Galtroper Zeltung, grichsint töglich rall Guspahme der wran Teltung Som u. Feirtags und holte durch de atern hrea us Haus gchrucht 50 Pig; pro Donct. Auu Bllgstr. Blaster 65 Pig. ' Expedtlon, ünd Radattlog: Ghaobertraße 21. 14a Ccision#. Schaiur amp; Drack und Verlag: Geschwlstw Schmits&i Cosbeg. (Castroper Anzeiger.) Amtliches Organ für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Salerlonsgebühren pro Petizelle oder deren Kaun 13 Phg. Rehlamen pro Zeile 30 Pig., Bel. größeren Bnlercten Rabalt. Gröbere Unlerdie werden bis mittags, hieinere Dty 4 Uhr nshmitags vor Gusgobe der Zehug arbelenr. 30. Für die Redahlos seoniportich: B. Eisset B. Gosirs. Amtliches Organ für die Stadt Lastrop sowie Amtliches Organ tür die Remter Kauzel, Mengecke und Bladenhorst. Verbunden mit„Deueste Dachrichten“, amtliches Organ für das Amt Rauxsel,„Volks-Zeitung“, Organ für Sedtngen, und„Bladenborster Tageblatt“. Alie amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Castrop, der Remter Kauxel, Mengede und Bladenborst erlapzen nach Veröntentlichung in ebigen Blättern rechtsverbindliche Krafe. Nr. 185. Castrop, Donnerstag, den 13. August 1914. I: Sahr. Unsere Flotte. Schiffe, sondern Menschen fechten. Das schneidige Vorgehen der deutschen Kriegsschiffe im Mittelmeer hat alle Herzen höher schlagen lassen. Aber jeder weiß auch, daß zwischen Suez und Gibraltar für uns ein entscheidender Sieg wohl kaum zu erfechten ist. Unser Schlachtkreuzer vor Algier, das schnellste Kriegsschiff der Welt, und der geschützte Kreuzer stehen einer Phalanx von 16 französischen Linienschiffen und sechs Panzerkreuzern, sowie der englischen schwimmenden Macht gegenüber und werden sich bei aller Tapferkeit wohl hüten, den Kampf mit solcher Uebermacht aufzunehmen. Alles kommt vielmehr für die heimkehrenden Schiffe darauf an, „ sich„durchzuhauen", welchen Ausdruck der Reichskanzler im Reichstage gebrauchte. Die großen Entscheidungskämpfe zur See aber werden zweifellos in der Nordsee ausgefochten. Vor der ersten großen Seeschlacht bangt manchem. Man hat ja immer wieder hören müssen, daß die englische Flotte an Tonnengehalt beträchtlich mehr als doppelt so stark ist wie die deutsche und daß Großbritannien an Mannschaften im Friedensstand jedenfalls genau noch einmal soviel aufwies, als wir. Man hat noch Schreckhafteres hören müssen. Noch Ende vorigen Jahres behauptete Albions Flottenchef, Churchill, die englische Mannschaft sei der deutschen an Ausbildung und Tüchtigkeit drei= bis viermal überlegen. Man konnte ihm schon damals mit einem interessanten Gegenbeweis dienen; während der letzten Manöver der deutschen Hochseeflotte in den norwegischen Gewässern verloren wir im ganzen drei Matrosen, einen im Dienst bei wilder See, einen durch Krankheit und einen durch Absturz in den Bergen. Alle übrigen 30.000 Mann fanden sich heil und wohl in Disziplin und Ordnung wieder zusammen. Als die Engländer ihren Flottenbesuch in Amerika machten, verloren sie von 20000 Mann 2000, also zehn Prozent durch Desertion. Wo war da die drei= bis viermal größere Ueberlegenheit? Was unsere Flotte technisch und seemännisch bedeutet, wissen unsere weniger verblendeten Gegner jedenfalls ganz genau. Aber auch England wird es erfahren müssen trotz der numerischen Ueberlegenheit, die niemals wirklich ausschlaggebend war in der Weltgeschichte, zu Wasser so wenig wie zu Lande.„Unsere Marine ist äußerlich zwar klein; aber was uns stärker macht als andere Marinen, das ist die Disziplin, der unbedingte Gehorsam gegen die Vorgesetzten.“ So sprach der Kaiser schon 1895 bei der Rekrutenvereidigung in Wilhelmshaven, also vor bald zwanzig Jahren. Unterdessen ist die kleine Flotte tatsächlich groß und stark geworden und sie hat auch trotz der Friedenszeiten überraschend häufig zeigen können, was sie leistet. Wie deutsche Seeleute zu sterben wissen, davon zeugte der Untergang des Kanonenbootes „Iltis“ am Schantung=Vorgebirge. Wir brauchen nicht alle Fälle aufzählen, in denen die deutsche Marine ihre Kraft im Ausland zeigte. Südamerika hatte sie so manchesmal Gelegenheit, deutsches Gut zu schützen, in Brasilien und Chile während der blutigen Bürgerkriege, in Venezuela, um Genugtuung zu erzwingen. Haiti haben deutsche Kriegsschiffe wiederholt Respekt gefordert und erhalten, nicht nur den spekt der schwarzen„Staatsmänner“, sondern auch den der anderen, teilweise recht neidischen Mächte. In den deutschen Schutzgebieten, besonders in der Südsee kennt man die deutschen Taten, ebenso in Afrika. Die Kämpfe des Seebataillons gegen die Hereros in Südwestafrika waren wahrlich keine spielerischen Vorübungen zum Kriege. Die Marineinfanterie hat so oft wacker gegen einen vielfach überlegenen, verschlagenen und in seinen wilden Instinkten gefühllosen Feind gekämpft und die größten Strapazen standhaft und heldenmäßig ertragen. Unsere Matrosen ziehen nicht als Neulinge in diesen Weltkrieg, und sie dürfen sich außer auf ihren Mut auch getrost auf ihre Waffe als technisches Mittel verlassen. Unsere Schiffsgeschütze stehen trotz des teilweise kleineren Kalibers an Wirkungskraft und Treffsicherheit den englischen tatsächlich nicht nach. Die Panzerung unserer Schiffe ist im allgemeinen sogar besser als die der englischen, die Geschwindigkeit unserer neuen Dreadnoughts etwas höher. Mit unseren Schlachtkreuzern stehen wir auf der Höhe, unsere kleinen Kreuzer gelten den englischen in Panzerung und Ge! schwindigkeit auch im Auslande als überlegen. Unsere Schichautorpedoboote leisten Unerreichtes. Ihr Ruf ist auf der ganzen Erde gesichert, sie werden den englischen Geschwadern voraussichtlich furchtbar zu schaffen machen. Die einzige„Achillesverse", die man uns vielleicht nachweisen könnte, ist unser verhältnismäßig noch sehr kleiner Bestand von Unterseebooten. Mit diesen wird aber ganz sicher nicht die Entscheidung ausgefochten. Wir brauchen nicht eine Minute zu zagen. Zahlenvergleiche schrecken uns nicht. Das alte Wort wird wieder gelten:„Nicht Schiffe, sondern Menschen fechten!“ Dod unne Aünteed. Eines der Gesetze, die am 4. August beschlossen wurden, betrifft die Ausgabe von besonderem Kriegs=Papiergeld. In den nächsten Tagen wird das neue Papiergeld, das den jetzigen 10 und 5 Mark=Reichskassenscheinen völlig gleichberechtigt ist, und das an allen öffentlichen Kassen zum vollen Nominalwert unweigerlich angenommen werden muß, hier im Industriebezirk in den Verkehr kommen, und zwar insbesondere die 5 Mark= und 20 Mark=Darlehenskassen=Scheine. Es ist daher eine kurze Beschreibung des Aussehens der neuen Scheine angebracht: Die Darlehenskassenscheine zu 5 Mark sind 12,5 Zentimeter breit und 8 Ztm. hoch(das ist die genaue Größe des jetzigen hellblauen 5 MarkScheines). Sie bestehen aus Hanfpapier, das als fortlaufendes natürliches Wasserzeichen die sich wiederholende Zahl 5 zwischen gebogenen Linien enthält und auf der Rückseite links mit einem Streifen von orangeroten Pflanzenfasern versehen ist. Die Vorderseite enthält einen Untergrund in gelber und blauvioletter Farbe. Auf dem Untergrund ist u. a. ein kreuzweise schraffierter, grau schimmernder Reichsadler angebracht. Die Vorderseite zeigt u. a. den Aufdruck:„Darlehenskassenschein. Fünf Mark. Berlin, den 5. August 1914. Reichsschuldenverwaltung. v. Bischoffshausen. Warnecke Vieregge. Müller. Noelle. Dickhuth. Springer.“ Die Rückseite ist in einem hellen Blau gedruckt. Der Untergrund setzt sich u. a. aus Darstellungen von Kaiserkrone. Schwert, Zepter und Reichsadler sowie der Zahl 5 und des Buchstaben„M“ in leichten Linien zusammen. Unten links und rechts zu beiden Seiten des Scheines befindet sich innerhalb eines stilisierten Lorbeerkranzes auf dunklem Untergrunde je ein Brustbild der Germania. Der Aufdruck lautet:„Darlehenskassenschein Fünf Mark.