... Ar de Gazgae sesese ee Vun Aat,p Ae u. us hhet auteg un barzch ul Heiunz ehz. beduene, Shgeg, Frant tgzuh Brung, Gakrug. Verantwortlich für den Castroper 1/0 Anzeiger Ausnahme der Sonnins Haus gebraght ai. Postbezug 125 Ml. Sale Dir ga, der, Ber: shnd ie cehl- eiche ee eir echeie 48. Jahrgang * undin eachachancher uheh 22 48. Jahrgang Naureie Neucht- Zahrichen. Abseud u un une, Argseheneheehe ensene in obigen Blätem rechteverdtindüche Krost. Dienstag, den 1. August Nr. 176 In aller Kürze. Neuigkeiten von Nah und Feen. Un den Hahihih““(fahten, dah Veineare über die Reinendioteit einer vosen zeige Baesboug, getzuben, werde, die Fraut. Holland, Skandinavien, in den Staaten der eh maligen österreichisch=ungarischen Monarchie, der Schweiz, Portugal und Amerika stattgesun zlegramme der Aktionsausschüisse in Poincare über die Notwendigkeit einer Zusammenkunft vor dem 15. August. Paris, 31. Juli. Dem„Figaro“ zufolge hat Varzablungen Ausglichsuersahtren,„belen boerston, De Iut sar Beautoortung bis zumk Volneare die Absicht, die Mitelung des franzs5 August gestelt wurde und zwar unter An= sischen Botschafters in London vom Sonnabend suohuns von wetgzich, zuoggtuichrzsn,„ür den aber die Rotwendizleit einer Zusammenkunst in von 2 Milionen Pfund zahlt. bune u un, auns Man ue. e des esalt ises Guns ue n enu e, le us, Halan. aur Aastenen, aurte se er„(vertreiene Gedante einer schritweisen, Herakser sine veon Denshgry, ezni Pheinlande wied Obigationen der Reibe O bei den entsprehenden im Reichsministerium des Innern fertiggestellt Zahlungen Deutschlands und gleichzeitige Streiund dem Reichstag zugehen.(chung der interallierten Schulden sein. esdhung Bueie un be Aung be ie Hr e Sishe, etuls Glesins ver K ose der sol bei Scheibungen zimmer dem Telie uiz, ug 2 Millonen Pfund Sterling nur R dieses brochen verden, der an der Scheblung fur.—.[Betrages zu bezahlen, von der Mehrhelt dudic ertärt vr.. verherstelungskommissen Jompatsiscg ausgenon weit gerbseder worden, baod der Cpirzez ui Bg sieg Geranielonitges habe in einer Unterehung iun Peschskabinett“.— im werden wirdvonn über diese Angelegenheit einem Mitarbeiter des dem weichstabinett vorgelest werden vourv,„Repport Herals= erklärt, daß Deutschland, bas nt Dr. Simons wird angesuchte Moratorium gegeben werden würde. Amtsgeschäfte am 1. Oktober übernehmen. Es bestehe keine Aussicht, daß Frankreich ermächasch esetelch de de boer au.. s ee *„ 3 Deutschland vorzugehen. Seit dem Erscheinen Der Staatskommissar Weißmann und die Berichts des Garantiekomitees sei es offenbar ge Presetene der Beich=Parstelungen über die worden, daß der Zustand der deutschen Finanzen eppscht urgwn. u. 4 4104 zu den verschie. Worden, bos ve. Heser nicht meht ge. demnächst aktenmäßige Barsten Beziehungen Per B f. de denen Reichsstellen zu veröffentlichen. Das sächsische Gesamtministezigy, ,bescoß eem Landtag eine Vorlage über 8 0##xpe ge.h. ev. Der beschäftigen. Lehnt er die SeilbstauflbAuflösung trotzdem durchgeführt In Kaiserslautern hat sich, Blättermeldungen lichen Organisationen gebildet, rung des Gesetzes über die Getreideumlagein der Pfalz verhindern will. worden, daß der Zustand der deutschen Finden Ankauf auswärtiger Devisen nicht mehr ge statten würde. Französische Gespensterseher London, 31. Juli.„Dailn Telegraf“ schreibt: Gewisse französische Kreise wünschen lebhaft eine rasche und intime Zusammenarbeit Lloyd Georges und Poincares. Es wird in Paris gesagt, falls es Poincare nicht möglich sein werde, vor dem 15. August mit Lloyd George zusammenzutreffen, er durch seine Pariser Kritiker gezwungen werde, drakonische Maßnahmen unabhängig zosen gingen sogar so weit, auszuführen, daß, falls keine rosung gesunden werde, die Frankreich befriedigt, in Frankreich eine Revolution ausbrechen würde. Der Mitarbeiter des„Daily Telegraf“ meint, der revolutionäre Geist Frankreich sei ein sehr lethargischer Zustand. Thomas gegen die blinde Politik der Alliierten. London, 31. Juli. In einer längeren Rede hat der Arbeiterführer Thomas, der Mitglied des englischen Parlaments ist, am Samstag abend gegen die blinde Politik der Alliierten protestiert. Der Redner erklärte, daß es die Schuld der Alltierten sei, wenn in Deutschland die sten ans Ruder kämen, da die Alltierten sich bi jetzt hartnäckig geweigert hätten, einen Unterschied zwischen deutschen Militärinten, Sozialisten und Arbeitern zu machen. Thomas sagte, land habe sich bis jetzt durch die blinde. Petzig Frankreichs ins Schlepptau nehmen lassen. Da müsse jetzt aufhören, wenn man nicht noch ernsteren Ereignissen entgegengehen wolle. Kein Nachgeben Polncarés. Eine neue Pariser Aufdringlichkeitsnote. Paris, 31. Juli. Der französische in London überreichte dem Foreign Office eine neue Note Poincares, worin dieser neuerlich tont, er wünsche die Zusammenkunft mit der englischen Regierung noch vor dem 15. August. Antwort Englands wurde noch nicht erteilt un da Lloyd George gestern auf seinen Landsitz ging und erst am Montag nach London zurückkehren wird, dürfte eine Antwort Englands vor Dienstag nicht zu erwarten sein. Ob der Londoner richterstatter des„Newyork Herald“ richtig informiert ist, wenn er erklärt, England wolle reit sein, die Zusammenkunft am 5. oder 6. Aug. abzuhalten, muß einstweilen dahingestellt bleiben. Paris, 31. Juli. Einer römischen Meldung des „Petit Parisien“ zufolge bat Lloph George, Zu der Kundgebung in Berl Engeuzzv, Vtn## Holland, Oesterreich und England, Frankreich, Amerika eingetroffen. Die baurische Krise und das besetzte Gebiet. sch se1 sen natz al. es eb beor 10 iet er en bi4 1 c n2 er“ ei 10 1 en 5 Von Joseph Herbst. Der hessische Landtagspräsident Adelung äußerte über den bayerischen Konflikt u..: Hapauug Li. Weichäge n aa t m „Die Weigerung Bayerns, die Reichsgesetze* zum Schutze der Republik durchzuführen, bee 1 * r * * deutet nach meiner Ansicht die gefährlichste## innerpolitische Krise seit der Staatsumwälzung und die ernsteste Gefahr für den Bestand des Deutschen Reiches. Es ist zu befürchten, daß besonders die Separatisten im besetzten Gebiet die wirksamen Argumente nicht unbenutzt lassen werden, die ihnen die Haltung der bayerischen Regierung geliefert hat. Ich verfolge mit großer Sorge die Entwicklung der Dinge und habe den Eindruck, e daß ich darin einig gehe mit sämtlichen Witz gliedern der bessischen Bevölkerung. Ich hoffe indessen immer noch, daß die bayerische Regierung, trotz aller inneren Schwierig= keiten, den Blick für das Gesamtwohl Deutsch= lands nicht verliert.“ Mit schwerer Sorge verfolgen wir im besetzten: Gebiet, denen die Erhaltung der Einheit unserer Republik mit einer starken, vom Vertrauen aller Landesteile getragenen Reichsregierung besonders am Herzen liegt, die bedauerliche Aufrollung: der Gegensätze zwischen Bayern und dem Reich., Nicht nur die deutschen föderalistischen Reichszerstückler, sondern auch die politischen Agenten Frankreichs versuchen die Folgen des Mordes Urantten.„„ a#nc allan Seiten an Rathenau für ihre Zwecke nach allen Seiten hin auszubeuten. Jedes Mittel ist den Franzosen recht. Während sie im Rheinland linksradikale Elemente in ihren nicht immer einwandfreien Forderungen zum Schutze der Republik Jonkage! In keine### Die Einfuhr des Deutschen Reiches nach England erfuhr in der Zeit vom 1, Jugihs 1. Juli eine Verminderung um 112016, 25g; Sterling gegenüber der Einfuhr im Monat Der französische Gesandte in Amerika, Juggerand, wird sich am Mittwoch nach Frankreich einschiffen. Ministerpräsident Poincare hat sich in seiner Festrede bei der Einweihung eines sendenkmals in den Argonnen darauf eine Schilderung der auf diesem Grund sich abgespielten Kämpfe zu geben. Die Delegation aus Palästina, die sett dem 2. August vorigen Jahres in London weilt, trat ihre Heimreise nach Palästina an. wird, daß die Konferenz von London erst nach und den Zanhagel in seinen Ausschreitungen; Lösung der italienischen Ministerkrise stattfinden Der„Humanite“ zufolge werden bereits von allen englischen Ministern Vorbereitungen getroffen, um sofort nach Schluß der Tagung des Kus dem Reiche. Zur gesteigen Ministerbeeatung. Times melden aus Riga daß Joffe, der am 2. Juli aus Moskau nach Peking abgereist ist, die Vollmacht habe, mit Japan zu unterhandeln. 31. Juli. Der„Berl. Lokalanz.“ berichtet: Am Sonntag fand in der Reichskanzlei unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eine zweite Besprechung mit dem Reichöftzgangrtntteg, und den Chefs der verschiedenen Renorts statt. Gegenstand der Beratungen war wiederum die französisch Note über die Ausgleichszahlungen und deutsche Antwort, die bis Sonntag, den 6. August, erstattet sein muß. Die gestrige, Besprechung, kanz eingesetten neuen Marksturzes. Er bat auch die Resal-sels 6elcder gest worden. asteohn a sch a, großen Plakaten mit der Inschrift,„NDie wieder Krieg“ sah man auch andere auf denen es hieß: „Vereitelt die Herstellung von Mordwerkserisenlich ereseures Ble, 9. 4. ge 25. wakischen Kriegsverletzten musikalische Bühnen einen Prosich die Der„Daily Telegraph“ meldet aus Tokto, dort seien Nachrichten eingetroffen, daß die Republik des Fernen Ostens an die japanische Regierung mit dem Vorschlage heranget ten sei, die im Frühjahr abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen. Der Vorschlag sei in Tokio nicht ungünstig aufgenommen worden. bfent, eue, bosdpeoigen, Epggtsig zer. Lustaligernonstraiot. Varauf sprachen Ee eon Aud ucd eulch ergasfelh sahzter uik Minien Gesdie u. a. eu. Sslaus der ehzuitgtoen Hrit Wite der Bodze) uicher Fegzas gzrise, Pur- on ertrist uecten se.„ von) un Reiner, Prosesoer Hesterzeich das Vort, —— Nach Meldungen aus Newyork ist dortselbst das Gerücht verbreitet, daß de Valera beimlich Irland verlassen und sich an Bord eines Amerika gehenden Schiffes begeben hat. Seine amerikanischen Freunde glauben, daß de Valera in den Vereinigten Staaten finanzielle Hilfe suchen wird. Besprechungen innerhalb der Reichsressorts. Berlin, 31. Juli. Am Sonntag fanden interne Besprechungen innerhalb der einzelnen Reichsressorts statt. Ob heute eige, Fitzung, Reichskabinetts stattfindet, war bis gestern abend noch nicht bestimmt. Voraussichtlich findet, abeg eine Kabinettssitzung heute im Laufe des Tages statt. Dollarkurs am 31. Juli: 670,00 Letzler Kurs: 608,00 Höchster Kurs: 670.00 Berliner Kundgebung „Nie wieder Krieg. .U. Berlin. 31. Juli. Die vom Aktions= ausschuß„Nie wieder Krieg“ und 39 pazifistischen Verbänden anläßlich der achten Wiederkehr de Tages des Kriegsausbruches einberufene Friedensdemonstration hat am Sonntag vormittag einen ruhigen Verlauf. Trotzdem die sozialisttschen Parteien und die Gewerkschaften eine## der über die kürzlich ferenz der Friedensgesellschaft berichtete. Am Vor„Pehnern seien genannt Graf Keseller, Dr. Penonsraton. sich, almählis„.e27.3rais en auf fast alle enropäischen Staaten und auch auf Amerika ausgebreitet habe. Ueberall seien die Gefahren die gleichen, sei ein wirklicher Fried der Krlegsgegner vich,0 Zagte zu lauten ombet, vprigiülhesche Geick“ zwar karzlich eine geschlossen, sie würde gebracht durch die der Autorität der deutschen, d. h. der preußtschen, Beamtenschaft und damit eine Förderung der Pläne der Separatisten möglich ist, reden sie den Bayern wie einem kranken Hunde zu, ihren monarchistischen Gefühlen freien Lauf zu lassen, jubeln sie darüber, daß die Sonderbündler allerSchattierungen die angeblich durch das Gesetz zum Schutze der Republik geschaffene„chaotische und unhaltbare Lage" nach Herzenslust ausbeuten. Es überrascht nicht, daß gerade jetzt nicht nur? im„Petit Parisien“, die Idee des neutralen: Rheinlandes wieder auftaucht und daß„LEckair“= am 19. Juli schreibt:„Für uns, wie für die Eng= länder, gab es— wir betonen dies wieder einmal— nur einen Siegfrieden, den Frieden, welcher den Rhein befreit und die deutschen Staaten“ von Preußen getrennt hätte". Und es überrascht nicht, wenn in einer Zeit, in der die Abge; sandten der bayerischen Königspartei wieder imRheinland tätig sind, die„Action francaise“ einen langen Brief des belgischen Grafen Renaud der Briey, des Verfassers des Buches„Der Rhein unddas westliche Problem“, veröffentlicht, der nichts anders bezweckt, als Frankreich klar zu machen, daß es zur Erreichung seines Ziels, der Zer=, störung der deutschen Einheit, nur die Erreichungh der bayerischen Monarchie unterstützen der Belgier versucht nachzuweisen, daß der Rassen=, Kultur= und Religions=Unterschied zwischen, Nord= und Süddeutschland so groß sei, daß er nicht überbrückt werden könne.„Ein kurzer Aufa enthalt“, schreibt er,„genügt schon, um die heute: enthalt“, schreibt er,„genügt schon, um die— noch bestehenden unversönlichen Gegensätze zwivod bestebenden zuiserten Süddeuschen undt schen den völlig latininerten Enbeutschen und den verächtlich„Ostelbier“ genannten Preußen erkennen. Zum Beweis für die Beharrlichkelt dieser Gefühle führe ich nur einige Zeilen er.„ ausgezeichneten Münchener Politikers und Pube lizisten an. Nach der Lektüre meiner Schrifts „Der Rhein und das westliche Problem“ hat mir Baron von Soden am 14. Juni folgendes geschrieben: KE7 „Auch ich vin entschiebener Gegner der Verbindung des Rheinlandes mit Preußen.... Preußen muß alle Gediete wieder herausgeben, die ihm organisch nicht zugehören: das Rheinland, Hannover, Hessen usw. Die Zukunft Europas hängt von der moralischen und politischen Betreiung vom Preußentum ab. Deutschland muß von der preußischen Vorherrschaft befreit werden“ Soweit der edle Münchener Baron, dessen letzte Sätze in der„Action franvaise" begreiflicherweise in auffallendem Druck wiedergegeben werden. Der belgische Graf knüpft folgende Auslassungen an diese Sätze eines deutschen Helfershelfers der französischen Pläne gegen die deutsche Einheit: „Zweifellos besteht in Süddeutschland in latentem Zustande eine ausgesprochene Abneigung gegen Preußen. Andererseits steht es fest, daß der Ultimaten und die Drohungen der Entente. Bei der in Deutschland bevorstehenden Wahl des Reichspräsidenten werde die Reaktion insbesondere alles daran setzen, um zum Ziele zu gelangen. Uusomehr muß es Aufgabe aller Republikaner und Kriegsgegner sein, in diesem bevorstehenden Kampfe sich nicht zu bedenken, daß der Kandidat der Republik Friede, der der Reaktion Krieg bedeute. Nachdem die Redner mit einem Hoch auf die Verbrüderung der Völkerbund auf die Internationale der Kriegsgegner ihre Ansprachen beendigt hatten, schloß die Kundgebung mit abermaligen musikalischen Vorträgen. In Ordnung formierten sich die Organisationen der Kriegsbeschädigten, Kriegsopfer und Kriegsgefangenen mit der sozialistischen Jugend zu einem Demonstrationszug. Zu gleicher Zeit mit dieser Berliner Kundgebung, deren Leitung in den Händen des Vorsitzenden des Aktionsausschusses, Karl Vetter, lag, haben„Nie wieder Krieg=Demonstrationen in mehr als 259 Städten Deutschlands wie auch in England, Frankreich, hier die früheren Dynastien sehr populär sind. Welche Politik muß die Entente in Würdigung dieser beiden Tatsachen einschlagen? Soll sie diese Gegensätze nähren und die Wiederherstellung der Monarchie möglich erscheinen lassen, wenn sie von einem politischen Zusammenbruch an der Eleb begleitet wäre, oder soll sie durch systematische Opposition gegen jeden monarchistischen Gedanken die Bande noch enger knüpfen, die Bayern an Preußen knechten? Der gesunde Menschenverstandgenügt, um diese Frage ze beantworten. Die für die Zukunft Europas und der zivilisierten Welt verantwortlichen Führer müssen sich folgende Frage vorlegen:„Werden wir Bayern jede Wiederherstellung der Monarchie verbieten, selbst wenn es sich vom Reiche trennen würde?“ Auch hierauf gibt Herr Renaud de Briey die Antwort mit folgender Begründung: „Die Folgen der betr. Entscheidung sind furchtbar, denn sagen wir es frei heraus: ohne bayeeischen Separatismus wird es niemals einen rheinischen Separatismus geben. Die Rheinländer werden dem Beispiel folgen. Selbst werden sie mit dem Beispiel nicht vorangehen und zwar aus psychologischen, religiösen und politischen Gründen. Der Schlüssel des Problems liegt in München, in den Händen Rupprechts von Bayern. Der sattsam bekannte Charles Maurras macht bezüglich dieser„Passivität“ der Rheinländer selbstverständlich in der„Action francaise“ Einwendungen, erklärt aber, daß es durchaus wahr set, daß beide Probleme zahlreiche Berührungspunkte hätten von denen keiner außer acht gelassen würde. Jedenfalls gehöre das von dem Belgier angeschnittene Problem zu den Fragen, mit denen sich die öffentliche Meinung der beiden Länder leidenschaftlich beschäftigt. Denn das Problem sei brennend geworden.