuerst in Baiern, auf katholischem in Belgien gezeigt. Das Christenthum ist ein Licht, welches nicht blos die Geister erleuchten, sondern auch die Herzen erwärmen soll. Diese Verbindung von Licht und Wärme darf dasselbe nie verlieren. Während es bestimmt ist, stets dem Entwickelungsgange des menschlichen Geistes zu folgen und hei keinem Foxtschritt der Wissenschaft zu erbleichen, soll es weder lediglich Sache des Verstandes, noch die des Gefühls sein. Wird nur die eine oder die andere Seite hervorgehoben, so verliert sich die Lehre entweder in kaltem Rationalismus oder in brütende Mystik, in schwärmerischen Pietismus. Das ist es eben, wodurch Dr. Schwarz sich so vortheilhaft auszeichnet, daß er das erleuchtende und das erwärmende Element des Christenthums immer vereinigt behielt, wie das Alle bestätigen werden, welche seine Vorträge auf dem Lehrstuhl gehört oder seine Schriften gelesen haben. Von diesen wollen wir nur seiner größeren Werke gedenken und zwar zunächst der 1847 erschienenen Schrift über das Wesen der Religion. Im folgenden Jahre erhielt Schwarz eine Professur in Halle; er schwieg jedoch in der Oeffentlichkeit mehrere Jahre, bis er 1854 das Verhältniß Lessings zur Theologie und den Kampf desselben gegen starre dogmatische Formeln besprach. Im Jahre 1856 endlich erschien seine Geschichte der neuesten Theologie, eine Darstellung der herrschend gewordenen kirchlichen Systeme, sowie eine Characteristik der Gegner des Christenthums, und diese treffliche Schrift gab die nächste Veranlassung zu seiner Berufung in sein jetziges einflußreiches Amt. Was den Verfasser Allen, die seine Werke mit Nachdenken lesen, theuer machen wird, ist die Wahrnehmung, mit welcher Kraft er selbst gegen den Zweifel gerungen, mit welcher Mühe er die Abwege zu vermeiden gesucht hat, mit welchem entschiedenen Erfolge er zur Wahrheit durchgedrungen ist und mit welcher freudigen Sicherheit er jetzt die siegende Fahne in der Hand hält und voranträgt. Die Kanzel betrat er zum ersten Mal am 19. Novbr. 1856 in der Schloßkirche zu Gotha, und mit Spannung erwartete die Versammlung des überfüllten Gotteshauses seine Antrittspredigt. Diese treffliche Ansprache verhallte jedoch nicht in den Mauern jener Kirche; unter dem Titel nder protestantische Prediger und seine Gemeinde“ ist sie im Druck erschienen und in oft wiederholten Auflagen zu vielen Tausenden von Exemplaren über ganz Deutschland verbreitet worden. Der Redner führt darin den Beweis, daß die Wissenschaft unserer Zeit den Glauben nicht zerstört, daß der kühle Verstand das Herz nicht erkältet, sondern daß der Glaube gereinigt und Herz und Charakter gestählt werden durch die vernünftige Erkenntniß..., daß es noch ein vernünftiges Christenthum giebt..., daß in der Gegenwart die Religion nicht ausgestorben ist, auch nicht in der gebildeten und denkenden Menschheit, und daß noch eine Fülle von erweckenden, begeisternden und beseligenden Kräften in ihr liegt. Daß er mit dieser Auffassung und Darstellung dem sehnenden Verlangen einer großen Mehrheit entgegenkommt, beweiset nicht nur die außerordentliche Verbreitung, welche jene Predigt in Druck gefunden hat, es beweisen dies auch noch die Hunderte, die, selbst aus meilenweiter Entfernung wie Durstige nach dem labenden Quell, in die Schloßkirche zu Gotha an allen den Tagen eilen, an welchen Schwarz in beredten