(Früher Sonntagspost) Organ der liberalen Volks= und Fortschrittspartei in Lippe. Erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends mit Zugabe des„Illustrirt. Sonntagsblatt“ Kostet bei den Reichs=Postanstalten, in der Epedition und bei unsern Colporteuren Detmold, Lage u. Blomberg 1 M. 10 Pf. S18 Se. Lemgo, Sonnabend, 2. April 1881. Anzeigen werden mit 10 Pf. die 4gesp. Zeile berechnet Für das Blatt bestimmte Anzeigen werden außer in der Expedition in Lemgo auch von den bekannten Colporteuren in Detmold, Lage und Blomberg entgegengenommen. Rußlands Werden und Wollen. Nach dem Osten unseres Erdtheiles sind zur Zeit Aller Blicke gerichtet, nicht etwa weil sie dort normalern Zuständen begegnen, sondern aus dem entgegengesetzten Grunde. Man fragt sich, was dort nun nach dem schrecklichen Attentate, dem der Kaiser Alexander II. zum Opfer fiel, sich weiter ereignen werde. Die dortigen Verhältnisse sind aber so sehr von den Zuständen in Deutschland verschieden, daß es sich wohl der Mühe lohnt, hier auf dieselben, wenn auch in der Kürze, näher einzugehen, zumal in Deutschland sich Manche noch immer nicht losmachen können von einem Scheinbilde russischer Macht und wieder Andere meinen, das Czarenreich sei gänzlich von revolutionären Strömungen zerrissen und unterwühlt. Für beide Ansichten ist kein ausreichender Grund vorhanden. Wohl aber erscheint es mehr und mehr als Nothwendigkeit, daß wir uns über die russische Entwickelung im Innern, die socialen Grundlagen, über russische Politik, sowie über ihre Mittel und Streitkräfte klarer werden. Zu diesem Zwecke, zur Erkennung der russischen Eigenthümlichkeiten erscheint sehr zur Zeit jetzt ein Werk des bekannten Reisenden, Franz v. Löhr, welches lange vor der grausigen Katastrophe des 13. März verfaßt, gleichwohl für diesen Augenblick geschrieben zu sein scheint, wo die Frage: was nun? an den Herrscher der Russen, wie an alle europäischen Culturstaaten mahnend herantritt. Der Verfasser durchstreifte behufs eingehender Studien das weite russische Reich und hat seine an Ort und Stelle gesammelten Erfahrungen in gründlicher und überraschend klarer Darstellung in diesem Werke veröffentlicht. Wir begnügen uns für heute, Einiges darüber mitzutheilen, was Franz v. Löher über die jetzt so ungestüm verlangte constitutionelle Freiheit in Rußland sagt. Die Einführung dieser constitutionellen Freiheit erregt bei dem Verfasser ziemlich ernstliche Bedenken. Würden die Mittel, so spricht er sich aus, um das Volk zu einem edleren Dasein umzubilden, kräftig und andauernd angewendet, so würde ihr Erfolg zwar erst nach und nach sichtbar werden, er wäre jedoch unausbleiblich. Die Russen selbst aber hoffen ungleich mehr von Reformen der Staatsverfassung. Diese bedeuten in Rußland wenig für den großen Zweck, denn sie kommen nur dem geringen Bruchtheil zu Gute, der sich zu den Gebildeteren rechnet. Da ist nun der erste Gedanke eine constitutionelle Ueber das Petersburger Attentat werden der„Badischen Landeszeitung“ noch folgende Einzelheiten geschrieben: Es ist richtig, daß die Polizei einer neuen Veischwörung auf der Spur war; die eigentlichen Urheber derselben befanden sich aber im Auslande, in Genf und Paris, und es war noch der Drahtberichtwechsel mit den dortigen russischen Agenten im Gange, als die Katastrophe eintrat. In Genf hatte ein junger Pole, ohne Zweifel ein Nihilist, vor seiner Abreise nach Paris eine Andeutung von kommenden Dingen fallen lassen, welche alle Throne ins Wackeln bringen würden, es war auch ein Name genannt worden, den der betreffende Agent, ein ehemaliger Geheimpolizist in St. Petersburg, sich Verfassung. Allein es giebt eine kleine aber mächtige Partei unter den höchsten Würdenträgern, die Furcht und Entsetzen hegt vor parlamentarischem Leben und Treiben in Rußland. Die Altconservativen weisen darauf hin, wie der großen Volksmasse diese Angelegenheit völlig gleichgültig sei und betonen den oft bewährten Grundsatz, daß ein Staat nur durch das erhalten wird, wodurch er geschaffen ist. Von dem Tage an, wo die Keiserliche Vollgewalt geschwächt wird, so prophezeien die Altconservativen, ist auch das Neich geschwächt und gelockert, es fängt zu sinken an, und wer weiß, ob es dem kommenden inneren und äußeren Sturm zu wirerstehen mag. Trotzdem betont der Verfasser die Nothwendigkeit der Einführung einer constitutionellen Verfassung. Denn— es bleibt keine Wahl mehr; auch das russische Reich treibt einer politischen Entwickelung zu im modernen europäischen Sinn und Geiste. Es sieht sich allerdings so an, als könnte ein Parlament mit seinen Folgen für Rußland eine Kur auf Leben und Tod sein. Doch das ist nur Möglichkeit— gewiß aber ist, daß ohne dieses Heilmittel im Volksleben eine langsam schleichende aber unaufhaltsame Vergiftung vor sich geht. Muß aber der constitutionelle Trank geboten werden, so ist es sicher klüger, gleich den vollen Becher hinzustellen, also ganz nach der Art europäischer Länder Ober= und Unterhaus zu schaffen, mit dem Rechte der Steuerbewilligung und der Zustimmung zu den Gesetzen, daneben aber die Presse freizugeben. Nur dann ist zu hoffen, daß die Unruhe und ärgerliche Aufregung sich legt: tropfenweise verabreicht, könnte der Trank bei Gebern wie Nehmern wie verzehrendes Feuer wirken. Um die Zustände und Aussichten Rußlands zu bezeichnen, setzt der Verfasser seinen Studien das Sprüchwort an die Spitze:„Von einem Ufer abgefahren— am andern nicht gelandet.“ Wird es jemals landen? Niemals, wenn seine jetzige Besatzung nicht gründlich verbessert, wenn Wind und Segel nicht anders genommen werden. So lange Rußlands Volk und Regiment bleibt wie es ist, treibt das Fahrzeug noch lange ruhelos auf den Fluthen, oder— es zerbricht. Politische Uebersicht. — Als die Nachricht von dem Attentate, dessen Opfer Kaiser Alexander II von Rußland wurde, sich mit Blitzesschnelle in Deutschland verbreitete, da sprach man von verschiedenen Seiten erinnerte, schon gehört zu haben und sofort telegraphirte er nach der Residenz, wo man den Betreffenden, einen Institutslehrer, auch bald fand, jedoch ohne etwas weiteres zu entdecken, als ein chiffrirtes Verzeichniß, das auf dem Polizeidepot nur zum kleinsten Theile enträthselt werden konnte. Die Folge waren vier Verhaftungen in Kronstadt, wo der eine der Vier in cynischer Weise spottend versicherte, diesmal dürfe man den„Despoten“ mit einem ganzen Regiment Kosaken umgeben, es helfe doch nichts; er werde seinem Urtheil nicht mehr entgehen. Die Polizei befand sich Tag und Nacht in entsetzlicher Aufregung, kein Brief verließ uneröffnet die Residenz, kein Drahtbericht und war er noch so unverfänglich, ging ab, die Streifdie Befürchtung aus, daß nun auch in den freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem deutschen und dem russischen Hofe eine Wendung eintreten werde. Die weiteren Nachrich= ten bestätigten diese Befürchtung jedoch glücklicher Weise nicht, und als unser Kaiser an seinem Geburstage den telegraphischen Glückwunsch Alexanders III. gelesen hatte, gab Se. Majestät seiner Freude Ausdruck in den Worten:„Vom neuen Kaiser die alte Treue und Freundschaft— das thut wohl!