“ Zwischen den Darstellungen der Germania und der unter den Reichsabzeichen langebrachten 5 befinden sich zwei Kontrollstempel in rotbrauner Farbe. In der gleichen Farbe sind an zwei Stellen, links unten und rechts oben, Buchstabe und Nummer des Scheines aufgedruckt. Die Darlehenskassenscheine zu 20 Mark sind 14 Zentimeter breit und 9 Zentimeter hoch. (Das entspricht etwa den Maßen der jetzigen 20 Mark=Banknote.) Sie bestehen aus Haufpapier mit einem fortlaufenden natürlichen Wasserzeichen, das aus verschlungenen Linien gebildete, abwechselnd offene und mit der Zahl 20 gefüllte Felder zeigt. Auf der Rückseite befindet sich rechts ein aus orangeroten und grünen Pflanzenfasern bestehender Streifen. Der Untergrund der Vorderseite ist in gelb, blaugrau, rotbraun und grauviolett gedruckt und besteht aus einem dreiteilig angelegten ornamentierten Muster, dessen einzelne rechteckige Felder, soweit sie nicht verdeckt sind, eine mosaikartige Einfassung haben, die nach außen durch ein blaugraues Palmettenmuster abgeschlossen wird. Inmitten des Scheines befinden sich u. a. in brauner Farbe auf gelbem Grunde, eine Darstellung den Kaiserkrone, darunter der von zwei gekreuzten Zeptern getragene Reichsapfel sowie ein Lorbeerund ein Eichenzweig. Außerdem enthält die Vorderseite in brauner Farbe und in deutscher Schrift folgenden Textaufdruck:„Darlehenskassenschein. Zwanzig Mark. Berlin, den 5. August 1914. Reichsschuldenverwaltung. v. Bischoffshausen. Warnecke. Vieregge. Müller. Noelle. Dickhuth. Springer.“ Die Rückseite ist in rotbrauner Farbe gedruckt. In der Mitte ist u. a. der Reichsadler auf einem mit einem feinen dunklen Muster bedruckten Grund angebracht. Der Aufdruck der Rückseite lautet in deutscher Schrift:„Darlehenskassenschein. Zwanzig Mark.“ Unter diesen Zeilen steht in violettbrauner Farbe der Kontrollstempel. In gleicher Farbe sind an zwei Stellen, links unten und rechts oben, Buchstabe und Nummer des Scheines aufgedruckt. Die Aufgabe der Polen. Unzweifelhaft ist eine bedeutsame Schicksalsstunde für die polnische Nation gekommen. Nach dem tragischen Ende der heroischen Erhebung Polens gegen seine russischen Würger im Jahre 1831, als des ganzen liberalen und demokratischen Europas Herzen den flüchtig Geächteten entgegenschlugen, prophezeite August v. Platen: „Kommen wird ein Leu mit goldener Mähne, Der zerbricht dem Krokodil die Zähne.“ Damals sanken die Polen blutend unter die Knute des ersten Nikolaus nieder. Jetzt erachten die kühnsten Geister der Nation die Gelegenheit für günstig, den Krieg, in den den zweiten Nikolaus die Großfürstenklique gehetzt hat, zu einer Wiederherstellung des polnischen Reiches zu benutzen. Es gibt Leute, die eine solche Wiederherstellung als, unvereinbar mit den deutschen Interessen betrachten. Ganz gewiß kann Deutschland nicht, ohne seine Hauptstadt und seine Existenz zu gefährden, auf seine polnischen Landstriche verzichten. Aber es gibt einen Ausweg, den schon Karl Marx in Vorschlag gebracht hat. Mitaus und Libaus praktische Realitäten— d. h. die Ostseeküste— müssen den Polen die ehrwürdigen Traditionen Gnesens wert sein. Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Aug. König. 13 „Wird der Herr Hauptmann nicht auch einmal uns beehren?“ fragte sie. „Er wartet nur auf eine freundliche Einladung, gnädiges Fräulein, und ich darf Ihnen wohl verraten, daß er schon lange nach dieser Ehre sich sehnt, „Er würde auch ungeladen uns willkommen sein,“ sagte sie mit einem bittenden Blick,„wir geben selten ein Fest, Papa will damit noch ein oder zwei Jahre warten.“ „Wenn ich wüßte, daß der Herr Baron ihn als Gast gerne empfangen wird, so würde ich Georg bewegen, mich zu begleiten,“ erwiderte der alte Herr.„Sie wiederzusehen, ist sein höchster Wunsch, er beneidete mich heute Mittag, als ich ihm sagte, daß ich hierher fahre." Theodore hatte die Wimpern gesenkt, ihre feinen Hände spielten mit den Mandelschalen, die vor ihr auf dem Teller lagen. „Papa wird ihn gewiß freundlich empfangen,“ sagte sie leise,„es befremdet mich, daß Sie daran zweifeln. Papa ist ja auch Offizier gewesen, er spricht noch gerne von jener Zeit.“ Der Notar hatte seinen Zweck erreicht: er zog seine Uhr zu Rate, und da in diesem Augenblick der Kammerdiener eintrat, so ersuchte er ihn, den : W a g e n a u s p a n n e n z u l a s s e n. Jakob zog sich mit einer Verneigung zurück, draußen fuhr er mit der Hand langsam über sein 1 glattes Gesicht, dessen Züge plötzlich den Ausdruck des Unmutes annahmen. Er ging in die Gesindestube und fand hier Joseph und die Kammerzofe in vertraulicher Unterhaltung. „Auspannen!“ sagte er lakonisch.„Der Herr : Notar will nach Hause.“ :„Hat es so große Eile?“ spottete der Kutscher. „Wenn der alte Fuchs hier ist, kommandiert er das ganze Haus.“ „Nur mich nicht,“ sagte die Zose schnippisch, während sie die rotblonden Löckchen aus der Stirn strich.„Mir hat der Herr, gottlob, nichts zu befehlen.“ „Auch dann nicht, wenn Sie ihn in seinem Hause besuchen, Nauny?“ fragte der Kammerdiener ironisch Das Mädchen warf den Kopf trotzig zurück, aus den graublauen Augen traf ein tückischer Blick den alten Mann, der mit verschränkten Armen am Fenster stand. „Wenn ich zu ihm hingeschickt werde, so muß ich wohl in sein Haus gehen,“ sagte sie,„ich wüßte nicht, was er mir dabei zu befehlen hätte. Wie mir scheint, wird mein Tun und Lassen sehr scharf beobachtet, ich muß mir das verbitten.“ „Wollen Sie nicht bei dem gnädigen Heren sich beschweren?“ spottete Jakob, der mit dem Kutscher einen raschen, verständnisvollen Blick wechselte. „Ich beobachte Sie gar nicht, Nanny, mir ist es gleichgültig, was Sie tun und lassen, aber wenn Sie einen guten Rat annehmen wollen, dann hören Sie auf die Warnung eines alten, erfahrenen Mannes. Man kann nicht zwei Herren zugleich dienen, wenn man nicht einen von ihnen verraten will; das lassen Sie sich gesagt sein. Und allzu große Diensteifrigkeit ist auch vom Uebel, man hat den Tritt fort, ehe man es sich versieht.“ „Was Sie damit sagen wollen, verstehe ich nicht,“ erwiderte Nauny achselzuckend,„ich habe keinen Rat nötig.“ Sie wandte den beiden den Rücken und eilte hinaus, dröhnend fiel hinter ihr die Tür in das Schloß. „Sie hätten ihr das nicht sagen sollen, versetzte Joseph kopfschüttelnd,„es war unklug, sie wird das alles dem Notar hinterbringen.“ „Mag sie es tun,“ unterbrach der Kammerdiener ihn,„ich bin gewiß ein ruhiger Mann, aber mir läuft auch einmal die Galle über, wenn ich das Treiben hier im Hause sehe. Dieses Mädchen ist eine Spionin, der Notar bezahlt sie dafür, sie muß ihm alles hinter bringen, was hier getan und gesprochen wird.“ Damit ging er hinaus; in der Tür begegnete ihm der Förster, der eben ins Gesindezimmer treten wollte. Martin Großberg war ein breitschulteriger untersetzter Mann, ein kurzgeschorener, brauner Vollbart umgab das wetterharte Gesicht, das den Stempel eines offenen, ehrlichen Charakters trug. Er reichte dem Kammerdiener die Hand und stellte seine Büchse in eine Ecke. Jakob holte unterdessen aus dem Schrank eine noch halb gefüllte Flasche, die er nebst einem Glase vor dem Förster hinstellte. „Der gnädige Herr ist nicht zu Hause?“ fragte Martin. „Er ist ausgeritten,“ antwortete der Kammerdiener. „So werde ich warten!“ „Haben Sie ihm Wichtiges zu melden?" „Nein, er soll eine Jagd veranstalten, das Wild nimmt überhand.“ „Und die Wilddiebe wohl auch?