„Persönliche Informationen“— schreibt Maurras—„gestatten mir die Erklärung, daß im Laufe der letzten Woche der französischen Militärmission dreimal die Wiederherstellung der Monarchie in Bayern angezeigt wurde. Einmal wurde davon offiziell Mitteilung gemacht.“ Und auch Herr Maurras kommt zu der Slußfolgerung, daß in der Außenpolitik man weder Republikaner, noch Royalist sein dürfe, sondern man müsse nichts als Franzose sein.“ Man braucht nicht besonders hellhörig und hellsehend zu sein, um herauszubekommen, daß für dieses neue„brennende Problem“, im besetzten Rheinland schon erheblich vorgearbeitet wird. Durch Spitzel und Agenten mit adeligen Namen und auch aus kleinen Kreisen, durch Verbreitung von Gerüchten, durch Briefe von angeblich zuständigen bayerischen Stellen, durch Nachrichten, Neue Erhöhungen der Postgebühren. Kaum ist es einige Wochen her, daß ganz wesentliche Erhöhungen der Gebühren bei der Reichspostverwaltung in Kraft getreten sind, und schon werden ganz gewaltige neue Erhöhungen aller Gebühren zum 1. Oktober geplant. Die notwendig gewordenen Erhöhungen der Löhne und Gehälter der Arbeiter und Beamten und nicht zuletzt die bedeutende Erhöhung der Ausgaben sachlicher Natur ergeben für das Rechnungsjahr 1922 bei der Reichspost einen voraussichtlichen Fehlbetrag von 11 Milliarden Mark, den man durch abermalige Erhöhungen aller Gebührensätze auszugleichen sucht. So soll der einfache Fernbrief 5 Mark kosten, die Fernpostkarte 250 Mark, Drucksachen bis zu 20 Gramm 0,75 Mark, von 20 bis 50 Gramm 1,50 Mark, von 50 bis 100 Gramm aber 3 Mark. Die vorgesehenen Mindestgebühren für Pakete sollen betragen in der Nahzone 5 Kilo 10 Mark, in der Fernzone aber 20 Mark. Ein 15=Kilo=Paket kostet dann in der Nabzone 30 Mark, in der Fernzone die von Mund zu Mund verbreitet werden. Die dgng in der Nabzone 30 Mark, in der Fernzone Agenten des Herrn Dorten schüren, ohne daß esrunggark. Alle anderen Gebühren, wie Versicheden Beteiliaten immer affenbar wird das Feuer####g: Einschreibegebühren, Postanweisungen, Zayltarten usw., sollen entsprechend erhöht werden Beleitigten immer ossendar wird, bas Feuer der Erregung in nationalistisch gesinnten Kreisen, und die Franzosen selbst versuchen gleichzeitig, sich bei der Masse oder ihren Führern durch Liebenswürdigkeiten und Versprechungen aller Art den Anschein einer Förderung ihrer besonderen Interessen zu geben. Was sich jetzt zwischen Rhein und Main, zwischen dem deutschen Westen und dem deutschen Süden abspielt, das könnte als ein Schauspiel bezeichnet werden, wenn es nicht so ernst wäre. Dieselben Franzosen, die den jetzt zum monarchistischen Föderalismus übergegangenen Dorten, und die mit allen Mitteln die Reaktion in Bayern fördern, unterstützen ebenso tatkräftig die„Arbeit" des Republikaners Smeets, der sämtliche Reichsgesetze, Steuer usw. im Rheinlande abschaffen will, um die Massen zu ködern, und ebenso jede Regung, die sich gegen reaktionäre Beamte oder solche richtet, die es auf französischen Wunsch hin sein sollen. Grund genug, Augen und Ohren offen zu halten und die deutsche Politik vor allzu einseitiger Einstellung ohne Berücksichtigung dieser leider nicht wegzuleugnenden Tatsache zu hüten! Handelsteil. Berliner Produktenbericht. Berlin, 31. Juli. Der neue Sturz der Markwährung hat den ganzen Produktenmarkt in seinen Bann gezogen und vom Inlande das Angebot allgemein derartig zurückhaltend gemacht, daß selbst bei den sprunghaft höheren Geboten die Käufe fast nur zum geringsten Teil zu billigen waren Die Preise standen sich gegenüber offiziellen Freitagsverkehr für Weizen und Roggen ungefähr 100 bis 150 Mark höher. Kennzeichnend für den Mangel an Material ist, daß Mehlofferten vom Inland nur vereinzelt vorlagen. Wintergerste war in flauen Partien angeboten und zu den erhöhten Forderungen nicht leicht unterzubringen. Sommergerste viel gesucht und wesentlich höher, Ebenso ging Hafer schnell in die Höhe, zumal der Konsum jeden Preis bewilligt. Mais hatte die gleiche Situation. Alle anderen Marktgebiete waren gleichermaßen wesentlich höher, Nichtamtliche Notierung. Drahtgepreßtes Roggen= und Weizenstroh 215245; Haferstroh 215=245; Bindfadengepreßtes Roggen= und Weizenstroh 200=230; Gebündeltes Roggenlangstroh 240=245; Loses und gebündeltes Krummstroh 180=200; Häcksel 280=285; Handelsübliches Heu 430=500; Gutes Heu 500=750, den. Für Telegramme ist eine Wortgebühr von 2 Mark vorgesehen. Ganz ungeheuerlich aber erscheint die beabsichtigte Steigerung der Fernsprechgebühren. Die am 1. Juli in Kraft getretene Erhöhung ergab eine Steigerung von 160 Prozent. Die geplante Erhöhung sieht eine Steigerung um weitere 160 Proz., also eine glatte Verdoppelung der heute schon sehr hohen Gebühren vor. Angesichts dieser recht unerfreulichen Erscheinungen dürfte es an der Zeit sein, daß man sich im Reichspostministerium darüber klar wird, daß endlich andere Maßnahmen zu ergreifen sind, um der Reichspost zu helfen, als fortwährend Tariferhöhungen für die Arbeiten, die die Reichspost als Verkehrsinstitut dem Volk gegenüber zu letsten hat. Gewiß, Gebührenerhöhungen sind der einfachste und wohl auch der bequemste Weg, das heißt, solange es dauert. Ein altes Sprichwort sollte man beherzigen, ehe es zu spät ist; dieses Wort sagt: Allzu straff gespannt, zerreißt der Bogen! Das in den letzten Jahren beliebte Verfahren, Fehlbeträge nur immer durch neue Erhöhungen der Gebührensätze wettzumachen, muß letzten Endes gewaltsam zu einer Erdrosselung des Verkehrs führen, wodurch dann die Post selbst den Schaden haben wird. Bis jetzt wird ein solcher Rückgang von der Postverwaltung abgeleugnet, weite Kreise der Verkehrswelt denken hierüber jedoch anders. Die bei der letzten Erhöhung erfolgte Herabsetzung des Portos für Ortsbriefe ist aber sicherlich nicht aus lauter Liebe zum Ortsbrief erfolgt, sondern sie ist deshalb vorgenommen worLehte Brahmeldungen. Berlins Antwort nach Paris Berlin, 31. Juli. Dem hentigen Kabinettszat liegt ein vorläufiger Entwurf zu einer Autwort auf die französische Note vor. Wenn möglich, soll vor Ablauf der zehntägigen Frist die Antwort nach Paris übersandt werden. Herabminderung der interalliierten Kontrollkommision. Berlin, 31. Juli. Wie die„TelegraphenUnion“ erfährt, ist die Pressenachricht, wonach demnächst eine erhebliche Herabminderung der interalliierten Kontrollkommissionen erlassen wird, in dieser Form nicht richtig. Bekannt ist nur, daß die Marinekontrollkommission zum 1. Oktober in geringem Umfang verkleinert werden soll. Sie wird nach der Verkleinerung noch 44 Offiziere mit dm entsprechenden Beamtenapparat umfassen. Zur Mordaffäre Rathenau. Dresden, 31. Juli. Der vor einiger Zeit in Dresden unter dem Verdacht mit den Rathenaumördern in Verbindung gestanden zu haben, verhaftete Kapitäulentnant a. D. Abendroth ist, weil der Verdacht sich als unbegründet erwiesen hat, wieder aus der Haft entlassen worden. Die bayrische Volkspartei für Herabsetzung der Umsatzsteuer. München, 31. Juli. Die bayrische Volkspartei fordert in einem Antrag von der Regierung, daß sie bei der Reichsregierung dahin vorstellig wird, daß die Umsatzsteuer bei den notwendigsten Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen aufgehoben werden soll. Amundsens Pläue. Paris, 31. Juli. Aus London wird berichtet, daß Amnndsen, der am 29. Juni nach der Nordküste von Alaska abgefahren ist, wahrscheinlich seine Nordpolexpedition auf das nächste Jahr verschieben wird. Er wollte von Kap Barrow mit einem Flugzeug das Polargebiet überfliegen. In London ist jedoch eine Depesche eingetroffen, wonach die Vorzeichen für dieses Jahr so ungünstig sind daß er wahrscheinlich auf die Ausführung seines Plaues verzichten muß. Er hatte gehofft, das Kap Barrow Mitte Juli zu erreichen, ist aber den, weil der Rückgang im Versand von Ortsbrie= auf seiner Fahrt durch mächtige Eisberge aufgefen ein so gewaltiger war, daß der Reichspost ein ganz empfindlicher Schade am Geldbeutel entstanden war. Ganz ähnlich liegt es auch bei anderen Briefen, Karten usw. Es schreibt eben nur derjenige, der dazu gezwungen ist. Man sehe sich nur die Ansichtskartenindustrie an; früher bot diese Industrie tausenden Menschen Brot und Verdienst, heute ist diese einst blühende Industrie nahezu vernichtet! Nun sehe man sich den Paketverkehr etwas näher an; hier sind der Post ganz enorme Summen verloren gegangen, namentlich im Nahverkehr führen die hohen Portosätze dazu, daß immer mehr zu anderen billigeren Versandmöglichkeiten gegriffen wird. So sind nach statistischen Angaben in neun Monaten mehr als 20 Millionen Pakete durch Privatautos usw. befördert worden, also von der Post abgewandert. Daß für die Folge sich die private Vermittlertätigkeit bei Besorgung von Briefen oder Päckchen usw., ob erlaubt oder nicht erlaubt, noch mehr ausbreiten wird, darf man als sicher annehmen. Dadurch werden dann der Post diese Einnahmequellen noch mehr verwässert werden. Sollte die geplante erneute Verdoppelung der Fernsprechgebühren aber Tatsache werden, ohne daß Milderungen für den Wenigsprecher vorgesehen werden, so müssen sicherlich zahllose kleine Geschäftsleute, Handwerker usw., dazu übergehen, den Anschluß zu kündigen, da die ungeheuren Gebühren für diese Kreise nicht mehr tragbar sind. Das für den Fernsprecher von der Postverwaltung beliebte Verfahren führt zweifellos zu einer zwangsweisen „Einschränkung des Fernsprechverkehrs, wenigstenr halten worden. Er gedenkt, diesen Winter auf Kap Barrow zu verbringen, um erst im nächsten Jahre im Inni einen neuen Versuch zu machen. Eine Zusammenkunft der EisenbahnPräsidenten. Newyork, 31. Juli. Die Eisenbahnpräsideuten werden am nächsten Dienstag in Newyork zusammenkommen, um über die Vorschläge Hardings zur Beilegung des Eisenbahnerstreiks zu beraten. * Von dem amerikanischen Finanzmann Frank Vanderlip, der eben von Berlin nach München gereist ist, erscheint ein neues Buch:„Was aus Europa werden soll“. In dem Buche trägt ein Kapttel die Ueberschrift:„Der Giftvertrag von Versailles". Vanderlip, der früher frankophil war, scheint demnach diese Orientierung aufgegeben zu haben. 45 Ein Vermächtnis. Roman von W. Waldbröhl. hinsichtlich der Zahl der Anschlüsse und der daran beteiligten Volkskreise. Man kann hier auf Amerika verweisen, wo man in dieser Beziehung gerade umgekehrt verfährt. Anscheinend glaubt man einen etwaigen Schaden wieder dadurch wettzumachen, daß nun diejenigen, die es sich leisten können, desto mehr sprechen. Volkswirtschaftlich betrachtet, ist eine derartige Politik im höchsten 8 Grade falsch und verwerflich. „Das alles weiß ich natürlich sehr wohl„mein Herr. eerwiderte Doktor Hellbach,„da ich ja noch in der Nacht der schändlichen Tat als Arzt zugezogen wurde. Aber ich glaube auch noch etwas anderes zu wissen.“ * Aufmerksam blickte der Unbekannte auf. „Und das wäre?“ „Sie haben mir Ihr Vertrauen angeboten. und Sie werden mir deshalb auch gestatten müssen, daß ich ganz offen spreche.“ „Ich bitte sogar dringend darum.— Denn nur durch gegenseitige, rückhaltlose Offenheit können wir in dieer sehr delikaten Angelegenheit zu einer Verständigung gelangen.“ #„Nun denn— ich glaube zu wissen, daß es Leute glbt, die den Behörden ohne weiteres auf die Spur der uis jetzt vergebens gesuchten Verbrecher helfen könnten. Und ich glaube weiter zu wissen, daß einer von diesen Leuten in diesem Augenblick vor mir sitzt.“ * Wenn er sich eine starke Wirkung seiner Worte versprochen hatle, so sah er sich vollständig enttäuscht, wenigstens insosern. als nichts von einer solchen Wirkung nach außen hin in Erscheinung trat. Das schöne, charahtervolie Gesicht des ihm gegenübersitzenden Manblieb ganz ungewegt, und auch seine Stimme hatte nichts ron ihrer früheren Festigkeit und Ruhe eingebüßt, da er ohne alles Besinnen erwiderte:„Es ist moglich, daß Ihre Vermutung in einem gewissen Sinne zutrifft. Aber darf ich fragen, welche Schlüsse Sie daraus ziehen wollen?“ „Nun, es wäre doch wohl das Nächstliegende und Natürlichste, wenn ich von Ihnen verlangte, daß Sie Uhre Kenntnis nicht länger für sich behalten! Sie können Ihre Pflichten gegen die Tote und gegen die Ueherlebende, die, wie Sie selber sagten, einst Ihrem besonderen Schutze anvertraut wurden, doch pohl nicht besser erfüllen, als indem Sie das Verbrechen fühnen helfen, das an einem Ihrer Schützlinge verübt wurde, ohne daß Sie es zu hindern vermochten!" *„Ich verstehe Ihre Forderung vollkommen! Und wenn es sich um die Verhältnisse einsacher Privatpersonen handelte, hätte ich sicherlich längst getan, was Sie letzt von mir verlangen.— Aber wenn ich einen anderen Weg einschlage, so soll damtt gewiß nicht gesagt sein, oaß ich auf Vergeltung für das Geschehene verzichte! Ich bin vielmehr überzeugt, daß ich den Uebeltäter auf diese Art viel sicherer und viel schwerer trefals wenn ich jetzt den deutschen Behörden Mitteilung von einem Verdacht machte, der sich niemals erweisen lassen würde.“ „Ob diese Erklärung eine innerlich berechtigte oder eine leere Redensart ist, kann ich natürlich nicht entscheiden. Ader wennn Sie in irgend einer Hinsicht auf meine Mitwirkung rechnen, werden Sie sich wohl entschließen müssen, klar und verständlich zu sprechen.“ „Lassen Sie mich lieber zuerst sagen, was ich von Ihnen erwarte.— Ich möchte Sie einzig bitten, meiner Schutzbesohlenen auch weiterhin Ihre ärztliche Sorgfalt angedeihen zu lassen— sie, so weit es in Ihren Kräften steht, vor jedem neuen Ungemach zu bewahren und sie, wenn es etwa sein müßte, daß sie demnächst eine größere Reise antritt, neben der Gesellschafterin Zorka als ihr Beschützer auf dieser Reise zu begleiten. Das sind doch schließlich Freundschaftsdienste, durch deren Leistung Sie sich auf keinen Fall der Gefahr aussetzen können, mit den Gesetzen des Staates oder mit Ihrer eigenen Ehre in Konflikt zu geraten. Oder sind Sie darin anderer Meinung?“ Die Aussichten, die sich bei den Worten des Fremden für ihn auftaten, mußten für Hellbach natürlich etwas gewaltig Lockendes und Verführerisches haben. Jeder andere an seiner Stelle würde sich vermutlich ohne jeden Vorbehalt bereit erklärt haben, die Beschützerrolle zu übernehmen, die ihn nur noch enger mit dem geliebten Mädchen verbinden konnte. Aber alles in dem jungen Arzte lehnte sich gegen diese Heimlichkeiten auf, deren Opfer allem Anschein nach die unglückliche Hilda von Reichenau bereits geworden war, und die wie ein beständig drohendes Verhängnis nun auch über dem Haupte ihrer Schwester hingen. Seine Liebe gab ihm den Mut und vor seinem eigenen Empfinden auch das Recht, Klarheit zu fordern. Nicht umsonst sollte die Vorsehung ihm den Mann zugeführt haben, der nach seiner Ueberzeugung allein imstande war, ihm diese Klarheit zu verschaffen, Gn Ar „Ich werde tun, was Sie von mir verlangen— und im Notfall noch viel mehr als das. Aber ich will zuvor wissen, welchen Zwecken ich damit dienen soll. Denn ich kann nach auem, was ich bis jetzt gehört und beobachtet habe. nicht mehr daran glauben, daß es Ihnen nur um das Wohl meiner Patientin zu tun ist.“ „So hören Sie mich denn an. Herr Doktor!— Ich hoffe. Sie werden nach dem Empfang meiner Mitteilungen selbst die Einsicht gewonnen haben, daß es notwendig ist, bis zu einem gewissen Zeitpunkt über die Dinge, die hier in Frage stehen, Stillschweigen zu beobachten. — Also zunächst: die Zwillingsschwestern führten den Namen, unter dem sie hier bekannt und der Polizei gemeldet sind, zwar mit vollem Recht; aber sie sind ebensowohl berechtigt, einen viel stolzeren und hochklingenderen Namen, der nicht nur mit einem wesentlich hösondern auch mit einem fürstlichen Vermögen verbunden ist. Wenn sie darauf verzichtet haben, sich aller dieser Annehmlichkeiten hier zu bedienen, so geschah es lediglich, um sie durch ein Inkognito vor Nachstellungen und Belästigungen zu schützen. Ich selbst war es, der sie dazu veranlaßte, weil mir dieser Weg als der zweckmäßigste erschien. Und wenn es mir doch nicht gelungen ist, das Unheil abzuwenden, so erklärt sich das eben einzig aus den Machtmitteln und den ausgezeichneten Verbindungen, die der andern Seite zur Verfügung stehen.— Wer unter dieser andern Seite zu verstehen ist, kann ich Ihnen vorerst nur andeuten. Es ist ein Oheim der Zwillingsschwestern— ein Ausländer, der vor Jahrzehnten die Schwester ihres Vaters heiratete, und dessen Familie einst eine sehr bedeutende Rolle in der europäischen Politik gespielt hat. Mitglieder dieser Familie haben vor Zeiten sogar eine Krone getragen, und der Mann, von dem ich spreche, verfügt über eine nicht geringe Anhängerschaft, die sich mit der Absicht tragt, ihn selbst oder seinen Sohn wieder auf diesen, jetzt von einer anderen Dynastie eingenommenen Thron zu erheben.