“ Die Aeußerung der freudigen Empfindung des greisen, von tiefem Schmerze gebeugten Monarchen hallte in ganz Deutschland wieder. Die Sorgen um die äußeren Verwickelungen des Vaterlandes gaben friedensverheißenden Hoffnungen Raum. Gleiche Bürgschaft für die Befestigung des Friedens enthält auch die Ansprache unseres Kronprinzen an eine Deputation der Deutschen in Moskau, die derselbe in Petersburg empfing. Er sagte zu derselben:„Ich hätte freilich gewünscht, daß die Veranlassung Meiner Reise eine fröhlichere gewesen wäre, als die, dem armen Kaiser die letzte Ehre zu erweisen. Sie können sich wohl denken, welchen Eindruck das Verbrechen auf Meinen Vaier und Mich hervorgerufen hat. Aber ich gestehe, es war Mir sehr lieb, daß Mein Vater Mich hierher schickte. Ich habe persönlich stets die intimsten Beziehungen zu dem jetzigen Kaiser unterhalten. Nun aber können Sie Ihren Landsleuten in Moskau sagen, daß die alten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten Traditionen geworden sind und fernerhin fortbestehen werden und daß die Freundschaft der heutigen Generation ebenso dauerhaft sein wird, wie die der alten. Und diese Freundschaft ist nicht nur für die beiden Nachbarstaaten, sondern für den Frieden von ganz Europa wichtig.“ — Nachdem der deutsche Kronprinz bereits am vorigen Montag, den 28. v. M. Nachmittags 4 Uhr mittelst Extrazug die Rückreise nach Berlin angetreten hatte, reisten die übrigen hohen Herrschaften am 30. v. M. von Petersburg ab, unter ihnen der Prinz Arnulf von Bayern Prinz Alexander von Hessen, der Großherzog von Sachsen=Weimar, Prinz Heinrich Battenberg, der Landgraf von Hessen=Kassel mit seinem Sohne und der Fürst von Bulgarien. Die Großfürsten Wladimir, Alexis, Nicolaus, Konstantin und Michael begleiteten die Herrschaften zum Bahnhofe. — Nach einer Mittheilung der„Berliner Post“ soll die deutsche Kronprinzessin am Towachen durchzogen Stadt und Umgegend in allen Richtungen, Loris=Melikoff erfand allerlei Vorwände, um den Zaren am Ausfahren zu hindern ohne daß er merke, was vorliege. Trotzdem war durch die Post des Palastes die Todesdrohung ins kaiserliche Kabinet befördert worden und unterliegt es keinem Zweifel, daß unter den Beamten selbst einer ist, der die betreffende Schrift erst innethalb des Gebäudes den einlaufenden Briefen beigefügt hat. Es war das zwei Tage vor dem Attentat, am Freitag Abend. Sonnabend Vormittag traf die bekannte Sendung von medizininischen Mitteln aus Paris ein, an demselben Vormittag fand Kaiser Alexander eine Todesdrohung der Nihilisten, unterzeichnet mit:„Die russisch= destage des Prinzen Waldemar einen in Berlin zur Post gegebenen anonymen Drohbrief erhalten haben, in welchem mitgetheilt wurde, daß der Kronprinz in Petersburg bei der Leichenfeier des ermordeten Czaren dem Urtheile der Nihilisten zum Opfer fallen werde. Die„Post“ bemerkt hierzu:„Die unerhörte Bestialität dieses Beginnens, welches natürlich die hohe Frau bis zum Eintreffen der Nachricht am Abend, die Leichenfeier in Petersburg sei ungestört verlaufen, in die schmerzlichste Angst und Pein versetzte, zeigt, wie weit die Revolutions=Propaganda um sich gegriffen und wie absolut nichts mehr ihr heilig ist. Hoffentlich gelingt es, den Anonysmus zu ermitteln und ihn der gebührenden Strafe zu überliefern. Im Reichstage beantwortete der Reichskanzler am vorigen Montage die Rede des Abg. Lasker gegen die„Denkschrift über die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der indirecten Steuern.“ Wer die Denkschrift, welche die indirecten Steuern in Rußland, Frankreich und den andern Großstaaten so nett gruppirt und die directen Steuern mit Stillschweigen übergeht, verfaßt hat, ist zwar nicht klar, wie der Abg. Lasker hervorhob, daß aber der Reichskanzler sie vertreten werde, zeigte dessen pünktliches Erscheinen auf dem Kampfplatz. Namentlich wurde von Dr. Lasker auf zwei Eigenthümlichkeiten hingewiesen, auf den Widerspruch, indem diese Denkschrift für den Reichs tag zu Gunsten des indirecten Besteuerungssystems mit der Denkschrift des preußischen Finanzministers über die Reform der directen Steuern und mit der Wehrsteuervorlage steht, die einer möglichst directen Steuer das Wort redet. Daß der Doctrinarismus neuerdings mehr auf der Seite der Regierung als auf derjenigen der Volksvertretung seine Blüthen treibt, hob Herr Lasker heute im Hinblick auf diese „Denkschrift“ mit Recht hervor. Er sucht die Zahlen der letzteren zu beleben. Er wies z B. darauf hin, daß nach der Denkschrift in Frankreich 41,7 M. pro Jahr und pro Kopf an indirecten Steuern bezahlt werden, während man in Deutschland nur 10 M. erhebt. Nun werden aber noch in Frankreich 9 M. directe Steuern pro Kopf neben den indirecten Steuern erhoben, während in Preußen nur 4,67, in Baiern 4,46 M. pro Kopf und pro Jahr an directen Steuern zu zahlen sind. Dazu kommt, daß Frankreich allein 27 M. pro Kopf alljährlich für die Verzinsung der Staatsschuld aufbringen muß und so bleiben von den gepriesenen 41 M. nur noch 14 M. übrig, so daß Frankreich dem deutschen Reich mit seinen 10,4 M. nicht allzu sehr voraus ist. Das erklärt ja eben jene hohen indirecten Steuern, daß jene Staaten so kolossale Schulden zu verzinsen haben, was in Deutschland nicht der Fall ist. Dazu kommt, daß die directe Steuerlast in jenen Staaten eben so groß, ja noch größer ist, als bei uns. Am traurigsten steht es in Italien. Möge man uns mit solchen Vorbil dern verschonen. Im Weiteren aber unterzog Dr. Lasker die Steuerpolitik, welche in letzterer Zeit im Reiche getrieben wird, einer scharfen Kritik, polnische Revolutionsregierung“ auf der Schwelle seines eigenen Kabinets und zugleich traf aus Paris die dringende Mahnung zur Vorsicht an den Thronfolger ein. Letzterer und Loris=Melikoff empfingen auf unbekannte Weise Sonnabend Abend die spöttische Mitteilung, ihr Götze werde fallen, ehe er auch nur Zeit behalte, die am gestrigen Tage Verhafteten aus dem Leben zu schaffen und so kühn war die geheime Gesellschaft diesmal, daß sie in der Nacht zum Sonntag nach ungefährer Schätzung etwa 10,000 Exemplare einer schlechtgedruckten Proklamation an die Nation in der Stadt verstreute und selbst dicht in der Nähe des Portals zum Palast niederlegte. Die Drohungen hatten den Zaren sehr verdüstert, er hegte den Verdacht, daß auch unter dem Adel, der sich noch vor Kurzem so aufgeregt gezeigt, der Geist der Empörung bereits Platz gegriffen habe. Er empfing deshalb Niemanden mehr, den er nicht seit langer Zeit persönlich kannte. Abends erfuhr er durch seinen Bruder Michael, daß wieder neue Verhaftungen stattgefunden und das drückte ihn völlig zu Boden, er schien nun selbst an seinen Tod zu indem er es offen aussprach, daß diese ganze Politik im Wesentlichen darauf hinausläuft, die Staatslasten mehr und mehr auf den ärmeren Theil der Bevölkerung abzuwälzen. Die Luxussteuern bringen nur wenig ein, die Besteuerung der Massenartikel muß die Haupteinnahme bringen.