Die Calroper Zatung ericheiat isglich mit Gusachme der Sonp- u. Feiertogs und koltet durch die Boien krei ins Haus gebracht So Pig: pro(onct.(Du Dllustr. Blatter 65 Pig. D# Erpecahion und Redatiog: Monlertraße 24. Drach und Verlag: Gerchpisten Schmitz i Caslrng. Celeson a. Telslon d. (Castroper Anzeiger.) Amtliches Organ für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Snlerlonsgebühren pro Peltzelle oder dasen Kaum 13 Phe. Reklamen pro Zelle 30 Plg., Bel. gröberen Dnloroten Rabatt. Gröbers. Unleraie werden bis mittags, kleinere Dis 4 Ubr nächmiligs vor Ausgabe der Zelung arbeten. 98. Für die Redahlen verantportich: P. Eissart h. Gachen. Amtliches Organ für die Stadt Lastrop sowie Amtliches Organ tür die Remter Rauzel, Mengede und Bladenhorst. Verbunden mit„Dleueste Dachrichten“, amtliches Organ für das Amt Rauxel,„Volks-Zeitung“, Organ für Sedingen, und„Bladenhorster Tageblatt“. Nr. 181. Aiie amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Castrov. der Remter Raunel. Mengede und Bladenberst erlanzen nach Verönentlichung in odigen Blättern rechtsverbinckliche Kratt. 40. Jahrg. Catrop, Samstag, den 8. August 1914. Die Stimmung im Reichslande. Eine Reihe von Vorgängen aus jüngster Zeit — angefangen mit dem Zaberner Fall bis zum Hansiprozeß vor drei Wochen— ließ auf die politische Lage und Stimmung in Elsaß=Lothrin= gen ein oft zweifelhaftes Licht fallen. Es gab solche, die aus diesen Vorgängen und aus dem Verhalten einer gewissen nationalistischen Presse ungünstige Schlüsse auf die patriotische Gesinnung des Volkes in Elsaß=Lothringen zogen, während andere, die Land und Leute wirklich kennen, aus voller Ueberzeugung offen erklärten: „Verwechselt die paar Bourgeois und Journalisten in den Städten nicht mit dem eigentlichen Volke! Das Volk ist treu deutsch gesinnt und steht fest zu Kaiser und Reich!". Die Ereignisse der letzten Tage haben, wie die Kölnische Volkszeitung in einem beachtenswerten Artikel ausführt, diesen recht gegeben. Kaum war der österreichisch=serbische Krieg ausgebrochen, da bekundete das elsässische Volk offen und laut seine Sympathie für Oesterreich und für das Haus Habsburg, dessen Ahnherr König Rudolf von Habsburg wie viele seiner Nachfolger Landgrafen im Elsaß war, dem Lande, von dem das südliche Stück bis zur großen französischen Revolution ein Bestandteil der vorderösterreichischen Lande war. Der Ruf Hoch Habsburg! Hoch Franz Josef! erscholl in der vorigen Woche oft auf der Straße und in Versammlungsräumen. Aehnlich in Metz und in Lothringen, wo gleichfalls durch geschichtliche Tradition noch viel Sympathie für das Haus Habsburg=Lothringen besteht und jedes Schulkind weiß, daß der Gemahl der großen deutschen Kaiserin Maria Theresia der Herzog Franz Stephan von Lothringen war, der auch der Stammherr des heutigen Habsburger Hauses ist. Nun aber erst die Erklärung des Kriegszustandes für das Deutsche Reich und die Mobilmachung! Mit einem Schlage schwand hier überall der französische Firnis an der Oberfläche, die wahre deutsche Gesinnung des Volkes trat offen zutage, zunächst in der alten Soldatenstadt Straßburg, wo der Ruf Mobill zuerst erscholl. „Deutschland, Deutschland über alles“ erklang jetzt auf allen Straßen und Plätzen, und damit mischte sich die schöne Volksweise:„O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt... Euer Sohn der muß marschieren ins weite breite Feld.“ Vom flachen Lande und aus den Vogesentälern kamen die strammen Burschen und die verheirateten Männer angerückt, von denen ungewöhnlich viele bei der Garde gedient haben und die nun eilen, zu ihren Truppenteilen in Berlin, Potsdam und Hannover zu kommen. Aus vielen Familien sind drei, vier, fünf Brüder, die zur Fahne müssen, doch alle voller Begeisterung für Kaiser und Reich. I Es sind verhältnismäßig nur wenig Kreise, die das Elsaß verlassen und sich nach Baden, in die Schweiz oder nach Belgien begeben haben; größtenteils werden es Schweizer und Luxemburger sein. Daß sich auch der„Volksvertreter", richtig Volksverführer, Reichs= und Landtagsabgeordneter Wetterle gleich beim ersten Sturmeszeichen in der Schweiz in Sicherheit gebracht hat, wurde schon gemeldet. Im Elsaß ist die Rolle des Mannes für immer ausgespielt. Ernstlich gesprochen gab es überhaupt für das Deutsche Reich keine elsaß=lothringische Frage mehr. Sie bestand nur in den Köpfen einiger weniger, die die alten Gegensätze immer wieder hervorkehrten und vom Kampfe zweier Kulturen sprachen. Wer die vaterländische Begeisterung des ganzen elsässischen Volkes miterlebt und den militärischen Stolz der elsässischen Soldaten mitangesehen hat, dem kam es nun vollends zum Bewußtsein: Hier gibt es keine elsaß=lothringische Frage mehr! Und wenn einmal die ersten blutigen Entscheidungen an der Ost= und Westgrenze gefallen sind, dann ist und bleibt auch in der Ueberzeugung des ganzen Volkes Elsaß und Lothringen unlösbar mit dem Deutschen Reich verbunden. Blut ist ein ganz besonderer Kitt. Eine Bestätigung des Vorstehenden gibt folgendes Telegramm des kaiserlichen Statthalters in Straßburg an den Reichskanzler: „Ew. Exzellenz beehre ich mich mitzuteilen, daß die Stimmung der Bevölkerung im ganzen Elsaß vorzüglich ist. Die Truppen werden bei den Durchzügen mit Begeisterung begrüßt. Die Presse der verschiedensten Parteirichtungen erkennt an, daß wir einen gerechten Krieg zu führen haben, und fordert die elsässischen Soldaten auf, keinen Flecken auf den Ehrenschild des elsässischen Soldatenruhms kommen zu lassen. Zahlreiche Elsässer haben sich als Kriegsfreiwillige gemeldet. Die Mobilmachung ist nach den eingelaufenen Meldungen bisher im Lande glatt verlaufen.“ Deutsches Reich. Die Heerespflichtigen einkommensteuerfrei. Berlin, 6. Aug. Ein Armeeverordnungsblatt enthält folgende Verordnung des Kriegsministers: Nach§ 5 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes vom 19. Juni 1906 ist von der Besteuerung ausgeschlossen: Während der Zugehörigkeit zu einem in der Kriegsformation befindlichen Teile des Heeres das Militäreinkommen aller Angehörigen des aktiven Heeres. In der Kriegsformation befinden sich nicht nur die in das Feld rückenden Teile(Feldheer), sondern auch die üibrigen Teilse der Arne(Ve! Piochangcherd, Leschhdecht id lediene uchl dde) immobil sind. Die Abgangsstellung erfolgt von dem 1. des Monats, in dem die Kriegsformation bezw. die Zugehörigkeit zu dem betreffenden Truppenteil usw. eingetreten ist. Eine Viertel Million für das Rote Kreuz. Der Ausschuß des Verbandes der Metallindustriellen Badens, der Pfalz und der angrenzenden Industriebezirke, Sitz Mannheim, beschloß auf Anfrage des Vorsitzenden ohne jede Debatte einstimmig, angesichts des dem Reiche aufgezwungenen Krieges und der erheblichen ungeheuren Opfer an Gut und Blut dem Roten Kreuz und andern demselben Zwecke dienenden Anstalten sofort zunächst eine Viertel Million Mark zur Verfügung zu stellen. Ein Reich— ein Volk. Stimmungsbild aus dem Reichstag. „Der 4. August 1914 wird bis in alle Ewigkeit hinein einer der größten Tage Deutschlands sein!“ So der Kanzler von Bethmann Hollweg in seinem Schlußwort im Reichstag. Und ewig unvergeßlich werden jedem, der das Glück hatte, sie mit zu erleben, die elementaren Ausbrüche der begeisterten Vaterlandsliebe bleiben, von der die deutsche Volksvertretung beseelt war. Einstimmig wurden die Fünfmilliardenkredite für den Krieg, einstimmig die anderen Kriegsvorlagen bewilligt. Doch nicht in den Beschlüssen des Parlaments lag die Bedeutung des Tages, sondern in dem Geist, aus dem heraus sie gefaßt wurden. Niemand brauchte zu mahnen:„Seid einig, einig, einig!