W Sotüngagen. Jatoon, dat eine gemihile ahalt uulct Konkursen Zwangsvergleichen und gerichtlichen Klagen. Stöhere Anzeigen werden dis mittags, kleinere bis 4 Uhr nach mittags vor Ausgade der Zettung erbeten. Postscheckkonto: 40 150 Rbin.— Fernsprech=Anschluß Nr. 6. Vorantwortlich für den Schrifttell: Franz Joseph Pruyo Castro, ertage urnto tostk burch rürch nur iür zam debrädbten süt das Viertelsade, ohne Vostbestellgeld. Fall wie in der den dei Bezugsptesse, Geschäststelle u. Schitsh Litung: Castrov, Mänsterstraße 24. Spiechstunden der Schris Leitung; werktage-—7 Uhe nachmittags. Rauxeler Neueste Nachrichten Rotationsdruck und Verlag: Castroper Zeitung(Geschw. Schmitz), Castrop Blädet Hiavenhorstel Tageblau 1922 der Mord und die Außenpolitik. Seit Walther Rathenau im Reichsministerium saß, ist es seinem staatsmännischen Geschick gelungen, unter unendlichen Schwierigkeiten eine Reihe von Fäden anzuknürfen, die sich allmählich zu einen neuen Band zwischen Deutschland und seinen Gegnern ha###en zusammenwirken lassen. Die Hund, dee di?e Käden getnüpft hat, ist kast, stu. mm der Mund, dessen hochgestimmten Aeußerungen die Vertreter aller Völker in Genua Beifall gezollt haben. Die Sonntagsrede des Reichskanzlers hatte einen starken außenpolitischen Einschlag, denn es galt, eines vor allem zu verhindern, daß die Chau vinisten aller Länder die Mordtat in ihrem Sinne ausmünzen. Das Werk, was Rathenau begonnen hat, darf nicht unterbrochen werden, und darauf vor allem wird man sehen müssen, wenn man seinen Nachfolger wählt. Wirth erfaßte den Kernpunkt der Frage, als er sich von der Reichstagstribüne aus an die Ententestaaten wandte. Die Gegenseite muß einsehen, daß die Quelle alles Uebels in Deutschland der Vertag von Verlailles ist. Nichts törichteres als die Versuche französischer Blätter, nun zu noch schärferer Wach samkeit gegenüber Deutschland aufzurufen. Was wir brauchen ist Ruhe von Außen und abermals Ruhe. Wenn die Gegner mit ihrer Verteidigung der demokratischen Staatsform es auch nur irgend wie ernst nehmen, dann sollen sie es jetzt zeigen und uns die Möglichkeit geben, unsere inneren Angelegenheiten zu ordnen. Es ist bitter geuug nötig. Keine Ultimaten mehr, keine Diktate and vor allem die Lösung des ReparationsproAems auf wirtschaftlicher, nicht auf politischer BaEhrung des Toten. o Welches Ansehens sich Rathenau erfreut hat, das zeigt Lloyd Georges Nachruf. Daß der führende Staatsmann Englands solche Worte über einen deutschen Minister finden konnte, beweist, daß die Einsicht in England schon sehr weit fortgeschritten ist. Lloyd George hat damit eine ganz offenkundige Einladung zum Beitritt Deutschlands in den Völkerbund verknüpft. Eine Auffordeung, die in dem Wunsch der Universalität dieses Bundes gipfelte. Unabhängig davon hat auch Wirth gesagt, daß Lloyd George ihm wegen des Bundes interpelliert habe. Daß Wirth den Mut hatte, ihm darauf zu erwidern, daß ein Freund des Völkerbundes nach der furchtbaren Entscheidung in Oberschlesien der Idee des Bundes am Besten diene, wenn er von diesem Bunde schweige, ist ein Verdienst. Aber Wirth selbst sagte, daß heute die Situation sich vielleicht schon geändert haben könne. Vielleicht hat er damit recht. Die Entscheidung über Oberschlesien, die mit dem Namen dieses Bundes ebenso verknüpft ist, wie mmanches andere Schlimme— es genügt an das Saargebiet zu erinnern,— ist nicht von der Versammlung des Bundes, also seinem demokratischen Faktor. sondern vom Rat seiner sehr autokratischen und mit dem Bunde selbst eigentlich nur noch durch den Namen verknüpften Instanz gefälscht. Das muß betont werden, wenn man ein Werturteil über die Möglichkeiten des Völkerbun des fällt. Kein Zweifel, daß hier eine scharse Scheidung eintreten muß, eine Scheidung, die nur durch Verfassungsänderungen möglich ist. Aber wenn wir diese Aenderungen erreichen wollen, ist es vor allem nötig, daß wir Sitz und Stimme in ihm haben. Diese ganz kühle Erwägung sollte unser Verhalten gegenüber dem Völkerbunde bestimmen. Vielleicht, daß sich so gesehen der Eintritt empfiehlt. Aus der Rolle des Angeklagten, der nur sein Urteil entgegenzunehmen hat, sind wir nicht zuletzt durch das Verdienst Rathenaus beraus. Wir haben in Cannes und Genua als Gleichberechtigte am Verhandlungstisch gesessen. Im Völkerbund können wir ein Podium beginnen, von dem aus wir zu der ganzen Welt sprechen können, auch dann, wenn er uns noch manche Enttäuschung bringen sollte. Geduld und wiederum Geduld gehört auch dazu. * dr. Wirth einstweilen Berlin, 27. Juni. Der Reichspräsident hat den Reichskanzler Dr. Wirth bis auf weiteres mit der Wahrnehmung der Amtsgeschäfte des Reichsaußenministers beauftragt. Trauerkundgebung im thüringischen Landtag. Wien, 27. Juni. Im thüringischen Landtag fand heute vormittag aus Anlaß des ermordeten Ministers Rathenau eine kurze Trauerfeier statt. Während der Landtagspräsident dem Ermordeten einen warmen Nachruf widmete, richtete die Linke heftige Angriffe gegen die Rechte, besonders gegen die Deutschnationale Volkspartei, deren Politik der Reichstagspräsident die Schuld an dem Verbrechen zuschob. Die Reichsbehörden und öffentlichen Gebäude haben halbmast geslagat. Berlin, 27. Juni. Ein trüber Himmel lagerte über dem Reichstagsgebäude, dessen Fahnen, vom Regen durchweicht, halbmast hingen. Schon in den Morgenstunden versammelten sich kleine Gruppen rings um das Reichstagsgebäude, um auch ihrerseits teilzuhaben an dem Ausdruck der Trauer, der im Gebäude selbst vom Deutschen Reiche seinem ermordeten Minister des Aeußern bezeugt wurde. Die große Freitreppe des Reichstages, die nach dem Königsplatz hinunterführt, war mit Lorbeerbäumen flankiert. Die innere Ausschmückung des Gebäudes selbst zeigte nicht nur die Pracht, sondern auch den Geschmack, der einer Feier zukommt, in der das Deutsche Reich einen seiner bedeutendsten Staatsbürger und Staatsmänner ehrt. Die Ausschmückung lag in den Händen des Reichskunstwarts Redslop. Der Kuppelraum der Wandelhalle war in einen Lorbeerhain verwandelt, in dem allenthalben die Kränze, die Handel=, Industrie= und Bankwelt, vor allem aber die A. E. G. in ihren verschiedenen Gliederungen dem Heimgegangenen gewidmet hatten, zerstreut lagen. Den Reichstag selbst durchzog schwarzer Flor durch alle Ränge von den Deckenrampen bis weit in den Saal. Um die Tische der Regierung und der Länder zog sich das Band der Trauer, überall geschmückt von einer wuchtigen aber schattierungsreichen Pracht von Hortensien. Dort, wo sonst der Präsident die Sitzungen überwacht, war der mächtige Sara aufgebahrt, eingehüllt in das Banner des Reiches. An dem Sarg selbst waren nur die Kränze der Mutter und der Swechster des Verstorbenen niedergelegt. Ueber dem Sarg erhob sich bis zur Decke des Reichstags ein schwarzer Florbaldachin. Auf einem Nebenpult lagen auf einem Untergrund von Blumen die Kränze des Reichstags, des Reichsrats und des Reichspräsidenten, vor ihnen die letzte Totengabe der Direktion der A. E. G. An den Brüstungen des Regierungs= und Reichsratstisches hingen die Blumenspenden der meisten Länder, des diplomatischen Korps, und weiter hingen Kränze auf Kränze. Ihre Fülle bezeugt zum letztenmal die Liebe, Bewunderung und Achtung, welche die Person und das Werk Dr. Rathenaus gefunden haben. Die Trauerversammlung setzte sich aus allen Kreisen des deutschen Volkes zusammen und gab ein getreues Spiegelbild für die Allgemeinheit der Teilnahme. Die Minister des Reiches und der Länder, die Abgeordneten des Reichstags und der Landtage, die Mitglieder des diplomatischen Korps in ihren Unifomen, Vertreter der Wissenschaft, der Kunst, der Wirtschaft, Männer wie Frauen, sie alle füllten die Bänke des Saales und der Tribünen. In der ehemaligen Kaiserloge hatten die nächsten Angehörigen Dr. Rathenaus, seine Mutter und seine Schwester Platz genommen. Um 12 Uhr betrat der Reichspräsident Ebert mit dem Reichstagspräsidenten Loebe und dem Reichskanzler Dr. Wirth den Saal. Ein verkleidetes Orchester spielte in vollendeter Ausführung die Beethovensche Coriolanouvertüre. Darauf ergriff Reichspräsident Ebert das Wort: Reichspräsident Ebert: Meine Damen und Herren! In tiefster Erschütterung stehen neben den Familienangehörigen des Toten wir, die Vertreter des deutschen Volkes, an diesem Sarge, der die irdischen Ueberreste des Reichsministers Dr. Rathenau birgt. Mit den Verwandten trauert in herbem Schmerz die deutsche Nation um diesen Mann, der im Dienste des deutschen Volkes stand, für des Reiches Wohl arbeitete und für Deutschlands Zukunft Wertvolles zu leisten berufen war wie wenig andre. Walter Rathenau war ein Mensch seltener Eigenart. Ausgestattet mit großen mannigfachen Gaben des Geistes, gerüstet mit Erfahrungen des wirtschaftlichen und geistigen Lebens unseres Landes und des Auslandes, glänzend in Lauterkeit des Charakters und in Güte des Herzens, ragte er weit hinaus über das Durchschnittsmaß der Menschen. Mit dieser Fülle großer Eigenschaften war er— als mein Ruf an ihn erging— ohne Zögern bereit, opferfreudig das ruhige Leben, seine Neigungen, seine bevorzugte Stellung im Wirtschaftsleben dahinzugeben an den Dienst des Reiches und des deutschen Volkes. Walter Rathenau war dazu geschaffen, ein wirklicher Staatsmann, ein Führer der Nation aus dem Wirrnis der Zeit in eine lichtere Zukunft zu sein. Gehoben durch das Ansehen, das er als Führer der deutschen Industrie nicht nur im deutschen Wirtschaftsleben, sondern in der ganzen Welt schon früher genoß, gestützt auf den Eindruck und die Macht seiner Persönlichkeit, galt sein Wort in der Welt und in den Kreisen, die sie zuerst beherrschen. Er war es in erster Linie, dem die Aufaabe gestellt werden konnte, unser Volk wieder enger in die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der Völker einzufügen, zu unserm eignen Heil wie zur Gesundung der Welt. Die Kugeln feiger Mordgesellen haben ihn aus diesem Leben herausgeschleudert, aber die verruchte Tat traf nicht den Menschen Rathenau allein, sie traf Deutschland in seiner Gesamtheit. Gerichtet war die Bluttat gegen die deutsche Republik und gegen den Gedanken der Demokratie, deren überzeugter Vorkämpfer und Verfechter Dr. Walter Rathenau war. Aber sie ist in ihrem Erfolg über dieses Ziel des blutigen Parteikampfes in das Riesenmaß des Frevels gewachsen. Sie ist ein Anschlag auf die deutsche Nation, der sie einen der besten Patrioten, der fähigsten Köpfe und Vorkämpfer deutschen Aufbaus raubte. Sie ist ein Verbrechen an unserem arbeitsamen, duldenden und hoffenden Volk, das sie in Abwehr der Frevel aufs neue in den zersetzenden Kampf der Leidenschaften zu reißen droht. Meine Damen und Herren! Wir haben uns hier in dieser Stunde zusammengesunden, die Leitung des Reiches wie die Vertreter der Länder, die Abgeordneten des Reichstages und andere Männer des öffentlichen Lebens, mit einem Wort, die Vertreter des deutschen Volkes in seiner Gesamtheit, um unser Entsetzen und unsern Abscheu kundzutun, über diese Tat, begangen von Menschen, die, außerhalb der Gemeinschaft des deutschen Volkes stehend, diesen Mann gefällt und Deutschland diesen unheilvollen Schlag zugefügt haben. Gleichzeitig aber wollen wir dem Toten von ganzem Herzen danken im Namen der deutschen Republik, des deutschen Volkes, für all das, was er in aufopfernder und reiner Liebe zum Vaterland für Deutschland getan hat. Möge aus dem Wirken und Arbeiten Dr. Walter Rathenaus, möge aus seinem Geiste Frucht aufgehen für uns alle, für die Zukunft unseres Vaterlandes. Mit heißem Dank und mit der Versicherung, unvergänglichen Gedenkens bringe ich dem toten Freunde und Mitarbeiter den letzten Gruß des deutschen Volkes dar. Im Namen des Reichstagspräsidiums ergriff Vizepräsident Dr. Bell das Wort. Er führte aus: Verehrte Trauerversammlung! Politische Morde hat es zu allen Zeiten gegeben. Blindwütigem Fanatismus sind bei fast sämtlichen Nationen hervorragende Politiker und Staatsmänner zum Opfer gefallen, aber man muß weit zurückgreifen in der Geschichte, um auf einen politischen Vorgang zu stoßen von solcher Brutalität und Ruchlosigkeit wie die wahnwitzige und zum Himmel schreiende Ermordung des Mannes, vor dessen Sarg wir heute trauernd versammelt sind. Die Auslandspresse stimmt bei Würdigung des Charakters, der Fähigkeiten und Leistungen des Heimgegangenen überein in der Kritik, daß gerade dieses Staatsmannes menchlerische Ermordung zu den unbegreiflichsten und verruchtesten Geschehnissen der Weltgeschichte gehört. Wir alle aber sind Zeugen und stehen unter dem gewalttgen Eindruck der tiesen Empörung, die bei der Kunde von der entsetzlichen Missetat alle Stände und Schichten unsrer Bevölkerung mit elementarer Gewalt ergriff. Die Reichstagssitzungen vom vergangenen Samstag und Sonntag standen unter dem Zeichen ebenso starker Entrüstung wie herber Trauer um den Verlust des Mannes, der allen wohl tun wollte, niemanden wehe. Bei der heutige Trauerfeier obliegt mir die schmerzliche Pflicht, im Namen des deutschen Reichstages und seines Präsidiums, dem edlen Verstorbenen ein letztes Gedenkwort zu widmen. Der Herr Reichspräsident hat soeben, des bin ich gewiß, aus unser aller Seele gesprochen, als er mit ergreifenden Worten die Verurteilung der grauenvollen Missetat verband mit einer Beleuchtung der unvergänglichen Verdienste Walter Rathenaus um sein Volk und sein Vaterland. Nur eine Frage darf man stellen: Wann vollzog sich jemals tragischer ein Schicksal? Wann wurde temals sittliches Empfinden und Nationalgefühl stärker ergriffen als bei diesem grauenvollen Meuchelmord? Der Menschheit ganzer Jammer muß erfassen jedes noch nicht zu Stein gewordene Herz, sittliche Empörung muß nach Luft ringen bei dem Gedanken, daß unsers Volkes und Vaterlandes Rettung und Heil von feilen und feigen Mordbuben zum Vorwand benutzt wird und zum Aushängeschild, um einen Staatsmann meuchlings ums Leben zu bringen, der aus tiefster Seele, mit ganzem Herzen, mit Aufbietung aller seiner reichen Fähigkeiten und Kräfte dem Wohl seines Volkes und Vaterlandes, dem Wiederaufbau Europas und der Völkerversöhnung diente. Seine lautere Sele, sein edler Charakter sein gütiges Herz würden frei sein von allen Nachegedanken und verzeihen selbst den fluchbeladenen Meuchelmördern. Wir aber sind es dem Andenken des teuren Verstorbenen schuldig, unser Volk und Vaterland mit starker Entschlossenheit zu befreien von der Mordatmosphäre, die wie Gift, wie Pesthauch umgibt unser Volk und seine Staatzsmänner, Plicht der Selbsterhaltung ist es dem Mißbrauch unserer Geduld durch katilinarie sche Existenzen ein Ende zu