Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Taxichen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr. M 49. Lemgo, 30. November 1856. Anzeigen werden berechnet: unter 5 Zeilen mit 2 Sgr. 6 Pf. von—10 Zeilen 5 Sgr. über 10 Zeilen jede Zeile 6 Pf. Der Reisende. Ein sanfter Schleier deckte Thal und Hügel, Der Mond stand still im blauen Aetherkreis Und blickte sanft hernieder in dem Meeresspiegel. Die Vöglein zwitscherten im Haine leis. Und sieh es schreitet lang am Wanderstabe Ein holder Jüngling still der Heimath zu. „Ach, lang' entbehrte ich schon jedes Labe, Ach, lang' entbehrt' ich schon der süßen Ruh. „Das holde Dörschen liegt vor meinen Blicken, Das mir das Liebste, was ich hab', verschließt. Ach seh' ich sie, das Herz bebt vor Entzücken, Durch sie nur wird das Leben mir verfäßt.“ Und horch! es tönet still ein Glöcklein nieder Vom hohen Thurm, still auf die Flur herab, Und von dem Kirchhof hallen Todtenlieder, Wie wenn gesenkt ein Todter wird in's Grab. Des Jünglings Herz ergreift ein tiefes Grauen, Er geht erschüttert still den Lauten nach,— Und— der Geliebten Grab muß er hier schauen, Er sieht's— aus seiner Brust dringt leis ein tiefes„Ach!“ Aus der Mappe eines Ungenannten. Rückkehr. Durch die Stoppel, o wie streicht der Wind so kalt! Könnt' ich wiedersehn mein liebes Kind dich bald! O schon seh ich, seh ich Liebchens Fenster dort,— O nun geh ich, geh ich immerfort! Lang genug war ich in weiter, weiter Welt! Hab gefühlt, wie schwer das Scheiden, Scheiden fällt, Ach, ein Jahr, ein Jahr war eine lange Zeit, Schien mir gar, mir gar'ne Ewigkeit. Und da öffnet langsam sich das Thor vom Haus, Einen Sarg trägt da der schwarze Chor heraus, Ach ein Jahr, ein Jahr war eine lange Zeit— Lebe wohl, mein Schatz, in Ewigkeit. Julius Keßler. Evangelismus und Katholizismus. Die katholische Kirche entwickelt gegenwärtig eine ungeheuere Thätigkeit, die sie wesentlich aus dem Scheine des paritätischen Stilllebens wieder heraustreibt, welcher sie in der Periode der um sich greifenden Toleranz gleich einer neuen Glorie bedeckt hatte. Dies geschieht in einer Zeit, in welcher sich von gewissen Seiten her immer entschiedener die Ansicht geltend zu machen sucht, daß der europäische Staat überhaupt ein spezifisch christlicher Staat sei. Daran knüpft sich nun nothwendig die Frage: Wenn der Staat wirklich in Europa ein spezifisch christlicher ist, soll er dies im Sinne des Evangelismus oder Katholizismus sein? Der Rundschauer der Kreuzzeitung hat bei mehrfachen Gelegenheiten wenigstens den preußischen Staat zu einem evangelischen Staate gemacht. Dagegen haben sich mehrfach katholische Stimmen erhoben. Sie fordern vollständige Parität.— Dies gewiß mit gutem Rechte, nicht allein in Preußen, sondern auch in jedem andern deutschen Staate. Allein der Herstellung dieser Parität treten auch wieder, wie es scheint, unbesiegbare Hindernisse entgegen, deren Beseitigung außerhalb der Machtbefugnisse des Staats liegt. Zunächst ist nämlich der Umstand in Betracht zu ziehen, daß die evangelische Kirche keineswegs eine so unabhängige Basis hat, wie die katholische. Sie ist abhängig vom Landesherrn, und da dieser doch nicht als eine isolirte Person, sondern als innig verschmolzen mit