Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Taxichen Postämtern vierteljährlich 11 1/4 Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr. Ne 4. Lemgo, 25. Januar 1857. Anzeigen werden berechnet: unter 5 Zeilen mit 2 Sgr. 6 Pf. von—10 Zeilen 5 Sgr. über 10 Zeilen jede Zeile 6 Pf. Cröstung. Vertilg' die Thränen im Gesicht, Sei froh und gräm dich länger nicht, Wie auch der Winter stürmt und schneit.— Der junge Frühling ist nicht weit! Da sprießt hervor unendlich Blühn, Da wird die Meie wieder grün, Die Blumen pflück' ich dir zum Strauß, Zwei Meien pflanzt man vor dein Haus; Bepflanzt mit Mein den Kirchensteg, Streut Blumen auf den Kirchenweg, Bekränzt mit Blumen den Altar, Da wird geweiht ein glücklich Paar. Und ist vorbei die Trauung dann, Bist du mein Weib, bin ich dein Mann! Drum Weinen laß und Traurigkeit: Der junge Frühling ist nicht weit. Julius Keßler. Mel: Hoch vom Dachstein u. s. w. Ven dem Rheinstrom an, wo die Rebe blüht, Bis zum Land, wo heiß die Sonne glüht; Reich von Gott verziert, wie ein schöner Park, Und wie eine Burg so fest und stark, Liegt ein kleines Land, Doch ein schönes Land, Eines biedern Volkes Vaterland; Dieses kleine Land, Dieses schöne Land, Ist mein liebes, theures Heimathland. Wo der Hirtenknab frohe Lieder singt, Auf der Alm die Herdenglocke klingt, Wo im Thalesgrund schmucke Häuser stehn, Auf den Matten fette Kühe gehn, Liegt ein kleines Land, Doch ein reiches Land, S' ist der treuen Liebe Vaterland; Dieses kleine Land, Dieses reiche Land, Ist mein liebes theures Heimathland, Wo der Gießbach rauscht aus der Gletscherkluft, Die Lawine stürzt zur Felsengruft, Wo die Gemse springt und der Sturwind saust, Im Gestein versteckt der Geier haust; Liegt ein kleines Land, Doch ein wildes Land, S' ist viel kühner Helden Vaterland; Dieses kleine Land, Dieses wilde Land, Ist mein liebes theures Heimathland. Krifft(Guropa schwer der, Mächtgen Vorn, Quillt lauf choher Alm oder Freiheit Born Unversiegbar fort in der Völker HHerz, Träufelt Balsam auf der„Helden Schmerz. Ja dies kleine Land, Ist mit Euch verwandt, Aller freien Männer Vaterland. Dieses kleine Land, Dieses freie Land, Ist mein liebes, theures Schweizerland. ob Industrie?*) Sie sollten jetzt nach A. kommen, wie hat sich der Ort verändert! Vor dreißig Jahren war es das armseligste Landstädtchen, das man sich denken konute, von Misthaufen und Hütten zusammengesetzt. Der Morgen Landes kostete damals kaum einen Thaler Miethe und das Vieh knaperte den langen, lieben Sommer hindurch auf der umherliegenden, großen Haide, um von der dürren Narbe sich kärglich zu nähren. Ja, man konnte in weiterer Entfernung ganze Aecker fast umsonst haben. Was aber noch schlimmer, war, so zogen die Einwohner ihre Kinder bisher nur für Fremde auf. Sobald ein Mädchen nur eben dienen konnte, begab es sich nach Auswärts, meist in eine große Stadt und die Söhne zogen auch in alle Welt, um sich ein Stück Geld zu verdienen und gewöhnlich nicht wieder zu kommen. Die nächste Folge aber davon war, daß das Städtchen immer auf demselben Flecke stehen blieb und daß die Einwohner desselben auch sozial nicht sehr vorwärts schritten, sondern mit Familieneifersüchteleien und persönlichen Anzüglichkeiten ihre Gesellschaften würzten, wie das in engen kleinen Verhältnissen oft nur aus langer Weile zu geschehen pflegt. Wie groß war aber nicht meine Verwunderung, als ich vor einem halben Jahre wieder dahin kam und in dem Städtchen eine Menge der schönsten Häuser und ganz neue Straßen gewahrte und als ich in dem Gasthause am Markse abtrat, dort