machen. Darüber kann und wird keine Meinungsversichedenheit auf kommen unter allen ehrlichen Politikern jeder Richtung, unter allen guten Deutschen. Diese Ueberzeugung ebenso wie die unabweisbare wendigkeit des Schutzes der bedrohten Reichsverfassung, der durch sie geschaffenen Staatsform ist Gemeingut aller um das Staatswohl gewissenhaft besorgten Staatsbürger. Wir aber, verehrte Trauerversammlung, versichern aus tiefstem Her zensgrund, daß der deutsche Reichstag und mit ihm das deutsche Volk dem edeln Verstorbenen ein getreues Andenken bewahren wird. Unser verstorbener Freund war uns in tiefster Not au unserm Kreuzwege von Leidensstation zu Lei densstation Weggenosse und Wegbereiter durt Dickicht und Dorn. Das wird ihm, solange di Dankbarkeit in deutschen Landen nicht ausstirbt unvergessen bleiben. In der deutschen Geschichte wird der Name Rathenau fortleben als eines seiner größten, treuesten und edelsten Söhne. Im Namen der Demokratischen Partei sprach der Abgeordnete Korell. Er würdigte zunächst in warmer Weise Person und Verdienste des Ermordeten und geriet dann in parteipolitisch aufgemachte Ausführungen, die wir nicht wiedergeben, weil wir auf eine Kritik bei solchem Anlaß verzichten wollen. Mit einer ergreisenden Wiedergah= nan Matans Abschied durch das Orchester fand die Feier ihren Abschluß. De Sarg wurde von Beamten der A. E. G. durch die Wandelhalle aus dem Reichstag herausgetragen. Eine Ebrenz kompagnie der Reichswehr erwies dem verstorbenen Minister unter den Klängen eines Trauere marsches durch das Portal die letzte Ehre. die Trauerfeier in Oberschöneweide. Berlin, 27. Juni. Dumpf tönen die Glocken, regenschwer der Himmel. Halbmast wehen von den Gebäuden der A. E. G. die schwarz=rot=goldenen Flaggen der Republik, für die Walther Rathenau gestorben ist. Halbmast flattern ihm von zahlreichen am Wege liegenden Lauben die letzten Abschiedsgrüße zu. Stumm grüßen sie, die roten Fahnen, die in den Demonstrationszügen der Arbeiterschaft mitgeführt werden. Vor dem Portal des stillen Waldfriedhofes der Gemeinde Oberschöneweide halten kurz nach 2 Uhr die Autos. Durch eine Allee von Lorbeer wird der Sarg nach dem Erbbegräbnis der Familie getragen das sich etwa 30 bis 40 Meter vom Eingang entfernt befindet. 4 Meter hohe, von Efeu umsponnene Wände von Tropsstein sind verdeckt durch Blumen gewinde. Gärtnerkunst hat das Grabmal zu einem dunklen. Hain umgewandelt. Im engsten Familienkreise findet eine stille Trauerfeier statt. Trost worte des Geistlichen, stumme Grüße der Hinterbliebenen und hinab senkt sich der Sarg in die Gruft, wo der meuchlings Hingemordete jetzt neben seinem vor 7 Jahren verstorbenen Vater und neben dem im Dienste des Vaterlandes in Aegupten gefallenen Bruder ruht. Ueber dem sich schlie ßenden Grab wölbt sich ein Hügel von kostbaren Blumen und Kranzspenden. Walter Rathenau hat den Kampf des Lebens hinter sich. Er ruhe in Frieden. Lebhafte Kundgebungen vor dem Reichstagsgebäude. Berlin, 27. Juni. Vor dem Reichstagsgebäude kam es nach der Trauerfeier noch zu lebhaften Kundgebungen für den Reichspräsidenten Ebert und den Reichskanzler Dr. Wirth. Die Trauerkundgebung des bayerischen Landtags München, 28. Jnnt. Der baverische Landtag hat gestern nachmittag zu Ehren des ermordeten Reichsministers Dr. Rathenau eine kurze Trauersitzung abgehalten. Präsident Königsbauer führte in einer Ansprache aus, daß er mit dem Volke in der'Verurteilung der Tat einig sei. Es müsse alles zur Ergreisung der Täter getan werden. Vor überstürzten Maßnahmen müsse man aber warnen. Deutschland habe in Rathenau einen Mann von hervorragenden Fähigkeiten, die er in den Dienst des Vaterlandes gestellt habe, verloren. Schon aus rein menschlichen Gründen müsse die Tat verdammt werden. Das deutsche Volk werde durch sie in einen gefährlichen Abgrund hinabgerissen. Der Präsident sprach die Hoffnung aus, daß das deutsche Volk in Zukunft von derartigen Verbrechen verschont bleibe. Auf Vorschlag des Präsidenten wurde zum äußeren Zeichen der Trauer die Sitzung sofort aufgehoben. Sie verlief ohne jegliche Störung und ohne Zwischenfall. 20 9 * t 3 1 e 1 * 1 6 se ** 6 27 0 e 5 al is 5 6 h 9 8 5 d % 2 6 st 21 S 34 # S 9 9 9 m Il ie w u 36 2. n in se e fü ie de v m te he 00 ab E ge it 51 3. 0 18 e ic 1 -Ser Berlin, 28. Juni. Das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie, dem der Verstorbene angehörte, war zur Trauerfeier im Reichstage erschienen, u. a. Geheimrat Hilger, Dr. Krämer, Hugo Stinnes, Geheimrat Duisberg, Baurat Riepert, Geheimrat Rosenthal, Geheimrat Deutsch und Geheimrat Büher. * Poincares Nachruf für Rathenau. Berlin, 27. Juni. Der Pariser Korrespondent des„Corriere'Italia“ berichtet nach einer Meldung des„Cablogramme“, Poincare habe heute die italienischen Journalisten empfangen und ih nen eine kleine Lobrede auf Rathenau gehalten, die, nach ihrem Ton zu urteilen, aufrichtig war. Die politische Lage wird mit dem Verschwinden Rathenaus nicht gebessert, obwohl es sein letztes Bestreben war, die durch den Versailler Vertrag auf Deutschland lastenden Verpflichtungen auf ein Minimum zu reduzieren. Er bemühte sich immer, versöhnliche Ordnung zu finden. Sein Instinkt und seine praktische Veranlagung ermög lichten ihm, eine Unterhandlung stets zu positiven Ergebnissen zu führen. Das Abkommen von Wies baden wäre ohne ihn nicht möglich gewesen. Für Deutschland wie auch für Frankreich ist dieses Ab kommen durch seinen Tod nicht hinfällig geworden. Von allen Abkommen, die zwischen uns bis her getroffen wurden, ist dies das einzige, das Sanktionen überflüssig macht. * Nachrlänge zu Nathenaus Beisetzung. Die Demonstrationen im Industriebezirk. Essen, 27. Juni. Entsprechend dem Aufruf der Gewerkschaften fanden heute im rheinisch=westfälischen Industriebezirk Demonstrationen und Kundgebungen der Arbeiterschaft als Protest gegen die Ermordung Rathenaus statt. Die Demon strationen verliefen in voller Ruhe und ohne Zwischenfälle. In Essen herrschte vollständige Arbeits ruhe von heute früh 6 Uhr bis Mittwoch früh 6 Uhr. Die öffentlichen Gebäude haben Halbmast geflaggt. Die Geschäfte sind geschlossen. Morgens 10 Uhr versammelte sich die Arbeiterschaft auf dem Gerlingsplatz, wo die Redner in einer Anspache Entwaffnung und Aufhebung aller konterrevolutionären Organisationen, wie Orgesch, Selbstschutz usw., Entlassung aller Offiziere, Mannschaften und Beamten aus Reichswehr, Sipo usw. Reichs=, Landes= und Gemeindebehörden, die einer Konterorganisationen angehören oder sich sonst als konterevolutionär erweisen, Freilassungen al ler revolutionären Opfer des politischen Kampfes im Reich und namentlich in Bayern und schärfster Kampf gegen die unerträglich gewordene kapitali stische Ausbeutung, insbesondere gegen den Brotwucher, verlangten. Auch wurde gegen den Lohn abbau, Raub des Achtstundentages, des Streikrech tes usw. Stellung genommen. Der Demonstrationszug, an dem sich die drei sozialistischen Par. teten gleichmäßig beteiligten, ging nach einer Wan berung durch die Straßen ruhig auseinander. Der Rathenautag in Dortmund. Dortmund, 27. Juni. Der Aufforderung zum Feiern anläßlich der Ermordung Rathenaus hat ten die Dartmunder Retriehe. fast ausnahmslos Folge geleistet. Der Demonstrationszug, der in der Zeit von 4 bis 6 Uhr durch die Hauptstraßen zog, ist vielleicht der größte, den Dortmund je gesehen hat. Bemerkenswert ist, daß auch Abteilungen der Blauen Polizei und der Schupo sowie Abordnungen der KommunalEisenbahn= und Postbeamten sich an der Kundgebung beteiligten, die ohne jeden Zwischenfall verlief. Die Zehntausende der immerhin meist sozia. listischen Teilnehmer fanden sich schließlich au einem freien Platze im Stadtzentrum zusammen, wo von sieben Stellen aus Ansprachen gehalten wurden in dem Sinne, daß unter den deutschen Republikanern insbesondere die Arbeiterschaft berufen sei, mit allen Mitteln zu verhindern, daß die besten Führer des deutschen Volkes gewisser. maßen als Dung für die kapitalistische Gesell schaftsordnung abgeschossen würden. Die Mittellung eines Sprechers, daß in den Unionwerken Dortmunds demnächst wieder die Granatenfabrikation ausgenommen werden solle, erregte Sensation, wurde aber mit einem vermutlich berechtig. ten Mißtrauen ausgenommen. Die Redner stimm ten fast durchweg in folgenden Forderungen über ein: Schnellste Demokratisierung der Verwaltung Säuberung der Reichswehr und Schupo von reaktionären Elementen, Entfernung aller reaktionären Beamten ohne Ruhegehalt, schärfste An wendung der Verordnung zum Schutze der Repu blik derart, daß ihre Bestimmungen nicht als Kann= sondern als Mußbestimmungen behandelt werden. Von verschiedenen Demonstranten wur de die Ausdehnung des Streiks verlangt, bis zur Erfüllung obiger Wünsche formell zugesagt wor den ist. Ausschreitungen in Darmstadt. Berlin, 27. Juni. Die heutigen Kundgebun. gen aus Anlaß der Ermordung Rathenaus sind im allgemeinen ruhig verlaufen. In Darmstadt kam es zu Zwischenfällen, die gegen Abend einen ernsten Charakter annahmen. Die Menge drang in die Wohnungen der Abgeordneten der Deutschen Volkspartei Dingeldey und Dr. Osann ein und zertrümmerte die Wohnungseinrichtung. Der Abgeordnete Dingeldey wurde so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Auch der Abg. Dr. Osann wurde schwer mißhandelt. Alsdann drang die Menge in die Redaktion der „Hessischen Landeszeitung“ ein, zerschlug die Tü ren und Fenster, zerstörte das Mobiliar und war die Zeitungen und Manuskripte auf die Straße. Auch in der Redaktion des„Täglichen Anzeigers wurden sämtliche Fensterscheiben zertümmert, das Mobiliar zestört und die Zeitungen auf die Straße geworfen. Gegen 7 Uhr abends schritt die Polizei ein. Sie feuerte nach einigen blinden Schüfsen scharf auf die Menge, worauf diese auseinanderstob. Mehrere Personen wurden verletzt, eine soll tot sein. In den späten Abendstunden ist Rube eingetreten. Blutiger Zusammenstoß in Hamburg. Hamburg, 27. Juni. Die heutige Demonstration auf dem Heiligengeistfeld spielte sich im allgemeinen programmmäßig ab. Nach Schluß der Demonstration kam es beim Abmarsch der Massen zu einer Schießerei zwischen Demonstranten und kleinen Abteilungen der Schutzpolizei, die am Anweisungen des Senats, mit Gewehren und Ma schinengewehren Aufstellung genommen und ein Plakat aufgestellt, das die Inschrift trug:„Wer weitergeht wird erschossen!" Die Demonstranten fühlten sich durch das Plakat provoziert und veruchten, es zu entfernen, wobei es zu Zusammenstößen kam. Die Schupo gab zunächst Schreckschüsse ab, wodurch jedoch die Demonstranten sich im Vor gehen nicht aufhalten ließen. Der Zusammenstoß forderte auf seiten der Demonstranten einen Toten und 6 Verwundete. Von der Schutzpolizei ist Verstäkung abgegangen. 3 Große Protestkundgebungen in München. München, 27. Juni. Die gestern abend von den Mehrheitssozialisten abgehaltene Massenverammlung zum Protest gegen den letzten Mord war derart überfüllt, daß mehrere weitere Versammlungen veranstaltet werden mußten. Alle Versammlungen verliefen ruhig. Man forderte die Einheitsfront aller Republiken und nahm Stellung gegen die Mordhetze. Es wurden überall Entschließungen angenommen, in denen u. a. die Einsetzung einer Kontrollreichsbehörde mit außerordentlicher Vollmacht der rechtsbolschewistischen Geheimbündeleten verlangt wird. * Mörder Nathenaus. Die amtliche Bekanntmachung. Der Polizeipräsident von Berlin hat nach den neuesten Ermittelungen folgende Bekanntmachung erlassen:„ 9 8 Eine Million Mark Beloynung. um 22. Juni, vormittags um 10 Uhr 50 Minuten wurden auf den Minister Rathenau, der in seinem Privatkraftwagen stadtwärts fuhr in der Königsallee, Ecke Wallotstraße(Grunewald) von einem Insassen eines ihn überholenden fremden Kraftwagens mehrere Schüsse abgegeben, von denen fün trafen. Ein anderer Insasse warf eine Eierhandgranate. Essteht fest, daß die beiden Täter mit dem von ihnen benutzten Kraftwagen am Vormittag des 24. schon um 10 Uhr 20 Minuten oder 10 Uhr 25 Minuten in der Bismarckstraße, etwa 30 Schritte von deren Einmündung in die Königsallee, gehalten hat. Der Motor des Wagens lief. Die Spitze des Wagens war nach der Königsallee gerichtet. Einer der Täter ging zwischen dem Wagen und der Königallee auf und ab. Der andere Täter saß im Wagen. Der Kraftfahrer saß auf seinem Sitz und beschäftigte sich dauernd am Spritzbrett, wobei er sich so bückte, daß nur sein Rücken zu sehen war. Beschreibung des Wagens. Moderner Typ, hinten kantig mit versenktem Verdeck, Verdeckbehälter macht den Eindruck einer Leiste mit recht breiten Kanten. Farbe: schwarzblau, hell lackierte Räder, schwerer sechssitziger Tourenwagen mit mindestens 80 PS. Der angelassene Motor hatte einen aufällig ruhigen Gang, Spitzkühler, verdeckt durch Haube aus schwarzem Wachstuch, die die Fabrikmarke verbarg, zwei Notsitze, Polsterung dunkelgrün, gerippt, anscheinend Cord, Kronprinzräder, Bereifung verhält nismäßig neu, Continental=Cords mit Kettensignierung auf der Lauffläche, zwei große gelbe Mes singscheinwerfer und zwei kleine elektrische Laternen zu beiden Seiten der Schutzscheibe, Hupe mit Schlauch und Gummiball, auf dem Trittbrett rechts Messinabebälter für die Karbidbeleuchtung. Beschreibung der ersten Person. 1,65 bis 1,68 Meter groß, schlank, muskulös, mit dunkelbraunem fast ins schwarze gehenden, vollem Haar, fast in der Mitte gescheitelt, an den Seiten und am Hinterkopf halblang gehalten. Auffallend starke, schwarze, über der Nasenwurzel fast zusammengewachsene Augenbrauen, dunkel braune Augen, stark hervorstehende Adlernase, kleiner dunkler Bart, gestutzt(Bürste), fast mit den Mundwinkeln abschneidend. Blasse Gesichts farbe ovales, hageres Gesicht mit scharf angedeute ten Backenknochen. Alter schätzungsweise 24 bis 26 Jahre. Bekleidung: Brauner Leder Automantel, in der Mitte durch einen—3½ Zentimeter breiten Lederriemen zusammengehalten. Der Mantel war oben geschlossen, man sah aber einen weißen Stehkragen, dunkelbraune Schuhe von breiter Form, hellbraune Ledergamaschen, die unten zum Einstecken und oben zum Schnallen eingerichtet waren. Mantel war vorn und hinten umgeschlagen, wie beim Reiten, so daß man die hellbraune Stiefelhose mit Besatz(anscheinend von Leder) sehen konnte. Der Mantel war ungefüttert. Autokappe von hellbrauner Färbung und Ohrenklappen. Der Mann machte in seiner gan zen Erscheinung fast den Eindruck eines Ausländers. Er trug eine nach oben geschobene braune Autobrille in der Farbe der Autokappe. Das war der Mann, der zwischen dem Wagen und der Kö nigsallee hin= und herging. Beschreibung der zweiten Person. Schlanke Statur, aber kleiner. Blonde Augen brauen, bartlos, blaue Augen, feine, zierliche Nase, so daß das Gesicht ein fast mädchenhaftes Aussehen hatte. Auf der linken unteren Wange eberhalb des linken Kinnbackens nicht weit vom linken Mundwinkel entfernt deutlich sichtbare Narbe, die den Eindruck einer Schußnarbe machte. Schlanke, zierliche Hände. Alter: 24 bis 26 Jahre Bekleidung: Automantel von Leder, etwas heller wie der Mantel der Person zu 1. Hellbraune Autokappe mit Ohrenklappen. Das war der Mann, der im Wagen saß. Beschreibung der dritten Person. (Kraftfahrer). Dunkelbraun gekleidet, hellgraue Reisemütze mit Schirm. Nach der Tat ist der Wagen durch die Wallot straße, Caspar=Theiyß=Straße nach dem Bismarckplatz gefahren, hat diesen umfahren und ist wahr scheinlich nach der Königsallee zurückgekehrt um dann in Richtung Potsdam zu verschwinden. Es ist wichtig, auf folgende Fragen Auskunft zu erhalten: 1. Wo und von wem sind in der Zeit vor der Tat Erkundigungen über die Rathenau=Villa ein gezogen worden? Wie sahen die Leute aus? 2. Sind die Leute aufgefallen, die sich in der Gegend der Rathenauschen Villa zwecklos ausgehalten haben? Wann? Aussehen? 