dem gesammten Staatsleben betrachtet werden muß, abhängig vom Staate. Wäre also im Staatsleben eine vollständige Parität festgestellt, so käme dadurch die evangelische Kirche von selbst in eine nachtheiligere Lage als die katholische. Dem könnte nur dadurch abgeholfen werden, daß die evangelische Kirche eine gleich selbständige Verfassung gewänne, wie die katholische. Bekanntlich sind aber alle Versuche, die dazu gemacht worden sind, bisher gescheitert. Ein zweiter Umstand ist folgender. Eine wirkliche Anerkennung der einen Kirche durch die andere streitet gegen die Natur der Sache. Die katholische Kirche hält sich für die allein orthodoxe und darf daher keine andere Kirche neben sich anerkennen. Der katholische Staat kann also gegen die Andersgläubigen nur Duldung üben. Auf der andern Seite wäre die evangelische Kirche zwar fähig, andere Kirchen neben sich gelten zu lassen, sie ist aber nicht fähig, den Anspruch irgend einer anderen Kirche hinzunehmen, daß sie die allein rechtgläubige sei; oder sie müßte sich selbst verläugnen. Unter diesen Umständen scheint gegenwärtig dem europäischen Staate in der That nichts übrig zu bleiben, als definitiv zu wählen, ob er evangelisch oder katholisch sein wolle, ohne daß jedoch die Parität, wie sie schon im westfälischen Religionsfrieden ausgesprochen wurde, dadurch beeinträchtigt zu werden braucht. Die Hauptsache dabei bleibt immer die historische Lebenspraxis, die sich in einem Staate entwickelt hat. So ist Preußen, ungeachtet ¾, seiner Bevölkerung katholisch ist, doch wohl ein evangelischer Staat; Sachsen, obgleich die Dynasie dort katholisch ist, gehört ebenfalls dem Evangelismus an, während dagegen Baiern trotz seiner großen Zahl Protestanten doch zu den katholischen Staaten gerechnet werden muß. Unter diesen Umständen sollte man doch auf keiner Seite zu sehr an der Toleranz schütteln. 194 Ein Muster über alle Muster. Am„Schulblatt für Brandenburgn arbeitet ein Direktor Georgi aus Düsseldorf mit, um das„Wahre Wesen der Erziehung der Welt klar zu machen.“ Den Beruf hierzu weist Herr Georgi dadurch nach, daß er bereits 34 Jahre Erzieher ist und hierbei die Nothwendigkeit erkannt hat, ndaß der heilige Geist vorerst in das Herz des Erziehers seine Liebe ausgegossenn haben müsse.— Also ausgerüstet, erklärt nun Herr Georgi als die nothwendige Aufgabe unserer Zeit: die Erziehung zum blinden Gehorsam. Hören wir seine eigenen Worte: „Der Familie wie der Schule gilt es, durch. Erziehung den Gehorsam der Kinder anzubahnen und zu üben. Es würde vorzugsweise die Aufgabe der Schule sein, den sehenden oder freien Gehorsam fertig zu bringen, den Gehorsam aus erkannten Beweggründen, wobei sie aber die Klippe zu beobachten hätte, daß dieser sehende, reflektirende Gehorsam oft kein Gehorsam ist. Dieser ist nämlich ein Sichfügen in den Willen eines Andern, sich dem unterordnen und in dieser Selbstverleugnung ihn ausführen. Gehorcht aber der Mensch, weil er erkannt hat: so sollst, so mußt du handeln! dann thut er nicht eines Andern, sondern seinen Willen. Soll aber dieser sehende Gehorsam wirklich Gehorsam sein und immer mehr werden, so muß dabei unablässig und im tiefsten Grunde auf das Ersäufen und Ertödten des alten Menschen hingearbeitet werden.