“ Alle Parteiunterschiede waren von vornherein hinweggewischt, von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten die gleiche patriotische Gesinnung, das gleiche Bewußtsein, daß in Zeiten der Gefahr die Verteidigung des Vaterlandes oberste Pflicht sei. Wenn irgend etwas geeignet war, die durch die Ereignisse der letzten Tage hervorgerufene Stimmung noch zu heben, so war es die Rede des Reichskanzlers, die, frei von dem sogenannten Brustton der Ueberzeugung, eine innere Glut ausstrahlte, an der sich alle Herzen entzünden mußten. Der Eindruck war geradezu überwältigend, und in manches Abgeordneten Auge glänzte die Träne der Ergriffenheit. Unter der machtvollen Wirkung dieses Auftretens brach aller parlamentarischer Bureaukratismus in sich selbst zusammen. Niemand fragte mehr, welche Rechte den Mitgliedern, welche den Gästen des Parlaments zustehen. Mehr als einmal gingen minutenlange Beifallsstürme durch das Haus, erhoben sich alle Abgeordneten, alle Vertreter der Regieuung ale Retoher der Tribdwven von bven Batt zen, gaben ihrer Zustimmung durch andauernde Zurufe und andauerndes Händeklatschen enthusiastischen Ausdruck. Keinem Präsidenten fiel es ein, mit der alten Formel zu kommen, daß solche Kundgebungen nicht üblich seien, daß das Publikum sich ruhig zu verhalten'habe. Und das war gut. Nichts störte die Wirkung der Kanzlerworte, und es zeigte sich, daß, wie der Reichstag in sich, das Volk einig ist mit seiner Vertretung. Außer dem verantwortlichen Leiter unserer Politik sprach nur noch der Präsident und der Führer der sozialdemokratischen Partei. Dr. Haase verlas eine in würdiger Form abgefaßte, auch in den Reihen der bürgerlichen Parteien beifällig aufgenommene Erklärung, um die Stellung der äußersten Linken zu begründen, die sich in der entscheidenden Stunde auf den rechten Weg zurückgefunden hat. Dr. Kämpf aber machte sich zum Dolmetsch der Gefühle des deutschen Volkes und wies mit eindrucksvollen Worten darauf hin, daß es gewillt, seine Pflichten treu zu erfüllen, geschlossen hinter seinem Kaiser stehe. Und wohl noch niemals vorher hat das Hoch auf Kaiser, Volk und Vaterland so einmütigen, so von höchster Begeisterung zeugenden Widerhall geweckt. Regierung und Reichstag haben es nicht an sich fehlen lassen. Das Volk wird ihrem Beispiel folgen. Und dieses Volk in Waffen wird unter der Führung seines friedliebenden Kaisers in den ihm aufgezwungenen Krieg ausharren bis zum letzten, bis zum Sieg! Das deutsche Her und seine Füihr. Nach der gegenwärtigen Friedenspräsenzstärke hat das deutsche Heer folgende Gliederung: Chef der Armee ist der Kaiser, Vortragender Generaladjutant ist General Frhr. v. Lyncker, diensttuender Generaladjutant Generaloberst v. Plessen. Chef des Generalstabs ist Generaloberst v. Moltke. Die acht Armee=Inspektionen werden ausgeübt von den Generalinspekteuren Generalobersten v. Prittwitz u. Gaffron in Danzig, v. Heeringen in Berlin, v. Bülow in Hannover, Prinz Rupprecht von Bayern in München, Großherzog Friedrich 2. von Baden in Karlsruhe, Herzog Albrecht von Württemberg in Stuttgart, v. Eichhorn in Saarbrücken und v. Kluck in Berlin Die Armee ist eingeteilt in 25 Armeekorps, die 50 Infanterie=Divisionen und die Gardekavallerie=Division umfassen, und diese Divisionen setzen sich zusammen aus 106 Infanterie=, 55 Kavallerie= und 50 Feldartillerie=Brigaden, wozu noch 8 Fußartillerie= und 2 Eisenbahnbrigaden kommen. An Regimentern sind vorhanden: 217 Infanterie=Regimenten zu je 3 Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Aug. König. 9 werde mir die Adresse merken." „Tun Sie das, vielleicht haben Sie später Zeugen aus jener Zeit nötig. Ich werde in dieser Beziehung schwerlich Ihnen nützen können.“ Sie waren in eine stille Straße eingebogen, Hermann hatte einen Umweg gemacht, ohne darauf zu achten, der alte Herr gefiel ihm mehr und mehr, je näher er ihn kennen lernte. „Hier wohne ich.“ sagte der Rittmeister, dort in dem weißen Häuschen rechts. Ich bin mit meiner Tochter allein, das Unterhaus und einige Zimmer in der ersten Etage genügen uns, man muß sich nach der Decke zu strecken wissen. Von ihrem anfangs bedeutenden Vermögen hat meine Frau mir nur einen geringen Bruchteil hinterlassen. sie wollte ihr Vermögen selbst verwalten, dagegen ließ sich nichts einwenden, das Geld war ja ihr Eigen tum.“ Ein leiser Seufzer folgte diesen Worten, dessen Ursache war leicht zu erraten. „Aber nun haben Sie mich bis hierher begleitet, nun müssen Sie auch einen Augenblick eintreten,“ fuhr der alte Herr, einen heiteren Tou anschlagend, fort,„ich will Ihnen ein merkwürdiges Spiel der Natur zeigen.“ „Und das wäre?“ „Habe ich Aehnlichkeit mit Ihrer Schwester?“ „Durchaus nicht.“ „Schön, meine Frau glich ihr ebenfalls nicht, und wenn Sie nun meine Tochter betrachten, so glauben Sie das verjüngte Ebenbild Adelgundes zu sehen— ist das nicht ein selisames Naturwpiel: „Sollte da nicht Ihre Phantasie—“ „Nein, nein, es ist Wahrheit, kein Phantasiegebilde, Sie werden sich selbst davon überzeugen. Außerdem habe ich in meinnem Hause einen ausgezeichnetenk Magenbittern, den ich selbst braue, und von dem ich stets vor Tisch ein kleines Gläschen trinke. Sie sollen ihn versuchen, er reizt den Appetit.“ Haemnan hand iaie Lei anetaeresichenten Antwort. der Rittmeister hatte bereits die Haustür geöffnet, er schob seinen Freund ins Haus hinein, und der junge Rechtsanwalt stand gleich darauf im Wohnzimmer einer jungen Dame gegenüber, die der Rittmeister als seine Tochter Leontine vorstellte. Die Aehnlichkeit mit Adelgunde war in der Tat für den, der die Baronin in ihrer Jugendzeit gekannt hatte, überraschend. Dieselbe hohe, schlanke Gestalt, dieselben klassischen Gesichtsformen, von üppigem, braunem Haar umrahmt, dieselben dunkeln, seelenvollen Augen mit ihrem fesselnden Zauber, dieselben schelmischen Grübchen im Kinn und Wangen, ja sogar dasselbe Lächeln, das wie Sonnenschein die purpurroten Lippen umspielte. Die Toilette war sehr einfach, aber geschmackvoll, eine gelbe Rose an dem Busen bildete den einzigen Schmuck, den Leontine trug. Einfach und geschmackvoll war auch die Ausstattung des kleinen gemütlichen Zimmers, man konnte sich augenblicklich heimisch in ihm fühlen. Alles das hatte Hermann mit einem raschen Blick erkannt, mit einer tiefen Verbeugung bat er wegen der Störung um Entschuldigung, während der Rittmeister heiter lachend eine Flasche aus dem Buffetschrank holte und zwei Gläschen füllte. „Ach was, Störung,“ sagte er scherzend, während er dem Gast ein Gläschen überreichte,„meine Leontine ist ein Soldatenkind; Unvorhergesehenes darf sie nicht überraschen.“ Leontine hatte ihm mit heiterer Miene einen Stuhl angeboten, ihre Blicke begegneten sich, Purpurgold übergoß ihr schönes Antliß. *„ P a p a s a g t d i e W a h r h e i t,“ v e r s e t z t e s i e, u n d ein leises Zittern machte in ihrer Stimme sich bemerkbar,„es ist nicht denkbar, daß Ihr angenehiner Besuch uns stören könnte.