— Was bis jetzt zur Verwirklichung des Planes gefehlt hat, waren in der Hauptsache nur die Millionen, deren es bedarf, um in dem Lande, das hier in Betracht kommnt, eine derartige Umwälzung herbeizuführen. Der Prätendent hatte seine Hoffnungen darum seit langem auf seinen Schwager, den Vater der Zwillinge, die Ihnen unter dem Namen der Baronessen von Reichenau bekannt geworden sind, gesetzt. Und es ist demgemäß schon vor Jahren zwischen den beiden Verwandten eine Vereinbarung zustande gekommen, die jenen Wünschen Rechnung tragen sollte. Ich hoffe, ich habe mich mit dieser Einleitung klar genug ausgedrückt, um Ihnen verständlich zu werden. Herr Doktar 197“ „Jawohl!— Aber Sie müssen entschuldigen. ir es mir schwer fällt, mich an die Vorstellungen zu wöhnen, die Sie da geweckt haben Ada von Reichem sollte oder könnte danach die Nichte eines regierende Fürsten werden?— Sie— dis einfache, harmlose Kin dem Hochmut und Standesdünkel bis jetzt völlig und kannte Begriffe geblieben scheinen?“ Der Fremde verzog die Lippen zu einem seinen cheln. „Nach dem Willen ihres Vaters und ihres Ohelm sollte ihr sogar noch Größeres vorbehalten sein als da Sie selbst— oder vielleicht auch ihre Schwester, dem ich bin über all die Einzelheiten des Vertrages in die sem Punkte nicht genau unterrichtet— sollte als die Gemahlin ihres jungen Vetters den Platz an seinet Seite einnehmen, solte ihr junges Haupt mit einer K# nigskrone schmücken dürfen.“ Es war dem jungen Arzt, als ob ihn semand unver sehens mit einem Kübel eiskalten Wassers überschüt tet hätte. Wäre er nicht durch allers Voraufgegangen und durch die vom Gruber geäußerten Vermutungen bei reits auf außergewöhnliche Dinge vorbereitet gewesen so würde er wahrscheinlich angenommen haben, das man sich einen schlechten Spaß mit ihm machen wolle Aber der Mann, der ihm da gegenübersaß, hatte freilich nicht das Aussehen eines aufschneiderischen Spaßzvogels Und es hatten sich außerdem in diesem seltsamen Dro ma der bitterernsten Dinge mehr als genug ereignet um jeden Gedanken an ein zweck= und bedeutungs# loses Gaukelspiel auszuschließen. So raffte sich Doktor Hellbach denn endlich zusommen, um den andern seine Bestürzung nicht allzu deutt lich merken zu lassen, und er erwiderte scheinbar rus hig: „Ich habe kein Recht, einen Zweifel in die Wahr haftigkeit Ihrer Worte zu setzen. Aber die Vorgän der letzten Zeit sind mir niemals so unverständlich ge wesen als nach dieser Ihrer Eröffnung. Wenn solche Absichten bestanden— wenn es sich sogar um den Platz einer ehelichen Verbindung handekte—, wie in Welt sollte der Oheim der Zwillingeschwestern dazu kommen, Meuchelmörder gegen sie zu din Und weshalb soh man sich veranlaßt,### i0 tpr Sesioen ommbeten Brdinlbumn u Sehhentr Glerthbes indauf He. Einn=Ee. Gafttoxe. Henluug. Jer Nuueß. Vachrichten* Bladepharster Tageblatt. Dianat== din 4 August#### Nr. 176. Kauxeie. Keuene Nachrichten. Hiabenhorstel Tagevinlt.! Viensrag, den 1. August 192. * * 2 Jagene Neche Gasnep hatte, in den Tagen der Jugendwoche in die lachenden Augen unserer Kinder zu schauen, dem kann nicht bange werden, der kann nicht mutlos sein. Ein feuriges Wollen, an dem Neubau unseres lieben Vaterlandes ernsthaft mitzuarbeiten, leuchtet uns aus Millionen von blauen Sternen entgegen. Unsere Jugend muß unsere Zukunft der Lehrversonen stebende Feslzug endete mit ei. sein. Aber nu, nehen ezner vuntezdennäesgen 45 Marktplate, wo von Rusiestüicken und Reigentän= ausovfernden Liebe zur Heimat, Nüchternhelt die Schlußseier. Unter Vorantritt des Trommler= und Pfeiserkorps der Franziskusschule und des Städtischen Orchesters unter Herrn Kammels Leitung zog am Sonntag nachmittag Castrops Jugend durch die Straßen der Stadt. Der unter Führung zen umrahmt, seitens des Leiters der Jugendwoche, des Herrn Rektors Kramwinkel, nachstehende Ansprache gehalten wurde: Meine sehr verehrten Damen u. Herren, liebe Kinder! Die Jugendwoche naht ihrem Ende. Freude aud Frohsinn hat sie euch Kindern gebracht, aber auch ernste Arbeit für Körper und Geist. Möge die Saat, die gesäet wurde, aufgehen, erblühen und erstarken. Aus euch, ihr Kindern, sollen wieder westfälische Eichen werden, die das Vatershren Einzug halten, wenn die alte Zeit, von der unsere Großväter und=Mütter so gerne erzählen zurückkommt, wenn Familiensinn und Familienglück wieder bei uns eingekehrt ist. Ihr. lieben Kinder, sollt die Träger dieses Glückes sein, daß, heute zwar noch auf schwachen Schultern ruhend, sich aber allmählich erstarkend erhebt und zur gewaltigen Größe heranwächst, vor dem in Staunen und Bewunderung die Welt, die heute über uns zu Gericht sitzt, wieder bangt. Echtes und rechtes Deutschtum, aber frei von Stolz und land in der Zukunft so nötig braucht. Ich danke der Eitelkeit vergangener Tage, muß unser Werk euch, ihr Kinder. für den Fleiß, mit dem ihr diese Frönen. Nicht hassen und beneiden sollen uns die Tage so glänzend gestaltet; ich danke euch Eltern, andren Völker, aber sie sollen uns bewundern die ihr eure Kinder so gern geschickt habt; ich danke euch allen, die ihr mitgearbeitet habt an unserem Werke, das nicht nur für jetzt, sondern für alle Zeiten Bedeutung haben soll. Andere Tage, als die heutigen, sonnigere sind! Aber uns dahingerauscht: bis drohend das Unheil über das Vaterland hereinbrach. Da, wo im Bergkranz malerischer Türkendörter und grauer Kastelle auf kahlen Höhen die Miljaska in breitgemauertem Bett unter maurischen Bogenfenstern, zwischen Minaretts und Moscheen, Kirchen und Konaks, zwischen Morgenund Abendland am Kaj von Serajewo dahinfließt, da fiel am 28. Juni 1914 der österreichische Thronfolger durch serbische Bubenhand. Ein schweres Schweigen folgte. Vier Wochen hielt die Welt den Atem an, zweifelte noch an dem Ungeheuren, das den Himmel verfinsternd, emporstieg. Zu oft war schon der Krieg ausgerufen, und der Wolf war nicht gekommen, nicht aus den Steppen Marokkos, nicht vom Balkan. Nun erhebt sich plötzlich dräuend die Hand in den schwarzen Vergen. Ein Raunen und Flüstern geht durch den heutschen Blätterwald, der Wiederhall der Tat von Serajewo. In der 6. Abendstunde des 30. Juli 1914 heute vor 8 Jahren, wächst der Wind an zum Sturm und schließt im Brausen endlos erregter Menschenmassen. Der Krieg war da. Dem Knall der Schüsse von Seraseing, Donner aller Gewitter„Zen, schlagend, der Krieg über„Prend. Blutig und zerrissen liegt sein Geblles Vaterland am Boden, seine besten Söhne sind gefallen, junges Blut, kaum der Schule entwachsen. Sie liegen fern von uns in den Eisfeldern Sibiriens, im sonnigen Italien und unter dem Weinlaub Frankreichs begraben. Ihr Blut verspritzten sie für das Vaterland und die heimatliche Scholle, für uns alle, auch für euch. Toch nicht vergebens ist es geflossen; denn unberührt stehen unsere Fluren und Wälder, unsere Dörfer und Felder noch da. Wir wissen nicht, was wir solchen Helden verdanken, bedenken kaum mehr, was sie alles für uns gelitten; aber das soll am heutigen Tage unser und am echten rechten deutschen Wesen mit uns genesen. So kragk ihr nicht allein Deutschlands Zukunft in euren schwachen Händen, in euch sucht ganz Europa, sucht die ganze Welt Wohlergehen, Zufriedenheit und Glück. Versprecht mir am heutigen Tage feierlichst, schwört mir bei den ewigen Sternen dort oben, zu denen das Volk auf dem Rütli schwur, daß ihr euch nimmer vom Recht entfernen wollt und euer ganzes Können einsetzen werdet für das Wohl unserer lieben Heimat und für unser teures Vaterland. Das Hoch des Redners auf die liebe Heimatstadt Castrop wurde von allen Anwesenden begeistert ausgenommen. Nach Abschluß der Feier auf dem Marktplatze bewegte sich der Festzug dem Festplatze auf dem Reungelände zu, wo bei scherzhaften Wettkämpfen wie Eierlaufen. Tauzlehen, Dreibeinlaufen usw. die Zeit im Fluge verrann. Nachmittags um 6 Uhr begann vor ausverkauftem„Hause“ in der Kottenburgerschlucht die zweite Tellaufführung auf der Freilichtbühne. Das zahlreich erschienene Publikum kargte nicht mit Beifall und loqnie damit insbesondere die Hauptspieler und die trefflich romponierten Massenszenen. Zur Tell=Rufführung schreibt man uns: eine Tellaufführung in der Korrenvurgerschlucht— wahrlich ein kühner Gedanke, und seine Ausführung eine Tat, die unbedingt als Höhepunkt der Castroper Jugendwoche anzusprechen ist. Der Schauplatz der Handlung war mit Kennermiene ausgesucht, und die amphitheatralische Lage des Zuschauerraumes ermöglichte es einem vieltausendköpfigen Publikum bis auf den letzten Platz der Handlung zu folgen, zumal die Akustik im Freien ganz vorzüglich war trotz des Windes. Das ansteigende Gelände hinter der Szene bot einen großartigen Hintergrund, der die malerische Wirkung großer Massenszenen bedeutend hob. Zu unserer großen Freude gedenkt man das Unsoll am heutigen Tage unser Treuschwur sein: ternehmen zu einer dauernden Einrichtung zu Werk fortsetzen, das unsere Bä=] machen. Wir empfehlen zu diesem Zwecke einen ter und Brüder begonnen und wenn es uns auch besseren Abschluß nach der Bahnseite, etwa durch nicht vergönnt ist, für das Vaterland zu sterben, eine Anpflanzung, um jedes störende Moment Fotersand seden eg u Midbels, ibr Hale, für 2a, grbinden und dem Ganzen einen intimeVaterland lehen. Es gilt ein neues Vaterlands ren Charakter zu geben.— Der Dichter schafft und Ruinen starren uns von sein Werk unter der Voraussetzung eines guten allen Seiten entgegen, düster und grauenerre=stechnischen Apparats. Er rechnet mit der Bühgend winkt die Zukunft, wer aber Gelegenheit nenillusion, mit reichen Szenen= und Beleuch#################.## tungswechsel(S. Rütlisz.), Momente, die die seelische Einstellung der Zuschauer wesentlich beeinflussen. Ist auch der„Tell“ mit seinen äußerst wirkungsvollen Massen= und Einzelszenen für eine Freilichtaufführung verhältnismäßig gut geeignet, so konnte man doch unter Berücksichtigung der oben genannten bühnentechnischen Schwierigkeiten über das Gelingen des Unternehmens in starkem Zweifel sein. Doch die Aufgabe, auf einem Schauplatze, der in aller Eile hergerichtet werden mußte und nur den geringsten szenischen Anforderungen genügte, die gewaltige Handlung eines Dramas wie Tell zu entwickeln, wurde verhältnismäßig glänzend gelöst, und die Schwierigkeit, auf freier Bühne den Zusammenhang des Gesamtspiels und der Szenenfolge zu gewährleisten, gut überwunden. Das war in der Hauptsache das Verdinest des Herrn Dirksen, der als die Seele des ganzen Unternehmens mit guter künstlerischer Auffassung seine Doppelaufgabe als Hauptdarsteller und Regisseur zugleich vollkommen meisterte. Ihm und seinen Mitspielern für ihren selbstlosen Idealismus in dieser Zeit materiellen Denkens doppelt Dank! Die starke Beteiligung der Lehrerschaft erfüllt uns mit besonderer Genugtuung und gibt uns die frohe Hoffnung, daß man in den Kreisen unserer Volkserzieher noch das Banner des Idealismus hochhält und die Jugendbewegung der Tat,nicht bloß der Phrase, als richtiges Ziel erkennt.— Die Ruhe, selbst des Kinderpublikums am Samstag ließ die große Wirkung des Gebotenen ohne Zweifel. Die einzelnen Darsteller hatten sich in das Charakteristische ihrer Rollen seelisch gut eingelebt, technisch gleichermaßen gut eingearbeitet und erzielten in Spiel und Gegenspiel, abgesehen von geringen Schönheitsfehlern in Spiel und Sprache, die im Rahmen des Ganzen nicht weiter auffielen, zum Teil Leistungen die von Berufsschauspielern nur wenig überboten werden dürften, jedenfalls den Stempel tief sinniger und inniger Hingabe an die gestellte Aufgabe unverkennbar trugen.— Rasche entschlossene Tat ohne vieles Reden, das Eharakteristische des Haupthelden, fanden in Herrn Dirksen einen glücklichen Intervreten. Als kühner Alpenjäger, als mutiger Fährmann, als liebender Gatte und Vater trat uns das Bild des Schweizer Volkshelden plastisch vor die Augen. Die klare, deutliche Aussprache mit dem echtenZungener gefielen ganz besonders. Eine vornehme, künstlerisch gut durchdachte Stauffacherfigur trat uns in Herrn Dr. Arnold entgegen. Haltung und Geste in Verbindung mit einem sehr angenehmen, voll= und wohlklingenden Organ brachten den ernsten, selbstbewußten, gemessenen Typ des freien Schweizer Landmannes klassisch zum Ausdruck.— as eshchte. Müic hlich hes che nuißte sich mit guten Verständnis anzupassen. Das leidenschaftliche Pathos des Melchtals mit seiner starken Häufung seelenerschütternder. tragischer Höhepunkte kam in dem Spiel des Herrn Weckermann mit unverfälschter elementarer Gewalt zum Ausbruch, ohne die Grenzen des ästethisch Wirkungsvollen zu überschreiten— eine Gefahr, die dieser, gewiß sehr schwierigen Rolle sehr nahe liegt. Sein Gegenspiel mit Staufsacher und Walter=Fürst, dem Vertreter des besonnenen, bedächtigen Alters, schuf vorzüglich abgegrenzte Charaktergegensätze.—Eine vorzügliche prächtige Geßler=Erscheinung mit ihrem bruSchützenblut des Vaters rollt, mutig und unvidorben wie die Hochgebirgsnatur. Der Kleyzmachte seiner Rolle alle Ehre und erhöhte besos rin ders durch sein Auftreten in der Abschieds= un### Apfelschußszene die Wirkung bedeutend. 7 Joen Auch die übrigen Darsteller griffen mit mes oder weniger gutem Geschick in den Gang### el. Handlung ein und trugen ihr Bestes zum Gelt## gen des Ganzen bei— Gruppenbilder von höch e# malerischer Schönheit und dekorativer Wirkußeldbe boten besonders die bunten Volksbilder in Au or torf, der Hochzeitszug u. a. Die vorgenommeng## sachlich einwandfreien Streichungen beeinträchtig ten den Gang der Gesamthandlung nicht im aldases blt ringsten. Die einmalige Aufführung der Hum szene:— Altorf genügte. Ebenso verfehlte Feuer in der Rüttliszene seinen Zweck am Tage und dürfte besser irgendwo hinter de Szene— unsichtbar brennen.— Im übrigen eme# fehlen wir einigen Müttern die Erkenntnis, deda#### es sich bei derartigen Vorführungen nicht um de### Besuch einer Kirmes oder dergl. handelt, sonder## um ernste, edle Kunst, wobei die akustischen um sonstigen Leistungen ihrer Lieblinge nicht nu# überflüssig sind, sondern höchst störend wirketenge Wir hoffen ferner, daß eine ähnliche Zurechtwelenan sung, wie sie durch Herrn Rektor Kramwinktg##ff erfolgte, dem wir übrigens an dieser Stelle sern Dank für seine Bemühungen um das Geliste gen der Jugendwoche abstatten möchten. in Bu####e kunft nicht mehr nötig sein wird.— Wir wollehen unsere neugeschaffene Freilichtbühne betrachtenig, als ein stilles Heiligtum der Kunst, das uns fw##, einige Stunden hinaushebt aus dem Grau de# Alltags in das Reich des Ideals, aus dem letzterbint Endes alles Große, also auch der Aufstieg ünseig res Volkes geboren wird. Unsere Jugend aberr““ soll an diesem Born Begeisterung schöpfen füleie das Wahre, Gute, Schöne, für Heimat, Volk undie Vaterland!— Pe uston geiochen Veiche. 8. Unsere Zeitung kostet ab 1. Augupre 42 Mark. r Wir bedanern diese abermalige Preiserhöhnne zu der uns die sprunghaft eingetretenen,###r ders starken Steigerungen der Löhne u. F#ente preise zwingen, aufs Lebhafteste. Aber wir(96#“ den Tatsachen machtlos gegenüber. se l2s Wir bitten unsere geehrten Leser, dieser nel ine schweren Belastung Rechnung zu tragen, in derHoffnung, daß die Geldentwertung bald ihren, Höhepunkt überschritten hat, und es dann möglich sein wird, an einen Preisabbau zu denken. Der Verlagsn, Aus Castrop und Umgegend. (9 Die turnerischen Vorführungen der Schulen# am Freitag nachmittag auf dem Renngelände begannen mit Aufmarsch und Massenstabübungen der Mädchen. Nach Beendigung derselben setzte, das Geräteturnen der Knaben ein. Die Altstadtschule hatte eine Reckriege, die Augustaschule eine, Barrenriege aufgestellt. Vorweg sei bemerkt, dast gute, sogar einzelne hervorragende Leistungenaufzuweisen waren. Den Reckübungen lag die Idee zugrunde, den Zuschauern in der Anfangsund Endübung verschiedene Zu= u. Abgänge zum Ein . Roman von W. Waldbröhl. #.#Lassen Sie mich ausreden!— Ich bin willens, Sie Kckrüber aufzuklären, soweit mein Pflichtgefühl und neine eigene Kenntnis der Dinge es mir gestatten. Denn auch ich bin, wie Sie sogleich hören werden, nicht über alle hier in Betracht kommenden Umstände unlerrichtet. Lange Jahre hindurch bestand zwischen den beiden Schwägern, dem Thronprätendanten und dem Vater der Zwillinge, das beste und freundschaftlichste Verhältnis. Auch in Bezug auf die Art, wie im geeigeten Augenblick das große Unternehmen ins Werk geletzt werden sollte, bestand keine Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen. Es sollte dafür nicht nur der Einritt gewisser Ereignisse in dem betreffenden Lande, sondern auch der Zeitpunkt abgewartet werden, an welchem die Zwillingsschwestern in den unumschrünken Besitz eines weiteren riesigen Vermögens gelangt ein würden, das ihnen von einem entfernten Verwandlen testamentarisch vermacht war, und über das ihrem Vater keine Verfügung zustand. Dies Vermögen beziffert sich auf eine große Zahl von Mitlionin, und wir ind von dem Tage, an dem es auf die Schwestern hätte überscheieben werden müssen, nur noch ungefähr sechs Wochen entfernt.