— Indem sein Wille Gottes Wille ist und umgekehrt(?), wird der Mensch frei und sein Gehorsam ist ein freier. Das hat die Zeit der Aufklärung verderbt und trotz aller Erziehung zum Gehorsam keinen Gehorsam zu Stande gebracht. Daraus erklären sich die betrübenden Erscheinungen der Jahre 1848 u. f. in den dabei betheiligt gewesenen, natürlich=edelsten Menschen. So ist man allmälig zu unsrer Zeit der Zuchtlosigkeit gekommen. Dieser Umstand drängt auf die vorherrschende Aufgabe unserer Zeit: zum blinden, unbedingten Gehorsam zu erziehen. Darauf sollte in der Erziehung unsrer Tage der Nachdruck liegen, also, daß die Erziehung zum blinden Gehorsam aller Gebiete und aller Altersstufen vorstehende Aufgabe ist. Blinder Gehorsam! das ist die Hülfe unserer Zeit. Blinder Gehorsam! mein Vater, meine Mutter, mein Lehrer will's— das ist genug des Beweggrundes für mich. Blinder Gehorsam: mein Meister, mein Prinzipal will's. Blinder Gehorsam: mein Vorgesetzter will's. Blinder Gehorsam: die Obrigkeit, der Staat will's. Blinder Gehorsam: die Kirche will's. Blinder Gehorsam: es steht geschrieben. Blinder Gehorsam: das ist die Aufgabe in allen Lebensgebieten u. s. w. Man soll nicht darum gehorchen, weil man erkannt hat, daß es gut, daß es wahr ist, sondern weil's der gebietet, der zu befehlen hat. Abraham wird der Vater der Gläubigen genannt, weil er hoffte, wo nichts zu hoffen war. Und so könnte man ihn den Vater der Gehorsamen nennen, der es im blinden, unbedigten Gehorsam am weitesten gebracht hat. Credo quia absurdum.(Ich glaube das Unvernünftige, weil es unvernünftig ist). Der brillanteste Gehorsam ist der, welcher geleistet wird von dem, der, trotz seiner Erkenntniß der Unzweckmäßigkeit des Gebotes, diesem doch nachkommt.“—— Ein anderes Stück. Das es auch noch andere Geister als den des Herrn Georgi aus Düsseldorf giebt, der an extremen Behauptungen Alles übertrifft, was uns von der Art bis jetzt vorgekommen, werden unsere Leser aus Nro. 47 der Sonntapspost ersehen haben. Wir gaben dort den Inhalt der Antrittspredigt des gothaischen Oberkonsistorialraths und Hofpredigers Schwarz an, die bereits auch gedruckt worden ist. Aus dieser Predigt geben wir nun nachträglich noch eine ausführliche Stelle, wie sie in Nro. 225 der Dorfzeitung steht, jedoch abgekürzt: Nicht, daß wir Herren seien über Euren Glauben Was heißt das? Zuerst: Wir sind nicht die Mittler Eures Glaubens.— Der Glaube kommt aus der Predigt und die Predigt aus dem Evangelium, und das Evangelium ist die Offenbarung Gottes, welche durch die Welt geht von Anbeginn und jdie in Christo ihre heilbringende, die ganze Menschheit umfassende Erfüllung gefunden. Das Evangelium ist die frohe Kunde von der Kindschaft Gottes, von der Freiheit der Kinder Gottes, von dem Geiste Gottes, welcher die Welt von Innen her durchdringt und welcher ausgegossen ist über Alles Fleisch. Das ist das Neue des Christenthums, daß es nicht nur eine äußere Ueberlieferung ist, sondern die innerste Lebens=Erfahrung, nicht die Geheimweisheit eines Priesterstandes, sondern das kündlich große Geheimniß, welches offenbar geworden der ganzen Welt. Weil es so innerlich ist, deßhalb ist es so weit. Wir sind Alle priesterlichen Geschlechtes, wir sind Alle getauft, nicht mit Wasser allein, sondern mit Feuer und Geist. Das ist eine Grundwahrheit des Christenthums, daß der Geist nicht gebunden ist an Geburt oder Stand, daß er weht, swo ertzwill, eine Wahrheit, welche freilich Jahrhunderte lang verdunkelt worden durch Priester=Herrschsucht und Priester=Hochmuth, die aber durch die Reformation wieder an's Licht gezogen ist unter dem Titel des„Allgemeinen Priesterthums.