„ E Dis Galtroper Zalung ericheint töglich uf Gussahme der Sonn- u. Feierlogs und holtet durch die Bolen frei ins Haus Scrucht 30 Phg, pro Wonat. an Diohr. Büder 65 Plg, Spcstien und Retoctont Mcnionstnte 21. Celeion#. Celsion a. Drack und Verlog: Geschmister Schmitz in Gostrop. (Castroper Anzeiger.) Amtliches Organ für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Für die Redaklion serantworlich: P. Rissat ir. Constron. Amtliches Organ für die Stadt Lastrop sowie Amtliches Organ für die Remter Rauzel, Mengede und Bladenhorst. Verbunden mit„Dleueste Dachrichten“, amtliches Organ für das Amt Rauxel,„Volks-Zeitung“, Organ für Sodingen, und„Bladenborster Tageblatt“. Miie amtlichen Bekannimachungen der Stadt Castrop. der Remter Kauxel. Mengede und Bladenberst erlangen nach Veröstentlichung in ebigen Blättern rechtsverbindliche Kraft. Nr. 243. Castrop, Dienstag, den 20. Oktober 1914. 40. Jahrg. Frriche Vermania Scheriche del Meer!“ „Thalatta, Thalatta!“ Das Meer, das Meer!“ So schrie es einst im Altertum durch die Reihen der zehntausend Griechen, die unter Tenophon nach einer Irrfahrt von dreizehn Monaten von ihren Kriegszügen in Persien und Babylonien das Schwarze Meer erreichten.„Das Meer, das Meer!" Jeder brüllte es hinaus vor wahnsinniger Freude, jeder drängte sich vor, um es zu sehen, das Meer, das Ziel ihrer Wünsche, das sie unter unsäglichen Mühen und Gefahren gesucht und nun endlich gefunden hatten. Das Meer, das ihnen der sichere Bürge für eine glückliche Heimkehr in die geliebte Heimat war. Wohl mögen auch unsere braven Soldaten bei ihrem ungestümen Vordrängen im westlichen Belgien von dem heißen Drange beseelt gewesen sein, das Meer zu erreichen, den Ozean zu schauen, um welchen das habgierige Britannien seine schmarotzenden Geldsackkrallen geschlungen hält. Wie mögen sie geritten und gerannt sein, die Wangen rot von der frischen Brise, die ihnen eine Stunde weit schon die nahe See verriet! Und wie mögen ihnen, die so lange im ewigen Grau der staubigen Straße, der nassen Aecker, im schwelenden Pulverdampf und in Schutt und Trümmern marschierten, Augen und Herz aufgegangen sein, als das Meer in seiner ganzen erhabenen Größe vor ihnen lag, als die gekräuselte Flutwelle ihnen neckisch und mutwillig ein Halt gebot! Nein, das gibt es für die deutDas Element mag dem Fuße Aber der Reckenarm, den der bel an Ostendes Strand gegen das englische Eiland geschwungen, der wird auch den Ozean besiegen, von dem der britische Verbrecher träumt, daß er ihn der rächenden Vergeltung entziehen werde. Dasselbe Meer, das auf seinem breiten Rücken so manche englische Söldnerschar getragen, um fremde Völker zu unterjochen, dasselbe Meer, das solange Englands Joch geduldet, wird auch dem deutschen Arm dienstbar sein, um den habgierigen Schächer der gebührenden Strafe zu unterziehen Es wäre wirklich schade drum, wenn das Unheil, das der englische Verführer über unser benachbartes Belgien gebracht hat, vor den Pforten Englands Halt machte, wenn es nicht wie eine brausende und brandende Sturmwelle zurückflutete bis über den Herd der europäischen Konflikte hinaus. Was einem Napoleon, der doch sicher kein Kleiner war, nicht glückte, was ihm vorschwebte und nicht gelang, nämlich den Ring zu sprengen, den Englands Selbstsucht jahrhundertelang um Europas Brust geschlungen hat, das wird uns zu pollbringen beschieben sein. Johobundertetone! Ein Halt?!— sche Macht nicht. Einhalt gebieten. 16 vom Kriegsschaupfatz. Großes Hauptquartier, 19. Okt., vormittags.(Amtlich.) Angriffsversuche des Feindes in der Gegend westlich und nordwestlich von Lille wurden von unsern Truppen unter starken Verlusten für den Gegner abgewiesen.— Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist die Lage unverändert. Ein englisches Ohlerstebeer Vernichtei. Berlin, 19. Oktober.(Amtlich.) Das englische Unterseeboot„E 3“ ist am 18. Oktober nachmittags in der deutschen Bucht der Nordsee vernichtet worden. Der stellv. Chef des Admiralstabes: gez. Behncke. Der Vizenemg don Malen erhordei. Berlin, 19. Oktober. Die„Deutsche Tageszeitung“ erfährt aus Konstantinopel unter dem 17. Oktober: 10000 bewaffnete Hindus, die von den englischen Behörden mit Gewalt in die englische Armee eingereiht werden sollten, revoltierten in Kalkutta. Es entspann sich ein heftiger Kampf, über den Einzelheiten noch nicht vorliegen. Es heißt, daß der Vizekönig dabei ermordet worden ist. Drei aktive englische Bataillone passierten angeblich am 17. Oktober den Suezkanal auf dem Wege von Malta nach Indien. JJUes-Stall 206es-Nann-Verlast. Berlin, 19. Oktober.(Nicht amtlich). Die„Vossische Zeitung" meldet aus Wien: Sicherem Vernehmen nach geben die Russen ihre Verluste beim Sturm auf Przemysl, den sie durch Flatterminen erlitten haben, nicht auf 40000, sondern auf 70000 Mann an. Russische Zeitungen in Lemberg brachten diese Nachricht. In Lemberg selbst haben die Russen weniger Schaden angerichtet, als man anfänglich annahm. hat England die Mächte des Kontinents gegeneinander ausgespielt, sich zerfleischen lassen zu seinem Vorteil, ohne daß es mehr als seine„silbernen Kugeln“ einzusetzen hatte. Jahrhundertelang hat es von dem Blute Europas gesogen, wie ein Vampyr seine unglücklichen Opfer aussaugt. Jetzt endlich wird die Stunde schlagen, wo es Deutschland gelingen wird, die unbezwingliche Beherrscherin der Meere auf ihrem eigenen Grund und Boden anzugreifen und niederzuringen. Die Schranke ist durchbrochen, der Weg zum Meere ist offen, die diesseitige Küste ist frei. Nun heißt es: hinüber auf die„andere Seite". Der Drang zum Meere, dem Vermittler zwischen den Völkern der Erde, beherrscht auch das deutsche Volk, das Volk der Zukunft. Ostsee und Nordsee hat das deutsche Volk in den letzten Jahrzehnten befreit von fremden Eindringlingen und fremdländischen Einflüssen. Auch den Ozean wird es sich erobern. Es wird ihn frei machen von Krämern und Seeräubern. Wird ihn frei machen, daß sein breiter Rücken die Schätze der Erde allen Völkern vermittle, daß der ungehinderte Weltverkehr alle Güter allen Menschen nutzbar macht. Nicht unter dem Joche Deutschlands, sondern unter seinen schützenden Fittichen werden Europas Völker einstens die Segnungen des Friedens, die Früchte fleißiger Arbeit genießen. Und sie werden ihm dankbar sein, daß es mit Eisen und Schwert Europa von seinem Vampyr befreit hat. „Herrsche Britannia, beherrsche das Meer!" — So klang einst die Nationalhymne der Briten über die Stille des Ozeans, wenn ein deutsches Handelsschiff den Kurs des Engländers kreuzte. Heut steigt ein anderes Lied auf, und eine andere Melodei braust hinüber über die Wellen und Wogen. Und dieses Lied klingt gleich der Wacht am Rhein:„Herrsche Germania, beherrsche das Meer!“ Die 42er Krankheit in Paris. (Von einem Korrespondenten.) Paris, 18. Oktober. Nach dem Bekanntwerden des Falls von Antwerpen geht hier das Gespenst der Belagerung von Paris wieder um. Und zu dem Furcht verbreitenden Gespenst gesellt sich noch eine böse ansteckende Krankheit: die Mörser=Krankheit. Wie der Dieb in der Nacht schlich sich dieses Leiden in Paris hinein und nahm in wenigen Stunden epidemischen Charakter an. An der fleißigen Berta, am deutschen 42er=Mörser leidet heute halb Paris, morgen wird es ganz Paris sein. Das unnatürlich große Vertrauen in die Widerstandskraft der belagerten Antwerpener, die Spötteleien der Pariser Presse über die BelageDer Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Aug. König..70 „Es ist gut,“ sagte der Richter nach kurzem Nachdenken,„Sie können gehen.