8 Und dann zog er diese graue Karte heraus, die ich hier habe und zeigte uns eine blaue Marke mit einer 20 darauf:„Das ist Exerzitiengeld! klebt diese blaue Exerzitienmarke in diese Karte hinein. Wendet diese Groschen an zu einem guten Werk. So wie man das Licht der Fackel weiter gibt, so müßt ihr das Exerzitienglück weiter geben! Nehmt die erste eingeklebte Narke mit für einen Ersatzmann, der auch nach hier geschickt wird!“ —„Nicht übel“, sagte einer,„und die anderen Marken? Muß ich da jede Woche von Düsseldorf herüber kommen?"—„I wo! Die gibts beim Präses und beim Pfarrer.“—„Meinen Sie denn, der hätte soviel Geld daliegen, daß er gleich für 20 oder 40 Mark einen oder zwei Hunderterbogen sich kaufen werde. Haben Sie schon mal gezählt, wieviel Bettler heutzutage am Pfarrhaus schellen?“—„Ist kein Hindernis; die Marken bekommen Euer Pfarrer und Präses kreditweise, wenn sie eine Postkarte ans Exerzitien=Sekretariat in Köln, Domstraße 29, senden.“—„Und die Rückzahlung?“—„Braucht nicht früher zu geschehen, als bis der Exerzitant die Karte selbst in Zahlung gibt. Also: Wer garantiert uns einen Ersatzmann? Wer wird Missionar:....— Und dann nahmen alle ihre Karte für den Freund, den Bruder, den Vater. Ja, einige nahmen sogar fünf und einer hat für 12 die Gewähr übernommen. Das war eine Begeisterung!“ * Die Sportabteilung hat bald darauf 8 Exerzitanten ausgeschickt. Und zählte nach zwei Jahren 32 Alt=Exerzitanten. Von da ab war sie hieb= und stichfest gegen„Vergünstigungen“. F. Der neue Patron der Wohlfahrtspflege.= (Zum Fest am 18. Juli.) 1. Der hl. Kamillus ist von der Kirche zum Patron der Kranken, der Sterbenden, der Spitäler überhaupt erhoben worden; im letzten Jahre, am Tag des großen Augustinusjubiläums, gab ihn Papst Pius Xl. auch den Pflegern zum einzigartigen Vorbild und Beschützer. Wir feiern dieses Fest am kommenden 18. Juli zum ersten Mal. Wenn auch das, was so eigentlich des hl. Kamillus stille, tiefste Liebe war, der Saal oder das Kämmerlein oder auch der Straßengraben gewesen, wo ein Kranker hilflos liegt und schwer leidet, so spricht der Vater in seinem Dekret doch mit Recht und betonter Absicht ganz allgemein von der„zahlreichen, weltlichen Wohlfahrtspflegerschaft" und will dieser in„einer Zeit, wo sie sich immer fester und planmäßiger zusammenschließt“, eine programmatische Weisung zugehen lassen. Darin liegt das Charakteristische und zugleich auch Ueberzeitliche eines jeden Heiligenlebens, daß es die Sonderaufgave, zu denen es von Gott berufen wird, mit bereitwilliger Aufgeschlossenheit wahrnimmt und in dieser Aufgeschlossenheit zu Gott hin vor den Menschen ein neues Programm entfaltet. Gott stellt einen überragenden Menschen in besonderer Vaterliebe immer in die Zeit und an den Ort, wo vor allem die Verhältnisse nach ihm rufen. So war die Zeitaufgabe für den hl. Kamillus, den Krankendienst— den leiblichen und geistigen— neu zu gestalten. Es mag dem ehemaligen Soldaten, der zudem selber einen siechen Leib mit sich trug, nicht leicht geworden sein, seine Persönlichkeit an das Krankenbett zu stellen und dort den letzten Einsatz zu wagen; aber was er tat, das tat er ganz! Grade Kamillus! Er war nicht ein Reformator von dem Ausmaß eines Ignatius oder Vinzenz von Paul; aber er war ein Held christlicher Liebestätigkeit allergrößten Formates. Pius XI. hebt das stark hervor: Daß er jede Pflege in ihren Motiven wieder zurückführte auf ihren letzten Urgrund, auf die Liebe zu Gott im andern und in unserem Tun; daß er diese Liebe als Liebe zu den Armen und Kranken in wirklich ungezählten Herzen neu entflammte, ihr die zukommende Bedeutung zurückgab— innerhalb und außerhalb der Kirche—; datz er trotz seiner Sendung in das Gebiet der Gesundheitsfürsorge sich doch niemals verspezialisierte und erst recht in der Alltagsmethodik stets auch die Aufgaben und Werte der Armenund Erziehungsfürsorge zu verwirklichen wußte— diese innere Weite, Vergeistigung, Verchristlichung von Dienst, Technik und Person der Wohlfahrtspflegerschaft schlechthin ist— rein grundsätzlich gesehen— des hl. Kamillus besonderes Verdienst. 2. Eines der schönsten Worte, die uns von ihm aufbewahrt sind, lautet:„Wenn sich unter uns keine Armen und Notleidenden mehr fänden, man müßte bis in den Mittelpunkt der Erde hinabsteigen, um sie zu finden.“ Wie trifft dieses tiefe Wort die modernen Schlagworte von der Niederhaltung unwerten Lebens und die Grundsätze moderner Lebensweisheit! Aber wie hebt es auch den Mut und die Kraft derer, die ein Leben des Verzichts und der Opfer führen; die am einsamen Krankenbett stehen oder überhaupt in der Pflege jener, für die die Welt nichts mehr übrig hat. Es ist nicht auszudenken, wie innerlich arm dieselbe Welt wäre, wenn jene Schwachen und vom Leid Gezeichneten ihr fehlten, die immer wieder von neuem Dienenden und Helfenden auf den Plan rufen, die immer wieder von neuem im Menschenherzen ungeahnte reiche Kräfte wecken, die immer wieder von neuem an die liebenswürdigste Art der Erfüllung des größten Gebotes erinnern:„Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst!“ Manchem geschah es, daß Gott sie so rief: Sie sollen es stündlich wahrmachen, daß sie dem Nächsten dienen als einem eigenen Stück Leben. Das sind die Menschen mit dem hingegebenen Leben: Die Krankenschwestern, die Armenschwestern, die vielen stillen Helfer im Reiche Gottes. In ihnen wacht in der Erkenntnis auch eine Kraft auf. die sich immer erneuert, sobald ihnen die Not begegnet; die sie stets wachhält für alle Not dieser Zeitlichkeit. Ihre Liebe will immer geben, weil sie wissen, daß sie immer gebraucht wird. Viele tragen kein Ordenszeichen. kein geistliches Kleid, die heute in der freien Liebestätigkeit mitarbeiten, da scheint von immer größerer Bedeutung zu werden, was man „ehrenamtlich“ nennt. Gebe Gott, daß die katholische Laienwelt wirklich mittut und die Orden nicht allein sich mühen läßt. Aber eine Gefahr möge hier abgewehrt werden! Der Sinn des Ehrenamtlichen oder Freiwilligen besteht nicht darin, daß man als Dame oder Herr auftritt, der„soztal tätig" ist; als der sonst unbeschäftigte Mensch, der hier eine erhebende Ablenkung sucht oder gar sich wichtig vorkommt in der Sitzung über andere; daß man wirkt als herangezogen, überredet;„man konnte nicht gut nein sagen und am liebsten zöge man sich wieder zurück“; oder daß man die Armen auf seine Liebe und deren Launen, Tiefstände und Unüberlegtheiten angewiesen sein läßt. Ihr Helfer und Helferinnen im Vinzenz= und Elisabethverein, in der Familien= und Hauskrankenpflege, im Mädchenschutz und in den Kindergruppen— ich grüße euch voll Freude und Ehrfurcht! Aber ich bitte euch auch, euer Helfenkönnen als ein Dürfen, wirklich als„Ehrenamt“ aufzufassen. „Die den Herrn liebhaben, müssen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht!" Rob. Svoboda O. S. C. von der Güte. Güte kann in kleinster Hütte wohnen. Güte kann sich beugen unter Kronen. Güte kann auf sich allein vergessen. Güte kann den Weltenraum durchmessen. Güte kann den stärksten Geist bezwingen. Güte kann mit Sternen Lieder singen. Güte kann begraben unter Kränzen Lebend sein zu heilig=ew'gen Tänzen. Margaret Hohmann. Katholisches Kirchenblatt für das Sauerland und Südwestfalen Beilage für das Sauerländische Volksblatt in Olpe erscheint zu jedem Sonntag Ebangelium. Lukas 16, 1—9. In jener Zeit trug Jesus seinen Jüngern folgendes Gleichnis vor:„Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm angeschuldigt, er verschleudere seine Güter. Er ließ ihn rufen und hielt ihm vor:„Was muß ich von dir hören? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung! Du kannst nicht länger Verwalter sein.“ Da dachte der Verwalter bei sich:„Was soll ich anfangen, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich.— Ich weiß, was ich tue, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich der Verwaltung enthoben bin.“ Er ließ nun die Schuldner seines Herrn kommen, einen nach dem andern. Den ersten fragte er:„Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?“ Er antwortete:„Hundert Krüge Oel“.„Nimm deinen Schein“, sagte er zu ihm,„setz dich geschwind hin und schreibe: Fünfzig.“ Einen andera fragte er:„Wieviel bist du schuldig?“ Er antwortete:„Hundert Malter Weizen".„Nimm deinen Schein“, sagte er zu ihm,„und schreibe Achtzig." Der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt habe.— Denn die Kinder dieser Welt sind im Verkehr mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Auch ich sage euch:„Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon; dann werden sie, wenn es mit euch zu Ende geht, euch aufnehmen in die ewigen Wohnungen.“ Zum Evangelium. „Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte; dieser wurde bei ihm verklagt, als hätte er seine Güter verschleudert. Er rief ihn also und sprach zu ihm: Was muß ich da von dir hören? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung!"(Lukas 16, 1. 2.) Man möchte meinen, im Rechenschaftgeben könnte es heute nicht fehlen, heute, wo so viel gerechnet wird. Wir haben überall in den Geschäften und Betrieben peinliche Buchführung; wir haben außerdem Revisionen, wo es sich um öffentliche Betriebe handelt. In den Fabriken wird genau berechnet, welche Werkzeuge, welche Maschinen, welche Arbeitsweise am meisten leisten. Ja, jeder berechnet alles nach Geld— man ist bis zur Berechnung der Kinderzahl gekommen. Man könnte unsere Zeit das Zeitalter der Rationalisierung nennen, der Zweckmäßigkeit, die sich in Geld ausdrückt, der Geldwirtschaft, die auf Gewinnung von Geld bedacht ist. Ueber Werke! Viele böse Werke entziehen sich der Ahndung durch die irdische Gerechtigkeit. Ihre Verüber brauchen hier keine Rechenschaft zu geben, weil sie verborgen bleiben— aber in der Ewigkeit kommt alles vor den Richterstuhl Gottes! Wenn unsere Zeit alles so genau nimmt, dann muß sie doch auch gewissenhaft, zur strengen Rechenschaft bereit sein!— Aber es ist ein Unterschied zwischen Rechnen und Rechenschaft geben. Rechnen ist eine zahlenmäßige Sache. Da handelt es sich um Einnahmen und Ausgaben, ums Geld. Rechenschaft ist eine Gewissenssache, da handelt es sich um höhere Werte, die man mit Geldsummen gar nicht ausdrücken kann. Diese Rechenschaft vergessen viele. Darum ist die Mahnung immer notwendig: Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung! 1. Der Einzelne soll sich Rechenschaft geben über seine Gedanken, Worte, Werke und über das empfangene Gute! Ueber Gedanken! Da nimmt's mancher leicht und sagt: Gedanken sind zollfrei. Das soll wohl heißen: Es ist gleich, was man denkt, wenn's nur nicht zur schlechten Tat kommt. Ueber das Innere urteilt kein Richter.— Das ist so ziemlich richtig, wenn es sich um den irdischen Richter handelt. Der kann nur richten über das, was klar vor ihm liegt, aber nicht über die innersten Gedanken des Menschen. Anders Gott; er weiß alles. Ja, auch der irdische Richter straft schon die böse Absicht, wenn sie sich kundgibt. Die Gedanken sind das Blut der Seele. Und wie die Gedanken unseres Geistes, wie die Regungen unseres Herzens sind, so ist unsere Seele; sind sie gut, so ist unsere Seele gut, sind sie schlecht, so ist die Seele verworfen. Ja, aus dem Herzen des Menschen kommt das Gute und das Böse. Der Heiland sagt zu den Pharisäern:„Ihr Natternbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid! Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund!“(Matth. 12, 34.) Und ein andermal:„Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Totschläge, Ehebrüche, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Gotteslästerungen.“(Matth. 15, 19.) Ueber Worte!„Ich sage euch, daß die Menschen über ein jedes unnütze Wort, das sie reden, am Tage des Gerichts Rechenschaft geben müssen.“(Matth. 12, 36.) Was für Reden werden geführt! Wären es nur unnütze Worte, die die Menschen sich ins Gesicht oder hinter ihrem Rücken sagen oder die alle Tage gedruckt werden! 2 Ueber das empfangene Gute! Gott gibt uns nicht Geld und Banknoten. Er gibt uns Besseres. Er gibt uns das Leben— kann man seinen Wert in Geld ausdrücken? Er gibt uns die Gesundheit, die Kräfte des Leibes zum Arbeiten, das Augenlicht, das Gehör, die Sprache— was würde ein reicher Blinder geben, wenn er wieder sehen könnte! Er gibt uns die Kräfte der Seele, den Verstand und den freien Willen— besuche einmal eine Irrenanstalt und schau dir den Jammer an, der da vereinigt ist. Er gibt uns so viel Hilfe durch gute Mitmenschen, durch unsere Familien, durch Erzieher und Lehrer. Das Meiste, was wir an inneren Gütern besitzen, haben wir von andern, nicht aus uns selbst. Nimm dazu die übernatürlichen Güter: die Berufung zum Heile und zum wahren Glauben, die Gnadenausstattung und die tägliche und stündliche Gnadenhilfe. Darüber müssen wir einst Rechenschaft geben, wie wir alle diese Güter benutzt haben.„Von einem, dem viel gegeben wird, wird viel gefordert werden, und wem viel anvertraut worden ist, von dem wird viel zurückverlangt werden."(Luk. 12, 48.) 2. Es gibt auch eine Rechenschaft über anoere:— Kein Mensch lebt für sich allein; keiner kann sagen:„Ich brauche die andern nicht." Jeder empfängt von anderen und gibt ihnen. So ist es im täglichen Verkehr. Ueberschlage einmal, wieviel du täglich in Anspruch nimmst. Du kaufst von ihnen, was sie hergestellt und gearbeitet haben, du schenkst ihnen von dem Deinigen, du erbittest von ihnen, erfragst von ihnen und beredest dich mit ihnen. In all dem steckt viel Gleichgültiges, aber auch viel Gutes und Böses. Wie wir auf andere einwirken, darüber müssen wir auch Rechenschaft geben. Das ist in besonderem Maße der Fall bei Eltern, Vorgesetzten, Lehrmeistern. Ihre Aufgabe und Pflicht ist es, die ihnen Anvertrauten zu schützen, im Guten zu fördern und vom Bösen abzuhalten.„Gehorcht euren Vorstehern und seid ihnen untertänig; denn sie wachen für eure Seelen als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das würde euch keinen Nutzen bringen.“ (Hebr. 13. 17.— Alle Eltern sollten sprechen können wie der Heiland in seinem hohepriesterlichen Gebet, in dem er von den Aposteln Abschied nimmt und für sie betet:„Heiliger Vater! erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir es sind. Als ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben hast, habe ich bewahrt; und keiner ist von ihnen verloren, außer der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde... Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt wegnehmest, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrest."(Joh. 17. 11 ff.) Joseph Weigert. Nimm und lies Der religiöse Niedergang unserer Zeit hat bei vielen Katholiken auch die Achtung vor der Heiligkeit und sakramentalen Würde der Ehe gemindert. Daher hat sich all das, was man mit dem Wort„moderne Ehenot“ zu bezeichnen pflegt, längst auch auf katholische Kreise ausgedehnt. Länder mit überwiegend katholischer Bevölkerung stehen in der Ehescheidungsziffer, die ja der Gradmesser für das Elend in vielen modernen Ehen ist, nur wenig noch hinter andersgläubigen Ländern zurück. Von diesem Glaubensschwund und demzufolge auch von der Zerrüttung sind am meisten die Mischehen getroffen. Es fehlt eben bei ihnen fast jede Voraussetzung, ein Glaubensleben zu pflegen, das auch die größten Lebensschwierigkeiten zu überwinden imstande ist. Ohne Unterlaß haben daher die hochw. Herren Bischöfe ihre mahnende Stimme erhoben und vor der Eingehung einer Mischehe gewarnt. Alle, auch noch so liebevollen Mahnungen hasfen jedoch nichts. Die Mischehen nehmen an Häufigkeit zu und damit auch das Elend der modernen Ehenot. Der Leichtsinn der Jugend und die Sorglosigkeit, ja Blindheit der Eltern waren eben stärker als die liebende Sorge der Bischöfe. Mit welcher Eindringlichkeit hatte das gemeinsame Hirtenschreiben der preußischen Bischöfe vom Jahre 1922 das Unheil aufgezeigt, das jede Mischehe mit sich bringt.