“ „Sie sind im Begriff, zu Tisch zu gehen,“ stotterte er verwirrt. „So gehen wir eine halbe Stunde später,“ scherzte sie,„das kommt so oft vor, Papa bringt häufig einen Freund mit" Der Rechtsanwalt trank sein Gläschen aus, wenn auch das Gegenteil behauptet wurde, er fühlte doch, daß er störte. „Empfangen Sie herzlichen Dank für die liedenswürdige Aufnahme,“ sagte er, dem errötenden Mädchen die Hand reichend,„empfehle ich mich jetzt, gnädiges Fräutein, so hinterlasse ich nicht den Eindruck eines Störenfrieds, und ich darf mir die Ehre geben, zu gelegener Zeit noch einmal meine Aufwartung zu machen. Also, wenn Sie erlauben, auf Wiedersehen!“ „Auf Wiedersehen,“ flüsterte sie die braunen Augen zu ihm aufschlagend,„leben Sie wohl, Herr Doktor.“ Er ging hinaus, wie im Traume keines klaren Gedankens war er in diesem Augenblick fähig. Der Rittmeister begleitete ihn zur Haustür. „Haben Sie nun die Aehnlichkeit entdeckt?“ frogte er leise. „Sie haben nicht zu viel behauptet,“ nickte Hermann,„meine Schwester muß sich auch davon überzeugen, ich hoffe. Sie werden die junge Dame mitbringen, wenn Sie Adelgunde besuchen.“ „Es soll mich freuen, wenn die beiden Damen sich innig mit einander befreunden, auf Wiedersehen, Herr Doktor!“ 8. Kapitel. Der Hauptmann Georg Tellenbach war gleich nach seiner Begegnung mit Hermann Steinfelder in das Kabinett seines Vaters gegangen. Er bemerkte die Verstinamung des alten Herrn nicht der beim Eintritt seines Sohnes sofort sich bemühte, eine heitere Miene anzunehmen. „Georg,“ sagte er zu ihm,„Du wirst heute mittag allein speisen, ich fahre hinaus nach Eichenhorst „Das wird Dir nicht unangenehm sein!“ scherzte Georg. „hm, seitdem Baron Darboren die neue Köchin hat, ist seine Tafel nicht mehr so gut bestellt, wie früher, namentlich die Saucen lassen viel zu wünschen, und gerade sie sind die Haupsache. Erinnerst Du Dich noch des Themas, das wir vor einigen Wochen besprachen?“ „Wir haben manches besprochen, Papa.“ „Baronesse Theodora von Darboren!“ Das Antlitz Georgs färbte sich dunkler, er fuhr mit der Hand langsam durch seinen Vollbart und schlug vor dem forschenden Blick des Vakers die Augen nieder. „Ich sagte Dir damals schon, daß ich das Glück gehabt habe, die Baronesse kennen zu lernen und mehrmals mich mit ihr zuunterhalten, erwiderte er. „Du sagtest mir auch, daß Du sie liebst.“ „Ich kann das heute nur bestätigen, aber es ist eine Liebe ohne Höffnung—“ „Dem Mutigen gehört die Welt!“ fiel der Notar ihm in die Rede.„Weshalb ohne Hoffnung?“ „Weil Baron vonl Darboren voraussichtlich niemals in diese Verbindung einwilligen wird. Mir fehlt der Adel, die lange Ahnenreihe und das Haus Eichenhorst ist Majorat. Wenn Theodora von Daraboren die Tochter eines armen Edelmannes wäre, la bonheur, ich würde mich nicht lange bedenken, um im Sturmschritt mir Herz und Hand des geliebten Mädchens zu erobern. Unter den jetzigen Verhältnissen aber wage ich das nicht, ich könnte mich der Gefahr aussetzen—“ „Unsinn,“ unterbrach der Notar ihn.„Ichsehe da keine Gefahr. Der Rock, den Du trägst, adelt Dich, und wird Deine Liebe erwidert, so wird der Baron wohl nachgeben müssen. Ich sagte Dir damals schon, sorge nur für Gegenliebe, das andere darfst Du mir getrost überlassen. Baron Darboren schuldet mir einigen Dank, meine Worte fallen schwer bei ihm in die Wagschale. Namentlich jetzt,“ fuhr erfort,„die Witwe des verstorbenen Masoratsherrn ist aus der Irrenanstalt entlassen, siel verlangt, in ihre Rechte wieder eingesetzt zu werden, da ist der Herr Baron mehr denn je zuvor auf meinen Rai und meine Hilfe angewiesen.“ Georg blickte überrascht auf, es schien, als## ein dunkler Schatten des Unmuts über sein Antitz slitte. „Wenn se eine Witwe Rechte besitzt so müsser ste ihr eingeräumt werden,“ sagte er ernft. „Aber sie besitzt keine,“ erwiderte sein Vaterachselauckend Bataillonen, ferner 18 Jägerbataillone, 27 Maschinengewehrabteilungen, 110 Kavallerie=Regimenter(10 Regimenter Kürassiere, 28 Dragoner, 26 Ulanen, 21 Husaren, 13 Jäger zu Pferde, 4 Schwere Reiter=Regimenter, 8 bayrische Chevauxlegers=Regimenter), 100 Feldartillerie=Regimenter mit zusammen 3732 Geschützen, 497 Munitionswagen und 844 Beobachrungswagen, 1 Regiment der preußischen Feldartillerie=Schießschule, 1 Regiment der preußischen Fußartillerie=Schießschule, 26 Fußartilterie=Regimenter und 36 Bespannungsabteilungen, sowie 1 württembergisches Fußartilleriebataillon, 8 Pionier=Regimenter und 27 Pionierbataillone, sowie 1 Pionierversuchskompagnie. An Verkehrstruppen sind vorhanden: 4 Eisenbahn=Regimenter und 1 bayrisches Eisenbahnbataillon, sowie 1 Betriebsabteilung und 2 Versuchskompagnien, 10 Telegraphenbataillone; 11 Luftschifferbataillone, 1 Luftschifferkompagnie, 1 Kraftfahrerbataillon, 5 Fliegerbataillone. Vom Train sind 26 Bataillone vorhanden. Die Gesamt=Friedensstärke des deutschen Heeres beläuft sich nach der dem letzten Etat beigegebenen Uebersicht auf 663 200 Gemeine, rund 29 000 Offiziere und Sanitätsoffiziere, 107000 Unteroffiziere und Zahlmeister. Einschließlich der Einjährig-Freiwilligen beträgt die Präsenz rund 819 000 Mann. Davon entfallen auf die Infanterie allein 433.000 Gemeine, 17 800 Offiziere und 65000 Unteroffiziere. Ueber die Kriegsformationen werden Mitteilungen nicht veröffentlicht. Man kann aber annehmen, daß allein die präsente Armee, Reserve und Landwehr über 5 Millionen Mann gut ausgebildeter Truppen liefern werden, mehr als irgend ein anderer Staat zurzeit aufzustellen vermag. Und bei dieser Truppenzahl handelt es sich ausnahmslos um vollkräftige Männer, die den militärischen Anstrengungen gewachsen sind, während das z. B. von den französischen Truppen infolge der forcierten Aushebungen sich nicht sagen läßt, Aus den Provinzen. * Gladbeck, 6. Aug. Hier wurden böswillige Gerüchte verbreitet, die Verwaltungen der hiesigen Zechen beabsichtigten, den Angehörigen der ins Feld gezogenen Knappen die Wohnung zu kündigen. Selbstverständlich ist von diesen Gerüchten kein Wort wahr! * Bochum, 6. Aug. Gegen mehrere Kartoffelhändler, die auf dem Wochenmarkt für das Pfund Kartoffeln 15 Pfg. verlangten, wurde polizeilich eingeschritten. Einige Holländer Händler wurden wegen Preistreiberei vom Markte verwiesen. * Unna, 6. Aug. Der Schneidermeister Faupel, der bekanntlich im Prozeß gegen die beiden Oberpostassistenten Spiekermann und Meier von hier vom Schwurgericht zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, ist am Dienstag aus dem Zuchthause in Celle entlassen worden. Die Strafkammer hatte den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt. Das Oberlandesgericht in Hamm hat auf die erfolgte BeEine Feldzugserinnerung zur rechten Stunde. Nicht viel Zeit ist es jetzt, lange Artikel zu lesen. Und doch sollen die Feldzugserinnerungen von Budde aus dem Jahre 1866 gerade jetzt als Mahnung der Vergessenheit entrissen werden. Sie liegen schon lange in der Mappe für die „Mobilmachung der heimatlichen Seelsorge" zur Veröffentlichung bereit bei drohender Kriegsgefahr. Man liest darin u. a. folgende Episode: „Mir fällt eben einer ein, ein ganz kümmerlicher Frosch aus dem Sumpf des Lebens; das Schicksal hätte ihn billig übersehen können, aber es hat ihn doch noch erreicht, als er sich schon geborgen glaubte. Traps hieß er und war„in seinem zivilen Verhältnis“ ein Besenbinder, militärisch aber ein Gemeiner in dem Zug, den ich zu führen hatte. Ein wasseräugiges Individuum mit strohhellen Haarstoppeln an Kopf und Kinn, plump, kräftig von Gliedmaßen und kartoffelähnlich