“ Was heißt das? Daß der Mensch keines Mittlers bedarf als des Einzigen. Daß die gläubige Seele ihren Weg allein findet zu ihrem Gott und zu ihrer Seligkeit. Daß das Heil weder gegeben noch versagt werden kann durch zeinen Menschen, durch einen Priester, der mit den Schlüsselnin der Hand und dem Kirchenglauben im Munde drohend in die Mitte tritt zwischen das bedrängte Herz und seinen Erlöser.“ Correspondenzen. Detmold, den 27. Nor. 1856. Im gestrigen Abonnements=Concerte hatten wir Gelegenheit, vier Sätze des seit längerer Zeit nicht aufgeführten Beethoven'schen Septetts zu hören. Ueber den künstlerischen Werth dieses Werkes uns näher einzulassen, steht uns theils nicht zu, theils wäre es auch überflüssig, weil in jetziger Zeit Beethoven's Campositionen mit geringen Ausnahmen volles Verständniß finden und gerade das Septett von der Kritik zu den erhabensten Geistes=Produktionen unseres großen Meisters gezählt wird. Was den Vortrag betraf, so ließ derselbe im Allgemeinen, den übrigen Leistungen unserer Capelle angemessen, Nichts zu wünschen übrig. Klar und präcis traten die Feinheiten sowohl der Melodieen wie Harmonieen unter den Händen unserer Künstler hervor, und wurde die Stimme jedes Einzelnen mit der erforderlichen Diskretion geführt; unser braver Capellmeister hatte für sich, bescheiden wie er ist, die Bratsche gewählt, konnte aber selbst bei Behandlung dieses sonst ziemlich anspruchslosen Instrumentes seine Kunstfertigkeit nicht verläugnen. Möchte doch unser Wunsch, ähnliche classische Sachen, vor Allem einige der unübertrefflichen Quartette Beethovens und Spohrs, noch im Laufe dieses Winters zu hören, in Erfüllung gehen! Das Publikum würde es dem geehrten Direktor sicher mehr Dank wissen, als wenn er es mit neueren gehalt= und geschmacklosen Compositionen, wie Liszt's symphonischen Dichtungen bekannt macht. Wer wirft nach Anhörung derartiger Machwerke wohl nicht die Augen zum Himmel und fleht ihn an, daß eine solche Musik der Zukunft nicht die Zukunft der Musik sein möge.## Wr. Lemgo, den 26. Novbr. Die Nachrichten auswärtiger Blätter in Beziehung auf den an der hiesigen St. Marien=Gemeinde stehenden Pastor Kulemann haben sich doch wider Erwarten vollkommen bestätigt. Vermöge einer von der höchsten Kirchengewalt angeordneten Visitation soll nämlich, wie bestimmt versichert wird, über die Amtsthätigkeit des genannten Predigers und sein Verhältniß zu den Bekenntnißschriften das Nähere kirchenobrigkeitlich festgestellt werden. Mit der Vornahme dieser Visitation sind der diesseitige lutherische Cosistorialrath und zwei 195 auswärtige Geistliche Landesherrlich betraut worden. Dem Vernehmen nach wünscht jedoch die bei weitem größte Mehrheit der Gemeinde lebhaft, daß von dieser besonderen Visitation, die ohne Zweifel nicht blos im ganzen