Worten von der Kanzel spricht. Wie beredt er auch in der Eisenacher Kirchencouferenz die Freiheit der Kirche verfochten hat, ist aus den neusten Zeitungsnachrichten bekannt. Correspondenzen. Aus dem Lippischen, 25. Mai. Es wird nun wohl unter den neuen Gesetzen nächstens das Bergbangesetz veröffentlicht werden. Zugleich mit der Publication dieses Gesetzes wird auch eine Bergbehörde ins Leben treten, welche ihre Beamten erfordert, die zum Theil aus dem Auslande bezogen werden müssen. Ob diese Bergbehörde die Unkosten derselben aufbringen wird, müssen wir sehr in Zweifel stellen, und wäre es zu erwägen, ob eine Verhandlung mit Preußen wegen Unterordnung unter ein dortiges Bergamt, wenigstens für den Anfang, nicht von Vortheil wäre— bis dahin, daß Aussicht auf Kohlengewinnung vorhanden. Die hier zu Lande vorkommenden Mineralien beschränken sich fast nur auf die verschiedenen Eisensteine: Sphärosiderit, Bohnerz und Wiesenerz, und diese verbrauchen zu ihrer Nutzbarmachung ein nicht geringes Quantum Kohle. Da in der Nähe des westphälischen KohJengebirgss selbst Eisenerze in Mange verkommen, so kann vo## 103 einer Concurrenz unseres Eisens eigentlich keine Rede sein, da die Kohlen zu theuer sind. Sollten wirklich Hochofenbetriebe im Gang kommen, so könnten es nur solche für Holzkohlen sein. Zwar steht das Holzkohleneisen in besserem Preise; aber dieser Betrieb würde recht bald eingestellt werden müssen, weil die Holzmassen nicht lange anhalten könnten, welche die Hochöfen gebrauchten. Im Siegenschen wird sehr viel Holzkohleneisen gewonnen, wegen der dortigen schönen Waldungen, aber man verarbeitet den aus der Grauwacke empergequollenen Spatheisenstein, welcher gegen 10% reichhaltiger ist als unsere Eisenerze, wodurch die Ausbeute dort lukrativer wird. Wir brauchen hier zwar keinen Oberberghauptmann, aber doch zu viele Beamte, um für ein so kleines Land nutzlos besoldet zu werden. Gesetzt den Fall, es kämen wirklich einige Hochöfen in Betrieb, so könnten diese, weil solcher regelmäßig ist, mit fixen Abgaben, wie die Brauerei, belegt werden. Sollten wir aber Kohlen bekommen, so wird naturlich die metallurgische Industrie ausgedehnt und Beamte nöthig werden; finden wir keine Kohlen, so wird das Schürfen nach Mineralien bald aufhören, und müßten die Bergamtsbeamte andere Carrièren ergreifen, weil sie keine Arbeit haben würden. Detmold, 22. Juni. Nachdem der Landtag am 20. d. seine letzte Sitzung gehalten, kann ich Ihnen Einiges, was ich unter der Hand erfahren habe, davon mittheilen. Die Frage, ob der Landtag nicht geneigt sein werde, den Bau einer Eisenbahn auf Landeslosten oder auf Garantie der Zinsen zu genehmigen, hat derselbe ablehnen zu müssen geglaubt. Deßgleichen soll die Frage wegen der Emancipation der Juden zurückge steut sein. Die Preposition über das Votum negativum hat die 1. Curie einstimmig verworfen, die 2. dagegen einstimmig angenommen. Nach der Verfassung von 1836 sind nämlich die Abstimmungen, außer bei Gegenständen, welche allgemeine Landesabgaben betreffen, in getrennten Curien vorzunehmen, und wenn dies auch seit 1836 niemals geschehen ist, so glauben die Ritter doch hinsichtlich dieser Curien=Abstimmung sich Nichts vergeben zu dürfen; sie haben daher bei Gelegenheit der Discussion über das Volum negativum, welches Se. Durchlaucht den Ständen einräumen wollte, getrennte Abstimmung begehrt und in Folge davon die Ablehnung jenes Rechts gewissermaßen durchgesetzt. Was wollte aber aus dem Landtage werden, wenn den 7 Rittern, worunter nur 5 adlige sind, bei jeder wichtigen Angelegenheit die Entscheidung zustände? Hoffentlich wird Se. Durchlaucht der Masorität des Landtags die gebührende Rechnung tragen.