“ „Je nun, ich sehe ihnen scharf auf die Finger, aber ich kann es nicht verhindern, daß mir hier und da ein Reh fortgeschossen oder ein Hase in der Schlinge gefangen wird. Der Herr Baron will ja keinen Wildhüter stellen, es würde anders sein, wenn er ein passionierter Jäger wäre.“ „Vielleicht wird er es noch,“ spottete Jakob. „Mann““ „Wenn er hier nicht mehr aus dem Sattel geworfen werden kann!“ „An diese Möglichkeit denke ich schon lange nicht mehr,“ sagte Martin, der sein Glas gefüllt und hastig ausgetrunken hatte.„Wer wollte ihn aus dem Sattel heben?“ „Baron Dagobert.“ „Hat man etwas von ihm gehört?“ „So viel ich weiß, nicht. Aber der Notar war heute mittag wieder hier, er hatte eine lange Unterhaltung mit dem Herrn, und der Baron war sehr aufgeregt, ich vermute, daß etwas Besonderes vorgefallen ist.“ Der Förster wiegte mit ungläubiger Miene das Haupt und füllte sein Glas noch einmal. „Die Toten kehren nicht zurück,“ sagte er. „Die Toten nicht, wohl aber die Verschollenen,“ erwiderte Jakob. „Und wenn er zurückkehrte, wenn ihm hier alles überlassen werden müßte, würde es wieder so werden, wie es unter seinem Vater war?“ fragte Martin, gedankenvoll vor sich hinblickend.„Baron Robert war ein ganzer Mann, von ihm konnte man auch ein hartes Wort hinnehmen, denn er sprach es nicht aus, wenn man es nicht verdient hatte. Der wußte, was er wollte; es hatte alles Kopf und Fuß, wenn er einen Befehl gab. Ob sein Sohn ebenso sein würde? Ich glaube es nicht.“ „Die Baronin Adelgunde war auch so schlimm nicht, sie ist eben toll gemacht worden. Von der hört man auch nichts mehr, und was ich immer behauptet habe, das sage ich heute noch einmal: der Notar hat sie auf dem Gewissen!“ „Er kümmert sich jetzt auch um Röschen,“ warf Jakoh ein. Martin hob das Haupt, Zornesglut loderte aus seinen Augen. „Was geht ihn denn meine Tochter an?“ suche er auf. Heute mittag war die Rede von ihr, der Notarmeinte, sie wolle zu hoch hinaus mit ihrer städtischen Erziehung, ein Pächter würde ste nicht zur Frau nehmen, und ein andrer denke nicht daran, die verwunschene Prinzessin aus dem Walde zu holen.“ „Ich möchte ihm auch nicht raten, daran zu denken,“ erwiderte der Förster, und aus jedem Zuge seines ehrlichen Gesichts sprach der Haß, der ihn gegen den Mann beseelte.„Mag er vor seiner eigenen Tür kehren, was kümmern ihn überhaupt meine Sachen?“ Der Kammerdiener zuckte die Achseln, er trat ans Fenster, der Wagen, der den Notar zur Stadt bringen sollte, fuhr eben vor. Jakob nickte und verließ das Gesindezimmer; der Notar war bereits die Treppe herunter. Sein Gesicht war gerötet, ein Lächeln iunerer Befriedigung lag auf seinen Lippen. 314.17 1 8 Option und Auswanderung der entschieden nationalpolnischen Elemente Preußens in die nach Menschen und Besiedelung förmlich schrefenden Gefilde Litauens, Wolhyniens, Podoliens usw. würden dazu beitragen, etwaigen Konfliktsmöglichkeiten vorzubeugen und würden zugleich die Polenfrage in Deutschland, wenn nicht osen, so doch der Lösung näherführen oder ihr zum mindesten viel von ihrer erbitternden Schärfe nehmen. Ein neues Polen etwa unter einem östereichischen Erzherzog vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee bedeutet, daß wir Deutsche der Nlieblichen moskowitischen Nachbarschaft entledigt sein würden. Ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Jahrhunderte hindurch, ehe innere Zerrüttung es seiner hohen Aufgabe entfremdete, war das polnische Reich die Vormauer der abendländischen Christenheit gegen die Moskowiter. Nach Kultur und Religion gehören die Polen zum Abend lande, und Karl Marx, den wir schon oben als Kronzeugen anführten, stellte ihnen vor nunmehr sechs Jahrzehnten das Zeugnis aus, daß sie sich in ihrer großen Mehrheit stets vom Panslawismus freigehalten haben. Jetzt ist es an der Zeit, das Finis Polonlae (Ende Polens), das Thaddäus Kosziusko gesprochen haben soll, aber nicht gesprochen hat, durch die Tat zu widerlegen. Deutsches Reich. Beschränkung des Postdienstes aus Oesterreich. Berlin, 12. Aug. Im Verkehr mit Oesterreich= Ungarn nebst Besnien, Herzegowina und Lich tenstein und mit den österreichischen Postanstalteit in Kreta und der Türkei werden Postanweisung, Postauftrag= und Nachnahmedienst eingeteit Keine voreiligen Viehverkäufe! Stuttgart, 12. Aug. Nach dem„Staatsanzeiger" verkaufen in einigen Landesteilen Württembergs die Landwirte Schlachtvieh in außerordentlichem Umfange. Das Anitsblatt betont, daß zur Zeit kein Anlaß zu solchen voreiligen Verkäufen vorliegt und daß weder voreilig verkaufen noch schlachtreifes Vieh zurückgehalten werden solle. Habt Vertrauen— und wartet in Geduld! Major Nicolai, der Leiter der Presseabteilung des Großen Generalstabes bemerkte Vertretern der Presse gegenüber nochmals, daß dem Heißhunger des Volkes nach neuen möglichst ausführlichen Mitteilungen über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz einstweilen aus zwingenden militärischen Gründen noch keine Rechnung getragen werden könne. Man werde hoffentlich schon in kurzer Zeit beweisen können, wie viel vom Auslande bisher gegen die Wahrheit gesündigt wurde. Man habe sogar versucht, ein Armeekommando durch ein gefälschtes Telegramm über die angebliche Landung eines englischen Expeditionskorps irre zu führen. Hätte der Feind gewußt, wie schwache Kräfte wir vor Lüttich hatten, dann hätte er wohl gewußt, was er zu tun hatte. Mit maschinenmäßiger Genauigkeit schreitet der Aufmarsch unserer Truppen vorwärts, ohne auch nur im geringsten aufgehalten oder in Verwirrung gebracht werden zu können. Unsere Verkufte an der Ostgrenze findet man vielleicht ziemlich erheblich, aber wir haben den Schutz unserer preußischen Provinzen damit erreicht. Drei Geldautos abgefangen! In der„Nordd. Allgem. Ztg." lesen wir:„An der ganzen preußischen Grenze von Myslowitz bis Memel war unser Militär angewiesen, auf alle Autos streng acht zu geben und sofort zu schießen, wenn sie auf Befehl nicht stehen wollten. Auch hatte man über alle Chausseen dicke Eisenketten gespannt und Eggen mit den Binken nach oben gelegt, über die der Feind stürzen mußte, falls er vor dem Posten nicht stehen blieb. Durch die Wachsamkeit unserer Truppen und der Bevölkerung ist es gelungen. drei dieser Goldautos abzufangen, und zwar das erste bei Hohenlinde und zwei in Sohrau, Kreis Rybnik. In Hohenlinde schlug das Auto an eine heruntergelassene Barriere der Eisenbahn, die zertrümmert wurde. Das Autd wurde aber angehalten, vier Insassen festgenommen und eine große Summe Geldes beschlagnahmt. In Sohrau wurden die zwei Goldautos von der dortigen Bürgerwehr angehalten. Ein Augenzeuge berichtet darüber: „Wir hatten in der Nacht zum Dienstag aus Rybnik ein Telegramm erhalten, wonach unsern Ort fünf Automobile in rasender Geschwindigkeit passieren sollten. Die Bürgerwehr, die etwa 25 Mann zählt, wurde angewiesen, diese Autos anzuhalten und, wenn nötig, zu beschießen. Die Bürgerwehr besetzte sofort die Hauptstraßen. Nach langem Warten kam endlich ein Auto auf der Chaussee Sohrau—Maczeikowitz gefahren. Da es nicht stehen bleiben wollte, wurde nach ihm geschossen. Der Fahrer wurde durch die Scheibe tödlich getroffen, worauf das Auto führerlos eine etwa vier Meter hohe Böschung hinunterstürzte. Als man die drei andern Insassen aus den Trümmern zog, waren sie sämtlich tot. Bald darauf kam in rasender Geschwindigkeit ein zweites Auto gefahren. Als es gleichfalls auf Befehl nicht stehen blieb, wurde ebenfalls geschossen und eine Person schwer verletzt, worauf es anhielt und die vier Insassen des Autos in Haft genommen wurden. In den