“ Das Thermometer von Doktor Hellbachs glückselig Zukunftshoffnungen war längst auf den Gefrierpunkt gesunken. Ada v. Reichenau hatte Anwartschaft uf einen Königsthron, und sie war die Erbin ungeTchlter Millionen— wie hätte da ein fimpler bürgersicher Arzt aus einer kleinen Provinzstadt noch daran lenken dürfen, seine vermessenen Wünsche bis zu ihr iu erheben! Zum zweiten Male sah er seine himmlischen Träume in Nichts zerkließen, und diesmal war de Ernüchterung noch um vieles gründlicher und hofferzgsloser. „Ah, das it sehr interessant,“ murmekts er. fast ohne ## wissen, was er sprach.„Und zu jenem Zeitpunkt llte dann auch die— die Hochzeit oder die Verlobung #ttfinden““ ##Der. unbekähmte der nichts von der kiefen Riedereschlagenheit des Doktors zu bemerken schien, nickte Slaheng. So wurde es einst zwischen den beiden Schwägera abgemacht. Und ich vermute, daß sehr bestiminte schriftsiche Vereinbarungen darüber bestehen, die sich in den Händen des Prätendanten befinden dürften.“ „Vereinbarungen von denen auch Fräulein Ada Kenntnis hat?— Aber das ist wohl selbsterständlich, denn man kann unmöglich über ihre Hand verfigt haben, ohne sich ihres Einverständnisses zu versichern.“ „Wo so große Interessen auf dem Spiel stehen, mein lieber Herr Doktor, setzt man sich im Notfall wehl auch über die Empfindungen eines tungen Mädchens hinweg. Jedenfalls würden sie nicht als ausschlaggebend betrachtet worden sein. Und sie dürfen nicht vergessen, daß zu der Zeit, wo die Abmachungen zwischen meinem Freunde und seinem Schwager getroffen würden, die Zwillinge Kinder im zartesten Alter waren.“ „Um so schimplicher scheint mir der ganze Handel!! Sie werden es verzeihlich finden, mein Herr, wenn ich nach diesen Enchüllungen vorziehe, Ihr Anerbieten abzulehnen und Sie um die Bestellung eines anderen ärztlichen Beraters für die Baronesse— oder welcher Titel ihr nun sonst zukommen mag— zu ersuchen.“ Der Fremde machte ein kühl erstauntes Gesicht. „Ich kann Ihre Entrüftung nicht ganz verstehen, verehrter Herr Doktor! Selbstverständlich würde keinerlei Zwang auf die Entschließungen des jungen Mädeens ausgeübt werden. Um sie vor jedem derartigen Zwang zu bewahren, habe ich ja die Zwillinge seinerzeit aus der Gewalt ihres Oheims entführt. Und ich brauche danach kaum erst ausdrückliche zu versichern, daß ich Ada nicht anders als mit threr eigenen Zustimmung in diese Gewalt zurückliefern würde. An und für sich kann das bloße Vorhandensein irgend eines Heiratsprojektes eine so schroffe Absage, wie Sie sie mir eben zutei werden ließen, doch wohl kaum rechtfertigen!“ Hellbach fühlte, daß er sich übereilt hatte, und um nichts in der Welt hätte er dem andern setzt noch seine Gefühle für Ada verraten mögen. Deshalb lenkte er ein. „Sie waren mit Ihrer Erzählung noch nicht zu Ende, mein Herrl— Ich darf mir melne Entschließung wohl bie zu dem Augenblichk vorbehalten, wo ich alles gehört haben werde.“ Srrnid— 7ch sogte Ihnen, daß lange Zeit das zwischen den beiden Schwägern ein völlig talen Herrenmenschentum verkörverte Herr Wa= bezw. vom Gerät zu zeigen, während die Mittelgener. Die Wirkung der Hedwigszenen war er= übung mehrere sog.„Wellen“, wie Sitzwelle, greifend. Die Seelenangst des um Mann und Kniewelle vorwärts und rückwärts, Reiterwelle Kind besorgten Weibes war durch die Darstelle= und die sog.„Bauchwelle“ vor Augen führen sollrin, Fr. tief seelisch ausgeschöpft und te. An die Reckturner konnten sieben, an die Baräußerst packend zum Ausdruck gebracht.— Und renturner fünf wertvolle Blicherpreise verteilt der kleine Wälthe— einfach köstlich; ein unver= werden. Die Namen der Sieger der Altstadtschule fälsches Kind der Berge, in dem schon das wilde sind: 1. Preis: Adalbert Wagner(Männer und: barmonisches und ungetrübtes war, obwohl über die Lebe isführung des Prälendenten allerlei tible Gerüchie im Umlauf waren, die natürlich auch zur Kenntnis meines Freundes gelangten. Kurz vor seinem Tode aber scheint sich etwas zugetragen zu haben oder zu seiner Kenntnis gekommen zu sein, was seine Gesinnung änderte. Als er fühlte, daß seine langwierige und unheilbare Krannheit eine bedenkliche Wendung zu nehmen begann, ließ er mich zu sich kommen und ekteilte mir den Auftrag, dessen ich schon im Beginn unseres Gespräches Erwähnung getan habe. Das heißt, er überantwortete seine Töchter meinem besonderen Schuze. Dabei sagte er ungefähr Folgendes:„Ich kann dich nicht in aller Form zu Hildas und Adas Vormund einsetzen, weil ich diese Vormundschaft für den Fall meines Todes schon vor Jahren meinem Schwager übertragen habe und aus triftigen Gründen an dieler Bestimmung nichts ändern kann. Aber ich bitte dich, dich vor deinem Gewissen als den Vormund meiner Kinder anzusehen, wie ich auch sie selbst ermahnen werde, dir in allen Stücken zu vertrauen und zu gehorchen. Wenn ihr Oheim verlangen sollte, daß sie sich unter seine Obhut begeben, so mögen sie seinem Verlangen willfahren. Aber sie werden zur Bedingung machen, daß ihre Erzieherin Zorka nicht von ihnen getrennt wird. Und diese Person, deren Treue und Zuverlässigkeit über jeden Zweifel erhaben ist, wird dich nach m inem Befehl genau über alles unterrichten, was mit meinen Kindern geschieht. Solltest du auf Grund ihrer Berichte den Eindruck gewinnen, daß sie im Hause meines Schwagers nicht gut aufgehoben sind, so wirst du alles aufbieten, um sie seiner Gewalt und seinem Einfluß zu entziehen, und du wirst über die Art ihrer weiteren Lebensführung bestimmen, wie du es für gut findest.— Als ich ihm darauf in einigem Erstaunen erwiderte, es sei mir unverständlich, wie er auf die Vermutung kommen könne, sein Schwager werde es in der Behandlung seiner jungen Nichten an irgend etwas fehlen lassen, machte er mir folgends weitere Eröffnung:„„ „Es ist zwischen mir und dem Gemahl meiner verstorbenen Schwester heute nicht mehr alles so. wie es bis vor kurzem gewesen ist. Ich habe meine Absichten in mancher Beziehung ändern müssen; aber ich habe keine Veranlassung, ihn davon schon jetzt in Kenntnis zu setzen. Hätte mir der Himmel das Leben erhalten bis zu dem Tage, an dem meins Tächter in den Besitz des großen, für sie bereittiegenden Vernögens gelangen, so würde ich selbst an jenem Tage das Geheimnis enthüllt haben, in dessen Besitz ich selbst erst in allerjüngster Zeit gekommen din, und das unbedingt bis zu jenem Tage bewahrt werden muß. Weil ich über di# Gewißheit habe, daß es im Rate des Schicksals anderbeschlossen ist. und daß ich wohl schon sehr bald audieser Zeitlichkeit scheiden werde, habe ich mich en:schließen müssen, meinen Töchtern oder vielleicht nur einer von ihnen so viel von jenem Geheimnis zu offenbaren, als notwendig ist, um seine vollständige Enthüllung im geeigneten Augenblick zu sichern. I# werde diesen Entschluß allerdings erst dann zur Ausführung bringen, wenn ich fühle, daß es mit mir ganz zu Ende geht. Da ich nicht vermeiden kann, in meinem Testament einige auf diese Angelegenheit bezügliche Verfügungen zu treffen, so ist es wahrscheinlich, daß dadurch im Herzen meines Schwagers ein gewisser Argwohn geweckt wird, der ihn für die Verwirklichung seiner großen Pläne fürchten läßt. Er wird daum niöglicherweise nach meinem Tode alles ausbieten, was in seinen Kräften steht, um die Natur jenes Geheimnisses zu ergründen. Und wie ich ihn inzwischen kennen gelernt habe, zweifle ich nicht, daß ihm für die Erreichun: dieses Zweckes jedes Mittel recht sein wird. Deshals, möchte ich meine Kinder nicht schutzlos in seinen Händen wissen. Und ich kenne keinen Meuschen, den ich so vertrauensvoll zu ihrem Beschützer machen dürkte wie dich, mit dem mich meine jahrzehntelange Freundschaft verbindet.“ Natürlich leistete ich ihm daraufhin bereitwilligst das verlangte Versprechen. Wenige Wochen später schon wurde ich nach seinem Sterbesager gerufen. Die Aerzte hatten ihm auf sein dringendes Verlangen unumwunden erklärt, daß seine Lebensstunden gezählt seien, und in der Tat war er schon so schwach, daß ihm das Sprechen schwer fiel, und daß er sich nur noch mit Mühe verständlich machen konnte. Alles, was ich noch aus seinem Munde vernahm, war die Bestätigung, daß er seinen Töchtern oder einer von ihnen— ich konnte das leider nicht mehr mit voller Deutlichkeit verstehen— das Geheimnis anvertraut und den Schwut empfangen habe, es würde bie zu senicm dorbe stinuten Tage unverbrüchlich dewuhrt guerden. Buch ich, dine nicht versuchen, er zu ergründen Gartsetzung solat: lden der Roten Erde); 2. Preis: Franz Brodak(Westfalens Sagenbuch); 3. Preis: Josef hröder(Westfälische Mundarten); 4. Preis: us Nattermann(Robinson Cruson); 5. eis: Fritz Kröselberg(Rosa von Tannencg); 6. Preis: Wilhelm Lipperheide(Gebeva); 7. Preis: Aloys Schulte(Onkel Toms tte).— Die Preisträger der Augustaschule d: 1. Preis: Franz Maas(Das plattdeutsche estfalen); 2. Preis: Dietrich Besser(Tierbilaus fremden Zonen); 3. Preis: Aloys Kesl bohm(Westsäolsk Platt); 4. Preis: Heinrich eüning(Grimms Märchen); 5. Preis: Jos. eus(Tausend und Eine Nacht).—Es folgten umehr Tamburin= und Korbballspiele der ädchen. Gegen 5 Uhr konnte dann der Bannertkampf zwischen der Luther= und Melanchzuschule beginnen, der 6 Uhr mit dem Siege der elanchthonschule endete. Herr Regierungsrat g. Schäfer aus Arnsberg überreichte sodann mit ler kurzen Ansprache, bei der er besonders der folgreichen Arbeit des Herrn Lehrers Büng gedachte, das heiß umstrittene Banner der genden Schule. Herr Rektor Wiggermann b seiner Freude über den errungenen Sieg usdruck und schloß seine Ausführungen mit ein Hoch auf das deutsche Schlagballspiel. Unter u fröhlichen Weisen eines Marschliedes verließ freudig gestimmte Siegermannschaft den ampfplatz. C Die Freiwillige Bürger=Feuerwehr brachte n Samstag abend dem Silberbrautpaar Mohändler Hubert Becker und Frau auf der aiser Friedrichstraße unter großer Teilnahme n Ständchen dar, an das sich bei W. Sinder ne gemütliche Nachfeier anschloß. s Evangelischer Frauenverein. Der hiesige zangelische Frauenverein macht morgen(Mittoch) seinen Ausflug nach Wirt Köster in Deiughausen, wozu die Mitglieder herzlich eingeden und gebeten werden, sich um 2 Uhr am Geeindehause zu versammeln. ( Der Jungborn hat am Sonntag nicht gemugt. Die vielen Zuschauer, welche unsere Lokalotiz am Sonntag zum Markt führte, mögen nun icht uns die Schuld geben, daß sie unverrichteter einge wieder abziehen mußten. Wir wurden in er Nacht von Freitag zu Samstag gegen 2½ Uhr noch von einem Herrn des Presseaushusses der Jugendwoche, also gewiß doch zuändiger Seite, gebeten mitzuteilen, daß der sungborn=Castrop am Sonntag morgen nach dem etzten Gottesdienste auf dem Markte tagen würe. Der Beschluß sei am Freitag abend in einer lusschußsitzung gefaßt worden. Daß es nun nicht um Tanzen und auch nicht zum rechtzeitigen Besochrichtigen des Publikums und der ebenso verPis aufmarschierten Ordnungspolizei kam, gicht unsere Schuld. Wir haben bis heute # keine Nachricht, weshalb man eigentlich die ens angekündigte Veranstaltung ausfallen 8. a Ueber den Unfall des Rangierers Gustav Gerthe, Bövinghausen und Eine neue Denkschrift zur Eingemeindungsfrage. Die Bergbau=Aktiengesellschaft Lothringen Lothringen darauf hingewiesen werden, daß den die Chemischen Werke und die Gemeinde Interessen der Stadt Castrop die viel weiter Gerthe haben zusammen eine Denkschrift betr. die Umgemeindung eines Teiles der Gemeinde Bövinghausen und des Mittelfeldes der Stadt Castrop nach Gerthe herausgegeben, in der die Notwendigkeit dieser Umgemeindungen betont wird. Wir entnehmen dieser Denkschrift das Folgende: A. Der westliche Teil von Bövinghausen. Die gewaltige Entwicklung der Zeche Lothringen führte dazu, daß ein Til der Anlagen auf Bövinghauser Gebiet errichtet wurde. So entstanden hier ein Teil der Nebengewinnungsanlage, der Schacht 3. die Chemischen Werke und sonstige Anlagen. Der Güterbahnhof erstreckt sich, was besonders hervorgehoben sei, in seiner ganzen Ausdehnung auf beide Gemeinden. Selbst wennn sich diese Entwicklung hätte voraussehen lassen, so wäre der Aufbau der Werke an anderer Stelle nicht möglich gewesen, da die Anlagen sich auf das Vorkommen der Kohle und den Felderbesitz gründen. gehenden zwingenden Notwendigkeiten der Gemeinde Gerthe und der Bergwerks=Aktiengesellschaft Lothringen entgegenstehen. Hier sprechen für die Wünsche und Anträge der Gemeinde Gerthe und der Bergwerks=Aktiengesellschaft Lothringen alle Gründe. insbesondere aber solche volkswirtschaftlicher Art gegen die Wünsche des anderen Teils, die sich in erster Lienie auf reine Ausdenungsbestrebungen gründen, für welche eine zwingende Notwendigkeit nicht vorliegt und die daher auch nicht anerkannt werden können. Aber auch für die Einwohnerschaft haben sich aus den schwierigen Grenzverhältnissen dauernde und erhebliche Mißhelligkeiten ergeben. In besonderem Maße zeigt sich das auch bei der Durchführung der schwierigen und dringenden Gegenwartsaufgaben auf dem Gebiete der Lebensmittel(Brot=)Versorgung, des Wohnungswesens und der in hiesiger Gegend zu erwartenden Ansiedlung einer großen Zahl weiterer Bergarbeitersamilien. Mit der unbedingt notwendigen EinheitErgänzungen des von der anderen Stelle bereits genehmigten Teils bedingen, so daß dorthin eine zweite Eingabe gemacht werden muß. Diese Schwierigkeiten steigern sich noch dadurch, daß auch die beiden Kreisgrenzen hier aneinander stoßen. Ueberhaupt bedingt die zeitige Lage der Werke in zwei verschiedenen Gemeinden und Kreisen für die Werksverwaltung eine Unsumme von Mehrarbeit, da in beinahe allen Fällen die doppelte, oft sogar eine in das Vielfache gehende Arbeit im Verkehr mit den Behörden zu leisten ist, so z. B. bei der Lebensmittelversorgung, Gen werbeaufsicht, Dampfkesselüberwachung, Eintschtener, Seschrieben, amer aschaft. ziehung und Abführung der Reichseinoffener, ebzinz= Hage ihn eghafhsvon kommensteuer usw. Ganz unhaltbare, strittige Bediensteten Zexhältnisse haben sich auch aus der Abwässerbe#r Station und Bahnmeisterei Castrop zum I das lbhafteste und aufrichtigste Bedau Die Nachteile, die sich daraus ergeben, daß die lichkeit können diese Aufgaben für die ineinanderindustriellen Anlagen von Lothringen sich jetzt gewachsenen Ortsteile nur von einer Kommung!; noch auf 2 Gemeinden erstrecken, sind sehr groß und verwaltung aus gelöst werden. In den Zeit mancherlei Art; in vollem Umsange vermag dies der Zwangswirtschaft hat es Unzufriedenheit und jedoch nur zu ermessen, wer weiß, wie die manig Beunruhigungen der bedenklichsten Art erzeugt, wenn benachbarte Einwohner von Bövinghausen oder des Mittelfeldes und Gerthe ungleiche Mengen an Lebensmitteln erhielten oder wenn sie für solche verschiedene Preise zahlen mußten. In dieser Zeit sind empfindliche Anforderungen. namentlich an die Bewohner des westlichen Teiles von Bövinghausen gestellt worden, unter denen diese sehr zu leiden hatten. Die dauernden Gänge zum Amt Rauxel zur Abholung von Lebensmittelkarten und sonstigen Bezugsscheinen erder Lothringer Werke, so daß völlig unklare Ver= forderten stundenweite Fußwege auf teilweise einhältnisse entstanden sind. Bei Erweiterungen, samen Straßen oder einen erheblichen Kostenauf= Gebote einer gerechten Besteuerung Umbauten usw., welche sich oft auf beide Gemein= wand für Benutzung der elektrischen Straßen= werden, daß die von einem Betrieb aufgebrachten degebiete erstrecken, sind die betreffenden Kon= bahn. Die in unmittelbarer Nähe liegenden Ver= Gemerbesteuern auch wirklich in dem Interessen zessionseingaben usw. an zwei verschiedene Stellen wattungseinrichtungen der Gemeinde Gerthe zu richten. Es kann so vorkommen, daß eine waren für Bövinghauser Einwohner die der Stelle ohne Aenderung genehmigt, während die Zwangsrationierung unterliegenden Lebensandere Aenderungen verlangt, die wiederum mittel in den im wett abgelegenen östlichen Tei ### heroits von Bövinghausen befindlichen Verkaufsstellen jedoch nut zu ermessen, Wer Weis, wie die munigfaltigen Pläne und Vorhaben, die der behördlichen Genehmigung bedürfen, endlose Verzögerungen oder unzweckmäßige Abänderungen nur deshalb erfahren, weil durch jedes Vorhaben mehrere Gemeinden. Aemter, Kreise berührt werden deren Interesse in der Angelegenheit oftmals widerstreiten. Es sei in Nachstehendem kurz auf inige der Schwierigkeiten hingewiesen. Die Grenzen der Gemeinden Gerthe und Bövinghausen gehen mitten durch die Anlagen zwei verschiedenen Kommunalverwaltungen aus beeinflußt werden. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, ist seit kurzem die Badische Anilin= und Sodafabrik in Ludwigshafen in erheblichem Umfange an den Chemischen Werken beteiligt. Mit dieser haben bereits längere Verhandlungen über einen weiteren großzügigen Ausbau der Werke stattgefunden. Allerseits wurde es als zweckmäßig und dem Grundsatz einer vernünftigen Wirtschaft entsprechend anerkannt, das in Bövinghausen bereits vorhandene Werk organisch auszubauen. Ebenso einstimmig ist man aber auch nach Prüfung der ganzen Angelegenheit zu der Ueberzeugung gekommen, daß eine Erweiterung der Anlagen an dieser Stelle trotz der infolge der nahen Kohlenbasis an sich günstigen Existenzbedingungen nur dann in Frage kommen kann, wenn die Grenzverhältnisse in zweckmäßiger Weise geändert sind. Derartig große Werke dürfen solchen überflüssigen und störenden Hemmungen nicht begegnen, wenn sie sich rentabel gestalten sollen. Solche Hemmungen, das kann aus der langjährigen Erfahrung heraus behaupte werden, sind jedoch unausbleiblich, wenn nicht vorher eine Grenzregelung erfolgt sein sollte. In diesem Zusammenhange erlauben wir uns, auch noch auf die steuerrechtliche Seite der Angelegenheit hinzuweisen. Nachdem das Reich die Besteuerung des Einkommens für sich in Anspruch genommen hat, ist den Gemeinden als einzige wirklich ertragreiche und bewegliche Steuerquelle nur die Gewerbesteuer geblieben. Infolge der ungünstigen Finanzlage der meisten Gemeinden in der Nachkriegszeit hat die Gewerbesteuer eine Anspannung erfahren, die kaum noch einer Steigerung fähig sein wird, ohne die Eristenz vieler Werke zu gefährden. Es muß daher als eins der wichtigsten verlangt eutgegengebracht wird. es un=itigung aus diesem Gebiet ergeben. Es mag den Behörden“ in steuerlichet schwert wird, durch die unterschiedlichen Grundsätze, die die Werksverwaltung mit Arbeit sehr stark überlasten. Aus dem Emschertat. Es ist auch noch hervorzuheben, daß der zhorst.(Nachrichtendi=nn des Grundbesitz des westlichen Teiles von BövingX. Plgdenvoen.(egartchtenotens v# hausen sich zum größten Teil im Eigentum der Schtffahrts= u. Spedittonskaptor Bergbau=Aktiengesellschaft Lothringen bezw. der Jultus Herrmann, Schleuse VI. In(Chemischen Werke Lothringen befindet. Von den ter letzten Woche war der Verkehr nach sämtll Iu: Frage kommenden Flächen gehören Lothringen ben Stationen auf den westdeutschen Wabgrbra, rund 58 ha. Etwa 125 ha gehören zum Fideisen äußerst rege, welches zum größten Teil auf den Streik der holländischen Dampferbesatzungen kommisbesitz der Familie zu Inn= und KnypStreit der boschr, Wag, gepg Zeerraum hausen in Bodelschwingh, der„restliche, Teil rund urückzuführex ist. Die Racrage nach Verraum /450 ha verteilt sich auf eine Anzahl Eigentümer ist sehr groß. Besonders wird Kahnraun, von den gutg Castrop und Bövinghausen. Emdener Firmen verlangt, weil die Seedamp Bez den vielfach widersprechenden Ansichten ser zum größten Teil von Rotterdam nach Emden und Interessen mehrerer Gemeinde=, Polizei=, mmdtsvontert worden sind.— Es wur ber., bbe. Kreisverwaltungen usw. sind Hemmungen in der ördert: am 24. Juli 24 Kähne westwärts, 2 4/g tigklung ganz unausbleiblich. Diese Hemeinkaufen, während Gerther Kaufleute, die teilweise in allernächster Nähe ansässig sind, an die Betreffenden keine der Zwangsrationierung unterliegenden Artikel abgeben konnten. Aus diesen unglücklichen Verhältnissen ist manche Bitterkeit und mancher Aerger entstanden, so daß die Wünsche der fraglichen Einwohner wohl zu verstehen sind; leiden die betreffenden infolge der oben geschilderten Verhältnisse doch heute noch unter einigen Einrichtungen der Zwangswirtschaft, der Kohlenmirtschaft, des Wohnungswesens. Es sei ferner darauf##miesen, daß die Schulkinder einen ganz ku:(Herther Sahzu. haben, wenn sie die nahegeleggnen eg den Bösuchen können, währznzg der Weg.—--Oiefer vinghauser Schulen sehr viel weiter ist bar, wo sich bei den Schultindern eine durch die Unterernährung hervorgerufene Schwäche unseres heranwachsenden Geschlechts zeigt, das kaum imstande ist, den Gefahren, welche Wind und Wetter bei dem weiten Schulwege mit sich bringen, zu entgehen. Eine ganze Reihe von Kindern besucht bereits gastweise die Gerther Schulen gegen Entrichtung des Fremdenschulgeldes. Da die ärmeren Kreise zur Zahlung desselben jedoch nicht in der Lage sind, verursacht diese Regelung viel Verdruß. Der Hauptteil der Gemeinde Bövinghausen liegt abseits, völlig abgetrennt von dem westlichen Teile, sodaß mit der Hauptgemeinde auf keinem Gebiete kaum irgendwelche Beziehungen unterhalten werden. Dagegen ist der westliche kähne ostwärts; am 25. Juli 16 Kähne westwärts, 22 Kähne ostwärts; am 26. Juli 35 Kähne westfirts, 19 Kähne ostwärts; am 27. Juli 24 Kähne #estwärts, 22 Kähne ostwärts; am 28. Juli 24 kähne westwärts, 24 Kähne ostwärts; am 29. Juli 82 Kähne westwärts, 17 Kähne ostwärts.— Die Beladung an den einzelnen Zechen des RheinHerne=Kanals sowie oberhalb Schleuse 7 geht prompt vor sich.— Die vom Transportarbeiterverband neuerdings gestellten Forderungen sind folgende pro Woche: für Kapitäne 3050 M, für Schiffsführer 2950 M, für Matrosen auf GüterHampfern 2625 M. für Maschinisten 3050 4, für Heizer 2625 JA, für Schiffsjungen im 1. Jahre 1100 M, für Schiffsjungen im 2. Jahr 1500 für Schiffsjungen im 3. Jahr 1800 MA, Funktions= zulage für Kapitäne 300 M. für Schiffsführer und Naschinisten 150 M.— Verhandlungen fanden im 29. Juli zwischen dem Schiffahrtsverein für sie westdeutschen Kanäle und Transportarbeiterverband in Dortmund statt. Entwicktung## zuugigh(woßl den Gemein mungen gereichen natürlich sowohl den Gemeinden, wie den Werken zum Schaden. Es soll nicht bestritten werden, daß ähnliche Schwierigkeiten auch an anderen Stellen hervortreten sein mögen — nirgens dürften jedoch, das möchten wir behaupten, die Verhältnisse so kraß und unleidlich liegen, wie gerade bei den Werken von„Lothringen“.— Es darf hier mit aller Eutschiedenheit die Forderung ausgesprochen werden, daß orgauische und wirtschaftliche Einheiten nicht durch zurzeit bestehende unzweckmäßge Grenzführungen gestört und auseinander gerissen werden. Die beiden Beteiligten, nämlich die Gemeinde Gerthe und die Bergwerks=Aktiengesellschaft Lothringen, würden zu dieser Frage nicht so entschieden und bestimmt Stellung genommen haben und für die Folge Stellung nehmen, wenn nicht der Anstoß hierzu durch die Ausdehnungsbestrebungen der Stadt Castrop gegeben worden wäre. Nachdem dieser Anstoß erfolgte, muß von der Gemeinde Gerthe und der Bergwerks=Aktiengesellschaft untervatteg werden. Wageggen zu vet wrstrg, bung sein; im Interesse der Rentabilität des Teil von Bövinghausen mit der Gemeinde direr. Werkes könnte man hiervon jedoch nicht Abverbunden; in wirtschaftlicher Beziehung bilden beide eine Einheit. Der gesamte Verkehr neigt nach Gerthe, wo auch die Aerzte, die Apotheke, die Post und sonstige Einrichtungen für den westlichen Teil von Bövinghausen sich befinden. Die Verwaltungsstelle der kommunalen Behörde ist in unmittelbarer Nähe, wodurch weite Wege nach Castrop und Rauxel oder die teuren Straßenbahnkosten nach dort und viel Zeit erspart werden. Die werktätige Bevölkerung arbeitet ausnahmslos auf den Lothringer Anlagen. In Vereinswesen geht der Zug nach Gerthe. In kirchlicher Beziehung gehört der westliche Teil von Bövinghausen schon jetzt nach Gerthe. So zeigt sich auf allen Gebieten eine enge Zusammengehörigkeit mit Gerthe, wohingegen mit der Gemeinde Bövinghausen kein eigentlicher Zusammenhang besteht. Wie auf der Karte ersichtlich, liegt zwischen beiden Gemeindeteilen ein weites, vollkomcen unbebautes Feld. Es trägt auch nicht zur Erzielung eines einheitlichen Gemeindebildes bei, wenn die zu erwartenden Neuanlagen. denen sicherlich Siedlungen folgen werden, von stand nehmen, so bedauerlich dies für die fernere Entwicklung der hiesigen Gegend sein würde. (Fortsetzung folgt). „„„„„— gebiet des betreffenden Werkes verwandt werden. Bei einer Eingemeindung des Bövinghauser Bezirks nach Castrop könnte Castrop die Gewerbesteuer der Lothringer Werke auf eine Höhe bringen, die in keinem Verhältnis steht zu dem der Stadt von den Werken oder deren Angehörigen verursachten Lasten. Castrop könnte unter übermäßiger Belastung der Lothringer Werke kulturelle oder wirtschaftliche Einrichtungen treffen, von denen weder Lothringen noch die Werksangehörigen irgendwelche Vorteile genießen würden, welche vielmehr lediglich oder in der Hauptsache dem alten Stadtkern und dessen Bewohnern zugute kämen. Wie die örtlichen Verhältnisse nun einmal liegen, ist mit einer solchen Entwicklung der Dinge durchaus zu rechnen. Die bereits angedeuteten beabsichtigten Neuanlagen und Erweiterungen der Chemischen schließen unter den gegenwärtigen Verwelches sticht Ein ein großes Wagnis in sich ein, mäßige steuerliche Be##, ug andauernde überdarf. Die Forderung der Werk“,##rt werden richtung der Neuanlagen die Lösung der#######, Grenzregulierung und der steuerlichen Verhäkt-. nisse vorauszugehen hat, dürfte daher wohl berechtigt und zu verstehen sein. Bei den Besprechungen zwischen der Badischen Anilin= und Sodafabrik und den Chemischen Werken ist wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß für den Fall einer unbefriedigten Lösung der Grenzfrage die unbedingt notwendigen Neuanlagen nicht in Bövinghausen, sondern aus unabwendbar zwingenden Gründen in Ludwigshafen im Anschluß an die dort bereits bestehenden Anlagen der Badischen Anilin= und Sodafabrik zu errichten sind. Diese Maßnahme würde natürlich von großem Nachteil für die gesamte Umgeder Rentabilität des Nachral. Freitag, den 28. Juli 1922, verschied plötzlich und unerwartet unser liebes Vereinsmitglied Horr nags-Brundscheidt im Alter von 24½ Jahren. Wir verlieren in ihm einen treuen Sportskollegen und Stifter des Vereins. 4334 Sein Andenken wird uns stets in Ehren bleiben. Ballspielvereis 11 Castrog. Es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten was man hat, muß scheiden. Sonnlag morgen 11 Uhr nahm der liebe Gott unser einz'ges, herzallerliebstes Söhnchen Kuden Im Alter von 6½ Jahren zusich in den Himmel. In tiefer Trauer: Johann Skibba und Frau Prieda geb. Klara. Castrop, den 31. Juli 1922. Die Beerdrung findet am Mittwoch, den 2. Aug. mittags.30 Uhr vom Sterhehause. Emschertalsschmitage.3, Uck vom Sterbehause, Ensekertaf, strasse a, ans statt. 4333 Grosse Auswahl in e Nachstuche, Tischlinoleum, Rokosläufer und Spannstolle. Anfertigung sämtlicher streichfertigen Lack- und Oelfarben. Oele, Lacke, Farben, Pinsel, sowie sämtl. Bedartsartikel. Prima Bohnerwachs, Broncen, Ofenlack u. s. w. 4310 P. Schhotteiker, edetrep 22 Platanenallee Nr. 14. Roman von Dr. P. Meldner. 21 sches Conyrlght 1916 by Kodert Luß, uttgart. Nachdruc verboten. Von der nahen Geistkirche schlägt die Uhr die elfte Stunde, als sich eine kleine Seitentür in einem Sitzungssaal des Königlichen Amtsgerichts in der Jüdenstraße öffnet und der diensthabende Richter, gefolgt gen dem Pretokolfführer, eintritt. Der Gerichtsdiener richtet sich mit feierlicher Amtsmiene auf und überblickt mit einem mißbilligenden Zug in dem von einem riesigen Schnauzbart fast völlig verdeckten Gesicht die zum Tremin Erschienenen. Kaum zu erkennen in ihrem dichten Kreppschleier sitzt Lilly zwischen Irma und Frau Schuster. Vorn an der Balustrade, die den Richtertisch von dem Raum für das Publikum abschließt, stehen in einer Gruppe der Untersuchungsrichter Volmer, Justizrat Scebald und Dr. Helmstedt im leisen Gesträch. Der eingetretene Amtsrichter nickt dem Kollegen nom Kriminalgericht eine Begrüßung zu, dann nimmt er Platz und verständigt sich mit dem prolokollführenden ReseSchatten der holzgeschnitzten Fensterverkleidung Jahob, blaß, mit unruhigem Blich. Seine Kleidung ist von jener Talmi=Eleganz, die in diesen Kreisen so oft als Mittel gewählt wird, den wahren Stand zu verdechen.. 66 a6 Mit Küchenschürze und großem Henkelno#o sin! hinten auf der letzten Bank, still vor sich hinweinend, Marie, die Köchin. Die Tür geht auf und von einer Krankenschwester geführt, auf einen Stock gestützt, wankt der alte Lachner in den Saal. Auf einen Wink des Richters schiebt der Gerichtsdiener dem alten gebrechlichen Manne einen Stuhl hin. Das Gesicht Lachners ist erdfahl, die Augen starren apathisch vor sich hin, und der ganze Mann macht den Eindruck eines Schwerkranken, der sich nur mit Mühe aufrecht erhält. Der Richter erhebt sich und lautlose Stille tritt ein. „Heer Untersuchungsrichter Volmer, Sie haben im Interesse der von Ihnen zu führenden Unter(###emy üder dle Ermordung des—— Lamie Eröffnung des Berdaes Ribbentreg, da Sie zwecks Weiterführung #echung den Inhalt des Testaments kennen müßen. Das Gericht hat Ihrem Antrag stattgegeben, und sch habe die Erschienenen zu dieser Testamentserbtiagug inden lassen. Ich füge hinzu, daß die Ausfolgung der Erbschaft sowie die Auszahlung vielleicht ausgeletzter Legate und Renten erst dann erfolgen kann, wenn eine nachträgliche Ladung unbekannter oder nicht ershienener Erben erfolgt ist und ein neuer Termin stotigrdab' hat.— Herr Untersuchungsrichter, wünschen Gie irnend welche Gründe für Ihren Antrag zu Protodos guarden!“ „Jy ditte darum, ich habe den Antrag auf beschleunig“e Erdtinung gestellt, weil die Untersuchung ergeben ha: der der Erblasser im Augenblick seines Todes im Begilst war, eine Aenderung seines Testaments vorzunehmen oder ein neues Testament aufzusetzen“. „Heri Reserendar, wollen Sie das im Protokoll vermerden!— Herr Justizrat Seebald?“ Hier!" „Danke sehr, Herr Justizrat. Sie haben gestern an Gerschtostelle diesen Briefumschlag verschlossen und verslege!: dinterlegt. Wollen Sie bitte feststellen, daß es dieselbe#eshülle ist.“ „Co ist der von mir dem Gericht Übergebene Briefumschlag.“ „Wie sind Sie in den Besitz dieses Umschlags gelang:!“ „Bei dem gestern Platanenallee Nummer 14 stattgehabten Lokaltermin fanden wir, der Herr Untersuchungerichter, Herr Dr. Helmstedt und ich diesen Briefuntschlag in dem Geldschrank des Verstorbenen.“ WNRA „Ist Ihnen von dem Inhalt dieser Brieshülle etwas bekannt?" „Ich glaube sa. Es scheint mir derselbe Briefumschlag zu sein, den Herr Kammersänger Ribbentrop in meinem Privatkontor in meinem Beisein versiegelt hat und in den er sein eigenhändig geschriebenes Testament eingeschlossen hatte, von dem ich persönlich eine Abschrift genommen und hier mitgebracht habe. Ich gebe hiermit auch diese Abschrift zur Gerichtsstelle.“ Der Richter nahm den Bries entgegen und winkte dem Gerichtsdiener. „Wallen sich die Anwesenden davon überzeugen, daß der Briesumschlag verschlossen und die Siegel unverleht sind.“ Der Gerichtsdiener zeigte jedem Einzelnen die Briefhülle. „Sie haben sich daron überzeugt. Der Umschlag trägt folgende hendschrift'iche Bemerkungen: Mein Testament. Eine Abschrift dieses von mir eigenhändig geschriebenen Testaments ist im Besitz von Herrn Justizrat Seebald, den sch zu meinem Testamentsvollstrecker bestimme. Joseph Bernhard Ribbentrop. Ich schreite zur Eröffnung.“ Die Anwesenden erhoben sich bis auf Lachner, der völlig apathisch, als ob ihn das alles garnichts anginge, sitzen blieb. Der Richter faltete, den Foliobogen auseinander und las mit lauter Stimme: „Berlin, den 16. März 1899. Ich, Joseph Bernhard Ribbentrop, Königlicher Kammersänger a.., Platanenallee 14 wohnhaft, bestimme für den Fall meines Todes wie folgt: Zum Erben meines gesamten Barvermögens, angelegt in Staats= und inländischen Industriepapieren und in Verwahrung der Deutschen Bank, Depositenkasse„“, welche auch die noch nicht verbrauchten Zinsen auf Kontokorrent verbucht hat, ernenne ich meinen lieben Neffen Ralf Cooper, den einzigen Sohn—iner in Mexiko verstorbenen Schwester Clara, mit der Auflage, daß meinem Mündel Lilly Kerfack, die mir stets eine liebende Pflegerin und Freundin gewesen ist, eine lebenslängliche Rente von 20000 Mark auszahlt und den entsprechenden Kapitalwer in mullvelsicheren unveräußerlichen Werten anlegt. Außerdem soll Herr Ralf Cooper gehalten sein, meinem treuen Diener Jakob Gadubeit ein Kapital von Mark 5000.— zur Gründung eines Geschäfts und eine lebenslängliche jährliche Rente von Mark 2000 zu zahlen. Meine langjährige Köchin Marie Bieske soll als Heiratsgut Mark 3000.