“ Graf Morray erkannte, daß ernun entlarot und alles für ihn verloren war: er begriff das nicht. Er konnte nur annehmen, daß Schreiber selbst ihn verraten hatte, um seinen Verpflichtungen sich zu entziehen; vielleicht lag diesem Manne nichts mehr an der Verurteilung des Barons,— vielleicht auch fand er es ratsamer, Partei für den Baron zu ergreifen, und die Ehrlichkeit seiner Absichten dadurch zu beweisen, daß er selbst den falschen Zeugen entlarbte. „Nun?“ unterbrach der Untersuchungsrichter den Gedankengang des Zeugen.„Wollen Sie bekennen, daß Sie der Mann sind, der in diesem Steckbrief beschrieben ist?“ „Der Bankier Schreiber ist ein elender Lump!“ fuhr Graf Morray auf. Der Richter wechselte mit dem Inspektor einen bedeutungsvollen Blick, sie hatten erreicht, was sie wollten. „Joseph Cundel, ich frage Sie, wollen Sie die Aussagen, die Sie vorhin gemacht haben, zurücknehmen?“ versetzte der Gerichtsrat mit gehobener Stimme.„Ich habe Ihnen den Eid noch nicht abgenommen, weil ich wußte, daß Ihre Aussagen falsch waren.“ „Und wenn ich es tue, werden Sie mich dann entlassen„.. in ummttsich, u. 2l.— 4i. „Ihre Entlassung ist unmöglich, da Sie an die Behörde, welche Sie sucht, abgeliefert werden müssen.“ „O. so verhaften Sie mich?" „Allerdings, und als verständiger Mann werden Sie einsehen, daß Sie dagegen nicht protestieren können.“ Graf Morran zog Zähne, sie gruben sich Spuren hinterließen. „So lassen Sie mich fortführen.“ die Unterlippe zwischen die so tief ein, daß sie sichtbare sagte er mit heiserer Stimme,„ich bin augenblicklich nicht im Stande, Ihre Fragen zu beantworten.“ Der Gerichtsdiener stand bereits an der Tür des Verhörzimmers: Graf Morray folgte ihm, ohne noch ein Wort zu verlieren. Als er auf den Korridor hinaustrat. fiel sein Blick auf den Verwalter, der ebenfauls zum Verhör geladen war. „Schurke!“ rief er, mit den Zähnen knirschend. „Sie und Ihr Sohn glauben mich betrügen zu können, ich werde kein Erbarmen mit Euch beidenhaben!“ Der Verwalter war im höchsten Grade bestürzt, er wollte eine Frage an ihn richten aber der Gerichtsdiener verbot es ihm, und der Verhaftete ging mit haßerfülltem Blick an ihm vorüber. Gleich darauf wurde der alte Mann ins Verhörzimmer beschieden, in völliger Verwirrung stand er vor dem Untersuchungsrichter. „Ist es Ihnen bekannt, daß dieser Graf Morray ein steckbrieflich verfolgter Abenteurer ist?“ fragte der Gerichtsrat scharf. Diese Frage verwirrte den Verwalter noch mehr, er hatte durch den unerwarteten Ausgang, den die Sache so plötzlich nahm, seine Fassung vollständig verkoren. „Nein,“ antwortete er mit unsicherer Stimme, „weun dem so ist, so glaube ich, daß mein Sohn viel an ihm verlieren wird.“ „Dafür hater Ihrem Sohne Dienste geleistet.“ „Davon weiß ich nichts.“ „Die Sache wird untersucht werden,“ sagte der Richter, ihn durchdringend anblickend.„es steht bereits fest, daß Ihr Sohn diesem Schwindler das Mittel zum Färben des Haares geliefert hat.“ „Auch davon ist mir nichts bekannt,“ erwiderte der alte Mann, der seine Fassung nicht wiederfinden konnte. „Nun. es wird sich ja herausstellen, ob und in welcher Weise dieser Abenteurer mit Ihnen im Bunde war,“ entgegnete der Richter ruhig.„durch die vorhin gemachten Enthüllungen hat die Untersuchung eine andre Wendung genommen; für heute ist das Verhör geschlossen.“ Ein befehlender Handwink verabschiedete den Verwalter, der gleich einem Trunkenen mit schwankenden Schritten hinausging. Der Inspektor trat aus dem Nebenzimmer wieder ein. „Die Schurken hatten kein schlechtes Netz um den jungen Baron gewoben,“ sagte er triumphierend.„Der Zufall kam ihnen dabei zu Hilfe; wäre dieser ungarische Graf nicht entlarvt worden, für die Freiheit und Ehre des Barons hätte ich kaum noch einen Heller gegeben.“ „Aber wo ist nun der Schuldige?“ fragte der Richter, der in dem großen Zimmer auf= und abwanderte.„Ich muß allerdings annehmen, daß die Aussagen des Angeklagten wahr sind, aber kann er nicht dennoch der Täter sein? Kanner nicht den Schuß auf seinen Vormund abgefeuert und dann die Blichse wieder geladen haben, um sie im Beisein des Zeugen nochmals abzuschießen?“ „Nein, das glaube ich nicht,“ erwiderte der Inspektor,„das setzt eine Ueberlegung voraus, die ich nur dem erfahrensten, kaltblütigen Verbrecher zutraue. Wollen Sie es nun einmal mir überlassen, eine andere Fährte zu suchen?“ „Welche Frist verlaugen Sie dazu?“ „Ich beginne helce noch, binnen zwei bis drei Tagen hoffe ich Klarheit zu haben, die Enthüllung muß rasch erfolgen, wenn die Untersuchung nicht im Sande verlaufen soll.“ „Gut, ich werde die Sache so lange aussetzen, bis Sie mir das Resultat Ihrer Bemühungen mitgeteilt haben. Sie haben wohl schon auf eine bestimmte Person Verdacht geworfen?“ „Keineswegs, ich habe mich ja mit dieser Angelegenheit noch nicht beschäftigt, ich werde also von vorne beginnen müssen. Vielleicht erfahren Sie morgen früh schon Näheres: es lohnt sich in der Tat der Mühe, die Lösung dieses Rätsels zu erfahren, die möglicherweise näher liegt, als wir glauben.“ Damit ging er hinaus, er traf den Verwalter noch im Korridor, der von seiner Bestürzung sich noch immer nicht erholt hatte. „Sie sind wohl Schreiber beim Herrn Untersuchungsrichter?“ fragte der alte Mann schüchtern. „Jawohl, weshalb fragen Sie?“ erwiderte der Inspektor kühl. „Ist die Unschuld des Herrn Barons bewiesen 32 „Hm, können Sie Angaben machen, die zur Entdeckung des Schuldigen führen?“ „Nein, so sehr ich auch meinen Herrn bedaure, kann ich doch an seine Schuldlosigkeit nicht glauben,“ antwortete der Verwalter, und der alte Haß sprach wieder aus jedem Zuge seines Gesichtes. „Was hat der ungarische Graf ausgesagt?“ „Sie wollen mich wohl aushorchen?“ spottete der Inspektor. „Ach was,— das kann man doch kein Aushorchen neunen! Es kommt mir auf ein Douceur nicht an, bester Herr. ich weiß ja, wie schlecht die Schreiber besoldet werden,“ fuhr er mit gedämpfter Stimme fort, indem er in seine Tasche griff. „Was Sie mir sagen werden, bleibt natürlich streug unter uns, ich will ja nur wissen, was—“ „Was Sie wissen wollen, das sind Amtsgeheimnisse, die streng zu wahren meine Pflicht ist.“ unterbrach der Inspektor ihn unwirsch.„Sie werden mich von dieser Pflicht nicht abwendig machen, so viel können Sie mir nicht bieten. Ihnen liegt wohl viel daran, daß der Baron verurteilt wirds: „Mir? Gott bewahre!“ rief der Verwalter mit erheuchelter Entrüstung,„ich verlange nur, daß den Schuldigen die gerechte Strafe trifft.“ „Wenn das Ihre redliche Absicht ist, dann bemühen Sie sich, den Schuldigen zu entdecken.“ „Nach meiner Ansicht ist er schon entdeckt.“ „Glauben Sie? Ich rate Ihnen, bringen Sie Ihre Bücher und Ihre Kasse in Ordnung, Ihnen gegenüber wird der Baron Dagobert von Darboren nach seiner Entlassung aus der Haft keine Rücksicht kennen.