„Eine aristokratische Politik zu Gunsten der besser gestellten und der höheren Klassen“— so charakterisirte Dr. Lasker diese Steuerpolitik. Im Weiteren beleuchtete derselbe namentlich die sog. Abwälzungstheorie, wonach die indirecten Steuern oder Zölle von Demjenigen, welchen sie zunächst treffen, auf den Anderen und von diesem wiederum auf einen Dritten und Vierten abgewälzt werden. Auch die damit im offenbaren Widerspruch stehende weitere Behauptung der Denkschrift, wonach die indirecten Steuern sich gewissermaßen verflüchtigen, fand eine kritische Würdigung. Und nun die Perspective, welche die„Denkschrift; eröffnet, die Uebernahme der Schul=, Armen=, Polizei= und Standesamtslasten auf den Staat, damit doch wohl auch die Ueber: nahme dieser Verwaltungszweige selbst, also die völlige Umkehr in dem System der Selbstverwaltung und in unserer staatlichen Organisation! Als Dr. Lasker dies ausrief, schlug der Herr Reichskanzler die Hände über dem Kopf zusammen. Dasselbe wird Mancher vielleicht auch bei der Lektüre der„Denkschriff“ gethan haben. Der Reichskanzler seinerseits erklärte, daß er die Verantwortung für die Denkschrift vollständig übernehme, welche er im Namen Sr. Majestät vorlege. Er ging auf die Frage, wie die in Aussicht gestellten Maßregeln der Uebertragung communaler Functionen auf den Staat im Einzelnen ausgeführt werden sollen, nicht näher ein, und versicherte nur, daß er nicht den omnipotenten Staat wolle, daß er nicht gegen die Selbstverwaltung sei, wohl aber gegen die Decomposition des Staates durch die Gemeinden. Uebrigens meint der Reichskanzler, daß der Abg. Lasker im Großen und Ganzen eigentlich mit ihm einverstanden sei, und ihm nur opponire, weil er im Uebrigen den politischen Standpunkt des Kanzlers nicht theile. Ein tieferes Eingehen auf die allgemeinen Gesichtspunkte ließ sich in der Rede des Fürsten Bismarck vermissen. Dafür gab der Reichskanzler einige Ausführungen über die Nachtheile des Biergenusses und die Wichtigkeit des Branntweins. Offen erklärte er daß jene Andeutungen in der Denkschrift über das, was mit den indirecten Steuern werden solle, besonders für die Wähler bestimmt seien. Es ist indeß doch fraglich, ob jene Verheißungen in nebelgrauer Ferne wirklich Jemandem verlockend scheinen werden. Die Liberalen werden diese„Denkschrift“ im Wahlkampfe nicht zu fürchten brauchen. Lemgo. Es sind verschiedentlich darüber Klagen aus dem Amte Brake laut geworden, daß Kinder aus Lemgo sich bettelnd im Amte umhertreiben. Von Seiten unseres Magistrats sind infolgedessen Schritte gethan, welche wohl geeignet sein dürften, diesem Unwesen ein Ende zu machen. Es sind nämlich, wie wir hören, die Ortsvorglauben, da die für erstorben gehaltene nihilistische Bewegung so plötzlich wieder auftauchte. Gerade am Sonntag Vormittag befand er sich in großer Erregung, die noch gesteigert wurde, als er nach dem Gottesdienst während der Parade in Gegenwart der fremden Gesandten die Warnung erhielt, nicht über den Newsky=Prospekt wie gewöhnlich heimzukehren. Es scheint, daß sich die Polizei in ihrer Aufregung recht einfach hat düpiren lassen, denn jene Warnung war ihr brieflich zugegangen, ohne Unterschrift sogar, und sie hatte sich beeilt, dieselbe schleunigst durch einen ihrer Offiziere nach der Michaelsreitschule befördern zu lassen. Gerade dadurch wurde der Zar veranlaßt, den breiten Prospekt nicht einzuschlagen, wo ihn rechts und links die Truppen schützen konnten und wo Raum genug war, die Menge soweit zurückzudrängen, daß es Niemandem möglich war, eine Bombe zu werfen; die beiden noch übrigen Wege zur Heimkehr waren enge, aber darum gefährlicher, und es stellte sich heraus, daß beide von Nihilisten mit Bomben so gründlich besetzt waren, daß der unglückliche Monarch unmöglich entrinnen konnte. Die Stallsteher darum ersucht, bei derartigen Vorkommnissen sich genau das betr. Kind zu merken und hiers. zur Anzeige zu bringen, damit die Bestrafung desselben, beziehungsweise dessen Eltern erfolgen kann. Lemgo.(Aus dem Gerichtssaale.) Leistet bei einer Strafthat, deren Verfolgung nur auf Antrag eintritt, der Verletzte oder sonstige Antragsberechtigte ausdrücklich auf die Stellung eines Strafantrags Verzicht, so hat nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenat, vom 13. Januar d.., dieser Verzicht keine strafrechtliche Bedeutung, der Antragsberechtigte ist dadurch nicht gehindert, innerhalb der 3monatlichen Frist dennoch den Strafantrag zu stellen. Lemgo.(Eingesandt.) Man hat es für zweckdienlich erachtet, daß für die Gemeinde Johann zu den bisherigen vier Preobytern und deren vier Stellvertretern des Kirchenvorstandes noch zwei Presbyter und zwei Stellvertreter erwählt würden, namentlich, um das Interesse der Reformirten in Lemgo und Umgegend gegen das zur Zeit im Lande sich sehr breit machende altgläubige Lutherthum zu vertheidigen und zu schützen. Die Wahl dieser vier Männer ist statutenmäßig kürzlich erfolgt und sind die Herren Gastwirth C. Theopold und Gymnasiallehrer Winter zu Presbytern, die Herren Gymnasiallehrer Held und Stellmacher Schäfsmeyer einstimmig als Stellvertreter(mit Ausnahme einer Stimme) von der Gemeinde erwählt worden. Es ist dies aufs Neue ein sehr erfreulicher Beweis von dem einmüthigen Geiste der reformirten Kirche überhaupt und der St. Johannis Gemeinde insbesondere, wobei denn auch nicht unerwähnt bleiben mag, daß Herr Pastor Theopold diesen Geist zu erhalten und zu fördern emsig bestrebt ist. Salzuflen, 24. März. Wir haben seither Anstand genommen, auf die Artikel in den lipp. Blättern, betreffend die Anlage eines zweiten fuhrweges zum Uflen'schen Bahnhof weiter einzugehen, weil wir von hier aus das Ganze, sogar die Vermessung des anzulegenden Weges als Scheinmanöver betrachtet haben. Gestern waren Vertreter aus dem Amt und der Stadt Schötmar nebst Vertretern der Stadt Salzuflen im Kurhause versammelt, um speciell die Stadt Salzuflen zur Betheiligung bei Anlage des fraglichen Weges heranzuziehen. Wir können nicht glauben, daß seitens unserer Stadt zur Anlage eines Weges, der außer unseren Interessen liegt, ein Opfer gebracht werden wird, da seit der Zahlung der 300,000 Mark an die lippische Eisenbahn die hiesigen Verhältnisse ganz andere geworden sind. Auch sind die Zeiten, wo es einigen Bürgern unserer Stadt vergönnt war, in blauer Schürze und Klapppantoffeln, ein Butterbrod in der Hand, in das Bureau des Bürgermeisters zu wandern, um diesem das Wohl der Stadt an's Herz zu legen, längst vorüber. Herr Bürgermeister Ringsdorf, der sich in dieser kurzen Zeit seiner hiesigen Amtsthätigkeit die Achtung und das Vertrauen der Bürger im vollsten Maasse erworben hat, wird uns auch in der Folgezeit vor unnöthigen Geldausgaben bewahren.