— Das Bergbangesetz, sowie die Proposition über Erleichterung der Städte(welchen ½ Simplum Contributien nachgelassen und die Besoldung ihrer Armenärzte abgenommen werden soll) scheinen mit geringer Majorität(11 gegen 10 Stimmen) durchgegangen zu sein.— Die Ausschußdeputirten(von Kerßenbrock, Meier und Hagemeister) werden mit Herrn Canzleirath Rosen in den letzten Tagen dieser Woche nochmals zusammentreten, um Commissionen für die noch nicht erledigten früheren Vorlagen und die inmittelst noch eingekommenen Propositionen wegen Trennung des Staats= und Domanialbaushalts, Justizreform u. s. w. zu ernennen. Viel wird hier noch über den Beschluß des Landtags gesprochen, daß den früheren Ausschuß=Deputirten Böhmer, Runnenberg und Petri die pro Mai 1851 bis dahin 1854 geforderten Gehalte zu je 133½ Rthlr. jährlich nur zur Hälfte bewilligt werden sollten. Es war hergebracht, daß die nach der Verfassung von 1836 ständisch gewählten drei Ausschuß=Deputirten jährlich ein Gehalt von 133½ Rthlr. erhielten; somit gebührten den obengenannten Ausschuß=Deputirten dieselben Gehalte, wenigstens für die ersten 2 Jahre. Warum man nun nur die Hälfte und nicht wenigstens 23 der Summe bewilligt hat(welche Verkürzung sich allenfalls noch damit rechtfertigen ließe, weil der Landtag am 27. Oct. 1852 ausgehoben und entlassen und der Ausschuß damit außer Thätigkeit gesetzt war), ist räthselhaft. Sollte der jetzige Landtag etwa gemeint haben, alle politischen Actionen von 1848—1853, also auch die Anstellung des fraglichen Ausschusses haben keine Gültigkeit? Aber wo sollte man dann die Grenzen der Ungültigkeit finden? Weltbegebenheiten. größte Interesse nehmen die Wahlen in Frankreich in Anspruch. Am 22. Juni sind die Wahlen in Paris beendigt und haben für die republikanische Organisation ein überaus glänzendes Resultat ergeben. Die Candidaten der Regierung haben in 5, diejenigen der Opposition in 2 Wahlbezirken von Paris(Carnot und Goudchaux) obgesiegt; in 3 Wahlbezirken(darunter der., wo Cavaignac gesiegt hat) blieb das Resultat unentschieden und muß noch einmal gewählt werden. Aus ganz Frankreich sind 256 Wahlen bekannt, darunter sind 8 für die Opposition ausgefallen, namentlich in Lyon und Bordeaux. Der Kaiser soll den Minister Billault gefragt haben, wie viele Candidaten die Opposition im ganzen Lande durchsetzen dürfte. Fünf und zwanzig! habe der Minister geantwortet.„Das ist vieln, meinte der Kaiser; ndenn der Sturz der Restauration hat mit einer Opposition begonnen, die blos 17 Mitglieder zählte.“— Natürlich drängt sich Jedem die Frage auf, wozu diese Wahlen überhaupt stattfinden. Der Kaiser hatte eine so ruhige und willfährige Gesetzgebung, als er nur wünschen konnte, warum behielt er sie nicht? Es ist wahr, ihre Frist war nach der Verfassung abgelaufen; aber was ist die Verfassung selbst, als ein Geschöpf seines Willens, eine Regierungsform, die er eingeführt hat und die er abändern kann? Der Mann, der einen Staatsstreich entwarf, kann es doch mit den Rechten einer Repräsentivverfassung nicht genau nehmen! Es scheint jedoch, daß eine Art Respekt vor dem Prinzip des allgemeinen Stimmrechts, der Glaube, daß seine gelegentliche Ausübung, wenn auch eigentlich unfreie und praktisch resultatlose Ausübung, dem imperialistischen System neue Kraft verleiht, zu den am tiefsten wurzelnden Gefühlen des jetzigen Herrschers gehört. Ein zweiter Grund für diese Berufung oder vorgebliche Berufung ans Volk liegt in der Unruhe, an der eine unumschränkte Herrschaft stets leidet.