Lande, sonderen auch in weiteren Kreisen Aufsehen erregen würde, Umgang genommen werden möge, und bereitet eine in diesem Sinne gehaltene unterthänigste Bittschrift un Se. Durchlaucht, den regierenden Fürsten vor. Aus dem Westen des Lippischen Landes. Mein Nachbar zur Linken ist doch ein recht kurioser Kauz. Seine politischen Meinungen sind gar so übel nicht. Er schüttelt über jeden Rückschritt des spanischen Ministeriums den Kopf. Ja, er kann ordentlich warm werden, wenn er für die konstitutionelle Monarchie sicht. Er ist wirklich libera!! Allein seine kirchlichen Ansichten sind doch recht wunderlich. Zwar will ich es ihm nicht verargen, daß er gern eifrige Prediger hört. Ich theile darin seinen Geschmack. Auch muß ich ihm noch Necht geben, wenn er behauptet, zu einem christlichen Ehestande gehöre auch wirkliches Christenthum. Aber ich kann mich doch nicht mit ihm darüber freuen, daß im Saalthale einige geistliche Herren es wieder dahin gebracht haben, daß die Brautleute vor der Trauung die Hauptartikel des christlichen Glaubens auswendig hersagen müssen. Noch mehr nehme ich es ihm aber übel, daß er eine Geschichte von einem benachbarten Lande so gern erzählt, wo ein Prediger, dem man außer ein wenig Freisinnigkeit wohl nichts nachsagen konnte, darob von Andersgesinnten vielfach beunruhigt wurde. Den Grund seiner illiberalen kirchlichen Gesinnung aber kann ich auch nicht gelten lassen. Er behauptet nämlich; in kirchlichen Dingen müsse ein scharfes Commando walten, weil sonst Alles im Sektenwesen aufgehen würde, dem er todtfeind ist. Darum dürfe nur die Orthodoxie gelten.— Darüber kommen wir nun oft in Streit! Und seitdem ich ihm neulich in der Hitze die groben Worte sagte: Sie sind ja gerade so ein Dickkopf, wie———, thut er mir ganz böse! Abermals ein Beweis, daß das Parteiwesen in der Wurzel nicht tangt! Weltbegebenheiten. Berlin. Die neuenburger Frage befindet sich gegenwärtig in dem Stadium der Ausführung des Bundesbeschlusses vom 6. Nov. Nach Maßgabe dieses Beschlusses hat der Bundestag an diejenigen deutschen Bundesregierungen, welche diplomatische Vertreter bei der schweizerischen Eidgenossenschaft beglaubigt haben, das Ansuchen gestellt, durch die letzteren die Forderungen Preußens bevorworten und alle jenen Forderungen entsprechende Schritte unserer Regierung bei den eidgenössischen Behörden mit allem Nachdruck unterstützen zu lassen. Die bezeichneten diplomatischen Agenten haben nicht gesäumt, jenem Auftrage Folge zu leisten und die durch den preußischen Gesandten Herrn von Sydow dem Bundesrathe überreichte Note durch Vorstellungen zu unterstützen, durch welche für den Fall des Widerstrebens der schweizer Eidgenossenschaft gegen die von der Regierung als Vorbedingung der weiteren Verhandlung zur Lösung der neuenburger Angelegenheit beantragte Freilassung der Gefangenen ernstere Maßregeln gegen die Schweiz als unumgänglich bezeichnet sind. Wie die amtliche Zustammenstellung der im verflossenen Jahre 1855 zur Einholung der Allerhöchsten Bestätigung bei dem Justizminister vorgelegenen rechtkräftigen Todesurtheile ergiebt, belief sich die Zahl der letzteren im Ganzen auf 54(8 mehr gegen 1854). Davon wurden durch allerhöchste Entscheidung 39, und zwar 28 im Wege