von Angesicht. Dabei aber ein geborener Spaßmacher; in seinem kleinen Schädel hatten allerlei Schnurren Platz, mit denen er die Kameraden auf dem Marsch erheiterte; er verlangte wenig vom Leben, alle Tage eine Schüssel voll Erdäpfel und, wenn es gut ging, ein Stück Speck dazu, das mag wohl sein Wunschzettel für die irdische Pilgerfahrt gewesen sein. Bei persönlicher Rauferei stand er seinen Mann; er erinnerte mich, daß er bei einem Grenzkommando, wo wir mit den Schmugglern handgemein wurden, ungeschlacht, aber mit Erfolg dreingeschlagen hat. Aber im Donner der Schlacht ging sein bischen Phantasse mit ihm durch und er versagte. Ich glaube, daß er sich im Grunde mehr vor dem Knallen als vor der körperlichen Gefahr gefürchtet hat. Wir kamen bei Königgrätz ins Feuer. Es ging eine Anhöhe hinauf, über deren Spitze sich ein Waldstreifen hinzog. Da habe ich zum erstenmal das blechern scharfe Sausen der Granaten gehört, wenigstens zum erstenmal mit dem Bewußtsein, daß sie für mich bestimmt waren. Der Feind schoß zu hoch, die Kugeln klatschten durch die Zweige, während wir unten ziemlich ungefährdet durchmarschierten. Aber das Gefühl war da:„Jetzt kommt es“, und eigentümlich war es doch. Am Rande des Gehölzes ließ der Major halten und ordnete das Bataillon. Wir waren auf dem Vergrücken; zwei Kilometer freier Heer. straße hatten wir vor uns, und am Ende derschwerde hin dem Antrage auf Wiederaufnahme des Verfahrens stattgegeben und die Haftentlassung angeordnet. Spiekermann und Meier, die ebenfalls verurteilt worden waren, sind bekanntlich in der letzten Tagung des Schwurgerichts freigesprochen worden. * Billmerich bei Unna, 6. Aug. Ein unsere Gemeinde gestern mit seinem Kraftwagen passierenden Chauffeur hielt auf Anruf der diensttuenden Schutzwehr sein Fahrzeug nicht an. Darauf machte die Schutzwehr von ihrer Schußwaffe Gebrauch. Durch den Schuß wurde der Chauffeur tödlich verletzt. Wie sich später herausstellte, gehört der Kraftwagen dem kgl. Kammerherrn Grafen von Plettenberg auf Haus Heeren bei Kamen. * Düsseldorf, 6. Aug. Der Verband der Ortskrankenkassen hat dem Landrat das Genesungsheim in Hösel mit 120 Betten als Lazarett zur Verfügung gestellt. Zur Errichtung eines Lazaretts in Oberkassel ist die evangelische Notkirche der katholischen Gemeinde in Oberkassel zur Verfügung gestellt worden. * Düsseldorf, 6. Aug. Bekanntlich fallen unter den kaiserlichen Gnadenerlaß für militärische Verbrechen und Vergehen auch Straftaten der Personen, die aus Anlaß der gegenwärtigen Mobilisierung einberufen werden und zur Einstellung gelangen. In der gestrigen Sitzung der Strafkammer wurden— und das wird nunmehr auch an anderen Gerichten häufiger der Fall sein— mehrere Angeklagte abgeurteilt, auf die diese Amnestie=Bestimmung Anwendung findet. In sämtlichen Fällen hob das Gericht die gegen die Verurteilten erlassenen Haftbefehle auf und setzte sie alsbald in Freiheit. * Düren, 6. Aug. Die Arbeiter der Firma Petry=Dereux, Düren, beschlossen, 10 Prozent ihres Lohnes für die zurückbleibenden Frauen und Kinder der ausrückenden Krieger abzugeben, Die Firma Petry=Dereux stiftet denselben Betrag, desgleichen werden auch die Beamten dieser Firma 10 Prozent ihres Gehaltes dazu hergeben. * Detmold, 6. Aug. Die Direktion der Sinalco= Aktiengesellschaft in Detmold stellte dem Kriegsministerium für die deutsche Armee hunderttausend Liter Sinalco=Getränke als Kriegsspende zur Verfügung. * Langendreer, 6. Aug. In der Grube der Zeche„Bruchstraße“ ereignete sich gestern eine Explosion schlagender Wetter, wodurch die Bergleute Meis und Holtkamp aus Langendreer, Fischer aus Bommern und Stiebel aus Werne durch hereinbrechendes Gebirge verschüttet wurden. Sie konnten leider nur als Leichen geborgen werden. Vermischtes. — Berlin, 6. Aug. Das Königlich schwedische Konsulat in Berlin macht bekannt, daß bei allen Truppenteilen Schwedens die diesjährigen Regiments= und Repetitionsübungen anstatt am 15. September am 7. August beginnen und daß solche Gestellungspflichtige sich sofort bei ihren Truppenteilen einzufinden haben. — Berlin, 6. Aug. Zur Fürsorge für die zurückbleibenden Familien der zum Heeresdienst einberufenen Arbeiter, die in Reichs= und preußischen Staatsbetrieben ständig beschäftigt waren, stoll nach eimer Vereinbgrung der beteiligten Ver. selben stand ein Truppenteil, dessen Uniformen noch nicht zu erkennen waren; aber das mußte der Feind sein. Wir sahen, wie aus dem Tal links hinter ihm ein Haufen der unsrigen heranzeg, und was wir zu tun hatten, war uns klar; es handelte sich darum, den Gegner zwischen zwei Feuer zu nehmen. Wir mußten uns beeilen, um zu gleicher Zeit mit unsern Freunden beim Angriff zu sein, und vorwärts ging es. Es war eine böse Passage über die offene Straße; ich erinnere mich noch heute, wie eine heulende Vollkugel den ersten wegriß; aber die Leute hielten sich wacker und wir kamen rasch vorwärts. Mit einem Mal indessen fuhr eine merkwürdige Unruhe in die Mannschaft. Ein Geflüster ging herum, irgend jemand hatte zu bemerken geglaubt, daß die angeblichen Feinde dunkle Uniformen trügen, und man raunte:„Das sind keine Oesterreicher, das sind Preußen!" Die Vorstellung von einem verhängnisvollen Irrtum pflanzte sich fort, der Schritt wurde sofort unsicher, ein Zaudern riß ein, es war, als sollte die Ordnung sich lösen. Ich war noch damit beschäftigt, mir über die Ursache dieses Unheils klar zu werden, da tönte ein schneidendes„Halt!“. Wir standen; zwei Mann wurden angeschossen, aber der Major ritt langsam vor die Front. Breit und ruhig pflanzte er sich auf und öffnete den Mund:„Himmeldonnerwetter, Kerls, wenn noch einer muckt, so lasse ich euch hier halten, Points vornehmen und ausrichten!“ Er hätte sein Wort gehalten, das wußte der erste wie der letzte im Bataillon, und durch die Glieder ging ein Sichducken, dann aber ein Blitz des Stolzes, daß wir einen solchen Führer hatten. Ich schaute am Glied entlang; die Köpfe hoben, die Nüstern blähten sich, der Atem ging frei; der Major hatte uns gelehrt, wie man das Kanonenfieber überwindet. Dann„Zur Attacke Gewehr rechts, Hurra", und zehn Minuten später war der Feind geworfen. Aber einer hatte nicht mitgeblitzt, und das war Traps. Er war mir schon vorher dadurch aufgefallen, daß er sich an seinem Nebenmanne festhielt; beim Halten schaute er mit einem wässerig stieren Blicke vor sich hin, sein Unterkiefer machte einige merkwürdige Schlingbewegungen, und als der Major zu seiner kurzen Standrede ansetzte, da rang sich ein Ausruf aus seiner Brust, dämelig aber inbrünstig:„Och Jott, nun flucht der auch noch!" Das Gelächter seiner Nebenmänner verklang im Sturm des Angriffs, und er— kam waltungen den Angehörigen bis auf weiteres der Lohn des Einberufenen in folgender Weise fortgewährt werdev: Der Ehefrau je nach Bedarf bis 25 v. H. des Lohnes, jedem Kind unter 15 Jahren je nach Bedarf bis 6 v. H. des Lohnes; im ganzen höchstens die Hälfte des Lohnes. Die Bezüge des Einzelnen werden unter Berücksichti gung der örtlichen Verhältnisse und der Höhe des Lohnes bemessen werden. — München, 6. Aug. Der König und die Königin haben Sammlungen für die Verwundetenfürsorge und Angehörigenfürsorge durch Bereitstellung von 10 000 Mark eröffnet. — Budapest, 6. Aug. Zwei Angestellte einer ungarischen Pferdehandlung, die mit Pferden aus Rußland in der Heimat eintrafen, erzählen, daß