— erhalten. Meine schuldenfreie Villa Platanenallee 14 vermache ich meinem Mündel Lilly Kerfack mit allem mir gehörigen Inventar, ausgenommen das chemische Laboratorium. Dieses soll mein langjähriger Freund und treuer Lehrer und Mitarbeiter Robert Lachner als unbeschränktes Eigentum erhalten. Außerdem erhält dieser bis an sein Lebensende eine Rente von monatlich 300 Mark. Ich hoffe, daß meine Erben, denen ich für alles Gute, was sie mir zu Lebzeiten erwiesen haben, innigst danke, bereit sein werden, meinen lieben Freunden auf ihren Wunsch Andenken zu überlassen Sollte ich an einer nicht erkannten Krankheit sterben, so bitte ich meinen alten Freund und Hausarzt Sanitätsrat Kirchhoff bei mir den Herzstich vorzunehmen. Meine Beisetzung Überlasse ich meinen Erben das mochte wohl an der Trauerkleidung l1! Ichen ließen die rotgeweinten Augen das zarte, in festat Weiß der Wangen noch mehr hervortreten. 9 „Fräulein Lilly, ich weiß wohl, daß Sie. dem furchtbaren Ereignis jenes Morgens den und daß Ihnen die Angst um Ihren Ver orLebensfreude nimmt, trotzdem lassen Sie n Freude darüber Ausdruck geben, daß Ihr a# Loet kel Sie so reich bedacht hat.“ mei „Ach, lieber Herr Doktor, ich bin nur gli“ Ralf von meinem Onkel so geschätzt und gel: oezir daß er ihn zum Universalerben eingesetzt Hgg „Mir wäre es lieber, Herr Cooper hätte Pfennig von dem ganzen Reichtum bekomt###erMavm Jchlor!“ „Fräulein Irma, weil es böse Menschen festen Ueberzeugung sind, Ralf sei der Mör##t# Onkels, und denen es höchst willkommen gen##e# greifbares Motiv für die Tat zu finden". „Ja, aber....“ freset „Sie alle sind, wie ich, der selsenfesten altehe gung, daß Herr Cooper unschuldig ist, unhre,# sehen Sie den Zusammenhang nicht gleischen Sie nicht die triumphierende Miene des Unte richters gesehen, als der Richter den Bericht schen Bank verlas? Der Mann sagt sich: eiraße von zweieinhalb Millionen lohnt schon ein diß Eine solche Summe durch eine Aenderung ärn oder durch ein neues Testament zu verlieregrele ter, und deshalb hatte der Mörder das Inter###e diese Aenderung des letzten Willens zu verhiten jeden Fall, selbst durch ein Verbrechen..is“g Platz nahm, ging ein Ausatmen durch den Saal. Mit triumphierendem Blick wandte sich der Untersuchungsrichter flüsternd an Helmstedt. „Nun, Doktor, ist das ein Grund, um einen Mord zu begehen oder nicht?" „Unter Umständen, ja.“ Helmstedt hatte diese Frage erwartet und mußte zugeben, daß sie vom Standpunkt des Untersuchungsrichters aus durchaus begreiflich war. Es lag wohl in seinem Plane, diesem seine wahren Ansichten nicht mitzuteilen, er sollte nur ruhig Ralf für den Mörder halten, das war die einzige Chance für ihr des wahren Mörders habhaft zu werden. Während der Verlesung hatte er auf das schärsste den Diener Jakob im Auge behalten, nichts auf den Zügen dieses Mannes ließ auf eine Erregung schließen. Das war erklärlich, denn er kannte ja den Inhalt des Testamentes, wie es sich erwies. Nur als der Richter im Beginn darauf hinwies, daß die Auszahlung der Renten und Legate noch nicht ersolgen könne, malte sich auf dem widerlich devoten Gesicht Jakobs ein Zug der Enttäuschung. Er hatte wohl gehofft, sosort in den Genuß der für einen solchen Mann recht beträchtlichen Erbschaft zu kommen. Der Richter erhob sich wieder: „Ich habe heute morgen den eingeforderten Bericht der Deutschen Bank erhalten und will jetzt die wichtigsten Zahlen daraus bekannt geben, da ich annehme, daß ihre Kenntnis für die Bewertung irgend welcher Befunde nicht ohne Bedeutung sein dürfte. An Staats= und Industriepapieren befinden sich im Depot der Bank auf das Konto des Kammersängers Joseph Vernhard Ribbentrop, verrechnet nach dem jeden Fall, selb. Kurse der gestrigen Börse, zwei Millionen und zwei= Herr Cooper der Einzige war, den diese zunmalhunderttausend Mark. Das Kontokorrent des empf' rdlich treffen konnte, deshalb, so folger##? Erblassers schließt mit dem 30. April mit einem Saldo tersuchungsbehörde, muß er der Mörder seit zu Gunsten des Verstorbenen von 47651,25 Mark ab diese Erbschaft leider ein neues schweres## und setzt sich zusammen aus Zinsen der Papiere und Bankvergütungen für tägliches Geld. Das Grundstück in der Platanenallee Nummer 14 ist in seinem gemeinen Wert nicht bekannt, da eine gerichtliche Taxe bisher nicht vorliegt.“ Eine Bewegung des Staunens ging durch die Anwesenden. Selbst der alte Lachner schien aus seiner Lethargie für Minuten zu erwachen, dann sank er wieder in seinen Stuhl zurück. Daß der Verstorbene wohlhabend, ja reich war, wußte man wohl, daß er aver falanfügte das hatte nienand geuhnt. Des Untersuchungsrichters Miene war bei der Bekanntgabe dieser Zahlen immer siegesbewußter geworden, und er hätte gerne mit Helmstedt einige Worte gewechselt, aber dieser war in ein leises Gespräch mit dem Justizrat vertieft. „Ich hätte ein großes Interesse daran, Herr Justizrat, wenn Sie dem Diener Jakob schon jetzt auf seine Erbschaft hin eine größere Summe, etwa dreitausend Mark, zur sofortigen Auszahlung anbieten würden,“ bemerkte Helmstedt leise. „Ich weiß zwar nicht, was Sie damit wollen, aber ich werde Ihrem Wunsche willfahren.“ „Natürlich darf er nicht wissen, daß ich den Vorschlag gemacht habe!“ „Natürlich nicht, ich werde beim Fortgehen mit ihm sprechen. Soll ich Ihnen telephonieren?“ „Ich bitte darum.“ Inzwischen verkündete der Richter: „Der Termin ist geschlossen!“ Der Richter entfernte sich mit dem Protokollführer und der Gerichtsdiener öffnete brummend die Tür des Saales. Er hatte schon Pech. Bei einer solchen Riesenerbschaft war der Universalerbe nicht da, sonst hätte es wohl ein anständiges Trinkgeld gegeben. nach ihrem Ermessen, bitte aber allen Prunk und jedes Aufsehen nach Möglichkeit zu vermeiden. Joseph Bernhard Ribbentrop.“ In atemloser Spannung hatten die Anwesenden der Verlesung gelauscht. Ein leises Schluchzen Lillys war das einzige Geräusch. Jetzt, als der Richter wieder „Na, Kinnings, nun setzt euch mal und nehmt ein Glas Malaga, so'n Termin ist immer etwas Anstrengendes und Ekliges. Ich weiß nicht, wenn ich in so'n Gerichtsgebäude mutz, wird mir immer ganz benaut zu Mut. Frau Schuster lud Helmstedt und die Mädchen zum Sitzen ein. Lilly sah noch blässer aus als sonst, geworden.“ „Und ich hatte mich für Ralf so gestvore Lilly. Dicke Tränen rannen dem blasse# über das abgehärmte Gesicht. Irma umari#### legte ihr Köpfchen an ihre Schulter. hne „Nicht weinen, Liebling! Damit helfen.„ nicht. Kopf hoch! Die Wahrheit muß doch kommen.“ Verzeihen Sie, Fräulein Lilly, wenn ich meinen Ausführungen betrübt habe, aber ich, nen alles sagen, damit Sie klar sehen können:), doch keinen Zweck, wenn ich Ihnen Hoffnu. täuschen wollte, denen die Grundlage fehlt.“ „Verzeihen Sie mir, lieber Herr Doktor, mich nicht gehen lassen sollen, aber ich bin dur Schreckliche so—— so— schwach geworden!“ „Nur Ruhe, liebes Kind, da ist ja nichts z“ hen, das begreifen wir ja alle, und der liebe H# tor gewiß am allerbesten.“ Begütigend strich die liebe alte Dame de“ Mädchen über das blonde Haar. „Gnädige Frau, ich möchte mir einen Vor# lauben. Wäre es nicht möglich, daß Sie r lein Kerfack und Ihrer Fräulein Tochter af Zeit verreisen? Ich meine, es würde den Nerven wohltun, einmal in ganz andere Un unter andere Menschen zu kommen und fern von Berlin, wo sie doch nur alles an ihren" innert.“„ 86 „Da haben Sie sehr recht. Kinder, das ist gezeichneter Gedanke. Was meint ihr dazu?“ „Darf ich mal etwas sagen, Fräulein Lilly##e Sie, die Möglichkeit, daß Sie Ralf in absehbal sprechen können, ist ausgeschlossen. Ich kenne; die Gepflogenheit der Untersuchungsbehörde bei einem solchen Verdacht. Ihre einzige Pflie. sich gesund zu erhalten, das sind Sie Ihrem 2 schuldig. Sie können hier nichts nützen, Sie aber viel nützen, wenn Sie später bei der Verhi frisch und munter sind, dann sind Sie dem arn geklagten eine wirkliche Stütze. Seien Sie bi folgen Sie mir!“ Fortsetzung Die fünfzig Jahre. Eine Novelle von Walter Wolff. (Nachdruck verboten.) Eigentlich ist es eine recht leidige Sitte, eines Mitmenschen fünfzigsten Geburtstag an die Oeffentlichkeit zu zerren. Früher galten die siebzig Jahre als Abschlußpunkt menschlichen Schaffens; allmählich aber ist man dazu übergegangen, sechs Jahrzehnte als genügend anzusehen, und neuerdings feiert man bereits den Fünszigjährigen. Feiert ihn, und doch ist's, als rufe man ihm zu: Nun kommt der Abstieg, nun mache den Jungen Platz! Alle Blumen und Angebinde, alle Reden und Ehrungen können diesen Unterton des Schlußstrichzlehens nicht übertönen... Dunkel empfand das auch der Sparkassenrendant Hermann Johannsen, als seine Kollegen den fünfzigsten Geburtstag, de: mit dem fünfundzwanzigjährigen Dienstsubiläum zusammenfiel, zum Anlaß für eine kleine Feier im Kontor nahmen. Sie hatten das Pult mit Blunen umwunden, aus den beism Tintenfässern lugten Vergißmeinnicht und Bzechen, und auf der Federschale lagen Rosen. Das Laufmädchen hatte mit schelmischem Knix ein Berochen aufgesagt, die Kollegen Zigarren gespendet und die Kolleginnen zu selbstgebackenen Plätzchen Kafsee gekocht, daß es ordentlich gemütlich im sonst so nüchtern=dienstlichen Amtozimmer ausschaute. Wäre nur der Unterton nicht gewesen..... Aber den empfand der früh gealterte Johannsen doppelt, well er genau so schwerfälligbedächtigen Wesens war wie sein Name klang: Hermann Johannsen! „Nomen est omen“, sagten die Römer, und ihr Spruch gilt noch heute. Und seit ihm vor einem reichlichen Dutzend Jahren nach längerem Siechtum die Frau gestorben, war er noch stiller geworden, noch in sich verschlossener, noch trüberen Sinnes. Hatte sich in eine Art verbitterter Schwermut eingekapselt, aus der ihm auch eine neue Liebe nicht hätte heraushelsen können, weil er samals nicht gewagt hatte, es noch einmal zu wagen. Und die Andere war enttäuscht von ihm gegangen, hatte schließlich in der Ehe mit einem ihm Fremden den stillen Hafen gefunden.... An alles das hatte der Rendant während der Bureaustunden denken müssen— denn aus der Arbeit war nicht viel geworden an diesem Tage—; und an alles das dachte er noch, als er nun durch die Straßen schritt, seinem Heime zu. Seinem Heim?. Nun ja, es war „sein“, dies möblierte Zimmer, solange es der Wirtin nicht gestel, ihm zu kündigen, oder zu heiraten, oder umzuziehen. Aber„Heim“? Nein, heimisch war er noch in keinem der zwanzig oder fünfundzwanzig Zimmer geworden, die er im Laufe der Jahre bewohnt hatte. Er war so eigen, so pedantisch=sorgfältig mit seinen Sachen, daß er in ihnen stets eine Quelle unliebsamer Auftritte mit den Wirtinnen sand. Ihm graute davor, heute allein zu Hause zu sitzen und Trübsal zu blasen, oder am Stammtisch in verräuchertem Lokal die Zeit mit dumpfen Reden totzuschlagen. Er sah die Menschheit um sich herum, die gleich ihm aus der inneren Stadt in die Vororte strebte: Alte und Junge, Männer und Frauen und Mädchen. Und alle waren, dünkte es ihn, von Freude und Frohsinn erfüllt; Lachen und Scherze erklangen, und die Blusen und Kleider wirkten wie lustige Farbflecke von Weiß und Rosa und Hellblau im dunklen Gewühl. Zwei Freundinnen sielen ihm auf, die vor ihm eingen. Sie hatten die Hüte an den Bändern übere Handgelenk gestreift und ließen die braunen Lochken vom Abendwinde sächeln; ihre Füße staken in derben und doch nicht plumpen Schuhen; Nacken und Arme waren leicht gebräunt. Fast ohne es zu wissen, folgte er ihnen. Und malte sich aus, wie er zwischen den Beiden gehen würde in leichtem und doch nicht törichtem Gespräch, und nachher irgendwo draußen im Grünen sitzen, unter dichten Baumkronen, am Wasser vielleicht, und zu Dreien den Abend in jener seltsam losgelösten Stimmung verbringen, die Sommernächten eigen ist: Sehnsuchtslos, und doch ungestillter Sehnsucht schwer.... Immer wieder setzte er an, den Schritt zu beschleunigen und die Beiden einzuholen, die da vor ihm gingen. Aber die paar Meter Zwischenraum schienen ihm unüberbrückbar. Und dann zogen zwei junge Leute in weißen An. zügen ihre hellen Strohhüte vor den beiden Mädchen, die erst lachten und sich zierten und dann doch die Begleitung annahmen, und Hermann Johannsen war wieder einmal zu spät gekominen— wie immer in seinem Leben. An der nächsten Straßenkreuzung blieben die Vier stehen, unschlüssig, welchen Weg sie einschlagen sollten: Ob zu den Seen hinaus nach rechts oder zum Tanzsaal nach links. Herman Johannsen sah im VorÜberschreiten in nier ihrer Jugend frobe Gesichter, denen die Lebensfreude aus den Augen sprühte erschüttert, sich seiner fünfzig Jahre neu bewi er den Rückweg an. Fünszig Jahre! Freudlos wie dieser Abend auch sein Lebensabend sein. Noch zehn, fünfzehl den Rendantensessel wetzen, dieselben grauen dieselben gelben Möbei, dieselben gefängnie schwarzen Eisengitter der Fenster um sich. U die Muße mit Würde der Pensionierung, die ligkeit und die Krankheiten des Alters, und sd irgendwo in fremdem, ermietetem Bette der 2 Eine Angst ersaßte ihn vor solchem Ende, ein um sein Leben, das ihm zwischen den Fingern nen war wie Sand, mit dem Kinder in den? spielen, um sein Leben, das er nun, in zwölfter so gern noch zu halten gesucht hätte. Eine An auf in ihm— vor dem Alleinsein. Und er dachte daran, daß seine Wirtin, die lebenslustige, und gar nicht spröde Putzmacher oft genug zu verstehen gegeben hatte, wie gern den Herrn Rendanten mit seinem sichern Einkder gesellschaftlich höheren Wertung. der schöne sion, nehmen würde. Daß sie ihm, der dem Al ihr Vater sein könnte, die Treue nicht halten das wußte er freilich auch.... Und dennoch! dennoch wäre es wenigst Leben zu Zweit; wäre später kein Tod in. ermieteten Bette.... Und es ist alles gekommen, wie Hermann: sen es an jenem Abend geahnt. S SSELHESES Sseg . S PE * S pETENTE : S SOSgEE S S TTGEESE STS BLSETSH 5 S SSSPR SGRE BE•E eUoESS S. S-g S SmeßSEg SSPLASPSN E.*-„„—„ g 9* T —* K 9—" 5 5 — * E 2 5 S 6 S 25 95 8 s#.##-f. EFSSS KSSESS"• S S5— H SSN• 6gegh, OUTNE 8: 5* gxg#. —. G 9 5 F er 2 * 6 S S9.. a S " s* 8. * 9 2 8 S S 198.52 5 *.8 S S 3 SPE S• 9 2 08880 *SS S 231 SEnUT SEE E 2 5 #ESASSSOSES 2 SAE S 582 - FPEREB: S 9.-9S ##568 S S. S S o 955 .8— Söga. PS. 8 8 SOOSESE -SbAgEE 9S 8 . 2 D. ar S 5 EPGS 4 88•0T. E 8 55.5 TSELSSORB-FrÄFEEE,rAER SSUSSSS S055S 50. 35 Ginn 22 9 SAE nE 1EL * 8 WhrI7 Das Armband. Stizze von Michel Thivars. **(Nachdruck verboten.) Zwökseinhalb Uhr nachts. Durch die verlassene, von spärlichen Laternen schlecht erhellte Gartenstraße streben Herr und Frau Poule den heimischen Penaten zu, er— klein und dick, ein vollendeter Kürbis, sie— groß und hager, ein wandelnder Spargel.— Herr und Frau Poule kommen aus dem Theater, in dem sie ein blutrünftiges Schauerdrama gesehen haben: sechs Morde in fünf Akten. Herr und Frau Poule haben sich großartig amüsiert! Nichtsdestoweniger sind beide jetzt von einem und demselben Wunsche beseelt: ach, wenn wir doch erst zu Hause wären! Richt ein einziges Fenster erleuchtet, nicht ein einziger Passant auf dem Trottoir; und dazu sehen die alten Häuser jetzt bei Nacht so finster und gespenstisch aus. Die Temperatur erscheint ihm mit einmal so kühl(man schreibt den Monat Juli), daß er den Vorschlag macht, einen schnelleren Schritt anzuschlagen. Wie leicht kann man sich erkälten! Frau Poule ist sofort einverstanden. Die beiden Gatten beschleunigen ihr Tempo. Deo Spargel läuft, der Kürbis rollt. Nach fünf Minuten bleibt der Kürbis außer Atem stehen. „Uffl... Man darf sich aber auch nicht in Schweiß bringen, sonst bekommt man die schönste Lungenentzündung!“ Er zieht sein Taschentuch hervor und trocknet sich die Stirn. Frau Poule dreht den Kopf auf dem langen Schwanenhalse bald nach rechts, bald nach links, während ihre Augen sich bemühen, das Dunkel der Nacht zu durchbohren Plötzlich preßt sich ihre dürre Hand krampshaft um den Arm ihres Gatten. „Restor!... Ein Meuschl“ haucht sie mit erstickter Stimme. „Wo!“ fragt Poule, der infolge hochgradiger Kurzsichtigkeit keine zwanzig Schritte weit zu sehen vermag. „Hinter uns... Er schleichcht an den Häusern entlang. Sicherlich ein Räuber!" Von neuem zuckt Nestor die Achseln.„Du bist verrückt, Eugenie!... Das ist ein harmloser Passant wie wir. Die beiden Gatten setzten in beschleunigtem Tempo ihren Weg fort, doch wendet Frau Poule alle Augenblicke ihren Kopf. 4 2r „Siehst du ihn noch?“ fragte Herr Poule. „Immer noch... Er hält sich im Schatten... Jetzt bleibt er stehen... Er bückt sich... Er nähert sich einer Laterne...“ Er bleibt wieder stehen... Oh. Restor!" „Bos?“ „In seiner Hand... Etwas Glänzendes... Ein Dolch!“ „Ein Do...“. stammelte Herr Poule „Ein Dolch, jawohl!" vollendet Frau Poule zähneklappernd.„Und das Gesicht!... Eine wahre Galgenphysiogronnte!