3. Wer hat das Auto und die Täter am 24. Juni 1922 in der Bismarckstraße im Grunewald gesehen? 4. Wer hat das Auto nach der Tat in den oben genannten Straßen gesehen? 5. Kann jemand angeben, wo ein Wagen wie beschrieben, in der Garage gestanden hat, am 24, 6. Wer hat am 24. Juni ein so beschriebenes Auto in der Zeit zwischen 11 und 12 Uhr vormittags in die Garage zurückkommen sehen? 7. Können Angaben über die Herkunft der Kühlerkappe aus Wachstuch gemacht werden? Wer hat in letzter Zeit eine solche geliefert? An wen? 8. Ist nach dem 24. 6. ein derartiges Auto zur Reparatur oder zur Veänderung des Anstrichs in iner Autowerkstatt usw. oder Lackiererei abgegeben worden? Obige Belohnung wird ausgesetzt für Angaben, die zur Aufklärung des Verbrechens, zur Ermittlung und Festnahme der Täter führen. Zweckdienliche Mitteilungen, die auf Wunsch streng vertraulich behandelt werden, sind an die Mordkommission Rathenau im Polizeipräsidium Abteilung IA, Zimmer 252, Anruf 274, oder an die Anrufe 288, 298, 300 zu geben. Berlin, 25. Juni 1922. Der Polizeipräsident: gez. Richter. Aus dem Reiche. Die Getreideumlage im volkswirtschaftlichen Ausschuß. Berlin, 28. Juni. Der Reichstagsausschuß für Volkswirtschaft nahm gestern die zweite Lesung des Gesetzentwurfes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide aus der Ernte 1922 vor. Ein Antrag Schiele(Dn.), die Umlagemenge auf 1,5 Millionen Tonnen festzusetzen, wurde abgelehnt; ebenso ein Antrag Gerauer(Bayr. Volksp.) auf Millionen und ein Antrag Böhme(Dem.) auf 2,2 Millionen. Hierauf wurde ein Antrag Keppler(Soz.) auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage mit 2,5 Millionen Tonnen angenommen. Ein Antrag Diez(Ztr.) für die Oberverteilung die Grundsätze des vorigen Jahres wiedereinzu ühren. wurde abgelehnt, nachdem der Reichser nährungsminister Fehr erklärt hatte, daß dadurch alle bisherigen Vereinbarungen mit den Ländern durchkreuzt würden. Weiter abegelehnt wurde der von dem Abg. Fischer(Soz.) wiederaufgenom mene Antrag, daß landwirtschaftliche Betriebe, die Weizen anbauen, ein Fünftel der Lieferung in Weizen liefern sollen. Angenommen wurde ein Antrag Schiele(Dn.), wonach bei der Unterverteilung durch die Vermittlungsstellen und Kom munalverbände auch Berufsvertretungen der Landwirtschaft zuzuziehen sind. Eisenbahnunglück. Berlin, 27. Juni. Ein furchtbares Eisenbahn unglück ergeignete sich heute nachmittag in der zweiten Nachmittagsstunde auf der Berliner Ringbahn in der Nähe des Bahnhofes Schönhauser Allee. Infolge des aus Anlaß der Abeitsruhe entstandenen Verkehrs der Straßenbahn, Hoch= u. Untergrundbahn war der Ansturm auf die Stadtuni Ringbahn so stark, daß die Fahrgäste auch die Trittbretter der Züge zum Mitkommen benutzen mußten. Zwischen dem Ringbahnhof Schön hauser Allee und Grundbahnhof wurden von zwei aneinander begegnenden Zügen die auf den Trittbrettern befindlichen Fahrgäste durch eine offen stehende Abteiltür erfaßt und auf die Gleise her untergrissen. Die sofort herbeigerufene Feuerwehr konnte bereits 16 Tote und 15 Verletzte bergen. Nähere Einzelheiten fehlen noch. 30 Tote— 55 Schwerverletzte. Berlin, 27. Juni. Heute mittag ereignete sich in der Nähe des Bahnhofs Gesundbrunnen ein schweres Eisenbahnunglück. Infolge der aus An laß der Trauerkundgebung für den ermordeten Minister Rathenau von den Gewerkschaften angeordneten Verkehrseinstellungen bei der Straßen bahn und der Untergrundbahn war der Vertehr der Stadtbahn derart überlastet, daß viele Personen, die befördert werden wollten, während der Fahrt außerhalb der Eisenbahnabteile auf den Trittbrettern Platz suchten. Besonders auf der Strecke Gesundbrunnen, wo gegen 1 Uhr die Arbeit auf den Fabriken beendet wurde, waren die Trittbretter mit Personen dicht besetzt. Voin Bahnhof Schönhauser Allee kommend, passierte ein Stadtzug an der Millionenbrücke einen von der entgegengesetzten Richtung kommenden Eisen bahnzug. Nach den Behauptungen von Augenzeugen hat in dem letztgenannten Zug ein Passagier aus dem Fenster ein Brett hervorstehen lassen, das die auf den Trittbrettern Stehenden des ersten Zuges herunteriß, die unglücklicherweise unter die Räder der aneinander vorüberfahren den Züge gerieten. Von den Fahrgästen im In nern der Wagen wurden die Züge sofort zum Stehen gebracht. Den aus den Wagen heraus eilenden Personen gellten fürchterliche Schmerzensschreie und Hilferufe entgegen. Ein dichte Knäuel der Unglücklichen ließ sofort erkennen, daß sehr viele Personen von den Zügen überfahren worden waren. Sofort wurde mit den Rettungs arbeiten begonnen, die mehrere Stunden in Anspruch nahmen. Es wurden 30 Tote und 39 Ver letzte von der Unglücksstelle weggebracht. Die in der Nähe liegenden Krankenhäuser sind mit Verletzten überfüllt. Berlin, 27. Juni. Das Eisenbahnunglück zwi schen den Stationen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen stellt sich von Stunde zu Stunde als immer größer heraus. Bis um 8 Uhr zählte man 30 Tote und 55 Schwerverletzte, dazu kommt eine große Anzahl Leichtverletzter. Die haager Konferenz. Litwinow zur russischen Kreditfrage. Paris, 27. Juni. Aus dem Haag wird berich tet, daß sofort nach Ankunft der russischen Abgeordneten Litwinow an die Presse ausführliche Erklärungen abgegeben habe, in denen er betonte, daß für Rußland die Kredite und die Anleihe eine Lebensfrage darstellten. Italien und England hät ten das bereits eingesehen, aber noch keine Verpflichtungen übernommen. Im Gegenteil habe man bis jetzt nur einen Kredit von Privatversonen in Aussicht gestellt. Es könne Rußland aber absolut gleichgültig sein, ob diese Kredite von Privatpersonen oder von den Staaten geleistet würden. Rußland müsse Kredite haben. Sauerwein über Litwinows Erklärungen. Paris, 27. Juni. Sauerwein fügt den Erklä rungen Litwinows der Presse gegenüber im Ma tin zu, hiermit habe Litwinow mit einem Seilzug das von den alltierten Delegationen mühsam aufgerichtete Gebäude niedergerissen. Die Sach stellen und, falls die Antwort der Russen oefriedte ge, ganz vorsichtig über die Kreditfrage zu sprechen. Dies sei schon mißlungen. Sofort hätten die Russen geantwortet, ohne Kreditgewährung gingen sie nicht auf eine Prinzipienbesprechung ein. Schließlich meint Sauerwein, die Konferenz ei unter wenig guten Aussichten und Hoffnungen begonnen worden. Bericht über den Haager Unterausschuß für Kredite. Haag, 27. Juni. Der Unterausschuß für die Kredite ist gestern nachmittag zu einer Sitzung mit der russischen Delegation zusammengetreten. Der Präsident schlug vor, sich zunächst mit der Sammlung von reinen Tatsachen zu beschäftigen, damit die Arbeiten so zweckmäßig wie möglich verteilt würden. Deshalb ersuche er die russische De legation, den Wiederaufbauentwurf, von dem schon in Genua die Rede gewesen ist, jetzt der Kommission gütigst auszuhändigen. Sie möchte den dringendsten Bedürfnissen in Rußland Rechnung tragen und die Raten sowie den Umfang der verlangten Kapitalien angeben. Litwinow erwiderte darauf, es sei notwendig, sich davon zu überzeugen, ob die auf der Konferenz anwesenden Länder überhaupt bereit seien, die für Rußlands Wie deraufbau benötigten Kredite zu garantieren. Hierauf erfolgte eine lebhafte Besprechung der Frage, inwiewett der Ausschuß berechtigt sein würde, sich auch mit Regierungsgarantien für die Kredite zu beschäftigen. Zum Schluß erklärte Litwinow, er sei mit den Besprechungen zufrieden und bereit, in der nächsten Sitzung auf den Wunsch des Präsidenten einzugehen. Der Konserenzpräsident bei den Russen. Haag, 27. Juni. Heute abend wird der Prästdent der Konferenz, Cattier, die Russen im Oraniahotel besuchen, um der Delegation mitzuteilen, welche Beschlüsse bereits gefaßt worden sind. Am Mittwoch wird die Konferenz zusammentreten, um Mitteilungen der Russen betreffend die aufgestellten Parallelkommissionen entgegenzunehmen. Man hofft, daß inzwischen auch Krassin und Rakowski eintreffen. Aus dem Auslande. Lloyd George gegen die Sanktionspolitik Poincares. Paris, 28. Juni. Der englische Premiermintster hat auf eine Frage vonseiten eines Abgeordneten erklärt, die deutsche Regierung habe bis jetzt die Bedingungen erfüllt, die von der Reparationskommission gestellt worden seien. Deutsch land leiste demnach die durch den Versailler Vertrag auferlegten Zahlungen bisher vollständig, sodaß keine Rede davon sein könne, besondere Maßnahmen zu ergreisen. Der englischen Regierung sei auch nicht bekannt, daß die Reichsregierung die doppelte Zahl der ihr von den Alliierten gestatteten Polizeikräfte unterhalte. Im übrigen stehe der alliierten Kontrolle zu, über die Organisation der deutschen Polizei Erhebungen anzustellen. Eine Aufforderung Lloyd Georges an Deutschland Paris, 28. Juni. Lloyd George hat gestern im Unterhaus nochmals versichert, daß Deutschland der englischen Unterstützung bezüglich eines Aufnahmegesuchs in den Völkerbund sicher sein könne und betont, daß Deutschland Gelegenheit gegeben werde, seinen Beitrittswunsch zu äußern, Frankeich will mit Amerika über die Schulden verhandeln. Paris, 28. Juni. Der Direktor des Finanzministeriums, Parmentier, wird Sonnabend, den 1. Juli nach Washington abreisen, um mit der Regierung der Vereinigten Staaten über die Fra gen der internationalen Schulden zu verhandeln. Frankreich wird nämlich nicht in der Lage sein, seine Schulden an Amerika zu bezahlen. Womit sich die öffentliche Meinung in Paris beschäftigt. Paris, 28. Juni. In Frankeich beschäftigt sich die öffentliche Metnung gegenwärtig mit der Tatsache, daß das Deutsche Reich sich jetzt an großen Unternehmungen wie Eisenbahnen, Schiffahrtsgesellschaften usw. beteiligt. Während Frankreich große Summen für die zerstörten Gebiete ausgegeben hat, hat die deutsche Regierung ein Kanalnetz gekauft, welches 15000 Millionen Goldmark gekostet hat. Außerdem hat sie Pläne zum Bau von Eisenbahnen, deren Ausführung sich auf 9 Millionen Goldmark beläuft. Die erste Enzyklika des neuen Papstes. Rom, 28. Juni. Nach einer Mitteilung des Mesagero wird für den nächsten Donnerstag, dem Tage von Peter und Paul die erste Enzyklika des neuen Papstes erwartet, in welcher der Papst die Rechte des Heiligen Stuhles gegenüber der weltlichen Macht darlegen wird. England. Schanzer und Lloyd George. London, 27. Juni. Daily News melden, daß Lloyd George und Schanzer u. a. die Frage des Anschlusses Deutschlands an den Völkerbund besprochen haben. Amerika. Amerika erhält einen Zeppelin. Berlin, 27. Juni. Heute wird voraussichtlich ein Vertrag mit den Vereinigten Staaten unterschrieben und zwar über die Lieferung eines Zep pelins als zweiten Ersatz für die im Jahe 1919 30 störten Marineluftschiffe. In aller Kurze. Neuigkeiten von Nah und Feen. Das rote Auto, das kurz nach dem Attentat an der Modstelle vorbeifuhr, ohne auf Anruf zu balten, ist gefunden. Das Weiterfahren ist nach Angabe des Chauffeurs, der von dem Attentat samt den Insassen keine Kenntnis hatte, auf große Eile zurückzuführen. * Bei einer zweiten Haussuchung gegen die Organisation Roßbach wurden neuerlich wichtige Po viere beschlagnahmt. * Die Reichsregierung soll fest entschlossen sein, falls eine zwei Drittel=Mehrheit für den Gesetzent wurf zum Schutz der Republik nicht gesunder wird, den Reichstag aufzulösen. * Bei einem Autounfall des Erzbischofs von Cambrat wurde dieser, der Privatsekretär und der Chauffeur ziemlich schwer verletzt; der Generalu### kar wurde getötet. und Berufsbeamtenkum. Von Albrecht Morath, M. d. R. Der nachstehende Artikel beleuchtet die gerade gegenwärtig wieder sehr lebhaften Bestrebungen, das Berufsbeamtentum nach der Gewerkschaftsseite abzudrängen. Längst vor der Revolution entstand und verstärkte sich von Jahr zu Jahr mehr in der Beamtenschaft der Wunsch nach Beamtenvertretungen. Der erste Parlamentarier, der sich diese Forderung zu eigenmachte, war, soweit ich feststellen konnte, der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Beck=Heidelberg. Nach ihm haben auch Vertreter anderer Parteien und hat namentlich auch nach seinem Ausscheiden aus dem Reichstage sein Fraktionskollege Meyer=Herford denselben Gedanken vertreten. Will man diesen Wunsch weiter Kreise der Beamtenschaft verstehen, dann muß man daran denken, daß der Beamte in seiner dienstlichen Laufbahn nur ein einziges Mal nach seinem Willen handeln konnte, das ist bei seinem Eintritt, und auch der geschieht in Form eines staatlichen Hoheitsaktes. Der Beamte tritt nicht in den Dienst: er wird einberufen. Die Organisation des Beamtenkörpers kennt nirgends, auch nicht in rein persönlichen Angelegenheiten, eine Mitwirkung, sie kennt nur Anordnungen, denen sich der weniger wird naturgemäß dieser Zustand als Mangel empfunden; denn der Beamte in leitender Stellung, der ja seinerseits freilich auch nur ausführendes Organ einer höheren Stelle ist, hat doch auf deren Entschließungen einen ganz anderen Einfluß als der Mann der breiten Masse. In dieser gewann naturgemäß die Forderung, in einem wenn auch beschränkten Umfange, durch gewählte Vertreter mitwirken zu können, beispielsweise an der Verteilung der Dienststunden, des Urlaubs, der Einrichtung und Verwaltung von Wohlfahrtseinrichtungen usw., zuerst Boden. Nach der Revolution bemächtigten sich radikale Politiker solcher Strömungen, um sie für ihre Ziele nutzbar zu machen und so entstand der sinnbenebelnde Ruf nach der Eingliederung der Beam tenschaft in das Rätesystem, nach einer Kontrolle der Betriebe, nach Mitbestimmung nicht nur in persönlichen, sondern auch in dienstlichen und wirt schaftlichen Angelegenheiten. Von so krankhaften Neigungen ist der größte Teil der Beamtenschaft inzwischen längst genesen. Gefordert wird, um die Hauptpunkte kurz zu nennen, das Recht, zur Wahrnehmung eigener Interessen durch gewählte Vertreter gehört zu werden, das Recht der Mitbestimmung in rein persönlichen Angelegenheiten, eine Schlichtungsstelle für gewisse Streitfälle und die Immunität der gewählten Vertreter. Besichtigung ohne Kaufzwang. Gdelds Ehyhamh Se Wittenerstraße 17 Telephon 583 Wittenerstraße 17 " Biür Hiobelnaus. Enormes bager in modernen Mohnungs-Einrichtungen und einzelnen Möbeltellen können, haben so manche Beamtenvertretungen gezeigt, die entweder kraft revolutionären Rechts entstanden oder von den Verwaltungen eingerichtet worden sind. Ebenso, wie sich die freie Wirtschaft daran gewöhnt hat, mit den Betriebsräten zu arbeiten, denen sehr weitgehende und für die Beamten nicht in Frage kommende Rechte durch das Gesetz vom 4. Februar 1920 eingeräumt worden sind; ebenso wird der Staatsbetrieb nicht gelockert werden, wenn ein vernünftiges Beamtenvertretungsgesetz, auf das die Beamten nach der Verfassung ein Anrecht haben, geschaffen wird. Die moglichst baldige Verabschiedung eines solchen Gesetzes ist nicht zum mindesten schon deshalb eine Notwendigkeit, weil das Betriebsrätegesetz für die staatlichen Arbeiter und Angestellten sich bereits seit fast 2½ Jahren in Kraft befindet. Es besteht also seit dem Inkrafttreten des Betriebsrätegesetzes der eigentümliche Zustand, daß in den staatlichen Verwaltungen, welche alle mehr oder weniger große Zahlen von Arbeitern und Angestellten beschäftigen, diesen viel weitergehende Rechte als den eigenen Beamten zustehen. Ist nach dem allen ein Beamtenvertretungsgesetz eine Notwendigkeit, so wird sich niemand der Erkenntnis entziehen dürfen, daß es ein nicht wieder gutzumachender Fehler wäre, wenn ein solches Gesetz aus allerlei Bedenken für seine etwaigen Folgen aus dem Geiste des Mißtrauens Hdonlüches Lehrmädchen für Kolonialwarengeschäft sofort gesucht. 