(M. Ztg.) schreiberstraße selbst barg in verschiedenen Winkeln und Ausbiegungen außer den beiden wirklichen Meuchelmördern noch mehrere andere, die sich bereit hielten, falls ihren Kameraden das Werk mißlingen sollte. Im Keller der Bergakademie waren, was gleichfalls aus den Vernehmungen des Mörders Russakoff hervorgeht, nicht weniger als 15 Sprengbomben hergestellt worden, wobei indes von den übrigen Studirenden keiner betheiligt gewesen, während der Kastellan als sehr verdächtig sich in strenger Untersuchung befindet, Im Winterpalast selbst ist es nicht mehr recht geheuer; bei einem der kaiserlichen Pagen wurden am Sonntag Abend etwa 600,000 Francs weggenommen, sowie mehrere Papiere, die des Betreffenden Mitgliedschaft bei den Nihilisten außer Zweifel stellen; dasselbe war vor einiger Zeit vorgekommen, als man beim Sohne des Intendanten eine, sehr bedeutende Summe fand. Der neue Zar wird sich mit ganz neuem Personal umgeben, dem der Verkehr mit der Außenwelt aufs strengste untersagt ist. Salzuflen, 28. März. Es kursirt hier das Gerücht, am Abende des 24. d. M. gegen 9 Uhr sei bei der großen Dunkelheit in der Nähe der Stärkefabrik ein Mann in dem Begaflusse ertrunken. Es soll in der Richtung jemand einen Hilferuf gehört aber beim Hineilen nichts weiter mehr bemerkt haben.— Es wird ein Arbeiter Namens Sieker von Knetterheide seit dem Abende vermißt; derselbe soll mit dem Abendzuge von Herford gekommen und den Eisenbahndamm entlang auf die Knenbrücke zugegangen sein, auf welcher Tour er wahrscheinlich die Eisenbahndammböschung heruntergeglitten und in den stark angeschwollenen Begafluß gefallen ist. Alle Nachforschungen nach dem wahrscheinlich Verunglückten sind bis jetzt ohne Erfolg gewesen. Aus dem Amte Sternberg, 28. März. „Was in aller Welt mag denn das wol zu bedeuten haben, daß Jacob Arensberg auf einmal Alverdissen verziehen und deshalb sein Wohnhaus Nr. 70 daselbst verkaufen will?",— so fragte man sich hier neulich ganz erstaunt und verwundert, als ein Inserat dieses Inhalts in Nr. 61 der„Lipp. Landesztg. zu lesen war.— Aus Rücksicht auf seine Gesundheit, die ihn vielleicht bewegen möchte, das allerdings etwas nordische Klima auf dem Teut mit einem wärmeren Himmelsstriche zu vertauschen, und in den sonnigen Gefilden irgend eines südlichen Landes künftig seinen Aufenthalt zu nehmen, konnte man sich einen so unerwarteten Entschluß nicht erklären, da ja Herr Arensberg als„ein boren und togen Alverdisser Kind“, schon immer acclimatisirt gewesen ist, und er sich gerade jetzt eines besonders guten Gesundheitszustandes zu erfreuen scheint.— Noch weniger aber durfte man bei ihm an einen Beweggrund zu seinem Vorhaben von der Art denken, welcher einst seinen alttestamentlichen Ahnherrn, den Erzvater Jacob, nöthigte, seine Heimath zu verlassen und gen Haran zu fliehen, weil unter den beiden, gleich ihm unverheiratheten u. mit ihm zusammenlebenden Brüdern Hrn. Arensbergs ein Esau nicht einmal dem Namen, geschweige denn einer derartigen Gesinnung nach, daß er seinen Zorn zu fürchten hätte, sich befindet, alle drei vielmehr in guter Eintracht bei einander wohnen.— Nein, es mußte nothwendig etwas Andres, etwas ganz ungewöhnliches sein, was den Urheber jenes Inserats zu der darin ausgesprochenen Absicht gebracht hatte, seinen mit der ausgeprägtesten Vorliebe u. Anhänglichkeit stets umfaßten Geburts= und Wohnort Alverdissen, von dem aus sich durch seine vielen Brüder u. Schwestern die Familie Arensberg erst so weit im Lande verzweigt hat, noch auf seine alten Tage zu verziehen, und damit zugleich von einem Hause sich zu trennen, das er sich vor etwa 30—40 Jahren als eins der ansehnlichsten des Pleckens und zwar gewissermaßen unter einer günstigen Vorbedeutung an der Stelle einer ehemaligen Schmiede neu erbaut hat, insofern der Nro. 70, welche es führt, ein weithin tönender Metallklang zu eigen geblieben und immer mehr geworden ist, der in seiner Art dem der bekannten„Goldenen Hundertzehn“ in der Reichshauptstadt schwerlich etwas nachgeben möchte.— Und so stellte es sich denn auch auf nähere Erkundigung alsbald heraus, 5 daß die Aufnahme, welche der nun schon seit längerer Zeit die deutschen Lande überall unsicher machende papierene Zwietrachts=Drache, die Antisemiten=Petition, bei seinem neuerlichen Einzuge in Alverdissen— ob von Bega oder Sonneborn oder von wo aus sonst? steht dahin— gefunden, dem Herrn Arensberg den dortigen Aufenthalt, wenn auch wol nur momentan, so gründlich bis zur Verziehungs=Absicht verleidet habe. Mit dieser Aufnahme verhält es sich nun zwar keineswegs so, wie in dem, aus dem„Wächter“ in die Nr. 24 d. Bl. übergegangenen, ohne Zweifel auf den Flecken Alverdissen bezüglichen Artikel aus dem„Fürstenthum Lippe“ angegeben ist, als ob nämlich sämmtliche Bürger und wer weiß sonst noch bis auf drei die Antisemiten=Petition unterzeichnet hätten, indem, sicherem Vernehmen nach, denn doch nicht mehr als 68 von.20 Haushaltsvorständen dies gethan, so daß immerhin eine ganz erhebliche Anzahl von Nichtunterzeichnern übrig bleibt. Es ist aber jedenfalls die Mehrzahl, welche dadurch zugleich ein besonderes Gewicht erhält, daß der zeitige Bürgermeister, Herr Lesemann, dieser sehr verständige und bei andern für ihn irgend verfänglichen Vorkommnissen vorsichtig leise Mann, sich, wenn ich recht berichtet bin, nicht nur zuerst unterschrieben, sondern auch die sogenannten Deputirten beauftragt hat, die Petition im Orte zu colportiren, nachdem er laut und begeistert ausgerufen:„Wo schon Millionen(rectius: angeblich eine Viertelmillion!) sich betheiligt hätten, da dürften auch die Alverdisser nicht zurückbleiben!“— Natürlich nicht! Es könnte ja sonst leicht geschehen, daß gerade die ausschlaggebende Million nicht ganz voll würde, zumal da so manche andere Bürgermeister großer und kleiner Städte in der Meinung, daß auch die jüdischen Mitbürger zu ihren Schutzbefohlenen gehörten, die antisemitische Petition in den Papierkorb geworfen oder ablehnend beantwortet haben, und daß dann bei deren endlicher Ueberreichung der Reichskanzler enttäuscht und schmerzbewegt fragen möchte:„Sind denn die besten der„Teutschen—, meine lieben Alverdisser nicht da?!