„Die Mischehe“— so schrieben sie damals— ist nicht der Weg zu wahrem Lebensglück. Fragt euch nur selber, vor allem ihr jungen Menschen, die ihr am Scheidewege eures Lebens steht, was eigentlich Eheglück ist.“ „Eheglück ist dort, wo zwei Menschen sich voll und ganz verstehen und tief innerlich ein Herz und eine Seele sind. Die Mischehe läßt solche vollkommene Seelenharmonie nicht zu. Wohl mag es in der Brautzeit so scheinen; in der Ehe selbst jedoch wird bald zutage treten, daß von der Religion das tifste und entscheidendste Lebensglück abhängt. Die innere Stellung, in der ein Mensch sich ihr gegenüber befindet, beeinflußt alle anderen Lebensfragen. Die Gatten mögen reden, worüber sie wollen, sobald sie einer Lebensfrage auf den Grund gehen, fühlen sie das Trennende. Sie stehen nun einmal auf verschiedenem Standpunkte, sehen sich selber und die Welt mit ganz verschiedenen Augen an. Und wäre es nur Verschiedenheit. Im tiefsten Grunde sind es Gegensätze, die sie trennen; unvermeidlich werden in Wort und Blick, in Miene und Haltung diese Gegensätze einen Ausdruck finden, der alle, die nicht oberflächlich sind, schmerzlich berühren muß.“ „Eheglück ist dort, wo die beiden Gatten nach menschlichem Ermessen eine beruhigende Garantie für die Dauer und den Fortbestand ihres Verhältnisses haben. Die Mischehe bietet diese Garantie am allerwenigsten. Bei gemischten Ehen kommen stark fünfmal mehr Ehescheidungen vor, als bei rein katholischen Ehen, das heißt also für jeden jungen Mann: Wenn du keine rein katholische, sondern eine gemischte Ehe eingehst, hast du fünfmal weniger Aussicht, dauerndes eheliches und familiäres Glück zu finden. Und wie ungünsti gsteht gerade der und familiäres Glück zu finden. Und wie ungünstig steht gerade der rüttet ist! Der andersgläubige Teil lebt in der Anschauung, daß die Ehe nicht unauflöslich sei, daß er kein Unrecht begehe, wenn er sich scheiden lasse und wieder heirate; der Katholik dagegen weiß, daß er gebunden ist und bleibt, solange der andere Teil lebt, daß es ihm vor Gott und seinem Gewissen niemals, auch nicht um der schlimmsten Verhältnisse willen, gestattet ist, bei Lebzeiten des anderen Teiles eine neue Verbindung einzugehen.“ „Eheglück ist dort, wo beide Gatten das frohe, erhebende Bewußtsein haben, daß sie vollauf die Pflichten ihres Standes erfullen, daß sie wirklich am rechten, von Gott gewollten Platze stehen und für ihre Seele und ewige Seligkeit sorgen, wie Gott und das Gewissen es verlangen. Die Mischehe kennt dieses beiderseitige beglückende Bewußtsein nicht. Je mehr der katholische Teil mit den Jahren das wahre Wesen der christlichen Ehe erfaßt, umso klarer sieht und fühlt er, daß seine Mischehe nur eine unvollkommene Ehe ist, daß er weder am Gatten noch an den Kindern das leistet und leisten kann, was Christus von der mit seiner Gnade gesegneten Ehe erwartet. E sieht und fühlt, daß er nicht an dem Platze steht, an dem die von Christus autorisierte Kirche ihn haben wollte, sondern da, wohin sein Eigenwille ihn drängte. Er sieht und fühlt, daß seine eigene S##ele Gefahr läuft, der religiösen Lauheit und Gleichgültigkeit zu verfallen und dem Gnadenleben in Christus und im hl. Geiste entfremdet zu werden. Er sieht und fühlt, daß die Familie, die er gegründet hat, nicht zum Aufbau, zur Förderung und zur Stärkung der von Christus gewollten und gestifteten Kirche dient. Jeden katholischen Christen, der seiner Kirche die Treue hält, muß die Lehre der Statistik aufs Tiefste treffen und erschüttern, daß durch die gemischten Ehen der katholischen Kirche jährlich mehr Seelen verloren gehen, wie durch die ganze Missionstätigkeit in der gesamten Heidenwelt gewonnen werden.“ „Eheglück ist vor allem dort, wo das Wachsen und Gedeihen, das Fortkommen und die Zukunft der Kinder gesichert erscheinen. Das Glück der Kinder ist ja das reinste und höchste Glück der Eltern. Für das zeitliche Wohlergehen kann auch die Mischehe erfolgreich sorgen; für jenes Wohlergehen aber, das vor Gott und für die Dauer wertvoll ist, kann sie schwerlich leisten, was die christliche Ehe für die in ihr geborenen Kinder leisten soll. Es fehlt die vollkommene Zusammenarbeit der Eltern; es fehlt das warme katholische Denken und Fühlen; es fehlt das lebendige religiöse Beispiel beider Eliern, das ausschlaggebender ist, als alle guten Worte. Die Mischehe ist und bleibt nachweisbar die ergiebige Pflanzstätte der religiösen Gleichgültigkeit, des Zweifels und des Unglaubens. Wie ist den Kindern zumute, wenn etwa der Vater das Kreuzzeichen macht, aber die Mutter nicht? Oder wenn die Mutter in die katholische Kirche geht, der Vater aber in die der Andersgläubigen? Wenn der Vater anbetei, was die Mutter für Aberglauben und Irrtum hält? Da muß ja alle Klarheit und Festigkeit im Glauben bei den Kindern schwinden!" „Weit, weit über die Hälfte aller Mischehenkinder werden von vornherein der protestantischen Religion zugeführt, auch sehr viele von denen, deren Eltern vor der katholischen Trauung für die katholische Kindererziehung feierlich ihr Wort gegeben hatten. Diejenigen, die tatsächlich katholisch getauft werden, gehen ebenfalls zum großen Teil der Kirche verloren. Genaue Beobachtungen haben ergeben, daß die Nachkommenschaft aus gemischten Ehen schon in der dritten Gene1 setzung für jedes Wirtschafts= und Sozialprogramm, das die Menschen befriedigen, eine Welt der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedensgestalten will. Lebendiges, sakramentales Christenleben hebt die Menschen über die irdischen Dinge hinaus, daß sie in Freiheit dienend auch die natürlichen Verhältnisse gestalten nach Gottes Vaterwillen.“(S. 57.) In diesem Sinne dürfte„Christus vor Moskau“ als eine ganz vorzügliche und sehr begrüßende Arbeit aufzufassen sein. Würden seine Gedanken und Ideen in allen Kreisen und Schichten unseres Volkes beachtet und befolgt, könnten sie den Boden schaffen für eine sozial=wirtschaftliche Resorm und den reichsten Segen stiften. Darum ist dem fleißig bearbeiteten, klar durchdachten und inhaltvollen Werkchen die weiteste Verbreitung zu wünschen.(P. Sgd.) Der neue große herder. Ein Geleitwort von Prälat Universitätsprofessor Dr. Schreiber, = Münster i. W. Der Weltkrieg hat eine Umwertung aller Werte gebracht. Dazu trat die Nachkriegszeit mit ihren noch größeren Erschütterungen, mit der Weltwirtschaftskrise, mit der Krise der Persönlichkeit und der Massen, der Familienkultur und der Gesellschaft. Andererseits hat ein ungeheuerer Fortschritt des Technischen stattgefunden. In einem Ausmaß und Tempo, wie sie die Welt bisher nicht kannte. Elektrotechnik und Flugzeug, Film und Radio haben tief in die Struktur des Menschlichen eingegriffen. Die Völker sind einander trotz aller politischen Hemmungen näher gerückt. Die Intensität des Lebens hat sich verdoppelt, wenigstens soweit es die bloße Zivilisation betrifft. Dabei herrscht Hunger nach innerer Kultur; es regt sich die Sehnsucht, über das nur Zivilisatorische hinauszukommen. Gleichzeitig wächst der Wille zur Ueberwindung einer flachen Aufklärung und einer bloßen Mitteilung von Wissensstoff. Man drängt wieder zu grundsätzlich geformter Weltanschauung. Aber auch in der Bewertung der Technik äußert sich das Bedürfnis nach einer tiefer empfundenen Hierarchie der Werte. Das neue lexikographische Nachschlagewerk, der„Große Herder“, hilft mit. Der sozialpädagogische Wert eines solchen Universalwerks muß sehr hoch veranschlagt werden. Es arbeitet überdies mehr als alle seine Vorgänger mit der Anschauung. Das Bild ist zum ersten