3651 Rosenbaum, Castrop, Wittenerstr. 122 ur dr rscher uchr echer ecinuer nier Seltsam— der„Entwurf eines Gesetzes über Beamtenvertretungen“, der während der Amtszeit eines demokratischen Reichsministers des Innern ausgearbeitet wurde, den sein sozialdemokratischer Nachfolger im Juni v. Is. mit der Zustimmung des Reichsrats dem Reichstage vorleg# te, und den jetzt dessen wiederum sozialdemokratischer Nachfolger vor dem Reichstage zu vertreten hat, atmet diesen verderblichen Geist des Mißtrauens gegen die Beamten nur allzu sehr, wenn er auch nicht das von Sozialisten aller Schattierungen gefällte Urteil, erzreaktionär zu sein, in jedem einzelnen Punkte verdient. Der Entwur kennt in nicht einem einzigen Falle ein Mitbestimmungsrecht, sieht vor, daß der Dienstvorgesetzte an jeder Sitzung eines Beamtenausschusses teilzunehmen das Recht hat, bestimmt, daß Mitglieder wegen Aeußerungen, die sie in Ausübung ihrer Tätigkeit gemacht haben, von ihrem höchsten Dienstvorgesetzten zur Verantwortung gezogen werden können usw. usw. Sämtliche Buchbinder-Arbeiten liefert prompt 7884 Buchbinderei H. Krawinkel, Castrop-Schwerin. Schlafzimmer 2- u.-fürig Rücheneinrichtungen Speisezimmer Aufbewahrung gekaufter Möbel kostenlos. 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Windhövel, jetzt zu Düsseldorf, mit dem Arzte Herrn Dr. med. HUGO ISBRUCH in Castrop zeigen hiermit ergebecst an Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen II-Sohns Dr. men. Auge isbruck Sanitälsrat Dr. Arndt u. Frau Christel geb. Becker. b Herne, im Juni 1922. M Herne und Castrop, im Juni 1922. 8770 3785 Ernst Teves. Bärmer Bank-Veren Binsberg, Flscher& Comp. Viktorlastraße 19 Castrop Viktorlastraße 19 Gkiienkapltal und Reierven+4 770000000 Eröffnung von Check- u. laufenden Rechnungen Verzinlung von Spargeldern Effektenperkehr in Hktien, Ruxen und Obligationen. ONTTNE in großer Auswahl. Zahlltelle sämtl. an die Stadtkalle zu entrichtenden Abgaben wie Steuern ulm. Einlölung sämtlicher Zins- und Dividenden-Scheine. Kalleitunden:—1 Uhr vormittags. 8918 JeD Wittenerstr. 6 BMhng Alleinverkauf f. KO1 Gastron 8751 HTalfth, Wittenerstr. 6 Makutatur Paptel vorrätig Castroper Zeitung. 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Letztere wird zwei vann auch hinter dem schwarz=rot=goldenen Ban= ohne auf die Lachmuskeln der Zuschauer recht erner, den roten Fahnen und den auf die bedrohte, folgreich einwirken. Oschatter kecht er“ Mitwoch, den 28. Juni 1922 us Castrop und Umgegend. .„,2 Die Kundgebung, welche die Sozialisten alter Schutterungen am Dienstag nachmittag 5 Uhr auf dem Marktplatz veranstalteten, nahm einen recht ruhigen und daher doppelt imposanten Verlaufg Es mögen wohl an die—4000 Personen nich gaustoree n, die ja auch an alle republikantinner und Frauen der nicht soBeschtihg Richtungen ergangen war, gefolgt sein an der 9, war die Zahl der Teilnehmer sowohl gauch am erschnuns unter freiem Himmel als anschließenden Demonstrationszuge grö ber, als wir sie je in Castrop sahen. Nach einem mehrstimmigen Liede erörterte ein auswärtiger Redner die politische Lage in ausführlicher Anspra che. Er würdigte Rathenaus Verdienst als Sozialpolitiker, Wirtschaftler, Politiker und Mensch ten Entrüstungstr. er Gach tungsrusen der Versammelten die von der Rechten gegen ihn betriebenen Hetze, die in Hestropge dea segket schließlich zur Ka.,###s seigen politischen Meuchelmordes führte. neoner beleuchtete in längeren AusfühPazsssngen betriebene ständige alle wahrhaft du Revublik und folderte zum Schutz derseiße. gesonnenen Männer von lebhasten. Iu seinen des östern denen Ausführungen duß man uun wurde schließlich besondees der####an nun endlich ernst machen müsse Berämpfung der Sabotterung der Meßnahmen zum Schutze der Republik und der Regie Pizsgeriurste 9e Pisse Beamtei= und insbesondere Grunhstuag agen Langeloh) gelegenen und Aufrichtiatet„von diesen nicht in Wahrheitlgn z. Truue eine größere Menge Klee gestohlen. nftumigreit ver deutschen Republik dienen ge Täter konnten wolle, güsse, den Abschied ohne Pension bekommen. 2us Volr habe es endlich satt, sich durch genheit zeinenden Minorität um die Erreichung und der wahren Demokratie be1 zu lassen. Es lehne es jetzt noch ab, Ge„mit Gewalttat zu vergelten, aber es gebe auch bei ihm einen Zeitpunkt, da der Geduldfaden risse und dann brauchten sich die Rechtsparteten zicht zu beklagen, wenn sie die ganze Macht der Vollswut zu spüren bekämen. Gewarnt seien sie oft genug. Auch die heutige Kundgebung solle ein Mahnungssignal sein. Redner forderte dann alle. Anwesenden auf, einmütig zusammenzustehen zum Schutze der bedrohten deutschen Republik. Ihr galt auch das Hoch, das seine Ausführungen schloß. Einzelne Gedanken des Vorredners wurden darauf von einem zweiten Sprecher noch recht kräftig unterstrichen, der dann im weiteren Veruuf seiner Rede die Anwesenden aufforderte, sich geschlossen an dem Demonstrationszuge durch die Straßen der Stadt zu beteiligen. Auch sein Hoch i. w. eumm den auf„ bedrohte folgreich einwirken. Republik und die werampfung ihrer Gegner bezüglichen Inschrifttafeln zum Demonstrationszuge, der sich darauf in guter Ordnung unter Vorantritt eines Trommler= und Pfeiferkorps durch die Straßen der Stadt bewegte. O Deutsche Volkspartei. Auf den heueke abend 8 UUhr im Saale der Wirtschaft Lueg stattfindenden Vortrag von Frau Käthe Rahmlow über„Die deutsche Frau einst und jetzt“ verbunden mit nachfolgendem Unterhaltungsabend wird an dieser Stelle noch einmal hingewiesen. Um Störungen des Vortrages zu vermeiden, wird um recht pünktliches Erscheinen gebeten. Es wird erwartet, daß sämtliche Mitglieder der Partei und der Jugendgruppe erscheinen. Auch alle der Partei“ nahestehenden Nichtmitglieder sind herzlich will= gaxzumt#in un Btgtng nuhmittag an commen.1veraumt war, wurde der Demonstration wegen □ Castroper Turnverein 1874. Samstag, den verlegt. Wann sie abgehalten wird, soll noch be1. Juli, 8 Uhr abends findet die Monatsversamm=skannt gegeben werden.(°) 6' Kirchlinde. Kriegervereinsfahnen verbrannt.) Am Dienstag nachmittag drangem hauptsächlich von auswärts stammende Personen in das Vereinslokal des hiesigen Kriegerund Landwehrvereins ein, rissen die schwarz=weiß rote Vereinsfahne aus dem Schrank und verbrann ten sie auf dem Zechenplatz, Das Gleiche wird aus Marten gemeldet. Der Kirchlinder Verein rüstete sich zu einem großen Verbandsfest, zu dem viele auswärtiger Vereine ihr Erscheinen zusagten Aus dem Emschertal. * Habinghorst.(Die Gemeinderatsitzung,) welche auf Dienstag nachmittag an#i= Ferr die Monnlsversamme lung statt, zu der die Mitglieder, da sehr wichtige schlraich f. d##, Fagesordnung stehen, möglichst zahlreich sich einfinden mögen. Sonntag, den 2. Juli, wird der Verein seine zweite diesjährige Wanderung machen, und zwar eine Halbtagswanderung über Westerfilde, Bodelschwingh, durch die ehemals von Sydowschen Waldungen nach Kirchlinde, von hier Rückmarsch durch den Westerfilder Berg nach Castrop. Der Abmarsch erfolgt pünktlich 2 Uhr von Goldschmieding. Hoffentlich setzt ####tergott, bis Sonntag ein freundlicheres auf. Die Altherrenriege turnt-Donnerstag, den 29. Juni, nicht, sondern der nächste uebungsabend ist Donnerstag, den 6. Juli, 8 Uhr abends. Die Herren, die der Altherrenriege angehören werden gebeten, zu den Uebungsabenden möglichst regelmäßig zu erscheinen, da sonst die Erreichung des Zieles, das sie sich durch den Beitritt zur Altherrenriege gesteckt haben, stark in Frage gestellt wird. 8 Durchgegangen ist am Dienstag mittag am Einganstader Widumerstraße das Pferd eines tarrens. Bevor es wieder eingefangen werven konnte, brachte es leider das Kind eines Straßenanwohners nicht unerheblich zu Schaden. Wie es heißt, soll der Wagen ohne einen genügend erfahrenen Lenker gewesen sein. a. Jum is dem Polizeibericht. In der Nacht von „ 9un 48. Juni wurden auf der Bochumerstraße nieven Personen wegen ruhestörenden Lärmes und wegen groben Unfuges seitens der Polizei gestellt und zur Anzeige gebracht. &a Felddiebstahl. A Habinghorst.(Der Demonstrations= zug,) zu dem die sozialistischen Gewerkschaften und die sozialdemokratischen Parteien von Habinghorst, Rauxel=Bahnhof, Bladenhorst und Ickern ausgerufen hatten, um für den Schutz der Republik und gegen den politischen Mord aufzutreten, fand eine außerordentlich star ke Beteiligung. Es mögen wohl an die—10000 Personen gewesen sein, die im gutgeordneten Zuge mitmarschierten. Auf dem Marktplatze in Habinghorst wurde eine Ansprache gehalten. Der Zug bewegte sich von hier aus nach Ickern, wo er sich in Ruhe auflöste.(*) ( Habinghorst.(Schweineseuche.) An verschiedenen Stellen der Gemeinde tritt zur Zeit eine sehr gefährliche und sehr ansteckende Schweinesueche auf. Die Behörden haben sofort alle möglichen Gegenmaßregeln ergriffen und die von der Seuche betroffenen Gehöfte und Ställe gesperrt. Im eigenen Interesse müssen die Tierhalter die Vorschriften genau beachten.(*) in Unserem Bericht über den äußeren Rahmen des Sängertages in Castrop tragen wir heute tung des Flügels zu Gehör gebracht. Mit seinen punktierten Achteln wirkt er wie ein Trauermarsch, Wuchtig und hehr erklang das Gelöbnis, die Eroschaft der Gefallenen anzutreten, beginnend und schließend im Unisono=Satz. Anschließend an die Vorträge des GesamtUnterverbandes wurden noch durch 3 Unterabteilungen desselben folgende Chöre zu Gehör gebracht: Heute ist heut, Es haben zwei Blümlein geblühet, Innsbruck, ich muß dich lassen, Ein rheinisches Mädel, Nacht und Tanzliedchen. Auch alle diese Leistungen waren dank der aufopfernden Arbeiten der Sänger und Dirigenten vorzügliche. Der Unterverband Castrop hat bewiesen, daß er mit seinen Darbietungen sich mit jedem auf ahnlicher Grundlage aufgebauten Sängerverband messen kann. Es ist harte Arbeit erforderlich, etwas derartiges Zustande zu bringen, und es drüfte geraume Zeit vergehen, ehe dem Castroper kunstliebenden Publikum wieder etwas gleiches geboten wird. Der Interesselosigkeit für solche Kunstgenüsse aber kann nicht scharf genug widersprochen werden. Ein besonderer Genuß war es, Fräulein Fleischhut=Dortmund wieder im hiesigen Konzertzu hören. Sie ist eine Sopranistin voll echter Rassigkeit und von stimmlich wertvoller, blühender Frische. Ein reiner, warmer Gefühlston schwingt bei ihren Darbietungen stets mit. Wiederum fanden wir Gelegenheit, uns an dem prächtigen, wohlklingenden Material, an der feinen Stimmkultur, an der seelenvollen Gestaltung der Texte dieser jugendlichen Künstlerin zu erfreuen. Kristallhell und glockenrein mit vorbildlicher Textaussprache kamen ihre Töne. Durch diese Vorzüge, die der Künstlerin sicher noch eine große Zukunft erbringen werden, gelang es ihr wieder, sich im Sturme die Herzen der dankbar lauschenden Zuhörer und der großen Sängerschar zu erobern, die ihr mit selten großem Beifall Dank spendeten. Zuerst sang Frl. Fleischhut die große Arie der Maria aus dem„Waffenschmied“. Sie wurde den hohen Anforderungen, die der Komponist stimmlich und vortragstechnisch an seine Interpretion stellt, vollauf gerecht. In den Gesängen mit ernstem, teilweise schwermütigem Inhalt, der„Asra“ von Rubinstein,„Morgens am Brunnen“ von Jensen,„Ich liebe dich“ von Grieg und„In meiner Heimat“ wußte sie auch hier mit nachstehende kritische Würdigung des gesanglichen elkommener Tonschönheit und triebkräftigste Teiles nach:(Vortragsbelebung den tiefschürfenden Gedanke Einem Landwirt wurde von Die Tater konnten bisher noch nicht ermittelt werden. ∆ Frohe Wandergrüße senden auf einer an au gerschteten Ansichtskarte vom Watzmann (27is Meter hoch) an alle wanderfreudigen Castroper die Herren August Wickel, Emil Dornieden, Fredy Velten und K. Steuber. C] Im Metropoltheater gibt es schon wieder eins der beliebten Gastspiele Harry Piels. Der bekannte Meisterdetektiv ist in„Der große Coup“ dem Abenteuer eines Vielgesuchten voll fesselnder Anziehungskraft. Luciano Albertini, ein wei terer gern gesehener Kinostern überrascht in„Die Todesleiter“ mit kaum zu überbietenden Seusationen und Abenteuern. Der 17 Akte umfassende Spielplan wird vervollständigt durch„Die Liebesabenteuer der schönen Evelyne“. L Die Rolandlichtspiele bringen z. Zt. die bereits wiederholt angekündigte und von uns bereits an dieser Stelle gewürdigte Versilmung der Grillparzerschen Novelle„Das Kloster von Endomir"; außerdem weist der Spielplan ein sechsMit dem machtvoll gesungenen westfälischen Bundesspruch nahmen die Gesangsvorträge ihren Anfang. Unter der Leitung des 1. Chormeisters, Herrn Lehrer Peitz und des 2. Chormeisters, Herrn Leh17 Ein Vermächtnis. Roman von W. Waldbröhl., (Nachdruck verboten.) Bugeit zugube lächelle wieder. Dann schloß sie die wenige Minuten später konnte sich Doktor eirsaße flächtig bewirkte Untersuchung ruhig schlief. Von den Anbeisct heunrühzigte.)che, die ihn früher so lebsicht mehr zu spüren. einer hohen Freude „Heute hatte er nichts dagegen einzuwenden, daß sich Hachtmaghg andn Pflegerinnen in die Beszsteae teilte, und er verschonte die heimgekehrte . chafterin auch mit allen lästigen Fragen nach der mesache ihrer langen Abwesenheit. ., Schon in der ersten Morgenfrühe des folgenden TaBeate, daß dieu Stellez und er ersuhr von Schwe. pach und auscheinek Tautienin seit einer Viertelstunde Schmerzen das sie dlarem Vewustsein sel. Ueber sheine sie sicho; sie Zur wenig gehlagt, dagegen u maochen gen wegen ihrer Schwester #i witten, Frau Rembold, die augenblicklich bei ihr keine Jubunit iae.s sie ihr antworten solle, und vordanu“ darum bereits mit Sehnsucht erwartet Die in Frrsten holder Schgat i0) nicht, einzutreten. K“ in Erroten holder Scham glitt es über die zarten hr vermesnfn Po..