“ — Und doch gäbe es wol etwas, was dem Herrn Bürgermeister mitsammt dem Herrn Deputirten noch näher und noch mehr am Herzen liegen müßte, als die Betheiligung an einer so weit aussehenden, schwerlich von dem gehofften Erfolge begleiteten Staats=Affäre. Sie würden sich nämlich um Christen und Juden zugleich in und außer dem Flecken kein geringes Verdienst erwerben, wenn sie sowohl für die schon so lange nöthig gewesene Besserung des abscheulichen, halsbrechenden Pflasters auf der Pastoren= und Küsterstraße, als auch für die nicht minder dringend erforderliche StraßenBeleuchtung endlich einmal sorgen, und namentlich durch die letztere darthun wollten, daß sie die Ehre und den Vorzug, das Amtsgericht in ihrem Orte behalten zu haben, gebührend auch zu schätzen wüßten. Aber freilich kostete das einiges Geld, und die arme(!) Fleckenkasse muß sich erst von dem großen(!) Opfer, welches sie durch ihren Beitrag zu den Kosten der neuen Einrichtung des Amtsgerichts=Gebäudes gebracht hat, noch manches Jahr erholen, ehe an solche weitere Ausgaben für dergleichen überflüssige Dinge gedacht werden kann! Eine Namens=Unterschrift kostet dagegen nichts, als— eine Feder voll Dinte, und die ist ja leicht zu erübrigen, wird vielleicht sogar gleich mitgebracht!— Wenn ich beiläufig an der Stelle des Herrn Pastors gewesen wäre, der in Gemeinschaft mit dem Hrn. Amtsgerichtsrath unlängst vergebens seine Beredsamkeit aufgeboten hat, um der Alverdisser Bürgerschaft die Nothwendigkeit wenigstens von ein paar Straßen=Laternen einleuchtender, als bisher, erscheinen zu lassen, so hätte ich es unmaßgeblich gemacht, wie der letztere und wie mein Küster, welche beide sich nicht unterschrieben haben. Manchmal ist sd'ne kleine erlaubte Revanche, die hier darauf hinausgekommen wäre:„Schlägst Du meinen Juden nicht, schlag' ich Deinen auch nicht!“ sehr an ihrem Platze. Was übrigens die mehr erwähnten Deputirten angeht, sollte man fast glauben, daß dieselben hauptsächlich dazu da wären, um in ihren rechten „Quartieren“, die Leute im Schreiben nicht aus der Uebung kommen, und sie zu diesem Zwecke vornehmlich dann ihren Namen schreiben zu lassen, wenn gegen Jemand etwas geschehen soll, weshalb sie denn vielleicht noch, bezeichnende Antideputirte, d. i. Gegengesandte oder auch kürzer Antipoden d. i. Gegenfüßler heißen könnten. So erinnre ich mich z. B. noch sehr wohl, daß, als vor mehreren Jahren auch eine„Försterliche Petition“ gegen den damaligen langjährigen Ortsgeistlichen, den verst. Pastor Petri, losgelassen werden sollte, dieses elende, von einem persönlichen Feinde desselben abgefaßte und die nichtigsten Beschuldigungen enthaltende Machwerk ebenfalls von den derzeitigen Deputirten in den Häusern umhergetragen wurde.— Doch, um nach diesen kleinen Abschweifungen wieder auf Herrn Jacob Arensberg zurückzukommen, so möchte sich dessen Verstimmung über die, zwar nicht gegen seine Person, aber doch gegen seine Glaubensgenossen auch in Alverdissen in Scene gesetzte Agitation, wie zunächst aus der Bürgermeisterlichen Initiative, so zum Andern und noch wol mehr aus dem Umstande erklären, daß auch Solche unter feinen Mitbürgern sich dabei betheiligt haben sollen, die er bis dahin für seine guten Freunde gehalten, oder denen er mit Rath und That gedient, oder denen er geradezu Wohlthaten erwiesen hat. Zu welcher dieser verschiedenen Art von Leuten diejenigen Unterzeichner auch gehören mögen, welche jeden Sonntag Nachmittag sich in seinem Hause auch ohne seine Gegenwart zu einem unschuldigen Spielchen unter sich mit beliebiger Benutzung einer gastlichen Gratis=Flasche regelmäßig seither zusammengefunden haben, und die unbefangen oder auch un— verfroren genug gewesen sind, dies nach wie vor ohne Weiteres wieder thun zu wollen,— ihnen ist nur ihr Recht geschehen, wenn der Hausherr ihnen hat bedeuten lassen, daß sie „die Rechnung ohne den Wirth gemacht“ und sein wohlfeiles Local nicht mehr zu ihrer Verfügung hätten. Kann Herr Arensberg sich, wie es allen Anschein hat, wirklich mit gutem Grunde über argen Undank Einzelner bei dieser Gelegenheit ganz besonders beklagen, so ist das im Interesse des Christenthums, das durch solche Proben bei dem Bekenner einer andern Religion unmöglich an Achtung gewinnen kann, doppelt zu bedauern, und sollten sich die, welche sich dessen schuldig gemacht, vorher zehnmal bedacht haben, bevor sie als Antisemiten sich aufspielten. Aber es ist leider so, daß das alte Sprichwort:„Undank ist der Welt Lohn“ immer wieder sich ebenso bewährt, wie die oftmalige Erfahrung eines Gärtners, der von starken Bäumen, die er gehegt und gepflegt, entweder gar keine oder unschmackhafte Früchte erntet. So trübe eine solche Erfahrung auch ist, so ist es in manchem Betrachte doch etwas werth, wenn man von den Bewohnern eines Ortes sagen kann:„Ich kenne meine Pappenheimer!"— Herford. Das Eisenbahn=Bureau wird zu Ostern nach Detmold verlegt werden. Die Herren Horstmann und Prött werden dort die noch ausstehenden Arbeiten beenden. Herr Baumeister Kranold und Herr Hennies werden nach Köln versetzt, Herr Mangelsdorff nach Wesel. Herr Ringst wird einstweilen hierbleiben, um die Arbeiten zu leiten, welche durch die von den letzten Hochfluthen verursachten Schäden nothwendig geworden sind. Verschiedenes. — Im demokratischen Verein zu Frankfurt a. M. hielt am Montag Herr Artillerie=Hauptmann a. D. v. Ehrenberg aus Schlüchtern einen interessanten Vortrag über Ersparnisse im preußischen Militäretat. Der Redner erklärte sich von vorn herein für zweijährige Dienstzeit, welche für die Ausbildung der Infanterie genügend sei und den Etat wesentlich entlasten würde. Innerhalb des Rahmens der dreijährigen Dienstzeit selbst erklärte er aber auch noch bedeutende Ersparungen für möglich; wenn die kostspieligen und unnützen Truppen(als Kürassiere, Husaren, Garde du Corps), ferner alle Sinekuren abgeschafft und die Ausrüstung nicht für die Parade, sondern für den Kriegsgebrauch ausgewählt werde. Die Ersparnisse im Ordinarium schätzte der Redner, der seine Behauptungen auf Ziffern stützte, auf mehr als 17 Millionen Mark. Eingesandt. Alverdissen. Es ist hier von zuverlässiger Seite aus das Gerücht verbreitet, es ständen in einer hiesigen Kirchenrechnung 50 Mark Fuhrkosten für den Transport des Mobiliars des Herrn Pastor Sauerländer nach Alverdissen und 12 Mark desgleichen für die Aussteuer der Frau Pastor Sauerländer.— Da die Fuhren freiwillige gewesen, können nur die Chausseegeldauslagen nach gesetzlicher Bestimmung berechtnet werden. Für die Fuhr der Aussteuer sind überhaupt Auslagen aus der Kirchenkasse nicht zu erstatten, weil die Ehe erst längere Zeit nach dem Dienst: antritte des Herrn Pastor Sauerländer abgeschlossen ist.— Da Herrn Amtsgerichtsrath Sprütten nun die Revision der Kirchenrechnungen obliegt, wird die offene Anfrage an denselben entschuldigt sein, ob und aus welchen Gründen Einnerungen gegen solche Ausgaben nicht gemacht sind, eventuell welche Entscheidungen auf etwaige Erinnerungen ergangen sind? Zugleich würde eine Aufklärung darüber angebracht sein, ob und aus welchen Gründen eine Kochmaschine im Pfarrhause aus der Kirchenkasse bezahlt ist? Mehrere Gemeindemitglieder. Eine freundliche Familien=Wohnung ist zu vermiethen bei Lemgo. W. Overbeck, Breitestraße. Möbel-, Spiegel-& Polsterwaaren-Rlagazin von W. Stapperfenne in Lemgo. Große Auswahl aller Sorten von Möbeln unter Garantie guter solider Arbeit zu den billigsten Preisen. Tuch-Ausstellung Augsburg. 