eine große und lebendige Gesellschaft traf; welche 7) Wir erinnern an verwandte, Artikel im ersten Jahrzange der Sonntagspost, in zwelchen jedoch der Ackerbau als das sicherste, Fundament des„Staats, dergestellt wurde. D. R. 14 eine wirklich gebildete Unterhaltung über die Begebenheiten des Tages führte. Sie können sich denken, daß ich mich angelegentlich über die Ursachen erkundigte, welche diese mir ganz unerwartete, glückliche Veränderung zu Stande gebracht! Da sagte mir denn ein alter Jugendbekannter: Diese ganze glückliche Veränderung sei einzig und allein dem Umstande zuzuschreiben, daß sich durch den Verstand und Unternehmungsgeist einiger seiner Mitbürger Gewerbthätigkeit und Handel nach dem Städtchen gezogen und weil dieses lobenswerthe Beispiel mehrfache Nachahmung gefunden, allmälig eine großartige Industrie sich, eingestellt habe. Die natürliche Folge. davon sei gewesen, daß, während Wohlstand und Bildung aller Einwohner gewachsen, auch der bürgerliche Gemeingeist eniporgekommen und der alte Familienhaß mit seinen Parteigehässigkeiten geschwunden wäre. Darauf häbe sich jedoch nicht allein der glückliche Fortschritt in seiner Vaterstadt beschränkt. Auch der Landwirthschaft sei der industrielle Aufschwung derselben zu Gute gekommen. In den nächsten Umgebungen sei vieles Feldland in Gartenland verwandelt, der Ackersmann aufgemuntert, das Spannwerk verbessert und der Viehstapel vermehrt und veredelt worden. Der Morgen Landes, der in der städtischen Feldmark sonst nur 30 Rthlr. gekostet, werde jetzt mit 150 bis 180 Rthlr. bezahlt und die Stadt habe allein dadurch den Werth ihrer Grundgüter um das fünffache, ja sechsfache, vergrößert. Was endlich am meisten Anerkennung verdiene, so habe der Gemeinderath seine ganze Aufmerksamkeit auch auf innere Verbesserungen gerichtet, die Organisation des Armenwesens wesentlich verbessert, eine höchst zweckmäßig eingerichtete Fortbildungsschule angelegt, eine Bürger= oder Volksbibliothek gegründet, die Stollgebühren„der Kirchen= und Schuldiener fixirt, die Gründung einer Kleinkinderbewahranstalt und einer Armenkrankenpflege unterstützt und begünstigt, und Eintracht in die früher gespaltene Bürgerschaft hereingeführt. Mein Jugendbekannter wollte. mochufortfahren, als einenen gewonneuer Geschäftsfund dem Gespräche eine andere Wendung gab. Ich muß daher in meiner Schilderung abbrechen. Aber gewiß zweifeln sie nun nicht mehr an den wohlthätigen Wirkungen der Industrie! Und nicht wahr: Das nennen Sie doch einen Gemeinderath? Eine Anklage gegen Alexander v. 110##0##hit##d ein mmmel hon t notilaf Eine unerhörte Neuigkeit, eine Anklage gegen Alexander von Humboldt! Ja, ja, eine Anklage gegen Alexander von Humboldt! Und von wem? Von einem der Hauptorgane des katholischen Klerus in Oesterreich; von der wiener Kirchenzeitung. Dieselbe erinnert uns daran, daß wir auch von Bekennern des spezifischen Christenthums nach protestantischer Auffassung schon manchmal es dem großen unsterblichen Manne zum Vorwurf machen hörten, daß er sich auf dem Gebiete der Religion nie über gewisse, nebulose, pantheistische Vorstellungen erhoben habe.