der Bestätigung, 11 im Wege der Gnade erledigt, während im Vorjahre bei nur 35 erledigten Urtheilen in 29 Fällen Bestätigung und nur in 6 Fällen Begnadigung eintrat. Was die übrigen 15 Urtheile des verflossenen Jahres betrifft, so kamen 12 erst im Jahre 1856 zur Erledigung, in 3 Fällen griff natürlicher oder gewaltsamer Tod des Verbrechers der Bestätigung vor. In 2 Fällen, wo eine Begnadigung eingetreten ist, sind die Inquisiten gänzlich auf freien Fuß gesetzt worden; in allen übrigen Fällen ist eine Umwandelung der Todesstrafe in lebenslängliches Zuchthaus erfolgt. — In der Rheinprovinz steht eine sehr durchgreifende Beschränkung der Schankwirthschaften in Bezug auf den Debit geistiger Getränke bevor. Eben so hört man, daß mit dem neuen Jahre die Anordnung in Kraft treten soll, wonach in öffentlichen Lokalen nur drei Mal im Jahre Tanzmusik gehalten werden darf. — Wie die nGer. Ztg.n berichtet, ist einem hiesigen Gasthofs=Besitzer(Kellner im Hotel de’Europa) eine bedeutende Erbschaft zugefallen. Dieselbe besteht in einem Kapital von 55,000 Thalern und einer bedeutenden Quantität Cigarren, deren Werth gleichfalls eine ansehnliche Summe ausmacht. Der Erblasser war ein seit langer Zeit kranker Kaufmann, dessen Leiden mit so erheblichen Inconvenienzen verbunden waren, daß sich bereits mehrere Gastwirthe veranlaßt gesehen hatten, ihm Wohnung und Pflege aufzusagen. Herr Kellner hatte Rücksicht für die bedauerliche Lage des Fremden gehabt und ihn sbis zu seinem Tode beherbergt. Zum Danke dafür setzte derselbe seinen Wirth in seinem letzten Willen als Erben ein. Der Testator soll keine näheren Verwandten gehabt haben. — Am Schlusse des Jahres 1855 betrug die Zahl sämmtlicher Armenschulkinder 25,529 und die der Kommune für den Unterricht derselben im Laufe des Jahres 1855 verursachten Kosten beliefen sich auf 155,751 Thlr. 1. Selten ist die Baulust in Berlin so groß gewesen wie in diesem Jahre. So werden noch gegenwärtig in einzelnen Stadtgegenden und vor den Thoren die Arbeiten bei den im Sommer begonnenen Bauten mit großer Energie fortgesetzt. Außerdem ist in den letzten Tagen noch der Grund zu mehreren Gebäuden gelegt worden, und wie man hört, sind die bei dem Bau beschäftigten Maurer und Zimmerleute angewiesen, die Arbeiten, wenn es nur im Geringsten die Witterung gestattet, den Winter hindurch fortzusetzen. Frankfurt. Die Bundesmilitärkommission hat sich Bezug auf den projektirten Brückenbau zwischen Kehl und Straßburg dahin ausgesprochen, daß ihrerseits gegen den Bau dieser Brücke keine Einwendungen zu machen seien. Wir werden demnach im Laufe der nächsten Jahre bei Köln, Koblenz, Mainz, Mannheim und Straßburg den Rhein mit festen Brücken bereichert sehen. Erfurt. Am 16. und 17. hat hier die Neuwahl der Stadtverordneten für die ausgeschiedenen Mitglieder stattgefunden. Von den zwölf neugewählten Mitgliedern gehören zehn der konservativen, die beiden andern der konstitutionellen Richtung an. Münster. Hier ist das Betzimmer für die Garnison bereits eingeweiht worden. München. Die„Ansprachen, welche das Oberkonsistorium vor einigen Tagen bezüglich der kirchlichen Zustände erlassen hat, erscheint nicht als genügend, die Gegner der von ihm eingeschlagenen Richtung