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Unser Etablissement ist ein altes und gut renomirtes; dasselbe hat sich durch die reellen Grundsätze, mit welchen es geleitet wird, allgemeine Anerkennung verschafft und die Zufriedenheit unserer zahlreichen Kundschaft ist wohl das sprechendste Zeugniß, daß unser Unternehmen das Vertrauen verdient, welches ihm seit langer Zeit von allen Seiten entgegengebracht wird. Wir bitten die geehrten Consumenten sich unsere Muster, welche wir auf Verlangen bereitwillig franco überall hin versenden, zur Ansicht kommen zu lassen und sich durch Vergleiche zu überzeugen, daß wir nicht zu viel versprechen, wenn wir sagen, daß eine vortheilhaftere Gelegenheit zum Einkauf von gleich guten und billigen Stoffen nicht wohl geboten werden kann; durch die Zusendung der Muster ist außerdem noch Jedem die Annehmlichkeit geboten, die Prüfung und Wahl der Stoffe nach Geschmack frei von jeder Beeinflussung mit Muse vornehmen zu können. Wir führen in allen Gattungen, für jeden Stand passende Stoffe, also ebensowohl mittlere Qualitäten, wie die allerfeinsten der Tuchmanufactur und liefern selbst das kleinste Quantum für Privatleute franco nach allen Gegenden; wir halten permanent großes Lager und sind, um nur ein Beispiel zu geben, im Stande, schöne Buxkins 130 Ctm. breit schon von Mk. 3—, an per Meter, Regenmantel offe 120 Ctm. breit schon von Mk. 1— an per Meter, die neuesten, elegantesten Buxkins für Herren= und Damen=Jaquets 130 Ctm. breit von Mk. 3. 70. an, rein wollene Sommer=Buxkins und Paletotsstoffe 130 Ctm. breit von Mk. 4.— an, englisch Tweels., geeignet zu completen Anzügen, für jede Jahreszeit passend, Breite 130 Ctm., zu Mk. 4. 50. per Meter, für Feuerwehr und sonstige Vereine schwere Tuche in reiner Wolle, doppelbreit von Mk. 2. 80 an, abgeben zu können. Es wird uns angenehm sein zur Vorlage unserer Muster aufgefordert zu werden und wir sichern im Voraus prompte und gute Bedienung zu. Muster franco! Tuch=Ausstellung Augsburg Muster franeo! Wimpheimer& Co. Adresse für Telegramme: Tuchausstellung Augburgs. Benachrichtigung für Auswanderer. Wir machen darauf aufmerksam, daß bei uns jederzeit und ohne Aufenthalt Wechsel und Auszahlungen nach allen Orten Amerikas zu haben sind. Solche von uns ausgestellte Wechser werden von ven vetreifenden überseeischen Bezogenen ohne allen Abzug ausgezahlt und Auswanderer, oder Personen, welche Geldsendungen nach Amerika machen wollen, entgehen, wenn sie sich dieser Wechsel bedienen, der Gefahr, ihr Geld durch Unredlichkeit oder Unfälle auf der See zu verlieren. Salomon& Oppenheimer, Bankgeschäft. Am 1. Juni in Blomberg: Landwirthschaftl. Ausstellung, verbunden mit Verloosung von Vieh und Landwirthschaftlichen Geräthen. Ersteres wird am genannten Tage angekauft. Loose à 1,50 cst. sind vom Herrn Ed. Krohne(Firma H. Pantze Wwe.) in Blomberg zu beziehen. Auf je 10 Loose wird ein Freiloos gewährt. Ausführliches Programm später.„. Im.,.: Hermn Reutim H. Anmeldungen sind bis zum 20. Mai bei Herrn Rentier Hagemann in Blomberg zu machen. Der Vorstand des Landwirtschaftlichen Vereins Blomberg=Schieder. für Bau= und Maschinenwesen, Mühlenbauer, Städtisches Geometer, Kunstgewerbe, Maler. Schnelle Vorbereitung zum Freiw.=Examen. MeisterTechnikum und Ingenieurprüfung. Wohnung und volle Rintal 0/90 Kost im Logirhause 27 Mk. pro Monat, bei deintern ascL. Bürgern von 36 Mk. an. Programm gratis. Meldungen an das Directorium. Außerdem ertheilen Auskunft die Herren: Gymuasialdirector Schmelzer in Hamm, Realschuldirector I. O. Dr. Alb. Schuster in Hannover. Lippische Hewerbe=Ausstellung. Versammlung der Lemgoer Aussteller am Montag den 4. April Abends 8 Uhr bei Herrn Gastwirth Harke. Um pünktliches Erscheinen sämmtlicher Theilnehmer ersucht dringend Das Local=Comité Lemgo. Pferde=, Geschirr= u. Wagenverkauf. Da ich das bisher gehaltene Privatfuhrgeschäft vom 1. April ab gänzlich aufgebe, so stehen hierselbst zum Verkauf: 2 noch gute Ackerpferde, 2 Paar Geschirre, 1 12sitziger Omnibus mit Drellverdeck(zum Abnehmen), 1 Halbchaise(1- u.=spännig), 1 zweispänniger—6sitziger Kutschwagen. Barntrup, 28. März 1881. Dieckmeier, Posthalter. Der Landwirthschaftliche Verein für die Aemter Brake, Schötmar u. s. w. versammelt sich am nächsten Sonnabend, 9. April Nachmittags 3 Uhr im Kruge zu Schötmar. Tagesordnung: 1) Vortrag des Herrn Direktor Burgtorf über:„Wie können die landwirthschaftl. Vereine mehr Geldmittel erhalten?“ 2) Besprechung über Verwerthung der vom Verein angekauften Eberferken. 3) Besprechung über Besuch der im Sommer 1881 stattfindenden internationalen landwirthschaftl. Ausstellung in Hannover. Abends 8 Uhr findet ein gemeinschaftliches Essen statt. Der Vorstand. Eine Haarflechte gefunden. Näheres in der Expedition d. Bl. Bergmann’'s Sommersprossen=Seife zur vollständigen Entfernung der Sommersprossen, empfiehlt à Stück 60 Pf. Gottfr. Rehtmeyer. Kinderwagen in größter Auswahl zu billigsten Preisen bei Gottfr. Rehtmeyer. Tapeten und Borden in größter Auswahl bei Gottfr. Nehtmeyer. Original=Singer=Nähmaschinen, für Sattler, Schuhmacher, Schneider u. für den Familien=Gebrauch zum Hand= und Fußbetrieb, desgleichen Schiffchen, Radel, Treibriemen, Oel 2c. empfiehlt zu soliden Preisen. Detmold. E. Richardt. Palaisstr. Nr. 5. Obige Maschinen werden gegen monatliche Abzahlung von 6 Mk. abgegeben. Unterricht gratis. Werkstatt für Reparaturen in Detmold. Aufträge von Außerhalb werden prompt besorgt. D. O. Bekanntmachung. Die von mir kürzlich erworbene Schlüter'sche Stätte Nr. 7 zu Brake soll mit den von der Stätte Nr. 81 das. zugelegten Ländereien am Montag den 4. April d.., Vormittags 10 Uhr, in einzelnen Parcellen zum Gebote ausgesetzt werden. Kauflustige wollen sich zur bestimmten Zeit in der Wirthschaft des Herrn Harbord in Brake einfinden. Der Zuschlag soll bei irgend annehmbarem Gebote sofort ertheilt werden. Ummel b. Hann. den 1. April 1881. Fr. Kopp. Bekanntmachung. Am Mittwoch den 6. April will ich mein Colonat Nr. 39 zu Brüntrup wozu 1 Wohnhaus und 22 Scheffelsaat Ländereien und Wiese gehören einzeln oder im Ganzen an Ort und Stelle verkaufen. Brüntrup. Tölkemeier. 9000 Mark sind gegen hypothekarische Sicherheit im Ganzen oder getheilt zu 44 pCt. Zinsen am 15. Juni zu verleihen. Näheres i d. Exp. d. Bl. Billige Preise.