die russische Mobilisierung am 30. Juli durch Straßenanschlag kundgegeben wurde. In Odessa herrsche keine Begeisterung. Alles denke an die Greuel des russisch=japanischen Krieges. Soldaten und Gendarmen trieben das Volk mit Peitschen= und Kolbenschlägen zur Stellung. Dirussischen Soldaten fürchteten das preußische Militär. Auch gewärtige man eine Revolution. Seit der Mobilmachung seien alle öffentlichen Lokale gesperrt. Der Alkoholismus wäre in der Armee kolossal verbreitet. — Königsberg, 6. Aug. Von den ersten russischen Gefangenen, die in Königsbera eingetroffen sind, wird berichtet, sie seien in bester Stimmung und sehr glücklich, nach langer Zeit sich wieder einmal nach Herzenslust satt essen zu können. — London, 6. Aug. Es ist eine Proklamation über Bestimmungen über Kontrebande erlassen worden, wodurch den feindlichen Schiffen als Termin zum Verlassen der britischen Häfen der 14. August Mitternachts bestimmt wird. — London, 6. Aug. Der deutsche Dampfer „Dryand“ ist mit 17 Mann Besatzung im Kanal bei Manchester zurückgehalten worden — Petersburg, 6. Aug. Das Gebäude der deutschen Botschaft ist Gegenstand wüster Ausschreitungen gewesen. Es wurde äußerlich beschädigt und im Innern zum Teil geplündert. Die Volksmenge soll durch unwahre Nachrichten über rücksichtslose Behandlung der Zarin=Mutter und des Großfürsten Konstantin auf deutschem Boden aufgereizt worden sein. Die Polizei verhaftete hundert an den Ausschreitungen beteiligte Personen, die dem Kriegsgericht zugeführt wurden. — Bingerbrück, 7. Aug. An der Brücke, die den Ort mit dem Bahnhof verbindet, wurde hier ein unbekannter etwa 35jähriger Mann von einem Posten angehalten. Als der Unbekannte die Flucht ergreifen wollte, wurde er von dem Posten erschossen. Er soll eine große Summe Geldes bei sich geführt haben. Es handelt sich um einen Ausländer. — Dersden, 7. Aug. Bei Großenhain wurde gestern der Landwehroberleutnant Georg Wolf von Tümpling, der mit seinem Automobil auf Anruf eines Postens nicht hielt, von diesem instruktionsgemäß vom Automobil heruntergeschossen. Er ist tot, der Chauffeur schwer verletzt. — München, 7. Aug. Ein Chauffeur, der auf den Anruf eines Militärpostens nicht hielt, wurde erschossen. uns abhanden. Wann er sich beiseite geschlichen, darauf hatte niemand geachtet, jedenfalls sehr bald, und an dem Tage war et nicht mehr gesehen. Die Schlacht ging ihren Gang und am Abend lagerten wir uns als Sieger um die Feuer; Traps fehlte. Aber in der Nacht fand er sich wieder ein und behauptete, er sei krank; was er getrieben und wie er uns wiedergefunden hatte, das blieb sein Geheimnis; denn niemand sprach mehr als das Nötige mit ihm Als der Major früh um fünf Musterung hielt, blieb er einen Augenblick vor Traps stehen.“ Wieder sah ich dessen Kinnlade sich senken, aber der Gefürchtete ging einen Schritt weiter, drehte sich dann kurz um und sagte:„Leute, seht euch den Mann an.“ Das war alles, aber es war genug. Traps, das Großmaul, war verstummt. Dafür stimmte bald ein anderer Versifer der Kompagnie seine Kehle räuspernd ein Liedlein an: Sagt, wer ist der tapfre Mann, Der kein Pulver riechen kann? Geht es zum Kartoffelbrei, Ist er hurtig mit dabei; Aber wenn die Kugeln pfeifen, Sucht er schleunigst auszukneifen, Und wenn die Husaren traben, Kriegt er in den nächsten Graben. Kinder, dieser Mann, ich hab's, Kinder, dieser Mann heißt Traps. Und so weiter. Auf die Kunst der Verse war weniger Gewicht gelegt als auf die Intention, aber diese genügte, und die Genossen stimmten lustig in den Kehrreim ein. Da der Name des Schuldigen sich noch auf einiges andere wir „Schnaps" und„Klaps" reimte, war Stoff genug zu einem ausgiebigen Spießrutenlaufenlassen vorhanden. Ich beschaute mir ihn einige Male; er marschierte stier vor sich hin, und ließ die Hänselei über sich ergehen. Manchmal zuckte es in seinem Gesicht, aber kein Mensch konnte ihm bestimmt ansehen, was in ihm vorging. Etwa drei Tage lang dauerte seine schlimnnste Zeit; dann wurden die Kameraden des tätigen Spottes müde und ließen ihn ungeschoren, aber abseits. Ich dachte, er sei für das eine Vergehen genug gestraft, und wünschte ihm, daß er bei der nächsten Gelegenheit den Mut finden möchte, seine Schlappe auszuwetzen. Aber die Gelegenheit zeigte sich nicht; der Waffenstillstand kam, dann der Friede und der Heimmarsch. Aus Eastrop und Umgegend. Gastrop, 8. August. Jeder tue seine Bürgerpflicht! Nachdem der Kriegszustand für unser geliebtes Vaterland eingetreten und der größte Teil der Heerespflichtigen zum Kriegsdienst einberufen und eingetreten ist, tritt an die Zurückgebliebenen die Pflicht heran, auch ihrerseits dem Vaterlande zu dienen, verart, daß sie die Lücken, die durch den Fortgang der wehrfähigen Männer entstanden sind, ausfüllen und die letzteren vertreten. Es ist daher Pflicht eines jeden Bürgers, nachdem die Tage der Unruhe, welche durch die Erklärung des Kriegszustandes usw. hervorgerufen worden waren, vorüber sind, nunmehr wieder an die gewohnte Arbeit heranzugehen und durch Fleiß und Sparsamkeit zur Mehrung des Nationalvermögens beizutragen. Weiterhin ist es eine schöne Aufgabe der Zurückgebliebenen, für die für König und Vaterland und den eigenen Herd kämpfenden Krieger zu sorgen und ihnen ihre schwere Aufgabe zu erleichtern. Hierzu ist in allererster Linie die Stiftung von Geld in möglichst großem Umfange erforderlich. Aber auch andere Liebesgaben jeder Art, besonders solche die für die Erfrischung, Bekleidung und Krankenpflege der Krieger Verwendung finden können, sind erwünscht. Der Vaterländische Frauenverein wird derlei Gaben dankend entgegennehmen. * Zur Notiz für Lebensmittelwucherer. Dr. Heim in München, bekanntlich ein Sachverständiger ersten Ranges, hält Deutschland mit allen möglichen Lebensmitteln für zwanzig Monate gut versorgt. * Zentralstelle für freiwillige Kriegshilfe. Unter Leitung des Herrn Bürgermeisters Wynen tagte im Cafe Becker eine Versammlung mehrerer Herren von Castrop und Rauxel, um über die Einrichtung einer Zentralstelle für freiwillige Kriegshilfe zu beraten. Die Einrichtung einer solchen wurde einstimmig beschlossen. Ein Ausschuß übernahm die Verwaltung der Stelle. Das Bureau wird in der Höheren Mädchenschule eingerichtet und die Leitung desselben dem Herrn Rektor Kramwinkel übertragen. Herr Lehrer Erlhoff übernimmt die Geschäfte eines Kassierers. Die Zentralstelle führt einen Arbeitsnachweis, richtet eine Sammelstelle für Geldspenden und Liebesgaben ein und stellt sich nach Kräften in den Dienst der Stadt Castrop und der Gemeinde Rauxel. Sie arbeitet mit dem Vaterländischen Frauenverein Hand in Hand. An die Bürgerschaft von Castrop und Rauxel wird die herzliche Bitte gerichtet um Unterstützung dieses so hochwichtigen Unternehmens in der schweren Zeit. * Unnütze Furcht vor Lebensmittelmangel. Wiederholt haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß ein Mangel an Lebensmitteln oder eine Teuerung nicht zu befürchten ist. Wie neuerdings der„Germaniaverband"(Zweigverband Westfalen) seinen Mitgliedern mitteilt, ist es ihm gelungen, einen nicht unbedeutenden Teil des Bedarfs an Brotgetreide für das Industriegebiet zu einem sehr billigen Satze(10 Mk. unter heutigem Tagespreis) zu kaufen. Die Abnehmer sind verpflichtet, das Mehl nur zu Brot(Graubrot und Weißbrot) zu verwenden und müssen Mberatichter sihtnerr. Als wir an die sächsische Grenze gelangten, fing Traps wieder an, etwas, ich will nicht sagen munterer, aber doch weniger wässerig dreinzusehen, er hoffte offenbar, bald aus seinem Fegefeuer erlöst zu werden. Ich habe nochmals gedacht:„Mag es ihm gegönnt sein, daß mancher bravere Mann geblieben, während er seine Haut im Landstraßengraben in Sicherheit gebracht, umgekehrt ware es gewiß besser, aber was kann der arme Teufel dafür, daß er nie die Macht eines anständigen Ideenganges erfahren hat?