“ Nun wir wollen mit diesen Bekennern nicht streiten, sondern lieber gleich dem Wunsche Humboldts nachkommen, diese Anklage möglichst durch die Zeitungen zu verbreiten. Hören wir diese Anklage, welche unter dem Titel Seelenmörderei Alexander von Humboldt des Seelenmordes anklagt: nEs dürfte das in großem Umfange geradezu feelenmörderische Treiben der modernen Naturwissenschaften ganz dazu angethan sein, die Nothwendigkeit einer größeren Ausbildung einer wahren christlichen Philosophie nach den Bedürfnissen unserer Zeit sehr bald auch den blödesten Augen und den annoch widerwilligsten Geistern auf eine unwidersprechliche Weise sichtbar zu machen. Wohin das Alleingelten der formalen, begriffsbildenden Denkgesetze führt und führen wuß, dafür kann uns Alexander von Humboldt einen schlagenden Beweis liefern. Er schreibt zum Schlusse seiner Schilderungen über den Fang der Gymnoten(elektrischer Fische) in Südamerika:„Was unsichtbar die lebendige Waffe dieser Wasserbewohner ist, was, durch die Berührung feuchter und ungleichartiger Theile erweckt, in allen Organen der Thiere und Pflanzen umtreibt, was die weite Himmelsdecke donnernd entflammt, was Eisen an Eisen bindet und den stillen wiederkehrenden Gang der leitenden Nadel lenkt, alles, wie die Farbe des getheilten Lichtstrahls, fließt aus Einer Quelle, alles schmilzt in eine ewige allverbreitete Kraft zusammen.“(Ansichten der Natur, I. B. S. 34•)—Man darf und kann diese Prädizirung der Ewigkeit von der Einen, allwirksamen Naturkraft für keine leere Floskel halten, weil piele Stellen in den Werken Humboldt's beweisen, daß er in der Theologie über den Pantheismus nicht hinausgekommen ist, und daß er von einer Weltschöpfung im christlichen Sinne keine Abnung hat.n Doch darüber nun auch kein Wert weiter Correspondenzen. Lemgo. Der gegenwärtige Winter ist für das lippische Land ein wahrer Jubiläumswinter, Kaum ist vor Kurzem das Jubiläum des Amtsraths Mücke in Schieder in der würdigsten Weise festlich begangen worden und schon steben wir wieder an dem Vorabende einer andern Jubiläumsfeier, nämlich derjenigen unseres allgemein verehrten Regierungs=Präsidenten von Meien, welche, wie wir hören, am 27. d. M. und die folgenden Tage in der Residenz in der splendidesten Weise abgehalten werden wird. Um die Trilogie zu vollenden, schließt sich demnach diesem Dienstjubiläum dasjenigel des hiesigen Burgemeisters Petri an, welches jedoch nicht, swierwir, irrthümlich meldeten, auf den 7ten, sondern auf den 12ten Fehrgar fallen, und, wie wir hören, ebenfalls festlich begangen werden wird. dem Lippischen. In einer Correspondenz der vorletzten Sonntagspost„Aus dem Lippischen“ wird geklagt, daß das lippische Volk in seiner Mehrheit wenig Sinn für geistige Lectüre, sowohl durch belehrende Bücher, als Zeitschriften, habe. Es unterliegt dies keinem Zweifel. Fragt man nach dem Grunde, so ist bei einem dies, beim andern das. Hinsichtlich der Zeitschriften liegt aber sicher der Hauptgrund in dem Mangel eines passenden Organs. Um nur von dem größern Theile des Volks zu sprechen, so ist für diesen eine Zeitung wie die Kölneroder Weser=Zeitung zu groß. Es fehlt die Zeit um täglich zwei Ausgaben zu studiren.“ Sieht maninun auf unsere Sonntagspost, so leidet die grädelam Gegentheil. Eine Nummer wöchentlich genügt nicht für den, der in der Tagesgeschichte Bescheid wissen will. Man sieht sich also genöthigt, zu einem andern Blatte zu greifen und die Sonntagspost nur nebenbei zu halten, der spcciell lippeschen Angelegenheiten halber. Da aber diese gemeiniglich wenig Interesse darbirten, sodwill mancher für diese kein eigenes Blatt halten, und das wird ohne Zweifel der Grund sein, weshalb man die Sonntagspost nicht häufiger findet. Die Dorfzeitung entspricht schon insofern mehr dem Bedürfniß der Mehrzahl, als sie wöchentlich, doch viermal erscheintz Doch ist dies Blatt für Thüringen, und da die Bedürfnisse der Menschen nach Ort und sonstigen Verhältnissen verschieden sind, so ist auch dies kein Blatt für die