— Gute Einbände. In der Kliugenberg'schen Hof=Buchhandlung(H. Hinrichs in Detmold und Lemgo sind stets vorräthig: Sämmtliche Schulbücher, Atlanten, Lexicons, Schreib= und Zeichenmaterialien für das Gymnasium und für die Bürgerschulen. Lutherische und reformirte Gesangbücher, Religiöse Bücher fur Confirmanden, Photographie= u. Schreib=Albums, Blumenkarten u. Lesezeichen, Ziehkästchen 2c. Eine freundliche Familien=Wohnung mit Boden- und Kellerraum zum 1. October zu vermiethen bei Stapperfenne am Neuenthor. Wei unserer Abreise nach Bielefeld 3 allen unsern Verwandten, Freunden und Bekannten ein herzliches Lebewohl. Familie Sternfeld. Hausverkauf in Lage. Mein am Markte und in der Nähe der Kirche in ausgezeichneter Geschäftslage befindliches Haus beabsichtige ich zu verkaufen. Beißenhirtz. Wohnungsveränderung. Den geehrten Bewohnern Lemgo's und der Umgegend zur Nachricht, daß ich mein Geschäft in das Haus des Herrn Schneidermeister Büscher, Mittelstraße, vis--vis Herrn Kaufmann Brüggemann verlegt habe. H. Siekmann, Uhrmacher. Zu vermiethen auf gleich oder später eine freundliche Wohnung mit Zubehör. W. Weber. Verantwortlise Redaction, Druck und Verlag von F. L. Wagener in Lemgo. (Hierbei eine Beilage.) Geeg C Se (Früher Sonntagspost) Organ der liberalen Volks= und Fortschrittspartei in Lippe. Erscheint wöchentlich zweimal, Anzeigen Beilage zu I 28 der„Lipp. 0 Die von uns zum Zwecke der Errichtung eines Aussichtsthurm veranstaltete Verloosung findet am Sonnabend 9. April 1881 Nachmittags 3 Uhr auf dem Ballsaale statt. Loose à 1 Mark sind noch zu haben bei den Herren: E. Bachrach, F. Zöllner, I. Mosberg, W. Nebelsiek, M. L. Kabacker, E. Simonsmeier, A. Schröter, F. B. Thospann, C. Wülker, W. Eickmeier, H. Priester, F. I. Sacken, D. Netheim, L. Cronemeyer, Tintelnot, H. G. Schmidt, F. Eldagsen, W. Grote, Gebr. Thospann, W. Röding, Wilh. Stock, Ernst& Lienekogel, Th. Kellner, W. Ebke& Co., A. Losch, H. Tille, A. Heineberg, S. A. Trebbe, W. Weege, L. Vietmeyer, C. Theopold, Klingenbergs'che Buchhandlung, Th. Brinkhoff, I. Grote, Wirth Böger hierselbst. In den letzten Tagen vor der Verloosung werden die zu ### verloosenden Gegenstände auf dem Ballsaale ausgestellt 5% werden. Lemgo, 3. März 1881. Das Comité. König. KREREAEA ∆ 0 e 40 90 Liebig Company’s Fleisch-Extract aus FRAT-BENTOS(Süd-Amerika). Nur ächt wenn die Etiquette den Namenszug J. v. Liebig in blauer Farbe trägt. en Lemge zu haben in beiden Apotheken und bei den Herren J. Brockhausen, F. Eldagsen, A. Heineberg, Th. Kellner, Gebr. Thospann, F. B. Thospann, S. A. Trebbe, R. Steinborn; C. Plöger..Klinzing. In Lage Apotheker Beissenhirtz, C. Henneberg; Für Contor und Lager eines a! Engros-Geschäftes wird ein gewandter Mann in gesetzten Jahren gesucht. Derselbe muß befähigt sein, selbstständig zu arbeiten. Offerten mit curriculum vitae sub M. an die Exp. d. Bl. In Blomberg bei Apotheker Fr. Koch, C. F. Stichweh. Die Vorliebe der Consumenten und die Anerkennung der Fachmänner ist maßgebend. Lichtenstein=Callnberg, 31./1.1880 Herrn W. H. Zickenheimer, Mainz! Den von Ihnen seit Jahren bezogenen rhein Trauben-Brust-Honig habe ich stets von gleich guter Qualität befunden und wird derselbe vom hiesigen Publikum vielfach mit Vorliebe als Mittel gegen Husten u. Heiserkeit gebraucht. Sie wollen mir baldigst wieder zusenden 5/8, 20, 40/8 Flaschen. Emil Wahn, Apotheker. Derrheinische Trauben=BrustHonig, welcher sich nicht allein durch seine milde aber nachhaltige Wirkung, sondern auch durch feinsten intensiven Traubengeschmack auszeichnet, ist nur ächt mit nebiger Verschlußmarke des gerichtlich anerkannten Erfinders zu haben in Lemgo bei R. Steinborn. Die hiesige freiwillige Feuerwehr -hält von Aprilz bis incl. October regelmäßig am ersten Mittwoch im Monat eine Uebung für das ganze Corps ab; die erste am nächsten Mittwoch, 6. d. M. beginnt 8½ Uhr Abends. Lemgo, 1. April 1881. Der H. Tille. Große Auswahl in Grabeschuten mit und ohne Stiel, per Stück von 1 Mark an, beste geschmiedete Plattschuten, empfehle letztere den Herren Ziegelmeistern zur Benutzung im Auslande; ferner: eiserne Harken, Hecken= und Rosenscheeren u. s. w. Lemgo. G. Büngener. Empfehlenswerthes Confirmationsgeschenk. Im Verlage der unterzeichneten erschien soeben und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen: Predigien über die zehn Gebote von E. Cronemeyer, Pastor an der vereinigten erangelischen Gemeinde zu Bremerhaven. Preis: geheftet csk. 3,60, elegant geb.„ 5,—. Bremerhaven, 15. März 1881. Verlagsbuchhandlung von Il. v. Naugeron. Zoll=Inhaltserklärungen „ F. L. Wagener, uus der Well geschafft würbe, ooer daß auch nur gewisse Kategorien der Noth beseitigt würden, so wäre diesem Entwurf, wie die„Tribüne“ sagt, die einstimmige Annahme gesichert. Ja, wenn sich auch nur eine Ueberzeugung bilden könnte, daß die Zustände nach Annahme des vorliegenden Entwurfs besser sein würden, als die jetzigen, so wäre das Schicksal des Entwurfs zu seinen Gunsten entschieden. Die Opposition hat sich gerade Mühe gegeben, nachzuweisen, daß durch den Entwurf schlechtere Zustände geschaffen werden würden als bisher. Der Reichskanzler ist in der glücklichen Lage, derartige Argumente nicht zu hören. Die zahlreichen technischen Bedenken, welche in den Reden der Abgg. Bamberger, v. Herling und Richter enthalten waren, wurden von ihm nicht einmal der Erwähnung gewürdigt; die vierwöchentliche Carenzzeit, der Wegfall der vollen Entschädigung bei solchen Personen, die durch nachweisliche Fahrlässigkeit des Unternehmers verletzt worden sind, sind doch Verschlechterungen der gegenwärtigen Lage, gegen welche sich der Arbeiter zu wehren die allerdringendste Veranlassung hat. Und wenn es begründet ist, daß nach Annahme des Entwurfs die Spannkraft stehen. Er win nue nicht, raß die Inbustric die Last allein trägt; er will ihr dadurch zu Hülfe kommen, daß er den Staat veranlaßt, in seine Tasche zu greifen. Der Staat kann nun freilich Mittel nur dadurch verschaffen, daß er in die Taschen der Steuerzahler greift, denn in den eigenen Taschen findet er nichts vor, als was von den Steuerzahlern dorthin abgeliefert ist. Und unter den Steuerzahlern, die er in Anspruch nimmt, werden dann Viele sein, die sich in noch schlechterer Lage befinden, als Diejenigen, welchen das Gesetz zu Hülfe kommen soll, und darum wird eine innere Nothwendigkeit dahin drängen, die vermeintlichen Wohlthaten, welche dieses Gesetz bietet, immer größeren Kreisen zu Theil werden zu lassen. Es ist daher sehr erklärlich, daß der Kanzler schon jetzt, ehe das Gesetz in Kraft getreten ist, an eine Ausdehnung desselben denkt. In je größerem Maße aber diese Ausdehnung eintritt, desto mehr wird der Trost dahin schwinden, den er gestern spendete, daß die Ansprüche, welche an die öffentlichen Mittel gemacht würden, nicht erheblich seien. Der Reichskanzler warf selbst die Frage auf, ob seine Projecte als„socialistisch zu bezeichnen seien; er wollte gegen diese Bezeichnung keine biscunrt wurde aber— beiläufig gesagt— wenig Aussicht auf Annahme hat, trat die Innungscommission in voriger Woche unter dem Vorsitz des Herrn v. Helldorf=Bedra zu der ersten Berathung zusammen. Eine Generaldiscussion wurde abgelehnt. Darüber, ob eine zweite Lesung stattfinden solle oder nicht, blieb die Entschließung zunächst vorbehalten. Die Commission, an