“ Der Verwalter stierte dem rasch von dannen schreitenden Manne voll Bestürzung nach. „Das war deutlich gesprochen,“ murmelte er. „für uns ist numn alles zu Ende“ 214.17 rungskunst der Deutschen, das Dogma von der Uneinnehmbarkeit der Scheldestadt und die seit Wochen genährte Vertrauensseligkeit gegenüber den offiziellen Schlußberichten hatten in den Parisern eine Selbstsicherheit großgezogen, die bereits zum Uebermut neigte. Heute ist mit der Verkündigung von dem Falle von Antwerpen die peinlichste Ueberraschung, an die Nerven gehende Verzagtheit und die Erkenntnis auch den gestern noch Sorglosen gekommen, daß Paris die Hauptgefahr von den entsetzlichen Mörsern droht. Man spricht jetzt von den„Zweiundvierzigern“ in demselben Tone, wie man von den Zeppelins gesprochen hat, als sie über Paris erwartet wurden. Ja, man hat in Paris heute Ursache, die fleißige Berta als das größere Uebel zu betrachten. Vor den Zeppelins wüßte man sich, wenns um und um käme, noch in den Kellern zu schützen. Aber die Zweiundvierziger machten in fabelhaft kürzester Frist alles dem Erdboden gleich. Und gar erst, wenn die Zweiundvierziger und Zeppelins zusammen wirken würden, wie sie das in Antwerpen getan haben! Kurz, man ist heute wieder so aufgeregt, so mutlos, oder noch aufgeregten und mutloser, als zu der Zeit, da die schrecklichen Ulanen 70 Kilometer vor Paris standen. Und schon beginnt man wieder, Paris den Rücken zu kehren. Es gab an allen Bahnhöfen, die nach dem Süden und Westen Züge laufen lassen, ein Drängen und Stoßen von Tausenden abfahrtbereiter Pariser, das an die skandalösesten Episoden während der letzten August= und ersten Septembertagen erinnerte, als die Regierung den allgemeinen Auszug aus der bedrohten Stadt in jeder Richtung begünstigte. Eben erst war man zu einer relativen Ruhe gekommen. Hunderttausende von flüchtigen Parisern waren in ihr Heim zurückgekehrt. Jetzt jagen sie wieder wie besessen davon, auf die bloße Schilderung von den verheerenden Wirkungen der 42er in Antwerpen. Ich stand auf der Gare de Lyon, als sich Familienväter um Fahrkarten gegenseitig blutig schlugen, und fragte einen der Kampfhähne, nachdem er seinem stärkeren Gegner das Feld geräumt hatte,„warum er es denn so eilig habe“.„Glauben Sie denn, mein Herr, ich werde warten, bis diese„Chiens de Berlin“ ihre verwünschten Mörser auf Paris richten?“ hauchte er mich an. Er war auch mit dem Hinweis nicht zu beruhigen, daß die Gefahr einer Belagerung nicht unmittelbar bevorstehe.„Ich habe mir Witz gekauft, lieber Herr“ antwortete er,„den Letzten beißen die Hunde. Oder glauben Sie, wenn das uneinnehmbare Antwerpen nicht standgehalten hat, daß denn Paris standhalten wird?“ Der Einzug der Deutschen in Antwerpen. „Newyork World" bringt eine Beschreibung des Einzuges der Deutschen in Antwerpen. Der Korrespondent sah ihn vom Balkon des amerikanischen Konsulats, das er nach der Flucht des Konsuls in Besitz nahm. Er war der einzige Zuschauer in der ganzen Stadt. Die steren einrückenden Truppen waren Radfahrer. Dann folgte eine Brigade Infanterie und verschiedene Feldbatterien. Diese zogen in schnellem Trabe durch die Stadt nach den Kais und schossen dort mit Granaten auf die belgische Nachhut, die auf der anderen Seite der Schelde flüchtete. Eine Kompagnie Infanterie ging über eine Pontonbrücke die in der Mitte von den Belgiern gesprengt war. Zwei Soldaten sprangen ins Wasser, schwammen über die offene Stelle und kletterten auf der anderen Seite der Brücke empor. Dort rückten sie vor, um das andere Ufer aufzuklären. Die Deutschen stellten in zwei Stunden eine Brücke her. Sodann zogen die Truppen ununterbrochen über den Strom. Der Hauptteil der Armee kam erst am Samstag abend an etwa 60 000 Mann wurden von Gene ral v. Schütz und Admiral v. Schröder inspiziert, die mit einem glänzenden Stabe zu Pferde vor dem Königspalaste standen. Die Truppen zogen fünf Stunden durch die Straßen. Die verlassenen Häuser widerklangen unter dem kräftigen Paradeschritt. Kompagnie auf Kompagniz und Regiment auf Regiment und Brigade auf Brigade rückte an. Die Augen begannen zu schmerzen beim Hinblicken auf die langen Reihen in Grau unter den glänzenden Stahlbajonetten. Die Truppen sangen die Wacht am Rhein und Eine feste Burg ist unser Gott. Jedem Regiment zog ein Musikkorps mit der Fahne voraus. Die Truppen bestanden aus jenen, die in den zwei letzten Wochen fortdauernd im Kampfe waren und 36 Stunden Tod und Verderben auf die Stadt schleuderten. Pferde und Geschirr waren gut, die Geschütze gut geputzt. Nach der Artillerie kam Kavallerie: Kürassiere, Husaren und Ulanen, dann Seesoldaten von der Marinedivision, eine Abteilung dunkelblaue bayerische Infanterie, hellblaue sächsische Truppen, Oesterreicher in Silbergrau. Eine Abteilung Gen darmerie in Silbergrün schloß den Zug. Alles weist darauf hin, daß die deutschen Truppen den Befehl hatten, die Bevölkerung mit großer Um sicht zu behandeln. Automobiltransporte zu den Truppen im Felde. Das Hinausfahren privater Automobiltransporte zu den Truppen im Felde ist künftig nicht mehr zulässig; sie werden nicht mehr über Lüttich hinausgelassen, sondern beschlagnahmt. Um die von Opferfreudigkeit und echt deutscher Gesinnung getragenen Bestrebungen der Behörden und Automobilbesitzer, Liebesgaben für die im Felde stehenden Truppen zu befördern und diesen dadurch Erleichterungen zu bringen, erfolgen diese Transporte nunmehr gemäß Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos des 7. Armeekorps, unter Führung und Bewachung von je einem Offizier mit beigegebenen Mannschaften. Sie unterliegen folgenden Bestimmungen: 1. Die Militär=Transporte fahren ab an jedem Dienstag aus Düsseldorf, an jedem Donnerstag aus Dortmund, an jedem Sonnabend aus Münster. 2. Die Transporte werden in Düsseldorf und in Dortmund durch die Landwehr=Inspektionen. in Münster durch das Generalkommando geregelt. 3. Für jeden Wagen ist möglichst nur ein Fahrer vorzusehen. 2 Personen können nur in Ausnahmefällen und auf besonderen Antrag zugelassen werden 4. Die an den Transporten teilnehmenden Personen fahren auf eigene Gefahr; sie stellen sich durch ihre Teilnahme unter den Befehl des Führers und stehen damit unter den Kriegsgesetzen. 5. Die teilnehmenden Wagen müssen mit einer einwandfreien Bereifung und dem üblichen Reservematerial an Decken und Schläuchen versehen sein. 6. Die Wagen sind für den jeweiligen Transport auf eine Reihe von Tagen zur Verfügung chen. V. Um die Liebestätigkeit nach Möglichkeit zu unterstützen, ist es sehr erwünscht, daß Automobilbesitzer, die bereit sind, den im Felde stehenden Truppen Liebesgaben in ihren Automobilen zuzuführen, sich den militärischen Transporten anschließen. 8. Anträge auf Teilnahme an den Fahrten sind frühzeitig an das Garnisonkommando zu richten unter Angabe, ob der Wagen leer oder bereits gefüllt, zur Verfügung gestellt wird, Bescheid erfolgt baldmöglichst. 9. Da es schwierig ist, auf der Fahrt Verpflegung zu beschaffen, werden für den Transvort, Konserven einfachster Art mitgenommen. Mitnahme von Lebensmitteln auf eigene Kosten wird anheimgegeben. 10. Für Unterkunft der Mitfahrenden sorgt das Generalkommando, desgleichen für die erforderliche Gestellung von Betriebsstoffen und Bereifung auf der Fahrt. Dortmund, den 17. Oktober 1914. Das Garnisonkommando. gez.: von Gersdorff. den Provinzen. * Unna, 19 Okt. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in Vaersthausen. In der elterlichen Wohnung hantierte ein 14jähriger Knabe mit einem Teschin, ohne zu ahnen, daß dieses geladen war. Das Gewehr entlud sich und die Kugel traf unglücklicherweise das fünfjährige Schwesterchen des Knaben ins Auge. Bereits auf dem vom herbeigerufenen Arzt sofort angeordneten Transport des Kindes zum Krankenhause trat der Tod ein. * Iserlohn, 19. Okt. Beim Svielen auf der Hauptstraße in Niederhemer stolperte die etwa 10 Jahre alte Schülerin Theresia Knüppel aus dem benachbarten Höcklingsen über das Straßenbahngleise und fiel so unglücklich gegen den Schienenraumer eines heranfahrenden Wagens, daß dem Kinde die Schädeldecke eingedrückt wurde. An den Folgen ist es im Krankenhause gestorben. * Münster, 18. Okt. Die Rektoratsübergabe an der Westfälischen Wilhelms=Universität gestaltete sich dadurch zu einem bedeutenden Ereignis, daß gleichzeitig mit ihr die neue evangelischtheologische Fakultät eröffnet wurde. An der Feier nahmen zahlreiche Vertreter der Behörden und viele geladene Ehrengäste teil. Zunächst leisteten die Professoren der neuen Fakultät dem Universitäts=Kurator, Oberpräsident Dr. Prinz von Ratibor und Corvey, den vorgeschriebenen Eid. * Herford, 19. Okt. In der letzten Stadtverordnetensitzung teilte der Erste Bürgermeister Busse mit, daß die Geschwister Weddigen hier aus Anlaß der Ehren, die die Stadt ihrem Bruder, dem Führer des U. 9, Kapitänleutnant Weddigen, zuteil hat werden lassen, der Stadt eine Stiftung von 30000 Mk. überwiesen hätten, die den Namen Eduard Weddigen=Stiftung(nach dem verstorbenen Vater des Seehelden, dem ehemaligen Ratsherrn der Stadt) erhalten soll, und deren Ertrag für die nächsten 20 Jahre für bedürftige Hinterbliebene der Krieger und dann zu wohltätigen Zwecken Verwendung finden soll. Dieses Vermachtnis wurde mit lebhaftem Danke angenommen. * Friedrichsfeld, 19. Okt. Aus dem Barackenlager flüchtete ein französischer Infanterist. Er kam auch bis Anholt, nachdem er sich unterwegs Im Gefangenenlager von Friedrichsfeld. Durch herbstlich flimmerndes Sonnengold enteilt der Zug und rollt über den endlos glitzernden Schienenstrang in die niederrheinische Landschaft, die sich endlos weit ausdehnt. Sieht man die fleißig gepflügten Aecker, die der Wintersaat harren, dann könnte man glauben, im tiefsten Frieden eine„Spazierfahrt" zu machen. Aber diese schöne Illusion zerfließt in ein Nichts, wenn man in Wesel ankommt. Dort ist alles auf Krieg gestimmt: nicht laut und redselig; aber es wimmelt von Soldaten, die mit ernsteentschlossenen Mienen des Rufes harren, zur Front zu eilen. Leicht findet man in dem schmucken Städtchen den Weg zum Dörfchen Friedrichsfeld. Die weite Straße ist bevölkert von tausend und abertausend Wanderern, alle dem einen Ziel zustrebend,— dem Gefangenenlager! Seitdem dies hier eingerichtet ist, hat Friedrichsfeld erst den„richtigen“ Ruf in den breitesten Volksschichten erhalten. Was war's denn früher? Nur ein Truppenübungsplatz, von dem die wackeren Infanteristen sagten:„Friedrichsfeld, ja Friedrichsfeld—— hat uns das Dasein oft vergällt!“ Heute ist es, wie gesagt, Gefangenenlager!! Das ist doch etwas anderes, wenn gleich das Gesamtbild in seiner Organisation fast wie sonst anmutet. Rechts der Chaussee ist das Truppenlager. Gradlinige, gut angelegte Wege durchqueren rechtwinkelig das weite Gefild, links und rechts flankiert von den Baracken für Mannschaften und Offiziere, deren Dächer durch's falbe Laub glänzen. Da gibt's außerdem noch Stallgebäude, Munitionsdepots, Lazarett, Kommandantur, Kasino und Bad; nicht zu vergessen Postund Telegraphenamt. Alles ist recht preußischpeinlich sauber, überall gute Beleuchtung, Wasserleitung und dergleichen mehr, so daß man sagen muß, unsere Grauen und Blauen sind hier nicht schlecht aufgehoben. Durch die Wache schlendere ich meines Weges und da sehe ich links der Chaussee sie weither leuchten, die roten Hosen, die roten Käppis, die mattbloven Müntel. Aüthr schlagt pochend bat Herz, als ich das Bild sehe; sind doch die Farben aus den ersten sieben Wochen des Feldzuges mir sattsam bekannt. Hab ich doch oft genug im eisernen Regen sie gesehen, von vorn—— und des öfteren„von achtern“. Es ist mir mit einem Male zu Mute, als hörte ich wieder Kommandoton, als hörte ich das girrende Pfeifen der Geschosse; als sähe ich wieder am lichten blauen Himmelsdom weiße Wölkchen stehen, Schrapnellwölkchen, aus denen sich klatschend der Bleihagel verstreut... Ich reiße mich los von dem Gedankenbild und sehe nun wieder dicht vor mir jenes verräterisch leuchtende, knallende Rot. Es bewegt sich nicht in jäh anspringender Schützenlinie, ist nicht in hastiger Sprung= und Fluchtbewegung. Langsam sieht man es in langer Linie einhergehen. Aus dem weiten Pantalon lugt ein Paar Lackschuhe! Ich denke: Ein Stutzer! Aber nein; immer wieder sehe ich solch schmucke„Hufe“. Ihre Träger hatten, scheint's, keine Zeit, die derben Soldatenstiefel anzupassen. Andere hinwiederum tragen diese. An ihrer mehr oder minder großen Sauberkeit erkennt man den, sagen wir, menschlichen Wert des Soldaten. Es sind welche unter ihnen, so adrett, daß man sich sagt: Ein sauberer Kerl. Kluge Augen, in seiner Bewegung etwas Kultiviertes. Wieder andere sind da, mit Strohgestreusel auf dem Rücken, unordentlich vom Kopf bis zur Sohle. Wild und verbissen blicken die Augen in finsterem Trotz. Die einen grüßen, der andere geht mürrisch und verdrossen Aber all das hilft nichts: Arbeiten müssen siel! Und da ich weiter wandere, sehe ich neu angelegte Straßen, die Gräben zur Seite peinlichexakt. Der erste Deckbelag wird aus Ziegelsteinresten geschaffen. Diese karren sie zur Arbeitsstelle, um sie dort zu verteilen. Und man muß gestehen: Sie arbeiten willig. Da sehe ich eine andere Gruppe. Im Garten wenden sie braune, schwere Schollen duftenden Erdreichs. Unter den Kappen hängen die Haare verschwitzt in die Stirn: macht nichts. Und sie legen Scholle zu Scholle.... Und wieder andere jah ich und mußte lächein. Sie waren an einer Latrine tätig, die just geleert werden mußte. Sie sahen gesund und rüstig in die Welt. Aber nicht gerade überglücklich. Einer griff an die Nase; der andere entwickelte buchstäblich Rauchwolken aus seiner Pfeife! Es half nichts; denn auch das ist nützliche, segenspendende Arbeit.— Und so sah ich allenthalben straffe Ordnung und Zucht, überall Arbeit.... Die Bewachung wird gestellt von Mannschaften der Landwehr 2. Aufgebots. Sie stehen am Eingang oder im Inneren des drahtgezäunten „Parkes“, der den Logiergästen von staatswegen als Quartier dient. Die Wache steht da mit scharf geladener Knarre und ein spitzes Bajonett darauf.„Zu fürchten haben wir nichts von denen da“, sagt mir ein Biedermann, dessen verschwindende Formen eines einst stattlichen Familien=Vater=Bäuchleins noch an„seliges Zivil“ erinnern.„Sie haben einen ganz heillosen Respekt vor dem da!"— Dabei schaut er schmunzelnd zur blanken Spitze seiner Waffe. Nun vergleiche ich und denke mir beide, den Wachtposten dort und da jenen jungen Mann vom ersten Linien=Regiment, in einen Zivilrock gesteckt. Unser Mann, wenn auch Familienvater, ist wieder Soldat geworden— und war Soldat. Jener aber— man wird's ihm kaum glauben, daß er noch Soldat ist. Und so bietet das Leben, das die 14 700 Gefangenen dort führen, immer neue Bilder. Die Baracken, in denen sie liegen, sind groß, luftig und warm. Jeder hat sein reichliches Strohlager und zwei Wolldecken. Im übrigen sind die Gefangenen nach Nationen getrennt. Der Hauptteil fällt auf die Franzosen mit 14 200 Leuten. „Die Rothosen sind gutmütige, willige Ludersch“ sagt mir der Begleitmann. Sie vertragen sich gut mit den Belgiern, die 312 Gefangene ergeben. Aber beide können den Engländer nicht „riechen". Immer wieder, wenn Beschwerden und Klagen kommen, ist Tommy derjenige, welcher. Und in der Tat, Tommy ist direkt„dick näsig“ im Vergleich zu den Welschen. Breitspurig geht er und verdrossen seiner Beschäftigung nach. Alle anderen grüßen: Tommy hat das nicht Zivilkleider beschafft und diese über die Uniform angezogen hatte. In Anholt wurde er von einem Beamten angehalten, und bei der Untersuchung fand man die rote Hose und den blauen Kittel. Er hatte auch ein deutsch=französisches Wörterbuch und einige Groschen deutsches Geld bei sich. Er wurde zurückgebracht. Es scheint, daß er unterwegs von Deutschen unterstützt worden ist. * Hamborn, 19. Okt. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zweier vollbesetzter Straßenbahnwagen der Kreis=Ruhrorter Straßenbahn ereignete sich hier. Zwei Personen wurden getötet, mehrere schwer verletzt. Der Unfall ereignete sich an einer Kurve. Mit großer Wucht fuhren die beiden Wagen in der Dunkelheit ineinander. Der Wagenführer Ahne war sofort tot. Einem auf dem Perron stehenden Bergmann wurden be Beine abgequetscht. Er starb kurz darauf. Die schwer Verletzten sind einige Frauen. Der Sachschaden beträgt mehrere tausend Mark. * D u i s b u r g, 1 9. O k t. A l s g e w e r b s m ä ß i g e r Hehler hatte sich der Althändler Ernst Weichel vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Er hatte Schüler fortwährend zu Metalldiebstählen angehalten und ihnen die Sachen abgekauft Er wurde zu 1 Jahr und 2 Monaten Zuchthaus verurteilt. — Berlin, 18. Okt. Der Bestand an erteilten Darlehen bei den Darlehnskassen betrug am 7. Oktober 1115,7 Millionen Mark, am 15. Oktober 1015,1 Millionen Mark; er hat mithin um 100,6 Millionen Mark abgenommen. Den gleichen Betrag hat die Reichsbank der Hauptverwaltung der Darlehnskassen in Darlehnskassenscheinen wieder zur Verfügung gestellt. Nach dem Status der Reichsbank vom 15. Oktober hat indes eine Abnahme des Bestandes an Darlehnskassenscheinen um 116,2 Millionen Mark stattgefunden Die Differenz von 15,6 Millionen stellt den Betrag dar, den die Bank dem Verkehr zugeführt hat. Wien, 19. Okt. Die„Neue Freie Presse" veröffentlicht Mitteilungen eines Portugiesen in hervorragender Stellung, aus denen hervorgeht, daß die Stimmung des portugiesischen Volkes durchaus eine friedliche ist. Die Behauptung, daß das portugiesische Volk den Krieg gegen Deutschland mit Begeisterung herbeisehne, sei eine starke phantastische Erfindung. — Mailand, 18. Okt. Die„Gazetta" empfing ein offiziöses Telegramm über Bodeaux, daß England die bewaffnete Hilfe Portugals für den jetzigen Krieg verlangte. Die portugiesische Regierung habe beigepflichtet und das Parlament berufen, welches ohne weiteres zustimmen würde Ueberall herrsche großer Enthufiasmus.(?) — Rom, 18. Okt. Die„Tribuna“ berichtet aus Paris: Tagen der Hoffnung sind Tage der Ungewißheit und Trauer wieder gefolgt. Die Schlacht an der Marne hatte die entsetzliche Furcht vor dem Anmarsch des Feindes auf Paris beseitigt. Obwohl niemand es offen zugibt, fürchtet jeder, daß der Kampf bei Arras unglücklich ausgeht. Nach dem Fall von Antwerpen steigern sich die Besorgnisse. Kein Zureden kann den Gemütern die Ruhe wiedergeben. Die Leute sind mißtrauisch und ungläubig geworden. Englands Beistand wird für ungenügend gehalten. Man weiß nicht, was die indischen Truppen machen. Der Generalstab hält geheim, daß sie in Lagern untergebracht, europäisch ausgebildet, im Schanzengraben unterrichtet werden und sich ans Klima gewöhnen missen. nötig!— Es war auf jeden Fall gut, daß man die„feindlichen Brüder" trennte. Viel traurige Gesichter sieht man nicht unter der Friedrichsfelder Gefangenenkolonie. Natürlich dürfte diesem und jenem die unfreiwillige Tätigkeit schwer fallen, aber im Großen und Ganzen machen die Franzosen und Belgier den Eindruck, als freuten sie sich, infolge der Gefangenschaft weit vom Schuß zu sein. Einige, es waren verheiratete Männer, bestätigen mir dies bereitwilligst. Wieder ein anderer erzählt, daß er beim Generalstab als Chauffeur gewesen sei. Er finde es einfach unverständlich, wie tollkühn die Deutschen nach vorwärts drängen; er für seine Person halte es für viel ungefährlicher, wenn man rück wärts gehe. Wie er, denken Viele.—— Und tatsächlich, sie haben's ganz gut. Täglich erhalten sie vom Fiskus aus ihre Materialien an Fleisch, Gemüse, Brot u. a. zugewiesen, bereiten es in eigenen Küchen(je eine für 1000 Mann); wöchentlich haben sie Badegelegenheit. Im Gottesdienst predigen ihre Geistlichen, die als„Soldaten", d. h. mit der Waffe gefangen genommen wurden, ihnen von christlicher Nächstenliebe, von„ora er labora“ und dergleichen mehr. Bewegung in reiner, staubfreier Luft täuscht ihnen bei einigem guten Willen einen „Luftkurort" vor—— mein Liebchen, was willst du noch mehr! Alle übrigen Wünsche erfüllt die Kantine, die den Franken zu 80 Pfennigen rechnet. Dort gibt's den unvermeidlichen Tabak, Limonaden usw., nur keine Alkoholika und Leckereien. Wer will's von ihnen besser haben?— Keiner! So gerne ich noch länger Zuschauer des farbenbunten Bildes gewesen wäre, die Zeit drängt und ich eile den Weg, den ich kam, zwischen tausend plaudernden Menschen zurück Und der Zug trägt mich wieder an den Stätten emsigsten Werkelfleißes vorbei, vorbei an rauchenden Schloten, surrenden Rädern und feuerglühenden Fenstern, hinter denen es dröhnt und poltert in nimmermüder Hast. Dort arbeitet man, wie überall im deutschen Land, einer glücklichen Zukunft entgegen! — London, 18. Okt. Nach dem„Daily Chro nicle" bleibt nichts weiter übrig, als die 100000 nach Holland geflüchteten Belgier nach England zu bringen oder Holland für ihren Unterhalt zu entschädigen. Das Blatt befürwortet entschieden letzteres, weil sie nicht für die Dauer in den wirtschaftlichen Rahmen Englands eingefügt werden dürften. Es wäre am besten, möglichst viele nach Irland zu schaffen. — London, 18. Sept. Die„Times“ gibt ein Verzeichnis von 109 Parlamentsmitgliedern, die in das Heer eintreten Es sind 85 Unionisten und 24 Liberale.— Das Blatt sagt nicht, wie viele sich davon auf dem Kriegsschauplatz befinden und wie viele zu Hause bei der regulären Armee und bei der Territorial=Armee stehen. Castrop und Umgegend. Castrop, 20. Oktober. Feldpostbriefe und Kriegswitzkarten. Vom stellvertr. Generalkommando des 7. Armeekorps geht uns folgendes zu: 1. Das Reichspostamt hat für Feldpostbriefe im Inlande eine wichtige Erleichterung getroffen. Wen es Unteroffizieren und Mannschaften nicht möglich ist, behufs Portofreiheit ihre abzusendenden Briefe als„Feldpostbriefe" beglaubigen zu lassen, so dürfen sie die Briefe auch ohne Beglaubigung unfrankiert dem Briefkasten übergeben. 2. Noch immer gelangen Feldpostbriefe mit falschen Adressen zur Auflieferung. Die richtige Angabe von Armeekorps, Division, Brigade, Regiment, Bataillon, Kompagnie ist unerläßlich. Jede Sendung muß auch mit Namen und Adresse des Absenders versehen werden. Bei Truppenteilen, die einem Armee=Oberkom, mando unmittelbar unterstellt sind genügt die Angabe des Truppenteils und die Nummer der Armee. Dasselbe gilt für die Etappeninspektionen. Willkürliche Namensbezeichnung, wie Abt. Oberst., kann von der Post nicht berücksichtigt werden. Landsturmformationen sind nach ihrem Aufstellungsort unter Zusatz des betreffenden Generalkommandos zu bezeichnen, z. B.„Landsturm bataillon München vom 7. Armeekorps". In der ungenügenden Beachtung vorstehender Bestimmungen liegt ein Grund zu den zahlreichen Klagen über das Nichteintreffen von Nachrichten aus der Heimat. 