“ 4s sie den fremden Rann in liches Schlafgemach treten sah: Doktor Helldach aber, der mit natürlichem Zartgefühl erriet, was 5a#rer#urgfräulichen Seele vorgehen mochte, beeilte Wutlaren; freundlich leichtem, fast heiterem Tone aufmein Eindringen entschuldigen, gnä#s Fräulein! Es ist lediglich meine Eigenschaft als #egt, die mich dazu berechtigt. Darf ich mich erkundisen, wie Sie sich befinden?" Hane mitr Jasten)“, dast ich krank bin, wie diese gute kunst darithanaum hat sie mir nicht Ausbin, #.;Sse And im Hause Ihres Nachbarn, des Herrn JuGan Dr. Wachtmann, der Ihnen seine Gastfreundangeboten hat, als Sie wegen des Feuers nicht in er eigenen Wohnung bleiben konnten.“ rer Haardt, kamen folgende Chöre zum Vortrag: Sanktus, Bardenchor, Heimat, Rheinweinlied, Dem Andenken der Gefallenen. Die Chormeister hielten die Sänger mit starker Hand zusammen, sie im Fortissimo zum Herausgeben der letzten Kraftentfaltung zwingend, sie im Pianissimo zu zartem Klange dämpfend. Das Ganze war aus einem Guß und von abgerundetem Wohlklange. In dem zartinnigen Sanktus war das Pianissimo wie hingehaucht. Desto packender erklang das Fortissimo des Mittelsatzes. Im Bardenchor hatten die abgrundtiefen westfälischen Bässe Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Voll und abgerundet und doch nicht aufdringlich wurde die Darbietung des Chors zur seinen Klangstudie. Die beiden folgenden Chöre waren der Heimat met. In zartem Piano malte der Chor Bilder der Heimat, in starkem Forte die Treue zu derselben bekräftigend. Zu wahrer Begeisterung entflammte das Rheinweinlied mit seinem machtvollen Schluß: Der Rhein soll deutsch verbleiben. Wenn unsere Widersacher dies Lied vom Rhein so machtvoll hätten erklingen hören, dann würde ihre Zuversicht, die wirklichen Herren des Rheins zu werden, doch etwas schwinden. Der Chor„Dem Andenken der Gefallenen“ wurde unter BegleiK ter lastische Gestal.„letschürfenden Gedanken plastische Gestalt zu verleihen. Sie überbot noch diese hervorragenden Leistungen durch Wiedergabe des Brahms=Liedes„Der Jäger" und„Vergebliches Ständchen“ und Pfitzners„Gretel“. Auch hier wußte sie den lustigen, neckischen, teilweise burlesken Ton in der Ausdeutung dieser wahren Kabinettstückchen der genannten Meister zu treffen. Herr Haardt war der Sängerin ein stimmungsvoller Begleiter. Er wußte sich allen Ausdeutungen gehaltvoll anzupassen. Der hervorragend klangvolle Blüthner=Flügel wurde von der Firma H. van Bremen=Dortmund gestellt. Die nächste Ausgabe unserer Zeitung erscheint am Freitag Vormittag. Inserate für diese Nummer wolle man möglichst bis Donnerstag 3 Uhr nachmittags bestellen. gchretegen welches Feuer? Es hat in unserer Wohnung Lind, sich hier über irgend semand „Ja.— Können Sie sich dessen nicht erinnernt: Verneinend bewegte sie den Kopf. va Sanz und gar nicht. Wann sollte denn das gewe:„Vor einigen Tagen, gnädiges Fräulein! Sie erlit#en bei dieser Gelegenheit einige Verletzungen und haben seitdem geschlafen. Aber jetzt wird glücklicherweise bald alles wieder in der rechten Ordnung sein.“ fragte die Baronesse.„Wo ist meine Schwester Hilda? Warum ist sie nicht bei mir? Und warum hat mir die Dame hier keine Antwort gegeben, als ich nach ihr fragtes“ 9888273 „Ihre Schwester hat leider ebenfalls Verletzungen davongetragen,“ lautete die mit großer Selbstüberwindung gegebene Antwort des jungen Arztes,„und man hat ihr deshalb ein besonderes Zimmer geben müssen.“ gerne seheni= schrecklichl Aber sch möchte sie doch so „Damit müssen Sie sich eben noch etwas gedulden! Für den Augenblick gestattet weder ihr Zustand noch der Ihrige ein solches Wiedersehen.“ und drehte den Kopf zur Seite. Dr. Hellbach war froh, daß sie im Augenblick keine weiteren Fragen stellte, und er begrüßte es als eine weitere Erleichterung, daß jetzt Zorka ins Zimmer „Ich überlasse Sie vorerst Ihrer treuen Pflegerin, mein gnädiges Fräulein,“ sagte er.„Am Nachmittag werde ich wieder vorsprechen, um mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen. Und ich bitte Sie nur auf das dringendste, bis dahin sowenig als möglich zu sprechen und sich vor allem über nichts den Kopf zu zerbrechen. Es ist wirklich nicht notwendig und könnte Ihnen nur schaden. Zur rechten Zeit werden Sie schon alle Aufklärungen erhalten, die Sie zu haben wünschen. Und das allerwichtigste ist doch jedenfalls, daß Sie so schnell als möglich wieder gesund werden." . Er entfernte sich, ohne daß er eine Antwort erhalten hätte; aber sobald sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, drehte sich das junge Mädchen wieder um und streckte der Gesellschafterin ihre Hand entgegen „Zorkal liebe Zorka! Wie glücklich bin ich, daß du wieder bei mir bist! Es ist so unheimlich und so beängstigend, unter all diesen fremden Menschen zu sein, wie freundlich sie sich auch gegen mit benehmen mögen.“ „Sie haben auch wirklich keinen Grund, liebttes, Kin, ch, hiex über irgend jemand zu beklagen. Man har alles für Sie getan, was nur menschenmoglich war.“ „Für mich und für Hilda, willst du sagen.“ „Ja, auch für Ihre Schwester. Es wäre unmöglich gewesen, mehr für sie zu tun, als man getan hat.“ „Um ihretwillen möchte ich wünschen, daß der Herr, der eben fortgegangen ist, ein recht tüchtiger Arzt sei. Glaubst du, Zorka, daß er es ist?“ „Der Justizrat würde ihn gewiß nicht gewählt haben, wenn er nicht davon überzeugt wäre. Und er ist jedenfalls einer der zartfühlendsten und rücksichtsvollsten Menschen, die mir jemals vorgekommen sind.“ „Ich kann das nicht beurteilen. Aber ich will wohl glauben, daß du recht hast. Er— er hat so gute und treue Augen.“ Sie sah eine kleine Weile nachdenklich vor sich hin. Dann begann sie von neuem: „Es ist so sonderbar, daß ich mich an gar nichts erinnern kann. Du mußt mir erzählen, was geschehen ist, Lorka! Was für eine Verwandtnis hatte es mit dem Feuer, bei dem Hilda und ich zu Schaden gekommen sind?“ Die Gefragté zögerte nicht, der Aufforderung Folge zu leisten, aber sie gestaltete ihren Bericht natürlich so, daß keine Vermutung hinsichtlich des an ihrer Schwester verübten Verbrechens im Herzen des jungen Mädchens auskommen konnte. Sie mußte glauben, daß es sich bei dem Brande lediglich um einen unglücklichen Zufall gehandelt habe, und ihr Geist arbeitete offenbar noch nicht lebhaft genug, um sie die mancherlei Unklarheiten und Unvollständigkeiten in Zorkas Erzählung empfinden zu lassen. Gutgläubig nahm sie alles, was sie hörte, als volle Wahrheit hin, und sie zeigte sich, als die Gesellschafterin geendet hatte, auch nicht neugierig, noch etwas Weiteres zu erfahren. „Ich bin müde“ sagte sie.„Und ich glaube, dieser Arzt hatte recht. Es ist wohl nicht gut für mich, wenn ich mir allzusehr den Kopf zerbreche. Meine Schmerzen sind stärker geworden, und ich will versuchen, zu schlafen.“——„* Am Nachmittag wiederholte Dr. Hellbach, wie er es versprochen hatte, seinen Besuch. Und er fand seine junge Patientin, die mehrere Stunden ruhig geschlafen hatte, beinahe besser, als er es zu hoffen gewagt hatte. Sie begrüßte ihn mit einer zurückhaltenden Freundlichkeit, die ihn zu seiner Beruhigung erkennen ließ, daß sie sich jedenfalls nicht vor ihm fürchtete, und mit iUnbefangenheit, die ihm rasch über die kleine Verlegerheit hinweghalf, in die ein zartfühlender Arzt einen reinen und jungfräulichen weiblichen Wesen gegenüber leicht versetzt wird. „Zorka hat mir gesagt, daß Sie sich meiner in sehr liebenswürdiger Weise angenommen haben, Herr Dok tor,“ sagte sie.„Erlauben Sie mir, Ihnen dafür zi danien:.— en Josur 9 „Aber das war doch nur einfach meine Pflicht,Fräulein von Reichenau! Jeder andere Arzt, den man zu Ihnen gerufen hätte, würde genau dasselbe getan haben!“ „Aber Sie haben gewiß sehr viel Plage mit une beiden gehabt. Besonders wenn meine Schwester, wie mir Zorka erzählte, noch schlimmer fortgekommen is: als ich. Verhält sich das wirklich so, Herr Doktor— ah, ich glaube, ich weiß noch nicht einmal Ihren Namen?" „Hellbach, mein gnädiges Fräulein! Ich kann leider nicht bestreiten, daß Sie recht unterrichtet worden sind. Ihr Fräulein Schwester war sehr ernstlich verletzt, als sie in dem brennenden Zimmer gefunden wurde.“ „Aber es geht ihr jetzt besser— nicht wahr? Sie können mir auf das bestimmteste versichern, daß es ihr besser geht?“ „Sie befindet sich so gut, als es nach Lage der Dinge möglichist.“ In ihrer Ahnungslosigkeit merkte sie natürlich nichts von dem Doppelsinn seiner Worte und gab sich mit der erhaltenen Auskunft zufrieden, wie sie sich vorhin mit Zorkas Erzählung zufrieden gegeben hatte. Und Dr. Hellbach beeilte sich auch, über das gefährliche Thema so rasch als möglich hinwegzukommen, indem er eine Reihe von Fragen, die auf ihren eigenen Zustand Bezug hatten, an die Patientin richtete. Ada verhehlte nicht, daß sie zuweilen sehr heftige Schmerzen fühle, aber sie fügte mit einem kleinen Lächeln hinzu, daß es ganz gut zu ertragen sei. „Zorka sagt, es wäre ein Glück für mich gewesen, daß ich so lange ohne Bewußtsein gewesen bin. Damit wäre ich über das Allerschlimmste gnädig hinweggekommen.“ „Darin hat Zorka allerdings nicht ganz unrecht. Ohne diese wohltätige Besinnungslosigkeit hälten Sie in den ersten Stunden nach dem Unfall jedenfalls sehr schwer leiden müssen!“ (Fortsetzung folgt.) 1 9 p 2 ti d rI st 2 D n 91 h di 10 de ste sch 18 1bs sch sitz Ei su ge 29 u. de lie ste a. W Re der De 33 und wie sie entstehen. Dreitausend Mark pro Woche.—„Familienpension“ auf der Seitenterrasse.— Gastwirte unter sich. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, daß man jebem, der heutzutage noch eine Reise an die See oder ins Gebirge machen kann, den versteckten oder offenen Vorwurf der Kriegs= oder Nachkriegsschieberei glaubt machen zu dürfen. Nicht ganz zu Unrecht, denn die Einkommensverhältnisse haben sich so geringfügig gebessert, daß nicht einmal die Steigerung der Kosten nur für den Lebensunterhalt als ausgeglichen gelten kann. Eine Badereise kann sich vom Einkommen jedenfalls nur eine verhältnismäßig kleine -ppe Gutbesoldeter leisten.— Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß die Zahl der k mmerreisenden über diese Gruppe der„Vermögenden“ weit hinausgeht. Trotz aller gegenteiligen Erfahrungen versucht der Mittelstand, der haute schon fast als verarmt gelten kann, immer noch zu der alten Gewohnheit der Sommerreise zurückzukehren. Mit welchem Erfolg, mag der nachstehend wiedergegebene Briefwechsel zeigen. Eine Dame des Mittelständes erhielt auf eine Anfrage bei der Badeverwaltung Heiligendamm folgende Antwort: „Wir empfingen Ihre geschätzten Zeilen vom 10. Juni und teilen Ihnen ergebenst mit, daß wir in der Lage sind, Ihnen in einem unserer Häuser ab 20 Juli ein schönes Einzelzimmer zu reservieren. Der Mietpreis stellt sich in diesem Jahre für ein solches pro Tag auf 100 Mark zuzüglich der 10prozentigen Wohnsteuer. Volle Pension wird im Kurhaus gewährt und pro Person und Tag mit 250 Mark inkl. Trinkgeldablösung berechnet... Seitens der Gemeinde wird eine Kurtaxe von 2 Mark pro Person und Tag erhoben, außerdem kommt hierzu während der Zeit vom 1. 7. bis 31. 8. ein Musikzuschlag von 8 Mark.....“ Wären also 370 Mark pro Kopf und Tag! Auf eine entsprechende Antwort der Dame folgte dann das übliche„Entgegenkommen“ in Gestalt folgenden Angebots: „Wir haben uns entschlossen, in unserem Hotel „Burg Hohenzol'ern“ eine billigere Fami lienpension zu gewähren und zwar könnten Sie hier schon ein Zimmer für 60 Mark(!) zuzüglich der zehnprozentigen Wohnungssteuer haben. Die Pensionsuerpflegung müßte auf der westli chen Terrasse unseres Kurhauses eingenom men werden, da es technisch nicht durch führbar(!!) ist, dieselbe auf der Seeterrasse zu servieren. Die Verpflegung, bestehend aus erstem Frühstück, Mittagessen— Suppe, ein Fleischgang und Nachspeise— und einem einfacheren Abendessen, stellt sich hier auf 150 Mark pro Person und Tag" Die Preisbemessung spricht für sich selbst. Es würde sich ierhaupt jeder Konmerten wern nicht die Unverfrorenheit verdiente, niedriger gehängt zu werden, die dazu gehör!, Kurgäste, weil sie ni##t die Mittel haben, für den Tag 400#ark pro Persen allein an Verpflegung und Zimmermiete aufzuwenden, von per Seeterrasse sernzuhalten; die dann wahrscheinlich für Ausländer und Schieber reserviert bleibt.— Daß die Bemessung der Logis= und Pensionspreise vollkommen in der Hand der Hoteliers liegt, ist einzig dem Umstand zuzuschreiben, daß die Konkurrenz fehlt, die aus dem Unwillen der Badegäste klingenden Nutzen zu ziehen sucht. Das Hotelwesen in den Badeorten ist kartelliert, und dem Wirt, der einen Seitensprung— in Richtung Publikum— zu machen versucht, wird sofort mit sämtlichen anwendbaren Zwangsmaßnahmen gedroht. In einer der letzten Nummern der Borkumer Badezeitung veröffentlichte Artur Heinrich, der Inhaber mehrerer Lokale in Borkum, eine„Erklätung und Warnung“. uüd Pensionslnhaber will mich zwingen, in meiner neueröffneten Imbiß= und Likörstube „Zum Seehund“ den Preis für das Mittagessen, das ich für 35 Mark abgebe, zu erhöhen. Ich habe diesen preiswerten Mittagstisch aus der Erwägung heraus geschaffen, daß auch dem Publikum, dem es nicht möglich ist, ein erstklassiges Diner einzunehmen, ein Ort geschaffen wird, wo es gut und preiswert essen kann. Ich denke nicht daran, eine durch nichts gerechtfertigte Preissteigerung vorzunehmen. Nun versucht der oben genannte Verein mich dadurch zur Preissteigerung zu zwingen, daß er einen Boykott der Lieferanten über meine Betriebe verhängen will. Der Versuch ist bereits in mehreren Fällen nachgewiesen. Ich stelle gegen die Urheber des Boykottantrages und deren Verbreiter Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft. Das Gleiche werde ich gegen jeden unternehmen, der diesen Versuch des Vereins unterstützt oder ihm nachkommt.