Male besonders stark in den Lebensdienst eines Nachschlagewerks gestellt. Dieser Lebensdienst äußert sich nicht bloß in einer Ueberfülle von Stichworten, sondern auch in gepflegter Systematik, die den Blick nicht bloß auf das buntfarbige Einzelne, sondern auch auf das geschlossene Ganze richtet. Diese verbindenden Linien sind unverkennbar. Größere Fragenbereiche sind in planvollen neuen Uebersichten zusammengefaßt. Lynkaeus, der Türmer, ist dadurch dieses große Lexikon; es breitet weite Fernsichten aus. Zum Pragmatischen tritt allweg die geistige und weltanschauliche Durchdringung. So ist das Stichwort„Europa“ nicht bloß eine Gelegenheit zur Deutung des geographischen Begriffs. In dem betrefsenden Artikel ist auch die Seele Europas, seine geistige Gestalt, der Europäismus und die bald politisch, bald wirtschaftlich, bald kulturell tastende oder schon wirksame Europabewegung eingezeichnet. Mit besonderem Nachdruck wird eine stärkere Verbindung des Nur=Enzyklopädischen und Pragmatischen mit den Ideen angestrebt, die die Persönlichkeit, Gesellschaft und Menschheit bewegen. Aristoteles und Plato, Spranger und Spengler, Hertling und Mausbach kommen in ihrer Ideologie zu Wort. Zugleich ist der volksfremde und seelisch niederziehende Intellektualismus der Aufklärung überwunden. Ein großer Zug zum wahrhaft Volksbildnerischen und eine mutige Pflege des Irrationalen treten klar hervor. Neben dem Staat wird auch das Volkstum gesehen. Mitten in der ungeheuren Fülle des Stofflichen vollzieht sich eine großartige Proklamation des Naturrechts, auch des Menschenrechts. Es steckt eine planvoll geformte Architektur des Ideologischen und Geistigen in diesem stoffmächtigen Werk. Ein eigener und stark hervortretender Zug ist es, daß der„Große Herder“ die Dinge mit einer sicher empfundenen Sozialethik sieht, die in andern Enzyklopädien zu kurz kam. Damit und mit andern Werten der Bildlichkeit und des Seelischen, des Ratgebens für den Alltag und für den Beruf, durch Reichhaltigkeit und Zunerlässigkeit ist der„Große Herder" der besondere Typ der Enzyklopädie, dessen wir heute bedürfen— der Typ der zugleich Führer ist. Es ist ein ungeheurer Vorzug dieses Werkes, daß alles und jedes darin eine starke Geschlossenheit atmet, da es von einer grundsätzlich scharf ausgeprägten Welt= und Lebensanschauung gesehen wird. Für den Katholiken des deutschen Inlandes und des Auslandes wird dieses monumentale Werk ein Hausgut, eine Hausmacht von unschätzbarem Wert sein. Diese 13 Bände versprechen ein Bildungsfaktor zu werden, der auch bei andern Nationen starke Einflüsse auszulösen vermag: sie sind harmonischer Dienst an Persönlichkeit und Gemeinschaft, Staat, Kirche, Volkstum und Menschheit. Wir stählen den Verein.— Der Herr Präses schüttelte den Kopf. Schüttelte ihn mehrmals. Das mit der Sportabteilung stimmte nicht. Erst vor Jahresfrist begründet und mit einem tüchtigen Sportwart versehen, sollte sie sich im ersten größeren Wettspiel erproben. Er hatte schon bei sich erwogen, wie man's mit dem ersten Handballwertspiel so recht nett einrichte. Hatte schon einigen Nachbarpräsides allerlei Andeutungen gemacht von demnächstiger Einladung; und nun ging's nicht. Es ging einfach nicht. „Das ist nämlich so, Herr Kaplan", sagte der Sportwart, „es klappte alles bis vor vier Wochen tadellos. Da kam es dem Niederdeutschen Sport= und Turnverband in den Sinn, auch bei uns eine Gruppe aufzutun. Gelang aber nicht. Wir waren früher aufgestanden. Dann möchten wir mit ihnen zusammentun... Ausgeschlossen! habe ich gesagt... Aus welchem Grunde...? Weil wir Katholiken sind und keinem Verband angehören können, der seine Spieler auf die Reise schickt, ehe sie noch ihrer Messe beigewohnt haben... Achselzucken. Einer meinte gutmütig etwas von„nicht zu fromm... sind auch gute Menschen... Gott in der Natur" usw.... Damit hielt ich die Sache für abgetan. War aber nicht so. Vor drei Tagen fehlen beim Training fünf Mann unentschuldigt. Darunter die zwei besten Sportler, der Max und der Josef„Wir sind zum N. S. T. übergetreten!...“ Ich war „Ja warum denn?"...„Der gefällt uns besser und soll auch größer sein.“„Das ist doch kein Grund. Rückt mal mit der wahren Sprache heraus!“"„Der hat ihnen“, sagte ein anderer, „hat ihnen Sporthemd und Sporthose geschenkt, wenn sie herüberkämen“....„Dann schämt euch“, sagte ich in heiliger Entrüstung.„Ist das Treue und Zuverlässigkeit?"... Sie gingen trotzig weg. Und so können wir den Sonntag in 14 Tagen nicht aufmarschieren. Haben Sie schon mal solche Gesinnungslumpen gesehen? Man sollte die Brocken hinwerfen!...“ „Nun nicht so hastig! Enttäuschungen kommen immer. Es wird doch wohl noch was zu machen sein.“ „Ja, was denn, Herr Kaplan?“ „Das weiß ich freilich auch noch nicht; laß mich mal naadenken!" * Vierzehn Tage später. Der Turnwart Fritz saß wieder beim Kaplan Klein und erzählte. Er war in Exerzitien gewesen und hatte in drei schönen Tagen seinen Aerger vergessen. Er war wieder frohen Mutes und hatte neue Pläne.„Sehn'se, Herr Präses, man kann ja auch mal eine kleine Schlappe einsticken; das gibt so’ne gesunde Demut. Also, wir werben neue Leute!" „Das gibt dann neue Abfälle“, neckte der Kaplan. „Dagegen wollten Sie doch ein Mittel ausfindig machen!“ „Ich? Ist doch garnicht nötig. Du hast es mir längst gesagt.“ „ 2.?.?“ „Sieh mich nicht so verwundert an: Vor vierzehn Tagen bliesest du Trübsal. Heute bist du guter Dinge. Woher der Umschwung?“ „Von den Exerzitien!“ „Richtig. Und den Mißerfolg willst du einstecken. Woher der Opfermut?" „Auch daher. Tja...“ „Und aus Ueberzeugung für die heilige katholische Sache ins Zeug gehen?" . tut man nur, wenn man sich überzeugt hat. Jawohl! Ich hab's. Das wollte ich Ihnen ja noch erzählen.“ „Na, was denn?“ „Was uns der Exerzitienmeister mitgab. Wissen Sie, der Pater Landsberg, der so drollig und doch so bestimmt sein konnte, der hat es uns beim Abschied noch eingehämmert.„Jungens“, so sagte er,„man kann alles; man kann och met nem Riefkooche der Boddem öle. Man kann auch andere in Exerzitien bringen. Und ganz leicht. Seht so!...“ 6 alle sehr gut, Gott schaut ins Herz, in die Seele! Gott horcht auf die Inbrunst, mit der wir zu ihm beten und nicht auf das Geklapper und Geklingel von Gold und Silber, auf das Rauschen und Knistern von Seide oder das Rascheln eines groben und geflickten Rockes! Dies wäre das Eine. Zum anderen aber: we ist da etwas zu spüren von dem großen Wort Sozial oder, wie wir lieber sagen wollen, von einem Funken Nächstenliebe— wenn wir den andern, den Armen, denen, die in bitterster Not um die trockene Rinde Brot kämpfen müssen, zeigen, daß es doch noch Menschen gibt, die gar nichts davon ahnen, die noch so gute, so tadellose Kleider tragen und sich mit Gold und Kostbarkeiten behängen, als stände man im Begriff, auf einen früheren Hofball zu gehen? Es soll auch keiner euren Schmuck, euer Geld und Gut neiden! Aber ihr, die ihr so etwas noch besitzt, zeigt es nicht denen, die neben euch in der Bank knien und Gott um das Nötigste anflehen! Wir Christen sind es, die das Soziale, die Nächstenliebe in allererster Linie üben sollten, denn wir wissen den wunderbaren, göttlichen, hohen Ursprung, wo dieses Gesetz entstanden ist! Tragt euren großen und kostbaren Schmuck, wo immer es sei— aber nicht da, wo er Staunen und Bewundern— aber auch ein bitteres Weh in eine arme Seele dringen läßt. Vor Gott sind wir alle gleich! Vor den Menschen aber zeigt, daß ihr Kinder Gottes seid, im Kleinen und Kleinsten— im Alltag und Werktag und an den Sonntagen, mit einem leisen, feinen Hauch von Nächstenliebe! Schaut euch doch die Geschichte an! Nicht die Fürsten, die Philosophen, nicht die Könige und die Kaiser, nicht die Reichen und die Reichsten der Völker und Nationen feiern ein solches hohes und erhabenes, ein so