“ Herr Poule hat nicht Furcht. Aber er möchte um alles in der Welt nicht tollkühn sein! Eine Querstraße öffnet sich vor ihnen. Es ist die Straße. in der sie wohnen. Sie stürzen hinein. Frau Poule läuft, läuft... Von Furcht gejagt würde sie es mit jedem Schnelläufer aufnehmen, wenn nicht der kleine, dicke Poule wäre, der auf seinen kurzen Beinen schwitzend und keuchend neben ihr hertrottet. Nach fünf Minuten bleibt Restor, der für diese Art der Bewegung keineswegs traintert ist, atemlos stehen, und gibt durch Zeichen zu erkennen, daß er nicht weiter kann. In diesem Augenblick taucht an einer Straßenecke eine Gestalt auf. „Da ist er!“ Erschreckt macht Frau Poule Miene, ihren Gatten loszulassen und davonzulaufen. Er aber will seine Gattin nicht im Stiche lassen; er klammert sich verzweifelnd an ihr Kleid Plötzlich ertönt in der Dunkelheit hinter ihnen eine Stimme: „He! Sie da vorne!... Heda!“ Dann das Geräusch eiliger Tritte auf dem Trottoir. Der Räuber nimmt die Verfolgung seiner Opfer auf. Das ist zuviel! Der in guter Ordnung von Herrn Poule begonnene Rückzug verwandelt sich in eine klägliche Flucht Spargel und Kürbis laufen, als seien ihnen Flügel gewachsen. In einem panischen Galopp langen sie vor der Türe ihres GlmxHauses an und ziehen, als wolllen sie ihn abreißen, am Grin der Schelle.4 am Sein Entsetzlich! Die Tür bleibt geschlossen... Der Porüer hat einen festen Schlaf... Da beginnen beide mit vereinten Kräften zu schreien: „Hilfe!. Räuber!... Mörder!“—-— Die nackten Füße in durchlöcherten Schuhen, den Kragen des alten Jacketts in die Höhe geschlagen, auf dem Kopf eine zerdrückte Mütze— so marschierte der arme Teufel die Straße entlang und dachte daran, daß er seit einem Tage nichts gegessen hatte, und daß es ihm am nächsten Tage allem Anschein nach nicht besser gehen würde. Seit zwei Monaten war Bourdon ohne Arbeit. „Satte Bourgeois, die nach Hause gehen pennen,“ murmelte er.„Die haben's gut.“ Und philosophisch fügte er hinzu:„Es gibt Leute, die alle Tage essen können und Leute, die sich den Schmachtriemen stets enger ziehen müssen... Das muß wohl sein, damit die Erde nicht aus ihrer Bahn kommt.“ Plötzlich stieß sein durchlöcherter Schuh an etwas Hartes. Bourdon bückte sich, hob den Gegenstand auf und näherte sich einer Laterne, um seinen Fund zu prüfen. „Ein Armband... aus massivstem Golde!" murmelte er überrascht, das Kleinov betrachtend, das im Licht der Laterne verführerisch funkelte. Einer ersten Eingebung folgend, wollte er„das Ding“ in die Tasche stecken. Wie würde er am nächsten Tage prassen, wenn er es verkauft haben würde! Aber sogleich erhob sich eine Stimme in ihm, die Stimme der Vernunft, und sprach: „Verkaufen? Mit den Lumpen, die du auf dem Leibe hast? Du denkst doch wohl nicht im Ernst daran? Der erste Goldarbeiter, dem du es anbietest, wird dich als Dieb einsperren lassen.“ Plötzlich fiel sein Blick, der auf der Suche nach einer Idee umherirrte, auf Herrn und Frau Poule. „Gefunden!“ frohlockte er.„Die große magere Frau da voxne mit dem kleinen dicken Mann hat das Armband verloren. Ich will es ihr wiedergeben, ganz einfach! Sie wird mir einen angemessenen Finderlohn zahlen. Das wird doch immerhin etwas sein!" Gesagt, getan. Bourdon setzte sich von neuem in Bewegung, um das Ehepaar einzuholen. Dieses aber spürte absolut kein Verlangen, sich von ihm einholen zu lassen. Bourdon beschleunigte seinen Schritt. Herr und Frau Poule verdoppelten ihre Geschwindigkeit. Da rief Bourdon böse: „He. Sie da vorne!... Heda!“ Wir wissen, welche Folgen dieser Anruf hatte. Die Poules jagten davon, als würden sie von Furien gehetzt. Das paßte Bourdon absolut nicht in den Kram. Wo blieb sein Finderlohn? Und wütend machte er sich hinter die Flüchtigen her, die er auch ohne sonderliche Mühe erreichte. Aber als diese dann wie besessen um Hilfe zu brüllen begannen, stutzte Bourdon. Die Polizei erschien im Laufschritt auf der Bildfläche in Gestalt von zwei Schutzleuten, die Bourdon am Kragen packten, während Frau Poule mit einem Schreckensschrei in Ohnmacht fiel, und Herr Poule hinter seiner Gattin verschanzt, mit seinem Regenschirm Löcher in die nächtliche Atmosphäre stieß. Im Handundrehen war Bourdon gefesselt und zur Wache gebracht.„Na, alter Sünder,“ bemerkte triumphierend der Kommissar, indem er ihm das Armband entriß, das Bourdon noch immer in der Hand hielt.„Sie können nichts leugnen. Das hier bricht Ihnen das Genick!" „Ja, aber... mein Finderlohn...“ wollte Bourdon erklären. Er konnte nicht vollenden. Die Tür der Zelle hatte sich bereits hinter ihm geschlossen.——— Heute läßt Herr Poule sich als Held bewundern. In dem kleinen Café, das er jeden Nachmittag zwischen 5 und 7 Uhr zu besuchen pflegt, um vor dem Diner seine Partie Domino zu spielen, erzählt er unermüdlich. Tag für Tag, die einzelnen Phasen seines Kampfes mit einem bis an die Zähne bewaffneten Straßenräuber. Und Bourdon? Er wurde natürlich verurteilt. Die Sache lag ja so klar! Was bedeuteten zegenüber der Tatsache, daß man im Augenblick der Verhaftung das Armband in seinen Händen fand, die lächerlichen Ausflüchte, mit denen er seine Unschuld dartun wollte? Er erhielt jedoch, da sein Strafregister noch völlig rein war, mildernde Umstände zugebilligt und kam mit vier Monaten Gesängnis davon.— 18.4 WlKE EMIE Katzensammer. Man braucht keinem Deutschen zu erzählen, was das Wort „Katzenjammer", das irgendein Witzling als„Neue des Magens" deftniert hat, bedeutet. Der unbeschreibliche Zustand, den es kennzeichnet, hat im Deutschen gar keine andere Bezeichnung, wenn man das abgeleitete, schlichte Wort„Kater“ ausnimmt; denn was sonst an sinnverwandten Ausdrücken besteht, wie„heulendes Elend, graues Elend“, ist schon etwas anderes. Zudem ist„Katzenjammer“ auch schriftdeutsch, während das Wort„Kater“ der Vulgärsprache angehört. Es wird nun vielleicht interessieren, daß kein Geringerer als Goethe, man denke, der würdevolle Olympier, den Ausdruck in die Literatur eingeführt und damit sozusagen„hoffähig“ gemacht hat. Im Oktober 1814 dichtete er bei seiner Anwesenheit in Heidelberg, also auf einem Boden, da Räusche und Katzensammer gedeihen, die Verse seines westöstlichen Divans: „Welch' ein Zustand! Herr, so späte Schleichst du heut' aus deiner Kammer, Perser nennen's bidamag buder, Deutsche nennen's Katzenjammer!“ Und in der Antwort auf diese Bemerkung des Schenken gibt der Dichter zugleich eine Schilderung des „Mir will nicht die Welt gefallen. Richt der Schein, der Duft der Rose, Nicht der Sang der Nachtigallen.“ Das Wort ist vorher im deutschen Schrifttum nicht nachzuweisen, und man hat das Recht, anzunehmen, daß der damals 65jährige Goethe es erst kurz zuvor kennengelernt hatte. Von wem oder wok Natürlich in Heidelberger akademischen Kreisen; es ist also ein Ausdruck der Heidelberger Studentensprache gewesen. Mit dem Paß von Goethe versehen, fand es überall Eingang, und zwar recht rasch. Schon ein Jahr später schrieb Clemens Brentano die Zeilen: „Hast auf der Hochzeit du zu viel getanzt, Trankst du zu viel, hast du den Katzenjammer.“ Seitdem gehört es zu dem stehenden Wortgut der Dichter, zunächst der Romantiker. Man findet es bei von Arnim, Eichen= dorff. Platen, und, wie jedermann bekannt ist, besonders bei Heinrich Heine. Wie oft ist nicht der Vers zitiert worden von dem Volke,„das heut so katzensämmerlich“ ist, während es „gestern noch so schön besoffen" war. Ja, wird man einwenden: das Wort„Katzenjammer“ ist erst um 1814 in die Literatur eingeführt worden und wahrscheinlich erst seit wenigen Jahren vorher in der Umgangssprache in Gebrauch gewesen. Das Wort„Kater“, das übrigens sicher nicht von Katarrh abzuleiten ist, wie manche glauben, ist erst um 1850 aufgekommen; wie nannte man den Zustand früher? Den bekannten Zustand, den Heine höchst anschaulich mit den Worten beschreibt: „Ich aber sitze und kaue verdrießlich Einen alten Hering, den salzigen Tröster In Katzenjammer und Hundetrübsal!“ Der war doch in Deutschland und besonders auf Deutschlands hohen Schulen immer vertreten. Nun, die Antwort ist zu geben; man nannte ihn„Corneltus“ und verstand darunter sowohl den physischen wie den moralischen Katzenjammer. EEIl Heus- und Simmemarten Farnkräuter am Blumenfenster. Zur Verzierung kleiner Gärten und als Schmuck des Blumeufensters eignen sich Farne vortrefflich. Wegen ihres malerischen Aussehens sind verschiedene Arten namentlich zur Ausstattung von Grotten sehr beliebt. Zur Verwendung im Hausgarten und am Blumenfenster wählt man am besten die bei uns wildwachsenden Farnkräuter, und zwar für das Blumenfenster die niedrigen Formen mit seiner Wedelbildung. Bei der Kultur kommt es mehr noch als bei den meisten anderen Pflanzenarten darauf an, daß wir die Natur möglichst nachahmen. Farnkräuter, die wir aus dem Walde ins Hausgärtchen oder vor das Blumenfenster verpslanzen, suchen wir nach Möglichkeit in Erde zu bringen, die der, worin sie in der freien Natur muchsen, gleich ist. Was die Lage betrifft, so pflanzen wir Königsfarn und andere Farne, die einen feuchten Standort lieben, an den niedrig gelegenen Stellen des Hausgartens an und helsen durch reichliches Gießen nach. Nach der Pflanzung wird der Boden mit einer Moesschicht bedeckt und mehreremal tüchtig begossen. Ist die erste Schicht verwittert, so bringt man, ohne diese abzutragen, eine neue darüber. Die weitere Pflege der Farnpflanzen ist einfach und ohne viele Mühe. Die einen feuchten Standort liebenden Arten werden vom Frühjahr bis reichlich begossen, ein Übermaß an #t braucht man nicht zu befürchten. Im Herbst bringt man etwa angepflanzte empfindliche Arten in Kösten und überwintert sie selbst in geeigneten Räumen aber bringt sie zum Gärtner ius Gewächshaus. Frühe Gartengewächse heranzuziehen. Eine eigentümliche Treibmethode einiger Küchenpftanzen ist am Rhein im Gebrauch und verdient allgemein bekannt zu werden. Die Gurkenkerne werden im Monat April in feuchte, wollene Lappen gewickelt und mit diesen in das Bettstroh gesteckt. Schon nach vier Dagen entwicleln sich die Keime; die Kerne werden dann entweder sogleich auf Pferdedünger in das freie Land gelegt oder in Töpse gesät, die so lange im Zimmer gehalten werden, bis das britte Blatt der Pflanze erscheint. Dann werden sie aus den Töpsen gestülpt und in das freie Land gesetzt, aber jeden Abend mit den Töpfen bedeckt, die in der Frühe wieder entfernt werden. Mitte Mai läßt man die Töpfe ganz weg. Es ist schon oft vorgekommen, daß Landleute nur einige Tage später Gurken lieferten als die Gärter, die die Gurken in Mistbeeten gezogen hatten. Ebenso geschieht es mit den frühen Zwergbohnen, die in Töpsen durch Zimmerwärme erzogen und dann ausgesetzt werden. Wenn in andern Gegenden die Säezeit der Bohnen kommt, kann man am Rhein schon fußhohe Pflanzen finden. 28 Eßbare Ameisen. Ein Afrikareisender sah auf seiner Reise durch den Kongo eines Abends mehrere Schwarze, die sich hockend über den Boden hinbewegten. Mit großer Schnelligkeit führten sie ihre Hände immer wieder von der Erde zum Mund. Über dieser Gruppe schwebte eine weißliche Wolke, die man für Schnee hätte halten können, wenn sie sich nicht auswärts bewegt hätte. In Wirklichkeit bestand sie aus weißen Ameisen, die in einer bestimmten Jahreszeit Flügel bekommen. Sie fliegen abends auf und fallen dann wieder zurück und verlieren ihre Flügel. Die Neger verspeisen nun so viele Ameisen, als sie irgend greifen können, ohne sich auch nur die Mühe zu nehmen, ihnen vorher die Flügel auszureißen. Sie suchen sich einen guten Platz dafür aus, nämlich die Nachbarschaft gloger Ameisenhaufen, aus denen die Ameisen zu Hunderten und Tausenden vervorkommen, um ihre Luftreise zu unternehmen. Eine erhebliche Fläche wimmelt dann geradezu von diesen ziemlich großen Insekten, die eine Länge von 1 bis 1½ Zentimetern und eine Dicke von 1 Millimeter erreichen. Die Schwarzen sind bei ihrer Ameisenmahlzeit unermüdlich und suchen, wenn eine der weißen Wolken verschwunden ist, sofort nach einer andern. Wissen Sie schon? Wenn ein Sinnesorgan leistungsunfähig geworden ist, muß nicht unbedingt das dazugehörige Gehirnzentrum, das heißt, das Organ, durch das die empfangenen Eindrücke eigentug zun Bewußtsein kommen, seine Tätigkeit einstellen. So können Leute, die jahrelang erblindet waren, Visionen haben. Der stocktaube Beethoven hörte nicht bloß„innerlich“, er schuf auch als Tauber seine gewaltigsten Werke. Bei Blind= und Taubgeborenen dagegen sind Gesichts= oder Gehörstäuschungen nie beobachtet worden. Man kann aus einem Kilogramm Bannwolle einen Faden. von etwa 140 Kilometern Länge spinnen. Es entspricht dies der Entfernung von Berlin nach Bernburg t. Anh. Man kann, normale Augen vorausgesetzt, das Weiße im Auge eines Menschen noch bei einer Entfernung von 28 Metern erkennen, die Augen selbst noch bei 70 Metern, 90 Meter weit sind noch alle Teile und auch schwache Bewegungen des Körpers zu erkennen. Bei 180 Metern sind die Gesichtszüge unklar und verschwommen; bei 360 Metern ist das Gesicht nur noch als Punkt sichtbar, größere Bewegungen der Arme und Beine sind noch zu erkennen. Bei 540 Merern hört die Unterscheidbarkeit einzelner Körperteile auf. Bei 720 Metern kann man die Leute einer Gruppe nicht mehr zählen, auch ihre Bewegungen nicht mehr sehen. Bei 900 Metern erscheint eine Front Soldaten wie ein breiter Gürtel. 1090 Meter weit ist Infanterie von Kavallerie noch zu unterscheiden, bei 1800 Metern erscheint aber auch ein Reiter nur noch als ein Fleck. Laßt uns lachen. Lehrer:„Leute, die schlechte Kleider und kein Geld haben, nennt man arm, und wie nennt man die, die Schätze haben?“ — Der kleine Fritz:„Dienstmädchen.“ „Sie humpeln ja, Herr Meier?“— Ach, wissen Sie, die Hühneraugen wachsen mir schon zum Halse hinaus.“ Diener:„Die gnädige Frau läßt grüßen und läßt bitten. Sie möchten doch morgen mittag zur Gaus kommen.“ GGE JmI 4 8 22 Stalanenallee Nr. 14. Roman von Dr. P. Meißner. Amerikanisches Copyright 1916 by Robert Lutz. 22 Stuttgart. Nachdruck verboten. „Lilly, tu, was der Doktor für gut hält! Der weiß doch am besten, was jetzt das Richtige ist. Es ist ja leider nun mal so. daß diese Männer immer mehr verstehen, wie wir armen Weibsbilder.“ Selbst Lilly konnte sich bei diesen halb verzweifelt gesprochenen Worten Irmas eines leisen Lächelns nicht erwehren. Sie fühlte wohl, daß Helmstedt recht hatte. Was sollte sie hier? Den ganzen Tag brüten und traurigen Gedanken nachhängen, damit nützte sie ja niemanden. Und sie merkte wahl, daß ihre an sich nicht gerade kräftige Gesundheit dieses Leben in ewiger Erinnerung an das Entsetzliche nicht aushalten würde. „Wenn Sie es für gut halten, Herr Doktor?“ „Nun sehen Sie wohl, das ist brav, Fräulein Lilly. So weit wären wir. Nun käme es mir noch auf die Frage an, wohin?“ „Irma, was meinst du. wenn wir nach dem Harz gingen, wo wir voriges Jahr waren, nach dem Torfhause bei Harzburg?" „Famos. Mutting, ganz famos, da sind herrliche Spaziergänge, man sieht den Brocken vor sich oder besser gesagt, man sieht ihn meistens nicht. Ach du, Lilly— und das Frühstück beim Hegemeister, buhwarme Milch, frische Butter mit Schwarzbrot!“ „Irma, Irma, ei doch nicht so materiell! Als ob es darauf ankäme. „Natürlich kommt es darauf nicht an, gnädige Frau Mutter, aber schön ist so'ne Butterstulle doch.“ Alle lachten und Helmstedt blickte mit unverhohlener Freude auf das lustige Geschöpf, das so natürlich sprach, an dem so gar nichts Gekünsteltes und Gezwungenes war. „Also— abgemacht— wir gehen auf ein paar Wochen aufs Torfhaus.“ „Wann können Sie reisen gnädige Frau?“ „Ja, wann meinst du, Irmak, Heute ist Donnerstag. Wie ist es denn mit der Wäsche?— Ich denke, am Sonntag morgen ginge es wohl.“ „Ausgezeichnet, gnädige Frau, wollen Sie mir die Freude machen, mir zu gestatten, daß ich alle nötigen Vorbereitungen treffe, Quartier bestelle, Billets besorge und so weiter? Das ist sa mein Metier lange Jahre gewesen“ „Sehr freundlich, Herr Doktor, aber Ihre kostbare Zeit! Das können auch die Mädchen machen.“ „Bitte, nein, das möchte ich so gern tun.“ „Gut, Herr Doktor, dann werden wir alles packen Sie kommen vielleicht am Sonnabend abend zu u Tisch?“ „Ach ja, Herr Doktor!“ Irma errötete, als sie das gesagt hatte. Sie merkte an einem verwunderten Blick der Mutter, daß sie das wohl nicht hätte tun dürfen. Helmstedt hatte wohl bemerkt, daß dieses reizende Geschöpf mehr gesagt hatte, als sie sollte, aber er freute sich darüber. Sie hatte sich ihm ein ganz wenig verraten und das tat ihm gut. Es überkam ihn ein eigentümliches Gefühl inneren Glückes. Warum, war ihm wohl nicht ganz klar, er fühlte es ohne volles Bewußtsein. „Selbstverständlich müssen wir während Ihres Aufenthaltes in ständiger Verbindung bleiben und ich werde Ihnen wöchentlich zweimal genaue Berichte schicken.“ „Die Korrespondenz übernehme ich,“ rief Irma mit äberzeugtem Tone. „Du, Irma, die sonst zu keinem Briefe zu bewegen ist?