Lipper.Aehnlich bei andern kleinen Organen. Daß die größern Zeitschriften# sich einer weit bedeutenderen Verbreitung erfreun, liegt daris, daß sie weniger den Character der Localität an sich tragen, und, auch das Fremde erschöpfender behandeln. Wo diese doher nicht gehalten werden, ist es nöthig, daß ein Organ erscheint, welches das Fernerliegende, weniger Wichtige verschweigt oder möglichst kurz, das Wichtigere aber dem allgemeinen Bedürfnisse gemäß behandelt. Ein solches Blatt fehlt uns hier.Dienwestfälische Zeitung dürfte in dieser Beziehungsvielleicht am ersten dem Bedürfnisse entsprechen. Doch ist auch dies kein„Blatt für die„Mehrzahl des Volks. Demjenigen, dem sein Brödstudium Hauptstudium ist und sein muß, demjenigen, der neben diesen noch einige Stunden zur Lectüre anwendet, aber nicht äuf eine Zeitschrift beschränkt sein will, dem ist sie zu groß, viekleicht auch zu theuer. Zur Motivirung dieses brauche ich vurzunsagen daß man gar häufig auf die Frage: was sagen die Zeitungen? als Antwort erhält: Nichts Wichtiges. Weshalb denn mit Lesen unwichtiger Sachen die Zeit verbringen? Ein Blatt, das etwaltäglich einmal in Größe der jetzigen Sonntagspost erschiene, die Tagesgeschichte specialisirter unf frischer, alshletztert#brächte, dabei#der lippischen Angelegenheiten insbesondere nicht vergäße, bisweilen Leitartikel und andere belehrende und unterhaltende Aufsitze, Erntz= und Handelsberichte 15 lieferte,— das wäre ein Blatt für die Mehrzahl des Volks, für Kaufleute, für Lehrer, für Oeconomen und Handwerker, welches sicher=mehr Lesen fände,#als unsere Sonntagspost. Und erschiene es auch nur dreizu viermal wöchentlich, so wäre damit, was Lectüre betrifft, schon viel gewonnen. Das Bedürfniß eines solchen Blattes ist allgemein. Darum die Frage;„Könnte wohl die Sonntagspost nicht auch Alltags fahren?" Allerdings würde dadurch der Preis versiebenfacht. Das wäre jedoch erst ein Drittel des Preises der westfälischen Zeitung und würde für ein gutes Blatt gern ausgegeben. Biick ur sttzaltenePh.gnmmeeigngnst: Weltbesebenheiten. Berlin. Das dem preußischen Landtage, vorliegende Antisklavereigesetz ist auf den speziellen Betrieb, A. p. Humboldts vom Justizminister eingebracht worden. Der Ministerpräsident von Manteuffel hat nun dem Hause der Abgeordneten mitgetheilt, daß die neuenbure ger, Angelegenheit auf dem friedlichen Wege der Konferenzen zum Austrag kommen werde. Bei einer Berathung des Hauses der Abgeordneten über eine Petition des bekannten Demokraten Wander in Schlesien ließ sich auch der Graf Pfeil glorreichen Andenkens vernehmen und erregte durch seine wunderlichen Aeußerungen die Heiterkeit des ganzen Hauses. Er behauptete auch, daß die Regierung gegen Wander vielleicht ohne das Gesetz und gegen das Gesetz, aber doch recht gehandelt habe! Hannover. Die Wahlen in die allgemeine Ständeversammlung sind nicht zu Gunsten der liberalen Partei ausgefallen, welche gegen die ministeriellen Abgeordneten in bedeltender Minverheit geblieben ist. Doch haben die Häuptstadt und Osnabrück oppositionell gewählt. Das letztere Stüve. Marburg. Auf Befehl. des Ministeriums des Innern ist die Schließung des Lokals des Casinos wieder aufgehoben und Hassenpflug bseibt ebenfalls ausgeschlossen. Baiern. Die Versammlungen deutscher Regierungsbevollmächtigter zur Berathung eines Allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuchs haben in Nürnberg begonnen. Der König Maximilian soll mitt den Maßnahmen seines protestantischen Oberkonsistoriums sehr unzufrieden sein. Oesterreich. Der Kaiser und die Kaiserin sind auf ihrer Rundreise in der Lömbardei unter großen Enthusiasmus der Bevölkerung in Venedig und in Mailand eingezogen. Die wiederholten, früher von uns exwähnten-Amnestiegkte haben den günstigsten Eindrack auf die Italiener gemacht.