herrliches und geheimnisvolles Andenken nach ihrem Tode— wie jener arme, schlichte Nazarener! Der mit den Armen und den Zöllnern am Tische saß, der die Verlorenen liebte und die Notleidenden an seine Seite rief— Jesus Christus! Ihr alle, die ihr euch reich und wichtig dünkt, die ihr noch stolz und unberührt von der Not der Zeit erhobenen Hauptes, in Putz und Schmuck daherzieht und fühlt, wie dieses oder jenes Auge bewundernd, bestaunend, vielleicht auch beneidend an euch hängen bleibt— es wird kein Volk und kein Völkchen, geschweige denn die ganze Welt euch nur noch zehn Jahre nach eurem Tode so feiern— wie man den gekreuzigten Jesus in den täglichen hl. Messen der ganzen Welt feiert! Kleinigkeiten! Wichtige oder nichtige Kleinigkeiten! Das Leben braust an ihnen vorbei, reißt sie mit sich— hier bleiben sie hängen— dort treiben sie weiter— aber auch hinter ihnen offenbart sich ein Sinn, der einmal gedeutet werden wird— Menschen, ihr hohen und reichen, ihr armen und bescheidenen, liebt einander! Liebt euch mit einem warmen Blick, einem guten Wort, liebt euch aber mit dem Achthaben auf die Kleinigkeiten im Alltag, die für manchen anderen eine Bedeutung haben— an Weh und Ach— an Bitternis und Härte— auch wenn es eben nur diese sieben goldenen, schweren Armbänder wären an den Armen einer alten Dame. Ursus. Christus vor Moskau. Wegezeichen von Pfarrer Krüger. Zu Beginn unseres Jahrhunderts hat der hochselige Papst Pius X. ein gewaltiges Reformprogramm entworfen und in die kurzen Worte gefaßt:„Omnia instaurare in Christo", alles soll erneuert werden durch Christus!— Von hoher Warte aus die Schäden der Zeit betrachtend, hat der Hl. Vater unter Erleuchtung des Hl. Geistes nach wahren und wirksamen Heilund Hilfsmitteln gesucht. Er fand dieselben nicht in den Quellen des Kapitals, auch nicht in den Errungenschaften gesteigerter Wissenschaft, Technik und Kunst, am allerwenigsten in den Maßnahmen willkürlicher Diplomatie oder Strategie, sondern in dem Leben nach den Forderungen und Normen der Religion. Tatsächlich hat das Evangelium Jesu Christi die Grundlagen zu unserer Kultur geschaffen und darauf starke Reiche gebaut und große Nationen erzogen. Hätten alle Kreise Deutschlands und alle Völker Europas stets und überall an diese Richtlinien des Christentums sich gehalten, wir hätten ganz gewiß im 20. Jahrhundert keinen verheerenden Weltkrieg bekommen und keine Weltrevolution. Wir hätten die bedauerliche Inflation nicht gebraucht und zuletzt nicht die so drückende Wirtschaftskrise! Man hat nun seit dem großen Zusammenbruch schon vieles probiert zum Wiederaufbau und zur Verbesserung der Weltund Lebensverhältnisse. Man hat die alte Reichsverfassung geändert und neue Gesetze gemacht. Man hat immer wieder neue Parteien im Volke gegründet und durch die vielen Neuwahlen zahlreiche Volksvertreter an die Spitze gestellt. Man hat die Steuerschraube kräftig angezogen, Gehälter gekürzt, Beamte und Arbeiter abgebaut und dann noch fleißig mit dem Auslands verhandelt! Was wurde aber bei all dem erreicht? Soviel, daß uns heute bange sein muß vor der Gährung im Volke und vor der nahen Zukunft! Sollen wir da nun ruhig zusehen? Sollen wir der Entwicklung der Dinge freien Lauf lassen und warten, bis es zu spät ist? Oder sollen wir immer wieder mit neuen Versuchen das gefährliche Spiel weiter treiben? Nein, wir müssen zu retten suchen, was noch zu retten ist.„Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat.“ Und„einen anderen Grund kann niemand legen als der gelegt ist, Jesus Christus". Ueber vorstehende Gedanken ist neuerdings ein sehr empfehlenswertes Büchlein erschienen:„Christus vor Moskau“, Wegezeichen von Pfarrer Franz Krüger(Verlag Hermann Rauch, Wiesbaden 195., 64 S. 80 Pfg.). In diesem Büchlein weist der Verfasser geistvoll und ausführlich nach, wie unsere gegenwärtige Not entstanden ist und wie ihr abgeholfen werden kann. Er zeigt, wie der Abfall von Glaube und Religion die Ursache von allem Uebel ist. Monismus wird dieser Abfall oder diese Gottlosigkeit genannt und wird plastisch dargestellt als ein fürchterliches Ungeheuer mit zwei unheilvollen Hörnern, dem Kapitalismus und dem Bolschewismus. Mit diesen beiden Hörnern wird die moderne Menschheit gegenwärtig bearbeitet, verwundet, gespalten und zerfleischt zum Erbarmen. Nach diesen tiefgründigen Darlegungen stellt Pfarrer Krüger die hochbedeutsame und uns alle sehr interessierende Frage: „Wo ist die Macht, die von der stets wachsenden Verwirrung und Verelendung erlösen, wo ist der Weg, der aus der Tiefe zum Licht emporführen kann?“— Zur Beantwortung dieser Frage wird verwiesen auf das beruhigende und alles erklärende Wort unseres Heilandes im Evangelium:„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“(S. 42).—„Wie kein anderer, so überschaute der Gottessohn Jesus Christus die politischen und sozialen Mißverhältnisse, die Standes= und Klassenunterschiede, die Kluft zwischen Reich und Arm, den Gegensatz zwischen Freiheit und Unfreiheit der Menschen seiner Zeit. Doch blieb sein Blick nicht haften an den äußeren Erscheinungen; er durchdrang sie bis auf den Grund der Gesinnung, die sich darin offenbarte“(S. 5).„Aus tiefster Menschenkenntnis sah er die Zwecklosigkeit bloß äußerlicher Reformen. Er erkannte klar, was kommen mußte, wenn nicht aus innerer Gesinnungswandlung äußere Reform geboren würde. Tränen füllten seine Augen bei dem Gedanken, daß dann aus den Abgründen seelischer Verirrung mit Urgewalt furchtbarstes Verderben das Land erschüttern werde; und wie ein Aufschrei kam es vor Jerusalem von seinen Lippen:„Wenn doch auch du erkänntest, und zwar an diesem deinem Tage, was dir zum Frieden dient!"(S. 7).— Darum verlangte Christus unter allen Umständen eine innere Bekehrung von allen Schichten des Volkes, entsprechend seinem Beispiel und seiner Lehre. Wo diese Forderungen erfüllt wurden, fing die wahre christliche Kultur an Wurzeln zu schlagen und herrliche Früchte zu zeitigen. Wo nicht, wucherte das verderbliche Heiventum weiter. Nach diesen Ausführungen wirft Pfarrer Krüger die Frage auf:„Warum sollte es am Ende des zweiten christlichen Jahrtausends nicht möglich sein, die Welt vor dem Chaos zu retten?“ — Er hält die Rettung für möglich, aber nur durch die katholische Religion.„Lebendiges, sakramentales Christentum, wie es die katholische Lehre fordert und aufweist, ist die Vorausration gewöhnlich ganz protestantisch ist. Kann ein treuer Katholik, der an diese Entwicklung der Dinge denkt und dieselbe im alltäglichen Leben immer von neuem bestätigt sieht, zur Mischehe sich entschließen?“ Da diese ernsten Mahnworte wirkungslos verhallten, sehen sich die hochw. Herren Bischöfe veranlaßt, die bis dahin verhältnismäßig leicht zu erlangende Ehedispens bei einer Mischehe nur in den seltensten Fällen zu erteilen. Zur Erlangung einer solchen Dispens genügt nicht die bloße gegenseitige Zuneigung; es genügen auch nicht wirtschaftliche Vorteile oder andere rein diesseitige Gesichtspunkte. In Zukunft darf daher ein Dispensgesuch nur bei schwerwiegenden und gerechten Gründen vom Pfarrer an die bischöfliche Behörde eingereicht werden. Hierbei muß die sichere Gewißheit vorhanden sein, daß die vor dem Pfarrer erschienenen Brautleute das eidesstattliche Versprechen auch gewissenhaft erfüllen Dieses Versprechen umfaßt folgendes: 1. Die Eheschließung darf nur von dem katholischen Priester vorgenommen werden; 2. alle zu erwartenden Kinder sind in der katholischen Kirche zu taufen und im katholischen Glauben zu erziehen; 3. dem katholischen Eheteil und den Kindern dürfen bei der Ausübung ihrer Religion keine Schwierigkeiten bereitet werden; 4. Der katholische Eheteil hat die Pflicht, den andersgläubigen von der Wahrheit der katholischen Religion zu überzeugen. Damit dieses eidesstattliche Versprechen mit größter Sicherheit auch erfüllt wird, müssen in Zukunft— wenn überhaupt Aussicht vorhanden sein soll, eine Dispens zur gemischten Ehe zu erlangen— die Eltern des katholischen Brautteils gleichzeitig mit dem Brautpaar vor dem Pfarrer erscheinen und die geforderte eidesstattliche Erklärung mit abgeben. Sie sollen eben dafür bürgen, daß die gemachten Versprechen gewissenhaft erfüllt werden. Sind die Eltern gestorben oder schwer erkrankt, so müssen zwei der nächsten Angehörigen als Bürgen eintreten. Wenn die Kirche in Zukunft kaum noch Dispens zur Mischehe erteilt, so ist nur die Sorge um das Seelenheil ihrer Gläubigen für sie maßgebend.