3. Das Gleiche, wie von den würdelosen „Kriegswitzkarten“ von denen die Bekanntmachung vom 8. Oktober, II d Nr. 494, handelt, gilt auch von den in vielen Buch= und Papierhandlungen ausliegenden Ansichtskarten mit Abbildungen zerschossener feindlicher Orte. Auch sie sind in hohen Grade unangebracht; nur ein rohes Gemüt hat an ihnen Gefallen. Kommt es obendrein dem, den es angeht, nicht auch zum Bewußtsein, daß solche Karten feindlicherseits als Belege für deutsche„Greuel“ herhalten müssen? Also fort mit ihnen! bezw. den Druckern dem Kriegsministerium. Pressereferat zur Prüfung vorgelegt werden müssen. Das Kriegsministerium hat ferner angeordnet, daß die Auslagen der Geschäfte, die Ansichtskarten führen, daraufhin zu überwachen sind, daß anstößige und geschmacklose Ansichtskarten jeder Art nicht ausgestellt werden. Es dürfte zu hoffen sein, daß auf diese Weise die großen Mißstände, die sich in der Ansichtskartenindustrie allmählich herausbilden zu wollen scheinen, unterdrückt werden. * D i e L e b e n s m i t t e l e i n f u h r a u s H o l l a n d i s t licht, wie vielfach angenommen, aufgehoben, sondern nur beschränkt. Es dürfen Lebensmittel aller Art aus 24 holländischen Gemeinden, für welche der Ausnahmezustand erklärt ist, nicht ausgeführt werden, in den anderen Gemeinden ist mit Ausnahme bestimmter generell verbotener Lebensmittel die Ausfuhr frei. So kommt es, daß wir nach wie vor Gemüse, Kartoffeln und Obst aus Holland beziehen können. Eine Stokkung in der Ausfuhr trat in der letzten Zeit nur deshalb ein, weil das Eisenbahnmaterial fehlte; iese Stockung ist wieder beseitigt. a; Verein ehem. 16er Castrop. Die letzte Sitzung des Vereins wurde vollständig mit Berichten der einzelnen zur Ausführung der freiwillisen Liebestätigkeit zur Unterstützung der Jamiien der im Felde stehenden Kameraden gewählen Vereinsmitglieder ausgefüllt. Der Verein kann mit Befriedigung auf seine bisherige diesbezügliche Tätigkeit zurückblicken. Eine freiwillige Gabensammlung bei den nicht eingezogenen Mitgliedern ergab ein derartig schönes Resultat, daß sämtliche hilfsbedürftige Familien eine Unterstützung erhalten konnten. Außerdem erhielt jeder zur Fahne einberufene Kamerad ein Paket mit Liebesgaben zugesandt. Ein größerer Berag, der der Vereinskasse entnommen ist, soll dazu dienen, die Unterstützungen nach Bedarf fortzusetzen. Ebenfalls wurde ein Betrag an den Verband der Vereine ehem. 16er von Rheinland und Westfalen abgeführt für Liebesgaben an das Linienregiment sowie die Ersatz= und Landwehrregimenter Nr. 16. Ca. 50 Kameraden des Vereins stehen im Felde. Allen Gebern herzlichen Tank. Der Verein richtet nochmals die Bitte an die Familie der einberufenen Kameraden die noch fehlenden Adressen unverzüglich dem Vorstand bekannt zu geben. Gewerbe= und Kaufmannsgerichte. Die Amtsdauer der Beisitzer der Gewerbegerichte und der Kaufmannsgerichte ist durch einen Beschluß des Bundesrats bis zum 31. Dezember 1915 verlängert worden. Es gilt dies insoweit, als das Amt vor dem 31. Dezember 1915 abläuft und die Neuwahlen nicht schon stattgesunden haben. * Bekanntmachung. Aus allen Schichten der Bevölkerung meines Korpsbezirkes gehen mir fortwährend Klagen darüber zu, daß die Kartoffelpreise, insbesondere im Kleinhandel, eine abnorme Höhe(stellenweise 5 Mk. und darüber) erreicht hätte, ja daß sogar vielfach Kartoffeln überhaupt nicht zu kaufen wären, weil die Produzenten in Erwartung noch höherer Preise die Ware zurückhielten. Desgleichen wird vielfach auch über viel zu hohe Preise für Brotgetreide, Mehl und Hülsenfrüchte geklagt. Um diesen, namentlich für die ärmeren Klassen so schädlichen Preistreibereien entgegenzutreten, halte ich die Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln in denjenigen Bezirken, in denen solche Mißstände vorliegen, für dringend notwendig. Ich habe deshalb die zuständigen Regierungspräsidenten ersucht, umgehend das Erforderliche auf Grund des Gesetzes vom 4. 8. 14 zu veranlassen. Sodann weise ich zur Warnung der Verkäufer auf § 2 des genannten Gesetzes hin, welcher lautet „Weigert sich trotz Aufforderung der zuständigen Behörde ein Besitzer von Gegenständen, sie den festgesetzten Höchstpreisen zu verkaufen, so kann die zuständige Behörde sie übernehmen, und auf Rechnung und Kosten des Besitzers zu den festgesetzten Höchstpreisen verkaufen, soweit sie nicht für dessen eigenen Bedarf nötig sind.“ Der kommandierende General. Frhr. v. Bissing, General der Kavallerie. * Nachrichtenstelle für Gefangene in England. Nach einer Mitteilung der Berliner Botschaft der Bereinigten Staaten ist die Adresse der Nachrichtenstelle für Kriegsgefangene(the Prisoners of War) Informations=Bureau in London 49 Wellingtonstreet=Strand. An diese Adresse können Briefe für deutsche Kriegsgefangene in Eng. land gesandt werden. * Gegen die geschmacklosen Kriegskarten. Um der Ausstellung und Verbreitung geschmacklöser und roher Kriegsansichts= und Witzkarten en gegenzuwirken, hat das bayerische Kriegsministerium bestimmt, daß alle Ansichtskarten, welche auf den Krieg oder auf Heeresangelegenheiten bezügliche Abbildungen enthalten, bevor sie zur Verbreitung kommen dürfen, von den Verlegern Neue Kämpfe zwischen Russen und Kurden. die nachstehende Erklärung der GemeindebehörKonstantinopel, 19. Okt. Heute Nacht hier den zu beachten. Der Gouverneur von Antwerpen: Frhr. v. Huene. Tarauf folgt die Kundgebung, die vom Bürerneister und vier Gemeindeschöffen in Ueberustimmung mit der internationalen Komis* Fsttarung###n Hie#ffem c:, sion aufgestellt worden ist. In dieser Kunddie Erbitterung gegen vie Russen noch gesteigerl.(gebung wird der Bevölkerung vorgeschrieben, sich Nach dem„Tanin“ wurde die erste Erhebung aller Feindseligkeiten und Beleidigungen gegen des Kurdenstammes Kardar gegen die Russen das deutsche Heer zu enthalten, dadurch veranlaßt, daß die Russen das Dorf Goni] gin a:„hant durch Artilleriefeuer zerstörten und eine großer. Ein Korresponvent des„Preggestatterdanz sschen Courant“, der die ganze Lestmegung und eingetroffene Telegramme aus Wan melden neue Kämpfe zwischen Kurden und Russen in der Nähe von Darghevar. Die Russen wurden geschlagen und ergriffen die Flucht. Im Urmia herrscht Panik. Infolge der Verhaftung des Chefs des kurdischen Stammes Zerza hat sich Anzahl von Einwohnern ermoroeten. Der belgische Jahrgang 1914 wird zu den Fahnen einberufen. Mailand, 19. Okt. Dem„Berl. Lok.=Anz.“ wird von hier aus gedrahtet: Die belgische Gesandtschaft in Vordeaux veröffentlicht die Einberusung zu den Waffen des Jahrganges 1914. Die Belgier im Alter von 16 bis 30 Jahren können sich für die Zeit des Krieges zu den Waffen melden. Beide Kategorien, sowie diejenigen Soldaten, welche ihre Regimenter verloren haben, können sich in Royen oder in Bordeaux stellen. Einnahme Antwerpens in nächster Nahe mitmachte, meldet interessante Einzelheiten über die Art der Verteidigung und das Verhältnis zwischen den Belgiern und Engländern. Am 7. Oktober, so berichtet er, erreichte ich durch am Wege lagerndes Militär hindurch das Fort Nr. 4 der inneren Linie, zwischen Willryck und Mortsel. Dort stand hinter dem Eisenbahndamm eine belgische Batterie, in der Nähe ein mit ihr telephonisch verbundener Aufklärungsposten. Als ich eintraf, ruft man 2500 Meter und sechs Schüsse fliegen über den Bahndamm. Der Offizier, dem ich mich anschließe, klagt über das schlechte Material. Man schießt mit schwarzem Pulver! Nach jedem Schuß muß von neuem gerichtet werden. Rechts Warschau vor der Einschließung. donnert eine französische Batterie, links ein Berlin, 19. Okt. Der„Nationalzeitung“ wird larmierter Zug. Auf gepanzerten Lastautomobiaus Krakau gedrahtet: Die Zeitung„Kuryerslen kommen englische Matrosen daher. Das VerCodzienny“ meldet: Die städtischen und Staats=hältnis zwischen ihnen und den flämischen Trupbeamten in Warschau haben den Befehl erhalten, spen ist nicht freundlich. in dem Falle, wenn die deutschen Truppen 30 Vom Kriegsscheuplatz. der sind auch dem Kilometer vor der Stadt sind, Warschau zu verlassen und nach Petersburg zu flüchten. Die Beamten sind schon bereit, jede Minute die Stadt zu verlassen. Die Bevölkerung Warschaus wurde aufgefordert, sich schleunigst schon jetzt aus der Stadt zu entfernen, weil die Festung, wie der Militärkommandant von Warschau durch Anschlag bekannt gibt, mit allen Mitteln und bis zum Aeußersten verteidigt werden wird. Am letzten Sonnabend zeigten sich südlich von Tschenstochau hinter Radom zwei Zeppeline, die von den Russen erfolglos beschossen wurden. Der mißlungene Plan der Russen. London, 19. Okt.