“ Als Antwort auf diese Bekanntmachung gab der Borkumer Wirteverein ein Flugblatt zur„Aufklärung“ heraus, das jedoch zur Sache selbst so gut wie nichts sagt. Heinrich hat Anzeige erstattet, und das zuständige Gericht wird sich mit der Angelegenheit befassen. In seiner Antwort auf das Flugblatt heißt es:„Der nach meiner öffentlichen Erklärung lebhaft einsetzende Besuch des Mittagstisches ist der beste Beweis für die Gediegenheit des Gebotenen... Die Verfasser des Flugblattes haben es nicht einmal für nötig gehalten, sich zu überzeugen, wie mein Mittagstisch aussieht.. Die einzige Folge einer solchen Handlungsweise ist die, daß sich das Badepublikum von früher Derartiges nicht mehr leisten kann und an seine Stelle die „neuen Reichen“ und die Ausländer treten. Ob das ein Vorteil ist, wird sich erst erweisen müssen. Die Wirte müssen es sich ja wohl vorher reiflich überlegt haben... Kongresse und Konferenzen. Zu den Beratungen im Haag. Die Konferenz von Genua ist tot, es lebe die Konferenz im Haag! Ob sie sich als lebensfähig erweisen wird? Das ist hier die Frage! Aber eines ist sicher: sie heißt mit größerem Recht eine Konferenz als ihre Vorgängerin an der ligurischen Küste, die eigentlich ein ganz ausgewachsener Kongreß war. Früher pflegten die Diplomaten sehr sein zwischen Kongressen und Konferenzen zu unterscheiden, und die Völkerrechtslehrer haben diese Unterscheidung auch wissenschaftlich festgelegt. Für größere und wichtigere Zusammenkünfte wurde meist die Bezeichnung Kongreß gebraucht, namentlich dann, wenn dabei nicht bloß beraten, sondern auch beschlossen wurde. Historische Ereignisse von weltgeschichtlicher Bedeutung, wie der berühmte Wiener Kongreß, auf welchem unter rauschenden Festen und prunkenden Vergnügungen um das Schicksal der Völker Europas gespielt und gefeilscht wurde, oder der Berliner Kongreß von 1878, auf dem die auseinanderstrebenden Großmächte ihre Interessen mit den Ergebnissen des russisch=türkischen Krieges in Einklang zu bringen suchten, kommen uns ins Gedächtnis. Und man fragt sich vergeblich, warum eigentlich die große Auseinandersetzung von Genua trotz ihrer Sensationen und Knalleffekte eine Konferenz getauft wurde. Vielleicht könnte einer kommen und sagen, daß unsere Zeit eben bescheiden geworden ist und die großen Worte verschmäht, weil ihnen zumeist doch nur kleine Taten folgen, aber darum hätte man doch eine Katze eine Katze und einen veritablen Kongreß einen Kongreß nennen können, weil es ja schließlich zu nichts verpflichtet und immerhin pompöser und großartiger klingt. Im übrigen hatte die derzeitige Haager Konferenz eine„Namensvetterin“ in der Haager Konferenz von 1899, der glorreichen Friedenskonferenz seligen Angedenkens, an der 26 Staaten teilnahmen, um feierlichst bewußtsein“, daß sie sich sa doch eines schönen Tages in die Haare geraten würden. Bei anderen Beratungen neuerer Zeit, deren Verhandlungsgegenstand begrenzter war, wie z. B. bei der Kongo=Konserenz zu Berlin in den Jahren 1884=85 und der AntisklavereiKonferenz in Brüssel(1889=90)) lag es schon näher, den bescheideneren Ausdruck zu wählen. Ein Kongreß, so kalkulierte man vielleicht, muß schon etwas Weltbewegendes, Schicksalschweres sein, während man unter einer Konferenz sich Beratungen intimerer Natur vorzustellen hat— Bankiers und Aufsichtsräte halten Konferenzen ab. und Lehrer erwägen in ernsten Konferenzen, ob Müller versetzt werden und Schulze sitzen bleiben soll. Wirft man einen rückschauenden Blick auf die Geschichte vergangener Zeiten, so wird man konstatieren, daß fast alle großen Kongresse Friedensausschüsse waren oder Friedensschlüssen vorausgingen oder gefolgt sind. Kongresse dieser Gattung waren etwa der von Münster und Osnabrück, der den Westfälischen Frieden vorbereitete, der von Oliva, der den schwedisch=polnischen Krieg beendete, der von Aachen am Ende des Oesterreichischen Erbfolgekrieges und der von Hubertusburg, der den Siebenjährigen Krieg abschloß. Auf deutschem Gebiet haben wegen Deutschlands zentrischer Lage die meisten dieser Friedenskongresse stattgefunden. Besonders beliebt war in dieser Hinsicht das schon erwähnte Aachen. Mehr als einmal kam auch Paris als Beratungsort der Völker in Frage: es sah Kongresse in den Jahren 1782, 1815 und 1856. Der erste besiegelte die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten, der letzte beendete den Krimkrieg. Italien ist bis zu den Tagen von Genua als Kongreßland nur wenig hervorgetreten. Nur(das damals österreichische) Verona hat einen Kongreß gesehen, den von 1822, auf dem die Heilige Allianz sich vereinigte, um Maßregeln gegen die dräuende europäische Revolution zu beraten. Der erste rein diplomatische Kongreß, den wir kennen, war der von Cambrai im Jahre 1508. Damals verbanden sich Ludwig 12. von Frankreich. Kaiser Maximilian, Ferdinand der Katholische von Aragonien und Papst Julius., um Venedig niederzuwerfen— vier mittelalterliche Großmächte gegen einen einzigen Staat! Wer denkt hier nicht an Analogien zu den Ereignissen unserer Tage? Vier und mehr gegen einen — bald in Brüssel, bald in Versailles, bald in Genua, bald im Haag, und ob es dann Kongreß oder Konferenz heißt, das bleibt doch immer das gleiche! M. S. :: T a n z u n d T i e r s c h u t z. A n F e i n d e n h a t e s d e m Tanz nie gefehlt, Aus religiösen, sittlichen und hygienischen Gründen hat man gegen ihn geeifert, dennoch darf sich der Bürgermeister einer kleinen französischen Stadt rühmen, für das von ihm erlassene Verbot des Sonntagstanzes eine Begründung gefunden zu haben, die Anspruch auf Neuheit machen kann.„In Anbetracht dessen, daß die jungen Leute der Gemeinde die Gewohnheit angenommen haben, sich allsonntäglich zum Tanz zusammenzusinden", heißt es in dieser Verfügung,„und in Ansehung, daß der Lärm, der dadurch verursacht wird, Hühner und andere Tiere des Ortes stört und in ihrer Gesundheit schädigt, verbiete ich hiermiet im Gebiet der Gemeinde alle Tänze in den Stunden, in denen die Haustiere der Ruhe pflegen.“ Diesen gewichtigen Gründen wird sich die Ortsjugend kaum entziehen können, und der weitblickende Bürgermeister, der sich mehr von wirtschaftlichen Erwägungen als von tierfreundlichen Regungen hat leiten lassen, darf stolz darauf sein, mit der Steigerung der Eierproduktion gleichzeitig die Sittsamkeit ein gutes Stück gefördert zu haben. :: Ein Volk von Bauhandwerkern. Die Nöte der Nachkriegszeit lassen im Gehirn der Menschen seltsame Pläne heranreifen. So hat kürzlich, um der Wohnungsnot zu steuern, ein Pariser Stadtrat allen Ernstes den Vorschlag gemacht, daß jeder Bewohner von Paris im Alter von 18 bis 55 Jahren durch Gesetz gezwungen werden solle, täglich eine halbe Stunde seiner Zeit dem Aufbau von Häüsern zu widmen. Dabei solle jeder nach Maßgabe seiner Fähigkeiten beschäftigt werden, der eine beim Bau des Fundaments, der andere beim Kalkmachen ein dritter beim Ziegeltragen und ein anderer wieder beim Mauern. Die Forderung, daß jeder Bürger verpflichtet sein müsse, seinen Stein zum Gebäude des nationalen Aufbaues beizusteuern, dürfte dann im buchstäbwäre es ein ergötzliches Schauspiel, den Bankier Hans in Hand mit dem berufsmäßigen Maurern beim Häusert bau zu sehen. Aber eine Unzuträglichkeit hat die Sache in jedem Fall: kein Mensch wird mit Ruhe in einem Hause schlafen, das von einer so gemischten Baugesellschaft auf. geführt ist, weil er sich der nur zu berechtigten Furcht nicht würde erwehren können, daß ihm das Dach über dem Kopf einstürzen könne. :: Auf der Suche nach der Heiratsschmiede. Ein minderjähriger Engländer und sein kaum den Kinderschuhen entwachsener Schatz hatten den Entschluß gefaßt, sich heimlich zu verheiraten, da die Eltern von der Verbindung nichts wissen wollten. So waren sie denn übereingekommen, zu entfliehen, und da sie gelesen hatten, daß in Gretna Green ein Schmied wohne, dem das Recht ver### liehen worden sei, rechtsgültige Eheschließungen vorzu### nehmen, so beschlossen sie, nach dem berühmten schottischen Wohnort des Heiratsschmieds zu fahren. Sie fanden auch an Ort und Stelle Leute genug, die sich ein Vergnügen daraus machten, ihnen die einzig authenische Schmiedewerkstadt zu zeigen, und es fehlte auch nicht an solchen, die sich willig zeigten, sie zu dem Schmiedeamboß zu führen, auf dem die Transcheine unterschrieben würden. Als die heiratslustigen Kinder aber dem Wunsche Ausdruck gaben, nun endlich zu dem Schmied selbst geführt zu werden, mußten sie zu ihrem Kummer vernehmen, daß die romantische Heiratsschmiede schon im Jahr 1856 auf Grund eines Parlameutsbeschlusses geschlossen worden sei Enttäuscht, aber nicht entmutigt, setzten die Liebenden ihre Reise durch Schottland fort, weil sie gehört hatten, daß man hier leichter als anderswo in den Hasen der Ehe einlaufen könne. Doch sie erlebten nur weitere Enttäuschungen, da sie überall erfahren mußten, daß man auch in Schottland mindestens drei Wochen einen festen Wohnsitz haben müsse, um das Recht zur Eheschließung zu erlangen. So blieb ihnen nichts weiter übrig, als nach England zurückzukehren. Da die Eltern der hartnäckigen Brautleute aber fürchteten, daß sie bei einem der vielen nachsichtigen kirchlichen Registerämter doch noch vor die rechte Schmiede kommen und eine Heiratslizenz ergattern könnten, haben sie jetzt eine öffentliche Anzeige erlassen, in dor auf die heiratswütigen Kinder aufmers sam gemacht wird. !: Wölfe in Menschengestalt. Grauenerregende Schilderungen gibt ein in Samara erscheinendes Blatt von den hungernden Russen, die unter den Qualen der Entbehrungen jedes menschliche Gefühl verloren haben und zu Tieren entartet sind. Sie schließen sich in ihren Hütten ein und lugen mißtrauisch durch Ritzen und Spalten, um dann, wenn sie sich unbeobachtet glauben, anf Beute auszugehen. Haben sie etwas gefunden, so nehmen sie es mit hastiger Bewegung auf und flüchten voll Angst, daß ihnen jemand die Beute wieder abjagen könnte, nach ihrer Hütte. Hier beginnt dann das grauenvolle Festmahl, Es ist kein Essen im menschlichen Sinne, sondern ein gieriges Schlingen. Nichts wird verschmäht: Abfälle, gleich welcher Art, und Knochen verschwinden im Magen, der sich aufbläht und schmerzt, ohne daß ein Sättigungsgefühl erreicht wird. Nicht wenige der Unglücklichen sind bereits wahnsinnig geworden. Eines Nachtsl wurden die Bewohner eines Dorfes durch das Gellen der Sturmglocke aus dem Schlafe geschreckt. Menschlicht Schatten wankten aus den Hütten zur Kirche dort läutete ein halbnackter Bauer in wilder Ekstase; seine Haare flatterten im Winde, seine Augen glühten im Feuer des Wahnsinns, während er mit wilden Sprüngen tanzend am Seil hing. Immer stärker erscholl das Geläute; der Unglückliche raffte seine letzte Kraft zusammen, denn in seinem Wahn glaubte er daß durch die Glocke die Menschen herbeigerufen wür den und ihm etwas zu essen bringen müßten. Einen andern erwischte man, als er in der Nacht mit eine Fackel daran ging, die Hütte seines Nachbarn in Bi zu stecken. Er wollte das Feuer anlegen, um die wohner in der Hütte zu braten und sich damit ein Fe mahl zu verschaffen. 0 54 ::: Der Cowboy mit der Antenne. Bisher hat det Cowboy in der Einsamkeit der amerikanischen Prärie ein Leben geführt, das ihn von der Verbindung mit der zivilisierten Welt vollständig abschnitt. Das wirh jetzt dank der Funkentelegraphie anders werden. Un ihm die Möglichkeit zu geben, in beständiger Füh lung mit seiner Farm zu bleiben, wird der Cowboz fortan auf der Schulter oder am Sattel zwei kleine Antennen tragen, die durch ein Metallnetz vervollständigt sind. Verankert wird die Antenne vermitteleines Drahtes, der mit Riemen an eines der Vorder beine des Pferdes befestigt wird. Ein telegraphische Hörer, der am Hals des Reiters angebracht ist, und in Mundhöhe gehalten werden kann. ein winziger Empfangsapparat, der klein genug ist, um in der Han getragen zu werden, und der, wenn er nicht gebrauch wird, am Sattel herabhängt, vervollständigen die fun kentelegraphische Ausrüstung, die auch für die austra lischen Schafhirten, die berittene Kolonialpolizei un die kanadischen Zollwächter eingeführt werden soll. Das Handtäschchen. Von Heinz Lorenz. Es war eigentlich gar kein Handtäschchen— es war schon mehr ein veritahler Reisehandkoffer, den Evy am ersten Jahrestag ihrer Ehe von ihrem Gatten gechenkt bekam. Auf ihre Bitten. Denn ein Mann überlegt sich eine solche Ausgabe, auch wenn er noch o verliebt ist in seine Frau. Sie aber: Ich muß o ein Täschchen haben. Es ist so praktisch, weißt du. Man kann alles hineintun, hat alles bei sich, vergißt nichts, spart Zeit, weil man doch alles sofort bei der Hand hat, sieht auch nett aus und...— „Schön, schön, du bekommst es— das Täschchen.— Da lag es also, direkt unter einem Buschen Rosen. „Ach, wie entzückend!“ Zuerst probierte Evy den Verschluß, dann die Verschlüsse der zahlreichen kleinen Innentäschchen, dann untersuchte sie diese selbst, denn es konnte ja sein, daß irgendwo... ihr Mann konnte ja noch i ndwo einen Tausendmarkschein hineingekan haben. Das war nicht unmöglich, nicht? Aber er hatte nirgendwo etwas hineingetan. Trotzdem bekam er einen Kuß. nachdem Evy noch den Spiegel, das Notizbuch, zwei Flagons und ein Kämmchen, ein Puderdöschen und ein Bürstchen pp.— alles in dem Täschchen— revidiert hatte. Hierauf wurde gefüllt. In dem Koffer wurden verstaut: Zwei Taschentücher, ein paar Handschuhe, eine Bigarettendose(gefüllt) mit Feuerzeug(ebenso), ein kleines Naykästchen, ein Necessaire, eine angefangene Fringlüthtenarbeit(es konnte doch sein, daß man mal -geneirr antichambrieren mußte, und Frau Evy war nicht gerne müßig), einige Haarnadeln, ein Reservehaarkamm, Straßenbahnlektüre, ein neupatentiertes Korrespondenzbesteck mit Postkarten, Briefpapier, Löscher, Tintengeschirr, Marken, Posttarif „Zu was eigentlich das Korrespondenzbesteck?“ fragte naiv der Gatte, der höchst erstaunt das Anschwellen des Koffers beobachtete. „Ach, es könnte doch sein, daß man unterwegs einer Freundin mal was schreiben muß. Mit Tinte sieht's gleich so anständig aus.“ „Natürlich. Du bist eine kluge Frau!“ .. die vorbaut!