“ Sogar die Theilnahmlosigkeit der Franzosen hat in jüngster Zeit die Regierung in eine fieberhafte Stimmung versetzt. Sie erschrak über die selbstgeschaffene Stille und dachte bei sich, was wohl dieser wundersame Gehorsam bedeuten möge, und ob diese tiefe Ruhe nicht ein Erdbeben prophezeie. Selbst eine Demonstration wäre ihr eine Erleichterung, selbst ein Tumult wäre ihr lieber als dieses Brüten, welches unter so glatter Oberfläche sich zu verbergen scheint.— Man kann nicht leugnen, daß eine theilweise Niederlage der Regierung, daß eine, wenn auch noch so geringe, demokratische Minorität Eindruck im Auslande machen muß. Die Regierung hat sich übrigens selbst auf diesen Standpunkt gestellt und die Frage: ob Republik, ob Kaiserreich? den Wählern vorgelegt. In den Donaufürstenthümern schließt sich die französische und russische Politik immer näher an einander, während es kaum einem Zweifel mehr unterliegt, daß der englische Consul in Jassy im Vereine mit dem östreichischen gegen die Union arbeitet. Einen eigenen Eindruck gewährt in der Rheinprovinz das Aufkommen der Bettelmönche, die jetzt allenthalben einen festen Fuß zu fassen suchen und das Publikum durch öftere Bettelei belästigen. Jeder arme, noch so ausgehungerte und noch so darbende Mann, welcher seinen Mitmenschen um eine Gabe anspricht, riskirt, von einem Polizeidiener gefaßt und in Haft gebracht zu werden; ein noch so feist gewährter Bettelmönch aber, durch sein Mönchskleid legitimirt, behelligt unangefochten das Publikum und darf an allen Pforten anklopfen. In Elberfeld haben die Färber, deren in den dortigen Fabriken einige Tausend leben, seit dem 15. d. die Arbeit eingestellt, da ihnen der verlangte höhere Lohn nicht bewilligt wurde. Auch in dem benachbarten Barmen feiern die Fabriken. Sehr viele Arbeiter haben auswärts Arbeit gesucht und sind nach dem Kohlengebiet der Ruhr, nach den Eisengießereien der Mark oder nach den im Bau begriffenen Bahnstrecken gewandert, wo man sie mit offenen Armen aufgenommen hat. Während Preußen ein Brücke über den Rhein bei Köln baut, sucht Frankreich eine deßgleichen bei Straßburg ins Werk zu setzen, wogegen aber hoffentlich der deutsche Bund Einsprache thun wird, da dies ein großer strategischer Vortheil für Frankreich sein würde, zumal Deutschland in jener Gegend ohnehin schlecht beschützt ist. Der Gustav=Adolfs=Verein wird dieses Jahr seine Hauptversammlung vom 31. Aug. bis 2. Septbr. in Cassel halten. Besonders Interesse erregt in Berlin und 104 anderwärts die sog.