„Brautmesse und feierlichen Brautsegen gestattet sie bei der Mischehe nie. Wer darin Unduldsamkeit oder Gehässigkeit gegen Andersgläubige erblickt, urteilt ganz falsch. Will die Kirche aufrichtig und folgerichtig handeln, so kann sie gar nicht anders. Die Mischehe, im Lichte des Glaubens betrachtet, bleibt nun einmal etwas, daß man wohl unter gewissen Voraussetzungen im Einzelfalle dulden kann, das aber auf den freudigen Segen der Kirche keinen Anspruch erheben darf. Der Segen der Kirche ist hier ein Segen aus bangendem. blutendem Mutterherzen." Jede Dispens„nämlich ist für die Kirche ebenso schmerzlich, wie es einer liebevollen Mutter ist, wenn sie erlauben muß, daß ihrem kranken Kinde ein Glied abgenommen wird, um ihm wenigstens das Leben zu retten“. Daher mögen alle Eltern Sorge tragen, daß keines ihrer Kinder eine gemischte Bekanntschaft eingeht. Gewissenlos wäre es, wenn Eltern aus irdischen Rücksichten eine solche zuließen.„Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele.“(Matth. 16, 26.) Sonntag in der Großstadt. Rob, Swoboda, Fast durch jede Stadt klingt Sonntags mit dem Glockengeläute eine wehmütige Sehnsucht: Die Stadt ist auf den Sonntag nicht mehr eingestellt! Die sonntäglichen Straßen hungern nach tosendem Verkehr, die Auslagen nach wogendem Käufergedräng, unser ganzes Empfinden nach dem Werktagstempo Ruhe— die ist gegen unser Lebensgefühl, weil sie als Geschäftsverlust und Verdienstausfall erlebt wird. Und damit wird diese Ruhe zur Langeweile, der man durch langes Schlafen und Nichtstun zu entfliehen sucht. Oder die Ruhe wird zum Stachel der Ruhelosigkeit. Man legt nicht mehr Wert auf Wohnungen, wo man zu Hause ist, die Gäste empfangen und Familien vereinen könnte. Man weiß ja auch gar nicht, warum und wofür man befinnlich schweigen oder worüber man verständig und wertvoll reden sollte. Der Stadtrhythmus hat die Städter so gefangengenommen, daß man weithin den Eindruck hat: Diese Menschen tauen nur dann auf, wenn sie in fühlbare Nähe des Verdienens oder wenigstens eines„Betriebes“ gerückt sind. Diese armen Menschen, die Sonntags rasten und doch nicht ausruhen, die entfliehen und doch nicht zu sich selber kommen, die den Sonntagsrock aus dem Schrank nehmen und doch nicht aus ihrer Werktagshaut können; die heute, heute am Sonntag, keinen Herzschlag anderes zu tun vermögen als sonst auch. Hier tut energische Besinnung not; immer wieder! Der Mensch muß seine Seele wieder finden lernen, die er in der Woche so leicht verliert. Sie kommt all die sechs Tage zu kurz und will nicht auc noch am Sonntag Aschenbrödel sein. Was will es heißen, wenn man in der Woche bei der Berufsarbeit etwas bessere Kleidung anlegt und zum Feierabend schwärmen geht? Die Besonderheit des Sonntags trägt man auf diese schwächliche Weise nimmer in unser Leben hinein. Ueber der Woche muß etwas viel Grundlegenderes stehn; über ihrem Anfang muß als Morgenrot das Gotteswort leuchten: Du sollst an einen Gott glauben! Du sollst anbeten! Ziel will nicht ein aufgeputzter, freigelassener Mensch sein, noch nicht einmal der geheiligte Tag als solcher, sondern der geheiligte Mensch. Damit die ganze Woche geheiligt und glücklich sei und verklärt. Nur die innere, seelische Heiligung am Sonntag vermag den Adel, die wahre Menschenwürdigkeit der Woche und ihrer Arbeit zu sichern. Der Mensch muß ferner seine Gemeinschaft wiederfinden lernen. Die einzigen anderthalb Tage, die man nicht durch den Beruf in alle Windrichtungen verschlagen ist, sollte man zusammenzubleiben suchen. Mit der alten Familienherr= lichkeit darf es nicht allseitig aus sein! Dann wäre es ja nicht mehr abzusehen, womit es heutzutage überall aus zu sein hat. Wir wollen uns hüten, etwas als weises Prinzip und wertvolle Errungenschaft der Neuzeit anzusprechen, was in Wahrheit nicht mehr ist als der Versuch einer Rechtfertigung unglücklicher oder schlampiger Zustände. Nein, da wollen wir klar sehen: Wenn man nur in der Woche zusammenkommt, wo die Stimme einen harten Klang hat und das Auge trüb ist, wohin soll das führen? Zur Familie als bloß einer Kost= und Schlafgelegenheit der Werktage! Dann spekulieren die einzelnen, wenn sie Abspannung und Freude haben wollen, nur auf auswärts, auf ihr Spezialvergnügen. Sie lassen sich darauf angewiesen sein, was das Kino=, Sport= oder Fahrtprogramm bringt. Der Grundsatz der Freizügigkeit, der das heutige Wochenend beseelt, muß aber unbedingt vor gewissen soliden Dingen und naturhaften Notwendigkeiten haltzumachen verstehen! Nicht nur vor dem Heiligtum des Gotteshauses, auch vor dem Heiligtum der Familie. Wenigstens einen Tag in der Woche muß es geben, wo die Kinder sich sagen können:„Heute ist der Vater wirklich unser Vater. Heut merken wir so ganz: wir haben eine rechte Mutter.“ Wo man sich eines bescheidenen Glückes in einer warmen Gemeinschaft zu erfreuen versteht, womöglich sich um einen Tisch setzen kann, auf welchem das Essen der Hausfrau steht. Laßt uns dieses bedenken, wenn wir unseren Plan für den nächsten Sonntag entwerfen! mit pius XI. Schon seit Wochen ist in Italien der Kampf entbrannt zwischen der Staatsgewalt und dem Heiligen Stuhl. Mussolini hat die rohen Kräfte der Staatsgewalt angesetzt, um die katholische Aktion in Italien zu zerschlagen. Die Vereinigungen der katholischen Aktion wurden aufgelöst, ihr Eigentum beschlagnahmt. Untersuchungen wurden veranstaltet, vorgefundene Schriftstücke eingezogen. Man wollte den Beweis erbringen, daß die Mitglieder der katholischen Aktion sich nicht nur auf dem religiösen, sondern auch auf dem politischen Gebiete betätigen. Man erfand groteske Anschuldigungen, man scheute vor Unwahrheiten und Verleumdungen nicht zurück. Die Regierung duldete, daß der Person des Papstes Schmach angetan wurde. Durch diese Vorgänge wurde der Hl. Vater mit tiefstem Schmerz erfüllt. Er, ein Greis, ein Fürst ohne weltliche Macht, zeigte sich als mutvoller Verteidiger der Rechte und Freiheiten der heiligen katholischen Kirche. Der ganzen Welt gab er seinen tief gefühlten Schmerz kund wegen des Unrechtes, das ihm und der heiligen Kirche angetan wurde. Ueber den ganzen Erdkreis ging sein mutvolles Wort, daß man ihm zwar das Leben nehmen könne, aber ihn nie abhalten werde, für Wahrheit, Freiheit und Recht einzutreten. Immer wieder aufs neue zögerte die italienische Regierung, die Beweise für ihre Anschuldigun S8 SSGSEES HS SSGGESES ESSHSSS SSSSHES SSSSSSESEGSS 360 589— gen zu erbringen, der Kirche und den Katholiken die im Konkordate gewährten Freiheiten unangetastet zu belassen, die Urheber des Unrechtes und der Beleidigungen zur Rechenschaft zu ziehen. Von seinem hohen Mute angefeuert, hat der Heilige Vater durch die päpstlichen Nuntien in den verschiedenen Ländern ein Schreiben an die ganze Welt gerichtet. In demselben richtet er schwere Anklage gegen die italienische Regierung und legt feierliche Verwahrung ein gegen das begangene Unrecht. Der Hl. Vater deckt den tiefsten Grund der verkehrten Maßnahmen auf. Diese sind nämlich nur ein Vorwand, um die Jugend von der frühesten Kindheit an bis zum reifsten Alter seelisch ganz ausschließlich für eine Partei, für eine Regierung in