nun darauf folgenden Autos mußte man gesehen haben, daß die beiden ersten Automobile ihr Verhängnis ereilt hatte, deshalb die andern zwei upder drei Autos den Kurs nach der Chaussee Orzesche— Gleiwitz wechselten. In den beiden beschlagnahmten Autos wurde eine große Summe Gold gefunden. Wie aus Rosenberg gemeldet wird, hat man dort gleichfalls ein Auto beschossen, aber ohne Erfolg, da es flüchten konnte. den Provinzen. * Hörde, 12. Aug. Freiherr v. Romberg hat sein Schloß in Brünninghausen sowie seine Villa, welche als Lazarette eingerichtet werden und als Unterkunft für 150 Verwundete dienen sollen, sowie eine größere Summe dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Die Vorbereitungen zur Einrichtung der Gebäude haben bereits begonnen und wird nächste Woche die Fertigstellung beendet sein. Herr Landrat Dr. Luckhaus mit Gemahlin weilten bereits am Sonntag zur Besichtigung auf Schloß Brünninghausen. * Hörde, 12. Aug. Einen schweren Unfall erlitt auf Zeche„Freie Vogel und Unverhofft“ der jugendliche Bergmann Wilhelm Wisnewski. Er kam der Koksausstoßmaschine zu nahe, die ihm einen Arm buchstäblich ausriß. Im Krankenhaus liegt der Unglückliche hoffnungslos darnieder. ten, 11. Aug. Auf dem hiesigen Gußstahlwerk fanden 30 Schüler des hiesigen Realgymnasiums Beschäftigung, da es dem Werke an Arbeitskräften mangelt und erhebliche Aufträge für das Militär vorliegen. * Hemer, 12. Aug. Hier ist eine Feldarbeiter. zentrale für das Amt Hemer eingerichtet worden. Mehrere hundert kräftige Burschen haben sich freiwillig zur Hilfe in der Ernte gemeldet. — Die Winterschule in Sundwig ist in ein Lazarett umgewandelt worden.— Die Arbeiter der Fabriken in Westig haben sich bereit erklärt, 5 Prozent ihres Lohnes an die Familien eingezogener Kollegen abzuführen. Die Fabrikanten steuern kräftig bei. * Ottmarsbocholt, 12. Aug. Der verheiratete Schreinermeister., der am Gestellungsorte vorläufig wieder entlassen wurde, erbot sich für einen Arbeiter mit vielen Kindern, dessen Frau schon ein Jahr krank darniederliegt, in den Krieg zu ziehen. Es wurden aber beide vorläufig entlassen. Wie überall wäre auch hier gern man cher Ledige für einen Mann, der Weib und Kind hat, freiwillig ins Feld gerückt, aber das ist nicht angängig. * Selm, 11. Aug. Die Spitzbuben treiben seit einiger Zeit nachts ihr infames Handwerk. In die Wohnungen von Familien, deren Ernährer im Felde stehen, werden Einbrüche verübt. Die Polizei sollte einen verstärkten Sicherheitsdienst einrichten, um dem Treiben dieser Schufte Einhalt zu gebieten. * Warendorf, 11. Aug. Die hier erscheinende „Westfälische Rundschau“ ist durch Verfügung des Kgl. Generalkommandos geschlossen und der Redakteur auf Grund des Vergehens gegen die vom Kgl. Generalkommands erlassenen Bestimmungen des verschärften Kriegszustandes verhaftet worden. Vermischtes. — Berlin, 12. Aug. In einer amtlichen Bekanntmachung wird darauf hingewiesen, daß Vergnügungen leichter Art, tolle Possen, Tanzlokale, Tingeltangel usw. dem Ernst der Zeit wenig entsprechen; auch könnte das dafür ausgegebene Geld besser verwendet werden. Die patriotische Gesinnung des deutschen Volkes würde schon das Richtigmaßhalten lehren. — Berlin, 11. Aug. In den Schulen werden vor Beginn des Unterrichts anläßlich des Krieges besondere Feiern abgehalten, wobei Gebete für unser Heer und die Marine gesprochen werden. In die Gebete werden besonders die Lehrer eingeschlossen, die zu den Fahnen geeilt sind. Durchweg ermahnten die Schulleiter die Kinder, überall helfend einzugreifen und insbesondere ihren Müttern zur Seite zu stehen, während die Väter für das Vaterland kämpfen. Die Schule wird deshalb möglichst wenig Hausarbeiten aufgeben. — Straßburg, 11. Aug. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete für Metz, Dr. Georges Weill verfiel in Trübsinn und ist in einer Pariser Nervenklinik untergebracht. Er war Zeuge der Ermordung seines Freundes Jaures und wurde dadurch gemütskrank. — Wien, 11. Aug. Die Blätter heben neuerdings die Bedeutung des deutschen Sieges bei Mülhausen hervor, durch den der Lieblingsgedanke des französischen Generalstabes, beim Kriegsbeginn mit Deutschland zur Hebung des Geistes der französischen Armee in elsässisches Gebiet einzubrechen, gescheitert ist. Die Blätter erklären, jeder Tag verstärkt die Erwartung, daß die deutsche Offensive rasch entscheidende Taten schaffen werde. — München, 11. Aug. Sechshundert Pilger sind am 2. August von Jerusalem, über Jaffa kommend, nach Triest gelangt und gerade noch mit knapper Not der Gefahr entgangen, im Mittelmeer abgefangen zu werden. Von Triest sind sie Sonntag fruh abgereist und Dienstag früh in München angekommen. — Hamburg, 11. Aug. Die Offiziere eines deutschen Dampfers, der deutsche Flüchtlinge aus London an Bord hatte, berichten, daß ihnen von den Reisenden erzählt worden sei, daß durch London eine große Bewegung gegen den Krieg gehe. Alle Autodroschken sind mit Plakaten beklebt, die die große Aufschrift tragen: Wir wollen keinen Krieg mit Deutschland. Ihr habt's gewollt! Ihr habt's gewollt, wenn heut' die Welt in Flammen steht! Und Tod und Elend durch die Völker geht! Ihr habt's gewollt, wenn Ströme Blut die Länder netzen Und uns're Kugeln Eure Brust zerfetzen! Ihr habt's gewollt mit Euren ränkevollen Tücken, Daß Euch die Deutschen jetzt zu Leibe rücken! Ihr habt's gewollt, mit Eurem schönden Lug und Trug, Daß Deutschland rief: Nun ist's genug! Ihr habt's gewollt, daß heil'ger Zorn die deutsche Ader schwillt Und deutsches Schwert die Taten Euch vergilt! Ihr habt's gewollt, daß mit dem Frieden wir nun endlich brechen Und Eure Frevel blutig an Euch rächen! Ihr habt's gewollt, daß einig sich des deutsche Volk erhebt Und Euer Land von uns’ren Waffen bebt. Daß deutscher Sinn, daß deutsches Blut und deutsche Ehre Sich wider Neid und Mißgunst setzt zur Wehre! Es litt Euch nicht der Deutschen Kraft und bied'res Wesen, Jenseits des Meeres Ihr und der Vogesen! Und wenn des Krieges ehrner Würfel heute rollt: Nun gut! Ihr habt es so gewollt! Ihr habt gewollt, daß nun des Schicksals Stimme spricht Und Euer schmachvoll Tun zusammenbricht! Ihr habt gewollt, daß glänzend sich bewährt auf's neue Der deutsche Mut, die deutsche Kraft und Treue! Du aber flieg, gestützt auf Schwert und den Altar Siegreich Deine Bahn, Du deutscher Aaar! C. v. d. Wielen. Italienischer Humor. Zustimmung.„Ich gebe nichts auf Schönheit und Reichtum“, sagte sie,„der Mann, den ich heiraten werde, muß ein Held sein.“„Du hast recht, meine Tochter“ antwortete der Vater, „das muß er sein.“— Der Trieb der Selbsterhaltung. Vor Gericht stand ein Mann, der Schweine gestohlen hatte, und erwartete seinen Urteilsspruch. Der würdige Richter bemerkte, daß seit einiger Zeit das Schweinestehlen eine wahre Epidemie geworden wäre und daß man ein Eexempel statuieren müsse.„Sonst“, so schloß er,„kann keiner von uns mehr sicher sein.“ Die Frauen und der Krieg. Von Maria Regina(Frankfurt a..) Habt ihr in diesen Tagen unsere Frauen und Mädchen beobachtet? Habt ihr gesehen, wie tapfer und entschlossen sie sich in all dem Leid hielten? Die heutige Frau ist dem Manne in Wahrheit ein Kamerad geworden, um keinen Preis will sie seine Sorge durch Jammern und Wehklagen verdoppeln. Ein Frauengeschlecht, das der Heldenmütter vor hundert Jahren wert ist, das mit heißen Tränen, aber gefaßt und opferfreudig, sein Liebstes für das Vaterland hergibt, das mit Stolz auf die ausziehende Wehr blickt. Gottlob, daß das alte Freiheitslied noch gilt, Und wie es gilt! Schaut nur um euch und hört auf den Klang, der durch die Frauenwelt geht. In diesen großen Tagen fühlt man, daß alle kleinlichen Unterschiede fallen, daß wir alle, ob Mann oder Frau, Kinder eines Volkes, Kinder esnes Gottes sind.... Ein Bild alter deutscher Treue. An der Frankfurter Hauptwache, dem Mittelpunkt zwischen den vier größten Zeitungshäusern, brandet der Verkehr. Die Menschenmengen stehen und erneuern sich bis spät in die Nacht. Dann und wann, wenn nach stundenlangem Harren eine gute Nachricht kommt, braust lautes Hurra durch die Reihen und„Deutschland über alles!