„Kettenstiftung“, welche ihren Ursprung in einer vor einigen Jahren von einer Dame dem Berliner Vereine geschenkten goldenen Kette hat und in Beziehung auf welche viele angesehene Frauen Berlins, mit der Königin an der Spitze, einen Aufruf an Deutschlands evangelische Frauen erlassen hat. Aus der Eisenacher Kirchenconferenz ist noch in Betreff der Verhandlungen über Kirchenzucht zu melden: Hofprediger Schwarz führte aus, wie die Reste der alten Kirchenzucht, wo sie noch in ländlichen Gemeinden vorhanden, nur die Folge einer die Sitte noch beyerrschenden Unduldsamkeit seien, welche die Kirche, deren Wesen die Liebe und die Duldung sei, durch geläuterte Vorstellungen zu beseitigen trachten und Jedem, der um ihre Gnadengaben flehe, diese auch reichen müsse, habe er auch sonst durch sein Verhalten sich wider sie vergangen. Schwarz aus Jena war für die Vertagung der Frage. Nitzsch suchte zu vermitteln. Die gemäßigte Haltung der Conferenz ist eine Folge der in vielen Gemeinden hervorgetretenen Mißstimmung gegen die kirchl. Ultras. Sie ist am 18. d. geschlossen worden. Das„Volksblatt für Stadt und Land“ bringt(aus der Feder des Prof. Heinrich Leo in Halle) einen Artikel über die neuesten Vorgänge in Belgien, dem wir folgende bezeichnende Stellen entnehmen: „Man sollte glauben, gewisse Wahrheiten hätte Gott der Herr in der Geschichte von 1789 bis 1794 mit so baumlanger Keilschrift geschrieben, daß jedes Kind sie müßte lesen können. Ein einziges männliches Auftreten des Königs damals den Ständen gegenüber, die nach Leitung von der Regierung sich sehnten, und eine einzige ordentliche Flintensalve zu rechter Zeit unter den Pöbel, hätte Millionen Menschenleben und unsägliches leibliches und noch größeres geistliches Elend gespart. Und als die Lehre, welche Unklugheit und Unmenschlichkeit in der unzeitigen und pflichtvergessenen Weichlichkeit der Regierungen liegt, trotz alledem noch nicht begriffen und behalten war, hat Er 60 Jahre lang unablässig dieselbe Lehre wiederholt, bis Er sie 1848 noch einmal recht groß angeschrieben hat. Aber nichts scheint zu fruchten. Nach wie vor giebt man(von der anvertrauten Würde nicht zzu reden) die Geschicke eines ganzes Volkes preis, um das liebe Leben von irgend ein paar vorwitzigen Maulaffen nicht in Gefahr zu bringen. In dem vorliegenden Fall würde allem Anschein nach ein einziges kleines Choc unter den nichtsnutzigen Pöbel— vornehmen und geringen(denn der vornehme Pöbel war wohl die Hauptsache) hingereicht haben, um alle„Aufregung“ des Landes zu beruhigen. Aber hätte es auch zu Kartätschen kommen müssen, und wären 10,000 Menschenleben wie Mohnköpfe weggemäht worden, kein Mensch, der ein Herz auf der rechten Stelle hat, hätte es anders nennen können, als einen Akt der reinsten Humanikät. Ebenso wie das entgegengesetzte Verfahren, die sog. Milde gegen den Keim des Aufruhrs, die gröbste Menschenfeindschaft ist. Soviel an ihr ist, hat die belgische Regierung gethan, um die Revolution hervorzurufen. Wenn es dennoch zu nichts Weiterem kommt, so ist es, weil im eigentlichen flämischen Volke zu viel Kern und die ganze„Aufregungn des Liberalismus ein hohles Spielwerk ist. Die Kirche wird hoffentlich mit mehr Entschlossenheit seinen Fehdehandschuh aufnehmen, und in diesem Falle können wir ihr nur ein herzliches„In Gottes Namen draufla zurufen.