zu beruhigen. Mit Protestationen wird fortgefahren, auch Landgemeinden schließen sich anz In einigen Orten ist es selbst zu thatsächlichen Demoustrationen gekommen. In Nürnberg ist es z. B. vorgekommen, daß, als die Liturgie begann, ein Theil der Anwesenden die Kirche verließ und erst zur Predigt wieder zurüchkehrte. Als ferner in einer augsburger Kirche die Litanei gesungen wurde, nahm außer den dazu bestellten Knaben auf der Orgel nicht Einer der Anwesenden an dem Gesange Theil. Am nächsten Sonntag unterblieb denn auch die Ceremonie. Der berühmte Gelehrte von Hammer=Purgstall ist in Wien gestorben. Schweiz. Aus Bern vom 18. wird geschrieben: Heute hat der preußische Gesandte, Herr von Sydow, dem Bundespräsidenten das Gesuch um Freilassung der gefangenen Royalisten in Neuenburg wiederholt, und ist solches von den anwesenden Vertretern Oestreichs, Baierns und Badens unterstützt worden. Der Bundespräsident soll sich auf seine frühere, vom Bundesrathe gebilligte Eröffnung berufen haben. Von einer Unterstützung anderer Diplomaten zu Gun 196 sten des preußischen Gesuchs verlautet noch nichts. Der russische Minister dürfte sich, so erwartet man, dem Schritte anschließen, während man von den Vertretern Frankreichs und Englands vielmehr eine neutrale Stellung gewärtigt. Der Bundesrath hat die Besetzungstruppen in Neuenburg um ein Bataillon und eine halbe Guidenkompagnie vermindert. Dänemark. In mehreren Blättern finden sich Gerüchte von einer Abdankung des Königs. Paris. Die Gerüchte von einer Nachgiebigkeit des Königs von Neapel schweigen wieder.— Man verhaftet noch immer verschiedene Personen, welche von verkleideten Polizisten festgenommen werden, die eine Prämie für jeden Plakat=Anschläger ausbezahlt bekommen.— Wie verlautet, ist eine Kommission hiesiger Hauseigenthümer zusammengetreten, um zu bewirken, daß vom 1. Januar ab die Miethen unter 500 Fr. um ein Drittel oder Viertel ermäßigt werden. London. Ein Korrespondent der„Times“ aus Philadelphia sucht die öffentliche Meinung Englands über die voraussichtliche Politik Buchanans zu beruhigen. Kuba werde zwar aller Wahrscheinlichkeit nach in den Schooß der Union fallen, aber dies müsse, wie bei der Einverleibung Louisianas, durch Kampf geschehen. Der künftige Präsident verspreche nicht nur einen höhern moralischen und politischen Standpunkt als Pierce einzunehmen, sondern dürfe überhaupt nicht nach dem Manifest von Ostende beurtheilt werden. Und er könne ja nicht alle seine Minister ausschließlich aus dem Süden wählen. Die-Timesn ist von diesem Schlummerlied wenig erbaut. Der Süden werde die Erwählung Buchanans mit vollem Rechte als einen großen und glänzenden Sieg betrachten, aber als einen Sieg, der leicht der letzte bleiben dürfte, wenn er nicht in den nächsten 4 Jahren nach Kräften ausgebeutet wird. Jetzt oder niemals gelte es, die Zahl der Sklavenstaaten durch die Aufnahme von Kansas und die Unterabtheilung von Texas zu vermehren, und neue Gebiete zur Stärkung der Sklaverei zu erobern. Auf Buchanans persönliche Vorliebe werde es dann weniger ankommen, da er nicht mehr blos treiben, sondern getrieben werden wird. In ihrer innern Politik werde daher die Union nicht nur bei der Politik von Pierce verharren, sondern