“ Aber es kam anders. Eines Morgens, wir hatten gerade Rasttag, erschien die Ordonnanz mit strahlendem Gesicht und meldete:„Die erste Kompagnie ist zur Teilnahme am Siegeseinzug in Berlin kommandiert!" Ich ging hinaus, um nähcres zu erkunden, und freute mich unterwegs über den mannhaften Jubel meiner Leute. Dann revidierte ich die Verpflegung und dabei fand ich, daß einer fehlte: das war Traps. Ich erkundigte mich nach ihm; in der Freude über die bevorstehende Auszeichnung hatte niemand viel auf ihn geachtet; nur ein Freiwilliger, ein schärferer Beobachter, bemerkte, der Mann habe unheimlich ausgesehen und sei in Aufregung davon gegangen, als ihm die Nachricht mitgeteilt wurde. Gleich darauf kam er von selbst zurück und die Mannschaft schickte sich an, ihn mit lachenden Reden zu begrüßen. Aber das Lachen erstarb, wie sie ihn anstaunten, denn der Mann sah aus, wie ein Verurteilter, er sah aus, als sei ihm jetzt zum Bewußtsein gekommen, was es heißt, ein Feigling vor dem Feinde zu sein. Es war lächer. lich und schrecklich zugleich, wie es hinter seinem stumpfen Gesicht arbeitete, wie er vergeblich sein Hirn abmühte, um den Gedanken zu fassen, daß er, der Drückeberger, unter den Tapfersten die Tapfern bei der Siegeskrönung vertreten sollte. Seine Augen waren stier, sein Mund zuckte, aber er wiederholte nur wie abwesend:„Ich soll nach Berlin! Ich soll nach Berlin!“ Ich redete ihn an, er machte mechanisch die Honneurs, aber er sah mir verständnisvoll ins Gesicht; ich wußte, daß ihm nicht zu helfen war, und es ist immer eine tragische Sache, vor einem Menschen zu stehen, der den Folgen seiner Schuld unrettbar verfallen ist. Am folgenden Morgen kam die Meldung, er habe sich erhängt; man hatte seinen Leichnam in einer Scheune gefunden.— „Dem Tod entrinnt, wer ihn verachtet,— Doch den Verzagten holt er ein.“ für das Brot den Anordnungen des Verbandes fügen. Das uns vorliegende Schreiben des Germaniaverbandes“ schließt mit folgenden Worten:„Im übrigen bitten wir Sie dringend und inständig dafür besorgt zu sein, daß die dortigen Kollegen in der Festsetzung ihrer Preise ein richtiges Maß einhalten und sich nicht verleiten lassen, auch nur den geringsten unberechtig. ten Preisaufschlag zu nehmen. Eher wollen wir im Interesse des Vaterlandes und der Gesamtbürgerschaft Opfer bringen und uns dadurch vorteilhaft von jener Gruppe Menschen abheben, denen das Geldverdienen oberster Grundsatz ist. * Westfalen und die Kriegsanleihe. Der Landeshauptmann der Provinz Westfalen Dr. Hammerschmidt ordnete, wie er uns mitteilt, nach einer Beratung mit den oberen Beamten des Provinzialverbandes von Westfalen und mit den Kassenleitern an, daß von der bevorstehenden 5 Milliarden=Kriegsanleihe für die Provinz Westfalen 25 Millionen und für die Landesbank der Provinz Westfalen ebenfalls 25 Millionen sofort nach Offenlegung der Liste gezeichnet würden. Der gesamte Betrag kann zu den Einforderungsterminen aus disponiblen Beständen flüssig gemacht werden und wird die Steuerlast der Provinz nicht erhöhen. * Der Postverkehr zwischen Deutschland und England ist gänzlich eingestellt und findet auch auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt. Es werden daher keinerlei Postsendungen nach dem angegebenen fremden Lande mehr angenommen, bereits vorliegende oder durch die Briefkasten zur Einlieferung gelangende Sendungen werden den Absendern zurückgegeben. Der private Telegraphen= und Fernsprechverkehr zu und von diesem Lande ist ebenfalls eingestellt. * Es wird scharf geschossen! Die Truppen, sowie die weiteren zuständigen Stellen sind erneut darauf hingewiesen worden, daß bei Anschlägen auf Eisenbahnanlagen und Kunstbauten die auf frischer Tat Betroffenen auf der Stelle zu erschießen sind. Die Personen, die sich in verdächtiger Weise derartigen Ankagen nähern, setzen sich also der Gefahr aus, niedergeschossen werden. Die Diakonenanstalt Duisburg hat 120 Diakonen für die Verwundetenpflege bereit und muß, wie der Direktor der Anstalt bekannt macht, noch 300 junge Leute für den Johanniter=Orden zur Verfügung stellen. Die Anstaltsleitung fordert gesunde, christliche Jünglinge, die sich zu Felddiakonen ausbilden lassen wollen, auf, sich zu melden. Auch die Kandidaten der Theologie, Studenten aller Fakultäten, junge Kaufleute und Handwerker sind willkommen. Latisel, in Biarm Feneiinen! Berlin, 7. August. Heute früh haben unsere Truppen Lüttich im Sturm genommen. Der Kaiser hat seinen tanten zum Lustgarten geschickt und dem Publikum die Einnahme bekannt machen lassen. Das Publikum brach in Hochund Hurra=Rufe aus. Die bütticher Forts seit mehreren Wochen von kranzösischen Ollizieren besetzt. Köln, 7. August. In einem hiesigen Hotel hatte sich ein aus Lüttich ausgewiesener Deutscher einlogiert, der bis zur Ausweisung in der Waffenfabrik in Lüttich beschäftigt war. Der Mann versicherte, daß vor mehreren Wochen bereits die Lütticher Forts von französischen Offizieren und Mannschaften besetzt und Geschütze von letzteren bedient wurden unter dem Kommando französischer Offiziere. Auf Veranlassung des Hoteliers wurden diese Feststellungen an zuständiger Stelle bekanntgegeben. Die Freude in Metz über die Einnahme büttichs. Metz, 8. August. Auf die Kunde von der Einnahme Lüttichs durch die Deutschen, ließ der Bürgermeister die Fahne auf dem Stadthause hissen; auch wurde die Kaiserglocke im Dom geläutet. Der Sieger von Sallich dusgezeichhen Berlin, 8. August. Der Kaiser hat dem General der Infanterie Emmich, welcher persönlich den Sturm auf Lüttich leitete, den Orden„pour le merite" verliehen. Montenegro erklärt an Oesterreich den Brieg. Wien, 7. August.(Meldung des Wiener Korrespondenzbüros.) Die montenegrinische Regierung teilte dem österreichisch=ungarischen Gesandten mit, daß sich Montenegro als im Kriegszustand mit Oesterreich= Ungarn befindlich betrachte. Der Gesandte verließ Cetinje. eiserne Kreuz erneuert. Das Eiserne Kreuz ist erneuert! Der Ehrenschmuck, der unseren im Befreiungsjahre 1813, ins Feld ziehenden Vätern als Zierde des Tapferen verheißen wurde, in dessen Zeichen unser tapferes Heer 1870 in neuen, siegreichen Kampf mit dem Erbfeinde zog, soll auch mit den Fahnen von 1914 sein und unsere im Felde stehenden Brüder an die Taten von 13 und 70 mahnen zu gleicher Tapferkeit und zu gleichem Ruhm. Die Errichtung des Kreuzes von schlichtem Eisen geleitete am 10. März 1813 den Aufruf König Friedrich Wilhelms 3. an sein Volk, an alle waffenfähigen Mannschaften. Der Landsturm, in dessen Reihe jeder Preuße, der noch eine Waffe führen konnte, sich drängte, stand auf, um in letzter Not, in letzter Stunde dem Vaterlande die Freiheit wiederzugeben. In seiner Einfachheit und Wertlosigkeit soll der Orden an die schwere eiserne Zeit erinnern, die ihn ins Leben rief. Die Errettung aus schwerer, eiserner Zeit durch den eisernen Willen eines geknechteten, nach