“ Kleine Knirpse rufen mit hellem Organ, und alte Kriegsuntaugliche bieten humpelnd ihre Extrablätter und die letzten Zeitungsausgaben aus. An der Ecke, wo die Taunus- und Vorortbahne# halten, steht eine ältliche Frau mit blassen, vergrämten Zügen, wie sie ein Lebender Arbeit und Entbehrung zeichnet. Mit harter, klin. gender Stimme bietet sie ihre Blätter ven Vorwerinwenden an. Die Menge öffnet sich für einen Zug Aingezogener Reservisten, still und ernst. Mit verlokenem Blick schauen zwei Augen auf die jun. 215 gen Burschen mit dem siegesgewissen Lächeln, und eine verarbeitete Frauenhand wischt rasch die jäh aufsteigenden Tränen fort. „Ich hab' Viere dabei“, sagt sie mit umflorter Stimme und deutet dorthin, wo Freunde den Ausziehenden Hurra zurufen,„awwer ich kenn' mei Bube!“ Stolz leuchtet aus den müden Augen.„Die wern die elende Russe un Franzose schon zusammehann!“—*** Am Hauptbahnhof sieht das Gedränge zwischen den Elektrischen, den Droschken und Autos geradezu gefährlich aus. Patrouillen in der grauen Felduniform, ankommende und abschiednehmende Reservemannschaften, Trupps, die in Zivilausrüstung zur Kaserne oder Festhalle, zum Bezirkskommando, marschieren. Vor den Meldestellen für Kriegsfreiwillige geht es lebhaft zu. Nach bewilligtem Notabitür rücken die Siebzehnund Aachtzehnjährigen am Montag zu ihren Truppenteilen aus. Lieb Vaterland, magst ruhig sein!—— Die Massen auf dem weiten Bahnhofsplatz wogen hin und her. Seit die Anwesenheit fremder Spione bekannt geworden ist, äußert sich die Nervosität der Menge in Zusammenrottungen hinter verdächtigen Individuen und schon manchen guten Fang hat man neben verzeihlichen Irrtümern der Polizei überliefert. Noch soll die russische Kolonie in Bad Homburg sein und wer weiß———. Auf Kaiserstraße und Zeil, am Bahnhof, sind alle franzüsischen, zuletzt auch die englischen Benennungen ausgekratzt oder überklebt, die sonst so stolz an den Läden prangten. Die erbitterte Bevölkerung hat am Sonntag ein Kino mit französischen Films demoliert, da ihnen dort auf ihr erfreuliches Verlangen nach deutschen Films unverschämte Antworten wurden. Was kein deutscher Sprachverein, kein Aufruf zur Wahrung des Deutschtums vermochte, das bringt jetzt die Furcht vor gerechter deutscher Rache fertig! In der überfüllten Elektrischen, die wegen der Einberufung von 1700 Trambahnern nur in größeren Zwischenräumen fährt, sitzt eine Dame in Trauerkleidung, eine Witwe. Um sie herum rät man ihr von ihrem Vorhaben ab. Sie will nach Spandau fahren, um ihren Einzigen vor seinem Gang gegen den Feind noch einmal zu sehen. Man schildert ihr die Gefahren, die Unannehmlichkeiten, die Unmöglichkeit dieser Reise für eine alleinstehende Frau. Aber sie bleibt fest. „Ich will's wenigstens versuchen!“ sagt sie beharrlich,„eine Mutter wird doch nicht vor solchen Dingen zurückschrecken, wenn sie ihren Sohn noch einmal segnen will, bevor er hinauszieht. Anno 64 ist mein Vater und 1870 sind meine beiden Brüder dabei gewesen—— Ihre Stimme geht unter in dem hitzigen Disput über die bessere Möglichkeit einer Grenzüberschreitung nach der französischen Seite. Langsam steuert die Elektrische durch das Gewoge und hält. „Ich werde schon noch durchkommen“, höre ich wieder die zuversichtliche Frauenstimme,„und wenn nicht, dann wird mir der Herrgott die Kraft geben wie den andern Müttern, die ihre Söhne draußen auch ohne Abschied ins Feld ziehen lassen müssen!"—-In dem Durchgangsweg zwischen zwei großen Kaufhäusern ward ich heute früh ungesehen Zeuge eines Abschieds: Zweie sagten sich Lebewohl, er, ein junger Postbeamter, und sie, das kleine blonde Ladenmädel. „Vielleicht— sehen wir uns nie wieder, Fritz!“ sagte die Mädchenstimme in dem dämmerigen Halbdunkel, und in der krampfhaften Festigkeit zitterten die mühsam verhaltenen Trä, nen,„aber ich bin stolz auf Dich! Wenn ich nur mitkönnte,— ich wollte es Dir jeden Tag von neuem sagen"„Ja, Trudel“, antwortete er mit warmem Ton,„vielleicht siehst Du mich nie, aber dann nur als Sieger wieder!"„Wenn sie alle so sprechen, wie Du, dann— dann müssen wir doch gewinnen!“ klang es zurück, und dann brach die Stimme in heißem Schluchzen:„Komm glücklich wieder, Fritz!!“ Ich war froh, daß ich leise zurücktreten konnte, denn mir standen selbst die Augen voller Tränen. Tapferes, kleines Mädel!...... *** Feindliche Flieger über Frankfurt. Seit zwei Nächten knattern Gewehrsalven der Posten über den still fiebernden Großstadtatem hin. Um die nächste Mittagszeit löst sich an der Peripherie der Stadt aus dunklen Gewitterwolken die kompakte Masse eines fremden Flugzeugs mit aufblitzendem Scheinwerfer ab. Eine Frau meldet's der Polizei. Aber die Patrouillen haben den Flieger schon gesichtet. Draußen in der Vorstadt mit den blumenumrankten Balkonhäusern ist beschauliche Ruhe. Aus dem stillen Brüderkloster und aus dem nahen protestantischen Gotteshaus strömen die Menschen, und in den Gesichtern steht noch die weihevolle Ergriffenheit der Bittstunde. —— So betet, daß die alte Kraft erwache, Daß wir dasteh'n das alte Volk des Siegs! Die Märtyrer der heil'gen deutschen Sache, O ruft sie an als Genien der Rache, Als gute Engel des gerechten Kriegs! **** Feierlich dunkel der Kirchenraum. Laut hallt der feste Tritt der vorüberziehenden Patrouille in die Stille hinein. Strahlende Augustsonne malt durch die hohen Kirchenfenster bunte Kringel auf die hellen Fliesen. Ein paar schlanke weiße Kerzen flackern. Vor dem Altar knien Frauen und beten. Beten——. Bich udurn 8# Potsdamer Straße. Zwei alte Damen winke Ruch gerühgliche Bokete an iogend einen und Felde stehenden Truppenteil können von der Post n anazi#hender noch nicht angenommen werden, da der augenTrupbe aussiehendry lhsigliche Stand der einzelnen Truppenteile welcher Mut in uns kocht! Nach Paris, swird uns mitgeteilt, daß der Allgemeine Knapp is man bloß ein kleener Spaziergang für schaftsverein Bochum satzungsgemäß seinen Mit.. gliedern die Beiträge zur Pensionskasse zurückden auf dan Natsdamon Gieterbahnhof zahlt, wenn ein Mitglied während seines Militränenden auge einer.—. ursonckliche Stand der Soldaten zu. Da klopft ein eben eingerlei##rpöllig unbekannt ist. Soldat einer von ihnen auf die Schulter:„Mutterchen... nicht weinen! Sie wissen ja gar nicht, welcher Mut in uns kocht! det uns. In den auf dem Potsdamer Güterbahnhof von den Landwehrtransporten zurückgekehrten Eisenbahnwagen findet man Kreide=Inschriften, die ein Zeichen des guten Humors unserer Landwehrleute sind, z..: „Franzosen, Russen, Serben, Alle müßt ihr sterben. Deutschland wird alles erben!“ „Wer kraucht denn da im Klee? Ich glaub,'s ist Poincaree! Was hast du da im Klee zu krauchen, Bald wirst du Poincarriere laufen!" „Nikolaus, Nikolaus! Wir brechen dir die Zähne aus. Jeder Schuß Ein Ruß!" Der Zeitungsjunge. Gestern fuhr ich mit der Elektrischen. * Knappschaftliches. Von zuverlässiger Seite zahlt, wenn ein Mitglied während seines Militärdienstes,— darunter ist auch die Teilnahme am Kriege zu Wasser und zu Lande zu verstehen — zu Tode kommt und in letzterem Falle eine Witwe oder Kinder, Vater oder Mutter hinterläßt, ohne daß andere Ansprüche auf Knap= schaftsleistungen geltend gemacht werden können. 