“ Er bekam noch einen Kuß und nachmittags gingen sie zusammen einkaufen. Die Tasche mußte mit, klar! Unterwegs wurde sie ein paarmal geöffnet und kontrolliert. Es dauerte manchmal fünf Minuten, manchmal auch weniger. Vor einem Etamladen wurde sie festgenagelt, sagte„Entzückend!— Ich komme gleich wieder“ und war verschwunven. Traf Auswahl und wollte zahlen. Kramte in dem Täschchen, breitete auf dem Ladentisch aus: Die Taschentücher— die Handschuhe, die Zigarettendose und Streichhölzer, das Nähkästchen und Necessaire, die Frivolitätenar... Stürtzte zur Tür und rief hinaus:„Ach, Männe, komm doch mal rein, ich hab vergessen Geld hineinzutun!“— Sie kamen zu Evys Seidenlieferanten„Ich brauch noch ein Viertel Meter Crepe de Chine zu dem Blöhfarbenen.“ Er mußte mit hinein, da sie doch kein Geld hineingetan hatte. Drin Evy:„Augenblick, Fräulein, ich habe das Muster mitgebracht.“ Kramte im Täschchen und breitete auf dem Ladentisch aus: Die Haarnadeln— den Haarkamm, die Puderdose— den Spiegel, das Korrespondenzbesteck— die Etamenen, die Flacons— das Bürstchen, die Frivo..:„Ach schade, nun hab' ich das Muster vergessen, hineinzutun.“ Sie ging weiter. Noch in drei Geschäfte. In jedem kramte, breitete sie aus. Männe mußte mit. Immer heftiger stieß er auf, mit dem Stock— ein Zeichen von Nervosität. Evys Hut rutschte von links nach rechts, vor vorn nach hinten— ein Zeichen von Nervosität. Beim vierten Geschäft sagte er:„Du gestattest doch, daß ich derweile einen Kaffee nebenan trinke?“ „Bitte, bitte!“ machte sie nicht ohne eine gewisse unmotivierte Gereiztheit. So konnte er eine halbe Stunde Zeitung lesen. Leider hatte er im vorletzten Geschäft seine Geldbörse hineingetan— in das Täschchen. Es hatte keinen Zweck, auf Evy zu warten. Sie würde niemals ein solch„entnervendes Mannslokal“, wie ste die Kaffeehäuser nannte, betreten. Sie wartete draußen auf ihn. Er mußte zahlen. Als Pfand ließ er einen Ring— leider in der Gereiztheit oder Zerstreutheit seinen Ehering. Als er an die vereinbarte Strußenecke kam, war von Evy nichts zu sehen. Wahrscheinlich also noch im Geschäft. Nein, die gnä' Frau mit dem jadegrünen Strohhut war schon vor einer halben Stunde gegangen. Als er nach Hause kam, fand er statt des Abendessens den Inhalt des Täschchens auf dem Tisch aufgebaut: Das Necessaire— die Taschentücher, das Korrespondenzbesteck— das Nähkästchen, die Flacons— die Puderquaste, die Fri... Evy fuhr mit den Bewegungen eines grotesken Zymbalschlägers durch die Sachen und beim Eintritt des Gatten auf diesen zu: „Du.. fff.. du, ich hab, fff.. meine Etamsstrümpfe hab ich, fff. pfui, diese scheußlichen Haare, fliegen mir immer im Gesicht herum, morgen schneid ich sie alle ab ... die Strümpfe muß ich wo liegen gelassen haben! Ich muß gleich telephonieren. Das tat sie eine Stunde lang. Die Strümpfe hatte niemand gefunden. „Evy, ich habe Hunger,“ bemerkte ihr Mann schüchtern.„Es gibt doch heute was besonderes an unsrem Ehrentag. Du hast doch ein Huhn... Evy schrie auf.„Ein Huhn!! Ach, das wird die Gans(Minna. die Küchenfee, war damit gemeint) schön anbrennen lassen. Gott, wenn man nicht überall dahinter ist. Ich rieche die Gans— das Huhn schon. Pack doch mal schnell das Täschchen ein!“ Draußen hörte man sie schon rumoren. Nachdenklich, Stück für Stück, packte er ein: Das Necessaire— das Nähkästchen, die Frivolitäten— das Korespondenzbesteck... Da stockte er, das Besteck war unnatürlich geschwollen.„Dacht ich mir's doch, sagte er und packte die Etamsstrümpfe aus. Leider sich die Tinte aus dem Patentbehälter breit gemacht und die silbergraue Seide gesprenkelt. Ich zeige ihr das lieber nicht, dachte der Gatte, packte alles zusammen und deckte im Verein mit Minna den Tisch. Das Huhn war köstlich. Der Gatte saß bereit. Plötzlich hielt er ruckartig unter ihrem Blick. Einem Blick— Eis und Fruer zusammen! „Wo hast du denn deinen Ring?!“ ten könnten...! „Meinen Ring nicht zum Erklären. „Jawohl, sawohl, recht, mein Gatte. Wenn Töne t5 Im Kaffeehaus...“ Er ka## im Kaffeehaus. Recht, oh seh Ich warte draußen eine halb Stunde und du, du bist drinnen und... und liebäu gelst mit einer— einer— oh... ziehst auch noch der Ring aus...“ „Aber Evy...!“ „... den Ring aus und liebäugelst, heute während ich draußen, oh... Hast sie gar gesproche oder ihr den Kaffee bezahlt oder sie gar.. „Aber Kind...!“ „... während ich draußen... Mein Taschentuch Wo ist mein Täschchen... während ich... Er reichte ihr das Täschchen, rein mechanisch. Sie stieß seine Hand zurück, daß das Täschchen zu Erde klapperte.„Nein! Behalte! Ich will das Täschchel nicht mehr sehen! Fort! Kein Bissen schmeckt mir mehl Und alles das heute— an— an unsrem Ehrentagl Evy stürzt weinend ab. Nach links— ins Schl zimmer. Hohnlachend hört man einen Schlüssel## schen. „An unsrem Ehrentag!“ murmelt er völlig abs send. Plötzlich reißt er das Täschchen von der Erde und fenstert es mit Wucht und Eleganz in eine E Leider hat eine Kristallschale, ein Hochzeitsgeschen Anziehungskraft und geht dabei in die Brüche. „Scherben bringen Glück, hahahaaa!“ schreit's### lend vom Schlafzimmer her. „Aber erst, wenn dieses Täschchen beim Teufel ruft er ingrimmig dageg.. Das Huhn auf der Platte wird sachte kalt. A Tunke gerinnt aus Aerger, daß man ihr nicht die# bührende Ehre zuteil werden läßt. In der Ecke— auf der Erde— das Handtäscha# träumt glücklich.... Vearent #f ** 3 3 Ptal 9 Amerikanis 7 Die Verne Neues. Auch missare Braun des von dem menen Befund Als Kirchh beiseite. „Halten Si alten Mann d bringen? Ich: richtlich versieg „Es ist wol wird jedenfall Tatbestandes: bereit, alle nöt „Ich danke den hier bleib Bewohner das alles ab und: „Jawohl, H Als es von schlug, lag die In wenigen S bens und sonn streift von den Als Popper dem Reichskan rat plötzlich ste „Wendler, 1 Augen!“ „Ich habe rungsrat.“ In dem k der Frau Sau Ehepaar hatte nächst am best phe, die über sch, so unve vor jedem Ern Mädchen erste all das Furcht Arzt, der Kirch noch so gut ge das Allein erstellung des Lilly saß a nen Raums. von emne auf E. sern her kärmusik; es w dem Spiel von Lilly hörte starrte vor sich Jedanken halt Imstande, so v hig zu überd hr das Bild de Die Ges wirtsch Plauder " Das Feder Wirtschaft ein für kostbare Werte für die des täglichen Die wicht unsere Hausg die erste Stel en liefern ei Taubenfedern Bermanen ler der Gänsedau bis dahin in und Felle ben Freunde eines Bermanien un allem vom Nialljährlich in Die Brauch Eigenschaften geren Weich schmeidigkeit 1 der besten Bet sten als zehn hochsten im P oder Flaumfed sedern. 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Kindern und a Bei der Be Alter und die Bewinnung so Tiere eine Rol Hank ern beim Häusert eit hat die Sach se in einem Haust zugesellschaft auf tigten Furcht nicht Dach über dem beiratsschmiede. kaum den KinderEntschluß gefaßt, ern von der Vern sie denn übergelesen hatten, daß in das Recht ver### ließungen vorzu### hmten schottischen Sie fanden auch h ein Vergnügen enische Schmiede. nicht an solchen, chmiedeamboß zu chrieben würden. ein Wunsche Ausselbst geführt zu ; v e r n e h m e n, d a ß m Jahr 1856 auf jlossen worden sei. die Liebenden ihre ehört hatten, daß n Hafen der Ehe weitere Enttäu, daß man auch inen festen Wohneschließung zu erübrig, als nach der hartnäckigen einem der vielen doch noch vor die iratslizenz ergattliche Anzeige erKinder aufmer Grauenerregende inendes Blatt von Qualen der Entrloren haben und ch in ihren Hütten und Spalten, um n, anf Beute ausso nehmen sie es en voll Angst, daßs könnte, nach ihrer envolle Festmahl e, sondern ein gien iht: Abfälle, gleich im Magen, der ein Sättigungsder Unglücklichen Eines Nachtsl durch das Gellen schreckt. Menschtten zur Kirche wilder Ekstase ie Augen glühten er mit wilden mmer stärker erraffte seine letzte Lahn glaubte er rbeigerufen wür müßten. Einen Nacht mit eine achbarn in egen, um die 2## ch damit ein Fest Bisher hat der lkanischen PräriVerbindung mit hnitt. Das wirh ers werden. Un beständiger Fühvird der Cowboy attel zwei kleine letallnetz vervollntenne vermittel ines der Vorder in telegraphische bracht ist, und in in winziger Emum in der Han er nicht gebrauch tändigen die fun ch für die austra lonialpolizei un rt werden soll. 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Ich möchte die ganze Villa absperren und gerichtlich versiegeln lassen.“ „Es ist wohl das Beste, Herr Regierungsrat, damit wird jedenfalls jede Gefahr einer Verdunklung des Tatbestandes von vornherein beseitigt. Ich bin gern bereit, alle nötigen Maßnahmen zu treffen.“ :„Ich danke Ihnen. Braun und Noack! Sie werden hier bleiben, bis die Leiche abgeholt ist und die Bewohner das Haus verlassen haben, dann sperren Sie alles ab und versiegeln, verstanden?“ „Jawohl, Herr Regierungsrat.“ Als es von der kleinen Kirche in Westend ein Uhr schlug, lag die Villa Ribbentrop verlassen und tot da. In wenigen Stunden war dieses Haus behaglichen Lebens und sonnigen Glückes verödet und verlassen, gestreift von dem düstern Fittich des Todesengels. * Als Popper und Wendler schweigend neben einander dem Reichskanzlerplatz zugingen, blieb der Regierungsrat plötzlich stehen. „Wendler, verlieren Sie den Diener nicht aus den Augen!“ „Ich habe bereits alles angeordnet, Herr Regierungsrat.“ IEEE# 9 SEE Drittes Kapitel. In dem kleinen, wohnlich eingerichteten Voudoir der Frau Sanitätsrat Kirchhoff saß Lilly allein. Das Ehepaar hatte wohl gesehen, daß das arme Kind zunächst am besten allein gelassen würde. Die Katastrophe, die über sie hereingebrochen war und die eine völlige Neugestaltung ihres Lebens bedingte, war so plötzlich, so unvermittelt gekommen, daß dieses junge, sor jedem Ernst des Lebens bisher bewahrt gebliebene Nädchen erst eine gewisse Zeit brauchte, um sich über all das Furchtbare klar zu werden, und der erfahrene Arzt, der Kirchhoff war, hatte wohl erkannt, daß hier noch so gut gemeinter Zuspruch wenig nützen würde, iß das Alleinsein, zunächst wenigstens, am ehesten zur erstellung des inneren Gleichgewichts dienen würde. Lilly saß an dem weit geöffneten Fenster des kleinen Raums. Draußen lag der warme Schein der Mitlagssonne auf dem sprießenden Grün des Vorgartens, a# erg der tönten gedämpft die Klänge einer Mill. ##es war wohl ein Regiment, das mit klingenpem Spiel von der Kaiserparade zurückkehrte. Lilly hörte diese Geräusche des Lebens kaum, sie starrte vor sich hin und in ihrem Kopf jagten sich die Bedanken haltlos, ungeordnet, quälend. Sie war nicht mstande, so viel sie sich auch mühte, das Geschehene hig zu überdenken, immer und immer wieder stand ihr das Bild des Geliebten vor Augen und daneben der entsetzliche Verdacht, dem sie sich nicht entziehen konnDer Text des angefangenen Brieses, der Dolch, te. wie sich die beiden Beamten angeschaut hatten, oh, sie hatte es wohl gemerkt. Es konnte doch nicht sein. ihr Ralf, der Mensch, den sie über alles liebte, den sie seit Jahren kannte, der Beste, der Lebenslustigste, der Gutmütige—.—. Nein— nein, es war nicht möglich, es war ja Wahnsinn, so etwas überhaupt zu denken! Und doch— der Brief des Toten! Wieder kam der quälende Zweifel über sie, und so drehten sich ihre Gedanken in einem unheilvollen Kreise, immer auss neue. Sie durfte an Ralf nicht zweifeln, sie durfte es nicht. Mit Gewalt kämpfte sie jeden anderen Gedanken nieder. Sie mußte ihm helfen, er mußte sie bei dem schweren Kampf, der unabweislich kam, an seiner Seite sehen. Ja, ja, sie wollte ja helfen, aber sie sah keinen Weg. Hatte sie denn niemanden, niemanden auf der Welt, der ihr ein Freund war, an den sie sich hätte wenden können? Der einzige Freund neben dem Geliebten war ja der gute Vormund gewesen, er war tot, ermordet, feige niedergestochen. Ihr Körper fuhr zitternd zusammen. Ihr heißgeliebter Ralf stand unter schwerem Verdacht. Wo war denn Ralf? Jetzt erst wurde ihr klar, daß Ralf ja nicht da war, daß sie ihn seit gestern nicht gesehen, seit gestern! Wie schön war alles noch gestern gewesen! Ralf wußte vielleicht noch gur nichts won dem Unglück. Oder wußte er es doch? War er der Erste gewesen, der das Unglück kannte? Schon wieder kam der entsetzliche Gedankengang, der Verdacht auf den Geliebten. Sie sprang auf, sie wollte telephonieren, sie mußte Ralf sprechen, seine Stimme hören. O, wenn er da war, wenn er zu Hause wär, dann war ihr leichter, dann konnte sie mit ihm sprechen, ihn aufmerksam machen auf jenen unheilvollen Blick, den die Beamten getauscht hatten. Vergebens.— Er war nicht zu Hause. Die Wirtin hatte gesagt, der Herr sei über Land. Lilly brach in Tränen aus. So war sie denn ganz allein, ein entsetzliches Gefühl völliger Verlassenheit überkam sie. Niemand, niemand, der ihr helfen konnte, niemand, der die quälenden Zweifel von ihrer Seele nahm. Da plötzlich tauchte ein Name vor ihr auf, unmerklich fast, dann aufdringlicher, klarer, deutlicher: Dr. Helmstedt! Er konnte helfen. Er war der Freund, den sie brauchte, aber zu ihm konnte und durfte sie nicht gehen. Vor zwei Jahren war es gewesen, da hatte sie ihn kennen gelernt in einer Gesellschaft. Es war kurz bevor Ralf nach seinem ersten Aufenthalt wieder nach Mexiko zurückkehrte und ihr junges Mädchenherz mit sich nahm. Er hatte ihr wohl gefallen, der hübsche, männliche Gelehrte, der so interessant zu erzählen wußte, der so oft Proben seines Scharssinns gezeigt hatte, er hatte ihr gefallen, und sie hatte ihn bewundert. Ihr Herz aber war still geblieben, still und glücklich in der Liebe zu Ralf, die eben erblühte. Bei Helmstedt war es anders, ihn hatte das liebreizende Geschöpf vom ersten Augenblick gefesselt, er, der nüchterne Denker, hatte völlig sein Gleichgewicht verloren. Er hatte sich verliebt mit einer Leidenschaft und Glut, wie sie so leicht gerade bei beherrschten und klugen Menschen hervorbricht. Er ahnte nicht, daß Lillys Herz nicht mehr frei war, und eines Tages, es war bei einem Gartenfest, erklärte er sich. Er erhielt einen Korb. Lilly war so völlig überrascht, daß sie, mit Mühe nur Geflügeljeder und ihre Plauderei von C. von Waldhofen. (Nachdruck verboten.) —, Das Federkleid des Vogels spielt in der menschlichen Wirtschaft eine wichtige Rolle. Große Summen werden für kostbare Schmuckfedern ausgegeben, noch größere Werte für die Verwendung der Vogelfedern zu Zwecken des täglichen Gebrauches angelegt. Die wichtigsten Lieferanten der Nutzfedern bilden unsere Hausgeflügelarten, unter denen wieder die Gans die erste Stelle einnimmt. Auch Truthühner und En#en liefern ein gutes Material, während Hühner= und Taubenfedern geringer geschätzt werden. Von den alten Bermanen lernten bereits die Römer die Verwendung der Gänsedaunen zu Federkissen kennen, während man bis dahin in Rom als weiche Unterlagen nur Decken ung. Felle benutzt hatte. Und da die alten Römer auch eines guten Gänsebratens waren, wurden aus Vermanien und den benachbarten Teilen Galliens. vor vom Niederrhein und von der Schelde, die Vögel alljährlich in großen Mengen nach Rom getrieben. Die Brauchbarkeit der Federn ist von verschiedenen Eigenschaften abhängig, von ihrer größeren oder geringeren Weichheit, Erwärmungskraft, Füllkraft, Geschmeidigkeit und Haltbarkeit. Ein einziges Kilogramm an besten Bettsedern hann volkommenere Dienste leisten als zehn Kilogramm minderwertiger Federn. Am ###hsten im Preise stehen die zarten weichen Daunen oder Flaumfedern, billiger sind die Deck= oder Schleißsedern. Mit letzterem Namen bezeichnet man die durch Abziehen des Federbartes von den Keilen und Schäften befreiten Deck= oder Außensedern. Mit mehr oder weniger Flaum vermischt bilden die Schleißfedern ein gutes Füllmaterial und dienen hauptsächlich zum Füllen von Kissen. Das Schleißen verursacht einen betrachtlichen Gewichtverlust und einen hohen Aufwand an Arbeitszeit, weshalb man die Arbeit vielfach von Kindern und alten Leuten ausführen läßt. Bei der Bewertung der Federn spielen ferner das Alter und die Farbe der Feder, die Zeit und Art ihrer Bewinnung sowie die Haltung und Behandlung der Tiere eine Rolle. Ausführliche Angaben hierüber bringt K die äußere Form wahrend, schroffer ablehnte, als es ihrem sansten, gütigen Wesen entsprach. Helmstedt war wie zerschmettert. Minutenlang keines Wortes fähig, blickte er nur immer die großen, erstaunten Augen an. Als er von ihr ging, hatte er mit einer rührenden Weichheit in der Stimme gesagt:„Lilly, wenn Sie je im Leben eines treuen, selbstlosen Freundes bedürsen, dann rufen Sie mich, ich werde Sie nie vergessen!