(Nicht amtlich.) Der miliAlerlei. Wie die Engländer die belgischen Flüchtlinge aufnehmen. Zur Ueberführung belgischer Flüchtlinge nach England hatte die Regierung eine Anzahl Marinetransvortschiffe ausgesandt.„Allein am onnerstag wurden—10 000 Flüchtlinge ausgeschifft.„Daily Chronicle" bemerkt zur Frage der belgischen Flüchtlinge in England, daß die Belgier die englischen Arbeiter nicht überbieten dürften. Sie würden am besten überhaupt nicht angestellt und dürften nicht für die Dauer in den wirtschaftlichen Rahmen Englands eingeführt Englische Offiziere im russischen Hauptquartier. Berlin, 19. Okt. Die„Nationalzeitung“ meldet aus Bukarest: Wie der Militärkritiker Petersburger Börsenzeitung“ meldet, einige englische Offiziere, unter anderem General Hanburg=Williams, als Attachee russischen Hauptquartier zugeteilt worden. Militär= und Flottenkonvention zwischen Amerika und China. Basel, 19. Okt. Nach Meldungen aus russischer Quelle teilen die„Baseler Nachrichten“ mit, daß China und die Vereinigten Staaten in Form eines Schiedsgerichtsabkommens eine Militärund Flottenkonvention von großer Tragweite ab. geschlossen haben. Beide Staaten sollen sich verpflichtet haben, ihre militärischen Rüstungen im gegenseitigen Einverständnis durchzuführen. Auch über Verstärkungen in Heer und Marine sollen gemeinsame Beratungen stattfinden. Ebenso sollen sich beide Staaten über Verbesserungen auf militärischm Gebiete gegenseitig unterrichten. Joffre kann nicht länger warten. Berlin, 19. Sept. Dem„Lok.=Anz.“ wird aus Genf gedrahtet: Der Widerstand der Verbündeten gegen den deutschen Angriff bei Ypern war gestern derart abgeschwächt, daß die heutige Frühnote des Generalstabes vorzieht, über die Affäre zu schweigen. Die von Süden und Westen gegen Lille unternommenen Bewegungen vollziehen sich mit äußerster Vorsicht aus Besorgnis vor deutschen Ueberraschungen. Joffre braucht nach einer Pariser Privatmeldung noch etwa fünf Tage, um die Armee zum gleichzeitigen Losschlagen an allen wichtigen Punkten der Front zu befehligen. Gleichviel ob bis dahin Ypern sich hält oder nicht, ob die Deutschen aus Belgien über Courtrai Verbindung mit ihrem rechten Flügel erreichen. Joffre kann nicht länger warten wegen der deutschen Bedrohung der Küste. Die Schlacht an der Aisne. Berlin, 19. Okt. Dem„Berl. Tagebl.“ wird aus Rotterdam gemeldet: Der Korrespondent der „Times“ in Bordeaux meldet: Man darf die Schlacht an der Aisne als unentschieden ansehen. Der Schwerpunkt ist in den Norden verlegt. den Ardennen hat es geschneit. Zur Zeppelinfurcht in London meldet einer Privatinformation der„Gazetta der Popolo“, daß deutsche Zeppeline und Unterseeboote, die durch Funkentelegraphie mit einander verbunden sind, Angriffe auf die englische Küste und die Flotte Englands planen. Die Nachricht zeigt jedenfalls die schon jetzt in London herrschende Panik. Deutschenhaß in London. Amsterdam, 19. Okt. Das„Handelsblad“ meldet aus London vom 18. Oktober: Die Polizei drang gestern in das Wiener Cafe in der New=Orfordstraße und verhaftete etwa 20 deut sche Kellner. Die Volksmenge zerstörte eine Anzahl Läden in der Highstreet, die Deutschen gehörten. Erst nachdem die Polizei Verstärkungen erhielt, gelang es, die Ordnung wieder herzustellen. tärische Mitarbeiter der„Morningpost“ schreibt, werden. Die Flüchtlinge sollten auch von den es sei klar, daß im Osten die Entwicklung nicht söstlichen Grafschaften und den Kanalhäfen fernganz erwartungsgemäß vonstatten gehe. Die lgehalten werden. Schlacht, die in der Nähe von Krakau erwartet grange, ing### worden wäre, sei viel weiter östlich geschlagen] Prophezeiung eines brasilianischen Blattes. worden. Die Russen, die zu Beginn des Krieges] Die in Sao Paulo erscheinende„Gazeta do die Offensive ergriffen hätten, seien dazu genö= Pavo“ sagt zum Schluß einer Würdigung des tigt worden, diesen Vorteil aufzugeben und dem großen Aufschwunges, den das Deutsche Reich in Gegner den Angriff zu überlassen. Die vor- lden letzten 44 Jahren genommen hat:„Vielleicht rückenden deutschen Truppen seien aus diesem ist der Tag nicht mehr fern, an dem England, Grunde imstande gewesen, die Weichsel ohne Wi= nachdem es Frankreich zerschmettert am Boden derstand zu überschreiten. Der Mitarbeiter be=sliegen sieht, erkennen muß, daß der imperialistimerkt weiter, die Bedeutung von Przemysl tretesche Traum eines Cecil Rhodes zerronnen und jetzt zu Tage und es sei bedauerlich, daß es nicht daß es selbst auf dem Punkte angelangt ist, auf gelang, die Festung zu nehmen. dem sich Karthago vor seinem Falle befand.“ Die Lage in Autwerpen. Berlin, 19. Okt. Der„Deutschen Kriegszeitung“ wird aus dem Haag gedrahtet: Aus Von den Motor=Mörsern. Ein zurzeit in Wien weilender Offizier der österreichischen Motor=Mörserbatterien schildert im Neuen Wiener Tageblatt seine Erlebnisse und Antwerpen telegraphiert der Korrespondent des Eindrücke seit Beginn des Krieges. In begeister„Nieuwe Rotterdamsche Courant": Antwerpensten Worten berichtet er von der jubelnden Belebt wieder auf. Die Regimentsmusik der grüßung, welche die österreichische Mannschaft bei Marinetruppen machte auf dem Marktplatzelder Fahrt durch Deutschland auf allen Stationen Morgenmusik, und es wimmete auf Plätzen undfand Tiefen Eindruck auf die Soldaten machte straßen von Antwerpenern, die im Sonntags=das Telegramm, welches der Kommandant der staat und mit frohesten Gesichtern einen zufrie= Batterie in Köln von Kaiser Wilhelm erhielt, denen Eindruck machten. Der Straßenverkehr worin der Kaiser die österreichischen Kameraden nimmt stündlich zu. Ebenso entfaltet sich wie laufs wärmste begrüßt und ihnen Erfolg wünscht. der das Geschäftsleben. Der innere Gürtel der Der Offizier gibt dann eine ausführliche DarForts ist nicht besonders beschädigt. Sie werden stellung von der Tätigkeit der Batterien vor Naschleunigst wieder hergestellt.. lmur, Givet, Maubeuge und Antwerpen und von Der Ab##.####ischen Peste nach Huning#nden außerordentlichen Erfolgen, welche im BeDer abzug der beigischen Resie nuch Duntiraen, richt des Großen Generalstabs auch rühmend herRotterdam, 19. Okt. Der Kriegskorrespondent vorgehoben wurden. des„Nieuwe Rotterdamschen Courant“ meldet: Das deutsche Heer, das Antwerpen belagerte, marschiert auf verschiedenen Straßen in der Richtung auf Dünkirchen, das von den Franzosen besetzt und befestigt wird. Südlich von Dünkirchen befindet sich eine belgische Armee, Wie die Engländer in Antwerpen hausten. Mittcilungen von den auf holländischem Gebiet gefangen genommenen belgischen Soldaten der Antwerpener Verteidigungsarmee bringen nach der Deutschen Tageszeitung die Montagsderen Ueberbleibsel Donnerstag angekommen blätter: sind. Der Abzug glich einer Flucht. Sie war] Die belcischen Gefangenen äußern sich in Worohne jede Verbindung mit dem Teil der Armec,##en schwerster Vorwürfe gegen die Engländer, die die vor der Besetzung Antwerpens nach Ostende nach den Versicherungen des Antwerpener Konkam und sich nach Boulogne verschifft hat. Die=(mandanten mit einem Ersatzheer von 120000 ser soll dort reorganisiert werden, um an den Mann schon vor acht Tagen eintreffen sollten, fen auf dem französischen linken Flügel während kaum 25 000 englische Truppen hereinsKrehrene gebracht wurden. Nicht die Belgier, sondern die Engländer hätten als erste die Flucht ergriffen, als die schweren deutschen Geschosse eine Anlage nach der andern zusammenschossen.