Anspruch zu nehmen. Diese Auffassung des Staates, die junge Generation ganz und ausnahmslos vom ersten Kindheitsalter bis zu den Jahren der vollsten Reife in Anspruch zu nehmen, ist für einen Katholiken unvereinbar mit der katholischen Lehre, ist unvereinbar mit dem natürlichen Rechte der Familie. Der Anspruch der Kirche, der Jugend christliche Erziehung und Bildung zu geben, kommt ihr nicht nach menschlicher Willkür, sondern nach Gottesgebot zu. Deshalb wird und muß die Kirche dieselbe immer fordern mit einem Nachdruck, mit einer Unnachgiebigkeit, die unmöglich weichen und sich beugen lassen werden. Welchen Eindruck das Schreiben des Hl. Vaters auf die stalienische Regierung gemacht hat, ist noch nicht bekannt. Es liegt jedoch außer Zweifel, daß dieser mutige Schritt des Hl. Vaters nicht ohne machtvolle Wirkung bleiben wird. Mit dem Hl. Vater hoffen und beten wir um den Sieg des Rechtes und der Gerechtigkeit, um die Freiheit und die Erhöhung unserer heiligen Kirche. Mit Bewunderung erfüllt uns der hohe Mut des Heiligen Vaters. Ein Vorbild und Beispiel ist er allen Katholiken dadurch geworden. Muttergefühl. = Eine Erzählung von Christel Broehl=Delhaes. Mit einem wehen Stöhnen wurde Frau Elisabeth wach und tastete schlaftrunken nach dem elektrischen Lichtschalter. Von der kleinen, rotgeschirmten Lampe floß mildes, sanftes Licht in die nächtliche Stille des Schlafzimmers. Verstört schaute Frau Elisabeth um sich. „Theodor, warst du gerade auf?" Vater Gröper drehte sich auf die andere Seite. „Nein!“ murrte er, im Schlafe gestört.„Was soll denn gewesen sein?“ „Es hat jemand Mutter gerufen——— Der Mann, jetzt heller wach, verzog mißmutig das Gesicht. „Wirst geträumt haben, Mutting“, beruhigte er.„Leg dich man auf die andere Seite und schlaf weiter!" „Nein!" beharrte die Mutter.„Ich habe nicht geträumt! Ganz deutlich hörte ich die Stimme. Sie klang ein wenig— schluchzend. Lach nicht, Theo, denn es ist wahr. Und— es hätte Lenes Stimme sein können!" Jetzt knurrte der Mann ernstlich. „Alpdruck, nichts als Alpdruck! Warum sollte denn Lene nach dir rufen? Die hat dich nicht mehr nötig———“ „Vielleicht hat sie mich gerade nötig——“, klagte die Mutter. „Theo, sei ehrlich, hat sie wirklich nicht mehr geschrieben?" „Nette Zeit, darüber zu reden“, wich Vater Gröper aus.„Schlaf setzt!“ Aber die beunruhigte Frau ließ nicht nach. Irgend etwas in den Worten des Mannes hatte sie mißtrauisch gemacht. „Sag' mir die Wahrheit, Vater, hat Lene nicht mehr geschrieben?“ „Der Name soll doch in unserem Hause nicht mehr genannt werden!" ereiferte sich Gröper, und es war doch nur Ausrede um Frau Elisabeths#age. „Theo, Lene hat doch geschrieben!“ hielt die Mutter fest. Nun hielt keine Lüge mehr stand vor dem Anprall des mütterlichen Gefühls. „Ja, doch, sie hat schon mal geschrieben———“ „Theo, wann und wie oft und was?“ Er wehrte sich mit Händen und Füßen gegen ihr Drängen und Bitten. „Ich weiß nichts! Nichts weiß ich! Ungeöffnet liegen drei Briefe in meinem Schreibtisch! Da auf dem Umschlag kein Absender war, konnte ich sie nicht einfach zurücksenden. Aber öffnen wollte ich sie nicht. Mamuß immer konsequent sein!" Frau Elisabeth war schon aus dem Bett und fuhr in die Pantoffeln. „Gib mir den Schlüssel zu dem Fach! Ich muß wissen, was Leue schreibt.“ „Die Briefe werden verbrannt!“ „Nein! Nein!“ schrie die Mutter.„Mein Kind schreit vielleicht nach mir und ich bin nicht da!“ „Schreit! Schreit!" äffte Gröper erbost nach.„Wie ihr Frauen immer gleich übertreibt.——— Hat sie uns nötig gehabt, als wir ihr die Ehe mit dem Andersgläubigen verboten? Nein, da hat sie uns ins Gesicht gelacht! Geld wird sie haben wollen, eine Aussteuer, nichts anderes. Aber da kommt sie bei mir an den Rechten———“ Die herben Linien im stillen Gesicht der Frau vertieften sich merklich. „Gib mir den Schlüssel, Theo!“ sagte sie noch einmal sanft, aber mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch aufkommen ließ.„Ich muß wissen, was Lene will———“ Gröpers Hand schob sich zornig unter das Kopfkissen. Er warf den fraglichen Schlüssel im weiten Bogen über das Federdeckbett, so daß seine Frau zuerst suchen mußte, ehe sie ihn fand. „Ihr seid nicht konsequent, ihr Frauen!“ schimpfte er hinter ihr her. „Konsequent—— konsequent—— er hat gut sagen“, dachte die Mutter. „Wenn er Nachhalten und Verstoßen in diesem Falle„konsequent“ nennt, dann war ich das niemals. Lene ist und bleibt mein Kind, und ich bin ihre Mutter! Und in der tiefen Nacht hat mein Kind„Mutter“ gerufen. O, ich ahne es, mein Kind braucht mich———.“ Und ihre vor Angst und Erwartung bebenden Hände öffneten die Lade des Schreibtisches, wühlten nichtssagende Briefe durcheinander, fuchten nach der einen Handschrift, der schönen, flotten und liebvertrauten——— sanden sie. Hübsch nach dem Eingangsdatum lagen sie geordnet, die drei Briefe, hinter deren kaltem, weißem Umschlag das Schicksal ihrer Schreiberin verborgen sein konnte. Frau Elisabeth riß alle drei Briefe hintereinander auf, überflog den Inhalt, hielt sich fest an der Schreibtischkante. Sätze stachen hervor, von fliegender Hand hingeworfen———„er will nicht, daß unser Kind getauft wird, weder katholisch noch anderswie, es soll ein Heide bleiben——— ———„er mißhandelt mich, weil ich mich seinem Willen entgegenstemme. Das Kind muß doch getauft werden. Wenn auch ich selbst mir alle Gnade verwirkt habe durch meinen unüberlegten, blinden Schritt —— mein Kind soll nicht büßen dafür!“ Und dann im letzten Brief der Notschrei:„——— könnt ihr mich nicht helfen? Vater! Du, Mutter! Mutter! Mutter! ich bin ja so unglücklich——— Frau Elisabeth war hilflos in die Knie gesunken. In den Händen hielt sie die drei Briefe. Zehn Tage war die letzte Nachricht alt. Zehn Tage, in denen Lene keine Antwort erhalten hatte, in der sie der Verzweiflung anheim fallen konnte, Lene, die ja nun überhaupt keinen Halt mehr hatte.———— Müde schleppte sich die Mutter ins Schlafzimmer zurück. „Theo, schlaf' nicht!“ rief sie.„Lene befindet sich in allergrößter Gefahr. Wir müssen hin! Noch jetzt! Noch in der Nacht!“ „Bist du wahnsinnig geworden?" zürnte Gröper.„Ich denke nicht daran, dem Fräulein nachzulaufen.“ „Dann reise ich!“ bestimmte Frau Elisabeth.„Ich muß reisen! Lene hat mich gerufen, diese Nacht!“ „Tu', was du nicht lassen kannst!“ mißbilligte der Mann.„Jyr Frauen kennt eben keine Konsequenz!“ „Ich will dir die drei Briefe hierlassen", sagte Frau Elisabeth ernst, „vielleicht denkst du anders, wenn du sie zum Norgenkaffee verzehrst.“---— Sie reiste mit dem Nachtzug und kam in den ersten Morgenstunden an. Auf dem menschenleeren Bahnhof der großen Stadt überfiel sie dann eine große Ernüchterung. Sie fürchtete sich, Lene in ihrer Wohnung aufzusuchen, sie fürchtete Lenes Mann und ängstigte sich, könne ihr am Ende die Tür weisen. Nein, diese Schwäche mußte überwunden werden. Lene rief nach ihr und Lene mußte geholfen werden! Sie nahm eine Taxe und ließ sich in die Rupprechtstraße fahren, eine Adresse, die Lene in allen drei Briefen angegeben. Dus bezeichnete Haus in der Rupprechtstraße schlief noch. Zaghaft drückte die bangende Mutter auf den Klingelknopf. Niemand antwortete, niemand öffnete, nichts rührte sich. Da fiel wieder die würgende Angst über die Mutter her, die ganz allein und schutzlos und von allen, selbst von ihrem Lebensgefährten, verlassen auf der Straße stand und nicht zu ihrem Kinde gelangen konnte. Sie hätte weinen mögen, laut schreien, hätte alle Leute wecken können und sie bitten:„Helft mir doch! Unter euch sind doch auch Mütter! Mein Kind ist in körperlicher und se#elischer Not!“ S 51E B SSSS SES SEE BSSS S SS S SSSS S 833 8 G Endlich erbarmte sich der unablässig Klingelnden ein freundlicher Mitbewohner des Hauses. „Die Frau Heckmaier? Die liegt seit acht Tagen im Krankengause! Marienhospital!