— In Wien haben sich die Jesciten wieder in den Besitz der Universitätskirche, gesetztz uuta darill zu ,predigen. „Schlbeiz. Die Neuenburger Gefangenen sind frei gelassen-worden. KarlVogt hielt im Ständerath eine-heftige Rede dagegen. Paris, An die Stelle des ermordeten, Herrnev. SiEd#ur ist der„Bischof, von„Amens, de Salin#s, gerückt. Das-Aufschubsgesuch des Mörders Berger wär vom Kassatienshofe verworfen werden,„Auf dessen Prozeß, war man im Publikum sehr gespannk. Bergex hatte namlich, die Absicht ausgesprochen, Vieles über, das Betragen der Geistlichkeit und die Sitten der Ptiester von Paris zu enthüllen! Wirklich gab es bei der Verhandlung amten viel Skandal. Der Angeklagte war in größter Aufregung. Er beleidigte die Geistlichkeit und den Gerichtshof gröblich und mußte abgeführt werdeng Die Geschwornen sprachen ihr Schuldig aus und Berger wurde zum Tode verurtheiltz, Er hat an, ven Kassationshöff sich gewandt. Neapel. Der Urheber des Aufstandsbersuchs in Sizilien Baron Bentiwenza, ist mit 7 Theilnehmern erschossen worden. Die Feier des Geburtstags des Königs ist unterlassen, dagegen sind zwei Kaffe's von der Polizei umstellt u. 60 Personen, darin als mazzinistische Parteigänßer verhaftet worden. Unter der Bevölkerung herrscht große Aufregung. Der Fevertrieh zuschen Reapek und den Westmächten hak noch zu keinen wirklichen Demonstrationen geführt Die Flotten sindfnoch nicht ausgelaufen. Rußland. Nach Berichten aus London soll die russische Regierung dem Kaiser von China Hilfstruppen zur Unterdrückung der Rebellen angeboten und als Preis dafür sich einen Theil der großen Tatarei ausbedungen haben. So wenig glaubhaft diese Nachricht auch klingt, so gewiß bleibt es doch, daß Rußland sich mit aller Kraft in Asien' immer weiter auszubreiten sucht. Wir vermögen ihm dazu nur Glück zu wünschen." Denn die Eroberungen Rußlands in Asien haben zugleich ein allgemeines Interesse für die Kultur! Der unermüdlich thätige und dem Fortschritt huldigende Großfürst Konstantin ist auf seiner Reise nach Paris in Hannever angekommen. Seine Gemahlin ist bekanntlich eine Schwester der Königin von Hannöver. Newhork.,(„Die Zahlider im. J. 1856/g in Newpark angekemnienen Auswanderer betrus 141,915. China. Mit den Söhnen des himmlischen Reichs, die ganz des Teufels gegen die rothhaarigen Barbaren geworden, haben es nun auch außer den Engländern die Nordamerikaner zu thun bekommen. Ueber Handwerkergssogiationen und„Damit verbundene Creditvereine. In der vorigen Nro. versprachen wir in einer Correspondenz aus Lemgo den Lesern d. Bl. diesgroßenVorzüge der Handwerkerassoziationen auseinander zwe setzen, welche namentlich darin beruhen, daß mit denselben izugleich Ereditvereine, Verforgungskassen 2c. verbunden sind. Wir beriefen uns auf derartige Vereine in Delitsch und Eilenburg. Dieselrlassen wir für heute moch zurück und benutzen eine treffliche Abhandlung der„Germania“ über den Creditverein in Meüßen, dessen Wesen sich in dem Motto charakterisirt, welches auf allen Creditbüchern der Mitglieder desselben zu lesen ist:„Fleiß, Ordnungsliebe und Sparsamkeit erwecken Vertrauen und Vertrauen ist die Seele des Geschäft iam# Mm Mit der jüngsten stürmischen wirthschaftlichen Bewegung, welche der Hebung des Handels und der Industrie gelten sollte, aber##oft#mehr eine Ausbeutnug als eine