“ Das Glück der Armuth. nGlück ist für Gold nicht feil“ läßt Julie Burow in ihrem Romane„der Armuth Leid und Glück“ eine ihrer Heldinnen sagen, nnicht Liebe, nicht Schlaf, nicht ein ruhiges Herz. Die Güter der Erde sind wohl gleichmäßiger vertheilt, als es uns manchmal scheinen mag. Der Arme hat bei seinen Entbehrungen die Hoffnung und das Streben, und der Reiche beim Besitz den Ueberdruß als Ausgleichungsmittel von der Vorsehung erhalten. Ein Glück aber, das die Armuth vor dem Reichthum voraus hat, ist schon allein groß genug: der Arme kann und muß für die, welche er liebt, sorgen, arbeiten und schaffen; er kann ihnen durch die That beweisen, daß er liebt; der Reiche kann seine Liebe nur durch Worte zeigen, und wer die Gabe des Wortes nicht besitzt, wie leicht wird der den Geliebten als fühllos erscheinen! Man sagt wohl, Unsauberkeit sei die natürliche Gefährtin der Armuth. Das ist aber nicht der Fall. Unsauberkeit und Armuth findet man nur darum so oft vereint, weil beide zum Gefolge der Faulheit gehören. Nur der Faule ist unsauber, alle Faulbeit macht auch bettelhaft. Arm sein ist ein Glück für den Menschen; denn wer arm ist, der kann hoffen, streben, sich am Kleinen freuen. Wer arm ist, aber thätig, der steht an der Eingangspforte zum Erdenglück und sehr oft gelingt es ihm, sie leise zu öffnen und einzutreten und vorwärts zu gehen. Bei einem reinlichen Volke kann die Leibeigenschaft gar nicht bestehen; denn Reinlichkeit verursacht stets Arbeit und ein thätiger Mensch lernt endlich nachdenken. Wer aber denkt, der kann nicht als Sache betrachtet werden. Er wird sich seine Menschenrechte erwerben oder sonst dabei zu Grunde gehen. Die Völker, welche am saubersten sind, sind auch am frühesten bürgerlich frei geworden, z. B. die Holländer und die Engländer; Spanier und Italiener, Russen und Polen dagegen sind nicht durch ihre Sauberkeit berühmt.“ Ueber den Ursprung der Perlen hat der Professor Philippi in Turin die interessante Entdeckung gemacht, daß ein kleiner parasitischer Wurm aus der Gruppe der Tremotoden sie erzeugt. Er dringt nämlich in die Muschel, wenn die Molluske die Muschelschalen öffnet und übt einen solchen Reiz auf das Thier, daß dieses sich nur dadurch gegen seinen Feind zu schützen weiß, daß es ihn mit einem dichten Stoff umgibt, den es aus seinem Mantel ausscheidet. Für die Redaktion: Ph. Kotzenberg. a ich zur Feier des Jubiläums unseres Lehrers des Herrn Niebäcker am Montag den 13. Juli in meinem Zelte ein Mittagessen nebst Tafel=Musik veranstalte, so ersuche ich diejenigen, welche Theil daran nehmen wollen, sich rechtzeitig bei mir zu melden, damit ich meine Einrichtungen darnach treffen. Wahmbeckerheide, den 24. Juni 1857. Wittwe Stork. Offene Stelle. In meinem Manufactur= und Colonialwaaren=Geschäft wird im September d. J. für einen soliden Commis und gewandten Verkäufer, der im hiesigen Lande conditionirt hat, die Commisstelle vacant. A. D. Schnelle in Lemgo. Nicht zu übersehen! Für Lemgo und Umgegend gutes Roggen=Mehl, hiesiges Fabricat. Zu haben bei Lemgo. E. Schnitger am Osterthor. Geschäfts=Eröffnung. Am heutigen Tage eröffnete ich hieselbst in dem früher von Herrn Ph. Hemmerich bewohnten Hause am Markte, ein neues Weingeschäft, und halte mich bei Bedarf, meinen hiesigen und auswärtigen Freunden und Gönnern, unter Zusicherung einer reellen und guten Bedienung, bestens empfohlen. Hameln, d. 1. Juni 1857. Georg Eicke. Frucht=Preise. Weizen, 23 Thlr. bis 2 Thlr. 224 Sgr. Roggen 1 Thlr. 25 Sgr. bis 24 Thlr. Gerste 1 Thlr. 25 Sgr. bis 144 Thlr. Hafer 14 bis 14 Thlr. Rauhfutter 1 Thlr. 274 Sgr. Erbsen 2 Thlr. bis 2 Thlr. 5 Sgr. Linsen 2 Thlr. 10 Sgr. Stand der Louisd'or à 5 Thlr. 154 Sar Druck und Expedition von F. L. Wagener in Lemgo.