“ Diese Szene trat lebhaft vor Lillys Augen, sie sah den mit Lampions erhellten Garten, sah sich ihm gegenüber, sah die unendliche Trauer und den Schmerz in seinen Augen, sah ihn gehen. Damals war ihr vielleicht nicht klar geworden, wie sehr jener Mann litt, wie weh ihm ihre Art getan haben mußte, sie war zu voll von ihrer Liebe zu Ralf. Dr. Helmstedt konnte ihr helfen. Damals schon hatte sie mit Spannung und Interesse seinen Erzählungen gelauscht, wie er über seine kriminalistischen Studien berichtete, ihr merkwürdige Rechtsfälle erzählte, deren Aufklärung seinem Scharfsinn zu danken war. Seit jenem Abend hatte sie ihn nie wieder gesehen, gelegentlich nur wurde die Erinnerung an ihn geweckt, wenn in den Tagesblättern Reiseberichte von ihm erschienen oder seiner tätigen erfolgreichen Mitarbeit bei der Aufklärung eines Kriminalverbrechens gedacht wurde. Helsen konnte er schon. Aber— durfte sie ihn um Hilfe angehen! Ihr Herz sträubte sich dagegen. Ihn, den Mann, dem sie jenen furchtbaren Schmerz bereitet hatte, dem sie eine Lebenshoffnung zerstörte, sollte sie um Hilfe bitten! Es erschien ihr unmöglich, undenkbar. Würde er denn in diesem Falle jene damals gelobte Freundschaft halten, würde er selbstlos genug sein, der einst heiß Geliebten, für immer Verlorenen seine Hilfe zu leihen? Nein— sie durfte es nicht, sie konnte es nicht! Aber Ralf!— der arme Ralf! Ihn, den Geliebten, mußte sie retten! War ihr schon das erste kleine Opfer zu schwer? Mußte sie nicht ihren Stolz niederkämpfen um seinetwillen? Plötzlich sprang sie auf, Entschlossenheit in dem blassen Gesicht, sie wollte zu ihm, zu Dr. Helmstedt. Allein zu gehen, dazu fühlte sie sich nicht stark genug, ihre einzige Freundin Irma sollte sie begleiten. Sie nahm Hut und Jakett und verließ das Haus. Als sie an Nr. 14 vorüberkam, wagte sie nicht aufzusehen, scheu eilte sie auf die andere Seite der Straße, ihr Herz schlug hörbar. Jetzt war sie vorüber und wandte sich dem Untergrundbahnhof zu. * „Lilly!— erzähle nichts, ich habe alles in der„B. .“ gelesen. Armes, armes Kerlchen. Ich wußte, daß du zu mir kommen würdest. Komm herein, Mutter ist nicht da. Was soll geschehen? Du mußt über mich verfügen, das erwarte ich von dir!" Sprudelnd und hastig kamen diese Worte über die Lippen Irma Schusters. Schlank und rank gewachsen, ohne mager zu sein, sah man der etwa Zwanzigfährigen an, daß sie die wohltätige Wirkung des Sports wohl kannte. Ihre Züge waren nicht schön, nicht liebreizend, aber sympathisch, etwas jugendhaft. Zwei lustige blaue Augen blitzten aus dem ovalen, länglichen Gesicht hervor. Ein Kranz dicker brauner Zöpfe krönte den kleinen Kopf. Irma war im Tennisanzug, der freie Hals zeigte die reizvolle Kupferfarbe, die brünetten Frauen eigen ist. SSERE RE „Irma, ich bin dir ja so dankbar!“ „Dankbar, Quatsch, damit sang bloß nicht an! W. ne schöne Freundschaft, die im Unglück nicht ber wäre!“ „Du bist so gut und ich fühle mich so maßlos u glücklich. Du, Irma,— steht in der Zeitung was vi Ralf?“ „Andeutungsweise natürlich, das ist ja aufgelegt Blödsinn, wer Ralf kennt, aber die überklugen Kr minalbeamten— natürlich!“ Lilly setzte der Freundin ihren Plan auseinande Dr. Helmstedt um Hilfe zu bitten. Sie war viel ruh ger geworden, die etwas burschikose, voll Lebensli überschäumende Art ihrer Freundin hatte sie wunde bar gestärkt, sie hatte wieder Mut und Hoffnung g faßt. „Das ist ja samos, Lilly! Wo wohnt denn diese Wundertier, dieser Doktor Herm—, Helm—, ach Helmstedt?“ Sie schlugen im Telephonregister nach.„Dr. Heln stedt, Privatgelehrter, Meinechestraße 10, Amt Stei platz 11672.“ „Du, Lilly, wir wollen doch erst einmal anrufer ob er da ist.“ Irma ließ sich verbinden und erfuhr, daß der He Doktor zu Hause sei und von 2 bis 4 Uhr Besuchsze habe. „Das ist ja famos, jetzt ist es halb drei, den kleine Weg von der Hardenbergstraße zur Meineckestraß den laufen wir, was?“ „Ja gewiß, Irma.“ „Na, dann komm!“ Als sie vor dem Hause Meineckestraße 10 stande klopfte Lilly das Herz, es war ihr furchtbar, dem Mai ne gegenüberzutreten, den sie vor zwei Jahren an nem Abend zum letzten Male gesehen hatte. Irma ha ihr in ihrer munteren Art. „Na, nu los, nicht gezögert, Lilly, du mußt doch a Ralf denken! Ich werde hier unten warten, den eure Begegnung geschieht besser ohne Zeugen. Lo mein Kind, sei brav!“ „Wollen Sie bitte hier eintreten!" Die Tür schloß sich und Lilly stand klopfenden He zens in dem kleinen Salon. Echte Seidenteppiche bedeckten die Wände. Waffe und Geräte aller Art aus tropischen Ländern stande und hingen umher. Eine breite, mit Tigerfellen übe deckte Ottomane nahm fast die eine Wand ein. Zw schen den mit echten Stores verhängten Fenstern rag drohend der mächtige Kopf eines Nilpferdes hervo dessen glänzend weiße Raffzähne aus dem Dämme des Raumes hervorleuchteten. Von der Decke hera hing eine türkische Moscheelampe, reich in Bronze g arbeitet und mit rubinrotem Glas verziert. Vor eine kleinen Tür war eine Portiere, auf deren rotem Sam das goldgestickte Siegel des Sultans prangte. Lilly konnte sich trotz ihrer Erregung dem myst schen Eindruck des ganzen Raumes nicht entziehen, hatte etwas Bedrückendes und zugleich Beruhigendes man hatte das Gefühl, hier konnte man nur leise fli stern. Ein feiner, aromatischer Geruch nach türkischer Tabak lag über allem. Ein Geräusch aus dem Nebenraum ließ sie au chrecken. „Lilly, Sie?!“ (Fortsetzung folgt.) eine soeben erschienene wertvolle kleine Schrift„Die Geflügelfeder und ihre wirtschaftliche Bedeutung“ deren Verfasser der Fachreferent für Geflügelzucht im Bundesministerium für Land= und Forstwirtschaft in Wien, Georg Wieninger, ist. Die besten Federn sind stets die„reifen“ Federn. Diese sitzen bei Beginn der Mauser nur noch lose und fallen von selbst aus oder werden den Tieren vor Eintritt des Federwechsels abgenommen, indem man sie „rupft“. Die vollkommen ausgereiften Federn ergeben eine sehr elastische und haltbare Ware, die als lebendiges oder Sommergut bezeichnet wird im Gegensatz zu dem Wintergut, das die geschlachteten Tiere liefern. In manchen Gegenden werden die Gänse nur zweimal im Jahre gerupft, im Juni und September, vielerorts aber auch drei= bis viermal im Jahre. Gute Zuchtgänse sollte man nur einmal im Jahre rupfen, junge zur Mast bestimmte Tiere aber überhaupt nicht. Zu beachten ist, daß die Federn vollgemästeter Tiere wegen ihres größeren Fettgehaltes leicht von Motten angegriffen werden. Eine kräftig genährte Rupfgans gibt jährlich etwa ein Halb Pfund Schließ= und ein Viertel Pfund Daunenfedern, zusammen rund 400 Gramm, während eine Schlachtgans durchschnittlich 140 Gramm Federn und oder Daunen liefert. Von flaumreichen Gänsen kann man in ähnlicher Weise wie vom Schwan ein Federpelzwerk gewinnen; hierzu werden die Deckfedern entfernt und der abgezogene daunige Balg einem Gerbprozeß unterzogen. Die Federn der Enten, besonders soweit es sich um die großen weißen Schläge handelt, bleiben vielfach hinter den Gänsefedern nur wenig zurück. Die riesigen Mengen roher Bettfedern, die China auf den Markt bringt, bestehen in der Hauptsache aus weißen und bunten Entenfedern. Sie dienen zum Füllen von Betten, zu Polstern, zur Herstellung billiger Daunen und zu Tapeziererarbeiten. Auch Hühnerfedern und Taubenfedern sowie die Federn wildlebender Vogelarten eignen sich zur Anfertigung von Bettwerk geringerer Qualität, zu Unterbetten für Kinder, zur Polsterung von Sesseln, Sofas usw. Diese Federn sind sehr schwer und die harten Kiele stehen durch die Bettüberzüge hindurch, wenn sie nicht in den Fabriken auf maschinellem Wege entferut werden. Die„Tatsache, daß der Mensch den dritten bis vierten Ten seines Lebens in Betten verbringt, berechtigt uns, gewisse hygienische Anforderungen an die Beschaffenheit und an die Behandlung der Bettfedern wie der Federbetten zu stellen. Die Füllung der Federbetten und Federkissen darf nicht zu reichlich sein, wie dies namentlich in ländlichen Kreisen geübt wird, da durch sch un und zu schwere Betten die Haut verweich.#av die Ausdünstung des Köpers verhindert wird. Ein Gebot der Gesundheitspflege ist es ferner, daß die Bettfedern nicht nur nach der Gewinnung, sondern in regelmäßigen Zeitabständen auch während des Gebrauches gereinigt werden. Es gibt heute vorzüglich konstruierte Maschinen, die die Federn nicht nur reinigen, sondern zugleich auch gründlich desinfizieren. Welche hohen wirtschaftlichen Werte unsere Federbetten darstellen, läßt eine von Wieninger vorgenommene Berechnung erkennen. Unter der Annahme, daß durchschnittlich jeder Einwohner ein Federbett besitzt, zu dessen Füllung im ganzen 5 Kilogramm Bettfedern nötig sind, ergibt sich für die Bevölkerung der ehemaligen, österreichisch=ungarischen Doppelmonarchie ein Gesamtgewicht von 2472 920 Doppelzentnern Bettfedern im Werte von 1 112 814000 Kronen. Unter Zugrundelegung der obigen Verhältnisse ergibt sich ferner, daß die Bevölkerung der Stadt Wien auf bezw. unter 106 626 Doppelzentnern Bettsedern schläft, die in Friedenszeiten einen Wert von mindestens 47 981 767 Kronen besaßen. Weit größer als man gemeinhin annimmt, ist die Bedeutung der Geflügelfedern für die Schmuckfederindustrie. Die letztere deckt nur rund 10 Prozent ihres Bedarfes von den wildlebenden Vogelarten. Ihre Hauptprodukte sind vielmehr Nachahmungen, die aus den Federn des Hausgeflügels hergestellt werden. In der Schmuckfederindustrie Oesterreichs, die vor allem in Wien ihren Sitz hat, waren vor dem Kriege etwa 20 000 männliche und weibliche Arbeitskräfte beschäftigt. Auf den Besucher derartiger Betriebe wirkt es geradezu verblüffend, wenn er sieht, wie aus den Federn unseres Hausgeflügels durch Prozeduren der verschiedensten Art wie Bleichen, Dampfen, Kräuseln und Färben schließlich Erzeugnisse gefertigt werden, die in ihrem Formen= und Farbenreichtum die wertvollste fremdländischen Arten vortäuschen. Schließlich sei noch einer Verwendung der Voge feder gedacht, die jahrhundertelang eine ungemei wichtige Rolle spielte, heute aber völlig außer Ge brauch gekommen ist, nämlich der Verwendung de Feder zu Schreibzwecken. Dieser gedenkt bereit Paulus Aegineta im 7. Jahrhundert. Von damals bi in den Anfang des 19. Jahrhunderts bildet die Gänse feder das hauptsächliche Schreibgerät der Kulturvölker Für Schreibzwecke brauchbar sind nur die fünf äußere Schwungfedern jedes Flügels von diesen wieder sin die zweite und die dritte am besten; ferner sind di Federn des linken Flügels allgemein höher geschätz da sie infolge ihrer Krümmung dem Schreibenden be quemer zur Hand sind. In der Regel bediente ma sich der Gänsefedern, doch fanden auch die Federn vo Schwan. Krähe, Adler, Eule und Truthahn Verwer dung. Die Schwanenfedern galten als besser und we ren daher auch teurer als die Gänsefedern, währen für das Ziehen seiner Linien die Krähenfedern vie benutzt wurden. Die Herstellung der Schreibfeder erfordert eine Reihe von Prozessen. vor allem zunäch die Erhitzung der Gäusekiele im Sandbad, woran sic die Entfernung der äußeren Haut anschließt. Solang die Federn noch warm und weich sind, können Ziermu ster und Firmenangaben eingestempelt werden. Durch die Erfindung der Stahlfedern sind die Gän sefedern bald völlig verdrängt worden. Die Fabrikan ten der letzteren sahen sich daher genötigt, nach neues Verwendungsmöglichkeiten für ihre Erzeugnisse zu su chen. Von besonderem Interesse ist das Vorgehen de Franzosen Bardin in Joinville=le=Pont bei Paris,## dessen Betrieb jährlich rund 20 Millionen Federn her gestellt wurden. Nachdem sich Bardin anfangs be müht hatte, dadurch mit den Stahlfederfabriken z konkurrieren, daß er aus jedem Kiel mehrere Feder: von der Gestalt der Stahlfedern schneiden ließ, war er sich bald auf die Anfertigung von Zahnstochern au Gänsekielen. Die hierbei abfallenden Federschäfte un Bärte wußte er gleichfalls in geschickter Weise auszu nutzen. Aus den Federbärten wurde eine Art geweb ter Decken hergestellt, während die Schäfte eine fase rige Substanz ähnlich den Schweinsborsten ergaben, di zur Fabrikation von Bürsten verwendet wurden. N 39 Juli „„R Tasen Autende. mit Führer durch die hiesige Geschäftswelt. Sonntag Th. Machens Uhren und Goldwaren aller Art Castrop, Münsterstr. 48. Schuhwaren-Häuser 0 D. R. G. M. N§ 39 Oefen u. Herde. in großer Auswahl. Zahlungserleichterung. Jagdmunition erstklassiger Fabrikate. Lager in sämtlichen elektrisch. Glühlampen „Osram“. Paul Schulz Eisenwaren Rauxel, Kaiserstrasse. Barmer Bankverein Hinsberg, Fischer& Comp. Castrop. Meine vollendete Ausstellung wirklich gediegener Qualitäts-Möbel ist aufgebaut für Jedermann und zwar von der einfachsten bis zur elegantesten Ausführung. Zwanglose Besichtigung empfehle ich im eigensten Interesse. 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