“ Frau Elisabeth ging den Weg zurück. In der abgelegenen Gegend sand sich zu dieser frühen Morgenstunde keine Autodroschke. Nach schlafloser Nacht fühlte sich die Mutter sehr müde, abgespannt und hoffnungslos. Ein seiner Sprühregen fiel, und allerorten sprangen die Knospen der Bäume grün aus den braunen, unansehnlichen Hüllen. Eilige Arbeiter fragte die Mutter nach dem Weg zum Marienhospital. Er war noch weit. Sie kam auch am Markt vorbei, auf dem die Beschicker gerade ihre Stände aufbauten. Die Mutter sah einen Stand mit Blumen und sie dachte, daß Lene wohl ein paar Blumen brauchen könnte, und darum kaufte sie einige Sträuße. So ging sie zum Marienhospital. „Frau Gröper? Die Mutter von Frau Heckmaier?" fragte die öffnende Schwester.„Gut, daß Sie kommen, die Kranke hat die ganze Nacht nach Ihnen geschrien! Wenn wir die Adresse hätten herausbekommen können, wäre Ihnen depeschiert worden, zumal wir für das Leben zittern mußten!" „Was war denn diese Nacht?“ fragte Frau Gröper, während sie neben der Schwester die Treppe langsam und kurzatmig emporstieg. „Das Kindchen ist diese Nacht geboren worden, aber———“ „Was„aber"?—.—— „Es hat nur ein paar Stunden gelebt. Kaum, daß wir es getauft hatten, starb es———— Mit fast unverständlicher Genugtuung nickte Frau Elisabeth. „Wenn Sie auch die Adresse nicht wußten—— mir hat ein Höherer depeschiert! Diese Nacht hat es mich aus dem Bett gerissen, dieses qualvolle„Mutter— Mutter“, keine Ruhe hat es mir gelassen; ich mußte hierher fahren!“ „Wir sind froh, daß Sie da sind“, sagte die Schwester schlicht, „wir haben heute Nacht gefürchtet, wir bekämen sie nicht durch.“ Und sie blieb vor einer Tür des ersten Stockwerks stehen, die sie öffnete und leise hinter Frau Elisabeh wieder schloß. Die Mutter blieb an der Tür stehen und starrte fassungslos auf das gelbe, wächserne Gesicht in den Kissen, das ihrer Tochter gehören sollte, ihrer frischen, blühenden, rotwangigen Tochter? Während sie noch in Schmerz erstarrt den Schritt anhielt, schlug die Kranke die schweren Augenlider auf, Lenes blaue Augen schauten Frau Elisabeth an. Mochte Lene geglaubt haben, die Schwester wäre leise bei ihr eingetreten—— genug, sie richtete sich ein wenig auf, starrte in die Morgendämmerung des Zimmers, auf die schwarze, schmale Gestalt an der Tür, und schrie dann auf, ungläubig, weinend, erlöst: „Mutter! Du?“ Genau so war der Schrei in der Nacht in Frau Elisabeths Seele gedrungen. Sie machte ein paar Schritte und hielt die Tochter umschlungen. Sie weinten beide in dieser Umarmung, dann ließ die Mutter ihre Tochter sanft in die Kissen zurückgleiten, aber Lene hielt ihre Hand fest umklammert. „Warum seid ihr nicht eher gekommen———“, stammelte sie, „ich habe euch so angefleht—— vielleicht wäre dann noch alles gut geworden!" „Du weißt, daß Vater jede Gemeinschaft abgebrochen hatte“, sagte die Mutter leise. „Ja, der Vater! Aber du nicht, Mutter! du nicht?!“ „Nein, ich nicht! Eine Mutter kann wohl nie ihr Kind aufgeben, und hätte es auch das Schlimmste getan. Und darum bin ich gekommen————“ Eine Weile war Schweigen zwischen ihnen, dann kam es leise wie ein Hauch von den blutleeren Lippen: „Ich habe alles verloren—— ihn——— das Kind! Haben sie dir schon gesagt, daß es tot ist? Aber sie haben es getauft! Es ist getauft worden! Er wollte es gar nicht und hat mich vor vierzehn Tagen hinausgejagt. Wohin ich da geraten bin, das weiß ich nicht mehr, aber ich war im Krankenhaus. als ich aufwachte———— o, es ist alles aus, alles, alles———.“ Die Verzweiflung übermannte sie von neuem. Sie wühlte den Kopf in die Kissen hinein. Ihr ganzer Körper bebte. Aber die Mutter wuchs plötzlich. Alle Kleinheit und Schwäche schwand dahin. Sie naym die Blumen, die noch nicht beachtet worden waren und drückte sie in Lenes Hände. „O nein, Lene, nichts ist vorbei! Du wirst leben und ein neues Leben beginnen! Du wirst wieder mit mir nach Hause fahren! In die Heimat! Lene!" „Ju, zu dir!——— Heimar———“, schluchzte die Erschütterte und warf ihr zerstörtes Gesicht in den Duft und die Verheißung der lieblichen Boten einer neuen Auferstehung. Ein Wort des Heiligen Vaters aus der neuen Enzyklika Quadragesimo anno. „Wir empfehlen eine ganze hervorragende Uebung, von der Wir für das christliche Volk vielen und großen geistigen Bewinn erhoffen. Wir meinen die Uebung der geistlichen Exerzitien; und Wir haben den dringenden Wunsch, daß die Uebung, ibgesehen von Welt= und Ordensklerus, auch in immer weiteren Kreisen der katholischen Laien bekannt und verbreitet verde.“ Kleinigkeiten, immer Kleinigkeiten.— Kleinigkeiten! immer nur Kleinigkeiten sind es, die den Anaß bieten zu irgend einem harten Wort, einer bösen Tat und vielem anderen mehr. Es gibt sogar Menschen, die meinen, is seien bloß Kleinigkeiten, die das ganze Leben und Dasein zusammensetzen. Wie weit dies richtig ist, sei jedem Leser selbst zur Beurteilung überlassen. Aber sicherlich gibt es Kleinigkeiten in unserem alltäglichen Leben und im Umgang mit Menschen, die sehr bestimmend und sehr einschneidend wirken könten, ohne daß man sich selber ganz klar darüber geworden ist der auch nur ein einzig Mal wirklich ernstlich darüber nachzedacht hätte. Da sei einmal an eine Dame gedacht, die der hohen Gesellchaft, wie man das früher so gern zu nennen pflegte, angehört, die noch sehr reich und sehr begütert ist, die sich gewiß niemals ein volles Bild von der erschütternden Not in unserem Volk, in einer Familie, im Leben eines einzigen arbeitslosen oder kranten Menschen gemacht, und die wohl die Gelegenheit dazu mit nehr oder weniger Absicht gemieden hat. Diese Dame sehe ich zar oft in unserer Kirche sitzen; sie ist sehr gut gekleidet, und zn ihrem Arm klirren und klingen nicht weniger als sieben chwere, goldene Armbänder. Nun, es ist kein einziger unter uns, der dieser Dame(die übrigens gar nicht mehr jung ist und schon erwachsene und verheiratete Kinder hat) etwa nicht die sieben Armbänder und die Freude daran gönnen würde, aber — wir leben doch nun einmal in der Zeit des„Sozialen"— der Zeit, in der dieses Wort eine so große und wichtige Bedeutung gefunden hat, wenn wir vielleicht auch unter uns als Christen, und zwar als katholische Christen, lieber des Wortes Nächstenliebe uns bedienen sollten, das unser Herr und Gott mit seiner unendlichen Liebe geprägt hat!— Wir leben also in einer Zeit, in der man aus sozialen wie aus Gründen der Nächstenliebe wahrlich alles nach Möglichkeit vermeiden sollte, was irgend welche Unterschiede unnötig und am ganz falschen Platze betont. Aber da sitzt nun neben dieser Dame mit den sieben Armbändern eine Frau, die daheim einen Kranken zu pflegen hat und kaum weiß, wovon sie ihn pflegen soll— da ist eine Mutter mit kleinen hungrigen, schwachen Kindlein— eine kleine Stenotypistin, die sich zwei Jahre lang schon um Arbeit bemüht und mutterwindallein im Leben steht— armselig, mit dem letzten, billigen, fadenscheinigen Kleidchen am Leibe— die von Hunger und Not gezwungen, die goldene Uhr der toten Mutter verkaufen, vielleicht einen kleinen Ring mit einem Granaten, ein Erbstück, bescheiden und einfach, und doch ihr ganzer Stolz, ein Andenken, für ein paar Mark hergeben mußte— was mag da wohl in diesen Herzen heimlich, leise, vielleicht ganz unbewußt vorgehen, wenn das Auge da auf den überreichen Schmuck der alten Dame fällt? Wir wollen hier jeden Gedanken an Neid ausschalten, wir wollen ganz einfach und nüchtern nur ein wenig darüber nachdenken und uns zugleich fragen—, sind wir, die wir in der Kirche vor unserem Herrgott zur Meßfeier erscheinen, nicht alle ganz gleich? Hat der Herrgott den vielleicht lieber, der mit großem Staat, oder den, der mit geflicktem Rock zu kommt? Schaut er tatsächlich auf die Pracht oder die Bescheidenheit, die Armut an deinem Aeußeren? Nein, das wissen wir