170,8 der Satzung. Es genügt, wenn eine amtliche Todesbescheinigung, die event. von der Polizeibehörde des zeitigen Wohnortes ausgestellt und ein Antrag auf Rückzahlung gestellt wird. * Pflanzt Gemüse. Von Mädchenschul=Direktor Dr. Kruse=Recklinghausen wird uns geschrieben:„Auf der Schule und des Landratsamtes sind hier in der letzten Woche infolge der Kriegslage viele Tausende Gemüsepflanzen gesetzt worden, namentlich Endivien und Kopfsalat, KohlEin rabi, Porre, Butterkohl und vor allem Grünkohl. extra kleiner Knirps fuhr ein Stückchen mit uns Auch wird noch viel gesät und zwar Spinat, Feldund verkaufte Zeitungen. Als er das einge= salat, Stielmus und weiße Feldrüben. Sie würNere Berlin, 12. August 1914. Das Wolffs=Büro meldet: Bei Mühlhausen haben deutsche Truppen 10 franz. Offiziere u. 513 Mann gefangen genommen, außerdem 4 Geschütze, 10 Fahrzeuge und eine sehr große Anzahl Gewehre erbeutet. Der deutsche Boden ist von Feinden gesäubert. Bei Lagarde sind den deutschen Truppen über 1000 Verwundete und unverwundete Krieger in die Hände gefallen, ½ der beiden franz. Regimenter die im Gesecht standen. England landet Truppen in Frankreich. Der Mailänder„Secolo“ meldete gestern, daß England ünter der Leitung französischer Offiziere Truppen in Frankreich lande. Wir finden diese Meldung heute in der uns zugesandten Nummer des Amsterdamer„De Courant“ vom Montag, den 10. August bestätigt. Italien verlangt Bericht. Das Wolffbureau erhält folgendes Privatnommene Geld in seiner Hosentasche geborgen den dem Vaterlande einen Dienst erweisen, wenn hatte, sagte er im Heruntersteigen zum Schaff Sie in Ihrer Zeitung die städtische und ländliche telegramm: Dem italienischen Botschafter in Per:„Na, Herr Schaffner, morgen sehen Sie Bevölkerung, namentlich die Lehrensthaft und die Berlin, Vollati, hat seine Regierung den Wunsch mich nicht ,wiehr.“„Barum denn nicht“: Dev Jugend zum sofortigen Pflanzen und Säen Pe=lausgesprochen, sie möglichst über den Morgen trete ich beim Zweiten Garde= nannter Gemüsearten auffordern wollten. Essa#gesprochen, sie möglichst über den St reeiment ou Fuß ein.“ Schallendes Gelächter. list keine Zeit zu verlierenz jeder Taa bringt uns Bollati, der aus seiner Sympathie für DeutschAus Castrop und Umgegend. Castrop, 13. August. Kriegszeiten! Wie hat sich alles verändert in kürzester Zeit! Um uns und in uns. Was wir eben noch für groß und wichtig ansahen erscheint uns heute nichtig, bedeutungslos, lächerlich. Und wo gestern dem Herbst näher.“ ** Die Einjährig=Freiwilligen sämtlicher Regiland niemals einen Hehl gemacht hat, reist heute abend nach Rom ab. Die deutsche Regierung hat Verpflegung ihrer Truppenteile ausgenommen worden. Sie erhalten wie alle anderen Soldaten Löhnung, Brot und anderes Essen und haben die Verpflichtung, in den Kasernen zu wohnen. Alle Vorzüge, welche die Einjährigen sonst genießen, hören auf. Die schwarz=weißen Schnüre, die sie um die Achselklappen tragen, können ihnen, je nach dem Ermessen der Regimentskommandeure, genommen werden. Im Jahre 1870 war es noch das geregelte, stillgeordnete Leben seinen ebenso, so wurde z. B. sämtlichen Einjährigen gewohnten Uhrengang ablief, da sehen wir heute des Alexander=Regiments die Schnüre entfernt, fremde Vorgänge, neue Worte werden laut und während sie beim Garde=Füsilier=Regiment die menter sind seit der Mobilmachung in die volle ihm einen Sonderwagen zur Verfügung gestellt. Vor Kriegsausbruch beschlagnahmt. Der Dampfer„Prinz Eitel Friedrich“, der neuen Dampferkompagnie Stettin, der am 30. Juli Petersburg mit Ladung für Stettin und gegen 40 Passagieren verließ, ist am 31. Juli früh, also vor Kriegsausbruch von russischer Seite beschlagnahmt und nach Reval gebracht worden. Die Passagiere wurden zwangsweise über Helsingfors und Torma abgeschoben. Deutschlands finanzielle Kriegsausrüstung. Wien, 12. Aug. Zu der Erklärung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über die finangeläusig, das Band der ruhigen Entwicklung ist nach der Mobilmachung, freiwillig eingetretenen zielle Kriegsausrüstung Deutschlands schreibt die plötzlich abgeschnitten. Mit einem Schlage hat ljungen Leute, die im Besitze des Einjährigenzeug=(„Neue Freie Presse“: Das Bild, welches von möglich acheschinigen, wir einem Schye H: ag sich unser Tagesleben gewandelt, unsere Empfindungswelt ist eine andere geworden. Gedanken, Wünsche, Sorgen, Bestrebungen, für die wir leidenschaftlich stritten, sind einfach nicht mehr. nisses waren, behielten. Damals rückten Batall= halbamtlicher deutscher Seite entworfen wird, ist lone ins Feld, die bei der Garde in Berlin fasi glänzend. Wie die Armeverfassung, so ist auch uer an Snichiten bianden. de wirtchaflüche Verfasg ausege anis haker kür aus Einzährigen besianden. zilt mehr,.— Frhöhung und* Haarschneiden umsonft!„Nämlich für, diesten durch die Kraft der Zieggsrizafg# Teichts Git mureht, was nur der Ertzogunng und Kinder von Vätern, die ins zreld gezogen sind.(Verstand gekennzeichnet, Diese Woz#hcstsrontt Bereicherung unserer Existenz diene. Nur eine Losung gibts: den Gegner niederringen, sich selbst Ein Barbier in der Zimmerstraße zu Berlin, der strage auch dazu bei, andere es tendes Beispiel zu dienen. en de Ptreagen Pie nichtz wohin sie Wenn jeder tut, was in seiner Kraf gehen. Auf den Strußen vielden die Leute stehen solltg da fehlen! und äußern Vermutungen. Jeder weiß irgends(duté es da Fe anderen Ländern als leucheine Einzelheit. Sie haben ja fast alle einen dabei, Gatten, Brüder, Söhne, Väter. In endlosen Zügen fahren sie ihrem Schicksal entgegen. Großes Unglück bringt der Krieg über Unzählige. Aber alle nehmen es gefaßt auf sich. Groß sind die Gefahren, die wir zu bestehen haben werden. Aber wir gehen ihnen ruhig entgegen. Wir emp. finden, daß Ungeheures über uns gekommen ist. Vor vierundvierzig Jahren schrieb Bismarck über die deutschen Truppen unterm 8. August: „Das gestehen selbst die Franzosen ein, daß unsere Leute sich wie Helden ihnen nur zu große Todesverachtung fen, und deshalb hat die arme lich verloren.“ Deutschland unsere Truppen werden sich diesmal nicht schlechter halten. Vom Kriegsschauplatz. Eine Gräfin von einem Wachtposten erschossen. Wien, 12. Aug. Die Gräfin Lucie Christallnigg geborene Gräfin Bellegarde, wurde bei Guerillakrieg. München, 12. Aug. Die„Münchener Neuesten Nachrichten“ sind durch einen glücklichen Zufall in den Besitz eines belgischen Blattes vom 7. August gelangt, in dem ausdrücklich festgestellt daß offiziell ein Franktireurkorps für den wird, daß offiziell ein Franklikeutlotos für den Guerillakrieg gebildet worden ist. Flucht einer russischen Fürstin. München, 12. Aug. Die verwitwete 25jährige Fürstin Katharina Bariatinski aus Petersburg ist aus ihrer Villa Lichtenau am Würmsee nach Hinterlassung einer bedeutenden Schuldenlast geflohen. Mit ihr floh ein Küchenchef, sowie mehZum Schutze der Neutralität. Stockholm, 12. Aug. Die beiden Kamftern des Reichstages haben einstimmia eine Regierungsvorlage angenommen, durch die ein Kredit von 50 Millionen Kronen für Maßnahmen zum Schutze der Neutralität des Königsreichs bewilligt wird. Dankbare Engländer. Hamburg, 12, Aug. Die hiesige englische Kolonie hat die englische Kirche dem Roten Kreuz zur Aufnahme verwundeter deutscher Krieger zur Verfügung gestellt mit freundlichen Worten des Dankes für die Freundschaft, die ihr hier eine zweite Heimat geschenkt habe. Aufnahme einer Anleihe. Berlin, 12. Aug. Der Bundesrat beschloß die sofortige Aufnahme einer Anleihe von 30 Mill. Mark zu 5 Prozent, rückzahlbar; im Februar 1917, zum Kurse von 99 Prozent. 