Freiheit ringenden Volkes,— das war die Bedeutung des einfachsten und kostbarsten Ehrenzeichens des Preußen. Als es 1870 wiederum galt, dem Erbfeinde entgegenzutreten, nicht mehr, um nur Preußen, sondern um All=Deutschland gegen den übermütigen Feind, der uns die endlich langsam reifenden Fruchte der Befreiungstat von 1813 schmälern wollte, zu verteidigen, da weckte die Erinnerung an jene Tage auch den Gedanken, den das Eiserne Kreuz unseren Vätern verkörperte. Am Tage der französischen Kriegserklärung, am 19. Juli 1870, erneuerte König Wilhelm den Orden, und er geleitete unser Heer von Sieg zu Sieg. Zum dritten Male nun soll sein Gedanke sich bewahren Wieder steht unser ganzes Volk in Waffen an den Grenzen in einem Kampfe, der nicht minder hart und schwer ist, als der, in den unsere Väter von 1813 zogen. Wenige Tage noch, und der Landsturm wird zum Schutze des Vaterlandes unter die Waffen treten, der letzte Mann zu den Fahnen eilen. Das Symbol des Eisernen Kreuzes muß wieder lebendig werden; wir müssen siegen, wir müssen sichern, was unsere Väter in schweren blutigen Kriegen erwarben. Eisern und schwer ist wiederum die Zeit; es gilt für unsere nationale Ehre, für unser Dasein als Volk zu kämpfenMit Gott für König und Vaterland! Von der Grenze. Posen, 7. Aug. Der„Pos. Ztg.“ wird unterm August mitgeteilt, daß die Grenze in ganz Posen von feindlichen Truppen gegenwärtig frei ist. Weiter meldet das Blatt: Es wurden in letzter Zeit Trahtleitungen der Militärverwaltung an verschiedenen Orten der Festung zerschnitten. Es ist nunmehr gelungen, 2 Personen dabei zu ertappen und festzunehmen. Sie wurden vom Kriegsgericht zu je 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Belgien und Frankreich. Rom, 7. Aug. Einer Pariser Meldung zufolge bot Belgien, indem es die Grenzen dem franzüsischen Heere öffnete, Frankreich die Verbrüderung mit den belgischen Truppen an zur [Abwehr gegen Deutschland. Keine Unruhen in Italien. München, 7. Aug. Aus München wird folgendes, mitgeteilt: In der Stadt sind Gerüchte verbreitet, daß Italien gegenwärtig Vorbereitungen treffe, die sich gegen die östereichische Monarchie richten. Diese Gerüchte sind vollständig unwahr und nur geeignet, die Oeffentlichkeit zu beunruhigen. Prinz Friedrich Karl von Hessen. Frankfurt a.., 7. Aug. Prinz Friedrich Karl von Hessen macht den Krieg als Regimentskommandeur mit. Sein Sohn als Leutnant. Dreißig Millionen Franks Kriegsgelder beschlagnahmt. Budapest, 7. Aug. Nach einer Meldung des „Berliner Lokalanzeigers" wurden bei Gran schnellfahrende Autos mit 30 Millionen Goldfranken, die für Rußland bestimmt waren, abgefangen und der Militärbehörde übergeben. Die deutschen Flieger tun ihre Pflicht. Berlin, 7. Aug. Es ist bekannt, daß feindliche Flieger in Luftfahrzeugen innerhalb der deutschen Grenzen gesehen worden sind. Die Bevölkerung kann beruhigt darüber sein, daß unsere eigenen Luftfahrzeuge in derselben energischen Art ihre Pflicht tun werden. Es ist aber dringend geboten, in gleicher Weise wie über alle Truppenbewegungen so auch über unsere Luftflotte strengstes Stillschweigen zu beobachten. Aus diesem Grunde verlautet auch in der Oeffentlichkeit nichts über die Tätigkeit unsere Zeppeline und Flugzeuge. „Friedenszar“ und Duma. Petersburg, 7. Aug.(Meldung der Petersburger Telegraphen=Agentur via Kopenhagen.) Der Zar hat heute den Präsidenten der Duma. Rodsianko, in Audienz empfangen. Vergrabene russische Gewehre. Stettin, 7. Aug. Bei Stargard hat ein Guts. besitzer 20 russische Gewehre auf einem Gutshof eingegraben gefunden. Die Herzogin von Ratibor durch einen Schuß verletzt. Sagan, 8. Aug. Die Herzogin von Ratibor wurde laut„Schles. Ztg.“ auf ihrer Durchreise im Automobil in dem Orte Tschiebsdorf im Kreise Sagan durch einen Schuß verletzt. Das Auto hatte auf den Anruf eines Wachtpostens nicht angehalten, worauf der Posten Feuer gab. zahle ich demjenigen, der mir den Nachweis erbringt, dass ich auf dem hiesigen Wochenmarkt für den Zentner Kartoffeln 15 Mark verlangt hätte und die diesbezügliche Behauptung der„Arbeiter Zeitung“(Nr. 197 vom 4. August) nur irgendwie als richtig nachweist. Der Redakteur dieser Zeitung und auch alle übrigen festgestellten Verleumder werden sich demnächst an anderer Stelle zu verantworten haben. Das Geld ist bei der Castroper Sparkasse unter Nr. 26896 deponiert. Withonn Kartoffel-Handlung on gros. Die Herzogin ist leicht verletzt und befindet sich hier im Krankenhause. Kaiser Franz Josef im Hauptquartier. Wien, 8. Aug. Wie bestimmt verlautet, wird sich Kaiser Franz Josef im Auto zum Hauptquartier in Ungarn begeben. Alle Versuche, ihn zurückzuhalten, sind vergebens gewesen. Kosakenüberfälle. Wien, 8 Aug. Die Russen haben einige Kosakenüberfälle auf die österreichische Grenze versucht, wurden jedoch auf der ganzen Linie zurückgeworfen. Sie zogen ihre Truppen etliche Kilometer landeinwärts zurück, wo sie Feldlagen bezogen. Dänemarks Neutralität. Kopenhagen, 8. Aug. Die Regierung hat vollständige Neutralität in dem Kriege zwischen Oesterreich und Rußland erklärt. England will sein Heer vermehren. London, 8. Aug. Im Unterhause erbat der Premierminister im Namen des Kriegsministers die Vollmacht, die Armee um eine halbe Million zu vermehren. Spionagefurcht in England. London, 8. Aug. Die Polizei hat die von Deutschen bewohnten Häuser durchsucht. In dem Vororte Earlsfield und in anderen Orten Englands wurden zahlreiche Deutsche wegen Verdachts der Spionage verhaftet. Das Oberkommando der englischen Flotte. London, 8. Aug. Admiral Jellicoe wurde zum berkommandierenden der englischen Flotte ernanni. Admiral Madden zum Chef des Marinekeiegsstabes. Der Prinz von Wales bei den Grenadieren. Lundon, 7. Aug. Prinz von Wales ist bei den Grenadieren eingetreten. Die Italiener in Frankreich. Mailand, 7. Aug. Aus Frankreich wurden, wie verlautet, 60000 italienische Arbeiter ausgewiesen, die dem größten Elend preisgegeben sind, da sie ohne Bezahlung entlassen wurden. Viele wanderten zu Fuß nach der Grenze. Die ersten Verwundeten. Frankfurt a.., 8. Aug. Nach dem amtl. Eupener Kreisblatt sind gestern die ersten Verwundeten in Eupen eingetroffen. Deutsche Truppen wurden in dem belgischen Dorfe Soiron von deutschfeindlichen Zivilisten überfallen, wobei angeblich 1 Hauptmann und 15 Mann getötet und 24 verwundet worden sind. Der gefangene Bürgermeister wird vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Elsaß=Lothringens Reichstreue. Straßburg, 8. Aug. Der Andrang von Freiwilligen ist in allen elsaß=lothringischen Garnisonen ungeheuer. Selbst aus den französisch sprechenden Grenzorten liegen Massenanmeldungen zum Waffendienst gegen Frankreich vor. Die Volksstimmung des ganzen Landes ist wie umgewandelt Die von der Regierung nicht bestätigten Bürgermeister der elsässischen Städte wollen, um ihre Treue zu Kaiser und Reich zu beweisen, als Freiwillige mit in den Krieg ziehen. Es liegen bereits von drei nicht bestätigten Bürgermeistern Anmeldungen vor. Die einheimischen Blätter sprechen ausnahmslos die Ueberzeugung aus, daß die verbrecherischen Herausforderungen Frankreichs die letzten Fäden, welche vielleicht noch über die französische Grenze hinüberspielten, zerschnitten haben und der Krieg Elsaß=Lothringen nur noch fester an Deutschland kitten wird. China neutral? Peking, 8. Aug. Wie die Petersburger Telegraphenagentur