“ Die Mutter konnte, ein Lächeln nicht unterdrücken. „Erlaube mal, Mutter, das ist doch jetzt etwas ganz anderes. Soll vielleicht Lilly, die sich erholen soll, auf die Berichte von Herrn Doktor Helmstedt antworten? Nein, das wird ganz geschäftlich und ordnungsgemäß erledigt. Ihr sagt mir alle eure Wünsche und Gedanken, und ich gebe diese dann an unseren Verliner Vertreter weiter.“ Sie lachte hell aus vor Vergnügen, und ihre ehrliche Lustigkeit bannte das Gedrückte und Ernste, das zu Beginn des Gespräches über allen gelegen hatte. „Ja, meine Damen, Sie wollen jetze essen, und ich muß auch zu Tisch Also gestatten Sie mir, gnädige Frau, daß ich mich verabschiede.“ „Essen Sie doch mit uns, ganz einfach, s# ist genug da.“ Gern hätte Helmstädt Ja gesagt, er fühlte sich so wohl in diesem traulichen Heim, und die Nähe Irmas tat ihm so gut, aber er konnte nicht. Eine Menge wichtiger Dinge mußte geschehen und jeder Aufschub konnte verhängnisvoll sein. Auch hatte ihn doch der der Justizrat anrufen wollen, nein, so gern er geblieben wäre, er mußte nach Hause. „Es geht leider nicht, vielen Dank! Was glauben Sie, würde meine brave Frau Weitz sagen, wenn ich nicht käme? Nein, ganz ausgeschlossen dazu habe ich gar nicht den Mut.“ „Aber Herr Doktor!“ „Leben Sie wohl, ich spreche morgen vor!“ * „Das Essen wartet seit zwanzig Minuten Herr Doktor hatten auf zwei Uhr befohlen!“ „Schon gut, Frau Waitz, es schadet nichts, es wird schon noch schmecken.“ Sichtlich verstimmt verließ die treue Seele das Zimmer. Sie sand es entsetzlich, wenn ihr Herr nicht pünktlich beim Essen war. Sonst so'n ordentlicher Mann, so propper und akkurat, aber das Essen! Daran waren nur die Verbrechen schuld. Wenn er das nur ließe! Wie es einem Menschen Freude machen konnte, sich immer wieder mit solchem Gesindel herumzuschlagen. Sie verstand das nicht. Helmstedt war grade dabei, mit Behagen seinen Mokka zu schlürfen, als der Justizrat ihn anrief. „Halloh, hier Helmstedt Guten Tag Herr Justizrat, nun?— War wohl selig— das konnte ich mir denken, das ist ein habsüchtiger Hallunke—— morgen erst, o das ist ausgezeichnet, wann denn?— Morgen nachmittag? Ganz vorzüglich. Sie haben mir einen großen Dienst getan— da. möchte ich hier am Telefon nicht alles sagen— ich erzähle Ihnen, sowie wir uns sehen— waren Sie schon bei Cooper?— ja, na, wie war er?—— ruhig und vernünftig, das dachte ich wohl—— was habe ich Ihnen gesagt, ich hatte ganz denselben Eindruck— ganz ausgeschlossen — das ist sehr, sehr dumm— wie heißt der Zigarrenladen?—— Ach so, Loeser und Wolff, Belle Alliance= Straße hundertvierundzwanzig, gut und was hat er gekauft—— was, ich verstehe nicht—— ra— rara avis, ach so, die bekannte Zehn=Pfennig=Zigarre— wieviel?— zehn Stück.— Wo— am Halleschen Tor — zum„Schultheiß“— in der Zeit von zwölf bis ein Uhr am Dienstag.— Jawoh, wird besorgt, Herr Justizrat, ich gebe Ihnen Bescheid. Vielen Dank. Auf Wiedersehen.“ Helmstedt notierte die Daten, die er eben bekommen hatte. Vielleicht ließ sich da doch irgend etwas herausholen. Man mußte sehen. Die Anhaltspunkte waren recht schwach. Wie richtig er den Diener beurteilt hatte! Da mußte Braun das Weitere besorgen. Er hatte schon eine Idee, wie das zu machen war. Es geht doch nichts über eine gute Tasse Mokka, das verstand Frau Waitz, das mußte ihr der Neid lassen. Siebentes Kapitel. Gegen Abend zur gewohnten Stund erschien der „Kraftfahrer“ Braun. Er hatte nichts Neues zu berichten, sein„Freund“ war faul und untätig gewesen, aber die Beziehungen hatten sich befestigt. „Unruhig, Herr Doktor, wie man glauben sollte, war er nicht. Ich gehe mit ihm übrigens heute abend ins Theater zu Herrenfelds vielleicht wird er danach wieder mitteilsamer.“ „Hören Sie Braun, ich habe inzwischen meine Beobachtungen bei der Testamentseröffnung gemacht. Es ist also richtig, Jakob Gadubeit hat von der ihm zufallenden Erbschaft gewußt. Was, sagten Sie doch, hat er in der Kneipe erzählt?“ Braun holte sein Notizbuch heraus und blätterte. „Er sagte, er bekäme fünftausend Mark und zweitausend Mark Rente lebenslänglich.“ „Das stimmt tatsächlich, so steht es im Testament.“ „Donnerwetter, da ist der Kerl fein raus! Ich wollte, mir vermachte semand so eine Erbschaft. Aber, Herr Doktor, da ist ja das Motiv!“ „Sachte, sachte, lieber Braun, nur nicht voreilig! Vor allen Dingen muß ich wissen, was in dem Paket ist, das er dem Milchfritzen zur Aufbewahrung übergeben hat.“ „Herr Doktor, Sie sagten das schon gestern, aber ich habe mir vergeblich den Kopf zerbrochen, wie ich daran kommen soll.“ „Na, Braun, beruhigen Sie sich, ich habe einen Weg gefunden, der, wenn mich nicht alles täuscht, zum Ziele führen muß. Hören Sie bitte einmal genau zu: Dieser Jakob bekommt heute von Herrn Justizrat Seebald als Vorschuß auf seine Erbschaft auf meine Veranlassung dreitausend Mark ausgezahlt. Nun ist mein Plan folgender: Sie gehen morgen früh um neun Uhr zu der Depositenkasse der Deutschen Bank in der Charlottenburger Berlinerstraße. Dort wenden Sie sich an Herrn Hammer, das ist der Vorsteher der Bank, und sagen ihm folgendes: ich hätte Ihnen den Auftrag gegeben, sich dort ein Konto einrichten zu lassen und ein Sicherheitsfach in der Stahlkammer zu mieten. Es käme mir darauf an, da, wenn Sie morgen mit einem Freund kämen, und dieser auch ein solches Fach verlangte, der Vorsteher der Abteilung die Auskunft gäbe, es sei keins mehr frei. Jakob wird Ihnen heute abend schon von seinen dreitausend Mark erzählen und da müssen Sie ihm Angst machen, er könne sie verlieren oder sie könnten ihm gestohlen werden, und dann erzählen Sie ihm, daß Sie Ihr Geld auf einem Konto der Deutschen Bank hätten, da sollte er sein Geld doch auch einzahlen, Sie würden ihm schon zeigen, wie man das macht. Wenn er nun mit Ihnen hingeht und dort die Einzahlung macht, dann verlangen Ste ganz gelegentlich nach Ihrem Stahlfach und veranlassen ihn, mit in die Stahlkammer zu gehen. Sie nehmen irgend ein gleichgültiges Paket aus dem Fach und wollen wieder gehen. Ich wette mit Ihnen, daß er Sie fragt, was das kostet und so weiter. Wenn dann der Vorsteher sagt, daß alle Stahlsächer vergeben sind, dann wird er, wie ich annehme, enttäuscht sein, und dann bieten Sie ihm vorübergehend Ihren Verschlußkasten an. Geht er darauf ein, dann wird er das Paket von dem Milchhändler wegnehmen und in Ihrem Fache einschließen lassen. Haben Sie das verstanden, Braun?“ 125 10 **— „Vollkommen, Herr Doktor, das ist großartig! Ioen werde alles so machen, wie Sie sagen, und ich bin fesntat überzeugt, er kriecht auf den Leim. „Hoffentlich!" eb Helmstedt war aufgestanden und hatte seinen Geldbeschrank geöffnet. 110 „Hier sind tausend Mark zur Einzahlung auf Ihiet Konto. Es muß natürlich aussehen, als ob Sie das? olt Konto schon lange hätten. Und hier ist ein Paket zwei alten Uhren, Erbstücke, das können Sie in dazir Fach geben, und dazu machen Sie sich noch ein andeeres Paket zurecht. Glauben Sie, daß dieser Jakob sichviel Vertrauen zu Ihnen gefaßt hat, daß er Ihnen dast: Paket anvertraut?" 61.2 „Aber gewiß, Herr Doktor, daran zweifle ich nichen einen Augenblick." 254 „Gut also, das wäre erledigt. Ich schreibe übrigenig an Herrn Hammer heute noch einige Zeilen damit Sidt eingeführt sind. Nun habe ich noch etwas anderesetz, Der verhaftete Cooper, den ich für unschuldig halte#e will während der Zeit des Mordes bei der Frühjahrs,## parade gewesen sein und behauptet, daß er zwischen neun und zehn Uhr auf dem Wege dorthin in der Fialiale von Loeser und Wolff, Belle Alliance=Straße-1warten Sie einen Moment— Belle Alliance=Straßöt Nummer 124, sich zehn Zigarren, Nara avis“ heißt die“ Marke, gekauft habe. Ist das nachzuweisen, so wärg das ein Alibibeweis, der ihn von jedem Verdacht reie nigen würde. Hier gebe ich Ihnen ein Bild von deie Verhafteten, und nun fragen Sie mal den Filialleite# oder Verkäufer von Loeser und Wolff. ob er sich en“ sinnen kann, diesem Herrn am ersten Mai um die ar. gegebenen Zeit diese zehn Zigarren gekauft zu habenz Haben Sie Zeit, das zu machen?" 2 „Ich denke ja. Sollte ich nicht selbst können,## schicke ich Noack, der ist zuverlässig und geschickt.“## „Mir recht, nur möchte ich auf alle Fälle bis more gen nachmittag um drei Uhr Bericht haben.“ „Wird besorgt, Herr Doktor. Ist sonst noch etwas? „Ja, wie steht es mit dem geheimnisvollen Gane von Schaffer aus?“ „Bisher habe ich das noch nicht rauskriegen kön nen, aber ich behalte den Punkt im Auge. Ist son noch was?“ „Für heute nicht. Nehmen Sie sich noch eine 3 garre und dann amüsieren Sie sich gut mit Ihrer' „Freund“ bei Herrenfelds. Als Braun gegangen war, ließ sich Helmstedt vo: Frau Waitz die eingegangene Post bringen. Es wa nicht viel. Einige Gechäftsdrucksachen, ein Kreuzban und ein Brief mit Amtssiegel aus Chemnitz. Das wa es, worauf er schon seit morgens wartete: die Antwor# auf seine an das dortige Polizeipräsidium gerichtet Anfrage über die Vergangenheit Jakobs. Er öffnet# und las mit Interesse und einer gewissen Befriedigun den ausführlichen Bericht. Chemnitz, den 3. 5. 1903. Im Auftrage meines Chefs, des Herrn Polizeipräs denten von Grodeck erlaube ich mir Euer Hochwoh geboren im folgenden einen Bericht über den frühe hier ansässigen Jakob Gadubeit gemäß den hier be findlichen Akten zu übermitteln: Heinrich Jakob Gadubeit ist am 18. November 186 als Sohn des Tagelöhners Heinrich Gadubeit und se ner Ehefrau Minna geborene Grube in Osterodei Ostpreußen geboren. Seiner Militärpflicht genügte bei dem Infankerieregiment Nr. 33 in Insterburg den Jahren 1886—1889. (Fortsetzung folgt.) Schließkorb oder Jumper. Humoreske von R. Kaulitz=Niedeck. (Nachdruck verboten). Familie Eiermann besaß einen Schließkorb. ein recht geräumiges, gemütliches und schon antikes Stück, das ihnen allen ans Herz gewachsen war. Ihren„Allerweltsaushelfer“ nannten sie ihn, der allerlei Zwekken dienen mußte. In schlimmen Jahren hatte Mama Eiermann darin halbe Baueurngüter nach Hause gebracht. Bei großen Waschfesten barg er die Riesenlast des weißen Linnens. Und stand er in seinem vergilbten Weidengewand auf grünem Rasen unter den Wäschereihen, so hüpfte das brave Herz mancher Hausfrau. Die halbe Nachbarschaft war mit ihm befreundet, allen leistete er irgend eine Gelegenheitsarbeit. Sogar als Himmelbett hatte er einem kleinen Weltbürger gedient, der etwas plötzlich aus dem Himmel gepurzelt war. Und ruhte er endlich auf dem Altteil von den Mühsalen der Tage aus, so schlüpften die jungen Eiermänner hinein und spielten darin allerlei Spiele. Eines Tages hatte Frau Eiermann in den Korbwacenläden die hohe Skala der Preise für Schließkörbe entdeckt und hurtig seinen heutigen Wert festgestellt. „Fünfhundert Mark kostet heute unser Schließkorb“ trumpfte sie beim Mittagessen auf.„Fünfhundert Mark —— und alt ist er schließlich auch," flüsterte sie ihrem Manne am Abend zu. Und beim Frühstück am anderen Morgen sagte sie fest: „Ich verkaufe ihn, Männchen. Denke blos, fünfhunpert Mark! Was für einen himmlischen Jumper bekomme ich dafür!" Drei Tage lautete die Parole bei Eiermanns: „Schließkorb oder Jumper.“ Bis endlich Herr'ornann resolut erklörte: „Also schaffe ihn fort, verkaufe ihn, sonst beschlagnahmt ihn vielleicht die Wohnungskommission und macht eine Notwohnung daraus.“ Da wurde der Schließkorb als verkäuflich, in die Zeitung gerückt Bald darauf erschien ein Mann, musterte den vergilbten, treuen Gesellen, zählte drei Hundertmarkscheine auf den Tisch und schulterte stumm sein neu erworbenes Eigentum. Der Weidenkorb krachte etwas. „Er will nicht fort von uns" flüsterte Eiermanns Quintaner.„Hast du's gehört, Mutter? Er hat geächzt?“ „Er hat bestimmt eine Seele," erklärte die verträumte Olga, die mit den Geschwistern den Mann mit dem Korb ein Stückchen begleitet hatte. Auch Frau Eiermann blickte den beiden reumütig nach. Plötzlich war ihr, als schleppe der fremde Mensch ein Stück Heimat fort. Die Kinder fragten traurig: „Wo sollen wir nun Blindekuh spielen, da der Allerweltsaushelfer fort ist? Wie willst du nun waschen und trocknen, Mutter?“. Er war doch so praktisch!“ meinte Olga. Und Max schluckte an den Tränen:„Wo soll ich nun meine Schularbeiten machen, wenn, wenn mal wieder Besuch kommt und kein Platz in der Stube ist?“ Langsam krochen Reue und Scham in Frau Eiermanns Herz. Wie eine Schuldbeladene entwischte sie endlich ihren Richtern, nahm die dreihundert Mark und kaufte sich— um ihren Schmerz zu betäuben— einen schlangengrünen Jumper. Als sie sich darin ihren Kindern vorstellte, öffnete keines den Mund. Nur vier Paar Augen blickten sie in traurigem Vorwurf an. Der Jüngste heulte sogar auf und behauptete, er wüßte nicht mehr, wo er spielen sollte, seit der Allerweltsaushelfer fort sei. Und Max, der Frechdachs, maulte: „Mama sieht in ihrem Schließkorb=Jumper wie ein kostümiertes Froschfräulein aus.“ Das Wort„Schließkorb=Jumper“ flog in den Wortschatz der Eiermänner wie ein Vogel hinein, so daß auch Vater zu lachen begann. Der Allerweltaushelfer hatte aber eine schmerzliche Lücke in den Tagen der gesamten Familie hinterlassen. Beim Waschfeste wurde er schmerzlich vermißt von Hausfrau und Waschfrau. Er fehlte den lieben Nachbarinnen, die sich deshalb feindlich gegen Frau Eiermann stellten. Er fehlte, als Vater zum Kartoffelkauf aufs Land fahren mußte. „Um lumpige dreihundert Mark so ein gutes, altes Stück zu veräußern“, knurrte er verdrossen.„So was grenzt an Pietätlosigkeit.“ Das stach ins Herz der Schuldigen, so daß sie sich vornahm, den Verkauften um jeden Preis zurückzuerobern. Vom Milchhändler erfuhr sie, beim Grünkramhändler habe ein Fensterputzer erzählt, seine Nachbarin, eine Büglerin, hätte von einem Blechschmied einen großen gebrauchten Schließzkorb gekauft. Durch fremde Familien und Höfe fragte sich Frau Eiermann bis sie endlich die beschriebene Schließkorbbesitzerin fand. Aber hier war er nicht mehr, der heißgeliebte Vermißte, längst hatte ihn ein Fellhändler erworben. „Zweihundertfürfzig Mark hat er gekostet“ drummte die Frau,„mein Mann hat ihn im Schuppen, den Schlüssel hat er mitgenommen.“ „Ich bezahle ihn gut,“ bettelte Frau Eiermann.„Er ist eigentlich wertlos, uns aber ein liebes Familienstück. Hundert Mark mehr und ein anständiges Trinkgeld gebe ich, wenn mir Ihr Mann den Schließkorb am Sonnabend Abend in meine Wohnung bringt.“ „Ich werde es ausrichten,“ versetzte die Frau.„Aber foppen läßt er sich nicht." Am Sonnabend abend erlebten Eiermanns eine aufregende Stunde. Ein ziemlich zerlumpter Mensch setzte ein korbähnliches, farbloses Ungetüm im Korridor ab. „Das ist er, Madame hat ihn gekauft. Dreihundertfünfzig Mark kriege ich und einen Batzen für den Iragenort“ Ein verblüfftes, sammerndes Menschenhäuflein un stand den fremden Korb. Alle schrieen durcheinandet, „Das ist nie und nimmer unser Allerweltsaushelfer, So dreckig, so zerschunden, so formlos war er nich, „Ein Salonmöbel ist er ja nicht,“ meinte grinsend de Mann.„Aber Madame hat ihn bei meiner Frau be stellt, weil er mal ein Erbstück der Fomilie gewesen ist. „Um Gotteswillen, so etwas haben wir nie besessen, sammerte Frau Eiermann, die den strittigen Gegenstan, mit Verachtung strafte.„Den nehmen Sie nur wiede mit.“ „Ich werd' mir schön hüten,“ antwortete der Korl besitzer und streckte die offene Hand aus.„Dreihut dertundfünfzio Mark und mein Trinkgeld! Bestellt t bestellt!“ „Aber so nehmen Sie doch Vernunft an,“ rief Fra Eiermann.„Dieses schmierige Ding hat uns nie ge hört—“ „Das kann jeder sagen! Foppen laß ich mich nich Und mitnehmen tue ich ihn auch nicht! Das Gel her, wie's abgemacht ist, oder ich bleibe hier, bis Si bezahlt haben.“ Sprach's und setzte sich breit auf den gepolsterte Korbsessel. Frau Eiermann war ratlos. In der höch sten Not erschien Papa Eiermann. Er sah, begriff und erklärte: „Fünfundzwanzig Mark fürs Herschaffen— fün undzwanzig Mark fürs Mitnehmen und eine gute 3 garre dazu, guter Mann, da haben Sie ein seines G. schäft gemacht. Für das Ding da zahlt Ihnen ei Liebhaber vielleicht das Doppelte: Schließkörbeg hören ja zum Wertzuwachs.“ Brummend hob der Mann den Korb auf die Schu ter, steckte Geld und Zigarette ein und verschwand. Eiermanns suchen ihren richtigen Allerweltsaushe fer noch heute. Beim Rückkauf will aber Papa Eie mann das letzte Wort haben. B. Wellner Metropol-Theater Castrep, Kalser-Priedrichstraße 21. Aelteste und hervorragendste — Lichtbilcbühne am Platze— verbunden mit Cafe-Restaurant Eigene elektr. Lichtzentrale- Zentralheizung VEM NEIENNE HERNE, Bahnhofstr. 3 BOCHUM, Brückstr. 21 Abtellung: Hordgroßlager. 3556 Ständiges Lager von über 100 Herden Kohlerherde, vombinierte Herde, Gasherde Diesstag 1. 8. Pernrut 144 Amt Castrop. Mitlwoch 2. 8. 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