dieselbe mit noch größerer Gewaltsamkeit auszuführen streben. In Bezug auf die auswärtige Politik der Vereinigten Staaten will sich die„Times“ gern einer hoffnungsvolleren Ansicht hingeben, denn eine Angriffspolitik, im Sinne des Manifestes von Ostende ausgeführt, bedeute Krieg mit dem Auslande, und einen solchen Krieg zu vermeiden, dazu habe der Süden so gut wie der Norden triftige Gründe. Uebrigens hatte Buchanan 160, Fremont 115 Stimmen. Die Kosten der Präsidentenwahl in Amerika werden auf 25,500,000 Dollar berechnet.— In Baltimore wurden am Wahltage 4 Personen erschossen, 14 tödtlich und 77 weniger gefährlich verwundet. So gehts in Amerika zu. Für die Redaktion: Dr. Leizmann. Brake bei Lemgo. Unterzeichneter ist Willens seine im Orte belegene Stätte Nr. 9 freiwillig unter der Hand zu verkaufen. Da das Hauptgebäude unmittelbar an der DetmoldLemgoer Chaussee liegt, so eignet sich dasselbe auch zum Hökerhandel und Wirthschaft. Darauf Reflektirende wollen sich baldigst bei mir melden. Heinrich Rübe. Schötmar. Hiermit bringe ich zur öfentlichen Kenntniß, daß ich fortwährend ein Steinkohlen=Lager halte und zwar nur von guter Qualität. Preise: einzelne Oberkirchener Balze, wiegend 94 bis 96 K 9 Sgr. in größeren Quantitäten 8½ C. Wolff. u dem bevorstehenden Winter empfehle ich allen Freunden von unterhaltenden und belehrenden Lektüren meine Sie wurde erst vor einigen Jahren neu etablirt und auch nachher mit dem Neuesten vervollständigt. Katalog und Nachträge sind zu 2 Sgr. zu haben. F. L. Wagener in Lemgo. Lemgo. Besonderer Umstände wegen soll ein neues Fortepiano billig verkauft werden. Wo? sagt die Expedition d. Bl. Auflösung des Buchstabenräthfels in Nr. 48 der„Sonntagspost“. Ja, Lemgo hat die Erde nur einmal. Wozu auch zweimal dieses Ding gebären?! Es macht Rumor genug, und öftermal Möcht auch dies eine sich zum f f f scheeren! Beim Lesen nehm ich L und e und dann Zeigt„Morgen“ mir zu Anfang schon das Dritte Und in dem Wörtchen„immer findet man Zum Ueberfluß dasselbe in der Mitte. Aus Golmit einem d gemacht Wird G und e und l mit einem d. Doch bracht es Lemgo nie viel Glück und Macht, Weil nie viel da war, was da lindert Weh. Zwar niemals konnt ich recht Viel von Latein, Doch übersetz ich„ichn getrost in ego. So wird es recht sein wol; doch sollt's nicht sein,— Verzeih' Freund! ich studirte nicht in Lemgo. L. St. Frucht=Preise. Lemgo, 29. November Bericht von M. Lenzberg Wwe. Weitzen, 2 Thlr. bis 2 Thlr. 10 Sgr. Roggen 1 Thlr. 10 Sgr. bis 1 Thlr. 174 Sgr. Gerste 1 Thlr. 10 Sgr. bis 1 Thlr. 15 Sgr. Hafer 25 Sgr. bis 1 Thlr. Rauhfutter 1 Thlr. 15 Sgr. bis 1 Rthlr. 20 Sgr. Erbsen 2 Thlr. Linsen 2 Thl. 10 Sgr. Oel pro 100 Pfund 18 Thlr. Stand der Louisd'or à 5 Thlr. 16 Sgr. Unsern gegen Brustschmerzen, langjährige Heiserkeit, Halsbeschwerden, Verschleimung und Blutspeien, approbirt von dem Medizinalrath Herrn Dr. Magnus, bereits in ganz Deutschland rühmlichst bekannt, bitten wir nicht mit den vielen Nachahmungen zu verwechseln und sich lediglich an unsere Depositaire zu halten. Im Fürstenthum Lippe nur allein ächt pr. ¼1 Flasche 2;8, pr. ½ Flasche 1## bei Herrn Louis Pustkuchen in Detmold. Wilhelm Mayer in Breslau. Druck und Expedition von F. L. Wagener in Lemgo