1n5 Fleischversorgung Bayerus. München, 12. Aug. In einer Besprechung im Ministerium des Innern über die Fleischversorgung des bayrischen Volkes wurde erwähnt, daß Bayern durch eigene Vorräte, auch wenn der Krieg lange andauern sollte, gesichert sei. In manchen Bezirken seien die Stallungen so überfüllt, und das Angebot sei in den letzten Tagen e größer gewesen als die Nachfrage. Bayern steht mit seinem Rindviehbestand an der Spitze des Reiches und nur in Preußen ist der Schweinebestand verhältnismäßig größer. Teilnahme französischer Soldaten an dem Kampf um Lüttich. Berlin, 12. Aug.„Zu den schon mehrfach gufgetauchten Meldungen über die Teilnahme französischer Soldaten an den belgisch=deutschen Kämpfen berichtet dem„Berliner Tageblatt“ ein gestern aus Brüssel eingetroffener Deutscher folgende Einzelheiten: Ich hatte in dem bekannten Kaufhaus Grande Magazines de la Bourse eine leitende Stellung in der Abteilung für deutsche Möbel. Am Montag mittag erschollen vom Börsenplatz, an dem das Kaufhaus steht, Hochrufe und Schreie. Als ich aus einem Fenster sah, bemerkte ich eine Anzahl französischer Dragoner in Uniform, die von der Menschenmenge umdrängt und bejubelt wurden. Mehrere der französischen Soldaten wurden von den begeisterten Belgiern auf die Schulter gehoben und über den Platz getragen. Frauen versuchten die Franzosen zu umarmen und zu küssen. Mehrere der Soldaten wurden in Automobile gehoben und nach den nahe liegenden Wirtschaften gebracht. Im Laufe des Tages wiederholten sich diese Szenen noch mehrere Male. Insgesamt sah ich in Gruppen von vier und fünf etwa zwanzig französische Soldaten über den Börsenplatz ziehen, immer umdrängt von einer sich in überschwenglicher Begeisterung ergehenden Menge. Die französiche Soldaten sollen sich mit vielen anderen auftidor Eisenbahnfahrt nach Lüttich befunden und vin Brüssel einen vorübergehenden Besuch gemacht haben. Die Greneltaten an Deutschen in Belgien. München, 12. Aug. Die Münchener Neuesten. Nachrichten melden, daß ein aus Belgien eingetroffener bayrischer Geschäftsmann erzählte, daß man in Brüssel Deutschen die Augen ausgestochen und die Ohren abgeschnitten habe und daß einem deutschen Fleischermeister der Leib aufgeschnitten wurde. war. Amerikanische Spenden für das deutsche Rote Kreuz. Kolonien befinden sich mit Kriegszustande. der Hamburger Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe zu. gegangenen Auskunft des Auswärtigen Amtes. zufolge gilt der Kongostaat als belgische Kolonie * Folgen des Krieges. Der Verein ehem. 16er von Castrop und Umgegend hat den auf August festgesetzten Regimentsappell, verbunden mit Fahnenweihe auf später verschoben. * Zur Beachtung. Der Bevölkerung wird wiederholt dringend angeraten, sich Kraut aus Obst in möglichst reichlichen Mengen zu gewinnen, da bei der bevorstehenden ganz erheblichen Viehverminderung Ersatz für Butter notwendig werden wird. * Umrechnungsverhältnis für fremdes Geld. Von jetzt ab gilt für die in der Frankenwährung auszustellenden Postanweisungen nach fremden Ländern(Aegypten, Italien usw.) das Umrechnungsverhältnis von 100 Franks 40 Pfg., und für Postanweisungen nach nien das Umrechnungsverhältnis von = 82 Mk. 40 Pfg. * Höchstpreise für Kartoffeln. Zurzeit hat zwar eine Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln noch nicht stattgefunden. Es verdient inMünchen, 12. Aug. In der heutigen Sitzung und ist deshalb ebenso wie Belgien selbst als im des Münchener Magistrats kam es zu einer Kriege mit uns befindlich anzusehen. Dies gilt Sympathiekundgebung für die hier weilenden Amerikaner, wobei der Oberbürgermeister von den großen Spenden Mitteilung machte, die die Amerikaner für das deutsche Rote Kreuz gegeben haben. 60000 Mk. für einen Lazarettzug. Nürnberg, 12. Aug. Lazarettzuges hat ein Munururc Wohltäter 60000 Mk. gestiftet. Revolution. Lemberg, 13. Aug. Die„Gazette Wieczorna“ dessen zur Kenntnis gebracht zu werden, daß in temberg hat einen allgemeinen Gnadenerlaß hereiner vom Berliner Magistrat einberufenen Sitzung, an der eine große Anzahl der namhaftesten Sachverständigen teilnahm, einstimmig anerkannt wurde, daß ein Höchstpreis von 6 Pfg. für das Pfund Kartoffeln und ein solcher von 5 Mk. für den Zentner nicht überschritten werden dürfe. Da in allernächster Zeit erhebliche Anlieferungen zu erwarten sind, werden die ausgegeben, der Amnestie gewährt für politische Vergehen bei Verurkeilungen bis zu 2 Jahren, und für andere Vergehen bei Verurteilungen bis zu 3 Monaten Gefängnis. Volks=Justiz. Wien, 13. Aug. In Linz rief der Serbe G. ebenso von den englischen Kolonien uns gegenüber und umgekehrt. Kochendes Wasser als Verteidigungsmittel in Belgien. Kapenhagen, 12. Aug. Aus Herbestal eingetroffenen Meldungen zufolge verteidigten die in .- Ausrüstun= eines den Lütticher Waffenfabriken beschäftigten Zur Ausrustung ern== Frauen die Häuser, indem sie kochendes Wasser Nünchener Wohltäter auf die stürmenden deutschen Soldaten gossen. Die christlichen Gewerkschaften für die Hinterbliebenen der Kriegsteilnehmer. Die Vorstände der christlichen aus deren Verillionen Mark den HinKriegsteilnehmer und sonstigen durch den Krieg Geschädigten aufzuwenden. Mehrere Verbände geben zu den staatlichen und kommunalen Unterstützungen monatlich noch 12 bis 15 Mk. Zuschuß, andere gewähren, obwohl die Mitgliedschaft für Kriegsteilnehmer ruht, an die Hinterbliebenen der im Felde Gefallenen 5terbegelder, einmalige Witwen= und Waisenunterstützung oder dergleichen. „Heldentaten“ der Engländer. Berlin, 12. Aug. Englische Zeitungen bringen die Nachricht, daß der Hafen von Dar es salam von den Engländern angegriffen und daß Amnestie in Württemberg. Stuttgart, 12. Aug. Der König von Würtstansky auf offener Straße„Hoch Serbien“, der dortige Funkenturm von ihnen zerstört wormit größeren Beständen von Kartoffeln zu versehen. * Noch keine Feldpostpakete. Um Irrtümer zu vermeiden, machen wir darauf aufmerksam, daß Feldpostpakete von dem Postamt noch nicht befördert werden, da sie bis jetzt nicht zugelassen sind. Empörung, daß sie den Hochverräter totprügelte. Geldnot in Warschau. Warschau, 18. Aug. Hier herrscht infolge der kriegerischen Ereignisse eine Geldnot Die Falbriken waren am Samstag abend nicht mehr im Stande, ihren Arbeitern den Wochenlohn auszahlen zu können. Deutsche Unterseeboote an der englischen Küste. Berlin, 12. Aug. Deutsche Unterseeboote sind im Laufe-der letzten Tage an der Ostküste Englands und Schottlands entlang gefahren bis den Shetlandinseln. Ueber die Ergebnisse dieser Fahrt kann aus naheliegenden Gründen bis jetzt nichts mitgeteilt werden. Der neue Erzbischof von Posen. Berlin, 12. Aug. Die„Nordd. Allg. meldet: Die königliche Staatsregierung hat, sich entschlossen die seit dem Tode des Erzbischofs von Stablewski bestehende Sedisvakanz im Erzbistum Posen=Gnesen zu beenden. Die Verhandlungen mit dem päpstlichen Stuhle haben zu einem Einverständnis darüber geführt, daß der bisherige Weihbischof von Posen, Dr. Likowski, zum Erzbischof von Posen=Gnesen ernannt werden soll. Die Ernennung ist noch nicht, erfolgt, steht aber bevor. 