„Nieuwsblad“ erfährt von belgischen Verwundeten, daß König Albert schon drei Tage vor dem Fall Antwervens die Stadt verlassen hatte, aber in Begleitung des englischen Kommandanten von Ostende nach 24 Stunden wieder in die Stadt zurückkehrte. Die einzige Tätigkeit der Engländer habe in der systematischen Vernichtung aller Lebensmittelvorräte Antwerpens bestanden, so daß selbst der Bürgermeister und der belgische aus Rosensaur: Der benische Sbaverneur von Kommandant dagegen Einspruch erhoben, ohne Antwergen zut fvimeur:.au=gebung anschlagen fehle des belgischen Befehlshabers noch überhaupt „„ um irgendwelche belgische Anordnungen kumIch habe den Kriegsoberocsen uver Antwerpen merten, an ihrem Vernichtungswerk hindern zu übernommen und hoffe, daß die Einwohner der lkönnen. Die großen Konservenfabriken wurden Stadt sich nicht durch Feindseligkeiten, welcher von den Engländern ohne jede Ermächtigung von Art es auch sei, hinreißen lassen. Sollte mein belgischer Seite eingeäschert. Man schätzt, Vertrauen, daß ich der Bevölkerung entgegen=!„Nieuwsblad“ zufolge, den Gesamtbetrag der von bringe, getäuscht werden, so werde ich nicht lden Engländern vernichteten Werte an Lebenszögern, die allerstrengsten Kriegsmittel anzu= mitteln in Antwerpen auf etwa 200 Millionen wenden. Es liegt im Interesse der Bürgerschaft,(Franken. Kämpfen teilzunehmen. Krise im englischen Marineamt. Die Berliner Zeitung„Die Zeit“ meldet: Wie aus sehr zuverlässiger Londoner Quelle gemeldet wird, hat der Erste Lord der englischen Admiralität Churchill noch einer stürmischen Ministerratssitzung seine Demission gegeben. Die Nachricht hat unter der Londoner Bevölkerung großer Eindruck gemacht. Kundgebung des deutschen Gouverneurs von Antwerpen. Berlin, 20. Okt. Die Morgenblätter berichten losendaal: Der deutsche Gouverneur rhen hat folgende Kundge lassen. Aufral. Der Winter naht! Mit jedem Tage steigt die Nachfrage nach warmen Kleidungsstücken von seiten der Familien, die ihren Ernährer im Felde haben und unserer Sorge und Hilfe vertrauen. Der Not gehorchend und dem eigenem Trieb, hat der„Vaterländische Frauenverein“, sich entschliessen müssen, der Beschaffung von neust und getragener Kleidung und ihrer Weitergabe an hilfsbedürftige Familien seine ernste Sorge zu widmen. Es ergeht daher an alle Geschäftsinhaber und Haushaltungsvorstände die dringende Bitte, in ihren Vorräten Umschau zu halten und alle diejenigen neuen und getragenen Kleidungsstücke, die entbehrt werden können, während der Geschäftsstunden(Nachmittags von—6 Uhr) in dem in der Höheren Mädchenschule eingerichteten Lager abzugeben. Besonders gewünscht werden Kinderkleider, Kinderwäsche, Knabenanzüge, Unterzeug und Schunwerk; aber auch für alle anderen Sachen findet sich passende Verwendung. Wir erbitten und erwarten allseitige Unterstützung. Doppelt gibt, wer schnell glbt. Castrop, im Oktober 1914. Der Vorstand des „Vaterländischen Frauenvereins Castrop-Zauxe!“. .... " Zuschneide-Kursus. * e Montag, den 26. Oktober or., eröffne ich## * Anmeldungen werden von Frau Dräger, Wirtschaft# Monggol und im Geschält. J. Ortmann, Widumerstr. 16 0 echon selat entgegen. in Castrop,„Wirtschaft Monopol“, Münsterstr. 5 einen Zuschneide-Kursus. Durchaus wichtig für alle Kreise, besonders für Schneiderinnen. Damen, welche bei mir das Zuschneiden gelernt haben, brauchen für die Meisterprüfung keinen Extra-Zuschneide-Kursus mehr durchzumachen. Elise Rose aus Witten, von der Königl. Regierung in Arnsberg und der Handwerkskammer in Dortmund bestätigte Lehrerin für Zuschneideschule. Die auf den Prand- Versteigerungen nicht verkauften Sachen, wie „ Anzüge, Ueberzieher, Joppen, Hosen, Röcke. Frauen- Kleider Jacken, Taillen, Mäntel etc. etc. Bettel. Ober- und Unterbetten, Kissen und Pfühle. Ullren Taschen-Uhren, Regulateur-Uhren, Preischwinger. 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An diese darf Branntwein verkauft werden, und sie dürfen Branntwein verkaufen, letzteres aber nur zum augenblicklichen Genusse. Der sog. Verkauf über die Straße ist also verboten.“ Die Polizeibehörden sind angewiesen, strengstens auf die Durchführung des Verbots zu achten und Zuwiderhandlungen umachsichtig zur Bestrafung zu bringen. Castrop, den 19. Oktober 1914. Die Polizeiverwaltung: Wynen. Bekanntmachung. Damit Reisende an der holländischen Grenze auf dem Wege von bezw. nach Deutschland, keine Schwierigkeiten haben, ist es unbedingt nötig. einen Paß, oder sonst geeigneten Persönlichkeitsausweis, der einen behördlichen Stempel und bei Reisenden, die aus Holland kommen, außerdem die Visierung eines deutschen Konsuls trägt, bei sich zu führen. Das gilt auch für Frauen, die deshalb auf die Mitführung eines gültigen Ausweises besonders aufmerksam gemacht werden. Die Grenzüberwachungsstellen können Ausnahmen nicht zulassen. Münster, den 25. September 1914. Der kommandierende General: Freiherr von Bissing, General der Kavallerie. Potizei Verdronung. Auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850 wird für die Gemeinde Bladenhorst nach Anhörung des Gemeindevorstandes unter Aufhebung der Polizei=Verordnungen vom 24. Februar 1893 und 1. September 1894 folgende Polizei=Verordnung erlassen: § 1. Die Haupteingänge der Wirtschaften sind von Beginn der Dunkelheu bis zur Polizeistunde bezw. bis zur Beendigung des Verkehrs von Gästen von und nach der Wirtschaft durch eine hellbrennende Laterne zu beleuchten. § 2. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden mit Geldstrafe bis zu 9 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft. :§ 3. Die Verordnung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Bladenhorst, den 17. Sextember 1914. Die Polizei=Verwaltung: gez: Freißerr von Weichs zur Wenne. Habinghorst an gutgelegener Straße, ist per sofort ein schönes U (für jedes Geschäft geeignet) nevst Zimmer zu vermieten. Refl. werden gebeten, Offerte an die Expedition dieser Ztg. abzugeben. Abgeschr. Etage von 5 Zimmern per 1. oder früher zu vermieten. J. Röllmann, Bahnhof Rauxel. Weisser Terrier-Hund mit einem schwarzen Flecken auf dem Rücken u. am Kopfe, seit Freitag entlaufen. Wiederbringer erhält hohe Belohnung. J. Röllmann, Bahnhof Rauxel. 19. für 2 bis 3 Wochen zum Milchfahren gesucht. Näheres in der Geschäftost Bekanntmachung. Am Mittwoch, den 21. Oktober, mittags 12 Uhr, werde ich beim Wirt Breidenbroich in Börnig 42 Flaschen Wein öffentlich meistbietend zwangsweise gegen Barzahlung versteigern. Castrop, den 19. Okt. 1914. 7 Hermert, Gerichtsvollzieher. Die Böcke stehen für die Mitglieder des Ziegenzucht=Vereins Castrop sowie für Nichtmitglieder des genannten Vereins zur Verfügung. Die Deckstationen sind bei folgenden Herren Mitgliedern: 1. Heinrich Herms, Holzstraße 54, Bernh. Kalfhaus, Hernerst. 107, Wilh. Kaasmann,.=Spredey 5, 2 * Unsere Böcke stammen von reinrassig und reich Milch gebenden Tieren, was wir nachweisen können.% Der Vorstand. ∆