Benutzung des Credites enthielt, sind bescheidenere Bestrebungen Händ in Hand gegangen, welche dem kleineren Gewerbstande die Wohlthaten des Credites zwar geräuschlos, aber wirksamernund nicht blos auf dem Papiere verschaffti haben. Wir rechnen dazun die„zahlreithen Handwerkercreditbanken. Es steht zu hoffen, daß mit Hilfe den fortschreiteuden Propaganda für diesenn Creditvereine bald keine Stadt in Deutschland eine solche Anstalt länger entbehren wird, wie sie z. B. bereits in Meißen besteht. Der Creditverein, zu Meißen=(einer Stadt von 9000 Einwohnern) zählte bei seiner Constituirung 126 Mitglieder, nuch Ablaufdes ersten Jahres aberoschon 2132— Er begann seine Thätigkeit mit Anfaug April 1855 und hat im Läufe des ersten Jahres in 303 verschiedenen Posten die Summa von 23,125 Thalern als Vorschüsse an seine Mitglieder aus der Vereinskasse gewährt. Es kommen mithin durchschnittlich 76½ Thaler auf je ein Darlehen. Die erhobenen Vorschüsse wurden in 144 Fällen nach Ablauf der statutengemäßen Verfallzeit von 3 Monaten prolongirt. Für jedes Darlehen(von 1 Thlr. an bis über 200 Thluh sind 5% Zinsen und ½ Procent Provision zu ent„ richten.„Nach dem Nechnungsabschlusse des ersten Geschäfts= jähres wurden nun auf die ausgeliehenen 23,125 im Ganzen 518 Thäler 34 Sgr. an Zinsen und Provisionen eingenommen. Damit hat der Verein, der die iym nöthigen Gelder meist zu 4% geborgt erhält, ein gutes Geschäft gemacht und nach Abzug des Verwaltungsaufwandes und der Zinsen, welche die Vereinskasse selbst zu zahlen hatfe, einen reinen Ueberschuß von 263 Thaler 20 Sgr. erzielt. Davon ist die Mühwaltung des Cassirers noch besonders vergütet, ferner jedem Mitgliede eine Dividende von 162½% %%8 3, S,#:., Thaler, als Antheil am Gesammtgewinn 16 gewährt und außerdem der Reservefond um mehr als 100 Thaler vermehrt worden. In den ersten 6 Monaten des zweiten Geschäftsjahres, vom 1. April bis 30. September 1856, sind ausgeliehen 10,275 Thaler(gegen 9504 Thaler in derselben Zeit des ersten Geschäftsjahres), ferner als Rückzahlungen 9708 Thlr. eingegangen(gegen 4350 Thaler im ersten Geschäftsjahre), der Mitglieder 246 gegen 213 vom 1. April a. c. Die mitgetheilten Resultate übertreffen fast alle bisher über solche Handwerkercreditvereine gemachten Erfahrungen; denn von den beiden Musterinstituten dieser Art hat Eilenburgim ersten Jahre bei 396 Mitgliedern nur 8801 Thlr. 29 Sgr. und erst nach Abschluß des vierten Jahres bei 714. Mitgliedern 25,661 Thaler 4 Sgr. 5 Pfennige an Vorschüssen ausgegeben, während Delitzsch im ersten Jahre bei 175 Mitgliedern 7,167 Thaler 10 Sgr. und im zweiten Jahre bei 210 Mitgliedern 12,039 Thlr. auslieh. Da der Meißner Creditverein nicht blos in Sachsen, sondern auch im übrigen Deutschland und selbst außerhalb der deutschen Grenzen mit seinen Statuten Anklang und Nachahmung gefunden hat, so erscheint es gerechtfertigt, Einiges über seine Entstehung, Entwicklung und Einrichtung zu bemerken und dabei zugleich einige Einwürfe und Bedenken Schulze's, des verdienten Vorkämpfers für Handwerkerassociationen, zu beleuchten. 