deren Verhandlung der Geheime Ober Regierungsrath Lohmann Theil nahm, ging alsbald an die Berathung des § 97 des neuen Entwurfs, kam aber über diesen Paragraphen nicht hinaus. Unter den verschiedenen Anträgen, die gestellt wurden, war der des Abg. Müller=Gotha(Fortschr.) von besonderer Bedeutung. Derselbe wandte sich gegen die Tendenz der Vorlage, welche die Innung nicht blos auf gleiche oder verwandte Gewerbe beschränkt wssen will, und die Innung somit ihres eigentlichen Charakters entkleiden würde. Der Antrag Müller wurde schließlich angenommen und der Standpunkt der Gewerbeordnung festgehalten, wonach Diejenigen, welche gleiche oder verwandte Gewerbe selbstständig betreiben, zu einer Innung zusammentreten können. Geliugt es, diese Worte definitiv in das Möbel-, Spiegel-& Polsterwaaren-Ragazin von W. Stapperfenne in Lemgo. Große Auswahl aller Sorten von Möbeln unter Garantie guter solder Arbeit zu den biligsten Preisen. Tüch-Ausslenung Kugrbuig. Wir beehren uns unsere geschätzten Abnehmer und alle Interessenten „ slin in Kuchen Rurkins, Raletats RegenmäntelLippische Hewerbe-Ausstellung. Versammlung der Lemgoer Aussteller am Montag den 4. April Abends 8 Uhr bei Herrn Gastwirth Harke. Um pünktliches Erscheinen sämmtlicher Theilnehmer ersucht dringend Das Local=Comité Lemgo. Pferde= Geschirr= u. Bekanntmachung. Die von mir kürzlich erworbene Schlüter'sche Stätte Nr. 7 zu Brake soll mit den von der Stätte Nr. 81 das. zugelegten Ländereien am Montag den 4. April d.., Vormittags 10 Uhr, in einzelnen Parcellen zum Gebote ausgesetzt werden. Kauflustige wollen sich zur bestimmten Zeit in der Wirthschaft des Herrn Harbord in Brake einfinden Der Zuschlag soll bei Amtliche Bekanntmachungen. Detmold. Die Behörden und Grundeigenthümer des Landes werden von Fürstlichem Cabinetsministerium aufgefordert, dem Herrn Oberstlieutenant Schreiber und den ihm untergebenen Dirigenten, Offizieren, Trigonometern und Hülfstrigonometern bei den sich auch auf unser Land erstreckenden trigonometrischen Feldarbeiten, welche Mitte April beginnen werden, die erforderliche Hülfeleistung zu gewähren. — Zum Amtsanwalte für den zum Amtsgerichte Hohenhausen gehörenden Theil des früheren Amtes Hohenhausen ist der Referendar Wilhelm Ernst ernannt. — Der bisherige Steuerrendant Ernst in Lage ist mit den Geschäften der Rechnungsrevision bei Fürstlicher Regierung betraut. Der Bezirk der Fürstlichen Steuercasse in Lage wird vom 1. April ab dem der Fürstlichen Steuercasse in Lemgo zugelegt und der zu letzterem gehörige Theil des Amts Sternberg und der Stadt Barntrup der Steuercasse in Blomberg überwiesen. — Etwaige Lieferungen für die Zeit vom 1. April 1881 bis dahin 1882 werden nach folgenden Preisen berechnet: Hafer p. 50 K. 8,03., Heu p. 50 K, 3,24 M. und Stroh p. 50 K. 2,98 M. — Der Aufenthalt im hiesigen Lande ist dem Schneider Conrad Feick aus Herfa verweigert worden. — Die Wahl des Lehrers Schnüll in Ohrsen zum Curator der Lehrerwitwenkasse und die des Lehrers Berkemeier in Wülfer zu dessen Stellvertreter ist von Fürstl. Consistorio bestätigt. — Bei Fürstl. Ablösungscommission sind bis bis zum 25. Juni Mittags 12 Uhr Ansprüche an das Capital anzumelden, mit welchem der Erbpächter Kracht Nr. 24 in Wülfer den dem Col. Pankoke Nr. 5 daselbst jährlich von seinem Lande „auf der neuen Brücke“ zu entrichtenden Canon ablösen will. — Der Witwer und Einl. Töns Wiese und seine Verlobte die Witwe u. Einliegerin Johanne Leppelmeier in Augustdorf haben die Gemeinschaft der Güter ausgeschlossen. — Der Ersatz=Reservist 1. Classe Carl Jakob Julius Hagemann auf Nr. 124 zu Pivitsheide wird steckbrieflich verfolgt. — Dem Colon Heinrich Wilhelm Lohmeier zu Huroll Nr. 16 der Bauerschaft Cappel ist gestattet von jetzt ab den alleinigen Familiennamen„Huroll“ zu führen. — Der Forstaufseher Paul Redeker zu Dsrenschlucht scheidet mit dem 1. April aus Fürstl. Forstdienste. — Dem Müller Quent zu Schötmar ist am 24. d. M. eine silberne Ankeruhr mit einer aus 4 Strängen geflochtenen Haarkette, in deren Goldschlößchen die Buchstaben A. O. eingravirt sind, gestohlen. — Der auf den 21. April angesetzte Termin zum Verkaufe des Colonats Meise Nr. 18 zu Schönemark findet nicht statt. — Nach Amerika wollen auswandern: der Ziegler Ernst Meierbarthold, die Magd Luise Meierbarthold und Sophie Meierbarthold aus Nienwald, ferner Colon Heinrich Luhmsmeier Nr. 23 zu Schlangen, der Colon Dünne Nr. 51 zu Langenholzhausen mit Frau und 5 Kindern, der Ziegler Wilhelm Hellkamp von Mackenbruch und der Schneidergeselle Perezowsky aus Wülfer. Lemgo. Der auf den 29. d. M. angesetzte Termin zum Verkauf des Grundbesitzes des Cigarrenarbeiters Hermann Brennert hierselbst ist aufgehoben. — Im Monat März betrug der Durchschnittspreis für 50 Kilo Weizen 11,25 Mk., für 50 Kilo Roggen 10,50 Mk., für 50 Kilo Hafer gut 8,50 Mk, mittel 8,00 Mk, gering 7,50 Mk., für 50 Kilo Heu 3,00 Mk., für 50 Kilo Stroh 3 Mk. — Forderungen an den Nachlaß des verstorbenen Bürgers Christian Knickmeier von hier sind am 2. April Morzens 11 Uhr am hiesigen Amtsgerichte Abth. 2 anzumelden. Horn. Das Colonat Klöpping Nr. 88 zu Schlangen soll am 10. Mai Morgens 10 Uhr im Wege der Zwangsvollstreckung am hiesigen Amtsgerichte öffentlich versteigert werden. Forderungen sind in demselben Termine anzumelden. Salzuflen. Der„Künstler“ Karl Bohne oder Bohnen aus Herford wird steckbrieflich verfolgt. — Ansprüche an den für die beiden Kinder der Witwe Kampe auf die Stätte des Erbpächters Reibchen Nr. 21 in Bexten unterm 13. März 1817 ingrossirten,51 Thlr. 31 Mgr. 1½ Pf. sind am 7. October d. I. Morgens 10 Uhr am hiesigen Amtsgerichte anzumelden. — Der hiesige Vorschußverein ist aufgelöst und haben sich die Gläubiger bei dem Vorstande desselben— Fabrikant Fr. Capellen, Kaufmann H. Krecke, Cantor H. Strunk und Kaufmann K. Krecke— zu melden. Lage. Das Testament der Eheleute Canduc= tor Brinkmeier zu Büllinghausen vom 15. Octoher 1813 soll am 1. Juni Morgens 10 Uhr am hiesigen Amtsgerichte eröffnet werden. — Dem Bauhandwerker Heinrich Gröne hieselbst ist die Verfügung über sein Vermögen zurückgegeben worden. Oerlinghausen. Im hiesigen Firmenregister ist die Firma„Gebrüder Asemissen" und im Prokurenregister die dem Kaufmann Friedrich Festing für diese Firma ertheilte Procura gelöscht. Blomberg. Das Testament der Eheleute tenbernd auf Nr. 32 in Lothe soll am 21. April Morg. 9 Uhr am hiesigen Amtsgerichte Abth. 4 eröffnet werden. — Der Klempner Ernst Reineke hierselbst u. seine Verlobte Wilhelmine Stücker zu Leopoldsthal haben die Gütergemeinschaft ausgeschlossen. Briefkasten. — Eingegangen aus Detmold betr.„Bekanntmachung vom 26. März cr.“ — Das Eingesandte aus Wüsten werden wir, wenn auch in etwas veränderter Form, verwenden. Druck von F. L. Wagener in Lemgo. Verantwortlise Redaction, Druck und Verlag von F. L. Wagener in Lemgo. (Hierbei eine Beilage.)