meldet, habe China seine Neutralität erklärt. Gedrückte Stimmung in Serbien. Wien, 7. Aug. Berichten aus Sofia und Athen zufolge ist die Stimmung unter den Serben niedergedrückt. Viele Serben desertieren In Monastir und in ganz Neuserbien herrscht Ruhe. Die Versorgung der Städte mit Lebensmitteln. Berlin, 7. Aug. Vom siebenten Mobilmachungstage(8. Aug.) einschließlich ab, stehen. zur Versorgung großer Städte mit Lebensmitteln sich täglich zu gleicher Zeit wiederholende Züge im Militärfahrplan zur Verfügung. Die Zugverbindungen werden durch die Linienkommandanturen in der Presse veröffentlicht und an den Bahnhöfen angeschlagen. Die Interessenten haben sich um Auskunft wegen Bereitstellung von Wagenmaterial an die Handels= und Landwirtschaftskammern zu wenden. Der Siegesjubel in Berlin. Berlin, 8. Aug. Der Eindruck, den der Fall von Lüttich auf die Berliner Bevölkerung machte, war unbeschreiblich. Ueberall auf den Straßen und besonders auf den belebten Plätzen bildeten sich Gruppen, die die Siegesnachricht besprachen und in allen Mienen spiegelte sich die feste Zuversicht, daß dies nur der Anfang zu Größerem sei. Das Vertrauen, das man unserer Verwaltung und unserer Armee entgegenbringt ist felsenfest. Im Lustgarten brach das Publikum, als es die Siegesbotschaft erfuhr, in brausende Hochund Hurrarufe aus. Ein General, der mit der Freudenbotschaft aus dem Schlosse kam, stieg auf einen Brunnenrand und teilte dem Publikum die Freudenbotschaft mit. A 1 r r e Geschäfts-Uebernahme. (Kartelfel engres.) Mit dem heutigen Tage übernehme ich das bisher von Herrn Salm in Rauxel, Schulstrasse 11, betriebene Kartoffel en gros Geschült mit Telephon-Anschluss. Da ich früher in dem Geschäft tätig war, mithin das Geschäft sowie die werte Kundschaft durchaus kenne, so ersuche ich höfl., das bisher dem Herrn Salm geschenkte Zutrauen auch auf mich übertragen zu wollen. Für gute Ware, reelle und prompte Bedienung werde bestens Sorge tragen. Mein bisher betriebenes Kartoffelgeschäft in Castrop, Wittenerstr. 165, bleibt gleichfalls bestehen. Achtungsvoll Telephon 185. Amt Castrop. Emil Holdt. Frauen und Jungfrauen, die bereit sind, zum Besten unserer im Felde stehenden Krieger zu nähen und zu stricken, werden freundlichst gebeten, sich Montag, den 10. August, nachmittags von—4 Uhr zur Entgegennahme von Stoff und Garn in dem in der Höheren Mädchenschule eingerichteten Geschäftszimmer einfinden zu wollen. Daterländischer Frauenverein Castrop— Rauxel. Veranntmachung. 1. Seine Durchlaucht der Herr Oberpräsident Prinz von Ratibor und Corvey hat für Westfalen bereits in dankenswertester Weise auf die gänzlich unberechtigte Furcht hingewiesen, daß die Annahme von Reichsbanknoten und Reichskassenscheinen zu Geldverlusten führen könnte. Sollten Geschäfte auch jetzt noch die Annahme diefer gesetzlichen Zahlungsmittel— insbesondere von Reichsbanknoten— verweigern, so werde ich sie sofort polizeilich schließen lassen. Die Polizeiverwaltungen usw. haben entsprechende Mitteilungen der Bürger entgegenzunehmen, zu prüfen und das Ergebnis dem Generalkommando zu melden. Um einen Lebensmittelwucher zu verhindern, werden Höchstpreise für Volksnahrungsmittel festgesetzt, die ich noch bekanntgeben werde. Bedauerlicherweise tritt an vereinzelten Stellen ein nicht zu billigender starker Verbrauch von Alkohol in die Erscheinung. Sollte sich diese Tatsache steigern, so beabsichtige ich, den Verkauf von Alkohol einzuschränken, gebotenenfalls den Branntweinverkauf ganz zu verbieten. 2. Aus volkswirtschaftlichen Gründen habe ich bei den Vorarbeiten für die Mobilmachung von einer Einberufung des Landsturms abgesehen. hoffe zuversichtlich, daß ich von einer solchen Maßnahme überhaupt werde ganz absehen können. Münster, den 3. August 1914. Der kommandierende General des 7. Armeekorps. Vorstehende Bekanntmachung wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Castrop, den 7. August 1914. Der Bürgermeister. Wynen. hiermit Bekanntmachung. Seine Majestät der Kaiser und König haben zu befehlen geruht, daß 1. sämtliche Jäger= und Schützen=Bataillone die Fahnen beim Ausmarsch zurückzulassen haben; 2. von sämtlichen Fahnen und Standarten während der Dauer eines Krieges nur das schwarzsilberne Fahnenband, die s. g. Banderole zu führen. Alle übrigen Bänder und sonstigen unterhalb der Fahnen=pp. spitzen getragenen Auszeichnungen, wie Ordensdekorationen sind den Ersatz=Bataillonen zur sicheren Aufbewahrung zu übergeben. Die zum Schutze der Fahnentücher dienenden baumwollenen= pp. Beutel sind ebenfalls zurückzulassen. gez.: v. Falkenhayn. Castrop, den 7. August 1914. Vorstehendes wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Die Polizei=Verwaltung: Wynen. das hiesige Handelsregister ist am 31. Juli 1914 eingetragen worden: Die in Abteilung A unter Nr. 22 eingetragene in Mengede domizilierte offene Handelsgesellschaft in Firma:„Schulte& Bacher“ ist aufgelöst. Das Geschäft wird unter unveränderter Firma von dem Bantloy in Mengede fortgesihzten. 4t1ich Schulte Königliches Autsgericht in Gastoz. Cand wirte düngt eure Wintersaaten im Herbst bei der Bestellung auch mit dem bewährten schwefelsauren Ammoniak dem bestgeeigneten Stickstoffdüngemittel für die Herbstdüngung. Eine mäßige Gabe von 20—30 Pfund pro Morgen, welche auf die rauhe Furche zu streuen und mit einzueggen ist, wird vollständig ausgenutzt und macht sich reichlich bezahlt. Die Saat wird gekräftigt und bestockt sich gut und ist infolgedessen widerstandsfähiger gegen tierische und pflanzliche Schädlinge, widersteht der Auswinterung besser und bringt bedeuteno höhere Erträge. Schweselsaures Ammoniak ist überall zu haben. Der Preis ist so gestellt, daß die Stickstoffeinheit im schwefels. Ammoniak erheblich billiger ist als im Chilesalpeter. Ausführliche Schriften über Herstellung; Anwendung und Wirkung zu den einzelnen Kulturpflanzen, auch besondere Schriften über die Herbstdüngung der Wintersaaten, sowie Rat und Auskuuft in allen Düngungs= und Wirtschaftsangelegenheiten stets unentgeltlich durch die Landwirtschaftliche Abteilung der Deutschen Ammoniak=Verkaufs=Vereinigung, G. m. b. H. in Bochum, Wittenerstraße 47. A 4 8 ! Ein„Vaterländischer Frauenverein“ ist soeben in Castrop ins Leben gerufen worden; mehr als 200 Frauen und Jungfrauen sind dem Vereine bereits in der Gründungsversammlung beigetreten. Sind schon die Ziele, die der„Vaterländische Frauenverein“ im Frieden zu erreichen sucht, allseitiger Unterstützung wert, so sollte in der schweren Zeit, die unser Volk nunmehr durchmacht, jede deutsche Frau durch ihren Eintritt in den Verein an der Erreichung der Aufgabe mitarbeiten, die der Krieg dem„Vaterländischen Frauenverein“ stellt: der Plege für die verbundeten und erkranhten Krieger. Es ergeht daher an alle dem Vereine noch fernstehenden Frauen die dringende Bitte, recht bald Mitglieder des„Vaterländischen Frauenvereins“ zu werden. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens 1 Mark. Die Vorstandsmitglieder nehmen gerne Anmeldungen und Zuwendungen entgegen. Vaterlanaisoter Trauehierem Gastreg Rausel. Frau Bürgermeister Wynen, I. Vorsitzende, Frau Amtmann von Wehren, II. Vorsitzende, Direktor Dr. Ortmann, Schriftführer u. Kassierer. Ein schwerer, 7jähriger Wallach (gesund u. fehlerfrei) zu verkaufen. P. Mönnich. 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