1. Entstehung und Charakter des Vereins. Die Begründung des Meißner Creditvereines ging von einem in dieser Stadt bestehenden Gewerbvereine aus, in dessen Mitte schon früher eine Creditkasse bestanden hatte mit dem Zwecke, ihr Geld zu billigen Zinsen oder ohne Zinsen an arme Handwerker auszuleihen. Diefe letztere Kasse, deren Fonds durch milde Beiträge aufgebracht worden war, hatte so klägliche Erfolge erzielt, daß die unterstützten Schuldner kaum das ihnen geliehene Kapital zurückzahlten, geschweige denn Zinsen gaben. Bei den Verhandlungen zur Begründung einer neuen Vorschußkasse ergab sich so recht, wie wenig der Handwerkerstand selbst auf solche Creditin= stitute giebt, die auf das Princip der Mildthätigkeit gestützt sind. Das eigene Urtheil dieser Leute lautete dahin, daß sie kein Almosen haben wollten. Damit war für das Unternehmen eine gesunde Grundlage gewonnen. Man war darüber einverstanden, auf Grund freier Vereinigung nach dem Principe gegenseitiger Selbsthilfe sich die Beschaffung von Kapitalien durch den gemeinschaftlichen Credit erleichtern zu wollen. Die neue Vorschußkasse wurde eine ceremonielle Anstalt, welche sich durch sich selbst erhalten, selbst ihre Kosten einbringen und deshalb den Credit an ihre Mitglieder nicht unentgeldlich, sondern gegen angemessene Zinsen gewähren mußte. (Wird fortgesetzt.) Briefkasten. Der Wanderer auf d. S. B. in der nächsten Nummer! — Der Flecken Pastor kann nicht passiren!— Aus Schieder nächstens! Für die Redaktion: Dr. Leizmann. Am Sonntag, den 25. d. M. Concert des hiesigen Singvereins auf dem Ballhaussaale zum Besten der Kinderbewahranstalt. Infang präcis 7 Uhr.— Hillet 10 Ssr. Lemgo, den 22. Jän. 1857. Der Vorstand. Tebensversicherungs-Gesellschaft zu Peipzig errichtet 1831. Dividende=Erhöhung, im Jahre 1857 auf 21 pOt. Durch Rückgabe dieses Theiles des entbehrlichen Ueberschusses, genießen die betreffenden Versicherten wiederum eine nicht unerhebliche Erleichterung bei ihrer nächsten Prsmienzahlung. Am so mehr sollten alle Diejenigen der Anstalt beitreten, welche ihren Familien vereinst ein, ihren Verhältnissen entsprechendes, Kapital zu hinterlassen wünschen, was nicht allein dem Wohlhabenderen sondern auch dem Aermeren möglich wird, da die Gesellschaft Summen von 100 bis 10,000 Thaler versichert. Nähere Auskunft, Statuten und Antragsformulare unentgeldlich bei den Gefellschafts=Agenten B. Cottmann in Lemgo. Anzeige von Gemüses, Felds, Gras=, Blumen=, Oeco uduice; und Wald=Saamen, Pflanzen und Knollen. Der Unterzeichnete erlaubt sich hierdurch darauf aufmerksam zu machen, daß sein neues sehr reichhaltiges Verzeichniß für 1857 über obige Artikel erschienen auf frankirtes Verlangen bei Herrn Carl Petri in Leingo, der auch Aufträge für mich entgegen nimmt, zu haben ist. Die Preise sind für vorzügliche, zuverlässig, ächte keimfähige Saat möglichst billig gestellt.„Alle Aufträge werden, wie seit vielen Jahren, prompt und reell zur Zufriedenheit der Herrn Antragsteller ausgeführt. Erfurt im Januar 1857. Ernst Benary. Saamenhandlung, Kunst= und Handeksgärtnet. In Bezug auf vorstehende Annonce bin ich gern zur Zusendung des Verzeichnisses bereit und halte mich zur Entgegennahme von Aufträgen bestens empfohlen. Lemgo, 7. Januar 1857. Carl Petri. Frucht=Preise. Weitzen, 2 Thlr. 5 Sgr. bis 2 Thlr. 10 Sgr. Roggen 1 Thlr. 15 Sgr. bis 1 Thlr. 224 Sgr. Gerste 1 Thlr. 124 Sgr. bis 1 Thlr. 174 Sgr. Hafer 25 Sgr. bis 1 Thlr. Rauhfutter 1 Thlr. 15 Sgr. Erbsen 2 Thl. Linsen 2 Thl. Bohnen 2 Thl. 24 Sgr. Stand der Louisd'or à 5 Thlr. 16 Sgr. Unsern gegen Brustschmerzen, langjährige Heiserkeit, Halsbeschwerden, Verschleimung und Blutspeien, approbirt von dem Medizinalrath Herrn Dr. Magnus, bereits in ganz Deutschland rühmlichst bekannt, bitten wir nicht mit den vielen Nachahmungen zu verwechseln und sich lediglich an unsere Depositaire zu halten. i.#. Im Fürstenthum Lippe nur allein ächt pr. ¼ Flasche 2 aP, pr. ½ Flasche 1 38 bei Herrn Louis Pustkuchen in Detmold. Wilhelm Mayer in Breslau. Druck und Expedition„von F. L. Wagener in Lemgo