30 Millionen=Anleihe der Schweiz. Bern, 12. Aug. Der Bundesrat beschloß die sofortige Aufnahme einer Anleihe von 30 Millionen zu 5 Prozent, rückzahlbar, im Februar 1917 zum Kurse von 99 Prozent. Furchtbarer Sturm. Potsdam, 12. Aug. Ein heftiger Hagelsturm suchte gestern die Gegend von Cladow heim. Die Wellen der Havel und des Wannsees gingen meterhoch. Hundertjährige Bäume wurden entwurzelt, Fensterscheiben zertrümmert, Dächer abgedeckt und eine Reihe von Fahrzeugen zicn Kentern gebracht. Wfele In Mlich, Hakao, Suppen oder Gemüsen die bestgeeighete. leicht verdauliche u. nahrhafte Krankenkost. Bekanntmachung. Auf Grund der Verfügung des General=Kommandos des VII. Armee=Korxs zu Münster vom 4. August 1914 setze ich die Höchstpreise für die unentbehrlichen Lebensmittel im Landkreise Dortmund wie folgt, fest: Verhemt in Arioge Curer für die-StaulCaches und das Amnr-Kausel. Die Kriegs-Gut-Scheine sollen den geschäftlichen Verkehr erleichtern, der durch den aussergewöhnlichen Mangel an Wechselgeld, insbesondere an Silbergeld, ausserordentlich erschwert ist. Die Ausgabe der Kriegs-Gut-Scheine erfolgt durch die Stadtkasse und die Städtische Sparkasse zu Castrop sowie durch die Amtskasse und Amtssparkasse zu Rauxel in Stücken von ½, 1, 2 und 3 Mark. Ihre Ausgabe erfolgt gegen Gold oder Papiergeld in runden Beträgen von mindestens je 10 Stück von einer Sorte bei-, 2- oder-Mark-Gut-Scheinen, von mindestens 20 Stück bei-Mark-Gut-Scheinen. Die Einlösung erfolgt ebenfalls durch die genannten Kassen, in der ersten Zeit gegen Gold oder Papiergeld und ebenfalls in abgerundeten Beträgen von mindestens 10 Mark; später in jedem Betrage, mag er so gross oder so klein sein wie er will. Die Kriegs-Gut-Scheine sind absolut vollwertig, da die Stadtgemeinde Castrop und die Gemeinden des Amtes Rauxel für die richtige Einlösung der Scheine mit ihrem Vermögen ebenso haften, wie für die Sparkassen-Einlagen.(Beschluss der Stadtverordneten-Versammlung Castrop und der Amtsversammlung Rauxel vom 10. August 1914.) Die Kriegs-Gut-Scheine stellen also wie die Spareinlagen ein Guthaben an die vorbezeichneten Gemeinden dar und können darum von jedermann in Zahlung genommen werden. Sie können auch benutzt werden zm Bezahlung von Steuern, Abgaben, Zinsen, Spareinlagen und zu allen Zahlungen, die an den Einlösestellen zu leisten sind. pro Pfd. 18 Pfg. 26„ 1. Roggenmehl 2. Weizenmehl 3. Reis a) Bruchreis„ b) Gemüse=Reis 4. Salz 5. Zucker 6. Fleischwaren: a) Schweinefleisch b) Speck, geräuchert c) Speck, frisch d) Schmalz e) frische Mettwurst 1) Rindfleisch g) Gehaktes Rind= u. Schweinefleisch Dortmund, den 7. August 1914. Der Landrat des Landkreises Dortmund gez.: von Rynsch. 17 20 12 28 90 90 70 90 90 90 90 Veröffentlicht: Rauxel, den 10. August 1914. Der Amtmann: v. Wehren. Bekanntmachung. Der Kassengehilfe Wiechers zu Rauxel ist ermächtigt, an Stelle des zur Fahne einberufenen Kassenbuchhalters Grüter, den Amts= und Gemeindekassenrendanten Krüger zu vertreten, sowie selbständig Eintragungen in die Kassenbücher vorzunehmen und Bescheinigungen über Zahlungen an die Kasse zu erteilen. Rauxel, den 8. August 1914. Der Amtmann: von Wehren, 1000 Die unterzeichneten Vorsitzenden der 0 konfessionellen Frauenvereine 0 erklären, dass die von ihnen vertretenen Vereine dem 6) Vaterländischen Frauen s Verein Castrop-Rauxel als korporative Mitglieder beigetreten sind. Sie bitten# daher ihre Vereinsmitglieder herzlichst, ihre ganze U Kraft allen von dem„Vaterländischen 0 Frauenverein“, während des Krieges“ eingerichteten Wohlfahrtsbestrebungen widmen zu wollen. 5 Castrop, den 9. Augusst 1914. Frau Pastor Balster— Frau Justizrat Becker— Frau Euster- Feldhaus— Frau Albert Hoffmann— Frau Schulte-Middelmann— Frau Lehrer Tillmann. 30000898810000000005 0 0 Veranntmachung. In Folge der Kriegswirren ist der * Konsum-Verein„Gluck Auf (E. G. m. b..), Castrop. Sonntag, den 23. August 1914 findet im Lokale des Wirtes Heinrich Haller Schetur-Vereuma. statt, mit folgender Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht pro 2. Quartal 1914 2. Bericht über den diesjährigen Verbandstag 3. Ausschliessung von Mitgliedern nach§ 32, Abs. 3 4. Besprechung resp. Beschlussfassung über den diesjährigen Kartoffel-Einkauf 5. Vereinsangelegenheiten. Der Vorsitzende der Aufsichtsrats: Heinr. Feldhoff. Ihre Gültigkeit soll vorläufig bis 1, Juli 1915 dauern. Zur Umwechselung oder Benutzung als Zahlungsmittel ist also genügend Zeit. Castrop und Rauxel, den 11. August 1914. Der Bürgermeister: Wynen. Der Amtmann: von Wehren. Amts spartafft Rechnungsjahr 1913. Bekanntmachung. 1. Seine Durchlaucht, der Herr Oberpräsident Prinz von Ratibor und Cowvey hat für Westfalen bereits in dankenswertester Weise auf die gänzlich unberechtigte Furcht hingewiesen, daß die Annahme von Reichsbanknoten und Reichskassenscheinen zu Geldverlusten führen könnte. Sollten Geschäfte auch jetzt noch die Annahme dieser gesetzlichen Zahlungsmittel— insbesondere von Reichsbanknoten— verweigern, so werde ich sie sofort polizeilich schließen lassen. Die Polizeiverwaltungen usw. haben entsprechende Mitteilungen der Bürger entgegenzunehmen, zu prüfen und das Ergebnis dem Generalkommando zu melden. Um einen Lebensmittelwucher zu verhindern, werden Höchstpreise für Volksnahrungsmittel festgesetzt, die ich noch bekannt geben werde. Bedauerlicherweise tritt an vereinzelten Stellen ein nicht zu billigender starker Verbrauch von Alkohol in die Erscheinung. Sollte sich diese Tatsache steigern, so beabsichtige ich, den Verkauf von Alkohol einzuschränken, gebotenenfalls den Branntweinverkauf ganz zu verbieten. 2. Aus volkswirtschaftlichen Gründen habe ich den Vorarbeiten für die Mobilmachung von einer Einberufung des Landsturms abgesehen. Ich hoffe zuversichtlich, daß ich von einer solchen Maßnahme überhaupt werde ganz absehen können. Münster, den 3. August 1914. Der Einlagen am Ende des Rechnungsvorjahres Zugang im Jahre 1913: a) durch Neueinlagen b)„ Zuschreibung von Zinsen.. Mk..543.317,51 Mk..160.808,09 144.770.40 Abgang, zurückgezahlte Einlagen Einlagebestand Ende 1913 auf 1593 Bücher Betrag des Zinsenüberschusses Betrag des Reservefonds Von den Beständen der Sparkasse sind zinsbar angelegt: in Hypotheken auf städtische Grundstücke „„ ländliche„ Inhaberpapieren gegen Fauupfand. bei öffentlichen Instituren in sonstigen Anlagen Einlagezinsfuß betrug%, der auch fernerhin vergütet wird. Sodingen, den 7. August 1914. 1206 66 40 Summa: Mk..848.896,00 .„.050.178,08 „.798.717,92 „ 31.358,91 .„ 5 9 4 5 8, 6 7 "".224.442,50 „ 86.472,52 „ 877.589,00 „ 13.000,00 25.000,00 .„ 69.815,83 Veröffentlicht. Rauxel, den 10. August 1914. Amtmann: von Wehren. Der Dorstand der Amtssparkasse: Hoffmann, Vorsitzen der. K. Tahnen!. bis zur Wiederkehr ruhigerer Zeiten verschoben. Der hervorragende Schuhpuitz Iin Chem. 102„Haeietäder cnstrop u. Umsezena. Orss FLEISCH Ar Sie erzielen die größten Umsätze, wenn Sie oin Inserat in der 00 sind Ihre Haare? 90 6 Sssssss nicht im Kamme Ihrem Kopfe! aufgeben sie ist dle einzige täglich erscheinende Zeitung am Platze Ich suche möglichst für sofort ein besseres ev. Mädchen das alle Hausarbeit selbständig verrichten kann. Lohn nach Uebereinkunft. Frau A. Dreier, „Baugeschäft, Habinghorst, Kronprinzenstr. 99. Aelteres erfahrenes Mädchen sucht Arbeit für ganze oder halbe Tage. Zu erfragen in der Geschäftsstelle. werden gesund und slark, sobald sie Apoth. M. Wagner’s Lecithin-Kraft-Nahrung zu sich nehmen. Orig.-Dose Mk..— u. Mk..50 i. d. Bahnhofs-Drogerie E. Middendorf, Mengede.W. Mittesser, Pickel im Gesicht und am Körper beseitigt rasch und zuverlässig Zucker’s Patent-Medizinal-Seife(in drei Stärken, à 50 Pf., M..— u. M..50). Nach jeder Waschung mit Zuckoch-Gremo, Tube 50 und 75 Pf. 2c., nachbehandeln. Frappante Wirkung, von Tausenden bestätigt. In Castrop: O. Hennewig; in Habinghorst: G. 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